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marie 8 / Juli-August 2016

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#8 / Juli-August 2016

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RAUS SOMME

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Sommer

O Welt voll Glanz und Sonnenschein, O rastlos Werden, holdes Sein, O höchsten Reichtums Fülle! Und dennoch, ach – vergänglich nur Und todgeweiht, und die Natur Ist Schmerz in Schönheitshülle. Aus „Sommermorgen“ von Marie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916, österr. Dichterin

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#8 / Juli-August 2016

Mittendrin in V 4 - 5 Bild des Monats 6 - 7 Clara und die Bio-Bienen Lustenauerin als Bio-Imkerin in Rumänien 8 - 10 Erst Mindestsicherung, jetzt Pension Helmut Cottogni lebt mit sieben Euro am Tag 12 Mein marie-Verkäufer Christine und ihr Stammverkäufer Marc 14 - 15 Gemeinsam ackern im Paradies Elf Gartenfreunde bewirtschaften Bio-Garten 16 - 18 Die Jungs der Madame Matt Zu Besuch im Flüchtlingshaus SAID 19 Von Island zu Isidor Satire über eine Radarbox von Günther Frick 20 -21 Tierische Begleiter Eine Fotoreportage von Frank Andres 24 - 27 Pflegen rund um die Uhr Geschichten von 24-Stunden-Betreuerinnen 28 - 29 Sommerliche Rezepte Erfrischende Drinks und ein kunterbunter Salat 30 - 31 Leben mit Multiple Sklerose So veränderte die Krankheit Helmuts Leben 32 -33 Müll macht Mode Evelyne Fricker schneidert nachhaltig 34 Brief an die marie Über das Aufwachsen in einem fremden Land

Gsi 36 -37 Ein deutsches Mädchen weint nicht Erinnerungen des Bombenflüchtlings Ingrid R.

Kultur 38 - 39 40 - 43 44 - 46

Geschenk an die Straße Ein Porträt über Straßenmusikerin Lisa Suitner Eine Vision von Daniela Egger Ein Leben ohne Geldsorgen Veranstaltungskalender

Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, die aktuelle marie erscheint im luftig bunten Sommergewand. Die 8. Ausgabe (so schnell vergeht die Zeit!) ist eine Doppelnummer für Juli und August. Die warme Jahreszeit verlangt nach Erholung, und auch unsere Redaktion gönnt sich eine Pause. Wir wollen die Auszeit nützen, um neue Energie und frische Ideen zu tanken. Ein Hauch von Sommer weht quer durchs Blatt: Tipps für erfrischende Getränke und knackige Salate, ein VorarlbergRätsel zum Thema Freizeit sowie Hinweise auf ausgewählte Veranstaltungen und einiges mehr. Weder Urlaub noch Pause kennen freilich die Herausforderungen des täglichen Lebens, mit denen viele Menschen in unserem Land konfrontiert sind. Da sind etwa die Bezieher von niedrigsten Einkommen. Der 61-jährige Hans Cottogni aus Feldkirch erzählt uns, wie er sich mit 7 Euro am Tag durchschlägt (Seiten 8 und 9). Einer, der aus der Not eine Tugend gemacht hat, ist Charles Onyebuchi Chubuzor (29). Der ehemalige marie-Verkäufer bekam als Asylsuchender keine Arbeitserlaubnis. Weil er aber nicht arbeiten durfte, wurde er kurzerhand Unternehmer (Seite 35). Immer wieder erreichen uns Zuschriften von Lesern und Leser­innen, mal mit Lob, mal mit Tadel. Wir sind dankbar für jede Rückmeldung. Sie helfen uns, besser zu werden. Ein besonders bewegender Brief erreichte uns von einer Leserin aus Rankweil. Wir haben diese sehr persönlichen Zeilen mit Erlaubnis der Autorin veröffentlicht (Seite 34), allerdings anonym, weil sie sich schämt. Die nächste marie erscheint am 1. September. Wir wünschen Ihnen eine schöne Sommerzeit und viel Freude beim Lesen dieser Ausgabe! Herzlich, das marie-Team

Rätsel 47 Vorarlberg-Rätsel Das große Sommer-Quiz

marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo

Kontaktieren Sie uns Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

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Bild des Monats

Ein Leben unter der Brücke 4/

Foto: Lena Wöhler

Dieses eindrucksvolle Foto von Lena Wöhler erschien in der Hamburger Straßenzeitung „Hinz&Kunzt“. Dafür wurde sie vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP) für einen Award in der Kategorie „Bestes Foto“ nominiert. Das Bild zeigt den 70-jährigen Bernah, einen gebürtigen Polen, der in einem Zeltlager unter einer Brücke in Hamburg lebt. Der gelernte Kirchenrestaurator hat bei einem Unglück seine Frau und Kinder verloren. Seitdem hält er es nicht mehr lange an einem Ort aus. Er mag das Gefühl von einem „Zuhause“ nicht. Auch wenn die liebevoll positionierten Blumenzwiebeln vor seinem Zelt dem Betrachter einen anderen Eindruck vermitteln.


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Mittendrin in V

Mit 100 Bienenvölkern geht die Lustenauerin Clara Hämmerle in Rumänien auf Wanderschaft. Dort, wo es Nektar und Pollen gibt, wird Station gemacht.

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Clara und die Bio-Bienen Immer mehr, immer jünger, immer weiblicher: Die Imker-Kurse in Vorarlberg erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, gerade bei jungen Frauen. Zu der neuen Generation der Bienenfreundinnen gehört auch Clara Hämmerle aus Lustenau. Die 24-Jährige hat einen speziellen Zugang gewählt: Sie hat soeben eine dreimonatige Bio-Imker-Ausbildung in Rumänien absolviert. Fotos: privat

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ie Liebe zu den Bienen geht bei Clara Hämmerle sprichwörtlich durch den Magen: „Ich bin eine große Honigliebhaberin und deshalb wollte ich einfach wissen, wie dieser leckere Honig, das Wachs und Propolis tatsächlich entstehen“, sagt sie. Außerdem sei die Honigbiene ein wichtiger Bestäuber für Obstanlagen und manch andere Nutzpflanzen. „Deshalb ist ein umfassendes Wissen über diese, oft unterschätzten, Lebewesen sehr nützlich.“

Bio-Bienen auf Wanderschaft

Die junge Vorarlbergerin studiert Nutzpflanzenwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien. Auf der

Suche nach einer Praktikumsstelle ist sie auf die Bio-Imkerei von Wilhelm Tartler gestoßen. Diese liegt im rumänischen Siebenbürgen, im Dorf Hahnbach, zehn Kilometer nördlich von Hermannstadt. Clara Hämmerle wohnt mit der Imkerfamilie in einem alten Siebenbürger Pfarrhaus. Dazu gehören eine ehemalige deutsche Schule, eine evangelische Kirche sowie ein großer Garten, in dem ein Teil der Bienenvölker steht und der die Familie fast das ganze Jahr über mit Obst versorgt. Die Kirche und die Schule sind nicht mehr in Betrieb, weil kaum noch Sachsen im Dorf leben. Von April bis September leben und arbeiten in dem Familienbetrieb stets zwei bis drei Praktikanten, die das Imkern lernen wollen. Kost und Unterkunft sind gratis.

Die Imkerei besteht aus rund 200 Bienenvölkern, von denen die Hälfte jedes Jahr auf Wanderschaft geht. Das bedeutet, dass die Völker zu verschiedenen Trachten gebracht werden, wo sie viel Nektar und Pollen sammeln können. Trachten, auch Bienenweiden genannt, sind Pflanzen, die den Bienen ein besonders attraktives Nahrungsangebot bieten. Gleichzeitig müssen sich Imker Tartler und seine Helferin auch um die Standvölker, das sind die Völker die den Ort nicht wechseln und in der Nähe der Imkerei bleiben, kümmern. „Aber wir sind nicht jeden Tag bei den Bienen“, erklärt Clara, Es gibt sonst auch noch viel zu tun, wie zum Beispiel Honig und Propolis abfüllen und etikettieren, neue Bie-


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Bio-Imkerei bedeutet Natur pur. Clara Hämmerle (l.) und die anderen Praktikanten (r.) lernen in Rumänien, wie Bienenzucht ganz ohne Chemie funktioniert.

nenkisten bauen, Wachs einschmelzen, im Garten Gemüse pflanzen und jäten.

Mühevoller Alltag

Überhaupt ist der Alltag in dem Teil Rumäniens oft mühsam. „Hier werden oft noch Pferde vor einen Wagen gespannt“, berichtet die Lustenauerin. Maisfelder werden von den Leuten in den Dörfern für den Eigengebrauch von Hand eingesät, gehackt und geerntet. Das Heu wird mit der Sense gemäht, von Hand eingeholt und dann mit Pferd nach Hause gefahren. In einigen Dörfern pflanzen die Leute ihre Zwiebeln nicht hinterm Haus im Garten, sondern vorm Haus direkt an der Straße. „Das ist für mich eher schwer zu verstehen“, sagt Clara Hämmerle, „denn an Platz würde es ihnen nicht mangeln.“ Richtig ärgerlich findet sie aber, dass Großbauern, „Tausende von Hektar bewirtschaften und einen Großteil der Agrarsubventionen absahnen“. Viel Kontakt zu den Einheimischen habe sie nicht gehabt. „Ich kann leider nur ein paar Wörter Rumänisch und verbringe die meiste Zeit auf dem Hof. Aber wenn ich unterwegs bin, treffe ich sehr oft Leute, die einen Bezug zu Deutschland haben.“ Entweder sind deren Kinder dort am arbeiten oder sie haben selber zwei bis drei Jahre dort gearbei-

tet und sind wieder zurückgekommen. Oder es handelt sich um Siebenbürger Sachsen, die die „alte Heimat“ besuchen. Trotz der oft mühevollen Erfahrung ist die Studentin mehr denn je überzeugt: „Das Imkern ist eine schöne Arbeit, auch wenn man öfters gestochen wird. Aber der Körper gewöhnt sich zum Glück daran.“ Nächstes Jahr möchte sie sich einen Bienenplatz in Wien suchen, und mit zwei bis drei Bienenvölkern starten. „Später kann ich mir aber auch vorstellen mehr Völker zu halten und dementsprechend Honig zu verkaufen. Wer weiß, vielleicht bin ich in zehn Jahren auch Vollerwerbsimkerin.“

Der Imkerverband Vorarlberg zählt mehr als 1200 Mitglieder, Tendenz steigend. Er bietet laufend Kurse an. Infos unter www.imker-vorarlberg.at. Wer sich für eine Mitarbeit oder eine Ausbildung bei Biocoop, einem Zusammenschluss von Biobauern in Rumänien, interessiert, kann sich unter www.biocoop.ro informieren.

Was bedeutet Bio-Imkerei? Ein Bio-Imker stellt seine Bienenvölker auf bevorzugt ökologisch bewirtschaftete oder natürliche Flächen. Auch wenn der Imker nicht kontrollieren kann, wohin seine Bienen tatsächlich fliegen, sind sie zumindest von einem natürlichen Umfeld umgeben. Wenn Völker beispielsweise neben einem ökologischen Buchweizenfeld stehen, werden die meisten Bienen dorthinfliegen, wenn es in direkter Nähe keine andere attraktive Tracht gibt. Es dürfen nur natürliche Materialien verwendet werden, die nicht chemisch behandelt sind. Zur Schädlingsbekämpfung dürfen keine giftigen Stoffe eingesetzt werden. Erlaubt sind nur natürliche, im Honig vorkommende Inhaltsstoffe wie Milchsäure, Ameisensäure oder Oxalsäure sowie ätherische Öle wie Thymol oder Eukalyptol als Behandlung gegen die Varroamilbe – dem Hauptfeind der Bienen. Nicht nur Kühe werden heutzutage künstlich besamt, sondern auch Bienenköniginnen. Aber auch solche Königinnen dürfen in einer Bio-Imkerei nicht eingesetzt werden.

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Mittendrin in V

EIN LEBEN MIT 7 EURO PRO TAG

Auf seinem Sparbuch ist ein Euro, auf dem Konto sind sieben und das Bargeld ist nach einem Tagesticket für den Bus um 2,70 aufgebraucht. Helmut Cottogni (61) aus Feldkirch hat jahrelang Mindestsicherung bezogen und lebt jetzt von der Invaliditätspension. Text: Christine Mennel Fotos: Frank Andres

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rankenpfleger wollte er werden – gelandet ist er im Gefängnis und wäre nach vier Liter Obstler in acht Stunden fast gestorben. „Ein Radaubruder hat mich in dem Zustand zusammengeschlagen, und ich bin ins Spital gekommen. Das war mein Glück, sonst würde ich heute nicht mehr hier sitzen“, sagt er und schmunzelt dabei. Aber Fröhlichkeit sieht anders aus. Ein glückliches Leben auch: „Das habe ich mir selbst verbaut“, gibt der 61-Jährige unumwunden zu. Insgesamt 18 Jahre hat er im Gefängnis verbracht, 23 Vorstrafen gehen auf sein Konto – schwere Körperverletzung – eine Tat im Rausch. Als Dreijähriger kommt er ins SOS-Kinderdorf, der arbeitenden Mutter vom Jugendamt entrissen. Mit sieben raucht der Bub, mit neun trinkt er Bier. „Immer wenn wir in die Kirche mussten, ging ich ins Gasthaus daneben“, erinnert er sich. „Der Wirt gab mir Bier und am Automat waren Zigaretten zu haben“. Bezahlt wurde mit dem Taschengeld.

ern über Wasser und verdient sich vier Jahre lang bei Schaustellern sein Geld. Zweieinhalb Jahre arbeitet er bei einem Bäcker. Für ein Lehrlingsgehalt. Doch angemeldet war er nicht, die Berufsschule hat er nie gesehen. „Ich dachte, das passt schon so.“ Danach ist seine Chance auf eine Ausbildung vertan, schon mit Mitte 40 bekommt er kaum mehr Jobs. Er ist 27, als er sich auf die Suche nach seiner Mutter macht, die er als Kind aus den Augen verloren hat: „Das hat mich eine Menge Geld gekostet“. Kurz vor seiner Entlassung und nach einigen Selbstmordversuchen bekommt er im Gefängnis Besuch von einer Frau. Er redet mit ihr, getrennt durch eine Glasscheibe. Im

Lauf des Gesprächs registriert er: Das ist meine Mutter. Sie holt „ihren Bub“ Anfang der 80er von Klagenfurt nach Schlins. Schnaps, Whisky, Bier ... alles landet sicher verwahrt im Keller. Der Kampf gegen den Alkoholismus dauert ein Jahr. „Vier Monate habe ich mich nicht getraut, ein Mon Chéri, oder eine Rumkugel zu essen“, sagt Helmut Cottogni. Jetzt ist er trocken, seit Jahrzehnten. Die eine Sucht los, die andere da: ohne Zigaretten kann er nicht sein, aber schlimmer ist die Jagd nach dem (Spiel) Glück.

Zentrales Thema: Geld

Nach Abzug der Fixkosten wie Miete,

Von Heim zu Heim

Seine Kindheit und Jugendzeit verbringt der gebürtige Kärntner in unzähligen Heimen. Zuletzt in einem für Schwererziehbare. „Weil ich mein eigener Mensch bin und mir einiges nicht gepasst hat“, sagt er, und da ist es wieder – das verschmitzte Lächeln. „In den Heimen war nicht alles schlecht“, relativiert er, „aber danach war ich Alkoholiker“. Mit 21 Jahren ist das Heimleben passé, er hält sich mit Gelegenheitsjobs als Tellerwäscher, oder Hilfskraft beim Bau-

Jeden Morgen kommt Helmut Cottogni mit dem Bus ins Caritas-Cafe am Bahnhof.


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Helmut Cottogni ist Zeit seines Lebens ein Suchender: zuerst sucht er seine Mutter, dann sein Glück. Seine Mutter ist tot, seine Hoffnung auf Glück fast gestorben.

Betriebskosten oder Strom bleiben, wenn es gut geht, 400 Euro. 27 Euro kosten 60 Tage für das Spielen am Computer. Seit 15 Jahren ist Helmut Cottogni glühender Fan von „Warcraft“. Zehn Euro kostet seine Wertkarte für das Handy, mit dem er so gut wie nie telefoniert und hofft, dass er angerufen wird. 41,50 bezahlt er für Kabel-und Internetgebühren, kommuniziert über Facebook. „Es ist eine ständige Rechnerei“, sagt er, „Geld ist das zentrale Thema.“Wenn sein Betreuer von der Caritas nicht wäre, würde das gesamte Geld in den Schlund der Spielautomaten rasseln. „Harald hat mir einen Finanzplan erstellt, damit ich nicht irgendwann auf der Straße stehe, wenn ich die Miete nicht mehr bezahlen kann. 200 Euro gehen künftig direkt aufs Konto“, erzählt Helmut. Er möchte seine Spielsucht selbst in den Griff bekommen – ohne Therapie. Schließlich kann man nur mit Geld zocken, und das hat er sowieso nicht. Zuerst kommen die Zigaretten, die schnorrt er. Ansonsten leiht er sich Geld. Natürlich zahle er zurück, beteuert er. Umgekehrt funktioniere es leider nicht immer so. „Das ist egal“, sagt Helmut, „ich bin gutmütig und würde auch meine letzte Zigarette hergeben. So sind wir im Heim erzogen worden.“ Gutmütig als 23-fach Vorbestrafter? „Ja“, sagt er und schmunzelt, ich bin klüger geworden. „Ich trinke nichts mehr. Das tu ich meiner verstorbenen Mutter nicht an. Und der Häf´n hat mich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Wegen einem Stänkerer geh ich nicht mehr einsitzen.“ Seit zweieinhalb Jahren lebt er in seiner 60-Quadratmeter-Wohnung, putzt sie selbst „jeden Tag ein anderes Zim-

mer“, nur die Küche bleibt meistens kalt. Eine Nachbarin, die bei „Tischlein Deck dich“ eine „Karte“ hat, steckt ihm hin und wieder etwas zu. Fünf Jahre bezog er 771 Euro Notstandshilfe und 50 Euro Mindestsicherung, seit einem halben Jahr lebt er von 800 Euro Invaliditätspension, die vorerst für ein Jahr bewilligt wurde. Helmut ist mit 61 eigentlich noch nicht „pensionsreif “, im Herbst muss er wieder ansuchen. „Sozialschmarotzer“, ja dieses Wort kennt er. Was sagt er Menschen, die Mindestsicherungsbezieher als solche bezeichnen? „Schaut euch die Hintergründe und das Leben hinter dem Menschen an.“

Unter Gleichgesinnten

Helmut Cottogni ist mager, die Jeansjacke seine einzige. Am Finger ein Goldring. Nein, verheiratet war er nie, verlobt, ja – zehn Jahre. Aber sie ist gestorben und damit das Thema erledigt. Die Familie besteht aus zwei Schwestern und drei Brüdern. Außer einer Schwester sind alle in alle Winde zerstreut. Der Vater gestorben, als er im Gefängnis war, gesagt hat ihm das niemand. Sein Bruder im Rollstuhl, auch das hat er erst aus dem Internet erfahren. Gibt es den richtig dicken Kumpel? Helmut schüttelt den Kopf: Nicht in dieser Welt. Hier gibt es Gleichgesinnte, Menschen ohne Wohnsitz, ohne Job, an den Rand Gedrängte, die von der Caritas begleitet werden. Für seine Betreuer ist er voll des Lobes, im nächsten Leben will er auch „so etwas machen“. Und über das Auffangnetz der Institutionen gibt es seiner Meinung nach nichts zu meckern: „Wenn

Mindestsicherung Die offene Mindestsicherung (OMS) ist, nach der Notstandshilfe, eine Unterstützung für Menschen, die in eine finanzielle Notlage geraten sind und ihren Bedarf für Kernleistungen (Lebensunterhalt, Wohnung, den Schutz bei Krankheit, Schwangerschaft und Entbindung oder den Aufwand für die Bestattung) nicht bezahlen können. Die OMS ist eine Leistung des Landes und der Gemeinden. Aktuell beträgt der Mindestsicherungssatz pro Monat für alleinstehende oder alleinerziehende Personen 630,76 Euro. Für Minderjährige im gemeinsamen Haushalt mit Anspruch auf Familienbeihilfe je Kind 183,09 Euro.

