#89 / Jänner 2024
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davon 1,70 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
UNGEKÜNSTELT
Der Vorarlberger Künstler Lorenz Helfer liebt nichts mehr, als beim Arbeiten die Kontrolle zu verlieren. Eingänglich, offen und sehr persönlich erzählt er uns von seiner Art, Bilder entstehen zu lassen, untermalt mit seiner Sicht aufs Leben. Seiten 6-9
Foto: Petra Rainer
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#89 | Jänner 2024
Inhalt
Editorial
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Bild des Monats
Liebe Leserin, lieber Leser!
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Helfer, der Jüngere Zum Künstler geboren: Porträt über Lorenz Helfer, der im Jänner 40 Jahre alt wird.
10-11
Chopin oder die Kunst des gepflegten Kriegsendes Eine literarische Utopie von Autorin Daniela Egger
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Impressum
12-13
„Du hast Gott bestohlen“ Wie eine Zeitungsschlagzeile das Leben von Siegfried Krassnig (68) völlig verändert hat
14-17
Vorarlbergs letzte Hinrichtung Harald Walser erzählt in seinem neuen Buch über den Fall des Doppelmörders Egon Ender
17
Rätsellösungen
Als ich mich letzthin durch das spätabendliche Fernsehprogramm zappte, blieb ich an einer Dokumentation („Rückkehr nach Israel“) hängen, die mich sehr berührte. Darin reist der in Israel aufgewachsene und seit 20 Jahren in Deutschland lebende Publizist Meron Mendel nach den Massakern vom 7. Oktober in seine Heimat zurück, um Familie und Freunden beizustehen. Man wird als Fernsehpublikum in die tiefe Trauer mit hineingezogen und dennoch keimt immer wieder Hoffnung auf. Es ist nicht Hass, der hier Regie führt, es ist die Sehnsucht nach Frieden, das Versöhnliche, das den Ton bestimmt. Die Doku erhebt keinen Anspruch auf Analyse und Wissensvermittlung, es sind persönliche Begegnungen, die intime Einblicke schaffen und ein bisschen mehr verstehen lassen. Am Allermeisten berührt hat mich die Passage, als Mendel eine Schule besucht, in der jüdische und arabische Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Ein, man könnte meinen, utopischer Ort. Und dabei so real: Dreihundert Kinder dürfen hier Seite an Seite lernen. Und „das Privileg genießen, sich nicht hassen zu müssen“. Denn im Normalfall werden in Israel arabische und jüdische Kinder getrennt unterrichtet. Mendel führt an, dass eine Schule wie diese nur ein Prozent des Schulsystems ausmacht. Dennoch: Ein Prozent, das Hoffnung schenkt, weil genau dieses eine Prozent zeigt: Das Mögliche. Wieso erzähl‘ ich das? Weil ich glaube, dass wir Hoffnung und Utopie brauchen, um der globalen Nachrichtenlage etwas entgegenzusetzen. Der Jahresbeginn ist ein guter Anlass, unsere Brillengläser zu putzen. Für eine freie Sicht auf alles, was uns hoffend machen darf. Sich regelmäßig gute Nachrichten einzuverleiben, kann ein Therapeutikum sein. Ich möchte fast sagen: Es nicht zu tun, wäre unverantwortlich. Auf der Suche nach good news muss man sich ja nicht gleich die ganze Welt rosa reden. Wobei, so ein ganz klein wenig Eskapismus durchaus seinen Reiz hat. Wenn ich mit meinen Jungs „Wonka“ im Kino anschaue, mich entspannt im Samtsessel zurücklehne und mich darauf verlassen kann, dass am Ende das Gute siegt. Wenn ich ein schönes Buch zur Hand nehme und mich in seinen Bann ziehen lasse. Und hoffentlich auch: Wenn Sie die marie lesen. Zum Jahresanfang haben wir besonders viel an Hoffnung, Utopie und Vision reingepackt. (Aber keine Angst, auch das Dunkle, Schaurigere bekommt seinen Platz – von wegen heile Welt Vorarlberg!) Dass wir uns außerdem gleich mit zwei wunderbaren Vorarlberger Kunstschaffenden auseinandersetzen durften, ist ein besonderes Glück. Nicht nur wegen der tollen Fotografien von Petra Rainer, die dabei entstanden sind, auch weil beide Künstler:innen die Fähigkeit besitzen, Kunst weg von einer elitären Attitüde hinein ins Leben zu bringen. Kunst als Sprache und Spiegel und – wie Christine Lederer auf Seite 25 so treffend sagt – als Lernhilfe, „die Welt zu verstehen“. Auf ein hoffnungsvolles 2024,
18-19 Kleine Farm, große Vision Alexandra träumt von Bauernhof für die Familie und ihre tierischen Mitbewohner 20-22 Hoffnung ... Wie geht das? Paralympionike Jürgen Egle und DDr. Alfried Längle über Hoffen als existenzieller Akt 23
Abwarten und Limonade trinken Feiner Sirup aus sizilianischen Zitronen
24-27 Spezialistin für Tragikomik Künstlerin Christine Lederer (47) erklärt, warum Kunst für sie eine soziale Verantwortung hat 28-30 Klimabonus und Grundeinkommen Helmo Pape (51) forscht zu Thema, an dem er anfangs sehr gezweifelt hatte 31
Rechenrätsel, Schachecke
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Ausgezeichnete Ausbildung Kathi-Lampert-Schule in Götzis erhielt Preis für inklusive Berufsausbildung
34-35 Treffpunkt Begegnungscafé Café für 24-Stunden-Personenbetreuer:innen 35
Reparaturcafés
36-37 Machtlos gegen die Kräfte der Natur Im Jänner jährt sich die bisher größte Lawinenkatastrophe Vorarlbergs zum 70. Mal 38-39 Veranstaltungskalender 39
Sudoku
Kontaktieren Sie uns
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-MaximilianStraße 18, 6845 Hohenems. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/615 386 40. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
Ihre Simone Fürnschuß-Hofer, Redakteurin Noch ein Hinweis in eigener Sache: Die marie kostet wegen gestiegener Produktionskosten ab dieser Ausgabe 3,40 Euro, davon gehen 1,70 Euro an die Verkäuferin/ den Verkäufer.
Die nächste marie erscheint am 31. Jänner.
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Zum Neuen Jahr
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Bieltal/Silvretta © M. Dür
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Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres.
Albert Einstein (*1879-†1955)
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Mittendrin in V Wir sprachen über das Darunter, das immer eine Rolle spielt, über die Muse, die nicht küssen will, über Gotteszweifel und ganz ein bisschen auch, aber nicht zu viel, über seine berühmte Familie: Ein Porträt über den Vorarlberger Künstler Lorenz Helfer, der Anfang Jänner 40 Jahre alt wird.
Helfer, der Jüngere Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: Petra Rainer
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A
ls ich das Atelier betrete, ist Lorenz Helfer gerade dabei, zwei riesige, über zwei mal zwei Meter große Bilder zu verpacken, um sie an ihren Bestimmungsort, ins Kunstmuseum in Singen, zu verschicken. Er fragt mich, ob ich ihm kurz helfen kann. Sowieso. Schnell also bin ich in Tuchfühlung mit Helfers Kunst und genau das, wird mir bald klar, passt so gut zur Haltung dieses Künstlers, der kein großes Chichi um sein Oeuvre macht. Und schon gar nicht um seine Person. Gut, auch seine Bilder sind nicht wirklich zum Anfassen da. Sehr wohl und ganz unvermittelt darf man aber von ihnen angefasst werden, egal, ob man sich mit Kunst auskennt oder nicht. Jede und jeden wolle er mit seiner Arbeit ansprechen, erklärt mir Lorenz Helfer gleich zu Beginn – und ebnet mir, Greenhorn, das ich in Sachen Kunst bin, damit den Weg in seinen Kosmos. Dieses unmittelbare Gefallen oder Nicht-Gefallen, das sei es doch, was die Bildende Kunst ausmache und wofür es kein Expertenwissen brauche.
„WENN KUNST EINE SPRACHE IST UND WENN ES NOTWENDIG IST, DASS ICH ETWAS ZU MEINER KUNST SAGE, DANN BIN ICH GESCHEITERT, DANN HABE ICH DIE FALSCHE SPRACHE GEWÄHLT.“
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„ICH VERSTEHE LIEBER VIEL IM KLEINEN ALS WENIG IN VIELEM. WAS DIE MALEREI ANGEHT, HAB‘ ICH NOCH NICHT MAL AN DER OBERFLÄCHE GEKRATZT. UND DAS IST EIN ABSOLUT ERMUTIGENDER GEDANKE.“
Muttersprache: Malen
Er sei kein Intellektueller, wolle auch keiner sein, sagt er. Im Übrigen auch kein „Meine Arbeit handelt von“-Erklärer. In seine Bilder darf jeder hineindenken und herauslesen, was er mag. Das Malen ist dem Maler eine Sprache, in die sich unsere Wort-Sprache nicht einzumischen hat, daran hält er sich. „Inhaltsangaben“ macht er prinzipiell nicht. Selbst Bildtitel findet Lorenz Helfer störend, weshalb er für eine lange Zeit seine Werke einfach nur noch durchnummeriert hat. Ganz zu schweigen von Werkbeschreibungen, wie sie manche Ausstellungshäuser von ihm einfordern. Und die er dann, stattdessen, mit Poesie bedient. Lyrisch lässt sich besser umschreiben, was sowieso kein Geheimnis ist: eine Figur, die etwas aufhebt, ein buntgescheckter Himmel. Flüchtige Momente. Und manchmal geht auch der Rebell mit ihm durch: „Was ich schreibe, hat mitunter mit der Ausstellung gar nicht so viel zu tun. Und nein, natürlich mögen das nicht alle so gern.“ Ein Kunstgriff, der jedenfalls nicht immer funktioniert. Doch der Sohn des Schriftsteller-Ehepaars Helfer-Köhlmeier bleibt dabei: „Wenn Kunst eine Sprache ist und wenn es notwendig ist, dass ich etwas zu meiner Kunst sage, dann bin ich gescheitert, dann habe ich die falsche Sprache gewählt.“
Bild-Entrümpelung
Lorenz Helfer, da darf man sich ja nicht täuschen lassen, spricht dagegen sehr gerne und ausführlich über die Art, wie seine Bilder entstehen. Über Farben, Material, Figuren, Tiefeneffekte. Über den Charme der Reduktion und das Schauen und Spüren als überhaupt essenziellsten Teil des Arbeitsprozesses. Oder darüber, dass in seinem Schaffen seit geraumer Zeit eine ganz gewöhnliche Fassadenfarbe die künstlerisch eigentlich viel facettenreichere Ölfarbe ersetzt, obwohl damit keine weichen Verläufe möglich sind und die Farbe schnell stumpf wirkt. „Gerade Einschränkungen wie diese machen es interessant für mich, zu erkunden, wie ich dennoch Tiefe erzeugen kann.“ Nur selten startet er inzwischen auf weißem Leinen. In Ungnade gefallene Bilder werden als Grundlage für das nächste Werk verwendet. O-Ton: „Es findet sich hier immer ein Scheißbild, das ich übermalen kann.“ Abgesehen davon, dass er froh ist, der lästigen Vorarbeit des Bild-Aufspannens zu entkommen, hat das Übermalen ausgemusterter Bilder weitere Vorzüge: Erstens werde er die Bilder los, die er nicht mehr sehen mag – und die auch niemand anderer sehen soll – und zweitens nütze ihm das alte Bild als Untergrund, der fragmentarisch da und dort durchblitzt und dem neuen Bild Schimmer und Tiefenschärfe gibt. Es ist ein Spiel mit zwei Ebenen. Denn, oh ja, wie recht er hat: „Das Darunter spielt immer eine Rolle.“
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Mittendrin in V
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Er möge den Gedanken, dass sogar ein schlechtes Bild gut ist für das nächste. Und nimmt dafür auch in Kauf, dass es ihm im Nachhinein leidtut, ein altes Bild übermalt zu haben. Berufsrisiko eben, wie überhaupt dieser Beruf nur mit einem zustimmenden Kopfnicken in Richtung Wagemut angegangen werden kann. Helfers Devise: Weiter, weiter, sich entwickeln, mit der Routine brechen und Neues ausprobieren, gerade dann, wenn es wie geschmiert läuft. „Sonst bleibst du stehen und verlierst den Spaß am Tun.“ Jedenfalls ist er mit der Malerei noch längt nicht durch: „Ich verstehe lieber viel im Kleinen als wenig in vielem. Was die Malerei angeht, hab‘ ich noch nicht mal an der Oberfläche gekratzt. Und das ist ein absolut ermutigender Gedanke.“
Als Künstler geboren
Schon als Kind hat sich Lorenz Helfer am liebsten stundenlang mit sich selbst beschäftigt, hat gekritzelt und gebastelt, in Comics gestöbert und Geschichten lieber gezeichnet als erzählt. Er mochte es – und das ist bis heute so – wenn man ihn einfach in Ruhe ließ. Die Eltern ließen ihn machen. Es sei
„ES FINDET SICH HIER IMMER EIN SCHEISSBILD, DAS ICH ÜBERMALEN KANN.“
immer klar, im Grunde alternativlos gewesen, dass er einmal hauptberuflich malen würde. Er sagt es im Bewusstsein, dass er im Vergleich zu vielen anderen eine unvergleichlich bessere Ausgangsituation hatte. „Bei mir haben beide Elternteile befürwortet, dass ich diesen Weg gehe, haben ihn als selbstverständlich angesehen. In unserer Familie haftet dem Künstlerberuf nichts Unseriöses an, auch nicht die Überzeugung, nicht davon leben zu können. Mitstudenten hingegen haben kein Geld mehr von zu Hause bekommen, nachdem sie sich für ein Kunststudium entschieden hatten.“ Dafür ist er früher ständig auf den Papa angesprochen worden, nervig sei das gewesen. „Man will doch nicht über die Eltern definiert werden, immer nur ‚Sohn von‘ sein. Deshalb – aber das ist nur die halbe Wahrheit – habe ich meinen Namen von Köhlmeier auf Helfer geändert, als ich an der Angewandten in Wien zu studieren begann. Damals war ja die Mama noch nicht so bekannt. Der zweite Grund ist, dass mein Onkel Richard Helfer auch gemalt hat, und es hat mir gefallen, mich als ‚Helfer, der Jüngere‘ in diese Familientradition einzuschreiben.“
Selbstbestimmt
Längst hat sich Lorenz Helfer emanzipiert, eine eigenständige künstlerische Existenz aufgebaut und er scheut sich nicht, ab und an und vor allem, weil es ihm Freude macht, mit den Eltern gemeinsame Sache zu machen – wie aktuell im Theater Kosmos (siehe Infobox). „Es macht’s ja leichter, dass ich nicht schreibe. Für Paula war das schwieriger, sie hat ihre Preise nur dank Pseudonymen gewonnen, mit dem Namen Köhlmeier hätte jeder gesagt, das haben doch die Eltern geschrieben. Schon in der Schule hat sie Probleme gehabt, weil man ihr nicht glaubte, dass sie ihre Aufsätze selbst geschrieben hat.“ Paula Köhlmeier, Schriftstellerin und Schwester von Lorenz, ist 2003 mit nur 21 Jahren bei einem Wanderunfall ums Leben gekommen. Ihr Tod habe alles verändert, sagt
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TIPPS Theater Kosmos, Ausstellung von Lorenz Helfer im Foyer anlässlich des Gastspiels „Die Bagage“ von Monika Helfer, 4./5./6./7. Jänner 2024, jeweils 20 Uhr, Sonntagsvorstellung um 17 Uhr Podcast Radetzkystraße 1: „Über die Poesie des flüchtigen Moments“, Lorenz Helfer im Gespräch mit Frauke Kühn
Lorenz Helfer, „aber als Familie hat es uns nicht zerrissen, im Gegenteil, es hat uns noch mehr zusammengebracht. Meine Familie ist mir bis heute eine Garantie, Rückhalt. Manchmal überlege ich, wie es wäre, wenn Paula noch leben würde – sie war ja nur eineinhalb Jahre älter, hatte auch einen Künstlerberuf ... Da habe ich schon eine Wehmut. Gleichzeitig ist es so weit weg, über 20 Jahre sind vergangen seitdem. Ich lebe inzwischen länger ohne sie als mit ihr, es ist wie ein Traum, wie aus einem anderen Leben, ich kann mich erinnern und dann wieder kaum erinnern.“ Mit dem Tod an sich hält er es pragmatisch: „Niemand hat Schuld an Paulas Tod, es war einfach ein Unfall, das muss ich annehmen als etwas, das dazugehört. Mein Atheismus hat mir wahrscheinlich schlussendlich über diesen Verlust drübergeholfen.“ Seine Absage an Gott und Religion habe vor allem mit seiner Abwehrhaltung allem Kollektiven gegenüber zu tun. „Es macht einen außerdem unmündig, wenn das Schicksal in den Händen von Gott liegt. Wenn sowieso alles Gott entscheidet, ist das Leben nicht mehr wahnsinnig spannend. Ich will jede Sekunde für mich und mein Leben verantwortlich sein. Ich will nicht daran glauben, dass etwas Größeres dahintersteht. Selbst wenn es fix so wäre, würde mir meine Existenz sinnlos vorkommen.“
einander interagieren, festgehalten in fast unscheinbaren Momenten und der Fantasie des Betrachters, der Betrachterin freigegeben. Nie hat der Maler das Bildmotiv zuvor im Kopf, die Bilder passieren ihm im Grunde absichtslos: „Aus einem Saustall an Linien und Farben tritt plötzlich eine Figur hervor, sie fordert eine zweite Figur, diese wiederum sagt mir, sie will lieber allein sein. Also übermale ich die erste wieder. Manchmal sind da fünf Figuren und doch bleiben am Schluss meist zwei übrig.“ Und so zieht sich mittlerweile das Zwischenmenschliche fast schon als Erkennungsmerkmal durch das Werk von Lorenz Helfer. Von der Muse werde er dabei nicht geküsst: „Die Figuren kommen ja nicht, während ich zu Hause im Bett liege, sondern wenn ich im Atelier am Arbeiten bin.“ Ja, die größte Inspiration sei das Arbeiten selbst bzw. – er betont es noch einmal – der Effekt der Einschränkung. Verbunden mit der wohl überhaupt schwersten Übung: die Kontrolle zu verlieren, intuitiv zu arbeiten. „Ich habe durch mein Studium und durch das viele Aktzeichnen so viel darüber gelernt, was richtig und was falsch ist und plötzlich kommst du drauf, dass es darum gar nicht geht. Wenn ich es abzuwerfen schaffe, entsteht plötzlich ein gutes Bild, geführt von meinem Arm und meiner Hand, nicht von meinem Kopf.“ Ob das dann nicht vielleicht doch sowas wie der vielzitierte Musenkuss ist, frage ich mich im Nachgang, als ich bereits diesen Text am Verfassen bin. Wie überhaupt vieles aus dieser Begegnung nachschwingt, was ich unter dem Begriff „Lebensphilosophie“ subsumieren würde. Selten habe ich es jedenfalls erlebt, dass ein Künstler es so gut versteht, Einblicke in sein Schaffen zu geben. Eindrücklich und erfrischend ungekünstelt.
