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AT - Future of Law & Finance

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EINE THEMENZEITUNG VON MEDIAPLANET

Ein umfassender Ratgeber rund um die digitale Transformation von Recht und Finanzen

Lesen Sie die gesamte Kampagne auf unternehmensratgeber.info

Future of Law & Finance

Legal-Tech-Expertin und Future-Law-Gründerin Sophie Martinetz im Interview Seite 06–08

Steuer im Zeitalter der KI

Prof. Dr. Robert Risse, WU-Direktor des Tax Law Technology Centers (TLTC) Seite 12

ADVOKAT

Event-Tipp:

Kostenlose Webinare zu KI im österreichischen Rechtswesen Seite 14

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FOTO : M A R L EN E R A H M A N N

„KI soll unterstützen, nicht entscheiden.“


2 | Lesen Sie mehr unter unternehmensratgeber.info IN DIESER AUSGABE

VORWORT FOTO : R A I N ER S C H O D I T S C H

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Die härteste Währung

Was KI im Recht wirklich verändern wird Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Forgó über die Zukunft juristischer Arbeit und Ausbildung

KI soll unterstützen, nicht entscheiden

Legal-Tech-Expertin Sophie Martinetz erklärt, wie Unternehmen KI sinnvoll einsetzen können Project Manager: Lena Dragoljic, MA Business Developer: Anna Deisenhammer, BA Lektorat: Sophie Müller, MA Grafik und Layout: Juraj Príkopa Managing Director: Bob Roemké Fotocredits: wenn nicht anders angegeben bei Shutterstock Medieninhaber: Mediaplanet GmbH, Bösendorferstraße 4/23 · 1010 Wien · ATU 4759844 · FN 322799f FG Wien Impressum: mediaplanet.com/at/impressum/ Distribution: STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. Druck: Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag GmbH & Co KG Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 (0) 1 236 34 38 0 E-Mail: hello-austria@mediaplanet.com ET: 29.09.2026

Bleiben Sie in Kontakt:

Mediaplanet Austria @mediaplanet.austria

Liebe Leser:innen,

FOTO : S I M O N K U P F ER S C H M I ED

FOTO : C H . D E T H LO F F

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Entgeltlic

Rechtsanwalt Dr. Alexander T. Scheuwimmer, MBA Präsident des Österreichischen Juristenverbandes

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echt und Finanzwesen verbindet das Entscheidende: Beide handeln mit Vertrauen. Der Kredit lebt vom Glauben an die Rückzahlung, der Vertrag vom Glauben an seine Durchsetzbarkeit. Vertrauen ist die härteste Währung der Welt. Man kann sie nicht drucken. Beide Branchen erleben derzeit denselben Umbruch. Digitalisierung hat Akten und Konten längst auf den Bildschirm geholt. Künstliche Intelligenz geht weiter: Zunächst beantwortete sie Fragen. Inzwischen erledigt sie Aufgaben. Texte, Analysen und Abläufe werden dadurch günstiger – und als bloße Produkte weniger wert. Wertvoller wird, was Maschinen nicht liefern: Urteilskraft, Verantwortung, Haftung. Der Schwerpunkt von Jurist:innen und Finanzexpert:innen verschiebt sich: vom Erstellen zum Verantworten.

Zeitgleich reguliert Europa – AI Act, DORA, MiCA. Der erste Reflex ist Skepsis, neue Regeln sind zunächst Kosten. Doch der zweite Blick zeigt: Kapital fließt dorthin, wo Versprechen durchsetzbar und Regeln berechenbar sind. Rechtssicherheit ist keine Bremse, sie ist Infrastruktur. Hier liegt die Chance Österreichs: verlässlicher Rechtsstaat, unabhängige Gerichte, hervorragend ausgebildete Fachleute, in Zentraleuropa. Voraussetzung bleibt das Maß. Wir brauchen nicht mehr, sondern bessere Regeln, die Möglichkeiten schaffen. Welchen Einfluss Algorithmen auf die Kreditvergabe haben dürfen, wer für Fehler von KIAgenten einsteht, wie aus Daten Werte werden, das entscheiden Menschen. Die Beiträge dieser Ausgabe zeigen, wie weit diese Zukunft schon Gegenwart ist. Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre!

ARAG Versicherung

Rechtsschutz über Generationen hinweg. Seit 50 Jahren setzt die ARAG in ÖsterARAGsich Versicherung ARAG Versicherung reich mit innovativen Versicherungslösungen dafür ein, dass alle Menschen Zugang zum Recht erhalten – unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten. Und darauf ist auch morgen noch Verlass!

Rechtsschutz über Rechtsschutz über Generationen hinweg. Generationen hinweg. Unbenannt-1 1

Seitin50ÖsterJahren setzt die ARAG sich in ÖsterSeit 50 Jahren setzt die ARAG sich reich mit innovativen Versicherungslösungen reich mit innovativen Versicherungslösungen dafür ein, dafür ein, dass alle Menschen Zugang zumdass alle Menschen Zugang zum Recht 18.09.26 15:49 Recht erhalten – unabhängig von ihrenerhalten – unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten. finanziellen Möglichkeiten. Und darauf ist auch morgen noch Verlass!