Voraussetzungen Bevor eine Leistung aus der OMS gewährt wird, muss die Person ihre eigenen Mittel (Einkommen und Vermögen) einsetzen. Arbeitsfähige Menschen müssen grundsätzlich ihre Arbeitskraft einsetzen. Bezieher müssen ihren Aufenthalt im Inland haben und zum dauernden Aufenthalt berechtigt sein. Asylwerber erhalten keine Mindestsicherung. 3000 Haushalte bzw. 6784 Personen beziehen derzeit OMS in Vorarlberg. Zwei Drittel davon sind „Aufstocker“. Das bedeutet, dass deren Gehalt nicht zum Leben ausreicht.Wie lange jemand OMS beziehen kann, ist unterschiedlich. Die durchschnittliche „Verweildauer“ sind sechs Monate.

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Mittendrin in V

KOMMENTAR: Gerhard Hofer

„In Österreich muss niemand verhungern“: Helmut ist froh über das soziale Auffangnetz im Land.

in Österreich jemand verhungert, ist er selbst schuld“. Zu den Behördengängen wird er, wenn es sich machen lässt, begleitet. Ansonsten hat er kein Problem bei den betroffenen Stellen anzufragen. „Mich kennt man eh schon“, sagt er und lacht. Was Luxus für ihn wäre? „Ein Moped, dann müsste ich nicht immer mit dem Bus fahren – der ist teuer.“ Vor allem seit man ihn beim Schwarzfahren erwischt hat: „120 Euro bekommen die noch von mir.“ Der 61-Jährige schaut aus dem Fenster. Es regnet. Irgendwie geht auch dieser Tag vorbei, ein bisschen quatschen, ein bisschen „Warcraft“ spielen. Bald kommt das Spiel in die Kinos. Mit 3D-Technik. „Dann geh ich seit Ewigkeiten wieder mal ins Kino“, sagt Helmut Cottogni. Er lächelt. Diesmal fröhlich.

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FAKTENCHECK MINDESTSICHERUNG Immer wieder wird gegen die Mindestsicherung mobil gemacht. Damit trifft es wiederum die Schwächeren der Gesellschaft, als ob sie die Schulden des Landes verursachen würden. Die Armutskonferenz hat dazu einen Mindestsicherungs-Faktencheck veröffentlicht. Überprüft wurde die Behauptung, Mindestsicherungs-BezieherInnen würden oftmals über mehr Einkommen verfügen als Haushalte von Erwerbstätigen. In einem konkreten Beispiel aus der „Kampagne für die Leistungswilligen“ der Niederösterreichischen Volkspartei wird die Situation einer vierköpfigen Familie mit Mindestsicherungs-Bezug mit jener einer vierköpfigen Familie eines alleinverdienenden Tischler-Gesellen vergleichen. Die Armutskonferenz weist nach, dass es eine Reihe von Einkommen, Förderungen und steuerlichen Vorteilen gibt, die Erwerbstätigen, nicht aber Mindestsicherungs-Beziehern offen stehen. In der aktuellen Diskussion bleiben sie aber regelmäßig unerwähnt. Zeichnet man anhand des erwähnten Beispiels ein vollständiges Bild, dann hat nicht, wie behauptet wird, die Mindestsicherung-beziehende Familie monatlich ca. 100 Euro mehr an verfügbarem Einkommen als die Familie eines Tischler-Gesellen. Sondern die Familie des Tischler-Gesellen realistischerweise ein ca. 1000 Euro höheres Monatseinkommen als der Mindestsicherung beziehende Haushalt. HINWEIS: Mehr Infos unter www.armutskonferenz.at

PHANTASIE FÜRS LEBEN Fragen wir im Freundeskreis, was ihm besonders wichtig ist, was ein gutes Leben ausmacht, so hören wir meist sehr ähnliche Antworten. Hier ein kleiner Auszug aus meiner privaten Umfrage: Gesundheit, Familie, Freunde, Freizeit, Umwelt und soziale Sicherheit stehen weit oben in der Favoritenliste. Das sichere Einkommen, Freude an der Arbeit und politische Stabilität genießen ebenso hohe Priorität in der Wunschliste des guten Lebens. Nichts was überrascht. Und doch stellt sich die Frage, was passiert wenn diese großen Wünsche an das Leben unerfüllt bleiben. Nun, dann werden wir unzufrieden. Ist ja logisch, ist ja menschlich, höre ich viele sagen und schließe mich dabei nicht aus. Dabei ist klar, dass wir nichts behalten können und am Ende alles verlieren. Bekanntlich hat das letzte Hemd keine Taschen. Wir können nichts mitnehmen. Aber wir können etwas zurücklassen. Ein Erbe. Und dabei meine ich gar nicht so sehr das materielle Erbe, um das es ja so oft so tragische Verwicklungen gibt, sodass Freundschaft, Familie und die Gesundheit auf der Strecke bleiben. Ich meine das geistige Erbe, die Art oder die Kunst, das Leben gut zu leben, Herausforderungen anzunehmen und Niederlagen als Niederlagen zu akzeptieren. Und dann wieder aufzustehen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, der Welt das schönste Lächeln zu zeigen, das wir haben. Geht das überhaupt oder ist das esoterischer Schwachsinn? Sozusagen Gutmensch Palaver. Der Mensch ist das einzige Wesen mit Phantasie. Es liegt an uns, die Phantasie in die richtigen Bahnen zu lenken. In die dunklen Gassen oder in die sonnigen Gefilde. Wir haben die Wahl. Ist unser Glas halb voll oder halb leer. Ein kurzer Blick auf den Rest der Welt kann uns Angst machen, oder zu Freudensprüngen verleiten. Wir entscheiden und tragen die Folgen – mit uns, täglich.


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Vielleicht ist es wichtiger einander zu vertrauen als einander zu verstehen. [ Mar ianne Gronemeyer ]

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Christine kauft die marie am liebsten bei „ihrem“ Verkäufer Marc.

„MEIN MARIE-VERKÄUFER“ In Städten wie Wien (Augustin) oder Salzburg (Apropos) gehören Straßenzeitungen seit Jahren zum Ortsbild. Dort haben viele Kunden ihren Stammverkäufer, den sie kennen und mögen, bei dem sie regelmäßig ihre Zeitung erstehen. Auch in Vorarlberg, wo die marie erst ein halbes Jahr alt ist, beginnen sich Kunden und Straßenverkäufer kennen zu lernen.

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Text: Gernot Hämmerle Foto: Frank Andres

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ittwochnachmittag, kurz nach halb drei. Christine Reiter, Betreiberin des Gasthaus Frühlingsgarten in Lustenau, nützt die Nachmittagspause zum Einauf im Spar im Rheincenter. Bei dieser Gelegenheit kauft sie die neue marie, natürlich bei „ihrem“ Verkäufer Marc. Christine: „Ich kaufe die marie jedes Mal und lese sie auch gerne. Und lege sie dann im Gasthaus für meine Gäste auf. Ich gehe regelmäßig hier einkaufen, und meistens steht derselbe Verkäufer hier. Ich kaufe die Zeitung am liebsten bei ihm, weil ich ihn schon kenne, zumindest vom Sehen. Und er ist immer freundlich.“ Viel weiß Christine freilich nicht über Marc Feunin aus Kamerun. Aber das muss sie auch nicht. „Was muss passiert sein, dass jemand von zuhause flüchtet? Das tut doch niemand ohne guten Grund. Ich

finde es gut, dass Menschen wie Marc als Zeitungsverkäufer eine sinnvolle Tätigkeit ausüben. Allein schon fürs Selbstwertgefühl.“ Im Gespräch mit der marie gibt sich Marc eher zugeknöpft. Er möchte nicht über sein Leben, seine Gründe für die Flucht etc. sprechen. Wir respektieren das und fragen nicht weiter nach. Wir kennen Marc aber nicht zuletzt wegen seiner Hartnäckigkeit, als es darum ging, als marie-Verkäufer aufgenommen zu werden. „Wanna Ausweis! Wanna Ausweis!“ kam er immer wieder auf uns zu, bis ein Verkäufer-Platz frei wurde und er einen marie-Ausweis bekam. Während unseres Gesprächs kommt eine weitere Stammkundin. Heike Grabher hat gerade ihren Lebensmittel-Einkauf erledigt und ersteht eine marie bei Marc: „Ich besorge die marie meistens hier, weil ich oft in diesem Geschäft einkaufe. Bei uns lesen alle in der Familie gerne die marie, und beim Kauf tut man

noch was Gutes.“ Ihren Verkäufer kennt Heike nur vom Sehen, sympathisch findet sie ihn aber allemal. Mindestens ebenso viele Stammkunden wie Marc hat Emeka Amadi aus Nigeria, über den wir in unserer letzten Ausgabe ausführlicher berichtet haben. Er hat in Bregenz Weidach seinen Stammplatz und kennt dort mittlerweile viele Bewohner vom Sehen. „Und mit einigen unterhalte ich mich ein bisschen auf Deutsch. Das hilft mir, die Sprache und die Mentalität der Einheimischen besser kennen zu lernen.“ So wie Marc und Emeka geht es den meisten marie-Verkäufern, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind. Sie kennen mittlerweile viele Leute, unterhalten sich mit einigen Käufern ein bisschen. Erste kleine Schritte, sich besser in dem für sie immer noch fremden Land einzuleben.


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GUTE REISE, DOLFI Adolf Halbeisen zierte im Jänner das Titelbild der zweiten marie-Ausgabe. Wir trafen damals den „Bunten Vogel“ in seinem Wohnwagen in Altach zum Interview. Jetzt ist er dort im 77. Lebensjahr friedlich verstorben. Die marie sagt zum Abschied leise Servus, Dolfi.

Gründungsmitglieder des „dreierlei“ gemeinsam mit Tischler Michael Stadler.

BIOLADEN UND CAFÉ Die Wolfurter nehmen ihr Dorfleben selbst in die Hand: Dort haben Bürger jetzt die Genossenschaft „dreierlei – Bioladen, Café, Begegnung“ gegründet. Eröffnung ist am Dienstag, den 5. Juli. Das ganzheitliche Konzept des „dreierlei“ umfasst einen Laden für biologische Produkte aus der Region genauso wie ein gemütliches Café. Die Menschen sind jedoch nicht nur als Kunden und Gäste eingeladen, auch als Mitglieder der Genossenschaft können sie mitmachen, das Dorf zu beleben: „Das ‚dreierlei‘ soll ein besonderer Ort werden, dem sich viele Menschen verbunden fühlen. Die Genossenschaft ist dafür ideal“, betont Obfrau Tamara Rohner. Jeder kann Teil von „dreierlei“ werden. Infos unter www.dreierlei-wolfurt.at oder bei Tamara Rohner unter 0650 6407144.

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Mittendrin in V

Biobäuerin Daniela Kohler (links) und Hobbygärtnerin Annelies Bargehr mit ihren Töchtern Matilda (2) und Paulina (4). Normalerweise arbeitet Annelies ohne ihre Kinder auf dem Gemüsefeld, doch für den Fototermin durften die Mädchen mit nach Buch aufs Feld.

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GEMEINSAM ACKERN IM PARADIES Pflanzen, jäten, pflegen, ernten: Auf einem 1500 Quadratmeter großen Acker in Buch haben sich elf Gartenfreunde zusammengefunden, die ihr Gemüse auf biologische Art selbst erzeugen. Die Projekt-Idee stammt von Biobäuerin Daniela Kohler. Seit heuer ist Annelies Bargehr aus Wolfurt beim Projekt Solidarische Landwirtschaft mit dabei.

Text und Fotos: Frank Andres

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reitagnachmittag ist Gartenzeit für Annelies Bargehr. Da schneidet die 30-jährige Wolfurterin auf dem Acker der Familie Kohler in Buch die Hecken, jätet mit der Hacke und zupft das Unkraut. Nimmt sich eine Auszeit von ihren Kindern Paulina (4) und Matilda (2). „Sie sind für die Gartenarbeit noch zu jung“, erklärt sie. Wenn Mama auf dem Feld ackert, dann sind ihre Töchter beim Babysitter. Annelies liebt die Arbeit im Garten. „Da kann ich vom Alltag abschalten. Es ist für mich wie ein Besuch im Paradies“, schwärmt Annelies. Und sie lerne dabei auch viel für ihren eigenen, kleinen Garten. Wenn Annelies ausnahmsweise nicht auf dem Gemüsefeld ar-

beitet, nimmt sie die Töchter trotzdem mit nach Buch. Dann sitzt man gemeinsam am Schwimmteich und hört den Fröschen beim Quaken zu. „Da lernen sie, was Natur bedeutet und wie vielfältig sie ist“, erklärt sie. Annelies ist es wichtig, dass ihre Kinder wissen, woher das Gemüse kommt, das auf dem Teller landet. Für gewöhnlich mag ihre jüngere Tochter Matilda keinen Salat, aber den aus Buch isst sie. Matildas kindlich einfache Erklärung lautet: „Weil, das ist unser Garten.“

Wöchentliche Gemüsetasche

Apropos Garten: Der Acker, auf dem Annelies Bargehr werkelt, gehört der Biobauernfamilie Kohler. Seit letztem Jahr wird das 1500 Quadratmeter große Feld von Annelies Bargehr und zehn


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anderen Gartenfreunden gemeinsam bewirtschaftet. „Wir wollten das Gemüse, das hier angebaut wird, einer größeren Gruppe von Menschen zur Verfügung stellen“, erklärt Projekt-Initiatorin Daniela Kohler (43). Das Prinzip dieser sogenannten „Solidarischen Landwirtschaft“ (SOLAWI) ist einfach. Der landwirtschaftliche Betrieb, in diesem Fall der Biohof Kohler, übernimmt die Grundbodenbearbeitung im Frühjahr, die Beschaffung des kontrolliert biologischen Saatguts, die Aussaat und die Anzucht der Jungpflanzen. Das Anlegen der Pflanzbeete sowie die Pflanzung, die Pflege und das Jäten soll möglichst gemeinsam gemacht werden. „Im Idealfall sind das zwei halbe Tage pro Monat“, erklärt Biobäuerin Kohler. Jede Woche wird dann die Ernte unter den „Mitgärtnern“ aufgeteilt. Die Kosten für die von April bis Dezember frisch gefüllten Gemüsetaschen betragen pro Person monatlich 35 Euro.

Kosten gedeckt

Reich, so betont Daniela Kohler, werde sie mit dem SOLAWI-Projekt nicht. „Mit den Einnahmen sind die Kosten gedeckt. Wir steigen eben aus.“ Geld sei ohnehin nie ihre Motivation gewesen, um das Projekt zu starten. „Ich finde es eine Bereicherung, wenn ich mit anderen Gartenfreunden zusammenarbeiten kann.“ Manchmal kann dieses Gemeinsam auch ganz schön einsam sein. „Wenn man am Abend Schnecken absammeln soll oder das Gemüsefeld gewässert werden muss, dann ist garantiert kein Helfer da“, erzählt die 43-jährige Biobäuerin mit einem leicht ironischen Unterton. Biobäuerin zu werden, war übrigens nie der Wunsch von

Daniela Kohler. „Ich habe Matura gemacht und wollte Ökologie und Landschaftsplanung studieren.“ Doch die Familienplanung ging schneller als geplant. Mit knapp 20 Jahren wurde sie zum ersten Mal Mutter. Sie heiratete und übernahm zusammen mit ihrem Mann Tone, einem gelernten Zimmerer und Tischler, den Biohof von ihren Eltern. „Das Leben hat mich dorthin geführt, wo ich hingehöre“, ist sie heute überzeugt. Einen Traum hätte sie aber doch. „Wenn es einmal das bedingunslose Gundeinkommen gibt, dann würde ich gerne drei Wochen lang ‚wwoofen‘. Das heißt: Ich würde bei freier Kost und Logis auf anderen Biohöfen mithelfen.“

Elf Mitstreiter

Mit der Resonanz auf ihr SOLAWI-Projekt, dem derzeit einzigen in Vorarlberg, ist Daniela Kohler sehr zufrieden. „Es haben sich gleich zu Beginn elf Mitstreiter aus Bregenz, Wolfurt oder Lauterach gemeldet. Darunter sind Pensionisten, die etwas Sinnvolles tun wollen, aber auch junge Familien, denen gesunde Ernährung wichtig ist“, betont die dreifache Mutter. Wer sich jetzt mit dem Gedanken trägt, in Buch auch solidarisch landwirtschaften zu wollen, der sollte sich beeilen. „Bei 15 Personen ist Schluss. Mehr sind bei der Größe des Ackers nicht möglich.“ Infos und Kontakt Biohof Kohler http://www.permakultur-akademie.com/biohof-kohlervorarlberg.


Mittendrin in V

Die Küche als zentraler Begegnungsort: Dem gemeinsamen Kochen und Essen wird im Haus SAID viel Zeit und Liebe gewidmet.

Die Jungs der Madame Matt 16 /

37 junge Männer zwischen 15 und 18 Jahren erfahren im Caritas-Haus SAID in der Bregenzer Römerstraße erstmals seit langer Zeit wieder das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. SAID ist arabisch und heißt „der Glückliche“. Ein Name, der dem hoch engagierten Team rund um Leiterin Margaritha Matt Richtung gibt – mehr noch, Auftrag ist. Text: Simone Fünschuß-Hofer Fotos: Petra Rainer

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ennen Sie den Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“? Es geht dabei um die Geschichte eines beseelten Musiklehrers in einem Internat für schwer erziehbare Kinder und wie er Kraft der Musik und des Glaubens an seine Schützlinge Großes bewirkt. Die „Jungs von Madame Matt“ sind keineswegs schwer erziehbar und ein Internat ist das ehemalige Herz-Jesu-Heim und heutige Haus SAID in Bregenz längst nicht mehr: Aber die Leidenschaft und Begeisterung, mit der das Haus geführt und verwaltet wird, erinnert an das berührende Wirken des liebenswürdigen Monsieur Mathieu. Vielleicht mag es dabei kein Zufall sein, dass auch Hausleiterin Margaritha Matt als größte persönliche Kraftquelle die Musik nennt. Wenn auch die Verarbeitung traumati-

scher Erlebnisse und die Sehnsucht nach der eigenen Familie tagtägliche Begleiter sind, so ist jeder der Hausbewohner doch ein „said“. Oder vielleicht eher: Ein „trotzdem Glücklicher“. Glücklich, weil sicher und geborgen. Das Engagement von Seiten des Teams sowie der Stadt Bregenz und ihrer Bevölkerung ist groß: Da werden gebrauchte Fahrräder und Musikinstrumente abgegeben, da kommen Musikpädagogen ehrenamtlich ins Haus und viele Bürger nehmen sich Zeit, Deutsch mit den Jugendlichen zu lernen. „Dieses spürbare Wohlwollen ist der Rückhalt, der für unsere Arbeit so essentiell ist. Wenn dieser wegbrechen würde, wäre das alles nicht denkbar“, sieht Margaritha Matt die Hilfestellungen für ihr Haus, seien sie materieller oder ideeller Natur, als im wahrsten Sinn des Wortes notwendig: „Diese Menschen geben mir, meinem Team und meinen Jungs das Gefühl, nicht allein zu sein.“

Putzbedienstete gibt es keine im Haus SAID. Dafür einen Putzplan wie überhaupt ein „Dienstradl“, das alle in die Pflicht nimmt. Und das funktioniert bei 37 pubertierenden Jungs? Das saubere und aufgeräumte Haus ist Antwort genug. Kürzlich (6. Juni bis 4. Juli) hielten ca. 20 der Hausbewohner Ramadan. „Das hat sie in ihrer Eigenverantwortung unheimlich gestärkt. Wir haben gesagt, ihr könnt das machen, ihr bekommt von uns das Vertrauen, müsst euch aber gut und vor allem selber organisieren. Also wurden von ihnen eigene Wochen-Einkaufslisten erstellt, nach Sonnenuntergang und in der Nacht wurde aufgekocht und am Morgen fanden wir eine picobello aufgeräumte Küche wieder“, so eine sichtlich stolze Hausleitern.

