#64 / Oktober 2021
2,80 Euro
davon 1,40 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
Ein Gefühl von Freiheit Eliud Kipchoge ist der erfolgreichste Marathonläufer der Welt. Er lief als erster Mensch die 42,195 Kilometer unter zwei Stunden und ist Doppel-Olympiasieger. Der 36-jährige Kenianer spricht über seinen neuen Film, warum ein Marathon wie das Leben ist und weshalb man sich als Läufer als Teil einer Gemeinschaft versteht. Seiten 32/33 Foto: Shutterstock
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Inhalt
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Fluch und Segen Tatjana Tschabrun und Jochen Jenic, das Leitungsteam der Jugendnotschlafstelle anker, im großen Interview
was uns in der marie Redaktion antreibt und inspiriert? Uns von Geschichten finden zu lassen und sie mit Ihnen, 8 Wenn die Erde . . . geschätzte Leserinnen und Leser, zu teilen. Stimmen hör Ein spannendes Gedankenexperiment von Eckart Drössler bar zu machen – besonders die von Menschen an den 8 Impressum Rändern unserer Gesellschaft, Klischees zu knacken, unkonventionelle Lebenswege und Projekte aufzustöbern, 9 Das Glück auf dem Teller dem Brüchigen wie dem Besonderen nachzuspüren, un Pastaschutta mit Sauce Bolognese aus Dans Probelokal terschiedlichsten Sichtweisen Raum und gesellschaftsre10-12 Das schwarze Gold levanten Fragen Tiefenschärfe zu geben. Und auch das: Zu Besuch in Cornelius Linggs Café Bahi in Bregenz Ambivalenz(en) stehen zu lassen. Uns und Ihnen zuzumuten, dass die Welt weder schwarz noch weiß ist. Uns 13-15 Sternstunde der Menschlichkeit viel eher ins Dazwischen zu wagen, weil sich in jenem Ein Rückblick auf das Flüchtlingsjahr 2015 Spannungsfeld findet, was die journalistische Bericht16-17 Wende zum hoffentlich Guten erstattung mit Substanz anreichert. So auch dieses Mal: Wie Ursula Prinzinger mitgeholfen hat, die Abschiebung Noch einmal greifen wir die große Fluchtbewegung des einer vierfachen Mutter zu verhindern Jahres 2015 auf. Fragen uns, welches Narrativ sich durch18 Neue Stimme für Menschen ohne Lobby gesetzt hat. Wie es zu medialer Verzerrung kommen konnte und wie wir uns die guten Geschichten zurück Corina Albrecht, neue Leiterin der Kaplan erobern können. Bonetti Wohnprojekte, im Porträt An anderer Stelle der geweitete Blick auf begrenzte Wahr19 Sudoku nehmungsfelder und was alles wandelbar wäre, wenn wir wirklich wollten. Gleichzeitig – auch das ist marie – be20-22 Vier Raubeine schäftigen wir uns mit Themen, die uns mit Wohl- und Wie alten Möbeln neues Leben eingehaucht wird Wow-Gefühl versorgen: Über einen Barista mit viel Ge23 Rechenrätsel, Schachecke spür für eine neue Kaffeekultur, über ein Vintage-Möbel-Projekt mit sozialem Charakter und über Eliud Kip24-25 Das Ende des Ein- und Ausgrenzens choge, den größten Marathonläufer aller Zeiten. Hans Platzgumer plädiert für einen radikalen Wandel Wir besuchen außerdem die erste Notschlafstelle für Ju26-28 Reden wir mal über Geld gendliche, berichten über eine verhinderte Abschiebung Markus Distelberger über seine Idee des Vermögenspools und stellen Ihnen die neue Leiterin der Kaplan Bonetti Wohnprojekte vor. Ungeniert reden wir übers liebe Geld, 30-31 Ausbildungschance mit finanzieller Absicherung über den Wert des Schuldenmachens und über neue ForReingard Fessler erklärt uns das connexia Stiftungsmen des Wirtschaftens. Viel Freude beim Lesen! modell
Alles für Spiel und Spaß findest du im Kindi.
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„Laufen ist Freiheit” Herzlich, Eliud Kipchoge, der erfolgreichste Marathon-Läufer der Simone Fürnschuß-Hofer, Redakteurin Welt, spricht über Medaillen und seinen neuen Film
34-35 Ein Lob auf die Schlafmützen Gerhard Thoma blickt auf eine Zeit zurück, als der Schlaf noch nicht als Verschwendung galt 36-38 Veranstaltungskalender 38 Rätsellösungen Während Mama und Papa in Ruhe shoppen, geht es für den Nachwuchs mit Volldampf auf Entdeckungstour – im betreuten Kindi des Messeparks. Hier können die Kleinen von 3 bis 6 Jahren nach Herzenslust spielen, malen, basteln oder toben. Richtig viel Spaß inklusive, denn im Messepark gibt es immer jede Menge Abenteuer zu erleben. Los geht’s! Alle Details unter www.messepark.at/kinder Ich freu mich drauf!
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www.messepark.at marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
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Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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„ Wir sind Fluch und Segen zugleich“ Die Jugendnotschlafstelle anker in Dornbirn öffnete Mitte Juni seine Türen. Die marie traf die Leiterin, Tatjana Tschabrun (40) und ihren Stellvertreter, Jochen Jenic (43), zum Interview. Ein Gespräch über Familienersatz und weshalb Mädchen in Notsituationen bevorzugt werden.
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Jochen Jenic ist Sozialarbeiter und arbeitete davor bei der Stiftung Jupident mit Kindern und Jugendlichen und in der Offenen Jugendarbeit.
Die Jugendnotschlafstelle anker hat am 16. Juni offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Wann gab es die erste Übernachtung? Am ersten Tag kam ein 15-jähriges Mädchen. Der Grund war eine familiäre Krise. Wie hat sie von euch erfahren? Durch ihre Oma. Diese hat über uns in der Zeitung gelesen und sich gedacht, das wäre der richtige Platz, damit sich die ganze Situation zuhause wieder entspannt. Sie hatte gehofft, dass der Konflikt so weit abgekühlt wird, dass man danach wieder zusammensitzen kann. Und wie lange blieb das Mädchen in der Notschlafstelle? Eine Nacht. Seitdem ist sie nicht mehr bei uns aufgetaucht. Das ist insofern ein gutes Zeichen, als dass sich diese akute Situation danach gelegt haben dürfte. Hattet Ihr danach noch Kontakt zu dem Mädchen bzw. ihrer Familie? Nein. Was danach passiert, ob zum Beispiel die Kinder- und Jugendhilfe tätig wird, bekommen wir oft nicht mehr mit. Unsere Aufgabe ist es, einen niederschwelligen Zugang in der unmittelbaren Notsituation zu ermöglichen. Wir klären am nächsten Morgen ab, an welche andere Einrichtung die Jugendlichen weiter vermittelt werden können oder sollen. Zum Beispiel zur Beratungsstelle beim ifs (Institut für Sozialdienste) oder die zuständige Kinder- und Jugendhilfe. Es geht manchmal auch schlichtweg darum, dass Jugendliche einfach wieder die Schule besuchen oder an ihre Lehrstelle zurückkehren. Die Notschlafstelle gibt es jetzt seit dreieinhalb Monaten. Wie lautet eure erste Bilanz? In den ersten zwei Wochen war es erwartungsgemäß etwas schleppend. Es gab nur vereinzelt Nächtigungen. Wenn man sich aber die Monate Juli und August anschaut, war schon relativ viel los. Im Juli waren es 25 Nächtigungen von 14 Jugendlichen, im August schon 41 Nächtigungen von zwölf Personen. Mädchen sind dabei klar in der Minderheit. Im Juli waren es drei Mädchen und im August zwei.
auch Jugendliche, die bereits einen betreuten Wohnplatz haben und dort eine Auszeit nach einem Konflikt oder Regelbruch brauchen. Wenn es dort nicht klappt, bekommen sie die Empfehlung, zu uns zu kommen. Es gibt aber auch Jugendliche, die direkt bei uns anrufen und aus einer Notsituation heraus ein Bett reservieren. Es könnte ja sein, dass die Couch beim Kollegen besetzt ist. Wie kann man euch erreichen? Die Jugendlichen können uns über Instagram oder über Facebook erreichen. Manche schreiben uns auch freundliche, förmlich formulierte E-Mails. Oder sie rufen einfach an. Es ist aber auch möglich, dass sie ohne Voranmeldung vor unserer Türe stehen. Wir sind 365 Tage im Jahr von 18 bis 9 Uhr am Folgetag da. Bei uns gibt es ein Bett, eine Dusche, eine warme Mahlzeit, Frühstück und Kleidung bzw. Waschmöglichkeit. Natürlich auch eine Couch, TV und Spielkonsole.
Interview und Fotos: Frank Andres
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Tatjana Tschabrun ist Sozialarbeiterin und leitete davor die Jugendnotschlafstelle am Wiener Westbahnhof.
Wie lässt sich das erklären? Bei klassisch wohnungslosen Menschen kann man beobachten, dass Mädchen andere Lösungsstrategien als Burschen haben. Das gilt für Jugendliche wie für Erwachsene. Buben finden sich eher in Cliquen, suchen Unterschlupf bei Freunden. Sie sind auch insgesamt weniger Gefährdungen ausgesetzt, falls sie einmal auf der Straße bzw. im Freien übernachten müssen. Mädchen begeben sich hingegen oftmals in Beziehungen oder machen Deals. Was ist so ein Deal? Ein Mädchen bietet zum Beispiel sexuelle Handlungen für einen Schlafplatz an. Das kann auch innerhalb eines Freundeskreis passieren. Diese Beziehungen haben oft nicht nur einen romantischen, sondern einen zweckgebundenen Hintergrund. Es geht schlichtweg darum, dass ein Mädchen ein Dach überm Kopf hat. Für uns bedeutet das konkret: Wenn wir entscheiden müssen, ob ein Bub oder ein Mädchen in unserer Notschlafstelle übernachten darf, dann wird das Mädchen genau aus
Wie kann man dauerhafte Wohnungslosigkeit verhindern? Unser Motto lautet: Der Aufenthalt sollte so kurz wie möglich und so lang wie nötig sein. Wir sind keine Krisen-WG, die die Jugendlichen längerfristig stabilisieren soll. Es geht um eine Grundversorgung, um einen Schlafplatz und am nächsten Tag schauen wir, wie es weitergehen kann. Im Notfall nehmen wir auch junge Erwachsene bis 21 Jahre auf. Es ist erwiesen, dass umso jünger Jugendliche in die Wohnungslosigkeit schlittern, umso schneller bewegt sich die Abwärtsspirale. Das bedeutet: Wohnungslosigkeit kann sich manifestieren. Man möchte vermeiden, dass junge Erwachsene, die noch keine Milieuanbindung haben und noch nicht auf der Straße sind und plötzlich „Unser Motto lautet: Der Aufenthalt wohnungslos werden, gleich an die Erwachsenen-Wohnungshilfe andosollte so kurz wie möglich und so lang cken. Sie sollten zuerst einmal in die wie nötig sein. Wir sind keine Krisen-WG, Jugend-Notschlafstelle gebracht werden, um eine Orientierungsphase zu die die Jugendlichen längerfristig stabibekommen.
diesem Grund bevorzugt. Wenn man sich die Statistik von Notschlafstellen von Jugendlichen insgesamt ansieht, dann liegt der Anteil der Bettenbelegung durch Mädchen bei lisieren soll. Es geht um eine Grundver30 bis 40 Prozent. Das ist Hattet ihr schon junge Erwachsene in bei uns bislang nicht so. sorgung, um einen Schlafplatz und am der Notschlafstelle? Im Herbst wird sich aber nächsten Tag schauen wir, wie es weiterNein, bislang nicht. Die Jugendlichen, ein klareres Bild abzeichdie bei uns übernachtet haben, waren nen, wer tatsächlich zu gehen kann.“ zwischen 14 und maximal 17 Jahre alt. uns kommt. Dann gibt es die Möglichkeit draußen zu schlafen nicht mehr so oft. Wir hoffen, dass Für welche Jugendlichen ist die Notschlafstelle gedacht? dann diejenigen, die uns brauchen, auch den Es gibt Jugendliche, die gezielt versuchen, dem Kinder- und Jugendhilfesystem zu entweichen. Die tun sich schwer mit Strukturen in WohngemeinWeg zu uns finden. schaften, zum Beispiel einer Hausordnung. Sie verlieren dadurch immer Aus welchen Gründen kommen Jugendliche in wieder diese Plätze, weil sie sich an diese Regeln nicht halten wollen und können. Für diese Jugendlichen ist die Notschlafstelle deshalb ganz gut, weil die Notschlafstelle? Es gibt keine Klassiker, aber Dinge, die sich sie freiwillig bei uns sind und jederzeit wieder gehen können. Aber das ist wiederholen. Beispielsweise gibt es Jugendli- natürlich keine langfristige Lösung, weil es dadurch ja keine Festigung ihrer che, die von der Polizei zu uns gebracht wer- Wohnsituation gibt. Aber um eine Veränderungs-Motivation zu erreichen, den, nachdem es zuhause eskaliert ist. Es gibt macht es durchaus Sinn, dass sie zu uns kommen. Es kann passieren, >>
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beschäftigen uns mit dem jeweils nächsten Schritt. Was sehen wir als am notwendigsten an. Und wir nehmen sie, wenn notwendig, selbstverständlich an der Hand und vereinbaren gemeinsam mit ihnen Termine bei anderen Einrichtungen. dass sie diese Schleife mehrfach drehen, bevor sie es schaffen, ein stabilisierendes Angebot anzunehmen. Wir wissen aber zumindest, es geht ihnen gut und sie sind grundsätzlich versorgt. Wenn sie das schaffen, ist das der erste Schritt zu einem höherschwelligeren Angebot.
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Aber ganz ohne Regeln wird es doch bei euch auch nicht gehen? Jochen: Stimmt. Unsere Regeln lauten: „Bei einem Erstgespräch klären wir aber zuerst einKeine Gewalt, keine mal ab, warum jemand zu uns gekommen ist. Eine Waffen und keine illegalisierten SubstanClique, die auf Gaude ist und bei uns übernachten zen. Bis dato werden diese Grundregeln will, ist nicht unser Zielpublikum. Aber oft tauchen sehr gut akzeptiert.
