EINE THEMENZEITUNG VON MEDIAPLANET
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FASZINATION GEHIRN Neuropsychologe Prof. Dr. Lutz Jäncke über die Kraft der Musik und unser wandelbares Gehirn Seite 03
NICHT VERPASSEN:
Migräne ist mehr als Kopfschmerz
Was nachts im Kopf passiert
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Prof. Dr. med. Andreas Gantenbein klärt auf
Prof. Dr. Antoine Adamantidis, Ph.D. und Dr. med. Tifenn Raffray im Interview
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Wie unser Gehirn uns formt
2 | Lesen Sie mehr unter dergesundheitsratgeber.ch VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser
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Nicole Schütz, BSc MA Project Manager Mediaplanet GmbH
Dr. phil. Martina Hoffmann Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP
Project Manager: Nicole Schütz, BSc MA Business Developer: Julia Stempfer, MA Lektorat: Sophie Müller, MA Grafik und Layout: Juraj Príkopa Managing Director: Bob Roemké Fotocredits: wenn nicht anders angegeben bei Shutterstock Medieninhaber: Mediaplanet GmbH, Bösendorferstraße 4/23 · 1010 Wien · ATU 4759844 · FN 322799f FG Wien Impressum: mediaplanet.com/at/impressum/ Distribution: Medienart Annabelle AG Druck: AVD GOLDACH AG Kontakt bei Mediaplanet: Tel.: +43 676847785227 E-Mail: hello-austria@mediaplanet.com
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«Wer bin ich?» Diese Frage begleitet uns eigentlich ein Leben lang, denn Veränderung ist dem Leben immanent. Wir entwickeln uns weiter, entdecken neue Facetten. Die Antworten auf die Frage nach dem eigenen Ich wandeln sich damit fortlaufend. Unser Gehirn ist dabei Drehund Angelpunkt unserer Wahrnehmung und unseres Handelns, die letztlich die Persönlichkeit ausmachen. Es erstellt laufend eine innere Landkarte von unseren Erfahrungen und Erlebnissen und baut daraus ein inneres Bild von uns selbst. Identität lebt aber auch von unseren Erinnerungen. Wenn Gedächtnisnetzwerke, wie zum Beispiel bei gewissen Gedächtniserkrankungen oder Epilepsien, beschädigt werden, können Informationen über das eigene Erleben nicht mehr richtig eingespeichert werden und die Lebensgeschichte verblasst. Wir verlieren nicht nur Fakten, sondern den Bezug zum Fundament unserer Persönlichkeit. Während uns die Frage «Wer bin ich?» oftmals eher unbewusst begleitet, stellt sie sich umso eindringlicher in Momenten, in denen das gewohnte Leben zum Beispiel durch eine Hirnverletzung oder eine neurologische Diagnose aus den Fugen gerät. Bisherige Träume können zerplatzen, Lebensentwürfe werden brüchig und gewohnte Rollen müssen häufig neu
gedacht werden. Die Frage nach dem Ich stellt sich dabei besonders schmerzhaft, wenn Erkrankungen des Gehirns Verhaltensweisen hervorrufen, die einem selbst fremd sind. In der Begleitung von Menschen mit einer Hirnverletzung oder Funktionsstörung geht es deshalb immer wieder darum, den Blick zu weiten. Ein Mensch besteht aus vielen Facetten. Der Schritt von einem starren «So bin ich» zu einem befreienden «Ich bin voller Facetten» kann wichtige Räume öffnen. Ein Handicap ist dabei immer lediglich ein Aspekt des Selbst, einer, den es sich lohnt zu sehen, zu beachten und zu integrieren, der aber nicht über allem steht. Die aktuelle Ausgabe widmet sich ganz dieser spurenreichen Frage und beleuchtet, wie eng Gehirn, Identität und Wohlbefinden miteinander verwoben sind. Neben Fragen zum Gedächtnis greift dieses Heft Themen wie Migräne, Schlaf, Demenz, Epilepsie und Burn-out auf. Auf diese Weise soll die Kampagne das gesellschaftliche Bewusstsein für psychische Gesundheit stärken und einen Beitrag zur Entstigmatisierung psychischer und neurologischer Erkrankungen leisten. Denn Verstehen ist der erste Schritt zur Akzeptanz – für uns selbst und für unser Gegenüber.
MEDIAPLANET | 3 COVERSTORY
«Ohne Hirnaktivität passiert bei uns nichts» Was macht uns eigentlich zu dem, was wir sind – und wie viel davon lässt sich mit der Funktionsweise unseres Gehirns erklären? Der Neuropsychologe und kognitive Neurowissenschaftler Prof. Dr. Lutz Jäncke erforscht seit Jahrzehnten, wie formbar unser Gehirn wirklich ist. Im Interview spricht er über die prägende Kraft der Musik und darüber, warum Lernen in jedem Alter möglich bleibt.
Unser gesamtes Denken, Fühlen und Handeln wird von unserem Gehirn gesteuert und generiert. Ohne Hirnaktivität passiert bei uns nichts. Überspitzt formuliert bedeutet das, dass sogar Liebe, Drama und Wahnsinn alles Phänomene sind, die von unserem Gehirn generiert werden. Für uns Neurowissenschaftler gibt es keine Seele, die ausserhalb des Gehirns existiert und dann auf das Gehirn einwirkt. Auch unser Bewusstsein ist ein Epiphänomen unserer Gehirnaktivität. Natürlich wird das Gehirn ein Leben lang durch individuelle Erfahrungen gefüttert. Da es mit diesen Informationen ständig ein Weltmodell (ein individuelles, wohlgemerkt) berechnet, ergeben sich daraus individuelle Sichtweisen des Lebens. Das macht dann unsere Individualität aus.
