#9 / September 2016
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Gesichter zeigen
Ausstellung in Lustenau zeigt Porträts und Texte von Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern. Mehr dazu auf den Seiten 30/31. Fotos: Gerhard Klocker
Man muss mit allem rechnen, auch mit etwas Schönem. [ Stanislav Jerzy Lec ]
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Projekt Spreefeld, Berlin (2014), Architekten: ArGE Carpaneto, FAT Köhl, BAR Architekten, Die Zusammenarbeiter. Foto: Ute Zscharnt
Daheim | Bauen und Wohnen in Gemeinschaft Ausstellung 23. September 2016 bis 21. Januar 2017 Eröffnung | 22. September 2016, 19 Uhr
R E M IS M U S RECHTSEXT IC H IN Ö ST E R R E
Vorträge, Exkursionen, Themenführungen, Ideenbörse für gemeinschaftliche Bauprojekte Termine unter www.v-a-i.at
PRÄSENTATION UND DISKUSSION DES GRÜNEN RECHTSEXTREMISMUSBERICHTS 2016 2015 stieg die Zahl der rechtsextremen Straftaten um 50% an – ein beunruhigender Höchststand. Rechtsextremes Gedankengut verbreitet sich, das Gewaltpotential wächst. Politik und Zivilgesellschaft müssen diesen Entwicklungen mit Information und Aktion engagiert entgegentreten.
Ein Grund für die Grünen, 2016 erstmals einen eigenen Rechtsextremismusbericht zu erstellen. Schließlich wurde der ursprünglich jährlich erscheinende Rechtsextremismusbericht der Bundesregierung 2002 unter Schwarz-Blau abgeschafft. Die grünen Nationalratsabgeordneten Karl Öllinger und Harald Walser, beide ausgewiesene Kenner der rechten Szene, präsentieren den grünen Rechtsextremismusbericht in Vorarlberg und gehen dabei auch auf die aktuelle Situation im Ländle ein. Zum anschließenden Podiumsgespräch ist Karin Schindler-Bitschnau eingeladen. Sie ist als Lehrerin für Politische Bildung und als ehemalige Projektleiterin für die Seligsprechung des von den Nationalsozialisten ermordeten Priesters Carl Lampert seit Jahren mit der Vermittlungsarbeit zu Nationalismus und Rechtsextremismus befasst.
Vorarlberger Architektur Institut Marktstraße 33 | 6850 Dornbirn | Austria Telefon +43 5572 511 69 | info@v-a-i.at www.v-a-i.at Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr Donnerstag bis 20 Uhr | Samstag 11 bis 15 Uhr Eine Ausstellungsproduktion des Deutschen Architekturmuseums (DAM), kuratiert von Annette Becker und Laura Kienbaum Wir danken allen Sponsoren der Ausstellung des DAM sowie unseren Subventionsgebern und Jahrespartnern:
FREITAG, 23. SEPTEMBER 2016 | 19 UHR HOHENEMS, FEDERMANNSAAL, SCHULGASSE 1 EINTRITT FREI Eine Veranstaltung der Grünen Bildungswerkstatt Vorarlberg Bezahlte Anzeige
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#9 / September 2016
Mittendrin in V 4-5 Bild des Monats 6-7 Endlich Eltern Ehepaar aus Au war jahrelang ungewollt kinderlos 8-9 Leserinnen schreiben über Flüchtlinge Der liebe Gott im Kaspar-Schoch-Garten 10-11 Flicken statt wegwerfen Die mobile Schneiderin Sarah Kucica 12-13 Wenn Mut gewinnt Früher bettelte Georgiana, jetzt arbeitet sie 14-15 Anders Gärntern Zu Besuch im Permakulturgarten in Lustenau 16-17 Ehrenamtliche Bewährungshelferin Christine Dobler hilft straffälligen Menschen 17 Impressum 18 Konto für alle Antworten auf die wichtigsten Fragen 23-25 Interview mit Lustenauer Original Rudy Königs (78) bewegtes Leben 26 Verkäuferporträt Noheem aus Nigeria kickt für den FC Koblach 27 Rezept Kokos-Curry-Eintopf mit Reisnudeln 28-29 Vom Installateur bis zur Bank Ländle-Firmen setzen auf Gemeinwohl-Ökonomie 30-31 Gesichter zeigen Ausstellung zeigt Porträts und Texte von Flüchtlingen
Gsi 32-33
Neue Wege im Schulunterricht Pestalozzi-Schüler Josef und Maria Schmid aus Au
Kultur 34-35 In friedlicher Mission Kunstfigur verbreitet Friedensbotschaft 36-38 Veranstaltungskalender
Rätsel 39
Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, nun zieht er von dannen, der Sommer, und erfrischt durch Urlaub, Sonne und locker-leichte Tage starten wir in den Herbst. Auch die marie-Redaktion hat ausgiebig pausiert und danach mit neuem Schwung an der September-Ausgabe gearbeitet. So ist eine marie mit einem – wie wir glauben – bunten Themenmix entstanden. Die Geschichte des Ehepaars Muxel aus Au erzählt von Geduld und dem Vermögen, dem Leben seinen Lauf zu lassen. Jahrelang wünschten sich Marga und Christoph vergebens ein Kind, dennoch verzichteten sie auf die Hilfe der modernen Medizin. Sie vertrauten darauf, dass schlussendlich – selbst wenn sie keinen Nachwuchs bekämen – alles gut wird. Mittlerweile hat ihr Sohn Emilian das Licht der Welt erblickt (Seiten 6 und 7). Beherztheit, Engagement und starker Wille kennzeichnen die Geschichte von Georgiana Rafaila und ihren Helfern. Die Romni kam vor einem Jahr nach Vorarlberg mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie schaffte es dank der Unterstützung von hilfsbereiten Vorarlbergern, die Bettelei hinter sich zu lassen und eine geregelte Arbeit zu finden (Seiten 12 und 13). Dass Wirtschaft nicht nur harter Wettbewerb sein muss, sondern auch geprägt sein kann vom nachhaltigen Tun zum Wohle aller, ist im Artikel über Gemeinwohl-Ökonomie nachzulesen. 29 Vorarlberger Unternehmen arbeiten bereits nach den Prinzipien dieses alternativen Wirtschaftssystems (Seiten 28 und 29). Den Geschichten von jungen Menschen möchte die marie künftig mehr Platz einräumen. Sie werden als Autorinnen und Autoren selbst zu Wort kommen. Den Auftakt macht die preisgekrönte Schriftstellerin Maya Rinderer aus Dornbirn, die über „Die Kunst zu arbeiten“ schreibt (Seite 35). Am Ende noch ein Hinweis in eigener Sache: Die marie ist bei der diesjährigen Dornbirner Herbstmesse vom 7. bis 11. September vertreten, in Halle 3, Stand 15. Besuchen Sie uns und lernen Sie die Menschen hinter der Straßenzeitung kennen. Wir freuen uns auf Sie! Herzlich, Elisabeth Willi, Redaktionsleiterin
Schachecke und Kopfnuss
marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
Kontaktieren Sie uns Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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Bild des Monats
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Sehen und gesehen werden Foto: Frank Andres
Wenn Stephan „El Finni“ Wöß mit seiner Vespa auf Vorarlbergs Straßen unterwegs ist, dann sind ihm die bewundernden Blicke sicher. Sein Motorroller ist mit sieben Spiegeln, sieben Lichtern, zwei Hupen, fünf Fahnen und einer Jaguar-Figur ausgestattet. „Sehen und gesehen werden“, lautet die Devise des 36-Jährigen, der sich aus Gaudi auch mit Totenkopf-Maske fotografieren lässt. Anfang der 90er Jahre war der Rankweiler noch Anhänger der Mods. Diese brausten Anfang der Sechziger mit flatternden Parkas auf Motorrollern durch London und galten als Subkultur des aufstiegsorientierten Mittelstandes in England. Wegen ihrer Liebe zu aktueller Mode und neuer schwarzer Tanzmusik nannte man sie Modernists, kurz: Mods. „The Who“ schrieben mit „Quadrophenia“ (1973) den Soundtrack dieser Jugendkultur. 1979 wurde die Rock-Oper verfilmt.
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Mittendrin in V
KINDWUNDER Jahrelang wünschten sich Marga Muxel-Moosbrugger und Christoph Muxel aus Au vergebens ein Kind. Auf künstliche Hilfe verzichteten sie jedoch. „Ich bestehe auf einem Wunder“, sagte Marga. Mittlerweile ist ihr Sohn Emilian geboren. Das Wunder hätte aber auch etwas anderes als ein Kind sein können, erzählt das Ehepaar der marie.
„Ein Leben mit Kind ist nicht besser oder schlechter. Es ist einfach anders.“ Marga Muxel-Moosbrugger
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Nach sieben Jahren Warten nun endlich eine Familie: Papa Christoph, Emilian und Mama Marga. Text: Elisabeth Willi Fotos: Frank Andres
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ieben Jahre lang warteten Marga Muxel-Moosbrugger (34) und Christoph Muxel (43) aus Au vergebens auf ein Kind. Damit waren sie eines von etwa jedem fünften Paar in Österreich, das von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen ist (siehe Fact box rechte Seite). Kaum jemand spricht öffentlich über dieses intime Thema. Marga hingegen beschrieb ihre Gefühle und Erfahrungen in ihrem Blog „ES IST EINFACH ANDERS. Wir leben. Mit unerfülltem Kinderwunsch“. Wie ein roter Faden zieht sich durch, dass das Ehepaar zwar versuchte, sich damit abzufinden und sich auf ein Leben ohne Kinder ein-
stellte. Dennoch glaubten und hofften die beiden – wie sie es nennen – auf ein Wunder. Dieses ist mittlerweile eingetroffen, und zwar ganz ohne künstliche Hilfe: Am 4. November 2015 erblickte Emilian das Licht der Welt. Zu Besuch bei der jungen Familie in Au: Der kleine Erdenbürger schläft, während seine Eltern offen von der ungewollten Kinderlosigkeit erzählen. Das, was sie sagen, ist gut überlegt, manchmal auch tiefsinnig. Bereits aus dem Blog war herauszulesen, dass die beiden zusammenhalten und die Wünsche des anderen respektieren. Beim Gespräch ist dies ebenfalls zu spüren. Marga und Christoph heirateten im Jahr 2008. Nachwuchs war ab dem Zeitpunkt erwünscht und geplant. Zwei
Jahre später die frohe Botschaft: Marga ist schwanger. Doch sie erlitt eine Fehlgeburt. Danach klappte es nicht mehr. Weshalb, ist medizinisch bis heute nicht erklärbar. Marga nahm zunächst Tabletten und Vitamine. Der nächste Schritt wäre eine Hormontherapie, der übernächste künstliche Befruchtung gewesen. Dies lehnte das Ehepaar jedoch ab. In ihrem Blog schrieb die Bregenzerwälderin über die Gründe dafür: „Es ist uns deutlich bewusst, dass das nicht unser Weg ist. Nicht aus moralischen Gründen. Nur ein Bauchgefühl. Und bei allem Wünschen werden wir dieses nicht übergehen.“ Heute sagen die beiden, dass sie nicht gänzlich verschlossen gewesen wären und eines Tages vielleicht die Mit-
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tel der modernen Medizin in Anspruch genommen hätten. Auch eine Adoption oder ein Pflegekind wären eventuell vorstellbar gewesen. Halbjährlich bis jährlich hätten sie das Thema aufs Tapet gebracht, doch stets gespürt: Nein, jetzt wollen wir das nicht. „Wir haben uns mehr damit befasst, wie wir damit umgehen, wenn die Situation so bleibt“, erzählt Christoph.
Mitunter unverständlich
Im Blog schrieb Marga zu dem Thema: „Warum wir nicht alle Möglichkeiten des Machbaren ausschöpfen, scheint mitunter unverständlich. Schließlich ist es nicht nur leicht, den Weg so zu gehen, wie wir das tun.“ Doch, so fuhr sie fort: „Ich bestehe auf einem Wunder!“ Beim Gespräch mit der marie erklärt die Auerin genauer, was sie mit „Wunder“ meint: „Es bedeutet für mich auch, offen zu sein für das, was kommt. Selbst wenn es nicht so ausgeht, wie ich es mir vorstelle.“ Dazu erzählt sie eine sinnbildliche Geschichte: Gott habe auf alle Fragen eines Menschen drei Antworten. „Ja“. „Ja, doch nicht jetzt“. „Nein, denn ich habe etwas Besseres für dich vor.“ Das Wunder im Falle der Muxels hätte also auch etwas anderes als ein Baby sein können. Trotz des Glaubens, dass schluss endlich – auf welchem Weg auch immer – alles gut werde, waren die Jahre der ungewollten Kinderlosigkeit natürlich nicht leicht. Im Nachhinein: Wie schwierig waren sie wirklich? Marga seufzt und sagt: „Ganz unterschiedlich.“ Es habe schlechte Phasen gegeben – und auch die Fehlgeburt war für beide sehr schwer – dann aber wieder bessere. „Es gab Momente, da sagten wir: So wie
Ungewollte Kinderlosigkeit Etwa 15 bis 20 Prozent aller Partnerschaften in Österreich sind ungewollt kinderlos. Die Ursachen dafür liegen zu 45 Prozent bei der Frau und zu 45 Prozent beim Mann. Bei zehn Prozent ist der Grund unbekannt. Kinderlosigkeit kann verschiedene Ursachen haben, beispielsweise hormo-
es jetzt ist, ist es wirklich schön. Und wir haben gesehen: Wir haben auch so schon viel“, erzählt Marga. „Teilweise war es paradox, was da abgelaufen ist.“ Als sich der kleine Emilian schließlich ankündigte, herrschte erst nicht eitel Sonnenschein: Die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt war groß. Unbeschreiblich dann aber die Freude, ihn schließlich in Händen zu halten. Heute, so sagt Marga, ist es: „Wie wenn ich in ei-
andere Lebensentwürfe hatte“, schrieb sie in ihrem ersten Beitrag. Und weiter: „Ich will ganz Mensch und Frau sein, und ich weiß, dass das auch ohne Kinder möglich ist. Wenn man allerdings nie von solchen Umständen ausging, dann braucht es einen längeren Prozess, um sich darauf einzustellen. Einige Kilometer bin ich auf diesem Weg schon gegangen, einige Meere aus Tränen habe ich durchschwommen, und nun schreibe ich. Ich weiß, ich bin gar nicht so alleine unterwegs, wie es manchmal scheint.“
Geschichte nicht verheimlicht
Der zehn Monate alte Emilian.
ner neuen Welt gelandet bin. Ein Leben mit Kind ist nicht besser oder schlechter.“ Und sie zitiert den Titel ihres Blogs: „Es ist einfach anders.“ Den Blog startete Marga, die leidenschaftlich gerne schreibt, im Jänner 2015. Bis dahin hatte sie immer nur von Betroffenen gelesen, die zwar auch längere Zeit kinderlos waren, bei denen sich der ersehnte Nachwuchs dann aber doch eingestellt hatte. Sie wünschte sich, direkt von Betroffenen zu lesen: „Wie es sich damit lebt, kinderlos zu sein und es auch zu bleiben, obwohl man einst
nelle Störungen, krankhafte Veränderungen in den Organen sowie schwere Erkrankungen. Ferner ist eine ungesunde Lebensführung oftmals dafür verantwortlich, und auch das zunehmende Alter der Frau spielt eine Rolle. Tritt bei einem Paar innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft ein, sollte die Frau einen Gynäkologen, der Mann einen Urologen aufsuchen. In den meisten
Für die schreibbegeisterte Auerin war der Blog richtig und wichtig, weil sie sich dadurch ausdrücken konnte und sie hilfreiche Antworten erhielt. Sie verheimlichte ihre Geschichte auch sonst nicht, sondern erzählte sie den Menschen, die sie tagtäglich traf, zum Beispiel den Arbeitskollegen. „Dadurch verstanden sie, wie es mir ging.“ Anderen Paaren in einer solchen Situation rät Marga: „Sie sollten prüfen, welche Möglichkeiten für sie passen. Wichtig ist, im Gespräch zu bleiben. Manchmal kann man es jedoch auch stehen lassen, man braucht nicht immer gleich eine Lösung.“ Sollte sich wirklich kein Nachwuchs einstellen, so meint die Bregenzerwälderin, dass das Paar etwas Besonderes unternehmen solle, etwa eine Weltreise. Ihren Blog beendete die junge Mutter, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Der letzte Satz lautete: „Ich wünsche uns allen, dass uns der Sinn für das Wunderbare im Leben, in welcher Verpackung es auch kommen mag, nie abhanden kommt.“
Fällen liegt keine vollständige Unfruchtbarkeit vor, sondern eine Fehlfunktion, die möglicherweise ärztlich behandelt werden kann. Unter bestimmten Bedingungen übernimmt der In-vitro-Fertilisation-Fonds des Gesundheistministeriums 70 Prozent der Kosten für maximal 4 Zyklen einer In-vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung).
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Mittendrin in V
Der liebe Gott im Kaspar-Schoch-Garten
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marie-Leserin Irene Nägele-Schwaiger hat eine Kurzgeschichte über das Paradies im Kaspar-SchochGarten in Bregenz geschrieben und darin alle gemeinsam an einer Tafel speisen lassen: Flüchtlinge und skrupellose Schlepper, Waffenlieferanten und Heereskommandanten.
