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MAYA KALENDER ONLINE 2022

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Foto: Diego Molina Flores

MAYA

Mit dem Kauf dieses Kalenders unterstützen Sie den Kampf der Maya in Chiapas/Mexiko für Autonomie.

JÄNNER 2022 KW 52 1 2 3 4 5

Mo

Di 4 11 18 25

3 10 17 24 31 freier Tag

Vollmond

Neumond

Mi 5 12 19 26

Do 6 13 20 27

Fr 7 14 21 28

Neujahr

Sa 1 8 15 22 29

So 2 9 16 23 30


EZLN Ejército Zapatista de Liberación Nacional (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) ist eine Organisation, die im November 1983 in der Selva Lacandona, einem Urwaldgebiet in Chiapas im Süden Mexikos, gegründet worden ist. Die weiß-mestizischen Oligarchien enteigneten indigenes kommunales Land, vergewaltigten, zerstörten milpas (Maisfelder) und mordeten mit Billigung der staatlichen und föderalen Behörden. Diese gewalttätige Unterdrückung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung ließ eine Guerillabewegung neuen Typs entstehen. Das oberste Entscheidungsgremium der EZLN besteht aus Vertretern der Dorfgemeinschaften. Der Anteil der Frauen in der zapatistischen Armee beträgt etwa ein Drittel. Der Name Zapatistas ist eine Ehrerbietung an Emiliano Zapata, der während der Mexikanischen Revolution (1910-1920) eine Armee aus vorwiegend besitzlosen Landarbeitern führte, wobei vor allem um Zugang zu Land und Freiheit gekämpft wurde. Die EZLN wurde erstmals am 1. Jänner 1994 international durch ihren bewaffneten Aufstand bekannt - zugleich mit dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommens NAFTA zwischen USA, Mexiko und Kanada, das die Lebenssituation der indigenen Bevölkerung weiter zu verschlechtern drohte. Nach dem Waffenstillstand kam es in der Folge zu den „Verträgen von San Andrés“, die die Aufnahme von Autonomierechten für die indigene Bevölkerung in die mexikanische Verfassung vorsahen. Dies wurde aber nie verwirklicht. Daher organisierte die EZLN im Osten von Chiapas eine De-facto-Autonomie. Seit dem Aufstand werden die EZLN und die Gemeinden des autonomen Gebietes immer wieder vom Militär und der Regierung selbst, von rechten Paramilitärs und Polizei bedroht und angegriffen („low intensity war“). In den Kommuniqués des ersten Sprechers der EZLN, Subcomandante Marcos, wurden ihre politischen Ziele formuliert: Es geht um den Aufbau autonomer Strukturen, um Basisdemokratie, Geschlechtergleichheit, Ökologie, um das angestammte indigene Land in kollektivem Eigentum und kulturelle Eigenständigkeit. Durch Nutzung des anfangs noch neuen Mediums Internet verbreiteten sich ihre Kommuniqués weltweit und beeinflussten vor allem mit ihrer radikalen Machtkritik die globalisierungskritischen Bewegungen in den westlichen Industrieländern. 1996 lud die EZLN zu einem internationalen Treffen „Gegen Neoliberalismus und für Menschlichkeit“ nach Chiapas ein. 1997 wurde ein zweites Treffen in Spanien organisiert, um den notwendigen internationalen Kampf gegen den Neoliberalismus aufzuzeigen. Die Welt soll neu erschaffen werden – „Un mundo donde quepan muchos mundos“ (Eine Welt, in der viele Welten Platz haben). In der „Erklärung

chiapas.ch

für das Leben“ (1. Jänner 2021) warnt sie vor den Schmerzen der Erde: Gewalt gegen Frauen, Zerstörung der Natur, Verachtung und Verfolgung derer, die anders sind in ihrer sexuellen Identität, Völkermord an den Ureinwohnern, Ausbeutung, Enteignung, Rassismus und Militarismus. In diesem Zusammenhang steht auch die „Reise für das Leben“ 2021 in die Alte Welt Europa. Ziel ist es, durch gute Absprachen mit zahlreichen Organisationen in rund 30 Ländern eine globale emanzipatorische und kontinuierliche Organisation („Ya-Basta-Netz“) gegen Neoliberalismus und Patriarchat zu schaffen. Dies soll zu dem eigentlich erhofften Ziel führen – die Welt zu einem lebenswerten Ort für alle zu machen („Buen Vivir“). Die große Delegation (177 Personen, davon etwa 2/3 Frauen und andere Geschlechter) sind trotz Pandemie-Problemen Mitte September 2021 in Europa und zwar in Wien(!) angekommen. Ob die „Reise für das Leben“ erfolgreich sein wird, werden n wir 2022 erfahren.


Sololá, Foto: Julia Trautenberger

FEBRUAR 2022 KW

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Internationaler Tag der Muttersprache

Di 1 8 15 22

Mi 2 9 16 23

Do 3 10 17 24

Fr 4 11 18 25

Sa 5 12 19 26

So 6 13 20 27


Versammlung einer Maya-Gemeinde • Quelle: Guatemala Solidarität Österreich

ILO 169 Es ist das 169. Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Es ist das Übereinkommen über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern. Es ist die bis heute einzige internationale Norm, die den indigenen Völkern der Erde rechtsverbindlichen Schutz und Anspruch auf eine Vielzahl von Grundrechte garantiert. Weltweit gehören zwischen 350 und 400 Millionen Menschen rund 6 000 indigenen Völkern in über 70 Ländern an. Ihre Kulturen unterscheiden sich von der vorherrschenden westlichen Kultur zumeist durch ihre besondere Beziehung zur Natur. Politische und wirtschaftliche Interessen im Zuge der Globalisierung bedrohen die Lebensweise vieler indigener Völker massiv, ihre Werte und traditionellen Gesetze, Sprache, Religion, Bräuche, Land- und Menschenrechte. In vielen Teilen der Welt wird ihre gesamte Lebensgrundlage zerstört, sei es durch Abholzung des Regenwaldes in Brasilien, durch Lithiumabbau in Bolivien oder Palmölanbau in Indonesien. Biologische und kulturelle Vielfalt sowie das traditionelle Wissen der indigenen Völker gehen unwiederbringlich verloren. ILO 169 anerkennt in 44 Artikeln die Bestrebungen dieser Völker, im Rahmen der Staaten, in denen sie leben, Kontrolle über ihre Lebensweise und wirtschaftliche Entwicklung auszuüben und ihre Identität zu bewahren. Das Übereinkommen wurde am 27. Juni 1989 von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO verabschiedet und trat am 5. September 1991 in Kraft. Von nur 24 Staaten wurde es bisher ratifiziert – zuletzt von Deutschland am 15. April 2021. Bedeutende Staaten, in denen indigene Völker leben, wie Kanada, USA, Russland, China, Schweden, Finnland und Australien haben sich bisher nicht zur Konvention bekannt.