MEDIAPLANET | 3 Entgeltliche Einschaltung

KI im Recht: Zwischen Effizienzgewinn und digitaler Souveränität Alexander Feldinger, Jurist und Informatiker sowie Leiter der Legal Intelligence Services bei MANZ, spricht im Interview über die Chancen von KI in der Juristerei, europäische Unabhängigkeit und die Bedeutung des menschlichen Urteilsvermögens. FOTO : S E V ER I N W U R N I G

Alexander Feldinger Leiter der MANZ Legal Intelligence Services

Künstliche Intelligenz verändert derzeit viele Bereiche der Rechtsbranche. Wo sehen Sie die größten Chancen, aber auch Herausforderungen für Jurist:innen? Die größte Chance liegt eindeutig in der Effizienzsteigerung. KI-Modelle können massive Datenmengen wesentlich schneller verarbeiten als Menschen, was besonders bei der Rechtsrecherche, Dokumentenanalyse und Schriftsatzerstellung zu einem enormen Zeitgewinn führt. Dadurch kann sich auch das allgemeine Qualitätsniveau der Rechtsberatung heben. Die Herausforderung besteht darin, dass Nutzer:innen verstehen müssen, wie diese Systeme funktionieren und wo ihre Daten verarbeitet werden. Da die klassische Basisarbeit von Berufseinsteiger:innen durch die KI-Unterstützung wegfällt, müssen wir zudem neue Wege finden, wie diese ihr eigenes juristisches Urteilsvermögen entwickeln können.

Bei KI im Rechtsbereich geht es um besonders sensible Daten und hohe Anforderungen an Genauigkeit und Nachvollziehbarkeit. Was bedeutet digitale Souveränität in diesem Zusammenhang? Digitale Souveränität umfasst mehrere Facetten: Wo läuft das System? Wie wurde das Modell trainiert?

Und auf welche Daten greift es zu? Für die Rechtsbranche ist es entscheidend, ob man Systeme nutzt, die in Europa oder für europäische Rechtsordnungen trainiert wurden – oder eben nicht. Wahre Souveränität bedeutet, kritische Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbieter:innen zu vermeiden und die Kontrolle über sensible Daten und digitale Infrastrukturen selbst zu behalten.

MANZ hat mit Genjus KI und MANZ-Noxtua zwei unterschiedliche KI-Lösungen im Portfolio. Für welche Anwendungsfälle eignen sie sich und inwiefern ergänzen sie einander? Genjus KI ist unser hauseigenes Produkt, das primär darauf abzielt, die Rechtsrecherche zu vereinfachen und effizienter zu gestalten. MANZ-Noxtua hingegen ist eine europäische Plattform, mit einem eigens für die Rechtsbranche trainierten Sprachmodell. Als komplexer Legal AI Workspace geht es über die Recherche hinaus und ermöglicht es, eigene Dokumentbestände zu integrieren und komplexe Arbeitsprozesse oder Workflows digital abzubilden. Beide ergänzen einander, da sie den Fokus auf unterschiedliche Anwendungsfälle legen.

Welche Technologien und Sprachmodelle stehen hinter den beiden? Bei Genjus KI nutzen wir derzeit kommerzielle Modelle, legen aber Wert auf eine Architektur, die einen flexiblen Modellwechsel erlaubt, um technologisch souverän zu bleiben. MANZ-Noxtua setzt auf ein spezialisiertes Multi-ModellSystem. Das Entscheidende für die Juristerei ist jedoch nicht nur das Modell, sondern sind vor allem die Qualität und Aufbereitung der zugrunde liegenden Fachinhalte sowie eine entsprechende Systemarchitektur, die präzise auf diese Inhalte zugreift.

Ein zentraler Punkt bei generativer KI ist die Gefahr von „Halluzinationen“ bzw. veralteten oder falschen Informationen. Wie stellt MANZ sicher, dass KI-generierte Antworten im juristischen Kontext verlässlich, aktuell und nachvollziehbar sind? Wir haben eine tägliche Rechtsstandprüfung implementiert. Jede Information im Hintergrund enthält Metadaten über ihre Aktualität. So weiß das System, ob eine Information noch gültig ist oder nur für historische Anfragen genutzt werden darf. Dennoch ist die menschliche Expertise unverzichtbar und bleibt bei der finalen Rechtsentscheidung unersetzlich.

Lesen Sie mehr unter noxtua.manz.at


4 | Lesen Sie mehr unter unternehmensratgeber.info EXPERTISE

Entgeltlic

Was KI im Recht wirklich verändern wird Generative KI sorgt derzeit für große Umbrüche im Rechtsbereich. Doch wie schon beim Internet wird vieles kurzfristig überschätzt, während die tiefgreifenden Veränderungen erst langfristig sichtbar werden. Was das für juristische Arbeit, Ausbildung und Argumentation bedeutet, lesen Sie hier. FOTO : R A I N ER S C H O D I T S C H

Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Forgó Institut für Innovation und Digitalisierung im Recht, Universität Wien

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er amerikanische Wissenschaftler Roy Amara formulierte 1978 eine Weisheit, die seither als Amara’s Law immer wieder zitiert wird: „We tend to overestimate the effect of a technology in the short run and underestimate the effect in the long run.“ Das bedeutet, wir überschätzen die kurzfristige Wirkmacht einer Innovation – während wir die langfristige unterschätzen. Wer alt genug ist, sich daran zu erinnern, wird zustimmen, dass genau dies in den 90er-Jahren mit dem Internet passiert ist. Während die Blase erst gigantisch wuchs und dann platzte, sah kaum jemand, wie fundamental sich der Zugang zum Recht, das Verhandeln von Recht und das rechtliche Wissen selbst ändern würden – freilich über Jahrzehnte, nicht Monate. Eine parallele Entwicklung sehen wir bei all der Aufregung rund um generative KI und ihren Einfluss auf das Recht, die Rechtsprechung, die Rechtswissenschaft und die juristische Ausbildung, die gerade herrscht.