Zukunftshoffnung Asyl

Ganz oben auf der Prioritätenliste steht natürlich auch das Erlernen der deut-


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Deutsch lernen, Gitarre-Stunden, Fußballspielen, Schachkurse, da und dort ein Auftrag der Nachbarschaftshilfe: Die Tage der Jugendlichen haben sich seit ihrer Flucht mit Leben gefüllt.

schen Sprache. Drei Mal die Woche professionelle Einheiten – verpflichtend. Dazu individuelle Sprachtrainer aus der Bevölkerung in ehrenamtlicher Funktion. Dies ein freiwilliges Angebot, bei dem jeder in seinem eigenen Tempo lernen kann. Dazu muss man wissen: Viele der Jugendlichen haben noch nie eine Schule besucht, über die Hälfte kann auch in der eigenen Muttersprache weder lesen noch schreiben. Und auch Pünktlichkeit hatte bislang kaum Relevanz. Da kommen neben Sehnsucht nach der Familie, traumatischen Erfahrungen und der Auseinandersetzung mit fremder Sprache und Kultur auch noch mangelnde Grundkompetenzen als Hürden dazu. Hürden, aber keine Hindernisse, neue Perspektiven zu entwickeln und mit offenen Augen und Ohren dieses „neue“ Leben hier anzupacken. Es zu romantisieren wäre allerdings den Tatsachen nicht ins Auge geschaut. Die Zukunft ist mehr als ungewiss. 35 der SAID-Bewohner kommen aktuell aus Afghanistan, zwei aus Syrien. Keiner von ihnen hat bislang Asylstatus, aber bis sie 18 Jahre alt sind, werden sie nicht abgeschoben. Für viele ein Zeithorizont, den sie nützen wollen, die Sprache zu lernen und Kontakte im Land zu knüpfen. Verbunden mit der Hoffnung auf einen positiven Asylbescheid.

Hunger auf Beschäftigung

Einem Asylwerber steht in Österreich derweil die Grundversorgung zu: Verpflegung, Unterkunft und ein kleines Taschengeld. 40 Euro pro Monat im Fall der unbegleiteten Minderjährigen. „Neben der Grundversorgung müssen wir natürlich Freizeitangebote und Auf-

gaben schaffen. Die fehlende Mobilität, weil Bus und Bahn einfach zu teuer sind, ist dabei eine der größten Herausforderungen“, so Margaritha Matt. Aber sich dieser Herausforderung zu stellen, lohnt: „Die Jungs sind neugierig, freuen sich über jeden Ausflug und über jeden Auftrag im Rahmen der Nachbarschaftshilfe. Sie sind einfach unglaublich begeisterungsfähig und dankbar“, schwärmt da eine, die diese Horde sympathischer Heranwachsender als „ihre Jungs“ ins Herz geschlossen hat. Genau darin unterscheiden sich die Jugendlichen vielleicht auch von der heimischen „Peergroup“: Sie sind im übertragenen Sinne weniger satt, geradezu hungrig auf alles, was den Alltag lebendig macht. „Ansonsten, behaupte ich, sind sie unseren Jugendlichen sehr ähnlich. Sie lieben Fußball, sie kleiden sich in ihrem eigenen Style, sie hängen mit dem Handy rum, chillen am See und haben erste Schmetterlinge im Bauch“, schmunzelt Margaritha, der sich als Mutter eines 17-Jährigen Vergleichsmöglichkeiten aus erster Hand bieten.

Erholung für wunde Seelen

Die Stimmung im Haus SAID ist geprägt von Eigenverantwortung und Teamgeist, von gegenseitigem Vertrauen und gemeinsam vereinbartem Regelwerk. Das schließt nicht aus, dass die „Glücklichen“ auch mal ganz schön unglücklich werden können: Konflikte und traurige Momente gehören dazu, mitunter erzeugen auch ganz profane Bedürfnisse wie der Wunsch nach einem „Upgrade“ vom Sechserzimmer ins Dreibettzimmer Unmut. Differenzen und Missverständnisse werden über Hausversammlungen und viele Einzelgespräche, für die ein

Dolmetscher ins Haus kommt, aufgefangen und reflektiert. So gelingt das Zusammenleben Tag für Tag neu. Und die Zukunft? Wie im Film über Monsieur Mathieu wird die Zeit bei Madame Matt nur einen kurzen Abschnitt im Leben der Jungs ausmachen. Wohin diese Jugendlichen ihr Weg führt und was sie aus ihren Erfahrungen im Haus SAID schöpfen, bleibt ungewiss. Was ihnen aber niemand mehr wegnehmen kann – und da ist sie wieder, die Parallele zwischen Film und Wirklichkeit: Eine Zeit, in der sich wunde Seelen erholen, stärken, nähren durften. Vielleicht sogar Wurzeln schlagen und so etwas wie Glück finden.

Haus Said Einzug ins Haus SAID am 15. Dezember 2015 mit insgesamt 37 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen (UMF) aus Afghanistan und Syrien. Das Haus wird von der Diözese zur Verfügung gestellt und von der Caritas betrieben Team: 12 in Teilzeit arbeitende Mitarbeiter (gesamt 9,9 Vollzeitäquivalent), Zivildiener, Praktikanten plus 70 ehrenamtliche Helfer. Das Haus SAID ist die größte von fünf Einrichtungen für UMF, insgesamt befinden sich (Stand Mitte Juni 2016) 217 UMF in Vorarlberg (entspricht 71,56 Prozent Quotenerfüllung) Während österreichweit die Zahl an Asylanträgen und ankommenden Flüchtlinge rückläufig ist, steigt die Anzahl an UMFs laufend.

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Mittendrin in V

„VERTRAUEN ZU UNS IST DER SCHLÜSSEL“ Im Interview mit der marie lässt Haus SAID-Leiterin Margaritha Matt, 48, aus Wolfurt in den Alltag mit ihren 37 minderjährigen Flüchtlingen blicken. Und erzählt, worauf es ankommt, wenn eine Wohngemeinschaft dieser Größenordnung gelingen soll.

Interview: Simone Fürnschuß-Hofer, Foto: Petra Rainer

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marie: Am 20. Juni war Weltflüchtlingstag. Jeder einzelne deiner „Jungs“ hat mit Sicherheit Traumatisches vor und auf seiner Flucht erlebt. Teilen sie ihre Geschichten mit euch? Und wie, glaubst du, finden sie trotz allem in diese spürbare Fröhlichkeit? Margaritha Matt: Ja, ihre Fröhlichkeit ist offensichtlich und durchaus ansteckend! Ich denke, das Vertrauen zu uns ist ein Schlüssel. Das hier ist wie eine Basisstation, die ihnen zusichert, sein zu dürfen, wie sie sind. Sie fühlen sich in diesem Setting wohl, dürfen sich einbringen, erhalten Verantwortung. Unser Bemühen, sie zu verstehen, beantworten sie wiederum mit ihrem Einsatz für ein gelingendes Miteinander in diesem Haus. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben dürfen sie mitgestalten, mehr noch, es tut sich eine Perspektive auf für sie. Und ja, nach und nach erzählen sie uns ihre Geschichten, sie wenden sich bei Problemen vertrauensvoll an uns, wollen sich helfen lassen. Haben die Jugendlichen Kontakt zu ihren Eltern? Manche der Jugendlichen haben ihre Eltern auf der Flucht verloren, sei es, weil sie getrennt wurden oder weil sie gestorben sind. Es gibt aber auch Kinder, die ihre Eltern in anderen Flüchtlingslagern wissen oder deren Familien noch im Ursprungsland sind. Ihr Handy bzw. das WLAN ist meist die einzige Verbindung zur Familie; wenn diese abbricht, kommt es schnell zu Krisensituationen. Es ist so simpel wie traurig zugleich: „Solange ich online bin, lebe ich noch.“ Wie wird für einen guten, anregenden Tagesablauf gesorgt, wenn gängige Strukturen wie Schulbesuche etc. fehlen? Wie frei können sich die SAID-Hausbewohner bewegen? Sehr frei. Einmal am Abend müssen sie sich beim „Check In“ melden, eine weitere Pflicht sind die professionellen Deutschkurse. Dazwischen haben sie Musikstunden, Schachkurse, Sport- und Vereinsaktivitäten oder machen ihre Abstecher Richtung Stadt und See. Wer im Übrigen Deutschkurse schwänzt, bekommt einen Abzug vom Taschengeld. Sie halten es ein. Genauso wie auch ihre Dienste beim Kochen und Putzen. Wie erlebst du deine Jungs in Bezug auf die Mann-Frau-Thematik? Ortest du religiös oder kulturell bedingtes Konfliktpotenzial? Uns Frauen gegenüber begegnen sie äußerst höflich, respektvoll und schütteln uns auch ständig die Hände. Ich er-

lebe sie als ganz offen, sowohl dem hauptamtlichen als auch dem ehrenamtlichen Team gegenüber. Kleines Wunschkonzert am Schluss: Was, wenn du einen materiellen Wunsch frei hättest? Ein großes Thema ist die Mobilität innerhalb von Vorarlberg. Ich bin überzeugt, dass durch die äußere Bewegung auch „innere Bewegung“ entsteht – Beziehung zu Land und Leuten, ein Zugehörigkeitsgefühl, das viele Konflikte im Vorhinein gar nicht erst entstehen lässt. Wenn wir Flüchtlinge nicht ausgrenzen, sondern bewusst in die Mitte nehmen, „bewegt“ das ihre Einstellung zu uns und unserer Kultur positiv. Die 16 Euro pro Monat für ein Vmobil-Monatsticket für Asylwerber können sich unsere Jungs nicht leisten. Viele Ausflüge und Kurse sind aber nur bei entsprechender Mobilität machbar, ergo: vieles geht nicht, weil dies fehlt. Da würde ich mir eine Lösung wünschen, vielleicht 37 „Mobilitätspartner“, die als Paten fungieren und für jeweils einen Jugendlichen das Monatsticket übernehmen. Oder ihnen den Erwerb eines Maximo-Tickets ermöglichen. Die 80 Euro im Jahr wären für sie über das Taschengeld finanzierbar, aber der Maximo-Tarif ist derweil leider nur Schülern vorbehalten.


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Von Island zu Isidor

Hauptberuflich ist Günther Frick (59) aus Dafins Texter und Vermieter von Ferienwohnungen. Und nebenbei einer, der sich wehrt, wenn vermeintliche Respektspersonen, Behörden oder andere Obrigkeiten Gesetze oder Vorschriften unrechtmäßigerweise zu ihren Gunsten interpretieren. Für die marie hat er eine Satire rund um eine Radarbox verfasst. Fotos: Frank Andres

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as Böse ist immer und überall und meist für den ängstlichen Bürger auf Anhieb gar nicht zu erkennen. Deshalb muss die Obrigkeit für ihn denken. So auch im Ortsteil Oberberg von Dafins, wo die Gemeindeverantwortlichen trotz Ebbe in der Gemeindekassa keine Kosten und Mühen gescheut haben, einen hochriskanten Straßenabschnitt nachhaltig zu entschärfen. Still und stumm, wie das Männlein im Walde, in diesem Fall am Straßenrand neben den Abfallcontainern, steht deshalb Isidor, der Raubritter mit dem scharfen Fotorohr, der jeden blitzt, der schneller unterwegs ist als ein Jogger. Morgens sind die Oberberger Kinder, die zur Schule oder in den Kindergarten gehen, jeweils zur gleichen Zeit in dieselbe Richtung unterwegs wie die Werktätigen, die vom Oberberg ins Tal fahren. Die banale Logik sagt jetzt: „Viele Kinder, viele Autos, also müssen die vielen Kinder vor den vielen Autos geschützt werden“. Aber genau das wäre eben zu banal und deshalb ist Isidor derart raffiniert platziert, dass er vor der 200 Meter entfernten Schule nicht die vielen Autos fotografiert, die sich in Richtung Schule bewegen, sondern mit stoischer Ruhe auf jene wartet, die morgens um halb acht vom Land herauf kommen. Dabei handelt es sich vornehmlich um Krankenschwestern, Polizisten und Eisenbahner, also Bevölkerungsgruppen, die bekanntermaßen gewohnheitsmäßig vom Nachtdienst nach Hause rasen. Diese wohl durchdachte Strategie der Gemeindeoberen kommt aus der Terrorismusforschung, wo man immer schon wusste, dass die größten Gefahren von Einzeltätern ausgehen. Einer dieser Einzeltäter, dem Isidor das Handwerk endgültig gelegt hat, war der Austräger eines landauf, landab bekannten Printmediums. Gleich viermal innerhalb einer einzigen Woche wurde sein unsäglicher Geschwindigkeitsrausch um halb fünf Uhr morgens fotografisch festgehalten. Diese kontinuierliche Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h um mehr als 11 km/h und die damit verbundene böswillige Gefährdung der späten Heimkehrer und frühen Jogger am Oberberg kam ihn mit insgesamt 180 Euro richtig teuer zu

Verkehrshölle Dafins-Oberberg.

stehen. „So viel verdiene ich doch gar nicht“, meinte der Serientäter und quittierte seinen Dienst beim Zeitungsverlag, was zur Folge hatte, dass die Dafinser einige Wochen lang nicht mehr darüber informiert waren, wer denn nun am Land unten gestorben war. Allerdings zeitigt Isidor auch unerwünschte soziale Folgen, indem er in Dafins eine schon längst abgeschafft geglaubte Zweiklassengesellschaft zumindest im Verkehrsbereich wiederbelebt. „Es ist immer dasselbe“, beschwert sich ein Einwohner des Unterbergs, der an der Landesstraße wohnt, auf der Tempo 50 gilt. Die Gestopften, die ohnehin schon oben sind, kriegen jetzt auch noch mehr Sicherheit.“ Dem Bürgermeister von Zwischenwasser ist diese Problematik durchaus bewusst. Er würde ja gerne den Unterberg auch vor Rasern bewahren, aber das geht leider nicht, weil die Straßenverkehrsordnung nicht vorsieht, dass Gemeinden auf Landesstraßen Kontrollen durchführen. Deshalb hat er jetzt einen Fernkurs für Verwaltungsrecht gebucht, nach dessen Abschluss er beim Europäischen Gerichtshof beantragen will, dass die Gemeinde Zwischenwasser im gesamten Bundesgebiet und der angrenzenden Schweiz einen Isidor aufstellen darf. Böse Zungen im Dorf behaupten, dass Isidor gar nicht der Sicherheit wegen angeschafft wurde, sondern deshalb, weil der frühere, ziemlich nachhaltig angehauchte Bürgermeister den Notgroschen der Gemeinde naturnah auf einer atlantischen Schatzinsel deponiert hatte. Nachdem ein guter Teil des guten Geldes mittlerweile entweder in einem Geysir verdampft ist oder von Ponys gefressen oder noch schlimmer von einem gierigen Troll entwendet wurde, sei es naheliegend, dass der automatisierte Raubritter genau dort aufgestellt wird, wo er nach dem bösen, kapitalistischen Motto „die Menge macht’s“ bestmögliche Wirkung entfalten kann. Aber wie gesagt, das ist nur ein Gerücht und das glaubt ohnehin keiner. Ein streitbarer Geist: Unternehmer und Journalist Günther Frick aus Dafins.

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Mittendrin in V

TIERISCHE BEGLEITER Im den Sozialeinrichtungen dowas in Bregenz, Caritas-Café in Feldkirch und Do it Yourself in Bludenz geht es mitunter ganz schön tierisch zu. Die marie hat vier Besucher gemeinsam mit ihren Hunden zum Fototermin gebeten und mit ihnen über das Zusammenleben geplaudert. Eine Fotoreportage von Frank Andres.

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Arne Schmidle (60) aus Schwarzach und Retriever-Schäfer-Appenzeller-Mix Lena (fast 9 Jahre): Ich habe Lena bekommen, als sie vier Monate alt war. Wenn ich sie nicht genommen hätte, wäre sie im Tierheim gelandet. Das wollte ich nicht. Lena ist sehr auf Menschen bezogen und eine echte Kampfkuschlerin. Sie kann aber auch ein richtiges Schlitzohr sein. Lena und ich sind 24 Stunden am Tag zusammen. Ihre einzige Tabuzone ist mein Bett. Lena liebt es im Schnee herumzutollen. Sie mag auch längere Wanderungen. Ich bin mit ihr schon von Schwarzach nach Luzern und von Luzern nach Genf gewandert.

Jürgen Sonderegger (50) aus Bregenz und Labrador-Mix Arco (12 Jahre): Arco hat schon viel mitgemacht. Er hatte vor mir schon viele Besitzer und ist im Tierheim gelandet. Vor sieben Jahren hätte er sogar eingeschläfert werden sollen. Da habe ich ihn aufgenommen. Am Anfang war es schwierig mit ihm, aber jetzt sind wir ein eingespieltes Team. Arco liebt Schokolade über alles. Und wenn er mit mir in der Stadt unterwegs ist, bekommt er von anderen immer „Gutzele“. Arco hat leider Arthrose bekommen und kann nicht mehr richtig Treppen steigen. Jetzt suchen wir gemeinsam eine ebenerdige Wohnung.


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Stefan Konecnik (43) aus Bludenz und Malteser-Mix Susi (1 Jahr): Susi ist zu mir gekommen, als sie noch ein Welpe war. Ich musste sie am Anfang sogar mit der Flasche aufziehen. Darum ist sie wahrscheinlich jetzt auch besonders anhänglich. Wenn Susi jemanden kennt, stürmt sie gleich auf das Gegenüber zu und will gestreichelt werden. Susi und ich gehen täglich spazieren. Ich selbst habe keine Kinder. Susi ist deshalb irgendwie ein Kinderersatz für mich. Und selbstverständlich darf die verwöhnte junge Dame mit mir ins Bett. Ich würde sie niemals hergeben wollen.

Karin Rauchegger (26 Jahre) aus Sulz und LanghaarChihuahua-Pekinsesen-Mops-Mix Jimmy (6 Jahre): Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich Jimmy mit nur zehn Wochen bekommen habe. Er darf überall mit mir mit, auch in mein Bett. Dann kuschelt er sich unter die Decke und schläft friedlich. Weil er am Anfang zu dominant war, musste ich ihn kastrieren lassen. Jetzt ist er ein kleines, verwöhntes Pummerle. Er liebt es, Vögel zu jagen, aber ohne Erfolg. Ich bin mit ihm den ganzen Tag zusammen. Wenn Jimmy allein zuhause wäre, würde er nur heulen. Wenn es kalt ist, lege ich ihm ein Mäntelchen an.