Andere Staaten wie Mexiko, Guatemala, Brasilien, Chile haben zwar das Übereinkommen ratifiziert, kommen aber seinen Verpflichtungen kaum nach. Die sich aus der Ratifizierung ergebende Hauptverpflichtung liegt darin, regelmäßig Berichte über die Umsetzung der Konvention in Genf vorzulegen. Österreich hat die ILO-Konvention 169 unterzeichnet und dokumentiert damit seine Unterstützung der politischen Ziele dieses Übereinkommens. 1993 und nochmals 1997 wurde im Parlament ein Entschließungsantrag betreffend die Ratifikation von ILO 169 einstimmig beschlossen. Trotz zweimaligem Beschluss des Nationalrates wurde die Ratifizierung nie eingeleitet. Begründung: Der in Österreich geltende Schutz seiner Minderheiten wird in der Verfassung durch das Minderheiten- und Volksgruppengesetz garantiert. Eine Ratifizierung von ILO 169 könnte eine Gefahr für diesen besonderen Schutz darstellen. Anfang Mai 2021 verfasste die österreichische NGO „Globale Verantwortung“ ein Schreiben an Außenminister Mag. Schallenberg und Sozialminister Dr. Mückstein mit der Aufforderung, dem Beispiel Deutschlands folgend die Konvention ebenfalls zu ratifizieren. Österreich könne so solidarisch die indigenen Rechte international weiter stärken und andere Staaten zu diesem Schritt animieren. Die offizielle Antwort: Eine Solidaritätsgeste brächte keine Verbesserung der Situation der indigenen Völker, denn die Konvention ziele auf innerstaatliche Umsetzung der Rechte. Nichtsdestotrotz sind Bemühungen im Gange, eine Plattform zahlreicher verschiedener NGO’s zu organisieren, um mit Entscheidungsträger in Österreich in Diskussion zu bleiben und über die Solidarität hinaus überzeugende Argumente für eine n Ratifikation von ILO 169 zu finden.


Cakchikel-Kind, © Julia Trautenberger

MÄRZ 2022 KW

Mo

10 11 12 13

7 14 21 28

Di 1 8 15 22 29

Internationaler Tag der Frau

Welttag des Wassers

Mi 2 9 16 23 30

Do 3 10 17 24 31

Fr 4 11 18 25

Sa 5 12 19 26

So 6 13 20 27


Foto: Frauke Decoodt

RECHT AUF SPRACHE – ein Menschenrecht! Jede Sprache ist Trägerin der Werte, Kultur, Geschichte des über Jahrhunderte erworbenen Wissens und der kollektiven Identität ihrer Sprecher. Geht ihre Sprache verloren, so auch die Identität der einzelnen Sprecher sowie der Gemeinschaft als Ganzes. Weltweit existieren zur Zeit etwa 7000 Sprachen; etwa 4000 Sprachen werden von rund 370 Millionen Indigenen gesprochen. Ein Großteil der indigenen Sprachen ist akut vom Aussterben bedroht, da sie meist mündlich überliefert werden und dem Druck der Mehrheitssprache nicht standhalten können. Derzeit stirbt durchschnittlich alle zwei Wochen eine Sprache. Seit den 80er-Jahren sind indigene Repräsentant:innen bei der UN aktiv, um ihre Rechte und den Erhalt ihrer Sprachen auf internationaler Ebene durchzusetzen. Aufgrund dieser prekären Entwicklung wurde von der UN 2019 zum „Jahr der indigenen Sprache“ ernannt. Dies reicht jedoch nicht, um Schutz, Revitalisierung und Erhalt der Sprachenvielfalt erreichen zu können. Daher hat die UN-Generalversammlung am 18. Dez.2019 die Jahre 2022 – 2032 zur „Dekade der Indigenen Sprachen“ erklärt unter Einbezug und Führung indigener Vertreter:innen („Nothing about us, without us“). Ein großer Erfolg für die Indigenen. In diesem Zeitrahmen können somit Sprach- und Bildungsprogramme auch auf nationaler Ebene verwirklicht werden. Dabei ist der Schutz von indigenen Sprachen fester Bestandteil des Völkerrechts – unter anderem verweisen besonders die ILO-Konvention 169 und die UN-Deklaration zu den Rechten indigener Völker (UNDRIP) explizit auf indigene Kollektiv-, Bil-

dungs- und Sprachenrechte. Sie fordern die Staaten auf, geeignete Maßnahmen zum Schutz und Gebrauch indigener Sprachen und Bildung umzusetzen. Die Grundlage aller Menschenrechte im internationalen Kontext bildet die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ aus dem Jahr 1948. Auf ihr basieren sämtliche Konventionen. Die Kluft zwischen Völkerrecht und Alltagsrealität ist aber riesig. Das zentrale Grundproblem ist der koloniale systemische Rassismus. Es fehlt vielfach auch der politische Wille, trotz formaler Anerkennung indigener Rechte diese in der Praxis umzusetzen. Ernsthaft problematisch ist die Situation in Staaten mit zahlreichen oder großen Minderheiten wie in China, Russland und Indien, wo diese diskriminiert, assimiliert und indigene Bewegungen kriminalisiert und verfolgt werden. Indigene Eltern müssen ihre Kinder in der Mehrheitssprache erziehen, um für sie bessere Chancen bei Bildung und Arbeit zu erlangen, denn Sprachbarrieren führen zu Problemen u.a. am Arbeitsmarkt, bei Gerichtsverfahren und erschweren die politische Teilhabe. Auch führen Diskriminierung und staatliche Assimilationspolitik (Beispiel Internatssysteme oder Internierungslager) dazu, dass die eigene Sprache nicht an nachkommende Generationen weitergegeben werden kann. Für die Revitalisierung einer Sprache fehlen heute ganze Mittlergenerationen. Oftmals sind es nur wenige der Großelterngeneration, die die eigene Sprache noch beherrschen. Indigene Sprachen, die heute wirksam gerettet werden, verdanken dies vor allem dem Engagement und Initiativen der Indigen nen selbst.