Während einerseits täglich behauptet wird, mit KI werde im Recht kein Stein auf dem anderen bleiben – je nach Standpunkt wegen Einführung des RoboJudge, wegen Ersetzung von Anwält:innen durch Chatbots, wegen Überlastung der Gerichte durch KI-generierte Texte, wegen des Überflüssigwerdens junger Berufseinsteiger:innen, deren Arbeit die KI viel schneller erledige usw. –, wird andererseits wenig darüber nachgedacht, wie sich unser Leben schon jetzt fast unbemerkt verändert. Und dies passiert ganz ohne, dass das Recht das abbilden würde – oder gar müsste. Wer mit der Erfahrung der 90er-Jahre auf die heutigen Entwicklungen blickt, wagt vielleicht eine Prognose: Menschen werden weiter Recht sprechen und Recht haben wollen, der Weg dazu wird effizienter und komplexer. Das, was an der juristischen Arbeit langweilig und repetitiv ist und viel tote Zeit kostet, wird weniger aufwändig oder ganz entfallen. Die dadurch zur Verfügung stehenden

zeitlichen Ressourcen werden jedoch nicht in Freizeit transformiert werden – sondern in das Generieren und Gewichten neuer, besserer Argumente. Die Arbeit wird verdichteter, anspruchsvoller und herausfordernder, was nicht zwingend eine gute Nachricht ist. Eine wichtige Stellschraube – in den 90er-Jahren wie heute – wird dann sein, diese langfristigen Transformationen einschätzen zu können, ohne von den kurzfristigen geblendet zu werden. Das verlangt ein über die bloße Reproduktion des geltenden Rechts hinausgehendes Befassen mit Nachbardisziplinen – Sozialwissenschaften und Informatik, aber auch Philosophie, Geschichte und Ethik. Interdisziplinarität und Anschlussfähigkeit werden wichtiger. Das bloße Reproduzieren vermeintlichen Wissens über „die Rechtslage“ wird nicht reichen – das tut es übrigens schon heute nicht. An diese Stelle tritt das eigene, selbst erdachte, abgewogene und neue Argument.

Entgeltlic


MEDIAPLANET | 5 Entgeltliche Einschaltung

JuridicAlly: KI-Innovation für die österreichische Anwaltschaft JuridicAlly wurde direkt aus der Praxis entwickelt und setzt dort an, wo Jurist:innen besonders viel Zeit investieren: bei der Analyse umfangreicher Akten, Recherche und Erstellung von Schriftsätzen. CEO und Rechtsanwalt Mag. Johannes Aigner, CTO Mag. Felix Thöni und COO Karim Bousbia erklären, wie die Plattform den Arbeitsalltag verändert. FOTO : J U R I D I CA L LY

Mag. Johannes Aigner Rechtsanwalt, Gründer und CEO

Was ist JuridicAlly – und was kann die Plattform? Aigner: Die Idee entstand aus meinem eigenen Kanzleialltag. Ich wollte ein System, das mir effizient Arbeit abnimmt. Ally arbeitet direkt im Akt, analysiert auch umfangreiche Unterlagen und berücksichtigt sofort neue Informationen. Ich starte damit nicht mehr beim leeren Blatt, sondern mit einer fundierten Grundlage, die ich mit meiner Expertise weiterbearbeite.

Was unterscheidet Ally von allgemeinen KI-Tools?

Bousbia: Eine allgemeine KI bekommt eine Frage und liefert eine Antwort. Ally kennt den gesamten Akt. Dokumente, Recherche und bisherige Arbeit werden miteinander verknüpft. Dadurch lassen sich etwa auch unmittelbar Strategien oder nächste Schritte ableiten. Außerdem ist das Tool zu 100 % made in Austria.

Was verändert sich dadurch für Anwält:innen – und ihre Mandant:innen? Aigner: Vor allem die Geschwindigkeit. Was früher Tage dauern konnte, ist deutlich schneller erledigt.

Dadurch bleibt mehr Zeit für das, was den Mehrwert ausmacht: gemeinsam mit Mandant:innen die richtige Strategie zu entwickeln. Die Entscheidungshoheit bleibt bei den Anwält:innen.

Wird KI damit zum Standard in Kanzleien?

Lesen Sie mehr unter juridically.ai

Thöni: Davon bin ich überzeugt. Die Frage wird künftig nicht sein, ob man KI nutzt, sondern welches System am besten zur eigenen Arbeit passt. Mit Cloé im Early Access übertragen wir dieses Prinzip bereits auf die Vertragsgestaltung.

Entgeltliche Einschaltung

Libra by Wolters Kluwer: KI in der juristischen Praxis Juristische Arbeit ist das Zusammenspiel vieler Einzelschritte: Recherche, Auswertung von Dokumenten, Entwicklung von Argumenten, Erstellung von Entwürfen und Abstimmung. Libra by Wolters Kluwer bringt all das in einem KIWorkspace zusammen. FOTO : L I B R A T EC H N O LO GY G M B H

Lea van Eckert Syndikusrechtsanwältin Arbeitsrecht, dm-drogerie markt GmbH + Co. KG

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ie das im Alltag funktioniert, zeigt das Beispiel dm-drogerie markt. Rund 35 Jurist:innen nutzen Libra für unterschiedliche Fragestellungen: von Recherche über Dokumentenanalyse bis zu Entwurf von Betriebsvereinbarungen und Vergleich von Tarifverträgen. Für die Bearbeitung legen sie fest, welche Dokumente und Quellen Libra berücksichtigen soll. So entstehen fundierte erste Arbeitsstände, die im Team professionell weiterbearbeitet werden.