Durch die Trockenheit verenden zuerst die Pflanzen und dann die Tiere.

Dritter Anlauf: Nach zwei Ernteausfällen ruht die letzte Hoffnung auf den Setzlingen, die von der Caritas bereitgestellt wurden.

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Die Sehnsucht nach Wolken am Himmel Der Ausfall von zwei Ernten führte jetzt zu massivem Hunger. Acht von zehn Menschen sind direkt vom Ertrag der Felder und Viehzucht abhängig. Wetterextreme lassen Kinder hungern und leiden Zunächst die monatelange Dürre, dann Unwetter und wieder Trockenheit. Trotz vieler Fortschritte in der Eigenversorgung führte diese Wettersituation der vergangenen Monate die Menschen in vielen Regionen Äthiopiens an den Rand einer Hungersnot. Vor allem Kleinkinder und schwangere Frauen sind durch Mangelernährung und Hunger von massiven gesundheitlichen Schäden bedroht. „Ohne Soforthilfen kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Hunger viele MenschenleBezahlte Anzeige

Caritasmitarbeiter Michael Zündel war vor Ort im Einsatz, um die verzweifelten Mütter zu unterstützen.

ben fordert“, so Yetenayet Testaye, lokale Programm-Koordinatorin für die Hungerhilfe der Caritas Äthiopien.

um internationale Mithilfe gebeten und unterstützt die Hilfsmaßnahmen vor Ort.

Mehr als vier Millionen Kinder von Hunger bedroht

Obwohl das Land wirtschaftlich im Aufschwung ist, leiden die Menschen unter den außerordentlichen Veränderungen der Wetterlagen. Acht von zehn Menschen sind direkt vom Ertrag der Felder und der Viehzucht abhängig. Ausgetrocknete und verseuchte Wasserstellen, verdorrte Pflanzen auf den Feldern, Saatgut, das in der Not aufgegessen wird, anstatt auf den Feldern für die nächste Ernte ausgebracht zu werden, prägen das Bild in dieser Region.

Nach dem Ausfall der Ernten im vergangenen Herbst und der langen Trockenheit war bereits klar, dass ohne zusätzliche Hilfe von außen viele Menschenleben bedroht sind. Geschätzt rund vier Millionen Kinder – insgesamt zehn Millionen Menschen – sind durch die Wetterextreme in eine Hungersituation geraten. Auch die äthiopische Regierung hat


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Bei Kleinkindern führt Unternährung zu lebenslangen Gesundheitsschäden.

„Rot“ bedeutet gefährlicher Mangel

So kann Vorarlberg jetzt helfen Nach der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren sind viele Kinder, Frauen und Männer auf Nahrungshilfe bis zur nächsten Ernte im Herbst angewiesen. Ernährung für Kleinkinder und Schwangere

Ernährungsprogramm für Schulkinder

Kleintiere und Saatgut

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Wie soll eine Mutter ihr Baby ausreichend stillen können, wenn sie selbst Hunger leidet? Tausende Mütter sind in vielen Regionen Äthiopiens verzweifelt. Almaz ist eine dieser Mütter. Wir lernten sie bei der Verteilung von Spezialnahrung für Babys und Kleinkinder kennen. „Es ist ein Geschenk des Himmels und keinen Tag zu früh“, dankt sie der CaritasMitarbeiterin. 4,5 Kilogramm Aufbaunahrung sichern ihrem Baby im nächsten Monat das Überleben.

15 Euro ernährt ein Kleinkind einen Monat mit Spezialnahrung.

Ein großer Teil der 800 Kinder, die die drei Missionsschulen in der Region Borana besuchen, hat einen Schulweg von über zwanzig Kilometern täglich zurückzulegen. Diesen langen Fußmarsch meist mit leerem Magen zu gehen, das schaffen die Kinder nicht. Seit Februar dieses Jahres gibt es für alle Kinder in den Missionsschulen ein warmes Mittagessen. Das ermöglicht hunderten Kindern überhaupt erst die Chance zum Schulbesuch.

25 Euro lindern den Hunger von Schülern einer Klasse.

Die Zeit zu helfen ist knapp. Wir brauchen jetzt Ihre Hilfe! Spenden online unter www.caritas-vorarlberg.at oder Raiba Feldkirch IBAN: AT32 3742 2000 0004 0006 Danke! Bezahlte Anzeige

Viele Kleinbauern hatten schlichtweg keine andere Wahl: Nach dem Ausbleiben der Ernte waren sie gezwungen, ihre Tiere – Schafe, Ziegen, Hühner und Ochsen – zu verkaufen, beziehungsweise zu schlachten; wissend, dass dies ihre prekäre Situation längerfristig noch zusätzlich verschärft. Neben der Bereitstellung von Saatgut sind Nutztiere eine wichtige Basis um zu überleben und für künftige Dürreperioden gewappnet zu sein.

50 Euro um verlorenes Kleinvieh einer Bauernfamilie zu ersetzen.


Mittendrin in V

„ES IST NICHT EINFACH“

24-StundenBetreuerin: Der Mensch dahinter

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Sie betreuen unsere Omas und Opas in deren gewohntem Umfeld, schenken ihnen Zeit und Zuneigung: die 24-Stunden-Betreuerinnen aus Osteuropa. Drei Wochen arbeiten und leben sie bei der betreuten Person, dann kehren sie für drei Wochen in ihre Heimat zurück. Nach diesen 21 Tagen gehen sie wieder ihrer Arbeit in Vorarlberg nach, und so wiederholt sich der Drei-WochenRhythmus. Immer im Wechsel mit einer zweiten 24-Stunden-Pflegerin, sodass der ältere Mensch 365 Tage im Jahr rund um die Uhr betreut ist. 24-StundenBetreuerinnen sind aus dem Pflegesystem Vorarlbergs nicht mehr wegzudenken, ihre Zahl steigt rapide (siehe Factbox Seite 27). Für die pflegenden Frauen bedeutet dies: Sie führen ein Leben an zwei Orten, in zwei Welten. Sie sind insgesamt die Hälfte des Jahres von ihrer eigenen Familie getrennt. Drei 24-Stunden-Betreuerinnen erzählen der marie ihre Geschichten als Ehefrauen und Mütter. Texte: Elisabeth Willi Fotos: Petra Rainer

Adina Dragan stammt aus Rumänien und ist eine gläubige Frau.

Die Rumänin Adina Dragan (41) geriet in finanzielle Schwierigkeiten und arbeitet deshalb als 24-Stunden-Betreuerin. Die Trennung von der Familie ist nicht immer einfach, vor allem an besonderen Tagen wie Weihnachten oder wenn jemand zuhause krank ist. Die marie trifft Adina Dragan (41), 24-Stunden-Betreuerin, in einem Café am Blauen Platz in Lustenau. Sie arbei-

ZWEITES ZUHAUSE ANDELSBUCH

Ein Handyfoto von Katarína Juhássovás Enkel in der Slowakei (li.) Die Slowakin ist Betreuerin von Theresia Geser.

Weil sie nach 32 Jahren Arbeit bei der slowakischen Eisenbahn etwas anderes tun wollte, wurde die Slowakin Katarína Juhássová (54) 24-Stunden-Betreuerin in Vorarlberg. „Ich finde das Leben an zwei Orten normal und schön“, sagt sie. Katarína Juhássová (54) aus der Slowakei ist eine der beiden 24-Stunden-Betreuer­ innen von Theresia Geser (83) aus dem ehemaligen Gasthof Taube in Andels-


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tet und wohnt bei einer Familie in der Marktgemeinde. Besuche empfangen kann sie dort nicht, es ist nicht ihr Zuhause. Wie die meisten 24-Stunden-Betreuerinnen hat sie täglich zwei Stunden am frühen Nachmittag frei. Doch fix ist auch diese Pause nicht: Wenn die Familie etwas brauche, könne sie nicht weg, erzählt die rumänische Frau. Adina kommt aus Caransebes im Südwesten von Rumänien. 19 Jahre arbeitete sie dort als Sekretärin in einem Sportclub. Ab dem Jahr 2006 verdiente sie in ihrem Urlaub ein Zubrot als Altenpflegerin in Deutschland. Dann nahm sie für ihre Wohnung einen Frankenkredit auf. Lagen die ersten monatlichen Raten bei 150 Euro, sind sie mittlerweile auf 300 gestiegen. Von den 400 Euro, die Adina pro Monat verdiente, blieben ihr 100 zum Leben. Zu wenig. Deshalb beschloss die Mutter eines damals 13-jährigen Sohnes, in Vorarlberg zu arbeiten. In Rumänien zurück lässt sie ihre Familie, die aus Ehemann Doru (54),

Sohn Emanuel (15) und Adinas Mutter Anna (63) besteht. In den drei Wochen, in denen die 41-Jährige weit fort in Vor­ arlberg arbeitet, führt ihre Mutter den Haushalt und kümmert sich um die Familie. Das beruhigt Adina.

Jeder hat Heimweh

„Es ist nicht einfach“, beschreibt Adina ihr Wanderleben zwischen Vorarlberg und Rumänien. Vor allem dann, wenn jemand krank oder ein besonderer Tag wie Weihnachten oder Ostern sei. Oder wenn ihr Sohn Emanuel, der Volleyball in der Nachwuchs-Nationalmannschaft spielt, ein wichtiges Turnier bestreite und sie nicht dabei sein könne. Hat sie Heimweh? „Jeder Mensch hat Heimweh“, meint die Rumänin, die jeweils 22 Stunden im Bus von Rumänien anreist. Dennoch lebt sie gerne in Vorarlberg, sagt sie. Kontakt mit der heimischen Bevölkerung hat sie kaum, ihre Freundinnen im Ländle sind andere 24-Stunden-Betreuerinnen. In den zwei Stun-

den, die sie täglich frei hat, trifft sie sich mit ihnen meist im Zentrum von Lustenau. Oder sie geht einkaufen, wenn es Sonderangebote gibt. Zu ihrer ersten Familie kam Adina 2014 nach Feldkirch. Nur zwei Wochen später starb die betagte Frau. Daraufhin betreute die Rumänin die Mutter von Helmut Köb in Wolfurt, der selbst eine Agentur zur Vermittlung von 24-Stunden-Betreuerinnen führt. „Das war eine schöne Zeit“, erzählt Adina. Doch nach knapp einem Jahr verschied auch diese Frau. Die nächste Arbeit währte ebenfalls nur kurz, und seit zehn Monaten betreut Adina einen älteren Mann in Lustenau. Wenn die Betreuten sterben, sei dies nicht immer leicht. „Man ist die Menschen gewohnt und macht die Arbeit mit Liebe.“ Auch manche Familien seien ihr ans Herz gewachsen. Bis ihr Frankenkredit abbezahlt ist, möchte sie hier noch arbeiten. Das dürfte in etwa fünf Jahren soweit sein. / 25

buch. Ein typischer Tag der beiden verläuft so: Gegen 8 Uhr weckt die Pflegerin die ältere Frau, hilft ihr bei der Morgentoilette und beim Anziehen. Nach dem gemeinsamen Frühstück liest die 83-jährige die Zeitung und ist zufrieden, wenn sie im selben Raum wie Katarína sein kann, die Hausarbeiten erledigt. Bleibt vormittags noch Zeit, spielen die beiden ein Spiel oder gehen spazieren. Von halb zwölf bis halb eins wird Mittag gegessen, dann hält die Bregenzerwälderin „ein bitzle Mittagsschlaf “, wie die Slowakin sagt. Sie hat nun von 13 bis 15 Uhr frei. Danach genießen die beiden Frauen Kaffee und Kuchen, plaudern oder spielen. Es folgt ein Spaziergang, und bei Schönwetter sitzen die beiden draußen „am Bänkle“. Nach dem Abendessen schauen sich Katarína und Theresia Fotoalben an, lesen oder spielen gemeinsam. Um 20 Uhr geht die ehemalige Taubenwirtin zu Bett. Katarína liest nun, strickt oder surft im Internet. Außerdem telefoniert sie jeden Abend mit ihrem Ehemann

in der Slowakei per Skype. Theresia ist wie eine Oma für Katarína. Wenn die Betreuerin nach drei Wochen Heimaturlaub zurückkehrt, wartet die Andelsbucherin bereits auf sie, lacht bei ihrem Anblick und ruft: „Katarína!“ Die Beziehung als 24-Stunden-Pflegerin zum betreuten Menschen ist oft intensiv. Anders als Pfleger im Seniorenheim, hat sie nur einen Menschen zu umsorgen.

Neuanfang mit 49

Seit vier Jahren arbeitet Katarína in dem Beruf in Österreich. Zuvor war sie 32 Jahre bei der Eisenbahn in der Slowakei beschäftigt. Als 49-Jährige beschloss sie: „Nun möchte ich etwas anderes tun.“ Sie begann Deutsch sowie Altenpflege zu lernen. Durch eine Agentur fand sie dann schnell eine Stelle in Vorarlberg. In den ersten drei Jahren arbeitete sie bei einer anderen Frau in Andelsbuch. Nach deren Tod begann sie im Juni 2015, Theresia – die ledig und kinderlos ist – zu betreuen. „Ich

mag meine Arbeit“, sagt die Slowakin. Zuhause in der Ostslowakei leben ihr Ehemann Alexander (58) und dessen Mutter Margit (93) gemeinsam in einem Haus mit einem großen Garten. Ihre Tochter Viktoria (33) und Enkel Tomas (9) wohnen 20 Kilometer entfernt. Wie kommt Katarína mit der jeweils dreiwöchigen Trennung klar? „Es gehört zu meinem Leben, und das muss ich so annehmen.“ Dennoch vermisst sie ihre Familie. Und umgekehrt. „Wenn ich daheim bin, wollen alle ein Stück von mir“, erzählt sie. In den drei Wochen unternimmt sie möglichst viel mit ihren Lieben. Und danach freut sie sich auf Andelsbuch und Theresia. „Ich fühle mich hier ebenfalls zuhause“, sagt die Slowakin. Ihr gefallen das Dorf, die Natur, sie mag die Menschen und sie hat Freundinnen unter den anderen 24-Stunden-Betreuerinnen, die in der Region arbeiten. „Für mich ist dieses Leben an zwei Orten normal und schön.“


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24-STUNDENBETREUERIN BEI OPA

Meine Jahresspende beträgt:  60,- Euro (Mindestbeitrag für Schüler/Studenten/Senioren)  100,- Euro 

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Datum/Unterschrift

Meine Adresse:

Name, Vorname

Straße, Nr.

Emi Mačingová und ihre Töchter Ema und Lenka. Sie liebt Orchideen.

PLZ, Ort

Telefon

26 / E-Mail

Emi Mačingová (41) aus der Slowakei erlebte schwierige Zeiten als 24-Stunden-Betreuerin, weil sie zwei kleine Töchter in ihrer Heimat zurücklassen musste. Mittlerweile arbeitet und lebt sie mit den Mädchen ganzjährig bei einem 84-jährigen Mann in Lustenau. Als die Slowakin Emilia Mačingová (41) im Jahr 2005 zum ersten Mal den Bodensee und die Berge in Vorarlberg sieht, ist sie von der landschaftlichen Schönheit begeistert: „Hier möchte ich eines Tages mit meiner Familie leben.“ Ihr Traum soll sich acht Jahre später er-

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Ein neues Angebot soll Jugendlichen ab 17 Jahren helfen, ihre Talente und Potenzial zu erkennen, um dann die richtige Berufswahl zu treffen: mit dem acht Monate dauernden Orientierungsformat KernJahr. KernJahr findet von 3. Oktober 2016 bis 31. Mai 2017 statt. Am 5. Juli, 15 bis 18 Uhr, wird im Büro Vielfeld in Lochau ein Infotag abgehalten. Anmeldung und Infos unter www.kernjahr.at


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füllen. Die Zeit dazwischen ist aber alles andere als traumhaft: Wegen ihrer Arbeit als 24-Stunden-Betreuerin muss sie alle drei Wochen Abschied von ihren beiden kleinen Töchtern in der Slowakei nehmen. „Für eine Mama ist das ganz, ganz schlimm“, sagt sie. Emilia – Emi genannt – stammt aus Košice, der zweitgrößten Stadt der Slowakei. Als die gelernte Buchhalterin und ihr Ehemann in finanzielle Schwierigkeiten geraten, bleibt als einziger Ausweg: der Job in Österreich. Die junge Mutter bringt sich selbst die Grundlagen der deutschen Sprache bei und besucht Kurse, um die neue Arbeit zu erlernen.

Quälende Sehnsucht

2005 tritt sie ihre erste Stelle in Vorarl­ berg an. Obwohl sie von der Familie freundlich behandelt wird, ist die Situation für die Betreuerin sehr belastend. Die jeweils dreiwöchige Trennung von ihrer damals zweijährigen Tochter Ema schmerzt sie sehr. Sie zählt die Tage bis zur Heimkehr wie ein Gefängnisinsasse, der darauf wartet, freizukommen. Als Emi im Jahr 2007 mit ihrer zweiten Tochter schwanger ist, weiß sie: So

Zahlen und Daten 24-StundenBetreuerinnen Rund 90 Prozent aller Pflegebedürftigen in Vorarlberg, die eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch nehmen, erhalten dafür einen finanziellen Zuschuss des Sozialministeriumsservice in Bregenz. Aktuell sind dort 2411 Betreuerinnen registriert. Zudem arbeiten einige wenige schwarz. Die Zahl der 24-Stun-

kann es nicht weitergehen. Sie beendet die Arbeit hier und kehrt ganz in ihre slowakische Heimat zurück. Um dort leichter einen Job zu bekommen, beginnt sie ein technisches Studium, schließt mit dem Bachelor ab – und schlittert in die nächste Krise. „Ich hatte keine Chance, eine Arbeit zu finden. Nicht einmal als Putzfrau im Krankenhaus.“ Der Grund: „Bei uns gibt es sehr viel Korruption. Man braucht Kontakte.“ Und wieder bleibt nur ein Ausweg: die 24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg. Nun muss Emi zwei Mädchen – Lenka ist drei, Ema sieben Jahre alt – für jeweils drei Wochen zurücklassen. Der Papa und die Schwiegereltern kümmern sich um die Kinder, aber Emi ist überzeugt: „Eine Mama kann man nicht ersetzen.“ Sie stürzt sich in Arbeit. Dadurch hat sie keine Zeit, über ihre Situation nachzudenken. Nebenbei studiert sie erneut an der Universität, um mit dem Diplomingenieur abzuschließen. Zusätzlich bildet sie sich an einer slowakischen Krankenpflegeschule weiter. 2012 beginnt Emi bei dem Mann in Lustenau, wo sie heute mit ihren Kindern wohnt, als 24-Stunden-Betreue-

rin zu arbeiten. In den Ferien darf sie die Mädchen mitbringen. „Das war so schön“, schwärmt die Slowakin. Immer stärker wird ihr Wunsch, mit ihrer Familie in Vorarlberg zu leben. Ihre Kinder und ihr Ehemann sind einverstanden, und so ziehen sie im August 2013 in das Nachbarhaus des Mannes, den Emi betreut. Doch nicht lange währt das neue Glück: Emi und ihr Mann lassen sich scheiden. Er kehrt in die Slowakei zurück. Sie zieht mit den Mädchen in das Haus ihres Schützlings. Der 84-Jährige ist für sie wie ein Vater, für die Kinder wie ein Großvater. „Opa“ nennen ihn die drei. Hier arbeitet Emi nach wie vor. Der „Opa“ ist ein bisschen pflegebedürftig, wie die Neo-Lustenauerin sagt. „Mit den Kindern ist Leben ins Haus gekommen. Für alle ist das eine gute Lösung“, erklärt sie. Wenn „Opa“ eines Tages nicht mehr lebt, muss Emi eine neue Wohnung und Arbeit suchen. Für den Moment aber zählt für die Mama, die so lange von ihren Kindern getrennt leben musste: „Ich bin so glücklich. Ich besitze kein Vermögen, aber was nützt das viele Geld, wenn man unglücklich ist?“

den-Betreuerinnen steigt stark. Im Jahr 2007 waren nur ca. 600 Betreuerinnen gemeldet – heute sind es viermal so viel. Die Pflegerinnen stammen vorwiegend aus Rumänien und der Slowakei, manche aus Polen. Die 24-Stunden-Betreuung ist nicht gänzlich in weiblicher Hand: Knapp 5 Prozent sind männlich. Einige der Frauen sind hochqualifiziert: Sie sind Ärztinnen, Ingenieurinnen etc., finden in ihrer Heimat aber keinen Job.

