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marie 6 / Mai 2016

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#6 / Mai 2016

2,50 Euro

davon 1,25 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer

Die „Schweizerkinder“ Kriegskinder aus Vorarlberg in der Obhut der Schweizer.

Geht auf Flüchtlinge zu! Seelsorger Pater Kofi richtet Appell an die Vorarlberger.

Der Garten in der Tasche Wie man Gemüse in der Einkaufstasche anpflanzt.

Das Leben ist Musik Gespräch mit dem letzten Schallplatten-Händler.

Endlich Frau Jahrzehntelang fühlte sich Romy aus Dornbirn im falschen Körper gefangen. Mit Hilfe der Medizin ist aus dem Mann eine Frau, aus einem verzweifelten ein zufriedenes Leben geworden. Romy ist eine von etwa 50 transidenten Menschen in Vorarlberg (Seite 16).

Foto: Petra Rainer


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Musik- und Theaterzelt 4. Mai – 10. September 2016 Millennium Park Lustenau

Es wird Deutsch - Spanisch – Englisch – Italienisch – Französisch und Türkisch gesprochen.

mai Mi 4. Großes Hallo! Fr

6. Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn

Sa

7. Sigi Zimmerschied

Do 12. Wang Li / Kompost 3 Fr 13. Savina Yannatou Sa 14. meret Becker Di 17. andreas Vitásek + Mi 18. Do 19. Die Geschwister Pfister + Fr 20. / Sa 21. Di 24. Dorfer & Scheuba Mi 25. irmgard Knef Fr 27. Gisela João Grupo 1. Fünferl

Fr

3. alfons

Sa 4. PeterLicht Do 16. Dancas Occultas & Dom La nena Fr 17. Geschwister Well Di 28. Federspiel Mi 29. Joschi Schneeberger Quintett.

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30.03.16 14:20


#6 / Mai 2016

Mittendrin in V 4-5 Bild des Monats 6 „Ich fühle mich hier willkommen“ marie-Verkäufer Daniel aus Nigeria 7 Denk ich an Heimat Kurt Mayer, „Indianer aus Vorarlberg“ 8 - 9 „Es geht um die Zukunft unserer Kinder“ Studenten kämpfen gegen Monsanto und Co. 10 - 11 „Geht mehr auf die Flüchtlinge zu!“ Seelsorger Pater Kofi appelliert an Vorarlberger 12 Der Garten in der Einkaufstasche Gemüseanbau auf kleinstem Raum 13 Abschied von Renate Schwarz Nachruf auf gute Seele der Notschlafstelle 14-15 Kurzgeschichte über Roma marie-Leserin schreibt über die „Queen“ 16-19 Im falschen Körper geboren Romys langer Weg vom Mann zur Frau 20 Rezept Riebelmaisomelett mit Erbsen und Topfen 21 Der Wunsch vom schmerzfreien Leben Norbert Mairhofer gründet Selbsthilfegruppe 22-23 Bedingungsloses Grundeinkommen Ein Versuch in Niederösterreich 24-25 „Ich war kein Mensch mehr“ Stehaufmännchen Hellmut Fischer 26-27 Neue Erziehungsmethode Richtiger Umgang mit schwierigen Schülern 28-29 „Die meisten Nachbarn finden uns schön“ Syrer über Flucht und ihre neue Heimat

Gsi

30-31

Kultur

Endlich genug zu essen Schweizer helfen Kriegskindern aus Vorarlberg

32-33 Story to go Vertanzte Geschichten aus dem Leben 33 Impressum 34 - 35 „Leben und Musik sind eins“ Charly Müllner über das Wesen der Musik 36-38 Veranstaltungskalender

marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo

Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, viel ist in diesen wahlkämpferischen Tagen gesagt und plakatiert worden um den Begriff „Heimat“. Auch die marie hat dem Thema in der aktuellen Ausgabe breiten Raum eingeräumt. In einem Büchlein mit dem Titel „Denk ich an Heimat“ haben unsere Kollegen von der Salzburger Straßenzeitung „Apropos“ die Gedanken von Zeitungsverkäufern eingesammelt. Einer davon ist Kurt Mayer (55), gelernter Bäcker aus Dornbirn. Er, der Entwurzelte, den sie den „Indianer aus Vorarlberg“ nennen, hat endlich seine Heimat gefunden. An dem einzigen Ort, wo man Heimat finden kann: im Kopf und in der Seele (Seite 7). Ums Fremdsein im eigenen Körper geht es in der Geschichte von Romy (52) aus Dornbirn. Geboren als Bub, verstärken sich immer mehr das Gefühl und der Wunsch ein Mädchen, später eine Frau zu sein. Das Gefühl im falschen Körper zu stecken, steigert sich bis zur Verzweiflung und zum Lebensüberdruss. Mit 50 dann endlich die Befreiung: Mit Hilfe der Medizin wird aus dem Männer- ein Frauenkörper. Für Romy eine „Wiedergeburt“ (Seite 16). Vom Verlassen seiner Heimat und der Ankunft in Vorarlberg schreibt der syrische Flüchtling Ghazwan Kharma. Wir haben den Text in seinem Deutsch belassen, da er uns so authentischer erschien (Seite 28). Als Enkelin von Vorarlberger Auswanderern kam unsere Leserin Ingrid Maria Kloser früh mit dem Thema Heimat und Fremdheit in Berührung. Inspiriert vom marie-Bericht über notreisende Roma hat sie spontan eine Kurzgeschichte verfasst (Seite 14). Über Beiträge unserer LeserInnen freuen wir uns ganz besonders, auch wenn wir nicht alle veröffentlichen können. Viel Freude beim Lesen der marie! Herzlich, Robert Thoma, Co-Herausgeber

Kontaktieren Sie uns Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

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Bild des Monats

Ein Kindergarten mitten im Wald Foto: Frank Andres

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Für die Kinder im Waldkindergarten Emsreute gibt es kein gutes oder schlechtes Wetter. Sie bewegen sich jeden Vormittag in der freien Natur. Von Montag bis Freitag wird im Wald gemeinsam gesungen, gespielt, gearbeitet, und es werden Geschichten erzählt. Besonders jetzt im Frühling erleben die Drei- bis Sechsjährigen den Wald als wunderbaren Abenteuerspielplatz. Mittlerweile bestätigen namhafte Hirnforscher: Das Riechen, Sehen, Schmecken und Fühlen müssen Kinder erst üben, um sich selbst und die Welt zu entdecken. Und die beste Lehrmeisterin ist die Natur.


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Mittendrin in V KOMMENTAR: Gerhard Hofer

DRAUSSEN ZUHAUSE

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Manchmal spielt die Welt verrückt. Viele Menschen meinen: Jeden Tag Nachrichten hören, das halten sie gar nicht mehr aus. Am besten Decke über den Kopf, nichts hören, nichts sehen, nichts spüren. Alles ist zu viel. Und dabei zeigt ein Blick aus dem Fenster: Die Natur blüht auf, die Vögel zwitschern und die Kinder spielen und lachen. Auf den Straßen herrscht reges Treiben, ein Bild von Normalität. Was beunruhigt: Terroranschläge, Arbeitslosigkeit, Wohnungspreise – vieles läuft schief. Aber wer versaut uns die Stimmung am allermeisten - die Bettler, die sich so direkt in unseren Alltag einnisten. Ohne jegliche Vorleistung, einfach hinsetzen und die Hand aufhalten. Manche Stammtische sprechen von Einnahmen bis zu 100 Euro täglich und 1000 bettelnden Roma. Wie viele Menschen glauben solche Storys. Und wie viele hören hin, wenn die Experten von Caritas, Kaplan Bonetti, IfS, Kinderdorf, Kolping und dowas Fakten präsentieren: Die Personengruppen der so genannten Notreisenden umfasst 70 bis 120 Personen, nicht alle betteln, die Einkünfte betragen selten mehr als 7 bis 10 Euro. Und ich denke, wie viel Euro geben wir aus, damit wir das große Outdoor-Abenteuer in der Freizeit genießen können. Ohne TV, ohne Sofa, ohne Dach über dem Kopf. Ich und meine Outdoor-Ausrüstung in freier Wildbahn – Abenteuer pur. Ja, das ist ein wenig ironisch gemeint, ich schließe mich da ganz ein. Bin auch so einer. Deshalb der etwas gelockerte Blick auf die Menschen, die vor den Supermärkten und in den Fußgängerzonen auf uns warten. Es sind Outdoor-Helden der anderen Art. Schenken wir ihnen etwas Respekt und Kleingeld und ein Lächeln über die Verrücktheit dieser Welt. Das macht vieles leichter. PS: Ich bin schon mit dem Fahrrad durch Rumänien gereist und habe dabei bitterste Armut erlebt – und sehr viel Gastfreundschaft.