Text: Irene Nägele-Schwaiger Fotos: Frank Andres, privat
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ines Tages saß Gott auf dem bequemen Holzsessel im fruchtbaren Garten und wollte seine Hände gerade in den Schoß legen. Da ließ er den Blick über die üppigen Sonnenblumenköpfe streifen. Sie brauchten wenig – fruchtbare Erde und viel Sonne. Wenn doch nur die Menschen sich ein Beispiel an ihnen nehmen würden! Im Moment herrschte so viel Krieg und Gewalt auf Erden, dass Gott manchmal in sein Wolkenkissen weinte. Er sah die vielen Menschen, zu Wasser und zu Lande, die sich aufmachten, weit weg von ihrer Heimat, auf Booten, auf Landstraßen, in Lastwägen, kriechend, erstickend. Die Bilder ließen ihn nicht mehr los. Seine Geduld war am Ende. Als er mit göttlichen Augen den Pfänderrücken streichelte, überkam ihn
ein Geistesblitz. Er aktivierte alle Engel, die er finden konnte, um die Streithähne herzuholen: „Bitte alle Politiker, Waffenlieferanten, Heereskommandanten, Kampfpiloten, skrupellosen Schlepper, Kriegsgewinnler zu mir bringen!“ Die Engel verstanden auf Anhieb, denn auch sie hatten das Treiben sorgenvoll mitverfolgt. Sie flogen sofort ab. Gott bereitete inzwischen alles im Kaspar-Schoch-Garten vor: Gartenkleidung, Scheren, Schaufeln, Rechen, Gießkannen. Vorsichtig hob er den rostigen Deckel der vergilbt-himmelblauen Tonne und sah sie heranmarschieren, die Streithähne, Kriegsherren aller Hautfarben, Religionen, Kulturen. Es war eine lange Prozession. Da kamen die ersten an – erschöpft und durstig. Der Zug reichte zurück bis nach Feldkirch, bis nach Bludenz, bis ins benachbarte Tirol. Auf der anderen Seite kroch der Prozessionswurm langsam über den Pfänder-
hang herunter. Von überall her kamen sie herbei. „Gut, dass ihr da seid,“ sagte Gott. „Es gibt viel zu tun.“ Aus dem kleinen Holzschuppen kamen tausende von Arbeitshosen zum Vorschein. „Ihr könnt euch jetzt umziehen“, sagte er streng. Da begannen sie zu protestieren. „Was soll der Quatsch? Wir wollen nicht arbeiten für dich. Das wäre ja noch schöner!“ Gott blickte die Machtmenschen lange an, dann stellte er sie bloß. Splitterfasernackt standen sie nun voreinander da. Niemand unterschied sich mehr durch Kleidung vom anderen. Es war nicht mehr auszumachen, wer ein Geschäftsmann, ein Militärkommandant, ein Regierungschef war. Rein gar kein Unterschied mehr. Nur an Hautfarbe waren sie verschieden. Da beeilten sie sich, die Arbeitshosen und Hemden anzuziehen. Schweigend standen sie da und blickten sich
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um im Garten Eden: blühende Sonnenblumen, reife Himbeeren, Brombeeren, leuchtendorange Kürbisse zwischen sternenförmigen Blättern, Fenchel mit krausen Haarbüscheln, Schmetterlingssträucher voller flatterhafter Besucher, Kohlrabi, Gurken, zartrote Tomaten und noch vielmehr Geschenke der Natur. „Und nun werdet ihr diesen Garten so bestellen, dass die ganzen Menschen, die euretwegen auf der Flucht sind, satt werden. Sonst wird es euch nicht besser ergehen als den ganzen Flüchtlingen, die euretwegen zu Tode gekommen sind.“ Da begannen sie zu jäten, umzugraben, zu gießen, zu ernten, bis alles gut war im Kaspar-Schoch-Garten zu Eden: „Essen!“, riefen die ehemaligen Peiniger. Sie hatten eine lange, festliche Tafel ge-
deckt, an der alle willkommen waren. Der Tisch war mit Astern, Dahlien und Sonnenblumen geschmückt und hatte keinen Anfang und kein Ende. So kamen sie herbei, zu Wasser und zu Lande, alle Menschen, die auf der Flucht waren: Große und kleine, junge und alte, kranke und gesunde. Ungläubig bestaunten sie die Vielfalt der Natur und die Köstlichkeit der Speisen. Dankbar und hungrig aßen sie von den Früchten der Erde und tranken klares, sauberes Wasser aus dem tiefen Brunnen der Mitmenschlichkeit. Und alle wurden satt. Da sah Gott, dass es gut war und legte nun wirklich seine Hände in den Schoß. Amen.
ZUR PERSON Irene NägeleSchweiger ist Sozialpädagogin, 52 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bregenz. Schreiben ist für sie eine geeignete und kreative Form der Verarbeitung von Alltagserlebnissen. Sie genieße es auch, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen.
Jagd auf Menschlichkeit von Überfremdung reden während der wahre Schmerz die Entfremdung in den eigenen vier Wänden ist in Räumen, angefüllt mit unausgesprochenen Worten warum nicht frei von Vorurteilen über dich reden – und über mich die Tracht an den Nagel hängen den Traum als Türe sehen endlich dauerhaft und ohne Reue Jagd auf Menschlichkeit machen warum den Horizont nicht erweitern für fremde Kulturen kein Nachgeplapper von vollen Booten von zerbrochenen Blumentöpfen in verwüsteten Dörfern warum das Ertrinken dulden von tausenden Menschen vor Küsten auf denen Zitronenbäume wachsen vor einem Europa noch immer nicht vereint das Paradies lockt wie eh und je die Wildnis weint um Frieden und Ernährung
der Weltbevölkerung und Pandabären um das Abschlachten der Wale und der Elefanten Die Geisterbahn erschreckt niemand mehr heute in einer Zeit, in der niemand mehr vor etwas erschrickt beschäftigt mit Bodymaßindex dem Schicksalssohn und der Gallenblase warum nicht Einhalt gebieten der öden Landschaft die am Küchentisch vorbeifliegt den Kopf voller Gerümpel warum erschrecken vor dem Hausierer vor unserer Türe. warum um Überzeugungen streiten um den richtigen oder falschen Gott während der ganze Tag die Sonne vor sich hindämmert am selben Himmel dieselben Sterne in der Nacht warum nicht sehen dass genug da ist für alle an Brot und Wasser und Himbeermarmelade wenn nicht ein Teil der Menschheit meinen würde sich von Champagner und Hummer
und Honig ernähren zu müssen warum nicht öffnen das Herz die Meere und Arme warum nicht endlich dauerhaft und ohne Reue Jagd auf Menschlichkeit machen
Waltraud Travaglini-Konzett, geboren im August 1964, lebt und arbeitet in Dornbirn. Sie schreibt unter dem Pseudonym Valerie Travaglini und hat zahlreiche Short-Storys sowie Lyrik veröffentlicht. Sie ist Preisträgerin diverser Literaturwettbewerbe. Das Gedicht „Jagd auf Menschlichkeit“ wurde beim Literaturwettbewerb zum Thema „Politische Dichtung der Gegenwart 2015“ preisgekrönt und ins Buch „Fassadenflucht“ vom Chili Verlag aufgenommen. Letztes Jahr hat Waltraud Travaglini-Konzett ihren ersten Roman mit dem Titel „Lebensgeister“ als eBook veröffentlicht.
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FLICKEN STATT WEGWERFEN
„Flicken, Stopfen, Repassieren“ so der Name einer Sonderausstellung im Stadtmuseum Dornbirn, die noch bis 30. Oktober dauert. Kleidung reparieren, statt sie wegzuwerfen, ist auch die Philosophie der gebürtigen Feldkircherin Sarah Kucica. In ihrer Mehrwertschneiderei „Nadelfin“ flickt die Näherin gegen freiwillige Spenden kaputte Kleidung. Text und Fotos: Sara Bonetti
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Sarah Kucica studierte an der Modeschule in Graz. Dabei lernte sie auch die Schattenseiten der Modeindustrie kennen. Im Kleinen unternimmt sie mit „Nadelfin“ etwas dagegen.
twas verborgen sitzt die gebürtige Feldkircherin Sarah Kucica (28) in ihrer mobilen Mehrwertschneiderei „Nadelfin“ und flickt Kleidung. Da sie mit der Werkstatt stets von einem Einsatz zum nächsten zieht, ist sie bescheiden eingerichtet. Eine Dampfbügeleisenstation und zwei Nähmaschinen sind in Griffweite arrangiert, ebenso Schalen und Gläser mit Knöpfen, ein Bündel aus Reißverschlüssen, eine Kiste mit Stoffresten und ihr Schneiderwerkzeug mit Maßband, Nadelkissen und Co. Abläufe sollen einfach und unkompliziert funktionieren. Sarahs Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt. Schon seit dem Morgen bessert sie Nähte aus, setzt Knöpfe erneut in Position und bringt Textilien wieder in Form. Durch ihre geübten Finger schiebt sie die blauweiß geblümte Bluse einer jungen Frau. Ein faustgroßes Loch soll geflickt werden. „In einer Zeit, in der die Schnelllebigkeit so vieles vorantreibt, ist es schön, durch Reparatur den Lebenszyklus von Kleidung zu verlängern,“ sagt die Schneiderin, die dem Wegwerfgedanken auf ihre Art die Stirn bietet. Der Lohn für ihre Arbeit: freiwillige Spenden. Sarah wurde in Feldkirch geboren und ist dort aufgewachsen. Schon als Kind verbrachte sie Stunde um Stunde am Basteltisch. Über ein Freifach in der Schule entdeckte sie die Möglichkeit, mit Textilien kreativ zu werden und fand ihren Zugang zur Welt der Kleider-
macherei. „Eine Schneiderin hat davon erzählt, dass sie sich ihre Sachen selber näht,“ erinnert sich die 28-Jährige. „Der Gedanke inspirierte mich und ließ mich nicht mehr los.“ Nach einem Aufbaulehrgang mit abschließender Matura zog die junge Frau nach Graz, um dort an der Modeschule das Handwerk der Modegestaltung und Modeschöpfung zu erlernen.
Schattenseite der Modeindustrie
Abseits der praktischen Studieninhalte hinterließen die Theoriefächer tiefe Eindrücke, bildeten inhaltlich einen Kontrast zum schöpferischen Tun. „Über die genauere Betrachtung meiner Branche blickte ich immer tiefer in die Schattenseiten der Modeindustrie,“ erzählt die Schneiderin. In billig erworbener Kleidung und in der Massenproduktion erkennt sie Strukturen, die nur zulasten von Mensch und Umwelt funktionieren können. „Der vertrocknete Aralsee, eingestürzte Textilfabriken und Arbeiter, deren Haut durch scharfe Chemikalien verätzt wird, sind wenige Beispiele unter vielen“, erklärt Sarah. Durch die tiefgreifende Auseinandersetzung mit nachhaltigen Initiativen sensibilisiert, entdeckte Sarah 2012 auf einer Reise ein Projekt, das sie besonders inspirierte. Ein Dozent aus Kalifornien hatte sich zur Aufgabe gemacht, Nachhaltigkeit in seine Nachbarschaft zu bringen. Einmal im Monat geht der Kunstprofessor auf die Straßen seines Viertels, um kostenlos Kleidung zu flicken. Von der Idee angetan, kehrte Sarah
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HINWEIS: Sarah Kucica ist am 2. September, von 10 bis12 und 14 bis 17 Uhr mit ihrer mobilen Nähwerkstatt im Stadtmuseum Dornbirn im Einsatz. Mehr Infos zu ihrem Projekt unter http://ethify. org/nadelfin Sarah Kucica bei einem ihrer Einsätze. Mit ihrer mobilen Mehrwertschneiderei zieht sie von Veranstaltung zu Veranstaltung und repariert dort die kaputte Kleidung, die die Besucher mitbringen.
nach Österreich zurück. Im Geiste hatte sie das Projekt für ihr eigenes Umfeld adaptiert. Sie stellte sich eine Flickwerkstatt vor, die sich nicht an einem Ort befindet, sondern mit der es sich umherreisen ließe. Ziel wäre es, in einer mobilen Werkstatt Bekleidungstextilien zur Reparatur anzunehmen. Seien dies Hosen mit aufgewetzten Knien oder Knöpfe, die zurück an ihren Ursprungsort sollten, bis hin zu Handtaschen, deren Reißverschlüsse ausgetauscht gehören.
Unterstützung durch Ideenkanal
Für die Realisierung des Konzeptes galt es, Bügeleisen, Nähmaschinen und nötige Kleinwaren wie Nadeln und Fäden zu besorgen. Finanzielle und strukturelle Unterstützung dafür fand die 28-Jährige beim Ideenkanal, einer Initiative, welche sich der Förderung nachhaltiger Ideen verschrieben hat. Durch organisatorischen Input und finanzielle Zuschüsse verpassten die Mentoren des Kanals dem Konzept von „Nadelfin“ den nötigen Feinschliff zur Realisierung. Trotz der Hilfe möchte die Schneiderin weitgehend unabhängig bleiben. Neben zugekauftem Material versucht Sarah, möglichst ressourcenschohnend zu arbeiten und ihren Bedarf durch sogenanntes “Upcycling“ abzudecken. „Ich glaube nicht daran, alles neu kaufen zu müssen. Vielmehr versuche ich, aus Altem Neues zu schaffen“, erklärt die Näherin. Dementsprechend sind alte Reißverschlüsse, Knöpfe oder Stoffe zum Flicken getragener Kleidungsstücke gern gesehene Sachspenden.
Im Herbst 2013 dann war Sarah mit ihrer Mehrwertschneiderei „Nadelfin“ bereit, von der Planung in die Umsetzung überzugehen. Auf einem Markt in Wolfurt schneiderte sie zum ersten Mal in ihrer Mehrwertschneiderei. Seitdem reist sie je nach Gelegenheit von Veranstaltung zu Veranstaltung und bietet ihr Wissen und Können dort an, wo Bedarf an Kleidungsreparatur besteht. Der Lebensmittelpunkt der Schneiderin ist in Graz, wo sie auch hauptberuflich als Näherin arbeitet. Für die Aktionen reist sie immer dorthin, wo es sich anbietet: sei es ein Open-Air auf offenem Feld oder ein Kleidertauschbasar in einer großen Halle. Bedingung ist, dass die Wertvorstellungen von Nadelfin und der Veranstaltung zusammenpassen. Die 28-Jährige möchte mit ihrem Tun nämlich ein Zeichen setzen. „In einer Gesellschaft mit Wegwerfkultur ist
es wichtig, Menschen zu erreichen und zu inspirieren. Man muss laut aussprechen, dass es auch anders geht, als es vielfach propagiert wird“, so Sarah. Abgesehen vom Reparieren der Bekleidung sind es Gespräche, die die Feldkircherin zum Überbringen ihrer Botschaften nutzt. Austausch, der Inspiration ist und ihr zeigt, dass sie mit ihrem Tun nicht alleine ist. Sie beobachtet ihr Umfeld, hört zu und fühlt sich in ihren Gedanken bestätigt, dass nachhaltiges Wirtschaften an Bedeutung gewinnt. Und das über die Grenzen der Modebranche hinaus. Seien es Themen wie der Klimawandel oder die grundlegende Veränderung des Systems. „Auch, wenn es ein langer und schwieriger Prozess ist, Muster und Strukturen der Gesellschaft zu ändern, Umdenken findet statt, und es ist schön, mit dem was ich kann, etwas dazu beitragen zu können.“
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Liebe Leserin, lieber Leser! Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Daher mögen sie mitunter kontaktfreudig sein. Sie werden aber nicht aufdringlich sein oder betteln.
Der/die Inhaber/in dieses personalisierten Ausweises ist berechtigt die Vorarlberger Straßenzeitung marie im Rahmen der vereinbarten Richtlinien zu verkaufen. Verein und Projekt sind bei den Behörden des Landes Vorarlberg angezeigt. Weitere Information unter www.marie-strassenzeitung.at
Ausweisnummer
Name
Herzlich, das marie-Team
für den Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg
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Unterschrif
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26.11.15 08:05
26.11.15
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WENN MUT GEWINNT
An Geschichten wie jener von Georgiana Rafaila und ihrer Familie mag man erkennen, wieviel Beherztheit und Engagement notwendig sind, um vermeintlicher Chancenlosigkeit entgegenzutreten. 12 / Text: Simone Fürnschuß-Hofer Foto: Frank Andres
obald Personen, seien es „die Behinderten“, „die Homosexuellen“ oder bestimmte Ethnien wie „die Roma“ als Gruppe zusammengefasst werden, ist die Gefahr groß, dass das Eine passiert: Der Mensch an sich wird nicht mehr gesehen, die Verallgemeinerung verdeckt den Blick auf den Einzelnen und damit auf das, was möglich wäre. Was im Einzelfall möglich ist, zeigt uns die Geschichte von Georgiana Rafaila, 27, Romni aus Rumänien.
Menschen, die sich um sie kümmerten. Die ihr und an sie glaubten. Eine der ersten war Rebecca Kempter vom Seelsorgeraum Kath. Kirche in Dornbirn: „Woher kommst du, welche Geschichte hast du, wohin geht das Geld? Das waren meine ersten Fragen an Georgiana, die wir damals noch mit Hilfe eines Dolmetschers klärten.“ Rebecca spürte die Not der jungen Frau, vertraute ihren Aussagen und bot ihr Hilfe an. Mit großem Eifer haben sich beide Frauen an das erstmal Vorrangigste gemacht: Kontakte knüpfen, Infos sammeln, Deutsch lernen.
Vertrauen geschenkt
Freunde und Helfer
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Vor rund einem Jahr kam Georgiana mit der vagen Hoffnung auf neue Per spektiven nach Vorarlberg. Ihre Tochter Florentina, 8, und ihren Sohn Stefano, 5, hatte sie in der Obhut einer Frau in Rumänien gelassen – für 50 Euro Betreuungsgeld im Monat. Eine Basis zum Leben wollte sie sich hier schaffen und dann ihre Kinder nachholen. Aus eigener Kraft wäre dies Georgiana wohl kaum gelungen. Was ihrem Leben eine echte Chance und Wende gab, waren
Mehrere Menschen stehen inzwischen fest an Georgianas Seite, helfen ihr, wo sie können. Einer davon ist Heribert Fritsch, der die Begegnung mit der ehemals bettelnden Frau nicht scheute. Erst lud er Georgiana und ihren Mann zu einer Suppe ein, in Folge bot er ihnen mehrfach Dusche und Schlafplatz in seiner Wohnung an. Oder Monika Stockinger-Breuer, die ins Spiel kam, weil sie eine kurzfristig freistehende Ferienwohnung zur Verfügung hatte. Sie wollte hel-
fen, hatte aber auch ihre Bedenken: „Ja, da waren Vorurteile und Ängste. Ausschlaggebend war dann die Geschichte über das Engagement von Karin Kaufmann in der Jänner-Ausgabe der marie. Das hat mich überzeugt, auch meine Tür zu öffnen“, so Monika, die später sogar noch mit Georgiana nach Rumänien reisen sollte, um ihre zwei Kinder abzuholen und alle Amtswege für eine Zukunft in Österreich zu erledigen.
