#83 / Juni 2023
3,20 Euro
davon 1,60 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
Sie ist Model, Tänzerin und Modedesignerin, steht für Vielfalt und Selbstaktzeptanz und geht zielstrebig ihren Weg: Julia Lau (22) über ihr Leben und die Kraft des positiven Feedbacks. Seiten 4-5
Foto: Christian Holzknecht
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16.05.23 14:06
#83 | Juni 2023
Inhalt
Editorial
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Eine, die Leben kann Julia Lau (22), eine wichtige Botschafterin für Vielfalt und Selbstakzeptanz, im marie-Porträt
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Impressum
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Rhabarbapapa Frühsommer-Limonade aus Dans Probelokal
8-10
Der Bauer und der Bobo Wie aus Wut Freundschaft wurde: marie-Gespräch mit Christian Bachler und Florian Klenk
12-13
Haus am Katzenturm Zu Besuch im neuen, geschichtsträchtigen Arbeits- und Wirkungsort am Feldkircher Busplatz
Liebe Leserin, lieber Leser! Zuweilen scheinen Situationen so verfahren, dass man am liebsten davonrennen würde – oder liegenbleiben, je nachdem. Persönliche Anekdote: Seit Monaten fieberten mein Sohn und sein Freund auf dieses Musical hin, die Karten haben uns ein kleines Vermögen gekostet. Weil Pünktlichkeit leider nicht zu meinen Stärken gehört, plante ich den Tag akribisch, sodass wir mit einem für meine Verhältnisse RiesenZeitpuffer nach Bregenz fuhren. Der völlig überlastete Parkplatz vor dem Festspielhaus und eine Verkettung von falschen Parkplatz-Such-Entscheidungen meinerseits führte allerdings dazu, dass meine Zeitreserven dahinschmolzen. Irgendwann drückte ich den Jungs entnervt ihre Tickets in die Hände und ermutigte sie, vorauszugehen. Ich steuerte indes den Parkplatz beim nahe gelegenen Fußballstadion an. Hier glücklicherweise keine Autos, aber: Sieben Minuten vor Acht, ein Spurt also die einzige Lösung. Leider verfing sich schon nach wenigen Metern der weite Hosenstoff in meinen Schuhstöckeln. Wie ein Kegel kippte ich über die Schuhspitzen nach vorne und landete in meiner schicken Aufmachung vollflächig im nassen, schmutzigen Kies. Da lag ich nun, einsam zwischen Seeufer und Parkplatz im fahlen Licht einer Laterne und ging meine Optionen durch: Einfach liegenbleiben? Verführerisch, aber sinnlos. Meinen Mann anrufen? Ja, und dann? Also Option Nr. 3: Aufstehen und weiter. Weil mir aber kurz darauf die Strandbad-Baustelle (vermeintlich!) den Weg abschnitt, flüchtete ich ins Schwimmbadrestaurant. Erst als ich drin war, bemerkte ich – gleichermaßen herausgeputzt wie verschmutzt – dass ich mich inmitten einer geschlossenen Gesellschaft befand. Kein Loch zum Verschwinden weit und breit, aber immerhin ein Chef, der mich durchs Haus wieder auf den richtigen Pfad geleitete. Endlich im Festspielhaus angelangt, machte ich mich erst einmal der Länge nach sauber und eilte dann durchs menschenleere Foyer Richtung Sitzplatz. Natürlich hatte das Spektakel bereits begonnen, meine zwei Begleiter aber saßen – Gott sei Dank – quietschvergnügt auf ihren Plätzen! Meinen geschwollenen Finger bemerkte ich erst, als ich endlich in meinem Sessel versunken war und applaudieren wollte. Trotz allem aber wurde es noch, kaum zu glauben, ein formidabler Abend. Was lerne ich aus der Geschichte? Erstens: Manchmal helfen die besten Absichten nichts. Zweitens: Nimm den Zug. Drittens: Das Blatt kann sich mehrfach wenden. Und viertens: Aufstehen lohnt sich immer. So trivial meine kleine Episode, so bedeutungsvoll sind die Aufsteh-Geschichten, die wir in dieser marie erzählen dürfen. Über Menschen, die im ganz großen Stil aufstehen, hinstehen, die für eine Sache einstehen. Julia Lau, Pia Klemp oder Birgit Sieber-Mayr beispielsweise. Viele gute Momente beim Lesen wünscht Ihnen Ihre Simone Fürnschuß-Hofer, Redakteurin
14-16 Was brauchst du, liebe Schule? Pädagogin Birgit Sieber-Mayr spricht über die hausgemachte Misere im Lehrerzimmer 17
Erweitertes Wohnzimmer „diequelle.komm“, unkonventionelles Café und zugleich Ort zum Aufwärmen für Körper und Seele
18-21
Ich will Berührung Einfühlsamer Text von Autorin Gabriele Bösch über eine ganz besondere Begegnung
22-24 Schwer, aber keine Schande Andrea Bachmayr-Heyda gewährt Einblicke in Lebensgeschichten über das Armsein 25
Rechenrätsel, Schachecke
26-27 Chancenplus Stiftung hilft und begleitet jugendliche Migrant:innen auf ihrem Weg zur Matura 28-29 Flammender Appell Pia Klemp, Kapitänin und Klimaaktivistin, erklärt, warum es höchste Zeit ist, wütend zu sein 30-32 Die Illusion von unberührter Natur Künstler Mathias Kessler erzählt von Bruchlinien zwischen romatisierter Darstellung und Wahrheit 34-35 Tödliche Verfolgungswelle Naziregime deportiert vor 85 Jahren elf, als „asozial“ eingestufte Vorarlberger ins KZ 36
Fadenspiel im Korallenriff Künstlerische Installation lädt in Hittisau zum Mitmachen und Mitdenken über den Frieden ein
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Rätsellösungen
37-39
Veranstaltungskalender
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Sudoku, Repaircafés
Kontaktieren Sie uns marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/615 386 40. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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Mittendrin in V
Eine, die
Leben kann
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Seit sie denken kann, verfolgen Julia Lau neugierige Blicke. Nichtsdestotrotz geht die junge Frau unbeirrt ihren Weg. Und verwandelt dabei das Päckchen, das sie seit Geburt bei sich trägt, in wertvolle Talente. Als wichtige Botschafterin für Vielfalt und Selbstakzeptanz will sie auch andere anstecken, Normen aufzubrechen.
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Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: Christian Holzknecht
ie ist jung, voller Tatendrang und wenn sie von ihren Zielen erzählt, überkommt einem schnell ein Gefühl von: Die schafft das. Gerade angesichts dessen, was der 22-jährigen Julia Lau trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung bereits gelungen ist. Ihr Lebensweg hat so manchem Vorurteil Einhalt geboten, tut es bis heute. „Sie kann leben, aber leicht wird’s sicher nicht.“ So der Kommentar eines Arztes nach Julias Geburt. Was vielleicht gut gemeint war, hätte auch das Potenzial, gehabt, die frisch gebackenen Eltern in eine tiefe Krise zu stürzen. Stattdessen haben Mama und Papa Lau ihrer Tochter von Beginn weg etwas mitgegeben, was diese in gesundes Selbstbewusstsein, in Selbstständigkeit und maximale Zielstrebigkeit umzuwandeln vermochte: unbedingtes Zutrauen. Mit im elterlichen Fürsorge-Paket: Immer nur so viel Hilfe zu geben wie nötig. Julia heute: „Die Mama hat mir immer nur dann geholfen, wenn ich klar darum gebeten habe. Und sie hat immer wieder zu mir gesagt, ich soll auch andere um Hilfe fragen, wenn ich allein unterwegs bin. Das hat meine Selbstständigkeit extrem gefördert.“
Super-Freundinnen-Kraft
Julia ist mit einer körperlichen Anomalie auf die Welt gekommen, für die „es zwar einen Begriff gibt, der aber Laien nicht viel sagt: Riccheri-Costa-Left-Hand-Absent-Tibiae-Syndrom". Aufgrund einer starken Skoliose musste sie bis zum 18. Lebensjahr halbjährlich operiert werden, um den im Rücken eingesetzten Stab ihrem Wachstum anzupassen. Zudem benötigt Julia eine Beinprothese und ihr linker Arm ist
nur ansatzweise ausgebildet. „Links ist einfach alles ein bisschen weniger“, so Julia lakonisch, die die Ursache für ihre Beeinträchtigung nicht kennt. „Einmal kam mir der Gedanke, dass es vielleicht mit Tschernobyl zu tun haben könnte, aber wie will man das herausfinden und eigentlich ist es auch egal.“ Tatsächlich ist sie ein Mensch, der lieber nach vorne guckt, als im Vergangenen gräbt. Schnell sind deshalb auch die Fragen zu ihrem Aufwachsen abgehandelt: Jaja, schulisch sei sie gut integriert gewesen, nie habe es Probleme mit anderen Kindern gegeben, Mobbing schon gar nicht. Anschluss habe sie seit jeher gehabt, vor allem super Freundinnen, die sie bestärkt haben, genau so, wie sie ist, richtig und schön zu sein. Die Operationen? Natürlich „weniger schön“, schmerzhaft, insgesamt zu viel Spitalsluft, eh klar. Und die Teenie-Zeit habe sich auch nicht so prickelnd angefühlt: „Da habe ich erkannt, dass ich anders bin. Das war schon schwer, besonders dann, wenn ich wie ein kleines Kind behandelt wurde. Aber mein vertrautes Umfeld hat mir auch hier positives Feedback gegeben und mir sehr geholfen, durch diese Zeit zu kommen und selbstsicher zu werden.“
Botschafterin für Body Positivity
Mit dem Übergang zum Erwachsenwerden habe sich das Hadern gelegt und der Akzeptanz Platz gemacht. Mehr noch als bloßes Akzeptieren sei da ein Selbstbewusstsein in ihr gereift, das sie inzwischen sagen lässt: „Ich bin schön, so wie ich bin.“ Gerne würde sie andere mit diesem Lebensgefühl anstecken und was eignet sich gegenwärtig dafür nicht besser als Social Media? Nein, Influencerin sei sie keine, wehrt sie ab, aber ihr Auftritt auf Instagram sei ihr schon ein Anliegen. Mit dem Ziel, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Schönheit um neue Facetten zu erweitern und zu zeigen: Schau nur, wie schön auch du bist. Body Positivity nennt sich die Bewegung, die konstruierten Perfektionsnormen den Kampf ansagt, zu Selbstliebe aufruft und der Diversität den Teppich ausrollt. Die sozialen Medien seien heute weit weniger eindimensional als früher: „Sie zeigen nicht mehr nur das Perfekte. Du musst halt aktiv schauen, wem du folgst, sonst schlägt der Algorithmus in die falsche Richtung zu“, so Julia pragmatisch. Ihr Instagram-Profil geizt auch nicht mit Fotografien, die sie in sinnlicher Pose einfangen. Ein Tabubruch? Viel eher die Lust, voll und ganz teilzuhaben oder „wer sagt denn, dass nicht auch ein behinderter Körper sexy sein kann?“ Ein großes Stück Selbstvertrauen habe ihr diesbezüglich die Resonanz von außen gegeben. „Als ich merkte, dass es Jungs gibt, die mich attraktiv finden, da hat das bei mir schon viel bewirkt“ gibt die Dornbirnerin, die inzwischen glücklich in einer Beziehung lebt, offen zu.
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Da habe ich erkannt, dass ich anders bin. Das war schon schwer, besonders dann, wenn ich wie ein kleines Kind behandelt wurde.
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Die Mama hat mir immer nur dann geholfen, wenn ich klar darum gebeten habe. Und sie hat immer wieder zu mir gesagt, ich soll auch andere um Hilfe fragen, wenn ich allein unterwegs bin. Das hat meine Selbstständigkeit extrem gefördert.
Der Körper als Kapital
Julia Lau weiß, dass ihr Körper stets die Blicke der anderen auf sich zieht und obwohl sie gar nicht abstreiten möchte, dass das mitunter nervt, sieht sie ihr Aussehen „irgendwie auch als eine Chance, denn so schnell vergisst man mich nicht.“ In Aussagen wie diesen steckt weder Sarkasmus noch Koketterie, Julia hat ihren Körper tatsächlich als Kapital erkannt. Seit neun Jahren tanzt sie in der „Tanzhaus“-Kompanie, das bedeute ihr viel. Tanz sei für sie pure Leidenschaft, hier könne sie abschalten und loslassen. Auch als Model stand sie bereits für den Fotografen und Buchmacher Christian Holzknecht vor der Kamera und hat dabei so viel Zuspruch erfahren, dass sie sich in diesem Bereich zukünftig ein berufliches Standbein aufbauen möchte. Gerade ist sie dabei, bei Agenturen vorstellig zu werden – sowohl bei solchen, die auf Diversität ausgerichtet sind als auch bei jenen, die in ihrem Portfolio diesbezüglich nachrüsten könnten. Außerdem träume sie von einem eigenen Modelabel – „irgendwann, wenn die Zeit reif dafür ist“. In Vorarlberg sei es allerdings schwer, in dieser Branche Fuß zu fassen. Mailand, Paris ..., das wären the places to be, so Julia Lau, die nicht ausschließt, anderswo ihre Zelte aufzuschlagen. Ihr Freund sei auch flexibel, zumindest sobald er seine Ausbildung abgeschlossen habe. Julia arbeitet aktuell als Trainee bei Wolford, zuvor hat sie den Modedesign-Zweig der HTL Dornbirn erfolgreich absolviert – obwohl sich das so manche Lehrperson am Anfang nicht habe vorstellen können. Aber – einmal mehr ein kluger Schachzug der Mutter: „Erst im Nachhinein hat mir die Mama gestanden, dass es Zweifel gab. Dass da Stimmen waren, die meinten, sie könnten es sich mit mir nicht vorstellen. Mir selbst war ja sowieso immer klar, dass ich das schaffen kann. Ich habe davor schon viel genäht und wusste, dass ich trotz meiner Einschränkung mit einer Nähmaschine umgehen kann.“ Wenn etwas Julias Leben schwer macht, dann sind das vor allem Vorurteile und Vorbehalte. Kommentare wie: „Mei, bist du eine Arme.“ Oder Übergriffiges: „Manche kommen einfach auf mich zu, umarmen mich und wollen mit mir kuscheln als wär' ich ein Kuscheltier.“ Julia schüttelt den Kopf, weiß aber um ein gutes Gegenmittel: Radikale Offenheit. Dort, wo sie die Chance bekommt, über ihre Situation zu informieren, gräbt sie Mitleidsbekundungen von vornherein das Wasser ab: „In den Schulen habe ich immer gleich zu Anfang meinen Körper erklärt und allen gesagt, bei Fragen könnt ihr auf mich zukommen. Und dass ich mich schon melde, wenn ich Hilfe brauche. Offen in die Begegnung zu gehen, funktioniert eigentlich immer am besten.“
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Mittendrin in V
Tanzhaus Hohenems und Die Schurken rocken gemeinsam die Bühne
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Tanzperformance COLLAGE So, 25. Juni, 19:30 Uhr Kulturbühne AMBACH Götzis Karten: ländleTICKET, Raiffeisenbanken und Vorverkaufsstellen
Seit 16 Jahren feiert das Tanzhaus Hohenems die Vielfalt und bietet Tänzerinnen und Tänzer unabhängig von Alter, Geschlecht oder persönlichen Voraussetzungen künstlerischen Entfaltungsraum. Unter der Leitung von Britta Hafner und Liba Šelner wurde nun einmal mehr ein Programm choreografiert und arrangiert, das mit seinen unterschiedlichen Tanz- und Musikstilen Lebensfreude pur verbreitet. Die bunte Tanztruppe freut sich jedenfalls, nach längerer Zeit endlich wieder vor großem Publikum auftreten zu dürfen. Am 25. Juni ist es so weit, gemeinsam mit den Musikern der Gruppe Die Schurken (Goran Kovačević, Stefan Dünser, Martin Deuring, Martin Schelling) wird das aktuelle Programm COLLAGE präsentiert.
BUCHTIPP
Vegan Baking Daniela Lais & Jérôme Eckmeier DK Verlag, ISBN 978-3-8310-4501-3 Preis: 23,60 Euro
Vegan Baking Jérôme Eckmeier aus Ostfriesland und die gebürtige Vorarlbergerin Daniela Lais haben über 80 vegane Rezepte entwickelt: Süße schwedische Zimtknoten, Omas gedeckter Apfelkuchen, mexikanische Maistortillas oder fluffige Bagels. Diese veganen Spezialitäten überraschen, überzeugen und verführen. Zwischen Klassikern, Trendgebäck aus aller Welt und sogar gluten-, soja-, nussfrei oder „raw“ zubereiteten Leckereien, ist garantiert für jede und jeden etwas dabei: Mal süß, mal herzhaft, immer vegan und immer köstlich!
Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 3,20 Euro verbleibt den Verkäufer:innen. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Telefon: 0677 615 386 40 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Simone Fürnschuß-Hofer Mitarbeiter:innen dieser Ausgabe: Gabriele Bösch, Daniela Egger, Florian Gucher, Guntram Gärtner, Gernot Kiermayr-Egger, Miriam Jaeneke, Christine Mennel, Daniel Mutschlechner, Brigitta Soraperra Zeitungsausgabestellen: Dornbirn: Kaplan Bonetti Sozialwerke, Kaplan-Bonetti-Straße 1, Montag, Mittwoch und Freitag von 7.15 bis 9 Uhr Bregenz: dowas, Sandgrubenweg 4, Montag bis Freitag: 8.30 bis 13 Uhr Feldkirch: Caritas-Café, Wohlwendstraße 1, Montag bis Freitag 8.30 bis 14 Uhr Bludenz: do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b, Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778, 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Vorstand Frank Andres, Obmann Christina den Hond-Vaccaro, Obmann-Stellvertreterin, Schriftführerin Oliver Mössinger, Kassier Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 13.000 Exemplare, Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP/Bildbearbeitung :TAGWERK Grafik|Design Monika Dür Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal, IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580, BIC: RVVGAT2B420 © 2023 marie. Alle Rechte vorbehalten.
