#84 / Juli-August 2023
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FROHNATUR
Am 8. August feiert Gertrud Thurnher ihren 104. Geburtstag. Die marie hat die lebensfrohe, alte Dame in Bregenz getroffen und mit ihr über Schule, Beruf, Familie, ihren Garten und ihr Rezept für ein langes, gesundes und zufriedenes Leben gesprochen. Seiten 6-9 Foto: Petra Rainer
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Inhalt
Editorial
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Bild des Monats
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Zu Besuch bei einer alten Dame Gertrud Thurnher feiert am 8. August ihren 104. Geburtstag. Porträt einer Frohnatur
Liebe Leserin, lieber Leser! Eigentlich möchte man im Editorial einer Sommerausgabe ein Loblied auf die Fülle der Sonnenmonate anstimmen und sich mit der Leserschaft einschwingen auf Erdbeereis, das kleine Gartenglück und die ganze Herrlichkeit uhrzeitloser Urlaubstage. Obwohl ich überzeugt bin, dass Müßiggang und Genuss wichtige Gegenpole zu Leistungsdruck und Pflichterfüllung sind, obwohl ich echt keine Spielverderberin sein möchte, will ich jedoch diesen Raum einem Blickwinkel widmen, mit dem wir uns wahrscheinlich alle, die wir – vor allem im konsumatorischen Sinne – aus der Fülle schöpfen dürfen, auseinandersetzen müssen. Als Straßenzeitung erst recht. Ich hänge jedenfalls immer noch den Impulsen des Soziologen und Theologen Reimer Gronemeyer nach, der anlässlich der Jubiläumsfeier „70 Jahre Kaplan Bonetti“ Ende Juni in Dornbirn referierte. Über „Menschen am Rande der Gesellschaft“ titelte sein Vortrag und Gronemeyer meinte paradoxerweise damit: sich selbst und uns alle, die wir ein solides Dach über dem Kopf haben, den Kühlschrank jede Woche aufs Neue befüllen können, hohe Mobilität genießen – kurzum einem „imperialen Lebensstil“ frönen, den sich weltweit gesehen nur eine Minderheit leisten kann. Und der auch gar nicht demokratisierbar sei. Dafür reichten die planetaren Ressourcen nicht im Mindesten. Es geht sich ja längst nicht mehr aus mit unserer Lebensweise, das zeigt die Zahl von über 100 Millionen Menschen, die als Folge des Klimawandels bereits auf der Flucht sind. Und was tun wir, die wir, ich zitiere, „den Planeten entzünden und unbewohnbar machen“? Mir kommt die rabenschwarze Komödie „Don’t Look Up“ in den Sinn, in der ein gigantischer Asteroid die Erde zu zerstören droht. Alle Warnungen werden in den Wind geschossen, von einer bevorstehenden Apokalypse will niemand etwas wissen, selbst als sich die Fakten und Signale verdichten. Der Film ist fiktional – und zeigt dabei erschreckend reale Parallelen zur Gegenwart. Gronemeyer beschwört den gesellschaftlichen Aufbruch, der uns hoffentlich erkennen lässt, was wir – abseits des Konsumierens – alles können. Der uns von jenen lernen lässt, die bereits jetzt um Ihr Überleben kämpfen. Von ihrer Kreativität, ihrem Mut, ihrer Solidarität. Um sich so in eine sorgende Gesellschaft zu verwandeln. Hin zu mehr Ubuntu*, hin zum Bewusstsein: „Ich bin, weil du bist.“ Auch die marie ist, weil Sie sind. Danke für Ihre Treue, kommen sie gut durch den Sommer, schaukeln Sie (S. 22-24), gehen Sie waldbaden (S. 32-35), gärtnern Sie (S. 18-20), trauen Sie sich an neue Begegnungsorte (S. 17), lesen Sie, rätseln Sie (marieSonderausgabe ab 11. August). Und den „unkonsumatorischsten“ Reisetipp aller Zeiten finden Sie im Übrigen auf den Seiten 14-16! Ihre Simone Fürnschuß-Hofer, Redakteurin *afrikanischer Begriff für eine Philosophie der Menschlichkeit und des Gemeinsinns
10-12 Blitzblank! Ein Ausstellung im Frauenmuseum über das Putzen, Hygiene und unsichtbare Kräfte im Hintergrund 14-16 Schadlos Schriftsteller Hans Platzgumer begibt sich auf eine meditative Reise und eröffnet neue Perspektiven 16
Repaircafés
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Ort, du bist ein Schatz! Die marie zu Besuch in einem ganz besonderen Begegnungsort, dem Hägi Wendls in Muntlix
18-20 Mit dem Rolli in den Garten Der Verein „Auflüherei“ hat in Feldkirch eine einzigartige Gartenoase für alle geschaffen 22-24 Schaukeln dient der Lebensfreude Philosoph Wilhelm Schmid empfiehlt Schaukeln als einfache Übung für die Lebensfreude 24
Sudoku
26-29 Vier Frauen und ein Lebenswerk Café und Unverpackt-Laden: marie-Besuch im Badhus in Lingenau 30
Gipfeltreffen zum Frühstück Dank frischer Croissants ist alles in Butter
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Freiluftyogaglück Zwei erfrischende Wald- und Wiesenerfahrungen
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Rechenrätsel, Schachecke
38-41 „Ich sehe beide Seiten“ Trotz ihrer Blindheit geht Julia Schneider, Dozentin für Wirtschaft an der FH Vorarlberg, ihren Weg 42
Buchtipps und Buchverlosung, Rätsellösungen
44-45 Nicht ohne meine Familie Die Geschichte von Arist Dethleffs, dem Konstrukteur des ersten „Wohnautos“ in Deutschland 46-47 Veranstaltungskalender 47
Impressum
Die nächste marie erscheint am 1. September. Am 11. August erscheint zum ersten Mal das marie-Rätselheft. marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
Kontaktieren Sie uns
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/615 386 40. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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Bild des Monats
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Sau gehabt! Foto: Hanno Thurnher Fotografie
Mit dem Diepoldsauer Durchstich vor genau 100 Jahren wurde das Gebiet „Sauwinkel“ zum Stillgewässer. Einst trieben die Bauern ihre Schweine hier vorbei und gaben der Gegend ihren sonderbaren Namen. Danach wurde nach Kies gebaggert und es entstand auch eine illegale Mülldeponie, die dem Namen des westlichsten Zipfels Altachs eine neue Bedeutung verpasste. Heute ist der „Sauwinkel“ ein schönes, aber nicht ganz stilles Naturjuwel zwischen zwei Autobahnen. In den frühen Morgenstunden, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Wasserflächen des alten Rheinarms erreichen und das Gebiet in eine bizarre, zauberhafte Landschaft verwandelt wird, fühlt man sich wie entrückt von der zivilisatorischen Welt.
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Mittendrin in V
„ ES KOMMT, WIE ES KOMMT“ 6|
Am 8. August feiert Gertrud Thurnher ihren 104. Geburtstag. Die marie hat die lebensfrohe, alte Dame in Bregenz getroffen und mit ihr über Schule, Beruf, Familie, ihren Garten und ihr Rezept für ein langes, gesundes und zufriedenes Leben gesprochen. Text: Frank Andres Fotos: Petra Rainer
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ie Zeit drängt. Ich will auf keinen Fall zu spät kommen. Noch fünf Minuten sind es auf der Uhr. Für 15 Uhr haben wir uns zu einem Gespräch verabredet. Doch der Autoverkehr aus Richtung Hard kommend stockt. Es wird knapp. Und ich etwas nervös. Eine fast 104-jährige Dame lässt man schließlich nicht so ohne weiteres warten. Das sagt mir mein Anstand. Und wie durch ein Wunder biege ich um zwei Minuten vor dem Glockenschlag in die Sackgasse ein. Stelle das Auto vor einem geschmiedeten Eisentor ab. Zusammen mit meiner Fotografin Petra Rainer stehe ich Punkt 15 Uhr vor dem Hauseingang in Bregenz. Ich läute. Höre Schritte. Die Hausherrin öffnet die Tür. Das Alter sieht man dieser Frau mit ihren schlohweißen Haaren, der blauen Jacke, dem im selben Farbton gehaltenen Pullover und der kariert-gemusterten Hose nicht an. Sie sprüht vor Lebenskraft. Dabei wird die zierliche, kleine Dame, die vor mir steht, am 8. August 104 Jahre alt. Sie bittet uns in die Stube und fragt, ob sie uns etwas zu trinken anbieten dürfe. Ganz ehrlich, wer kann bei einer so charmanten, alten Dame schon nein sagen? Ich nicht. Tochter Ingeborg (69), die täglich ihre Mutter zuhause besucht, für sie kocht und sich gemeinsam mit ihrem Mann um den Garten kümmert, bringt uns Kaffee. Mutter Gertrud macht es sich inzwischen auf der Couch bequem. Und wartet mit Spannung auf meine Fragen. Das Gespräch kann beginnen.
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Gertrud Thurnher erblickte im Gasthaus Linde in Bregenz das Licht der Welt. Wächst im „Zoll“, dem Gasthaus ihres Vaters, auf. Doch eine echte Liebesbeziehung zur Gastronomie entsteht daraus nie. Im Gegenteil. „Meine Mutter war die geborene Wirtin. Ich hingegen habe das Gasthaus nie gemocht“, gibt Gertrud Thurnher ganz offen zu. Es habe kein Familienleben gegeben. Am Heiligen Abend habe sie als Kind so lange warten müssen, bis der letzte Gast das Haus verlassen habe. Erst danach sei das Christkind gekommen. „Das ist doch für Kinder furchtbar“, erklärt sie. Was Gertrud hingegen liebt, ist die Schule. Nach dem Kindergarten Riedenburg geht sie in die Volksschule Vorkloster, danach in die Mädchenhauptschule in der Kaiserstraße und absolviert schließlich die Handelsschule Marienberg. „Ich hätte auch das Gymnasium besuchen und maturieren können. Aber weil meine damals beste Freundin die Handelsschule gemacht hat, bin ich ihr gefolgt“, erinnert sie sich heute, 85 Jahre später, noch ganz genau. Sie sei, so betont sie, gerne in die Schule gegangen. Habe es geliebt, Aufsätze zu schreiben und zu zeichnen.
Einzige Frau im Finanzamt
falsch laufen könnte. Das nützt
Umso verwunderlicher ist dann aber die berufliche Laufbahn, die die damals 18-Jährige einschlägt. Sie beginnt ausgerechnet im Finanzamt zu arbeiten. „Da erschrickt jeder, wenn ich das erzähle“, sagt sie mit einem leichten Schmunzeln. Gertrud Thurnher arbeitet als Sekretärin des Chefs, kümmert sich um die „Einlaufpost“, und legt sie nach Bezirken sortiert in Mappen ab. Sie schreibt zudem Texte für ihren Chef und andere Mitarbeiter im Finanzamt. „Ich war ganz schön mit Arbeit eingedeckt“, erinnert sie sich. Gertrud Thurnher ist im Finanzamt für mehrere Jahre die einzige Frau unter 60 Männern. Und die gute Seele des Hauses. Einmal habe sie sogar bei einer Betriebsfeier für alle Mitarbeiter einen jeweils passenden Vierzeiler gedichtet. „Es war eine schöne Zeit“, schwelgt sie heute noch in Erinnerungen. Und auch als der Krieg ausbricht und die Männer an die Front beordert werden, vergisst sie nicht auf ihre Kollegen. Im Gegenteil: Sie backt Kekse und schnürt „Päkle“ für sie. Maximal zehn Dekagramm schwer, „denn sonst hätte man einen Bezugsschein gebraucht“.
doch nichts. Da wird man nur
Hochzeit, Kinder, Reisen
Ich bin ein optimistischer Mensch. Ich habe mir nie viel Gedanken darüber gemacht, was
grantig und gedankenverloren.
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Mit 28 Jahren endet die berufliche Karriere des ehemaligen „Gasthauskindes“ im Finanzamt. Sie verliebt sich in einen Arbeitskollegen, dieser heißt Georg und ist Betriebsprüfer. 1947 läuten die Hochzeitsglocken. Die Erinnerungen an diesen Tag sind bei Gertrud Thurnher noch immer ganz frisch: „Wir sind mit der Kutsche gefahren. Zu Mittag gegessen haben wir in Schwarzach, im Gasthaus einer Schwester meines Vaters. Unsere Flitterwochen haben wir dann am Bödele, in der Hütte meines Taufpaten, verbracht. Vierzehn Tage lang.“ Gertrud Thurnher ist ab diesem Zeitpunkt von Beruf „Hausfrau“. Ihr Mann Georg wechselt als Prokurist zu den Illwerken. Knapp zwei Jahre später ist das Familienglück der Thurnhers endgültig perfekt. 1949 kommt Sohn Armin, der spätere Gründer und heutige >>
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„ Im nächsten Leben lasse ich mir aber das Autofahren nicht
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mehr verbieten.
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Herausgeber der Wiener Stadtzeitung „Falter“ zur Welt. 1953 folgt Tochter Ingeborg, die später als biomedizinische Analytikerin im Hämatologie-Labor am LKH Feldkirch arbeitet. Die Familie geht auf Reisen. Nach Kärnten. Eine Pension, daneben ein Bauernhof. Ein Eldorado für Kinder. Schlafen im Heu, Waldspaziergänge, Pilze sammeln. Aber das Ehepaar Thurnher liebt auch die gemeinsamen Reisen mit dem Bus nach Frankreich, ans Meer. Mit ihren Eltern sei sie hingegen nie auf Reisen gewesen. „Die hatten wegen des Gasthauses keine Zeit“, sagt sie. Aber Gertrud Thurnher ist ihren Eltern dennoch unendlich dankbar. „Mit 14 Jahren haben sie mich in Begleitung meiner Lehrerin in den Sommerferien auf die Ostsee-Inseln Rügen und Usedom geschickt. Da denke ich heute noch dran. Das war alles andere als selbstverständlich.“
Garten als Leidenschaft
Heute, 70 Jahre später, will ich von Gertrud Thurnher wissen, was ihr Leben abseits von Schule, Beruf und Familie noch geprägt hat. Die fast 104-jährige Dame braucht nicht lange zu überlegen. „Meine große Leidenschaft ist der Garten“, sagt sie. Den hat sie gemeinsam mit ihrem Mann, der 2006 verstorben ist, angelegt. „Georg hat das ganze Grundstück von Hand umgegraben. Am Anfang hat es ausgesehen wie eine Mondlandschaft.“ Doch über die Jahre entsteht hinter dem Haus der Thurnhers ein wahres Gartenparadies. Da werden Blumen gesät, Gemüse und Bäume gepflanzt. In den ersten Jahren pflegt das Ehepaar Thurnher den Garten alleine. 30 Jahre haben die beiden dann einen wertvollen Helfer. Der immer weiß, was zu tun ist. Doch bei einem Arbeitsunfall verletzt er sich so schwer, dass er die Gartenpflege aufgeben muss. Heute kümmert sich Tochter Ingeborg und ihr Mann um die Gartenarbeit. Gertrud Thurnher will die Gartenarbeit mit über 100 Jahren nicht missen. „Im Sommer bin ich jeden Tag draußen, auch wenn ich mich nicht mehr so leicht bücken kann.“ Abgesehen vom Garten ist das Lesen ihr zweites, wichtiges Hobby. Sie liest noch heute täglich nach dem Frühstück drei Zeitungen. Löst schwierige Rätselaufgaben. Liebt die Gedichte von Rilke und Heine. Dichtete früher selbst.
Naturmensch und Abenteurerin
Apropos Liebe: Gertrud Thurnher ist auch ein überaus sportbegeisterter Mensch. Heute zwar nur noch vor dem Fernseher, früher allerdings liebte sie verwegene Abenteuer in der Natur. Als junge Frau kraxelt sie im Dirndl auf die Scheseplana oder den Piz Buin. Schwimmt in der Bregenzerach von Kennelbach bis zur Mündung in den Bodensee. Fährt mit dem Waffenrad von Bregenz nach Partenen. „Ich bin ein Naturmensch und war Abenteurerin“, bekennt sie. Angst habe sie früher nicht gekannt. Nicht einmal als sie einmal einen Bretterweg passiert, an dem links und rechts die Kreuzottern „pfeifen“. Die Angst, so erzählt sie, sei erst gekommen, als
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Ich habe nie geraucht oder Alkohol getrunken. Damit habe ich mir nie schwergetan. Ich bin im Gasthaus quasi mit Alkohol aufgewachsen und habe mitbekommen, was passiert, wenn jemand zu viel trinkt. Wenn man nicht unsolide lebt, nicht raucht und sauft, dann wird man alt.