„Libra ist für uns ein zentraler Ausgangspunkt bei unterschiedlichsten Fragestellungen“, sagt Lea van Eckert, Syndikusrechtsanwältin bei dm. „Insbesondere bei umfangreichen Dokumentensätzen und wiederkehrenden Aufgaben unterstützt uns der Workspace dabei, Recherche und Entwürfe für die verschiedenen Belange effizient vorzubereiten. Die Ergebnisse bilden eine Basis, die wir juristisch prüfen, einordnen und weiterentwickeln. Die abschließende fachliche Bewertung und die Freigabe erfolgen im Team.“

Libra by Wolters Kluwer ist ein KI-Workspace, von Jurist:innen für Jurist:innen entwickelt – für die tägliche Praxis. Mehr als 1.200 Rechtsteams und Kanzleien sowie über 14.000 Rechtsanwält:innen vertrauen bereits auf Libra. Die Plattform wird innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums gehostet und ist ISO-27001zertifiziert sowie DSGVO- und BRAO-konform. Seit November 2025 ist Libra Teil von Wolters Kluwer Legal & Regulatory.

Lesen Sie mehr unter libratech.ai/at/


6 | Lesen Sie mehr unter unternehmensratgeber.info COVERSTORY

FOTO S : M A R L EN E R A H M A N N

„KI soll unterstützen, nicht entscheiden.“ Künstliche Intelligenz verändert den Rechtsmarkt nachhaltig. Legal-Tech-Expertin Sophie Martinetz erklärt, wie Unternehmen KI sinnvoll einsetzen, welche Kompetenzen künftig gefragt sind und warum der Mensch trotz aller technologischen Fortschritte unverzichtbar bleibt.


MEDIAPLANET | 7

FOTO S : M A R L EN E R A H M A N N

Future Law versteht sich als Plattform für die Digitalisierung des Rechtsmarkts. Welche Aufgaben verfolgen Sie und welche Entwicklungen beobachten Sie besonders intensiv? Seit bald 10 Jahren bringt FutureLaw Jurist:innen, Unternehmen und Tech-Unternehmen zusammen und begleitet Kanzleien sowie Rechtsabteilungen bei ihrer digitalen Transformation. Wir organisieren Fachveranstaltungen, führen Studien durch und zeigen mit konkreten Anwendungsfällen, was Legal-Tech-Lösungen leisten können. Dazu vergleichen wir auch KI-Tools anhand realer juristischer Use Cases. Wir wollen zeigen, was die Technologie kann, wo ihre Stärken und Grenzen liegen und wie sie sinnvoll und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.

KI-Tools übernehmen heute bereits zahlreiche Aufgaben. Wo sehen Sie die größten Chancen für den juristischen Berufsalltag? Entscheidend bleibt die Qualität. Wenn die Qualität nicht stimmt, nützt mir auch die größte Zeitersparnis nichts. Juristische Arbeit muss akkurat sein. Gleichzeitig verbringen Jurist:innen einen beträchtlichen Teil ihrer

Arbeitszeit gar nicht mit der rechtlichen Beurteilung, sondern mit administrativen Tätigkeiten: Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenzutragen, E-Mail-Verläufe auszuwerten oder Sachverhalte aufzubereiten. Genau hier liegt das größte Potenzial. Wir haben verschiedene generative KI-Tools anhand konkreter juristischer Use Cases verglichen. Eine klassische Aufgabe ist die Recherche: Man gibt etwa eine Gerichtsentscheidung oder einen Gesetzestext vor und prüft, was daraus für einen konkreten Fall folgt. Dabei zeigen sich erhebliche Qualitätsunterschiede. Auch bei der Vertragsanalyse oder der Aufbereitung komplexer Sachverhalte kann KI viel leisten. Sie kann Daten und Informationen so aufbereiten, dass Jurist:innen schneller weiterarbeiten können. Die KI ist hier nicht als AddOn zu verstehen, sondern integriert sich im besten Fall direkt in den Arbeitsablauf.

Datenschutz, Cybersecurity und Compliance sind in diesem Zusammenhang wichtig. Wie können Unternehmen Innovation fördern und gleichzeitig Rechtssicherheit gewährleisten? Zunächst müssen Unternehmen und Kanzleien die richtigen Tools

auswählen. Sie sollten sicherstellen, dass die Lösungen datenschutzkonform sind und wissen, wo ihre Informationen verarbeitet und gespeichert werden. Das ist vergleichbar mit der Cloud-Nutzung: Auch dort muss ich wissen, wo meine Daten liegen und wem ich sie anvertraue. Es gibt technische Möglichkeiten, etwa Open-Source-Lösungen oder den lokalen Betrieb von Systemen. Das ist allerdings nicht immer einfach und verursacht Kosten. Deshalb muss sich jedes Unternehmen oder Kanzlei genau überlegen: Was bringt mir die KI, wo setze ich sie ein und welchen Aufwand ist mir das wert? Das größte Risiko ist, dass vertrauliche Daten unkontrolliert in einer öffentlichen Cloud landen. Sicherheit kostet Geld. Kostenlose Tools sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Vereinfacht gesagt: Was ich nicht mit Geld bezahle, bezahle ich sehr wahrscheinlich mit meinen Daten. Gleichzeitig dürfen Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen nicht mit dem Thema alleinlassen. Wenn sie keine geeigneten Tools zur Verfügung stellen, werden sie sich möglicherweise selbst Lösungen suchen. Deshalb braucht es klare Rahmenbedingungen und Schulungen.


