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Bluthochdruck ist eine stille Krankheit – doch wehe, wenn sie laut wird! Dr. med. Renate Schönenberger-Berzins und Prof. Dr. med. Franz Messerli vom Herzzentrum des Luzerner Kantonsspitals erklären, warum und wie ein diagnostizierter Bluthochdruck (Hypertonie) behandelt werden sollte.
BLUTDRUCK: 140/90 MMHG
– WAS BEDEUTEN DIE ZAHLEN?
Der Blutdruck wird üblicherweise mit zwei Druckwerten in Millimetern Quecksilbersäule (mmHg) angegeben: 1. Der systolische Wert – hier 140 mmHg – gibt den höchsten Druck an, der in den Gefässen herrscht, wenn der Herzmuskel maximal angespannt ist und das Blut mit aller Kraft in den Körper pumpt. 2. Der diastolische Wert – hier 90 mmHg – gibt den niedrigsten Druck in den Gefässen an, der direkt vor der nächsten Anspannung (Kontraktion) des Herzmuskels besteht. Zu diesem Zeitpunkt ist der Herzmuskel entspannt und das Herz mit Blut gefüllt.
Messerli: Es gibt keinen Bluthochdruck, der sich nicht behandeln lässt. Sobald ein Bluthochdruck erkannt wird, muss er behandelt werden. Schönenberger-Berzins: Wir haben gute Medikamente, um einen zu hohen Blutdruck so einzustellen, dass das Risiko von Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenschwäche und Demenz deutlich tiefer liegt als ohne Behandlung. Der Erfolg der Behandlung hängt jedoch davon ab, ob die Patient:innen die gewählte Therapie befolgen. Es gibt verschiedene Wirkstoffklassen. In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass Kalziumantagonisten, Sartane (Angiotensin-II-Rezeptorblocker), ACE-Hemmer und Diuretika kardiovaskuläre Endpunkte wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Tod senken. Die Wirkstoffe können einzeln oder kombiniert verabreicht werden. Kombinationspräparate haben den grossen Vorteil, dass wir mit weniger Tabletten den gleichen Effekt erzielen können.
BLUTDRUCK RICHTIG MESSEN: SO GEHT’S! Zum Blutdruckmessen setzen Sie sich auf einen Stuhl mit Armlehne, legen Sie Ihren Arm auf den Tisch. Der Arm sollte etwa auf Herzhöhe liegen. Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich. Warten Sie einige Minuten und messen Sie dann Ihren Blutdruck. Während des Messens sollten Sie still sitzen und nicht sprechen. Messen Sie dann den Blutdruck dreimal hintereinander, verwerfen Sie die erste Messung und berechnen Sie den Mittelwert aus der zweiten und dritten Messung.
Dr. med. Renate SchönenbergerBerzins Oberärztin mbF Kardiologie, Herzzentrum, Luzerner Kantonsspital, Leiterin Hypertonie ESH Hypertension Specialist
FOTO : LU Z ER N ER K A N TO N S S P I TA L
Text D oreen Brumme
wehe, wenn der Blutdruck «laut» wird und es zu Schlaganfall, Schönenberger-Berzins: Von Herzinfarkt und Nierenschwäche hohem Blutdruck spricht man bei gekommen ist. Ausserdem fördert Werten ab 140/90 mmHg. ein Bluthochdruck die EntwickMesserli: Bei Bluthochdruck ist lung einer Demenz. der Druck des Blutes auf die Wände der Gefässe des Herz-Kreislauf- Wie kommt es zu BluthochSystems erhöht, und dies schadet druck? auf Dauer den Gefässen. Die Schönenberger-Berzins: Bei Diagnose Bluthochdruck steht, einem Grossteil der Personen wenn der korrekt gemessene Blut- kommt es zu Blutdruckerhöhung druck an zwei unterschiedlichen im Alter durch eine zunehmende Tagen 140/90 mmHg und höher Gefässsteifigkeit. Bei anderen ist. Ziel sollte ein Blutdruck unter Personen spielen weitere Fak130/80 mmHg sein. toren eine Rolle, wie das ÜberSchönenberger-Berzins: gewicht, Nieren- und hormonelle Bluthochdruck ist weit verbreitet. Erkrankungen. Auch übermäsIn der Allgemeinbevölkerung siger Salz- und Alkoholkonsum haben bei den 60-Jährigen ca. sowie ungesunder Lebensstil mit 60 Prozent und bei 80-Jährigen wenig Bewegung haben einen ca. 80 Prozent einen hohen ungünstigen Einfluss auf den Blutdruck. Blutdruck. Nikotin wie auch Messerli: Weltweit ist er die Cholesterin können die Blutgehäufigste Todesursache. fässe unabhängig vom Blutdruck Schönenberger-Berzins: Er direkt schädigen. ist eine «stille» Krankheit, die sich unbemerkt einschleicht. Der Wie behandeln Sie BluthochKörper gewöhnt sich daran. Doch druck?
FOTO : LU Z ER N ER K A N TO N S S P I TA L
Was ist Bluthochdruck und welche Risiken birgt er?
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Franz Messerli Medecin Adjoint Kardiologie, Herzzentrum, Luzerner Kantonsspital