Absichtslos
Zurück zum Künstler-Dasein. Was er daran am wenigsten mag, ist der Preis, immer wieder in der Öffentlichkeit stehen zu müssen. Aber auch da hilft Pragmatismus: „Besser Maler als Sänger, immerhin, da kann ich mich wenigstens hinter meinen Bildern verstecken.“ Bilder, die oft überlebensgroße Figuren zeigen. Am liebsten zwei, die mit-
Lorenz Helfer, geboren am 4. Jänner 1984 in Hohenems, hat im Jahr 2007 sein Studium der Malerei an der Universität für angewandte Kunst abgeschlossen, zog nach Jahren in Wien und im Ausland (Italien, Portugal, Spanien, Brasilien) 2018 nach Vorarlberg zurück, wohnt und arbeitet in Bregenz. 2020 bezog er sein Atelier im Schöllerareal. Wenn er nicht malt, liebt er es zu spazieren, sich um seine Wohnungspflanzen zu kümmern und – unverkäufliche – Möbel zu bauen. Auszeichnungen: Förderpreis des Landes Vorarlberg, Hubert Bechtold Kunstpreis www.lorenzhelfer.at
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Mittendrin in V
Utopie I
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CHOPIN UND DIE KUNST DES GEPFLEGTEN KRIEGSENDES
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er Hochgeschwindigkeitszug von Danzig nach Warschau schneidet durch die Landschaft, die Körper der Sitzenden neigen sich mit ihm in Kurven, die Geräusche sind gedämpft. Auch die Menschen sprechen nur leise miteinander, man nimmt Rücksicht oder passt sich an. Die Hektik, die zuvor am Bahnhof geherrscht hat, ist verflogen. Von außen betrachtet ist der Reisezug ein Pfeil, der die Landschaft entzweischneidet und dabei einen scharfen Fahrtwind erzeugt. Tiere fliehen seine Nähe, manche sind zu langsam und werden dann von seinem eisigen Atem gestreift. Kurz bevor er in die Haltestelle einfährt, ertönt im Inneren des Zuges Klaviermusik von Chopin. Sie bewirkt eine sofortige Entschleunigung in der Fahrkabine. Die Musik versichert den Menschen, dass sie rechtzeitig aus dem Zug steigen werden, auch wenn sie es jetzt an Hektik fehlen lassen. Geduld und Rücksicht breiten sich aus, am Bahnsteig wartende Menschen sehen einen aerodynamisch geformten Zug in den Bahnhof rasen, aus dem vollkommen entspannte, oft auch lächelnde Gesichter steigen. Eine der mitreisenden Gäste ist eine junge Frau im Kapuzenpullover, die in der Lage ist, sich in die bestens geschützten Computersysteme zu hacken. Die Einfahrt in die Haltestelle und die Verwandlung in den Gesichtern beschäftigen sie noch länger. Als sie sich durch den Warschauer Abendverkehr kämpft, wandelt sich ihre Stimmung in eine weit aggressivere. Eigentlich möchte sie zurück in den Zug und diese Ruhe wieder erleben. So etwas kennt sie nur aus Ausnahmesituationen, und die Zugfahrt soeben war eine davon. Deshalb beschließt sie, sobald sie zu Hause ist, ein wenig zu recherchieren und findet noch am
Text: Daniela Egger Foto: George Becker via pexels
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selben Abend heraus, welche Art von Musik in den Trainingscentern der US-Soldaten verwendet wird, um kampfbereite Truppen zu generieren. Sie sucht sich die Computersimulationen von Kampfszenen zusammen, die mit einem treibenden Heavy Metal Accord untermalt sind. Und weil sie weiß, wie es geht, unterlegt sie die Trainingseinheiten 1 bis 4 mit Chopin Klaviersonaten. Das dauert ein wenig, denn die Sicherheitsmaßnahmen der US-Militärbehörden sind nicht mehr so simpel zu umgehen wie noch vor ein paar Jahren. Damals war es unter ihresgleichen ein kleiner Wettbewerb gewesen, sich möglichst unauffällig ins System zu begeben und eine Flagge zu hinterlassen – ohne Schaden anzurichten, versteht sich. Chopin ist allerdings mehr als eine Flagge. Und weil sie auch weiß, wie man selbst bestimmte Schutzmechanismen installiert, kann Chopin auch nicht mehr deaktiviert werden. Die Kraft der Musik und ihre Bedeutung für den Frieden lassen sie nicht los, sie spürt schon, dass sie dank der Polskie Koleje Państwowe etwas Einfaches aber durchaus Unterschätztes entdeckt hat. Deshalb besorgt sie sich die nötige Menge Koffein und lädt ein paar Kolleginnen und Kollegen ein. Solche, die man nie im Leben persönlich trifft, die aber für gewisse Aufgaben jederzeit bereitstehen. Sie starten eine konzertierte Aktion in den diversen Kriegsgebieten und deaktivieren die Funkverbindungen der lokalen Einsatzkommandos. Zunächst nur die der Angreifer. Ohne sich auf eine Seite zu schlagen, ist klar, wo Chopin sehr dringend gebraucht wird. Schon am nächsten Tag erlahmen die Kräfte der Aggressoren. Man bemüht sich in diversen Zentralen hektisch darum, die Klaviermusik zu stoppen, und das gelingt natürlich auch an vielen Stellen. Trotzdem, die Helme der Hubschrauberpiloten spielen jetzt entspannende Sonaten in einer Harmonie, die das Fliegen eines Angriffs auf Bodentruppen als eine völlig sinnentleerte Handlung erscheinen lässt. Selbst den hoch ausgebildeten Scharfschützen ist es fast unmöglich, wissentlich auf Menschen zu schießen. Und weil durch die musikalische Irritation die Kriegshandlungen zu einer Unterbrechung kommen, sehen sowohl die zuständigen Offiziere als auch die Soldatinnen und Soldaten, in welchen Irrsinn sie da geraten sind. Das hat eine Menge Disziplinarstrafen zur Folge und sicher auch einige ernstzunehmende diplomatische Zwischenfälle, aber die Kriegsmüdigkeit der Akteure gibt die Richtung vor. Die diplomatischen Verhandlungen erfahren eine Aufwertung und einmal getroffene Vereinbarungen werden auch wirklich eingehalten. Weil sich die Sache in den Social-Media-Kanälen wie ein Lauffeuer verbreitet, übernehmen weltweit andere Institutionen die Idee, an bestimmten Stellen Musik zu installieren, die zumindest eine gewisse positive Grundstimmung erzeugt. So werden extra Kompositionsaufträge vergeben, um beispielsweise in Strafanstalten oder den Wartebereichen von Behörden und Krankenhäusern und auch in Schulen Geduld und Konzentration zu fördern. Im Zuge der Musikalisierung des öffentlichen Raums kommt es zu weniger Polizeieinsätzen, die Ambulanzen erfahren eine spürbare Entlastung und durch die allgemeine Entschleunigung nehmen allmählich auch die üblichen Stresserkrankungen ab. Die Menschen singen wieder mehr. Sie sind zuversichtlicher, denn die Ergebnisse der Friedensverhandlungen weltweit beinhalten auch Maßnahmen zur Sicherung der Klimakrise. Die Welt ist voller Musik und die neue Devise lautet, auf den eigenen Rhythmus zu hören. Das ist gut für die Menschen und wirkt friedensfördernd.
Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 3,40 Euro verbleibt den Verkäufer:innen. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Telefon: 0677 615 386 40 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Simone Fürnschuß-Hofer Mitarbeiter:innen dieser Ausgabe: Daniela Egger, Patrick Fürnschuß, Guntram Gärtner, Christine Mennel, Daniel Mutschlechner, Petra Rainer, Brigitta Soraperra, Gerhard Thoma, Harald Walser Zeitungsausgabestellen: Dornbirn: Kaplan Bonetti Sozialwerke, Kaplan-Bonetti-Straße 1, Montag, Mittwoch und Freitag von 7.15 bis 9 Uhr Bregenz: dowas, Sandgrubenweg 4, Montag bis Freitag: 8.30 bis 13 Uhr Feldkirch: Caritas-Café, Wohlwendstraße 1, Montag bis Freitag 8.30 bis 14 Uhr Bludenz: do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b, Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778, 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Vorstand Frank Andres, Obmann Christina den Hond-Vaccaro, Obmann-Stellvertreterin, Schriftführerin Oliver Mössinger, Kassier Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 12.000 Exemplare, Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP/Bildbearbeitung :TAGWERK Grafik|Design Monika Dür Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal, IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580, BIC: RVVGAT2B420 © 2024 marie. Alle Rechte vorbehalten.
Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.
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Mittendrin in V
„ Du hast Gott bestohlen“ Es war eine Schlagzeile auf der Titelseite der Vorarlberger Nachrichten, die Siegfried Krassnig auf dumme Gedanken gebracht und sein Leben vor mittlerweile 33 Jahren schlagartig verändert hat. Aber nicht zum Guten. Der heute 68-Jährige verbrachte für seine „gottlosen“ Taten insgesamt zehn Jahre im Gefängnis. Text und Foto: Frank Andres
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ir beide kennen uns schon länger. Wobei kennen etwas übertrieben ist. Vielmehr ist es so, dass Siegfried Krassnig und ich uns regelmäßig über den Weg laufen. Mindestens zwei- bis drei Mal die Woche. Über sein Leben habe ich bisher nur sehr bruchstückhaft Bescheid gewusst. Aber kurz vor Weihnachten kommen wir dann doch etwas intensiver ins Plaudern. Und Siegi, wie er von seinen Bekannten genannt wird, beginnt zu erzählen.
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Als Kind im Heim
Geboren und aufgewachsen ist Siegi in St. Veit an der Glan, einer Stadtgemeinde in Mittelkärnten. Seine Kindheit verläuft alles andere als behütet. Sein Vater ist gewalttätig, verprügelt die Mutter. Stiehlt ihr das Geld. Weil die Mutter mit den Kindern zudem völlig überfordert ist, kommt Siegi gemeinsam mit zwei anderen Geschwistern ins Josefinum-Heim in Klagenfurt-Land. Doch das Leben wird für den kleinen Siegi nicht besser. „Es war keine gute Zeit“, erinnert sich der heute 68-Jährige. Immer wenn er einen Blödsinn gemacht habe, habe er als Strafe nichts zu essen bekommen. Er wird auch immer wieder in eine Dunkelkammer eingesperrt. Sechs Jahre verbringt Siegi im Heim. Der Schulweg ist beschwerlich. Jeden Tag ist er sechs Kilometer zu Fuß unterwegs. Und er darf während dieser Zeit niemals nach Hause zu seiner Mutter. Stattdessen besucht ihn diese alle 14 Tage im Heim. Für jeweils maximal zwei Stunden.
Schlaf der Gerechten
Mit 14 Jahren kommt Siegi endlich aus dem Heim. Er besucht die Schule. Schließt diese nach zwei Jahren ab. Statt Ferien zu machen, sucht sich Siegi am Tag des Schulschlusses gleich eine Arbeit. Er beginnt in St. Veit an der Glan eine Lehre als Ofner und Fliesenleger. Nach dem Lehrabschluss geht Siegi zum Bundesheer. Absolviert dort acht Monate lang seinen Präsenzdienst. „Dort habe ich immer wieder krumme Dinger gedreht“, erzählt er ganz offen. Statt Streife zu gehen, legen sich Siegi und sein Kamerad ins Bett und schlafen den Schlaf der Gerechten. „Zum Glück ist uns niemand draufgekommen.
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Wir wurden immer rechtzeitig gewarnt, wenn der Offizier einen Kontrollgang gemacht hat.“
geben. Doch Siegi hört mit den Opferstock-Diebstählen nicht auf. Im Gegenteil. Einmal fischt er mittels Draht und Superkleber innert zehn Sekunden 9000 Schilling aus dem Opferstock. Ein guter Stundenlohn. Er lebt aber deshalb keineswegs auf großem Fuß. Er kauft sich mit dem Geld Hosen und Schuhe. Siegi sammelt Vorstrafen wie andere Briefmarken. Insgesamt 24. Und er wandert ins Gefängnis. Nach Innsbruck, Garsten und Stein. Insgesamt zehn Mal. Von 1990 bis 2022 verbringt Siegi knapp zehn Jahre hinter Gittern. Und er hat heute dafür nicht viel Verständnis: „Der Staatsanwalt hat mir vorgeworfen, dass ich gewerbsmäßig die Opferstöcke aufbrechen würde. Ich habe ihm geantwortet: ‚Das ist gar nicht möglich. Gewerbsmäßig würde bedeuten, von den Diebstählen meinen Unterhalt zu bestreiten.‘ Ich lebe aber nicht davon, Ich arbeite bei einer Firma.“ Die Argumentation Siegis findet beim Richter allerdings kein Gehör.
Vom Hotel zum Wälderpark
Siegi und der Kaplan
Der Lehrlingskoch servierte mir Spätzle. Das hat so richtig gestunken. Ich mag Kässpätzle überhaupt nicht. Das ist derselbe Pampf wie die Kärntner Kasnudeln.
Nach Absolvierung des Wehrdienstes, Siegi ist inzwischen 21 Jahre alt, wechselt er beruflich ins Gastgewerbe. Arbeitet über 16 Jahre lang als Abwäscher in der Küche. Ist Saisonnier in Kärnten, Salzburg und Tirol. Eines Tages bekommt Siegi einen Zettel eines Mitarbeiters des Arbeitsamtes St. Veit an der Glan. Auf dem Zettel stehen drei Buchstaben: VLG. Er weiß zunächst nicht, was das heißen soll. Der AMS-Mitarbeiter klärt ihn auf: Das bedeutet Vorarlberg.“ Und Siegi wechselt im April 1986, mit 30 Jahren, aus berufllichen Gründen ins Ländle. Vier Monate arbeitet er im Hotel Post in Egg. Doch die Arbeit gefällt ihm nicht so richtig. Deshalb bewirbt er sich im Wälderpark Egg beim Sutterlüty. Als Abwäscher und Abräumer im SB-Restaurant. Und er bleibt der Firma bis zu seiner Pensionierung treu. „Etwas Besseres hätte mir gar nicht passieren können“, schwärmt Siegi heute noch.