Daniel Otuokpamonuyi hat seinen Stammplatz beim Hofer in Hard.

„ICH FÜHLE MICH HIER WILLKOMMEN“ marie-Verkäufer Daniel Otuokpamonuyi Oreye (35) kam vor 15 Monaten aus Nigeria nach Österreich. Dabei war ihm unsere Alpenrepublik bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt kein Begriff. Text: Frank Andres, Foto: Elisabeth Willi

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ie Familie in Nigeria zurücklassen zu müssen, war die bisher schwerste Entscheidung in meinem Leben. Es gab aber keine andere Möglichkeit“, erklärt Daniel. Mehr über seine Flucht aus seinem Heimatland will der 35-Jährige nicht erzählen. Stattdessen spricht er lieber über Österreich, seine neue Heimat. „Ich fühle mich hier willkommen. Mein sehnlichster Wunsch ist es, für immer hier bleiben zu dürfen“, betont er. Als er im Februar 2015 nach Österreich kam, war ihm die Alpenrepublik allerdings noch völlig unbekannt. „Für mich war Austria das Land der Kängurus.“ Er hatte zwar schon von Wien gehört, aber dass das in Österreich liegen soll, war ihm nicht bewusst. Inzwischen hat Daniel Land und Leute schätzen und lieben gelernt. „Ich mag die Natur. Erstmals in meinem Leben habe ich hier Schnee gesehen“, erinnert er sich. Daniel ist fasziniert davon, wie diszipliniert die Menschen in Vorarlberg sind. „Alle benützen den Zebrastreifen und gehen nur bei Grün über die Straße. Die Dinge laufen koordiniert ab, ganz anders als in Nigeria.“ Mit der deutschen Sprache tut er sich nach 15 Monaten in Österreich aber noch schwer, gibt Daniel zu. „Mein Hauptproblem ist, dass die Worte oft schwierig auszusprechen sind.“ Aber der junge Mann, der immer einen Grinser auf den Lippen hat, will auch diese Aufgabe meistern. Er besucht deshalb dreimal wöchentlich einen Deutschkurs. Besonders freut Daniel, dass er die marie verkaufen darf. Und er ist vor allem jenen Menschen dankbar, die ihm die Zeitung abkaufen. „Damit unterstützen sie mich und jene Leute, die die marie herausgeben.“


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DENK ICH AN HEIMAT Kurt Mayer (55) aus Dornbirn hat in Salzburg ein neues Leben begonnen. Er verkauft dort die Straßenzeitung „Apropos“. Für ein Buch hat der „Indianer aus Vorarlberg“ sein Heimatgefühl in Worte gefasst.

Text: Kurt Mayer Foto: Bernhard Müller

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meinem Geburtsland singen die Kinder: „Wenn üser Ländle a Käsknöpfle wär“. Was wird in zehn oder zwanzig Jahren sein? Das Heimatgefühl wird bleiben. Das Heimatgefühl wird für meine neue Heimat ein Zuhause sein. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass man das alte Heimatgefühl im Kopf und im Herzen trägt. Und eine neue Heimat findet. Die „neue Heimat“? Sich wohlfühlen und angenommen werden von Menschen, die schon seit ihrer Geburt hier leben, in Salzburg zum Beispiel. Mein Nomadenleben hat ein Ende gefunden. Ich habe meinen Lagerplatz gefunden, hab meine Friedenspfeife bei mir. Mein Zuhause in Salzburg: ein Ort, wo ich mich wohlfühle, eine Liebe, eine Familie um mich. Das ist für mich jetzt Heimat. Endlich hani mi Hoamat gfundn und gang o nie wieda furt.

ie Heimat beginnt mit unserer Geburt. Die Wurzeln entstehen im Mutterleib. Im Bouch von d’r