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sie selbst Mutter geworden sei. An eine Begebenheit kann sie sich dabei noch sehr genau erinnern. Da springt ihre Tochter, ohne schwimmen können, vom Drei-Meter-Brett ins Wasser. „Ich dachte, mich trifft der Schlag. Ich hätte sie nicht einmal retten können, so aufgeregt war ich. Aber sie ist Gott sei Dank wieder aufgetaucht.“
Führerschein mit 50
Apropos Abenteuer: Gertrud Thurnher macht erst mit 50 Jahren ihren Führerschein. Und zwar auf Initiative ihrer damals 18-jährigen Tochter Ingeborg. Gemeinsam bestehen sie die Fahrprüfung. Heute, 53 Jahre später, setzt sie sich nicht mehr hinters Steuer. Eine Entscheidung, die ihr schwergefallen ist, wie sie gesteht. „Es ist eine Freiheit, die man aufgibt.“ Sie fügt aber sofort hinzu: „Im nächsten Leben lasse ich mir aber das Autofahren nicht mehr verbieten.“ Auch wenn Gertrud Thurnher selbst nicht mehr Auto fährt, ist sie dennoch oft unterwegs. Zum Beispiel zum Montagsforum in Dornbirn. „Es kommt kaum einmal vor, dass meine Mutter nicht mit uns unterwegs ist. Das funktioniert“, betont Tochter Ingeborg.
Nie ernsthaft krank
Gertrud Thurnher hat kurz vor ihrem 104. Geburtstag noch immer eine große Freude am Leben. „Ich bin ein optimistischer Mensch. Ich habe mir nie viel Gedanken darüber gemacht, was falsch laufen könnte. Das nützt doch nichts. Da wird man nur grantig und gedankenverloren“, ist sie überzeugt. Und wie lautet ihr Rezept für ein gesundes und langes Leben? „Ich habe nie geraucht oder Alkohol getrunken. Damit habe ich mir nie schwergetan. Ich bin im Gasthaus quasi mit Alkohol aufgewachsen und habe mitbekommen, was passiert, wenn jemand zu viel trinkt. Wenn man nicht unsolide lebt, nicht raucht und sauft, dann wird man alt.“ Essen tue sie
hingegen ganz normal. Vor allem Gemüse, früher aus dem eigenen Garten, und Fleisch, aber nur in kleineren Mengen. Und wenig Fett. Ihr Motto lautet: „Weniger, aber dafür regelmäßig.“ Mit dem Früh schlafen gehen, nimmt es Gertrud Thurnher allerdings nicht so genau. „Mein Alltag funktioniert nach dem Motto: Es kommt, wie es kommt.“ Dann kann es schon passieren, dass erst um 2 Uhr in der Früh die Nachttischlampe ausgeschaltet wird. Übrigens kaum zu glauben. Gertrud Thurnher hatte in ihren über 103 Jahren nie ernsthafte gesundheitliche Beschwerden. „Erst im Spätherbst 2022 hat sie zum ersten Mal eine Krankheit kennengelernt. In einem so hohen Alter damit umgehen zu müssen und Tabletten regelmäßig einzunehmen, war eine große Umstellung für meine Mutter. Das wollte am Anfang nicht in ihren Kopf “, erzählt Tochter Ingeborg. Aber inzwischen funktioniere alles gut, Mutters Herz habe sich wieder erholt. Damit dürfte dem 104. Geburtstag von Gertrud Thurnher am 8. August nichts mehr im Wege stehen. Am Ende unseres Gesprächs äußert Gertrud Thurnher noch eine Bitte: „Schreiben Sie bitte nichts Nachteiliges über mich.“ Ich kann nur sagen: Das Bemühen meinerseits war da. Ich hoffe, es ist mir gelungen.
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BLITZBLANK!
Eine Ausstellung über das Putzen, Hygiene und die unsichtbaren Kräfte im Hintergrund
„Das bisschen Haushalt ist doch kein Problem, sagt mein Mann ...“, singt demnächst Johanna von Koczian in den Ausstellungsräumen des Frauenmuseums und nimmt mit ihrem 1977 erstmals erschienenen Erfolgslied die männliche Sicht auf die traditionelle Rollenverteilung aufs Korn. Mit dieser Hintergrundmusik treten die kritischen und humorvollen Aspekte der Ausstellung rund um das Putzen ins richtige Licht. Text: Daniela Egger
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nser Ausgangspunkt war die Haushaltsreinigung, aber wenn man sich mit dem Putzen auseinandersetzt, dann kommt man in fast jeden Bereich des Lebens“, sagt Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin des Frauenmuseums Hittisau. Sie hat gemeinsam mit Lisa Noggler-Gürtler die Ausstellung kuratiert – diese leitet das Museum der Kulturen in Schwaz. Das Putzen liegt in der Luft, denn nicht nur das Frauenmuseum kümmert sich derzeit um diese bisher stille, aber essenzielle Kulturtechnik im Wandel der Zeit und der Kulturen. Auch die Kunst beschäftigt sich schon länger damit und den dazu gehörenden gesellschaftspolitischen Zusammenhängen. Hinter der Hygiene steckt ein riesiger Wirtschaftszweig, weltweit sind etwa 55.000 Reinigungsmittel im Angebot – fünf davon würden im Grunde ausreichen. Hygiene ist eng verknüpft mit Gesundheit und Medizin, mit Geschlechterzuschreibung und traditioneller Aufgabenverteilung, mit Migration, mit Ökologie, aber auch mit Spiritualität – und nicht zuletzt mit dem Klimawandel. Jene Menschen, die Vorarlberg reinigen kommen in einem Auftragsfilm von Pia Berchtold und Luca Huber zu Wort. Eines der Highlights in der ab Juli zu sehenden Ausstellung „Blitzblank! Vom Putzen – innen, außen, überall“ ist eine Frankfurter Küche der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000), die sich im Besitz der Sammlung des Frauenmuseums befindet, jetzt saniert und erstmalig gezeigt wird. Sie war bis zu ihrem Tod eine revolutionäre und feministisch denkende Architektin und die erste, die mit einer Standard-Küche in Erscheinung trat, konzipiert wie ein industrieller Arbeitsplatz. Die Wege sind kurz, alle wichtigen Dinge mit einem Handgriff erreichbar. Bügelbrett und Arbeitstisch sind ausklappbar, die Schränke mit Schiebetüren versehen. Stefania Pitscheider Soraperra erläutert, wie bei solch komplexen Settings vorgegangen wird: „Wir arbeiten im Frauenmuseum immer mit einem weiteren Blick auf ein Thema, oft assoziativ und vielstimmig. Ein Workshop mit dem ganzen Team war in diesem Fall der Auftakt zur Recherche, und auch nach der Eröffnung der Ausstellung wird im Herbst ein Open Space stattfinden. So finden viele Ansichten Eingang
in den kuratorischen Prozess und oft ist es eine gemeinsame Entscheidung, welche Aspekte wir zeigen wollen.“ „So schön“, „So sicher“, „So rein“, „So ordentlich“, „So zivilisiert“ lauten die fünf Titel der Ausstellungskonzeption. Eingeleitet werden alle Kapitel durch amüsante, aber durchaus entlarvende Animationen der Vorarlbergerin Simone Knecht. Der sechste Teil „So unsichtbar“ wird in Lech gezeigt – das Lechmuseum im Huber-Hus ist ein zweiter Ausstellungsort, wo beispielsweise die unsichtbaren Reinigungskräfte in einem Tourismusort vor den Vorhang geholt werden und ein analytischer Blick auf die lokale Kläranlage Aufschluss über den Drogen- und Medikamentenkonsum der Gäste und Bewohner*innen gibt. „In der ländlichen Region stellt das saisonale Anwachsen des Ortes Lech von 1.500 Einwohner:innen auf bis zu 10.000 Personen eine Belastung für Gesellschaft und Umwelt dar“, erläutert Monika Gärtner, Direktorin des Lechmuseums.
Ganze Männer machen halbe-halbe
Dass eine ganze Reihe von Künstlerinnen aus aller Welt mit ihren Arbeiten zu Hygiene, Rassismus und Geschlechtergerechtigkeit vertreten sind, versteht sich von selbst. Dabei sind ein paar wirklich aufsehenerregende Namen und Arbeiten zu entdecken, etwa von der Ikone der feministischen Avantgarde VALIE EXPORT, vom Künstlerinnenkollektiv DIE DAMEN oder von der großartigen, lange verkannten Vorarlberger Künstlerin A.M. Jehle. Auch das Wiener Künstlerduo Honey & Bunny brachte kürzlich ein Buch auf den Markt mit dem Titel: „Putzen – eine Kulturtechnik“ mit gewohnt skurril inszenierten Bildern. Ebenfalls zu sehen ist eine Kampagne aus den 90er Jahren: „Ganze Männer machen halbehalbe.“ Damals hat Frauenministerin Helga Konrad Kurzfilme bei (damals noch) Demner und Merlicek in Auftrag gegeben, um das Bewusstsein für CareArbeit zu stärken und die traditionelle Rollenaufteilung zu hinterfragen. „Es dauerte nicht lange und die von Doris Dörrie gefilmte Kampagne wurde wieder abgesetzt: Die Forderung nach einer fairen Aufteilung der Hausarbeit war wohl für viele zu provokant“, erzählt Pitscheider Soraperra.
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Kateřina Šedá Aus der Plakatkampagne gegen Gewalt an Frauen #etwaslaeuftfalsch, Edition 2, 2022, Creative Commons Valie Export Die Geburtenmadonna, EP einer Fotocollage 1976, Valie Export Center, Linz
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Swaantje Güntzel SPACE HEROINE muslim heroine with a headscarf fighting space debris comic style, 2022, VG Bild-Kunst 2023 A.M. Jehle Feldkirch, A 1937-2000 Vaduz, FL) Bügelt die Fenster (Ohne Titel), Frauenmuseum Hittisau
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Swaantje Güntzel Selbstportrait mit Mikroplastik Diasec, 2022 Foto: Henriette Pogoda
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Ab wann ist etwas zu Müll geworden?
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Die Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt spielt gerade beim Putzen eine große Rolle. Eine Meereskarte zeigt die Verortung der Plastikinseln, die in den Ozeanen treiben und die kaum mehr wegzuputzen sein werden. Immerhin essen wir schon jetzt wöchentlich fünf Gramm Mikroplastik – das entspricht der Größe einer Kreditkarte. Lisa Noggler-Gürtler sagt zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit: „Ein Blatt am Baum – Natur, ein Blatt am häuslichen Fußboden – Schmutz. Mit den Begriffen so schön, so sicher, so ordentlich, so zivilisiert, so rein und so unsichtbar verweisen wir darauf, dass Schmutz eine von Menschen definierte Kategorie darstellt und damit hartnäckige Rollenbilder, folgenschwere gesellschaftliche Zuschreibungen und darüber hinaus nachhaltige Umweltverschmutzungen einhergehen.“ „Der menschengemachte Klimawandel und seine unmittelbaren Folgen haben besonders starke Auswirkungen auf Frauen. Aus diesem Grund ist es uns besonders wichtig, gerade mit diesem Projekt Mechanismen sichtbar zu machen und zur Diskussion zu stellen,“ betont Stefania Pitscheider Soraperra und ergänzt: „Es ist ein aufregendes Thema und man muss an große Themen immer mit einer gewissen Demut rangehen. Denn im FMH erzählen wir nie DIE Geschichte, sondern EINE Geschichte – in diesem Fall jene des Putzens.“
Saskia Uppenkamp nach Swaantje Güntzel OceanNow! In Your Face – 50 Strände, 50 Gesichter Portrait von Ashley Arthur, Beauty Bloggerin, eines von 56 Portraits der Kampagne von OceanNow! gegen Mikroplastik in Meer und Kosmetik
BLITZBLANK! Vom Putzen – innen, außen, überall 2. Juli 2023 bis 27. Oktober 2024 Eröffnung Lechmuseum: Freitag, 30. Juni 2023, 18 Uhr Eröffnung Frauenmuseum Hittisau: Samstag, 1. Juli 2023, 17 Uhr Mit Werken von VALIE EXPORT, Karin Mack, A.M. Jehle, DIE DAMEN, Melanie Greußing, Paul Hazelton, Swaantje Güntzel, Christine Lederer, Friederike Klotz, Jelena Micic', Kateřina Šedá Swaantje Güntzel, honey & bunny (Sonja Stummerer & Martin Hablesreiter), Ona. B, Maria Stockner, Maria Walcher, Tina Van de Weyer, Daniel Spoerri u.a.
30. Juni bis 2. Juli im Pförtnerhaus Feldkirch Zahlreiche Start-ups & Kleinproduzent:innen reisen von Nah und Fern mit allerhand Feschheiten aus den Bereichen Kunst, Mode, Kosmetik, Möbel, Kids, Sport, Papeterie, Vintage, Schmuck, Delikatessen & Food an. Zusammen mit der idyllischen Atmosphäre rund um das Pförtnerhaus wird das Fesch’marktWochenende wieder zu einem einzigartigen Erlebnis für Jung und Junggebliebene. ÖFFNUNGSZEITEN Freitag von 14 bis 20 Uhr | Samstag von 10 bis 20 Uhr | Sonntag von 10 bis 19 Uhr TAGESTICKET: 7 Euro (Kinder bis 12 Jahre gratis) WOCHENENDTICKET: 10 Euro
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Vom Verreisen, ohne der Welt damit Schaden zuzufügen Text: Hans Platzgumer, Foto: Ian Stauffer
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ahrscheinlich haben Sie Lust, Urlaub zu machen? Ans Meer reisen, nach den Pandemiejahren endlich wieder weiter weg. Pauschalreiseanbieter und Discount-Airlines machen alles Erdenkliche erreichbar. Oder stoßen Sie bei solchen Gelüsten auf einen inneren Konflikt? Überfallen Gewissenbisse Sie? Hat sich so etwas wie Flugscham bei Ihnen eingenistet? Sie wissen, dass Sie mit einem Urlaubsflug das Schlechteste zum angeschlagenen Klima unseres Planeten beitragen, was ein Privatmensch beitragen kann. Sie wissen auch, wieviel Treibhausgase Sie ausstoßen würden, würden Sie das Auto nehmen, und dass selbst ein Elektroauto kaum eine bessere Umweltbilanz aufweist. Auch das Hotel am Meer, in dem Sie sich einbuchen wollen, hinterlässt bei genauerem Hinsehen einen erschreckenden ökologischen Fußabdruck. Sie überlegen sich nun, gar nicht in den Urlaub zu fahren. Gleichzeitig kommt Ihnen das lächerlich vor, weil der Großteil der Menschen ohnehin keine Rücksicht zu nehmen scheint und Ihr persönliches Entsagen ja keinen Unterschied macht. Vielleicht sollten Sie wie die breite Masse jegliche Eigenverantwortung von sich weisen und einfach tun, worauf sie Lust haben? Oder etwas dazwischen: Sie versuchen, wenn schon nicht nach Thailand, dann wenigstens mit dem Zug nach Sizilien zu kommen, wissend, dass die Bahn nach wie vor zu teuer, notorisch überfüllt, unbequem, langsam und unverlässlich ist. In Süditalien muss es doch eine angemessene Unterkunft geben, deren Nachhaltigkeitsversprechen entgegen des alles vereinnahmenden Greenwashings ernstgemeint sind? Doch wie können Sie sich sicher sein? Wem können Sie noch vertrauen inmitten all der schamlosen Lügen, Scheinheilig- und Anstandslosigkeit? Bei diesem Dilemma kann Ihnen einen viel näher liegenden Reise-Vorschlag unterbreiten. Machen Sie nicht nur eine, sondern so viele Reisen, wie Sie wollen, aufregende,
abenteuerliche Reisen, die Sie ganz weit weg bringen, hinaus aus dem Alltag katapultieren, ganz ohne dass dabei vermeidbare Treibhausgase emittiert werden. Kein Abfall wird produziert, keine Bodenfläche versiegelt, kein Artensterben beschleunigt, nicht der geringste Lärm entsteht, der Lebewesen stören oder verängstigen könnte. Die Trips, von denen ich spreche, kosten Sie nicht einen Cent, und doch gelangen Sie an ein Meer, einen endlosen Ozean, und können eintauchen in diese Unendlichkeit. Sie gehen auf Reise, ohne Ihr Zimmer zu verlassen, und wenn Sie zurückkehren, werden Sie entspannter sein als nach der Pauschalreise an die Costa Blanca. Vor fünf Jahren begann ich zu meditieren. Ich machte damals eine tief einschneidende Lebens- und Sinneskrise durch. Ich musste beruflich einige ärgerliche Rückschläge und Kränkungen hinnehmen, und von meinen persönlichen Problemen abgesehen, haderte ich mit dem Zustand unserer Welt und unserer Gesellschaft und war nahe daran, jegliche Hoffnung für die Zukunft zu verlieren. Um mich herum beobachtete ich das scheinbar unaufhaltbare Erstarken eines zynischen, menschenverachtenden Rechtspopulismus, und in mir selbst tat sich ein Loch auf, das mich zu verschlucken drohte. Eine Verzweiflung, eine Ohnmacht, der ich nichts entgegenzusetzen hatte, schnürte mir die Kehle zu. Verkürzt könnte ich meine damalige Verfassung als Midlife-Crisis beschreiben. Per Zufall bekam ich in dieser Phase ein autobiografisches Buch von David Lynch in die Hände. In kurzen, frei assoziierenden Kapiteln beschrieb der große amerikanische Filmregisseur darin, wie er 1973, als sein Leben hauptsächlich aus Ängsten, Neurosen, Panikattacken und Depressionen bestanden hatte, von seiner Schwester eingeladen wurde zu meditieren. Sie hatte sich bereits seit einem halben Jahr mit den Lehren der Transzendentalen Meditation auseinandergesetzt. David Lynch erwartete sich nichts
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davon, aber er hatte nichts zu verlieren. Er suchte das ihm empfohlene Meditationszentrum in Los Angeles auf, bekam ein persönliches Mantra zugewiesen – einen Spruch, der nicht inhaltlich etwas zu sagen hatte, sondern rein als Halt, als Denkstütze diente –, und er setzte sich in ein kleines leeres Zimmer, in dem er allein mit sich war. Zwanzig Minuten später wurde er wieder geweckt. Seit diesem Moment ist sein Leben nicht mehr dasselbe gewesen, behauptet Lynch. Er hatte etwas in sich entdeckt, das er den Ozean des Bewusstseins nennt. Seit einem halben Jahrhundert ergründet Lynch nun diesen Ozean, zweimal täglich, jeweils 20 Minuten lang. Mit großer Regelmäßigkeit geht er auf Tauchstation, lässt sich in sich selbst versinken. Nicht nur einen Halt und eine Ahnung von wirklicher Zufriedenheit, wirklicher Freude, nicht nur Zuversicht findet er dort, Lynch schwört auch darauf, dass er all seine Kreativität und Inspiration diesen Tauchgängen zu verdanken hat. Nun bin ich im Gegensatz zu Millionen Kinobesuchern kein ausgesprochener David Lynch-Fan. Manche seiner Arbeiten sprechen mich mehr an, manche weniger. Doch ich erkenne eine ihnen allen zu Grunde liegende Tiefe, Ruhe, Konzentration, die es vermag, mich in ihren Bann zu ziehen. Womöglich war das nicht bloß esoterischer Humbug, den er sich in seinem Buch übers Meditieren aus den Fingern zog, schwante mir. Ich erinnerte mich an ein Interview, in dem der israelische Historiker und Bestsellerautor Yuval Noah Harari von sich behauptete, dreimal täglich zu meditieren. Unbestritten ist Harari einer meiner scharfsinnigsten und weitsichtigsten Zeitgenossen. Die Texte, die ich von ihm gelesen habe, zeugen von tief fundiertem, kondensierten Wissen. Angesichts dieser Referenzen konnte Meditation wohl nichts mit sinnloser Auslöschung des Denkens zu tun haben, wie ich früher vermutet hatte, sondern vielmehr mit dem Gegenteil? Ich wollte es probieren. Mein Dasein war unschön geworden, warum sollte ich nicht versuchen, die sich draußen vor mir versteckt haltende Schönheit in meinem Inneren zu finden? Mein Leben war leer geworden, nichts hinderte mich am Versuch, es von innen her aufzufüllen. Ich abonnierte eine der zahlreichen Online-Meditationsschulen. Eine Stimme mit angenehmem britischem Akzent leitete mich durch die ersten Schritte. Ich meditierte auf Anhieb regelmäßig und häufig, weil es mir Spaß machte, stets unter Anleitung. Meine einzelnen Sessions dauerten nur wenige Minuten, und doch empfand ich sie vom ersten Tag an als erfrischende und inspirierende Kurzurlaube, kleine Trips, von denen ich mit einer anderen, positiveren Einstellung ins Leben zurückkehrte. Bereits in der ersten Woche meiner Meditationsversuche entdeckte ich eine für mich neuartige Leichtigkeit des Seins, eine ungekannte Gelassenheit, mit der ich plötzlich dem Alltag gegenübertreten konnte. Ohne Erfolgsdruck auf mich selbst auszuüben, führte ich die täglichen Meditationen fort. Nach wenigen Monaten ging ich dazu über, ohne Kopfhörer, ohne Führung zu meditieren. Ich kündigte das Abo, aber ich führte meine Reisen >>
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fort, Abenteuerreisen in mich selbst hinein. Bis heute erweitern sie meinen Horizont, geben mir Zugang zu wachsender Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Wachheit. Sie ermöglichen eine Offenheit, mit der ich inzwischen der Außenwelt wieder begegnen kann.