Wenig erfreut reagiert auch Kaplan Emil Bonetti, in dessen Wohnprojekt Siegi heute noch lebt, auf die Opferstock-Diebstähle seines Bewohners. Siegi erinnert sich: „Er war richtig böse. Er schrie mich vor einer Frau, die gerade Geld spenden wollte, lautstark an: 'Du hast Gott bestohlen.' Ich habe ihm geantwortet: 'Du bist nicht Gott.' Die Frau nahm es mit Humor und hat nur lauthals gelacht.“ Und noch etwas kam hinzu: Genau an dem Tag, an dem Kaplan Emil Bonetti Siegi die Leviten gelesen hatte, war dieser vom Gericht vom erneuten Vorwurf des Opferstock-Diebstahls freigesprochen worden. Er zeigte als Beweis für seine Unschuld dem Kaplan den Zettel und dieser drückte ihm einen 20-Schilling-Schein in die Hand. Siegi betont, dass er öfters zu Unrecht verdächtigt worden sei. „Immer wenn ein Opferstock im Land geplündert worden war, hieß es: 'Das war der Siegi.'”
Lieber Hunger als Kässpätzle
Jetzt juckt es nicht mehr
24 Vorstrafen, zehn Jahre Gefängnis
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Die Anfangszeit in Vorarlberg ist für Siegi schwierig. Vor allem sprachlich. An eine Begebenheit erinnert er sich noch ganz genau: „Gleich am ersten Tag im Hotel Post schreit mich der Chef an: ‚Luag usse, lupf dia Koffer.‘ Ich hatte keine Ahnung, was das heißen soll“, plaudert Siegi, der dialektal noch immer mit seiner Heimat Kärnten eng verbunden ist, drauflos. Und auch kulinarisch macht Siegi gleich bei seiner Ankunft im Ländle eine unangenehme Erfahrung. Er hatte bei seiner Zugfahrt von Salzburg nach Dornbirn bewusst nichts gegessen, weil er hoffte, dass es im Hotel schon etwas geben würde. „Der Lehrlingskoch servierte mir Spätzle. Das hat so richtig gestunken. Ich mag Kässpätzle überhaupt nicht. Das ist derselbe Pampf wie die Kärntner Kasnudeln. Ich dachte, es gibt in Vorarlberg was Besseres. Da habe ich lieber gehungert.“ Und dann kam das Jahr 1990. Ein Jahr, in dem sich das Leben von Siegfried Krassnig radikal änderte. Es ist eine Schlagzeile in den Vorarlberger Nachrichten. Diese lautet: Vorarlberger und Schweizer raubten 80 Opferstöcke aus. Da denkt sich Siegi: Was die können, kann ich auch. Und er beginnt Opferstöcke zu plündern. Er ist ganz Vorarlberg unterwegs. Am Anfang nur einmal im Monat, später dann mehrmals in der Woche. Und es kommt, wie es kommen muss. Er wird bei der Polizei verpfiffen, weil er sich geweigert hatte, einem Bekannten Geld zu
Seit 17. Februar 2022 ist Siegi wieder auf freiem Fuß. Und er ist sich sicher, zurück ins Gefängnis will er nicht mehr. „Jetzt juckt es mich nicht mehr, wenn ich einen Opferstock sehe.“ Seit 2020 ist er „geheilt“. Er hat zwar das Gefühl, dass er im Leben etwas verpasst hat, aber er sucht bei niemand anderem die Schuld. „Ich kann nicht andere dafür verantwortlich machen.“ Jetzt, so sagt er, sei er zufrieden. Aber einen großen Wunsch habe er noch, verrät er. „Ich möchte endlich einmal eine eigene Wohnung. Dann koche ich mir eine Lasagne. Und sicher keine Kässpätzle.“
Der Staatsanwalt hat mir vorgeworfen, dass ich gewerbsmäßig die Opferstöcke aufbrechen würde. Ich habe ihm geantwortet: Das ist gar nicht möglich. Gewerbsmäßig würde bedeuten, von den Diebstählen meinen Unterhalt zu bestreiten. Ich lebe aber nicht davon, Ich arbeite bei einer Firma.
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Mittendrin in V
Vorarlbergs letzte Hinrichtung Gleich drei Scharfrichter waren extra aus Wien angereist, um am 16. September 1947 um 5.15 Uhr im Gefängnishof des Landesgerichtes in Feldkirch die Hinrichtung des zum Tode verurteilten Altacher Doppelmörders Egon Ender am sogenannten „Würgegalgen“ durchzuführen. Es war die letzte Hinrichtung in Vorarlberg und zugleich die Einzige, die im Land im gesamten 20. Jahrhundert nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren durchgeführt worden ist.
Text: Harald Walser
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n der Ersten Republik (1918-1934) war die Todesstrafe im Verfassungsrang abgeschafft worden, im Austrofaschismus (1934-1938) wurde sie zwar wieder eingeführt, es gab in Vorarlberg allerdings kein einziges Todesurteil. Und die elf Todesurteile aus der NS-Zeit wurden meist in München vollstreckt. Davor gab es am 9. September 1864 in Göfis die letzte „Henkete“: Der damals 36-jährige Lauteracher Joseph Gasser wurde als Doppelmörder an jenem Platz gehenkt, der in der Gemeinde noch bis heute unter seinem Namen bekannt ist. Rund 5000 Schaulustige wohnten damals der Exekution bei. Österreichweit wurde mit dem Wiener Mörder Johann Trka am 24. März 1950 der letzte Verurteilte hingerichtet. Genau zwei Monate später beschloss der Nationalrat nach einer heftigen Diskussion am 24. Mai 1950 in geheimer Abstimmung mit 86 Nein- und 64 Ja-Stimmen, eine weitere Verlängerung dieser Form der Verurteilung abzulehnen. Diese Abstimmung geschah – wohl einzigartig in der Geschichte des österreichischen Parlamentarismus – gegen den Willen von Regierung und Justizausschuss, die eine Verlängerung der nach 1945 befristet eingeführten Todesstrafe verlangt hatten. Für Egon Ender kam dieser Beschluss zu spät.
Was hatte Ender getan?
Der Gendarmerieposten Altach berichtete in seiner Chronik vom Vorfall: Am Samstag, dem 29. September 1946, um 4 Uhr früh war im Haus des Fabrikanten-Ehepaares Familie Leonhard und Elisabeth Giesinger ein Brand ausgebrochen. Das Objekt wurde vollständig eingeäschert. Einen Tag später wurde die verkohlte Leiche der Frau gefunden. Doch wo war ihr Mann? Im Dorf machten wilde Gerüchte die Runde. Am Montagnachmittag und somit fast zwei Tage nach der Tat waren Oskar Weber und der in
seiner Familie lebende Max Ender beim Ausgraben von Kartoffeln beim Gostgraben beschäftigt, als Max plötzlich schrie: „Da liegt ein Mann, der sieht aus wie der Leonhard!“ Werner Weber, ein Sohn von Oskar, stand mit anderen Dorfbewohnern beim nahe gelegenen Brandplatz: „Ich holte gerade unsere Kuh und den Wagen, um die Kartoffelsäcke abzuholen. Da sah ich Max und meinen Vater zum Brandplatz springen, wo sie Bericht erstatteten.“ Nun war klar, dass es sich um das grausamste Verbrechen in der Geschichte der Gemeinde handelte. Tagelang traute sich in Altach und den Nachbargemeinden in der Nacht kein Mensch mehr auf die Straße. Das galt sogar für die ersten Tage nach der Verhaftung des Täters. Pikanterie am Rande: Mit Max Ender entdeckte ausgerechnet der jüngere Bruder des Mörders das Opfer. Die Entdeckung der Leiche Giesingers sprach sich im Dorf in Weindeseile herum. Etwa zur selben Zeit spazierte der Täter Egon Ender mit seiner Freundin Leopoldine Kautny von Hohenems kommend nach Altach. Die beiden kauften im Lebensmittelgeschäft des Gasthofs Schwert ein und erfuhren bei dieser Gelegenheit vom grausigen Fund. Dem bislang so kaltblütig agierenden Doppelmörder wurde immer mehr bewusst, wie groß die Gefahr seiner Entlarvung war, zumal er sehr unvorsichtig agiert hatte. Am Sonntag und am Montag hatte er sogar gestohlene Kleidungsstücke des Fabrikanten getragen und war damit in Dornbirn, Hohenems und jetzt sogar in Altach unterwegs. Doch es war ein anderer Umstand, der den Sachverhalt recht schnell aufdecken sollte. Der entscheidende Hinweis kam von Ferdinand Beck, dem Chef von Enders Arbeitsplatz „Auto-Beck“. Ihm war das ungewöhnliche Benehmen seines Lehrlings aufgefallen. Dieser hatte sich am Montag krankgemeldet und seinem Arbeitgeber gegenüber angegeben, sich mit einem Rechen >>
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Oben links Brandruine: Das abgebrannte Wohnhaus samt der ehemaligen Näherei. Erst im Verlauf des Sonntagnachmittags wurde hier die verkohlte Leiche von Elisabeth Giesinger gefunden. Von ihrem Mann fehlte am Sonntag noch jede Spur. Oben rechts Parte, Vorder und Rückseite: „Jäh trat der Tod an Euch heran“: Partezettel für Leonhard und Elisabeth Giesinger, die „in jener Schreckensnacht vom 28. auf 29. September 1946 durch gemeine Mörderhand ihr junges Leben lassen“ mussten. Links Giesinger Hochzeitfoto: Auf diesem Hochzeitsfoto ist zwischen dem Paar Werner Weber zu sehen. Er war das „Göti-Kind“ von Leonhard, rechts vorne Paul und hinten stehend mit Hosenträgern und kurzen Hosen Josef Giesinger. Unten links Familienporträt Giesinger: Sitzend von links Josef, Leonhard, die Eltern Albertina und Theodor sowie Paul, stehend von links Heinrich, Veronika, Johann, Erwin, Hilda und Emmy. Unten rechts Leopoldine Kautny: Ender zeigte sich gegenüber seiner Freundin Leopoldine Kautny weit über seine Möglichkeiten hinaus großzügig. Ein von ihr ersehntes Radio überreichte er ihr am Tag nach der Tat. Es stammte aus der Beute im Haus Giesinger.
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eine Fußverletzung zugezogen zu haben. Beck fragte beim Arzt nach und erfuhr von einer Wunde am Oberschenkel. Das war verdächtig, sodass Beck die Sache bei der Gendarmerie meldete. Zurecht, wie sich herausstellen sollte, denn Ender hatte sich diese Wunde beim Mord an Leonhard Giesinger zugezogen. Der Kampf zwischen den beiden hatte wohl etwa eine Viertelstunde gedauert. Für die Gendarmen aus Altach und Hohenems war schnell klar, wo ein zumindest möglicher Täter zu suchen war.
Wirklich ein Einzeltäter?
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Obwohl die Kriminalbeamten aus Bregenz erst am Mittwochnachmittag und somit fast vier Tage nach der Tat in Altach erschienen waren, konnte der Täter bereits am Donnerstagfrüh in seinem Zimmer im Gasthaus Engel in Hohenems verhaftet werden. Bei ihm fand man eine Vielzahl von Beutestücken aus dem Haus Giesinger, zudem war er fast umgehend geständig. Zweifel an der Alleintäterschaft Egon Enders gab es schon bei den ersten Verhören durch die Gendarmerie. Auch der vernehmende Landesgerichtsrat glaubte nicht daran, dass der geständige Täter in der Lage gewesen war, die umfangreiche Beute allein wegzuschaffen. Darunter befand sich auch ein Radioapparat – immerhin zehn Kilogramm schwer und mit den Maßen 55 x 25 x 29 cm recht sperrig und nicht leicht zu transportieren. Diesen hatte Ender zuerst zur etwa 700 Meter entfernten, direkt an der Eisenbahnlinie liegenden Mühle Nachbaur im Witzge gebracht und dort zwischengelagert. Er kehrte dann zurück und brachte einen Koffer, den er am Dachboden gefunden und in dem er vor allem Kleidungsstücke verstaut hatte, sowie eine Aktentasche ins selbe Versteck. Von dort schaffte Ender das Raubgut in zwei Gängen der Bahn entlang in sein Zimmer im Gasthaus Engel und soll dabei etwa sieben bis acht Kilometer zurückgelegt haben. Konnte er das wirklich allein und mit seiner Stichwunde am Oberschenkel bewerkstelligt haben? Zudem gab es mehrere Zeugen, die kurz nach der Tat einen Mann in Begleitung von zwei Frauen vom Brandplatz weg in Richtung Hohenems gehen sahen. Wer diese Personen waren, konnte nie geklärt werden. Doch alle infrage kommenden Verdächtigen – etwa die Familie seiner Freundin Leopoldine Kautny oder der Bruder und der Vater des Mörders – konnten nicht zu widerlegende Alibis vorweisen. Sie alle wurden dennoch mehrere Monate in Gewahrsam genommen.
Harald Walser: „Vorarlbergs letzte HINRICHTUNG“ Edition V, 15. Jänner 2024, 176 Seiten, 32 Euro ISBN-13 978-3903240568 Buchpräsentation am 22. Jänner um 19 Uhr im KOM in Altach
Das Todesurteil
Knapp neun Monate nach der Tat wurde Ender am Landesgericht Feldkirch zum Tode verurteilt. Die Todesstrafe war damals für Mord zwingend vorgeschrieben: „Eine Erörterung der Erschwerungs- und Milderungsgründe entfällt“, heißt es daher im Urteil des Schwurgerichtes über Egon Ender, „da nach dem Gesetz keine Erschwerung oder Milderung der Todesstrafe zulässig ist.“ Doch sowohl den drei Berufsrichtern als auch den drei Schöffen war bei ihrem Spruch nicht wohl. Immerhin war der Täter bei seiner Tat erst seit einer Woche volljährig, zudem voll geständig und hatte eine äußerst schwierige Kindheit hinter sich. Hinzu kam der schlechte Einfluss durch seine Freundin Leopoldine Kautny und deren Familie. Der spätere Mörder war schon als kleines Kind zum Betteln auf die Straße geschickt worden. Als sich die Eltern für über zwei Jahre einfach nach Frankreich abgesetzt hatten, wurde er im für ein Kind wenig förderlichen Umfeld des Altacher Armenhauses untergebracht. Zwar lebte er dann etwa fünf Jahre bei wohlmeinenden Pflegeeltern und ab seinem zwölften Lebensjahr für weitere zwei Jahre mit eigenem Kindermädchen im luxuriösen Ambiente einer prominenten Familie in Münster in Westfalen, eine versprochene Adoption unterblieb aber. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig zu eruieren. Ender landete jedenfalls wieder in Altach.
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All das war aus Sicht der sechs Richter Grund genug, dem Obersten Gerichtshof sowie dem Justizministerium einstimmig eine Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange schwere Kerkerstrafe sowie letztlich dem Bundespräsidenten eine Begnadigung zu empfehlen. Doch in Wien wollte man zu dieser Zeit Härte demonstrieren: Das Todesurteil wurde bestätigt und der Termin der Hinrichtung festgelegt.