8 | Lesen Sie mehr unter unternehmensratgeber.info

Entgeltlic

Wie werden Rechtsabteilungen in zehn Jahren arbeiten? KI wird eine Basistechnologie sein – so selbstverständlich wie heute E-Mail oder Textverarbeitung. In zehn Jahren werden wir wahrscheinlich gar nicht mehr über KI sprechen. Die Technologie wird einfach da sein und viele Dinge im Hintergrund erledigen. Technologie wird oft kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt. Der aktuelle Hype ist insofern positiv, als er Unternehmen und Kanzleien dazu bringt, sich mit ihrer Organisationsentwicklung zu beschäftigen. Aber KI ist keine vorübergehende Modeerscheinung. Sie wird bleiben und viele Prozesse verändern. Sehr viel wird automatisiert werden: händische Ablage, das Übertragen von Informationen aus PDFs in andere Systeme oder das Suchen und Zusammenführen von Informationen. Auch die Standardisierung wird zunehmen. Wenn eine Rechtsabteilung immer wieder mit denselben Fragestellungen konfrontiert ist, kann vorhandenes Wissen nun besser strukturiert und nutzbar gemacht werden. Die KI greift darauf zu und schlägt für einen konkreten Sachverhalt bereits eine passende Lösung oder einen Text basierend auf dem vorhandenen Wissen vor.

Die juristische Evaluierung bleibt aber entscheidend: Was bedeutet eine Situation im konkreten Einzelfall? Genau diese Bewertung bleibt wertvoll und ist wertstiftend. Für Seniors ist der Einsatz von KI rasch ein Mehrwert. Gleichzeitig stellt sich allerdings die Frage, was mit den Juniors passiert. Wir wissen aus Studien, dass Jurist:innen einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Tätigkeiten verbringen, die gar nichts mit der juristischen Bewertung zu tun haben. Bei Versicherungen etwa entfallen von rund 27 Minuten Bearbeitungszeit nur etwa fünf Minuten auf die juristische Evaluierung – der Rest ist Informationsbeschaffung und Aufbereitung. Für erfahrene Jurist:innen ist KI deshalb besonders effizient, weil sie aufbereitete Informationen mit ihrem vorhandenen Wissen und ihrer Erfahrung schnell bewerten können. Juniors müssen sich dieses Wissen erst erarbeiten. Hier wird noch einiges erprobt werden müssen.

Sie engagieren sich mit Women in Law seit vielen Jahren für mehr Frauen in Führungspositionen. Warum ist Diversität gerade im Zeitalter der KI so wichtig? KI lernt aus vorhandenen Daten – und diese Daten sind ein Abbild

unserer Gesellschaft. Wenn Frauen in Führungspositionen und technologischen Entscheidungsprozessen unterrepräsentiert sind, besteht die Gefahr, dass bestehende Verzerrungen fortgeschrieben werden. Deshalb brauchen wir mehr Frauen am Entscheidungstisch. Mit Women in Law setzen wir uns seit zwölf Jahren dafür ein, Frauen zu vernetzen und sichtbarer zu machen. Gerade beim Thema KI sehen wir, dass Frauen teilweise wieder ins Hintertreffen geraten, weil die Tech-Branche nach wie vor stark männlich geprägt ist. Dabei bietet die Digitalisierung gerade kleineren Kanzleien enorme Chancen. Eine kleine Kanzlei kann durch Automatisierung und generative KI heute einen wesentlich größeren Hebel erzielen und stärker mit größeren Einheiten mithalten. Umso wichtiger ist, dass Frauen diese Technologien nicht nur nutzen, sondern ihre Entwicklung und ihren Einsatz aktiv mitgestalten. Wir brauchen Menschen, die kritisch denken, hinterfragen und mutig sind. Genau diese Kompetenzen werden auch in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt entscheidend bleiben.


MEDIAPLANET | 9 Entgeltliche Einschaltung FOTO S : B RY T ER G M B H / T H O M AS M I ES L ER

Mehr KI, mehr Kontrolle: Wie sich juristische Arbeit verändert KI übernimmt bereits Recherche, Dokumentenanalyse und erste Entwürfe. Doch statt Juristinnen und Juristen zu ersetzen, verändert sie ihre Arbeit und schafft neue Aufgaben. Michael Grupp, Gründer und Geschäftsführer der BRYTER GmbH, und Eva Maria Pottkämper, Kundenkontakt für Österreich, darüber, warum menschliche Expertise wichtiger denn je bleibt. Vor zwei Jahren war KI in vielen Kanzleien noch ein Experiment. Wie erleben Sie inzwischen den Wandel vom Testbetrieb zum festen Bestandteil des juristischen Arbeitsalltags? MG: KI ist in Kanzleien und Rechtsabteilungen angekommen. Ca. die Hälfte aller Standesmitglieder hat inzwischen Zugriff auf ein KI-Tool, ein Viertel hat es im täglichen Einsatz. Aufgaben werden zunehmend standardmäßig von KI erledigt, die Diskussion wird informierter. Und wir sehen, dass nicht nur einzelne, sondern auch die Partnerschaft KI ausprobieren.