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Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com
Rhabarbapapa Frühsommer-Limonade
Zutaten für ein Wochenende mit frischer Limonade: • 500g Rhabarber • 250g Rohrzucker • 2 Bio-Limetten (Zitronen tun es auch, 1 Orange dazu ist kein Muss, aber eine feine Variante) • 1 Sternanis • 1 daumendickes Stück Ingwer • 500ml Wasser
Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus – so lautet ein gut gemeintes Sprichwort, das ich schon allzu oft auf Kalendern lesen musste. Sauer macht ja auch nicht immer lustig. Angesichts meines Zitronen-Konsums und der Vorliebe für extra-saure Fruchtgummis müsste ich andauernd schallend lachen. Die Limonaden-Sprichworte sind eben auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Ich mache Limo meist dann, wenn sie von der Jugend gefordert wird. Dann nütze ich die Chance, dem Industrieprodukt aus dem Supermarkt etwas Selbstgemachtes entgegenzusetzen. So kann ich die Zuckermenge steuern und beste Zutaten aussuchen, die nicht aus der Aromen-Fabrik stammen, sondern vom Produzenten des Vertrauens. Selbst Rhabarber, botanisch gesehen ein Gemüse (nur nicht den Kindern verraten!), lässt sich im Frühsommer zu formidabler Limonade verarbeiten. Dann verwandle ich mich in bester Erinnerung an das Betthupferl aus meiner Jugend in einen Rhabarbapapa. Und wenn ich dann mit einem großen Glas Rhabarber-Limo genüsslich unter einem Baum sitze, wenn ich müßiggehe oder einfach nur „sinnlose“, wie Gerhard Polt es nennen würde, wenn sich die Regenwolken der vergangenen Wochen lichten und mich die warmen Frühjahrs-Sonnenstrahlen blinzeln lassen, dann bekomme ich eine Ahnung, wie schön der Sommer werden könnte.
Zubereitung: Rhabarber waschen und äußerste Schale dünn abziehen. In Stücke schneiden und in einen Topf geben. Mit dem Zucker vermischen und ein paar Minuten ziehen lassen. Zitrusfrüchte waschen und trocknen, Schale über den Rhabarber reiben, Saft dazu pressen. Auch Sternanis, gewürfelten Ingwer und Wasser in den Topf geben, aufkochen und bei geringer Temperatur 20 Minuten köcheln lassen. Auskühlen lassen, Sternanis entfernen und mit dem Stabmixer pürieren. Durch ein engmaschiges Sieb in eine Schüssel gießen, am besten durch ein Passiertuch, damit nur der feine Sirup übrigbleibt. Mit Mineralwasser aufgießen und servieren – Ihr Geschmack bestimmt das Mischverhältnis.
Musiktipp: Fein untermalt wird ein Frühsommer-Abend vom neuen Album der Band „The National“, nämlich „First Two Pages Of Frankenstein“. Das ist melancholischer IndieRock für Erwachsene, gesungen vom weißbärtigen Bariton Matt Berninger. Nicht lustig, aber sehr schön. Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com
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Mittendrin in V
Kuhurteil bleibt Streitpunkt
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Wie aus Wut Freundschaft wurde, darüber erzählen Florian Klenk, Chefredakteur des „Falter“ und Christian Bachler, Bergbauer in der Steiermark, bei ihrem Besuch am 8. Juni in Vorarlberg. Die marie hat die beiden vorab getrennt voneinander befragt.
egonnen hat es mit einer Beschimpfung. Christian Bachler, der auf 1450 Metern den höchstgelegenen Bauernhof der Steiermark mit Kühen, Alpschweinen, Yaks, Gänsen und Hühnern mit Alpbetrieb und Selbstvermarktung betreibt, zieht in einem Video über den „arroganten Oberbobo“ Florian Klenk (Bobo = Ökospießer) zu Felde. Der wortgewaltige Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung „Falter“ hatte zuvor ein Urteil gutgeheißen, in dem ein Bauer für das gefährliche Verhalten seiner Kühe verurteilt wurde (siehe Infobox). Bachler forderte Klenk auf, ein Praktikum auf seinem Hof zu machen. Klenk kommt, lernt Bachlers Welt kennen und der Bauer und der Bobo finden ins Gespräch: über Klimawandel, Fleischindustrie, Agrarpolitik und Banken. Aus dem Streit wird eine Freundschaft. Als Florian Klenk Ende 2020 erfährt, dass die Bank Bachlers Hof versteigern will, reagiert der Oberbobo und Journalist nicht mit einem Artikel darüber, sondern startet via Social Media ein Crowdfunding. Binnen 48 Stunden finden sich 12.829 Spender, die insgesamt 420.000 Euro spenden. Bachler ist seine Schulden los. Ein modernes Märchen, das zeigt, warum es sich lohnt, mit Leuten zu reden, deren Meinung man nicht teilt.
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© Florian Klenk
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Christian Bachler (links) und Florian Klenk waren mu(h)tig – es hat sich ausgezahlt!
Antworten: Florian Klenk Wie oft in der Woche essen Sie Fleisch? Florian Klenk: Etwa drei bis vier Mal. Haben Sie sich, bevor Sie Christian Bachler kennengelernt haben, wirklich Gedanken darüber gemacht, woher das Fleisch, das auf Ihrem Teller landet, stammt? Ja, aber nicht so intensiv. Bachler hat mir hier Einblicke gegeben, die ich vorher nicht hatte.
© Peter Kainrath (beide)
Wie hat sich Ihr Konsumverhalten seitdem verändert? Ich versuche Fleisch nur noch bei Biobauern aus der Region zu kaufen. Im Gasthaus weiß man meist nicht, woher das Schnitzel auf dem Teller stammt. Was halten Sie von einer generellen Kennzeichnungspflicht, wie Sie es bei Eiern schon seit Jahren gibt? Ich denke, dass wir das Recht haben sollen, die Herkunft zu erfahren. Aber das reicht nicht, auch die Haltung der Tiere – die viel wichtiger ist als die Herkunft – sollte gekennzeichnet sein. Wer auf das AMA-Gütesiegel schaut, achtet auf das Tierwohl, heißt es auf der Homepage der Agrarmarkt Austria. Die Realität ist aber eine gänzlich andere. So haben auch Tiermastbetriebe, in denen Tiere qualvoll gehalten bzw. getötet wurden, dieses Gütesiegel bekommen. Was muss sich aus Konsumentensicht ändern? Den Konsumenten muss klar sein, dass das AMA-Gütesiegel nicht für Tierwohl bürgt. Ich denke nicht, die Konsumenten sollen ihr Verhalten ändern, sondern die Politiker. Sie müssen den Fleischproduzenten vorschreiben, dass Tiere nicht institutionell gequält werden dürfen. Der Staat ist gefordert, einen Ordnungsrahmen zu setzen. Laut Welternährungsorganisation stammen 14,5 Prozent der weltweiten durch Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Braucht das nicht ein radikales Umdenken in unserem Konsumverhalten? Ja, das brauchen wir. Und ich denke, dass es auch langsam einsetzt. Aber vor allem müssen die Kosten, die durch Fleischkonsum entstehen, auch von jenen bezahlt werden, die das Fleisch konsumieren. Steuergelder für Massenbetriebe auszugeben ist Unsinn.
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Im Film „Der Bauer und der Bobo“ von Kurt Langbein gibt es eine Szene, in der Christian Bachler ein Mangalica-Schwein auf der Weide tötet. Gänzlich stressfrei für das Tier. Sie standen nur ein paar Meter entfernt. Wie haben Sie diese Szene erlebt? Wie sind die Reaktionen des Kinopublikums? Die Szene empfand ich als sehr würdevoll. Erstaunt hat mich, dass die anderen Schweine sofort herangelaufen kamen, um das tote Schwein aufzufressen. Das Kinopublikum hat sich an der Szene kaum gestört. Was hat der Oberbobo Florian Klenk vom Bauern Christian Bachler gelernt? Dass wir Städter viel zu wenig über die soziale Lage der Bauern und die von Konzernen und Banken dominierte Landwirtschaftspolitik wissen. Aus Wut ist Freundschaft entstanden. Worüber können Sie sich heute noch leidenschaftlich streiten? Über das Kuhurteil. Bachler irrt hier immer noch. Und über den Wolf. Da wird die Lage von den Bauern völlig überdramatisiert. Antworten: Christian Bachler Wie sehr hat es Sie überrascht, dass „Ober-Falter“ Klenk Ihr Angebot als Praktikant auf Ihrem Hof mitzuhelfen, angenommen hat? Christian Bachler: Eigentlich gar nicht. Ich ging fix davon aus, dass er kommt. >>
Mittendrin in V Ganz ehrlich, wie hat er sich auf Ihrem Hof geschlagen? Er hat sich stets bemüht … ;-). Nein, im Ernst – er hat schon mit angepackt. Ihr Hof stand Ende 2020 praktisch vor dem Ruin. Durch eine von Florian Klenk initiierte Crowdfunding-Aktion haben 12.829 Menschen innert 48 Stunden über 400.000 gespendet und damit den Bachler-Hof gerettet. Wie hat sich dadurch Ihr Leben verändert? Das ist nicht so einfach in wenigen Worten zu beantworten. Wenn man nach Jahren permanenter Existenzangst, quasi über Nacht, diese drückende Last abgenommen bekommt, stellt das dein Leben schon auf den Kopf. Man muss sich, auch wenn es blöd klingt, wieder selbst kennenlernen. Ansonsten hat sich nicht viel, aber doch alles verändert. Bin ja jetzt der einzige Landwirt in Österreich mit 12.000 Aktionären.
Bauer und Bobo – Wie aus Wut Freundschaft wurde Lesung und Gespräch mit Florian Klenk und Christian Bachler. Musikalische Begleitung: Andreas Paragioudakis Wann: Donnerstag, 8. Juni, 19 bis 21 Uhr Wo: Bildungshaus St. Arbogast Götzis Tickets unter: arbogast.at oder tel. unter 05522 360 06
Für diese Rettungsaktion gab es sicherlich nicht nur Beifall, sondern rief auch jede Menge Neider auf den Plan. Wie gehen Sie damit persönlich um? Das ist natürlich oft nicht einfach. Aber grundsätzlich gilt, Neid ist die höchste Form der Anerkennung. Wir Menschen neigen anscheinend dazu, wenn es uns selbst schlecht geht, uns besser zu fühlen, wenn es einem anderen auch schlecht geht. Geht es dem dann besser, wird er vom Leidensgenossen zum Gegner. Schwieriges Thema.
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Wie muss aus Ihrer Sicht eine moderne Landwirtschaft aussehen? Wir müssen weg vom Denken in Quartalszahlen wieder hin zu einem Denken in Generationen und realisieren, dass man Geld nicht essen kann. Das bedeutet als erstes ein Ende der flächenbasierten Subventionen, welche die Betriebe im Streben nach Wachstum kannibalisiert. Unser übermäßiger Fleischkonsum hat enorme Auswirkungen auf das Klima. Vor allem die Massentierhaltung trägt massiv zur Emission klimaschädlicher Treibhausgase bei. Wie sind Ihre Vorstellungen von einer modernen, nachhaltigen Viehwirtschaft? Weniger Fleischkonsum und eine flächengebundene, standortangepasste Landwirtschaft. Was halten Sie von einem Verkaufs-Verbot von Billigfleisch im Supermarkt? Klingt auf den ersten Blick gut, wird aber, solange es die aktuelle Situation innerhalb der EU gibt – also der Billigste kommt zum Stich – nicht umsetzbar. Was hat der Bauer Christian Bachler von Oberbobo Florian Klenk gelernt? Dass es wichtiger denn je ist, sich mit anderen Meinungen und Sichtweisen auseinanderzusetzen und dass es manchmal gut und richtig ist, sich darauf zu einigen, dass man uneinig ist. Aus Wut ist Freundschaft entstanden. Worüber können Sie sich heute noch leidenschaftlich streiten? Über das Kuhurteil. Die Fragen stellte Frank Andres.
Das Buch: Florian Klenk: Bauer und Bobo Zsolnay 13 Euro ISBN 978-3-492-31919-5 Der Film: Der Bauer und der Bobo Film von Kurt Langbein, als DVD erhältlich
Das Kuhurteil Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat im Fall einer tödlichen Kuhattacke im Tiroler Pinnistal im Jahr 2014 die Teilschuld von Landwirt und Hundehalterin im April 2020 bestätigt. Damit bleibt es bei der Entscheidung, die das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) im Vorjahr getroffen hatte, hieß es in einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“. Laut der Entscheidung des Gerichts hätte der Landwirt um die Gefährlichkeit seiner Mutterkühe wissen müssen. „Zu dieser relativen Gefährlichkeit kam die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Schädigung im Bereich um Almgebäude und das Gasthaus“, so die Begründung. Der Bauer hätte als Tierhalter darauf reagieren müssen – eine Abzäunung sei eine „zumutbare und nicht gravierende Interessen beeinträchtigende Maßnahme“, hieß es seitens des Höchstgerichts. Das Todesopfer habe wiederum Warnschilder und Abstandsregeln ignoriert. Als Hundehalterin hätte sie aber „über damit verbundene Gefahren Bescheid wissen und sich dementsprechend verhalten" müssen. Dem Witwer stehen nun rund 54.000 Euro und eine monatliche Rente von 600 Euro zu. Der Sohn bekommt rund 24.000 Euro sowie eine monatliche Rente in der Höhe von 180 Euro. Der gesamte Streitwert des Prozesses lag bei rund 490.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte noch im Jahr 2014 die Ermittlungen gegen den Landwirt eingestellt. Im August 2019 hatten sowohl Bauer als auch Witwer nach einer teilweisen Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils durch das OLG beim OGH Revision eingebracht. (APA, 12. Mai 2020)
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Wir feiern
35. internationales
Theaterfestival für ein junges Publikum 28. Dramatiker_innenbörse
20.–24.6.2023 Nenzing DIENSTAG, 20. JUNI 2023 10 Uhr, Ramschwagsaal, Waran Taram 6+ 11 Uhr bis 17 Uhr, Ramschwagplatz Monstres Jeux = Verspielte Holzriesen 4+ 17 Uhr, Ramschwagsaal, Am Hafen mit Vogel 8+ 18.30 Uhr, Artenne/Nenzing, Vernissage Glashaus-Miniaturen MITTWOCH, 21. JUNI 2023 10 Uhr, Ramschwagsaal, Die freiwilligen Angsthasen 4+ 11 Uhr bis 19 Uhr, Ramschwagplatz Monstres Jeux = Verspielte Holzriesen 4+ 15 bis 19.30 Uhr, Artenne/Nenzing, Glashaus-Miniaturen 17 Uhr, Ramschwagsaal, Und der Hahn hat immer recht 5+
70 Jahre Kaplan Bonetti
Sommerfest & Jubiläumsfeier Sonntag, 25. Juni 2023 10 bis 16 Uhr Wir laden Sie sehr herzlich zur Jubiläumsfeier „70 Jahre Kaplan Bonetti“ ein. Alle sind herzlich willkommen. Feiern Sie mit uns! Grußworte
DONNERSTAG, 22. JUNI 2023 10 Uhr, Ramschwagsaal, Eisberg 11+ 15 bis 19.30 Uhr, Artenne/Nenzing, Glashaus-Miniaturen 20 Uhr, Ramschwagsaal, Windhöhe 14+
Eröffnungsvortrag „Menschen am Rande der Gesellschaft“ des Soziologen Prof. DDr. Reimer Gronemeyer
FREITAG, 23. JUNI 2023 10 Uhr und 17 Uhr, Ramschwagsaal, Das Uhu Experiment 8+ 15 bis 19.30 Uhr, Artenne/Nenzing, Glashaus-Miniaturen
Runder Tisch mit Vertreter:innen aus Politik und Förderpartnern sowie Wegbegleiter
SAMSTAG, 24. JUNI 2023 11 bis 16.30 Uhr, Artenne/Nenzing, Glashaus-Miniaturen 17 Uhr, Ramschwagsaal, Wenn Ferdinand nachts schlafen geht 5+
Rückblick mit kurzen Filminterviews
karten@luagalosna.at, 0043(0)699 134 06 558, www.luagalosna.at
Musik „Die Schurken“ Haus Kaplan Bonetti Kaplan-Bonetti-Straße 1, 6850 Dornbirn
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Gemeinsam stärker wirksam sein Das zentral am Feldkircher Busplatz gelegene „Haus am Katzenturm“ ist nicht nur ein geschichtsträchtiges Gebäude, sondern auch der neue Arbeits- und Wirkungsort der Umwelt- und Naturschutzorganisationen von Vorarlberg. Um den gemeinsamen Anliegen mehr Durchsetzungskraft zu geben, sind sie räumlich zusammengerückt und haben einen Dachverband gegründet, dem das markante Haus den Namen gibt. Am 16. Juni findet die offizielle Eröffnung statt, die marie hat sich bereits im Vorfeld umgesehen.