Ist unser Gehirn eher ein festes Fundament, das früh geprägt wird, oder ein lebenslanges Baustellenprojekt, das sich ständig neu formt? Das Gehirn ist grundsätzlich plastisch angelegt. Vor allem der gross gewordene Neokortex ist enorm lernfähig. Natürlich ist die Plastizität des Gehirns zu Beginn des Lebens besonders stark ausgeprägt, aber sie nimmt im Verlauf des Lebens nicht ab. Überspitzt
formuliere ich das manchmal so: Bis circa 20 Minuten bevor wir sterben, kann das Gehirn noch neue Informationen aufnehmen und im Gedächtnis abspeichern. Hintergrund dieser Aussage ist, dass die Neurone ungefähr 20 Minuten benötigen, um neue Dendriten auszubilden, um dann die synaptischen Kontakte zu verbessern.
Sie haben gerade zwei Bücher zum Thema Musik veröffentlicht. Was macht Musik aus neuropsychologischer Sicht so besonders, dass sie gleich mehrere Bücher wert ist? Musik ist ein Beispiel für die besonderen kulturellen Leistungen, die der Mensch hervorgebracht hat. Um zu musizieren und zu komponieren, benötigt man die Fähigkeit des rekursiven Denkens (eine Art des rückgekoppelten Denkens). Ausserdem ist Musik eine spezielle Form der Kommunikation zwischen Menschen. Mit der Musik können wir Gruppen synchronisieren, also in die gleiche Stimmung versetzen und zu gleichen Handlungen veranlassen, und wir können uns wunderschöne Gefühle schenken.
Verändert Musizieren – oder auch nur regelmässiges Musikhören – tatsächlich messbar unser Gehirn? Und profitieren davon auch Menschen, die erst im Erwachsenenalter damit anfangen? Natürlich. Musizieren verändert genau jene Hirngebiete, die die
neuronalen Netzwerke enthalten, die für das Hören und Behalten von Musik sowie für das Musizieren verantwortlich sind. Diese Veränderungen sind sowohl neuroanatomisch nachweisbar (also die Hardware) als auch neurophysiologisch (also die Software). Im Prinzip gilt die Regel, je früher man mit dem Musiktraining beginnt, desto ausgeprägter sind die Veränderungen. Man kann auch im Erwachsenenalter erfolgreich lernen, ein Musikinstrument zu spielen. Das ist ohne Probleme möglich. Auch hierbei wird es anatomische und neurophysiologische Veränderungen im Gehirn geben.
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Herr Prof. Jäncke, wenn wir fragen, was uns zu dem macht, was wir sind: Wie viel davon spielt sich tatsächlich in unserem Gehirn ab, und wie viel ist Umwelt, Erfahrung, Zufall?
Prof. Dr. Lutz Jäncke Neuropsychologe und kognitiver Neurowissenschaftler
Gibt es so etwas wie einen «Trainingseffekt» fürs Gehirn, und können wir unsere Lernfähigkeit in jedem Alter noch gezielt verbessern? Die Grundregel ist recht einfach auf den Punkt zu bringen: Wiederholen ist die Mutter des Lernens. Unser Gehirn benötigt Training und Übung. Jede psychische Funktion, die wir häufig üben, stärkt im Prinzip jene neuronalen Netze, die die geübte Funktion kontrollieren. Die besten Anti-Aging-Ratschläge, die ich als Neurowissenschaftler geben kann, sind folgende: kognitive Aktivität, soziale Aktivität und körperliche Aktivität bis ins hohe Alter. Zudem müssen Sie Ihren Blutdruck und gegebenenfalls den Lesen Sie mehr unter Diabetes in den Griff bekomwww.lutzjaencke.ch men.
4 | Lesen Sie mehr unter dergesundheitsratgeber.ch EXPERTISE
Migräne ist mehr als Kopfschmerz In der Schweiz leidet rund jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann an Migräne. Die Symptome können gravierend sein, doch die Betroffenen erleben im Alltag oft wenig Verständnis für diese unsichtbare Erkrankung.
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igräne ist keine «Tablette rein und weiter geht’s»-Angelegenheit. Eine Attacke kann mit starker Reizüberempfindlichkeit (Licht, Lärm, Gerüche, Bewegung), Übelkeit und Erbrechen und bei etwa jeder oder jedem fünften Betroffenen auch mit passageren neurologiProf. Dr. med. Andreas schen Ausfällen wie Seh- oder Gantenbein Fühlstörungen einhergehen. Past-Präsident der Meist setzt die Krankheit die LeidSchweizerischen Kopfwehgesellschaft tragenden für mehrere Stunden Facharzt Neurobis Tage ausser Gefecht. Im logie Neurologie am Berufsleben führt das zu einem Untertor Bülach & schwierigen Balanceakt zwischen ZURZACH Care dem Wunsch, leistungsfähig zu bleiben, und der Notwendigkeit, dem Körper Erholung zuzugestehen. Es entsteht ein Rechtfertigungsgefühl – nicht selten
verstärkt durch das hartnäckige Vorurteil, Migräne sei «nur» ein Kopfschmerz. Nein, es ist eine ernst zu nehmende neurologische Erkrankung mit erheblicher Krankheitslast, auch zwischen den Attacken. Glücklicherweise hat die Mehrheit höchstens ein bis zwei Migränetage pro Monat. Laut Weltgesundheitsorganisation gehört die Migräne jedoch zu den führenden Ursachen für Lebensjahre mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter. Umso wichtiger ist eine strukturierte, individuell abgestimmte Behandlung: von der Akuttherapie über migränespezifische Prophylaxe bis hin zu nichtmedikamentösen Optionen wie körperlicher Aktivität, Entspannungsverfahren oder
auch verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Wer unter Migräne leidet, trägt keine Schwäche in sich, sondern lebt mit einer komplexen neurologischen Besonderheit, die das Gehirn auf eine bestimmte Weise auf innere und äussere Reize reagieren lässt. Es sollte möglich sein, das Gespräch mit den Vorgesetzten zu suchen. Mehr Offenheit am Arbeitsplatz, eine reizarme Umgebung, flexible Arbeitsmodelle bei Bedarf und ein Ende der Stigmatisierung würden vielen Betroffenen helfen, ihre Mehr Infos unter: Erkrankung zu bewältigen, ohne www.headache.ch sich dafür rechtfertigen zu müssen. Denn eine Diagnose prägt einen Menschen. Sie definiert ihn nicht.