„Unglücksserie“
Eine weitere tragische Geschichte betrifft die Mutter von Leonhard Giesinger: Die 58-jährige Albertina Giesinger verunglückte nur wenige Tage nach der Beerdigung ihres Sohnes und der Schwiegertochter am 10. Oktober 1946 bei einem Verkehrsunfall. Sie war gemeinsam mit ihrer in Liechtenstein lebenden Tochter Bernadette zu Besuch bei Verwandten in Gisingen. Da ein bestelltes Auto im letzten Moment nicht zur Verfügung stand, bot ein Bekannter der Familie an, die Frauen im Beiwagen seines Motorrades zu befördern. Auf der Liechtensteinerstraße fuhr plötzlich ein Auto aus dem Hofe des damals als
französisches Lazarett genutzten Lehrerseminars. Das Motorrad wurde an die gegenüberliegende „Stützmauer geschleudert und vollständig zertrümmert“. Alle drei Personen wurden schwer verletzt in das Feldkircher Stadtspital eingeliefert. Die 1888 geborene Albertina Giesinger hatte einen schweren Schädelbruch erlitten und verstarb am folgenden Tag. Am 13. Oktober 1947 wurde sie im noch frischen Grab ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter beigesetzt. Das „Vorarlberger Volksblatt“ schrieb über diesen Unfall von einem weiteren „Hammerschlag des Schicksals“ für ihren Gatten und die weiteren sieben Kinder: „Doch auch die Serie der Unglücke muß einmal ein Ende haben.“
BUCHTIPP Verstoßen Die Schicksale aller 101 Kindern und Jugendlichen, die in der Zwischenkriegszeit geboren wurden und den „Reichsgau“ Tirol-Vorarlberg spätestens 1939 verlassen haben, hat die Autorin Gerda Hofreiter detailreich und nach jahrelanger Recherche in diesem Buch zusammengestellt. Dazu schildert sie auch ihre Situation vor, während und bei der Ankunft nach ihrer Flucht. Manche hatten das Glück einer frühen und noch relativ geregelten Auswanderung, sie gelangten zu Fuß über die grünen Grenzen, ihre Wege führten sie in die Schweiz und die USA, nach Indien und Italien, mit Eltern oder auch als unbegleitete Dreijährige auf Kindertransporten nach England. Andere landeten als feindliche Ausländer in britischen Camps, auf illegalen Schiffen nach Palästina, sie wurden in Frankreich, Italien, Litauen, Ungarn oder den Niederlanden weiter verfolgt – und für viele endete ihre Flucht in Auschwitz oder anderen Vernichtungslagern. Dennoch machen ihre Lebensgeschichten trotz aller Tragik auch Mut, nicht aufzugeben und daran zu glauben, dass selbst unter schwersten Verhältnissen vieles gelingen kann. Gerda Hofreiter: Verstoßen Die Wege der jüdischen Kinder und Jugendlichen aus dem Gau Tirol-Vorarlberg 1938-1945 376 Seiten, 128 sw. und 43 farb. Abb.; Tyrolia Verlag, ISBN 978-3-7022-4114-8; 35 Euro
LÖSUNGEN
Schachecke 1 1.Sxe6! [Natürlich kann Weiß zunächst auch 1.fxg7 spielen, um nach 1...Tg8 mit 2.Sxe6! fxe6 3.Dh5+ wie in der Partie den Läufer auf c5 zu gewinnen.] 1...fxe6 2.Dh5+ Beim Schach gehen ziemlich oft ungedeckte Figuren verloren. In diesem Fall ist es der ungedeckte schwarze Läufer auf c5. 2...Df7 3.Dxc5 Weiß hat bereits in der Eröffnungsphase eine Figur gewonnen und steht klar auf Gewinn. 2 1.Tc5! Danach ist das Schicksal des abseits stehenden schwarzen Springers besiegelt. 1...Db3 [Auch 1...Lxc5 2.dxc5! Db3 3.Sd6+ ist für Schwarz völlig hoffnungslos.] 2.Sd2 Db6 [Nicht besser ist 2...Da4 3.Tc4 und der schwarze Springer geht ohne Kompensation verloren.] 3.Dxa2 Lxc5 4.dxc5 Dc7 [Auf 4...Dxc5 spielt Weiß einfach 5.Se4, gefolgt von 6.Sd6+.] 5.Sc4 0-0 6.Sd6 Zwei Leichtfiguren gegen Turm und die aktiveren Figuren sichern Weiß eine Gewinnstellung. 3 1...Sd3+! [Nach dem fehlerhaften 1...Sc2+? wendet sich nach 2.Kd2 Sxa1 3.Dxc3 Dxc3+ 4.Kxc3! das Blatt und Weiß steht deutlich besser.] 2.Kd2 Se4+! 3.Kxd3 [Die zwei anderen Möglichkeiten führen jeweils zum Matt: 3.Kc2? Dxb2+ 4.Kxd3 Sxf2# oder 3.Kd1? Sexf2+ 4.Kc2 Dxb2#.] 3...Dxb2 4.Kxe4 Lb7+ Schwarz entwickelt noch „nebenbei“ eine Figur. 5.Kf4 Dxa1 Weiß hat eine Qualität weniger und seine Figuren, allen voran sein König, hinterlassen einen sehr traurigen Eindruck. Die Lage des Anziehenden ist aussichtslos.
Rechenrätsel Für Anfänger = 56 Für Fortgeschrittene = 48 Für Genies = 52 Sudoku 3
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KLEINE FARM,
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Alexandra (49) lebt mit ihrer Familie und ihren 35 gefiederten und bepelzten Mitbewohnern mitten im Gemeindegebiet. Die wunderbaren Erfahrungen zwischen Mensch und Tier bestätigen tagtäglich ihren Lebenstraum von einem eigenen Hof. Die marie hat der besonderen Lebensgemeinschaft einen Besuch abgestattet und schnell gemerkt: Da weiß eine ganz genau, wovon sie träumt.
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GROSSE VISION
Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: privat
Hennen, 3 Gockel, 6 Enten, 3 Schafe und zwei Katzen leben gemeinsam mit Alexandra und Andreas – sie Krankenschwester, er Speditionskaufmann, beide 49 – sowie Sohn Raphael, 14, inmitten eines dicht besiedelten Gemeindegebiets im Oberland. Erst sechs Jahre ist es her, dass die Familie das Haus nach einer Komplettrenovierung bezogen hat. Man fühlt sich wohl hier, noch haben die Tiere genug Auslauf, eigentlich wäre es ein Platz zum Bleiben. Und so war es ursprünglich auch geplant. Alexandra: „Wir hatten ja zuvor schon ein Haus in einer anderen Gemeinde gebaut. Als dann mein Papa viel zu früh verstorben ist und mir das Haus hinterlassen hat, bin ich aus Verbundenheit zur alten Heimat mit meiner Familie hierhergezogen. Natürlich dachten wir, dass das nun das Zuhause für den Rest unseres Lebens ist.“ Doch manchmal kommt man seinen Visionen nicht aus. So sehr den Dreien ihr liebevoll eingerichtetes Zuhause am Herzen liegt, so sehr und noch ein bisschen mehr, hat Kraft, was Alexandra mit folgenden Worten beschreibt: „Tier und Mensch zu vereinen und zu begleiten, auf einem Hof, an dem Kinder und alte Menschen sich wohlfühlen, wo sie Natur und Tier wieder hautnah erleben dürfen.“ Ein bisschen wie eine Mischung aus Bullerbü und „Unsere kleine Farm“ klingt es, wenn die (noch Hobby-) Landwirtin von ihren Ideen erzählt. Ideen, die einen Umzug und Neuanfang einfordern. Um sich Raum zu schaffen für Gärten voller Gemüse, für lustige Hennen, die bunte Eier legen, für Menschen, die Betreuung, Naturkontakt und Auszeiten brauchen, für einen Hofmarkt als Begegnungsort – und nicht zuletzt als letzte Bleibe für Tiere, die niemand mehr will.
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Außerdem, so Alexandra, habe sie ein großes Netzwerk und kenne viele Menschen, die sich mit ihren Ressourcen und Ideen einbringen würden, angefangen von der Brotbäckerin bis hin zur Hebamme, die für ihre Kurse Naturplätze sucht. Derzeit spielt sich zwar alles noch im Konjunktiv ab, ist aber bereits Teil des Betriebskonzepts, das Alexandra fixfertig in der Tasche hat. Die Ausbildung zur „Landwirtschaftlichen Facharbeiterin“ ist für Herbst 2024 angesagt.
Bereit zur Veränderung
Alexandra weiß, wovon sie träumt. Denn im Kleinen lebt sie bereits die Vision und sieht, welche Kraft ihre bestehende kleine Hausfarm entfalten kann: für die Oma aus der Gegend, die mit ihrem Enkele die Schafe streicheln kommt, für den Schulfreund des Sohnes, der endlich mal im „Dreckarhäs“ mit den Tieren um die Wette springen darf, für Freunde und ihre Familie, die bei ihnen gesundes Gemüse ernten kommen, für sie selbst, die nach der Arbeit, wie man so schön sagt, „herunterkommt“: „Wenn alle Tiere gemeinsam auf der Wiese sind, setz' ich mich auf die Bank mitten in der Wiese. Da sieht man, wie einfach das Zusammenleben unter Tieren, die sich wohlfühlen, funktioniert.“ Besonders abends, wenn die Hühner wieder den Stall beziehen, liebt sie es, ihnen beim Gackern und Trällern zuzuhören – es habe regelrecht etwas Magisches, heimlich vor der Stalltür ihren Geschichten zu lauschen. „Das Leben hat nichts mit Mauern zu tun“, zitiert Alexandra mehrfach ihr Lebensmotto und meint dabei: Die eigenen vier Wände, die so vertraut und lieb
„ICH WILL TIER UND MENSCH VEREINEN UND BEGLEITEN, AUF EINEM HOF, AN DEM KINDER UND ALTE MENSCHEN SICH WOHLFÜHLEN, WO SIE NATUR UND TIER WIEDER HAUTNAH ERLEBEN DÜRFEN.“
sie einem auch sind, ihre Bewohner nicht daran hindern sollten, immer wieder neu aufzubrechen, auch mit knapp 50. Oder – Anekdote am Rande – die Tür zu öffnen, selbst wenn der Gast nicht stubenrein ist. Vielleicht war das sogar sowas wie eine Initialzündung, damals vor zwei Jahren, als sie am Bauernhof vom Onkel mithalf und ein frisch geborenes 2,5-Kilo-Lämmchen, das gerade seine Mama verloren hatte, kurzerhand unter ihre Fittiche nahm. „Mein Onkel meinte, es wird schwierig, es durchzubringen. Gleichzeitig ermutigte er mich, es zu probieren.“ Alexandra verfrachtete das Tierjunge kurzerhand ins Auto und gab ihm im eigenen Wohnzimmer für mehrere Wochen eine Herberge. Inklusive Pflege-Intensiv-Programm. Sie erzählt: „Ich fuhr extra in den Interspar, um Zillertaler Bioschafmilch zu besorgen. Alle zwei Stunden habe ich unser Lämmchen Lilly ‚gebudelt‘, es mit meiner Körperwärme versorgt, ich hab‘ ihm Windeln angezogen – die Pampers Trainers funktionieren super – und es einmal sogar geduscht. So wie ein Lämmchen normalerweise seiner Schafmama nachspringt, so ist mir Lilly den ganzen Tag nicht von der Seite gewichen. Noch nie hatten wir so viel Besuch wie in dieser Zeit.“ Obwohl es ein harter Kampf war, hat es Lilly geschafft und ist zu einem prächtigen Schaf herangewachsen. Inzwischen ist auch ein artgerechter Stall gebaut und hat sich mit Schafbock Louie und Luana, kurz Lulu, zur gemütlichen WG ausgeweitet. BFF, Best Friends Forever.
Hof gesucht
Dass ihr Lebenstraum am bestehenden Wohnort nicht weiter ausbaubar ist, ist Alexandra klar. Und dass es mit einem Umzug auf einen Bauernhof ans Eingemachte geht, ebenso. Umso glücklicher schätzt sie sich, dass alle Familienmitglieder hinter ihrer Vision stehen. Gemeinsam wurden die ersten Höfe bereits inspiziert. Gerne möchte sich die Familie auch an die marie-Leserschaft wenden und freut sich über Zuschriften von allen, die ein „Fleckchen Erde“ kennen, das zu ihren Visionen passen könnte: Lilly-Bauernhof@gmx.at
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Hoffnung … wie geht das? Die Welt ist im Dauerstress und mit ihr taumeln wir gerade von einer Krise in die nächste. Dürfen wir noch hoffen? Oder müssen wir sogar? Wie ist das mit der Hoffnung, das fragen wir zwei, die sich damit auskennen: Den Spitzensportler Jürgen Egle, dem die nie verlorene Hoffnung ein neues Leben eröffnete, sowie den Psychotherapeuten DDr. Alfried Längle, für den Hoffnung ein existenzieller Akt des Menschen ist. Die Quintessenz? Möglicherweise eine der Essenzen, die das Leben gelingen lässt. Text: Patrick Fürnschuß, Foto: wonderlane via unsplash
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s ist der 12. Juni 1992. Ein lauer, wenn auch wolkiger Frühsommerabend. Der 20-jährige Jürgen Egle macht noch eine Abendausfahrt mit seiner Honda in die Ostschweizer Berge. Über Kriessern und Altstätten geht’s den Stoß rauf. In einer Kurve kommt er leicht über die Straße hinaus, schlittert ins Bankett. Er überlegt noch, wie er die Maschine herumreißen soll, damit sie nicht zu viel Schaden nimmt, dann geht alles ganz schnell. Das Nächste, woran sich der junge Altacher erinnert, ist, dass er seine Beine nicht mehr bewegen kann ... an den Hubschrauber … an das Erwachen auf der Intensivstation … an die Hoffnung … Als Jürgen nach der OP erwacht, wird ihm die erste Diagnose mitgeteilt: 12. Brustwirbel gebrochen, denervierte Lähmung ohne Impulsübertragung zwischen Rückenmark und Muskulatur. „Es klingt vielleicht blöd, aber mein erster Gedanke und mein Mitgefühl waren bei meinen Eltern. Ihr einziges Kind im Rollstuhl, wegen einem idiotischen Fahrfehler“, erinnert sich Jürgen Egle über 30 Jahre später an diesen Tag, der sein Leben veränderte. „Ja, ich habe gehofft, dass ich irgendwann wieder gehen kann, aber nach einer Woche in der Reha musste ich erkennen, dass da nichts mehr kommt und man mich hier auf ein Leben mit dem Rollstuhl vorbereitet.“
„Ich glaube, dass jeder Mensch seine Aufgabe hat und dass er früher oder später draufkommt, was diese Aufgabe ist.“
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„Zwischen Möglichkeit und Sein ist ein breiter Graben, ist noch viel möglich. Es muss nicht einmal ein Wunder
Hoffnung – das Gegenteil von Resignation
„Hoffnung ist ein existenzieller Akt. Der Mensch nimmt eine Haltung ein, die vor dem Unglück, dem Leid, der Krankheit usw. nicht zurückweicht, sondern sich der Situation stellt. Man bleibt in Verbundenheit mit ihr, statt wegzugehen, die Situation zu ignorieren oder zu übergehen, sie abzutun oder abzuwerten. Das Gegenteil von Hoffnung ist die Resignation. In der Resignation ist die Liebe zum Leben erstorben“, so der aus Vorarlberg stammende Existenzanalytiker DDr. Alfried Längle. Hoffnung hält also die Beziehung zum Leben und sie ist eine Haltung der Offenheit dem eigenen Leben, der eigenen Zukunft gegenüber. Gerade auch, wenn ich selbst nicht mehr viel ändern kann, den Tatsachen aber ins Auge sehe und meine Offenheit beistelle. Dann kann sich Neues eröffnen, denn das Leben ist viel größer als wir. Längle: „Hoffnung hat deshalb Sinn, weil man fühlt, dass das eigene Dasein aufgehoben ist in einem größeren Ganzen.“
„Hoffnung ist ein existenzieller Akt. Der Mensch nimmt eine Haltung ein, die vor dem Unglück, dem Leid, der Krankheit usw. nicht zurückweicht, sondern sich der Situation stellt. Man bleibt in Verbundenheit mit ihr, statt wegzugehen.“
sein, das noch eintreten kann, aber es kann auch ein Wunder geschehen, selbst das wird in der Hoffnung nicht ausgeschlossen.“
Zu hoffen gewagt
„In der Reha im steirischen Tobelbad habe ich schnell bemerkt, dass es vielen Patienten viel schlechter ging als mir. Manche waren vom Halswirbel abwärts gelähmt, andere hatten schwere Kopfverletzungen oder vielfache körperliche Traumata. Komisch, aber obwohl mein Unfall selbst noch nicht allzu lange her war, fühlte ich Dankbarkeit und Demut, dass ich noch so viel konnte. Als Sportler, der ich war, taten sich schnell Möglichkeiten und Perspektiven auf. Hubert Kilga vom Vorarlberger Rollstuhlclub hatte mich schon in Feldkirch besucht. Er hatte mir sein Mitgefühl ausgedrückt, aber ohne einen Funken Mitleid. Nach der Reha traf ich mich wieder mit ihm und seinen Kollegen vom RC ENJO Vorarlberg. Was dann alles kam, hätte ich bei aller Hoffnung so nie zu träumen gewagt“, so Jürgen Egle im Rückblick. Nur fünf Monate nach seinem Unfall saß er das erste Mal auf einem Monoski, 1995 wurde er anlässlich der anstehenden WM in Lech ins Nationalteam berufen und fuhr prompt in die Top Ten. „Eine super Truppe! Mit Klaus Salzmann, Thomas Bechter, Rudi Jochum, Wolfgang Wimmer und mir war Vorarlberg am stärksten vertreten und wir pushten einander zu immer noch besseren Leistungen. Irgendwann war ich dann schneller als mein Vorbild Klaus, das vergesse ich nicht mehr. Seinen Tipp, verkopf dich nicht, lass laufen und merke dir nur die schwierigen Passagen, den hatte ich mir zu Herzen genommen!“ Was folgte, ist österreichische Sportgeschichte: Jürgen Egle wurde nicht nur Weltmeister (2009, Korea), Paralympic-Sieger (1998, Nagano) und mehrfacher paralympischer Medaillengewinner (2002, 2 x Silber in Salt Lake City; 2010, 1 x Silber in Vancouver; 2006, 2 x Bronze in Turin), er gewann auch Tennisturniere, nahm an der BasketballEM in Berlin teil und mit seinem RC ENJO Vorarlberg, dessen Obmann er mittlerweile ist, finishte er 2006 das legendäre Race Across America und doppelte 2010 mit dem Race Across Australia nach. Zusammen knapp 9000 Kilometer mit dem Handbike, Weltrekord!