Wie sehr spielt die Mundpropaganda eine Rolle? Das ist ganz wichtig. Oft treffen sich Jugendliche, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Zum Beispiel am Bahnhof oder in einem Jugendliche bei uns auf, die sich durch das StraJugendzentrum. Bei einem Seid ihr manchmal für ßenmileu kennen. Hier achten wir sehr darauf, dass Erstgespräch klären wir aber Jugendliche auch so zuerst einmal ab, warum jewir nicht zu einer After-Party-Location werden.“ etwas wie ein Familimand zu uns gekommen ist. enersatz? Eine Clique, die auf Gaude Wir wollen es den Jugendlichen so angenehm, aber ist und bei uns übernachten will, ist nicht unser Zielpublikum. Aber so unbequem wie notwendig machen. Das bedeu- oft tauchen Jugendliche bei uns auf, die sich durch das Straßenmilieu tet, sie können nicht mit Sack und Pack bei uns ein- kennen. Hier achten wir sehr darauf, dass wir nicht zu einer After-Parziehen. Sie können sich bei uns das Zimmer nicht ty-Location werden. selbst einrichten. Sie bekommen ein Bett und einen Schrank. Das ist es. Wir wollen sie nicht an die Was hat euch in den ersten dreieinhalb Monaten am meisten überNotschlafstelle anbinden. Aber natürlich entstehen rascht? professionelle Betreuungs-Beziehungen zu den Ju- Wir hatten Ende August das erste Mal eine Vollbelegung. Damit habe gendlichen. Es ist ja einfach auch so, dass in ihrer ich nicht so schnell gerechnet. Dass der Tag, an dem alle sechs Betten Notsituation häufig Erwachsene fehlen, die für sie regulär belegt sein werden, kommen wird, war klar. Aber erwartet habe Partei ergreifen. Das bedeutet aber nicht, dass wir ich das erst im Herbst bzw. Winter. alles unreflektiert und ungefiltert gut heißen. Wir sagen ganz klar, welches Verhalten wir gut und wel- Worin seht ihr eure Hauptaufgabe? ches wir nicht okay finden. Wichtig ist aber, dass Unser Auftrag ist es, die Jugendlichen in einer Notsituation zu versorgen wir ihnen das Gefühl geben, egal was du machst, und sie dann so rasch wie möglich weiter zu vermitteln. Wir sind für wir nehmen dich so an, wie du bist. Wir dürfen da- die Grundversorgung da. Aber wir unterliegen selbstverständlich einer bei aber durchaus kritisch und lästig sein. Reibung Meldepflicht, wenn wir bei einem Jugendlichen eine Gefährdungssierzeugt bekanntlich Wärme. Wir bieten ihnen zu- tuation wahrnehmen. Wir entscheiden aber nichts über die Köpfe der mindest für eine Nacht den Erholungsraum, den sie Jugendlichen hinweg, sondern arbeiten stets transparent. Wir erklären brauchen. Da kann schon ein Gefühl zwischen Feri- ihnen die Situation. Bei einer Gefährdungsmeldung kommt aber auf enlager und Familie aufkommen. jeden Fall ein Verfahren bei der Kinder- und Jugendhilfe ins Laufen. Ist das Problem nicht so gravierend, versuchen wir die Jugendlichen Woher kommen die Jugendlichen? zu motivieren, Kontakt mit ihrem Zuhause aufzunehmen. Sich bei der Jochen: Aus dem ganzen Land. Vom hintersten Bre- Lehrstelle zu melden. Oder ein Beratungsangebot anzunehmen. Oder genzerwald bis ins Montafon. zum Hausarzt zu gehen, weil sie zum Beispiel einen Fußpilz haben. Wir
Aus welchen Schichten kommen die Jugendlichen? Der soziale Hintergrund ist ganz unterschiedlich. Es kommen bei weitem nicht nur Jugendliche, deren Familie quasi amtsbekannt sind. Die über Generationen hinweg immer wieder mit der Kinder-und Jugendhilfe zu tun haben. Es sind durchaus auch Jugendliche, die aus der gutsituierten Mittelschicht stammen. Aus soliden Verhältnissen und höherbildende Schulen besuchen. Bedanken sich Jugendliche auch manchmal bei euch für eine Notübernachtung? Jochen: Es gab schon Dankes-Mails von Jugendlichen, aber auch von Eltern. Manche Jugendliche sagen oft: Danke, ich hatte schon lange nicht mehr so einen entspannten Morgen. Weil es zuhause oft in der Früh schon ordentlich Stress gibt. Die Politik hat sich jahrzehntelang gegen eine Notschlafstelle für Jugendliche in Vorarlberg gewehrt. So quasi nach dem Motto: Was nicht sein darf, brauchen wir nicht. Wie ist die Situation Stand jetzt? Wenn man von politischer Seite nichts hört, kann man davon ausgehen, dass es so weit passt. Wir etablieren uns. Wir haben eine Pilotphase von zwei Jahren. In dieser Zeit sehen wir, wie sich die Sache entwickelt. Prinzipiell finde ich es gut, dass wir an die koje, also die Offene Jugendarbeit, angebunden sind. Dadurch können wir auch so niederschwellig wie möglich arbeiten. Für das System an sich, sind wir je nach Blickwinkel, Fluch und Segen zugleich. Es ist manchmal auch so, dass uns Jugendliche als die bessere Alternative wahrnehmen. Aber das hört sich spätestens ab dem Zeitpunkt auf, wenn sie merken, dass sie auch am Wochenende das Haus um 9 Uhr in der Früh verlassen müssen. Es gibt untertags kein Angebot unsererseits, egal ob es draußen regnet oder schneit. Wir sind ein
Notquartier mit Nachtbetrieb und fertig. Somit sind wir über kurz oder lang für Jugendliche, die uns am Anfang noch gut finden, keine wirkliche Alternative. Am Nachmittag chillen auf der Couch ist nicht drin. Somit ist es langfristig besser, dass sie in einer betreuten WG wohnen. Und wir sind keine langfristige Lösung. Jugendliche dürfen nur maximal sieben Nächte pro Monat in der Notschlafstelle übernachten. Alles darüber hinaus bedarf einer genauen Abklärung mit der Kinder- und Jugendhilfe. Was bedeutet für euch Erfolg? Das ist schwierig zu definieren. Manchen Jugendliche können nirgendwo andocken. Sie verweigern sich jeglicher Hilfe, die sogenannte Hard-to-reach-Klientel. Dann ist es schon mal gut, wenn sie es überhaupt schaffen, den Weg zu uns finden. Sich bei uns duschen und es eine ganze Nacht aushalten. Bei anderen wiederum reicht eine Nacht, sie sind danach weg und die Situation stabilisiert sich. Damit muss man umgehen und es aushalten können. Mit unserem Grundsatz der Freiwilligkeit können wir die Jugendlichen nicht einfach festhalten.
Infobox Die Jugendnotschlafstelle anker bietet sechs Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren (in Ausnahmefällen auch jungen Erwachsenen bis 21) einen Schlafplatz an. Die Angebote sind für alle Jugendlichen kostenlos, unbürokratisch und in den ersten drei Tagen auf Wunsch anonym zugänglich – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion. Die Jugendnotschlafstelle bietet kurzfristig und zeitlich begrenzt Übernachtungsmöglichkeiten für akut wohnungslose junge Menschen an. Unabhängig davon, warum keine andere Übernachtungsmöglichkeit verfügbar ist, steht das Angebot den Jugendlichen ohne Anmeldung oder Begründung für sieben Nächte pro Monat zur Verfügung. Im anker gibt es warmes Abendessen, Dusch- und Waschmöglichkeit, Kleidertausch, Hygieneartikel und Frühstück – täglich zwischen 18 und 9 Uhr. Betreut werden die Jugendlichen von insgesamt vier Nachtdienst-MitarbeiterInnen und punktuell von Kolleg*innen der OJAD.
Kontakt Die Mitarbeiter*innen sind zwischen 18 und 9 Uhr erreichbar. Anfragen und Reservierungen außerhalb der Öffnungszeiten sind per Instagram, Facebook, E-Mail oder Mobilbox-Nachricht möglich. Jugendnotschlafstelle anker Sankt-Martin-Straße 3, 6850 Dornbirn T: 0664 419 6666, E-Mail:anker@koje.at
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Kolumne
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Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com
Impressum Eckart Drössler
Bereichsleiter für „Bürgerservice & Information“ im Energieinstitut Vorarlberg und externer Lehrbeauftragter der FH Vorarlberg.
WENN DIE ERDE…
…nur ein paar Meter Durchmesser hätte.
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„Wenn die Erde nur ein paar Meter Durchmesser hätte und irgendwo über einem Feld schweben würde, kämen die Menschen von überall her, um sie zu bewundern. Leute würden sie umrunden, über die großen Wasserbecken staunen und über die kleinen und über das Wasser, das zwischen ihnen strömt. Sie würden die kleinen Berge bewundern und die Täler dazwischen, sie würden die dünne Lufthülle bewundern, die alles umschließt und das Wasser, das in dieser Luft gelöst ist. Die Menschen würden die Kreaturen bestaunen, die sich auf der Erdoberfläche bewegen und auch die, die im Wasser schw immen. Die Menschen würden diese Erde als wertvoll bezeichnen, weil es die Einzige wäre, die sie kennen und sie würden sie beschützen, damit sie nicht verletzt werden könnte. Dieser Ball wäre das größte bekannte Wunder, sie würden kommen, um ihn zu bestaunen, zu lernen, um selbst geheilt zu werden, um ihr Wissen zu bereichern, um die Schönheit zu kennen und sich zu wundern, wie es so etwas nur geben kann. Die Leute würden sie lieben und mit ihrem Leben verteidigen, weil sie irgendwie wüssten, dass ihr eigenes Leben, ihr eigenes Heil und ihre eigene Vollkommenheit nichts wäre, ohne diese Erde. Wenn die Erde nur ein paar Meter im Durchmesser hätte.“
(Von einem unbekannten Autor, gefunden auf der Rückseite der Musik-CD „Earth: Voices Of A Planet“ von Paul Winter aus dem Jahr 1990, Verlag Living Music.) Auf diesem Erdball haben alle Lebewesen, Tiere und Pflanzen, ihren Platz und ihre Aufgabe gefunden. Sie leben in einem großartigen Zusammenspiel, das sich über Milliarden von Jahren entwickelt hat. Seit seiner „kognitiven Revolution“ vor 70.000 Jahren breitet sich nun der Homo sapiens über diese Erde aus. Überall, wo er auftauchte, setzte unmittelbar s i g n i f i k a nt e s Artensterben in der Tier- und P f l a n z e nw e l t ein, und das mit immer noch zunehmender Geschwindigkeit. Während alle anderen Lebewesen ihren Platz und ihre Aufgabe kennen, stolpern die Menschen von einem Irrweg in den nächsten. Erst ein kleiner Teil der menschlichen Gesellschaft ist erwacht. Wäre es nicht für alle Menschen Lebensaufgabe genug, zu erkennen, wo wir uns befinden, zu lernen, was es zu lernen gibt und wertzuschätzen, was wir erkannt haben, und alles zu tun, um das Leben auf dieser Erde in seiner Vielfalt zu bewahren? („Kognitive Revolution“: nachzulesen unter anderem in „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Prof. Yuval Noah Harari, Hebräische Universität Jerusalem, Deutsche Verlags-Anstalt, 2014)
Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,80 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Telefon: 0677 61538640, eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at, Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Simone Fürnschuß-Hofer MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Eckart Drössler, Daniela Egger, Daniel Furxer, Guntram Gärtner, Christine Mennel, Daniel Mutschlechner, Hans Platzgumer, Brigitta Soraperra, Gerhard Thoma Zeitungsausgabestellen: Dornbirn: Kaplan Bonetti Sozialwerke, Kaplan-Bonetti-Straße 1, Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 9 Uhr Bregenz: dowas, Sandgrubenweg 4, Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 h Feldkirch: Caritas-Café, Wohlwendstraße 1, Montag bis Freitag 8.30 bis 14 h Bludenz: do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b, Montag und Mittwoch 14 bis 16 h Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Vorstand Frank Andres, Obmann Christina Vaccaro, Obmann-Stellvertreterin, Schriftführerin Oliver Mössinger, Kassier Externe Beiräte DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Cornelia Matt, Mag. Peter Mayerhofer, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 15.000 Exemplare, Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP/Bildbearbeitung :TAGWERK Grafik|Design Monika Dür Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal, IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580, BIC: RVVGAT2B420 © 2021 marie. Alle Rechte vorbehalten.
Paschtaschutta Sauce Bolognese – richtig geschrieben, richtig gekocht
Zutaten:
Glück ist kein Dauerzustand. Ich finde, es genügt, halbwegs zufrieden zu sein und sich zwischendurch an erhebenden Momenten zu erfreuen. Man muss sie aber erkennen. Manchmal winkt das Glück sogar zum Küchenfenster herein. Etwa dann, wenn eine dampfende Schüssel Spaghetti Bolognese auf dem Tisch landet. Das war schon in der Kindheit so. Zwar erkannte ich erst Jahre später, dass „Paschtaschutta“ korrekterweise „Pasta Asciutta“ geschrieben werden, was so viel wie „abgetrocknete Nudeln“ heißt. Gemeint war damit immer die Sauce Bolognese, neben Cordon Bleu das am meisten falsch geschriebene Gericht auf den Speisekarten gutbürgerlicher Gasthäuser (die Bandbreite reicht übrigens von Bolognaise bis hin zur Polonäse). So viele Schreibweisen es gibt, so viele Varianten habe ich in den letzten Monaten ausprobiert. Bis ich letztlich meine Lieblingsversion gefunden habe. Sie enthält Tomatenmark statt Dosentomaten, Rotwein und eine Menge Gemüse. Außerdem wird sie schon am Vortag langsam eingeköchelt. Wenn es dazu dann selbstgemachte Spaghetti gibt, ist das kleine Alltagsglück perfekt.
• 150 g Sellerie • 150 g Karotten • 150 g Zwiebel • 1 Knoblauchzehe • 1 Teelöffel getrockneten Oregano • 300 Gramm Hackfleisch vom Rind • 80 Gramm Speck • ¼ Liter Rotwein • ¼ Liter Suppe • 1 Tube (200 g) Tomatenmark • Olivenöl, Salz, Pfeffer und zum Abrunden einen Schuss Rahm
Zubereitung: Speck und Gemüse fein würfeln. Etwas Olivenöl im Topf erhitzen, Speckwürfel anbraten und Gemüse einrühren. Ein paar Minuten durchrösten und zwischendurch umrühren. Hackfleisch dazugeben und scharf anbraten. Würzen, Tomatenmark einrühren und mit Rotwein und Suppe ablöschen. Bei niedriger Temperatur zugedeckt lange köcheln lassen – durchaus drei bis vier Stunden. Am nächsten Tag aufwärmen, mit wenig Rahm verfeinern und zu Spaghetti servieren. Übrigens: Ein einfaches Rezept für hausgemachte Spaghetti finden Sie auf probelokal.com
Musiktipp: Auf der Suche nach origineller italienischer Musik lande ich immer wieder beim Liedermacher Vinicio Capossela. Anders sieht das der Nachwuchs: Aus dem Jugendzimmer dröhnt derzeit nämlich die Rockmusik der römischen Band Maneskin, den Gewinnern des heurigen Songcontests. Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com
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DAS SCHWARZE GOLD
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Am 1. Oktober ist Internationaler Tag des Kaffees. Heuer feiert er in Österreich sogar ein Jubiläum. Vor 20 Jahren wurde er vom österreichischen Kaffeeverband ins Leben gerufen. Grund genug, eine kleine Reise in das Reich des „Schwarzen Goldes" anzutreten und dem passionierten Barista Cornelius Lingg (34), Geschäftsführer des Café BAHI in Bregenz, einen Besuch abzustatten. Sein Café verbindet guten Kaffee mit Yoga und Coworking. Text und Fotos: Daniel Furxer
Cornelius Lingg bringt den weltweiten Trend hin zu hochqualitiver Kaffeekultur ins Land
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ls ich auf die Reise nach Südafrika ging, wusste ich noch nicht, dass ich ein Café eröffnen werde“, so Cornelius Lingg, Barista und Café-Betreiber. Dennoch markiert diese Reise den Beginn eines Abenteuers, das den ehemaligen Nachhilfelehrer, Projekteschmieder und Pressebeauftragten der Dreikönigsaktion schlussendlich ins Unternehmertum führen würde. Nicht direkt in Äthiopien, dem Geburtsland des Kaffees, aber in Ostafrika begibt er sich auf Spurensuche. „Mich faszinierte, wie dort eine junge Generation neue Geschäftsmodelle entwickelt und kreativ umsetzt. Die alten Bilder, die man von Afrika im Kopf hat, passen für mich nicht mehr." Wirtschaftliche Verbindungen zwischen Afrika und Vorarlberg würde es ja durch die Textilindustrie schon länger geben, so Cornelius, und auch in ihm sei nach seiner Rückkehr die Vision gereift, eine eigene Geschäftsidee Wirklichkeit werden zu lassen.
Kaffee ist nicht gleich Kaffee
Der Geschmack des Kaffees ergibt sich aus der Kaffeesorte, dem Anbaugebiet, der Art der Röstung und den Qualitäten „single orgin" oder „blended" (siehe Factbox). Es gibt Kaffee mit deutlichen Aromen nach Orange oder Limette, Brombeere oder roter Weintraube. „Gerade bei single orgin kommen die einzelnen Duftnoten
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„MICH FASZINIERTE, WIE EINE JUNGE GENERATION NEUE GESCHÄFTSMODELLE ENTWICKELT UND KREATIV UMSETZT. DIE ALTEN BILDER, DIE MAN VON AFRIKA IM KOPF HAT, PASSEN FÜR MICH NICHT MEHR.“
besonders stark hervor“, betont Cornelius. So weit, so Kaffee. Er beziehe seinen Kaffee von zwei lokalen Röstern, die direkten Kontakt zu den Kaffeeanbauern haben. „Wie beim Wein weiß ich also, wer den Kaffee angebaut hat und aus welcher Region er kommt”, betont der Barista. Die Anonymität des Kaffees war lange Zeit ein Faktum, heute wollen viele Kund*innen wissen, woher der Kaffee komme. Da habe sich gerade in letzter Zeit sehr viel verändert. Je mehr Menschen in unseren Breiten auf die Qualität und die Herkunft von Kaffee achten würden, desto mehr ergebe sich die Möglichkeit für die Menschen in den Anbauländern, an Kaffee zu verdienen. Die Bauern bekämen einen guten Preis, das ist Cornelius besonders wichtig. Es soll eine Beziehung auf Augenhöhe sein. Die Welt wächst zunehmend zusammen, Konsument und Produzent können sich so auch ganz real kennenlernen. „Bei jeder Tasse Kaffee, die im BAHI konsumiert wird, lässt sich genau zurückverfolgen, wo die Bohnen angebaut wurden.“ Die zweite wichtige Zutat für einen guten Kaffee, so Lingg, sei die Milch. Ein Schuss davon im Kaffee würde sofort wieder ein neues Aroma erzeugen. „Es treffen hier zwei Extreme aufeinander. Ein örtlich sehr entferntes Produkt wird mit einem lokalen Erzeugnis gemischt. Auch bei der Milch geht es mir darum, dass diese biologisch produziert wird. Wir sind hier im Kontakt mit dem Bauer Lingenau in Doren, die Original Montafoner Braunvieh mit Hörnern halten, und biologisch wirtschaften.“
Die Region Kaffa im Südwesten von Äthiopien ist wohl der Ursprungsort des Kaffees. Im 9. Jahrhundert wird die Kaffeepflanze erstmals erwähnt. Laut Legende soll ein Teil der Ziegen, die von einem Hirtenjungen geführt wurde, nicht mehr geschlafen haben, während die anderen Ziegen müde wurden. Eine andere Legende besagt, dass der Engel Gabriel dem islamischen Propheten Mohammed eine Schale heißer, schwarzer Flüssigkeit kredenzt haben soll. In der heute üblichen Zubereitungsart (geröstet und gemahlen) wird Kaffee erst seit dem 15. Jahrhundert genossen. Wie beim Whiskey unterscheidet man auch beim Kaffee single orgin oder blended. Bei single orgin stammen die Kaffeebohnen nur aus einem Anbaugebiet und es werden nur die qualitativ besten Bohnen verwendet. Beim blended coffee werden verschiedene Kaffeesorten miteinander vermischt und aufeinander abgestimmt. Dies muss keinen Qualitätsverlust bedeuten, bildet aber auf jeden Fall einen Geschmacksunterschied. Die grüne, reife Kaffeebohne ist sehr langlebig. Darum kann sie auch ohne Probleme sehr lange Transportwege auf sich nehmen. Wenn der Kaffee einmal geröstet ist, sollte man ihn aber innerhalb von ein- bis zwei Monaten genießen.