MEDIAPLANET | 5 INTERVIEW
«Was tags stresst, stresst auch nachts»
Das sagt der Vorsitzende des Netzwerks Schlaf Schweiz, Prof. Dr. Björn Rasch von der Universität Freiburg. Im Interview erklärt er, wie Gedanken, Erwartungen und Emotionen den Schlaf beeinflussen. FOTO : W ER N ER T S C H A N
Prof. Dr. rer. nat. Björn Rasch Vorsitzender des Netzwerks Schlaf Schweiz
Wie beeinflusst das, was wir tagsüber denken und fühlen, den Nachtschlaf? Alles, was am Tag passiert, nehmen wir in die Nacht mit: Wer tags angespannt, besorgt oder gestresst ist, ist dies auch nachts. Denn in der Nacht verarbeitet das Gehirn den Tag. Das Wachbewusstsein ist weitgehend abgeschaltet, doch das bedeutet nicht, dass das Gehirn nicht denkt. Hirnmessungen zeigen, dass der nächtliche Energieverbrauch des Gehirns dem nahekommt, der tags anfällt. Das heisst, Gedanken, Erwartungen und Gefühle, positive wie negative, können den Schlaf stören. Wer davon aufwacht, schläft oft schwerer wieder ein.
Falsche Erwartungen an den Schlaf gelten als unterschätzter Störfaktor. Wie sehr macht der Kopf den Schlaf kaputt? Die Erwartung an den Schlaf setzt eine Norm, die zu erreichen
enormen Druck macht. Denn der eingebaute Wächter im Gehirn wird damit in seinem Überwachen noch bestärkt. Er prüft andauernd, ob alle Bedingungen für guten Schlaf erfüllt sind, und lässt uns gar nicht erst zur Ruhe kommen. Wenn wir dann vor lauter Unruhe öfter als die normalen 20 bis 25 Male pro Nacht aufwachen, stresst der Wächter: «Oh nein, du bist aufgewacht! Du musst doch schlafen!»
nächtlichen Schlafphase profitieren, leiden.
Sie forschen auch zu Hypnose und Schlaf: Was kann Hypnose für Schlaf tun? Als Methode der Aufmerksamkeitsfokussierung nach innen kann sie helfen, unseren Fokus auf neue Bilder (Ideen, Erwartungen) zu richten.
Was ist Ihr bester Tipp für Menschen, die nachts nicht abschalWas meinen Sie damit, dass das ten können? Wichtigste ist, dem Schlaf aus- Hier gilt tatsächlich: Weniger ist mehr. Wenn organisch alles in reichend Zeit einzuräumen? Wir wissen heute, dass ausreichend Schlaf für jede:n eine andere Zeitspanne bedeutet. Und diesem individuellen Schlafbedürfnis muss ausreichend Zeit eingeräumt werden. Was passiert, wenn wir dem Schlaf diese Zeit nicht gönnen? Dann fehlt es dem Gehirn an Erholung. Und viele der biologischen Systeme, die von der
Ordnung ist, ist es besonders effektiv, weniger Zeit im Bett zu verbringen. Wer nachts oft und lange wach liegt, sollte also nicht noch früher ins Bett gehen, sondern eher später, um den persönlichen Schlafdruck zu erhöhen.
6 | Lesen Sie mehr unter dergesundheitsratgeber.ch PUBLIREPORTAGE FOTO S : R EM O N EU H AU S , B ER N
Manchmal ist Luxus, dass nichts passiert Im Hotel Spitzhorn in Saanen wird «Die Leichtigkeit des Seins» zum Programm. Für Gastgeber Michel Wichman ist das weit mehr als ein Marketinggedanke: Er möchte einen Ort schaffen, an dem Gäste Abstand vom Alltag gewinnen und zur Ruhe kommen können. Was das Saanenland dafür bietet, wie er selbst mit dem Tempo der Hotellerie umgeht und was für ihn echten Luxus ausmacht, erzählt er im Interview. Ihr Leitspruch lautet «Die Leich- Marketingverantwortlichen. Damals war es wichtig, einen tigkeit des Seins». Das klingt Gedanken zu formulieren, der für nach Philosophie, nicht nach Hotellerie. Was steckt dahinter? mich einen bewussten Gegenpol Für mich ist «Die Leichtigkeit des Seins» mehr als ein Leitspruch. Der Satz hat eine persönliche Geschichte. Nach meiner intensiven Zeit im Hotel Bellevue in Gstaad, wo ich nach zehn Jahren aufgrund interner Machtkämpfe plötzlich freigestellt wurde, entstand dieser Leitspruch gemeinText Doreen Brumme sam mit meinem damaligen
zu dieser Erfahrung darstellt. Es geht bei dem Motto nicht um Oberflächlichkeit oder darum, schwierige Situationen auszublenden. Im Gegenteil: Für mich bedeutet Leichtigkeit, auch nach schwierigen Erfahrungen wieder den eigenen Weg zu finden, sich nicht dauerhaft von Konflikten und äusseren Umständen bestimmen zu lassen und den Blick nach
vorne zu richten. «Die Leichtigkeit des Seins» ist deshalb weniger ein Marketingslogan als vielmehr eine Haltung, die aus einer sehr konkreten persönlichen Erfahrung entstanden ist und mich bis heute begleitet.