Familie in Yucatán © Julia Trautenberger

APRIL 2022 KW

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Ostern

Fr 1 8 15 22 29

Sa 2 9 16 23 30

Ostern

So 3 10 17 24


TREN MAYA Während die Pandemie im Land wütet, haben die Pläne des mexikanischen Präsidenten López Obrador zur Umgestaltung des Südens des Landes Vorrang. Fünf Infrastruktur-Großprojekte sollen die wirtschaftliche Kluft zwischen dem industrialisiertenNorden und dem armen Süden schließen. All diese geplanten Megaprojekte stehen im Einklang mit den politischen und wirtschaftlichen Interessen der USA in dieser Region.* Das mit den Zapatisten solidarische Netzwerk „Ya Basta“ erklärte, dass hinter den Megaprojekten die Logik stehe, Territorien nach den Bedingungen des Neoliberalismus umzubauen. Ihre Verwirklichung stelle eine ernste Bedrohung für die dortige Bevölkerung, ihre Territorien und die Ökosysteme dar. Insbesondere verletzt das Projekt „Tren Maya“ das Recht der indigenen Bevölkerung auf Selbstbestimmung. Das geplante Eisenbahnnetz soll touristische Orte an der Atlantikküste mit den archäologischen Maya-Stätten im Landesinneren verbinden. Dazu sollen neue Städte sowie erforderliche Straßennetze u.a.m. entlang der Bahnstrecke entstehen. Die Regierung verspricht Schaffung von Arbeitsplätzen, Fortschritt und Wohlstand. Zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen in Mexiko befürchten, dass das sensible Ökosystem der Region zerschnitten und zerstört wird, der ohnehin niedrige Grundwasserspiegel weiter absinkt und die in der Region lebenden bedrohten Tierarten weiter an den Rand der Ausrottung gedrängt werden. Die Maya-Gemeinden befürchten ihre Vertreibung und die schrittweise Zerstörung ihrer Lebensweise sowie die Rodung des Regenwaldes. Der Tren Maya würde ihre Kultur kommerzialisieren, ihnen aber keinen Nutzen bringen. Er diene nur zur Bereicherung weniger Unternehmen. Zu diesen Unternehmen gehört auch die Deutsche Bahn, die seit Dezember 2020 am Bau des Tren Maya beteiligt ist. Mitten durch das Biosphärenreservat Calakmul sollen Schienen verlegt werden. Wie passt das zum „grünen Image“ des Konzerns? Erstaunlich dabei ist, dass im April 2021 die Bundesrepublik Deutschland die ILO-Konvention 169 zum Schutz der Rechte der „eingeborenen und in Stämmen lebenden Völker“ weltweit ratifiziert hat. Der Tren Maya ist ein neokoloniales Projekt, geplant von oben, ohne die betroffene Bevölkerung angemessen einzubeziehen. Das verlangt aber ILO 169, die Mexiko ratifiziert hat. Das Kernstück ist das Recht auf Konsultation, d.h. der Staat muss indigene Gemeinschaften befragen, bevor sie von Handlungen des Staates betroffen sind. Genau das ist beim Tren Maya bei einer Reihe von 2019 durchgeführten Konsultationen nicht gemäß den Bestimmungen geschehen, wie Vertreter: innen der UNO vor Ort kritisiert haben. Auch kam es vor, dass Unternehmen, die im Auftrag der Regierung mit den Anwohner:innen über die Durchfahrtsrechte der Züge verhandelten, diese betrogen, erpresst und bedroht haben – auch mit Waffengewalt.

Streckenverlauf, Quelle: Wikipedia

Die Deutsche Bahn ist ein bundeseigener Betrieb. Beim Tren Maya ist offensichtlich, dass menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflicht verletzt wurden und werden. Verbindliche Menchenrechtsstandards für Unternehmen, die im Ausland investieren, seien notwendig; zumindest sollte das für bundeseigene Betriebe wie die Deutsche Bahn gelten. Entlang der gesamten Lieferkette sollte die Umsetzung der Konvention von Auftraggebern und Partnerfirmen konsequent eingefordert werden. *Seit 1994 besteht das Freihandelsabkommen NAFTA zwischen USA, Kanada und Mexiko bzw. der Nachfolgevertrag USMCA seit n 1.7.2020.


Desfile de la Conquista, Foto: Julia Trautenberger

MAI 2022 KW 18 19 20 21 22

Mo 2 9 16 23 30

Di 3 10 17 24 31

Welttag der Pressefreiheit

Mi 4 11 18 25

Do 5 12 19 26

Fr 6 13 20 27

Sa 7 14 21 28

Tag der Arbeit

So 1 8 15 22 29


GESCHICHTE GUATEMALAS

(Ursachen und Verlauf des Bürgerkrieges in Guatemala) *1523-25 Eroberung Guatemalas durch die Spanier unter Pedro de Alvarado. In der Kolonialzeit werden die z.T. bis heute andauernden politischen und sozioökonomischen Strukturen geschaffen. *Erklärung der Unabhängigkeit von Spanien 1821; Eigenstaatlichkeit ab 1847 *Beginn des 20.Jhdts: Verträge Guatemalas mit US-Großunternehmen wie z.B. mit UFCO (United Fruit Company). UFCO erwirbt sehr viel Land und lässt es zum Teil brach liegen, pachtet für 99 Jahre die Eisenbahnlinien und den einzigen Hafen – Guatemala wird zur „Bananenrepublik“. Das Land wird seit der Unabhängigkeit durchgehend von Diktatoren regiert. *1944 Sturz von Diktator General Jorge Ubico.