Weltweiter Spirit
Regelmäßig aus Vorarlberg rauszukommen, um seinen Blick zu weiten, das ist Cornelius wichtig. Nicht nur das „Schwarze Gold", auch Menschen hat Cornelius dabei ausgiebig erforscht. So studierte er auf einer kleinen Uni in Schottland „Kultur- und Sozialanthropologie“. Gleichzeitig ist ihm die Verwurzelung mit Vorarlberg wichtig. „Wenn ich reise, dann schaue ich mich in den Städten nach den Cafés mit „speciality coffee“-Angeboten um.” Der Trend hin zu hochwertiger Kaffeekultur, zu einer neuen Ästhetik und der damit verbundene gemeinsame Spirit seien weltweit spürbar. Von Los Angeles bis nach Kapstadt. „Genau diese Kultur will ich nach Vorarlberg bringen.“ Cafés gäbe es hier viele, aber mit dem BAHI wolle er an die „speciality coffee“-Tradition anknüpfen.
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Buchtipp
Ein Engel in der Hölle von Auschwitz“– Das Leben der Krankenschwester Maria Stromberger
Ein Brownie ist die perfekte Begleitung zu Cappucino & Co
© Erwin Gabler via pixabay
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Sein Café ist längst nicht nur ein Ort für Kaffeegenuss. Hier wird auch die Yogamatte ausgerollt oder der Laptop aufgeklappt. Je nachdem. „Ich will hier einen gewissen Lebensstil etablieren”, betont der Barista. Vor zwei Jahren lernte er Mario Feuerstein kennen. Erst Stammgast im BAHI, wurde dieser sein Geschäftspartner und bietet inzwischen gemeinsam mit Peter Matthias, Madlen Gmeiner und Rainer Feuerstein ein umfangreiches Yoga-Programm über die Woche verteilt an. „Am Morgen Yoga und dann einen guten Kaffee für einen entspannten Start in den Tag", so die Empfehlung für mehr Work-Life-Balance. Apropos Arbeit: Drittes BAHI-Standbein ist das Coworking, ein niederschwelliges, gerade erst im Aufbau befindliches Angebot für alle, die mit einem Laptop ausgerüstet ein paar Stunden in gemütlicher Umgebung arbeiten wollen. Um dabei nicht zuletzt auch Gleichgesinnte und Menschen zum beruflichen Austausch zu finden. Montags und dienstags von 9 bis 18 Uhr sind die Räumlichkeiten des BAHI ausschließlich fürs Coworking reserviert. Dass es dazu Cappuccino und Brownie gibt, versteht sich von selbst. Funfact zum Schluss: Das BAHI ist in den ehemaligen Räumlichkeiten von Russmedia untergebracht. Daran erinnert noch der goldene Schriftzug „Vorarlberger Nachrichten – Eugen Russ & Co“ an der Außenfront. Zuvor war es das Gasthaus Rose. Ab und zu schließen sich Kreise eben wieder.
heißt das neue Buch von Historiker Harald Walser. Maria Stromberger hat sich als Krankenschwester freiwillig nach Auschwitz gemeldet, war dort Oberschwester im SS-Revier, hat vielen Häftlingen (meist waren es ihre Untergebenen) das Leben gerettet und wurde Mitglied der Widerstandsbewegung im Lager. Zuerst war sie hauptsächlich „Meldegängerin“, hat also Kassiber ins und aus dem Lager geschmuggelt, bald hat sie auch andere Aufträge angenommen und sogar Waffen ins Lager gebracht. Mehrmals geriet sie selbst in Gefahr, stand aber unter der Patronanz des Standortarztes (sie hatte viel Erfahrung in der Bekämpfung der Typhus-Epidemie) und genoss auch beim Lagerkommandanten Höß großes Ansehen. Sie überlebte mit viel Glück. Spannend auch die Nachkriegsgeschichte: Dieser einzigartige Fall im NS-Widerstand wurde totgeschwiegen. Stromberger wurde im April 1946 sogar verhaftet und sechs Monate im NS-Anhaltelager Brederis eingesperrt. Der Auschwitz-Häftling und spätere polnische Ministerpräsident Cyrankiewicz hat ihre Freilassung erreicht, nachdem polnische Zeitungen darüber berichtet haben („Rettet Schwester Maria“). Stromberger starb 1957 in Bregenz.
DARF SICH DAS JAHR 2015 WIEDERHOLEN? Abgesehen von der Unsinnigkeit des Satzes – als ließe sich je ein Jahr wiederholen – wollen wir anlässlich der Übernahme der afghanischen Regierung durch die Taliban und die Stellungnahme unserer Regierung auf die zu befürchtende Fluchtbewegung einen Blick auf das Jahr 2015 werfen. Text: Daniela Egger
N - E N N G R E S- D E T , T N EL IG U TÄ G R W ND ÜG NI RIE WÜ DAS GTE CH OLE I R Ä F A K , DE RST VER UM ER TEN WAS PRÄ S N ERH TE VE UR D H ED ER S, 15 AGE IED . F Ä F Z N W LI A 0 T W N KR RAU EN N U ASS KA H D HR 2 ES HR SSE E L E N S C DI DA AL CH N, D E E SI JA EI ME MÜ CH AFT MIT TIS ZE ÖT Anfang August übernahm Sebastian Kurz im Interview mit dem Onlinemedium I S CH H MA ET SN Exxpress den aus Deutschland von Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) postuN S R S C EN IN , SI PLO NZU GE lierten Satz: „2015 darf sich nicht wiederholen“. Diesen Satz kann man so unterschiedW E N DI I UN lich lesen wie offensichtlich die Ankunft (vorwiegend junger) Schutzsuchender aus Syrien M E E GE NT EN ÜR CH H und Afghanistan des Jahres 2015 unterschiedlich erlebt wurde. N D F Man könnte herauslesen, dass sich nicht wiederholen dürfe, dass wir weiterhin die Gründe hinKÖ HEN DA NO nehmen, die Fluchtbewegungen überhaupt in Gang setzen. Wenn sich die Kräfte der WeltgemeinE N N schaft darauf verständigen könnten, sich mit allen zur Verfügung stehenden diplomatischen und huST TEL NGE manitären Mitteln dafür einzusetzen, dass weder Kriegshandlungen noch Hungersnöte eskalierten, würde IT U sich das, was das Jahr 2015 prägte, eines Tages nicht mehr wiederholen müssen. Weder vor dem Jahr 2015 M DL N wurden ernstzunehmende Anstrengungen in diese Richtung unternommen, noch haben die großen FluchtHA bewegungen der letzten sechs Jahre dazu geführt. Große internationale Konzerne verdienen nach wie vor
ungehindert Geld (sehr viel Geld) mit ihren Rüstungsbetrieben und der Ausbeutung armer Länder durch Knebelverträge. Ende August warf der Migrationsexperte Gerald Knaus in seinem Vortrag im Vorarlberger Landestheater Licht auf die Zusammenhänge von Fluchtursachen und politischen Interessen. In seinem Buch „Welche Grenzen brauchen wir“ schlägt er konstruktive Maßnahmen vor, um einen der Menschenrechtskonvention entsprechenden Umgang mit der Situation von 82 Millionen Menschen auf der Flucht im Jahr 2020 zu etablieren. Er betont dabei auch die verheerende Wirkung der verzerrten Darstellung in den Medien. Und ganz besonders, wie wichtig das Narrativ in der Öffentlichkeit ist, etwa über das Engagement der Zivilbevölkerung. Das Wort „Willkommenskultur“ ist inzwischen hässlich umgedeutet worden und wird mit Naivität gleichgesetzt, eine überdimensionale Bedrohung wird nicht nur in den sozialen Medien heraufbeschworen und massenhaft verbreitet. Dies entspricht der Logik von Algorithmen: Sie sind dann erfolgreich, wenn sie starke Emotionen erzeugen, die dazu führen, dass wir länger online bleiben. Angst zu aktivieren gehört deshalb zu ihren ureigensten Aufgaben.
Die Kriminalitätsrate ist gesunken
„Ein Engel in der Hölle von Auschwitz – Das Leben der Krankenschwester Maria Stromberger“ 24,90 Euro, 256 Seiten, Falter Verlag, ISBN: 9783854397021
Dazu sagt Fritz Jergitsch, Gründer des Satiremagazins „Die Tagespresse“, in einem kürzlich erschienen Standard-Interview: „Ich habe mir die am häufigsten geteilten Artikel in den Jahren 2015 und 2016 angeschaut und sehr deutlich sehen können, wie sich dieser Stimmungsumschwung manifestiert hat. 2015 waren die meisten Inhalte positiv, 2016 waren es fast nur mehr negative. Das war nicht proportional zur tatsächlichen Bedrohung. Die Angst machenden Inhalte haben die anderen aus den Newsfeeds verdrängt. Das liegt einfach daran, dass sie in Algorithmen sehr gut funktionieren. So wird ein Bild vermittelt, das nicht der Realität entspricht. Die Kriminalität ist seit der Flüchtlingskrise gesunken. Für die Berichterstattung hat das aber keine Rolle gespielt.“
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Was ich 2015 in Vorarlberg erlebt habe, als Lustenauer Bürgermeister, als Bürger und auch als Mitglied des Caritas-Kuratoriums, ist hilfreich, wenn es darum geht, das einseitige Framing von 2015 als Katastrophe zu korrigieren, vor allem durch die eindrucksvolle Erfahrung, was die Zivilgesellschaft leisten kann und will, wenn es darum geht, Flüchtlingen Schutz und die Chance auf eine neue, sichere Heimat zu bieten. „Dôsin“ (Dasein) nennt sich das Netzwerk engagierter Lustenauerinnen und Lustenauer, das sich bis heute für diese Menschen stark macht, ganz besonders für die Kinder. „2015“ war für mich auch das Jahr des Sicherheitslandesrats Erich Schwärzler, bei uns kurz „Landes-Erich“ genannt. Der christlich-soziale, „schaffige Wälder“ machte die Suche nach geeigneten Unterkünften zur Chefsache und nützte seine ausgezeichneten persönlichen Kontakte zu allen Gemeindechefs für das Ziel, in jeder Gemeinde Flüchtlinge unterzubringen. Wenn einer keine Flüchtlinge aufnehmen wolle, soll er gesagt haben, dann brauche er sich gar nicht in die Weihnachtsmette zu trauen. Erich Schwärzler wäre auch heute noch ein guter Netzwerkpartner, sollte es darum gehen, für Kinder aus den griechischen Lagern eine Herberge zu suchen. Für hoffnungsvolle Utopisten immer noch eine Option. — Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau
© privat
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2015 gehört zu den besten Erfahrungen, die viele Kreise in der Vorarlberger Bevölkerung miterlebt und mitgestaltet haben: Eine unglaubliche Kreativität, Hilfsbereitschaft, ein grandioses Engagement sehr vieler Menschen, Gruppen, Initiativen, sehr vieler Unternehmen war freigesetzt worden und füllte Leerräume, die bis dorthin unbeachtet geblieben waren. Gemeinsam mit den Gemeinden vor Ort stemmte die Zivilgesellschaft die Situation, die durch die Flüchtenden entstanden war. Ja, es gab Staatsversagen; aber die Zivilbevölkerung meisterte die Situation und es gab viele soziale Neuaufbrüche. Die Willkommenskultur der Bevölkerung hatte funktioniert, versagt hatte lange Zeit und über weite Strecken die Aufnahmekultur der staatlichen Behörden. Dies wird nun aus ideologischen Gründen in einen Topf geschmissen, um daraus politisches Kapital zu schlagen und um von eigenem Versagen in der Aufnahme und Kontrolle abzulenken. Ich wehre mich dagegen, mich für das Beste zu schämen, das dieses Land geleistet hat und zu leisten im Stande ist. Umso mehr prangere ich jetzt das Behördenversagen des Innenministeriums an, das die Bevölkerung nicht vor erkennbaren Gefährdern schützt, aber unschuldige, mittlerweile bestintegrierte Jugendliche und Erwachsene abschiebt. Integration wird gezielt pervertiert. — Andreas Postner, Architekt und Mitglied der Humanity Memorial Group
Ich habe damals einige junge Männer auf der Suche nach Asyl bei Tanz- und Theaterprojekten kennengelernt. Einer von ihnen ist uns besonders ans Herz gewachsen, er war Analphabet und konnte kein Wort Deutsch, als er in einem unserer Theaterprojekte auftauchte. Er war neugierig und hatte keine Ahnung, was da auf ihn zukommen würde, Theater kannte er einfach nicht. Er hat sich aber auf alles eingelassen, hat Anschluss und Freunde gefunden und Deutsch gelernt. Außerdem hat er eine Ausbildung begonnen und sich eine Zukunft aufgebaut, war zuverlässig und beliebt, sein Arbeitgeber war sehr zufrieden mit ihm. Wir haben ihn begleitet bei den Asylverfahren und neuen Anträgen und als er abgeschoben werden sollte, haben wir wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, über 3000 Unterschriften gesammelt, ein Anwalt versuchte mit viel Einsatz für ihn doch noch eine Bewilligung zu erwirken. Wir haben bis zum Landeshauptmann interveniert. Alles umsonst. Es ist ein sehr trauriges Kapitel, der junge Mann wurde nach Afghanistan abgeschoben, wo er keinesfalls bleiben konnte. Jetzt ist er zurück in einem anderen europäischen Land, wo er wieder von vorne beginnen muss. — Brigitte Jagg, Tänzerin
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MENSCHLICHKEIT
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Das 2015, das ich erlebt habe, möchte ich auf keinen Fall missen! Mein Leben wurde auf wunderbare Weise bereichert durch Begegnung und Verbindung, etwa mit Hogir, der heute mit seiner Familie in Bregenz lebt und ein geschätzter Mitarbeiter in einem etablierten Handwerksbetrieb ist. Und mit Jaman, der als in der Ukraine ausgebildeter Pharmazeut zu uns kam, seinen Abschluss unter widrigen Umständen noch einmal machen musste, und der jetzt drauf angewiesen ist, eine Stelle in einer Apotheke in Vorarlberg zu finden. Mit Imad, der im Bürgerkrieg ein Bein verlor, sich nicht unterkriegen ließ und heute mit Frau und Familie in Tirol lebt. Mit Mohammad, der gerade seinen Master in Lebensmitteltechnologie an der TU in Wien macht. Und mit Odai, dem Archäologiestudenten, den die österreichische Regierung 2016 trotz sehr guter Deutschkenntnisse und Fürsprache von österreichischen StaatsbürgerInnen nach Kroatien abschob, wo er sich von Neuem – Gott sei dank erfolgreich – integrierte. — Ingrid Flaig, Psychotherapeutin, Dornbirn
© Miro Kuzmanovic
Er spricht in dem Interview über die Recherche zu seinem Buch „Die Geister, die ich teilte. Wie soziale Medien unsere Freiheit bedrohen“ und geht dabei besonders auf die demokratiebedrohenden Aspekte durch soziale Medien ein. Und mit diesen Kräften haben wir es auch zu tun, wenn wir das Narrativ den rechtsgerichteten Regierungen in Europa überlassen. Sie zeichnen ein unwahres Bild, sowohl von der angeblichen Gefahr, die von Menschen auf der Flucht ausgehen soll als auch von dem Teil der Bevölkerung, der hilfsbereit und menschlich reagiert – mit Unterstützung, Begleitung und Protest gegen unmenschliche Vorgehensweisen. Wir haben einige von ihnen nach ihren Erfahrungen befragt.
2015 ALS STERNSTUNDE DER © privat
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#64 | Oktober 2021
Jedes Leid ist eine Gelegenheit, sagt der spirituelle Lehrer David Steindl Rast. Das Jahr 2015 war für die Gesellschaft eine Gelegenheit, Mitgefühl und solidarisches Handeln mit denen zu zeigen, die nicht das Glück hatten, in unserem privilegierten Teil der Erde auf die Welt gekommen zu sein. Die Menschen in den Landes- und Gemeindebehörden, in den bestehenden und neu gegründeten Hilfsorganisationen und Initiativen sowie zahlreiche einzelne Menschen, Familien und Gruppen haben diese Gelegenheit genutzt. Sie haben mit viel Offenheit des Herzens und des Geistes diese große Herausforderung beeindruckend gut gemeistert. Es gab Schwierigkeiten, Chaos, Überforderung, Vorwürfe, Frustration und Weinen. Es gab noch mehr Freude, Berührung, Hoffnung, Vertrauen, Erleichterung, Erlösung, Lachen – und ganz viel Dankbarkeit auf allen Seiten. Und wenn man dankbar ist, dann ist man glücklich, sagt David Steindl Rast. In diesem Sinne war das Jahr 2015 eine gut genützte Gelegenheit für das Erfahren von viel Glück. — Peter Mennel, Obmann des Vereins Vindex -Schutz und Asyl e.V.