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Text: Brigitta Soraperra, Fotos: Martin Schachenhofer
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s wuselt an diesem Montagvormittag im ganzen Haus. Eine Gruppe kolumbianischer Klimaaktivistinnen und -aktivisten ist gerade in Vorarlberg zu Gast und nimmt im ersten Stock an einem Podcast-Workshop teil, den der Verein Klimabündnis organisiert hat. Im zweiten Stockwerk sitzen Bianca und Maria im neuen Büro des Vorarlberger Naturschutzbundes an ihren Computern und im dritten Stock haben sich Magdalena und Michael von der CIPRA, der Internationalen Alpenschutzkommission, in der Teeküche zur Arbeitsbesprechung zurückgezogen. Lisa Vesely, die junge Projektleiterin führt nicht ohne Stolz durch das sanft renovierte Gebäude, in dem früher eine Arztpraxis, zwischenzeitig das Stadtarchiv und bis vor kurzem noch der Verkehrsverbund zu finden waren. „Das ‚Haus am Katzenturm‘ ist als Verein organisiert und bildet die Dachorganisation von im Moment zehn Naturund Umweltschutzorganisationen, die gemeinsam das Haus nutzen“, erklärt Vesely, die vom Verein mit einem 50-Prozent-Pensum als Geschäftsführerin angestellt ist. „Wir haben ähnliche Ziele und können durch die räumliche Nähe nicht nur Kooperationen leichter umsetzen, sondern vor allem auch unsere gemeinsamen politischen Ziele stärker nach außen vertreten.“
Zehn namhafte Organisationen
Umwelt- und Klimaschutz und das Thema „Nachhaltigkeit“ sind die zentralen Arbeitsschwerpunkte aller hier vertretenen Organisationen und Vereine. Dazu gehören neben Naturschutzbund, CIPRA Lab und Klimabündnis auch der Verein Bodenfreiheit, der österreichische Alpenverein, die Naturwacht Vorarlberg, der Vorarlberger Obst- und Gartenkulturverein und Bio Austria Vorarlberg, der Zusammenschluss der hiesigen Biobäuerinnen und -bauern. Auch Südwind Vorarlberg, die Organisation für internationale Entwicklungspolitik, und die inatura Naturschau Dornbirn sind Mitglieder des Vereins und bespielen u.a. mit einer frei zugänglichen Bibliothek und wechselnden Kleinausstellungen das Erdgeschoss. „Wir haben zahlreiche Ideen für gemeinsame Aktivitäten“, berichtet Lisa Vesely, „Vorträge, Infoveranstaltungen, Hands-on-Workshops, die wir ab Herbst zusammen umsetzen werden. Schon ab Mitte Juni wird es jeden Samstag eine Verkostung und Bewusstseinsarbeit durch Bio Austria geben. Im Moment steht allerdings das große Eröffnungsfest im Zentrum unserer Energien.“
Glückliche Fügung
Dass es zu diesem tatkräftigen Zusammenschluss in Form einer gemeinsamen Wirkungsstätte überhaupt kommen konnte, hat mit einer glücklichen Fügung und einer großzügigen Unterstützerin zu tun. Das im Jahr 1684 nach dem großen Stadtbrand errichtete Haus ist nämlich im Besitz von Dr in Jutta GnaigerDas ‚Haus am Katzenturm‘ ist als VerR at h m an ne r, ein organisiert und bildet die Dachderen Eltern es 1959 von der organisation von im Moment zehn Stadt Feldkirch Natur- und Umweltschutzorganisatioerworben hatnen, die gemeinsam das Haus nutzen. ten. Die pensionierte Ärztin zeigte bereits mit der von ihr gegründeten Impulse-Privatstiftung, dass ihr das Gemeinwohl und die „gute Zukunft für alle“ mehr am Herzen liegen wie Profit oder Gewinnmaximierung, die sie mit ihrem Erbe durchaus hätte verfolgen können. Auch für ihr ehemaliges Elternhaus, in dem sie über 30 Jahre die eigene Praxis eingerichtet hatte, suchte sie nach einer sinnvollen und weitsichtigen Nutzung. Architekt Roland Gnaiger, ihr Cousin, brachte sie mit Martin Strele vom Verein Bodenfreiheit zusammen. Man einigte sich auf eine relativ günstige Miete und Strele fasste den Mut, das Haus – vorerst für zehn Jahre – zu mieten und andere NGOs zur Beteiligung einzuladen. „In Allianzen sind wir einfach stärker, das haben wir bereits beim Kampf für die Landesgrünzone gemerkt“, erklärt der frischgebackene Obmann des Vereins „Haus am Katzenturm“, der auch Geschäftsführer des Büro Kairos in Bregenz ist, „und deshalb handelt es sich mit dem gemeinsamen Standort und Verein um eine einmalige Chance für uns und für das Klima – und letztlich hoffentlich auch fürs ganze Land!“
16. Juni ab 15 Uhr: Großes Eröffnungsfest im Haus am Katzenturm mit Eröffnungsakt und buntem Rahmenprogramm (Kinderworkshops, Kleidertausch, Ausstellung, Konzert mit Mona Ida, Kulinarik) Adresse: Herrengasse 14, Feldkirch Website: katzenturm.cargo.site
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Lisa Vesely
Wir haben ähnliche Ziele und können durch die räumliche Nähe nicht nur Kooperationen leichter umsetzen, sondern vor allem auch unsere gemeinsamen politischen Ziele stärker nach außen vertreten.“ Lisa Vesely, Projektleiterin
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CIPRA Lab
Südwind Bibliothek
Klimabündnis
Mittendrin in V
Was brauchst du, liebe Schule? Woran liegt es, dass plötzlich überall Lehrkräfte fehlen und wohin sind die verschwunden? 8600 Pädagog*innen fehlen derzeit in Österreich, in Vorarlberg sind es zirka 130, während sich erfahrene und engagierte Lehrer*innen inzwischen nach anderen Tätigkeitsfeldern umsehen und abwandern. Das ist definitiv hausgemacht, sagt eine von ihnen im Interview: Birgit Sieber-Mayr (64) arbeitet seit 43 Jahren als Pädagogin in der Primarschule und berichtet über ihre Erfahrungen seit dem Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit. Interview und Foto: Daniela Egger
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Birgit Sieber-Mayr, Pädagogin in der Volksschule Kirchdorf Lustenau
marie: Was hat sich verändert im Schulalltag, und warum ist alles schwieriger geworden? Birgit Sieber-Mayr: Man kann heute nicht mehr so unterrichten wie früher, man muss alles umstellen. Die Lebensbedingungen der Kinder haben sich verändert, die sind unglaublich vielen, schwierigen Einflüssen ausgesetzt und sie brauchen ganz andere Unterstützung. Sie brauchen tragfähige Beziehungen, auch in der Schule. Das ist allein in einer Klasse nicht zu schaffen, ganz unmöglich. Ich kann verstehen, wenn Leute das System verlassen. Wenn man sieht, dass man seiner Aufgabe nicht mehr gerecht werden kann, fühlt man sich ohnmächtig – und das ist schwer auszuhalten. Ich verstehe das, aber es ist natürlich eine Katastrophe, es befeuert die Spirale nach unten. Wir brauchen viel mehr gut ausgebildete Pädagog*innen, weil man nur zu zweit eine Chance hat, Normalität herzustellen – und das brauchen die Kinder. Womit sind die Kinder heute konfrontiert? Ich muss das jetzt etwas pointiert ausdrücken, aber das erlebe ich tagtäglich in der Schule: Ihre unbeschwerte Kindheit endet mit etwa sechs Jahren. Das ist die Zeit, in der sie über Smartphones mit Pornografie konfrontiert werden, in denen sie mit Vapes (Anm: E-Zigaretten) in die Schule kommen, weil man ihnen das am Spielplatz andreht oder in der sie in Videospielen und auf TikTok Gewalt sehen, die sie nicht einordnen können. Sie haben größere Geschwister oder Begegnungen auf dem Schulhof oder unterwegs, wo sie solche Dinge mitbekommen, oft ganz unabsichtlich. Sie sind klein und haben keine Sprache für diese Eindrücke,
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Die Inklusion steht für mich ganz oben auf der Liste. Wir muten den Kindern extrem viel zu, aber andere Kinder mit besonderen Bedürfnissen will man ihnen nicht zumuten – das ist absurd.
deshalb spielen sie das Gesehene nach. Wir haben also Kinder in der Klasse, die sexualisierte Gewalt spielen, und das ist nicht selten. Ich als Pädagogin muss mich damit auseinandersetzen, ich muss mit ihnen sprechen, mit den Eltern, ich muss Lösungen finden, damit das alles eingebettet werden kann. Das ist anstrengend und es fordert alles von mir – meine ganze Empathie, meine Kreativität, meine Liebe zu den Kindern. An Wissensvermittlung ist erst zu denken, wenn die Kinder mit ihrer Lebenswelt zurechtkommen, das ist ganz normal. In meiner Klasse läuft eine Challenge: Wer es als Erster schafft, zu einem Sexvideo Nein zu sagen, also wer es nicht anschaut, bekommt von mir einen Preis. Wir müssen die Kinder darin stärken, Nein sagen zu können. Wir müssen mit ihnen darüber reden, wie sie sich fühlen, wenn sie so ein dummes Gruselvideo sehen und dann Angst haben. Sie müssen kompetent werden für Dinge, die nicht ihrem Alter entsprechen. Und gleichzeitig sollen sie zu ihren Schulleistungen benotet werden – dabei leisten sie weit größeres, weil sie in all dem Irrsinn nicht verrückt werden. Die meisten jedenfalls.
#83 | Juni 2023
Was können die Eltern dazu beitragen? Die Eltern sind genauso gefordert wie wir Lehrer*innen. Wir haben Kinder, die nicht altersgerecht sprechen können, weil sie zu Hause zu wenig davon erleben. Viele Eltern haben keine Zeit mehr, sich mit ihren Kindern ausreichend zu unterhalten und ihnen so den Reichtum einer Sprache mitzugeben. Das muss in der frühen Kindheit passieren. Die Digitalisierung hat ganz deutliche, negative Folgen. Es passiert im Alltag andauernd, dass die Mütter oder die Bezugspersonen zu viel mit den digitalen Medien beschäftigt sind, anstatt mit ihren Kindern zu sprechen. Es geht nicht darum, was die Eltern falsch machen, wir leben jetzt in dieser Zeit und die bringt das mit sich – und die Kinder tragen das in die Schule. Diese Herausforderungen können wir nur bewältigen, wenn wir alle zusammenarbeiten, die Eltern, die Pädagog*innen und die Kinder. Und wir müssen in Beziehung sein mit den Kindern, mit jedem einzelnen – in der Schule und zu Hause. Die politischen Vorgaben sind nicht hilfreich, seit Jahren wird der Beruf diskreditiert, die Verantwortlichen sind für uns nicht mehr erreichbar. Sie entziehen sich der Diskussion und bürden uns Rahmenbedingungen auf, die jenseits der Realität in der Schule erdacht werden. Meine Erfahrung ist, dass wir bei 22 Kindern mindestens zwei Stunden täglich zu zweit in der Klasse stehen müssen, dann können wir das schaffen. Aber für diese Stunden muss jedes Jahr gekämpft werden. Es ist auch wenig überraschend, dass man kaum mehr Direktoren findet für die Schulen. Warum sollte man sich diesen Wahnsinn freiwillig aufbürden? Was könnte die Bildungspolitik jetzt tun, um den ziemlich verfahrenen Karren zu retten? Wir fordern seit Jahrzehnten ganz klare Dinge, damit wir arbeiten können. Wir brauchen Autonomie an den Schulen, damit wir in der Lage sind, auf die Anforderungen zu reagieren. Die Inklusion steht für mich ganz oben auf der Liste. Wir muten den Kindern extrem viel zu, aber andere Kinder mit besonderen
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Wir brauchen die gemeinsame Schule, die schon vor Jahren von der Landesregierung beschlossen wurde. Warum wird die nicht umgesetzt?
Bedürfnissen will man ihnen nicht zumuten – das ist absurd. Kinder haben eine ganz natürliche Offenheit, die wir brauchen in unserer Gesellschaft – die treiben wir ihnen in früher Jugend aus, weil wir diese Kinder aus dem Schulalltag ausklammern. Wir müssen dieses einfältige Notensystem loswerden, das nur das Konkurrenzdenken befeuert, wir brauchen die gemeinsame Schule, die schon vor Jahren von der Landesregierung beschlossen wurde. Warum wird die nicht umgesetzt? Der Notendruck in der dritten Klasse bringt alle an den Rand ihrer Belastbarkeit, was vollkommen unnötig und schädlich ist. Mit der gemeinsamen Schule könnten alle in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen, bis die Kinder mit 14 groß genug sind, um zu entscheiden, welche Schulform für sie dann passend ist. Wir brauchen eine andere Ausbildung, die Pädagogische Hochschule bringt junge Lehrer*innen hervor, die noch nie etwas von neuen Lernmethoden gehört haben. Die sind nicht gut gerüstet für das, was die Kinder in die Schule mitbringen. Dort gehen viel zu viele junge Lehrkräfte gleich wieder verloren, die suchen sich einen anderen Job, was ich gut verstehen kann. Ich habe einfach den Glauben verloren, dass sich politisch je etwas bewegen wird. Nicht, solange immer dieselbe Partei das Bildungsressort besetzt. Jetzt kommen die ganzen Quereinsteiger*innen, die noch zusätzlich Unterstützung brauchen von uns Lehrer*innen. Diese Zeit haben wir aber nicht, ganz abgesehen von der mangelnden Wertschätzung für die ausgebildeten Pädagog*innen – wir haben jahrelang studiert, aus gutem Grund. Solange das Problem nicht an der Ursache behoben wird, verheizt man damit einfach
noch mehr wertvolle und kompetente Fachkräfte und auch diesen Hilfskräften gegenüber ist das unfair. Immerhin, der neue Lehrplan ist gut, jetzt muss er nur noch wirklich umgesetzt werden. Dazu gehört aber ein anderes Verständnis und eine andere Haltung, weg von der Bewertung. Solange sich an diesen Grundfesten nichts ändert, werden weiterhin Lehrkräfte abwandern, das ist nur logisch.
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Wir brauchen eine andere Ausbildung, die Pädagogische Hochschule bringt junge Lehrer*innen hervor, die noch nie etwas von neuen Lernmethoden gehört haben. Die sind nicht gut gerüstet für das, was die Kinder in die Schule mitbringen.
Was macht ihr in eurer Schule, um zurechtzukommen? Auch an unserer Schule verlieren wir viele gute Lehrer*innen, das ist einfach überall so, und es tut weh. Ich gehe bald in Pension, für mich stellt sich die Frage nicht mehr. Die Kinder haben große Lust an allem, am Lernen, am Theaterspielen, am Spielen. Wir schauen halt jeden Tag, was steht jetzt an und wie kommen wir dorthin, dass sie ihren Interessen nachgehen können? Das ist alles Beziehungsarbeit. Es muss immer ein Miteinander entstehen können, das ist unsere Hauptaufgabe. Die Kinder müssen mit ihren Klassenkamerad*innen Dinge vereinbaren und aushandeln, sie müssen lernen, miteinander zu funktionieren. Das bedeutet auch eine intensive Elternarbeit, auch dort entstehen Beziehungen, die am Ende mithelfen, die Lehrer*innen zu entlasten. Es gibt diese Eltern, die aus Unsicherheit und Fürsorge ihre Volksschulkinder mit Smartphones ausstatten >>
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Mittendrin in V und während der Stunde anrufen, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist. Die werden lückenlos überwacht, da geht dann ein Alarm los, wenn sie einen bestimmten Radius verlassen. Was das mit den Kindern macht, kann man sich gar nicht vorstellen. Diese Eltern müssen verstehen, dass sie ihrem Kind die Möglichkeit nehmen, sich selbst zu behaupten. Ein Verbot bringt nichts, die Eltern brauchen Gespräche, um zu erkennen, dass sie ihrem Kind so nicht helfen. Um all das auszugleichen, brauchen wir Schulen im Wald, wir brauchen die Natur. Die Kinder brauchen diese Erlebnisse, damit sie zu sich kommen und bei sich bleiben können. Die Natur bewertet nicht, die erdet uns und das ist heilsam. Die tägliche Frage muss sein: Was brauchst du, damit du heute lernen kannst? Was brauchst du, damit du heute unterrichten kannst? Was brauchst du, damit du dein Kind gut durch diese Zeit begleiten kannst? Und dann müssen wir das so herstellen, damit wir ans Lernen denken können. Vielen Dank für das Gespräch.
Österreichweiter Aktionstag Bildung 15. Juni, 13 Uhr vor dem Landhaus in Bregenz Birgit Sieber-Mayr ist eine von vier Redner:innen, auch Schüler:innen kommen zu Wort. Österreichweit gehen zahlreiche Initiativen für eine gemeinsame, inklusive Bildung auf die Straße. Um zu zeigen, was schiefläuft und um sich einzusetzen für bessere Aufwachs-, Lern- und Arbeitsbedingungen. Mehr dazu: https://aktion-bildung.at Die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Pflichtschulalter wird bis 2030 laut dem Nationalen Bildungsbericht 2021 um mehr als fünf Prozent steigen – im gleichen Zeitraum geht jedoch ein Viertel der Lehrkräfte an Volksschulen und ein Drittel an Mittelschulen in Pension. Allein im Pflichtschulbereich sind derzeit 250 Stellen unbesetzt. Mit dem „Quereinstieg Neu“ könnten Bewerberinnen und Bewerber mit fachverwandten Studien sofort und mit vollen Bezügen ohne Sondervertrag in den Lehrerberuf einsteigen. Die Bildungsdirektion Vorarlberg gibt einen Überblick unter vorarlberg. at/lehrperson. Quelle: https://orf.at/stories/3270910/
Drei Fragen an Sabine Lenz-Johann, Direktorin des BG Gallus
Ein Blick auf das Gymnasium
Die Herausforderungen sind für Jugendliche teilweise noch größer, wie auch Direktorin Sabine Lenz-Johann bestätigt. Sie macht ähnliche Beobachtungen und setzt in ihrer Schule darauf, das innere Feuer und die Motivation zu entzünden, um den jungen Menschen neben den vielen Ablenkungen auch Lernanreize zu bieten.
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Womit haben Jugendliche zu kämpfen? Sabine Lenz-Johann: Jugendliche sind heute mit einer Fülle von Einflüssen konfrontiert und brauchen zuerst einmal Orientierung und Halt. Sie müssen sich dort, wo sie sind, wohlfühlen. Nur dann können Sie gut lernen. Jede und jeder einzelne muss dafür sorgen, dass es ein gutes Miteinander gibt und dass alle ihr Potenzial leben können. Dazu brauchen wir gut funktionierende Teams, Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen müssen zusammenarbeiten. Die Eltern müssen die Lösungen, die Lehrer und Kinder miteinander vereinbaren, auch mittragen. So kann man junge Leute darin unterstützen, sich in ihren Lebenswelten zurechtzufinden. Diese Parallelwelten, etwa Serien oder Videospiele, sind sehr präsent. Es ist jetzt wichtiger denn je, ihre eigentlichen Interessen zu wecken und zu fördern. Nicht, um sie von etwas wegzubringen, sondern um sie mehr zu sich selbst zu bringen. Was kann die Schule anbieten? Ich glaube, die Schule kann als Lernort ein Initialzünder sein, damit Jugendliche motiviert werden. Das Wichtigste ist, Interesse an den Menschen zu haben und Lernbeziehungen aufzubauen. Das kann konkret bedeuten, dass man ihnen Perspektiven aufzeigt oder sie inspiriert – das tun Lehrpersonen tagtäglich in ihrer Arbeit. In Lerngruppen kann man sehr viele Themen anbieten, in denen sich Jugendliche individuell einbringen können, solche Anreize anzubieten ist wertvoll.
© privat
Sabine Lenz-Johann, Direktorin des BG Gallus Warum gehen so viele Lehrkräfte verloren? Man muss sich auf die Menschen einlassen, man muss Freude daran haben, mit jungen Menschen zu arbeiten, man muss das Ziel vor Augen zu haben. Die Pandemie hat etwas beschleunigt, was schon vorher deutlich war, Kinder und Jugendliche sind sehr belastet und brauchen mehr Unterstützung als früher. Mit dem 13. März 2020 mussten wir von einem Tag auf den anderen das ganze System umstellen, wir alle haben eine extreme Lernkurve hingelegt, Eltern, Lehrer*innen und Schüler*innen waren gefordert. Jetzt müssen wir eben wieder lernen, miteinander zu arbeiten – das ist alles auch anspruchsvoll. Und jetzt bricht die Künstliche Intelligenz in unseren Alltag ein, eine gänzlich neue Herausforderung, die unsere Gesellschaft verändern wird. Es ist jetzt an uns, diese neuen Technologien sinnvoll in den Unterricht einzubauen, das ist die nächste große Aufgabe, die wir mittragen und gestalten müssen – also, ich will sagen, die Aufgabe ist wirklich anspruchsvoll: Unsere Jugend ist unser Schatz, jede positive Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken ist eine Investition in die Zukunft – und dafür setzen sich Pädagog*innen jeden Tag ein.