Echte Perspektive
Ihr erstes Geld verdiente Georgiana als marie-Verkäuferin, inzwischen erhielt sie mit Hilfe ihrer Freunde eine Fixanstellung als Reinigungskraft und Zimmermädchen und arbeitet für Dienstleistungsschecks in Privathaushalten. Noch im Frühjahr konnte sie ihren kleinen Stefano im Kindergarten und Tochter Florentina in der Schule unterbringen. Georgianas starker Wille, die Bettelei hinter sich zu lassen und ihren Kindern eine Zukunft zu bieten, beeindruckt. Mit ihrem Mann Dragosch und den Kindern lebt sie derzeit auf einem Campingplatz in Bregenz – eine Übergangslösung. Die Familie in einer richtigen Wohnung
#9 / September 2016
ADIEU, LIEBER HELLMUT
Georgiana (2. von links) und ihre Familie Dragosch, Florentina und Stefano (rechts) haben das Glück, von Menschen aus Vorarlberg begleitet zu werden. Diese unterstützen sie, eine Lebensperspektive ohne Betteln zu finden. Eine Arbeit hat Georgiana bereits, was noch fehlt, ist ein Dach über dem Kopf.
untergebracht zu wissen, wäre für alle Beteiligten „das größte Geschenk überhaupt“. Durch ihren Job kann Georgiana sich eine Miete leisten und ihre Familie mit dem Notwendigsten versorgen. Dass es für Roma nicht leicht ist, in Vorarlberg eine Unterkunft zu finden, ist kein Geheimnis. Umso mehr betonen alle Beteiligten unisono, mit der jungen Romni nur positive Erfahrungen gemacht zu haben und ihr auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Georgianas Begegnungen mögen Glücksfälle sein und dennoch fügen sie sich zu einer Geschichte, die zeigt, dass Zivilcourage und Engagement echte Chancen und Perspektiven erzeugen können. Gerade auch dort, wo man eher geneigt wäre, den Mut allzu schnell zu verlieren.
Für alle am Thema oder an Mitarbeit Interessierten bietet die Plattform Armutsmigration Information und Vernetzung: https://www.facebook. com/PlattformArmutsmigration/
In der Mai-Ausgabe der marie hat Hellmut Fischer seine Lebensgeschichte erzählt. Er sprach von seiner Zeit als erfolgreicher Geschäftsmann, seinen psychischen Zusammenbrüchen und seinem Weg zurück ins Leben. Erst Mitte Mai ist er aus dem Kolpinghaus Götzis aus- und in das Haus der Generationen eingezogen. Jetzt, mit 68 Jahren, ist Hellmut Fischer in Götzis gestorben. Die marie sagt Adieu, lieber Hellmut!
Hellmut Fischer (1948 - 2016) ist im Alter von 68 Jahren in Götzis gestorben.
Radio Proton sucht starke Männer Bei Radio Proton „Das offene Wort“ ist am 2. September von 15 bis 17 Uhr der Verein Reiz aus Dornbirn zu Gast im Studio. Themen sind unter anderem Barrierefreiheit, Assistenzeinsatz und Arbeitswelt. Moderator Hans-Jürgen Holzer, der selbst 90-Prozent-Invalide ist, sucht noch zwei starke Männer, die die behinderten Personen dann in den ersten Stock tragen können, und nach der Sendung wieder runter. Das Studio befindet sich in Dornbirn, Jahngasse 10. Radio Proton „das offene Wort“ wird jeden ersten Freitag im Monat ausgestrahlt. Zu hören auf der Frequenz UKW 101,1. Hans-Jürgen Holzer (62) gestaltet die Sendung unentgeltlich. „Wenn etwas zwischen den Fingernägeln brennt, dann muss man was machen“, erklärt er seine Motivation. Der gebürtige Bregenzer Holzer engagiert sich seit 35 Jahren in ganz Österreich als Behinderten-Aktivist.
MARIE AUF DER HERBSTMESSE Wir möchten mit Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, gerne persönlich ins Gespräch kommen. Deshalb ist die marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung auf der Dornbirner Herbstmesse mit einem eigenen Stand vertreten. Die Messe dauert
vom 7. bis 11. September jeweils von 10 bis 18 Uhr. Sie finden uns in Halle 3, Stand 15. Besuchen Sie uns und nützen Sie die Gelegenheit, um Fragen, Wünsche oder Kritik anzubringen. Ihre Meinung ist uns wichtig, damit wir uns verbessern können.
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Mittendrin in V
ANDERS GÄRTNERN Der Lust.Garten in Lustenau ist ein Gemeinschaftsgarten und wird nach den Regeln der Permakultur bewirtschaftet. Permakultur steht für eine dauerhaft nachhaltige Landwirtschaft. Sie kommt ganz ohne Chemie und Kunstdünger aus. Die marie hat dem Permakulturgarten einen Besuch abgestattet.
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Carlos, Patricia, Monika und Walter im Permakulturgarten. Sie und vier weitere Mitglieder bewirtschaften den Gemeinschaftsgarten.
Text und Fotos: Ingrid Delacher
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ämmern und Schrauben sind zu hören. Nach Gartenarbeit klingt es nicht. Dicke Hecken verdecken den Blick auf das, was sich dahinter verbirgt. Durch das hohe Weidentor gelangen die Gärtner in das Herz des Gartens, die Gartenzone. Patricia hämmert mit kräftigen Schlägen auf ein Blech, ein alter Schneckenzaun, um daraus eine Umzäunung für ein neues Zucchinibeet in Bootsform zu bauen. „Die Nacktschnecken haben uns letztes Jahr 90 Prozent der Setzlinge, Pflanzen und Ernte weggefressen“, erklärt Car-
Monika aus Bregenz hat zuhause keinen eigenen Garten und ist deshalb sehr froh über den Gemeinschaftsgarten.
los Lampacher aus Lustenau, Leiter des Gemeinschaftsprojektes „Lust.Garten“ am Pfarrweg in Lustenau. Carlos, Patricia, Monika und Walter sind den ganzen Nachmittag beschäftigt, ihre Beete zu pflegen und Neues für den Garten zu bauen. Zusammen mit vier weiteren Mitgliedern betreuen sie den Garten neben der Kirche.
Dauerhaft und nachhaltig
Die Mitglieder des Gemeinschaftsgartens bewirtschaften den Garten nach den Methoden der Permakultur. Der Begriff setzt sich zusammen aus „permanent“ und „agriculture“. Permakul-
tur steht für eine dauerhaft nachhaltige Landwirtschaft. Elisabeth Esterer-Vogel und Siegfried Vogel aus Lustenau haben den Verein Permatop Lustenau und den Gemeinschaftsgarten vor fünf Jahren nach den Richtlinien der Permakultur gegründet. Elisabeth ist ausgebildete Architektin und Landschaftsarchitektin. Sie hat 2008 bei einem Studiumsaufenthalt in Berkeley/Kalifornien ihr Interesse an der Permakultur entdeckt und einen Zertifikatslehrgang besucht. Sie steht den Gemeinschaftsgärtnern im Lustgarten mit Rat und Tat zur Seite. Im Jänner dieses Jahres durften die Mitglieder des Vereins
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HINWEIS: Weitere Infos zum Permatop Lustenau unter www.lustenau.permatop. at. Das gesamte Interview ist auf Radio Proton unter folgendem Link zu hören: https://cba.fro.at/317291 BUCHTIPP: Die Dornbirnerin Margit Rusch hat ein Buch zum Thema verfasst: Anders Gärntern: Permakultur-Elemente im Hausgarten. Carlos und Walter bauen kniehohe Holzkisten für die Beete, um diese vor Schnecken zu schützen.
Permatop Lustenau den Umweltschutzpreis 2015 der Marktgemeinde Lustenau entgegen nehmen.
Lassen sich nicht einengen
Carlos unterbricht seine Gartenarbeit und führt interessierte Besucher stolz durch das Gartenareal. Echte Permakulturgärten verfügen über bestimmte Zonen, damit die kleinen Ökosysteme funktionieren. Im inneren Bereich befinden sich die zwölf Beete. Sechs davon sind Gemeinschaftsbeete, in denen die Mitglieder gemeinsam Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, Paprika, Mais, Kürbis, Blumenkohl, Bohnen und Salat anbauen. Durch ein Tor aus Weidenruten verlassen die Besucher die Gartenzone und betreten die Wildniszone. Die Wildniszone ist ein wichtiger Teil jedes Permakulturgartens. Dort dürfen sich Pflanzen wild wachsend ausbreiten und bieten Unterschlupf für Tiere und Nützlinge des Gartens. Ein Heim für wasserliebende Tiere ist das kleine Biotop neben dem Eingang. Gleich daneben wächst eine, für die Lehre der Permakultur, untypische Pflanze, eine Bananenpflanze, genauer eine Japanische Faserbanane. Die Theorie der Permakultur empfiehlt Pflanzen einzusetzen, die in der eigenen Gegend heimisch sind, gut wachsen und wenig Pflege benötigen. Exoten sind pflegebedürftig und müssen mit großem Aufwand vor der Umgebung und dem Klima geschützt werden. „Wir sind nicht ganz strikt Permakultur“, erklärt Carlos. Die „Lustgärtner“ lesen Permakultur-Bücher und versuchen die Perma-
kulturregeln zu befolgen, möchten sich aber nicht einengen lassen. Gleich hinter der Faserbanane geht die Gartenführung durchs Weidenlabyrinth. Weiden werden verhäckselt auf die Wege gestreut oder die Gärtner verwenden sie, um daraus Zäune, oder Gartenlauben zu flechten. Im Weidenrindenlabyrinth haben die GärtnerInnen einen Grillplatz gebaut. Auf Holzklötzen können sie hier gemütlich am Lagerfeuer zusammensitzen.
Wie im Paradies
Monika kommt aus Bregenz und ist bereits seit fünf Jahren Gemeinschaftsgärtnerin. Sie hat zu Hause keinen eigenen Garten und ist deshalb gern im Team mit dabei. Patricia aus Lustenau ist dieses Jahr als Gärtnerin mit in den Gemeinschaftsgarten eingestiegen. „Ich finde Gemeinschaftsgärten lässig! Da ist es wie im Paradies, echt herrlich“, schwärmt Patricia. Ganz besonders gefalle ihr, dass alle zusammen arbeiten und sich untereinander helfen und Informationen austauschen. Permakultur ist nicht nur eine andere Art zu gärtnern. Permakultur ist eine Lebenseinstellung und findet inzwischen Anwendung in Bereichen wie Energieversorgung, Landschaftsplanung, oder Gestaltung sozialer Infrastrukturen. „Sorge für die Erde, sorge für die Menschen, teile die Überschüsse und schränke deinen Verbrauch ein“ sind drei wichtige Grundlagen der Permakultur. Permakultur ist das Schaffen von kleinen Paradiesen hier auf der Erde.
Permakultur In den 1970er Jahren entwickelten die beiden Australier Bill Mollison und David Holmgren die Idee der Permakultur. Sie beobachteten: Die industrielle Landwirtschaft schädigt Boden und Wasser durch Monokul turen, durch den Einsatz von Pflan zenschutzmitteln und durch Schäd lingsbekämpfung. Mit Permakultur gestaltete Lebensräume sind Systeme, in denen das Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen so miteinander kombiniert wird, dass die Bedürfnisse aller erfüllt werden, sich alle gegenseitig unterstützen und ergänzen. Als Vorbild dienen ihr funk tionierende und natürliche Ökosyste me, wie Wälder oder Seen. Permagärtner versuchen ihren öko logischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Sie bilden Kreisläufe im Garten, ohne Chemie und Kunstdün ger. Jedes Gartenelement hat mehrere Funktionen, Abfälle gibt es nicht. Zum Beispiel landet der Rasenschnitt als Mulch und Dünger auf den Beeten. Mit Baumschnitt bilden Permagärtner Totholzhaufen für Insekten, Igel und Nützlinge. Hennen fressen Schnecken eier und Küchenabfälle, düngen den Boden und legen Eier. Permakultur ist eine Lebenseinstellung und geht weit über die Grenzen des eigenen Gartens hinaus.
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Mittendrin in V
Zeit für Menschen, die gestrauchelt sind „Wenn du nur einem Menschen helfen kannst, hast du schon gewonnen,“ sagt Christine Dobler (54), die einen Teil ihrer Freizeit mit straffälligen Menschen verbringt. Sie begleitet sie dabei, wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen.
Text: Daniela Egger, Foto: Frank Andres
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hristine Dobler ist eine von 50 ehrenamtlichen Bewährungshelfer/innen beim Verein Neustart, der seinen Sitz in Bregenz hat. Bis zu fünf Klienten hat sie meist unter ihren Fittichen und daher in den letzten fünf Jahren seit Beginn ihrer Tätigkeit so manches erlebt. „Manchmal frage ich mich schon, warum ich das mache“, schmunzelt die durchaus standhafte Frau, die gelernt hat, mit Rückschlägen umzugehen und trotzdem nicht aufzugeben. „Beim ersten Gespräch erkläre ich den Klienten, dass sie mich als das kleinere Übel betrachten müssen. Das sehen die meisten schnell ein, denn die Alternative ist ja, dass sie ihre Strafe antreten müssen. Und dann beginnt der Versuch, Vertrauen aufzubauen – und zwar auf beiden Seiten.“ „Ich arbeite im Sicherheitsbereich und mache seit vielen Jahren Kampfsport. Da wir durchaus Menschen mit Gewalterfahrung haben, ist das sicher kein Nachteil,“ sagt sie und betont aber gleichzeitig, dass sie noch nie bedroht wurde, zumindest nicht von einem ihrer Klienten. „Ein Jugendlicher sollte ein Anti-Gewalt-Training bekommen, aber sein Vater war strikt dagegen. Da musste ich wirklich mit allem rechnen, aber durch irgendeinen Satz ergab sich eine Wende im Gespräch, und er lenkte dann ein.“ Sein Sohn erhielt am Ende, wie viele andere ehemalige Straftäter/innen auch, das Training und damit eine Idee, welche anderen Strategien es gibt, um schwierige Situationen ohne Gewalt zu meistern. Der Hauptgrund für viele Straftaten ist nach Christine Doblers Erfahrung der geringe Selbstwert der Täter/innen. Viele bekommen ihr Leben lang nur zu hören, dass sie nichts sind, nichts können und dass nichts aus ihnen werden wird.
Herz und viel Geduld
Bewährungshelfer/innen leisten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement etwas, was weder gesellschaftlich anerkannt ist, noch mit hohen Erfolgszahlen punkten kann. Die Aufgabe erfordert viele Kompetenzen – vor allem einmal ein Herz für Menschen, die gestrauchelt sind. Es geht darum, ihnen wieder eine Chance zu geben, sie mit viel Geduld zu begleiten auf dem Weg, ein normales Leben aufzubauen, Arbeitsstellen und neue soziale Kontakte zu finden und über die vergangenen Handlungen zu reflektieren. Bestenfalls auch den Ausgleich mit dem Opfer ihrer Straftat herzustellen. Das Problem ist oft, dass die Leu-
te ihre Schwierigkeiten verdrängen: „Ich muss meine Klienten dort abholen, wo sie stehen, und versuchen, ihnen allmählich eine Art Realität zu vermitteln.“ Auf die Frage, weshalb sie ihr soziales Engagement ausgerechnet in diesem Bereich ausübt, sagt sie: „Ich weiß selbst, dass es manchmal für Eltern kaum möglich ist, ihre Kinder noch zu erreichen. Es braucht in schwierigen Konstellationen eine neutrale Person, die sich engagiert und ein echtes Interesse daran hat, dass ein Jugendlicher sein Leben meistert – selbst dann, wenn er schon echten Blödsinn gemacht hat.“ Bewährungshilfe bekommen Straftäter/innen in der Regel für drei Jahre, sie müssen sich auf diese Begleitung einlassen und eigenes Bemühen zeigen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Christine Dobler kann auch Erfolgsgeschichten erzählen, etwa von einem jungen Mann, der nach einem bewaffneten Raubüberfall den steinigen Weg zurück in ein normales Leben geschafft hat. Auch er hatte einige Rückfälle und Hindernisse zu bewältigen, meistens sind es erdrückende Schulden, die aus den Straftaten resultieren und einen Neustart extrem schwierig machen. Aber jetzt ist er angekommen, hat bereits seine erste reguläre Arbeitsstelle selbst gewechselt und arbeitet sich bei seinem neuen Arbeitgeber nach oben. Dort hat er gleich alle Karten auf den Tisch gelegt und es geschafft, dass man ihm vertraut. Er lebt mit seiner Freundin in einer Wohnung und hat vor allem gelernt, über sich selbst nachzudenken und andere Strategien zu entwickeln, wenn es einmal eng wird.
Anti-Gewalt-Training
Rückfallprävention ist das Ziel dieser richterlichen Anordnung der Bewährungshilfe, dazu gehören Anti-Gewalt-Training für Täter/innen und andere gezielte Maßnahmen. Was sich Christine Dobler aber dringend wünschen würde, wäre eine bessere Aufklärung über die Konsequenzen einer Straftat an den Schulen. „Was beispielsweise fast niemand weiß, ist, dass bei Gewalttaten auch schon mal der Führerschein entzogen werden kann. Die ganzen existenziellen Folgen für ihr Leben sollte man Jugendlichen anschaulich vermitteln, und zwar bevor sie in Schwierigkeiten stecken. Sie schlittern da oft in etwas hinein und kommen dann nur extrem schwer wieder raus,“ sagt Christine Dobler, und deutlich emotionaler fügt sie noch hinzu: „Was mich nervt ist die verdammte Verharmlosung von Marihuana – ich möchte Befürworter/innen für Drogenlega-
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Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt.
Christine Dobler ist seit fünf Jahren ehrenamtliche Helferin beim Verein NEUSTART.
lisierung bitten, wenigstens für ein Jahr als Ehrenamtliche zu Neustart zu kommen und zu versuchen, einen kiffenden Jugendlichen zu motivieren, sein Leben in die Hand zu nehmen. Ein Leben mit bescheidenen Perspektiven, wohlgemerkt. Da geht der Realitätssinn, der schon ohne Drogen beeinträchtigt ist, endgültig verloren.“ Es ist übrigens wirklich so, dass bei NEUSTART immer Bedarf herrscht an Menschen, die sich engagieren möchten. Sie werden kompetent ausgebildet, erhalten die Unterstützung von Fachpersonal und hauptamtlichen Helfern und -innen sowie eine Aufwandsentschädigung. Gründe für dieses anspruchsvolle Ehrenamt muss jeder und jede selbst finden, aber für Christine Dobler ist das ganz klar: „Ich bin ja nicht sicher, wie weit ich den Klienten helfen kann, aber ganz sicher helfen sie mir – was ich tue ist eine sinnvolle Tätigkeit für alle Beteiligten, auch für eventuell verhinderte weitere Opfer. Ich mache das mit Begeisterung und lerne viel für mich persönlich. Und man lernt auch dankbar zu sein für alles, was im eigenen Leben eben nicht schief gegangen ist.“
NEUSTART sucht ehrenamtliche Mitarbeiter/innen Derzeit kümmern sich 28 hauptamtliche und 50 ehrenamtliche Mitarbeiter um die rund 2000 Klienten pro Jahr. Die beiden Standorte in Bregenz und Feldkirch bieten Bewährungshilfe, Tatausgleich, gemeinnützige Leistungen, Haftentlassenenhilfe, Elektronisch überwachter Hausarrest, Prozessbegleitung, und vieles mehr. Bei Interesse besuchen Sie die Homepage www.neustart.at oder kontaktieren Sie den Leiter von Neustart, Winfried Ender. Telefon 05574 455 90, Römerstrasse 1-3, 6900 Bregenz, winfried.ender@neustart.at.
Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Campus V, Coworking Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktionsleitung: Elisabeth Willi Redaktionsteam dieser Ausgabe: Daniela Egger, Frank Andres, Gerhard Thoma, Gernot Hämmerle, Ingrid Delacher, Irene Nägele-Schwaiger, Maya Rinderer, Peter Kopf, Robert Thoma, Sara Bonetti, Simone Fürnschuß-Hofer, Thorsten Bayer, Waltraud Travaglini-Konzett Zeitungsausgabe Ausgabestelle Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Gilmstraße 7 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr Ausgabestelle Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag bis Donnerstag 9 bis 11.30 Uhr Ausgabestelle Bludenz do it yourself, Kasernstraße 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Ausgabestelle Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer, DSA Markus Hämmerle DSA Heidi Lorenzi, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage 22.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2016 marie. Alle Rechte vorbehalten.
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Mittendrin in V
Endlich da! Das Konto für alle Am 18. September wird eine langjährige Forderung der Schuldenberatungen nach einem Basiskonto für alle umgesetzt. Auch Menschen ohne festen Wohnsitz bekommen damit künftig ein Konto. Peter Kopf, Leiter der ifs-Schuldenberatung, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
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Peter Kopf, Leiter der ifs-Schuldenberatung in Bregenz, begrüßt, dass das „Konto für alle“ ab 18. September auch in Österreich umgesetzt wird.
Warum ist das Recht auf ein Basiskonto so wichtig? In Österreich haben etwa 150.000 Erwachsene kein eigenes Girokonto. In Vorarlberg betrifft das immerhin 6000 bis 7000 Menschen. Es gibt viele Gründe, warum diese ihr Konto verloren haben oder keines bekommen. Das Fehlen eines festen Wohnsitzes, Schulden bei der Bank, ein Privatkonkurs, der Eintrag auf einer Warnliste von Wirtschaftsauskunftsdiensten, überzogene Konten, zu geringes oder ungesichertes Einkommen können dafür ausschlaggebend sein. Wer aber in Österreich lebt, braucht ein Konto. Um Gehalt, Lohn, Pension, Sozialleistungen oder Unterhaltszahlungen zu bekommen. Oder um Zahlungen wie Miete oder Strom zu überweisen. Menschen ohne Konto haben zudem häufig Schwierigkeiten einen Arbeitsplatz zu finden, da viele Firmen das Geld nicht bar auszahlen. Und zu allem Übel sind Bargeldüberweisungen ohne Konto auch noch mit hohen zusätzlichen Kosten verbunden. Die Mitarbeiterinnen und
Foto: Institut für Sozialdienste
Mitarbeiter der ifs Schuldenberatung kennen solchen Situationen aus zahlreichen Gesprächen und Beratungen. Und sie wissen, dass Menschen ohne Konto aus den oben genannten Gründen häufiger von Armut betroffen sind als andere. Ein Girokonto ist daher ein wichtiger Baustein, um Armut zu verhindern und zu bekämpfen. Was kostet ein Basiskonto? Für die Kontoführung dürfen je nach Bedürftigkeit zwischen 40 und 80 Euro pro Jahr berechnet werden. Die genauen Kosten muss die Bank vor der Kontoeröffnung bekannt geben. Was „kann“ ein Basiskonto? Es können darauf Überweisungen eingehen, Überweisungen gemacht und Daueraufträge eingerichtet werden. Zum Basiskonto gehört auch eine Bankomatkarte. Damit kann an jedem Bankomat Geld behoben werden. Sofern das Konto im Plus ist, denn das Basiskonto kann nicht überzogen werden.
Wie bekomme ich ein Basiskonto? Ab 18. September kann man bei jeder Bank ein Basiskonto eröffnen, wenn man noch kein anderes Konto hat und sich legal in der EU aufhält. Was ändert sich mit dem neuen Gesetz noch für Bankkunden? Auch bei der Eröffnung eines „normalen“ Kontos muss die Bank über die Kontogebühren genau Auskunft erteilen. Ist das „normale“ Konto im Minus, muss die Bank mit dem Kunden oder der Kundin Kontakt aufnehmen und sie oder ihn auf die Möglichkeit einer günstigeren Finanzierung oder einer Schuldenberatung hinweisen. Ein Kontowechsel von einer Bank zur anderen ist in Zukunft viel einfacher möglich. WEITERE INFOS: schuldenberatung@ifs.at www.ifs.at
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„Rot“ bedeutet gefährliche Unterernährung. Dürre als Folge des Klimawandels führt bei tausenden Kindern in Äthiopien zu massivem Hunger.
Klimawandel kennt keine Grenzen Die Ärmsten zahlen den höhsten Preis und leiden unter den Folgen klimatischer Veränderungen. Was wir zu oft übersehen: Unser Verhalten hat ganz konkreten Einluss darauf. „Der Wohlstand in Europa lockt die jungen Menschen aus Afrika nach Europa. Denn die Bevölkerungszahl steigt dort rasant an, und viele junge Afrikaner sehen über die Medien, wie es in der Welt außerhalb ihrer Armutsregion aussieht. Sie machen sich auf den Weg in ein erhoftes besseres Leben. Hunger, Unzufriedenheit und vor allem Perspektivlosigkeit machen Menschen – nachvollziehbar – aggressiv und sind manchmal auch ein guter Nährboden für Terrorismus. Aus diesen und anderen Gründen sollten die europäischen Länder rasch aktiv werden, denn Afrika ist unser Schicksalskontinent. GlückliBezahlte Anzeige
cherweise ist ein Umdenken bereits im Gang. Europa hat jetzt die politische Bereitschaft signalisiert, erhebliche inanzielle Mittel und auch Engagement einzusetzen, um die Situation in den
Professor Franz Josef Radermacher Mitglied des Club of Rome und Experte für Globalisierung
„Denn Afrika ist unser Schicksalskontinent.“
Franz Josef Radermacher
besonders betrofenen Ländern zu verbessern und nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Viele Vereinbarungen wurden getrofen, die es so vor einigen Jahren nie gegeben hätte. Denn eines
ist klar: wir müssen jetzt etwas tun, sonst kommen die Probleme zu uns. Und das gilt auch für die Klimathematik, denn die ärmsten Länder der Welt sind am meisten davon betrofen.“
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El Nino: Da braut sich was zusammen Dürren, Brände, Überschwemmungen – das Klimaphänomen El Nino sorgt mit steigender Regelmäßigkeit für große weltweite Naturkatastrophen. Peruanische Fischer waren die Ersten denen dies auiel, da sie den Efekt aufgrund der dadurch ausbleibenden Fischschwärme wirtschaftlich sehr deutlich zu spüren bekamen. Und weil sie immer um die Weihnachtszeit eine spürbare Wassererwärmung vor der Küste Perus bemerkten, nannten sie diese Klimaanomalie ironischerweise ”Christkind – El Nino”.
„Ich bleibe Optimist“ 20 /
Prof. Dr. Mojib Latif ist internationaler Experte, Meteorologe, Klimaforscher sowie Hochschullehrer. Auf unsere Fragen erläutert er seine Einschätzung zum Klimawandel: Steuern wir klimatisch gesehen aus Ihrer Sicht auf eine Katastrophe zu oder bleiben Sie Optimist? Es ist unter den derzeitigen Umständen zwar schwierig, aber ich bleibe Optimist. Seit Beginn der 1990er ist der weltweite CO2-Ausstoß um etwa 60 Prozent gestiegen. Das ist ernüchternd. Trotzdem bleibe ich optimistisch. Einerseits, weil die erneuerbaren Energie konkurrenzlos sind – wo gibt es sonst einen Rohstof, der nichts kostet? Und andererseits, weil sich Prozesse beschleunigen können. Wer hätte noch vor 20 Jahren gedacht, dass sich das Mobiltelefon durchsetzt und gar zum Smartphone wird, das uns viele Dinge von unterwegs aus erledigen lässt. Es ist die Kombination von erneuerbaren Energien mit der Informationstechnologie, die eine weltweite Energiewende innerhalb der kommenden Jahrzehnte möglich machen könnte. Kann jede/r Einzelne effektiv etwas zum Klimaschutz beitragen oder sind dies nur „Tropfen auf heißen Steine“ Bezahlte Anzeige
im Vergleich mit der Umweltverschmutzung durch die Wirtschaft? Es ist wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger beim Klimaschutz mitmachen. Wenn alle mitmachen, dann kann man den Ausstoß von Treibhausgasen erheblich senken. Und wirklich jede(r) kann etwas tun! Wichtig ist aber auch, dass der Konsument durch sein Kaufverhalten Druck auf die Wirtschaft ausübt. Und schließlich muss es eine Bewegung geben, so wie bei der deutschen Anti-Atom-Bewegung. Dafür braucht es zwar einen langen Atem. Am Ende hat sich das Durchhalten aber gelohnt. Deutschland steigt aus der Atomkraft aus. Stichwort Klimaschutzziele 2020 – drohen diese durch die aktuell schwierige politische Situation der EU zu scheitern? Es sieht ganz danach aus. Aber nicht nur wegen der aktuellen politischen Situation. Länder wie Polen verweigern sich komplett und werden beim Klimaschutz auf absehbare Zeit nicht mitmachen. Das liegt an deren Kohle. Auch Deutschland schaft es nicht, sich trotz aller Beteuerungen schnell von der Kohle zu verabschieden. Die Lobbyinteressen sind gegenwärtig zu stark, um einen großen Schritt beim Klimaschutz voranzukommen. Und genau deswegen braucht es eben die Bewegung von unten, die Druck auf die Politik ausübt.
Grund dafür sind die sogenannten Passatwinde, die zwischen einem Hochdruckgebiet vor der Westküste Südamerikas und einem Tiefdruckgebiet vor der Ostküste Australiens zirkulieren. Parallel dazu zirkulieren kalte und warme Meeresströmungen. In einem El Nino-Jahr brechen diese Strömungen zusammen, dadurch verändern sich auch die Meeresströmungen. Die Folge ist, dass sich das Meer erwärmt – dies wiederum hat katastrophale Veränderungen für Mensch und Natur weltweit zur Folge.
Fakten zum Thema Hunger • Knapp 800 Millionen Menschen auf der Welt sind unterernährt. Die meisten davon leben in Afrika und Asien. • Afrika ist der Kontinent mit dem höchsten Anteil an unterernährten Menschen im Bezug auf die Gesamtbevölkerung. • Jedes vierte Kind weltweit ist aufgrund chronischer Unterernährung im Wachstum verzögert und fast die Hälfte aller Todesfälle unter Kindern bis fünf Jahre ist auf Mangelernährung zurückzuführen. • Die andere Seite der Medaille: Erstmals leben mehr Fettleibige als Untergewichtige. Seit 1975 ist die Weltbevölkerung zwar gesünder, aber auch dicker geworden. Bis auf die Ärmsten – sie hungern weiter. • Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Mangel- und Unterernährung. Dabei gäbe es weltweit genug Nahrung für alle Menschen, die Verteilung ist ungerecht.
#9 / September 2016
Der weltweite Hunger hat System – wir können das ändern! Journalistin Verena Daum greift in ihrem Blog (www. progression.at) ethische und ökologisch-soziale Themen auf. In ihrem Kommentar schreibt sie, wie wir alle zu Veränderung beitragen können. „Dem heute tobenden Wirtschafts- und Ressourcenkrieg, dem Hunger, Elend, der sozialen Ungerechtigkeit und der modernen Sklaverei, der Umweltzerstörung und dem Klimawandel liegt das mörderische System des Finanzkapitalismus zugrunde“, betonen unisono Alt-Bischof Erwin Kräutler, UNO-Sonderberichterstatter und Soziologe Jean Ziegler sowie auch Papst Franziskus. Wir können das ändern - indem wir frei und global denken und selbstbestimmt regional handeln. „Habt Mut“, ruft uns Erwin Kräutler in seinem aktuellen Buch auf: „Wir haben nur diese eine Welt, nimm’ deine globa-
le Verantwortung wahr!“ Damit ist jeder Einzelne von uns gemeint im Sinne von Liebe statt Gier, Frieden statt Krieg, Kooperation statt Konfrontation, Solidarität und gelebtes Miteinander anstatt Missgunst und Neid. Papst Franziskus warnt vor der Anbetung des Goldenen Kalbs und dem herrschenden „System, das tötet“. Gott hat nur unseren Verstand, unser Herz und unsere Hände, sagt Jean Ziegler und setzt in seinem aktuellen Buch „Ändere die Welt!“ auf die Kraft der aufgeklärten Zivilgesellschaft, denn „Macht-Eliten und Politik sind keine Hofnung“, sondern nur „wir selbst sind die Hofnung, die Lösung und die Zukunft“. Der Dokumentarilm „Tomorrow“ zeigt eine Welt voller Lösungen - u. a. mit Bill Mollisons Permakultur-Philosophie, die bedeutet: sinnvoll und ethisch leben und wirtschaften im Einklang mit der Natur im ökologischen Kreislauf. In diesem Sinne heißt es für mein gardeneden.org Team mit den Permakulturisten Leo Simma mit Sonja und David,
Kleidung modern und fair erzeugt Dass der Kauf neuer Kleidung oder Schuhe nicht unbedingt mit schlechtem Gewissen verbunden sein muss, zeigt ein boomender Markt an Second-Hand Shops sowie Internet-Seiten und Geschäfte, die fair gehandelte Kleidung anbieten. Unser Kaufverhalten entscheidet. Es geht einerseits darum, dass die ArbeiterInnen in der Textilindustrie Löhne erhalten, von denen sie menschenwürdig leben können, aber auch um sichere Arbeitsplätze und einen schonenden Umgang mit Rohstofen und Energie. Bezahlte Anzeige
Dass pro gefertigtem Paar Schuhe, die in Europa zum Preis von 120 Euro verkauft werden, die Näherin nur 20 Cent ausbezahlt bekommen, wollen viele KonsumentInnen nicht mehr einfach so hinnehmen. Die Plattform „bewusstkaufen.at“ ist eines der positiven Beispiele, wo und wie faire Kleidung und Schuhe zu haben sind – reinschauen lohnt sich! Apropos fair: Wer sagt denn, dass Kleidung immer neu gekauft werden muss? Die carla shops der Caritas bieten eine breite Palette an trendigen, gut erhaltenen Kleidungsstücken für jeden Bedarf sowie Schuhe an. Ein weiteres Plus: Diese „Schnäppchen“ sind nicht nur preislich günstig, sondern auch von eventuellen Schadstofen in den Stoffen „freigewaschen“. Eine Tatsache, die auch immer mehr junge Eltern beim Kauf ihrer Baby-Ausstattung schätzen.
Margit und Sepp Brunner, Bischof Abraham Desta in Äthiopien, CaritasAuslandshilfe-Chef Martin HagleitnerHuber und allen Gleichgesinnten, die mitmachen wollen, „work in progress“ beim Aufbau eines ganzheitlichen Modells im Ländle und parallel auch in Meki in Äthiopien. Permakultur können wir alle - jeder Einzelne von uns - und am besten miteinander.
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Verena Daum
Kostenaufteilung für einen Laufschuh (120 €) € 2,50 Lohnkosten in der Produktion € 10 Rohstofe € 3,50 sonstige Produktionskosten € 4 Gewinn innerhalb der Produktion € 26 Markenkonzern €4 €5
Transport/Zölle Distributor
€ 45 Einzelhandel
€ 20 Steuern Quelle: cleanclothes.at
Ein Geschenk, das Was geht uns der „Leben“ bringt Hunger in Äthiopien an? Fast zwei Jahre lang iel in Äthiopien – einem der ärmsten Länder der Welt – kein Tropfen Regen. Martin Hagleitner-Huber, Leiter der Caritas Auslandshilfe, berichtet über die dramatische Lage in Äthiopien. „Rund 18 Millionen Menschen stehen derzeit in Äthiopien vor dem Nichts. Besonders betrofen sind vor allem Kinder, die am meisten unter Hunger und den dramatischen Folgen zu leiden haben.“ Die humanitäre Katastrophe in Äthiopien geht auch uns an. Ursachen klimatischer Veränderung und von Wetterextremen sind auch auf den hohen Lebensstandard und den Ressourcenverbrauch in den Industrienationen zurückzuführen. 22 /
„Besonders betrofen sind vor allem Kinder.“ Martin Hagleitner-Huber
Äthiopien wäre eine aufstrebende Nation. Doch die Wetterextreme führen immer wieder Millionen von Menschen in den Hunger. Unsere Hilfe mittels „3-Stufen-Plan“ - siehe unten - kann jetzt dazu beitragen den Menschen aus
Die Caritas-Aktion „Schenken mit Sinn“ hilft auch hier. Ein „Geschenk“ das bei uns vor allem zu Weihnachten Freude gemacht hat, sichert nun Familien in Afrika mit ab. Esel, Ziegen oder Hühner sind jetzt Teil des Neustarts nach der Dürre.
Martin Hagleitner-Huber Leiter der Auslandshilfe der Caritas
dem schlimmsten herauszuhelfen. Im Vergleich zu der großen Hungerkatastrophe in den 80er Jahren, wo eine Million Menschen gestorben sind, greifen diesmal die angelaufenen Programme der Regierung und der Hilfsorganisationen schneller.
Die Zwischenbilanz aus Vorarlberger Sicht macht durchaus stolz: 970 Ziegen, 265 Esel sowie 600 Hühner, sowie 750 Mangobäume konnten Dank der „Schenken mit Sinn“-Aktion 2015 an äthiopische Familien verteilt werden. Acht von zehn Menschen leben direkt von der Landwirtschaft, entsprechend wichtig sind für sie die zur Verfügung gestellten Nutztiere. Mitmachen ist ganz einfach: Online auf www.schenkenmitsinn.at
Hilfe die ankommt! Seit 20 Jahren sind wir als Caritas vor Ort, um gemeinsam mit den Menschen ihre Lebenssituation zu verbessern. Vieles ist uns gelungen, um die Folgen der Dürre abzumildern. „Nach so langer Zeit, liegen uns diese Menschen am Herzen, kennen wir viele persönlich. Ihre Geschichten berühren und gehen ans Herz. Mit unseren Partnern vor Ort haben wir verlässliche UnterstützerInnen im Caritasnetzwerk, die unser vollstes Vertrauen genießen und eizient mit uns zusammenarbeiten“, so Hagleitner-Huber abschließend.