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#64 | Oktober 2021
GEGLÜCKTE RETTUNG „Der Pastor rief mich an. Ich habe einen Hilferuf von Joy bekommen, sagte er. Sie sitzt gemeinsam mit ihren Kindern im Polizeibus nach Wien. Sie soll abgeschoben werden. Wir müssen etwas tun. Sie hat ein gutes Herz.“
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Joy Imade und Ursula Prinzinger: Dieses Foto entstand bei ihrem ersten persönlichen Treffen am 25. September in Dornbirn.
Joy Imade und ihre vier minderjährigen Kinder standen unmittelbar vor ihrer Abschiebung nach Nigeria. Unter Mithilfe einer engagierten Frau konnte diese in letzter Minute verhindert werden. Die marie hat Ursula Prinzinger getroffen und mit ihr über den dramatischen Einsatz gesprochen. Text und Foto: Frank Andres
s ist Samstag, der 21. August. Am Dienstag soll Joy Imade gemeinsam mit ihren vier Kindern nach Nigeria geflogen werden. Nach acht Jahren in Österreich. Die Zeit drängt. Eine Frau, die Joy nicht einmal persönlich kennt, erfährt von der geplanten Abschiebung. Sie heißt Ursula Prinzinger. Ist wie Joy Mitglied in einer afrikanischen, christlichen Kirchengemeinde. Über einen gemeinsamen Bekannten, Pastor John, bekommt sie Wind von der Sache. „Der Pastor rief mich an. Ich habe einen Hilferuf von Joy bekommen, sagte er. Sie sitzt gemeinsam mit ihren Kindern im Polizeibus nach Wien. Sie soll abgeschoben werden. Wir müssen etwas tun. Sie hat ein gutes Herz“, wiederholt Ursula Prinzinger die dramatischen Worte des Kirchenmannes. Ihr Kampfgeist erwacht. Sie beginnt hektisch zu telefonieren, schreibt E-Mails. Mit Erfolg. Sie erreicht Elisabeth Erker. Sie ist die Direktorin der Schule, die Edison, der zehnjährige Sohn von Joy, in Dornbirn besucht. Laut einem Gutachten, aus dem der STANDARD zitiert, weise sein Verhalten auf die Diagnose „frühkindlicher Autismus“ hin. Seine Kommunikation und sein soziales Verhalten seien eingeschränkt. „Wir waren alle sprachlos“, äußert sich die Schuldirektorin völlig unverständlich über die Vorgehensweise der zuständigen Behörden. Mit Elisabeth Erker findet Ursula Prinzinger zudem eine engagierte Mitstreiterin. Sie ist es, die die Medien über die geplante Abschiebung informiert, die mit Politikern spricht und Interviews im ORF und in Tageszeitungen gibt. Langsam kommt Bewegung in die Sache. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als Ursula Prinzinger einen Rechtsanwalt erreicht, der sich des Falles annimmt. Gregor Klammer stellt am Montag mit Hinweis auf die gesundheitlichen Gefahren für das autistische Kind einen neuen Asylantrag. Ursula Prinzinger erinnert sich an die bangen Stunden. „Am Montagabend hat mir der Anwalt mitgeteilt, dass es einen Hoffnungsschimmer gibt. Dann schrieb mir schließlich Pastor John mitten in der Nacht, dass ihn Joy angerufen habe. Sie sei gemeinsam mit ihren Kindern wieder auf dem Rückweg nach Vorarlberg.“ Die Abschiebung von Joy Imade kann damit in letzter Minute verhindert werden. Vorerst.
Schlacht gewonnen
Ursula Prinzinger glaubt, dass die Abschiebung ohne die mediale Unterstützung nicht so einfach zu verhindern gewesen wäre. Sie ist überzeugt, dass die Behörden geplant hatten, die
kurze Zeitspanne zu nutzen, um die Familie unbemerkt von der Öffentlichkeit zurück nach Nigeria zu bringen. „Wir haben zwar die Schlacht, nicht aber den Krieg gewonnen. Der ist es erst dann, wenn Joy eine österreichische Aufenthaltsberechtigung erhält“, äußert sich Ursula Prinzinger betont vorsichtig. „Wir haben eine leise Hoffnung, dass der Gesundheitszustand von Edison zu einem Umdenken bei den Behörden führt. Aber fix ist in Österreich genau nix.“
Premiereneinsatz
Der Einsatz für Joy Imade war für Ursula Prinzinger eine Premiere. „Ich hatte vorher noch nie mit einem solchen Fall zu tun“, sagt sie. Doch seitdem häufen sich die Anfragen aus der afrikanischen Community. Von Menschen, die in Vorarlberg leben und seit Jahren auf einen positiven Asylbescheid hoffen. Sie arbeite derzeit an mehreren Fällen. Sie stellt aber klar, dass sie keine Anwältin sei. „Ich gebe Informationen weiter und versuche, wenn nötig, Rechtsanwälte zu finden.” Die Verbundenheit mit dem afrikanischen Kontinent kommt bei Ursula Prinzinger aber nicht von ungefähr. „Ich habe meinen Mann, der aus Nigeria stammt, übers Internet kennengelernt. Bei einem Google-Online-Seminar, erzählt die IT-Technikerin. Er habe sie schließlich über Facebook kontaktiert. Und aus der beruflichen Zusammenarbeit entstand am Ende Liebe.
Nichts Unrechtes getan
Aber die wichtigste Frage in dieser Geschichte ist: Wie geht es Joy? „Ich fühle mich gut und bin sehr glücklich, dass ich wieder mit meinen Kindern in Vorarlberg bin“, sagt die alleinerziehende Mutter im Gespräch mit der marie. Joy Imade kam im Alter von 20 Jahren in einem Flüchtlingsboot nach Griechenland. Zwölf Jahre lebte sie dort. Zwei Kinder kamen zur Welt. Vor acht Jahren kamen sie und ihre Familie nach Österreich. Hier gebar sie zwei weitere Kinder. Eine Rückkehr nach Nigeria sei für sie und vor allem für ihre Kinder unvorstellbar. Diese hätten keinen Bezug zu ihrem Heimatland. Dieses noch nie betreten. „Ich habe nichts Unrechtes getan. Ich verstehe einfach nicht, warum die Behörden mich und meine Kinder nach Afrika schicken wollten. Sie alle gehen in Dornbirn zur Schule. Ich hoffe und glaube ganz fest, dass ich und meine Familie in Vorarlberg bleiben dürfen.“ Eine Hoffnung, die sich für die 41-Jährige erfüllen möge.
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#64 | Oktober 2021
Sudoku So geht‘s: Füllen Sie die leeren Felder so aus, sodass in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block (= 3×3-Unterquadrat) die Ziffern 1 bis 9 genau einmal vorkommen. Viel Spaß!
EINE NEUE STIMME FÜR MENSCHEN OHNE LOBBY
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Die gebürtige Bregenzerwälderin Corina Albrecht hat mit Anfang Oktober die Leitung der Kaplan Bonetti Wohnprojekte übernommen. Sie gilt mit ihren 30 Jahren als junge Frau in einem sonst eher männerdominierten Bereich – kein Grund, die Herausforderung nicht anzunehmen. Ihr 16-köpfiges Team ist bereit für die neue Leitung. Text: Daniela Egger, Foto: Frank Andres
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eit November 2019 ist Corina Albrecht als Assistentin von Geschäftsführerin Cornelia Matt bei Kaplan Bonetti tätig, zusätzlich waren Öffentlichkeitsarbeit und das Qualitätsmanagement in ihrem Aufgabenbereich angesiedelt. Mit Ende September steht ein Wechsel ins Haus, Bohuslav Bereta stellt sich neuen Herausforderungen und übergibt seine leitende Funktion in den Wohnprojekten an sie weiter. „Mir ist es ein Anliegen, Menschen zu unterstützen, die in eine Krise geraten sind, das motiviert mich. Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit dem Team,“ sagt sie dazu. Nach dem Bachelorstudium der Politikwissenschaft in Wien startete sie als Quereinsteigerin in der Flüchtlingsarbeit, bevor sie zu Kaplan Bonetti wechselte. Wie verträgt sich die Politikwissenschaft mit dem Sozialbereich?
Sozialarbeit ist immer auch politische Arbeit
„Es ist wichtig eine kritische Stimme zu sein, und kritisch zu denken habe ich schon im Studium gelernt. Schließlich vertreten wir hier im Haus Menschen, die überhaupt keine Lobby haben. Eine meiner Aufgaben sehe ich darin, die Ausgrenzung dieser Menschen zu verändern – wir alle wissen, dass es jeden und jede von uns genauso treffen kann. Die wenigsten Leute, die heute hier unterkommen, haben je damit gerechnet, einmal so eine Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Die Wohnungssuche ist für sie mit vielen Hürden verbunden, aber jeder Mensch, der wieder ein eigenständigeres Leben beginnen kann und seine Finanzen geregelt hat, entwickelt für sich wieder neue Perspektiven.“ 95 Plätze stehen derzeit für obdachlose Menschen zur Verfügung, im Notfall werden aber auch weitere Betten möglich gemacht. Die enge Abstimmung mit dem Frontoffice ist wesentlich für den Erfolg der Unterbringung – dieses Team ist 24 Stunden täglich im Haus und kennt die Hausgäste am besten. Jeder und jede Ankommende wird sozialarbeiterisch begleitet, um möglichst rasch wieder in die Eigenständigkeit zu finden. So lange wie nötig, so kurz wie möglich soll die Beherbergung in den Wohnprojekten sein – so wie alle Maßnahmen bei Kaplan Bonetti darauf abzielen, die Menschen aufzubauen und sie wieder in ihr selbstbestimmtes Leben zu begleiten.
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6 „Es ist wichtig eine kritische Stimme zu sein. Schließlich vertreten wir hier im Haus Menschen, die überhaupt keine Lobby haben. Wir alle wissen, dass es jeden und jede von uns genauso treffen kann.“
Schwanger. Sorgen? Wir sind für Sie da. Kostenlos und anonym. T 0810 00 33 44
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Kein Ort für Kinder
„Die Wohnprojekte schaffen oft eine gewisse Stabilität für Menschen, die sie brauchen, um offen für neue Perspektiven zu sein. Die Menschen, die bei uns vorübergehend unterkommen, haben verschiedenste Hintergründe und wir finden immer individuelle Lösungen für sie. Für ein gutes Miteinander gilt es aber auch die Hausregeln zu beachten“, berichtet die dynamische junge Frau. Etwa die verschlossene Haustüre zwischen 24 und 5 Uhr früh, klare Verhaltensregeln im Haus und die Rücksichtnahme auf andere in den Gemeinschaftsräumen oder in der Kantine. Kaplan Bonetti ist die einzige suchtakzeptierende Wohnungsloseneinrichtung in Vorarlberg und deshalb kein Ort für Kinder. Das Angebot richtet sich an alleinstehende, erwachsene Personen. In absoluten Notsituationen können auch Familien kurzfristig untergebracht werden. „Für akute Situationen sind wir der richtige Ort. Da hat man normalerweise keinen klaren Kopf, um seine Dinge zu ordnen. Viele Menschen wissen auch gar nicht, welche Unterstützungsangebote bestehen. Wir sondieren die Lage und besprechen die nächsten Schritte. Meine Aufgabe findet im Hintergrund statt, unsere Teams arbeiten optimal zusammen und ich behalte das gemeinsame Ziel im Blick – und natürlich die Finanzierung. Zu den sechs weiblichen und zehn männlichen Mitarbeiter:innen in den Wohnprojekten gehören das Frontoffice, die Haustechnik sowie die Küche und das Reinigungspersonal.“ Corina Albrecht übernimmt ein bestens eingespieltes Team, das die letzten Jahre wichtige Prozesse erarbeitet hat, und jetzt freut sie sich darauf, ihren neuen Platz als Leiterin einzunehmen. „Mich ehrt das Vertrauen, das mir hier entgegengebracht wird“, sagt sie abschließend und eilt weiter zum nächsten Termin, bei dem es um eine Heizungswartung für den nächsten Winter geht.
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VIER RAUBEINE
#64 | Oktober 2021
UND DIE HELLE FREUDE AM TUN Manchmal hat man eine Idee, entlässt sie ins Leben und plötzlich ergibt eins das andere. So als hätte die Welt nur darauf gewartet. Das Projekt Raubein ist so ein Beispiel: aus einer alten Liebe oder vielmehr der Liebe zum Alten geboren und mit viel Leidenschaft umgesetzt.
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Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: Petra Rainer
Das Raubein-Quartett: Anna Casagranda, 56, Lehrerin am BG Blumenstraße, Michael Casagranda, 59, Partner und Gründer Silberball Markenberatung & Kreation, Susanne Schelling Schnitzer, 51, Direktorin an der SOB Bregenz und Markus Schelling, 61, Lehrer am BG Dornbirn
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itunter harren gute Ideen jahrelang ihrer Bestimmung. Schlummern im Konjunktiv, gären, rumoren – und dann plötzlich ein Auslöser, ein Jetzt-oder-nie-Impuls, der das Mögliche endlich in die Wirklichkeit bringt. Bei Michael Casagranda, hauptberuflich Markenexperte, hat es vor rund drei Jahren kurz vor München in einer Raststätte Boom gemacht: Seinen zufälligen Besuch der Kaffeerösterei Dinzler mit ihren 2000 Quadratmetern Vintage-Einrichtung sieht er heute noch „als ein Zeichen“. Dazu muss man wissen: Seit jeher ist er ein bekennender Liebhaber von Retro-Möbeln, schätzt insbesondere das Industriedesign vergangener Zeiten. Ein Sehnsuchtsnerv ist getroffen. Und sendet bei einem zeitnahen Visions-Workshop unmissverständliche Signale: Die vage Idee, alte Industrie- und Vintage-Möbel auf eigene Faust zu restaurieren und zurück in den Kreislauf zu bringen, bekommt Kontur. Im Urlaub teilt Michael seine Vision mit Frau und Freunden. Es funkt. Anna Casagranda, Susanne und Markus Schelling, alle drei im Lehrberuf tätig, schlagen ein. Werkstatt und Lagerraum sind schnell gefunden. Und als Startkapital dient der Raritätenfundus einer stillgelegten Industriehalle.
Lokalaugenschein. September 2021, Besuch von Schauraum und Werkstatt: Betritt man die hei-
ligen Hallen der raubeinschen Tüftlertruppe, nimmt einen diese Wunderkammer sofort für sich ein. Es riecht nach Hobelspänen, Leim und sorglosen Kindheitstagen bei den Großeltern. Allseits grüßt das Unperfekte und spielt vergnügt mit der Fantasie. Was hier fabriziert wird, wie gearbeitet wird und welche Geschichten das Vintage-Interieur zu erzählen hat, all das hat Charme und Charakter. Und eine ganz eigene Schönheit. Kein Wunder, dass hier immer wieder der Zufall das Kommando führt – oder anders formuliert, dass sich fügt, was sich fügen will: Der Nachbar, der „nur mal vorbeischauen möchte“ und inzwischen die Schlosserarbeiten erledigt. Der befreundete Unternehmer, der bei Bedarf das eine oder andere Möbelstück in seinem LKW mitfahren lässt. Und und und. Geregelte Arbeitszeiten gibt es keine, jede:r bringt sich nach Lust und Laune ein. Der Verkaufserlös soll abzüglich Werkstattmiete und Materialkosten großteils dem Gemeinwohl zugeführt werden. Keinem der vier Raubeine geht es um einen Zuverdienst, die Belohnung misst sich vielmehr in Werten wie Zufriedenheit und Sinnerleben. Was die Frage aufwirft, schließt denn das eine das andere aus? Kann sich ein Projekt wie Raubein gerade deshalb so gut entfalten, weil es von der Freiheit genährt ist, dass niemand muss und alle dürfen? Markus Schelling: „Ich glaube jedenfalls, dass das Projekt von einer hohen emotionalen Komponente getragen ist. Die Menschen mögen es, wie >>
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Mittendrin in V wir miteinander arbeiten, mit wie viel Herzblut wir dabei sind, wie wir nach Lösungen suchen, ausrangierte Möbelstücke in Schmuckstücke verwandeln und nie die Stunden rechnen. Das Vertrauen ist einfach hoch.“
Die Lust am Neuen. Susanne, die zwar von Anfang an handwerkliche
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Erfahrung mitbringt, verantwortet bis heute lieber Büro und Buchhaltung – ein ihr bis dato fremdes Terrain. Auch die anderen drei betreten Neuland und haben ihre helle Freude damit, „mit den eigenen Händen neue Dinge zu erschaffen.“ Man schmirgelt, schleift und schraubt, man leimt, ölt und polstert, und das alles mit viel Muße im Versuch-und Irrtum-Modus. Lässt sich von Youtube-Videos anleiten, holt sich Tipps von Handwerkprofis vor Ort und ist sich auch nicht zu schade, um Hilfe zu bitten, wenn man mit dem eigenen Latein am Ende ist. Markus beschreibt den Reiz der Arbeit so: „Es ist schön, Dingen, die sonst weggeworfen würden, den eigentlichen Wert wieder zurückzugeben.“ Bei ihren doch kopflastigen Berufen würde sich die manuelle Arbeit äußerst befriedigend anfühlen. Staub, Schmutz und Schweiß mit eingerechnet. Das Quartett liebt es, in muffigen Kellern und Spinnennetz verwaberten Dachkammern nach Fundstücken zu stöbern, stillgelegte Industrie-Lagerhallen auf den Kopf zu stellen und jene Schätze zu heben, deren darnieder liegendes Potenzial wachgeküsst werden will. Jedes Stück hat seine eigene Geschichte, liebevoll dokumentiert von den Hobby-Restaurateur:innen. Susanne Schelling: „Die Dinge finden uns. Ein Lehrgang führte uns zum Beispiel ins Kloster Gwiggen. Dort erfuhren wir, dass der Novizinnentrakt abgerissen werden sollte. So kam es, dass wir Hängeleuchten und Truhen mitnehmen durften.“ Anna Casagranda ergänzt: „Man gibt uns die Möbelstücke gerne, weil sie hier an einen guten Platz kommen. Inzwischen rufen uns auch Leute an, die ihre Häuser auflösen oder Dinge haben, die sie loswerden, aber nicht wegwerfen wollen. Ihnen gefällt, dass wir das Leben ihrer Möbel verlängern oder ihnen überhaupt wieder ein neues Leben geben.“ Umfunktioniert, neu kombiniert und kreativ inszeniert wird jedenfalls bei Raubein nach Herzenslust. So gut wie jedes Stück bekommt auf diese Weise eine zweite Chance. Sei es an private Adressen, Cafés oder unterschiedlichste Betriebe, geliefert wird inzwischen bis nach Zürich, Wien, München, Stuttgart oder Berlin. Und noch längst ist nicht aller Tage Abend, was das Experimentieren, Ideen-Spinnen und Wachküssen angeht. Michael: „Dieser Ort hier würde sich ideal für einen sozialen Treffpunkt eignen. Sei es als Mitmach-Werkstatt oder Begegnungsraum mit Kaffee und Kuchen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“ Wir lauschen ihr gerne.