Menschen kommen ins Spitzhorn und lassen laut Ihrer eigenen Beschreibung «Eile und Hektik des Alltags hinter sich». Woran erkennen Sie, dass jemand wirklich angekommen ist?
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Michel Wichman Gastgeber, Pächter und Autor, Hotel Spitzhorn, Saanen BE
Viele unserer Gäste bringen ihren Alltag zunächst mit ins Hotel. Man merkt es manchmal schon bei der Ankunft: Der Blick geht noch aufs Telefon, der nächste Termin ist gedanklich präsent. Der Körper ist bereits in Saanen, der Kopf noch nicht unbedingt. Doch dann verändert sich etwas. Das Tempo wird langsamer, der Blick geht aus dem Fenster in die Berge, man sitzt länger beim Essen und führt Gespräche, ohne ständig auf die Uhr zu schauen. Wir sind kein Fünf-Sterne-Superior-Haus, sondern ein Drei-Sterne-Superior-Hotel mit Vier-Sterne-Infrastruktur in einer Fünf-Sterne-Umgebung. Für mich ist Luxus ohnehin weniger eine Frage von Sternen oder materiellen Dingen als vielmehr von Zeit und dem, was mehr ist, als man erwartet. Wenn unsere Gäste im Laufe ihres Aufenthalts wieder zur Ruhe kommen, die Natur bewusst wahrnehmen und den Moment geniessen, haben wir viel erreicht.
Gleichzeitig geht es in der Hotellerie um etwas, das über die Umgebung hinausgeht: um das Gefühl, das wir einem Menschen vermitteln. Ein Gast erinnert sich vielleicht nicht mehr an alle Einzelheiten. Aber er erinnert sich sehr lange daran, wie er sich bei uns gefühlt hat. Dieses Gefühl bleibt.
Sie führen ein Hotel, das auf Entschleunigung setzt – in einer Branche, die Dauererreichbarkeit, Umsatzdruck und Personalknappheit kennt. Wie schützen Sie Ihr eigenes Gehirn vor dem, wogegen Ihr Haus ein Gegenmittel sein soll?
Das ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Fragen, denn natürlich bin auch ich Teil dieser beschleunigten Welt. Ein Hotel schläft nie wirklich. Es gibt Gäste, Mitarbeitende, Lieferanten, Zahlen und jeden Tag Situationen, die nicht im Kalender stehen. Unser Ansatz ist deshalb bewusst: Wir wollen nicht immer mehr, sondern das Beste aus dem Wesentlichen machen. Qualität Neurologen sagen, das Gehirn steht für uns klar vor Quantität. braucht echte Pausen zum Re- Das gilt für unser Angebot ebenso wie für unser Team. generieren – nicht Ablenkung, Persönlich versuche ich, nicht sondern Stille. Was bietet das jede Dringlichkeit automatisch zu Saanenland dem Gehirn, das ein Wellnesstempel in der Stadt meiner eigenen zu machen. Verantwortung bedeutet nicht, alles nicht kann? Das Saanenland bietet etwas, selbst zu erledigen oder jederzeit das heute unglaublich wertvoll verfügbar zu sein. Vertrauen, geworden ist: Raum. Raum für klare Prioritäten und die richtigen den Blick, für Bewegung, für Ruhe Menschen um sich herum schafund letztlich auch für die eigenen fen Raum für das Wesentliche. Gedanken. Berge, Wiesen, Wald, Weite und frische Luft – eine Burn-out ist heute fast ein MoUmgebung, die nichts von einem dewort – und gleichzeitig ernst verlangt. zu nehmen. Erleben Sie die Natürlich können WellnessMenschen heute erschöpfter als angebote wunderbar sein. Aber früher? echte Erholung lässt sich meiner Ich wäre vorsichtig mit dem Meinung nach nicht einfach Begriff Burn-out, weil dahinter konsumieren. Manchmal besteht echtes Leiden stehen kann und Luxus gerade darin, dass nichts die Diagnose in professionelle passiert: ein Spaziergang ohne Hände gehört. Was wir als GastgeZiel, auf einer Bank sitzen oder ber aber durchaus wahrnehmen, einfach die Berge anschauen, die ist eine grosse Sehnsucht nach sich überhaupt nicht dafür inteRuhe. ressieren, wie voll unser TerminViele Menschen kommen heute kalender ist. mit einer permanenten inneren Die Natur relativiert vieles. Betriebsamkeit zu uns. Selbst Und vielleicht beginnt genau dort in der Freizeit soll noch etwas Entschleunigung. passieren: Man möchte etwas
erleben, dokumentieren, beantworten, teilen oder optimieren. Wir haben unglaublich viele Möglichkeiten gewonnen – aber möglicherweise die Fähigkeit verloren, nicht jede davon nutzen zu müssen. Ich glaube deshalb nicht unbedingt, dass die Menschen weniger belastbar geworden sind. Die Welt ist einfach sehr viel stärker in unseren Alltag eingedrungen. Durch das Smartphone tragen wir Arbeit, Nachrichten, Erwartungen und die Leben anderer Menschen permanent mit uns herum. Umso wertvoller werden Orte und Momente, in denen wir wieder merken: Ich muss gerade niemandem etwas beweisen. Ich darf einfach hier sein.