Mamile. Was ist Heimat? Ein Ort, an dem man sich geborgen fühlt, zum Wohle des Menschen. Als Kind wollte ich immer ein Indianer sein, mit einem Pferd und einer Friedenspfeife. Durch die wunderschönen Schluchten reiten, die Prärie genießen. Am Abend ein Lagerplatz mit selbst gemachtem Feuer. Mit meinem Stamm immer neue Lagerplätze aufschlagen und Frieden verbreiten. Hoamat isch döt, wo mi Härz isch. Vorarlberg ist mein Geburtsland. Wir haben dort einen eigenen Dialekt, den ich manchmal sehr vermisse. Ab und zu habe ich das Glück, in Salzburg meinen Dialekt zu hören, auf der Straße oder im Café, von Menschen, die ich gar nicht kenne. Das freut mich immer sehr. Do springt mi Härz in d’Höh. Do krieg i mi körig Härzklopfa! Die Sehnsucht nach der Sprache! Und auch die geliebten Käsknöpfle mit Grundbirasalat (Kartoffelsalat) oder einen Riebel mit Kaffee oder Öpflmuas vermisse ich manchmal. Riebel: Das ist gekochter Griesbrei, der in der Pfanne mit Burabutta (Bauernbutter) herausgebraten wird. Das Heimatgefühl bleibt im Kopf und im Bewusstsein. Bei da Hoamat muscht koa Angst ha und di o net fürchta! Eine neue Heimat zu suchen oder zu finden, ist gar nicht so einfach. Ich war in meinem Leben viel unterwegs auf der Suche nach neuer Heimat. Bereiste ganz Deutschland von München bis Berlin und Hamburg. Lernte viele Leute kennen, einige Länder – Italien und die Schweiz, sogar Frankreich und Spanien

Für Kurt Mayer aus Dornbirn hat sein Nomadenleben ein Ende gefunden: „Ein Ort, wo ich mich wohlfühle, eine Liebe, eine Familie um mich.“

ZUR PERSON

„Bei da Hoamat muscht koa Angst ha und die o net fürchta.“ waren dabei. Aber in diesen Ländern, an diesen Orten hatte ich nie das Gefühl, mich sesshaft machen zu können. Ich fühlte mich heimatlos. In einem Gospelsong heißt es: „Sometimes I feel like a motherless child“. Wie ein Kind ohne Mutter ... a Popile ohne Mamile, a Boub ohne Mamile, a Luusbua ohne Mamile, a Lottri ohne Mamile. Ein Mensch ohne Heimat. In

Kurt Mayer hat es geschafft, sein Leben in den vergangenen Jahren von Grund auf zu ändern und zu verbessern – worüber er im „Apropos“, der Straßenzeitung seiner Wahlheimat Salzburg, schon viel geschrieben hat. Er blickt, egal was passiert, immer positiv in die Zukunft. Dennoch möchte er irgendwann gerne ein Buch über seine Vergangenheit schreiben. Geboren 1960 in Dornbirn. Erlernter Beruf: Bäcker. Verkauft die Salzburger Straßenzeitung „Apropos“ seit 2005. Beim Text wurde er vom Schriftsteller Walter Müller in Gesprächen und in Schreibwerkstätten unterstützt. Zuerst erschienen im Straßenbuch „Denk ich an Heimat“, Eigenverlag Apropos.

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Mittendrin in V

Drei Studenten, ein gemeinsames Ziel: Patrizia Zavarsky, Dominik Illmer und Claudia Schwärzler organisieren die Demo gegen TTIP, Monsanto und Fracking.

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„Es geht um die Zukunft unserer Kinder“ Mehr als 3000 engagierte Menschen werden am 21. Mai durch die Bregenzer Innenstadt ziehen und Parolen schreien wie „Monsanto – no no no“, „Stop Fracking“ oder „Ja zu Bioland Vorarlberg“. marie hat jene drei Studenten aufgesucht, die in ihrer Freizeit die „Demo gegen Monsanto, TTIP und Fracking“ organisieren. Text: Gernot Hämmerle Foto: Frank Andres