Protest gegen Massakern an den IXIL • Quelle: Archiv Igla

*1944-1954 „Die zehn Jahre des demokratischen Frühlings“: sozialliberale Reformen von J.Arévalo und J. Arbenz. Letzterer verfügt im Zuge einer umfassenden Agrarreform die Enteignung brach liegenden Landes, auch das der UFCO, welches an landlose bzw. landarme Bauern verteilt wird. Das führt zu einem von der CIA geplanten und gestützten Militärputsch von Oberst Castillo Armas. Die Reformen und die Landenteignungen werden von Armas rückgängig gemacht, Gewerkschaften und oppositionelle Parteien verboten. *Ein Putschversuch oppositioneller junger Offiziere 1960 scheitert. Einige von ihnen gründen daraufhin die erste Guerilla, die „Fuerzas Armadas Rebeldes“ (FAR). Nach und nach bilden sich weitere Guerillaorganisationen wie die EGP, ORPA und PGT. *1978 kommt es zum ersten großen Massaker an der indigenen Bevölkerung. Mehr als 100 Männer, Frauen und Kinder versammeln sich friedlich am Hauptplatz von Panzos, um für ihre Landrechte zu demonstrieren. Fast alle werden sie vom Militär niedergemetzelt. *1980 wird die spanische Botschaft besetzt, um gegen ein Massaker in Uspantán zu protestieren. Bei der Erstürmung der Botschaft durch die Polizei, geht diese in Flammen auf, in denen 39 Menschen umkommen. Spanien bricht daraufhin die diplomatischen Beziehungen mit Guatemala ab. *1982 putscht sich General Ríos Montt, auch Priester der evangelikalen Sekte „El Verbo“, an die Macht. Er betreibt eine „Politik der verbrannten Erde“. Die Ixil-Ureinwohner z.B. werden Opfer dieser

Vernichtungsstrategie - etwa 400 Dörfer werden zerstört, über 1100 Bewohner ermordet, mehr als 1400 Frauen vergewaltigt. Er führt auch die PAC ein, bewaffnete Zivilisten zur Verteidigung der Dörfer gegen die Guerilla und zur Kontrolle der Dorfbewohner. Die Indigenen werden zur Teilnahme gezwungen. *1982 Gründung der URNG (Zusammenschluss der vier agierenden Guerilla-Organisationen). *Schätzungen zufolge werden mehr als 600 Massaker verübt, ebenso viele Dörfer vernichtet. Etwa 200 000 Tote, 45 000 Vermisste, eine Million interne Flüchtlinge, 100 000 in die Nachbarländer geflüchtete Menschen und eine vollständig traumatisierte Bevölkerung sind die Bilanz des staatlichen Terrors. *1992 wird der im Exil lebenden Maya Rigoberta Menchú Tum der Friedensnobelpreis für ihren Kampf um Gerechtigkeit und Frieden in Guatemala verliehen. *Am 29.12.1996 Nach 36 Jahren Bürgerkrieg unterzeichnen URNG und Präsident Alvaro Arzú Irigoyen unter Vermittlung der UNO die Friedensverträge. *1998 Bischof Juan Girardi wird als Hauptverantwortlicher des Wahrheitsberichtes „Nunca Mas“ zwei Tage nach dessen Veröffentlichung von Soldaten ermordet. Anmerkung: „Leben in Guatemala“ von Elisabeth Burgos und Rigoberta Menchu, Verlag Lamuv

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Jesus-Inflation, La Concepción, Sololá © Julia Trautenberger

JUNI 2022 KW

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23 24 25 26

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Weltflüchtlingstag

Sommersonnenwende

Mi 1 8 15 22 29

Do 2 9 16 23 30

Fr 3 10 17 24

Sa 4 11 18 25

So 5 12 19 26


Protestdemonstration 2021, Quelle: Zeitschrift „Nueva Sociedad“

GUATEMALA - 25 Jahre nach dem Friedensschluss Nach dem verheerenden 36 Jahre lang andauernden Bürgerkrieg musste die Regierung Guatemalas unter dem Druck der Vereinten Nationen mit der Guerillafront URNG im Dez. 1996 die Friedensverträge unterzeichnen. Ein Teilabkommen galt den Rechten der indigenen Völker, der Bevölkerungsmehrheit – ein vorbildliches Dokument. Doch ist die Regierung die Umsetzung des Abkommens bis heute weitgehend schuldig geblieben. Das Abkommen definiert die guatemaltekische Nation als multiethnische, plurikulturelle und mehrsprachige Einheit. Es anerkennt die Identität der Maya, Garifuna und Xinca als Völker. Ethnische und rassische Diskriminierung werden erstmals als strafrechtlicher Tatbestand anerkannt. Autonomie auf Gemeindeebene sei möglich. Partizipation und Repräsentation der indigenen Völker soll es auf allen administrativen Ebenen geben. Die UN-Konvention ILO 169, welche die Grundrechte indigener Völker fixiert, wurde im Juni 1996 ratifiziert. Am 29.Juli 2021 fand ein landesweiter Generalstreik statt, bei dem tausende Menschen gegen die Korruption der Regierung demonstrierten. Auslöser war die Amtsenthebung des Leiters der Antikorruptionsermittlungen, J.F.Sandoval, der Untersuchungen wegen Wahlmanipulation bei der Ernennung neuer Richter am Obersten Gerichtshof geführt hatte. Sie forderten den Rücktritt des rechtskonservativen Präsidenten Alejandro Giammattei, ein entschiedenes Vorgehen gegen Korruption und Straflosigkeit sowie die Einberufung einer plurinationalen verfassunggebenden Versammlung. Die wochenlang andauernden Proteste richteten sich auch gegen die prekäre wirtschaftliche Situation, das Missmanagement und den diskriminierenden Umgang der Regierung mit der Pandemie.

Die indigene Bevölkerung ist von der Corona-Impfung faktisch ausgeschlossen. Leiria Vay García von Codeca (Ausschuss für bäuerliche Entwicklung) meint: „Mit dem Friedensabkommen 1996 hatten wir die Illusion, in Sicherheit leben zu können. Mit dem Vorwand, das Land zu entwickeln, hat man transnationalen Unternehmen und dem Extraktivismus die Türen geöffnet. Für die indigenen Völker bedeutet das mehr Repression, Ausbeutung, Armut, Analphabetismus und mehr Tote“. Derzeit werden immer neue Konzessionen an nationale und transnationale Konzerne für Bergbau, Erdölförderung und Staudämme vergeben. Die Agroindustrie kann sich ungehindert ausbreiten, Landgemeinden aus ihrem angestammten Gebiet vertreiben und deren Gebiete sich aneignen. Es stimmt nicht, dass diese Projekte den Gemeinden Fortschritt und Arbeitsplätze bringen. Im Gegenteil – es gibt keine Teilhabe am Gewinn. Sie verlieren ihren Mais, ihre Bohnen, ihre Kardamomfelder. Verseuchtes Wasser und unfruchtbare Äcker sind oftmals die Folgen des Bergbaus. Guatemala ist für Menschen, die sich für Landrechte, Umweltschutz und Menschenrechte einsetzen, eines der gefährlichsten Länder der Welt. Sie werden bedroht, verfolgt und getötet (allein in den letzten zwei Jahren sind zwanzig Codeca-Aktivist:innen ermordet worden). Die Lebensumstände der Bevölkerung sind äußerst problematisch. Mehr als 50% leben in Armut oder extremer Armut, in manchen indigenen Gemeinden sogar bis zu 90%. Fast die Hälfte der Kinder ist unterernährt. Nur ein Fünftel der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Wasser. Angesichts dieser Situation in Guatemala stellt sich die Frage, was die Friedensverträge und die Ratifizierung von ILO 169 seitdem tatsächlich an positiver Entwicklung für die Völker Guatemalas gebracht haben. Wieviel Demokratie existiert noch n in diesem Land?