Sie arbeiten mit ihrem Produkt BEAMON AI mit zahlreichen internationalen Kanzleien und Rechtsabteilungen zusammen. Welche Erkenntnisse haben Sie besonders überrascht?

Webinar: KI-Assistenten in Österreichs Kanzleien: die wichtigsten Anwendungsfälle

EP: Es sind häufig die kreativen Einsatzmöglichkeiten, die Nutzende haben, z. B. BEAMON AI auch in der Kanzleiverwaltung einzusetzen, etwa bei der Durchsicht von Rechnungen. Es freut uns, dass auch seniore Standesmitglieder mit der Technik zurechtkommen. Auf der anderen Seite sind wir aber überrascht, wie relevant Erklärung und Training sind. Wir haben eine Akademie entwickelt und unsere

Webinare (z. B. zum richtigen Prompting) besuchen regelmäßig hunderte Teilnehmende. Software kann noch so intuitiv sein, der menschliche Kontakt ist wichtig.

Für welche Aufgaben und Anwendungsbereiche setzen Kanzleien, Rechtsabteilungen und juristische Fachkräfte KI heute ganz konkret ein? EP: Da gibt es klare Favoriten, über alle 15.000 Nutzende in Kanzleien und Rechtsabteilungen hinweg: einmal die Zusammenfassung langer Dokumente, also das Erstellen strukturierter Memos aus langen Akten per Knopfdruck, mit Zeitleiste, Beteiligten, Fristen, Rechtsfragen. Häufig ist auch die Vorab-Recherche für unbekannte Rechtsfragen; und natürlich das Erstellen von Entwürfen: Anstelle eine ältere Dokumentenversion für den jeweiligen Fall händisch anzupassen, laden Nutzende den Akt und eine Vorlage hoch und lassen die erste Version in Sekunden von BEAMON erstellen. Beliebt ist auch die Unterstützung bei Schriftsätzen.

Viele Diskussionen rund um KI drehen sich um Effizienzgewinne. Inwiefern ändern sich auch die Arbeitsweise und Rollenbilder

von Juristinnen und Juristen? MG: Die Hysterie um das Ende der Stundensätze war definitiv falsch. Die Kernaufgaben der Juristinnen und Juristen bleiben unverändert. KI ist Unterstützung juristischer Arbeit, nicht Ersatz. Und es zeichnet sich ein anderer unvorhergesehener Effekt ab: Durch den flächendeckenden Einsatz von KI bei Kolleginnen und Kollegen sowie Mandantinnen und Mandanten scheint der Bedarf nach menschlicher Überprüfung eher zuzunehmen.

Michael Grupp Gründer und CEO BRYTER GmbH grupp@bryter.io

Manche Organisationen integrieren KI sehr schnell in Arbeitsabläufe, andere tun sich schwerer. Welche Faktoren entscheiden aus darüber, ob die Einführung erfolgreich gelingt? EP: Entscheidend ist, die Menschen mitzunehmen. Am besten funktionieren regelmäßige Webinare: alle sind auf demselben Stand, offene Fragen lassen sich direkt klären und Skepsis löst sich meist beim ersten Live-Ergebnis. MG: Und wichtig: Es braucht einen sichtbaren Rückhalt im Management. Führungskräfte sollten als Beispiel vorangehen und KI auch selbst testen: Man wird nicht fit, indem man anderen beim Sport zusieht.

Eva Pottkämper Growth & Community Manager BRYTER GmbH pottkaemper@ bryter.io


10 | Lesen Sie mehr unter unternehmensratgeber.info EXPERTISE

Entgeltlic

Blockchain, Tokenisierung und digitale Assets


nihilit atenist ratiustrum, suntibu santis inturios ut entem dioriat ibustrum de corepudis eribusa volori utatus. MEDIAPLANET | 11

FOTO : W U W I EN

o.Univ.Prof. Dr. Alfred Taudes Forschungsinstitut für Kryptoökonomie, Wirtschaftsuniversität Wien

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ie Blockchaintechnologie ist erwachsen geworden. Immer mehr institutionelle Anbieter:innen nutzen Blockchains, dezentrale Finanzanwendungen sind stabiler geworden. Technisch zeichnet sich der nächste Schritt in Richtung Machine Economy ab. KI-Agenten beginnen selbst zu bezahlen: Über offene Protokolle wie x402 wickeln sie Zahlungen ab; neue digitale Ökonomien entstehen. Bezahlt eine Maschine direkt pro Abruf, braucht es keine Plattform mehr, die Nutzer:innen sammelt, um sie zu monetarisieren. Die neuen Herausforderungen: Wer haftet für Agenten, wer identifiziert sie,

wer prüft ihre Regelkonformität? Voraussetzung ist ein tragfähiger Rechtsrahmen. Österreich hat sich erfolgreich als EU-Standort für MiCAR-regulierte internationale Anbieter:innen etabliert, über zehn Unternehmen halten bereits eine CASP-Konzession, mit Millionen Nutzer:innenkonten. Der Rahmen trennt seriöse von unseriösen Anbieter:innen und macht Krypto für institutionelle Investor:innen erst zugänglich. Zugleich stellen die mit einer Lizenz verbundenen Kosten ein Markteintrittshindernis dar, weshalb die Regelungen weiterzuentwickeln sind. Innovationsbedarf besteht auch bei Stablecoins, die zum Zahlungsmittel geworden sind. Die

Frage der digitalen Leitwährung ist längst geopolitisch. Dollar-Stablecoins dominieren den Markt, Euro-Varianten bleiben marginal, der digitale Euro soll erst 2029 startbereit sein. Wer Zahlungsinfrastruktur nicht selbst betreibt, überlässt sie anderen. Auch die Tokenisierung von Wertpapieren und realen Assets wird populärer. Zwar gelten tokenisierte Wertpapiere als Finanzinstrumente im Sinne von MiFID II, jedoch sind Verwahrung, Haftung für fehlerhaften Code und gutgläubiger Erwerb ungeklärt. Das europäische DLT-Pilotregime muss reformiert werden, um im Wettbewerb zu bestehen.