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rei Vorarlberger Studenten, wie sie von ihrer Lebenslage her unterschiedlicher kaum sein könnten: Patrizia Zavarsky, 30 Jahre alt, war Lehrerassistentin in Portugal. Dominik Illmer, 23, hat nach der Matura als Zivildiener bei der Lebenshilfe in Hard gearbeitet. Claudia Schwärzler, 49, hat bereits zwei erwachsene Kinder und jahrelang Büro-Jobs ausgeübt. Jetzt studieren alle drei „Soziale Arbeit“ an der Fachhochschule Vorarlberg und sind Mitglieder der „Sozialökonomischen und politischen Plattform der Studie-

renden“ (SÖPPS). Als solche widmen sie ihre Freizeit derzeit fast ausschließlich einem Thema: der Organisation der „Demo gegen Monsanto, TTIP und Fracking“ am 21. Mai. Die marie trifft sich mit den drei Studenten im Cafe „Schräg“ an der FH Vorarlberg. Auf die Frage, warum sie diese Demo organisieren, würden am liebsten alle drei gleichzeitig antworten. Dominik: „Unsere ganzes System ist so kurzfristig ausgelegt, ohne Nachhaltigkeit. Es wird so viel geredet, aber was kann man selber tun? Es geht doch um unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder.“ Claudia: „Nur studieren und arbeiten ist zu wenig. Man muss sich aktiv beteili-

gen, wenn man etwas verändern will. Politiker bekommen doch vieles gar nicht mit, weil sie nicht mehr unter den Leuten sind. Dann ist es unsere Aufgabe aufzuzeigen, was schief läuft.“ Patrizia: „Als Sozialarbeiter haben wir auch ein politisches Mandat. Es geht um eine Lebenseinstellung.“

Zeitgleich hunderte Demos

Die Idee einer Demo gegen Monsanto, den größten Saatgut-Konzern der Welt, ist nicht auf dem Mist der drei Vorarlberger Studenten gewachsen. Der erste „March against Monsanto“ fand 2013 in den USA statt. In der Zwischenzeit gibt es jedes Jahr weltweit zeitgleich hunder-


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DEMONSTRATION

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Samstag

21.mai 2016

Demo gegen Monsanto, TTIP und Fracking Am 21. Mai, Bahnhof Bregenz, Beginn: 13.30 Uhr, Abmarsch: 14 Uhr, Schlusskundgebung: 15.30 Uhr

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Organisation: Sozialökonomische und -politische Plattform der Studierenden der FH Vorarlberg (SÖPPS)

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Eine Initiative von besorgten Menschen aus Vorarlberg mit freundlicher Unterstützung von SÖPPS. http://soepps.wordpress.com a4_plakate_reaper.indd 1

te Demonstrationen. Im Vorjahr beteiligten sich fast 3500 Menschen an der Demo in Bregenz - gegen Monsanto, gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) und gegen die umstrittene Schiefergas-Förderung durch Fracking. Heuer sollen es mindestens gleich viele Demonstranten sein. Patrizia: „Viele haben heutzutage gar nicht mehr die Zeit, sich kritisch mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. Claudia, Patrizia und Dominik nehmen sich die Zeit. Und wollen ihr erworbenes Wissen verbreiten. Bewusstseinsbildung eben, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Dominik nennt ein konkretes Beispiel: „Das weltweit erfolgreichste Produkt von Monsanto ist ein Pestizid (Glyphosat), das mittlerweile in der EU als krebserregend eingestuft wird. Das ist ein Pestizid, das alles vernichtet, nicht nur Unkraut, sondern auch Nutzpflanzen. Und der Clou von Monsanto ist nun gentechnisch verändertes Saatgut, das gegen dieses Pestizid resistent ist. Alles wird vernichtet, nur das gentechnisch veränderte Saatgut von Monsanto überlebt. So werden weltweit Bauern von Monsanto abhängig gemacht, sodass sie Monsanto-Produkte brauchen, um weiter Landwirtschaft betreiben zu können.“

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technisch verändert. Mit TTIP würden europäische Qualitätsstandards zugunsten der Großkonzerne fallen, die Interessen des einfachen kleinen Bürgers würden auf der Strecke bleiben, befürchten die drei Studenten. Claudia: „Ich versuche so gut es geht meinen Kindern einen anderen Weg vorzuleben, mit regionalen, nachhaltig produzierten Produkten.“ Und Patrizia ergänzt: „In den USA sind die sozialen Standards viel niedriger. Mutterschutz oder Sozialversicherungen wie bei uns gibt es dort praktisch nicht. Wie soll das funktionieren, dass man in Europa gleich billig produzieren kann? Mit Dumpinglöhnen? Diese produzieren dann wieder genau die Klienten für Sozialarbeiter.“