#83 | Juni 2023
Begegnungsorte | Folge 2
Die Quelle. Punkt. Komm! In der zweiten Folge unserer Begegnungsorte-Serie nehmen wir Sie mit in ein unkonventionelles Café mit einladendem Namen: diequelle.komm. Es ist ein Ort zum Aufwärmen, in physischer wie seelischer Hinsicht, ein erweitertes Wohnzimmer als Medizin gegen Einsamkeit oder einfach ein Zwischenstopp für Durchreisende.
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Text: Simone Fürnschuß-Hofer; Fotos: Frank Andres
ie „Quelle“ beim Bahnhof in Feldkirch war in ihrem früheren Leben eine Buchhandlung mit Fokus auf christliche Literatur. Auf einfache Art wurde der Raum zu einem Begegnungscafé umfunktioniert, wo alle Nationalitäten, Einheimische wie Zugezogene, Kinder und Erwachsene, willkommen sind. Ein Raum, der jeder und jedem offensteht und mit einer Besonderheit überrascht, die anderswo kaum zu finden ist: Hier fließt kein Geld. Auch eine Spendenbox sucht man vergeblich. Kaffee und Tee werden vorsätzlich unentgeltlich angeboten. Dazu Kekse und ganz viel Ohr und zwischendurch ein Mensch-ärger-dich-nicht. Wer hier arbeitet – derzeit sind es abwechslungsweise 14 Frauen – tut es im Ehrenamt. Weil es Freude macht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, dem Fremden die Tür zu öffnen, sich einzulassen auf all die Lebensgeschichten, die uns zeigen: Es gibt viele Möglichkeiten, ein Leben zu leben – und nein, nicht alles haben wir dabei selbst in der Hand. Für viele Menschen ist das kleine Begegnungscafé in der Bahnhofstraße ein Zwischenstopp zum Auftanken. Zum Reden. Zum Deutschlernen und Durchatmen. Oder für ein Nickerchen. Für manche jedenfalls ist es bereits zum lieb gewonnenen Ritual geworden, regelmäßig ein paar Nachmittagsstunden hier zu verbringen. Während es wiederum andere auf ihrer Durchreise hereinschneit, auf einen schnellen Kaffee, bevor der nächste Zug kommt. Initiiert und getragen ist der konsumfreie Begegnungsort vom Werk der Frohbotschaft. Auch jene, die am Rande stehen in die gesellschaftliche Mitte zu holen, ihnen Wohlfühlmomente zu schenken, dafür setzt sich die katholische Glaubens- und Wertegemeinschaft ein, so Brigitte Knünz. Sie leitet das Werk der Frohbotschaft und sagt: „Übersetzt in die heutige Sprache bedeutet unser Auftrag, so unser Christsein zu leben, dass Menschen gesehen und angenommen werden und sich unterstützt und wertgeschätzt fühlen. Damit auch jene, die es schwerer haben, etwas mehr von diesem Leben in Fülle erfahren können. Orte wie unser Begegnungscafé leisten einen Beitrag dazu.“
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Brigitte Knünz (links) leitet das Werk der Frohbotschaft und will mit dem Begegnungscafé einen niederschwelligen Ort für Austausch und zum Auftanken bieten.
Begegnungscafé diequelle.komm Öffnungszeiten Mi, Do, Fr, 14 – 17.30 Uhr Lage: beim Bahnhof Feldkirch Gratis-Angebot an Kaffee, Tee, Keksen Immer gesucht: Ehrenamtliche mit etwas Zeit und einem offenen Ohr, die sich gerne für Gespräche, als Lern- oder Spielpartner zur Verfügung stellen; Raumvergabe auch an Dritte – egal ob regelmäßig oder sporadisch Kontakt: Brigitte Knünz, brigitte.knuenz@frohbotinnen.at, 0699 110 926 64 Web: https://frohbotinnen.at/diequelle-komm.html
Mittendrin in V
Ich will Berührung
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Eine aktuelle Publikation von literatur:vorarlberg zeigt auf, wie unterschiedlich Menschen nicht nur versorgt, sondern auch umsorgt werden wollen. Zwölf Texte von Vorarlberger Autor:innen sowie die Werke von Lorenz Helfer bilden dies in vielfältiger Weise ab – außergewöhnlich, irritierend und inspirierend – vor allem jedoch berührend. Einen Vorgeschmack gibt es in der marie.
ls Ideengeberinnen für die diesjährige Publikation von literatur:vorarlberg „V#39/Ich will Berührung“ haben Sabine Benzer und Marie-Rose Rodewald-Cerha zwölf Vorarlberger Autor:innen sowie Künstler Lorenz Helfer zu Beiträgen rund um das Thema Pflege und Fürsorge eingeladen. „Wir in der Kulturvermittlung sind überzeugt, dass Kunst einen wesentlichen Beitrag zur Debatte leisten kann. Einen Beitrag, der nicht unmittelbar von pragmatischen Maßnahmen geprägt ist, sondern die nötige Auseinandersetzung auf eine kreative Ebene führt, dadurch neue Perspektiven eröffnet, die eingefahrene gesellschaftliche Praxis hinterfragen und eventuell auch neue Sichtweisen provozieren“, so Benzer. Das nun vorliegende Werk wird am 6. Juni im Palais Liechtenstein in Feldkirch präsentiert, ein Auszug daraus steht der marie zum Vorabdruck bereit. Autorin Gabriele Bösch beschreibt darin auf einfühlsame Art ihre erste Woche mit Frau Dr. Glück, die sie schlussendlich insgesamt viereinhalb Jahre begleiten sollte.
Meine alte Dame und ich An diesem ersten Tag steht sie oben am Geländer, winkt herunter und ruft: „Willkommen! Willkommen!“
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Gabriele Bösch
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Ich gehe vorsichtig, die Treppe neigt sich an ihren offenen Rändern bedenklich nach unten. Es knarzt. Ich kann das Holz unter den Füßen nur am Geländer ahnen, Rückschlüsse bis unter das Linoleum, es stammt wohl aus den Sechzigern wie ich. An den Wänden hängen Bilder aus diesem vergangenen Jahrhundert. Ich kann sie nicht ein- oder zuordnen. In einer Mauernische steht ein Kistchen mit roten Geranien aus Kunststoff. Es ist kein Staub darauf. Als ich oben ankomme, stehe ich vor einer weißen Gittertür. Der linke Flügel steht offen. Davor steht sie: klein. Randlose Brille. Rote Lippen. Hochsteckfrisur. Riesige Clips und kein graues Haar. In den rechten Flügel ist der weiße Kopf eines Engels aus Gips montiert. Mein Blick schwenkt hin und her: Die beiden Lächeln sind verwandt. Ich reiche ihr die Hand. „Guten Tag, Frau Dr. Glück“, sage ich. „Treten Sie ein, treten Sie ein“, sagt sie und tritt selbst zur Seite. Sie geht vor mir. Die Neigung ihres Körpers erinnert mich an die Treppe draußen, ein hölzerner Stock dient ihr als Geländer. Ein bisschen wird mir schwindlig. Drei Meter? Vier Meter? Wie hoch ist diese Wohnung? Und wo führen all die Türen hin? Unsere Schritte sind gedämpft durch unzählige Teppiche. Mein Blick ist gedämpft durch unzählige Bilder. Perser und Öl. Ich durchschreite ein ganzes Jahrhundert auf wenigen Metern und lande in einem blauen Salon. Frau Dr. Glück setzt sich in ihren Ohrensessel. Spitzendeckchen zieren die Kopf- und Armlehnen. Vom Fenster her fällt gefiltertes Sonnenlicht auf sie. Ich denke an den weißen Engel draußen am Gitter und setze mich zu ihrer Linken in einen tiefen Fauteuil. Vis a vis hängt eine riesige Leinwand. Eine Schneeballschlacht, kleine Jungen im Abendlicht. Die vorvorige Jahrhundertwende. Validation. Nimm alles für wahr. Es gibt Schnee, der schmilzt auch in hundert Jahren nicht. Ich blicke auf die Schneebälle. In hundert Jahren wird es mir nicht gelingen, mich vorzustellen. Ich bin Schnee, der schmilzt, bevor er gefallen ist. „Ich heiße Gabriele Bösch“, sage ich, „ich bin dreiundfünfzig Jahre alt, bin verheiratet und habe fünf Kinder. Ich habe, wie Sie, Medizin studiert, bin aber bei der Anatomieprüfung durchgefallen. Sie haben es geschafft, ich nicht. Jetzt bin ich Schriftstellerin.“ Frau Dr. Glück lächelt.
#83 | Juni 2023
„Ein Medizinstudium zu absolvieren ist keine besondere Leistung. Fünf Kinder großzuziehen, hingegen schon.“ „Das glauben Sie wirklich?“, frage ich und staune. „Sie müssen doch eine der ersten Ärztinnen in diesem Land gewesen sein? Das war doch sicher nicht leicht?“ „Es ist eine klare Tatsache, dass man die Medizin gehirntechnisch lernen kann, das Leben als solches, vor allem mit Kindern, jedoch nicht. Das erfordert völlig andere Bereitschaften.“ Ich schweige. Dann sage ich: „Ich bin natürlich auch an Kunst und an Kultur interessiert. Ich gehe gerne ins Theater, zu Konzerten, lese gerne und lese gerne vor.“ „Sehr gut“, antwortet Frau Dr. Glück, „ich werde mich bemühen, Sie auch nicht allzu sehr zu stören.“ Mein Blick fällt auf die Vorhänge. Zu meinen Aufgaben würde auch die Biographiearbeit gehören, hatte die Familie gesagt. Brokat, der in weichen Wellen von der Decke bis zum Boden fällt. Gardinen, die den Blick in die Welt verstellen. Jugendstilspiegel auf einer Kommode, deren Intarsien geometrisch angelegt sind. Das Muster korrespondiert mit jenem des Bodens. „Frau Dr. Glück“, sage ich, „ich werde Ihnen zur Verfügung stehen, wie immer Sie es möchten. Wir können auch Ausflüge machen oder Gäste einladen.“ „Ausflüge? Sehr gerne. Jetzt, wo der Sommer kommt, ist das doch eine hervorragende Idee.“ Abends sage ich zu Hause: Ich habe heute eine Schneeballschlacht in einem blauen Salon gesehen. Vielleicht beginnt deshalb für Frau Dr. Glück der Sommer schon im September.
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Frau Dr. Glück trägt ihren Schlüssel um den Hals. Das ist praktisch, sagt sie, und zieht das lange Band unter der Bluse hervor. Drei Schlüssel hängen daran. Sie zieht die Haustüre zu und sperrt ab, dann schließt sie die Gittertüre, die zwei Schlösser hat, eines oben und eines unten. Zuerst schließt sie das obere, dann das untere. Der Stock hängt inzwischen am Arm. Der Engel lächelt sein ewiges Lächeln. Dann gehen wir die Treppe hinunter. Unten hält sie mir die schwere Eingangstüre auf. Es müsste vielleicht umgekehrt sein, denke ich, wir werden sehen. Wir gehen sehr langsam die Gasse hinunter, der Kreuzung entlang bis zur Unterführung. Vor der Stiege bleibt Frau Dr. Glück stehen, sie zieht ihre Handschuhe an. Mit der Linken hält sie sich am Geländer, mit der Rechten stützt sie sich auf den Stock. Ich blicke auf ihre zierlichen Füße, als ginge ich selbst mit ihnen. Auf der anderen Seite geht sie die Stufen zwischen den Kinderwagenrampen hoch, sie muss die Schritte genau dazwischen platzieren. „Möchten Sie nicht zur anderen Seite wechseln“, frage ich. „Nein, das geht schon. Ich bin es so gewohnt“, antwortet sie. „Guten Tag, Frau Dr. Glück“, sagt ein Herr und zieht entzückt seinen Hut. Frau Dr. Glück grüßt lieb zurück. „Kennen Sie den Herrn“, frage ich zwei Schritte später. „Vermutlich kenne ich ihn. Aber ich kann mich nicht an ihn erinnern. Vielleicht ein Patient. Wissen Sie, bei so vielen Menschen kann man sich nicht alle merken.“ Das verstehe ich. Gleich nach der Unterführung, gibt es ein paar Bänke. Wir setzen uns auf die erste. Ich betrachte die Amberbäume. Sie haben schon vereinzelt rote Blätter. Weiße Engel und rote Sterne, denke ich. „Schauen Sie, wie schön sich der Herbst ankündigt“, sage ich. „Dieser Satz gebührt Ihnen nicht, Sie sind zu jung!“ Wir sehen uns an und lächeln. Wir haben schon am zweiten Tag unsere Sprache gefunden. Sie besteht vor allem aus Schweigen. >>
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Mittendrin in V
Frau Dr. Glück sucht etwas in ihrer Jackentasche. „Was suchen Sie“, frage ich, „kann ich Ihnen helfen?“ „Ich habe kein Taschentuch. Ich habe vergessen, Taschentücher einzupacken. Ich brauche immer so viele davon.“ „Ein Tempo“, frage ich, „genügt Ihnen ein Tempo?“ „Früher nannten wir sie Feh“, stellt Frau Dr. Glück richtig. Ein Feh für die Fee, denke ich und reiche ihr eine Packung Tempo. Wir werden alles absolut langsam tun, beschließe ich. Gehen. Uns kennenlernen. Sprechen. Erzählen. Frau Dr. Glück wischt sich mit dem Taschentuch die Stirn. „Ist Ihnen nicht gut?“, frage ich. „Nach den Stufen gerate ich immer ins Schwitzen. Ich muss noch ein bisschen verweilen, hier auf dem Bänkle.“ „Das tun wir“, sage ich, „wir haben alle Zeit der Welt.“ „Haben wir?“ Sie mustert mich. „Ja, haben wir.“ „Das ist schön. Ich danke Ihnen.“ Sie holt etwas Schwung, um aufzustehen. Wir schlendern durch die Gassen bis zu einem Café. Auf den Stühlen heraußen liegen schon vereinzelt Decken. Ein Herr winkt uns zu. Freudig geht Frau Dr. Glück auf ihn zu und drückt ihm die Hand. Ich stehe daneben und grüße ebenfalls. Dann setzen wir uns.
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„Sind Sie die Betreuung?“, fragt mich der Herr. „Ich bin eine Freundin“, sage ich. „Ja, das ist eine sehr liebe Freundin“, strahlt Frau Dr. Glück mich an. „Ich bin der Herr Weber“, sagt der Mann, „freut mich.“ Ich drücke ihm die Hand. „Wir kennen uns vom Pfarrgemeinderat“, sagt Herr Weber. „Dann kennen Sie sich schon lange?“, frage ich. „Ein paar Jahre sind das jetzt schon“, sagt Frau Dr. Glück. „Wir können ruhig sagen, dass es sich um ein paar Jahrzehnte handelt“, stellt Herr Weber richtig. „Unsere Namen sind da oben in der goldenen Kugel an der Spitze des Doms eingraviert“, lächelt Frau Dr. Glück. Ein bisschen sieht man jetzt ihre Zähne. Ich mag das, es sieht ziemlich selig aus. „Es heißt, der Blitz habe noch nie in diese Kugel eingeschlagen.“ Herr Weber lacht. „Wir kennen uns vom Pfarrgemeinderat“, sagt Herr Weber, „sind Sie die Betreuung?“ „Ich bin eine liebe Freundin“, sage ich. „So eine hätte ich auch gerne“, sagt Herr Weber, „haben Sie noch etwas freie Zeit?“ „Nein“, sage ich, „ich habe mein Glück schon gefunden.“ „Dann gehe ich jetzt zum Friedhof “, sagt Herr Weber. Es gibt Dialoge, denke ich, die kann man nicht erfinden. Und es gibt Tatsachen, die lassen sich nur schlecht überprüfen. Die beiden bestellen jeder ein kleines Bier. „Wir kennen uns vom Pfarrgemeinderat“, sagt Herr Weber. „Das geht auf meine Rechnung“, sagt Frau Dr. Glück und meint das Bier. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht besser auch eines bestelle. Wir gehen den gleichen Weg zurück. Nebenher erklärt mir Frau Dr. Glück die einzelnen Gassen, die einzelnen Häuser. Ich kann mir nichts merken, ich bin zu sehr auf ihre Füße konzentriert. Zwischendurch aber suche ich am Himmel nach einer goldenen Kugel. Auf der Bank vor der Unterführung machen wir Rast in umgekehrter Rei-
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henfolge. Sie wischt sich über die Stirn und zieht dann die Handschuhe an. Eine Dame kommt vorbei und sagt lächelnd: „Guten Tag, Frau Dr. Glück!“ „Werden Sie mich nach Hause begleiten?“, fragt Frau Dr. Glück mich. „Natürlich“, antworte ich, „ich gehe mit Ihnen nach Hause und bleibe bei Ihnen, bis Sie zu Bett gehen.“ „Das werden Sie wirklich tun? Wie schön, was habe ich für ein Glück mit Ihnen!“ „Und ich habe Glück mit Ihnen“, sage ich und meine es so und muss dennoch lächeln. „Sie lächeln?“ „Ja“, sage ich, „ich lächle, weil es keinen Zufall gibt.“ „Da haben Sie sicherlich recht. Wir haben beide lange aufeinander zugewirkt.“
Leistbar. Und das bleibt auch so.
Abends sage ich zu Hause: Es gibt eine goldene Kugel, die ragt in den Himmel. Und weil da „Glück“ draufsteht, schlägt niemals der Blitz in sie ein. Fortsetzung in: „V#39/Ich will Berührung"
V#39 – Ich will Berührung
Wolfgang Mörth, Laura Nussbaumer, André Pilz, Amos Postner, Birgit Rietzler, Lisa Spalt mit Werken des Künstlers Lorenz Helfer Bestellung in jeder Buchhandlung bzw. via Mail: literaturvorarlberg@aon.at, ISBN 978-3-9503808-7-3 Preis: Euro 21.Präsentation: 6. Juni, 18.30 Uhr im Palais Liechtenstein in Feldkirch Anmeldung: palais@feldkirch.at, T +43 5522 304 1255
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Strompreis bleibt stabil. Vorarlberger Haushalte profitieren seit vielen Jahren von sehr günstigen Energiepreisen. Trotz der Inflation und diverser Krisen soll der Strompreis in Vorarlberg stabil bleiben. Der Stromrabatt des Landes Vorarlberg und die Strompreisbremse des Bundes sorgen dafür. Sie werden automatisch von Ihrer Stromrechnung abgezogen, ohne dass Sie dafür etwas tun müssen.