Offen fürs Werden
„Zwischen Möglichkeit und Sein ist ein breiter Graben, ist noch viel möglich. Es muss nicht einmal ein Wunder sein, das noch eintreten kann, aber es kann auch ein Wunder geschehen, selbst >>
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Mittendrin in V © Franz Baldauf
© Regina Längle
© Christina Berlinger
„Wo Hoffnung ist, ist auch Sinn. Und die Chance auf ein erfülltes Leben in Zustimmung.“
Alfried Längle 22 |
das wird in der Hoffnung nicht ausgeschlossen. Man gibt allen Möglichkeiten, auch denen, die man nicht kennt und sogar den unwahrscheinlichen, eine Chance. – Darum ist Hoffnung keine Selbsttäuschung, kein Abwehrmechanismus und auch keine Illusion, weil sie auf diese Wahrheit Bezug nimmt“, so Alfried Längle, wenn er „Hoffnung ganz nüchtern betrachtet“. Was nicht ist, ist noch nicht. Also kann noch vieles werden.
Hoffnung schenken
„Ich glaube, dass jeder Mensch seine Aufgabe hat und dass er früher oder später draufkommt, was diese Aufgabe ist“, sagt Jürgen Egle. „Für mich ist es die Aufgabe, Menschen den Wert des Lebens zu zeigen, gerade auch, wenn im Moment alles wertlos und sinnlos erscheinen mag. Irgendwie hat mir der Unfall mein Leben in all seinen Möglichkeiten eröffnet. Ich habe die ganze Welt bereist, habe nie erträumte sportliche Leistungen geschafft, unglaublich starke und liebevolle Menschen kennengelernt. Es ist nichts so schlecht, dass darin nicht auch was Gutes steckt. Darauf dürfen wir hoffen, da bin ich mir sicher.“ Und Alfried Längle: „Wo Hoffnung ist, ist auch Sinn. Und die Chance auf ein erfülltes Leben in Zustimmung.“
Jürgen Egle ... geb. 1971, ist gelernter Mechaniker im Maschinenbau. Beim SCR Altach durchlief er als Tormann alle Nachwuchsstationen und war auch beim historischen Aufstieg in die zweite Bundesliga 1990/91 mit von der Partie. Er war der erste Angestellte in der Geschäftsstelle des SCR Altach, wo er auch heute noch vormittags arbeitet. Zudem durchlief er beim Land Vorarlberg administrative Positionen in der Bildung und in der Abfallwirtschaft. Seit 17 Jahren ist er mit Freundin Christine liiert und nach seiner aktiven sportlichen Karriere widmete er sich dem Tauchen und vor allem seinem sozialen Engagement beim RC ENJO Vorarlberg (www.rohlstuhlclub. at) und der Weihnachtsbenefizinitiative „Lichtblicke Altach" (www.lichtblicke-altach.at).
... geb. 1951 in Götzis, ist Psychotherapeut, klinischer Psychologe, Arzt für Allgemeinmedizin und psychotherapeutische Medizin, Professor an der Wirtschaftshochschule Moskau, Gastprofessor an der SigmundFreud-Universität Wien, Dozent am Institut für Psychologie der Universität Klagenfurt und Gastprofessor an der Universität St. Gallen. Von 1982 bis 1991 arbeitete er eng mit Viktor Frankl zusammen und begründete in dessen Auftrag die Ausbildung in Existenzanalyse und Logotherapie. Er war langjähriger Präsident der Internationalen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse (GLE-International). Weitere Informationen zu ihm und seiner Arbeit unter www.laengle.info
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Abwarten und Limonade trinken Feiner Sirup aus sizilianischen Zitronen
Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com
Das Jahr beginnt im Probelokal mit einer kulinarischen Alliteration: Zitronen, Zucker, Zitronensäure und Zeit – das sind die Zutaten des ersten Rezeptes dieses Jahres. Nachdem sich im Sommer noch weitgereiste Zitronen aus Peru oder Südafrika im Supermarkt breitmachten, sind es im Winter endlich wieder reife Früchte aus dem südlichen Europa. Kürzlich habe ich ein paar Bio-Zitronen aus Sizilien entdeckt, deren aromatische Schalen ich zu einem Vorrat an Sirup verarbeitet habe. Denn gute Zitronenlimonade erhellt die nasskalten Wochen bis zum Frühjahr. Vielleicht hilft sie sogar ein wenig, das Superwahljahr 2024 würdevoll zu überstehen. Schließlich wird heuer in Österreich, in Europa oder auch in den USA gewählt. Gut möglich, dass die Extremisten Überwasser bekommen. Dann werden sie kräftig an vielem sägen, was mir in unserer – trotz aller Unzulänglichkeiten liebgewonnenen – liberalen Demokratie wichtig erscheint: Rechtsstaat, Pluralismus und Sozialstaat zum Beispiel. Ich brauche keinen sogenannten starken Mann da oben, der herumpöbelt und die Zeit zurückdrehen will. Vielleicht ist das ein Anfangsrezept bei Unzufriedenheit, Misstrauen und Sorge: Abwarten und Limonade trinken. Und wer weiß, möglicherweise wird 2024 ja besser, als es derzeit aussieht.
Zutaten: • 4 große oder 6 kleine Bio-Zitronen • 50 g Zitronensäure • 1,5 l Wasser • 2 kg Zucker
Zubereitung: Zitronensäure und Wasser in einer großen Keramikschüssel verrühren, bis sich die Säure auflöst. Zitrusfrüchte heiß waschen und trocknen, Schale fein ins Wasser reiben. Zucker einrühren und einige Tage im Freien stehen lassen. Täglich ein- bis zweimal gut umrühren. Wenn sich der Zucker nach einiger Zeit aufgelöst hat, ist der Sirup fertig. Abseihen und in sterilisierte Flaschen abfüllen. Die verbliebenen Zitronen auspressen, den Saft in einer Flasche im Kühlschrank aufbewahren und in den kommenden Tagen für Soda-Zitron oder zum Kochen verwenden.
Musiktipp: Rund um den Jahreswechsel habe ich das Album „Dripfield“ von Goose entdeckt. Die Jam-Band aus Connecticut bezeichnet ihren Stil als „Indie-Groove“. Die Lieder des Albums haben sich in meinen Ohren festgesetzt, insbesondere das mitreißende „Hungersite“. Das Album dürfte mich weit ins Frühjahr hinein begleiten. Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com
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Mittendrin in V Mit dem Bild „Am liebsten trage ich ein Bügelbrett“ hat Christine Lederer 2019 den Hypokunstpreis Vorarlberg gewonnen. Fotograf Mark Mosman © Christine Lederer
Spezialistin für Tragikomik
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Als Künstlerin und alleinerziehende Mutter sei sie eine gefährdete Spezies, sagt Christine Lederer (47). Die Bludenzerin ist eine der pointiertesten Kunstschaffenden des Landes mit einem glasklaren feministischen Blick auf die Gegenwart. Welche Themen ihr bei der Kunst wichtig sind und warum Kunst für sie eine soziale Verantwortung trägt, erzählte sie der marie im Vorfeld ihrer zweiten großen Einzelausstellung in Deutschland. Text: Brigitta Soraperra Fotos: Petra Rainer
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ufgewachsen ist Christine Lederer als Arbeiterkind in Braz, im Klostertal, gemeinsam mit einer jüngeren Schwester, der Vater Lokführer, die Mutter Hausfrau. Sie erinnert sich an Bilder von sich aus der Kindheit „mit Spitzenkragen und bei Gruppenfotos immer am Rand stehend“. Schüchtern sei sie gewesen, unauffällig, aber als Kind schon strebsam. Bereits früh habe sie viel und gerne gezeichnet. Dennoch wünschten die Eltern nach ihrer Matura an der HLW Rankweil, dass sie „etwas Richtiges“ lernt, „etwas, das Geld bringt“, also „keinesfalls Kunst“. Der einzige kunstaffine Verwandte war ein Uronkel, ein Kunstschmied. „Er galt als schwarzes Schaf der Familie, der es zu nicht viel gebracht hatte und verarmt gestorben ist“, erzählt Christine Lederer in ihrem Atelier in der Sturnengasse in Bludenz. „Aber die elterliche Vorgabe hatte auch ihr Gutes: Alles, was ich geschafft habe, geschah selbstermächtigt. Ich habe immer mein eigenes Geld verdient, meine beiden Studien habe ich mir selber finanziert.“ So arbeitete sie nebenher in einem Werbebüro in München, als sie ein vierjähriges Grafikstudium in Augsburg absolvierte. Die Diplomarbeit reichte sie als Mappe erfolgreich an der Kunsthochschule in München ein, nachdem ein Professor sie dazu motivierte. „Du brauchst schon Menschen, die dich unterstützen, die an dich glauben, Mentoren und Mentorinnen, die dein Potential erkennen, die mehr sehen, als du, weil du kennst ja diese Kunstwelt nicht“. Das Kunststudium eröffnet der jungen Grafikerin neue Welten. „Es war ein System mit viel Freiheit. Es gab aber auch regelmäßige Besprechungen unserer Arbeiten untereinander, bei denen man auseinandergenommen wurde“, schmunzelt Christine Lederer rückblickend, „das
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Kunst ist für mich das große Auspro-
bieren: mich und das Publikum auszuprobieren, eine Sprache finden, mich in den Körper des Gegenübers zu bohren.
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Es ist ein Sog. Es gibt eine vehemente
innere Stimme, die mich antreibt, durch die Kunst lerne ich, die Welt zu verstehen.
war trotzdem Inspiration pur“. Sie habe diesen Austausch genossen, den Zugang zu einer intellektuellen Welt, auch die Anonymität und das Leben in der Großstadt, die Kunstreisen nach Athen, London oder nach Istanbul. Daneben ging sie weiterhin ihren „Brotjobs“ nach, zunächst in der Agentur, später als selbständige Grafikerin. Zum Einschnitt wurde nach zwei Jahren an der Akademie eine ungeplante Schwangerschaft. Als junge Mutter verlagerte Christine Lederer ihren Wohnsitz zurück nach Vorarlberg, wo sie auf familiäre Unterstützung zählen konnte. Von hier aus verfolgte sie ihr Studium weiter und schaffte 2012 den Abschluss, trotz des enormen Spagats zwischen Kleinkind, Erwerbsarbeit und Ausbildung. Ohne ihre Eltern und die Großeltern väterlicherseits ihres kleinen Sohnes wäre das nicht möglich gewesen, gibt Christine Lederer unumwunden zu, dafür sei sie heute noch dankbar, auch wenn sich deren Verständnis für ihr Leben als Künstlerin in Grenzen halte. „Wie bei vielen anderen Menschen hierzulande auch“, bemerkt die Mutter eines heute 16-jährigen Jugendlichen mit Bedauern. „Es war immer ein Kampf gegen Windmühlen. Ich habe mich jahrelang dabei beobachtet, wie ich mir erlauben musste, Kunst zu machen. Das ist ein enormer Energieverlust, ein Reibungsaufwand, aber so sind wir groß geworden, ganz viele in meiner Generation.“ Mit „so“ meint sie auch das Credo der Vorarlberger Arbeitsmoral: „Du musst schaffa, schaffa, schaffa, bis zur Verausgabung, dann wirst du was.“ Diese „Selbstoptimierung“, die sitze bei vielen aus ihrer Generation ganz tief drin. „Auch mich hat das stets angespornt, sonst hätte ich nicht so viel arbeiten können“, sagt die heute 47-Jährige, „es hat mich aber auch sehr müde gemacht“. >>
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Christine Lederer, geboren 1976 in Bludenz, studierte zwischen 1999-2004 Kommunikationsdesign in Augsburg, anschließend absolvierte sie das Studium Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, das sie 2012 mit dem Diplom abschloss. Sie hat an zahlreichen Gruppenausstellungen teilgenommen, die Ausstellung in Rosenheim ist ihre achte Einzelausstellung. Performances und Aktionen sind ebenso Teil ihrer künstlerischen Arbeit wie Tätigkeiten als Kuratorin. Auszeichungen: DAAD Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender, Hypokunstpreis Vorarlberg. www.christinelederer.at 26 |
Denn obwohl Christine Lederer mittlerweile zu den renommiertesten Künstlerinnen des Landes zählt, und auch die erste Vorarlbergerin überhaupt ist, die es mit einer Installation und einer Performance ins Kunsthaus Bregenz geschafft hat, kann sie allein von ihrer Kunst nicht leben. Ein Schicksal, mit dem sie nicht alleine ist, wie eine im vergangenen Frühjahr veröffentlichte Studie zu den Lebens- und Einkommensverhältnissen der Vorarlberger Kunstschaffenden mit erschütternden Zahlen belegte: Wer im reichsten Bundesland Österreichs Kunst macht, lebt – auch wenn akademisch ausgebildet – nicht selten sogar unter der Armutsgrenze. „Ganz besonders prekär ist die Situation als Alleinerziehende“, weiß Christine Lederer aus eigener Erfahrung und nennt sich daher „eine gefährdete Spezies“. Zugute kommen ihr regelmäßige Grafikaufträge. Was sie es trotzdem dranbleiben lässt? „Es ist ein Sog. Es gibt eine vehemente innere Stimme, die mich antreibt, durch die Kunst lerne ich die Welt zu verstehen“, sagt sie. Ihr Gehirn sei ständig in Bewegung: „Meine Gedanken müssen durchs Schreiben, durchs Zeichnen abgelegt werden, und irgendwann kommt dann Kunst heraus“. Im Booklet zu einem ihrer größten Ausstellungserfolge, der tragikomischen Schau „Alle Frauen sind immer daheim“ im Jahr 2018 in der Lustenauer Galerie Hollenstein (heute DOCK 20), in der sie mit dem Werk der Feldkircher Künstlerin Anne Marie Jehle (1937-2000) in einen künstlerischen Dialog trat, formuliert sie es so: „Kunst ist für mich das große Ausprobieren: mich und das Publikum auszuprobieren, eine Sprache finden, mich in den Körper des Gegenübers zu bohren.“ Hinter diesem „Hineinbohren“ liegt für sie ein Auftrag: „Ich glaube schon, dass man der Gesellschaft etwas gibt, wenn man kunstschaffend ist. Etwas zum Nachdenken, zum Mit-Nachhause-Neh-
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Wenn Nacktheit in un-
serer Zeit provoziert, dann kenn ich mich nicht mehr aus. men, manchmal auch nur etwas zum Lachen, auch das ist okay. In meinem Fall ist es die Reflexion, die Aufforderung zur Reflexion.“ Christine Lederer versteht sich als Mahnerin, die mit ihrer Kunst gerne Tabuthemen, blinde Flecken und soziale Ungerechtigkeiten aufgreift, denn „in Zeiten wie diesen ist es wichtig, dran zu bleiben, aufzuzeigen, Irritationen auszulösen“. Nicht umsonst heißt ihre Arbeit im KUB „reiß dein Maul auf “ und ist die Aufforderung zu Selbstermächtigung und zu einer Unterstützung unserer Mitmenschen und Hilfesuchenden. Aber auch andere gesellschaftlich brisante Themen beschäftigen die Bludenzerin, vornehmlich solche, die als „weiblich“, als „feministisch“ gelten. Dabei ist sie ihrer Schwester im Geiste, Anne Marie Jehle, tief verbunden, obwohl sie diese vor der gemeinsamen Ausstellung in Lustenau gar nicht kannte. Beide beschäftig(t)en sich mit dem spezifischen Vorarlbergertum, mit dem „Ghörig si“, mit traditionellen Rollenbildern und der häuslichen (Familien-)Idylle, für die nach wie vor Frauen einen hohen Preis zahlen. Christine Lederer thematisiert ihr eigenes Leben als Frau in einer patriarchalen Gesellschaft, die Zerrissenheit zwischen Muttersein und der Sehnsucht nach Unabhängigkeit und einem selbstbestimmten Leben. Und sie thematisiert immer wieder Sexualität, Körperlichkeit, Begehren, und zwar auf eine Weise, wie es für Frauen hierzulande in vielen Kreisen noch als „ungebührlich“ gilt. Weibliche und männliche Geschlechtsteile sind allgegenwärtig in Christine Lederers Kunst, in ihren Zeichnungen, als Objekte und für die aktuelle Ausstellung im Kunstverein Rosenheim auch als „CANDY DREAMS“, in Form von Glasskulpturen. In ihren Performances und Fotografien setzt sie
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Ich glaube schon, dass man der Gesellschaft
etwas gibt, wenn man kunstschaffend ist. Etwas zum Nachdenken, zum Mit-Nachhause-Nehmen,
auch immer wieder ihren eigenen nackten Körper ein. Geht es dabei um Provokation? „Wenn Nacktheit in unserer Zeit provoziert, dann kenn ich mich nicht mehr aus“, antwortet sie. „Es ist etwas Natürliches und ich lege mit meiner Kleidung ein Schutzschild ab und zeige mich verletzlich. Das ist für mich der Hintergrund. Die Provokation sehe ich mehr in meinen Texten oder den Titeln meiner Arbeiten.“ Christine Lederers künstlerische Mittel reichen von der Installation über die Fotografie zur Performance. Mit Vorliebe kreiert sie skurrile Objekte, oft aus sogenannt „weiblichen“ Materialien wie Nylonstrümpfen, Geschirrtüchern, Porzellan. Das Zeichnen bildet den roten Faden. „Auch wenn ich durch Erziehungsalltag und existentielle Nöte rausgekickt werde aus der künstlerischen Arbeit, das Zeichnen hat mich immer bewahrt und ich habe mir das Zeichnen bewahrt“, erklärt sie. Und den Humor, der ist sozusagen ihr Markenzeichen. Auf der Fotografie, mit der sie 2019 den Kunstpreis der Hypo Bank Vorarlberg gewonnen hatte, steht sie nackt hinter einem riesigen türkis-weiß-gestreiften Bügelbrett. Das Bild trägt den Titel „Am liebsten trage ich ein Bügelbrett“ und ist in der aktuellen Ausstellung des Frauenmuseum Hittisau zum Thema „Putzen“ zu sehen.