Die Bezahlung erfolgt durch einen Tagsatz von 45 bis 100 Euro. Durchschnittlich werden um die 70 Euro pro Tag bezahlt. Dazu kommen die Fahrtkosten in der Höhe von 100 bis 200 Euro. Die Betreuerinnen haben ein Gewerbe als selbstständige Personenbetreuerinnen in Österreich angemeldet und unterliegen hier der Einkommensteuerpflicht. Die meisten werden durch Agenturen vermittelt.

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Mittendrin in V

SOMMERLICH FRISCH Von 0,25 bis maximal 0,75 Euro pro Glas: Köstliche Sommerdrinks von Fabienne Landerer für die kleine Geldtasche.

Kalt gebrühter Haselnuss-Kaffee

Was in Amerika schon lange das neue In-Getränk ist, findet man seit geraumer Zeit auch bei uns. Das Spezielle daran ist, dass bei dieser Art von Kaffee keinerlei Hitze angewandt wird, so bleiben alle Aromen perfekt erhalten. Zutaten für 5 Gläser: • 5 EL Kaffepulver • 1 L Wasser • Rohrzucker • Haselnusslikör oder Haselnusssirup • Eiswürfel

Bananen-Zimt-Milchshake 28 /

Zutaten für 4-5 Gläser: • 3 reife Bananen • 2 TL Erdnussbutter • 2 TL Kakaopulver • 2 TL Rohrzucker • 750 ml Soja-, Hafer- oder Dinkelmilch • 1 TL Zimt

Zubereitung:

Die Bananen schälen und stückchenweise in den Mixer geben, alle weiteren Zutaten ebenfalls hinzugeben und mixen. Für den Extra-Frischekick, den Bananenshake auf Eiswürfel servieren.

Kräuter-Beeren-Eistee

Zutaten für 4-5 Gläser: • 4 Teebeutel Kräutertee mit Brombeerblätter • eine Handvoll gefrorene Beeren • 2 TL Rohrzucker • Wasser

Zubereitung:

1 Liter Wasser zum Kochen bringen, dann die Teebeutel und den Rohrzucker hinzugeben und den Tee für ca. 45 Minuten ziehen und erkalten lassen. Dann in jedes Glas einige gefrorene Beeren geben und mit Tee übergießen und servieren.

Zubereitung:

5 EL Kaffepulver und 2 TL Rohrzucker in eine 1-Liter-Flasche geben, mit Wasser auffüllen und für mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank geben. Den Deckel jedoch nicht komplett verschließen. Wenn der Kaffee serviert werden möchte, 2-3 Eiswürfel in ein Glas geben und den Kaffee direkt durch ein dünnmaschiges Sieb oder einen Kaffeefilter in das Glas gießen. Pro Glas 2 cl Haselnusslikör oder, für eine alkoholfreie Variante, Haselnussirup hinzugeben und eiskalt genießen.


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Fabienne Landerer kocht und fotografiert leidenschaftlich gerne. Sie ist 19 Jahre alt, in Vorarlberg aufgewachsen und reist jetzt nach der Matura für ein Jahr in Europa herum. Sie verzaubert uns auch aus dem Ausland mit kunterbunten Rezepten. Aus ethischen und ökologischen Gründen verzichtet sie auf tierische Produkte.

KUNTERBUNTER SOMMERSALAT

Für 2 Personen. Kostet pro Person zirka 1,80 Euro, 2,30 Euro, wenn Sie Bio-Lebensmittel verwenden.

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Zutaten für 2 Personen:

• 8-10 große Blätter grüner Blattsalat • eine Zucchini • 3 Tomaten • ein Glas Kichererbsen • eine Karotte • eine kleine Zwiebel • eine Handvoll gehackter Mandeln • ein Zweig frischer Rosmarin • Olivenöl • 1 EL Zitronensaft • 1 TL brauner Zucker • ein TL Senf • Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Den Salat, die Tomaten, Karotte und Zucchini waschen und klein schneiden. Die Salatblätter und die Tomatenstückchen in eine Schüssel geben. Dann in einer Pfanne bei mittlerer Hitze die Zucchini, die Karotte und eine klein geschnittene Zwiebel einige Minuten mit etwas Olivenöl anbraten bis sie leicht braun sind, dann ebenfalls in die Schüs-

sel geben. Die Kichererbsen abtropfen und hinzugeben. Für das Dressing den Rosmarin klein hacken und in einer kleinen Schüssel mit 3 EL Olivenöl, 1 EL Zitronensaft, einem TL Senf, einer Prise Salz und Pfeffer und einem TL Zucker mischen und über den Salat geben. Die gehackten Mandeln darüber streuen und genießen.


Mittendrin in V

„Ich habe mich oft in den Rollstuhl gewünscht“ Helmut Weissenbacher aus Hohenems ist einer von 400 Vorarlbergern, die Multiple Sklerose haben. Der marie erzählt der 56-Jährige zum ersten Mal, wie die Krankheit sein Leben verändert hat. Text: Helmut Weissenbacher Foto: Frank Andres

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ch heiße Helmut Weissenbacher, wohne in Hohenems, bin 56 Jahre alt und lebe seit 15 Jahren mit meiner Multiplen Sklerose (MS). Ich möchte nicht nur über den Werdegang meiner Krankheit schreiben, sondern vor allem über mein Leben seit der Diagnose. Es begann mit Lähmungserscheinungen in der rechten Hand und im rechten Arm. Nach fünf Wochen im Landeskrankenhaus Rankweil 2001 teilte mir mein Arzt folgenden Befund mit: „Herr Weissenbacher, Sie haben, so wie es die Befunde zeigen, MS. Bestätigt werden kann das erst endgültig beim nächsten möglichen Schub.“

Nur nicht darüber nachdenken

Ich wusste, was das bedeuten kann, und ich ging an diesem Tag wie betäubt zu meinem Auto. Ich sah vor mir Krankheit, Behinderung, Rollstuhl, Tod und fuhr stundenlang ziellos herum. Ich vergrub mich in Arbeit, flüchtete in Alkohol und andere Oberflächlichkeiten. Meine Devise war: Nur nicht darüber nachdenken. Doch vor Weihnachten wurde ich regelrecht wachgerüttelt. Mein Bein lahmte, und die Sehkraft war auch sehr merkwürdig. Also ging ich wieder ins Spital und bekam Infusionen. Da begann ich auch erstmals mental an mir zu arbeiten, weil ich gefühlt habe, dass ich der MS nicht ausweichen, geschweige denn von ihr davonlaufen kann. Zum Glück bin ich ein positiver, lustiger Mensch. Ich setzte mich mit Tod und Sterben auseinander, aber auch mit dem Leben. Denn Leben und Tod gehören unmittelbar zu-

Helmut Weissenbacher ist eine Kämpfernatur Er lässt sich von seiner MS, die bei ihm vor 15 Jahren diagnostiziert wurde, nicht unterkriegen.

einander. Das habe ich damals erkannt. Es folgten weitere Krankheitsschübe. Ich lehnte sämtliche Medikamente ab. Stattdessen suchte ich Kontakt zu anderen MS-Kranken und tauschte mit ihnen meine Erfahrungen aus. Die Krankheit wurde immer schlimmer. Es folgte Schub auf Schub.

Leben komplett umgestellt

Mein damaliger Arzt konnte mich schließlich Ende 2004 davon überzeugen, eine 24-monatige Therapie zu machen. Das hat mir wirklich geholfen. Und das alles fast ohne Nebenwirkungen. Aber durch die Krankheit musste

ich mein Leben komplett umstellen. Ich durfte nicht mehr Auto fahren, konnte nicht mehr Tennis spielen, weil meine Sehkraft stark eingeschränkt war. Zeitweise litt ich an Inkontinenz und hatte Sexualprobleme. Meine rechte Hand begann stark zu zittern. Meine Haut reagierte überempfindlich. Selbst leichte Berührungen durch Kinderhände fühlten sich schmerzhaft an. Mittlerweile kann ich mit den körperlichen Folgen meiner MS umgehen. An Muskelspasmen und das Gefühl, kein Bein mehr zu haben, habe ich mich gewöhnt und kann damit gut umgehen. Auch mit meiner Dysphasie, das heißt


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falsche Namen zu sagen bzw. die richtigen Worte nicht zu finden, lebe ich mittlerweile lächelnd. Alle diese Beschwerden kommen und gehen. Die Symptome sind bei jedem MS-Kranken unterschiedlich. Deshalb nennt man sie auch die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“. Die unausweichlichen körperlichen Schäden und Ausfälle durch die MS sind nicht einmal so schlimm. Viel schlimmer sind die Streiche, die mir die Psyche spielt. Ich sitze dann manchmal da, will etwas tun und kann es nicht, so sehr ich es auch will. Ich habe zum Beispiel einen Termin, der schon seit Wochen feststeht. Ich stehe am Morgen auf, gehe duschen, ziehe

„Es ist ein täglicher Kampf, sich innerlich sehr krank zu fühlen, nach außen hin aber völlig gesund zu erscheinen.“ mich an und auf einmal geht nichts mehr. Ich sitze nur da. Und das kann ganz überraschend, ohne Vorwarnung passieren. Dieses Gefühl von geistiger, emotionaler und körperlicher extremer Erschöpfung (Fatigue) lauert immer auf mich. Es schleicht sich heimtückisch an und überfällt mich ganz überraschend. Egal, ob es mir in diesem Moment gut oder schlecht geht. Es ist immer da, und das ist entsetzlich.

Aus dem Berufsleben gerissen

Es ist ein täglicher Kampf, sich innerlich sehr krank zu fühlen, nach außen hin aber völlig gesund zu erscheinen. Und da wünsche ich mir, mein altes, gesundes Leben zurück. Denn diese

Erfahrung musste ich auch machen: Sobald ich nicht mehr gesund und voll leistungsfähig war, begann sich die Gesellschaft von mir abzuwenden. Obwohl ich derselbe Helmut geblieben bin. Oder bin ich doch ein anderer geworden? Die MS riss mich auch vor acht Jahren aus meinem Berufsleben. Danach konnte ich zwar bei einem Freund geringfügig arbeiten, doch das wurde mir zu viel. Dieses Damoklesschwert der Ungewissheit, was kommt noch, wie wird mein Leben weitergehen, das hängt über mir und allen anderen Betroffenen. Und es hängt auch über meinen Angehörigen. Ich habe eine wundervolle Partnerin und Kinder, die diese Krankheit nicht überbewerten, sondern sie einfach ernst nehmen. Ohne Mitleid, das kein MS-Kranker will. Eine Bekannte sagte einmal zu mir: „Von anderen besiegt und zermürbt werden, ist eine Sache, aber vom eigenen Körper und Geist geschlagen werden – DAS IST MS!“ Durch die MS habe ich den Kontakt zu meiner Tochter verloren. Das schmerzt mich noch heute sehr. Obwohl dafür sicher auch andere Kriterien und Menschen verantwortlich waren, habe ich mich egoistischerweise mit meiner MS derart intensiv beschäftigt, dass ich übersehen habe, dass ein junger Mensch seinen Vater braucht. Ich erzähle meine Geschichte, auch in Gedenken an meine erste Frau, die letztes Jahr mit 56 Jahren an ihrer MS gestorben ist. Eines möchte ich aber klarstellen: MS ist weder ansteckend noch vererblich. Unsere Geschichte war und ist eine, die das Leben geschrieben hat. Leni wurde auf Grund von Unkenntnis bzw. falscher Info über MS sehr oft Unrecht getan.

Will ernst genommen werden

Wir MS-Kranken wünschen uns nichts sehnlicher, als ernst genommen werden, wie jeder gesunde Mensch. Uns sieht man nicht immer an, wie es uns geht. Aber mich persönlich, und ich weiß es auch aus Gesprächen mit anderen MSlern, verletzt es oft sehr, wenn wir gesagt

bekommen: „Du hast doch gar nichts“ oder „Jetzt reiß dich mal zusammen. Da gibt es doch sicher ein Medikament.“ Ich habe mich früher in den Rollstuhl gewünscht, so schrecklich das klingt. Damit die Krankheit sichtbar wird und ich nicht als Simulant abgestempelt werde. Abschließend kann ich nur sagen, ich habe mit meiner MS weitestgehend Frieden geschlossen, hin und wieder „streiten“ wir, wie es halt in Beziehungen vorkommt. Aber wir leben gut zusammen, weil wir uns mittlerweile ganz normal „ernst“ nehmen.

FAKTEN ZUM THEMA MS Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass das eigene Immunsystem das Nervensystem schädigt. In der Entstehung spielen sowohl genetische Mechanismen als auch Umweltfaktoren, wahrscheinlich Infektionen, eine Rolle. Die MS gilt aber nicht als genetische Erkrankung im eigentlichen Sinn und ist auch nicht ansteckend. Die Erkrankung Multiple Sklerose wird häufig auch als Krankheit mit den tausend Gesichtern bezeichnet, da sie bei jedem Betroffenen einen anderen Verlauf nimmt. Häufige Frühsymptome der MS sind Sehstörungen, leichte Lähmungen, Gefühlsstörungen, Koordinationsstörungen oder auch Gangunsicherheit. MS zu haben bedeutet keinesfalls, zwangsläufig im Rollstuhl sitzen zu müssen. Weniger als ein Drittel der MS-Kranken mit schubartigem Verlauf benötigen nach 20 Jahren einen Rollstuhl. Da die Multiple Sklerose so vielgestaltig ist, ist die Diagnose gelegentlich schwer zu stellen. Die Wirksamkeit der Behandlung ist oft nicht sicher einzuschätzen und der Verlauf schwer prognostizierbar. MS ist keine tödliche Krankheit. Die meisten Betroffenen leben genauso lange wie gesunde Menschen.

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Mittendrin in V

„In der Mode geht es mir um Werte. Wertlos ist für mich gar nichts. Im Gegenteil, man kann aus so Vielem wieder Wertvolles produzieren, es aufwerten und neu bewerten.“

Resteverwertung kann modisch ungeahnt viel Spaß machen.

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MÜLL MACHT MODE Den Stoff aus dem die Träume sind, findet die Dornbirnerin Evelyne Fricker abseits der gewohnten Fashion Pfade. Ihr Arbeitsalltag ist ein Gegenmodell zur Wegwerfgesellschaft, und sie liebt es, Gebrauchtem und scheinbar Überflüssigem neues Leben einzuhauchen: Fricker ist nicht nur Schneiderin, sie ist Textilkünstlerin mit Hang zur Nachhaltigkeit.

Text und Fotos: Rebekka Moser

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nternational ist sogenannte „Upcycling Mode“ seit Jahren angesagt, Kleidung und Accessoires werden nicht nur wieder verwertet, sondern durch besondere Ideen und Designs aufgewertet. Aus einem Hut wird eine Tasche, Knöpfe werden Ohrenringe und Hosen werden Röcke. Evelyne Fricker frönt dieser Leidenschaft schon seit Jahrzehnten und ist bei der Beschaffung ihrer Materialien mehr als erfinderisch. Es sind nicht nur gebrauchte alte Kleidungsstücke, die den Weg in ihr Atelier

finden, viele ihrer Ressourcen haben Historie. Übrig Gebliebenes aus Stickereien, falsch produzierte Stoffe von heimischen Firmen, Materialien aus Konkursmassen oder Reste von hier und dort, die nie verwendet wurden. Alles, was vom Fließband fällt, bevor es auf dem Catwalk landet oder daheim ausgemustert wurde, hat seinen besonderen Wert für Fricker. Wählerisch bei den Gratis-Rohstoffen darf man nicht sein. Im Gegenteil, es ist eine Herausforderung, „aus dem, was andere nicht mehr brauchen, etwas neues Schönes zu schaffen“. Der Zugang ist dabei nicht nur sehr

kreativ, sondern zeigt, dass Fricker aus einer künstlerischen Familie stammt. So schneidet sie im wahrsten Sinne des Wortes einen Nadelstreif-Anzug aus seinem Kontext – das, was einmal der Hosenbund war, zieht jetzt als Rocksaum eines Minirocks Blicke auf sich.

Kampf dem Einheitslook

Die Entwicklung eines Kleidungstückes ist genau das, was die ehemalige Kunstmalerin am meisten reizt. Die neuen Einsichten, der neue Zugang zu etwas, das man in einem anderen Zusammenhang als normal kennt, der neue Blick-


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Evelyne Fricker produziert Mode mit Gewissen und den Farben des Regenbogens.

winkel auf Althergebrachtes. „Die Zweidimensionalität meines angestammten Berufes ist mir schnell langweilig geworden“, meint die Mutter von drei Töchtern. Der Pinsel wird mit Nadel und Schere ausgetauscht, und die umtriebige Mama schneidert zuerst für Freunde, Bekannte und die eigenen Kinder. Immer möglichst billig und trotzdem mit einer ordentlichen Portion Individualität. „Das hat schon in meiner Kindheit angefangen“, erzählt die Mittfünfzigerin, die aus einer Not eine Tugend gemacht hat und vielleicht so auch ein textiles Kindheitstrauma aufarbeiten konnte. Als jüngstes Kind vieler Geschwister, war sie es leid, ständig alte Sachen tragen zu müssen.