Wenn Sie einem Gast, der wirklich am Limit ist, nur einen einzigen Rat geben dürften – nicht als Hotelier, sondern als Mensch: Welcher wäre das? Nimm dich selbst wieder ernst. Wer am Limit ist, braucht nicht unbedingt den nächsten guten Vorsatz, das nächste Wellnessprogramm oder noch mehr Selbstoptimierung. Manchmal braucht es vielmehr den Mut, sich einzugestehen: So geht es für mich nicht weiter. Wir sind oft sehr aufmerksam gegenüber den Bedürfnissen anderer und gleichzeitig erstaunlich gut darin, unsere eigenen Warnsignale zu überhören. Als Gastgeber kann ich niemandem versprechen, dass ein paar Tage in den Bergen die Probleme des Alltags lösen. Das wäre nicht seriös. Aber wir können einen Ort schaffen, an dem Abstand möglich wird und man wieder Zeit für sich selbst findet. Vielleicht ist das ein guter erster Schritt: sich selbst eine Pause zu erlauben, bevor der Körper oder der Kopf sie erzwingt. Die «Leichtigkeit des Seins» bedeutet für mich deshalb nicht, vor dem Alltag davonzulaufen. Sie bedeutet, für einen Moment Abstand zu gewinnen, wieder auf sich selbst zu hören und vielleicht mit etwas mehr Klarheit zurückzukehren.
8 | Lesen Sie mehr unter dergesundheitsratgeber.ch INSIGHT
«Alzheimer beginnt lange vor den ersten Symptomen» Demenz gehört zu den grossen medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Doch was genau passiert eigentlich im Gehirn, wenn eine Demenz entsteht, und wie nah ist die Forschung daran, frühzeitiger eingreifen zu können? Ein Gespräch mit dem Arzt und Demenzforscher Prof. Dr. Dr. Marc Aurel Busche. FOTO : M A R C AU R EL B U S C H E
Prof. Dr. Dr. med. Marc Aurel Busche Departementsleiter und Chefarzt demenzielle Erkrankungen der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER
Herr Prof. Busche, was passiert im Gehirn, wenn eine Alzheimer-Erkrankung oder eine andere Form von Demenz entsteht, und warum treten sichtbare Symptome oft erst spät auf? Wenn die ersten Gedächtnisprobleme auftreten, hat Alzheimer das Gehirn oft schon über viele Jahre verändert. Krankhafte Formen der Eiweisse Amyloid-beta und Tau stören die Kommunikation zwischen Nervenzellen. Im Verlauf gehen auch Verbindungen und Nervenzellen verloren. Das Gehirn kann diese Veränderungen zunächst teilweise ausgleichen. Das erklärt warum Beschwerden oft erst spät auffallen.
Ein Teil Ihrer Forschung beschäftigt sich damit, wie bestimmte Veränderungen im
Gehirn schon lange vor den ersten spürbaren Symptomen die Nervenzellen aus dem Takt bringen. Was ist daran neu gegenüber dem, was man bisher über Alzheimer wusste? Eine Nervenzelle kann noch leben und trotzdem ihre Aufgabe im Gedächtnis nicht mehr richtig erfüllen. Wir konnten zeigen, wie krankhafte Formen von Amyloid-beta und Tau die Aktivität von Nervenzellen stören. Manche Zellen werden überaktiv, andere reagieren kaum noch. Dadurch gerät die Verarbeitung von Informationen durcheinander. Entscheidend ist, dass wir in experimentellen Modellen bestimmte dieser Störungen rückgängig machen konnten. Das eröffnet die Aussicht, noch vorhandene Nervenzellen wieder besser arbeiten zu lassen. Ob das
auch bei Menschen mit Alzheimer gelingt, müssen klinische Studien zeigen. Unser Ziel ist, auf diesem Weg Gedächtnisleistungen zu erhalten und möglicherweise sogar zurückzugewinnen.
Wie nah ist die Forschung daran, aus diesen frühen Mechanismen tatsächlich neue Behandlungsansätze zu entwickeln? Der Ansatz, überaktive Nervenzellen zu dämpfen, wird bereits in klinischen Studien geprüft. Darin konnten ausgewählte Menschen mit Alzheimer unter einer solchen Behandlung einzelne Gedächtnisaufgaben tatsächlich besser lösen. Wir wollen nun genauer verstehen, welche Menschen besonders profitieren, und die Behandlung gezielt weiterentwickeln.
MEDIAPLANET | 9 EXPERTISE
«Nicht Leidenschaft macht krank, sondern ihre Entgrenzung»
Engagement und Leistungsbereitschaft können zu einer Falle werden, wenn Erholung und Selbstfürsorge auf der Strecke bleiben. Dr. Sebastian Haas, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt, wie Burn-out entsteht, welche Warnsignale ernst genommen werden sollten und wann professionelle Hilfe nötig ist. FOTO : P R I VAT K L I N I K H O H EN EG G
Wie kommt es zu einem Burn-out, und Energie – und dass genau das sie krank und welche professionelle Hilfe hilft welche wichtigen Warnsignale gibt es? gemacht hat. Wie erklären Sie das? wirklich?
Burn-out entsteht schleichend: Chronischer Arbeitsstress trifft auf zu wenig Erholung und Ressourcen – oft verstärkt durch Perfektionismus oder den Anspruch, immer funktionieren zu müssen. Der Körper ist dabei ein Seismograf: Nicht erholsamer Schlaf, Müdigkeit oder Schmerzen zeigen Dr. med. Sebastian sich oft vor Konzentrationsabfall, Haas Präsident des Reizbarkeit, Rückzug und Zynismus. Schweizer ExpertenWir übersehen diese Anzeichen, weil netzwerks für BurnEngagement Anerkennung bringt und out sowie Facharzt für Psychiatrie und Körpersignale übersteuert werden. Psychotherapie an der Privatklinik Hohenegg (Leiter Schwerpunkt Burnout und Belastungskrisen)
Viele Menschen definieren sich über ihre Leistungsfähigkeit und ihre Produktivität. Von Burn-out Betroffene beschreiben häufig, dass sie leidenschaftlich und engagiert waren, voller
Nicht Leidenschaft macht krank, sondern ihre Entgrenzung. Stärken werden riskant, wenn der Selbstwert fast nur noch von Leistung abhängt: Selbstfürsorge kippt in Selbstausbeutung. «Functional Freeze» beschreibt populär, wie Menschen nach aussen funktionieren, sich innerlich aber leer, erstarrt oder vom Körper abgeschnitten erleben. Der Begriff ist keine Diagnose; Depressionen oder Traumafolgen müssen abgegrenzt werden. Burn-out ist auch keine Charakterfrage – Arbeitsmenge, Führung und Teamkultur wirken mit.