Mehr Informationen finden Sie hier: www.vorarlberg.at/stromrabatt
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Entgeltliche Einschaltung des Landes Vorarlberg
Ein Projekt von literatur:vorarlberg und Stadt Feldkirch aus Anlass des PflegeSchwerpunkts von „Erbe und Vision" im Palais Liechtenstein in Feldkirch. Autor:innen: Stephan Alfare, Gabriele Bösch, Willibald Feinig, Wolfgang Hermann, Brigitte Herrmann, Veronique Homann,
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Wer die Nudeln fürs Mittagessen abzählen müsse, der wisse, was Armut bedeutet, so Andrea Bachmayr-Heyda. Sie leitet das Geschäftsfeld „Regionale Sozialberatung“ beim Institut für Sozialdienste (ifs) und gewährt uns Einblicke in die Lebensgeschichten, die sie dieser Tage erreichen.
ARMSEIN IST SCHWER, ABER KEINE SCHANDE
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rm zu sein ist weit mehr als nur weniger Geld als andere zu haben. Arm sein bedeutet Beschämung und soziale Ausgrenzung. Armut wird vererbt und nimmt Kindern ihre Zukunftschancen. Laut Armutskonferenz* ist in Österreich ein Mensch armutsgefährdet, wenn auf seinem Konto monatlich weniger als 1392 Euro landen. Bei einem Vier-Personen-Haushalt (zwei Erwachsene und zwei Kinder) liegt die Schwelle bei 2924 Euro. 17,5 Prozent der Menschen in Österreich sind davon schon betroffen, Tendenz steigend. Vorarlberg bildet da keine Ausnahme, auch wenn Armut gerade hierzulande oft unsichtbar bleibt. Wir wollten wissen, was Armutsgefährdung abseits der Zahlen für die betroffenen Menschen bedeutet, wie sich ein Einkommen unterhalb der Armutsschwelle auf ihren Lebensalltag auswirkt und wie unterstützt werden kann. * Daten aus EU-SILC 2022 Interview: Simone Fürnschuß-Hofer, Foto: iStock
marie: Als arm gilt, wer mit erheblichen materiellen Entbehrungen leben muss, sodass er an der sozialen Teilhabe ausgeschlossen ist. Oft registrieren die Menschen aber gar nicht, wenn jemand in ihrem Umfeld an oder unter der Armutsgrenze lebt. Welche Einblicke können Sie uns geben? Andrea Bachmayr-Heyda: Eine unserer Klientinnen zählt beim Kochen die Nudeln ab. Sie ist alleinerziehend mit zwei Kindern. Genauso könnte ich auch von der Pensionistin erzählen, die nur jeden zweiten Tag etwas zu essen hat oder von jener vierfachen Mutter, die sagt, Hauptsache wir haben Betten, einen Tisch brauchen wir nicht unbedingt. Auch unterhaltspflichtige Väter können im Übrigen in die Armutsgefährdung rutschen – ein Thema, über das nicht gern gesprochen wird. Zusammengefasst ist in meinen Augen arm, wer beim Essen sparen muss, wer sein Kind nicht an der Schulsportwoche teilnehmen lassen kann oder nicht mehr weiß, wie er die Monatsmiete zahlen soll. Schlussendlich geht es bei euch auch um Delogierungen? Ja, leider. Oft melden sich die betroffenen Menschen zu spät, weil sie sich schämen, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, oder nicht wissen, dass es solche gibt. Wohl auch, weil immer häufiger die Mittelschicht betroffen ist. Für sie ist die Hürde, zu uns zu kommen, noch viel höher. Wenn zum Beispiel wie vor Kurzem ein Vater von drei kleinen Kindern am Dienstag in der Beratung steht und unter Tränen sagt, dass er am Freitag delogiert wird, dann können wir nicht mehr viel machen. Ich möchte hier wirklich an Betroffene appellieren, frühzeitig Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Besagte Delogierung hätte man vermeiden können, wenn der Vater früher zu uns gekommen wäre.
In der Schulsozialarbeit nehmen wir die Kinderarmut zum Beispiel dort ganz deutlich wahr, wo die Volksschuldirektorin nach dem Wochenende einen Korb voller Lebensmittel einkaufen geht, damit die Kinder in der Früh erst einmal etwas im Magen haben.
Wie hätte ihn das ifs in diesem Fall unterstützen können? Im Vergleich zu anderen Einrichtungen können wir Hilfesuchenden kein Geld geben, höchstens da und dort eine Geldspende in eine Sachspende wie eine Waschmaschine umwandeln. Wir helfen im Regelfall vor allem dabei, am Problem an sich zu arbeiten. Wir reden mit Gemeinden, mit Vermieter:innen, Banken. Wir arbeiten eng mit den Bezirkshauptmannschaften zusammen und können unsere Klient:innen dabei unterstützen, diverse Anträge zu stellen. Eine große Entlastung für die Klient:innen sind in Zeiten wie diesen auch die finanziellen Unterstützungen durch den Bund, wie der Wohn- und Energieschirm – wichtige Instrumente, um Delogierungen abzuwenden. Hier unterstützen wir unsere Klient:innen natürlich auch dabei, die ganze Bürokratie zu bewältigen. Nehmen Sie und Ihr Team eine Veränderung in den letzten Jahren wahr? Ja, die Fälle werden zunehmend komplexer, die Menschen brauchen unsere Beratung längerfristig. Wenn sich jemand vor fünf Jahren nicht mehr die Miete leisten konnte, war es noch einfacher, auf kurzem Wege zu helfen. Wir beobachten, dass immer mehr Menschen unter einem enorm hohen psychischen Druck leiden, psychische Erkrankungen nehmen zu. Große finanzielle Nöte, die Angst davor, die Miete im nächsten Monat nicht mehr zahlen zu können, den Kühlschrank nicht mehr füllen zu können, führen zu einem enorm hohen psychischen Druck. Und natürlich merken wir die generelle Überforderung auch da und dort am Verhalten. Der Ton wird aggressiver, Not macht ungehalten. Vor allem, wenn wir bestätigen müssen, dass nicht mehr Geld fließen wird. Wie schaut denn eine Beratungssituation konkret aus? Wir nehmen die Menschen an der Hand, machen mit ihnen gemeinsam Behördengänge und uns selbst durch Hausbesuche ein Bild vor Ort. Wenn wir wissen, wie die Leute leben, können wir mit unseren Hilfsangeboten und unserem Netzwerk gezielter andocken. Unser Ziel ist es, Menschen zu befähigen, das Leben wieder allein zu stemmen. Idealerweise sie früh genug zu begleiten, dass sie erst gar nicht in die Not kommen, Sozialhilfe zu beantragen zu müssen bzw. sie zumindest schnell wieder in die Arbeitsfähigkeit zu bringen.
© Ursula Dünser
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Andrea Bachmayr-Heyda, Leiterin der Regionalen Sozialberatung beim Institut für Sozialdienste (ifs)
Inwiefern zeigt sich Kinderarmut als ein Thema in Vorarlberg? In der Schulsozialarbeit nehmen wir ganz deutlich wahr, dass auch in Vorarlberg Kinder an Armut leiden. Zum Beispiel dort, wo die Volksschuldirektorin nach dem Wochenende einen Korb voller Lebensmittel einkaufen geht, damit die Kinder in der Früh erst einmal etwas im Magen haben. Die Schulsozialarbeit lebt von der Präsenz vor Ort und dem intensiven Austausch mit den Kindern, daher bekommen wir viel mit. Wir sind als neutrale Ansprechpersonen in den Pausen mit dabei, treten mit den Schülerinnen und Schülern in Beziehung und können bei Problemen und Konflikten rasch intervenieren. Bräuchte es nicht gerade hier noch viel mehr an Ressourcen? Sagen wir es so: Die Schulsozialarbeit, die eigentlich hoch präventiven Charakter hat, ist derzeit leider – bedingt durch die vielen Anfragen – mehr im Feuerwehrmodus unterwegs. Immer wieder bekommen wir aber bestätigt, dass Kinder, die Unterstützung durch unser Schulsozialarbeit:innen erfahren haben, ein anderes Gerüst an Sozialkompetenz bekommen, gerade auch im Umgang mit Konflikten und Herausforderungen. Das sind schöne Erfolge. Viele Gemeinden agieren hier großartig, indem sie – zusätzlich zum Land – Stunden für die Schulsozialarbeit finanzieren. Am besten man fängt damit bereits in der Volksschule an. Wodurch sind die Kinder derzeit am heftigsten belastet? Wenn sich Eltern ständig übers Geld streiten oder die Mama so damit beschäftigt ist, ihre Kinder halbwegs zu versorgen, sodass sie nicht in der Lage ist, auch noch mit dem Kind zu lernen. Kinder sind massiv belastet, wenn Eltern in der Armutsfalle landen oder psychisch schwer belastet sind. Oft kommen sie dann nicht mehr mit dem Alltag zurecht, ziehen sich zurück, werden selbst psychisch krank. Zukunftsängste, Panikattacken, Essstörungen, Suizidalität, all das nimmt zu. Erfreulich ist, dass Kinder und Jugendliche die Hilfe annehmen, wenn es Beratungsangebote gibt. Wenn ich aber in Schulen reinhöre und mitbekomme, zu welch >>
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Mittendrin in V großen Schwierigkeiten Kinderarmut in den Schulen führt, und wenn ich dann auf die Politik schaue, offenbaren sich mir leider zwei völlig unterschiedliche Welten. Woran erkenne ich, dass es einer Familie nicht mehr gut geht, auch wenn sie das vielleicht verbergen möchte? Vor allem am sozialen Rückzug. Es geht sich plötzlich kein Treffen mit Freunden und Familie mehr aus bzw. alles, was Konsum verursacht, wird vermieden. In Schulen sieht man es daran, dass die Kinder wochenlang das Kopiergeld „vergessen“, die Turnsachen nicht mehr bringen, weil sie sich keine Hallenturnschuhe leisten können oder Ausreden erfinden, wieso sie nicht auf die Sportwoche mitgehen können. Die Scham führt zum verzweifelten Versuch, den Schein zu wahren. Ja, das macht alles nur schlimmer. Ich würde eine groß angelegte Kampagne begrüßen, die Menschen ermutigt, ohne Scham und Schuldgefühle und unter Wahrung ihrer Würde sagen zu können, ich schaff es nicht mehr. Denn Armsein ist schwer, aber keine Schande.
BUCHTIPP
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info ifs Die Regionale Sozialberatung des ifs ist mit ihren Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen in ganz Vorarlberg vertreten. Standorte finden sich in Egg, Bregenz, Dornbirn, Hohenems, Feldkirch, Bludenz und im Kleinwalsertal. Die Beratung umfasst vorwiegend psychosoziale Belange für Erwachsene mit dem Ziel der Stärkung und Wiedererlangung der Eigenständigkeit. Öffnungszeiten und Kontaktdaten: www.ifs.at/oeffnungszeiten; Beratung ohne Voranmeldung! T 051755-510; www.ifs.at Die Jugendberatung Mühletor (muehletor@ifs.at) bietet zudem einen niederschwelligen Zugang für Jugendliche. Dieses Angebot können Jugendliche an allen ifs Beratungsstellen in Anspruch nehmen. Die ifs Schulsozialarbeit ist derzeit an 39 Schulen vertreten.
ARMUT von Daniela Brodesser,
Verlag Kremayr & Scheriau Ein Augen öffnender und schonungslos ehrlicher Bericht von Daniela Brodesser, die mit ihrer Familie für ein paar Jahre in die Armutsfalle gerutscht ist und mit all jenen Vorurteilen und Vorverurteilungen zu kämpfen hatte, die sie zuvor selbst in sich trug. Eindrücklich erzählt sie, wie es sich anfühlt, durch das soziale Netz zu fallen, das Feindbild der Politik zu sein, verletzenden Beschämungen ausgesetzt zu sein, die Würde zu verlieren. Und wie schwer es ist, aus der Abwärtsspirale wieder herauszukommen. Vor allem auch, weil die „fehlende Teilhabe einer der Hauptgründe ist, weshalb wir Armut nur schwer bekämpfen können“. Persönliches Fazit: Ein Buch, das jede:r gelesen haben sollte! Buchpräsentation „Armut“ am 16. Juni um 18:30 Uhr im Austriahaus Bregenz, Anmeldung: vorarlberg@gruene.at
Auszug: „Eigentlich wollte ich in den letzten Jahren versuchen, mich dem Thema Armut auf rein struktureller Ebene zu nähern, doch daran scheitere ich immer wieder. Warum? Weil unsere Gesellschaft nur dann aufmerksam zuhört, wenn sie Geschichten und Schicksale vorgeführt bekommt. Wenn sie nachempfinden kann, ohne je selbst in der Situation gewesen sein zu müssen. Ich werde in diesem Essay die ganz persönliche Geschichte meiner Familie erzählen. Wie wir, eine nicht reiche, aber durchschnittliche Mittelklasse-Familie, eines Tages begriffen, dass Armut nicht nur die anderen trifft, sondern tatsächlich auch uns. Wie wir ausgegrenzt und stigmatisiert wurden und ich schließlich dachte, ich sei selbst daran schuld.“ Die Autorin empfiehlt Armutsbetroffenen, sich über Gruppen zu vernetzen, zum Beispiel #IchBinArmutsbetroffen.
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Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Lösung
Für Anfänger
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Für Fortgeschrittene
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Für Genies
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S C HAC H E C K E Kurz vor Redaktionsschluss wurde das 7. Internationale Bodensee-Open beendet. Vom 13. bis 21. Mai 2023 genossen 141 TeilnehmerInnen aus 17 Nationen im offenen Turnier und 109 TeilnehmerInnen aus 14 Nationen im Seniorenopen die exklusive Atmosphäre im Grand Hotel Bregenz. Rund zwei Drittel der insgesamt 250 SpielerInnen kamen aus Österreich und dem benachbarten Deutschland. Am Start waren natürlich auch etliche internationale Titelträger. Drei Großmeister, drei Internationale Meister und elf FIDE-Meister zählten zum Favoritenkreis auf den Turniersieg im Open. Nach neun Runden führte schlussendlich der Deutsche GM Leonid Milov mit 7,5 Punkte die Schlusstabelle an. Mit jeweils 7,0 Punkte folgten IM Upadhyaya Anwesh aus Indien und der Lette GM Ilmars Starostits. Der beste Vorarlberger an diesem Turnier war der Wolfurter FM Fabian Matt. Mit 6,5 Punkte kam er auf den beachtlichen GM Alexander Baburin (Irland) Benjamin Kienböck (Hohenems) 7. Int. Bodensee-Open, Bregenz 2023 1
fünften Rang und wurde mit dieser Leistung hochverdient Vorarlberger Landesmeister 2023. Aus Vorarlberger Sicht gab es erfreulicherweise noch weitere Spitzenplatzierungen durch den Dornbirner Elia Cafasso, FM Christian Srienz aus Hörbranz und den Hohenemser Benjamin Kienböck. Diese drei Spieler erreichten jeweils 6,0 Punkte. Im Seniorenopen wurden nur sieben Runden gespielt und es gab einen überlegenen Start-Ziel-Sieg des 61-jährigen Franzosen GM Eric Prie, der die ersten sechs Partien gewann und lediglich in der Schlussrunde ein Remis gegen den Bregenzer IM Henryk Dobosz abgab. Dieser landete mit 5,5 Punkte als bester Vorarlberger auf den vierten Platz. Und nun bringen wir nachstehend noch drei interessante Stellungen aus Partien, welche Vorarlberger im offenen Turnier gespielt haben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lösen dieser Kombinationen.
Dietmar Fauth (Deutschland) FM Fabian Matt (Wolfurt) 7. Int. Bodensee-Open, Bregenz 2023
Mit welcher Fortsetzung kann Schwarz am Zug das Matt erzwingen?
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Kai Steiner (Hohenems) Elmar Kaiser (Deutschland) 7. Int. Bodensee-Open, Bregenz 2023
Wie erreicht Schwarz am Zug entscheidenden Materialvorteil?
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Wie gewinnt Weiß am Zug eine Figur?
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Mittendrin in V
Mehr Chancen mit Unterstützung Die Syrerin Amal Ibrahim (16) und die Schwestern Ruqaya (15) und Zahraa (17) Al-Musawi aus dem Irak leben seit Kurzem in Vorarlberg. Um die Matura zu schaffen, bekommen sie Hilfe von der START Stiftung Vorarlberg. Ein Einblick. Text: Miriam Jaeneke, Fotos: Frank Andres
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Stefanie Hanisch, Projektleiterin von START
„Die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, bringen oft viel Wissen mit, um Probleme zu lösen. Wie können wir zum Beispiel besser mit alten Menschen umgehen, wie mit Müttern? Wie können wir nachhaltiger leben? Wir haben hier nicht immer die besten Lösungen. Die haben vielleicht Menschen aus einer anderen Kultur, die sich integrieren und beide Seiten verstehen können.“
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ie sind selbstbewusst, wissen, was sie können und was sie wollen, haben Ziele und arbeiten konsequent darauf hin. Einen Teil dieser Eigenschaften, sagen sie, verdanken sie START: Die Migrantinnen Amal Ibrahim, Ruqaya und Zahraa Al-Musawi sind Stipendiatinnen von START Vorarlberg. Mit unbürokratischer finanzieller Hilfe, mit Nachhilfe und Bildungsangeboten unterstützt die Stiftung Schüler und Schülerinnen mit Migrationsgeschichte dabei, ihre Matura machen zu können. Trainer lernen mit ihnen Deutsch, Mathe, Englisch und andere Fächer, in denen sie sich schwertun, es gibt Workshops und Vorträge zu unterschiedlichen Themen und auch Exkursionen. Bezahlt werden Materialien für Schule und Bildung wie Klassenfahrten, USB-Sticks, Laptops, Arbeitskleidung, Schulbücher oder Theatereintritte. Vor allem aber gibt es eine Community aus Gleichgesinnten mit ähnlichem Hintergrund und vergleichbaren Problemen und österreichische Ansprechpartnerinnen für konkrete Schwierigkeiten. Auch psychologische Unterstützung kann sinnvoll sein und wird von der Stiftung mitgetragen. So werden Dinge möglich, die vorher schwierig erschienen, Träume rücken in greifbare Nähe.