Fundgrube Kleiderkasten

Die Mundpropaganda tut ihr Übriges, und aus einem Hobby wird eine Leidenschaft, von der man vielleicht sogar irgendwann einmal leben kann. „Damals war das noch nicht in, da war second hand schon exotisch“, lacht Fricker rückblickend. Heute schneidert und entwirft sie für besondere Anlässe für Kunden aus dem ganzen Land, aber auch für Theaterproduktionen. Etwas, an dem ihr Herz hängt, denn Zurückhaltung ist auf der Bühne nicht gefordert und so kann sie dem freien Lauf lassen, „was einfach raus muss.“ Einen Einblick erhascht man in Frickers Atelier, ein chaotisch liebevoller Mix aus Farben, Mustern, Stoffen, Accessoires und Modellen in den verschiedensten Arbeitsschritten auf ihrem Weg zu Design mit Nachhaltigkeit. „Die Kleider mit Geschichte haben eins nämlich ganz sicher“, meint Fricker selbstbewusst „Zukunft!“ Wobei nicht ihre eigenen Modelle, sondern die Botschaft zählt. Fricker ist davon davon überzeugt, dass wir mehr auf unsere Umwelt Rück-

sicht nehmen sollten, wir haben nur die eine und deswegen sei es eine Frage des Gewissens, ob man Billigprodukte aus Asien kauft oder auch bei Mode auf Nachhaltigkeit achtet. „Die Natur ist einzigartig, und wir trampeln auf ihren Ressourcen herum.“ Gewohnte Trampelpfade der Textilindustrie hinterfragt sie schon beim Einkauf und versucht mit mehr Bewusstsein an eine Shoppingtour heranzugehen. Die W-Fragen sind allerdings nicht ganz Ohne. „Wer, wie, woraus – das kann ganz schön anstrengend sein“, lacht Fricker, die nicht nur Selbstgeschneidertes trägt, sondern manchmal auch auf ganz normale Ware von der Stange steht. Missionieren will Fricker mit ihren Designs nicht, man kann, muss aber nicht, denn Respekt vor anderen Meinungen zählt auch auf dem Weg zum Kleiderkasten. Ihr Weg ist einer von vielen, ein Weg aus Überzeugung allerdings für mutige Individualisten. Und davon, das lässt sich Fricker nicht nehmen, „gibt es viel zu wenige in der heutigen Zeit“. Ein bisschen mehr Farbe soll in

unseren modischen Alltag und ein bisschen mehr Selbstvertrauen abseits von Trends und Angesagtem. Ein Credo, das mutig vorgetragen wird von einer Dame, die zumindest heute schwarz trägt. „Guter Einwand“ kontert die Dornbirnerin, „aber mit Muster sieht man mich nicht in meinem Atelier.“

Süßes aus Stoff

Da dürfte sie recht haben - die sicher einzige Vorarlbergerin, die Pralinen näht. Mit Nadel und Faden zaubert Fricker optisch Verführerisches, das kaum vom kalorienreichen Original zu unterschieden ist. Eine Frage drängt sich auf. Wieso schneidert man verblüffend echt wirkendes Konfekt, bettet es auf roten Samt und steckt es in Manschetten aus Seide? Die Antwort besticht. „Wir haben alles und das jeden Tag. Ich muss auch einmal mit etwas konfrontiert sein, das ich nicht haben kann.“ HINWEIS: Wer sich für Evelyne Frickers Mode interessiert, wird hier fündig: www.cultars.com/evelyne-mfricker

Liebe Leserin, lieber Leser! Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Daher mögen sie mitunter kontaktfreudig sein. Sie werden aber nicht aufdringlich sein oder betteln.

Der/die Inhaber/in dieses personalisierten Ausweises ist berechtigt die Vorarlberger Straßenzeitung marie im Rahmen der vereinbarten Richtlinien zu verkaufen. Verein und Projekt sind bei den Behörden des Landes Vorarlberg angezeigt. Weitere Information unter www.marie-strassenzeitung.at

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für den Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg

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Herzlich, das marie-Team

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Brief an die marie

ZUM THEMA FLÜCHTLINGE In den dreißiger Jahren war es verpönt, ein uneheliches Kind zu bekommen, soweit es bei der Familie keine Unterstützung gab!

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Also kam ich als Baby in ein fremdes Land und in fremde Hände. Ich wurde damals schon entwurzelt und war sicher nicht die Einzige! Als Ausländerin fand ich später in der Schule nur sehr schwer eine Freundin. Man machte es mir nicht leicht, Anschluss zu bekommen. Ein kleines Beispiel dazu: Vier Mitschülerinnen standen am Schulweg vor mir, füllten meine Mütze mit Schnee, setzten sie mir auf den Kopf, und ich musste so lange damit ausharren, bis der Schnee begann zu schmelzen und über mein Gesicht tropfte. Solche Demütigungen gab es sehr viele. Das führte dazu, dass ich mich schon in jungen Jahren hilflos, minderwertig, abgelehnt, eben als Mensch zweiter Klasse fühlte. Darum kann ich mit den heutigen Flüchtlingen gut nachfühlen, wie sehr man sich ausgegrenzt fühlt, bis man angenommen wird. Aber an Herausforderungen wächst man, und das ist das Positive an dieser negativen Erfahrung. Es wären viele Maßnahmen zu setzen, damit sich viele Flüchtlinge entscheiden würden, doch in ihrer Heimat zu bleiben, zum Beispiel Waffenlieferungen sofort zu verbieten. Doch das ist ein großes Problem für Menschen, für die Macht und Besitz wichtiger sind als ein friedlicher Umgang miteinander. Für mich ist dies schwer zu verstehen, doch ich bitte Gott inständig, er möge den Verantwortlichen die Augen und Herzen öffnen, damit sie gute und friedliche Entscheidungen für alle Menschen zu treffen bereit sind. Es ist fünf vor zwölf! Ihre Möchtergerne-Weltverbesserin

Name und Telefonnummer der Redaktion bekannt


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Vom marieVerkäufer zum Unternehmer Der Asylwerber Charles Onyebuchi Chubuzor (29) war vor wenigen Monaten noch als marie-Verkäufer im Einsatz. Jetzt hat er zusammen mit dem Bludenzer Stefan Bitschnau das Unternehmen „Bergzebras“ gegründet. Asylwerber dürfen zwar nicht als Angestellte arbeiten, doch sie können sich selbständig machen. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler aus Nigeria bietet nun einfache Gartenarbeiten wie Rasenmähen an, Schneeschaufeln im Winter, dazu kleinere Reinigungsarbeiten im Haus sowie landwirtschaftliche Dienstleistungen. Reich wird der 29-Jährige so wohl nicht. Die bescheidenen Stundensätze hat er natürlich regulär beim Finanzamt zu versteuern. Doch auf die Grundversorgung, die Asylwerbern vom Staat geboten wird, hat er dennoch bereits verzichtet. Stolz formuliert er: „Ich habe der Caritas schon gesagt, dass sie das stoppen können.“

Depothalle des Landesfeuerwehrmuseums | Architektur: Heike Schlauch raumhochrosen | Foto: Albrecht Imanuel Schnabel

Architektinnen Zugänge zu Architektur von Frauen in Vorarlberg Ein Sommer mit offenen Ateliers, Rundgängen und einer wachsenden Präsentation im vai Projektstart mit Vortrag und Fest am 14. Juli, 19 Uhr

 Vorarlberger Architektur Institut Marktstraße 33 | 6850 Dornbirn | Austria Telefon +43 5572 511 69 | info@v-a-i.at www.v-a-i.at Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr Donnerstag bis 20 Uhr | Samstag 11 bis 15 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung der Subventionsgeber und Jahrespartner:

Die beiden „Bergzebras“: Charles Onyebuchi Chubuzor und Stefan Bitschnau. Bezahlte Anzeige

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Gsi

Ein deutsches Mädchen weint nicht

Wenn im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg von Flucht gesprochen wird, denken wir selten an deutsche Migranten. Dass allein in Vorarlberg rund 13.000 sogenannte „Bombenflüchtlinge“ aus Deutschland Zuflucht gesucht haben, davon erzählen Geschichten wie jene von Ingrid R.

Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Frank Andres

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ch glaube, niemand kann die Notlage von flüchtenden Menschen besser verstehen als jemand, der selber die ständige Bedrohung durch Bombenalarme erlebt hat“, sagt die in Deutschland geborene und heute in Bregenz lebende Ingrid R., 80. Sie kennt das Gefühl täglich ums Leben bangen zu müssen und weiß auch, was es mit einem macht, wenn man sich nicht willkommen fühlt. Die geflohenen Deutschen in Österreich, ein Thema für sich: „Erst durfte man sich mit keinem Wort gegen die Nazi-Politik äußern, weil das hier in Vorarlberg noch viel schärfer geahndet wurde und nach Kriegsende war man dann die böse Deutsche, mit der man nichts zu tun haben wollte“, so Ingrids bittere Erinnerungen, denen die vergangenen 70 Jahre nicht die ganze Schärfe abschleifen konnten.

Jede Nacht im Schutzkeller

Ingrid wurde 1935 in Köln geboren, ihre Eltern ließen sich früh scheiden. Den vielen wechselnden Arbeitssituationen der umtriebigen Mutter geschuldet, zog man von hier nach dort. Starke, heute noch bewegende Erinnerungen hat Ingrid R. an ihren Aufenthalt in Hameln. Jede Nacht gab es Fliegeralarm, regelmäßig suchte die Familie Schutz im Keller. Man schrieb das Jahr 1944, der Luftkrieg

intensivierte sich, die Alliierten waren im Vormarsch. Das Schicksal von Ingrid nahm seinen Lauf: Die Ansteckung mit Gelbsucht wurde zum Vorwand, die Reise Richtung Ostmark – die NS-Bezeichnung für Österreich – anzutreten. So zumindest die Version dem Kind gegenüber. Im Grunde war es die Entscheidung zur Flucht. In derselben Nacht traf eine Bombe ihr bisheriges Wohnhaus in Hameln, alle Bewohner starben.

Traumatische Situation

„Nie werde ich vergessen, in welch’ grauenvoll überfüllten Zug man uns gesteckt hat. Ich wurde quasi hineingestopft, meine Mutter schaffte es nicht mehr, zwischen uns schloss sich die Zugtür.“ Wie wahnsinnig und hysterisch habe sie nach ihr geschrien. „Ein deutsches Mädchen weint nicht“, ermahnte man sie im Zugabteil. „In letzter Sekunde hat dann ein Mann meine Mutter noch durchs Fenster reingezogen“, erinnert sich Ingrid R. an eine der traumatischsten Situationen ihrer Kindheit. Sie landeten erst in der Südsteiermark, kurze Zeit später dann in Dornbirn Haselstauden, wo sie in einem Bauernhaus ein Zimmer mit Herd am Gang bezogen. Während sich die Mutter schwer tat, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen und mit Stöckelschuhen und Hütchen zur Arbeit aufs Feld ging, erkannte Ingrid R. früh, dass ihr Weg der Integration der der Anpassung ist. Sich

angleichen, gedulden und durchhalten, wenn Armut und Mittellosigkeit kaum eine Perspektive erkennen lassen. Das prägt Mensch und Sichtweise. „Auch die Flüchtlinge von heute müssen lernen, sich anzupassen und auszuhalten, dass es nicht von heute auf morgen geht. Wir haben jahrelang gebraucht, um eine Wohnung zu finden, wir haben drei Jobs gleichzeitig gemacht und dabei kaum etwas verdient“, meint Ingrid R., die selber viel Härte erfahren hat. Sei es durch die eine Hauseigentümerin, von der sie niederträchtig behandelt wurde oder durch den Pfarrer, der trotz regelmäßigem Kirchgang einfach nur böse gewesen sei. An einen Schulbesuch war außerdem nicht zu denken, weil im Schulgebäude die französischen Soldaten einquartiert waren. Nach der endgültigen Kapitulation des Deutschen Reiches sei es dann ganz schlimm geworden. „Da sind sie gekommen, die Franzosen, in ihren Jeeps, haben den ganzen Keller leergeräumt und meine kleine Schwester ins Auto gezerrt, während sie mir eine Waffe an die Schläfe hielten. Ich hab’ geschrien wie eine Wilde, die Waffe weggedrückt und die Schwester aus dem Auto rausgeholt. Die Franzosen haben das wahrscheinlich zu ihrem Amüsement gemacht.“ Ingrid R. musste früh lernen sich zur Wehr zu setzen, aber wie wehrt man sich gegen Missachtung und Schuldzuschreibung? „In den Augen der Hausbesitzer war ich


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Kurz nach der Ankunft in Vorarlberg: Ingrid (li)., ihre Mutter und Schwester Mädi.

Ingrid 70 Jahre später: Mit viel Arbeit und Ausdauer konnte sie sich eine sichere Existenz aufbauen.

wieder die Schuldige, weil die Franzosen alle Vorräte mitgenommen haben.“ Zu diesem Zeitpunkt war Ingrid zehn Jahre alt.

musste. Aber das Versprechen der Vogewosi hielt, nach der Zeit in der Baracke konnte die kleine Familie eine bescheidene, aber zumindest ordentliche Wohnung beziehen. Ingrids Lebensumstände sollten noch lange von Kargheit und harter Arbeit geprägt sein. Dennoch: Mit ihrem zweiten Ehemann ist ihr der Aufbau einer sicheren Existenz geglückt. Inwiefern eine Geschichte wie diese vergleichbar ist mit der aktuellen Flüchtlingssituation sei zur Diskussion gestellt. Phänomene wie Willkommenskultur mit Esspaketen oder auf der Negativseite das Schlepperwesen soll es auch damals gegeben haben. Gleichzeitig waren die Rahmenbedingungen völlig andere.

Nahrung war knappes Gut – und zwar für alle, gleichzeitig gab es „Arbeit für jeden, der zwei gesunde Hände hatte“. Wenn auch schlecht bezahlte. Viele der deutschen Flüchtlinge waren christlich sozialisiert, was ihre Integration wohl erleichterte. Treibende Kräfte zur Eingliederung in eine Gesellschaft gibt es unterschiedlichste. Für Ingrid R. war der Weg der Anpassung der Schlüssel zur Integration. Anpassung, die immer ihren persönlichen Preis hat, verbunden mit Verlusten, nicht geweinten Tränen und Konflikten, die oft erst mit Abstand erkannt und integriert werden können. Wenn überhaupt.

und 25.000 nach Vorarlberg deportierte Zwangsarbeiter. Ziel der Flüchtlingspolitik war die „Repatriierung“ (Rückholung ins Mutterland) – Vorarlberg sollte sich als Transitland positionieren und nicht als Flüchtlings-Aufnahmeland. Bis zum Jahr 1949 zählte Vorarlberg lediglich noch 4.284 anerkannte Flüchtlinge Eine weitere Flüchtlingswelle erlebte Österreich 1956/57 mit über 180.000 Menschen, die von Ungarn nach Österreich flüchteten und nach einem bestimmten Schlüssel auf alle Bundesländer aufge-

teilt wurden. Vorarlberg hatte mittelfristig 1.926 Flüchtlinge zu versorgen, nur 315 blieben dauerhaft. Weitere Flüchtlingspopulationen: 1968 aus der damaligen Tschechoslowakei (rund 2000 Menschen) sowie 1981 aus Polen (mehrere hundert Personen) Im Vergleich dazu/Stand Mitte Juni: Knapp 4000 Asylsuchende befinden sich im Land.

Aufbau einer Existenz

Als Jugendliche bekam Ingrid weiterhin die schonungslose Bilanz eines schändlichen Krieges zu spüren. Man versprach ihrer Familie – wie auch anderen – eine Vogewosi-Wohnung zu errichten, wenn sie zwischenzeitlich in Baracken ziehen. Ein grauenvoller Ort: Vor dem Zubettgehen streute sie das Insektizid DDT ein, um Flöhen und Wanzen beizukommen. WC gab es keines, nur eine Latrine, wo auch das Frischwasser geholt werden

Flüchtlige in Österreich Flüchtlingswellen gab es ab dem Zweiten Weltkrieg mehrere in Österreich. 1944/45 hielten sich über 1,4 Millionen Flüchtlinge in Österreich auf, knapp 60 Prozent davon deutschsprachige, gut 40 Prozent fremdsprachige, zirka 65.000 (40 Prozent der Bevölkerung) „landesfremde“ Menschen zählte Vorarlberg: sogenannte Bombenflüchtlinge aus Deutschland, osteuropäische Flüchtlinge und Volksdeutsche, Kriegsgefangene

Quelle: Essay „Flüchtlingsaufnahme- oder Transitland?“ von Priv. Doz. Dr. Wolfgang Weber, FH Vorarlberg, Uni Innsbruck

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Kultur

Clownfrau, Schauspielerin, Straßenmusikerin – Lisa Suitner schlüpft in vielfältige Rollen.

GESCHENK AN DIE STRASSE

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Die Straßen sind ihre Bühne. Lisa Suitner (30) aus Feldkirch zieht nicht nur als Straßenmusikerin durch die Länder, sondern steht auch als Schauspielerin und Clownfrau auf den heimischen Brettern, die die Welt bedeuten.

Text: Caroline Begle, Fotos: Stefanie MOMO Beck

S

ie saß am Kanal in London. In der Tasche ein Flugticket nach Indien, das Kleingeld für die Reise aber fehlte. Also packte sie ihre Gitarre aus, stellte einen Hut auf und begann zu singen. „Ich dachte wirklich, ich kann nicht gut singen, aber ich hatte nichts zu verlieren“, beschreibt Lisa Suitner ihre damalige Situation, die ihrem Leben eine neue Richtung geben sollte. Denn überraschenderweise gefiel ihre Musik den Vorübergehenden, und sie selbst entdeckte die Kraft, die in dieser Rolle steckt. „Ich schaffe mit der Musik eine Atmosphäre und kann Menschen berühren“, erzählt sie mit einem Leuchten in ihren blauen Augen. Wenn ich jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, ist das magisch.“ Außerdem lernt sie die Stadt und ihre Bewohner ganz anders kennen.

Musik als Geschenk

Für viele habe das Musizieren auf der Straße den Beigeschmack von Bettelei. „Manche Mütter mit Kindern machen einen Bo-

gen um mich rum, wenn ich am Weg sitze“, erzählt Lisa Suitner. Sie selbst empfindet die Musik als „Geschenk an die Straße“ und die vorbeigehenden Menschen. Und auch an sich selber. „Wenn ich schlecht drauf bin, dann heilt mich das Singen“, erklärt die 30-Jährige und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Natürlich spiele ich hauptsächlich Gute-Laune- und Hippie-Musik.“ Neben der Gitarre haben sich über die Jahre weitere Begleiter zu ihr gesellt: Akkordeon, Flöte, Saxophon und Kontrabass. Seit ihrer Kindheit musiziert sie, lernte jahrelang Fagott und nahm bei Wettbewerben wie Prima la Musica teil. Die Lieder, die sie nun singt, sind genauso vielfältig wie ihr Instrumentarium – in Art und Sprache. Nach der Matura reiste sie durch Indien und ganz Europa, von Portugal über Albanien und Bulgarien bis in die Türkei. Die Musik gehörte zum täglichen Leben. „Dadurch entstehen viele schöne Momente und Begegnungen.“ In Spanien wurde dann ihr Sohn Taiyo geboren. „Das heißt ‚große Sonne’ auf Japanisch. Während den Wehen stürmte und hagelte es, und als er zur Welt kam, brach die Sonne heraus.“ Heute ist er acht und


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ihr größter Fan – „und mein größter Kritiker“, erzählt sie und lacht. Nach der Geburt machte sie sich Gedanken über ihre Zukunft. Der Besuch einer Freundin, die gerade eine Clown-Ausbildung machte, gab ihr die zündende Idee. Es folgten drei Jahre an der Clownschule Tamala in Konstanz, die sie mit dem Zertifikat für Gesundheitsclown und dem Schauspieldiplom für Clown und Comedy abschloss. „Mit Fröhlichkeit jemandem Gutes zu tun, zu heilen, das ist einfach – wow“, zeigt sie sich begeistert. Sie machte sich anschließend selbstständig und dank der tatkräftigen Unterstützung der Familie lassen sich Mutterrolle und Beruf nun gut jonglieren. Heute macht Lisa Suitner alles: Schauspiel, Clown, Comedy, Moderation, Performance, Musik, Tanz, Zirkustrainerin, Regieassistenz. „Ich denke mir manchmal, jetzt kann ich alles ein bisschen aber nichts so richtig ‚ghörig‘. Aber genau das ist wohl meine Gabe, diese Vielfältigkeit“, sagt sie und streicht sich eine ihrer roten Locken aus dem Gesicht. Das „nichts so richtig ghörig“ ist eine leichte Untertreibung. Sie gibt Clown-Workshops, moderiert Varieté-Abende, tourte mit ihrem Solo-Theaterstück „Ablaufdatum“ durch ganz Österreich, gewann dafür einen Schauspielpreis und auch Preise für ihre Straßenmusik, ist Musikschul-Clown in Feldkirch, besucht mit „Clowns ohne Grenzen“ Flüchtlingsheime, führte Regie bei einem Stück im Rahmen vom Kosmodrom am Theater Kosmos und wird unter den renommierten Theaterschaffenden Vorarlbergs als Regieassistentin weitergereicht.