Wann ist der Moment, in dem professionelle Hilfe nicht mehr optional ist, sondern notwendig? Was ist der erste Schritt, den man gehen muss,
Wenn die Seele aus dem Gleichgewicht gerät
Die Privatklinik Hohenegg am Zürichsee begleitet Menschen in psychischen Krisen – mit spezialisierten Angeboten bei Depression, Burnout, Angst und psychosomatischen Erkrankungen. Begleitung auf Augenhöhe Das Hohenegg-Kontextmodell™ stellt die therapeutische Beziehung ins Zentrum: Jede:r Patient:in bringt die Expertise für das eigene Leben mit – die Klinik ihre Fachkompetenz. Gemeinsam werden individuelle Therapieziele erarbeitet, die alle Beteiligten kennen und verfolgen.
Die Psyche am Limit Ob Burn-out, Depression, Angst oder Psychosomatik – in der Hohenegg wird nicht nur die Krise behandelt. Gemeinsam mit den Betroffenen wird der Frage nachgegangen: Was trägt zu meiner Situation bei? Und was muss sich verändern, damit es mir langfristig besser geht? Das Text Doreen Brumme braucht Zeit, Vertrauen – und
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Mit freundlicher Unterstützung von Privatklinik Hohenegg
Hilfe ist notwendig, wenn Erholung nicht mehr trägt, das Funktionsniveau sinkt oder Schlafstörungen, körperliche Beschwerden, Angst, depressive Stimmung, Substanzkonsum oder Fehler zunehmen. Bei Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken braucht es sofort eine klinische Einschätzung. Der erste Schritt: sich jemandem anvertrauen und die Hausärztin oder den Hausarzt, eine Psychiaterin oder einen Psychiater beziehungsweise eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten kontaktieren. Wirksam ist die Kombination aus medizinischer Abklärung, Entlastung, Psychotherapie und Veränderungen am Arbeitsplatz – mit dem Ziel nachhaltiger Selbstfürsorge statt Selbstausbeutung.
Die Privatklinik Hohenegg oberhalb des Zürichsees
einen sicheren Ort.
Ein Ort, der Raum gibt Die Klinik liegt oberhalb des Zürichsees – abseits vom Alltag, der viele Patient:innen stark beansprucht hat. Dieser geschützte Rahmen unterstützt den therapeutischen Prozess: Wer Abstand von äusseren Anforderungen gewinnt, kann sich leichter auf sich selbst und die eigene Situation konzentrieren.
Innen und aussen ins Gleichgewicht bringen Die Behandlung nimmt beide Ebenen in den Blick: aussen die Gestaltung von Beziehungen, Alltag, Freizeit und persönlichen Freiräumen; innen eine selbstfürsorgliche Haltung, die langfristig
trägt. Psychotherapeutische und medizinische Behandlung werden mit körper-, bewegungs- und kreativtherapeutischen Angeboten sowie Biofeedback verbunden.
Der Weg zurück in den Alltag beginnt hier Die Rückkehr in den Alltag wird bereits während des Aufenthalts vorbereitet. Die Klinik begleitet Betroffene, Werte und Prioritäten neu auszurichten, Grenzen zu setzen und Raum für Kreativität und Genuss zurückzugewinnen – für mehr Stabilität und Lebensqualität im Alltag.
Mehr Informationen unter: www.hohenegg.ch
10 | Lesen Sie mehr unter dergesundheitsratgeber.ch EXPERTISE
Was nachts im Kopf passiert
Wenn wir schlafen, läuft unser Gehirn auf Hochtouren und stärkt dabei Gedächtnis und Gesundheit. Dr. med. Tifenn Raffray (TR) und Prof. Dr. Antoine Adamantidis (AA) erklären, warum uns Schlafmangel schadet und welche Fragen die Schlafforschung künftig klären will. AA: Das Gehirn schaltet nicht ab, sondern bleibt hochaktiv. Dabei können sich verschiedene Hirnregionen, neuronale Schaltkreise und sogar einzelne Zellen sehr unterschiedlich verhalten, wie klinische Messungen der elektrischen Aktivitäten zeigen.
altersbedingten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Daher gilt Schlaf zunehmend als eine wichtige Säule des gesunden Alterns.
Was passiert aus neurologischer Sicht, wenn wir zu wenig oder schlecht schlafen?
AA: Schon eine einzige schlechte Nacht beeinträchtigt die Aufmerksamkeit, die EntscheidungsWas macht guten Schlaf aus, findung, die emotionale Kontrolle und warum ist er so wichtig für und das Gedächtnis. Bei chronischem Schlafmangel summieren unsere Gesundheit? TR: Wichtig ist nicht nur die Dau- sich diese Folgen, biologische er, sondern auch die Qualität. Wir Reparaturprozesse werden gestört brauchen ausreichend langen und und Stresssysteme aktiviert. Allerregelmässigen Schlaf mit einem dings wirkt sich Schlafmangel gesunden Wechsel von Nonnicht auf jeden Menschen gleich REM- und REM-Phasen. Schlaf aus, und wir verstehen die Folgen reguliert unsere Emotionen und noch nicht vollständig. unterstützt das Gedächtnis, den Stoffwechsel, das Immunsystem Was erwarten Sie von der und die Herz-Kreislauf-GesundSchlafforschung in den komheit. Chronische Schlafstörungen menden Jahren? werden mit vielen StoffAA: Wichtig wird sein, nicht mehr wechsel-, Herz-Kreislauf- und nur «das schlafende Gehirn» als
Schlafstörung oder nur erschöpft?