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Jede Meditation ist anders, manchmal komme ich weiter, manchmal weniger weit weg. Nie verlange ich, nie erwarte ich etwas von mir, wenn ich mich hinsetze, um zu meditieren. Was sich mir eröffnet, lässt sich nicht steuern, zu tief verborgen liegt es in mir. Dennoch habe ich eine Gewissheit: Was immer ich dort in den Tiefen meines Bewusstseins antreffe, es ist gut für mich, es ist tröstlich, es ist schön. Nie jagt es mir Angst ein. Es erdet mich, anstatt mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Manchmal fühlt sich Meditieren wie eine Gehirnmassage an, manchmal wie ein LSD-Trip. An anderen Tagen ist es äußerst unspektakulär, geradezu langweilig, oft ist es einfach Luft, das Heben und Senken des Brustkorbs, das Gleiten des Atems, nicht mehr als das, nichts als Stille, die ich in mir finde. Hin und wieder ist es einfach Dunkelheit, auf die ich stoße, unergründliche Finsternis, in der ich mich geborgen fühle, eine Art Urvertrauen. Dann wieder stoße ich unvermittelt auf eine Freude, von der ich nicht weiß, woher sie kommt, auf eine Lebenslust, die trotz aller Demütigungen, trotz aller Ernüchterung des Seins nach wie vor in mir zu existieren scheint, ein Glücksgefühl, ja Euphorie, die mich im Leben hält. Am Ende mancher Meditation erwarte ich es kaum, wieder zurückzukehren in die Welt, so voller Tatendrang bin ich, voller Mut. An anderen Tagen wünschte ich, die Augen nie mehr aufmachen zu müssen und für immer in dieser Ruhe verharren zu dürfen, die ich betreten habe. Wie David Lynch sitze ich heute meist zweimal täglich auf dem Boden, verschränke die Beine, lege die Außenflächen meiner Hände auf die Knie und lasse los. Tue nichts als das. Folge meinem Atem. Atme mich in mich hinein. Wische die kleinen und großen Gedanken weg, die unermüdlich versuchen, mich abzulenken. Sie stören mich, sind ungebetene Begleiter. Ich will beim Meditieren nicht nur darüber sinnieren, was ich zum Abendessen koche. Doch auch das profanste Denken gehört zu mir. Meditieren ist immerzu ein Reüssieren und ein Scheitern zugleich. Erst indem ich diesen Umstand akzeptiere, kommt mir vor, akzeptiere ich mich selbst – und eine solche Akzeptanz ist die Grundvoraussetzung für innere Zufriedenheit. Hin und wieder hole ich nach wie vor das Mantra zu Hilfe, das ich mir vor Jahren selbst gegeben habe, eine bedeutungslose Anordnung von Lauten, die mir als gedankliches Vehikel für die Reisen in mein Bewusstsein dient. Mittlerweile benötige ich sie kaum noch. Ich kann im Prinzip, wann immer es mir beliebt, auf Reisen gehen. Und was auch immer ich dort erlebe, ich kehre gestärkt zurück. Am Rest des Tages oder in den schwarzen Stunden der Nacht bin ich nach wie vor oft konfrontiert und überfordert mit den Zumutungen der Welt. Doch ich weiß nun: Es gibt da einen Ort, an dem es schön und friedlich und still ist. Ein Refugium, einen Rückzugsort, den ich bereisen kann, so oft ich will, ohne dass es auch nur im Geringsten der Umwelt oder Mitmenschen Schaden zufügen würde. Vielleicht wollen auch Sie eines Tages eine derartig nachhaltige Urlaubsreise wagen? David Lynch ist überzeugt davon, dass die Welt ein friedlicherer, besserer Ort wäre, würden allen Menschen von Jung auf die Möglichkeiten des Meditierens eröffnet werden. Das Resultat wäre deutlich weniger zwischenmenschliche Konflikte, weniger Gewalt, Angst, Stress, Unruhe. Ich kann nicht anders, als Lynch dabei zuzustimmen.
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Begegnungsorte | Folge 3
Ort, du bist ein Schatz! Die dritte Folge unsrer Begegnungsorte-Serie präsentiert ein neues Juwel in der Vorarlberger Kulturlandschaft. Der ehemalige Heuboden eines ausschließlich mit natürlichen Baustoffen renovierten alten Bauernhofs in Muntlix bildet einen „Ort des Dialogs, der Freude und der Kultur“. Silvia, Johannes und Klein Junis, die Hausbesitzer:innen, öffnen jeweils über die Sommermonate die Türen für ein reizvolles Kultur- und Begegnungsprogramm.
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Text: Brigitta Soraperra, Fotos: Petra Rainer, Werner Schnetzer
ir wohnen in einem 550 Jahre alten Haus. Es ist so groß, dass wir uns gedacht haben: Da ist mehr Platz als nur für uns. Also lassen wir die Menschen rein und die Kultur auch. Denn Kultur ist Gemeinschaftsgut.“ So steht es auf der Homepage von Hägi Wendls und der Begriff „Erbe“ bildet den Übertitel für den ersten Programmfolder. Erbe und Erben markieren denn auch die inhaltlichen Bezugspunkte von Haus und Programm: Geerbt hat Silvia Keckeis das alte Bauernhaus, das sie mit Lebenspartner Johannes Lampert und Sohn Junis bewohnt, nämlich aus ihrer Familie und „Hägi Wendls“ ist ein alter Hausname, der auf einen früheren Vorfahren namens Wendelin verweist. In dem relativ kleinen Bauernhaus mit riesiger Tenne, das Bestandteile aus Holz aufweist, die bis ins Jahr 1458 zurückzuverfolgen sind, haben über die Jahrhunderte bis zu 15 Leute gleichzeitig gewohnt und gearbeitet. Jetzt verstehen es seine jungen Besitzer:innen als ihr „Erbe“, das Haus im Sinne der Vorfahren zum Leben zu erwecken. Und das tun sie mit einem reichhaltigen, bedacht ausgewählten Veranstaltungsprogramm, das Schätze für jeden Geschmack bereithält: Solo-, Duo- und Trio- Konzerte, Lesungen mit und ohne Musik, Diskussionsrunden, Kreisdialoge, Handwerksworkshops. Auch Erntedank wird gefeiert, Bier verköstigt, Kleider werden getauscht, Jassrunden durchgeführt und Anfang Juli wird ein Menü aus geretteten Lebensmitteln gekocht. Das Publikum ist bunt gemischt, auffallend viele junge Familien treffen sich hier, die Kinder flitzen mit Begeisterung auf der Bühne im ehemaligen Heustadel herum. Sie werden aber sofort mucksmäuschenstill, wenn Johannes den Beginn einer Veranstaltung mit der Kuhglocke einläutet. Ein nostalgischer Ort, durch den der moderne Zeitgeist weht und das Gefühl von Gemeinschaft wieder auflebt. Dass die drei Türöffner:innen auch noch so ungemein sympathisch sind, macht den Aufenthalt in dieser je nach Geldtasche auch konsumfrei gestaltbaren Zone nur umso gemütlicher.
Silvia und Johannes mit Junis
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Ort/Verein: Hägi Wendls – Schatzmann – Plattform für Kulturkooperation Adresse: Arkenstraße 5, 6835 Zwischenwasser (Bushaltestelle direkt vor dem Haus) Programm unter www.haegiwendls.at
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Mit dem Rolli in den Garten Gärtnern erdet. Zusammen gärtnern schafft Raum für Begegnung. Zusammen inklusiv gärtnern lässt erleben, dass letztendlich alle am selben Strang ziehen, auch Menschen mit Behinderung. Der Verein „Aufblüherei – Begegnungsraum Garten“ hat in Feldkirch zwei Gartenoasen für alle geschaffen. Text: Miriam Jaeneke, Fotos: Frank Andres, Aufblüherei
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s ist ein Bilderbuchtag Mitte Juni. Die Sonne verteilt großzügig Licht und Wärme im inklusiven Begegnungsgarten in der Reichsstraße 3 in Feldkirch. Gleich am Eingang des Gartens tummeln sich verschiedene Insekten in der hochgewachsenen Engelwurz, die Kapuzinerkresse lugt leuchtend gelb und orange zwischen ihren Blättern hervor. Die Kindergartenkinder sind von nebenan in den Garten gekommen, outdoortauglich eingepackt, und bringen Eimerle für Erdbeeren mit. Selbstgeerntet schmecken sie am besten. Die Obfrau des Vereins „Aufblüherei – Begegnungsraum Garten“ Stefanie Egle-Fiel erzählt ihnen, dass gegen Ende des Gartens noch weiße Johannisbeeren darauf warten, von ihnen gepflückt zu werden. Eifrig preschen die Kinder voran, die Eimer immer mit dabei.
Rollstuhltaugliche Beete 18 |
Sabrina Nitz, die im Rollstuhl sitzt, ist mit ihrer persönlichen Assistentin Julia Riedmann und ihrem wuschelbraunen Assistenzhund Findus da. Sie ist die Obfrau des Vereins Persönliche Assistenz und arbeitet in Dornbirn als Koordinatorin in der Servicestelle Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderung. Die Garteninitiative unterstützt sie, seit sie davon weiß. Gerade unterhält sie sich mit der Obfrau über die Fortschritte im Garten, Egle-Fiel zeigt die Hochbeete, unter die Nitz mit ihrem Rollstuhl ein Stück fahren kann, um bequem ans Beet zu kommen, zu setzen, zu jäten und zu ernten. „Wir haben gemeinsam eine Variante mit Metallverkleidung unten entwickelt, damit das Wasser nicht auf die Beine von den Sitzenden laufen kann, wenn sie gießen“, erzählt die Obfrau, und Sabrina Nitz goutiert das Ergebnis. „Die Idee von einem Gemeinschaftsgarten haben wir im Herbst 2020 während der Pandemie gehabt. Einerseits dachten wir, es bräuchte nach der Pandemie Raum für die Begegnung aller mit allen. Andererseits haben wir mehr denn je gemerkt, dass vielen der Naturbezug fehlt, den das Gärtnern mit sich bringt, und wie gut dieser Naturbezug tut“, sagt die Obfrau. Inklusive Hochbeete gibt es im Garten auch in niedriger Ausführung für Kinder im Rollstuhl. „Miteinander im Garten arbeiten, das ist eine Frage der Offenheit. Aber auch eine Frage der richtigen Planung sowie des Platzes“, sagt Egle-Fiel. Im Vorstand des Vereins ist Brigitta Keckeis. Auch sie ist im Rollstuhl und hat immer mal wieder den Praxistest gemacht. Manches Mal musste daraufhin mehr Platz zum Rangieren her oder ein anderer Winkel, manches Mal standen Fahrräder oder Geräte im Weg, zu einer Feier, die nach drinnen verlagert wurde, wurde die Frage des Aufzugs erst nach einer siedendheißen Eingebung geklärt. „Wir sind nicht ohne Fehler, aber wir lernen gerne dazu“, sagt Egle-Fiel und muss bei den Erinnerungen lachen.
Solidarische Landwirtschaft im Kleinen
Sie hatten und haben den klaren Gedanken, mehr Inklusion in die Gesellschaft zu bringen, und darüber hinaus hatten und haben sie Geschick – und Glück. „Wir haben uns überlegt, dass wir noch eine weitere Gartenfläche möchten. Daraufhin bekamen wir ein Grundstück in der Nachbarschaft angeboten, das außerdem noch die richtige Größe hat“, sagt die Obfrau. Das geometrische Gewächshaus im neuen Garten hat ihr Vater entworfen. Drei Nachmittage haben Freiwillige Folie an Holzdreiecke getackert, das Ganze wurde zu einer Raumschiff-Halbkugel zusammengesetzt und strahlt nun über die Mitte der Parzelle hinaus Futuristisch-Gärtnerndes aus. Tomaten, Mangold, Kohlrabi, Salat und vieles mehr wächst im Gewächshaus – und daneben – und füttert wöchentlich die AboGemüsekisten von 19 Haushalten. Denn unter anderem, um regelmäßige Einnahmen zu haben und einen professionellen Gärtner beschäftigen zu können, wurde im Garten eine solidarische Landwirtschaft gegründet. Klein, aber effektiv. Erst seit Februar gibt es die zweite Gartenfläche zwischen Kindergarten und Volksschule. Die Kinder beider Einrichtungen nutzen sie rege, die Schulkinder pflanzten 30 Gemüsesorten an und haben einen Barfußpfad eingerichtet aus Steinen, Kies, Tannenzapfen und Holzspänen. Alles wächst organisch und doch in die gewünschte Richtung. Als Grundstücksbegrenzung buhlen eine Totholzhecke, verschränkte Weidenzweige und ein Staketenzaun um die Gunst der Besucher. Lösungen sind hier oft flexibel: „Wenn die Kindergartengruppe am Donnerstag kommt, müssen wir noch den mobilen Zaun aufstellen“, sagt die Juristin und Vorstandsmitglied Julia Mähr zu Stefanie Egle-Fiel.