manchmal auch nur etwas zum Lachen, auch das ist ok. In meinem Fall ist es die Reflexion, die Aufforderung zur Reflexion.
Kunstverein Rosenheim: CANDY DREAMS – Einzelausstellung Christine Lederer Dauer: 27.1. bis 3.3.2024 Eröffnung: Fr, 26.1.2024, 19 Uhr Künstlerinnengespräch: So, 3.3.2024, 11 Uhr www.kunstverein-rosenheim.de
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Was hat der Klimabonus mit dem Grundeinkommen zu tun?
Text: Daniela Egger, Foto: Alexander Richter
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Helmo Pape (51) kam als Derivatehändler in der Finanzkrise 2008 mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) in Berührung und nicht mehr davon los. Er gründete nach der Schweizer Volksabstimmung zum BGE 2017 die Generation Grundeinkommen Österreich und initiierte 2020 ein erfolgreiches Volksbegehren dazu. Er arbeitet seitdem mit Universitäten und in seinem Verein an der Forschung zu dem Thema, an dem er anfangs sehr gezweifelt hatte – ein Gespräch mit Daniela Egger. marie: Helmo, wir beide vermuten, dass das Grundeinkommen irgendwann kommt – die Frage ist, wann? Wie ist deine Prognose zur Einführung in Österreich? Helmo Pape: Je nachdem, welche Krisen uns ereilen, kann es schnell gehen. Wer hat einen Monat vor dem Fall der Berliner Mauer gewusst, dass sich Europa nach 1989 so stark verändern wird? Wer hat 2000 an den Euro geglaubt? Wer hat 2020 gedacht, dass wir mal alle Hotels zusperren und die Luftfahrt weltweit einstellen? Ich sehe eine Zukunft, wo Historiker sich fragen werden, wieso wir überhaupt so lange für das BGE gebraucht haben. Wie bist du auf das Thema gestoßen? Ich war in Wien bei einer Großbank im Devisenhandel, als 2008 Lehman in USA pleite ging. Es war die Hölle los, es war über Monate nicht klar, welche Banken die Finanzkrise überstehen würden, ob der Euro überlebt. Ich bin davon ausgegangen, dass es einen Notfallplan gibt. Als ich bemerkte, dass dem nicht so ist, habe ich angefangen, zu Lösungen zu recherchieren und hatte irgendwann das Buch „Einkommen für alle“ in den Händen. Ich dachte zunächst, das wäre ein Roman, das könne nur ein Scherz sein. Ich wollte die Argumentation des Unternehmers und Gründers Götz Werner widerlegen, der sagte: „Man kann Arbeit nur bezahlen, wenn man sie bewerten kann. Doch wie soll man die Arbeit einer Mutter, einer Richterin, einer Lehrerin bewerten?“ Ich habe herumgerechnet und bald
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war klar: Man kann Arbeit nicht objektiv bewerten, ergo nicht objektiv bezahlen. Dann schrieb er: „Einkommen ermöglicht Arbeit!“. Von dieser Seite hatte ich das noch nie gesehen – Einkommen nicht als Ergebnis, sondern als Voraussetzung für meine Arbeit. Das hat mich überzeugt. Erst muss ich leben, dann kann ich arbeiten. Beim Auto gilt ja auch: Erst tanken, dann fahren. Wie ging es nach dieser Erkenntnis weiter? Ich habe mich weiter damit beschäftigt und dann die Bank verlassen, um meine kranke Mutter zu betreuen – auch aus der Erkenntnis, dass wir viel mehr Arbeit machen wollen, als bezahlt wird. Einige Jahre später, nach ihrem Tod, war im Juni 2016 die Volksabstimmung zum BGE in der Schweiz. Das war für mich der Anlass, mit Freunden die Generation Grundeinkommen Österreich zu gründen. Seitdem bin ich hauptberuflich und mit Engagement dahinter, mehr über das Thema zu lernen und zu helfen, dass es in die öffentliche Debatte kommt. Ich habe durch Steuer- und Wirtschaftsexpert:innen verstanden, wie gut ein BGE für eine Volkswirtschaft wirken könnte, wenn man es richtig gestaltet. Der Name löst jedoch Unverständnis aus, was ich verstehen kann. Mir ging es ja genauso. Aber den Klimabonus kann man gut erklären, der klingt gut und ist quasi der erste Schritt zum Grundeinkommen, weil er ähnlich funktioniert. Kannst du das Prinzip kurz erläutern? Die Idee war zunächst, die Umweltverschmutzung damit zu verringern, dass Abfall, Abwasser und mit CO2-Steuern auch Abgase mehr kosten sollen. Nun zahlen zum Beispiel beim Tanken alle gleich viel Steuer pro Liter Sprit, was verbrauchsstarke Lebensstile mehr Steuern beitragen lässt, aber wie kommt die arme Pendlerin, die ohne Auto aufgeschmissen ist, zum Geld für die Mehrkosten? Der Gedanke ist simpel und unbürokratisch: Man gibt allen Menschen einen gewissen Geldbetrag als Klimabonus zurück. Wer wenig verbraucht, hat einen kleinen finanziellen Vorteil und ein verbrauchsintensives Leben wird nun trotz Klimabonus teurer. Mit so einem Bonus kann man jede Massensteuer sozial gerecht ausgestalten.
„MAN KANN ARBEIT NUR BEZAHLEN, WENN MAN SIE BEWERTEN KANN. DOCH WIE SOLL MAN DIE ARBEIT EINER MUTTER, EINER RICHTERIN, EINER LEHRERIN BEWERTEN?“
Und wie führt jetzt der Klimabonus zum Grundeinkommen? Warum beim Klimabonus aufhören? Könnten wir nicht alle Steuern, die der Staat braucht, um zu funktionieren, statt über Arbeit und Einkommen aus Verbrauch und Konsum finanzieren? Das müsste doch Arbeit endlich günstig machen, wenn Maschinen und Billigimporte in die Steuerbasis einbezogen würden. Außerdem wäre eine Steuer, die alle zahlen, gut gegen die Spaltung der Gesellschaft. Konsum als Hauptsteuerquelle? Ginge das? Ja, das ginge! Wie wird das sozial gerecht? Der bürokratische Weg wäre, dass du dem Finanzministerium schreibst, was du gekauft hast und einen Teil der bezahlten Steuern zurückbekommst. Ein Bürokratiemonster. Wir wissen, dass jeder Mensch konsumieren muss, um zu leben. Also zahlt der Staat für den Konsum der Grundbedürfnisse bürokratiefrei allen, die hier dauerhaft wohnen, ein GrundEinkommen. Wer mehr konsumieren will, kann sogar steuerfrei dazuverdienen und zahlt dann über die Konsumsteuern in den Preisen wieder mehr zurück an den Staat. Einfach, oder? Für die Idee des BGE ist der Klimabonus der Testlauf – wir sehen, unser Staat ist in der Lage, Geld an alle auszuzahlen. Das gelingt fast perfekt. Sogar Obdachlose konnten einen Wohnsitz bei Verwandten oder Notschlafstellen melden und auch ohne Konto den Klimabonus mit der Post bekommen – in Deutschland ist das Klimageld mit der gleichen Idee noch nicht gelungen. Es ist ökologisch klug, den Konsum anstatt dem Einkommen zu besteuern und eine Steuergutschrift auszuzahlen. Diese kann wie der Klimabonus bedingungslos sein, denn jeder Mensch, der hier lebt, konsumiert. Viele Fragen sind noch zu klären: Von welcher Höhe sollen wir ausgehen, gönne ich das meinen Mitmenschen überhaupt? Dafür sind die Diskussionen erst am Anfang, es wird noch viele Artikel und Berichte brauchen, um Mehrheiten zu finden. Dennoch: Eine ökologisch und sozial weit bessere Zukunft ist greifbar nahe. Hältst du das für realistisch? Nun, wir erleben drei große Entwicklungen: Die eine ist die Digitalisierung. Also, wo soll mein Einkommen herkommen, wenn Kollege Roboter oder Kollege Algorithmus meine Arbeit >>
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„POLITIKER ERKENNEN ERST LANGSAM DAS DILEMMA, DASS WIR IN ÖSTERREICH HOHE ARBEITS- UND UMWELTSTANDARDS HABEN – ABER JEDEN SCHMARRN UNBESTEUERT ÜBER DIE GRENZE LASSEN.“
besser, schneller, billiger macht? Maschinen und deren Eigentum sollten Teil unserer Steuerbasis werden. Der zweite Trend ist die demografische Entwicklung. Wir werden älter, bekommen weniger Kinder und wollen kaum Zuwanderung. Das bedeutet, dass weniger Leute mit ihren Einkommenssteuern mehr Aufgaben finanzieren sollen, was immer schwieriger wird. Das dritte Thema ist die Globalisierung: Dass wir nicht jeden Menschen nach Österreich lassen können ist klar. Bei Waren ist das ähnlich: Billig-Importe haben in Vorarlberg viele Arbeitsplätze in der Textilindustrie gekostet, in Kärnten in der Schuhindustrie und seit Jahrzehnten sinkt die Zahl der Bauernhöfe im Wettstreit mit der globalen Landwirtschaft. Die Politik erkennt erst jetzt, dass der ungehinderte Import von Waren, der Freihandel, in Österreich Betriebe zwingt, zu automatisieren oder zuzusperren und das Land zu verlassen. Was meinst du wäre ein zukunftsfähiger Weg? Wir sollten forschen: Wie kann menschliche Arbeit in Österreich billiger sein, ohne Zwang zur Ausbeutung? Da wäre ein ausreichendes Grundeinkommen, finanziert über Konsumsteuern, unser Diskussionsbeitrag. Es wird uns hoffentlich bald gelingen die Wirtschaft zu überzeugen, dass ein BGE den Standort Österreich aus vier Gründen stärkt. Erstens: Du kannst mit Grundeinkommen ein Unternehmen oder ein Projekt leichter beginnen, weil deine Existenz bedingungslos gesichert ist. Zweitens: Dein Umfeld kann leichter bei dir einsteigen, wenn es deine Idee gut findet, weil alle ebenfalls bereits ein Einkommen haben und nicht volle Löhne und Steuern nötig sind, die das Ganze teuer und riskant machen. Drittens: Unternehmen zahlen erst Steuern, wenn sie etwas verkauft haben, nicht schon vorher, siehe Konsumsteuer. Viertens und wesentlich: Jeder Mensch hat Kaufkraft! Familien und größere Haushalte wären sogar im Vorteil, weil sie mehrere Grundeinkommen vereinen. Wie würde die Wirtschaft in so einem Umfeld agieren? Würden mehr regionale und ökologischere Produkte erzeugt, wenn diese billiger wären als Importware?
„WIR WAREN AUF DEM WEG AUS DER MAXIMALEN UNGLEICHHEIT DES FEUDALISMUS HIN ZU MEHR GERECHTIGKEIT UND UNGEFÄHR 1984 SIND WIR FALSCH ABGEBOGEN. SEITHER BEWEGEN WIR UNS WIEDER RICHTUNG MEHR UNGLEICHHEIT.“ Thomas Piketty, französischer Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Pariser Elitehochschule École des Hautes Études en Sciences Sociales.
Was wäre der nächste Schritt, ganz pragmatisch? Wir suchen dringend Unternehmen, die sich trauen, für die Idee eines Einkommens als Gründungsbonus, Beschäftigungsbonus, Steuerbonus und Konjunkturbonus öffentlich Partei zu ergreifen. Sie können sich bei uns über die Webseite www.füreinander.jetzt per E-Mail erkundigen. Ich garantiere, die politischen Akteure verstehen ganz bald, was zu tun ist, wenn die Wirtschaft Interesse zeigt. Das Grundeinkommen wäre eine der größten und nachhaltigsten Wirtschaftsförderungen, die Österreich je geplant hat. Dann wäre ein Bürger*innenrat zu dem Thema vom Wirtschafts- oder Sozialministerium einzusetzen. Viele Details wie die Höhe, die Einführung, die Finanzierung, die Rahmenbedingungen, die Alternativen müssten in diesem Rat erarbeitet werden – das wäre mein Wunsch für die nächsten zwei Jahre an die berühmte Fee. Wie hoch würdest du es ansetzen, wenn du die Fee wärst? Der Betrag muss ausreichen, um „Nein“ sagen zu können, aber ein Grundeinkommen soll kein ausschweifendes Leben bezahlen. Wir brauchen eine Balance zwischen Verbrauch und dem Grundrecht „ein menschenwürdiges Leben ohne Zwang zur Gegenleistung“ zu garantieren. Sicher finden wir in dem Rat gemeinsam den Betrag, den alle am wenigsten ungerecht empfinden. Ich schätze zwischen 1000 bis 1.00 Euro im Monat, wenn man abzugsfrei dazuverdienen kann. Danke für dieses Gespräch und viel Interesse für die weiteren Diskussionen.