Mam-Maya, Foto: Julia Trautenberger

JULI 2022 KW

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Fr 1 8 15 22 29

Sa 2 9 16 23 30

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artigen Mythos einer Agrargesellschaft folgt die Beschreibung der Herkunft der beiden Hauptstämme, der Quichés und der Cakchikeles, der Wanderungen des Quiché-Volkes, der Gründung von Städten und eines Reiches, dessen Königsfamilien auf göttlichen Ursprung zurückgeführt wird. Das Buch beinhaltet ebenso die Genealogien der Stämme.

Maisgott auf klassischer Keramik, Quelle: Wikipedia

DIE MAISMENSCHEN Popol Vuh – „Buch des Rates“- gehört zu den großen Schriften des Menschheitsmorgens. Es ist das heilige Buch der Quiché-Maya in Guatemala. Der Ursprung liegt in uralten Überlieferungen, die im gesamten Kulturraum der Maya verbreitet waren und in MayaSchrift aufgeschrieben wurden. Nach den Worten von Córtes: „Acabar con el alma de Indio” ermordeten die Spanier systematisch die Kulturträger, das waren die Fürstenhäuser und Priester. Die Tempel wurden geschleift, die Götterbilder zerschlagen, die Schriften und Bücher als „Teufelszeug“ verbrannt. Einigen Priestern gelang es jedoch, Abschriften alter Maya-Bücher anzufertigen, wobei sie auch schon lateinische Schrift verwendeten. 1702 fiel dem spanischen Dominikaner Francisco Ximénez in der Stadt Chichicastenango (Guatemala) eine dieser Abschriften in die Hände. Anstatt sie vorschriftsmäßig zu vernichten, erkannte er ihre Bedeutung und fertigte eine weitere Abschrift an sowie eine Übersetzung ins Spanische. Das erhaltene originale Manuskript befindet sich heute in der Newberry Library in Chicago. Das Buch beginnt mit dem Schöpfungsmythos der Maya, Erzählungen über mythische Helden und Halbgötter, schildert Ballspiel und die Bezwingung der Unterwelt Xibalbá und den dreimaligen Versuch der Götter, den Menschen zu erschaffen. Auf diesen groß-

Die Schöpfung „Das ist die Kunde: Da war das ruhende All. Kein Hauch. Kein Laut. Reglos und schweigend die Welt. Und des Himmels Raum war leer. Noch war der Erde Antlitz nicht enthüllt. Aber im Wasser, umflossen von Licht waren die Götter, Schöpfer und Former; große Weisheit und Kunde ist ihr Wesen. So beschlossen sie die Schöpfung und den Beginn des Lebens. So wurde entschieden in Nacht und Finsternis vom Herzen des Himmels, Huracán genannt. Es geschehe! Es fülle sich die Leere! Weichet zurück, ihr Wasser und gebet Raum, dass die Erde aufsteige und sich festige! Es werde Licht! Dass Himmel und Erde sich erhellen!“ So wurde das Werk vollendet, dass sie vollbrachten nach reiflicher Überlegung. Die Götter sprachen – „Lasst uns ein Wesen schaffen, das gehorsam sei und ergeben, das sprechen, uns anrufen und verehren kann, uns nährt und erhält – den Menschen“. Zuerst machte sie den Menschen aus Lehm. Aber sie sahen, dass es nicht gut war. Bald weichten es die Wasser auf. Nun versuchten die Götter, den Menschen aus Holz zu schaffen. Diese hatten aber keine Seele, keinen Verstand und erinnerten sich nicht an ihre Schöpfer und Former. Darauf erweckte das Herz des Himmels eine große Flut und die Wesen aus Holz wurden ertränkt. Tiere brachten ihnen den geeigneten Lebensstoff, den Mais. Aus Maismehl formten sie das Fleisch der ersten vier Menschen, die den Körper von Männern hatten. Durch Zauber wurden sie geschaffen. So ging der Mais durch der Erzeuger Werk in die Schöpfung ein. Doch diese Wesen waren allwissend wie die Götter. Das sahen die Schöpfer und Former gar nicht gerne. Da warf das Herz des Himmels einen Schleier über die Augen der Menschen, wie wenn ein Hauch über den Spiegel geht. Die Menschen konnten nur mehr sehen, was nahe und klar war. Dann wurden die Weiber geschaffen. Die Götter selber machten sie mit aller Sorgfalt. Anmerkung: „Die Maismenschen“ – ein Roman des magischen Realismus von Miguel Angel Asturias (Guatemalteke, Mestize, Literan turnobelpreis 1967)