Vertrauen ins Mögliche
Auch Mährs Engagement für den Verein ist gewachsen. Anfangs sollte die Freundin der Obfrau nur Verträge unter juristischem Blickwinkel durchsehen, nach und nach sind andere Aufgaben hinzugekommen. Gut gelaunt sagt die Juristin: „Das taugt mir.“ Die Finanzen sind ein wiederkehrendes Thema, seit Kurzem wird über Spenden ein Teil der Arbeit der Obfrau getragen. „Man muss Vertrauen haben, dann bekommt man Erstaunliches zurück“, sagt Mähr, und die beiden verantwortlichen Frauen erzählen, wie sich mit neuen Problemen immer auch Lösungen aus unerwarteter Richtung ergeben. Eines der nächsten Ziele ist es, eine barrierefreie Beschilderung in den Gärten anzubringen. „Ich habe gedacht, da machen wir schnell ein paar Schilder, aber so einfach war es dann natürlich doch nicht“, sagt Egle-Fiel. „Jetzt haben wir beschlossen, einen QR-Code zu integrieren, eine Erklärung in leichter Sprache, in Gebärdensprache und für Blinde anzubringen.“ >>
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Man muss Vertrauen haben, dann bekommt man Erstaunliches zurück“
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Das Gemüse im großen Garten gehört den Schülerinnen und den Ernteabnehmern der Solawi. In den Projekten des Vereins wie der Sommerbetreuung wird zudem ein Teil davon verkocht. Im Kräutergarten aber steht außen ein Schild: „Komm herein und pflück was.“ Darum ist es praktisch, dass auch er zentral liegt und sichtbar ist. Trotzdem können viele noch nicht glauben, dass sie die Kresse für den Salat und die Minze für den Tee einfach noch schnell vor dem Abendessen hier mitnehmen dürfen, und fragen zur Sicherheit nach. Aber letztlich spricht es sich langsam herum. Genau wie die Tatsache, dass im Garten jede und jeder willkommen ist. Also wirklich alle. Der Assistenzhund genauso wie das Baby, die Asylwerber oder Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen.
Offene Fragen, ehrliche Antworten
Übrig Gebliebenes gibt es nicht, denn das wird zu Dünger. So schließen sich die Kreisläufe. Gut ist, wenn sich in der direkten Begegnung Meinungen ändern dürfen, nicht nur, aber auch in den Gärten. Nitz erzählt von Kindern, die sie nach ihren Händen fragen. „Ich sage dann, ja, die sehen anders aus‘, und die Kinder fragen, ob ich Schmerzen habe und wie ich den Alltag meistere, und ich sage, ,die stärkste Behinderung sind die Barrieren in unseren Köpfen‘. Das leuchtet ihnen ein.“ Wenn Menschen mit Menschen mit Behinderung in Berührung kommen, können sie erleben, wie es wirklich ist, behindert zu sein, und dass behinderte Menschen auch nur Men-
schen sind. Und Menschen mit Behinderung erleben die Wertschätzung, einfach mit dabei zu sein. „Wir wünschen uns, dass noch viel mehr Menschen mit Beeinträchtigung den Weg in unseren Garten finden, besonders auch Kinder und Jugendliche. Eltern und Verantwortliche haben oft schlechte Erfahrungen gemacht, dass die Kinder keinen Platz haben, nicht willkommen waren. Dem möchten wir etwas entgegensetzen“, erklärt Egle-Fiel. Kompetenz und Empathie. Und die Bereitschaft, mit ihm oder ihr ein Stück Weg zu gehen. Und wenn es der Barfußweg aus Holzspänen, Steinen und Tannenzapfen ist.
Die Persönliche Assistenz zu Gast in der Aufblüherei
am Montag, 2. Oktober von 15-17 Uhr: „Gemeinsam lassen wir die Zukunft aufblühen.“ So lautet ein Motto des Feldkircher Vereins „Aufblüherei – Begegnungsraum Garten“. Wir besuchen mit unserem Info-Café diesen inklusiven Begegnungsort und freuen uns auf zahlreiche Interessierte, die uns begleiten. Weitere Aktivitäten der Aufblüherei: - Sommerbetreuung für Vier- bis Zehnjährige (ausgebucht) - Gartenkinder-Ganzjahresgruppe immer donnerstags - Yoga im Garten für alle - Blumenkränze binden Mehr unter www.aufblueherei.at
Heimat ist kein geographischer Begriff. Man trägt sie in sich selbst. A. Sinjawski
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SCHAUKELN DIENT DER LEBENSFREUDE
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Der bekannte Philosoph und Glücksspezialist Wilhelm Schmid ist in Vorarlberg ein gern gesehener Gast. Nun hat er ein bemerkenswertes kleines Büchlein geschrieben, das er im Juli im Rahmen eines neuen Festivals in Damüls vorstellen wird. Darin empfiehlt der 70-Jährige regelmäßiges Schaukeln als einfache Übung für die Lebensfreude und um auf neue Gedanken zu kommen. Die Erfinder des „Perspectivals“ haben sich das zu Herzen genommen und laden zwischen dem 13. und 16. Juli zum lustvollen Perspektivenwechsel ein, in dem Schaukeln eine zentrale Rolle einnimmt.
Text: Brigitta Soraperra Fotos: Robert Bohnke, privat
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– UND DEM PERSPEKTIVENWECHSEL!
ebenskunst ist die Kunst, die schönen Seiten des Lebens zu genießen, jedoch auch mit den schwierigen Seiten zurechtzukommen“, schreibt Wilhelm Schmid in seinem neuen Buch „Schaukeln. Die kleine Kunst der Lebensfreude“, das im Frühjahr dieses Jahres im Inselverlag erschienen ist. Seiner Meinung nach eignet sich die Metapher des Schaukelns am besten, um die Polarität des Lebens auszudrücken, das aus einem Hin- und Herschwingen zwischen gegensätzlichen Polen besteht: zwischen Genuss und Herausforderung, Ruhe und Anstrengung, Erholung und Arbeit, Erfolg und Misserfolg, Sinn und Sinnlosigkeit, Freud und Leid, usw. Seine These lautet: „Das Leben ist eine Schaukel“ und darin liege unweigerlich Trost, denn „nie bleibt es gleich, auch wenn es so erscheint“. Schmid weiß, wovon er spricht, denn der emeritierte Philosophieprofessor hält nicht nur Vorträge und schreibt Bücher über Glück und Lebenskunst, sondern er war auch jahrelang als philosophischer Seelsorger in einem Krankenhaus tätig. Außerdem musste er vor einem Jahr den Verlust seiner geliebten Frau akzeptieren, die an einer Krebserkrankung verstorben ist.
„EIN GUTER TEIL
Synonym für den Rhythmus des Lebens
HIN UND HERZU-
Die Schaukel erinnere uns daran, dass auf jedes tiefe Tal, auf jeden Durchhänger, auf jeden Misserfolg auch wieder ein Aufschwung erfolgt, sagt Schmid, und das kleine Büchlein sei auch ein Akt der Trauerarbeit, um mit seinem eigenen Lebensverlust umzugehen. Als Synonym für den Rhythmus des Lebens ist Schaukeln das „Einverstanden sein damit, dass das Leben unterschiedliche Phasen beinhaltet“ und dass der grenzenlosen Traurigkeit auf der einen Seite das pragmatische Weiterleben auf der anderen Seite gegenüberstehe. „Ein guter Teil der Lebensschaukel besteht aus der Fähigkeit, zwischen Hochgefühlen und der Alltäglichkeit hin und herzuschaukeln."
DER LEBENSSCHAUKEL BESTEHT AUS DER FÄHIGKEIT, ZWISCHEN HOCHGEFÜHLEN UND DER ALLTÄGLICHKEIT SCHAUKELN.“
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17 Festivals für eine lebenswerte Zukunft
Das neue Festival im Bregenzerwald ist Teil eines größeren Projekts, das sich „17peaks“ nennt. Es beinhaltet in den kommenden Jahren insgesamt 17 Festivals, die über den gesamten europäischen Alpenraum verteilt sind und sich an den 17 SDGs, den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, orientieren. Die Festivals beinhalten Kunst und Kultur, Workshops und Dialogformate, Spiel und Kulinarik und wollen Perspektiven erweitern. Deshalb heißen sie „Perspectivals“. Initiiert und organisiert werden die „Festivals der Perspektiven“ von „CreativeALPS“ einer kreativen Denk- und Konzeptwerkstatt, die aus Mathias Klocker, Geschäftsführer von Damüls Faschina Tourismus, und den beiden Kreativschaffenden Andreas und Matthias Bunsen besteht. Mit ihren Projekten und Konzepten setzen sie sich interdisziplinär mit den großen Themen der Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Transformation in den Berggebieten auseinander. Die Alpen als Lebens- und Wirtschaftsraum und als touristische Region sollen nachhaltig und zukunftsfähig ausgerichtet werden, die geplanten Festivals bilden Visions-, Denk- und Spielräume dazu.
Erstes „Perspectival“ in Damüls Faschina
„Land der Schaukeln“ in Damüls Faschina – www.damuels.at
Unter dem Titel „(Aus)Grenzen“ findet das erste „Perspectival“ zwischen dem 13. -16. Juli 2023 in Damüls Faschina statt. Flankiert von einer zweijährigen Sonderausstellung zur „Kultur des Schaukelns“ im FIS-Museum geht es um das Thema Grenzen und Grenzerfahrungen, die uns als Individuen und als Gesellschaft tiefgreifend betreffen und in existentielle Notlagen bringen. Neue Sichtweisen und Perspektiven sind gefragt, die in Diskussionen, Workshops (für Erwachsene und Kinder), Performances, Filmvorführungen, Lesungen und beim gemeinsamen Wandern, Liftfahren und Schaukeln erforscht werden. Das gesamte Festival-Programm findet sich unter: www.17peaks.eu
Schaukeln will geübt sein
Schaukeln kann einen wesentlichen Beitrag zum gelingenden Leben leisten, ist der 70-jährige Denker überzeugt und meint das nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch. Er empfiehlt tägliches fünfzehnminütiges Schaukeln als Übung für die Lebensfreude, die er selbst konsequent praktiziert. „Schaukeln ist genau das, was wir fürs Leben brauchen, es verleiht Schwung und verhindert Erstarrung.“ Und es mache in einem Zeitalter des Perfektionismus und des Leistungsdrucks die Bewältigung des Misslingens leichter. Vielleicht weil sich für uns Schaukeln ein bisschen wie die Rückkehr in die Unbeschwertheit der Kindheit anfühlt, vermutet der Philosoph, ganz sicher aber auch, weil es uns an das Schaukeln im Mutterleib erinnere, das wir zutiefst verinnerlicht haben und das uns offenkundig beruhigt. Bei Kindern ist das augenscheinlich, als Erwachsene müssen wir das üben. Aber wo wir in der Musik oder beim Sport ganz selbstverständlich Disziplin und Ehrgeiz an den Tag legen, vernachlässigen wir das Üben bei der „kleinen Kunst der Lebensfreude“, bedauert Wilhelm Schmid.
Die eigenen Batterien aufladen
Dabei dient Schaukeln nicht nur dazu, Hoffnung und Zuversicht auf spielerische Art zu aktivieren, auch der reale Körper wird ganzheitlich einbezogen – inklusive flauem Gefühl im Magen – und alle Sinne werden wach, wenn wir zwischen Hochstand und Tiefpunkt der Schaukel hin und her schwingen. „Die Lebensfreude ist auf die Entfaltung der Sinne angewiesen“, schreibt Schmid und bezeichnet die Sinne als „natürliche Genusswerkstatt, durch die die Welt lustvoll in uns einströmt“. Schaukeln helfe, die eigenen Batterien wieder aufzuladen, „im Zeitalter der Verausgabung wichtiger denn je“. In diesem Zusammenhang erinnert er an die Notwendigkeit von Pausen. Vermeintliche Durchhänger beim Schaukeln – wie im Leben – gehörten >>
„SCHAUKELN IST GENAU DAS, WAS WIR FÜRS LEBEN BRAUCHEN, ES VERLEIHT SCHWUNG UND VERHINDERT ERSTARRUNG.“
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Lesung Wilhelm Schmid Am 14.07. um 18.30 Uhr liest Wilhelm Schmid aus seinem Buch „Schaukeln – Die kleine Kunst der Lebensfreude“ (ISBN 978-3-458-64372-2) im Rahmen der Eröffnung der Schaukelausstellung im FIS-Museum in Damüls. zum Rhythmus dazu. „Es ist ratsam, sich darin zu üben, diese auszuhalten“, bemerkt der Lebensphilosoph, denn „es ist ein Missverständnis, dass das Leben immer freudvoll ist. Das ist nur als Illusion möglich.“
Der Flow im Schaukeln
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Schaukeln hilft uns auch, aus erstarrten Denkmustern auszutreten, weil beim zweckfreien Hin- und Herschwingen unweigerlich der Moment erfolgt, wo wir uns im Flow fühlen, wo wir nicht mehr darüber nachdenken, was die Menschen um uns herum denken, wenn wir als Erwachsene auf der Schaukel sitzen, sondern wo wir uns einfach dem Schwung hingeben, den Luftzug im Gesicht spüren, den Gedanken freien Lauf lassen … Dann setzen neue Verknüpfungen im Gehirn ein, sagt Wilhelm Schmid, Geistesblitze werden möglich, Kreativität wird freigesetzt und neue Ideen entstehen.
Schaukeln für neue Perspektiven
Auf all diese Aspekte des Schaukelns beziehen sich auch die Erfinder eines neuen Festivals, das mit Kunst, Kultur und Diskussion neue Perspektiven eröffnen will. Mitte Juli findet das erste „Perspectival“ in Damüls Faschina statt, 16 weitere sollen an verschiedenen Standorten im gesamten europäischen Alpenraum folgen. Die Besucher:innen sind eingeladen, in atemberaubender Kulisse zu schaukeln, an ungewöhnlichen Orten Musik und Performances zu erleben sowie an Workshops, Diskussionsrunden und einer Kurzfilmnacht teilzunehmen, bei denen das Festivalthema „Grenzen“ im Mittelpunkt steht. „Es gibt sie überall: zwischen Ländern, im Raum und in unseren Köpfen. Im Auf und Ab des Lebens kommen wir alle immer wieder an persönliche und gesellschaftliche Grenzen. Körperliche Grenzen. Zeitliche Grenzen. Ethische Grenzen. Emotionale Grenzen. Soziale Grenzen. Materielle Grenzen.“, sagt Mathias Klocker, Geschäftsführer von Damüls Faschina Tourismus und einer der drei Festivalgründer, die sich unter dem Namen „creativeALPS“ zusammengeschlossen haben, um Konzepte und Projekte für eine lebenswerte Zukunft im europäischen Alpenraum zu entwickeln. Ihr erstes „Perspectival“ in Damüls will dazu einladen, sich
bewusster mit persönlichen und gesellschaftlichen Grenzen in all ihren Ausprägungen auseinanderzusetzen und dabei die Lebensfreude – und das Schaukeln – nicht zu vergessen.
Wussten Sie? ... dass Damüls Faschina seit 2021 über einen Schaukelwanderweg verfügt? Aktuell beinhaltet das „Land der Schaukeln“ vier Schaukelstandorte auf 1850 Metern, die nur zu Fuß erreichbar sind und in einer atemberaubenden Bergkulisse einzigartige Schaukelerlebnisse ermöglichen. Weitere Standorte sollen folgen. Infos unter www.damuels.at
Sudoku So geht‘s: Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block (= 3×3-Unterquadrate) die Ziffern 1 bis 9 genau einmal vorkommen. Viel Spaß!
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Vier Frauen und
oben: (von links) Manuela und Martina links: Sarah und Mama Paula
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ein Lebenswerk
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irekt am Dorfplatz von Lingenau, hinter dem Dorfbrunnen, fällt einem das charakteristische Schindelhaus sofort ins Auge. Im Erdgeschoss ist dort seit 2021 das „Badhus“ beheimatet, Café und Unverpackt-Laden in einem. Der Name ist eine Reminiszenz an „Toneles Badehaus“, wo an derselben Adresse bis vor dem Zweiten Weltkrieg die Lingenauer Bevölkerung zum gemeinsamen Bade geladen wurde. Damals wie heute kehrt man hier gerne zu, ein Geheimtipp ist es längst nicht mehr. So wollen auch wir von der marie das Badhus und seine Gründerinnen näher kennenlernen.