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Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Lösung
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Für Fortgeschrittene
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S C HAC H E C K E Die Jugend-Weltmeisterschaft wurde in diesem Jahr vom 13. bis 24. November in der italienischen Stadt Montesilvano (rund 53.000 Einwohner) ausgetragen. Diese Stadt, etwas mehr als 200 Kilometer östlich von Rom liegend, hat durch ihre Strände und ihre besondere Lage einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Insgesamt kämpften 766 SchachspielerInnen (eine beeindruckende Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit 620 SpielerInnen) in sechs unterschiedlichen Kategorien (U18, U16 und U14 – jeweils im „Open“ und in der Kategorie „Mädchen“), um die begehrten Weltmeistertitel bzw. Medaillen. Elf Runden wurden nach dem sogenannten Schweizer System gespielt und am Ende war zur großen Überraschung Polen die einzige Nation mit zwei Goldmedaillen. Die 20 TeilnehmerInnen aus Österreich hatten wie stets bei Weltmeisterschaften keinen leichten Stand. Allerdings erElena Wolf (Dornbirn) Timea Sele (Liechtenstein) Jugend-WM MU18, Montesilvano 2023 1
reichten die beiden Wiener FM Laurenz Borrmann (U16) und FM Lukas Dotzer (U14) beachtliche 7,5 Punkte und verfehlten knapp eine Platzierung in den Top Ten. Aus Vorarlberg nahmen die Dornbirnerin Elena Wolf in der Kategorie MU18 und der Hohenemser Benjamin Kienböck in der Kategorie U 18 teil. Für beide war es nicht die erste Weltmeisterschaft. Elena Wolf spielte jeweils gegen Elo-stärkere Spielerinnen und die Punkteausbeute hielt sich dementsprechend in Grenzen. Benjamin Kienböck erreichte respektable 50 Prozent der möglichen Punkte, wobei er selber mit seiner Leistung nicht ganz zufrieden war. Und nun bringen wir von dieser Jugend-WM noch drei Kombinationen und wünschen Ihnen beim Lösen viel Spaß.
Benjamin Kienböck (Hohenems) FM Martin Mena (Ägypten) Jugend-WM U18, Montesilvano 2023
Wie kann Weiß am Zug eine Figur gewinnen?
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Alberto Rotondaro (Italien) Benjamin Kienböck (Hohenems) Jugend-WM U18, Montesilvano 2023
Mit welcher Fortsetzung erreicht Weiß am Zug eine Gewinnstellung?
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Wie bringt Schwarz am Zug den schwarzen König zur Strecke?
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Ausgezeichnete inklusive Berufsausbildung
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Die Kathi-Lampert-Schule für Sozialbetreuungsberufe, Götzis, bietet seit 2012 eine Ausbildung an, die sich explizit auch an Menschen mit Lernschwierigkeiten richtet. Die „Integrative Behinderten Begleitung“, kurz IBB, bildet in inklusiven Settings zur Fach-Sozialhelferin bzw. zum Fach-Sozialhelfer aus. Was die Möglichkeiten einer „inklusive Berufsausbildung" angeht, übernimmt die Schule damit eine Vorreiterrolle und wurde dafür auch erst kürzlich mit dem Österreichischen Inklusionspreis gewürdigt. Wir haben uns mit Susanne Gstettner, die den Ausbildungszweig mit aufgebaut hat und ihn seit Anbeginn leitet, über die Hintergründe unterhalten. Interview: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Ursula Dünser
marie: Wie darf man sich das Konzept der IBB-Klassen vorstellen? Susanne Gstettner: Das Besondere ist, dass Studierende mit und ohne Lernschwierigkeiten gemeinsam in einer Klasse mit- und voneinander lernen. Menschen mit Lernschwierigkeiten bekommen ja oft erst gar nicht die Chance auf einen richtigen Beruf, weil es an Ausbildungsmöglichkeiten fehlt. Viele unserer Absolvent:innen hingegen finden einen Job in der Sozialbetreuung von Menschen im Alter, Menschen mit Behinderungen und im Kleinkindbereich. Können Sie uns dazu ein paar Zahlen nennen? Die Ausbildung dauert jeweils zwei Jahre, pro Zyklus nehmen wir bis zu vier Studierende mit Lernschwierigkeiten auf. Insgesamt haben seit Beginn 2012 21 Menschen die Ausbildung angefangen und alle 21 haben sie auch abgeschlossen. Zu 17 von ihnen habe ich noch Kontakt: 14 sind in einer Anstellung, zwei im Mutterschutz und eine ist in Pension. Was muss man mitbringen, um aufgenommen zu werden? Neben einem Nachweis der Lernschwierigkeit müssen alle Anwärter:innen einen Aufnahmetag durchlaufen und werden dabei auf ihre Sozialkompetenz getestet, sie müssen Gruppenaufgaben lösen und einen schriftlichen Aufnahmetest machen. Lesen und Schreiben ist also eine Voraussetzung – genauso wie die Bereitschaft, sich mit der eigenen Beeinträchtigung auseinanderzusetzen. Sich eigener Ausgrenzungs-Erfahrungen bewusst zu werden, hilft in der Beratung anderer Menschen mit Behinderungen, weil man sich besser in deren Lebenswelt versetzen Susanne Gstettner, Leiterin IBB kann.
Und welche Unterstützung bekommen Studierende mit Lernschwierigkeiten von Seiten der Schule? Ein verringertes Stundenausmaß, Unterricht in Leichter Sprache, Tutorenstunden, Teamteaching. Letzteres aber nicht mit Sonderpädagogen, sondern mit dem bestehenden Lehrpersonal der Schule, weshalb nie ein Gefälle entsteht in Richtung „deine/meine Schüler“. Das ist vielleicht überhaupt der wichtigste Punkt: Wir unterstützen uns gegenseitig und dadurch fühlt sich die ganze Schule verantwortlich, dass es mit der Inklusion klappt. Insofern haben wir direkt am Ausbildungsplatz ein super Lernfeld. Wir Lehrpersonen lernen, differenziert auf individuelle Lern-Bedürfnisse der Studierenden einzugehen. Etwas, das von unseren Absolvent:innen ja auch draußen, in ihren Jobs, verlangt wird. Für uns als Schule ist es spannend, selbst zu leben, wofür wir ausbilden. Da merkt man erst, was man alles neu denken und mitberücksichtigen muss. In welchen Einrichtungen finden die Absolvent:innen Beschäftigung? Großes Potenzial liegt in der Begleitung von älteren Menschen, vor allem jetzt, wo Sozialzentren so dringend Pflegepersonal brauchen. Gerade dort profitiert man enorm von der sozialen Kompetenz von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sehr viele sind auch im Kleinkindbereich tätig und übernehmen unterschiedlichste Aufgaben, angefangen von der Unterstützung der Pädagoginnen beim Jausnen bis hin zur Einzel- und Förderbegleitung. Welche Bedeutung hat der Österreichische Inklusionspreis für euch? Natürlich bedeutet er eine Anerkennung für unsere Arbeit, aber vor allem hoffen wir, anderen Schulen damit Mut zu machen, auch diesen Weg zu gehen. Es kann doch nicht sein, dass es für erwachsene Menschen mit Lernschwierigkeiten österreichweit nur eine einzige schulische Ausbildung* gibt, die eine tatsächliche Berufsausbildung ist. *Die IBB-Ausbildung ist im Lehrplan der Schulen für Sozialbetreuungsberufe verankert und wird auch in Salzburg und Graz angeboten.
Der Rucksack der Kinder Meine Erfahrung mit Gigagampfa®
„Meine Tochter ist sechs Jahre alt. Ein Alter in dem sie Dinge hinterfragt und einzuordnen versucht. Als ich hörte, wie sie mit ihren Puppen die Trennung von Mama und Papa nachspielt, bin ich unsicher geworden und habe sie bei Gigagampfa® angemeldet. In der Gruppe fühlt sich meine Tochter sehr wohl und geht wahnsinnig gerne hin. Ich habe ihr erklärt, dass dort Kinder sind, bei denen Mama und Papa auch nicht mehr zusammenwohnen. Das fand sie gut: Gleichgesinnte. Bezahlte Anzeige
© Achim Bieniek
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Preisverleihung Österreichischer Inklusionspreis in Wien; von links: Doris Köb-Hagleitner, Christoph Schindegger, Susanne Gstettner (alle Kathi-Lampert-Schule) sowie Jurorin und Moderatorin
Das Wichtigste in Leichter Sprache: Immer wieder gibt es Menschen mit Lernschwierigkeiten, die gerne Frauen und Männer mit Behinderung unterstützen. Dieses Interesse können sie zu ihrem Beruf machen. Die Ausbildung für Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten und sonderpädagogischem Förderbedarf heißt IBB: Integrative Behinderten Begleitung. Alle zwei Jahre für startet die Kathi-Lampert-Schule eine IBB Klasse für vier Studierende mit Lernschwierigkeiten. Diese werden zu Fach-Sozialhelfern ausgebildet. Diese Ausbildung dauert zwei Jahre und kann im Alter von 19 Jahren begonnen werden. Nach dieser Ausbildung kann in verschiedenen sozialen Einrichtungen gearbeitet werden. Während der Ausbildung arbeiten die Studierenden Teilzeit als Praktikanten und sind für 12-16 Stunden angestellt. Die IBB-Studierenden lernen oft gemeinsam mit anderen Studierenden in einer Klasse. Dabei werden sie von der Schule unterstützt und haben auch Vertiefungs-Stunden zum Lernen in Kleingruppen. Nächster Ausbildungszyklus ab Herbst 2024 (Anmeldeschluss 15. April 2024). Telefon 0 55 23 53 12 80, www.kathi-lampert-schule.at
Letztens kam sie heim und erzählte mir, dass sie die Wahl zwischen zwei Rucksäcken hatte. Sie wurde aufgefordert, zu wählen: Den schweren Rucksack, wenn sie es nicht OK findet, dass Mama und Papa nicht mehr zusammenleben. Der leichte Rucksack hingegen, wenn sie es OK findet, dass ihre Eltern getrennt sind. Sie hat sich für den schweren Rucksack entschieden. Mir wurde bei ihrer Erzählung auch ganz schwer. Ich habe sie fest in die Arme genommen und nichts gesagt. Sie hat Recht: Es ist schwer. Für uns alle.“ (Sandra, 37, alleinerziehend)
DSAin Martina Höber EFZ-Gigagampfa® +43 5522 74139 info@efz.at www.gigagampfa.at
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Begegnungsorte | Folge 8
Treffpunkt Begegnungscafé Pünktlich um 13 Uhr füllen sich die beiden Räume in der Mesnerstube in Rankweil neben der Basilika. Es kommen ausschließlich Frauen in das Begegnungscafé, die meisten von ihnen stammen aus Rumänien. Und sind derzeit im Rahmen der 24 Stunden Pflege für ihren Turnus in Rankweil und Umgebung.
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Text und Fotos: Daniela Egger
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ier in der Mesnerstube in Rankweil haben Luise Hotz und Cordula Wiedemann eines der ersten Begegnungscafés Vorarlbergs ins Leben gerufen, inzwischen folgen auch andere Regionen und eröffnen monatliche Treffpunkte für die 24 Stunden Personenbetreuerinnen. „Das ist mein Herzensprojekt“, sagt Luise Hotz. „Nachdem ich erfahren habe, dass es in Bürs bereits einen solchen Treffpunkt für diese Frauen gibt, habe ich dort einen Besuch gemacht und mir das angeschaut. Ein solches, regelmäßiges Treffen braucht es dringend und ich habe zuerst in Feldkirch angeklopft. Dort hat es aber leider nicht geklappt – während es in Rankweil mit Unterstützung des Krankenpflegevereins ganz leicht ging. Im September 2021 konnten wir starten“, erzählt die Pensionistin. Die Frage, ob sie aus dem Pflegebereich kommt, verneint sie: „Ich hatte nie etwas mit der Pflege zu tun. Ich wollte einfach meine Zeit sinnvoll nutzen, und kam wegen eines Artikels über die 24-Stunden Betreuerinnen auf den Gedanken, diesen Frauen einen Ort anzubieten zur Vernetzung und gegen die Einsamkeit.“ Für die Personenbetreuerinnen ist diese Einladung eine wichtige Wertschätzung, die sie noch viel zu wenig erfahren – wenn man bedenkt, wie sehr unser Pflegesystem auch von ihren Leistungen abhängt. Wenn sie kommen, stehen Kaffee und Kuchen bereit, die Tische sind schön dekoriert und sie werden mit großer Herzlichkeit begrüßt. Sie lernen sich kennen, tauschen Erfahrungen aus und bekommen wichtige Informationen von den anderen Betreuerinnen oder auch von den anwesenden Expert*innen. Da sie alle gezwungen sind, als Selbstständige tätig zu sein, gibt es immer wieder Fragen, die der Klärung bedürfen – kürzlich wurden sie deshalb mit einem Vortrag über die wichtigsten Informationen zur Sozialversicherung aufgeklärt und konnten Fragen direkt an einen Vertreter der Versicherung stellen. Auch die Leute vom Betreuungspool sind möglichst oft vertreten und helfen bei Problemen.
Jeden letzten Mittwoch im Monat findet für 24-Stunden-Personenbetreuer*innen aus der Pflegeregion Rankweil, Übersaxen, Meiningen im Mesnerstüble in Rankweil, Liebfrauenberg 8, von 13 bis 15 Uhr eine Möglichkeit zum Zusammentreffen statt. http://krankenpflegeverein-rankweil.at/begegnungscafe/
Beratungen finden auch mitten im Kaffeeplausch statt.
Initiatorin Luise Hotz (rechts) mit Cordula Wiedemann, die beiden Betreiberinnen des Begegnungscafés.
„Manchmal sitzt man zwischen den Stühlen innerhalb der Familienkonflikte“, erzählt eine der Frauen. Eine andere betont, wie nett und unkompliziert die meisten Familien sind, aber es gibt eben auch die anderen: „Manche Familien sehen uns als Untergebene. Wir sind nicht reich, aber dafür können wir nichts – unser Land ist nicht reich. Aber das bedeutet nicht, dass wir weniger wert sind.“ Wenn die Situation bei einer Familie zu belastend wird, greift die zuständige Regionalleiterin der Agentur ein und sucht eine neue Arbeitsstelle für die Betreuerin. Im Café wird jedenfalls trotz allem viel gelacht, man genießt die Zeit miteinander und den Austausch in der eigenen Sprache. Die Zeit ist knapp, die Frauen haben nur zwei Stunden Freizeit pro Tag. Je nach Anfahrtsweg müssen viele schon nach einer Stunde wieder aufbrechen. „Seit dem Café gibt es viel mehr Kontakt untereinander, jetzt kennen wir uns – das war früher überhaupt nicht der Fall. Wenn wir uns jetzt auf der Straße treffen, plaudern wir und haben Spaß miteinander. Wir haben nicht viel Zeit untertags, aber jede von uns beeilt sich, herzukommen. Ich komme jedes Mal“, erzählt eine weitere und verabschiedet sich mit einer innigen Umarmung bei Luise und ihren Mitstreiterinnen.
Mittendrin in V
#89 | Jänner 2024
Bildungshaus Batschuns Ort der Begegnung
Tut sterben weh? | PALLIATIV FORUM Vlbg. Dr. Otto Gehmacher, Palliativstation Hohenems Mo 22. Jän. 19.00 – 20.30 h | Ort: Bildungshaus Basiswissen für die Pflege daheim Beate Weber, DGKP in , Pflegeexpertin Di 30. Jän. 13.30 – 17.00 h Inner Development Goals – IDGs Neue Fähigkeiten für eine komplexe Welt Workshopreihe Jänner – Juni 2024
Start: Mi 31. Jän. 18.30 – 21.30 h Detailinfos: andrea.anwander@bhba.at #Frauensache – Schamlos schön Schluss mit wiegen, messen und normieren
Mag. a Dr.in Rebecca Sonnweber, Frauencoach Do 22. Feb. 19.00 – 21.30 h Lehrgang Biografiearbeit 2024 Vergangenes erinnern – Gegenwärtiges begreifen – Zukünftiges gestalten | in 4 Modulen
Start: Mi 15. Mai 15.00 h – Fr 17. Mai 15.00 h Detailinfos: karoline.klement@bhba.at Infos, Ort und Anmeldung: bildungshaus@bhba.at +43(0)5522 44290-0 | www.bildungshaus-batschuns.at Bezahlte Anzeige
LIEBE LESERINNEN UND MITARBEITERINNEN DER MARIE, für das kommende Jahr wünschen wir Ihnen Freude, Gesundheit und Zuversicht.