Raubein – Möbel ohne Ende Online-Schauraum: www.raubein.at Öffnungszeiten vor Ort: jeweils Freitag 17 bis 20 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung Raubein spendet einen Teil der Erlöse für soziale und gemeinnützige Initiativen in der Region. In einzelnen Fällen geht auch ein Teilbetrag des Erlöses an den Möbelspender zurück.
#64 | Oktober 2021
Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Lösung
Für Anfänger
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×2
-5
÷3
+5
×4 Lösung
Für Fortgeschrittene
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×3
2/3
-15
÷7
der Summe
+8
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zum Quadrat
÷12 Lösung
Für Genies
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zum Quadrat
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+7/8
+18
÷4
der Summe
+2/3
÷5
zum Quadrat
der Summe
Lösungen auf Seite 38
S C HAC H E C K E Im Gegensatz zum Vorjahr gab es in diesen Sommermonaten wieder zahlreiche „richtige“ Schachturniere rund um den Globus. Die meisten VeranstalterInnen freuten sich in Anbetracht der speziellen Situation über beachtlich hohe Teilnehmerzahlen. So auch in unserem Nachbarbundesland, wo Ende August das 5. Internationale Chess Festival Innsbruck über die Bühne ging. In den drei Leistungskategorien (A, B und C) kämpften in 9 Runden mehr als 300 TeilnehmerInnen um jeden Punkt. Die Vorarlberger Schachszene gab in diesem Turnier ein kräftiges Lebenszeichen und war mit 18 SpielerInnen in diesen drei Gruppen vertreten. An der Spitze fegte das 15-jährige Supertalent GM Raunak Sadhwani aus Indien seine Gegner reihenweise vom Brett Christian Kozissnik (Bregenz) Daniel Ochs (Wiesbaden) 5. Int. Chess Festival Innsbruck 2021 1
und erzielte beeindruckende 7 Siege bei 2 Remisen, was einen überlegenen Sieg dieses stark besetzten Turniers bedeutete. Aber auch die Vorarlberger Abordnung wusste durchaus zu gefallen und demzufolge brachten die meisten einen (zum Teil beachtlichen) Elo-Gewinn mit ins Ländle. Natürlich haben wir wieder die Partien der VorarlbergerInnen genauer unter die Lupe genommen und bringen in den drei nachstehenden Diagrammen mehr oder weniger schwierige Kombinationen aus diesen Partien. Auf der Siegerseite ist jeweils ein junger, talentierter Spieler eines Vorarlberger Schachvereins. Und nun wünschen wir viel Spaß beim Lösen dieser drei Schachaufgaben.
WIM Veronika Exler (Donaustadt) Elia Cafasso (Dornbirn) 5. Int. Chess Festival Innsbruck 2021
Mit welcher forcierten Variante erreicht Weiß am Zug eine Bauernumwandlung?
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Damian Balinski (Oels) IM Fabian Bänziger (Hohenems) Wölfe-Füchse Turnier, Hohenems 2021
Wie gewinnt Schwarz am Zug entscheidendes Material?
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Wie zerstört Schwarz am Zug die weiße Königsstellung?
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Lösungen auf Seite 38
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Mittendrin in V
Das Ende des Ein- und Ausgrenzens — Text: Hans Platzgumer Illustration: Shutterstock
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ei unserer Geburt fängt es an. Monatelang sind wir geborgen gewesen, in Sicherheit, schwebend in warmer Dunkelheit, unberührt vom Lärm der Welt, der nur, wenn überhaupt, dumpf und fern zu uns herüberreichte. Dann aber werden wir plötzlich durch einen viel zu engen Kanal in eine uns unbekannte, schrille, laute Welt hinausgepresst, die uns Angst und Schrecken einjagt. Instinktiv reagieren wir auf diese Bedrohung, in diesem Moment bedienen wir uns einer Taktik, die viele von uns ihr Leben lang beibehalten: Wir grenzen unser Wahrnehmungsfeld ein. Wir wenden uns dem zu, was uns vertraut erscheint, und blenden alles andere so gut es geht aus. Wir beschränken die Welt auf den kleinsten uns bekannten Raum. Angesichts unserer augenblicklichen Not und Überforderung als Säuglinge ist ein solches Verhalten das einzig logische. Fast alles spielt sich außerhalb unserer Begreifbarkeit ab, wir müssen uns auf das vertraut Wirkende zurückziehen, wir richten uns in einem kleinen Teil des großen Ganzen ein. Im Lauf der kommenden Jahrzehnte aber, während wir in dieses große Ganze hineinwachsen, halten wir, sofern wir die Möglichkeit dazu haben, allzu leichtfertig an diesem Einschränkungsverfahren fest. Weiterhin beziehen wir uns auf jene paar Vertrauenspersonen, die uns gegeben sind. Im Zuge des Erwachsenwerdens weitet sich der Kreis auf eine mehr oder weniger eng gefasste Gruppe aus, die wir lernen, als „wir“ zu bezeichnen. Das Ich, von dem ausgehend wir ursprünglich und unbeirrbar die Welt begreifen, umrahmen wir mit einem kleinen Wir. Dass es außerhalb dieses Kokons noch anderes gäbe, ahnen die meisten zwar, doch wir wollen nur das Nötigste davon wissen. Denn falls wir Glück gehabt haben und per Zufall in einen Ausschnitt der Welt hineingeboren worden sind, der uns ein Dasein ohne schwere Turbulenzen ermöglicht, kommt uns die Beschäftigung mit dem Außen nicht dringlich genug und obendrein mühsam vor. Wir halten den für uns bestimmten Welten-Ausschnitt klein. Natürlich gibt es abenteuerlustigere und schreckhaftere Menschen, aufgeschlossenere und in sich verschlossenere. Nach einer kurzen Phase aber, die man Jugend oder auch „die schönste Zeit des Lebens“ nennt, in der wir uns der Außenwelt zumindest ein Stück weit öffnen, sinkt das Interesse an Neuem und Unbekanntem erneut. Je älter wir werden, desto weniger heißen wir es willkommen. Anstatt zu versuchen, die Grenzen, die wir um uns gezogen haben, immer wieder neu auszuloten, gehen wir dazu über, diese Grenzen zu behaupten. Eine solch bornierte Daseinsform ist nicht bloß den klassisch konservativen und rechtslastigen Lagern vorbehalten, sie zieht sich heutzutage durch alle politischen Farben und
Altersgruppen. Alle schotten sich voneinander ab, betreiben Selbstzensur, Zäune und Mauern werden errichtet. Im Lauf des letzten Jahrzehnts haben sich die Fronten zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten und Gruppierungen spürbar verhärtet. Die rechtspopulistische Maxime „Bist du nicht mein Freund, bist du mein Feind“ hat sich tief in die gesamte Gesellschaft hineingefressen. Ich erinnere mich, wie ich hierzulande – und das empfand ich als einen der größten Vorzüge der österreichischen Mentalität – vor ein paar Jahren noch mit vollkommen anders gesinnten Menschen offene, freundliche Gespräche führen konnte, weder der soziale Stand, das äußere Erscheinungsbild noch die politische oder sexuelle Ausrichtung verhinderte dies grundsätzlich. Inzwischen aber ist die Polarisierung so weit vorangeschritten, dass es praktisch unmöglich geworden ist, dass etwa ein FPÖ-Wähler mit einem Grünen oder ein SUV-Fahrer mit einem Klimaschützer besonnen diskutiert. Jeder zieht sich verbissen in sein Lager zurück, all die Trumps und Anti-Trumps oder all die Maßnahmenbefürworter und Maßnahmengegner. Jeder tut, auch wenn er sich auf Halbwissen beruft, als sei er unumstritten im Recht und jedes andere Denken Idiotie. Diesem Umstand, dass wir eine in verfeindete Fraktionen aufgespaltene Gesellschaft geworden sind und die Fähigkeit des Konsenses verlieren, liegt ein Wirtschaftssystem, das nichts als ein Wettlauf um Wachstum ist, sowie mangelhafte Allgemeinbildung zugrunde. Ersteres raubt uns Kraft und Fantasie, zweiteres lässt unser Potenzial verkümmern. Unser Bildungssystem zielt auf ein Elitensystem ab, in dem die Privilegierten möglichst rasch zu Fachtrotteln ausgebildet werden und die anderen auf der Strecke bleiben. Konkurrenz und Leistungsdruck sind die Grundpfeiler, auf den Umgang mit Diversität, auf Vielschichtigkeit, Kreativität, Flexibilität wird wenig Wert gelegt. Von Anfang an werden Grenzen gezogen. Wir hier, die anderen dort. Im Privaten werden diese Grenzen durch die sozialen Medien verstärkt. Hier findet nicht nur jeder Mensch per Mausklick seine maßgeschneiderte Blase, in der er sich von der Außenwelt abkapseln kann, sondern wird zwischenmenschliche Kommunikation auf den kurzweiligen Austausch von Schlagwörtern und Floskeln reduziert. Stammtische waren immer schon Orte der Verblödung, digitale Stammtische sind es noch mehr. Darüber hinaus trugen in letzter Zeit die Finanz-, Flüchtlings-, Corona- oder Klimakrisen dazu bei, dass wir unseren Mitmenschen heute so oft abwehrend gegenüberstehen. Wir bewohnen mehr gegeneinander anstatt miteinander unseren Heimatplaneten, nicht nur jeder Einzelne für sich, auch jede einzelne Gruppe, jedes einzelne Land für sich.
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Gut, so ist das nun mal, möchte man sagen, so hat es sich entwickelt, es ist müßig darüber zu lamentieren. Doch leider befinden wir uns mitten in einer der wohl komplexesten und bedrohlichsten Krisen der Menschheitsgeschichte. Wir haben im Fortschrittsrausch das Ökosystem und Klima der Erde kippen lassen. Wir haben zerstörerische Entwicklungen in Gang gesetzt, die wir nur gemeinschaftlich lösen können, nur wenn wir, ohne weiterhin wertvolle Zeit zu verlieren, alles Wissen und Talent dieser Welt unvoreingenommen zusammenführen. Legen wir nicht endlich das egoistische, rivalisierende Scheuklappendenken ab, das sämtliche Bereiche unseres Daseins durchsickert, kommen wir nicht mehr vom Weg der möglichst raschen Selbstauslöschung ab, den wir beschritten haben. Das Ende des Anthropozäns ist eingeläutet. Laut Studien werden bereits in drei Jahren klimatische Kipppunkte erreicht sein, die Leid, Krieg, Elend, Massensterben und Migrationswellen in ungekanntem Ausmaß zur Folge haben. Wollen wir dies verhindern, müssen wir lernen, Grenzen nicht zu schließen, sondern zu öffnen, und endlich wagen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, offen zu sein für alles, was wir dort draußen sichten könnten. Bleiben wir dem eingeschlagenen Weg der Ausgrenzung treu und stellen wir unseren ausbeuterischen, verschwenderischen Lebensstil nicht um, müssen wir uns von einer Welt verabschieden, die uns lebenswert erscheint. Ich sage nichts Neues, ich weiß, die Fakten dürften inzwischen allen klar sein. Trotzdem verhalten wir uns nach wie vor, als ginge es uns nichts an. Ich habe noch nie so viele Motorräder oder Tuner-Cars auf unseren Straßen gesehen wie in letzter Zeit, der LKW-Verkehr hat nach einer kurzen Coronapause ein neues Rekordniveau erreicht, und als ich letztlich von einer Bergwiese aus den Himmel betrachtete, gab es keine einzige Sekunde, in der nicht mindestens zwei bis drei Flugzeuge gleichzeitig über mir hinwegflogen. Die Bodenversiegelung, die Verschmutzung der Meere, die Rodung der Wälder, der Fleischkonsum, der CO2-Ausstoß, alles geht ungebrochen voran. Die Plastikproduktion wurde sogar hochgefahren und wird sich, laut derzeitigem Stand, bis Ende dieses Jahrzehnts verdoppelt haben. Können wir nicht anders, oder wollen wir nicht anders? Ist uns an der Rettung der Welt gelegen? Sind wir bereit, dafür Verzicht in Kauf zu nehmen, Einschränkungen unseres Konsumverhaltens zu akzeptieren, Kompromisse einzugehen? Oder bevorzugen wir, in vollem Tempo, sehenden Auges in den Untergang zu ziehen? Als jene Babys, als die wir auf die Welt kamen und uns sogleich schreiend in die kleine, einzige Geborgenheit flüchteten, die uns vertraut war, waren wir noch unschuldig. Wir konnten nicht wissen, was los ist. Heute aber wissen wir es. Wir sind keine Babys mehr, wir können uns nicht auf die Unschuld berufen. Wir alle tragen zur Hölle bei, zu der wir die gute alte Erde machen. Wir tun es bei vollem Bewusstsein. Noch können wir die Engstirnigkeit ablegen und einen Wandel erreichen, aber wann fangen wir
endlich damit an? Warum trauen wir uns nicht mehr zu als das, was aus uns geworden ist? Trauen wir uns doch endlich, unser Leben und unser Denken radikal in Frage zu stellen und zu ändern! Es wäre nicht schwierig, es liegt nur am Willen. Der Mensch ist anpassungsfähig, Veränderung ist Teil seines Wesens. Wir müssen neue Mitmenschlichkeit, neuen Respekt gegenüber Fremdem, neue Weltoffenheit, neue Zurückhaltung entwickeln, und alles, was wir tun, müssen wir einer Schaden-Nutzen-Rechnung unterziehen. Sie wird zeigen, dass ein Großteil der Dinge nicht angemessen ist, die unsere exzessive Wegwerf- und Konsumgesellschaft auszeichnen. Wir müssen einem Gefühl für das große Ganze anstatt dauernd nur der Sorge um die eigenen Befindlichkeiten nachgeben. Würden wir wollen, könnten wir all unseren angehäuften Ballast, all die sinnlosen Beschäftigungen loswerden, die mehr Müll als Glück produzieren. Mit Leichtigkeit wären wir dazu imstande. Eine kurze Umgewöhnungsphase. In ein paar Jahren würden uns die Geschichtsbücher davon erzählen, wie destruktiv wir einst lebten, und die Welt könnte eine andere, bessere, gesündere sein. Wenn wir wirklich wollten. Wenn alle wirklich wollten. | 25
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REDEN WIR MAL ÜBER GELD
„Die Praxis zeigt, dass Geld zu kriegen
Er hat als Rechtsanwalt den GEA Gründer und „Finanzrebell“ Heini Staudinger gegenüber der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) vertreten und ein neuartiges Finanzierungsmodell entwickelt. Im Gespräch mit der marie erklärt Markus Distelberger (67) seinen „Vermögenspool“, der aktuell bei 20 Großprojekten österreichweit angewendet wird – vornehmlich im gemeinschaftlichen Wohnbau. Aber auch die Schlinser Pionierfirma Lehm Ton Erde Baukunst arbeitet mit diesem ökonomischen Kreislaufmodell. Am 2. Oktober kommt Distelberger für zwei Infoveranstaltungen nach Vorarlberg.