Den Träumen nicht ausgekommen
Wer sind die vier Frauen, die sich zu einer gemeinsamen Geschäftsidee zusammengeschlossen und einen Ort des Genusses, der Qualität und Lebensfreude geschaffen haben? Weder waren sie zuvor in der Gastronomie noch im Lebensmittelhandel tätig und der typischen Start-Up-Hipster-Szene würde man sie auch nicht unbedingt zuordnen. Schlichtweg die Träume waren es, die ihre eigene Kraft entwickelten und eins ums andere ergaben. Regelmäßig hockten sich die Freundinnen nämlich im Garten zusammen und beim gemeinsamen Spintisieren reifte eine Idee heran, der sie schlussendlich nicht mehr auskamen. „Wir vermissten ein gemütliches Café in Lingenau und sprachen darüber, wie gerne wir Regionales und Selbstgemachtes, tierleidfreie und plastikfreie Produkte vertreiben würden“, so Sarah Ranak, 34. „Erst hat man halt so geredet, mehr
Erstens war da Freundschaft. Zweitens die Liebe zur Region. Und drittens ein Haufen guter Ideen, die sich alle – als hätte es immer schon genau so sein sollen – unter einem Dach vereinen lassen. Dazu guter Geschmack, ein Händchen fürs Praktische und unbändige Schaffenslust: Zutaten einer Rezeptur, die seit gut zwei Jahren im „Badhus“ in Lingenau, einem Café und Unverpackt-Laden, gleichermaßen Ausdruck wie Anklang findet. Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Karin Nussbaumer
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Wir vermissten ein gemütliches Café in Lingenau und sprachen darüber, wie gerne wir Regionales und Selbstgemachtes, tierleidfreie und plastikfreie Produkte vertreiben würden.
im Sinne von wäre/hätte/sollte, aber die Themen ließen uns nicht mehr los. Ständig kamen neue Einfälle dazu und irgendwann waren wir soweit, dass wir nicht mehr anders konnten, als es einfach auszuprobieren.“ Sarah, ursprünglich Grafikerin, vertrieb seit geraumer Zeit schon tierversuchsfreie Kosmetikprodukte, Mama Paula Ranak, 58, ist seit jeher eine formidable Kuchenbäckerin, während Manuela Vögel, ebenfalls 58, vor allem frische, gesunde Mittagsmenüs zu zaubern weiß. Und Martina Baumgartner, 55, liebt es, alles in Gläser abzufüllen, was ihr großer Garten hergibt. All diese Ressourcen und Kompetenzen fließen nun im Badhus zusammen. „Jede hat ihren Bereich, um den sie sich kümmert und für den sie hauptverantwortlich ist“, erklärt Sarah.
Volle Kraft voraus
Eins sei ihnen durchaus bewusst gewesen: Das Dorf hatte auf ein Café gewartet, auf einen Unverpackt-Laden hingegen nicht unbedingt. Dennoch ging man es in genau dieser Ausrichtung an, machte sich mit ähnlichen Geschäftsmodellen vertraut, schmiedete Businesspläne, begab sich auf Standortsuche und ließ sich später weder vom ersten noch vom zweiten Lockdown beeindrucken. „Nein, was war keine Bremse, das gab uns eher nochmals Zeit, die Dinge gut zu prüfen, bevor wir dann im März 21 loslegen konnten.“ Die Feuertaufe habe vielmehr darin bestanden, den Auflagen der BH gerecht zu werden. „Ständig kam was dazu, kurzzeitig hätten wir schon an manchem Punkt am liebsten alles hingeschmissen“, so Sarah, der man anmerkt, dass dies in Wirklichkeit nie eine Option gewesen ist. Mit gemeinsamer Kraft verwandelte man den Raum schlussendlich in einen vollwertigen Gastro-Betrieb mit durchdachtem Ladenkonzept. Sarah: „Mein Papa, mein Bruder, mein Freund, alle waren mit größtem Einsatz dabei und sind es bis heute, wenn wir Unterstützung brauchen.“
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Die Themen ließen uns nicht mehr los. Ständig kamen neue Einfälle dazu und irgendwann waren wir soweit, dass wir nicht mehr anders konnten, als es einfach auszuprobieren.
Hoher Zuspruch
Was die Frauen besonders freut, ist die Tatsache, dass ihr Angebot nicht nur bei Touristen, sondern auch bei den Einheimischen so viel Zuspruch findet. Mehr als sie je gedacht hätten. Die Attribute „bio“ oder „vegetarisch“ würden sie gar nicht so sehr ins Rennen werfen, die Hauptsache sei, dass es im Café nicht nach Verzicht schmecke und der Laden eine gute Auswahl an Gesundem und Frischem biete. Dass man hier Nudeln, Reis, Nüsse oder Hülsenfrüchte aller Art in individuellen Mengen selbst abfüllen könne, würden auch immer mehr Menschen zu schätzen wissen. Natürlich sei da
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Das Badhus-Team ist inzwischen um vier Angestellte gewachsen; von links: Nadine Irrgeher, Ingrid Moosbrugger (nicht im Bild: Angelika Ritlop, Ingrid Häusler). Hinten in der Küche: drei der vier Gründerfrauen.
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auch entsprechende Vermittlungsarbeit wichtig. „Uns war von Anfang an klar, dass es seine Zeit braucht, bis sich Einkaufsgewohnheiten ändern, da vertrauen wir ein Stück weit auch dem Ansteckungseffekt. Das Zusammenspiel von Geschäft und Gastronomie in einem Raum macht sich da auf jeden Fall bezahlt, immer mehr Kunden kaufen regelmäßig bei uns ein.“ Spannend sei auch, dass das Café als ein Ort wahrgenommen würde, wo – so ein immer wieder gehörtes Feedback – „man sich auch mal alleine reinsitzen traut“.
Traum wächst und gedeiht
Ohne eine gewisse Portion Idealismus sei eine Idee wie das Badhus nicht umsetzbar, das müsse einem klar sein. Aber gerade „weil die Leute mit uns mitfiebern und so interessiert daran sind, was wir machen“ würde der Job so viel Spaß machen und einen stets aufs Neue motivieren. Von Ängsten hat sich das Frauen-Kollektiv nie leiten lassen, bislang jedenfalls sei der Tatendrang stets über jeden Zweifel erhaben gewesen. Inzwischen ist das Team mit vier Teilzeit-Angestellten auf insgesamt acht Frauen angewachsen, Angebote wie das Genussfrühstück oder der Badhus-Vierobad fänden viel Anklang. Auch, wer glutenfrei essen muss oder sich vegan ernährt, kommt im Badhus voll auf seine Kosten. Und für die warme Jahreszeit gibt es noch einen Service im Programm, der landesweit ziemlich einzigartig sein dürfte: Ein Wald-und-Wiesen-Brunch in Form eines gefüllten Picknickkorbs inklusive allem, was dazugehört. Auf Wunsch kann sogar ein Retro-E-Roller hinzugemietet werden, um die besten Ecken und Winkel im Bregenzerwald aufzuspüren. Also die wirklich geheimen Plätzchen, die in keinem Reiseführer und auch nicht in der marie verraten werden sollten.
Uns war von Anfang an klar, dass es seine Zeit braucht, bis sich Einkaufsgewohnheiten ändern. Das Zusammenspiel von Geschäft und Gastronomie in einem Raum macht sich da auf jeden Fall bezahlt, immer mehr Kunden kaufen regelmäßig bei uns ein.
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Café Badhus und Unverpackt-Laden Frisches Obst und Gemüse in Bio-Qualität, tierversuchsfreie Kosmetik und Pflegeprodukte, regionale Produkte, täglich frisch zubereitete Mittagessen (Di bis Fr), Kuchen etc. auch zum Mitnehmen; Hof 17, Lingenau www.badhus.at
Besondere Angebote: • Genussfrühstück jeden Mi und Sa, vor Ort oder „to go“ • Badhus-Picknick im Grünen (auch als Gutschein-Variante) inkl. Decke, Besteck, Gläser und auf Wunsch inkl. Mietmöglichkeit eines Retro-E-Rollers • Glutenfreie und vegane Frühstücksvarianten und Kuchen • Badhus-Vierobad mit Live-Musik und freiem Eintritt, jeweils von vier bis neun auf der Badhus-Terrasse: Fr, 04. August mit Buramusig Lingenau – Blasmusik-Sound Fr, 22. September mit Badhus-Blech-Brass-Sound Nur bei guter Witterung!
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Was wir gewinnen, wenn wir verzichten Gewinn und Verzicht stehen an zwei entgegengesetzten Polen. Diesen beiden Polen wollen wir nachspüren. Welche persönlichen Erfahrungen haben wir damit? Welche Rolle spielen sie in Wirtschaft, Politik und Religion? Sind sie überhaupt zusammenzubringen? Referent Martin Strele wird am Donnerstag, den 3. August im Bildungshaus Batschuns von 9 bis 17 Uhr dem Spannungsfeld von Gewinn und Verzicht nachgehen und aufspüren, was das in unserem Leben und für diese Erde bedeutet. Am Nachmittag wird das Thema in Workshops in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Spiritualität und auf persönlicher Ebene konkretisiert. Das Werk der Frohbotschaft lädt alle Interessierten zu diesem Seminartag herzlich ein. Eintritt zur Tagung samt Verpflegung ist frei. Anmeldung beim Werk der Frohbotschaft Batschuns, info@frohbotinnen.at oder 05572/40 10 19 bis spätestens 26. Juli.
Programm: 9 Uhr 12 Uhr 14 Uhr
ca. 17 Uhr
Vortrag und Gespräch | Martin Strele Mittagessen Workshops mit Martin Strele (persönlicher Bereich), Christof Drexel (Wirtschaft), Josef Mathis (Politik), Brigitte Knünz (spiritueller Bereich) Abschluss
Martin Strehle © darko todorovic
Mittendrin in V
Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com
Gipfeltreffen zum Frühstück Dank frischer Croissants ist alles in Butter
Zutaten:
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• 1 kg Mehl (Typ 480) • 1 Hefewürfel (ca. 40 g) • 1 Ei • 20 g Salz • 20 g Honig
• 450 g (!) Butter und gut 400 ml Wasser – vor dem Backen noch 2 Eigelb und ein Schuss Rahm
Im Alltag ist das Frühstück kein Vergnügen. Schließlich hat man morgens schon alle Hände voll zu tun, um die Spuren des Kopfkissens aus dem Gesicht zu beseitigen. Und es ist schon ein Erfolg, wenn es gelingt, die Kinder zeitgerecht und – trotz pubertären Widerstands – halbwegs der Witterung entsprechend gekleidet zum Verlassen der Wohnung zu bewegen. Kann das Frühstück unter diesen Umständen Freude bereiten? Eher nicht. Das trockene Brot und der Filterkaffee werden da höchstens aus rationalen Gründen eingenommen. Schließlich möchte man wach werden und frühzeitiges Magenknurren verhindern. Doch in den Ferien schlägt die Stunde des ausgedehnten Frühstücks. Plötzlich schwingt man sich mit Leichtigkeit zur Kaffeemaschine. Und während die Vögel vergnügt zwitschern, tänzelt man barfuß über die Terrasse, um unter blauem Himmel Croissants in Erdbeer-Marmelade zu tunken und das neue Album von Souad Massi zu entdecken (siehe Musiktipp). Ich empfehle, die Croissants zwischendurch selbst zu backen. Das ist gar nicht so schwer und verdeutlicht, wie unfassbar viel Butter im Teig steckt. Doch darüber sieht man angesichts der sommerlichen Leichtigkeit schmunzelnd hinweg. Der Frühstücks-Alltag kommt schließlich schon bald wieder.
Zubereitung: 50 g der Butter in eine Rührschüssel geben, damit sie bei Zimmertemperatur weich wird. Zum lauwarmen Wasser die Hefe bröseln und auflösen. Mehl, Ei, Salz, Honig und Zucker zur weichen Butter geben, mit der Küchenmaschine bei kleiner Stufe verrühren, nach wenigen Minuten auf mittlerer Stufe kneten, bis ein kompakter Teig entsteht. Schüssel abgedeckt für eine Stunde ruhen lassen. Dann den Teig länglich ausrollen (ca. 60 x 30 cm) und die restlichen 400 g Butter in der Küchenmaschine verrühren – am besten mit dem Flachrührer. Auf einer Folie den großen Haufen Butter zu einer Platte ausrollen (ca. 30 x 30) und eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen. Dann die Butterplatte in die Mitte der Teigplatte legen, sodass links und rechts des Butters jeweils ca. 15 cm Teig überstehen. Teigseiten über die Butter klappen. Teig-Butterplatte drehen und knapp 1 cm dünn ausrollen. Teig von oben und unten zur Mitte klappen und dann gleich nochmals von links und rechts. Wieder auf 1 cm ausrollen, nochmals von oben und unten zusammenklappen und dann noch dünner – auf ca. 5 mm – ausrollen. Dreiecke (ca. 7 x 30 cm) schneiden und zu Croissants aufrollen. Eigelb mit Rahm verquirlen, mit dem Pinsel die eingerollten Croissants bestreichen und bei 160 Grad Umluft auf Blechen, die mit Backpapier ausgelegt sind, eine Viertelstunde lang backen.
Musiktipp: Das Album „Sequana“ von Souad Massi passt wunderbar zum sommerlichen Frühstück. Die Sängerin, Songwriterin und Gitarristin aus Algerien hat eine Vorliebe für Folkmusik. Das merkt man auch daran, dass sie Johnny Cashs „Hurt“ in arabischer Sprache singt. Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com
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FREILUFTYOGAGLÜCK Yoga sollte weder als ein reines Fitnessprogramm missverstanden werden, noch ist es „nur etwas für ganz Bewegliche“ und aus der esoterischen Ecke hat es sich sowieso längst rausgemausert. Yoga ist viel mehr und nicht umsonst hat es in den letzten zwei Jahrzehnten einen Wahnsinns-Boom erlebt. Was Yoga kann, insbesondere unter freiem Himmel praktiziert, das haben wir uns vor Ort angeschaut. Und dürfen nach zwei erfrischenden Wald- und Wiesenerfahrungen festhalten: Ja, tut einfach saugut. Text: Simone Fürnschuß-Hofer; Fotos: privat, Mark Mosman
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er Tag hat mich mit seiner Schwüle eingebremst, der Kopf steht mir eigentlich mehr nach einem Schwumm im Alten Rhein. Aber ich raffe mich auf, packe meine Yogamatte, fülle eine Flasche mit Wasser, schlüpfe in die Turnschuhe, quäle mich ins heiße Auto und mach mich auf den Weg zum Parkplatz Rickatschwende in Dornbirn. Was mich dort erwartet? Eine neue Erfahrung, auf die ich trotz aller Hitze positiv gespannt bin. „Sobald du den Wald betrittst, ändert sich was. An Energie, Stimmung und Wahrnehmung. Aber viel wichtiger ist es, das zu spüren, als darüber zu reden“, hatte mir Anna Hartmann, 28, aus Götzis bei unserem Erstgespräch erzählt. Und vielleicht war das der Punkt, an dem ich mir dachte, ich sollte eigentlich nicht darüber schreiben, bevor ich es nicht selbst ausprobiert habe. Anna ist Yogalehrerin und hat an einer versteckten Stelle im Wald oberhalb von Dornbirn eine Yogaplattform gebaut. Das Waldstück ist das Erbe des Opas, vom Förster wurde selbstverständlich der Sanktus eingeholt. Seit vier Sommern bietet Anna bereits Waldyoga an. Sie, die schon als Kind am liebsten und in jeder freien Minute durch den Wald hüpfte, um Gnome und Zwerge aufzuspüren, habe als Erwachsene zurückgefunden zu dieser Quelle. Ihre Liebe zur Natur, zu Kräuter und Bäumen lasse sich wunderbar einbinden in die Yogapraxis. „So kann ich den Menschen noch mehr mitgeben, denn
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SOBALD DU DEN WALD BETRITTST, ÄNDERT SICH WAS. AN ENERGIE, STIMMUNG UND WAHRNEHMUNG. ABER VIEL WICHTIGER IST ES, DAS ZU SPÜREN, ALS DARÜBER ZU REDEN.