Heimat im Gepäck
Amal Ibrahim ist 16 Jahre alt und kommt aus Syrien. Sie erzählt, dass sie Ärztin werden will. Aber nicht irgendeine, sondern eine gute. „Eigentlich hätte ich noch eine ältere Schwester. Aber sie ist auf Grund eines ärztlichen Fehlers sechs Stunden nach der Geburt gestorben. Es schockiert mich, wie manche Ärzte mit dem Leben umgehen. Als guter Arzt brauchst du Wissen und Persönlichkeit, du musst wissen, wofür du das machst. Ich möchte den Menschen etwas zurückgeben.“ Sie erzählt vom Leben vor dem Krieg in Syrien, wo die ganze Familie sich immer freitags im Haus ihres Opas getroffen hat. Wenn alle beisam-
men waren, hat sie sich aufgehoben gefühlt. Das war Heimat. Jetzt sind zwei Onkel und Tanten in Deutschland, ein Onkel in Frankreich, zwei im Irak. 2016 kam zuerst Amals Vater her, dann hat er seine Frau und die Kinder nachgeholt. Für Ruqaya, die jüngere der beiden AlMusawi-Schwestern aus dem Irak, ist das Leben hier in Vorarlberg in Ordnung. „Hier gibt es Sicherheit und Freiheit.“ Die beiden 15- und 17-Jährigen tragen ein Kopftuch. Sie sind gläubige Musliminnen und beten fünfmal täglich. Aber sie haben ihren eigenen Kopf. Die Jüngere möchte hier in Österreich bleiben, Zahraa erst einmal die Welt bereisen und danach Herz-Chirurgin werden. Die beiden erzählen, dass sie in der Mittelschule einen schweren Stand hatten, als Außenseiterinnen dastanden und regelmäßige Kopftuch-Debatten zu überstehen waren. Inzwischen ist Amal, die Ähnliches berichtet, auf dem BORG in Lauterach, Ruqaya ist auf dem BORG in Egg und Zahraa auf der HTL Bregenz. Die Schwestern wohnen in Schwarzenberg, wo sie mit der einheimischen Bevölkerung nicht viel zu tun haben, wie sie erzählen. Dafür ermögliche ihnen aber die START Stiftung einen Kontakt zu den Vorarlbergern. So könne ein Gefühl des Heimisch-Seins entstehen. Aber auch das Gefühl, selbst geben zu können und nicht nur Bittstellerin zu sein. Die Projektleiterin von START Stefanie Hanisch erzählt: „Die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, bringen oft viel Wissen mit, um Probleme zu lösen. Wie können wir zum Beispiel besser mit alten Menschen umgehen, wie mit Müttern? Wie können wir nachhaltiger leben? Wir haben hier nicht immer die besten Lösungen. Die haben vielleicht Menschen aus einer anderen Kultur, die sich integrieren und beide Seiten verstehen können.“
Neuanfang ist gesetzt
Am Anfang war es hier hart für alle drei jungen Frauen, sagen sie. „Aber im Arabischen gibt es ein Sprichwort: ,Der Stein, der dich nicht tötet, wird dich stärker machen.‘
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Amal, Ruqaya und Zahraa (von links)
Jetzt sind wir stark“, bemerkt Zahraa. „Bei uns gibt es das Sprichwort auch, nur ohne Stein“, sagt Hanisch, und die vier lachen zusammen. „Ich wusste von vornherein, was ich will“, erzählt Amal. Am Ende der Volksschule habe sie vom Direktor ein Medizinbuch und einen Gutschein überreicht bekommen. „Irgendwie kann ich nicht ganz schlecht gewesen sein“, sagt sie und grinst schelmisch. Ihre fröhliche, zuversichtliche Art fällt auf. „Wir können mehr Sprachen als die anderen und wir haben schon mehr geschafft als ein paar österreichische Mitschüler zusammen“, sagt Amal. Sofort schiebt sie nach: „Das ist nicht angeberisch gemeint. Es ist nur einfach so.“ Ruqaya erzählt von einem Selbstbehauptungskurs, den sie dank START machen konnte. „Das hat mir sehr geholfen. Ich habe jetzt mehr Selbstbewusstsein und weiß, wie ich mich verteidigen kann. Dieses Wissen kann ich sicher gut gebrauchen.“ Dann schwärmen sie von einem Ausflug ins oberösterreichische Wels, wo sie andere STARTStipendiatinnen und -Stipendiaten getroffen haben. Jeder hat Ähnliches hinter sich, die Atmosphäre war sofort vertraut, sagen sie. Sie konnten sich über Erfahrungen von Rassismus austauschen, zugleich aber neue – positive – Erfahrungen machen.
„Der Stein, der dich nicht tötet, wird dich stärker machen. Jetzt sind wir stark.“
Finanzielle und praktische Hilfe durch Netzwerk
Die Projektleiterin Stefanie Hanisch erzählt, dass sie als Stiftung zusammen mit ihren Schützlingen ständig weiterlernen, indem sie regelmäßig mit ihnen in Kontakt sind und ganz nah dran an dem, was sie brauchen und was ihnen nützt. Jeder Schüler bekommt einen Bildungsgutschein, in der Regel von 100 Euro im Monat, den er für Bildungsangebote ausgeben kann. Nach Absprache gibt es zusätzlich Geld für eine neue Brille, einen Schreibtisch oder auch mal den Zahnarzt. Die Paten spenden 5000 Euro im Jahr. Sie sind teils recht interessiert an einem direkten Kontakt. Außerdem gibt es Vorarlberger, die Vorträge oder Workshops für Themen anbieten, in denen sie sich gut auskennen. Das kann ein Schwimmkurs ebenso sein wie ein Botaniklehrgang. Gesucht werden neben Sponsoren ebenfalls Nachhilfelehrer auf Honorarbasis. Die Sponsoren stellen den Schülern ihre Berufe vor und ermöglichen ihnen Praktika, die Alumni präsentieren ihre Studienrichtungen. Die Paten, teils wichtige Industrieunternehmer, unterstützen die Jugendlichen ebenfalls beim Einstieg ins Berufsleben. Stefanie Hanisch erklärt: „Durch die Teilnahme am Programm wollen wir Chancengleichheit im Bildungssystem herstellen und die Schüler befähigen, später finanziell unabhängig zu leben.“ Okay, es ist vielleicht nicht ganz ein Familienersatz. Aber es ist ebenfalls ein Netzwerk. START hat Amal nicht nur einmalige Erlebnisse geschenkt, wie sie sagt. Sondern auch einen Freundeskreis, Unterstützer und die Entdeckung, was es alles zu lernen gibt: Online- und Präsenzkurse, Buchclubs auf Deutsch und Englisch, ein Kunst-Workshop im KUB, das Kennenlernen der Jugendnotschlafstelle oder das Projekt im Jüdischen Museum #OhneAngstVerschiedenSein. Ruqaya und ihre Schwester sind noch Vorstipendiatinnen und hoffen ab nächstem Jahr auf ein volles Stipendium. Damit wird Zahraa ihren Weg Richtung Herz-Chirurgin weitergehen – „Ich hab nichts gegen Blut“ –, und Amal empfiehlt: „Bewerbt euch fürs Stipendium. Ihr könnt nur gewinnen.“ Sie ist überzeugt, dass sie ihr Selbstbewusstsein von ihrer Mutter hat. „Sie hat mir immer gesagt, ,was Jungs können, können Mädchen auch‘. Am liebsten möchte ich mich bei meiner Mutter vor der ganzen Welt bedanken.“ Im Kleinen hat sie das hiermit getan.
Die START Stiftung Vorarlberg Die Stiftung: START Vorarlberg – Bildung fördern – Talente stärken – Perspektiven schaffen; finanzielle Unterstützung, gezielte Weiterbildung, Perspektiven für die Zukunft. Für wen? Motivierte Schüler und Schülerinnen mit Migrationsgeschichte zwischen 15 und 21 Jahren, die ihre Schule erfolgreich abschließen möchten und dafür gerne Unterstützung hätten. Für welchen Zeitraum bekommt man das Stipendium? Max. drei Jahre. Wo kann man sich bewerben? www.start-stipendium.at/ bewerben/
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Mittendrin in V
HÖCHSTE ZEIT, WÜTEND ZU SEIN Pia Klemp (39), Kapitänin der Iuventa und Klimaaktivistin, hat ein neues Buch geschrieben, in dem sie die positive und klärende Kraft der Wut aufzeigt und dazu aufruft, endlich Position zu beziehen. Die aktuellen politischen Ereignisse gehen uns alle an, denn wenn wir jetzt nicht aufpassen, sind unsere eigenen Grundrechte ebenso schnell verschwunden wie die der Menschen, die derzeit noch immer im Mittelmeer ertrinken. Mit ihnen verschwindet dann auch unsere Handlungsmöglichkeit, um dem Klimawandel adäquat zu begegnen. Interview: Daniela Egger, Foto: Chris Grodotzki
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marie: Du hast dich als Kapitänin der Iuventa mit deinen Kolleg*innen gegen die systematische Grausamkeit an den Außengrenzen engagiert und ihr erfahrt einiges an Gegenwind, bis hin „Die Courage wütender Pionier*innen kann zu einem zynischen Gerichtsverfahansteckend sein und somit Bewegungen wachren in Italien. Wie wütend bist du über diese EU-Grenzpolitik? sen und an Einfluss gewinnen lassen. Das ist Pia Klemp: Sehr wütend! Auf meieine ebenso emotional wie rational erhebennen Einsätzen habe ich nicht nur gesehen, wie Männer, Frauen und de Erfahrung für alle Beteiligten. Richtig geKinder jämmerlich ertrinken, sonnutzt wird das zur revolutionären Kraft.“ dern auch, dass Menschenrechtsverletzungen an der Haustür Europas auf der Tagesordnung stehen. Die EU lässt Flüchtende Rettungswesten. In Deutschland wurde die Schiffssicherheitswissentlich und willentlich ertrinken, während sie zivile verordnung gezielt für SAR-Schiffe unter deutscher Flagge geänRettungsschiffe blockiert und stattdessen libysche Milizen dert, mit dem einzigen Ziel, sie so an die Kette legen zu können. finanziert, die Menschen gewaltsam in ein BürgerkriegsRepression trifft nicht nur Schiffe und Organisationen, sondern land verschleppen, wo ihnen Vergewaltigung, Folter oder auch Einzelpersonen, die für lebensrettende Maßnahmen nun Tod drohen. Das Asylrecht wird bis zur Unkenntlichkeit der „Beihilfe zu illegaler Einreise“ angeklagt werden. Einige, ausgehöhlt und die bürokratischen und physischen Hürwie etwa der Crew der Iuventa, müssen nun einen jahrelangen den für Flüchtende, um ihr Recht auf einen Asylantrag in politisch motivierten Prozess in Italien über sich ergehen lassen. Anspruch nehmen zu können, sind nahezu unüberwindAuch in Griechenland und auf dem Balkan finden sich Aktibar. Sichere und legale Einreisewege für Flüchtende gibt vist*innen und Hilfsorganisationen unter Beschuss. So wird die es praktisch nicht. Zivilgesellschaft nicht nur aus ihrer solidarischen Rolle, sondern auch gleich aus ihrer Wächterposition über die Machenschaften Euer Engagement wurde mit Schikanen und Kriminalivon Grenzwächter*innen gedrängt. sierung behindert, was genau ist euch passiert? Die Seenotrettung wurde weitgehend blockiert und kriDie Anklagen gegen euch haben viel Aufmerksamkeit in den minalisiert. Die angewandten Mittel erstrecken sich von Medien ausgelöst, über die Menschen auf der Flucht hört man bürokratischen Hürden über amtliche Schikanen bis hin inzwischen kaum mehr etwas. Hat das Medieninteresse wenigszu Einschüchterungen und juristischer Verfolgung. tens euch geholfen? Mal wird ein Schiff wegen angeblicher falscher EtiJa, schon, weil die meisten Besatzungsmitglieder weiße Europäkettierung von Müll und der Gefahr von HIV-übertraer*innen sind, findet die Kriminalisierung der Helfer*innen viel gender Kleidung [sic] an Bord festgesetzt, dann sind mal Gehör. Aber du hast recht – das Wichtigste fällt dabei meist unter zu viele Gerettete an Bord – hätte man besser welche auf den Tisch: Die Unterstützung von Menschen auf der Flucht wird See zurücklassen sollen? – oder wahlweise auch zu viele erst dann zum Verbrechen, wenn die Flucht an sich zum Ver-
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„Man kann nicht zur Revolution hingehen, man muss sie sein.“
brechen erklärt wird. Und genau dort stehen wir. Flüchtende werden in Europa de facto und de jure kriminalisiert – genau dafür, dass sie flüchten. Wenn es keine „regulären“ Möglichkeiten zum Grenzübertritt gibt, dann ist die Illegalisierung ein Automatismus. Die Abwesenheit sicherer Einreisewege zwingt Menschen auf gefährliche Landrouten und Seewege – wozu sie sich im Zweifelsfall in die Hände grausamer Schleusernetzwerke begeben müssen –, um dann am Ende die Grenzen der EU unerlaubt zu überschreiten. Einmal in Europa angekommen, geht es nicht über Los, sondern direkt in administrative Inhaftierung. Tausende Flüchtende sitzen in europäischen Haftanstalten fest, eben weil und nur weil sie Flüchtende sind. Wie kommen die so dringend nötigen Veränderungen in Gang – hast du eine Empfehlung? Grundlegende Veränderungen kamen immer nur zustande, weil eine Handvoll engagierter Menschen ihre Wut sinnvoll nutzten, um sich für oder gegen etwas einzusetzen. Das Anliegen einer befreiten Gesellschaft für alle musste in der Geschichte immer erst von einigen Wenigen angefacht werden. Anfängliches Außenseitertum ist nicht mit politischer Belanglosigkeit gleichzusetzen. Das Ende der Apartheid fand seinen Ursprung genauso wenig in der Mitte einer tiefenentspannten Allgemeinheit wie der Atomausstieg oder die Dekriminalisierung von Homosexualität. Bei den ersten Montagsdemos in der DDR war der Auflauf des Volkes zunächst bescheiden. Auch Greta Thunberg hat ihren Schulstreik allein begonnen. Um substanziellen Wandel einzuläuten, muss jemand den Anfang machen. Eine politische Generation existiert daher nicht einfach, sie muss erzeugt werden, sie muss sich erschaffen. Die Courage wütender Pionier*innen kann ansteckend sein und somit Bewegungen wachsen und an Einfluss gewinnen lassen. Das ist eine ebenso emotional wie rational erhebende Erfahrung für alle Beteiligten. Richtig genutzt wird das zur revolutionären Kraft. Lässt sich Wut konstruktiv einsetzen? Wut ist die Verneinung einer pathologischen Gesellschaftsordnung und ein Beharren auf Mündigkeit und Beteiligung. Nicht wütend zu werden, wäre feige und selbstzerstörerisch zugleich. Der entbrannte Zorn wiederum beinhaltet eine Vision von der Zukunft und lässt sich konstruktiv und für strukturelle Veränderungen nutzen. Wut ist ein Kommunikationsmittel. Wer seine Grenzen nicht aufweist, darf sich nicht allzu sehr wundern, wenn sie überschritten werden. Aber es geht nicht nur um die eigenen Grenzen und die eigene Wut, sondern auch um die von anderen. Wir sollten auf Unmut hören, ihn respektieren und uns
damit auseinandersetzen. Wer erbosten Offenbarungen kein Gehör schenkt, der*die wird weiter verletzen und Konflikte anfeuern, anstatt zu deeskalieren. Ein bewusster Umgang mit Wut knallt uns die Streitfragen auf den Tisch und provoziert Resonanz, das macht uns entscheidungs- und handlungsfähig. Krisenproteste und passionierter Eifer können kritische Reflexionsinstrumente in einer Gesellschaft sein. Wut ist ein Impulsgeber, der aufzeigt, was uns wichtig ist, dass uns überhaupt etwas wichtig ist. Der ganzen Angelegenheit ist ein fabelhaftes Paradox zu eigen: Der entschiedene Ausdruck von Differenzen trennt uns nicht nur von denen, deren Verhalten wir anprangern, er verbindet uns auch gleichzeitig mit ihnen. Wer darauf besteht, gehört zu werden, besteht darauf, in einer Beziehung zu seiner*ihrer Umwelt zu stehen und Einfluss darauf nehmen zu können. Gönnen wir uns und unserem Gegenüber mehr davon. Du schreibst, wir brauchen ganze Kaskaden von Entmachtung, ideologische und philosophische, ökologische und ökonomische Entmachtung. Was kommt danach – wie kann sich die Gesellschaft neu erfinden? Mit der Wut allein ist es sicherlich nicht getan. Der Antagonismus kann uns spiegeln, was wir sind und auch was wir nicht sein wollen, aber er kann uns nicht verraten, was wir werden können. Um eine Zukunft zu gestalten, braucht es mehr als nur die Dekonstruktion des Alten. Wir müssen eine Vision davon erschaffen, welche Werte und welche Art des Zusammenlebens wir errichten wollen. Wo genau die Reise hingehen kann und soll, muss gemeinsam herausgefunden werden. Die Zauberformel lautet, kollektiv auf Veränderungen zu reagieren und so eine Gesellschaft zu schaffen, die allen gerecht wird.
Pia Klemp
Wutschrift Wände einreißen, anstatt sie hochzugehen Taschenbuch, Penguin Verlag, 10,30 Euro ISBN: 978-3-328-10927-3 Inhaltlich bezieht sich die Wutschrift auf die drängendsten Themen der Gegenwart, Seenotrettung, Klimakrise, Polizeigewalt in Deutschland, Rechtspopulismus, Diskriminierung oder Rassismus. Mit ihrer Schonungslosigkeit verweist Pia Klemp nicht nur auf die Notwendigkeit, sich zu positionieren, sie gibt auch Hoffnung mit dem Blick in die Geschichte. Es waren immer einzelne Personen, die veraltete Systeme gestürzt haben. „Man kann nicht zur Revolution hingehen, man muss sie sein“, sagt sie und berichtet dabei von eigenen Erfahrungen. Dabei untermauert sie ihre Ausführungen mit gut recherchierten Fakten. Absolut lesenswert!