Drei Stufen-Plan So können „marie“-LeserInnen helfen! gegen den Hunger: ① Unterstützen Sie mit Ihrer Spen-
de unseren „Drei-Stufen-Plan“(siehe bitte rechte Spalte): online spenden unter www.caritas-vorarlberg.at oder Raiba Feldkirch IBAN: AT32 3742 2000 0004 0006
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Checken Sie Ihre eigenen Verhaltensweisen. Besuchen Sie einen unserer carla-Shops in Feldkirch, Dornbirn, Bludenz, Lustenau oder Altach. Mehr Infos auf www.carlavorarlberg.at oder www.bewusstkaufen.at
Bezahlte Anzeige
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Planen Sie für den nächsten Anlass ein „Schenken mit Sinn“ Geschenk mit ein: www.schenkenmitsinn.at Danke, wenn auch Sie damit einen Beitrag leisten, um Hunger nachhaltig zu lindern.
1. Ernährung für Kleinkinder und Schwangere: Mit der Verteilung von Spezialnahrung für Babys und Kleinkinder können viele Kinder mit wichtigen Nährstofen versorgt werden. 2. Ernährungsprogramm für Schulkinder: Seit heuer gibt es in der Region Borana in drei Missionsschulen ein warmes Mittagessen für rund 800 Kinder. 3. Kleintiere und Saatgut: Neben der Bereitstellung von Saatgut sind Nutztiere eine wichtige Basis um zu überleben und für künftige Dürreperioden gewappnet zu sein.
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Rudy König lebt seit 2003 wieder in Lustenau. Der 78-Jährige denkt aber noch heute wehmütig an seine Zeit in Florida zurück.
„LUSTENAU IST MEINE HEIMAT GEBLIEBEN“ Rudy König war Profimusiker, Versicherer von Bela Rabelbauer, Hilfssheriff in den USA und schaffte es in das „Guinness Buch der Rekorde“. Im Interview mit der marie blickt das 78-jährige Lustenauer Original („Dar Körpar“) auf ein bewegtes Leben zurück. Interview und Foto: Frank Andres
marie: Herr König, mit 18 Jahren sind Sie Profimusiker geworden. Wie haben Ihre Eltern reagiert? Rudy König: Meiner Mutter hat es sehr gefallen, dass ich in einer Band mitspiele. Sie war sehr stolz. Die Musiknoten der Verlage hat sie mir immer an die verschiedenen Auftrittsorte nachgeschickt. Die Aufschrift lautete: „An den Herrn Kapellmeister Rudy König“. Mein Vater spielte selbst Mandoline. Bei uns zuhause wurde immer gesungen. Wie hieß Ihre Band? Wir waren ein Quartett und nannten uns die „Vier Piccolos“. Wie muss man sich das Leben eines Musikers in den 50er und frühen 60er
Jahren vorstellen? Das war ein Traum. Ich sage nur eines: Frauen. Das klingt aber sehr klischeehaft. Das mag sich so anhören. Aber wir haben jeden Tag geprobt und am Abend bis zu sechs Stunden musiziert. Wie viele Auftritte haben Sie damals absolviert? Teilweise haben wir den ganzen Monat durchgespielt. Juni, Juli waren wir zum Beispiel in Singen und im August, September in Berchtesgaden. Was hatten Sie musikalisch im Repertoire? Reine Tanzmusik. Die Hitparade musstest du als Band intus haben. Das haben die Gäste von dir verlangt. Als die Be-
atles „Wanna hold your hand“ gespielt haben, mussten wir das Lied in unser Repertoire übernehmen. Welche bekannten Musiker haben Sie damals kennengelernt? Ich erinnere mich noch an unsere Auftritte im Hotel „Millstatt“ am Millstätter See. Da traf ich einen Musiker namens Bockelmann. Der wurde später als Udo Jürgens berühmt. Sie haben 1960 ihre Frau Marlene geheiratet. Hatte sie Verständnis, dass Sie als Musiker durch die Lande gezogen sind? Im Vordergrund stand damals das Geld. Ich habe 1250 D-Mark (625 Euro) im Monat verdient. Das war ein schönes Gehalt. >>
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Mittendrin in V
Beim „Police-Memorial-Day“ am 15. Mai 1997 schüttelte Rudy König dem damaligen Präsidenten Bill Clinton persönlich die Hand.
Fesche Burschen unter sich: Rudy König spielte bei den „Vier Piccolos“ unter anderem Kontrabass.
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1966 haben Sie aber dann doch als Profimusiker aufgehört. Was war der Grund? Meine älteste Tochter wurde in diesem Jahr eingeschult. Da konnte ich einfach nicht mehr die ganze Woche von zuhause weg sein. Wie ging es dann beruflich für Sie weiter? Ich habe zunächst drei Jahre bei der Firma Wild in Rebstein als Bürokaufmann gearbeitet. Danach bin ich als Außendienstmitarbeiter zur Bundesländer Versicherung gewechselt. War das beruflich nicht eine große Umstellung? Bis Mittag arbeiten, dann eine Stunde Mittagpause und um 5 Uhr Dienstschluss, das war ein schon bisschen eintönig. Und wie sind Sie diesem täglichen Trott entronnen? Ich habe hobbymäßig weitermusiziert. Bis 3 Uhr in der Früh stand ich manchmal auf der Bühne und um 7.30 Uhr war ich wieder im Büro. Das ging über Monate. 1981 gründeten Sie ein Polizeimuseum in Lustenau. Wie kamen Sie auf diese originelle Idee?
Rudy Königs Hilfssheriffstern.
Für die weltgrößte Sammlung von Polizeimützen bekam Rudy König 1994 einen Eintrag in das „Guinness Buch der Rekorde“.
Das kann ich Ihnen heute nicht mehr genau erklären. Ich weiß nur, dass ich alle möglichen Mützen gesammelt habe. Von Musikanten, Eisenbahnern und Postlern. Auf die Idee, Polizeimützen zu sammeln, kam ich durch Bela Rabelbauer. Er hat mir zwei Stück aus Thailand mitgebracht. Die Mützen hatte ihm der thailändische König Bhumibol geschenkt. Bela Rabelbauer hat Jahre später als Millionenbetrüger in ganz Österreich Schlagzeilen gemacht. Wie haben Sie den „Mann mit dem Koffer“ kennengelernt? Ich war sein Versicherer und habe ihm bei seinem Umzug nach Fußach geholfen. Ich habe sogar sein Auto zur Werkstatt gebracht, um es typisieren zu lassen. Bela Rabelbauer war ein Freund von mir. Er hat mir sogar einmal angeboten, dass ich sein Privatchauffeur werden soll. Das habe ich Gott sei Dank abgelehnt. 1981 haben Sie dann das Polizeimuseum in der Roseggerstraße in Lustenau eröffnet. Und 1994 schafften Sie damit sogar einen Eintrag in das „Guinness Buch der Rekorde“. Wie ist Ihnen das gelungen?
Ich hatte damals die weltgrößte Sammlung von Polizeimützen. Insgesamt waren es 3800 Stück. Ein Highlight in ihrem Museum war auch eine Uniform der „Rotröcke“, die noch heute von der Leibgarde der Königin von England getragen wird. Wieviel „Vitamin B“ war mit im Spiel? Gar keines. Ich habe an den Buckingham Palast einen Brief geschrieben und um eine Umiform für mein Museum gebeten. Zwei, drei Jahre habe ich vergeblich auf eine Antwort gewartet. Plötzlich bekam ich aber ein Paket aus England mit einer kompletten Gala-Uniform. Das war einfach unglaublich. Warum haben Sie das Museum dann 1996 aufgegeben? Ich bin mit meiner Frau nach Clearwater in Florida gezogen und habe das gesamte Museums-Inventar an einen Freund in Kalifornien verkauft. Dort führt er jetzt das zweitgrößte Polizeimuseum der Welt. Wie kommt ein Ur-Lustenauer auf die Idee, seine Heimat zu verlassen und nach Amerika zu übersiedeln? 1985 bin ich mit meiner Frau, quasi als verspätete Hochzeitsreise, zum ersten
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der Sonne zu schützen. Und das wollte ich nicht. Was hat der Lustenauer Rudy König in Amerika vermisst? Nichts. Den Lustenauer Senf? Keine Angst, den hatten wir immer vorrätig. Fühlen Sie sich heute nicht mehr als Lustenauer? Doch. Lustenau ist immer meine Heimat geblieben. Deshalb habe ich hier auch meine Wohnung behalten, als ich in die USA gezogen bin. Ich wollte auch nie in Amerika sterben bzw. begraben werden. Dazu fühle ich mich mit Lustenau zu sehr verbunden. Was sollte einmal auf dem Grabstein von Rudy König geschrieben stehen? Er ruhe in Frieden. Sonst nichts. Aber bei meiner Beerdigung sollte unbedingt der Song „Sultry Serenade“ gespielt werden. Eine Frage hätte ich noch: Wie sind Sie eigentlich zu ihrem Spitznamen „Dar Körpar“ gekommen? Da war ich noch Schüler und spielte bei Austria Lustenau. Nach einem Match kam ich einmal völlig verdreckt in die Umkleidekabine, zog mein Trikot hoch und rief: „So schaut ein Sportkörper aus.“ Das hat mein Trainer Bibis Hans mitbekommen, und er gab mir den Spitznamen „Dar Körpar“. Und der ist mir bis heute geblieben.
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ich werde Mitglied im marie-Freundeskreis. Damit unterstütze ich die Arbeit von marie. Meine Jahresspende beträgt: 60,- Euro (Mindestbeitrag für Schüler/Studenten/Senioren) 100,- Euro
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Mal in die USA gereist. Damals hat mich das Amerika-Fieber gepackt. Und als ich in Pension gekommen bin, gab es für mich kein Halten mehr. Was haben Sie in den USA gemacht? Wir sind jedes Jahr ein, zwei Monate mit dem Auto auf Reisen gegangen. Einmal fuhren wir von Florida nach Alaska und wieder retour. Das ist eine Strecke von über 20.000 Kilometern. In ihrer neuen Heimat wurden Sie sogar zum Hilfssheriff befördert. Wie kam es dazu? Der Polizeichef in meinem County hat mitbekommen, dass ich mich für ihre Arbeit interessiere. Er hat mich dann eingeladen, mit ihm auf Streife zu fahren. Danach habe ich eine interne Prüfung abgelegt, und mir wurde der Hilfssheriff-Stern verliehen. Was waren Ihre Aufgaben? Ich habe zum Beispiel Strafzettel ausgefüllt, wenn jemand Müll aus dem Auto geworfen hat. Offiziell übergeben wurde das Strafmandat dann jedoch von einem echten Polizisten. Ich war aber auch bei zwei Waldbränden im Einsatz. Das wäre heute nicht mehr möglich. Mir fehlt inzwischen die Kondition. Ein Hand-Shake mit einem amerikanischen Präsidenten. Wie ist Ihnen das gelungen? Das war am 15. Mai 1997, am „Police-Memorial-Day“, dem jährlichen Gedenktag für die im Dienst verstorbenen Polizisten. Ein guter Freund bei der New Yorker Polizei hatte mich nach Washington eingeladen. Und dort traf ich zufällig den damaligen Präsidenten Bill Clinton und schüttelte ihm die Hand. Diesen Moment werde ich nie mehr vergessen. 2003 endete Ihr Amerika-Abenteuer. Sie mussten wegen einer Hautkrebs erkrankung zurück nach Lustenau. Wie sehr hat Sie diese Entscheidung geschmerzt? Wenn ich daran denke, kommen mir noch jetzt die Tränen. Als klar war, dass ich gehen muss, habe ich nächtelang geweint. Gab es keine Möglichkeit, in Florida zu bleiben? Nein. Wenn ich dortgeblieben wäre, hätte ich immer Pullover und lange Hosen tragen müssen, um mich vor
Mittendrin in V Noheem Madariola Jaiyesimi (24) ist Fußballer und marie-Verkäufer. In seinem ersten Saisonspiel erzielte er per Kopf den Treffer zum 1:0.
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„ES IST SO FRIEDLICH HIER“
Von Nigeria über Polen nach Vorarlberg: Noheem Madariola Jaiyesimi (24) kam mit 17 Jahren als Fußballer nach Europa. Heute, sieben Jahre später, ist er marie-Verkäufer in Dornbirn und hat in Vorarlberg nicht nur eine neue Heimat, sondern auch einen neuen Fußballverein gefunden.
Protokoll und Foto: Frank Andres
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ch bin in Lagos aufgewachsen. Mit über 14 Millionen Einwohnern ist das die größte Stadt Nigerias. Bereits mit fünf Jahren habe ich begonnen, in der Pepsi-Fußball-Akademie zu spielen. Ich war wirklich talentiert und habe es sogar zu den nigerianischen Universitätsspielen geschafft. Mit 17 Jahren erfüllte sich mein Traum, Profi-Fußballer zu werden. Ich habe einen Vertrag in Polen bekommen und dort als Verteidiger und Mittelfeldspieler in der Zweiten Liga gespielt. Fünf Jahre lang. Aber während dieser Zeit bin ich von den Menschen dort nie richtig akzeptiert worden. Das hatte mit meiner Hautfarbe zu tun. Polen ist kein Land für schwarze Leute.
Im Sommer letzten Jahres bin ich schließlich nach Österreich gekommen. Sechs Monate lang habe ich beim SC Imst in der vierten Tiroler Liga gespielt. Aber vom Geld, das ich damals verdient habe, konnte ich meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten.
marie als Rettungsanker
Ich habe dann aber von anderen nigerianischen Freunden mitbekommen, dass es in Vorarlberg die marie gibt. Ich habe mich als Verkäufer beworben und im April einen Ausweis bekommen. Die marie ist mein Lebensretter. Endlich habe ich wieder eine Aufgabe. Die marie ist ein sehr gutes Projekt und gibt mir die Möglichkeit, arbeiten zu können. Inzwischen wohne ich in Vorarlberg und
habe auch einen neuen Fußballverein gefunden. Ich spiele seit dieser Saison beim FC Koblach. Die Leute im Verein und dabei ganz besonders der Trainer sind sehr nett. Sie haben mich alle sehr herzlich aufgenommen. Ich fühle mich akzeptiert. Ich bin nach wie vor bei einem Spar-Geschäft in Dornbirn als marieVerkäufer im Einsatz. Und das bis zu neun Stunden pro Tag. Daneben trainiere ich noch vier Mal die Woche und am Wochenende ist Match. Da bin ich am Abend immer richtig müde. Mein größter Wunsch ist es, in Vorarlberg bleiben zu können. Hier ist es so friedlich. Ich möchte Deutsch lernen und dasselbe Leben führen, wie die anderen Menschen in diesem Land.
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Fabienne Landerer kocht und fotografiert leidenschaftlich gerne. Sie ist 19 Jahre alt, in Vorarlberg aufgewachsen und reist jetzt nach der Matura für ein Jahr in Europa herum. Sie verzaubert uns auch aus dem Ausland mit kunterbunten Rezepten. Aus ethischen und ökologischen Gründen verzichtet sie auf tierische Produkte.
Kokos-Curry-Eintopf mit Reisnudeln und Erdnüssen Die Kosten pro Person betragen 1,20 Euro, mit Bio-Lebensmitteln gekocht sind es etwa 2,20 Euro.
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Zutaten für 4 Personen:
• eine Packung asiatische (Vollkorn-) Reisnudeln, als Alternative dünne Spagettini • 3 Karotten • eine rote Paprika • eine Zucchini • 4 Frühlingszwiebeln • eine halbe Lauchstange • eine Zwiebel • eine Dose Kokosnussmilch • einige Blätter Chinakohl • Salz, Cayennepfeffer, Currypulver, Paprikapulver, • eine Handvoll Erdnüsse • Kokosfett (Ceres oder Bio-Kokosöl) • Raps- oder Sonnenblumenöl • 100-150 ml Sojamilch
Zubereitung:
Zwiebel, Karotten, Paprika und Zucchini in dünne Streifen schneiden und alles zusammen in einer Pfanne zirka 10 min mit Kokosfett anbraten. Dann die Frühlingszwiebeln halbieren und den Lauch in kleine Ringe schneiden, hinzugeben und weitere 5 min anbraten. 1,5 EL
Currypulver und einen TL Paprikapulver hinzugeben, alles noch einmal eine Minute unter Rühren anbraten und mit der Dose Kokosnussmilch aufgießen und 10 min köcheln lassen. Hin und wieder etwas Wasser hinzugeben, falls es zu sehr eindickt. In einem Topf, Wasser mit etwas Salz zum Kochen bringen, die Reisnu-
deln hinzugeben und „al dente“ kochen. Die Chinakohlblätter in feine dünne Streifen schneiden, in den Eintopf geben, die Nudeln ebenfalls hinzugeben und alles gut umrühren, fertig! Mit einigen dünnen ChinakohlStreifen und Erdnüssen als extra Geschmackstipp garnieren.
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Gemeinsam arbeiten, gemeinsam verändern Vom Installateur bis zur Bank: Vorarlberger Unternehmen setzen auf Gemeinwohl-Ökonomie. Text: Thorsten Bayer Fotos: Raiffeisenbank Lech, GWÖ Vorarlberg, privat
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ettbewerb darf nicht das einzige Ziel sein. Harter Wettbewerb verheizt die Menschen, und verbrannte Menschen geben keine Wärme.“ Diese klaren Worte findet Klaudia Fischer. Sie verfolgt ein anderes Ziel: Ihr geht es darum, „einen großen Teil der Wertschöpfung in der Region und in die Menschen, die in dieser leben, zu investieren.“ Ein doppelt bemerkenswerter Ansatz: Schließlich arbeitet sie im Finanzsektor, genauer gesagt bei der Raiffeisenbank Lech. Ein Widerspruch? „Nur auf den ersten Blick. Das aktuelle Wirtschaftssystem wird meiner Meinung nach immer mehr hinterfragt und ist so nicht zukunftsfähig. Nun gilt es, sich rechtzeitig für neue Formen zu öffnen. Die Ressourcen unseres Planeten sind begrenzt“, sagt die Gemeinwohl-Projektleiterin. Ein möglicher Ausweg ist das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), ein Konzept eines alternativen Wirtschaftssystems, das auf den österreichischen Autor Christian Felber zurückgeht. Kooperation, Solidarität, Vertrauen und Teilen stehen im Vordergrund. An die Stelle des Bruttoinlandprodukts soll das Gemeinwohl-Produkt treten. Mithilfe von Volksabstimmungen sollen Teile des Modells in Verfassungen verankert werden. Als sichtbares Zeichen ihres En-
Bild oben: Teilnehmer eines Workshops zur Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz. Bild unten links: Julia Weger und ihrem Unternehmen „Wegweiser“ ist nachhaltiges Wirtschaften wichtig. Bild unten rechts: Das gemeinsame Tun steht bei der Tischlerei Engel und Brotzge in Hard im Vordergrund.
gagements erstellen Unternehmen oder Gemeinden eine Gemeinwohl-Bilanz. Maximal sind 1000 Punkte möglich, die Auskunft darüber geben, wie ökologisch, wertschätzend und human eine Organisation agiert.