überzeugen.“
nicht so schwierig ist, wie die Menschen sich das vorstellen, weil ein gutes Projekt und eine gute juristische Struktur auch
Text: : Brigitta Soraperra, Fotos: privat, Hanno Mackowitz und © wohnwagon.at
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eld haben und Geld brauchen – beides ist oft ein Tabu. Lasst uns doch einfach mal sagen: Es ist gut, dass manche Menschen Geld haben und es ist gut, dass es Menschen gibt, die sinnvolle Projekte umsetzen – auch wenn sie kein Geld haben“, schreibt Markus Distelberger auf seiner Homepage. Um diese beiden Menschengruppen zusammen zu bringen, hat der Niederösterreicher den sogenannten „Vermögenspool“ ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein „Finanzierungswerkzeug für eine neue Form des Wirtschaftens“. Distelberger spricht von einem „menschengerechten Wirtschaften“, denn „es ist nachhaltig und nicht auf Gewinn ausgerichtet“. Es orientiere sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an denjenigen der Wirtschaft. Daher hat der Vermögenspool für seinen Erfinder auch das Potential, „unser Finanzsystem grundsätzlich zu verändern“. Eine Sehnsucht, die er mit immer mehr Menschen, die einem auf unbegrenztes Wachstum ausgerichteten System zunehmend misstrauen, teilt. Viele von ihnen haben den Bankencrash von 2008 noch in lebhafter Erinnerung, zudem weisen die weltweite Klima- und die aktuelle Gesundheitskrise auf die Endlichkeit von Ressourcen hin und zeigen grobe wirtschaftliche Schwachpunkte auf. Markus Distelberger, der sich in seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit auf die Beratung von gemeinschaftlichen Bauprojekten spezialisiert hat, ist aber noch ein weiterer Aspekt wichtig: „Der Zugang zu Kapital für die breite Bevölkerung. Dass also Menschen, die wenig Geld haben, trotzdem ganz reale Möglichkeiten bekommen, gute Ideen umzusetzen.“ Und genau das geschieht mit dem von ihm 2010 entwickelten Modell. Als Auslöser für den Vermögenspool diente ein eigenes Projekt – ein gemeinschaftliches Wohnprojekt. Als Rechtsanwalt hatte er sich schon zuvor vermehrt mit den Themen Geld, alternative Finanzierungsmodelle und Bürger:innenbeteiligung auseinandergesetzt. Für das eigene Vorhaben hatten er und seine Wegbegleiter:innen „wenig Geld, aber ein spannendes
Dr. Markus Distelberger, Jg. 1954, ist Rechtsanwalt i.R., Mediator, Erwachsenenbildner. Er hat sich als Berater von Baugruppen und anderen Gemeinschaftsund Alternativprojekten einen Namen gemacht und selber einige Initiativen (mit) gegründet. Zwischen 2004 und 2014 organisierte er jährlich internationale Open Space Symposien zu politisch-wirtschaftlich-philosophischen Themen (www.7generationen.at). Er lebt mit seiner Familie im gemeinschaftlichen Wohnbauprojekt Dörflein in Herzogenburg, das er 1984 mitbegründete.
Projekt und ein großes Netzwerk“. Die Menschen in diesem Netzwerk wurden dann direkt darauf angesprochen, ihr Geld in das Projekt zu investieren. Um ihnen aber im Gegenzug eine Absicherung zu gewährleisten, musste ein finanzrechtliches Tool geschaffen werden. „Das System ist auch dadurch gekennzeichnet, dass es sehr stark auf das Sicherheitsbedürfnis achtet. Das investierte Geld fließt nicht auf die Konten der Projektbetreibenden selbst, sondern auf ein Treuhandkonto, das von einer Treuhänderin oder einem Treuhänder verwaltet wird.“ Es brauche aber noch weitere Komponenten, um Menschen dazu zu motivieren, Geld in Projekten anzulegen, von denen sie begeistert sind, erklärt der ausgebildete Mediator. „Wir haben von Anfang an Wert auf vier Motive gelegt, die Menschen wichtig sind“: Sinn, Sicherheit, Werterhaltung und Flexibilität. Sinn heißt, „ich weiß genau, was mit meinem Geld passiert. Das sind Leute, die wollen ihr Geld nicht einfach auf der Bank liegen haben, sondern es bewusst bestimmten Zwecken zur Verfügung stellen, mit denen sie sich identifizieren können.“ Die Sicherheit werde dadurch gestärkt, dass der Vermögenspool im Grundbuch eingetragen ist, „mit einem Pfandrecht, das zur Absicherung aller anlegenden Personen dient.“ Und die Werterhaltung sei gegeben, weil die Menschen das Geld wertgesichert wieder zurückbekommen. „Wir liegen im Moment in Österreich bei einer Inflation von knapp drei Prozent. Wenn also jemand Geld auf dem Sparbuch hat, >>
Beim Neubau ihrer ERDEN Werkhalle arbeitet Lehm Ton Erde Baukunst GmbH als erstes Unternehmen in Vorarlberg mit einem Vermögenspool.
Factbox Infos unter www.vermoegenspool.at Beispiele für Projekte, die u.a. mit Vermögenspools finanziert wurden: www.auenweide.at www.wohnwagon.at/wir-gruenden-ein-dorf www.gartendergenerationen.net www.lebensgutmiteinander.com www.reenergie.at www.move-herzogenburg.at www.gewozu.at/
Tipp Am 2. Oktober ist Markus Distelberger für ein Tagesseminar und einen Impulsvortrag bei Lehm Ton Erde Baukunst GmbH in Schlins. Infos & Anmeldungen unter www.lehmtonerde.at
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Die Firma „Wohnwagon“ von Theresia Mai setzt beim Projekt „Dorfschmiede“ zur Belebung des Dorfes Gutenstein ebenfalls auf einen Vermögenspool.
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für das es aktuell keine Zinsen gibt, bedeutet das, dass dieses Vermögen Jahr für Jahr um einen Betrag von drei Prozent schrumpft. Beim Vermögenspool bleibt das Geld erhalten“, erklärt Distelberger, „weil es im Wert gesichert ausbezahlt wird.“ Und wichtig ist auch, „dass die Menschen das Geld wieder kurzfristig herausnehmen können, also ihre Flexibilität behalten. Genauso wie beim Sparbuch, wo sie zwar Verluste in Kauf nehmen, dafür aber das Geld jederzeit zur Verfügung haben.“ Beim Vermögenspool ist eine Kündigungsfrist von drei Monaten zu jedem Quartalsende vertraglich geregelt, damit „es nicht passiert, dass ein Projektbetreiber nicht liquide ist“, aber „das ist für die Menschen überschaubar und deshalb attraktiv. Das waren damals auch die Gründe, weshalb die Menschen bei unserem Projekt Geld zur Verfügung gestellt haben, zum Teil sogar viel Geld.“ Markus Distelberger spricht von einem Gesamtvolumen von 2,2 Millionen Euro. Durchschnittlich lägen die Geldeinlagen zwischen 20.000 und 50.000 Euro, sagt der Finanzexperte, „je nachdem, ob es eher ein städtisches oder ein ländliches Milieu ist“, aber auch kleinere Beträge sind möglich. Mittlerweile arbeiten zirka 20 Großprojekte in Österreich mit Vermögenspools, von denen die „Auenweide“, ein genossenschaftliches Wohnprojekt in der Nähe von Klosterneuburg mit einem Volumen von fünf Millionen Euro, das größte ist. Das bekannteste ist die „Dorfschmiede“ im niederösterreichischen Gutenstein, bei dem es der jungen Firma „Wohnwagon“ und seiner visionären Gründerin Theresa Mai (früher: Steininger) gelang, ein ganzes Dorf wiederzubeleben und für neue Firmenansiedlungen attraktiv zu machen. „Auch für Banken ist der Vermögenspool attraktiv“, erklärt Distelberger auf Nachfrage, denn es erleichtere ihnen, „alle möglichen Projekte zu finanzieren, weil sie damit jemand haben, der das Restrisiko trägt bzw. die nötigen Eigenmittel zur Verfügung stellt.“ Bedauerlicherweise reagierten viele Banken – aber auch andere – immer wieder mit Skepsis, weil „sie sich nicht vorstellen können, dass so eine Kreislaufwirtschaft funktioniert.“ Tut sie aber, versichert der Fachmann, dessen Modell allen gesetzlichen Vorgaben entspricht, was auch von der Finanzmarktaufsicht bestätigt wurde. „Man kann sich das – wie der Name auch sagt – wie einen Pool vorstellen, der hat einen Zufluss und einen Abfluss, ein Teil ist aber stehendes Wasser, und so ist das auch mit dem Kapitalfluss beim Vermögenspool.“ Im Normalfall sei es bei Finanzierungen so, dass für ein Bauvorhaben oder ein Projekt ein Darlehen bei einer Bank aufgenommen wird, das dann in einer bestimmten Zeit, zurückgezahlt werden muss. „Beim Vermögenspool wird nicht zurückgezahlt, die Schulden für die Projektbetreibenden bleiben bestehen. Es wechseln nur die Menschen, die ihnen Geld für ihre Projekte zur Verfügung
stellen.“ Wichtig ist einfach, dass die Projekte werthaltig sind wie etwa bei Grundstücken und Immobilien per se gegeben oder, dass zum Beispiel die Abwertung der Gebäude – bei Wohngebäuden in der Regel 1,5 Prozent pro Jahr – durch die Nutzenden erwirtschaftet wird. Auf den Hinweis, dass es sich für eine „ghörige Vorarlbergerin“ komisch anhöre, dass Schulden nicht abgebaut werden, erklärt Distelberger, dass es ihm auch darum ginge, das Thema „Schulden haben“ zu enttabuisieren, denn „das ist die Basis der Wirtschaft. Das ganze Geldsystem baut darauf auf, dass jemand Schulden hat und auf der anderen Seite Guthaben stehen, alles andere ist eine Verkennung der Geldrealität.“ Aus der Balance gerate dieses System, wenn jemand für das Leihen von Geld eine Rendite, also einen Gewinn erwarte. Es brauche aber unbedingt Menschen, die neue Projekte entwickeln und damit Neues machen wollen, und sich deshalb verschulden. „Ein zentrales Anliegen für mich ist, dass man das in einer gleichen Anerkennung ausdrückt“, sagt Markus Distelberger, deshalb spreche er auch gerne von der „Rehabilitation des Schuldenmachens“. Der Vermögenspool verlange von den Menschen, dass sie die Skrupel, über Geld zu sprechen, aufgeben. „Es gibt sehr viele Tabus über Besitz und Vermögen zu sprechen. Da sollte man unbefangen drüber sprechen können“, wünscht sich der Geldpionier und bekräftigt seinen Einsatz für eine neue Form des Wirtschaftens: „Die Praxis zeigt, dass Geld zu kriegen nicht so schwierig ist, wie die Menschen sich das vorstellen, weil ein gutes Projekt und eine gute juristische Struktur auch überzeugen.“
Zusammen leben in der Untergass’
Entgeltliche Einschaltung des Landes Vorarlberg
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Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems 17. Okt 2021—18. Apr 2022 Schweizer Str. 5, 6845 Hohenems www.jm-hohenems.at Öffnungszeiten Museum/Café: Di bis So und feiertags 10–17 Uhr Bezahlte Anzeige
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Ausbildungschance mit finanzieller Absicherung Dass wir in Österreich dringend Pflegefachkräfte brauchen, ist keine Schlagzeile mit Neuigkeitswert, wenngleich die Aktualität ungebrochen hoch ist. Dass in der Pflegekrise aber auch die Chance auf neue Ausbildungswege im Sozial- und Gesundheitswesen, inklusive finanzieller Absicherung, steckt, ist vielen nicht bewusst. Wir haben uns dazu mit Reingard Fessler von der connexia Implacementstiftung ausgetauscht. —
„Wir bieten Information und Überblick. Nie geht es uns darum, jemanden zu etwas Bestimmtem zu überreden. Wer schlussendlich eine Ausbildung im Betreuungs- und Pflegebereich ins Auge fasst, bekommt von uns das Rüstzeug, gute Entscheidungen zu treffen.“
Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Frank Andres, iStock
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nna H. ist 26, war bereits Kellnerin, kaufmännische Angestellte und Rezeptionistin und möchte sich beruflich verändern. Derzeit ist sie arbeitslos und trägt sich mit dem Gedanken, eine Umschulung zu machen. Etwas mit Menschen soll es sein, etwas Sinnvolles, ihre soziale Ader würde sie gerne mehr ausleben. Allerdings hat sie keine Ahnung, welchen Weg sie konkret einschlagen könnte und vor allem, wie sie sich während einer Ausbildungszeit finanzieren soll. Bis die Beratungsstelle der connexia Implacementstiftung ins Spiel kommt, eine Schnittstelle zwischen Arbeitgeber, Ausbildungsplatz und AMS. Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, sie zu qualifizieren und den Ausbildungsweg leistbar zu machen, so lautet der Auftrag. „Dass sich im Bereich von Betreuung und Pflege ein spannendes Berufsfeld verbirgt, davon weiß man als Laie meist recht wenig“, sagt Reingard Fessler, die die Stiftung leitet. In erster Linie werden Arbeitssuchende angesprochen. Das Angebot richtet sich aber ebenso an all jene, die sich nach neuen Job-Perspektiven umschauen. „Wir haben vor zehn Jahren mit dem AMS ein Konzept erarbeitet, das Auszubildende finanziell absichert und ihnen einen direkten Einstieg in ein Dienstverhältnis ermöglicht“, erklärt Fessler. Das Modell ging auf und bietet aktuell knapp 400 Teilnehmenden die Chance auf berufliche Neuorientierung.
Gut gerüstet entscheiden
Reingard Fessler
„Dass sich im Bereich von Betreuung und Pflege ein spannendes Berufsfeld verbirgt, davon weiß man als Laie meist recht wenig.“
Klopft nun jemand wie Anna H. bei der Stiftung an, ist vorrangige Aufgabe des Teams, Licht in den Ausbildungs-Dschungel zu bringen, denn der Markt ist enorm gewachsen: „Weil sich unter dem Begriff Pflege- und Betreuungsberuf jede:r etwas anderes vorstellt, weil es inzwischen sehr viele unterschiedliche Zugänge gibt, um mitunter dasselbe Ausbildungsziel zu erreichen, und weil das alles sehr verwirrend sein kann, bieten wir individuelle Beratungen an. Wir helfen, das Richtige zu finden und jene Schritte einzufädeln, die es jeweils braucht, um ans Ziel zu kommen.“ Die connexia Implacementstiftung fungiert dabei als neutrale Anlaufstelle. 800 Menschen suchen sie jährlich auf. Beraten wird individuell, ergebnisoffen und neutral. „Das nimmt die Hemmschwelle, zu uns zu kommen, egal, ob man bereits einen Plan hat oder nicht“, weiß Reingard Fessler aus vielen Beratungssituationen. „Wir bieten Information und Überblick. Nie geht es uns darum, jemanden zu etwas Bestimmtem zu überreden. Wer schlussendlich eine Ausbildung im Betreuungs- und Pflegebereich ins Auge fasst, bekommt von uns das Rüstzeug, gute Entscheidungen zu treffen.“ Das Besondere des Stiftungsmodells: Vorweg dürfen Ausbildungsinteressierte in einem achtwöchigen Praktikum erproben, ob sie am richtigen Weg sind. „In dieser Zeit werden sie von uns gecoacht und dabei kristallisieren sich mitunter nochmals ganz neue Ausbildungs-
ziele heraus“, weiß Reingard Fessler um den hohen Wert, individuell zu begleiten. Mit dem AMS, den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen, den Krankenhäusern, Pflegeheimen etc. ist man ebenso in engem Verbund.
beratung immer wieder, dass sich viele erst auf den Gedanken einer Ausbildung einlassen können, wenn die Finanzierung stimmt. Das ist ein echter Türöffner und so ist die Stiftung ein wichtiges Rädchen im Gesamtgefüge.“
Türöffner Finanzierung
Vertiefende Infos auf dem digitalen Portal zu Betreuungs- und Pflegeberufen: www.vcare.at
Anna H. nimmt schließlich eine Praktikumsstelle in einem Pflegeheim an. In ihrem Fall ein Volltreffer. Schnell wird ihr klar: Das ist genau „Ihres“. Sie bewirbt sich um einen Ausbildungsplatz an der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Bregenz, um sich zur „Fach-Sozialbetreuerin für Altenarbeit“ qualifizieren zu lassen. Während der Zeit ihrer Ausbildung ist sie über das AMS kranken-, unfall-, und pensionsversichert, finanzieren kann sie sich durch das ihr zustehende Arbeitslosengeld und einen monatlichen Zuschuss von 200 Euro aus der connexia Implacementstiftung. Während der Ausbildung steht ihr die Tür für weitere Praktika im Pflegeheim offen, nach Abschluss kann sie gar mit einer fixen Anstellung rechnen. Reingard Fessler: „Unseren Stiftungszuschuss von 200 Euro finanzieren die Systempartner:innen – also im Falle von Anna H. das Pflegeheim.“ Arbeitsmarktpolitisch ein höchst sinnvolles Modell: So holt man alle Beteiligten mit in die Verantwortung und ist stets ganz nah am realen Personalbedarf. Die Abbruchquote, so die Erfahrung der letzten zehn Jahre, würde sich in Grenzen halten. Vorzeitige Austritte lägen bei 11,5 Prozent, während hingegen über 90 Prozent aller Absolvent:innen von einer Einrichtung übernommen würden. „Ja, das Klientel, das über die Stiftung kommt, ist ehrgeizig. Diese Menschen wollen sich beweisen und leisten Großartiges“, freut sich Reingard Fessler. Natürlich könne dieses Modell nicht allein das Problem des Fachkräftemangels lösen. „Der Arbeitsmarkt ist leer. Im Grunde bräuchten wir noch viel mehr Ausbildungsplätze und Lehrpersonen“, resümiert die Stiftungsleiterin und fügt hinzu: „Ich merke in der Erst-
Voraussetzungen für stiftungsgeförderte Ausbildung: • Vollendetes 19. Lebensjahr mit Anspruch auf Arbeitslosengeld oder ab 21 Jahren • Förderzusage AMS • Zusage Ausbildungsplatz • Zusage Praktikumsplatz • Hauptwohnsitz in Vorarlberg Informationsabend rund um Ausbildungsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung am 13.10. um 19 Uhr, Wäldersaal Lingenau
connexia Implacementstiftung Betreuung und Pflege: „Implacement“ steht für das Angebot, für einen Fachbereich gezielt Arbeitskräfte auszubilden. Vorrangig werden damit arbeitssuchende Personen angesprochen. Die „connexia Implacementstiftung Betreuung und Pflege“ ist ein Bereich der „connexia – Gesellschaft für Gesundheit und Pflege" mit Sitz in Bregenz, deren Auftrag es ist, Betreuungs- und Pflegequalität in Vorarlberg weiterzuentwickeln.