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„ Yoga ist für mich kein reines Asana (Anm.: Körperübungen) und auch der westliche Fitnesscharakter, der sich da und dort hineinmischt, entspricht mir nicht. Mir geht es vielmehr um die heilsame Verbindung von Natur und Yoga. Jedes Kraut, jeder Baum hat eine Botschaft für uns – und Kräfte, die wir nützen können.“
Ein Bad im Walde
Angekommen an unserem Treffpunkt mache ich mich mit unserer Yogalehrerin und weiteren sieben Frauen auf den Weg. Waldyoga bei Anna Hartmann bedeutet nämlich auch: ein Waldbad nehmen. Nein, nicht in einem Tümpel, sondern in der Waldluft, denn Waldbaden heißt soviel wie „Spazieren im Wald“. Spazieren mit allen Sinnen. Für Fortgeschrittene inklusive Wahrnehmungs- und Atemübungen. Waldbaden kommt ursprünglich aus Japan und wird dort als Naturheilmethode zur Gesundheitsvorsorge praktiziert. Dabei geht es vor allem um das Einatmen der Terpene: Pflanzenbotenstoffe, die von den Waldpflanzen absorbiert und – an uns Menschen abgegeben – unser Immunsystem, unsere Psyche und unser Nervenkostüm positiv beeinflussen. Ich, regelrecht ausgehungert nach zivilisationsfreiem Naturerleben, kann‘s kaum erwarten, unter dem ersten Baum zu stehen und die satte Mischwaldluft bis tief in den untersten Bauchraum einzusaugen. Allein schon der Mix aus Moosgrün und Sonnenlicht, das sich durch die Äste bricht, dazu Tupfer von Himmelblau und der ganz spezielle Sound des Waldes, stimmen mich dankbar und ruhig. Wir kommen an die „Schwelle“, einen bestimmten Punkt, an dem wir Sorgen und Alltagsmühen an die mächtigen Fichten am Wegesrand abgeben dürfen. Dabei geht es um kein großes Zeremoniell, mehr um Bewusstsein, Wahrnehmung, Gedanken. Alles bleibt angenehm unaufgeregt, leise. Es klappt nicht ganz bei mir, ein unerfreulicher Telefonanruf vom Vormittag bleibt an mir kleben, aber das ist nun wirklich nichts Neues: Auch das Abschalten will gelernt sein.
DER WESTLICHE FITNESSCHARAKTER, DER SICH DA UND DORT | 33
BEIM YOGA HINEINMISCHT, ENTSPRICHT MIR NICHT. MIR GEHT ES VIELMEHR UM DIE HEILSAME VERBINDUNG VON NATUR UND YOGA. JEDES KRAUT, JEDER BAUM HAT EINE BOTSCHAFT FÜR UNS – UND KRÄFTE, DIE WIR NÜTZEN KÖNNEN.
Waldyoga mit Blick auf den See
Was folgt, ist ein knapp halbstündiger Fußmarsch bis zur Yogaplattform. Anna bittet uns, diesen in Stille zu gehen. Eine Wohltat für jemanden wie mich, die sich im Zweifelsfall bemüßigt fühlt, lieber irgendwas als gar nichts zu sagen. Über Schotter- und Wurzelpfade geht es bergauf, mit jedem Schritt weitet sich die Distanz zum
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Alltag. Am Ziel angekommen, ein Dankesgruß an den imaginierten Hüter der Plattform, ein von der Natur geformtes Lehmgebilde, das mich ein bisschen an Michael Endes Glücksdrachen Fuchur erinnert. Dann rauf auf die Yogaplattform, die wirklich magisch ist: gleichermaßen schlicht wie genial, weil völlig versteckt im Wald mit einem wundervollen Ausblick bis auf den Bodensee. Wir schwingen uns ein, Anna hat Johanniskraut für uns mitgebracht und webt dessen Botschaften in die Yoga-Praxis mit ein, regt unaufdringlich dazu an, all unsere Sinne zu aktivieren. Die Yoga-Übungen sind wohltuend und lassen einen ankommen. So sehr, dass man das Shavasana – die Entspannungseinheit am Ende jeder Yogastunde – gerne ins Unendliche ausdehnen würde. Allerdings ist das Gegenteil der Fall, das immer lauter werdende Donnergrollen lässt uns früher als gewollt aufbrechen. Und so kommt, was kommen will und mir persönlich gar sehr willkommen ist: Am Schluss spült uns ein satter Gewitterregen die Schwüle des Tages vom entspannten Leib, bis alles trieft und die Terpene – sinnbildlich gemeint – so richtig von den Ästen tropfen. Herrlich.
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ES BRAUCHT IM LEBEN IMMER WIEDER RÜCKZUGSINSELN UND SEINS-RÄUME, DIE UNS MIT GUTEN ENERGIEN VERSORGEN.
Sommer, Sonne, Yogaglück
Nicht minder wohltuend ist meine morgendliche Yogaerfahrung wenige Tage später am See. (Ja, so macht Recherchieren besonders viel Spaß.) Ich gönne mir die Anreise an den „Rohrspitz“ per pedales. Unter der Laubhaube durch die Schrebergärten und über die sonnengefluteten Felder des Höchster Riedes: das allein schon ein Genuss, der im Alltag viel zu oft von der automobilen Versuchung torpediert wird. „Einen kleinen Urlaub auf der Matte“, hat mir Anna Blume, 54, gebürtige Uruguayerin und seit ihrem 12. Lebensjahr in Vorarlberg zu Hause, versprochen. Und ich freue mich darauf, mich mit Blick auf den See sanft in den Tag einzustimmen. Auf der Wiese am Rohrspitz rollen wir unsere Matten aus. Schatten, Sonne, alles da. Dazu Vogelgezwitscher, viel Gesumse, eine feine Sommerbrise, das ganz eigene See-Aroma auf der Zunge. Egal, ob sie ihre Yogastunden outdoor oder in geschlossenen Räumen anbiete, ob in laufenden Kursen oder innerhalb von speziellen Retreats, die Atmosphäre eines Ortes sei ihr ganz wichtig, sagt Anna. Denn: „Es braucht im Leben immer wieder Rückzugsinseln und Seins-Räume, die uns mit guten Energien versorgen.“ Weil diese nicht vom Himmel fallen, investiert Anna Blume viel Zeit, solche Orte aufzuspüren. Mit Erfolg.
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Sonnengruß küsst Himmelblau
Auf Sonnengruß und Shavasana setzte Anna im Übrigen bereits, als die Leute noch meinten, das sei nur was für „ganz Esoterische“. Anfang der Jahrtausendwende hat sie ihre Yogaausbildung begonnen. Sie erinnert sich: „Ich spürte sofort, das war die perfekte Verbindung von Bewegung und dem, was ich zuvor in Bioenergetik und Reiki erfahren habe. Im Yoga verbindet sich alles: Körper, Seele, Geist. Mit Yoga hast du etwas zur Hand, das du ganz für dich tun kannst und das dich ins Fühlen bringt.“ Längst hat Anna Blume ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt, ihre Abo-Kurse sind das ganze Jahr hindurch gut gebucht. Die Open-Air Stunden an verschiedenen Plätzen am Bodensee sowie am Alten Rhein bietet sie während den Ferienmonaten relativ kurzfristig je nach Wetterlage an. Das Angebot richtet sich an Anfänger genauso wie an Fortgeschrittene. Am besten man lässt sich in ihre „YogaAm-Wasser“-WhatsApp-Gruppe aufnehmen und ist so immer rechtzeitig informiert. Was mich betrifft, werde ich jedenfalls keine Möglichkeit, die mein Terminkalender hergibt, auslassen, Yoga unter heiterem Himmel zu praktizieren. Und ich bin einer Meinung mit Anna, die Yoga als „innere Massage“, als „Reinigung und Durchlüftung, ähnlich einem Hausputz“ beschreibt. Mit einem anschließenden Tauchgang im See und einem Cappuccino im Café nebenan verwandelt sich der Hausputz dann gar noch in die versprochene Mini-Auszeit. Wobei ich mir den Gang ganz runter in den Urlaubsmodus dann doch nicht erlauben kann, denn jetzt geht’s an die Schreibarbeit. Die Selbsterfahrung ist soweit abgeschlossen, persönliches Fazit: Zweimal Anna, zweimal Yogaglück. Namasté.
Anna Hartmann, www.annaronjatheresa.at, @waldannaronja Waldyoga: 03., 10., 17., 24.07., 31.07., 07.08., 14.08. (weitere Termine folgen), jeweils ab 18:00 Uhr, Anmeldungen info@annaronjatheresa.at, 0660 381 09 13, Treffpunkt Parkplatz Rickatschwende Yoga & Brunch am Campingplatz Dornbirn (Gütlestr. 15): 01.07., 15.08., 02.09., jeweils 08:30 Uhr Natur- und Yogaretreat für Frauen: „Aus der Fülle pflücken und sammeln“; 19.08 von 09:00 - 16:30 Uhr in Mellau; Special für marie-Leserinnen: Ein Platz wird verlost!!! Einfach Mail mit Codewort „Yogaretreat“ an redaktion@marie-strassenzeitung.at Mehrtägige Retreats und weitere Angebote etc. siehe www.annaronjatheresa.at
Anna Blume, www.yogablume.at, @yogablume.at Yoga im Freien (bei trockenem Wetter): Yoga am Alten Rhein, Höhe Volleyballplatz, 04.07., 7:30 - 8:30 Uhr; Yoga am See, Rohrspitz Höchst, 05.07., 9:00 - 10:10 Uhr; Sunset Yoga Flow, Rohrspitz Höchst, 06.07., 20:00 - 21:30 Uhr; Special für Spontane: Sommer-WhatsApp-Gruppe für kurzfristige Schönwetter-Angebote im Freien; 0650 620 888 4, annablumek@yahoo.de Start der regulären Yogakurse im Theresienheim wieder ab 18.09.
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Buch „Platziert“ nimmt Vorarlberger Politikerinnen in den Fokus Das Platziert-Team (von links): Karin Nussbaumer, Natascha Soursos und Romy Abraham © Ursula Dünser
Frauen sind in der Politik – besonders auf kommunaler Ebene – in Vorarlberg nach wie vor unterrepräsentiert. Erst 6 von 96 Gemeinden leiten Bürgermeisterinnen und in Gemeindevertretungen sitzen nur 27 Prozent Frauen. Natascha Soursos, Stadträtin, Kommunikationsberaterin und Initiatorin des im Herbst erscheinenden Buches „Platziert – Vorarlberger Politikerinnen im Gespräch“ möchte über das Medium Buch zeigen, dass Frauen „Politik können“. Sie sagt: „Es braucht weibliche Vorbilder, die aufzeigen: Ja, es geht. Wir Frauen können Politikerin sein und politische Funktionen lassen sich auch mit Familie und Beruf vereinbaren.“ In „Platziert“ lässt sie 25 Vorarlberger Politikerinnen aus allen fünf Landtagsparteien zu Wort kommen. Das Ergebnis sind persönliche Interviews zu individuellen Karrierewegen, Stolpersteinen, aber auch den Chancen, die sich durch eine politische Beteiligung von Frauen bieten. Ergänzt werden die Interviews um Daten, Zahlen, Fakten sowie Analysen der drei Frauen-Expertinnen Kathrin Stainer-Hämmerle, Stefania Pitscheider Soraperra und Sabine Juffinger.
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Crowdfunding zur Finanzierung Aktuell startet das Platziert-Team ein Crowdfunding auf mit.einander.at. Interessierte können das Buch vorab bestellen und mit Spenden das Projekt unterstützen. Die Aktion läuft bis 16.11., am selben Tag wird dann das finale Buch im Alten Hallenbad in Feldkirch vorgestellt. Link zum Crowdfunding: https://mit.einander.at/platziert
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SOMMERLICHER RÄTSELSPASS Am Freitag, den 11. August erscheint eine ganz besondere Ausgabe der marie. Sie ist vollgepackt mit Rätselaufgaben für die ganze Familie. Es gibt jede Menge Sudokus, Kreuzwort-, Logik- und Kinderrätsel, inklusive Vorarlberger Lösungsworten. Zu kaufen gibt es das Heft bei der Verkäuferin/dem Verkäufer deines Vertrrauens.
© iStock
#84 | Juli-August 2023
Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Lösung
Für Anfänger
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×5
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÷4
+25
÷4
+23
×3
-12
÷6 Lösung
Für Fortgeschrittene
17
×7
+25
÷12 +75% zum Quadrat +43
÷11
davon 25%
+26 Lösung
Für Genies
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zum Quadrat
÷4
+25
×14
davon 25%
÷6
+75%
×4 Lösungen auf Seite 42
S C HAC H E C K E Nachdem wir in der marie #82 / Mai 2023 über die Österreichischen Meisterschaften der Altersklassen U16 und U18 berichtet haben, nehmen wir in dieser Ausgabe die Altersklassen U12 und U14 (jeweils Mädchen und Burschen) unter die Lupe. Diese vier Wettbewerbe fanden vom 8. bis 11. Juni 2023 im Mekka des österreichischen Schachs – das Kunsthotel Fuchspalast im kärntnerischen St. Veit an der Glan – statt. Insgesamt waren 96 TeilnehmerInnen (davon zehn aus Vorarlberg) am Start. Nach vielen interessanten und spannenden Schachpartien ging jeweils ein Titel in die Steiermark (bei drei Silbermedaillen), Wien, Oberösterreich und Tirol. Aus Vorarlberger Sicht ist der Gewinn der Bronzemedaille durch die Bregenzerin Leefke Giselbrecht in der Kategorie MU14 sehr erfreulich. Die Vorarlberger Jugendlichen wurden von der A-Trainerin Julia Novkovic (Dornbirn) und dem Internationalen Meister Henryk Dobozs (Bregenz) betreut und bestens Elisa Huber (Ottakring) Leefke Giselbrecht (Bregenz) ÖM MU14, St. Veit an der Glan 2023 1
auf die Partien vorbereitet. Mit dieser hier erwähnten Veranstaltung sind nun die Österreichischen Jugendmeisterschaften 2023 abgeschlossen. Ein kurzes Resümee: Der Österreichische Schachbund vergab an drei verschiedenen Terminen (April, Mai und Juni) Titel und Medaillen in zwölf unterschiedlichen Kategorien. Auch in diesem Jahr unterstrich die Steiermark eindrucksvoll ihre Vormachtstellung im Nachwuchsbereich. Nicht weniger als sechs der zwölf Goldmedaillen gingen in das zweitgrößte Bundesland Österreichs. Vorarlberg erreichte in der Medaillenwertung eine Goldene durch Luisa Lins (Hohenems) in der Kategorie MU08 und die bereits oben erwähnte Bronzene. Und nun bringen wir noch wie üblich drei interessante Stellungen aus Partien, welche Vorarlberger Jugendliche gespielt haben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lösen dieser Kombinationen. Lena Antenreiter (Leoben) Maryam Turdiyeva (Bregenz) ÖM MU14, St. Veit an der Glan 2023
Mario Rella (Gloggnitz) Daniel Atlas (Bregenz) ÖM U12, St. Veit an der Glan 2023
Mit welcher Fortsetzung führt Schwarz am Zug die sofortige Entscheidung herbei?
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Wie erreicht Schwarz am Zug entscheidenden Materialvorteil?
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Wie gewinnt Schwarz am Zug einen Bauern?
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„ Ich sehe beide Seiten“ Julia Schneider (49) ist Dozentin für Wirtschaft an der Fachhochschule Vorarlberg und blind. Ihre Sehbehinderung hindert sie nicht daran, lebensfroh ihren Weg zu gehen und anderen ein Licht zu sein. Porträt einer mutigen Frau.
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Text: Christina den Hond-Vaccaro Fotos: Dario Fink
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ulia Schneider hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Sie weiß, wie die Ausstattung im Raum der LehrbeauftragtenKonferenz, bei der ich sie erstmals kennenlerne, angeordnet ist. Eine Frau Ende 40, hellblonde Haare, ein schönes geblümtes, farbenfrohes Kleid, das zu ihrem Lächeln und der freundlichen Stimme passt, die wohlgesonnen in die Runde grüßt. Ihr Taststock ist ihr eine Hilfe, die anders als gewöhnlich angeordneten Stühle wahrzunehmen und einen Platz zu finden. Ein Jahr später treffen wir uns für ein Interview vor dem Hauptgebäude der Fachhochschule Vorarlberg. Gefragt, in welchem Gebäude am Campus sich ihr Büro befindet, gibt sie Auskunft und sagt, dass es von da, wo wir stehen, zu sehen sein sollte. Im Gang des Hauptgebäudes suchen wir ein leeres Unterrichtszimmer. „An den Türen gibt es kleine Fenster in die Räume, durch die man sehen kann, ob sie frei sind“, sagt sie hilfsbereit.
#84 | Juli-August 2023
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Ich sehe beide Sei-
ten – wie es ist, mit einem Handicap zu studieren, aber auch den Lehrbetrieb. Das ist eine sehr gute Kombination, die sich schon oft sehr bewährt hat.