Moser, der Gründungsmitglied des Vereins ist. „Qualifizierte Mitarbeiter legen heute nicht mehr nur Wert auf hohe Löhne, sondern wollen auch ein gutes Arbeitsklima und ein gesundes Umfeld vorfinden.“
Starkes Argument für Bewerber
„Wohlwollende Resonanz“
Das Gemeinwohl ist das ureigenste Thema, mit dem sich Politik und Verwaltung beschäftigen, findet Manfred Hellrigl, Leiter des Büros für Zukunftsfragen: „Aber die Frage ist natürlich auch für die Wirtschaft relevant: Welchen Beitrag leisten wir zum allgemeinen Wohlergehen und zur Lebensqualität im Land?“ Aus diesem Grund haben das Energieinstitut sowie – von Landesseite – die Wirtschaftsabteilung und das Büro für Zukunftsfragen in den letzten Jahren gemeinsam entsprechende Aktivitäten unterstützt, woraus inzwischen der Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie Vorarlberg als eigener Träger und Akteur hervorgegangen ist. 29 Mitglieder zählt er (siehe Factbox rechts). Die gute Sache, die gute Idee ist das eine. Doch welchen konkreten Anreiz hat ein Unternehmer, sich in Sachen Gemeinwohl-Ökonomie zu engagieren? „Die Praxis zeigt, dass Unternehmen, die sich um das Thema Nachhaltigkeit kümmern und dies auch nach außen sichtbar machen, mehr Bewerbungen erhalten, wenn sie neue Stellen ausschreiben“, erklärt Unternehmensberater Gebhard
Auch Kunden bemerken dieses Engagement. „Wir werden sehr oft auf die Gemeinwohl-Ökonomie angesprochen“, betont Klaudia Fischer. Ebenso ergeht es Paul Brotzge und Wilfried Engel, die von „wohlwollender Resonanz“ sprechen. Die beiden Inhaber der Tischlerei Engel und Brotzge in Hard finden: „Das gemeinsame Tun steht nun bei uns im Vordergrund. Die Erfahrungen sind nur positiv.“ Ihre drei Mitarbeiter binden sie in die Entwicklung des Betriebs ein – und veröffentlichen ihre Gemeinwohlbilanz von 442 Punkten auf ihrer Homepage (www.einfachmoebel.at). Vorarlberg gehört beim Thema Gemeinwohl-Ökonomie zu den engagierteren Regionen, findet Manfred Hellrigl. Ein Grund dafür liege darin, dass zahlreiche Vorarlberger Industrieunternehmen in Familienbesitz sind und sich dadurch oft stärker mit ihren Mitarbeitenden und der Region verbunden fühlen als ein Unternehmen, das sich primär am Aktienkurs orientiert. Gute Beispiele dafür seien etwa Firmen wie Haberkorn, Doppelmayr, Alpla, Zumtobel, Blum oder Weiss.
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GEMEINWOHL-BETRIEBE IN VORARLBERG
Die Raiffeisenbank Lech investiert einen großen Teil ihrer Wertschöpfung in die Region. Vor zehn Jahren gründete sie daher die Initiative „Lebensraum Lech“ – im Bild das Projekt Insektenhotel.
Seit vier Jahren ist die Schwarzenbergerin Julia Weger mit ihrem Unternehmen „Wegweiser“ GWÖ-Mitglied. Sie betreut mit ihrer Mitarbeiterin Marina Nenning unter anderem das Netzwerk ÖKOPROFIT und Kulturveranstaltungen wie die ORF-Lange Nacht der Museen. „Nachhaltiges Wirtschaften ist unser Kernthema, nach dem wir grundsätzlich handeln.“ Manche Aspekte der Gemeinwohl-Ökonomie sieht sie kritisch, weil sie nicht auf jeden Betrieb anwendbar seien – etwa die Idee „Weniger Arbeitszeit, dafür mehr Menschen“. Gegner des Modells wenden immer wieder ein, dass
es keinen Wettbewerb gebe – und dass „von oben“ festgelegt werde, was produziert wird. Das sieht Gebhard Moser anders: „Von oben wird gar nichts festgelegt. Wer sollte auch dieses ‚Oben’ in der GWÖ sein? Die GWÖ macht Vorschläge und zeigt auf, wo es hingehen kann. Die gesamte Bewegung ist noch immer in einem Entwicklungsprozess, der von allen, die mitmachen, mitgeprägt und verändert werden kann. Es soll alles produziert werden, was der Mensch braucht, aber bitte so, dass wir damit nicht die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder in Gefahr bringen.“
• ALLMENDA – Social Business • aqua mühle frastanz • Back Kultur • Dorfelektriker, Götzis • Dorfinstallateur • Energie & Bauökologie, Raumlufthygiene • Energieinstitut Vorarlberg • Engel und Brotzge OEG • Entner-Dach • Gartenbau Angeloff • Gruber+Haumer Landschafts- architektur.OG • KAIROS Wirkungsforschung und Entwicklung • Kalb Markus GmbH • Kommunikationsagentur WEGweisER • Kunstmuseum Liechtenstein • LEBARTE • Lenz Consulting • Mag. Gebhard Moser, CMC • Mag. Susanne Penz – Steuer- beraterin, Wirtschaftstreuhänderin • Metzler Käse-Molke GmbH • Müller Ofenbau • Müller Wohnbau • Raiffeisenbank Lech am Arlberg • Reinhard Decker Unternehmens- beratung/Coaching • Sparkasse Dornbirn • Tectum GmbH • Tischlerei Mähr • walchbewegt gmbh • Weltladen Wolfurt
KICKENDE VERKÄUFER In den Reihen der marie-Verkäufer finden sich mehrere Fußball-Talente. Sie spielten als Team marie beim 4. poolbar-Fußball Invitational in Feldkirch, im Rahmen des Integrationstages „Gsis welcome“. Die Jungs – allesamt aus Biafra (Nigeria) – holten sich bei dem Kleinfeldturnier in der Vorrunde den Gruppensieg. Im Viertelfinale mussten sie sich nach einem Elfmeter-Krimi geschlagen geben. Glückliche Gewinner des Turniers war das Team „Schulbrüder 2“.
Foto: Harald Heinzle
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GESICHTER ZEIGEN „Gesichter zeigen“ lautet der Titel einer Ausstellung im öffentlichen Raum mit Porträts und Texten von 16 Menschen, die aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern geflohen sind. Jetzt sind sie in Lustenau angekommen und haben eine Stimme, eine Geschichte und ein Gesicht. Die marie veröffentlicht Texte und Fotos von Bayan, Mahmud, Ritaa und Sajed. Texte: Daniela Egger Fotos: Gerhard Klocker
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Bayan Algomaa, 14 Jahre, Homs, Syrien
Mahmud Algomaa, 16 Jahre, Homs, Syrien
BAYAN ALGOMAA, 14 Jahre, Homs, Syrien In Syrien konnte Bayan nur drei Jahre lang die Schule besuchen, bevor diese zerstört wurde. Danach hat sie zu Hause selbst weiter gelernt. Es gab auch kein Internet mehr, nur ihre große Schwester hat ihr ein bisschen geholfen. Zuerst verließ der große Bruder das Land, danach brachte ein Onkel die anderen Kinder außer Landes. Von der Türkei flogen sie nach Moldawien, wo die Geschwister gemeinsam geblieben sind, ihre Mutter Nada blieb mit ihrem Mann in Syrien. Ein Jahr lang haben sie sich nicht gesehen. Jetzt leben sie in Lustenau, auch der Vater ist angekommen und in Sicherheit, ihre große Schwester wird nächste Woche einen jungen Syrer aus Damaskus heiraten. Bayan ist eine talentierte Bogenschützin, nach einem Einführungskurs hatte sie bei einem Wettkampf den ersten Preis abgeräumt. Im Sommer möchte sie Fußball spielen ausprobieren. Sie träumt davon, irgendwann einmal nach Korea zu reisen und vielleicht dort zu leben. Sie hat sich schon ein wenig koreanisch beigebracht, aber zuerst will sie ordentlich Deutsch lernen. Sie lebt gerne hier, aber sie möchte, wenn möglich, irgendwann
auch zurück nach Syrien, pendeln zwischen Syrien und Korea, das wäre ideal für sie. Sie hat in Lustenau schon viele nette Mädchen kennen gelernt und geht sehr gerne zur Schule, aber eines fehlt ihr noch: „Ich brauche nur eine einzige, wirklich gute Freundin, eine die mich versteht – und alles ist gut.“ MAHMUD ALGOMAA, 16 Jahre, Homs, Syrien Bayans Bruder Mahmud möchte Medizin studieren und hat jetzt ein Problem mit dem Schulabschluss – wegen des Sprachproblems sind seine Noten nicht so gut ausgefallen und man sagt ihm, er dürfe die Klasse nicht wiederholen. Er müsste jetzt eine Lehre machen. Dabei will er Herzspezialist werden. Es liegt an der Sprache, dass er dem Unterricht nicht so folgen kann, aber da er oft mit seinen neuen Freunden unterwegs ist, und Fußball spielt oder schwimmen geht, lernt er sehr schnell. „In Syrien hatten wir einen Swimmingpool bei meiner Großmutter,“ sagt er, deshalb ist er ein guter Schwimmer. Er vermisst seine Freunde in Syrien und wenn es nach ihm ginge, würde er sofort zurückgehen. Er war 13, als sie flüchten mussten, sein Zuhause gibt es nicht
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Ausstellung Die Ausstellung „Gesichter zeigen“ mit Fotos von Gerhard Klocker und Texten von Daniela Egger geht auf eine Idee von Willi Pramstaller zurück, die Marktgemeinde Lustenau hat sie möglich gemacht. Zu sehen sind die Porträts auf einem 4 mal 4 Meter großen Würfel am Kirchplatz in Lustenau bis November 2016. Eröffnung ist am 22. September, 19 Uhr, Eintritt frei.
Ritaa Diab, 15 Jahre, Homs, Syrien
Sajed Hassan Mirsalimi, 41 Jahre,Teheran, Iran
mehr. „Ich rede jeden Tag mit meinen Freunden zu Hause. Die Stadt ist kaputt, das Chaos wird noch lange anhalten.“
Palästina, ihre Großeltern stammen von dort und auf der Suche nach den Wurzeln ist auch dieses Land für die Familie ein wichtiges Thema geworden. Ritaa würde nicht mehr zurückgehen nach Syrien, der Krieg hat alles zerstört, viele Freundinnen sind mit ihren Familien geflohen. Das nächste Ziel ist schwimmen lernen – irgendwo gibt es einen bestimmten Badetag nur für Frauen, hat sie gehört. Das findet sie eine perfekte Idee für so viele Migrantinnen, diese Möglichkeit will sie jetzt nutzen. Überhaupt ist das Leben in Lustenau für sie endlich wieder in Ordnung, nach all den Ängsten und Sorgen. Der Vater Yaser ist wieder da, alle sind vereint und gesund. „Ich habe sehr schnell Deutsch gelernt, weil ich eine Freundin brauche – sonst bin ich nichts!“
RITAA DIAB, 15 Jahre, Homs, Syrien Ritaas beste Freundin wurde auf dem Heimweg von der Schule durch eine Autobombe getötet. Die Tochter von Yaser kam mit ihrer Mutter und den zwei Brüdern per Flugzeug nach Belgrad, von dort mit dem Zug nach Wien, wo ihr Vater sie abgeholt hat. Sie hatten vier Monate keinen Kontakt und wussten nicht, ob er noch lebt. Ein Onkel und zwei Cousins sitzen im Gefängnis, niemand weiß, wo genau und weshalb – sie verschwanden einfach, von Polizisten abgeholt. Ritaa beschloss noch in Syrien gemeinsam mit einer Freundin, das Kopftuch zu tragen und die schönsten Bindearten zu erlernen, die es im Orient gibt. Ihre Kollektion von Tüchern und Farben und Formen ist beeindruckend und sie trägt das Kopftuch mit Stolz. Sie möchte später Modedesignerin werden, und weil ihr das Lernen leicht fällt, spricht sie schon sehr gutes Deutsch. Auch die Schule ist einfach für sie, obwohl sie erst seit einem Jahr in Österreich ist. Sie möchte gerne einmal nach
SAJED HASSAN MIRSALIMI, 41 Jahre, Teheran, Iran Als Christ im Iran zu leben ist so gefährlich, dass er kaum etwas erzählen möchte, um seine Familie nicht zu gefährden. Nachdem unbekannte Männer vor seiner Haustüre standen und nach ihm fragten, wollte seine Mutter, dass er das Land verlässt. Der beschwerliche Weg führte ihn über Land mit Bus, Zug
und weite Strecken zu Fuß. Seit sechs Monaten ist er in Österreich, zuvor in Salzburg, Wien und Götzis. Der Goldschmied möchte in Lustenau bleiben und wenn möglich seine Mutter und Schwester nachkommen lassen, um die er sich große Sorgen macht. Er hat in der hiesigen Kirchengemeinde schnell Anschluss gefunden und singt im Chor mit. Um als Goldschmied arbeiten zu können fehlt ihm neben der Bewilligung auch das Gold. Mindestens ein Kilo braucht er, um überhaupt beginnen zu können, im Iran kostet das Kilo Gold 22.500 Euro. Wie viel es hierzulande kostet, weiß er noch nicht. Jetzt hilft er in der Gemeinde mit, wo er kann, versucht sich nützlich zu machen und wartet auf den Bescheid nach seinem Interview, ob er die Aufenthaltsbewilligung bekommt. „Österreich ist ein gutes Land, ich möchte hier bleiben Ich wünsche mir, eine liebe Frau kennen zu lernen, Kinder zu bekommen, zwei oder drei. Ich möchte arbeiten und den Leuten helfen, die mir geholfen haben.“
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Neue Wege im Schulunterricht Die Vorarlberger Geschwister Josef und Maria Schmid waren die engsten Mitarbeiter des weltberühmten Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Nach 200 Jahren sind ihre Schulkonzepte und Lernmethoden populärer als je zuvor. Text: Gerhard Thoma Fotos: Archiv
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uch in diesem Schuljahr wird wieder über die beste aller möglichen Schulformen diskutiert werden. Vorschulunterricht, keine Zeugnisse und Noten, Ganztagsschule, auf Beruf und Leben vorbereiten, Schwache fördern und Starke fordern. Klingt wie eine Idee aus dem 21. Jahrhundert, ist es aber nicht: Schon vor 200 Jahren pochte der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) auf genau diese Erziehungs- und Bildungsmethoden. An seiner Seite standen zwei junge Lehrer aus dem Bregenzerwald: Die Geschwister Maria und Josef Schmid aus Au. An Kinder, Jubel und Trubel ist Maria Schmid schon früh gewöhnt: Sie hat fünf Brüder und fünf Schwestern. Als achtes Kind erblickt Maria 1794 in Au das Licht der Welt. Ihr Vater ist Handwerker und Kleinbauer. In ärmlichen Verhältnissen geboren, steht ihr in der Landwirtschaft keine rosige Zukunft bevor. Die junge Frau schlägt deshalb einen anderen Weg ein: Sie wird Lehrerin. Eine mutige Entscheidung, denn fast alle weiblichen Lehrkräfte in Vorarlberg sind Klosterschwestern, häufig aus Tirol. Darüber hinaus war es üblich, dass auch weltliche Lehrerinnen nicht heiraten durften. Eine Lehrerin, die heiratete, wurde sofort
gekündigt und verlor zudem alle Pensionsansprüche. Das sogenannte Lehrerinnenzölibat war in Vorarlberg bis 1949 in Kraft.
Revolutionäre Ideen
Maria Schmid unterrichtet zunächst in Dornbirn. 1814 erhält die 20-Jährige eine fixe Anstellung an der Stadtschule in Bregenz, was nicht nur bei der Lehrerschaft für Aufsehen gesorgt hat. Der Historiker Ulrich Nachbaur vermutet, dass Maria Schmid die erste Lehrerin in Vorarlberg war, die von der Schulbehörde als ordentliche Lehrerin an einer öffentlichen Pflichtschule in Vorarlberg angestellt worden ist, „zugleich die erste dauernde Verpflichtung einer ausgebildeten weltlichen Lehrerin“. Das kam nicht zufällig. Seit 1812 war nämlich Josef Schmid, Marias Bruder, Leiter bzw. Direktor der Bregenzer Stadtschule. Josef lotste seine Schwester nach Bregenz und er war es auch, der Maria mit den revolutionären Ideen des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi vertraut machte und sie für dessen neue Konzepte in der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen begeistern konnte. Offen für neue Wege in der Kindererziehung und voller Idealismus hatte es Josef Schmid (1785-1851) schon als jungen Mann in die Schweiz gezogen, um persönlich bei Pestalozzi zu lernen. Pestalozzi lehrte, dass es nicht
ausreicht, den Kindern in der Schule nur Lesen, Schreiben, Rechnen und religiöse Dogmen beizubringen. Wissen allein sei zu wenig. Pestalozzis Pädagogik ist ganzheitlich und baut vor allem auf drei Säulen auf: seelisch-religiöse Erziehung („Herz“), geistige Erziehung („Kopf “) und handwerkliche Fähigkeiten („Hand“). Diese drei Aspekte sollten in den Lehrplänen harmonisch zusammenwirken und die Persönlichkeit formen. Armen Familien müsste zusätzlich geholfen werden. Nur so könnten die Kinder und Jugendlichen später die Hürden des Lebens meistern. Nach heftigen persönlichen Auseinandersetzungen mit anderen Pestalozzi-Schülern kehrte Josef Schmid 1810 nach Vorarlberg zurück und wurde 1812 Schulleiter in Bregenz. Er hatte aber nach wie vor gute Kontakte zu Pestalozzi und verschaffte seiner Schwester Maria eine Ausbildung in Pestalozzis Schulheim in Yverdon in der Westschweiz. Ein weiterer Spross aus dem Schmid-Clan, Michael Schmid, studierte ebenfalls bei Pestalozzi. Er starb jedoch schon 1807 im Alter von 20 Jahren in Göttingen.