© Brigitte Bannert

AUGUST 2022 KW 31 32 33 34 35

Mo 1 8 15 22 29

Di 2 * 9 16 23 30

Mi 3 10 17 24 31

* Int. Tag der indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt

Do 4 11 18 25

Fr 5 12 19 26

Sa 6 13 20 27

So 7 14 21 28


MAIS (von “mahiz” aus der Sprache der Taíno-Arawak-Indianer auf den karibischen Inseln) In Österreich und Bayern wird auch der Name Kukuruz (aus dem Slawischen) verwendet. Mais (Zea mays) ist eine Pflanze aus der Familie der Süßgräser. Dieses Getreide stammt ursprünglich aus Mexiko. Weitgehend unstrittig ist, dass das Wildgras Teosinte der wilde Vorfahr des Maises ist. Die Entwicklung des heutigen Kulturmaises, der sich ohne menschliche Hilfe nicht fortpflanzen kann, da sich bei ihm die Körner nicht mehr von alleine lösen wie beim Teosinte, gilt als eine der größten Domestizierungsleistungen des Menschen. 2008 stellten Forscher fest, dass Teosinte aus dem tropischen Regenwald des Rio-Balsas-Beckens in Zentralmexiko stammt. Im dortigen Xihuatoxtla fanden sich 8 700 Jahre alte Spuren und dazu entsprechende Werkzeuge. Prähistorische Reste von kultiviertem Mais fand man nicht nur in Mexiko, sondern auch in Peru, Panama, New Mexiko und Arizona. Relativ rasch kam Mais nach der Entdeckung der Neuen Welt (1492) nach Spanien und von dort breitete sich der Maisanbau zuerst in Südeuropa und im Vorderen Orient aus und danach über die ganze Welt. Kulturmais ist einhäusig getrenntgeschlechtlich. An der Spitze des Halmes befinden sich die männlichen rispigen Blütenstände. Ein bis drei weibliche Blütenstände wachsen in Blattachsen am unteren bis mittleren Bereich des Halmes. Die Maiskolben können weiß, goldgelb, rot, blau oder auch schwarzviolett und gemischtfarbig sein. Die Maispflanze ist einjährig und kann in tropischen Gebieten eine Höhe von bis zu fünf Metern erreichen. Die Bestäubung der weiblichen Blüten erfolgt durch Windtransport der Pollen. Fremdbestäubung wird dadurch begünstigt, dass die Pollen entlassen werden, bevor die Narben der eigenen weiblichen Blüten empfängnisbereit sind. In Mitteleuropa dauert die Blütezeit von Juli bis September. Mais nahm bei der Weltgetreideernte (2017) vor Weizen und Reis den ersten Platz ein. Über 60% wird für die Fütterung von Nutztieren verarbeitet. Ein Teil wird zur Erzeugung von Bioethanol und Biogas genutzt, wie auch zur Herstellung von bio-basierten Kunststoffen. In der Lebensmittelindustrie spielt Mais eine sehr wichtige Rolle. Mais hat wie Reis und im Gegensatz zu anderen Getreidesorten den Vorzug, glutenfrei zu sein. In Lateinamerika und Afrika ist Mais eines der Grundnahrungsmittel der Bevölkerung. Das Wissen um den Anbau von Kulturmais, geraubt von den spanischen Eroberern, hat in weiten Teilen der Erde zu einer immensen Bereicherung geführt. Eigentlich müsste die Menschheit dem Volk der Maya unendlich dankbar sein. Das Gegenteil ist der Fall – 500 Jahre Unterdrückung und Ausbeutung finden auch heute kein Ende. Landraub und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen bedrohen sie und ihre traditionelle Lebensweise mehr denn je. Im kapitalistischen Wirtschaftssystem spielen

Maispflanze, Illustration, Quelle: Wikipedia

Geistiges Eigentumsrecht, Sortenschutz, Patentrecht usw. eine große Rolle. Folglich müsste man die Maya für ihre kulturelle Leistung entschädigen (Vorteilsausgleich) und die postkolonialen Verhältnisse sofort beenden. Weiter könnten von der Internationalen Gemeinschaft Restitutionszahlungen für Gemeinschaftssamenbanken und Bildung und freier Zugang zu allen n Genbanken der Welt gefordert werden.


Tortilla-Verkäuferin, San Cristóbal de las Casas, Foto: Julia Trautenberger

SEPTEMBER 2022 KW 36 37 38 39

Mo Tag der *Indigenen Frau

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7 14 21 28

Do 1 8 15 22 29

*Todestag von Bartolina Sisa (1782), einer Aymara-Kämpferin gegen die spanische Kolonialherrschaft in Bolivien. Sie wurde von Truppen der spanischen Krone gevierteilt.

Fr 2 9 16 23 30

Sa 3 10 17 24

So 4 11 18 25


TLAXCALLI (Auf Nahuatl)– das Brot der Maya (Tortilla auf Spanisch)

Mais ist ein vollwertiges Nahrungsmittel. Er enthält Kohlehydrate, Eiweiß, Fett, Mineralien sowie viele Vitamine. Allerdings hängt es von der Zubereitung ab, ob diese Inhaltsstoffe für den Menschen alle verwertbar sind. In Guatemala und Südmexiko, besonders in ländlichen Gebieten werden Tlaxcalli weiterhin von fleißigen Frauenhänden aufbereitet und geformt. In größeren Orten gibt es Tortillerias, wo Maschinen das runde fladenartige Maisbrot schneller in größerer Anzahl produzieren können. Traditionell werden die groben Maiskörner in Wasser mit gelöschtem Kalk oder Holzasche gekocht und über Nacht eingeweicht. Dadurch wird das im Mais enthaltene Niacytin in vom menschlichen Körper verwertbare Nicotinsäure (Vitamin B3) umgewandelt. Ein Mangel an B3 kann die Krankheit Pellagra hervorrufen (Symptome: Durchfall, Hauterkrankungen, Demenz). Außerdem ermöglicht das alkalische Kalkwasser erst das Abtrennen der beim Mais sehr fest mit dem Korn verwachsenen Spelzen, erhöht die Bioverfügbarkeit der enthaltenen Proteine und Vitamine, verbessert Geruch und Geschmack; die Körner werden poröser, wodurch das Mahlen erleichtert wird. Diese Methode, die als Nixtamalisation bezeichnet wird, wurde in Oaxaca nachweislich bereits um 1.500 v. Chr. verwendet und ist möglicherweise erheblich älter. Sie gilt als eine der wichtigsten Erfindungen der mesoamerikanischen Zivilisation. Am nächsten Tag wird die aufgequollene Maismasse auf einem steinernen gebogenen Mahltisch (petate) mit einer steinernen Handrolle (mano) zu einem Backteig zermahlen, die Tlaxcalli geformt und auf einer heißen Platte (comal) gebacken. Man kann den Backteig auch wieder trocknen und zu einem Mehl (masa harina) zermahlen. Dieses, mit etwas Wasser vermischt, ergibt wieder eine formbare Masse. Weizentortillas: In Nordmexiko und in den USA sind Weizentortillas verbreitet. Diese sind auch kalt weich und biegsam, weil sie mehr Fett entn halten als Maistortillas.