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VON DER ILLUSION
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Wie „Das Eismeer“ anhand ausgewiesener Klimadaten dahinschmilzt und lebendige Korallen über einen Totenkopf wuchern: Mathias Kessler erzählt von Bruchlinien zwischen romantisierter Darstellung und Wahrheit und lässt Mythen der inszenierten heilen Welt auf Folgen des unnachsichtigen menschlichen Handelns prallen. Seine Kunst ist schonungslos, wissenschaftsrelevant, augenzwinkernd und höchst aktuell. Text: Florian Gucher; Fotos: Mathias Kessler
„NEBEN DEN PERFEKTEN WERBEFOTOGRAFIEN UND POSTKARTEN MEINES GROSSVATERS HATTE ICH AUCH IMMER DIE TOURISTISCHE ENTWICKLUNG IM BLICK, DIE DURCH MASSNAHMEN WIE DER VERSCHIEBUNG GANZER BERGE KORROSIV WAR.“
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athias Kesslers Biografie beginnt und endet (vorerst!) im Kleinwalsertal, am Fuße der Allgäuer Alpen. Eigentlich ist sein Kunstschaffen sogar unerklärbar ohne diesen Hintergrund zu berücksichtigen. Der in Kempten geborene und in einem Vorarlberger Wintersportort aufgewachsene Weltenbummler erfuhr von klein auf, was ihn prägen sollte: Auf der einen Seite standen da die fluffigen, weißen Berge, kontrastiert durch die Realität des Umgangs mit den Naturgebieten, all die Verbauung und Expansion, wie sie vor der Haustür geschah. Erwähnenswert sind die fotografischen Tätigkeiten seines Großvaters Karl Max Kessler und dessen Engagement als Mitbegründer des Skiklubs, aber auch das zweischneidige Schwert zwischen verherrlichter Darstellung unberührter Natur und Wirklichkeit, das ihn bis heute triggert: „Neben den perfekten Werbefotografien und Postkarten meines Großvaters hatte ich auch immer die touristische Entwicklung im Blick, die durch Maßnahmen wie der Verschiebung ganzer Berge korrosiv war. Diese Beobachtung als Kind, dieses Spannungsfeld zwischen beworbenem Bild und Realität wurde zum Antrieb meiner Kunst“, so Kessler, der in seinen Werken nach Gegebenheiten sozialer Implikation, wie wir mit der Natur umgehen, sie zum Kapital machen, sucht.
Zwischen Realität und Abbild
Den Grundgedanken des Auseinanderklaffens zwischen Medialisierung und Erfahrung nahm Kessler mit in die weite Welt. So lebte der weltumtriebige Künstler nicht nur über 25 Jahre in New York, wo er 2013 seinen „Master of fine Arts“ an der „School of Visual Arts“ abschloss, sondern erkundete in zahlreichen Expeditionsreisen entlegenste Gebiete: „Ich hatte gute Mentor:innen, Mark Dion beispielsweise oder Dara Birnbaum. Aus diesem Pool an Erfahrungen habe ich schöpfen können“, so Kessler. Unter anderem reiste er zu künstlerischen Forschungszwecken in die Arktis, suchte die Tafelberge Venezuelas auf, betrat nordgrönländischen Boden in Ilulissat und vollendete Projekte wie die Fotoserie „Staging Nature“, für die er Eisberge bei Nacht im künstlich-grellen Scheinwerferlicht ablichtete und zu Hülsen leerer Hollywood-Kulis-
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sen machte. Dann wieder begab er sich auf Spuren der „Flat Earth Society“, einer bis in die 1970er Jahre existierenden Gemeinschaft, die die Erde als Scheibe propagierte. Oder aber er erforschte einen unbenützten, plötzlich aufgrund des Filmes „The Night of the Iguana“ zum Touristen-Hotspot werdenden Landschaftsstreifen Mexikos und sinnierte collagenartig – durch Gegenüberstellung des Vorher und Nachher – über erschaffene Orte, die es eigentlich nicht gibt, weil sie ausschließlich in den Medien so existieren, wie sie gezeigt werden. Schnell wird deut-
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lich, dass Kesslers Naturverständnis von Künstlichkeit und Natürlichkeit gleichermaßen gespeist ist: „Ich verstehe mich als Medienarchäologe, der sich mit Bilderwelten befasst und versucht, neue Zugänge zu kreieren.“ Dazu bricht er mit romantischen Trugbildern und stellt ihnen eine Realität entgegen, die mit diesen Spannungen spielt. In diesem Zusammenhang miteingeschrieben ist ein Maß an Bewusstseinsarbeit angesichts des drohenden Klimakollapses. Wie im echten Leben, bindet er das Publikum in den Prozess mit ein. Ersichtlich wird das mitunter in der 2012 entstandenen Installation „Das Eismeer. Die gescheiterte Hoffnung.“: Banal mutet es schon fast an, wenn dabei ein mit Bierflaschen gefüllter Kühlschrank in den Kunstkontext verfrachtet wird. Blickt man genauer hin, sticht im oberen Fach des Eiskastens eine 3-D Miniaturversion der Eisschollen aus Caspar David Friedrichs Gemälde „Das Eismeer“ ins Auge, die allmählich überfriert, so das Gefrierfach geöffnet und geschlossen wird und der Gefrierbrand eine eisige Landschaft bildet.
Kunst und Wissen
Spannend wird es, wenn Kessler Kunst und Wissenschaft einhergehen lässt. Mit Umweltforscher:innen zusammenarbeitend interessiert er sich für digitale Methoden, Augmented Reality und Bildmanipulation. Als Beispiel nehme man das von ihm in Zusammenarbeit mit Sensorentechniker:innen des Massachusetts Institute of Technology und Dr. Wendelin Weingartner entwickelte „Green House“, das über Spektralanalyse das Wachstum der Pflanzen lesen und Stressfaktoren messen konnte. Dieses „Greenhouse der Zukunft“ – es ist mit einer gecrackten Stimme Hawkings ausgestattet – macht sich bemerkbar, wenn es Kühlung oder Wasser benötigt. „Das Konzept des Projektes war sehr spekulativ, doch es ist gerade das Schöne in der Kunst, dass sie so offen sein kann und doch Formen der Wissensproduktion findet. Auf diesem Prinzip basierend hat die NASA dann tatsächlich einen Sensor gebaut“, so der Künstler. Wenn Kessler dann, von zunehmender Luftverschmutzung ausgelöste, romantische Lufterscheinungen wie Sonnenuntergänge fotografisch einfängt, birgt dies eine Doppeldeutigkeit in sich, weil er die Narben des Geschehens nicht ausklammert. >>
Mittendrin in V
Kessler zeigt, dass das Schöne bloßer Schein sein kann, er lüftet den Vorhang. In diesem Sinne ist er aktuell an einem Projekt beschäftigt, das mittels künstlicher Intelligenz Friedrichs „Das Eismeer“ in die Zukunft holt, bis die dargestellte Eislandschaft in Analogie zur Klimarealität verschwindet.
Der Lauf des Lebens
Mathias Kessler
„ICH VERSTEHE MICH ALS MEDIENARCHÄOLOGE, DER SICH MIT BILDERWELTEN BEFASST UND VERSUCHT, NEUE ZUGÄNGE ZU KREIEREN.“
© Kirstin Hauk
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Nicht überraschend schwenkt Kessler hin zum Existentiellen. Immer wieder kommt er auf die Beziehung zwischen Natur und Kultur zurück. In „Nowhere to Be Found“, einer Installation mit Totenkopf im Aquarium, aus dem Korallen wachsen, zeigt er, wie nah sich Leben und Tod stehen, ja wie sie einen untrennbaren Organismus bilden. Das Skelett bildet Lebensgrundlage von Korallen und Polypen, die sich ausbreiten, bis nichts mehr vom menschlichen Totenkopf übrigbleibt. Um sie herum hat sich wiederum eine Garnele, neues Leben, eingenistet. Alles ist im Fluss: „Gerade der Tod ist nur mehr ein Bild, er hat sich mit Repräsentationen durch uns verflüchtigt. In diesem Falle kommt er in die Galerie zurück, wird erlebbar.“ Kessler trieb es inmitten der Pandemie, aus innerer Notwendigkeit, wieder in seine Heimat zurück. In Lech hat er zuletzt den Film „Das Ressort“ gedreht. Zu sehen: Dystopische Leere, ein alleingelassenes, nicht mehr zu sich selbst findendes Kind und mittendrin die Menschheit, durch den Virus zum Schweigen gebracht und in die Häuser vertrieben. Doch omnipräsent und unheimlich bleibt sie, da sie zum Selbstzweck und nicht mehr rückgängig zu machend, in die unberührtesten Landstreifen eingewirkt hat.
Feierliche Eröffnung Das Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast ist nach erfolgreicher Generalsanierung wieder geöffnet und erwartet seine Gäste mit einem abwechslungsreichen Bildungsprogramm. Die feierliche Wiedereröffnung und Tage der offenen Tür finden am 23. und 24. Juni statt. Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen wird beim Festakt am 23. Juni in St. Arbogast sein. Zu den Tagen der offenen Tür und zum Kennenlernen der neuen Räumlichkeiten sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Die Gäste erwartet ein Rahmenprogramm mit Führungen von Mitarbeiter*innen, kreativen und musikalischen Highlights und Feinem aus der Arbogaster Küche.
Freitag, 23. Juni von 12-22 Uhr; Samstag, 24. Juni von 10-20 Uhr; Festgottesdienst am Samstag um 17 Uhr.
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Ich
Mittendrin in V
Tödliche Verfolgungswelle gegen „Asoziale“ Im Juni 1938 wurden Hunderte als „asozial“ eingestufte Menschen aus Österreich im KZ Dachau inhaftiert. Die Verhaftungen erfolgten im Rahmen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“, bei der mehr als 10.000 „Asoziale“ in Konzentrationslager gebracht wurden. Unter den Deportierten waren auch elf Vorarlberger. Text: Gernot Kiermayr-Egger
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eter Mungenast, ein in Alberschwende geborener Jenischer, Albert F. und Rudolf L. aus Bregenz, Johann Meier aus Lustenau, Rudolf S. aus Feldkirch, Rudolf H. aus Dornbirn, Alois Weil aus Hohenems, Leopold N. aus Schruns, Ludwig W. aus Frastanz, Alois Häusle aus Koblach sowie der in Sulz geborene, in Arzl wohnhafte Hugo M. Sie alle wurden am 24. Juni 1938 über Innsbruck nach Dachau gebracht. Der Gärtner und Hilfsarbeiter Alois Häusle, 1890 in Koblach geboren, entstammte einer bitterarmen Familie. Er hatte elf Geschwister, vier von ihnen starben noch als Kinder. Mehrere Mitglieder der Familie wie auch er selbst lebten zeitweise im Koblacher Armenhaus. Alois hatte wegen geringfügiger Delikte einige Haftstrafen hinter sich und war deswegen den Behörden kein Unbekannter. Das erklärt, warum er später verhaftet wurde. In Dachau trug ihn die dortige „Politische Abteilung“ im Zugangsbuch unter „AZR“ (für Arbeitszwang Reich) ein, das heißt als „Asozialen“. Die „asozialen“ Häftlinge, mit einem schwarzen Winkel an der Häftlingskleidung gekennzeichnet, stellten die unterste Gruppe der Häftlinge.
Von Dachau nach Mauthausen
Alois Häusle wurde am 21. März 1939 von Dachau nach Mauthausen deportiert. Er gehörte zu jenen Häftlingen, die das Lager unter unmenschlichen Bedingungen aufbauen und in den Steinbrüchen Schwerarbeit verrichten mussten. Ihre Überlebenschancen waren gering. Auch Alois Häusle erlag den Bedingungen der KZ-Haft und den dauernden Misshandlungen. Er starb am 29. Dezember 1939, neun Monate nach seiner Deportation. Auch die zehn anderen Deportierten wurden in Dachau als „asozial“ registriert, Alois Weil zusätzlich als Jude, „AZRJ“. Von diesen zehn Häftlingen überlebte nur einer, Albert F. Als erster starb am 19. August 1938 Alois Weil im KZ Dachau, vermutlich weil er aus zwei Gründen verfolgt wurde und daher die schlechtesten Chancen hatte. Johann Meier wurde ebenfalls in Dachau am 4. Februar 1939 zu Tode gebracht. Sechs Verhaftete wurden wie Alois Häusle von Dachau in das neu aufgebaute, berüchtigte und tödliche Lager Mauthausen gebracht; fünf von ihnen starben dort zwischen dem 29. Dezember 1939 und dem 13. Oktober 1940. Peter Mungenast und Rudolf S., der auch als „Zigeuner“ bezeichnet wurde, kamen vorübergehend in das KZ Buchenwald. Mungenast wurde 1941 in Sonnenstein bei Pirna getötet, Rudolf S. starb im Oktober 1940.
Warum verfolgten die Nationalsozialisten „Asoziale“?
Für die brutale und in vielen Fällen tödliche Verfolgung der „Asozialen“ gab es mehrere Gründe. Die Nationalsozialisten
wollten aus den Konzentrationslagern, besonders aus Sachsenhausen, Flossenbürg und Mauthausen, profitable Betriebe machen und dort die Arbeitskraft der Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen ausbeuten. Vor allem aber strebten sie eine Radikallösung der „sozialen Frage“ an. Wer angeblich nichts zur „Volksgemeinschaft“ beitrug und nicht am Aufbau des neuen Reiches mitarbeitete, wurde als „arbeitsscheu“ stigmatisiert, inhaftiert und mit brutaler Zwangsarbeit bestraft – durchaus beabsichtigt bis zum Tod. Diese Verfolgungsmaßnahmen wurden in erster Linie von der immer mächtiger werdenden Kriminalpolizei organisiert; traditionelle kommunale und christliche Fürsorgeträger wurden an den Rand gedrängt. Viele Armenhäuser der Gemeinden, die meist von Ordensschwestern geführt worden waren, wurden aufgelöst, ihre bisherigen Bewohner:innen in psychiatrischen Anstalten untergebracht oder schlicht auf die Straße geworfen. So verlor zum Beispiel Rudolf B., der im Armenhaus Klösterle lebte, durch dessen Schließung seine Unterkunft und jede Unterstützung durch die Gemeinde. Er wurde bereits am 12. Oktober 1939 von der Polizei Feldkirch wegen „Bettel und Landstreicherei“ angehalten und vom Amtsgericht wegen „Landstreicherei“ zu drei Wochen strengem Arrest verurteilt. Am 15. Oktober 1940 wurde er wieder verhaftet und wegen „Bettel“ zu vier Wochen strengem Arrest verurteilt. Gut ein halbes Jahr später, am 24. Mai 1941, wurde er ein weiteres Mal verhaftet. Er wurde wieder zu einer Haftstrafe verurteilt, erhielt aber „nach Strafverbüßung weitere Haft für Kripo“. Das hieß, dass er unter Vorbeugehaft genommen wurde und in den Bereich völliger Rechtslosigkeit eintrat. Am 13. Oktober 1941 wurde er, nunmehr als „unstet“ beschrieben, im KZ Dachau als „AZR“-Häftling registriert, das heißt als „Asozialer“. Er kam dort am 4. Jänner 1942 zu Tode, offiziell wegen „Darmkatarrh“.
Verfolgung durch die Fürsorge- und Gesundheitsbehörden der Landkreise
Die Regierung des Gaus Tirol-Vorarlberg organisierte über die Gesundheitsämter der Landkreise ein Screening der gesamten Bevölkerung nach rassistischen Kriterien. Tausende Vorarlberger und Tiroler wurden in Karteien und Sippenakten erfasst. Viele der so Erfassten wurden als „asozial“ registriert und von den Fürsorgeämtern in Zwangsarbeitshäusern wie Herzogsägmühle (für Männer), Bischofsried (für Frauen) und Rebdorf inhaftiert. In vielen Fällen wurden als deviant* stigmatisierte Familien sowohl aus „medizinischen“ (Sterilisierung und „Euthanasie“) als auch als „asozial“ verfolgt.
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Schaffarei Festival
© Museo d’Història de Catalunya, Fons Amical de Mauthausen
AK Programm Juni 23 Juni und Juli 8.00 - 17.00 Uhr AK Foyer Der Tischler Josef Köss Museum des Wandels, Ausstellung Di 13.06. 17 Uhr Schaffarei Wirtschaft ist Care -(k)ein Spaziergang Unter den Häftlingen, die das berüchtigte Konzentrationslager Mauthausen aufbauen und unter unmenschlichen Bedingungen in den Steinbrüchen Zwangsarbeit verrichten mussten, befanden sich viele sogenannte „Asoziale“, darunter auch 11 Vorarlberger.
Hunderte Vorarlberger:innen wurden als „Asoziale“ klassifiziert und hart verfolgt, mehr als 60 von ihnen kamen zu Tode. Das damit verbundene Stigma blieb nach 1945 virulent und führte dazu, dass die (wenigen) überlebenden Verfolgten ihr Schicksal meist verschwiegen – erst 2005 wurden sie als Opfer des NS anerkannt. Der Ausschluss aus der „Volksgemeinschaft“ drohte buchstäblich jeder und jedem. Mit der Ausweitung des Krieges gerieten die Menschen unter zunehmenden Leistungsdruck, die Arbeitsleistung wurde zum wichtigsten Beitrag des Einzelnen an der rassistisch verstandenen Gemeinschaft. So gesehen war die brutale Verfolgung der „Arbeitsscheuen“ im Nationalsozialismus eine wichtige Voraussetzung der Leistungsgesellschaft der Nachkriegszeit – nur, dass diese mit dem Versprechen zunehmenden Wohlstands nicht mehr auf äußere Zwangsmaßnahmen angewiesen war. Nachnamen sind anonymisiert, wenn sie nicht bereits in anderen Publikationen genannt werden. Der Artikel beruht auf Forschungen des Autors und bezüglich Alois Häusle auf einem Aufsatz von Werner Gächter (Koblach). * abweichend, nicht den Normen enstprechend Gernot Kiermayr-Egger ist Historiker und lebt in Bregenz.
Do 15.06. 18.30 Uhr Schaffarei Firobad Erzählcafe Mo-Do 19.-21.06. 19 Uhr Schaffarei Mut-/ Wutausbruch: Aber die Freude! Theater Di 27.06. 19.30 Uhr AK Saal Feldkirch Der Supermarkt-Kompass – Thilo Bode Wissen fürs Leben, Vortrag Do 29.06. 20 Uhr Schaffarei ArbeitsLebensGeschichte: Gerold Reisinger Vortrag
AK Programm Juli und August 23 Do 13.07. 18.30 Uhr Schaffarei Firobad Erzählcafe Di 18.07. 17.00 Uhr Schaffarei Wirtschaft ist Care -(k)ein Spaziergang Di 22.08. 17.00 Uhr Schaffarei Wirtschaft ist Care -(k)ein Spaziergang
Save the date 7.-9.09. Festival Innenhof Schaffarei, Feldkirch Weitere Informationen schaffarei.at/veranstaltungen ak-vorarlberg.at/events Bezahlte Anzeige
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Mittendrin in V © Georg Bals
Ein Denkmal zum Mitmachen Hittisau, Ortsmitte: Hier lädt unter dem Titel „FRIEDEN. DENKEN“ das „Fadenspiel im Korallenriff “ dazu ein, neue Verbindungen zu knüpfen und Antworten zu finden, wie wir miteinander leben und umgehen wollen. Zudem kommen rund 70 Kinder zu Wort: Berührend, direkt, pur.