Ganzes zu untersuchen, sondern zu verstehen, was einzelne Schaltkreise, Zellen und sogar Strukturen innerhalb der Zellen während des Schlafs tun – und herauszufinden, ob sich bestimmte Schlafmechanismen gezielt beeinflussen lassen, um neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen vorzubeugen oder sie zu behandeln.
Was ist Ihr bester Tipp für einen guten Schlaf? TR: Regelmässigkeit. Halten Sie möglichst feste Zeiten für das Zubettgehen und vor allem für das Aufwachen ein. Das gibt dem Gehirn klare Signale, wann es wach sein und wann es schlafen soll. Und vielleicht am wichtigsten: Machen Sie den Schlaf nicht zu einer weiteren Leistung, die Sie optimieren müssen.
FOTO : T I F EN N R A F F R AY
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Prof. Dr. Antoine Adamantidis, Ph.D. Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie Direktor des Zentrums für Experimentelle Neurologie an der Universitätsklinik für Neurologie des Inselspitals
Was passiert im Gehirn, während wir schlafen?
Dr. med. Tifenn Raffray Vizepräsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Schlafforschung und Co-Leiterin des Schlafzentrums Florimont in Lausanne.
Früher wurden Schlafstörungen im Schlaflabor abgeklärt, heute geht das meist zuhause im eigenen Bett. Laut einer Lausanner Studie hat jeder zweite Mann über 40 mittelschwere bis schwere nächtliche Atemaussetzer*. Die Folgen von Schlafapnoe sind Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und ein höheres Risiko für Herz-KreislaufErkrankungen. Bei Aurora erhalten Sie Abklärung, Diagnose und eine mögliche Therapiebegleitung aus einer Hand, bequem von zuhause aus. Bei Bedarf sehen wir Sie gerne in unseren Praxen in Basel und Zug. *Heinzer R et al. The HypnoLaus study. Lancet Respir Med. 2015;3(4):310–8.
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Aurora
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Transkranielle Elektrostimulation bei Alzheimer: Hoffnung ohne Operation
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ei Alzheimer und anderen Demenzen suchen Forscher:innen nach neuen Mitteln und Wegen, die das Denken im Alltag stärken können. Eine Möglichkeit ist die transkranielle Elektrostimulation (tES): Elektroden werden auf der Kopfhaut platziert und es fliesst ein sehr schwacher, kontrollierter Strom – ohne Operation, ohne Narkose, ohne Medikamente. Wird diese Stimulation «personalisiert», können die Position der Elektroden, die Stromstärke und die Dauer an den Schädel und das Gehirn der einzelnen Person angepasst werden. Oft werden vorab Bilder des Gehirns gemacht, damit die Behandlung genau dort
Text Ella Krahmer
wirkt, wo Gedächtnisnetzwerke gestört sind. Was bringt das bei der Alzheimer-Erkrankung? Studien zeigen bei leichten bis mässigen Formen oft kurzfristige Verbesserungen: Aufmerksamkeit, Wortfindung oder kurze Gedächtnisleistungen können sich bessern. Besonders gut sind Ergebnisse, wenn die Stimulation mit Gedächtnis oder Bewegungstraining kombiniert wird – das Gehirn profitiert vom «Doppelschub». Was nicht sicher ist: ob diese Effekte lange anhalten oder das Fortschreiten der Krankheit deutlich verlangsamen. Darauf warten Forschende noch in grösseren, länger laufenden Studien. Auch
die Behandlung ist nicht für alle Patient:innen gleich geeignet; Begleiterkrankungen und Medikamente werden berücksichtigt. Ist es gefährlich? Die nichtinvasive Elektrostimulation gilt als sicher und gut verträglich. Nebenwirkungen sind meist mild: Unter anderem Kribbeln, Kopfweh oder Rötung an der Stelle der Elektroden. Komplikationen sind selten. Was bedeutet das für Sie? Elektrostimulation ist keine Wundertherapie, aber eine vielversprechende, nichtoperative Ergänzung, vor allem in frühen Stadien.
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Massgeschneiderte Neurostimulation: Wenn die Therapie sich den Patient:innen anpasst Das junge Basler Unternehmen Bottneuro entwickelt eine individuelle Neuromodulationstherapie. Dr. Alois Hopf, Chief Scientific Officer der Bottneuro AG, spricht im Interview über den innovativen Behandlungsansatz. FOTO : B OT T N EU R O AG , 2 0 2 6
Alois C. Hopf, PhD CSO bei Bottneuro
Warum ist die Personalisierung in der Neurostimulation ein wegweisender Forschungsfortschritt? Durch die Personalisierung können wir den einzelnen Patient:innen und ihrer individuellen Anatomie gerecht werden. Auf Basis eines MRT-Scans erstellen wir ein individuelles Computermodell und können dadurch die Elektrodenkonfiguration optimieren, um eine definierte therapeutische Dosis im gewünschten Hirnareal zu erzielen. Daraus entsteht ein 3D-gedruckter, patientenspezifischer Neurostimulator.
Welche Vorteile bringt die Heimanwendung im Alltag?
Wirksame Neurostimulationstherapien erfordern eine wiederholte Anwendung über einen längeren Zeitraum. Unser Ziel ist es, dass dafür keine regelmässigen Arztbesuche nötig sind und Betroffene die Therapie selbstständig zu Hause durchführen. Ärzt:innen geben den patientenspezifischen Neurostimulator in Auftrag, weisen die Patient:innen in dessen Handhabung ein und überwachen die Therapie anhand der Sitzungsprotokolle. Die wissenschaftliche und technische Komplexität steckt im System, die Anwendung selbst bleibt einfach. Dadurch können neueste wissenschaftliche Erkenntnisse direkt zu den Patient:innen gebracht werden und die Therapietreue kann gesteigert werden.