Mais mahlen, © Rainer Hosting


Huipil (Bluse) und facha (Gürtel), Nebaj , Foto: Julia Trautenberger

OKTOBER 2022 KW

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Nationalfeiertag

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Erstaunlich, aber mit diesem einfachen Hüftwebstuhl kann man jede Webtechnik ausführen. Das Webegerät wird am oberen Ende an einem Haken, Baum oder Ähnlichem befestigt. Das untere Ende wird mit einem Gurt um die Hüfte gebunden und gibt so mit dem eigenen Körper die notwendige Spannung. Zum Aufbewahren oder Transport wird die Arbeit einfach eingerollt und mit einer Schnur zugebunden. Die Motive werden in Seide, Baumwolle, Wolle oder Kunstfaser eingearbeitet, entweder in abstrahierter Form aus der Natur und dem täglichen Leben oder es sind Symbole aus der spirituellen und religiösen Welt der Maya. Abgesehen davon, dass die spanischen Eroberer befohlen haben, dass jedes Dorf an seiner eigenen Tracht zu erkennen sein muss, hat jedes Dorf strenge traditionsgebundene Regeln, die Farbwahl, Motive und Einwebtechnik betreffend, genauso wie bei den Teilen der Tracht und ihrer Zusammenstellung.

Hüftwebstuhl, © Brigitte Bannert

DIE WEBKUNST DER MAYA Schon seit urdenklichen Zeiten weben die Frauen der Mayas auf einem einfachen Hüftwebstuhl. Es ist ein wesentlicher Teil ihrer Kultur, der sich erhalten hat, vor allem im Hochland von Guatemala. Sie geben ihr Wissen an die Töchter weiter, die nur durch Zusehen und Nachahmen lernen. Oft fangen sie damit schon mit vier Jahren an, die farbenfrohen und den Vorstellungen ihrer Gemeinschaft entsprechenden Muster herzustellen. Vor allem die Frauen sind es, die die kulturelle Identifikation durch ihre Kleidung bewahren und diese wird traditionell gewebt. Als Schöpferin der Kunst des Webens gilt die Göttin Ix Chel. Im Götterpantheon nimmt Ix Chel eine wichtige Stellung ein. Sie ist Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin, Erdgöttin, Schutzherrin des Wassers, des Regenbogens und der Schwangeren, Heilerin und Bringerin von Weisheit. Die Atlantikinsel Cozumel war als Zentralheiligtum der Göttin geweiht. NAMENSGLYPHE VON IX CHEL

Die Maya-Frauen verwenden drei Einwebtechniken: 1. Einseitig sichtbar: Vorderseite – Muster/Rückseite -Grundgewebe. 2. Zweiseitig sichtbar: Vorderseite – Muster/Rückseite - die negative Form des Musters. 3. Doppelseitig sichtbar: Das Muster ist auf beiden Seiten sichtbar.

Im Gegensatz zu den Frauen tragen viele Männer schon westliche Kleidung (Hose, Jacke) und nur mehr Teile der Tracht wie eine rote Schärpe oder Tasche als Zubehör. In besonders traditionsbewußten Dörfern jedoch stellt der Mann wesentliche Teile seiner Tracht selbst her. Zur Erzeugung von breiten Stoffen (tejidos) wird auch der von Europa eingeführte Trittwebstuhl (telar de pie) verwendet, was fast ausschliesslich Sache der Männer ist. Die Fäden zum Weben wurden bis vor nicht allzu langer Zeit mit Extrakten von bestimmten Rinden, Früchten, Pflanzen, Läusen und Schnecken selbst eingefärbt. Heute übernehmen das weitgehend chemische Großkonzerne. Eine besonders kunstvolle und langwierige Art des Einfärbens gewebter Stoffe ist „Ikat“, von den Indigenen jaspe genannt, die außer in Guatemala nur noch in Zentralindien und Bali vorkommt. Dies ist Aufgabe des Mannes. Das Zentrum der Erzeugung dieser prunkvollen Stoffe (corte) ist Salcajá bei Quetzaltenango. Sollte man einen groben Fehler in einem Webstück finden, so wurde dieser absichtlich gemacht, denn keinem Sterblichen steht es zu, ein perfektes Webstück herzustellen; das ist den Göttern n vorbehalten. Anmerkung: „Einfaches Weben“ von Riedinger, Verlag Paul Haupt


San Lucas Toliman, Foto: Julia Trautenberger

NOVEMBER 2022 KW 45 46 47 48

Mo 7 14 21 28

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Tag der Toten

Mi 2 9 16 23 30

Do 3 10 17 24

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Sa 5 12 19 26

*„Int.Tag für Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“

So 6 13 20 27


MAYA – die bedeutendsten Kulturschöpfer Altamerikas 1 Der Beginn der Maya-Kultur wird von Archäologen um 1500 v.Chr. vermutet. Eine Bauerngesellschaft, deren Ernährung hauptsächlich auf Mais, Bohnen, Kürbis, Chili, Tomaten und Kakao basierte, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer differenzierten Gesellschaft mit Bauern, Handwerkern, Händlern, Kriegern, Beamten und Priestern, die Schrift, Kalender und ein Zahlensystem entwickelten. In ihren Kenntnissen der Mathematik und Astronomie waren die Maya zur Blütezeit ihrer Kultur um 500 n.Chr. ihren europäischen Zeitgenossen weit überlegen. Sie beherrschten den intensiven Ackerbau mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen. Die Städte mit ihren imposanten Anlagen und Bauten, die wir heute als Zeugen dieser Hochkultur kennen, entstanden in der klassischen Periode (250-900 n.Chr.). Die Maya waren in Stadtstaaten mit jeweils einem Gottkönig organisiert, die gegeneinander Kriege führten, um Geiseln und Nahrungsmittel zu erbeuten. Obwohl die Hieroglyphenschrift inzwischen entziffert werden konnte, weiß man noch immer sehr wenig über ihren Alltag, da die Spanier in ihrem Zerstörungswahn die Schriften der Maya (Códices) verbrannten. Ein Rätsel bleibt bis heute der plötzliche Untergang der Hochkultur im 10. Jahrhundert. Hinweise auf Kriege, Seuchen, Naturkatastrophen u.a. hat man nicht gefunden. Einige Archäologen vermuten einen selbstverschuldeten ökologischen Kollaps. Die erstaunlichen Errungenschaften dieser hochentwickelten Kultur sind so vielfältig, dass man sie kaum kurz darstellen kann. MATHEMATIK: Die Maya erfanden ein Stellenwertsystem mit der Zahl 0 als Platzhalter und 20 als Einheit – das Vigesimalsystem. Damit konnten sehr große Zahlen für kalendarische Angaben angegeben und astronomische Berechnungen durchgeführt werden. Für die Zahlen 1 bis 19 wurden beim Punkt-Strich-System die Zahl 1 durch einen Punkt dargestellt, die Zahl 5 durch einen Strich. Die Maya verwendeten ausschließlich positive ganze Zahlen. ASTRONOMIE: Die Maya entwickelten ein komplexes Verständnis für die Astronomie. Sie glaubten an eine Verbindung zwischen dem Menschen, seinem Tun und dem Kosmos. Sie verehrten die Sonne, die Venus und den Mond als Gottheiten, welche von den Priestern genau beobachtet und studiert wurden. Zur Beobachtung des Himmels wurden Observatorien wie „El Caracol“ in Chichen Itza/Yucatán errichtet. Trotz ihres geozentrischen Weltbildes stimmen viele Ergebnisse wie die Umlaufzeiten von Venus und des Mondes mit unseren heutigen fast überein. Für die Dauer eines Sonnenjahres berechneten sie einen Wert von 365,2420 Tagen (heute: 365,2422). Damit war der Maya-Kalender exakter als der damals in Europa gültige Julianische Kalender. Sie konnten Sonnen- und Mondfinsternisse vorhersagen und die Zeitpunkte von Winter- und Sommersonnenwende angeben. KALENDER: Im Gegensatz zu unserem linearen hatten die Maya ein zyklisches Verständnis der Zeit. Die Kalender Tzolkin (Ritual-