Bei Schülern beliebt
1815 verlässt Josef Schmid seine alte Heimat wieder in Richtung Schweiz. Im Oktober 1818 bittet die 24-jährige Lehrerin Maria Schmid um ihre Entlassung, da sie bei Pestalozzi bleiben wol-
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Pestalozzi und Maria Schmid: Erziehung mit Herz, Kopf und Hand.
„Alles Lernen ist nicht einen Heller wert, wenn Mut und Freude dabei verlorengehen.“ Johann Heinrich Pestalozzi
le. Ihr Ansuchen wird rasch bewilligt. Man wolle sie nicht daran hindern, sich im Lehrberuf weiterzubilden, hieß es. Gemeinsam mit Maria fuhr auch ihre 19-jährige Schwester Katharina nach Yverdon zu Pestalozzi. Katharina wurde anfangs als seine Haushälterin engagiert. Später heiratete sie den einzigen Enkel Pestalozzis, Gottlieb. Ihr Sohn Karl wurde Stadtrat in Zürich, Professor am Polytechnikum und Artillerie-Oberst. Wie beliebt Maria Schmid bei ihren Schülern in Bregenz war, geht aus Briefen hervor, welche ihr die Kinder nach Yverdon schickten. Darin baten sie ihre ehemalige Lehrerin, sie möge doch wieder zurück nach Bregenz kommen. Pestalozzi höchstpersönlich versuchte
Johann Heinrich Pestalozzi: Vorreiter einer ganzheitlichen Schulbildung.
die Schüler im Antwortbrief zu trösten: Maria könne bei ihm vor allem den ärmeren Kindern nützlich sein und sie leite jetzt eine Armenanstalt in Clindy, wo Buben und Mädchen zu Lehrkräften ausgebildet würden, und „diese Kinder lieben sie, wie ihr sie liebtet und hängen an ihr, wie ihr an ihr gehängt habt“. Die Idee zur Gründung der Armenanstalt in Verbindung mit einer Lehrerbildungsanstalt und einer Industrieschule kam übrigens von Josef Schmid.
„Wichtiger Beruf “
Pestalozzi schätzte seine neue Lehrkraft aus Vorarlberg sehr, lobte ihre Disziplin, ihre Fähigkeiten und den Eifer, sich in dem „wichtigen Beruf “ als Lehrerin und Erzieherin weiterzubilden. Ein neugieriger Beobachter aus St. Gallen schreibt: „An ihrer jetzigen Stelle versieht sie gewiss, was drei andere; ich glaube, es wird ihr niemand den Ruhm eines ausgezeichneten Genies versagen können.“ Dennoch gab es auch zahlreiche Rückschläge und Enttäuschungen. Aber Maria Schmid blieb dem Werk Pestalozzis treu. Als der 79-jährige Pestalozzi 1825 wirtschaftlich ruiniert in den Aargau übersiedeln musste, war sie die einzige der Lehrerinnen, die ihm nachfolgte. Bis zu Pestalozzis Tod im Jahr 1827 stand Maria an seiner Seite. Dann änderte sie ihr Leben völlig. Sie gab ihren Beruf als Lehrerin auf
und heiratete den gleichaltrigen Johann Raidel aus Krumbach. Die Beiden übersiedelten nach Rankweil-Brederis, wo sie das Wirtshaus „Zum Batzenhäuschen“ (das spätere „Krönele“) führten. Maria wurde von Zeitgenossen ein „männlich gestrenges Wesen“ nachgesagt, und jedem Gast im „Batzenhäuschen“ war sofort klar, wer hier „die Hosen“ anhatte.
Lob und Kritik
Als ehemalige Leiterin von Armenhäusern bot Maria Schmid auch „zwielichtigen Gestalten“ Unterkunft, was ihr teils übel genommen wurde. Andererseits fand sie große Anerkennung, etwa von Kreishauptmann Johann Nepomuk Ebner. Der höchste kaiserliche Beamte in Vorarlberg hatte sie in einer Tagebuchnotiz im Mai 1836 nach einer persönlichen Begegnung lobend erwähnt. Als Witwe verbrachte Maria Schmid mehrere Jahre bei ihrem Neffen Karl Pestalozzi in Zürich. Maria Schmid ist am 14. Jänner 1864 im Alter von 69 Jahren in Rankweil gestorben. Ihr Bruder Josef war nach dem Tod Pestalozzis unter anderem als Privatlehrer tätig und propagierte in zahlreichen Schriften die neue Pädagogik. Er verstarb 1850 in Paris. Das Werk und die Früchte der „Lehrerfamilie Schmid“ sind heute aktueller denn je. Zum Beispiel lautet der Leitsatz der Volks- und Mittelschule Marienberg in Bregenz: „Wir lernen nach Herz, Hand und Verstand.“
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Kultur
Die regenbogenfarbene Perücke ist das Erkennungsmerkmal von Lady Rainbow, die von der Dornbirner Künstlerin Bettina Bohne dargestellt wird . Sie spricht die Menschen auf der Straße an und führt mit ihnen Gespräche über Frieden. Diese Begegnungen verarbeitet Bettina Bohne dann in ihrer Kunst.
IN FRIEDLICHER MISSION Die Kunstfigur Lady Rainbow mischt sich auf der Straße mitten unter die Menge und verbreitet dort ihre Botschaft: „Terror is error“. Bettina Bohne (40) aus Dornbirn ist die Frau hinter der Friedensbotschafterin und hat sie als positiven Gegenpol zu aktuellen, negativen Entwicklungen erschaffen. Text: Elisabeth Willi Fotos: Bettina Bohne
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E
in sonniger Tag am See in Bregenz, viele Menschen schlendern am Ufer entlang. Eine große, blonde Frau zieht plötzlich eine regenbogenfarbene Perücke aus ihrer Handtasche, setzt sie auf und spricht ein Pärchen, das ihr entgegenkommt, an. Es wirkt zunächst erstaunt, doch bald unterhalten sich die Drei rege. Nach etwa fünf Minuten geht eine auffallende Frau weiter und wird bald von einem kleinen Mädchen angesprochen. Das Wesen mit den bunten Haaren ist Lady Rainbow. Eine Kunstfigur, dargestellt und ins Leben gerufen von der Multimedia-Künstlerin und Graphikdesignerin Bettina Bohne (40) aus Dornbirn. Die regenbogenfarbene Perücke ist ihr Erkennungsmerkmal, die Mission eindeutig: Lady Rainbow tritt für den Frieden ein. Ihre Botschaft lautet: „Terror is error. Imagine peace.“ Lady Rainbows Bühne ist die Straße und der öffentliche Raum. Öfters taucht sie auch auf Veranstaltungen im Publikum auf. Vor allem in Vorarlberg, aber ebenfalls auf Bettina Bohnes Reisen, zum Beispiel nach Frankfurt oder Venedig. Lady Rainbow macht Aktionismus und unangemeldete, darstellende Inter-
vention. Sie spricht die Menschen an, manchmal treten diese auch mit ihr in Kontakt. Die Kunstfigur reagiert dann intuitiv auf ihr jeweiliges Gegenüber: Mit vielen führt sie einfach ein Gespräch, bei Kindern gibt sie sich clownesk und gauklerisch, und trifft sie auf Straßenmusikanten, schnappt sie sich kurzerhand eine Gitarre und spielt mit. Lady Rainbow ist also sehr wandelbar – gleichbleibend aber ist ihre Friedensmission. Im optimalen Fall entwickelt sich mit dem Vis-à-vis ein Gespräch über Frieden. Wie oft Lady Rainbow in Erscheinung tritt, ist nicht festgelegt. Manchmal taucht sie zweimal pro Woche auf, gelegentlich pausiert sie zwei Wochen. „Lady Rainbow bewegt sich ganz frei, wie es ihr gefällt“, sagt ihre Schöpferin. „Die Regenbogenperücke passt in jede Handtasche, und somit kann ich sie spontan zum Leben erwecken.“ „Die Figur ist eine Mischung zwischen bildend-darstellender Kunst sowie Performance-Aktion, Kleinkunst und Aktivismus“, erklärt ihre Schöpferin, die das Motiv des Regenbogens bereits seit 16 Jahren in ihre Kunst einfließen lässt. Der Regenbogen ist für sie ein zeitlos verbindendes Symbol in Märchen, Mythen, Religionen, Visionen der Völker, in Wissenschaft, Kunst
und im Alltag der Menschen. Lady Rainbows Begegnungen und Erfahrungen werden von der Künstlerin als Selfies oder Zeichnungen dokumentiert und künstlerisch verarbeitet. Ein dermaßen entstandener Dreier-Zyklus wurde bereits bei einer Benefizveranstaltung im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz ausgestellt. Momentan plant Bettina Bohne, ein Märchen zu schreiben und zu illustrieren. Lady Rainbow verkörpert darin die fabelhafte Friedensbotschafterin, die mit ihrem Glitzerzauberstab den Terror, den Hass und die Kriege verschwinden lässt.
Lady Rainbow für alle
Lady Rainbow kommt bei ihrer Friedensarbeit mit allen Bevölkerungsgruppen in Kontakt: „Ich gehe weg von der Galerie oder der Ausstellung hin auf die Straße zu den Menschen, die mir zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum begegnen. Ich verlasse das Kunstpublikum und mische mich mitten unter die Menge. Dort sorge ich für Impulse, Eindrücke, Irritationen und Inspirationen“, sagt Bettina Bohne. Lady Rainbow wurde im Dezember 2015 erschaffen. Der Grund dafür: „Ich reagierte damit auf die negativen Entwicklungen im politischen Weltgeschehen, auf die Verrohung der Sprache, das
#9 / September 2016
Maya Rinderer, geboren 1996 in Dornbirn, ist Studentin und Autorin. Sie lebt in Wien.
DIE KUNST ZU ARBEITEN Das Motiv des Regenbogens lässt Bettina Bohne schon seit Jahren in ihre Kunstwerke einfließen.
Wiederaufflammen des Rassismus, die terroristische Bedrohung und die Entwicklung von Angst in der Bevölkerung“, berichtet Bettina Bohne. Lady Rainbow sei ein positiver Gegenpol dazu. „Eine poetische One-Woman-Show, gewürzt mit einer Prise Humor. Impulsgebend, den Traum des Friedens träumend und an diese Möglichkeit erinnernd.“ Manche wenige Menschen sind von der außergewöhnlichen Erscheinung irritiert. Die meisten reagieren jedoch sehr positiv – spätestens dann, wenn sie von der Idee dahinter erfahren. „Vor allem im Ausland war die Inszenierung ein Türöffner für interessante Begegnungen und Situationen“, erzählt Bettina Bohne.
BETTINA BOHNE Der Schwerpunkt von Bettina Bohnes künstlerischer Arbeit liegt in der Malerei, Fotografie, Performance und Playing Arts. Sie ist Mitglied bei Kunst Vorarlberg und der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Bregenz. Ausstellungen bzw. -beteiligungen hatte die gebürtige Montafonerin u.a. bei der Art Bodensee und in der Villa Claudia und im Künstlerhaus Wien. Momentan arbeitet sie u.a. an einer Fotodokumentation von Roma-Notreisenden-BettlerInnen in Vorarlberg. Mehr Infos über Bettina Bohne auf www.kunstvorarlberg.at
Seit dem Religionsunterricht in der Schule habe ich den Pentateuch – die fünf Bücher Mose im Alten Testament – nicht mehr zur Hand genommen. Jetzt begegnet mir zwischen den gut zu merkenden Geschichten ein Rezept, ganz zu Anfang der Genesis: Sechs Siebtel Arbeit, ein Siebtel Ruhe. Vergesse nicht den Ruhetag, denn er ist heilig. Was auf diesen Seiten steht, sei mir gleichgültig, denn an Gott glaube ich nicht. Doch der Grund, warum viele Menschen sich dafür entscheiden, den Vorschriften einer Religion zu folgen, offenbart sich mir erst jetzt, da ich lernen muss, zu arbeiten. Der Exodus berichtet vom Auszug aus Ägypten, an den der jüdische Feiertag Pessach erinnert. Dieses Freudenfest im Frühjahr wird im Kreis der Familie begangen, von der rituellen Weinverköstigung bis zu den Liedern ist im Verlesen der Hagada alles eingeplant, unter anderem der Satz: „Versklavt waren wir dem Pharao in Ägypten. Mit starker Hand und ausgestrecktem Arm führte Gott uns in die Freiheit.“ Daran soll Pessach „dor-va-dor“ – Generation für Generation erinnern: Wir waren versklavt und jetzt dürfen wir arbeiten. Mit derselben familiären Tradition wurde mir die Geschichte der Arbeit weitergegeben: Der Bildungsweg der Großeltern wurde nach vier Jahren beendet, sie mussten mehrere Jobs finden, um zuerst die Eltern, dann die eigenen Kinder zu erhalten. Erst durch die harte Arbeit der Großeltern konnte meinen Eltern das Studium an einer Universität ermöglicht werden. Ich sollte dankbar dafür sein, dass ich lernen darf, denn die Großeltern waren auch gescheite Kinder, die gerne länger gelernt hätten. Also lernte ich zu lernen. Niemand lehrte mich zu arbeiten. Der Arbeitsalltag in unserem kapitalistischen System ist auf Leistung ausgerichtet und verdrängt immer mehr die Rituale, die wir zum Aufatmen brauchen. Ob dieses Aufatmen ein Sabbat ist oder das Kaffeetrinken am Nachmittag, sich an das Ein-Siebtel-Rezept der Ruhe zu erinnern, ist nicht nur ein guter Tipp, sondern wichtig für die geistige Gesundheit und für die Beziehungen, die wir führen. Ich lernte zu lernen und ich lernte zu gut. Ich war ein Schulkind, das nicht arbeiten musste. Das Privileg, studierte Eltern zu haben, hatte mir einen Bildungsweg vorausgesetzt, der mich mit zehn Jahren aufs Gymnasium und acht Jahre später automatisch auf die Universität brachte. Ich dachte, meine Arbeit sei die schulische und universitäre Leistung. Dabei übersah ich jedes Wochenende, füllte die Lücken mit dem Schreiben von Romanen und Theaterstücken in der Hoffnung, diese könnten mir die Anerkennung der tatsächlich hart Arbeitenden bescheren. Jetzt muss ich lernen, zu ruhen, um weiter arbeiten zu können. Andere Kinder und Jugendliche meines Alters haben im differenzierten Schulsystem Österreichs nicht so viel Glück. Sie wurden nicht gefragt, ob sie lernen wollten, sie mussten zu früh lernen zu arbeiten. Zu lernen ist ein schönes Spiel, es sollte uns Freude bereiten. Die Arbeit ist ein Handwerk, ein Kunstwerk – etwas, das gelernt werden muss. Ohne sie hat unser Erwachsenenleben wenig Sinn und Inhalt. Doch wir alle brauchen die heiligen Stunden der rituellen Ruhe, um unser Werk zu betrachten. Eine Pause, bevor wir dieses Werk fortsetzen.
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Veranstaltungskalender
VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html
Foto: Veranstalter
Fr., 2. September, 21 Uhr, Marktplatz Rankweil (bei Schlechtwetter im Alten Kino), Eintritt: 8,- Euro
MONSIEUR CHOCOLAT
Foto: Veranstalter
1. bis 3. und 6. bis 10. September, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: 25,- Euro
A SIMPLE SPACE
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Gravity and other Myths Rau und wild, aber gleichzeitig auch zart und fein, ist das perfekte Zusammenspiel dieses preisgekrönten Akrobatik-Ensembles aus Adelaide in Südaustralien. Fast mühelos scheinen sie physikalische Grenzen aufheben zu können, wobei das Scheitern der atemberaubenden Kunststücke stets möglich ist. Ohne Make-up, nur mit praktischer Bekleidung ausgestattet, definieren sie Zirkuskunst völlig neu und kreieren ein pures, akrobatisches Körpertheater.
Fr., 2. September, 20 Uhr, Kirchplatz Lustenau (bei jedem Wetter), Eintritt: frei
BRASSCLUB
Ende 2013 beginnt die Geschichte rund um den Brassclub. Ein Haufen Musiker aus den unterschiedlichsten Richtungen tat sich zusammen, um guten Sound zu produzieren. So entstand dann eine Richtung, die sich aus „Brass“ und „Clubsound“ zusammensetzt – Brassclub war also geboren und mischt nun die Bühnen nicht nur in Vorarlberg auf. Veranstalter: Sommer-Lust am Platz.
Filme unter Sternen Die wahre Geschichte vom Aufstieg und Fall von Raphaël Padilla, der unter dem Namen Chocolat als erster schwarzer Künstler auf einer französischen Bühne zu großem Ruhm und Reichtum gelangte und beides wieder verlor. Frankreich, kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts: Auf der Suche nach neuem Talent entdeckt der Clown George Footit den aus der Sklaverei entflohenen Chocolat, der mit einem kleinen Wanderzirkus durchs Land reist. Chocolat muss feststellen, dass er viele Feinde hat, die den Erfolg eines schwarzen Künstlers nicht dulden werden. Ein mit Gelächter und Tränen gesprenkeltes, herzzerreißendes, großes und wahres Melodram. Was für ein Leben.
Di., 6. September, 20 Uhr, Haus Gasabetha Blons, Eintritt: freiwilliger Beitrag
ZU GAST IN WALSER STUBEN
Bücher/Gespräche Leserinnen und Leser stellen besondere, für sie bedeutsame Bücher vor. Sie eröffnen neue Sichtweisen auf das Geschriebene, teilen ihre Gedankengänge und laden die Zuhörer zum Gespräch ein. Eine Veranstaltungsreihe der Büchereien im Großen Walsertal im Rahmen des Walser Herbst.
Do., 8. September, 14 Uhr, Treffpunkt Parkplatz Marul, Eintritt: frei
AKROBATISCHE BACH-WANDERUNG
Ein Balanceakt mit dem Secret Circus. Gemeinsam mit den Akrobaten Martha Laschkolnig und Fausto Tenorio gehen wir neue Wege am Walderlebnispfad entlang des Maruler Bergbaches. Spazieren, plaudern, schauen, hüpfen, springen, balancieren. Für jedes Alter geeignet.