will sie sich auf das Studium konzentrieren und das Erlernte wieder zurück ins Ländle bringen. „Früher, während meiner Reisen, dachte ich: lieber Timbuktu als Vorarlberg. Doch nach einer Weile, vor allem, nachdem mein Sohn geboren wurde, habe ich Vieles vermisst, was wir hier haben. Es ist wie in der Janosch-Geschichte ‚Oh, wie schön ist Panama‘ – ich musste weg, um zu schätzen was ich habe.“

Zurück ins Nest

Aus beruflicher Sicht hat die Künstlerin hier auch große Vorteile. „Es gibt in Vorarlberg noch Geld für die Kunst. Außerdem ist die Szene klein und fein, man kennt schnell alle und dennoch passiert unglaublich viel.“ In der Großstadt habe man zwar mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Konkurrenz. Hier in Vorarlberg hat sich die Künstlerin ein gutes Netzwerk aufgebaut. „Ich hinterlasse hier keinen Rohbau, sondern ein Haus.“ Irgendwann will sie all ihre Fähigkeiten und vielfältigen Talente in einem Stück verbinden. „Musik, Tanz, Comedy, Clownerie . . . es gibt so viele Stränge, die möchte ich zu einem Zopf flechten.“ Das Ganze brauche natürlich eine Botschaft. Lisa Suitners klingt ganz simpel: „Du bist richtig so, wie du bist.“ HINWEIS: Lisa Suitner ist mit ihrer Straßenmusik-Band „PRALLfatal“ zu hören beim Gauklerfestival in Feldkirch, 29. bis 30. Juli

Große Zukunftspläne

Sie erhielt bereits weitere Assistenz-Angebote, „aber ich muss jetzt meine Träume verwirklichen und nicht die von anderen“, gesteht sie und dreht noch eine Zigarette zwischen ihren knallroten Fingernägeln. „Ich werde die stärkste Frau der Welt“, beschreibt Lisa Suitner mit heiserem Lachen und tiefer Stimme ihre Zukunftspläne. „Drei Tubisten will ich tragen“ – so möchte sie das bei ihrer Aufnahmeprüfung an der Zirkusschule im spanischen Granada sagen. „Ich bin so groß, meine Oberarme sehen aus wie eine Atrappe, als wäre ich extrem stark“, sagt die 30-Jährige und schmunzelt. „Wenn ich also schon so kräftig aussehe, muss ich das Maximum herausholen.“ Die Ausbildung in Spanien beinhalte sehr viel Artistik und Akrobatik wie Schlappseil, Trapez, Jonglage, Pantomime oder Tanz. „Viel Körperarbeit, die ich bisher noch nicht gemacht habe.“ Die Schule dauert zwei Jahre, ihr Sohn und dessen Vater, der selbst Spanier ist, begleiten sie in den Süden. In Granada

Literatur aus Vorarlberg bei Radio Proton Literatur in Vorarlberger Mundart mit passender Musik dazu sendet Radio Proton – das freie Radio Dornbirn – UKW101,1 am 5. August, von 15 bis 17 Uhr. Zu Gast bei Moderator Hans-Jürgen Holzer sind Emma Lenzi aus Höchst, Maria Schneider und Elmar Gehrer aus Lustenau.

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Eine Vision

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Fotos: Frank Andres, Shutterstock


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ES WAR NUR SO EIN GEDANKE Es begann mit einer Straßenzeitung, die in kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Projekt avancierte. Diese fiktive Geschichte erzählt, wie der Erfolg ihrer Zeitung die Erfinder in die Lage versetzte, sich sehr schnell ein paar grundlegende Gedanken zu machen. Sie hatten einen Narren an der Idee gefressen, dass die Zeit der sozialen Ungerechtigkeit vorbei sein könnte. Text: Daniela Egger Bilder: Alexander Grass

E

s gab sie seit alters her, diese Ungerechtigkeiten, solange, dass sich niemand mehr an andere Zeiten erinnern konnte. Aber irgendwoher kam diese Idee, dass die Welt auch anders funktionieren könnte, vielleicht sogar besser. Sie setzte sich hartnäckig in die Köpfe, sie wanderte durch ganze Nachbarländer und bewegte tausende Gemüter. Die Leute, die die Gründung einer Straßenzeitung mit einer gewissen Leichtigkeit in die Wege geleitet hatten, dachten sich, es wäre vielleicht ebenso leicht, der sozialen Ungerechtigkeit ein Schnippchen zu schlagen. Ein kleines Schnippchen vorerst. Die Zeitung war mit nur 2.000 Auflage gestartet, hatte diese aber in nur sechs Monaten verzehnfacht. Es war nur so ein Gedanke gewesen, diese Zeitung zu gründen, und es zeigte sich, dass in kleinen Schnippchen manchmal etwas Großes steckte, das hatten sie deutlich zu sehen bekommen. So wie sie auch die soziale Ungerechtigkeit immer deutlicher zu sehen bekamen, das bringt das Geschäft mit einer Straßenzeitung mit sich. Ihre Straßenverkäufer waren keine faulen Menschen, sie hatten ein Leben aufgebaut, und sie waren gescheitert.

Gründe dafür gab es viele, Faulheit gehörte nie dazu. Sie trugen ihr Schicksal mit Würde,

auch wenn die Würde schwer aufrecht zu erhalten ist, mit einer Mindestsicherung, deren Höhe die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben nicht erlaubte. Kino? Theaterbesuch? Geschenke für die Kinder? Alles nicht im Budget vorgesehen. Damit wurde ihr Schicksal weitergereicht an ihre eigenen Kinder und die Enkelkinder, die Armut und Zukunftsangst mit der Luft einsogen, die sie atmeten. Ein Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist. Jedenfalls war es wieder nur so ein Gedanke, der plötzlich während einer Redaktionssitzung im Raum stand. Spielerisch wie der Beginn der Straßenzeitung sollte es doch möglich sein, einerseits die Aufmerksamkeit für die Straßenzeitung noch weiter zu erhöhen, und gleichzeitig dieser Idee der Gerechtigkeit ein klein wenig mehr Raum zu geben. Es war schnell beschlossen: Sie verlosten im ersten Sommer ein bedingungsloses Grundeinkommen für ein Jahr. Eine winzig kleine Bedingung gab es dabei doch, nämlich, dass man darüber berichten dürfte, was in diesem Jahr Wunderbares oder Ärgerliches passiert sei. Bewerben durfte sich jede Person, jeden Alters und jeder Herkunft. Es gab keine Einschränkung. Der Ansturm auf die Zeitung war enorm, kaum hatte der erste Leser auf Facebook gepostet dass es ab sofort in Vorarlberg ein BGE für ein Jahr zu gewinnen gab. Es dauerte keine vier

Stunden und die erste Auflage war ausverkauft. Die Zeitungsverkäufer verstanden die Welt nicht mehr, viele hatten gar nicht mitbekommen, was da genau verlost wurde. Viele Menschen hatten den Begriff bedingungsloses Grundeinkommen noch nie gehört und konnten sich nur wenig darunter vorstellen. Es war notwendig, die gesamte Auflage noch einmal zu verdoppeln, weil die Straßenverkäufer, die mit leeren Händen unterwegs waren, belästigt wurden. Man steckte ihnen sogar Geld zu, um sich ein Exemplar der nächsten Ausgabe zu sichern. Die Situation eskalierte an manchen Orten, ein Mann in Anzug und Krawatte wurde beobachtet, wie er den Rucksack eines Verkäufers mit dem gesamten Vorrat entwendete, während dieser seine kleine Runde drehte. Ein Mann soll sogar einer der Redakteurinnen Sex angeboten haben, um an ein BGE zu kommen. Was diese natürlich ablehnte, dem Mann aber trotzdem zusagte, höchstpersönlich dafür zu sorgen, dass auch sein ausgefüllter Gewinncoupon in dem Topf landete. Die feierliche Ziehung wurde redaktionell begleitet, mit Live-Übertragung im Internet, die Übergabe an die erste Gewinnerin ebenfalls. Immerhin steckte auch ein wenig Marketing in der Sache. Dieses über-

traf alle Erwartungen.

Schnell fanden sich Sponsoren in der heimischen Wirtschaft, die die Idee unterstützen wollten. Sie hatten erkannt,

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Eine Vision

Fotos: Andreas Stix/pixelio.de, Shutterstock

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welch grandiose Werbung in der Kampagne für sie selbst steckte – verglichen mit den Anzeigenpreisen in den regionalen Zeitungen waren die 14.400 Euro für ein einjähriges BGE geschenkt. Ein ganzes Jahr lang positive Presse, mit Live-Berichten über die wirtschaftlich durchaus ernstzunehmende Idee eines Grundeinkommens und ein Image als zukunftsorientiertes Unternehmen – das alles lieferte die Aktion „BGE für Leser/innen“ für nur 14.400 Euro. Die zwölf Grundeinkommen, die man sich zunächst vorgenommen hatte, waren schneller finanziert als die Redaktionsmitglieder erwartet hatten, sie hatten sogar überhaupt nicht damit gerechnet, sie fremdfinanzieren zu lassen – aber wenn man ihnen das Geld schon ins Haus trug, warum nicht? Die Straßenzeitung tauchte bald in ganz Österreich auf, obwohl ihr regionaler Bezug sehr stark war. Es dauerte nicht lange und sie wurde auch in den Nachbarländern gehandelt, auffallend häufig in Rumänien und Bulgarien. Die von dort eingesandten Coupons kamen meist mit fehlenden Kontonummern, aber der Vermerk, dass das Geld auch bar bezogen werden konnte, stand ja auf dem Abschnitt deutlich zu lesen. Die Leute schrieben dazu, dass sie im Glücksfall auch gerne in den Westen Österreichs reisen würden, um das BGE zu beziehen. Man beschloss daher, doch eine Einschränkung einzuführen: Der Wohnsitz musste in Vorarlberg sein. Die erste Gewinnerin des BGE war eine junge Lehrerin, die den Coupon mehr zum Spaß ausgefüllt hatte und gleich danach völlig darauf vergaß. Zwei Wochen später klingelte es an ihrer Tür,

und ein Mitglied der Redaktion überreichte ihr die Bestätigung, dass sie ab jetzt monatlich 1.200 Euro bekäme, ein Jahr lang und ohne jede Bedingung. Der Betrag überstieg ihr Einstiegsgehalt an der Volksschule um etwa 200 Euro. Da es als Gewinn ausgeschrieben war, war es zudem steuerfrei. Sie blickte zunächst etwas besorgt und erwartete größere Belästigungen. Sie ließ sich mehrmals versichern, dass sie mit dem Geld tun und lassen könne, was ihr beliebt, sie könne ein Jahr lang auf Reisen gehen oder es spenden, sie könne es sparen oder es verprassen – nur darüber berichten müsse sie hin und wieder, auch per Mail, falls sie im Ausland weile. Ihre Skepsis wich allmählich einem Lächeln, das nicht mehr aufhörte. In der nächsten Ausgabe der Zeitung wurde berichtet, dass Juliane, so hieß die junge Frau, eine Ausbildung begonnen hatte in Gewaltfreier Kommunikation nach Rosenberg, und eine weitere für die Begleitung traumatisierter Kinder und Jugendlicher. Sie berichtete laufend aus dem Schulalltag in einer der städtischen Randzonen-Schulen, und darüber, wie sich ihre neu erlernten Methoden auf dem Schulhof und im Klassenzimmer bewährten. Was wiederum zur Folge hatte, dass zahlreiche Leser/innen, die auch Lehrpersonen waren, nach Fortbildung verlangten und die Schulbehörde reagieren musste. Die Kompetenz in Konfliktbewältigung steigerte sich innerhalb eines Jahres spürbar, bei den Erwachsenen ebenso wie bei den Schüler/innen, und selbst die Kinder aus den Krisenregionen, die noch nicht lange im Land lebten, kamen allmählich zur Ruhe. Ihre Zeichnungen bekamen wieder Farben, und Bilder von einem siche-

ren Zuhause wichen den Raketen und Soldaten, die sie sich bei ihrer Ankunft von der Seele gezeichnet hatten. Das BGE der zweiten Ausgabe ging an einen 58-jährigen Mann, der seit über acht Jahren arbeitslos gewesen war. Er war selbst Straßenverkäufer, und nichts anderes als der pure Zufall sorgte dafür, dass er ein BGE gewann. Auch für die Kolporteure gab es keine Möglichkeit, sich in eine engere Auswahl zu bringen, die Lose kamen in einen Topf, gezogen wurde per Live-Übertragung in der Redaktion. Für Helmut war das BGE in dieser Höhe ein Segen und der Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Im ersten Interview sagte er, sein Herzenswunsch sei es immer gewesen, einen Garten zu bepflanzen. Zunächst besorgte er für sich und seine zwei jugendlichen Kinder eine etwas größere Wohnung, wohl wissend, dass er sie nach einem Jahr ohne BGE selbst finanzieren musste. Die Glückssträhne, die ihm für ein ganzes Jahr zugesichert wurde, erfüllte ihn mit neuer Zuversicht. Dann bewarb er sich als Mitgärtner bei einem der Gemeinschaftsgärten, die zu dieser Zeit überall im Land entstanden. Der Alpenverein übernahm die Kosten für seine Ausbildung in Permakultur, weil jemand im Vorstand von dem Interview mit ihm und dem Projekt überhaupt begeistert war. Helmut postete fortan Bilder von Früchten, die er selbst erzeugt hatte – man sah ihm und den Pflanzen an, dass er in seinem Element war. Er war bald einer der berühmtesten Gemüseverkäufer auf den Wochenmärkten seiner Gegend, weil er sich kaum von den Früchten trennen mochte, die er so liebevoll in die Hände der neuen Besitzer/innen legte. Die überlegten sich zu Hause zweimal, ob sie das Gemüse einfach im Kühlschrank lagern oder ob sie es vielleicht lieber gleich verarbeiten sollten. Wer sein Gemüse bei Helmut kaufte, erfuhr eine deutliche Hochachtung vor dem Wert der Gartenfrüchte. Schnell formierte sich eine stetig wachsende Facebook-Gemeinde, um die Berichte der BGE-Bezieher zu verfolgen, zu kommentieren und sich über Erfahrungen auszutauschen. Nach Helmut kam ein kleiner Junge zu einem BGE. Er war gerade mal sieben Jahre alt, stammte aus einer ganz normalen Familie mit Eltern, die weder getrennt noch verarmt, noch sonst irgendwie auffäl-


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lig waren. Der Junge hatte den Coupon mit Hilfe seiner Großmutter ausgefüllt, weil sein größter Wunsch, einmal ins Legoland zu fahren, bisher unerfüllt geblieben war. Er hoffte, so endlich zu finanzieller Unabhängigkeit zu kommen. Die Großmutter dachte nicht im Traum daran, dass ihr Enkel ein BGE gewinnen könnte, aber in der Redaktion war man konsequent. Er erhielt das BGE feierlich überreicht, und als er befragt wurde, was er nach dem Besuch von Legoland für Pläne hätte, war er zuerst etwas ratlos. Aber nicht lange. Seine zweite Idee war, die viel befahrene Straße vor ihrem Haus mit Hindernissen auszustatten, damit die Autos weniger schnell fahren konnten. Dort wollte er mit dem Geld alle Nachbarn jede Woche zu einem Straßenfest einladen. Sie sollten Bierbänke und ein Piratenschiff aufstellen, spielen bis die Sonne unterging und bei Einbruch der Dunkelheit gemeinsam einen Kinofilm ansehen. Er lud auch gleich das Redaktionsteam zum ersten Straßenfest ein. Und weil das Interview mit dem kleinen Bub in der kommenden Ausgabe der Straßenzeitung gedruckt wurde, kamen zu dem Fest nicht nur die Nachbar/innen. Die Straße musste gesperrt werden, die Party dauerte insgesamt drei Tage und Nächte, am Ende hatten die Gäste gemeinsam ein überdimensionales Piratenschiff gebaut, das fortan ob seiner Größe sehr verkehrsberuhigend wirkte, obwohl es nur auf den Gehsteig ragte. Der Bub hatte noch viel Geld von seiner ersten Zahlung übrig, weil keiner der Erwachsenen sich von ihm einladen lassen wollte, weshalb die Eltern des Buben dafür

sorgten, dass ein Teil des BGE an die Clini-Clowns ging. Die sorgten dafür auf den folgenden Straßenfesten rund um das Piratenschiff für herrlichen Unfug, der immer mehr Kinder anzog. Die Erwachsenen beschlossen, ein Straßenfest einmal im Monat sei ausreichend, aber die Kinder feierten jedes Wochenende auf dem Piratenschiff, das auch im Winter noch zu einer beheizbaren Location erweitert wurde. Die Idee der Straßenfeste machte einen Siegeszug durch das ganze Land, allein mit den Ankündigungen und Einladungen hätte man ganze Nummern der Straßenzeitung füllen können. Es waren wieder Kinder auf den Straßen zu sehen, die sich zum Spielen trafen, einfach deshalb, weil sie seit dem Fest in ihrer Nachbarschaft wieder wussten, wer alles in ihrer Nähe wohnte. Als nach einem Jahr der zwölfte BGE-Gewinner die glückliche Nachricht erhielt, ging Julianes BGE zu Ende. Sie hatte ihre eigene Schule deutlich verändert, und auch die Eltern der Kinder hatten dazu gelernt. Inzwischen waren der ORF und ein Kamerateam des WDR sowie zahlreiche Journalisten dort gewesen und der Direktor hatte mehrfach stolz von der Initiative seines Lehrkörpers berichtet. Juliane war inzwischen mit ihrer letzten Ausbildung fertig, die sie in Klagenfurt absolviert hatte. Nach einem verlorenen Kampf mit dem Direktor und der Schulbehörde war sie bereit, eine eigene Schule zu gründen. Sie hatte eine Unterrichtsmethode erlernt, die erstmals in Russland entwickelt wurde und seither in Europa eine Schulgründung nach der anderen mit sich zog.