Haab-Kalender, Quelle Wikipedia (Theilr/Flickr)

Zahl Null

Izamná im Maul des Himmelsdrachen, Quelle: Wikipedia (Lacambalam)

kalender mit 260 Tagen) und Haab (säkularer Kalender mit 365 Tagen mit 18 Monaten zu jeweils 20 Tagen plus einem zusätzlichen Monat aus 5 Tagen, welcher als Unglücksbringer galt) wurden parallel benutzt. Eine solche Kombination kann sich erst wieder in ca. 52 Jahren – die „Kalenderrunde“ – wiederholen. Der dritte Kalender „Long Count“ gibt die Tage seit dem Tag Null an, an welchem die Welt erschaffen wurde; dies war für die Maya der 11. August 3114 v.Chr. Eine Kombination aus diesen drei Kalendern ergibt einen Zyklus von 374 152 Jahren. Damit konnten sie mit ihrem mathematischen System große Zeiträume angeben und Ben rechnungen in sehr großen Dimensionen durchführen.


Chichicastenango, Frau mit Räucherwerk, Foto: Julia Trautenberger

DEZEMBER 2022 KW 49 50 51 52

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7 14 21 28

Weihnachten

Wintersonnenwende

Do 1 8 15 22 29

Fr 2 9 16 23 30

Sa 3 10 17 24 31

Tag der Menschenrechte

So 4 11 18 25

Weihnachten


Kraggewölbe in Labná, Yucatán Foto: Julia Trautenberger

Fresco in Bonampak, Quelle: Wikipedia (greelan)

MAYA – die bedeutendsten Kulturschöpfer Altamerikas 2 GÖTTERWELT: Das Pantheon ist äußerst komplex und nur teilweise bekannt. Interessant ist ein Gott über den Göttern, Hunab Ku, ein Entwurf einer Integration des Christengottes im 16. Jahrhundert unter dem Einfluss der Mission. Jedenfalls waren die Götter und Göttinnen eng mit dem Kalender und dem Alltag verbunden. Sie bestimmten das Schicksal der Menschen. Zahlreiche Opfergaben wurden ihnen dargeboten von Räucherwerk bis zum Menschenopfer. Auch Ballspiele wurden zu Ehren der Götter abgehalten, wobei ein mehrere Kilogramm schwerer Kautschukball durch einen Steinring geworfen werden musste, aber niemals den Boden berühren durfte. Die Verlierermannschaft soll den Göttern geopfert worden sein. In der Mythologie der Maya besteht das Universum aus drei Ebenen: neunschichtige Unterwelt Xibalbá (Ort des Schreckens), von den Menschen bewohnte mittlere Welt und die himmlische Welt. Der Weltenbaum (Wacah Chan) verbindet die drei Ebenen, die natürliche und übernatürliche Welt. Der Baum Ceiba ist den Maya heilig; er repräsentiert den Weltenbaum. SCHRIFT: Die Maya gelten als die Schöpfer der einzigen bekannten vollentwickelten Schrift des präkolumbianischen Amerikas, deren Entzifferung erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gelang. Die Schriftzeichen können sich aus Logogrammen und Silbenzeichen zusammensetzen. Die ältesten gefundenen Schriftglyphen stammen aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. (präklassische Periode).

SPRACHE: Sehr lange liegt die Aufspaltung der Urform der Maya-Sprachen in die zwei Hauptzweige zurück, dem Tiefland- Maya (z.B. Mayathan in Yucatan) und dem Hochland- Maya (z.B. Quiché, Cakchiquel, Kekchi in Guatemala), die heute noch gesprochen werden. ARCHITEKTUR: Die Maya errichteten große Plätze, Regierungsgebäude, Paläste, religiöse Gebäude, Pyramidentempel, Ballspielplätze, Observatorien u.a.m. Sie schmückten ihre Bauten mit komplizierten Steinschnitzereien, Stuckstatuen und Farbe. Bei mehreren Pyramiden hat man im Innern Grabkammern gefunden. Bei fast allen Palästen und Pyramiden kann man einen Bezug zur Mythologie und Astronomie finden. BILDENDE KUNST: In der Blütezeit der Maya-Zivilisation entwickelten sich die materiellen Künste zu sehr hohem Niveau, obwohl sie keine Werkzeuge aus Metall kannten. Besonders beeindruckend sind die noch erhaltenen Wandmalereien (z.B. Fresken von Bonampak) und die vielfältige Keramik, deren Bemalung und Beschriftung eine wichtige Rolle bei der Rekonstruktion des Lebens und Glaubens der klassischen Maya spielen sowie die aus Rindenpapier oder Leder hergestellten Bücher. Von den traditionellen Künsten haben sich seit der Conquista lediglich die Kunst des Webens, die Produktion von Textilien aus Baumwolle und Färbetechniken wie „Ikat“ erhalten sowie die Gestaltung der Bauernhäuser. Anmerkung: „Die Maya“ von Wilfried Westphal, Goldmann Sachbuch

IMPRESSUM: Herausgeberin und für den Inhalt verantwortlich: Julia Trautenberger, 1140 Wien, Lautensackgasse 26/3 Design: Marco Antonio Sanhueza • Druck: Printpool, Stiftgasse 27. 1070, Wien • www. printpool.at Vielen Dank an Hermann Klosius (Igla) für seine Mitarbeit!

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