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„Laufen ist Freiheit“ Der erfolgreichste männliche Marathonläufer aller Zeiten, Eliud Kipchoge, spricht über seine Goldmedaille in Tokio, seine Trainingsplaylist und seinen neuen Film „Kipchoge: The Last Milestone”, der seine Mission begleitet, die 42,195 Kilometer in unter zwei Stunden zu laufen. Text: Adrian Lobb
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aufen ist ein demokratischer Raum.“ Das sagt der größte männliche Marathonläufer aller Zeiten. Eliud Kipchoge war kürzlich der erste Mann seit 40 Jahren, der bei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen mit einem Sieg auf den Straßen von Tokio Marathon-Gold gewann. Er ist es gewohnt, neue Wege zu gehen. Ein neuer Film, „Kipchoge: The Last Milestone (Der letzte Meilenstein)”, zeigt die Mission des Kenianers, 2019 als erster Mensch die 42,195 Kilometer in weniger als zwei Stunden zu laufen. Zum Vergleich: Das bedeutet, einen Kilometer in 2 Minuten und 51 Sekunden zu laufen und dieses Unterfangen dann noch 41 Mal zu wiederholen. Es ist, was symbolträchtige Leistungen in der Leichtathletik angeht, auf einer Stufe mit Roger Bannisters erster Vier-Minuten-Meile, als Jim Hines 1968 unter 10 Sekunden für die 100 m blieb, oder Bob Beamons Weitsprung-Heldentaten in Mexiko – mit denen er die 28- und 29-Fuß-Grenze in einem mächtigen, majestätischen Sprung durchbrach. Kipchoge, der jetzt 36 Jahre alt ist, läuft viel. Das hat er schon immer getan. Für ihn war der Schullauf genau das. Es ist 7.50 Uhr, und er ist bereits 16 Kilometer gelaufen. Das gibt ihm viel
Olympische Spiele 2020 in Tokio, Leichtathletik-Marathon der Männer, Sapporo Odori Park, 8. August 2021. Eliud Kipchoge aus Kenia überquert die Ziellinie und gewinnt Gold. © REUTERS/Kim Hong-Ji
Zeit zum Nachdenken. „Wenn ich ein wichtiges Rennen laufe, geht mir vieles durch den Kopf “, sagt er. „Aber ich versuche mein Bestes, den Kopf frei zu bekommen und sicherzustellen, dass mein Verstand ruhig genug ist, um das Laufen zu schaffen.“ „Wenn ich trainiere, denke ich meistens daran, die richtigen Zeiten und in die richtige Richtung zu laufen. Oder ich mache Witze und höre Musik, vor allem 'Stronger (What Doesn't Kill You)' von Kelly Clarkson. Das gibt mir mehr Motivation, mehr Energie, um weiterzumachen. Aber ich denke auch über die Welt nach und darüber, wie sie sich im nächsten Jahr anfühlen wird. Und ich denke darüber nach, wie ich mir die Welt für die Zukunft wünsche.“ Der Dokumentarfilm dauert eine Stunde und 23 Minuten. In dieser Zeit könnte Kipchoge mehr als 29 Kilometer laufen, oder genug, um die landschaftlich reizvolle Strecke (unter Umgehung des dichten Verkehrs auf dem Brian Clough Way) von Nottingham nach Derby zu bewältigen. Der Mann, der 1984 in der Bonfire Night geboren wurde, hat kürzlich in Tokio ein weiteres Feuerwerk gezündet. „Ich bin wirklich dankbar dafür, dass die Olympischen Spiele stattgefunden haben – nur so können wir der Welt zeigen, dass wir uns auf dem Weg zu
einem normalen Leben befinden“, sagt er. Fans waren nicht erlaubt, aber eine Milliarde Menschen haben zugesehen. „Wir waren also alle zusammen. Es gab ein paar Fans, die auf der Straße zusahen, aber es fühlte sich so an, als würde die ganze Welt zusehen.“ In seinem neuen Film spricht Kipchoge darüber, dass ein Marathon wie das Leben ist – das Auf und Ab, die Drehungen und Wendungen, die Höhen und Tiefen, die Freude und der Schmerz. Wenn man diese Analogie weiterverfolgt, welches Lebensereignis war dann der olympische Marathon in Tokio? „Es war ein riesiges Fest,“ sagt er mit einem breiten Grinsen. „Meine Freude, den olympischen Titel zu verteidigen und zwei Goldmedaillen in Folge zu gewinnen, ist wie die Geburt eines Kindes, denn es ist etwas Neues für die Welt“. Der Film zeigt einen anderen Ehrgeiz, der in dem Superstar hell brennt – ein philosophisches Verlangen zu beweisen, dass „kein Mensch begrenzt ist“. Es fällt ihm leicht, über die großen Konzepte zu sprechen. All die Zeit, die er zum Nachdenken nutzt, gibt ihm ein Gefühl der Klarheit – kein Wunder, dass er schon mit einem Zen-Meister verglichen und als König der Philosophen bezeichnet wurde. „Das Konzept, dass kein Mensch begrenzt ist, ist eine sehr coole Idee“,
sagt er, „und es geht dabei nicht nur um Sport. Wenn Sie Sportler sind, setzen Sie sich ein Ziel, arbeiten Sie daran und sorgen Sie dafür, dass Sie auch die Leistungen erbringen. Aber wenn Sie Anwalt, Lehrer, Ingenieur sind – dann setzen Sie sich in Ihrer Arbeit ein Ziel und erbringen Sie die Leistung. Denn Sie sind überhaupt nicht eingeschränkt. Leistung gibt es nicht nur im Sport, Leistung gibt es sogar im Büro. Darum freue ich mich über das, was jetzt in der Welt passiert, wenn wir sehen, wie Sir Richard Branson in den Weltraum fliegt und Jeff Bezos auf einem anderen Flug ins All geht. Wenn du siehst, dass Menschen so denken können, dann weißt du, dass wir überhaupt keine Grenzen haben. Lasst uns weitermachen und weitermachen und weitermachen“. Wir sprechen über Philosophien des Laufens. Und wir sprechen über Straßenzeitungen wie The Big Issue und ihre Mission, Menschen zu helfen, ihr Potenzial zu zeigen und schwierige Zeiten zu überwinden. Kipchoge sieht die Verbindung. „Ich sage immer, Laufen ist ein demokratischer Raum. Und wenn Sie wissen wollen, was Freiheit ist – es ist Laufen“, sagt er. „Man kann uns nicht in unseren Kursen einsperren, weil alle möglichen Leute ihre Schuhe und ihre Kleidung holen und sich auf die Straße begeben – auf dieselbe Straße, auf der sich alle befinden. Laufen ist der beste Ort, um zu sein.“ Für Kipchoge ist das Laufen ein Mannschaftssport. Sein Ziel, einen Marathon in unter zwei Stunden zu laufen, erreichte er mit Hilfe seines Trainers Patrick Sang, 41 gut ausgebildeten Schrittmachern, die in einer neuen Formation als menschliche Windschutzscheiben fungieren und ihm ermöglichen, mit so wenig Reibung wie möglich zu laufen, und einem Team von Sportwissenschaftlern und Exper-
„Das Konzept, dass kein Mensch begrenzt ist, ist eine sehr coole Idee.“
ten, die nach neuen Wegen suchen, um marginale Fortschritte zu erzielen. Auch die technologischen Fortschritte bei den Laufschuhen von Nike spielten eine Rolle. Und das Team erfüllte seine Aufgabe als es noch 20 Sekunden übrig hatte – aus der Formation ausbrechend als Kipchoge zur Ziellinie sprintete. „Teamwork ist nicht eine Gruppe von Menschen, die zusammenbleibt. Nein, es ist eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig vertrauen“, sagt Kipchoge. „Das ist es, was es uns ermöglicht, Laufen wie einen Mannschaftssport zu behandeln.“ Und möglicherweise hat er noch einen weiteren Durchbruch im Visier: die Unterschreitung der Zwei-Stunden-Marke bei einem normalen Straßenrennen und nicht bei einem Laufen gegen die Uhr. „Ein Zwei-Stunden-Straßenmarathon ist möglich“, fährt er fort. „Ich vertraue darauf, dass ich allen anderen Athleten den Weg gezeigt habe. Sie müssen es nicht mehr nur denken. Sie wissen jetzt, dass es möglich ist. Und ich vertraue darauf, dass dieser Film alle inspirieren wird, sowohl gesundheitlich als auch im Hinblick auf ihr Denken.“ Denn Laufen ist nicht nur ein Mannschaftssport – es geht dabei auch um Gemeinschaft. Das weiß jeder, der an seinem örtlichen Parkrun, an kleineren lokalen Läufen oder an Marathons in Großstädten teilnimmt. „Wenn ich nicht mehr an Wettkämpfen teilnehme, möchte ich zu allen großen Stadtmarathons gehen, um mit den Leuten zu laufen“, sagt Kipchoge. „Warum nicht nach England gehen, um zu laufen, warum nicht nach Berlin oder New York, oder sogar nach Guatemala, das ein kleiner Ort ist? Warum nicht in Singapur laufen – es ist ein kleines Land und nur 42 Kilometer breit. Warum also nicht quer darüber laufen?
Nach jedem großen Stadtmarathon, den ich absolviert habe, habe ich das Gefühl, dass wir nicht die wichtigsten Menschen sind. Wichtiger sind die 40.000 Menschen, die die Ziellinie überqueren werden und für einen guten Zweck laufen. Viele laufen für Krebsstiftungen, für Bildungseinrichtungen, für irgendetwas in Afrika, für Tiere. Und ich vertraue darauf, dass bei den nächsten Marathons Menschen laufen werden, um Haiti wieder aufzubauen und das Leben der Menschen dort wieder herzustellen.“ Es ist schön, das zu wissen. Dass, während der Rest von uns den Mann bewundert, der Marathons schneller läuft als alle zuvor – ich habe die Live-Übertragung seines Laufs in Wien auf dem Handy eines Freundes verfolgt, während wir auf den Start eines Parkruns in Crystal Palace warteten – er auch an diejenigen von uns denkt, die in seinem Windschatten laufen. „Ich habe immer großen Respekt vor den Leuten, die hinter mir laufen, vor den sozialen Läufern, die ihre Schuhe anziehen und laufen“, sagt Kipchoge. „Wenn mehr Menschen laufen, weil sie von uns inspiriert wurden, ist das großartig. Aber wir lassen uns auch von den 50.000 Menschen inspirieren, die gemeinsam laufen. Es ist gut, wenn man sich als Teil der Gemeinschaft der Läufer fühlt. Das verschafft dir einen ruhigen Kopf. Wenn du zu Hause bist und schlafen gehst, hast du das gute Gefühl, dass du zu den Menschen gehörst, die für eine bessere Welt laufen.“ Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche von Translators Without Borders Mit freundlicher Genehmigung von INSP.ngo / The Big Issue UK bigissue. com @BigIssue
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Gsi
#64 | Oktober 2021
Ein Lob auf die Schlafmützen Die Tage werden wieder spürbar kürzer, die Nächte länger. Aber wer gern und viel schläft, verschwendet seine Zeit, oder etwa nicht? Jahrtausende lang wurde das Bedürfnis zu schlafen respektiert und guten Gewissens praktiziert. Erst seit der Industrialisierung vor 200 Jahren werden Schlaf und Müdigkeit als lästige Störenfriede betrachtet.
L
„Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu ertragen: die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“ Immanuel Kant
Schlafgemach von König Ludwig XIV. (1638-1715). Der „Sonnenkönig“ regierte in Schloss Versailles bei Paris von seinem Bett aus: Er empfing nach seinem Erwachen, meist gegen 8 Uhr morgens, nacheinander seine Familie, Adelige, Ärzte und Diener sowie Minister in seinen privaten Gemächern. Ludwig lag dabei oft im Bett, nahm sein Frühstück ein und kleidete sich dann an.
Text: Gerhard Thoma, Fotos: Archiv
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eidenschaftliche Langschläfer waren die alten Griechen. Ihr Wissen und ihre Terminologie prägen uns heute noch. Der Gott des Schlafes war Hypnos. Hypnos ist der Sohn von Nyx, der Göttin der Nacht, und der Bruder von Thanatos, dem Gott des sanften Todes, mit dem er gemeinsam in der Unterwelt lebt. Schon die alten Griechen haben also eine Verbindung zwischen Schlaf und Tod gezogen. Auf Gemälden und Statuen erstrahlt Hypnos als starker Jüngling mit einem Mohnzweig und einem Schlummerhorn, welches er einsetzt, um den Schlaf auf die Menschen „niederregnen“ zu lassen. Hypnos kann aber nicht nur Menschen in Schlaf versetzen, sondern auch Götter, weshalb er bisweilen als einer der mächtigsten Beherrscher des Weltalls angesehen wird. Mit Hypnos eng verwandt sind die Götter der Träume, die „Oneiroi“. Berühmt sind die Traumgötter Morpheus, Namensgeber des Morphins, und Phantasos, Namensgeber der Phantasie. Das Wort Hypnose ist von Hypnos abgeleitet. In der römischen Mythologie ist Somnus der Gott des Schlafes. Die Römer wussten den Schlaf zu schätzen: Wann immer sich ihnen die Möglichkeit bot, legten sie sich hin, ruhten sich aus und schliefen. Bei den Römern kannte man drei Schlafplätze: ein sepa-
rater abgetrennter Schlafraum, ein Bett für den Tag, auf dem sie lasen, aßen und schliefen sowie ein Tragbett mit mehreren Liegeplätzen. Auch die Menschen im Mittelalter huldigten dem Schlaf. Man war zu dieser Zeit überzeugt, dass die Seele im wachen Zustand ihre Energien verbraucht und dass sich diese Energien nur durch Schlaf erneuern lassen. Geschlafen wurde meistens nackt. Der Pyjama wird erst um 1890 erfunden und von Männern getragen, Frauen träumen in Nachthemden.
Mit Kind und Kegel im Schlafzimmer
Auf uns wirkt es heute sehr befremdlich, dass der Schlaf über Jahrhunderte hinweg alles andere als eine private Angelegenheit war. Vor allem bei ärmeren Leuten wurde der Schlaf relativ öffentlich vollzogen. Es war üblich, dass sich viele Menschen einen Schlafraum und oft auch ein einziges Bett teilten. Dabei handelte es sich keineswegs nur um enge Familienangehörige. Alle Personen einer Hausgemeinschaft, also alle Verwandten und alle Bediensteten schliefen gemeinsam in einem Schlafzimmer – meistens sogar in einem Bett. Als in Herbergen und Gasthäusern die Betten knapp wurden, fand man rasch Abhilfe: Die zur Verfügung stehenden Schlaf
stätten wurden einfach doppelt belegt. So durfte die eine Hälfte der Gäste die Betten bis Mitternacht nutzen, während die andere Hälfte der Gäste dann ab Mitternacht schlafen gehen konnte. Die ersten Schlafzimmer im eigentlichen Sinne entstanden an den königlichen Höfen und gelangten von dort zunächst in die adelige Oberschicht. Bis sich Schlafzimmer auch in bürgerlichen Häusern verbreiten konnten, dauerte es noch sehr viel länger. Während etwa in Afrika und Asien Teile der Bevölkerung bis heute Schutz und Wärme im Gruppenschlaf suchen, reduzierte sich das Treiben in den reichen Schlafgemächern westlicher Gesellschaften im Laufe des 17. Jahrhunderts auf paarweise Zusammenkünfte – mit dem Zugeständnis, dass es in den Dunkelkammern auch sexuell werden darf. Die früh aufgeklärten Franzosen trugen daher gern ein Leinennachthemd, die „chemise cagoule“, mit dem sogenannten Bereitschaftsschlitz auf Geschlechtshöhe. Ab dem 19. Jahrhundert setzte sich in vornehmen Häusern zunehmend die Einrichtung eigener Schlafzimmer, Ankleidezimmer und Kinderzimmer durch. Waren Schlafräume früher fast immer leicht zugänglich, wurden sie jetzt mehr und mehr zum abgeschlossenen, intimen Rückzugsort, wo nicht mehr jeder hineingehen sollte.