Ihre Bemühungen, diese Methode in der öffentlichen Schule anwenden zu dürfen, waren gescheitert. Allerdings gab es viele Eltern an dieser Schule, die von Julianes Fähigkeiten vollkommen überzeugt waren, weshalb sie bereit waren, sogar Schulgeld zu bezahlen, wenn sie nur ihre Kinder weiterhin in der Obhut dieser jungen Frau wussten. Als Juliane im letzten Interview von der Lais-Methode berichtete und von ihren Plänen, eine private Schule zu starten, dauerte es genau zwei Wochen, und das Geld war da. Einer der innovativen Unternehmer des Landes hatte das Potenzial erkannt und war sofort bereit, die Infrastruktur plus Lehrergehälter zu übernehmen, wenn die Schule in seinem Betrieb eröffnet würde und die Kinder seiner Mitarbeiter/innen dort einen Platz fänden. Die Schule war gratis und offen für alle Kinder, die Juliane aufnehmen wollte, das hatte sie mit ihm verhandelt, bevor sie zusagte. Mit dem letzten Rest ihres BGE machte Juliane eine lange Reise, um sich von all den neuen Erfahrungen zu erholen und Anlauf zu nehmen für das, was ihr Leben in Zukunft bestimmen würde. Die Facebook-Gruppe murrte, als mit Juliane das erste BGE zu Ende ging. Sie wollten wissen, wie es mit der Schule weiterging. Juliane versprach regelmäßige Berichte für die Facebook-Community, die bereits keine Mitglieder mehr aufnehmen konnte. Die ersten Unternehmer meldeten sich besorgt, als nach der zwölften Vergabe an den letzten Gewinner eine BGE-freie Nummer erschien. Es meldeten sich täglich mehr Leser/ innen, die sich fragten, warum es nicht weitergehe. Die Landesregierung stellte eine dezente Terminanfrage für ein informelles Treffen an die Redaktion. Der Wunsch nach einem landesweiten BGE hatte Ausmaße angenommen, die ernst zu nehmen waren. Man fürchtete sich vor der nächsten Wahl – wer auch immer dieses heiße Thema zu seinem machen konnte, galt als wahrscheinlicher Gewinner. Das erste Treffen mit dem Redaktionsteam war geheim, nichts durfte nach außen dringen, das war eine der Bedingungen, weitere Treffen sind geplant ...

die Straßenzeitung wird berichten, sobald erste Ergebnisse sichtbar

werden. Fotos: Laura Lietzmann, Lena Mersmann/pixelio.de

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Veranstaltungskalender

VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html

Sa., 2. Juli, 20 Uhr, So., 3. Juli 18 Uhr und Di. 4. Juli, 20 Uhr, Kulturbühne AmBach in Götzis, Eintritt: 27,-/22,Euro. (Schulaufführungen Mo., 4. und Di., 5. Juli, 10 Uhr. Eintritt: 10,- Euro)

ANDERSWELT – DAS WAMCO-MUSICAL

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Lassen Sie sich entführen ... ... in die AndersWelt, in ein Musical, das von der West Austrian Musical Company selbst geschrieben und produziert wird. Rund 70 Mitwirkende vor, hinter und auf der Bühne werden diesen Abend zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die zwei federführenden kreativen Köpfe der WAMCO, Erich Manser und Heide-Maria Michelon, Vorarlberger Musikgrößen wie Gerold Amann, Rolf Aberer, Harry Marte, Hanno Pinter, Ivo Bonev, Stefan Nobis und Falco Luneau von Wolfsrachen ins Boot geholt haben. Spannung und jede Menge musikalische und tänzerische Überraschungen sind garantiert.

So., 3. und So., 7. Juli, 10 bis 17 Uhr, Jüdisches Museum Hohenems, Eintritt: 8,-/5,- Euro

REISEZIEL MUSEUM – VERBORGENES IM JÜDISCHEN VIERTEL

Familienprogramm-Tour im Jüdischen Viertel und Jüdischen Museum Hohenems. Die teilnehmenden Kinder erhalten einen edlen Reisekoffer aus Holz – bereit für eine tolle Sammlung von Schätzen, die in allen Museen warten! Auf der Tour kannst du mit deiner Familie den Palast betrachten, die Synagoge hören, das Gasthaus schmecken, das Vorsteherhaus zeichnen und das Armenhaus entdecken. Zurück im Museum ergänzt sich alles zu spannenden Erzählungen.

Mi., 6. Juli, 20 Uhr und Fr., 8. Juli, 22 Uhr, Metrokino Bregenz, Eintritt: 8,- Euro

TOMORROW – DIE WELT IST VOLLER LÖSUNGEN

Ein Film über die Lösungen die wir brauchen, um den globalen ökologischen Kollaps aufzuhalten. Von dem Aktivisten Cyril Dion und der Schauspielerin Mélanie Laurent („Inglourious Basterds“). Mit einer Million Zuschauern in Frankreich. Und einem César als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Fr., 8. Juli, 13 bis 16:30 Uhr, carla Möslepark, Möslestraße 15 in Altach, Eintritt: frei

REPARATURCAFÉ FÜR ELEKTROKLEINGERÄTE

Bringen Sie ihr defektes Elektrokleingerät mit. Fachleute unterstützen Sie mit ihrem Know-How bei der Reparatur und sorgen für das richtige Werkzeug. Eine Aktion der Caritas gegen die Wegwerfgesellschaft.

Fr., 8. bis So. 10. Juli, 11 bis 19 Uhr, Dornbirner Messe, Eintritt: 12,-/10,- Euro

ART BODENSEE

Sammler, Kenner und Neueinsteiger versammeln sich auf der Art Bodensee in Dornbirn – der einzigen Sommer-Kunstmesse im deutschsprachigen Raum. Rund 60 Galerien und Institutionen aus sieben Ländern stellen auf 5000 Quadratmetern aus. Eine anspruchsvolle Auswahl moderner, neuer und neuester Positionen: große Namen und Newcomer, Gemälde, Collagen, Zeichnungen, Installationen und Skulpturen. Dazu gibt‘s eine Sonderschau mit Werken aus der Sammlung Otten.

Mo., 11. Juli, 14 Uhr, Alpinmuseum Gaschurn, Eintritt: freiwillige Spenden

ALTES HANDWERK „SPINNSTUBE“

Alte Handwerkstechniken zu pflegen, zu üben, zu erlernen, sich mit Interessierten auszutauschen und auch weiterzugeben ist das Ziel der neuen Veranstaltungsreihe zum Projekt „Altes Handwerk“. Das Verspinnen von Stapelfasern zu Garn ist wie das Weben eine der ältesten Techniken der Menschheit. Gemeinsam versuchen wir uns aus gereinigter Schafwolle Garn zu spinnen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Veranstalter: montafoner Museen.

Do., 14. bis Sa., 16. Juli, 21 Uhr, Marktplatz Dornbirn, Eintritt: frei Foto: Veranstalter

Fr., 8. Juli, 19:30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 15,-/9,- Euro

ANIKA NILLES/ SCHLAGZEUGWUNDER

Im Dialog mit der Künstlerin Anika Nilles ist eine deutsche Schlagzeugerin, Songwriterin und Produzentin, die ihre Drums auf ganz eigenständige und extravagante Art bespielt. Ihre brillante Technik und ihre virtuose Spielweise prägen einen ganz außergewöhnlichen Sound. Stilistisch sind ihre Songs eine Mischung aus Pop / Rock / Fusion. Nun ergibt sich eine der seltenen Gelegenheiten sie im Theater am Saumarkt live zu erleben und mit ihr ins Gespräch zu kommen.

ORIGANO-FESTIVAL

An drei Abenden wird auf dem Dornbirner Marktplatz Musik und Geschmack aus aller Welt präsentiert. Je ein Abend wird von der Kultur Stadt Dornbirn, dem Spielboden und dem Conrad Sohm kuratiert. Den Auftakt am 14. Juli macht das afro-peruanische Soundsystem „Novalima“. Mit ihrem Latin-Psycho-Pop ist die Band Star bei großen Festivals weltweit. Am 15. Juli steht „Cuban Beats All Stars“ auf dem Programm. Typisch kubanische Klänge aufgemischt mit fetten Urbanund Electronic-Beats. Am 16. Juli kombiniert die deutsch-französische Band „Äl Jawala“ Club Beats und Hip-Hop mit wilden orientalischen Bläsersätzen. Bei Dauerregen finden die Konzerte um 21 Uhr in den Lokalen statt (Do. und Fr. Spielboden / Sa. Conrad Sohm).


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Foto: W. Kegele

Foto: Veranstalter

Do., 11. August, 20 Uhr und Sa., 13. August, 22 Uhr, Metrokino Bregenz, Eintritt: 8,- Euro

Fr., 15., Sa. 16, So. 17, Juli, 9 Uhr, Kirche Gargellen (Treffpunkt), Eintritt: 21,-/17,- Euro

AUF DER FLUCHT: GARGELLEN – SAROTLA SCHWEIZ

Interaktive Theaterwanderung. Basierend auf Zeitzeugenberichten, historischen Dokumenten und literarischen Texten versucht das teatro caprile in theatralischen und tänzerischen Streiflichtern den Fluchten während der NS-Zeit nachzuspüren: Der Entwurzelung dieser Menschen, ihren Strapazen in einer hochalpinen Region, ihrer oftmals tödlichen Abhängigkeit von lokalen HelferInnen inmitten kleinräumiger Dorfstrukturen und sozialer Kontrolle oder der Menschlichkeit der Grenzwächter. Gespielt wird im Hotel Madrisa, in Alphütten und im freien Gelände, die dargestellten Figuren und das Publikum durchmessen gleichermaßen das herrliche Gebirgspanorama mit dem einen Ziel: das Sarotla-Joch. Voranmeldung erforderlich bei Montafon Tourismus, Tel. +43 (0)50 6686 310 oder margit.ganahl@montafon.at.

Sa., 16. Juli, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: freiwillige Spenden

JAM ON POETRY

Wenn dir der Schuh drückt, dann greife zum Stift und schmettere es uns entgegen. Wenn du verliebt bist, dann mach deinen Gefühlen doch mit einem Text Luft. Du hast einen Text in der Schublade liegen und auch noch nie vorgetragen? Entstauben, einpacken, rumkommen und slammen! Aber auch wenn du einfach nur mal so, um zu schauen oder kurzweiliges Abendprogramm erleben möchtest – ja auch dann sind wir genauso die richtige Adresse dafür.

Foto: Veranstalter

Sa., 16. Juli bis 23. Oktober, Kunsthaus Bregenz, Eintritt: 9,- Euro

WAEL SHAWKY

Der ägyptische Künstler Wael Shawky (geb. 1971) erzählt die Geschichte der Kreuzzüge als verfilmtes Marionettentheater. Mit der Filmtrilogie Cabaret Crusades wird die Geschichte der Kriege aus der Sicht arabischer Quellen gezeichnet. 2011 wurde der aus Alexandria stammende Shawky mit dem ersten Teil, The Horror Show File (2010), schlagartig berühmt. Die Schauplätze der Filme heißen Damaskus, Mossul, Jerusalem und Aleppo – es sind zugleich die Brandherde der Gegenwart. Die Marionetten tragen üppige orientalische Kleidung, gestickte Umhänge, samtene Hüftkorsetts oder metallene Rüstungen. Ihre Köpfe wirken wie geschmolzener Bergkristall oder honigfarbener Bernstein. Shawky lässt sie aus Muranoglas fertigen. Dunkle Knopfaugen sitzen in gläsernen Schnabelgesichtern. Mit ihren tierhaften Gesichtern und ihrem opulenten Kopfschmuck verkörpern sie eine bizarre Mischung aus Mittelalter und Science-Fiction.

So., 17. Juli, 16 bis 20 Uhr, Kornmarktplatz und vorarlberg museum Bregenz, Eintritt: frei

TAG DER WIENER SYMPHONIKER

Der letzte Sonntag vor der Eröffnung der Bregenzer Festspiele ist traditionell ein probenfreier Tag. Die Wiener Symphoniker nutzen ihn, um sich in verschiedensten Besetzungen der Bevölkerung zu präsentieren: mit Programmen aus unterschiedlichen Stilrichtungen – von Klassik über Jazz bis hin zur Blasmusik. Eine Veranstaltung von Wiener Symphoniker, Bregenzer Festspiele, vorarlberg museum und Bregenz Tourismus & Stadtmarketing.

DAS LEBEN IST KEINE GENERALPROBE

Schuhe und Schlagzeilen, Ruhe und Rebellion – Die Welt des Heini Staudinger. Der Dokumentarfilm beobachtet die Umsetzung einer Idee von einem besonderen Unternehmen, der „Waldviertler“-Schuhfabrik, in einer der prekärsten Regionen Österreichs, dem nördlichen Waldviertel. Wie lassen sich die Visionen einer gerechten Welt, die den Firmeninhaber Heinrich Staudinger antreiben, in den wirtschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart verwirklichen? „Mich interessiert das Kapital wenig und das Leben sehr“, sagt Heinrich „Heini“ Staudinger. Mit diesem Grundsatz ist der Oberösterreicher aus dem Waldviertel zu einer der schillerndsten Unternehmer-Persönlichkeiten Österreichs geworden. In seinen GEA-Läden verkauft er hochwertige Möbel, Taschen und Textilien – und Schuhe der Marke „Waldviertler“, die er in einer großen Halle in Schrems mit 250 Mitarbeitern selbst erzeugt.

Foto: Veranstalter

Sa., 13. August, 18 Uhr, Marktplatz Rankweil, Eintritt: 50,-/KP 45,- Euro

STATUS QUO & SUPPORT

Nach 16 Jahren kommt Status Quo erneut zum Open Air Rankweil um im Rahmen ihrer letzten großen Tour das Publikum am Markplatz in Rankweil zu begeistern. Die Tour läuft unter dem Titel „The Last Night of the Electrics“. Status Quo sind ein Phänomen. Seit 50 Jahren unterwegs, gelten die Briten immer noch als eine der stimmungsvollsten Rockbands dieses Planeten. „Rockin All Over The World“, „What Ever You Want“ oder „In The Army Now“ heißen die Hits der Rock‘n‘Roll-Urgesteine.

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Veranstaltungskalender

Jeden ersten Mittwoch im Monat, 15 bis 17 Uhr, Frühmesshaus Bartholomäberg. Eintritt: frei

SPIELRUNDE AM MONTAFONERTISCH

Foto: Veranstalter

Foto: Veranstalter

Mi., 17. August, 21 Uhr, Marktplatz Rankweil, Eintritt: 7,80,- Euro (zzgl. VVK-Gebühr)

Fr., 26. August, 20 Uhr, Sunnahof Tufers, Göfis, Eintritt: 21,- Euro

FILME UNTER STERNEN

Hätti, wetti, täti “Hetti, wetti, täti!” ist der Titel der neuesten CD von Wolfgang Verocai und damit auch das Motto seiner neuen Tournee mit vielen neuen Liedern und humorvollen Geschichten. Die anschließende Tournee mit 10 Konzerten in Vorarlberger Städten und Gemeinden unterstützt den Verein „Wissen macht stark – Schulbildung für Senegal“, damit Menschen in Afrika eine Perspektive im eigenen Land bekommen und nicht flüchten müssen.

Ein Mann namens Ove So einen kennt jeder! Diese Sorte des schlecht gelaunten, grantigen in die Jahre gekommenen Nachbarn, der jeden Morgen seine Kontrollrunde in der Reihenhaussiedlung macht, Falschparker aufschreibt, Fahrräder an ihren Platz räumt und Mülltonnen auf korrekte Mülltrennung überprüft. Genau so einer ist Ove. Mit der Hilfe seiner neuen Nachbarin findet der grantige alte Pedant wieder zurück ins Leben: Eine hinreißend feinfühlig inszenierte Geschichte um Liebe, Freundschaft und Angst vor der Vergänglichkeit. Bei Schlechtwetter im Alten Kino.

PRO AN(N)A

Do., 25. August, 21 Uhr, Marktplatz Rankwei, Eintritt: 7,80,- Euro (zzgl. VVK-Gebühr)

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FILME UNTER STERNEN

Foto: Veranstalter

Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 ZVIERE-KINDERCAFÉ

jeden Montag von 15 bis 17 Uhr / Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt!

Suffragette – Taten statt Worte Mitreißendes Drama über die geschichtsverändernden Anfänge der Frauenrechtsbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Großbritannien. 1903 gründete Emmeline Pankhurst in Großbritannien die „Women‘s Social and Political Union“, eine bürgerliche Frauenbewegung, die in den folgenden Jahren sowohl durch passiven Widerstand, als auch durch öffentliche Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Fesselnd wie ein Thriller erzählt „Suffragette“ die spannende und inspirierende Geschichte ihres herzzerreißenden Kampfs um Würde und Selbstbestimmung.

MEDITATIONSGRUPPE

jeden Montag um 18.30 Uhr

FRAUENCAFÉ

jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen

SPORTNEIGUNGSGRUPPE

jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9

Wir laden zur Spielrunde und wollen dabei schon fast vergessene Brett-, Karten-, Geschicklichkeits- oder lustige Unterhaltungsspiele neu beleben. Wer Interesse hat, kann auch gerne dazu seine Ideen inkl. Spielematerial einbringen oder sich neugierig auf diesen Spielenachmittag einlassen.

Jeden ersten Samstag im Monat, 9 bis 12 Uhr, Polytechnische Schule Feldkirch. Eintritt: frei

REPARATUR CAFE FELDKIRCH

Wenn Sie ein defektes Haushaltskleingerät, Kleinmöbel, Spielzeug oder etwas ähnliches zuhause haben, das sie gerne reparieren möchten, kommen Sie damit vorbei. Im Reparatur -Café helfen ihnen Fachleute dabei. Kosten? Eine freiwillige Spende. Infos: Joachim Breuss, Tel. 0699 192 87 066.

Jeden ersten Montag im Monat, 19 Uhr, Theater am Saumarkt in Feldkirch. Eintritt: frei

KONTAKTCHOR LÄDT EIN ZUM „OFFENEN SINGEN“

Seit ein paar Monaten singen asylwerbende Menschen und anerkannte Flüchtlinge mit sangesfreudigen Leuten vor Ort in Feldkirch. Dieser neue Chor wird vom erfahrenen Chorleiter, Kolumnisten, Musiker und Autor Ulrich Gabriel geleitet. Jede/r ist eingeladen sich dazu zu gesellen, zuzuhören, mitzusingen, Kontakt aufzunehmen. August ist Pause.

MITTAGSTISCH

jeden Freitag mitkochen ab 10.00 / mitessen ab 12.00 – Bio-Regional-Fair / gib was es dir wert ist

LITERATUR TANKSTELLE

jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr

NÄHWERKSTATT

jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!


#8 / Juli-August 2016

VORARLBERGRÄTSEL

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Freizeit

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Foto: Bergbahnen Diedamskopf

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Lösung 1. Jannersee, 2. Origano, 3. Pfaenderbahn, 4. Rheinauen, 5. Goefis, 6. Karren, 7. Sulzfluh, 8. Diedamskopf, 9. Mannheimerhuette, 10. Breitachklamm, 11. Reichenau, 12. Schneckenloch, 13. Feldkirch, 14. Quelltuffweg, 15. inatura

1. Badeort im Lauteracher Ried 2. Open Air Musikfestival in Dornbirn 3. Transportmittel auf 14 den Bregenzer Hausberg 4. Erholungsgebiet in Hohenems 5. Sonnenreichste Gemeinde Vorarlbergs 6. Wanderziel, Aussichtspunkt in Dornbirn 7. Familien-Klettersteig mit Höhlendurchstieg 8. Wander- und Paragleiterparadies im Bregenzerwald (siehe Bild) 9. Höchstgelegene Wanderherberge Vorarlbergs 10. Tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas 11. Ausflugsinsel im Bodensee 12. Größte begehbare Höhle Vorarlbergs ( ... höhle) 13. Standort des Wildparks 14. Sehenswürdigkeit, Naturdenkmal in Lingenau 15. Naturmuseum in Dornbirn

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Sommerausgabe

Kisuaheli dok wubu gofella neumix Lorem ipsum dolor Impressum sit amet, consectetuer adipiscing elit. Grundlegende Richtung

Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt.

Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Campus V, Coworking Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktonsleitung: Mag. Elisabeth Willi Redaktionsteam dieser Ausgabe: Caroline Begle, Christine Mennel, Daniela Egger, Mag. Frank Andres, Dr. Gerhard Hofer, Mag. Gernot Hämmerle, Günther Frick, Helmut Weissenbacher, Mag. Rebekka Moser, Robert Thoma, Simone Fürnschuß-Hofer Zeitungsausgabe Ausgabestelle Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Gilmstraße 7 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr

Ausgabestelle Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 Uhr Ausgabestelle Bludenz do it yourself, Kasernstraße 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Ausgabestelle Feldkirch Caritas-Café, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer, DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage 30.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass (www.die3.eu) Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2016 marie. Alle Rechte vorbehalten.


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