REPARATURCAFÉS CARLA REPARATURCAFÉ ELEKTRO ALTACH Möslestraße 15, 6844 Altach (carla Einkaufspark Altach) Jeden 2. Freitag im Monat von 13 bis 16.30 Uhr carla@caritas.at, T 05522 200 1520
REPAIRCAFÉ BLUDENZ
Klarenbrunnstraße 46, 6700 Bludenz (carla store) Jeden letzten Freitag im Monat von 13 bis 16.30 Uhr christine.erath@caritas.at, T 05552 200 26 00
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Vorklostergasse 51, 6900 Bregenz (Integra-Fahrradwerkstatt) Jeden 1. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr, T 0650 264 74 46, Roswitha Steger
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Hintere Achmühlerstraße 1b, 6850 Dornbirn (Digitale Initiativen) Jeden 3. Mittwoch im Monat von 17.30 bis 20.30 Uhr hallo@reparaturcafedornbirn.at
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Hirschgraben 8, 6800 Feldkirch (Polytechnische Schule) Jeden 1. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr info@reparaturcafe-feldkirch.at, T 0699 192 870 66
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Arlbergstraße 100, 6751 Innerbraz (Gemeindebauhof) Jeden 2. Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr info@klostertal-arlberg.at, T 0664 843 71 33
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Dr-Schneider-Straße 40, 6973 Höchst Jede gerade Kalenderwoche am Freitag von 14 bis 16 Uhr repaircafe.rheindelta@gmx.at
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Kirchstraße 8, 6822 Satteins (Untergeschoß Pfarrsaal) Jeden ersten Freitag im Monat 8.30 bis 11.30, 19 bis 22 Uhr
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Mittelschule Wolfurt, Schulstraße 2, 6922 Wolfurt Jeden 4. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr info@macherei-wolfurt.at, T 0650 567 25 10
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Gsi
Machtlos gegen Kräfte der Natur Im Jänner 1954 ereignete sich die bisher größte Lawinenkatastrophe in Vorarlberg. Innerhalb von zwei Tagen wurden im Großen Walsertal, im Bregenzerwald, im Klostertal und im Montafon 280 Menschen verschüttet, 125 kamen ums Leben. In den Schneemassen verendeten 500 Stück Groß- und Kleinvieh. 600 Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden zerstört. Wie konnte es dazu kommen?
B
Text: Gerhard Thoma, Fotos: E. Dobler
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is zum Weihnachtstag 1953 erlebten wir einen einmalig schönen Spätherbst, auf den Wiesen fand man verschiedenste Blumen. Am Heiligen Abend fielen die ersten Flocken“, erinnert sich Eugen Dobler, ehemaliger Volksschuldirektor in Blons und als Zeitzeuge Autor des Buches „Leusorg“, in dem er ausführlich die Ereignisse der Lawinenkatastrophe 1954 beschreibt. Doch plötzlich, ab dem 8. Jänner 1954, setzen in höheren Lagen heftige Schneefälle ein. Innerhalb von 24 Stunden fallen bis zu zwei Meter Neuschnee. Weil es davor relativ warm war, kann sich der Neuschnee nicht mit dem Untergrund verbinden – die Lawinengefahr wird extrem hoch. Allmählich gehen die Schneefälle in Schneestürme über, und was dann geschieht, ist mit einem Bombardement zu vergleichen: 400 Lawinen donnern am Sonntag, dem 10. und hauptsächlich am Montag, dem 11. Jänner, im Großen Walsertal, im Bregenzerwald,
„
Noch nie hat sich der Berg so furchtbar gerächt wie am 11. Jänner 1954.*
“
im Klostertal und im Montafon talwärts, bringen Tod und Zerstörung. In der Parzelle „Lutt“ in Bartholomäberg im Montafon muss der Jagdaufseher Josef Bitschnau am Montag um 12.10 Uhr mitansehen, wie eine Lawine sein Haus ausradiert: seine Mutter Rosina (65), seine Frau Rosa (32) und die beiden Söhne Magnus (6) und Hubert (1) sterben, nur sein Sohn Tilburt überlebt. Eine andere, 500 Meter breite Lawine vernichtet in der Nacht von Sonntag auf Montag zwei Doppelhäuser und vier weitere Häuser. Mehr als 30 Personen werden verschüttet, 14 sterben. Fast zeitgleich, am Montag um 0.30 Uhr, reißt die Muttentobellawine in Dalaas im Klostertal einen Zug mit fünf Waggons und einer 120 Tonnen schweren Lokomotive teils in die Tiefe. Ein Waggon liegt mit den Rädern nach oben, ein anderer wird 60 Meter mitgerissen. Der Zug war schon seit Montag um 6.30 Uhr früh in Dalaas eingeschlossen. Um 11 Uhr fiel die Heizung aus. Im Warteraum des Bahnhofs werden zehn Menschen getötet; 74 Personen, die in den Waggons waren, kommen mit Verletzungen davon. An der Westrampe der Arlbergbahn zwischen Bludenz und Langen gehen an diesem Tag 40 Lawinen nieder. Im Bregenzerwald krachen im Laufe des Montags 19 Lawinen in Wohnhäuser in Mellau. 35 Gebäude werden evakuiert, obwohl diese schon seit 300 bis 500 Jahren ungefährdet an Ort und Stelle standen. Auch in Hirschau/Boden, Schnepfau, Au und Andelsbuch gibt es zahlreiche Todesopfer. In Hittisau wird der Gasthof „Sippersegg“ vernichtet. Die ganze Familie Lipburger – Vater Josef (45), Mutter Hermine (45), Tochter Maria (16) und Sohn Josef (15) – kommt ums Leben, zudem der Knecht Franz
„ Man war sich der Gefahr völlig bewusst.*
“
Unele (45) aus Kärnten und die deutschen Urlaubsgäste Wilhelm Obert (37) und Franz Daun (45). Die meisten Todesopfer sind im Großen Walsertal zu beklagen. In Fontanella, Sonntag, St. Gerold, Raggal, Marul und Blons werden 164 Menschen verschüttet und verletzt, 80 getötet. Gerichtsmediziner Dr. Franz Holzner aus Innsbruck schreibt in seinem Gutachten: „Fast alle Leichen waren mit Arbeitszeug bekleidet. Einige Menschen, die Nachthemden trugen, waren von der Abendlawine im Bett überrascht worden.“
Zu viel Schutzwald gerodet
Obwohl der Mensch Naturgewalten oft von vornherein hilflos ausgeliefert ist, gibt Heimatkundler Eugen Dobler in einer kritischen Aufarbeitung der Katastrophe auch menschliche Fehler im Umgang mit der Natur zu bedenken: „Schon vor der großen Katastrophe war man sich in Blons der Gefahr völlig bewusst.“ Im Laufe der Zeit seien nämlich nicht nur im Großen Walsertal wichtige Schutzwälder abgeholzt worden, um Lebensraum für Menschen und Platz für die Viehhaltung zu schaffen. Schon vor über 500 Jahren sei dieses Problem bekannt gewesen. Immer wieder wurden
#89 | Jänner 2024
Der Neuanfang war schwierig, die Anteilnahme an der Katastrophe enorm. Sogar die Regierungen von Ägypten, Uruguay, Kolumbien, Kanada und Neuseeland bekundeten ihr Beileid.
Die Wucht einer Lawine hat diesem Haus den zweiten Stock samt Dach buchstäblich abrasiert.
Alle lawinengeschädigten Familien wurden von der Bevölkerung in ganz Österreich und dem Ausland großherzig unterstützt. Es gab Bezugsscheine für Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Möbel und Geschirr. Landwirte erhielten Obstpressen, Mostfässer, Handwagen, Jauchepumpen, Leitern, Werkzeuge, Motoren, Geld zum Ankauf von Vieh und vieles mehr. Suche nach Verschütteten im meterhohen Schnee.
Rodungsverbote verhängt – und ebenso oft aufgehoben, relativiert oder ignoriert. Bittere Erfahrung machte diesbezüglich etwa das Montafon. Am 2., 3. und 4. Februar 1689 prasseln Lawinen über Gaschurn, Gortipohl, Bartholomäberg und Silbertal hinweg. 300 Menschen werden unter Schneemassen begraben, 120 können nur noch tot geborgen werden. 120 Häuser und 700 Stallungen werden zerstört, 360 Kühe und Rinder, 600 Ziegen und Schafe getötet sowie 1800 Obstbäume vernichtet. So habe auch die Lawinenverbauung in Blons im Jahr 1954 „ein trauriges Bild“ geboten. Dobler: „Die Terrassen waren zum Teil eingefallen, die Schneerechen hatten sich aus den Verankerungen gelöst, und mit den Naturgewalten hatte sich der Unverstand einiger verbündet, die von der ohnehin wirkungslosen Verbauung Eisenmaterial holten.“ Ironie der Geschichte: Am 2. Jänner 1954 – also neun Tage vor der Katastrophe – beschloss die Gemeindevertretung von Blons, in der Alpe Hüggen von Josef Bischof die Weiderechte zu erwerben, um die dringend notwendige Lawinenverbauung und Aufforstung zu ermöglichen. „Noch nie“, so Dobler, „hat sich der Berg so furchtbar gerächt wie am 11. Jänner 1954.“ Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat alle Hände voll zu tun, um größere Katastrophen zu verhindern und wirtschaftlichen Interessen, etwa in Skigebieten, entgegenzukommen. * Zitate: Eugen Dobler (1910 – 2011), Zeitzeuge aus Blons
Überlebt: Gretl Erhart aus Blons hält den 2-jährigen Sebastian Müller in den Armen. Der Bub konnte in letzter Minute aus seinem zertrümmerten Elternhaus geborgen werden.
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Edwin und Armin Türtscher im kalten Schnee beim tiefverschneiten Friedhof in Blons. Daneben Mesner Josef Bischof.
Leichen im Großen Walsertal wurden in einem Massengrab ohne Sarg beigesetzt: vier Schichten übereinander, in drei Längen und je drei nebeneinander. Kleinkinder liegen in den Zwischenräumen.
Eugen Dobler, „Leusorg im Großen Walsertal – die Lawinenkatastrophe 1954“, Selbstverlag Eugen Dobler, Blons 1982.
Veranstaltungskalender
08.01.
Sa., 14 Uhr, Kunsthaus, Bregenz
(6-11 Jahre)
Atelierbesuch bei Edgar Höscheler, Architekt und Künstler; Einblicke in Sammlung und Arbeitsweise
KINDERYOGA
VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at
—
09.01.
Di., 16.30 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
KINDERYOGA
in Begleitung (3-5 Jahre)
04.01.
Do., 18 Uhr, Kunsthaus, Bregenz
KUB NIGHT
Ab in den Feierabend! Jeden ersten Donnerstagabend im Monat ist der Eintritt ins KUB ab 18 Uhr frei!
—
04.01.
Do., 19.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
CINEMA SABAYA
Film
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04. - 07.01.
Do., jeweils 20 Uhr (bzw. sonntags 17 Uhr), Theater Kosmos, Bregenz 38 |
DIE BAGAGE VON MONIKA HELFER
Gastspiel
—
05.01.
Fr., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
AJA SOUL
White girl from the mountains Neujahrsjazzfestival 2024
—
05.01.
Fr., 20.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
ALMOST DONE
Krebshilfe Benefizkonzert
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06./13./14./21.01.
Sa., jeweils 15 Uhr, Kammgarn, Hard
PRINZ HIMMELBLAU MUSS HEIRATEN
Puppentheater Hard, Kinder
—
07.01. 20.01.
So., 10 Uhr Sa., 15 Uhr Jüdisches Museum, Hohenems
A PLACE OF OUR OWN. VIER JUNGE PALÄSTINENSERINNEN IN TEL AVIV
Öffentliche Führung zur aktuellen Ausstellung
—
13.01.
Mo., 17 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
—
10.01.
Mi., 19 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
LITERATURKREIS FÜR SACHBÜCHER
Lesung/Diskussion
—
10.01.
Mi., 19 Uhr, Remise, Bludenz
LEINWANDLOUNGE: THE LOST KING
Kino, Engl. O.m.U.
—
11.01.
Do., 14.30 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
NADEL & FADEN
11.01.
Do., 19 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
LET'S TALK MONEY – SELBST IST DIE FRAU
Workshop
—
11.01.
31.01.
Do., & Mi., jeweils 19.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
BACK TO THE FATHERLAND
Eine Filmvorführung des Stadtmuseums Dornbirn in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems
—
12.01.
Fr., 18.30 Uhr, Löwen, Bludenz
HERZ UND ZAUBER DAS MAGISCHE DINNER
Zauberei und Kulinarik
—
12.01.
Fr., 20 Uhr, Spielboden, Dornbirn
MASCHEK: DAS WAR 2023
Kabarett
—
—
13.01.
Sa., 15 Uhr, Spielboden, Dornbirn
LILLE KARTOFLER: DER FROSCHKÖNIG
Figurentheater ab 4 Jahren
—
14.01.
So., 10.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
VIRGINA WOOLF: ROGER FRY
Virginia Woolfs letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Werk wurde bisher nie ins Deutsche übersetzt. Von Tobias Schwartz präsentiert. Eine Biografie.
—
17.01.
Mi., 20 Uhr, Metrokino Bregenz
SMOKE SAUNA SISTERHOOD
Filmforum zeigt preisgekrönten Film aus Estland (2023)
—
Patchwork und mehr
—
NATUR-SAMMELSURIUM
18.01.
Do., 8.45 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
ICH IN MEINEM KÖRPER
(nur für Frauen)
—
18.01.
Do., 20 Uhr, Kammgarn, Hard
DIE DREI FRISEURE
Working class heroes, Kabarett
—
18.01.
Do., 20 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz
DIE ERWACHSENEN VON IRENE DIWIAK
Theater-Premiere KOSMODROM. Weitere Vorstellungen: 19.01., 20.01., 24.01., 25.01., 26.01.
—
19.01.
Fr., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard
OBERSTÄDTLER STUBENMUSIG
Musik
—
20.01.
Sa., 9 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
FAMILIENMÄRCHENZEIT: DER WUNDERSAME BAUM
Familienlesezeit mit Kindern ab 4 Jahren.
—
#89 | Jänner 2024
20.01.
Sa., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
TSCHAKA-LAKA – DIE SPRACHE DER MUSIK
Premiere Markus Linder.
—
20.01.
26.01.
26.01.
Fr., 17 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
Fr., 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
FREITAGS UM 5
HEIDI COMPLOJ: LUAGA UND LOSNA
Landesgeschichte im Gespräch anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner
—
Ausstellungseröffnung
—
26.01.
Sa., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
Fr., 19 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
Musik
Zentangle ist eine leicht zu erlernende, entspannende Zeichenmethode, bei dem mit strukturierten Mustern kleine Kunstwerke entstehen.
ELVANA „ELVIS FRONTED NIRVANA“
—
21.01.
So., 15 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
DAS VORARLBERG MUSEUM AUF EINEN BLICK
Führung
—
22.01.
Mo., 18 Uhr, GUK Kino, Feldkirch
ZENTANGLE® FÜR ANFÄNGER
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26.01.
—
Christoph & Lollo präsentieren ihr brandneues Album „Mitten ins Hirn“
Eine Filmvorführung in Kooperation mit dem TaSKino im GUK Feldkirch
22.01.
Mo., 18.30 Uhr, inatura, Dornbirn
26.01.
MUSIKKABERETT
24.01.
—
—
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Sudoku So geht‘s: Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block (= 3×3-Unterquadrate) die Ziffern 1 bis 9 genau einmal vorkommen. Viel Spaß!
LEINWANDLOUNGE: ANATOMIE EINES FALLS
5
Kino, Franz. O.m.U
—
25.01.
Do., 19 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
SOLIDARITÄT
Vortrag/Diskussion mit Natascha Strobl
—
6 7
26.01.
Fr., 16 Uhr, Café Zäwas, Bludenz
TREFFEN FÜR ALLEIN ERZIEHERNNEN
mit Kinderbetreuung vor Ort
—
9
25.01.
9
3
2
5
8
5
6 3
1 5
2
8
4
4
DELINQUENT HABITS
—
1
2
Do., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn Feat. Special Guest: Sick Jacken, Musik
02.02.
Fr., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
Harald Walser, Buchpräsentation
Start des Kurses
Mi., 19 Uhr, Remise, Bludenz
—
VORARLBERGS LETZTE HINRICHTUNG. DER FALL DES DOPPELMÖRDERS
FELDORNITHOLOGIEKURS – ORNITHOLOGISCHE WEITERBILDUNG
—
28.01.
Musik und Tanz mit DJane Pierre Ciseaux
Werner Bundschuh, Michael Kasper, Vortrag anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner
Fr., 20 Uhr, Remise, Bludenz
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KAMM.AND.DANCE # 6
ARBEITEN UNTER ZWANG. FACETTEN DER NS-ZWANGSARBEIT IN VORARLBERG
—
GENERATIONENTOUR
Ausstellungsbesuch und Kreativatelier
So., 17 Uhr, Kammgarn, Hard
Fr., 19 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
DER FALL SARAH & SALEEM – THE REPORTS ON SARAH & SALEEM
28.01.
So., 14.30 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
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7
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5
7
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1 2 Lösung auf Seite 17
EINE ZUKUNFT FÜR UNSERE ZUKUNFT. WIR MACHT’S MÖGLICH.
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