Foto: Veranstalter
Do., 8. September, 20 Uhr, Galerie allerArt Bludenz, Eintritt: frei
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: HUBERT FRITZ
Die Herbstausstellung des Vereins allerArt Bludenz in der Remise zeigt Bilder des ersten akademischen Malers von Bludenz, Hubert Fritz (1914 bis 1976). Fritz verlor an der Eismeerfront beide Unterschenkel, was ihn nicht daran hinderte, nach seiner Heimkehr eine Existenz als freier Künstler zu wählen. Ungezählte Bludenzer Stadtansichten, dazu Landschafts- und Blumenbilder, Stillleben und Porträts, etliche Altarbilder, Kreuzwegstationen, Kirchenfenster und Graffiti geben Zeugnis über das unermüdliche, lebenslange Schaffen eines Mannes, dessen Lebenssinn die Malerei war und der dem Künstlerdasein den Vorzug gegenüber einem Leben in Sicherheit, jedoch verbunden mit künstlerischer Unfreiheit, einräumte.
Fr., 9. September, 19 Uhr, Kirchplatz Lustenau, Eintritt: frei
MODENSCHAU & SOUTHMADE
Sommer.Lust am Platz verabschiedet sich heuer wieder fulminant mit einer Modenschau der aktuellsten Trends im Lustenauer Handel und mit einem Auftritt von Southmade. Mit Southmade erlebt das Publikum ein feines Stück Musikgeschichte aus verschiedenen Jahrzehnten. Songs von Carl Perkins, Gene Vincent und Johnny Cash bis hin zum King of Rock‘n‘Roll Elvis Presley und eine Vielzahl von Eigenkompositionen. Die Modenschau findet nur bei trockener Witterung statt.
#9 / September 2016
Sa., 10. September, 16 Uhr, Musikraum Blons, Eintritt: frei
Do., 15. September, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 15,- Euro
STIMMUNG-MOMENT
SHODLIK – DIE MUSIK USBEKISTANS
Zaker Soltani, 18-jähriger Flüchtling aus Afghanistan, führt durch seine Ausstellung. Soltani sieht im künstlerischen Schaffen eine Möglichkeit, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die ihn persönlich und auch uns betreffen. So setzt er sich in seiner Kunst mit politischen Themen auseinander und gibt Anstoß zum Nachdenken.
Sa., 10. September, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 19,-/16,- Euro
BLUDENZ BIG BAND UNION: ONE MORE ONCE
Vor gut zwei Jahren gründeten die zwei jungen Bludenzer Jazzmusiker Cenk Dogan und Lukas Morre die Bludenz Big Band Union. Dieses Jahr präsentiert sich die Bludenz Big Band Union im ersten Teil mit Solisten aus den eigenen Reihen, um dann im zweiten Teil den jungen Sänger Bastian Berthold zu featuren. Leitung: Stefan Höfel.
Mo., 11. September, 19:30 Uhr, Montafoner Tourismusmuseum Gaschurn, Eintritt: frei
GEMEINSAMES SINGEN
Beim „Gemeinsamen Singen“ in den Montafoner Museen treffen sich Menschen aller Generationen und unabhängig von Stand und Begabung in den stimmungsvollen Museumsstuben, um gemeinsam mit Begleitung neue und alte Volkslieder zu singen. Neben unserem „Stammpublikum“ sind neue Stimmen und/oder Instrumente immer herzlich willkommen!
Mi., 14. September, 21 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 15,- Euro
SCHMIEDS PULS & JULEAH
Schmieds Puls ist das jüngst mit dem FM4-Amadeus Award ausgezeichnete Trio bestehend aus Mira Lu Kovacs (Gitarre, Gesang), Christian Grobauer (Drums) und Walter Singer (Kontrabass). Juleah ist eine österreichische Musikerin, die mit elektrischer Gitarre und endlich einmal ohne Schlafzimmerstimme, sondern mit angerauten Gesang eine schöne Reise durchs Land der bunten Pillen unternimmt. Zu hören gibt es auf ihrem aktuellen Mini-Album „Entangled And Entwined” eine wundersame Mixtur aus Psychedelic, Blues und Dream-Pop.
Karnay – Surnay – Doira: Das ist der authentische Sound Usbekistans – er begleitet die Menschen des zentralasiatischen Landes von der Wiege an. Kein Familienfest ohne diesen unverwechselbaren Dreiklang. Sowohl die Musiker Dilmurod Mirzaev und Islamov Ziyodulla Ubaidullaevich als auch die Tänzerin Shirin Jalilova sind tief verwurzelt in der usbekischen Musiktradition. Sie haben an zahlreichen Festivals und Wettbewerben im In- und Ausland teilgenommen.
Fr., 16. September, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt in Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
AJA & TONI EBERLE: ACOUSTIC SOUL
Akustische Instrumente, unplugged, nur mit Mikrofon abgenommen. Ungeschminkt und pur. So ist ‚Sweet Dreams‘, das brandneue Album der Vollblutmusiker Aja und Toni Eberle entstanden. Gut abgehangene, unbeschwert interpretierte Klassiker, die die beiden schon viele Jahre begleiten sowie frische Eigenkompositionen füllen das auffallend vielseitige Doppelalbum. Musikalisch sind sie nicht so leicht festzulegen und das ist ihnen wohl auch recht so.
Sa., 17. September, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt in Feldkirch, Eintritt: frei
POETRY SLAM
Du möchtest gern bei unserem Poetry Slam als Poetin/Poet mitmachen? Dann freuen wir uns über eine kurze Mail an: office@saumarkt.at. Du bist noch unsicher? Dann komm einfach vorbei und sei unser Gast. Wir freuen uns auf jeden Fall auf deinen Besuch. Also erzählt es Euren FreundInnen, deren FreundInnen und den FreundInnen, von denen Ihr noch gar nicht wusstet, dass es Eure FreundInnen sind, und kommet zu Hauf.
Do., 22. September, 19 Uhr, vai, Markstraße 23, Dornbirn, Eintritt frei!
DAHEIM – BAUEN UND WOHNEN IN GEMEINSCHAFT
Die Ausstellung zeigt in Europa realisierte Projekte, die die Idee widerspiegeln, in individuellen Wohnungen, aber gemeinschaftlich unter einem Dach zu leben, Nachbarschaft und Freundschaft zu pflegen sowie Raum und soziale Verantwortung zu teilen. Die Schau ist bis 21. Jänner 2017 zu sehen.
Foto: Veranstalter
Do., 22. September, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 26,- Euro
TEN YEARS AFTER
Bluesrock Die 1967 gegründeten TEN YEARS AFTER stehen kurz vor ihrem 50-jährigen Bandjubiläum. Unvergessen bleibt der viel beachtete Auftritt der damals noch jungen Band im Jahr 1969 beim Festival in Woodstock. Die Songs von TEN YEARS AFTER haben über die Jahre nichts von ihrem Reiz verloren. Knallharte Gitarrenriffs, epische Soli und innovative Arrangements stehen für den ultimativen Sound einer Band, die bis heute mit ihrer Bühnenshow überzeugt. Darüber hinaus sind einige Überraschungen und mehrere komplett neue Stücke zu erwarten, an denen die Bluesrock-Veteranen momentan arbeiten.
Fr., 23. September, 20 Uhr, Werkraum Bregenzerwald, Andelsbuch, Eintritt: 7,-/5,- Euro
TEATRO CAPRILE: DIE BESEITIGUNG DER MODERNEN RATLOSIGKEIT
Nach dem Erfolg bei der Literaturwoche in Ulm zeigt Teatro Caprile diese aberwitzig absurde Inszenierung nun auch in Österreich. Die Texte von Florian L. Arnold, György Dalos, Daniil Charms, Konrad Bayer und André Blau liefern neueste Erkenntnisse über die Abgasflöte und das Fahrrad, die Frau und alle Arten von Kläusen. Sie erleben ein Abenteuer in der Buchhandlung Erkenbuffler, werden Zeuge von folgenschweren Kochsendungen und erfahren wie beziehungsgefährend Sessel werden können.
Sa., 24. September, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: freiwillige Spende
POETRY SLAM
Wenn dir der Schuh drückt, dann greife zum Stift und schmettere es uns entgegen. Wenn du verliebt bist, dann mach deinen Gefühlen doch mit einem Text Luft. Aber auch wenn du einfach nur mal so, um zu schauen oder kurzweiliges Abendprogramm erleben möchtest – ja auch dann sind wir genauso die richtige Adresse dafür.
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Veranstaltungskalender Di., 27. September, 18:30 Uhr, Im Schützengarten, Lustenau, Eintritt: 5,- Euro
SIND ALTE UND JUNGE GEHIRNE VERSCHIEDEN?
Eine Frage, die sich die Neurobiologen Mitte des letzten Jahrhunderts noch gestellt haben, indem sie die Gehirne von jungen und alten Menschen unter dem Mikroskop untersuchten. Heute wissen wir von der Plastizität des menschlichen Gehirns und wie wir es mit Begeisterung für verborgene und neue Funktionen nutzen können. Referent: Dr. Klaus Zitt. Ein Vortrag der Reihe „Pflege im Gespräch“ in Zusammenarbeit mit connexia.
Do., 29. September, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 15,-/13,- Euro
BRENDA FEUERLE IM HIMMEL
Eine Clownshow mit Akrobatik und Tanz, mit Witz und Poesie – mit irdischen und himmlischen Themen. Von und mit Elke Maria Riedmann.
Fr., 30. September, 17:30 Uhr, Altes Vereinshaus, Lauterach, Eintritt: frei
FLÜCHTEN AUS AFGHANISTAN – ANKOMMEN IN EUROPA. WAS LÄUFT?
Wir laden zur Spielrunde und wollen dabei schon fast vergessene Brett-, Karten-, Geschicklichkeits- oder lustige Unterhaltungsspiele neu beleben. Wer Interesse hat, kann auch gerne dazu seine Ideen inkl. Spielematerial einbringen oder sich neugierig auf diesen Spielenachmittag einlassen.
Fr., 30. September, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 20,- Euro
Jeden ersten Samstag im Monat, 9 bis 12 Uhr, Polytechnische Schule Feldkirch. Eintritt: frei
ALF POIER – THE MAKING OF DADA
„The Making Of DADA“ ist die hochamtliche Nachreichung zum 20-jährigen Bühnenjubiläum. Eine Wegbeschreibung vom steirischen Schwammerlsucher und Tanzmusiker bis hin zum nihilistischen Dadasophen und geistigen Queraussteiger. Eine postvisionär-philosophische Werkschau seines kolossalen „Unschaffens“.
PULLUP ORCHESTRA
Foto: Veranstalter
Do., 29. September, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 22,- Euro
SPIELRUNDE AM MONTAFONERTISCH
Der Sozialwissenschaftler und gebürtige Lauteracher Dr. Kurt Greußing referiert über das Thema: „Flüchten aus Afghanistan - ankommen in Europa. Was läuft? Schwerpunkt: Hazara – Geschichte und Gegenwart“. Veranstalterin: Gemeinde Lauterach.
Fr., 30. September, 21 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 16,- Euro
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Jeden ersten Mittwoch im Monat, 15 bis 17 Uhr, Frühmesshaus Bartholomäberg. Eintritt: frei
Das zehnköpfige Pullup Orchestra schafft es, mit einer explosive Mischung aus Brassband-Sounds und HipHop – Zuhörer von jung bis alt zu begeistern. Trompeten, Posaune, Saxophon, Snare und Pauke liefern sich mit dem Rapper Samwhaa! ein Battle an Rhythmen und Sounds. Die Stimme von Valérie Maerten aka Mellow Dee verleiht mit ihrem souligen Gesang der Musik das gewisse Extra.
ALFRED DORFER: BISJETZT – SOLO
REPARATUR CAFE FELDKIRCH
Wenn Sie ein defektes Haushaltskleingerät, Kleinmöbel, Spielzeug oder etwas ähnliches zuhause haben, das sie gerne reparieren möchten, kommen Sie damit vorbei. Im Reparatur -Café helfen ihnen Fachleute dabei. Kosten? Eine freiwillige Spende. Infos: Joachim Breuss, Tel. 0699 192 87 066.
Jeden ersten Montag im Monat, 19 Uhr, Theater am Saumarkt in Feldkirch. Eintritt: frei
KONTAKTCHOR LÄDT EIN ZUM „OFFENEN SINGEN“
Seit ein paar Monaten singen asylwerbende Menschen und anerkannte Flüchtlinge mit sangesfreudigen Leuten vor Ort in Feldkirch. Dieser neue Chor wird vom erfahrenen Chorleiter, Kolumnisten, Musiker und Autor Ulrich Gabriel geleitet. Jede/r ist eingeladen sich dazu zu gesellen, zuzuhören, mitzusingen, Kontakt aufzunehmen.
Der Titel lässt es schon anklingen: In „bisjetzt – solo“ blickt Dorfer zurück nicht nur auf die eigene Biografie, nach dem Motto „Meine besten Jahre“, das wäre nicht abendfüllend. Die Perspektive setzt weiter oben an. Zeitgeschichte passiert Revue, Vergessenes, Verdrängtes, Erinnerliches, Neues.
Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 ZVIERE-KINDERCAFÉ
jeden Montag von 15 bis 17 Uhr / Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt!
MEDITATIONSGRUPPE
jeden Montag um 18.30 Uhr
FRAUENCAFÉ
jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen
SPORTNEIGUNGSGRUPPE
jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9
MITTAGSTISCH
jeden Freitag mitkochen ab 10.00 / mitessen ab 12.00 – Bio-Regional-Fair / gib was es dir wert ist
LITERATUR TANKSTELLE
jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr
NÄHWERKSTATT
jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!
#9 / September 2016
S C HAC H - E C K E Georg Fröwis - Marko Rubil Wien, 2016
Nadezhda Kharmunova - Georg Fröwis Wien, 2016
Guntram Gärtner - Josef Plieger Vorarlberg-Cup, Mai 2013
Georg Fröwis wieder Staatsmeister! Nach 2011 in Linz holte sich der 26-jährige Lustenauer Georg Fröwis in Salzburg Ende Juli seinen 2. Staatsmeister-Titel. Die marie gratuliert recht herzlich! Als frisch gebackener Staatsmeister gelang ihm beim Vienna Open ein spektakulärer Sieg gegen den Kroaten Rubil.
Und noch einmal der zweifache Staatsmeister Georg Fröwis in seinem Element. Mit welchen Zug zwang Georg seine Gegnerin zur sofortigen Aufgabe?
In der Turnierpraxis kommt es sehr selten vor, dass eine Schachpartie bereits nach weniger als 10 Zügen entschieden ist. Viel kurioser ist allerdings der Umstand, dass die gleichen Spieler rund 11 Monate später noch einmal exakt die gleiche Partie gespielt haben, wieder im Vorarlberger Cup! Wiederum gab Schwarz, nachdem Weiß den Zug 9. Lxh7+ ausgeführt hatte, die Partie nach wenigen Sekunden auf.
Schwarz zieht und gewinnt
1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.c4 e6 4.e3 Le7 5.Sc3 O-O 6.Dc2 Sbd7 7.Le2 c6 8.O-O dxc4 9.Lxc4 b5 10.Ld3 a6 11.e4 h6 12.De2 c5 13.e5 Sd5
1.d4 d5 2. c4 c6 3. cxd5 cxd5 4. Sc3 Sc6 5. e4 e6 6. e5 Lb4 7. Sf3 Sge7 8. Ld3 0-0
14.Lxh6!! gxh6 15.De4 f5 16.exf6 S7xf6 17.Dg6+ Kh8 18.Dxh6+ Kg8 19.Dg6+ Kh8 20.Se5 Sb4 21.Dh6+ Kg8 22.Dg5+ Kh8 23.Sg6+ Kg7 24.Sf4+ Kh8 25.Dh6+ Kg8 26.Dg6+ Kh8 27.Sh5 Tf7 28.Dxf7 Df8 29.Dxf8+ Lxf8 30.Sxf6 Sxd3 31.dxc5 Sxc5 32.Tfd1 Le7 33.Sfe4 Sb7 34.Tac1 Kg7 35.Se2 Kf8 36.Sd4 Sd8 37.Tc7 Tb8 38.Sc6 Sxc6 39.Txc6 a5 40.Sd6 Ld7 41.Tc7 Le8 42.Sxe8 Kxe8 43.Tdc1 Kd8 44.T7c6 Kd7 45.Ta6 Ld8 46.Td1+ Ke7 47.Tdd6 1:0
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9. Lxh7+! 1-0
Und Schwarz gab bereits auf, wegen 9. ... K xh7 ( 9... Kh8 10. Sg5 g6 11. Df3 und der weiße Angriff ist nicht aufzuhalten.) 10. Sg5+ Kg8 ( 10...Kg6 11.h4! mit der Idee h5 gewinnt überzeugend.) 11.Dh5 e8 12. Dh7+ Kf8 13. Dh8+ Sg8 14. Sh7+ Ke7 15. Lg5+ und Schwarz kann die weißen Drohungen nicht mehr parieren.
Lösung 1. ... Le6! 0:1. Wegen SxLe6 2. e2 oder a6 2. Lxh3+ SxLh3 3. e2
Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Die Lösung finden Sie am unteren Rand des Rätsels. Lösung
Für Anfänger
23
×3
+11
÷8
×11
-94
÷4
×8
+9
-12 Lösung
Für Fortgeschrittene
91
÷7
×11
-54
+28
÷3
+26
20% der Summe
×4
+79 Lösung
Für Genies
120% der Summe
÷4
×7
-28
÷6
zum Quadrat
÷3
÷3
×7
Lösungen: Für Anfänger = 29, Für Fortgeschrittene = 131, Für Genies =343
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FTRAG IHR AU HEN MENSC HILFT dung il B und Arbeit ende eitsuch für Arb
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Mittagsmenüs & Catering Ausbildungsgasthof für Jugendliche Öffnungszeiten: JEDEN OCH: MITTW he is Ind c täten li ia z Spe
Mo–Fr 10–22 Uhr & Sa 10–14 Uhr Platz Borgo Valsugana 1, Bludenz
www.eichamt.com
Secondhand & Neuware: Haben Sie alte „Sachen” in einem guten Zustand, die Sie nicht mehr benötigen? Spendenannahme nach telefonischer Vereinbarung unter 05574/54254. Sämtliche Kinderartikel können nach Terminvereinbarung auf Kommissionsbasis abgegeben werden.
2 x in Bregenz: Kornmarktstr. 18: Mo–Fr, 9–18 Uhr & Sa 9–16 Uhr Mariahilfstr. 45: Mo–Fr 8–12 Uhr, 14–17.30 Uhr, Sa 9–12 Uhr Eichamt & Siebensachen – Projekte von INTEGRA im Auftrag von
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