Eine gute Kindheit
Julia Schneider wurde in Bregenz als Älteste von fünf Schwestern geboren. „Wir liegen vom Alter her alle eng beieinander und hatten eine gute Kindheit miteinander“, erzählt sie. Drei der vier Schwestern sind mittlerweile auch blind, nur die Jüngste sieht normal, wie die Eltern. Im weiteren Familienkreis ist niemand blind. „Lange dachte man, meine Eltern seien miteinander verwandt. Doch vor Jahren zeigte ein Gentest, dass meine Eltern auf dem gleichen Gen einen Defekt hatten, wobei die Defekte ganz anderer Art sind.“ Es sei ein riesiger Zufall, dass bei den zigtausenden Genen [Anm.: Der Mensch hat zirka 20.000 Gene] und den sieben, acht Genfehlern, die jeder Mensch habe, ihre Eltern ausgerechnet an der „tupfgleichen Stelle den Gendefekt haben. „Ein Lotto-Sechser ist wahrscheinlicher“, sagt Schneider und lacht. Als Kind hatte die Harderin einen Sehrest von maximal sieben bis acht Prozent – sie weiß, wie Bäume aussehen, Gesichter konnte sie nie erkennen. „Die Augenkrankheit, die ich habe, ist eine degenerative Netzhauterkrankung. Bei dieser ist es normal, dass du mit spätestens 40 blind bist.“ Gemeinsam mit ihren Schwestern besuchte sie die Sonnenbergschule für Blinde und Sehbehinderte im Kanton Zug in der Schweiz. Die nächste Blindenschule in Österreich wäre in Innsbruck gewesen, doch diese war 200 Kilometer entfernt. Die näher gelegene Sonnenbergschule wurde in den 80er Jahren neu gebaut. Vorarlberg finanzierte mit, im Gegenzug durften Vorarlberger:innen die Schule besuchen. „Das war super, denn die Schule ist für damalige Zeiten sicher die beste in Europa gewesen. Es war wirklich eine extrem gute Schule – das habe ich erst gemerkt, als ich im Anschluss die HAK besuchte“, betont Schneider. Es habe stets geheißen, dass man als Blinde einen großen Nachteil habe und nie so viel lerne, wie die Kinder in den öffentlichen Schulen. Lücken wurden ihr prognostiziert, doch in der Handelsakademie bemerkte sie, dass sie nicht nur keine Lücken hatte, sondern ihren Mitschüler:innen voraus war. Ausgezeichnete Lehrer, 40-45
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Wichtig ist, bei Betroffensein einer Behinderung oder Erkrankung nicht so zu tun, als ob da nichts wäre, und nicht zu spät Hilfe zu suchen.
Unterrichtsstunden, dazu kleine Klassen – in der Unterstufe acht, in der Oberstufe fünf Schüler. „Da trifft dich dann natürlich jede fünfte Frage und zwingt dich, immer gut mitzuarbeiten. Die Lehrer konnten sehr gut auf uns eingehen und haben uns auf allen Ebenen gefördert. Wir mussten sehr viel Sport machen, Handarbeit, Musik, immer wieder auch Theateraufführungen, um zu lernen, vor einer Menschenmenge zu reden und so weiter. Ich glaube, das war die strengste Zeit meines Lebens“, erinnert sich Schneider und lacht.
Außenseiterin als Teenager, Unerschüttliche als Studentin
Die Antwort auf die Frage nach der größten Herausforderung ihrer Schulzeit kommt schnell: „Außenseiter zu sein. Ich bin mit 15 in eine neue Schule gekommen, in der ich niemanden kannte. Meine Schulkollegen hatten einen ganz anderen Humor als ich ihn aus der Schweiz kannte. Das Alter hat nicht geholfen.“ Doch nach einem Jahr hatte sich die Teenagerin Julia an den Humor an der neuen Schule gewöhnt und auch
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Diskriminierungsgeschichten gibt es immer wieder. In den meisten Fällen denke ich mir, dass es weniger Argwohn als vielmehr Hilfslosigkeit ist.
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Freundschaften geschlossen, zu denen sie bis heute regelmäßig Kontakt hat. Ihr Anderssein war irgendwann kein Thema mehr. Nach der Matura wollte sie Physiotherapeutin werden. In der Ausbildung dazu therapieren sich Lernende dabei gegenseitig – und das ständige Berührtwerden ging für die junge Frau nicht. Andere Studienrichtungen gingen vom Sehen her nicht. Medizin oder Ernährungswissenschaften hätte sie interessiert, „aber da war beispielsweise Mikroskopieren dabei. Das kannst du natürlich vergessen.“ Andere Studien, wie Psychologie oder Sprachen, hätten sie nicht interessiert. Schließlich war da auch der Gedanke, von etwas leben zu können. So kam sie zu den Wirtschaftsingenieurwissenschaften. Es ging – gemeinsam mit einer ihrer Schwestern – nach Karlsruhe an die Universität Karlsruhe (TH). Während des technischen Studiums war das fehlende Sehvermögen eine deutliche Erschwernis. Viel Mathematik mit Formeln und technischen Zeichnungen. „Von den Lehrveranstaltungen kriegst du fast nichts mit. Da stand der Professor und sagte: Hier machen wir das und da machen wir dieses. Doch was ist ,hier‘ und ,da‘? Da hast du halt keine Chance.“ Es habe etwas gedauert, aber schließlich hatten sich die beiden Schwestern ihr Studium organisiert. Neben der gängigen Methode, ein Buch einzuscannen und dieses dann in elektronischer Form lesbar zu haben, besaß die technische Hochschule in Karlsruhe ein Studienzentrum für Sehgeschädigte. Dort wurden die speziellen mathematisch-technischen Skripten auch speziell aufbereitet, Zeichnungen wurden grafisch gemacht oder beschrieben und somit zugänglich gemacht. Für Mathematik nahmen sich Julia Schneider und ihre Schwester einen Tutor, da sie wöchentlich ein Übungsblatt abgeben mussten „und wenn du in der Vorlesung nichts mitkriegst, ist das blöd“ (lacht). Nach zwei Jahren war dieser Privatunterricht nicht mehr nötig – „den Rest haben wir so geschafft“. „So“ bedeutete mit Mitstudenten zu lernen. Alles in allem habe das Studium „gut funktioniert. Aber es war halt anstrengend.“
Dozentin, Ansprechperson und Verständnis statt Mitleid
Zu ihrer Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Vorarlberg kam Julia Schneider nach Abschluss ihres Studiums eher zufällig. „An der FHV war eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin ausgeschrieben – und ich bekam sie. Nebenher begann ich, Lehrveranstaltungen mitzuorganisieren und kam Stück für Stück ins Unterrichten. Seit 2012 unterrichte ich hauptsächlich“, sagt Schneider. Die Wirtschaftsdozentin ist auch Kontaktperson für Studierende mit Beeinträchtigungen, Behinderungen und chronischen Erkrankungen. „Ich sehe beide Seiten – wie es ist, mit einem Handicap zu studieren, aber auch den Lehrbetrieb. Das ist eine sehr gute Kombination, die sich schon oft sehr bewährt hat.“ Schneider erhält viele Anfragen. Wichtig sei, bei Betroffensein einer Behinderung oder Erkrankung nicht so zu tun, als ob da nichts wäre, und nicht zu spät Hilfe zu suchen. „Viele müssen das Studium um die Krankheit herum organisieren. Das ist Stress“, weiß Schneider. Der jugendliche Elan, es so machen zu wollen wie alle anderen, überschatte manchmal, wie viel Energie das Kompensieren der
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Man kann viel mit der Einstellung machen. Ich habe meine Behinderung akzeptiert, sie stört mich nicht und ich hadere nicht mit ihr.
Behinderung koste. „Die Dunkelziffer der Betroffenen ist sehr groß. Laut Statistik haben sieben bis acht Prozent der Studierenden eine Erkrankung oder Behinderung. Die Hälfte davon fühlt sich im Studium stark beeinträchtigt. Aber es kommen natürlich nicht alle zu mir. Manche wissen gar nicht, dass sie Unterstützung bekommen könnten, manche haben Hemmungen, möchten keine Ausnahmen sein.“ Jene, die Unterstützung suchen, melden wertschätzend zurück, wie gut es tue, bei Schneider verstanden, aber nicht mit Mitleid überschüttet zu werden. Außerdem finden sich oft Lösungen. Beispielsweise kam ein Student mit Legasthenie zu ihr, der bei Prüfungen schlicht deswegen durchfiel, weil er durch seine Leseschwäche zu wenig Zeit hatte, den Text mehrmals lesen zu können, um die Aufgabe richtig zu verstehen. Gesetzlich sind Hochschulen verpflichtet, für Menschen mit einer Beeinträchtigung eine alternative Prüfungsmethode anzuwenden, wenn er oder sie sonst nicht an der Prüfung teilnehmen kann. Der Studierende bekam bei Prüfungen 20-25 Prozent mehr Zeit und konnte sein Studium erfolgreich weiterführen. Ihre Tätigkeit als Ansprechperson für Studierende mit Beeinträchtigung beschreibt Schneider als „eine sehr schöne Arbeit. Für die Studierenden bringt es extrem viel Entlastung und Erleichterung. Es ist für mich ein schöner Dank, etwas für Menschen tun zu können, die dann wirklich froh und glücklich sind.“
Diskriminierung und digitale Barrierefreiheit
Ein Thema ist Schneider persönlich ein großes Anliegen – und führt leider oft auch zu großem Ärgernis: Die vielen Dinge, die nicht barrierefrei sind. Seien das Geräte mit Display, dessen Menüführung eine blinde Person nicht bedienen kann,
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Das Leben hat immer noch so viele Möglichkeiten, sich sinnvoll zu betätigen und glücklich sein zu können. Ich denke, das gibt es immer. Und da darf man sich einfach nicht entmutigen lassen.
oder – vor allem auch – digitale Barrieren: Webseiten, Apps, etc. Diese barrierefrei (und damit auch für die Allgemeinheit zugänglicher) zu machen, erfordere ein Mitdenken bei der Entwicklung. Gibt es im Alltag Situationen, in denen sich Menschen unsensibel oder beleidigend ihr gegenüber verhalten? „Diskriminierungsgeschichten gibt es immer wieder. In den meisten Fällen denke ich mir, dass es weniger Argwohn als vielmehr Hilfslosigkeit ist. Mir passiert es zum Beispiel häufig, wenn ich mit einer sehenden Person etwas einkaufe, dass der Verkäufer oder die Verkäuferin nicht mehr mit mir spricht, sondern mit meiner Begleitung. Obwohl ich nach einem Produkt frage, ich einkaufe und ich zahle“, erzählt Schneider. Manchmal verhalten sich Menschen auch übergriffig und sagen – nicht einmal direkt ihr, sondern ihrer Begleitperson – sie könne etwas nicht. In solchen Situationen komme Ärger und die Frage hoch: Woher weißt du, was ich kann? Aber im Normalfall nimmt Schneider es mit Humor. Es passieren oft auch lustige Sachen, wo man herzlich lachen kann. „Man kann viel mit der Einstellung machen. Ich habe meine Behinderung akzeptiert, sie stört mich nicht und ich hadere nicht mit ihr“, sagt Schneider bestimmt. Nach ihrer Erfahrung denke man bei einer Behinderung im ersten Moment, dass sie unglaublich einschränkt, „doch das Leben hat immer noch so viele Möglichkeiten, sich sinnvoll zu betätigen und glücklich sein zu können. Ich denke, das gibt es immer. Und da darf man sich einfach nicht entmutigen lassen.“
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Mittendrin in V
BUCHTIPPS Wasserschätze im Ländle entdecken Was gibt es Schöneres in der heißen Jahreszeit als draußen am Wasser zu sein? Eine entspannende Runde um und anschließend ein erfrischender Sprung in einen See, glasklare Gumpen und gischtende Wasserfälle entdecken, rauschende Gebirgsbäche und einsame Bergseen: Wasser hat immer eine besondere Anziehungskraft und Faszination. Mit diesem großzügig bebilderten Buch lässt sich die ganze Vielfalt des Vorarlberger Wasserschatzes erleben: von lebhaften Badeplätzen am Bodensee über einsame Gebirgsbäche im Montafon oder beeindruckende Schluchten im Bregenzerwald bis hin zu familienfreundlichen Flusswegen am Arlberg oder Wanderungen zu malerischen Bergseen im Großen Walsertal. Wetten, dass Sie nicht nur einen Lieblingsplatz am Wasser finden? Die marie verlost zwei Exemplare des Buches von Heike Bechtold. Senden Sie uns eine E-Mail mit ihrem Name und der Adresse an redaktion@ marie-straßenzeitung.at, Stichwort: Wasserplätze oder eine Postkarte an marie-Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems. Heike Bechtold: Vorarlbergs schönste Wasserplätze, 101 erfrischende Wander- und Ausflugstipps, 232 Seiten, 28 Euro ISBN 978-3-7022-4106-3
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Autor Peter Natter machte sich auf die Suche nach merkwürdigen Orten und Brennpunkten. Es sind Ortschaften, alltägliche Plätze und unauffällige oder besondere Regionen. Das Auffinden philosophischer Orte ist zugleich leicht und schwer. Ihr Wesen erschließt sich am ehesten dem distanzierten Blick. Es sind Plätze, deren Ruhe nachdenklich macht und Umgebungen, in denen man fast von selbst ins Sinnieren, ins Staunen und Grübeln kommt. Peter Natter: 33 philosophische Orte in Vorarlberg, 160 Seiten, 14,95 Euro ISBN 978-3-903240-47-6 edition v Bregenz Die marie verlost drei Exemplare des Buches von Peter Natter. Senden Sie eine E-Mail (Name und Adresse!), Stichwort „Philosophie“, an redaktion@mariestrassenzeitung.at oder eine Postkarte an marie-Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems
LÖSUNGEN
Schachecke 1 1...Te2+ Dieses naheliegende Schach bringt die sofortige Entscheidung. 2.Dg2 [Auf 2.Kg1 folgt natürlich 2...Dxh3 und Schwarz setzt den weißen König im nächsten Zug matt.] 2...Txg2+ [2...Dd3!? gewinnt noch schneller.] 3.Kxg2 Dd3 4.Kf2 a5 Weiß steht materiell völlig aussichtslos. Außerdem gehen der Anziehenden die Züge aus, da ihr König und Turm keine vernünftigen Fortsetzungen zur Verfügung haben. 2 1...Db6! Dieser Zug gewinnt bereits die Qualität, da Weiß die schwarze Doppeldrohung 2...Dxb2# und 2...Se3 nicht gleichzeitig abwehren kann. 2.c3 [Auch auf 2.b3 folgt 2...Se3 mit Qualitätsgewinn.] 2...Se3 3.Df2 Sxd1 4.Dxb6 Sxc3+!? Der präziseste Zug. 5.Sxc3 cxb6 Turm gegen Springer und zwei Mehrbauern bedeuten für Schwarz eine klare Gewinnstellung. 3 1...Lf5! [Auch durch die Zugumstellung 1...Sxa4! 2.Dxa4 Lf5 3.Ld3 Lxd3 4.Txd3 erreichen wir die gleiche Stellung wie in der Partie.] 2.Ld3 Lxd3 [2...Sxa4 3.Dxa4 Lxd3 4.Txd3 und wiederum haben wir durch eine Zugumstellung die identische Position wie in der Partie.] 3.Txd3 Sxa4 4.Dxa4 Sxd5! 5.Dc2 [Nach 5.Txd5 führt 5...Lxb2 ebenfalls zu einem Bauerngewinn, da 6.Dxa6? an 6...Ta8 7.Db5 Tfb8! scheitert.; 5.cxd5?! c4! 6.Tc1 Tfc8! führt zu einer weißen Verluststellung.] 5...Sf6 Schwarz hat einen gesunden Mehrbauern und steht deutlich besser.
Rechenrätsel Für Anfänger = 14 Für Fortgeschrittene = 37 Für Genies = 392 Sudoku 2
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............................................. Tragikomödie | fr 2022 Im Taxi mit Madeleine Mi | 09. August 2023 ............................................. Drama | USA 2022 Zeiten des Umbruchs Do | 10. August 2023 ............................................. Komödie | AT 2023 Griechenland Fr | 11. August 2023
............................................. Outdoor-Kurzfilme Int. Ocean Film Tour Vol. 9 Mi | 16. August 2023 ............................................. Drama | fr 2022 Wie im echten Leben Do | 17. August 2023 ............................................. Tragikomödie | AT 2023 Sterne unter der Stadt Fr | 18. August 2023
............................................. Komödie, Drama | DE 2022 Oskars Kleid Mi | 23. August 2023 ............................................. Komödie | fr 2022 Maria träumt – oder: Die Kunst des Neuanfangs Do | 24. August 2023 ............................................. Drama, Coming-of-Age-Fiktion | USA 2022 Die Fabelmans Fr | 25. August 2023
© Arno Meusburger
Filme unter Sternen Einfach großes Kino
09. – 25. August 2023 Marktplatz Rankweil
............................................ INFO: www.alteskino.at VORVERKAUF: ländleTICKET (Raiffeisenbanken und Sparkassen), Expert Tschanett
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Gsi
„Nicht ohne meine Familie!“ Was tut ein emsiger Geschäftsmann, dem seine Frau und seine Tochter das Wichtigste im Leben sind? Er nimmt sie mit auf Reisen. Genau das tat der Allgäuer Unternehmer Arist Dethleffs: Um viel Zeit mit seiner Familie verbringen zu können, konstruierte er 1931 das erste „Wohnauto“ Deutschlands und tourte fortan mit „Kind und Kegel“ durch die Welt.
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Arist Dethleffs mit seiner Frau Fridel und der kleinen Ursula um 1932 – unterwegs mit seiner Erfindung: dem „Wohnauto“.