Entgeltliche Einschaltung

KI in der Vermögensverwaltung: Das goldene Zeitalter der persönlichen, skalierbaren Dienstleistung FOTO : N U N O F I L I P E O L I V EI R A

David MayerHeinisch Gründer & CEO von froots; verantwortete zuvor einen Aktienfonds mit über 4 Mrd. Euro

Alle reden über KI in der Finanzbranche. Was ändert sich wirklich? Für uns weniger, als man denken würde: Bei froots bauen wir seit 2020 am ersten vollhybriden Vermögensverwalter Österreichs. Lange konnten sich die Leute darunter wenig vorstellen. Ganz selbsterklärend ist es bis heute nicht, aber seit KI im Alltag angekommen ist, wird greifbar, was wir da kreieren.

quantitatives System froots 360 hilft uns, Distanz zu wahren und diszipliniert zu bleiben. Die Entscheidungen trifft am Ende immer unser Investment-Team.

Zeit, steueroptimierte Geldanlage digital zugänglich zu machen

Was heißt das konkret? Wir automatisieren überall dort, wo Technologie den Job besser macht. So entsteht Freiraum für das, was andererseits nur Menschen leisten können. Beim Investieren ist der größte Feind von Anleger:innen deren eigene Emotion. Unser

Den gewonnenen Freiraum nutzen wir für unsere Kund:innen. Wir hören zu und nehmen sie auf eine Reise mit: Sie sollen verstehen, was mit ihrem Geld passiert, und dass Schwankungen dazugehören und langfristiges Denken belohnt wird. Aus diesen Gesprächen entstehen unsere Anlagelösungen

– zuletzt der digitale Zugang zur KESt-befreiten langfristigen Geldanlage und unser §14 Fonds für Selbständige zur Nutzung des Gewinnfreibetrags (2026 zum vorerst letzten Mal).

Und wohin führt das? Ich blicke fast euphorisch in die Zukunft. Spitzenservice war bisher eine Frage des Vermögens, weil er teuer produziert wurde. Kanzleien und Beratungen sind mit derselben Frage konfrontiert wie wir. Am Ende steht ein goldenes Dienstleistungszeitalter. Vermögensverwaltung, wie sie früher nur großen Vermögen vorbehalten war, wird für alle leistbar. Und unsere Industrie bekommt die Chance, sich an ihren Zweck zu erinnern.

froots ist eine unabhängige Vermögensverwaltung aus Wien: maßgeschneiderte Strategien, persönlicher Service, transparente Gebühren. froots.io

Anlagen bergen Risiken.

Keine Steuerberatung. Der froots Multi Asset §14 Fonds ist ein Eigenprodukt. FondsDokumente auf froots.io/ gewinnfreibetrag. Anzeige von Asset Management by froots.


12 | Lesen Sie mehr unter unternehmensratgeber.info EXPERTISE

Steuer im Zeitalter der KI Künstliche Intelligenz verändert die Steuerwelt in ihrer Breite – auf Seiten der Unternehmen, der Finanzverwaltungen und der Steuerberatung gleichermaßen. Was vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik war, ist heute Bestandteil des Arbeitsalltags: von der automatisierten Dokumentenprüfung über die risikobasierte Fallauswahl bei Betriebsprüfungen bis hin zu generativer KI in der steuerlichen Beratung. Dennoch gilt weiterhin die alte Phrase „Mensch-Prozesse-Technologie/ Daten“, das PPT-Framework (People, Process, Technology). Das heißt, der Mensch sollte immer noch an erster Stelle stehen.


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FOTO : P R I VAT

Dr. Robert Risse Direktor des Tax Law Technology Center WU Wien

KI in der Steuerfunktion des Unternehmens

KI im österreichischen Steuerrecht

In Unternehmen unterstützt KI verschiedene Prozesse, insbesondere mit repetitiven, datenintensiven Aufgaben: erste Dokumentenprüfungen, die Klassifizierung von Belegen, die Vorbereitung von Compliance-Meldungen im Rahmen von Steuererklärungen sowie komplexe Analysen, etwa bei Due-Diligence-Prüfungen. Eine aktuelle Fallstudie zu KI-gestützter Verrechnungspreisdokumentation zeigt, wie groß der Effizienzgewinn ausfallen kann. Die Erstellungszeit für Verrechnungspreisdokumentationen wie Local Files sank gemäß einer Studie der MDPI um 68 Prozent, Dokumentationsfehler reduzierten sich um über 80 Prozent, während die Audit-Akzeptanzrate um 27 Prozentpunkte stieg. Entscheidend bleibt jedoch: KI-Ergebnisse ersetzen nicht die fachliche Beurteilung, den sogenannten Human-in-the-Loop, sondern liefern prüfbare Entwürfe, die von Fachspezialist:innen validiert werden müssen. Studien betonen daher, dass der eigentliche Werttreiber nicht die KI selbst ist, sondern der Übergang von reaktiver Compliance zu proaktiver, datengetriebener Wertschöpfung.