Wo steht Bottneuro aktuell im klinischen Entwicklungsprozess, und was sind die nächsten Schritte? Nach unserer ersten klinischen Sicherheitsstudie am Universitätsspital Basel wurde Miamind als Custom-Made Medical Device registriert und wird nun seit rund anderthalb Jahren bei Patient:innen eingesetzt. Mittlerweile wurden bereits mehr als 30 Patient:innen mit verschiedenen Erkrankungen wie Alzheimer oder Depression behandelt, mit positivem Feedback zu Aufmerksamkeit, Kommunikationsfähigkeit und Wohlbefinden. Aktuell bereiten wir gemeinsam mit der Universität Bern eine randomisierte und Sham-kontrollierte Studie vor, um die Wirksamkeit der personalisierten Neurostimulation zur Alzheimer-Behandlung wissenschaftlich zu untersuchen.
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«Der Weg selbst ist echter Erfolg» Erfolg bedeutet für Michel Wichman nicht, möglichst schnell ein Ziel zu erreichen, sondern den eigenen Weg bewusst zu gehen. Der Hotelier und Buchautor erklärt, warum Rückschläge dazugehören und weshalb Disziplin und Leichtigkeit kein Widerspruch sind.
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Michel Wichman Gastgeber, Pächter und Autor, Hotel Spitzhorn, Saanen BE
Was ist die radikale Wahrheit über Erfolg, und wer muss sie hören? Die radikale Wahrheit ist: Es gibt keinen Aufzug zum Erfolg. Wer etwas erreichen will, muss die Treppe nehmen, Stufe für Stufe. Erfolg entsteht durch Klarheit, Haltung, Disziplin und konsequentes Handeln. Gerade junge Menschen erleben durch Social Media enormen Druck. Sie sehen, was andere scheinbar schon erreicht haben, aber meist nicht den Weg dorthin. Entscheidend ist nicht, wo man heute steht, sondern ob man bereit ist, den eigenen Weg zu gehen.
und in die Welt hinausschicken, beeinflusst, was wir wahrnehmen und was wir anziehen. Wer mit Vertrauen, Dankbarkeit und einer positiven Haltung durchs Leben geht, erkennt Chancen leichter und schafft die Voraussetzungen für Neues.
Wann kann das eigene Gehirn Verbündeter sein, wann Feind?
Mein Kopf steht eigentlich nie still. Ich hinterfrage Entscheidungen und prüfe immer wieder, ob ich noch auf meinem Weg bin. Selbstreflexion und Intuition gehören für mich zusammen. Der Kopf wird zum Gegner, wenn Angst, Druck oder die ErwarIst Erfolg überhaupt für jeden tungen anderer die Führung übernehmen. Mentale Stärke erstrebenswert? Erfolg bedeutet für jeden Menbedeutet nicht, keine Zweifel zu schen etwas anderes. Für mich haben, sondern trotz der Zweifel bedeutet echter Erfolg nicht, mög- weiterzugehen. lichst viel zu besitzen oder ständig neue Ziele abzuhaken. Man darf Ihr Slogan heisst «Die Leichnicht von Ziel zu Ziel leben und tigkeit des Seins». Ihr Buch glauben, dass das nächste Ziel fordert Disziplin. Wie passt das automatisch glücklich macht. zusammen? Der Weg ist das Ziel, und der Weg Leichtigkeit bedeutet nicht, selbst ist Erfolg. Entscheidend dass alles leicht sein muss. Sie ist, das eigene Potenzial zu leben entsteht, wenn man seinen Weg und Freude an dem zu haben, kennt und sich nicht ständig von was man tut. Zufriedenheit entäusseren Umständen bestimmen steht nicht erst am Ziel, sondern lässt. Disziplin schafft Freiheit. unterwegs. Wenn ich weiss, was wirklich wichtig ist, entsteht Raum für Was braucht es im Kopf, um das Wesentliche. Deshalb gilt für mich: nicht immer mehr, sondern wirklich erfolgreich zu sein? Es braucht ein klares Ziel, Selbstbesser – und bewusster. vertrauen, Ausdauer und Verantwortung. Ein Ziel ist wie ein GPS: Was raubt dem Gehirn heute am Es gibt die Richtung an, aber nicht meisten Energie, und was gibt jeden einzelnen Schritt. Misssie zurück? erfolg entsteht oft durch VergleiDie permanente Erreichbarkeit che, Angst oder weil wir zu früh und der ständige Vergleich. aufgeben. Rückschläge gehören Smartphone, Social Media, Nachdazu. Entscheidend ist, daraus zu richten und Erwartungen verlernen und weiterzugehen. Für mitteln uns, wir müssten immer mich gilt auch: Was wir denken leisten oder irgendwo ankommen.
Dabei haben viele verlernt, einfach zu sein. Ruhe, Natur, Bewegung, Zeit und Abstand geben Energie zurück. Im Saanenland wird aus «Was machen wir als Nächstes?» plötzlich: «Was für ein schöner Moment.»
Was ist der eine Gedanke, der Sie durch schwierige Momente getragen hat? Dass jeder Rückschlag eine nächste Stufe sein kann. Meine Kündigung im Bellevue war zunächst schwer. Im Nachhinein hat sie meinen Blick auf mein eigentliches Ziel geschärft und den Weg zum eigenen Hotel geöffnet. Ich habe gelernt: Man darf fallen, aber man darf nicht aufgeben. Der Aufzug kommt von selbst wieder herunter, die Treppe bleibt. Für mich ist das die Essenz: Echter Erfolg ist nicht das Erreichen eines Ziels, echter Erfolg ist der Weg.
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