„Inemuri“ in Japan In Japan dürfen Schüler während des Unterrichts ein Nickerchen machen, ebenso Angestellte im Büro und bei Konferenzen. Überall, wo es geht, ist den Leuten ein Schläfchen erlaubt, bei Partys, im Park, im Konzertsaal, in der U-Bahn, auf der Straße. Wer tagsüber eindöst, signalisiert, dass er viel gelernt oder hart gearbeitet hat. „Inemuri“ heißt diese Tradition, die in ganz Japan respektiert ist. Es dauert zirka 20 Minuten und kann zu jeder Tageszeit gemacht werden. Auch in Gasthäusern und Krankenhäusern veränderte sich die Unterbringung von Gästen bzw. Patienten. Die früheren Massenlager wurden immer mehr durch Einzelzimmer ersetzt.
Maschinen beherrschen Menschen
Die Wertschätzung des Schlafes änderte sich schlagartig mit der Industrialisierung um 1850. Maschinen, Produktion und Profit gaben ab jetzt den Takt vor. Im Vergleich mit Maschinen hatte der Mensch allerdings einen großen Nachteil: Er ermüdete. Weil die Maschinen ohne Schlaf auskamen, Tag und Nacht liefen und auf diese Weise doppelt so produktiv sein konnten, wurde dasselbe auch von den Arbeitern verlangt. So hatte die Arbeitswoche in Vorarlberg um 1845 herum sage und schreibe 83
Stunden. Zusätzlich gehörte Kinderarbeit zu dieser Zeit zur Tagesordnung. Dass die Menschen müde wurden, störte den Produktionsprozess. Und dass der Mensch ein Drittel des Tages schlafend verbringen muss, um nicht krank zu werden, behinderte den Fortschritt. Aus diesem Grund verlor der Schlaf immer weiter an Ansehen. Schlafen war einfach etwas Lästiges und Mängelbehaftetes geworden – eine Auszeit ohne Wert. „Faulpelz“ und „arbeitsscheu“ sind Attribute, die wir heute noch teilweise mit dem Schlafen in Verbindung bringen. Sie haben ihren Ursprung in jenen Tagen. Obwohl der Schlaf massiv an Popularität eingebüßt hatte, blieb das Bedürfnis danach, sich auszuruhen und zu schlafen, bestehen. Man strebte danach, dann zu schlafen, wenn es einem passte.
Mit der Erfindung der Schlaftablette im Jahr 1902 hatte man eine vermeintliche Lösung für dieses Problem gefunden. Mithilfe des neu entwickelten Schlafmittels Veronal, ein Barbiturat, war man nun in der Lage, den Schlaf einzuleiten, wann und wie lange man wollte. Völlige Selbstbestimmung über den Schlaf und seine Dauer sind heute nur noch für sehr wenige Menschen möglich. Die Arbeitswelt bestimmt den Schlafrhythmus. Überwiegend wird von uns erwartet, dass wir hellwach und aktiv sind. In unseren Köpfen schwirrt die Überzeugung, dass Schlafen reine Zeitverschwendung ist. So schlafen wir zu wenig, schlecht und profitieren nur mäßig von der regenerativen Wirkung des Schlafes. Die Zeit des göttlichen Hypnos ist abgelaufen.
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Veranstaltungskalender
06.10.
Mi., 9:30 Uhr, Villa Falkenhorst, Thüringen VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at
SALONVORTRAG: KUNST UND KULTUR IN VORARLBERG
Vortrag
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07.10.
Do., 19 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
LITERATUR VORARLBERG: V#36 KRISE
02.10. - 14.11.
Ab Sa., Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz
ALBERT ALLGEIER, ELSBETH GISINGER-FESSLER, MICHAEL MITTERMAYER
Ausstellung
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24.10.
Bis So., Galerie Stephanie Hollenstein, Lustenau
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ALBERT ALLGEIER, ELSBETH GISINGER-FESSLER, MICHAEL MITTERMAYER THIS MUST BE MY PLACE. THE OTHER IS US. ZUR IDEE DER POSTMIGRANTISCHEN GESELLSCHAFT.
Die Gruppenausstellung untersucht die Verstrebungen zwischen (Arbeits)Migration, Identität und Alterität im Jetzt, im Damals und dazwischen.
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27.10.
Bis Fr-So, 15 bis 18 Uhr, Museum, Egg
ORTSFEUERWEHREN: VOM DORFBRAND BIS ZUM FESTUMZUG
Die Geschichte der Ortsfeuerwehren in Egg und der Region.
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31.10.
Bis Frauenmuseum, Hittisau
GEBURTSKULTUR: VOM GEBÄREN UND GEBOREN WERDEN
20 Jahre Frauenmuseum Hittisau, Jubiläumsausstellung
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06.10.,
07.10.
Mi., Do., jeweils 19:30 Uhr, Do 7.10., 10:30 Uhr Kulturhaus, Dornbirn
KIND.ERBE.REICH:
Vom Erben und Erblassen Theater Uraufführung von Barbara Herold.
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Buchpräsentation
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07.10.
Do., 9 Uhr, Domino, Raum der Poesie, Frastanz
TOMATIS © – EIN WEG ZUR BESSEREN WAHRNEHMUNG FÜR JUNGE FAMILIEN MIT KINDERN
Referat mit Christine Tabernig, Tomatistherapeutin
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07.10.
Do., 19:30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
ALOIS HOTSCHNIG, DER SILBERFUCHS MEINER MUTTER
Lesung und Gespräch
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07.10.
Do., 20 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
FILIPPA GOJO UND MORPHEUS
Jazz im Museum
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08.10.
Fr., 17 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
FREITAGS UM 5
mit Harald Walser, Biografie Maria Stromberger
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09.10.
Sa., 19 Uhr, Villa Falkenhorst, Thüringen
„FABRIKLER“ Lesung
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09.10.
Sa., 15 Uhr, Spielboden, Dornbirn
KLUPPE WÄSCHEKIND
Kinderprogramm
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09.10.
Sa., 20:30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
A TRIBUTE TO JOHN LENNON
Konzert
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#64 | Oktober 2021
09.10.
14.10.
20.10.
Sa., 14.30 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
Do., 10 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz
Mi., 20.15 Uhr, Bücherei, Hohenems
SAMSTAG-WORKSHOP FÜR KINDER
Theater, Klassenzimmerstück für unterschiedliche Altersgruppen.
PREMIERE: SCHWALBENKÖNIG
„DU BIST DRAN“
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10.10.
So., 14.30 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
GENERATIONENTOUR: „AUF EIGENE GEFAHR“
Ausstellungsbesuch und Praxisteil
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10.10.
So., 14.30 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
„KARL SILLABER UND C4 ARCHITEKTEN“ Führung
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13.10.
Mi., 19 Uhr, inatura, Dornbirn
WELCHE STRASSEN BRAUCHT DIE MOBILITÄT DER ZUKUNFT?“ „ZWISCHEN NULLLÖSUNG UND ANWOHNERENTLASTUNG“ Moderierter Dialog mit: Andreas Postner (transform) und Angelika Schwarzmann (Bürgermeisterin Alberschwende)
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13.10.
Mi., 10 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
ELTERNSACHE – MUTIGE ELTERN FÜR STARKE KINDER
Ein Orientierungsimpuls für Eltern mit Anna Schweighofer.
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14.10.
Do., 19:30 Uhr Theater am Saumarkt, Feldkirch
JOHANNES MÜLLER-SALO: KLIMA, SPRACHE UND MORAL.
Eine philosophische Kritik
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14.10.
Do., 18 Uhr, Inatura, Dornbirn
INATURA SCIENCE-CAFÉ Vortrag
—
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14.10.
Do., 20 Uhr, Bücherei, Hohenems
„ES WAR. ES WAR NICHT (MALOCCHIO)“
Lesung und Gespräch mit Dania D'Eramo Die Finalistin des Hohenemser Literaturpreises 2021 liest ihren nominierten Text.
—
14.10.
Lesung mit Mieze Medusa
—
20.10.
Mi., 9 Uhr, Rathaus, Bludenz
„ICH BIN OK, SO WIE ICH BIN“ Familie im Gespräch
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21.10.
Do., 20 Uhr, Metro Kino, Bregenz
FILMFORUM: HOCHWALD
23.10.
Sa., 16 Uhr, Kunsthaus, Bregenz
OTOBONG NKANGA
Ausstellung Otobong Nkangas künstlerische Praxis umfasst Tapisserie, Zeichnung, Fotografie, Installation, Video und Performance.
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24,10.
So., 17 Uhr, Villa Falkenhorst, Thüringen
JUNGE KÜNSTLER STELLEN SICH VOR: MUSIK UND POESIE
Kultur
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26.10.
Do., 18 Uhr, Remise, Bludenz
Kinofilm
SÜNDENBÖCKE UND BRUNNENVERGIFTER – VERSCHWÖRUNGSSPEKULATIONEN IN KRISENZEITEN UND PANDEMIEN VOM ALTERTUM BIS ZUR GEGENWART“
Do., 19:30 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
Am Nationalfeiertag
MASCHA KALÉKO UND IHRE LYRIK – MANFRED KOHRS & DANIELA FROMMELT
Di., 11 Uhr, Markt, Bludenz
inatura Science-Café mit Dr. Johannes Preiser-Kapeller, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien Vortrag
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16.10.
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21.10.
Lesung
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21.10.
Do., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
21.10.
So., 11 Uhr, Salomon Sulzer Saal, Hohenems
Meditieren im Museum
AM RAND. ZUSAMMEN LEBEN IN DER UNTERGASS'
Fr., 17 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
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19.10. - 23.10.
Di., 18 Uhr, Sternensaal (Pfarrsaal), Schruns
MONTAFONER GIPFELTREFFEN „RELIGION IN DEN BERGEN“
Zum fünften Mal findet die internationale Tagung „Montafoner Gipfeltreffen“ statt.
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20.10.
Mi., 9 Uhr, Café Zäwas, Bludenz
OSTEOPATHIE FÜR BABIES UND KINDER
Vortrag
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MARKT DER KULTUREN
Kulturelle Feier
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28.10.+
29.10.
KONZERT N°5: IM EWIGEN SPHÄRENTANZE
Do., 18.30 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
Ausstellungseröffnung
26.10.
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FATCAT GOOD.ZIP
17.10.
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Do., Fr., 19 Uhr, Pförtnerhaus, Feldkirch
Konzert
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EINTRITT FREI!
SÓLEY
Sa., 20:30 Uhr, Kammgarn, Hard Konzert
Di., 10 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
MUZEN
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22.10.
HEINZ GREISSING
Vernissage
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22.10.
Fr., 20 Uhr, Sonnenbergsaal, Nüziders
BLUDENZ BIG BAND UNION
Let's swing – mit Philipp Lingg, Bastian Berchtold und Berndt Steiner Konzert
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22.10.
Fr., 16 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
BI:JU – BLACK EMPOWERMENT
Diskussion, Workshop
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Von der Ahnung der Unendlichkeit
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28.10.
Do., 19:30 Uhr, Spielboden, Dornbirn
NEUE SPIELRÄUME – DAS „PERÚ PROFUNDO“ UND DIE BEDEUTUNG VOM WAHLERFOLG PEDRO CASTILLOS Gespräch
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29.10.
Fr., 16 Uhr, Stadtbücherei, Dornbirn
LITERATURCAFÉ
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29.10.
Fr., 20 Uhr, Spielboden, Dornbirn
DAVID SCHALKO LIEST AUS „BAD REGINA“ Literatur
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29.10.
Fr., 20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
MOTHER´S CAKE
Konzert
—
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Veranstaltungskalender
#64 | Oktober 2021
-35% AB 18. OKTOBER
30.10.
Sa., 15 Uhr, Spielboden, Dornbirn
DIE GESCHICHTE VON DER SCHÜSSEL UND VOM LÖFFEL
Figurentheater Gerti Tröbinger und Maria Dürrhammer
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30.10.
Sa., 17 Uhr, Ritter-von-Bergmann Saal Hittisau
KONZERT N°5: IM EWIGEN SPHÄRENTANZE
Von der Ahnung der Unendlichkeit
—
30.10.
Sa., 8.30 Uhr, Bushaltestelle Hotel Traube, Braz
VIELFALTERTAG IN DER BRAZER ALLMA: KUMM, SCHAFF MIT!
Umwelt im Gespräch
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30.10.
Sa., 13 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz
THEATERFESTIVAL 60+/-
—
ACHTUNG: IMMER NOCH EINSCHRÄNKUNGEN BEI VERANSTALTUNGEN
Die Beschränkungen aufgrund von COVID-19 werden weniger und bieten inzwischen einen gewissen Spielraum für Kulturveranstalter. Sie sind bemüht, die jeweiligen Veranstaltungskalender auf den betreffenden Homepages aktuell zu halten. Interessenten werden dennoch gebeten, auf der jeweiligen Website der Veranstalter zu überprüfen, ob die Konzerte, Lesungen etc. tatsächlich stattfinden.
Die nächste marie erscheint am 29. Oktober.
LÖSUNGEN Schachecke 1 1.Txe6!? [Nach 1.Tb6 Sd5 kann Schwarz noch ein wenig Widerstand leisten.] 1...fxe6 2.Lxf6 gxf6 3.b4!? [Weniger zwingend ist die Partiefortsetzung 3.Kf2 Kf7, obwohl auch dann das Bauernendspiel für Weiß klar gewonnen ist.] 3... Kf7 4.b5 und Schwarz kann die weiße Bauernumwandlung in eine Dame nicht mehr verhindern. 2 1...Sc3! Der einzige Zug, der gewinnt. Die Doppeldrohung 2...Sxe2 und 2...Txd4 entscheidet diese Partie. 2.Df3 [2.De3 Txd4 3.Dxd4? scheitert an der Springergabel 3...Se2+.] 2...Txd4 3.Lxe8 [3.Dxc3? Dxe5 ist für Weiß völlig hoffnungslos] 3...Txe8 4.Sc6 Td5 5.Dxc3 Txb5 Schwarz steht klar auf Gewinn. Er hat eine Mehrqualität und seine Schwerfiguren werden die offenen Linien (c und d) beherrschen. 3 1...Sxb2! Dieses Figurenopfer ist bereits der Gewinnzug. 2.Sf5 [2.Kxb2 Dxd4+ 3.Kb1 Txc1+! 4.Kxc1 (Nach 4.Dxc1 Dxd3+ hat Schwarz zwei gesunde Mehrbauern.) 4...La3+ 5.Kd2 Df4+ Schwarz holt sich mit 5...Dxg3 die Figur zurück und verbleibt auch in dieser Variante mit zwei gesunden Mehrbauern.] 2...Sxd1 [Die Fortsetzung 2...La3 gewinnt natürlich auch.] 3.Sxe7+ Kh8 4.Sxc8 De6!? 5.Thxd1 Txc8 6.Txc8+ Dxc8 Schwarz verwertete den Materialvorteil schlussendlich souverän zum Partiegewinn. Rechenrätsel Für Anfänger = 48 Für Fortgeschrittene = 7 Für Genies = 75 Sudoku 9
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BIS ZU
AUF PARKETT
VON DEN LETZTEN DINGEN
Andreas Paragioudakis | Konzert Kompositionen für das Salingari Ensemble
So 17 Okt 17.00 Do 21 Okt 19.00 Fr 22 Okt 19.00 Sa 23 Okt 15.00
Nikolaus Walter | Vernissage Fotoausstellung „Von den letzten Dingen“ Jozef Niewiadomski | Gesprächsabend „Tot und Jetzt?“ Hans Rapp | Gesprächsabend Begräbnisrituale Christentum/Islam Martin Salzmann | Rundgang Rankweiler Friedhöfe und deren Besonderheiten
Di 26 Okt 12.30
Wie schmeckt Trauer? | Gemeinsames Totenmahl Abschiedsspeisen aus unterschiedlichen Kulturen
Do 28 Okt 19.00
Albert Lingg | Gesprächsabend Assistierter Suizid
Fr 29 Okt 19.00
Elmar Simma | Lesung Endlich leben – Texte rund um das Sterben
Sa 30 Okt 19.00
Andreas Cukrowitz | Präsentation und Gespräch Paradiesgarten – neue Friedhofsgestaltung
So 31 Okt 15.00
Gabriele Bösch | Lesung mit Musik Christine Mairer und Ulrike Mohr begleiten am Cello
So 31 Okt 17.00 Mi 03 Nov 19.00
Pfarre Rankweil | Kinderprogramm Wo ist der Mensch, wenn er tot ist? Siegfried Hartmann | Gesprächsabend In vertrautem Umfeld sterben
Do 04 Nov 18.00 Fr 05 Nov 19.00
Bestatter Ammann | Rundgang Bestatter – Kein Beruf wie jeder andere Tricksterflint | Konzert CD-Präsentation „Die Nacht“
Sa 06 Nov 12.00
Dia de los Muertos | Festiver Nachmittag In Kooperation mit dem Verein Casa Latina
So 07 Nov 17.00
Nikolaus Walter | Finissage mit Musik Abschluss der Reihe „Von den letzten Dingen“
gemeinsam gestalten
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NUR SOLANGE DER VORRAT REICHT
17. Okt – 7. Nov 2021 Kulturfesttage rund um das Thema „Tod“ am Liebfrauenberg Rankweil So 17 Okt 15.00
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