Text: Gerhard Thoma, Fotos: Dethleffs; Erwin-Hymer-Museum
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abei hatten die Dethleffs-Werke in Isny urspünglich alles andere als Autos im Sortiment. Die 1832 gegründete Firma produzierte Pferde-Peitschen. Und weil sich in den Alpen in Bayern, Vorarlberg, Tirol, Salzburg und der Schweiz immer mehr Wintersportler tummelten, begann man 1923 auch mit der Produktion von Haselnuss-Skistöcken. Die Geschäfte liefen gut. So gut, dass Arist Dethleffs, der schon als junger Mann die Geschicke des Unternehmens leiten musste, oft unterwegs war und während seiner Termine und in einsamen Hotelnächten von Heimweh und Sehnsucht geplagt wurde: von der Sehnsucht nach seiner Frau Fridel und seinem Töchterchen Ursula. „Nicht ohne meine Familie!“, schwor sich der junge Mann und begann 1931, mit 23 Jahren, an einer scheinbar verrückten Idee zu tüfteln: ein Gefährt, das er als Dienstwohnung nutzen konnte und mit dem er von einer Stadt zur anderen, von einem Geschäftstermin zum nächsten fahren konnte und in dem auch Frau und Kind mitfahren und gemeinsam mit ihm leben konnten. Noch etwas war Arist wichtig: Seine Gattin Fridel, geborene Edelmann, war nämlich eine Porträt-, Blumen- und Landschaftsmalerin, deren Werke im Guggenheim-Museum in New York zu sehen waren. Deshalb sollte unbedingt ein kleines Atelier mit an Bord sein.
Das Kunststück gelang. Schon 1932 fand die Jungfernfahrt statt. Staunend beäugten Passanten, wie Arist Dethleffs mit seinem Vehikel – er selbst bezeichnete es als „Wohnauto“ – durch die Gegend fuhr. Tatsächlich hatte der Peitschen- und Skistock-Fabrikant damit den Wohnwagen bzw. Caravan erfunden. Freilich kamen sofort die ersten Anfragen, und ohne zu zögern begann Arist Dethleffs 1932 auch mit der Herstellung von Wohnwagen. Sie wurden in Isny im Allgäu konstruiert, kamen 1934 auf den Markt und erhielten den Namen „Tourist“. Die Kapazitäten hielten sich allerdings in Grenzen. Bis 1936 hatte seine Wohnwagenfabrik gerade mal sechs fest angestellte Fachkräfte. Dethleffs selbst genoss seine Erfindung in vollen Zügen. Endlich war er auf Reisen nicht mehr allein. Mit seiner geliebten Fridel und der kleinen Ursula klapperte er nicht nur geschäftliche Termine ab, sondern sie fuhren mit ihrem „Wohnauto“ auch in den Urlaub. Gemächlich und schlicht zwar, aber reich an menschlichen Begegnungen und landschaftlichen Eindrücken. Sie reisten nach Österreich, in die Schweiz, in den Norden Deutschlands und den Süden Europas, nach Italien und weiter bis nach Ägypten, in den Libanon, in die Sowjetunion und andere Länder. Auf allen Fahrten testete und verbesserte Arist Dethleffs seine Entwicklung. Wenn es Probleme gab, schlüpfte er in der nächsten Werkstatt in den Monteuranzug und half, den Schaden zu reparieren. Zum Beispiel hatte er für ihr Baby ein Git-
terbettchen eingebaut. Außerdem gab es eine Wölbung im Boden, in der sich eine Blechwanne befand. Darin konnten während der Fahrt die Windeln des Babys in einer Wasch-Lauge durchgerüttelt und gereinigt werden. Im ersten Kundenmodell „Tourist“ war die Familie in sechs Jahren 70.000 Kilometer unterwegs. 900 Nächte verbrachten sie in ihrem rollenden Zuhause. Arist parkte immer wild und romantisch, damit die Landschaftsmalerin Fridel die schönsten Perspektiven hatte. Dann war Endstation. Diese hatte einen Namen: Adolf Hitler. Der deutsche Diktator entfesselte 1939 den Zweiten Weltkrieg. Die gerade in Schwung kommende Produktion von zivilen Wohnwagen musste gestoppt werden. Stattdessen wurde Dethleffs Firma beauftragt, Wohnwagen für das deutsche Afrika-Korps zu bauen sowie Sanitätsschlitten für das Rote Kreuz. Dethleffs selbst wurde in die Wehrmacht eingezogen, kam in Gefangenschaft und überlebte das Kriegsende 1945 nur knapp. Ironie der Geschichte: Als er aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, fand er seine eigene Fabrik als Kriegsgefangenenlager wieder. Die Franzosen hatten das Gelände beschlagnahmt, um dort deutsche Soldaten zu internieren. Erst drei Jahre später, 1948, konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Der Durchbruch erfolgte 1952 mit der Serienfertigung der Caravans „Tourist“ und „Camper“. Die Marke „Dethleffs“ wurde allmählich zum Inbegriff für Caravans und teils auch für Wohnmobile.
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Erstes Bild: Die ersten Wohnwagen wurden in einem Holzschuppen produziert. Die Reiseerfahrungen der Familie Dethleffs führten dazu, dass sogar eine Waschmaschine an Bord war. Zweites Bild: Ein Kundenmodell aus dem Jahr 1934 mit dem verheißungsvollen Namen „Tourist“.
Ein Tourist-Modell 1938 vor dem Panorama des Großglockners.
Lebenswerk hat Bestand
Dethleffs Büro war nur acht Quadratmeter groß und spartanisch ausgestattet. „Wer eintrat, hätte nicht erkannt, dass dort der Chef arbeitet“, erinnern sich Mitarbeiter, „er hatte immer Ideen, wie man die Fahrzeuge verbessern könnte.“ Allerdings war er durch und durch Perfektionist und hatte einen Hang zu schönem Design. Dies war unternehmerisch gesehen eher hinderlich: Die Konkurrenz konnte größere Stückzahlen billiger herstellen. Die Umsatzzahlen brachen ein, 1970 musste er seine Firma verkaufen. Bald darauf wurde Arist krank und verlor schleichend sein Augenlicht. Seine geliebte Fridel erkrankte an einem Gehirntumor und starb 1982. Tochter Ursula verlor den Kampf gegen den Krebs zwölf Jahre später im Alter von 61 Jahren. Arist selbst folgte Frau und Tochter 1996. Der große Pionier und Erfinder des Caravanings wurde 88 Jahre alt. Sein Lebenswerk jedoch hat heute noch Bestand, wie eingefleischte Caravan- und Wohnmobilfans wissen. Die Marke Dethleffs ist in den Konzern von Erwin Hymer eingebunden. Am Standort „Isny im Allgäu“ werden nach wie vor Dethleffs Wohnmobile und Wohnwagen entwickelt und gefertigt. Erwin-Hymer-Museum Wer die alten und neuen Modelle von Dethleffs im Original anschauen will, sollte das Erwin-Hymer-Museum in Bad Waldsee (bei Ravensburg) besuchen. Dort gibt es noch viele andere Modelle des Hymer-Konzerns zu bewundern. Prädikat: sehenswert! Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr. Internet: erwin-hymer-museum.de
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Die Dethleffs auf großer Fahrt in Ägypten.
Arist Dethleffs (stehend beim Auto) mit Mitarbeitern 1936. Von 120 Arbeitskräften waren damals sechs in der Abteilung „Dethleffs Wohnauto“ beschäftigt.
Veranstaltungskalender
09.07.
So., 15 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at
01.07.
Sa., ab 18 Uhr, Alte Stickerei, Fußach
SOMMERFEST 2023
des Vereins VERKNÜPF DICH Tanz, Live-Musik, Kulinarik
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03.07.
Mo., 19 Uhr, Landhaus Bregenz
BÜRGER:INNENCAFÉ ZU „CAREARBEIT & VEREINBARKEIT“
Präsentation der Ergebnisse aus dem aktuellen Bürger:innerat und Einladung zum Mitdenken
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07.07.
Fr., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch 46 |
ALEX SUTTER BAND – AGOM: ALICES GARDEN OF MUSIC
Sängerin Alex Sutter präsentiert ihr neues Album „Alices garden of music“.
—
07.
08.07.
Fr., & Sa., Jeweils 20 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz
CAMERATA MUSICA RENO: APPALACHIAN SPRING
Konzert
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08.07.
Sa., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
FINKSLINGGS FEAT. MESSIS CELLOGRUPPE
Open Air am Mühletorplatz
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08.07.
Sa., 15 Uhr, Spielboden, Dornbirn
KASPERLETHEATER
Spielboden Sommerfest
—
08.07.
Sa., 20 Uhr, Spielboden, Dornbirn
GEWÜRZTRAMINER
Spielboden Sommerfest
—
HILLER. DAS FOTOGRAFISCHE GEDÄCHTNIS DES BREGENZERWALDS
Kurator*innenführung
—
10.07.
Mo., 18.30 Uhr, Kunsthaus, Bregenz
PREVIEW MIT ANNA JERMOLAEWA UND KUB DIREKTOR THOMAS D. TRUMMER
Die Eröffnung der KUB Sommerausstellung Michael Armitage findet am 14. Juli um 19 Uhr statt. Beide Ausstellungen sind ab dem 15. Juli und bis zum 29. Oktober 2023 zu sehenIm Erdgeschoss werden Hauptwerke der nächsten Biennale-Vertreterin Österreichs aus der KUB Sammlung gezeigt.
14.07.
Fr., 17 Uhr, vorarlberg gmuseum, Bregenz
L’ALBERO DELLA CUCCAGNA
Der Künstler und sein Fotograf. Paul Renner & Christian Schramm, Vernissage
—
15.07. 06.08.
Sa., 14.30 Uhr & So., 11.30 Uhr Jüdisches Museum, Hohenems
A PLACE OF OUR OWN
Vier junge Palästinenserinnen in Tel Aviv. Öffentliche Führung zur aktuellen Ausstellung mit der Kuratorin Anika Reichwald. (Hohenems) Ort: Jüdisches Museum Hohenems
—
15.07.
Sa., 11 Uhr, Spielboden, Dornbirn
VINTAGE POP UP MARKT
— — 11./25.07./01./22.08. Sa., 15.07. 10 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
VORLESEN IM PARK – GESCHICHTEN UNTERM HIMMELSZELT
Eine Reise auf dem fliegenden Geschichtenteppich
—
12.07.
Mi., 17.30 Uhr, Stadtmuseum, Dornbirn
SPAZIERGANG „MENSCHENSPUREN“
Stadtführung
—
13.07.
20 Uhr, Spielboden, Dornbirn
RAVE ON – PARTY
—
18.07.
Di., 13.30 Uhr, Stadtmuseum, Dornbirn
KINDERSOMMER IM STADTGARTEN
Familienprogramm | Workshop
—
20.07.
Do., 10 Uhr, Stadtmuseum, Dornbirn
GENERATIONENFÜHRUNG
Do., 12.15 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
Ausstellungsführung
Birgit Plankel und Freunde Konzert am Mittag
Ausstellungseröffnung In einer Ausstellung werden die Ergebnisse des Sommer-Fotoworkshops für junge Fotograf:innen des Kids OpenLab präsentiert
„OHNE DICH, LIEBSTER, WAS WÄREN DIE FESTE?“
—
14.07.
Fr., 15 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems
FLUCHT, WIDERSTAND UND ZWANGSARBEIT IM INNERMONTAFON
Eine Fahrradtour von Partenen nach St. Gallenkirch mit Michael Kasper
—
14./15./16.07.
Fr., jeweils 8.45 Uhr, Kuratienkirche zur Heiligen Magdalena
„AUF DER FLUCHT“
Montafoner Theaterwanderung Eine Grenzerfahrung zwischen Österreich und der Schweiz
—
—
22.07.
Sa., 11 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
KIDS OPENLAB FOTO CAMP
—
22.07.
Sa., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
AVEC
Musik
—
23.07.
So., 9.45 Uhr, inatura, Dornbirn
EIN TAL GENANNT VALCALDA
Exkursion mit Friedrich Juen Ort: Bushaltestelle Schafbergbahn, Gargellen (https://goo.gl/maps/fjNhi1e3aqa9iy1Q8)
—
#84 | Juli-August 2023
24.
28.07.
Mo., bis Kunsthaus, Bregenz
MUNARI®-FERIENWORKSHOP
mit Marco Ceroli
—
25.07.
Di., 13.30 Uhr, Stadtmuseum, Dornbirn
KINDERSOMMER IM STADTGARTEN
Familienprogramm | Workshop
—
28.07.
Fr., 9 Uhr, inatura, Dornbirn
DER ALPEN-MANNSTREU: HIMMLISCHE PFLANZE IM GAMPERDONATAL
Exkursion mit Daniel Leissing (Natura 2000-Regionsmanager), Ort: Bahnhof Nenzing
—
28.07.
Fr., 19 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
ZEITKLANG IM MUSEUM I
Werke für Kammermusik, mit dem Wiener Concert-Verein Konzert
—
Samstag
Jeden im August jeweils 11 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems
VIERTEL+BAGEL
Öffentliche Führung durch das Jüdische Viertel mit anschließendem Cafébesuch und freiem Eintritt in alle Ausstellungen (nur mit Anmeldung!)
—
01.08.
Di., 17.30 Uhr, inatura, Dornbirn
GARTENTREFF
mit Beate Hermann und Bernadette Winder im Kräutergarten, inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn. Nur bei trockener Witterung.
—
06.08.
So., 10 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
REISEZIEL MUSEUM: ACHTUNG, FERTIG – KLICK!
Workshop für Kinder
—
08.08.
Di., 14 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
FORSCHUNGSWERKSTATT – WAS SCHLEIMT DENN DA?
An vier Nachmittagen verwandelt sich die Stadtbibliothek Dornbirn in eine spannende Forschungswerkstatt. Weitere Termine: Mi., 9.8: Treibhauseffekt und CO2, Do, 10. 8: Fahrzeugbau: Lass es rollen!, Fr, 11.8: Aliens und Raumschiffe – eine Spurensuche
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12.08.
Sa., 10.15 Uhr, inatura, Dornbirn
WO WOHNEN GARTENSCHLÄFER, BIRKENMAUS & CO?
Exkursion mit Alexandra Mätzler (Biologin, Natur& Wanderführerin) Ort: Kiosk Schmitte, Schröcken
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16.08.
Mi., 19 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
LIME CORDIALE
Musik
—
17.08.
Do., 19 Uhr, Galerie Aller Art, Bludenz
BLUDENZ UND DER ALPENVEREIN
Sommerausstellung der Stadt Bludenz bis 3. September
—
24.
Do., bis Sa., Remise, Bludenz
26.08.
JAZZ & GROOVE FESTIVAL
Do, 24. August | Altstadt Bludenz: Fierobad Jazz Special Fr, 25. August | Remise Vorplatz, 19:30 Uhr: T.O.L., 21 Uhr: Henrik Freischlader Sa, 26. August | Remise Vorplatz, 19:30 Uhr: Das Huckepack, 21 Uhr: Markus Pechmann’s Brassmassery
—
25.08.
Fr., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
SEAN KOCH
Musik
—
27.08.
So., 15 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
DAS VORARLBERG MUSEUM AUF EINEN BLICK
Führung
—
31.07.
04.08.
Mo., bis Fr., 18.30 Uhr, Kunsthaus, Bregenz
KUB SOMMERCAMP
Das KUB Sommercamp startet mit einer Erkundungstour durch die Ausstellung von Michael Armitage. Danach werden im KUB Atelier eigene Bildträger gebaut und mit selbst hergestellten Naturfarben bemalt.
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Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 3,20 Euro verbleibt den Verkäufer:innen. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Telefon: 0677 615 386 40 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Simone FürnschußHofer Mitarbeiter:innen dieser Ausgabe: Daniela Egger, Guntram Gärtner, Christina den HondVaccaro, Miriam Jaeneke, Christine Mennel, Daniel Mutschlechner, Hans Platzgumer, Petra Rainer, Brigitta Soraperra, Gerhard Thoma, Hanno Thurnher Zeitungsausgabestellen: Dornbirn: Kaplan Bonetti Sozialwerke, Kaplan-Bonetti-Straße 1, Montag, Mittwoch und Freitag von 7.15 bis 9 Uhr Bregenz: dowas, Sandgrubenweg 4, Montag bis Freitag: 8.30 bis 13 Uhr Feldkirch: Caritas-Café, Wohlwendstraße 1, Montag bis Freitag 8.30 bis 14 Uhr Bludenz: do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b, Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778, 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Vorstand Frank Andres, Obmann Christina den Hond-Vaccaro, Obmann-Stellvertreterin, Schriftführerin Oliver Mössinger, Kassier Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 13.000 Exemplare, Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP/Bildbearbeitung :TAGWERK Grafik|Design Monika Dür Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal, IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580, BIC: RVVGAT2B420 © 2023 marie. Alle Rechte vorbehalten.
Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.
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