Österreich zählt zu den Vorreitern beim KI-Einsatz in der Finanzverwaltung. Das beim Bundesministerium für Finanzen (BMF) angesiedelte PACC leitet aus historischen Steuer- und Finanzdaten Muster ab und überträgt diese in mathematische Modelle, um neue Fälle mit erhöhtem Risiko zu erkennen. Eingesetzt wird das System unter anderem bei der Auswahl von Betriebsprüfungen, der Plausibilitätsprüfung von Steuererklärungen bereits bei der Online-Abgabe, der Bewertung von Neugründungen sowie bei Zollkontrollen. Entscheidend ist dabei die klare Kompetenzverteilung: Das PACC trifft keine automatisierten Endentscheidungen, sondern liefert den zuständigen Mitarbeiter:innen ein laufend aktualisiertes Entscheidungsunterstützungstool. Die abschließende Prüfungsentscheidung verbleibt beim Menschen. Der wirtschaftliche Erfolg ist dokumentiert: Laut Jahresbilanz des BMF erzielte das PACC allein 2024 rund 354 Millionen Euro an Steuermehreinnahmen durch KI-gestützte Methoden wie Textmining und Machine Learning. Auch die österreichische Forschung treibt das Thema Verrechnungspreise und KI aktiv voran. Das von der FFG geförderte Projekt TaxoLogic (Laufzeit 2026 – 2029) entwickelt ein hybrides KI-Framework speziell für grenzüberschreitende Verrechnungspreisfragen. Es verbindet die sprachlichen Fähigkeiten großer Sprachmodelle mit symbolischer, regelbasierter Schlussfolgerung, um OECD-Leitlinien, nationale Gesetze und bilaterale Abkommen in maschinenlesbare Regeln zu überführen und daraus nachvollziehbare, überprüfbare Ergebnisse abzuleiten – eine direkte Antwort auf die Kritik, dass heutige KI-Systeme im Steuerbereich oft als intransparente „Black Boxes“ agieren würden.

KI in der Finanzverwaltung und Betriebsprüfung Auch die Finanzverwaltungen rüsten auf. Im Rahmen von „Tax Administration 3.0“ setzen Steuerbehörden weltweit verstärkt auf KI-gestützte Risikoanalysen und Echtzeit-Compliance-Systeme. Plattformdaten werden zunehmend systematisch mit Steuererklärungen abgeglichen, sodass Abweichungen automatisch Anfragen oder vollständige Prüfungen auslösen können. Österreich setzt mit seinem Predictive Analytics Competence Center (PACC) bereits seit 2016/17 einen hybriden Ansatz aus Machine-Learning-Modellen, Expert:innenwissen und regelbasierten Systemen zur Auswahl prüfungswürdiger Fälle und zur Erkennung von Umsatzsteuerbetrug ein. 1

Regulierung, Berufsrecht und Haftung

Steuerberatung wirft jedoch auch berufsrechtliche Fragen auf. Spezielle Haftungsregeln für KISysteme existieren bislang nicht; es gelten die allgemeinen Sorgfalts-, Auswahl- und Überwachungspflichten. Steuerberater:innen haften für Mängel ihrer Arbeit einschließlich der Fehler eingesetzter Hilfsmittel wie KI-Systeme. Sogenannte „Halluzinationen“ entlasten nicht. Vor dem Einsatz ist zu prüfen, ob eine KI-Anwendung fachlich geeignet ist und mit dem geltenden Steuerrecht übereinstimmt; allgemeine Sprachmodelle ohne Zugriff auf Fachdatenbanken gelten für die fachliche Arbeit als besonders risikobehaftet. KI-generierte Ergebnisse müssen stets eigenverantwortlich auf Plausibilität und Richtigkeit geprüft werden, wobei die Kontrolltiefe mit der Haftungsrelevanz steigt.

Fazit Steuer im Zeitalter der KI ist kein einzelnes Technologiethema, sondern eine Querschnittsentwicklung, die Unternehmenssteuerfunktion, Finanzverwaltung, Berufsrecht und Steuerpolitik gleichermaßen erfasst. Für die Praxis ergibt sich daraus ein klarer Handlungsrahmen: frühzeitige Investition in Datenintegrität, klare Governance-Strukturen für KI-gestützte Entscheidungen, eigenverantwortliche fachliche Kontrolle sowie eine bewusste Szenarioplanung, die sowohl die eigene Technologieadoption als auch den Fortschritt der Steuerbehörden berücksichtigt. Richard Susskind warnt beispielweise vor der „technologischen Myopie“, also der Kurzsichtigkeit. Viele Menschen neigen dazu, die Zukunft einer Technologie auf Basis ihrer heutigen, noch fehlerhaften Version zu beurteilen. „We’re still warming up. In not many years, our current technologies will look primitive, much as our 1980s kit appears antiquated today. [The current wave of AI apps] are our faltering first infant steps.”1

Der Einsatz von KI in der

Richard Susskind, How to Think About AI: A Guide for the Perplexed, Oxford University Press, 2025.

LL.M. Digitalization & Tax Law:


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Quelle: Future-Law Bericht. Legal Tech Barometer 2026

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