D
Text: Simone Fürnschuß-Hofer
© Anastasia Gerasimova
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as 2020 gestaltete DENK.MAL in Hittisau – ein „Erinnerungsort der auch aktuelle Ereignisse aufgreift“ – gibt jährlich einer Arbeitsgruppe die Möglichkeit, ein gesellschaftsrelevantes Thema künstlerisch umzusetzen. Heuer sind es die in Hittisau aufgewachsenen und in Wien lebenden Künstlerinnen Chiara und Sara-Lisa Bals, die mit ihrer Installation „Fadenspiel im Korallenriff “ den Frieden in den Denk-Fokus nehmen. Und dabei Frieden begreifbar machen als einen Prozess, an dem es möglichst viele Menschen mitzunehmen gilt. „Korallenriffe sind ein Paradebeispiel für friedliches Zusammenleben. Jedes Korallenriff ist Lebensraum für eine Vielzahl an Lebewesen. Es dient als Refugium, Nahrungsreserve und Kinderstube für die vielen Bewohner – was es zu einem der wichtigsten Stützpfeiler unserer Ökosysteme macht. Das rücksichtslose Eingreifen führt zum Moderatorin Danielle Fend-Strahm mit Korallensterben, Künstlerinnen Sara-Lisa und Chiara Bals was das von Natur aus friedvolle Zusammenleben aus der Balance bringt“, so der Zugang der jungen Künstlerinnen. Sie laden alle Besucher:innen ein, das Fadenspiel mitzugestalten, neue Verbindungen zu knüpfen und über ihren Beitrag und dessen Auswirkungen zu reflektieren. Die Fäden werden so zum Sinnbild für das eigene Tun, für die Folgen unseres Handelns in der Welt.
LÖSUNGEN
„Ein Riesenrad für alle Menschen"
Zudem hat Simone Schander, Aktionskünstlerinaus Berlin, mit rund 70 Kindergartenkindern gearbeitet. Gemeinsam entwarfen sie Kostüme, kreierten Requisiten und schlüpften in die Rollen ihrer Helden und Heldinnen. Sie meldeten sich mit mutigen und kreativen Vorschlägen, wie Frieden geschaffen werden könnte, zu Wort. Zum Beispiel: „Wir wollen, dass alle Waffen in den Müll geworfen werden. Dann kommt die Müllpresse und dann macht man daraus ein ganz großes Riesenrad in der Mitte von der Welt für alle Menschen.“ 14 Kunst-Tafeln nehmen uns in die Gedankenweilt der Kinder mit. Dieser Teil der Installation FRIEDEN.DENKEN ist noch bis Mitte Juni zu besichtigen, das Fadenspiel im Korallenriff lädt bis Oktober zum Mitmachen und Anschauen ein.
Schachecke 1 1...Sxd6+! Dieses fantastische Figurenopfer führt unweigerlich zum Matt. Der Großmeister aus Irland gab sich deshalb geschlagen. Die Mattvariante lautet: 2.cxd6 (2.Kd4 e5+ 3.Ke3 De4# führt noch schneller zum Matt) 2...b5+ 3.axb5 cxb5+ (oder 3...axb5+) 4.Kd4 e5+ 5.Ke3 (5.Kd5 Da2+ 6.Kc5 Dc4#) 5...Dxc3+ 6.Ld3 Dxe1+ 7.Le2 Dxe2#. Für den jungen Hohenemser war es der erste Großmeister-Skalp in einer klassischen bzw. „richtigen“ Turnierpartie. 2 1...Txe5! Der beste Zug. Nicht ganz so überzeugend ist der Qualitätsgewinn 1...Se3 2.Lxc8 Sxd1 3.Txd1 Txc8 4.Sd7 Lg7, obwohl auch dann Schwarz klar besser steht. Nach der Partiefortsetzung 1...Txe5! resignierte Weiß bereits, da Schwarz nach 2.dxe5 Sg3+! 3.Kg1 (3.Kh2 Sxf1+ 4.Txf1 Lxg4 ist ebenfalls hoffnungslos) mit 3...Le3+!? oder 3...Lxg4!? entscheidendes Material gewinnt. 3 1.Lxd5! Mit diesem Zug erobert Weiß forciert eine Figur. 1...Tb6 [Auch nach 1...exd5 2.Sxd5 oder 1...Lb6 2.Sba6!? verliert Schwarz eine Figur.] 2.Da8! Tb8 3.Sc6!? [3.Da7 gewinnt weniger spektakulär.] 3...Dg5 4.Sxb8!? Auch an dieser Stelle gibt es mit 4.Da3 eine zweite Gewinnfortsetzung. Nach dem Partiezug 4.Sxb8!? gab Schwarz auf, da er in sämtlichen Varianten zumindest eine Figur verliert. Beispielhaft führen wir die schönste Variante an: 4...Dxc1+ 5.Kg2 Dxc3 6.Sc6! Dxc5 7.Dxc8+ Df8 8.Se7+ Kh8 9.Dxf8#.
Rechenrätsel Für Anfänger = 9 Für Fortgeschrittene = 64 Für Genies = 343 Sudoku 3
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09.06.
Fr., 18.30 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at
UMWELTWOCHE – SCHÄTZE AUS DER GARTENKÜCHE
Gemeinsam die Schätze unserer Gärten und der Natur mit allen Sinnen feiern
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09.06.
Fr., 19.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
TANZ IST FESTIVAL
03.06.
Sa., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
THUNDERMOTHER
Black and Gold Tour 2023 Musik
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05.06.
Mo., 19.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
Poetics to Activate the Technology of the Body Video Installation
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10.06.
Sa., 18 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
DINGE NEU DENKEN
UmweltVestival – Diskussion
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10.06.
PUB-QUIZ IN DER UMWELT WOCHE
Sa., 18.30 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
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Tanzperformance
Quiz
06.06.
Di., 14 Uhr, inatura, Dornbirn
KLIMAFITTER WALD IN VORARLBERG – STAND UND PERSPEKTIVEN
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06.06.
Di., 15 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
OFFENES SINGEN
Musik
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07.06.
Mi., 20 Uhr, Metrokino, Bregenz
THE WHALE AND THE RAVEN
Dokumentarfilm An einem der schönsten Freiräume in Kanada soll eine Ölpipeline gebaut werden.
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07.06.
Mi., 20 Uhr, Kammgarn, Hard
KULTUR.BAR.KAMMGARN #24
Musik
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08./09./10.06.
Do., jeweils 20 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz
GEKOMMEN UM ZU BLEIBEN. CHECK.
von Bella Angora Performance / Tanz
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EIN TROPFEN
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10.06.
Sa., 19.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
TANZ IST FESTIVAL
Clara Furey (CAN) – Rather a Ditch (Gallery Version) Tanz
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11.06.
So., 14.30 Uhr, Salomon Sulzer Saal, Hohenems
„WER HAT IM OSTEN DEN GEWECKT / DEM GERECHTIGKEIT FOLGT AUF SCHRITT UND TRITT?“
Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Gerhard Langer (Wien), im Rahmen der Sommeruniversität 2023
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11.06.
So., 17 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
ALTSEIN: KEIN KINDERSPIEL
Theater
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13.06.
Di., 19 Uhr, inatura, Dornbirn
LIFESTYLE-GENTESTS – WAS SOLLTEN WIR ÜBER UNSERE GENE WISSEN, WAS BESSER NICHT?
Vortrag
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14.06.
Mi., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
IM STUDIERSTÄDTLEIN: ZUM 100. TODESTAG VON JOSEF WICHNER Detlev Gamon und Philipp Schöbi Literatur
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14.06.
Mi., 19 Uhr, Remise, Bludenz
LEINWAND LOUNGE: DER GESCHMACK DER KLEINEN DINGE – UMAMI Kino
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14.06.
Mi., 20.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
TANZ IST FESTIVAL
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Naishi Wang: Face to Face Quiz
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15.06.
Do., 14.30 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
NADEL & FADEN
Patchwork und mehr Basteln
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15.06.
Do., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
JINJER
Musik
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15.06.
Do., 20 Uhr, Salomon Sulzer Saal, Hohenems
JÜDISCHER ISLAM?
Mo., 18 Uhr, Frauenmuseum, Hittisau
Die Nahda und die Wissenschaft des Judentums: Araber, Juden und die Kritik an der europäischen Moderne Öffentlicher Vortrag mit Prof. Dr. Susannah Heschel im Rahmen der Sommeruniversität 2023
Geboren 1915-1935: Frauen erzählen Ein Foto- und Tonprojekt von Nurith WagnerStrauss
Fr., 17 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
12.06.
ZWISCHEN DEN WELTEN
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16.06.
MUSEUM FÜR ALLE!
Präsentation inklusiver Stationen im vorarlberg museum
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Veranstaltungskalender
16.06.
18 Uhr, Propstei St. Gerold
HÖR-MAHL: „UKRAINISCHE MUSIK“
Junge MusikerInnen stellen ihr Land vor
Klassisches Konzert mit den Flötistinnen Liana Kamienieva und Sofia Rzaeva sowie Pianist Mykola Myroshnychenko, alle Studierende der Stella Vorarlberg Privathochschule (inkl. Abend-Menü)
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17.06.
Sa., 11 Uhr, Kunsthaus, Bregenz
TALK: MONIRA AL QADIRI UND KURATORIN
DJane und Wissenschaftlerin Amal Alhaag im Gespräch. Kostenfrei, in englischer Sprache
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17.06.
Sa., 13 bis 16.30 Uhr, Stadtmuseum Dornbirn und in zahlreichen Innenstadtgeschäften
KLASSIK INSIDE
Gemeinsam mit Claudia und Klaus Christa von der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik veranstaltet inside Dornbirn in der Innenstadt einen musikalischen Nachmittag mit Abschlusskonzert in der St. Martinskirche.
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17.06.
Sa., 14 Uhr, inatura, Dornbirn
NATURWALDRESERVAT ROHRBACH
Forschungen zu Vorarlbergs Wildnis Exkursion
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17.06.
Sa., 15 Uhr, Bahnhof Feldkirch
VOM BAHNHOF ZUM EGELSEE
Eine Fahrradtour von Feldkirch an die Liechtensteiner Grenze mit Tobias Reinhard. Infos und Anmeldung: office@jm-hohenems.at +43 (0)5576 739 89 Treffpunkt: 15.00 Uhr, Bahnhof Feldkirch (Fahrradabstellplatz)
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17.06.
Sa., 19.30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
TANZ IST FESTIVAL
Mélanie Demers: Icone Pop Tanz
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18.06.
So., 10 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems
FLUCHTWEGE – AN DER GRENZE
Fluchtwege – An der Grenze. Flucht in die Schweiz 1938–1945 Öffentliche Führung - Ein Spaziergang an die Grenze (nur mit Anmeldung!)
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20.06.
Di., 14 und 16 Uhr, Remise, Bludenz
HOLLAR-RIA-HO
Kleinkinderkonzert Pfiffikus
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20.
24.06.
Di., bis Ramschwagsaal, Nenzing
LUAGA & LOSNA
Internationales Theaterfestival für junges Publikum. www.luagalosna.at
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21.06.
Mi., 19 Uhr, inatura, Dornbirn
HILFE! EIN KAKERLAK!
Geschichten aus der inatura-Fachberatung Vortrag
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22.06.
Do., 17.30 Uhr, Kammgarn, Hard
KUNTERBUNTES AUS DEM REICH DER LYRIK
Summer Sessions 23 Poetisches Abenteuer
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22.06.
Do., 19 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
MEIN KÖRPER, MEIN TERRITORIUM
Politische Frauenkämpfe weltweit für Umwelt und Klima Vortrag/Diskussion
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22.06.
Do., 20 Uhr, Spielboden, Dornbirn
SOMMERQUARTIER – BAITS
Konzert, Open Air
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22.06.
Do., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard
BÄNKLEBÜCHER
Summer Sessions 23 Festival
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22.06.
Do., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard
ANDREAS WEBER: FEMANNISMUS
Summer Sessions 23 Kabarett
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23.06. 24.06.
Fr., 18.30 Uhr & Sa., 9 Uhr Workshop Stadtbibliothek, Dornbirn
ESCAPE THE LIBRARY: AUSBRUCH AUS DER STADTBIBLIOTHEK
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23.06.
Fr., 19 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
ERLEBEN, WER WIR (WIRKLICH) SIND
Ein Überraschungsfest
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23.06.
Fr., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
OPAS DIANDL: 2STRÖMEN
Neues Programm Progressiv Volksmusik von Barock bis Punkrock
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23.06.
Fr., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard
LIEBLINGSBAND: MUSIKSCHULE HARD
Summer Sessions 23 Musik
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24.06.
Sa., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard
OSKA
Summer Sessions 23 Musik
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25.06.
So., 10 bis 16 Uhr, Haus Kaplan Bonetti, Dornbirn
JUBILÄUMSFEIER 70 JAHRE KAPLAN BONETTI
Die Institution Kaplan Bonetti feiert ihr 70 Jahre Jubiläum mit einem Festakt, fröhlicher Musik, einem köstlichen Mittagsbuffet aus der Kantine und bereichernden Gesprächen.
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29.06.
Do., 12.15 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
GRENZENLOSE LIEBE, GRENZENLOSES LEID
Konzert am Mittag
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30.06.
Fr., 9 bis 12 Uhr, Treffpunkt an der Ach, Dornbirn
„GLÜCK GEHABT?“
Meine Einwanderung aus „Innerösterreich“ Erzählcafé
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30.06.
Fr., 14 Uhr, Domino's Hus, Frastanz
KARTENSPIELNACHMITTAG IM HAUS „WOHNEN FÜR JUNG UND ALT“
Soziales
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#83 | Juni 2023
30.06.
Fr., 14 und 19.30 Uhr, Remise, Bludenz
REPARATURCAFÉS
LEHREN EINES LEBENS. INGE GINSBERG
Filmvorführung vom Jüdischen Museum Hohenems Ein filmisches Porträt von Peter Kamber Film und Gespräch mit Peter Kamber, Michael Kasper, Hanno Loewy, Johannes Spies und Inge Ginsbergs Tochter Marion Niemi
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CARLA REPARATURCAFÉ ELEKTRO ALTACH Möslestraße 15, 6844 Altach (carla Einkaufspark Altach) Jeden 2. Freitag im Monat von 13 bis 16.30 Uhr carla@caritas.at, T 05522 200 1520
30.06.
Fr., 19.30 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz
REPAIRCAFÉ BLUDENZ
Klarenbrunnstraße 46, 6700 Bludenz (carla store) Jeden letzten Freitag im Monat von 13 bis 16.30 Uhr christine.erath@caritas.at, T 05552 200 26 00
ENSEMBLE PLUS: SUL PALCO 2
Konzert
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REPARATURCAFÉ BREGENZ
30.06.
Vorklostergasse 51, 6900 Bregenz (Integra-Fahrradwerkstatt) Jeden 1. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr, T 0650 264 74 46, Roswitha Steger
Fr., 19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
REPARATURCAFÉ DORNBIRN
LISAFESTIVAL 2023
Hintere Achmühlerstraße 1b, 6850 Dornbirn (Digitale Initiativen) Jeden 3. Mittwoch im Monat von 17.30 bis 20.30 Uhr hallo@reparaturcafedornbirn.at
Jennys großes Fahrrad-Kinderquiz mit Clownfrau Lillilu Kinder
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30.06.
REPARATURCAFÉ FELDKIRCH
Fr., 20 Uhr, Spielboden, Dornbirn
Hirschgraben 8, 6800 Feldkirch (Polytechnische Schule) Jeden 1. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr info@reparaturcafe-feldkirch.at, T 0699 192 870 66
SOMMERQUARTIER – HOSEA RATSCHILER
REPARATURCAFÉ GÖFIS
Vorarlbergpremiere Kabarett, Open Air
Büttels 6, 6811 Göfis Jeden 3. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr reparaturcafe-goefis@aon.at
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Die nächste marie erscheint am 30. Juni.
REPARATURCAFÉ KLAUS
Treietstraße 17, Klaus im M2 Jeden 2. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr corinna.schaechle@gmail.com
Sudoku
REPARATURCAFÉ KLOSTERTAL
So geht‘s: Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block (= 3×3-Unterquadrate) die Ziffern 1 bis 9 genau einmal vorkommen. Viel Spaß!
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Gaisstraße 5, 6710 Nenzing 06.05, 10.06 mit Kleidertauschbörse, 01.07, 19.08, 09.09 mit Kleidertauschbörse, 07.10 jeweils von 14 bis 17 Uhr
REPAIRCAFÉ RANKWEIL
Köhlerstraße 14, 6830 Rankweil (Werkstätte der Lebenshilfe) Jeden 1. Freitag im Monat von 14 bis 16.30 Uhr
NÄHTREFF SATTEINS
Kirchstraße 8, 6822 Satteins (Untergeschoß Pfarrsaal) Jeden ersten Freitag im Monat 8.30 bis 11.30, 19 bis 22 Uhr
REPAIRCAFÉ THÜRINGEN
6 Lösung auf Seite 36
Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.
REPARATURCAFÉ NENZING
Dr-Schneider-Straße 40, 6973 Höchst Jede gerade Kalenderwoche am Freitag von 14 bis 16 Uhr repaircafe.rheindelta@gmx.at
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REPARATURCAFÉ LAUTERACH
Alte Säge, (Lebenshilfe), Hofsteigstraße 4, 6923 Lauterach Jeden 2. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr repcafe.lauterach@hotmail.com
REPAIRCAFÉ RHEINDELTA
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Arlbergstraße 100, 6751 Innerbraz (Gemeindebauhof) Jeden 2. Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr info@klostertal-arlberg.at, T 0664 843 71 33
Werkstraße 32, 6712 Thüringen Jeden 1. Samstag im Monat von 8.30 bis 12 Uhr
MACHEREI WOLFURT
Mittelschule Wolfurt, Schulstraße 2, 6922 Wolfurt Jeden 4. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr info@macherei-wolfurt.at, T 0650 567 25 10
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Glück gehabt? Foto: © Verein der Freunde Kaplan Bonetti
70 Jahre Kaplan Bonetti Dornbirn
Stadtmuseum Dornbirn 6. Mai 2023 bis 28. April 2024
Eine Ausstellung des Stadtmuseums Dornbirn in Kooperation mit dem Verein der Freunde Kaplan Bonetti www.stadtmuseum.dornbirn.at
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