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Niedrige Sozialstandards

Sollte das geplante Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) zustande kommen, so würde das profitorientierten Großkonzernen wie Monsanto Tür und Tor in den europäischen Markt öffnen, sind Patrizia, Dominik und Claudia überzeugt. In den USA sind mittlerweile fast alle Mais- und Soja-Produkte gen-

Claudia, Patrizia und Dominik organisieren heuer erstmals als Hauptverantwortliche die Demo. In Summe helfen rund 20 Privatpersonen mit. Am Tag der Demo, am 21. Mai, sind dann mehr als 50 Ordner im Einsatz. Bei der Koordination mit der Polizei hilft die Organisation „Attac Vorarlberg“ tatkräftig mit. Finanziell gibt`s unter anderem von der Österreichischen Hochschülerschaft Unterstützung. Was die drei Studenten mit der Organisation der Demo tatsächlich bewirken, können sie selbst nicht genau sagen. Aber: Claudia, Patrizia und Dominik wollen sich nicht vorwerfen müssen, nichts gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen unternommen zu haben.

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Mittendrin in V

Der Pater und die Ankunft der Seele Seit einem halben Jahr arbeitet Patrick Kofi Kodom (46) als Caritasseelsorger für Flüchtlinge und Migranten in Vorarlberg. Er ruft dringend zu mehr Begegnung zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen auf, „damit keine Parallelgesellschaften entstehen“. Text: Monika Kühne Fotos: Frank Andres

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M „Das Gefühl tut gut, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird, das gibt mir Kraft, weiterzumachen.“ Pater Patrick Kofi Kodom

it raschen Schritten geht Pater Patrick Kofi Kodom zum Haus der Steyler Missionare in der Moosmahdstraße in Dornbirn, dort ist seit Herbst 2015 sein neues Zuhause. Hier in Vorarlberg kümmert er sich um die Belange der Menschen, die aus verschiedensten Gründen „in Bewegung“ sind. Der aus Ghana stammende Pater wurde von der Diözese Feldkirch zum ersten Flüchtlings- und Migrantenseelsorger in Vorarlberg ernannt. „Human Mobility“ wird im Englischen, der Amtssprache Ghanas, die Migrations- und Flüchtlingsbewegung genannt. Pater Kofi sucht den passenden Begriff in Deutsch, „vielleicht Menschenbewegung“? Der Geistliche ist kein Flüchtling, hat aber selber genug Migrationsgeschichte, wie er sagt. Pater Kofi weiß, was es heißt, an fremden Orten immer wieder neu zu beginnen: „Überall wo man hingeht, versucht man, sich in die fremde Kultur einzuleben. Ich habe Menschen kennengelernt und musste sie wieder verlassen“. Sein Leben liest sich wie eine Landkarte. In seinem Heimatland studierte Pater Kofi Philosophie, anschließend in Kenia

Theologie. Für ein Praktikum in Togo musste er eigens in die Republik Benin, um Französisch zu lernen.

Rose für den Frieden

Für den Orden der Steyler Missionare, dem Pater Kofi angehört, hat das Thema Migration Priorität. 1999 wurde der Seelsorger von seinem Orden gefragt, ob er bereit wäre, „in das Missionsgebiet Europa zu gehen.“ Zwei Jahre später, nach seiner Priesterweihe in Ghana, kam Pater Kofi im Missionshaus St. Gabriel in Mödling bei Wien an. Einmal mehr lernte er eine weitere Sprache, Deutsch. Nach seiner Tätigkeit als Kaplan in Innsbruck kam der junge Theologe 2005 in Traiskirchen unmittelbar mit dem Flüchtlingsthema in Kontakt. Pater Kofi baute als Erster die Schubhaftseelsorge in den Abschiebegefängnissen Wiens auf. Er nahm sich Zeit für Gespräche und stärkte das Selbstwertgefühl jener Flüchtlinge, deren Asylanträge abgelehnt wurden. Für sein Engagement erhielt er 2010 die Friedensrose Waldhausen. Nachdem Pater Kofi die von ihm aufgebaute Seelsorgetätigkeit in guten Händen wusste, studierte er in Rom Pastoraltheologie mit dem Schwerpunkt Migrantenseelsorge. Seit Herbst der Neubeginn in Vorarlberg. „Ein Mitbru-


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Pater Kofi im Gespräch mit den Jugendlichen Mamoun und Dyar aus Syrien. „Wie geht es euch?“ ist für den Flüchtlingsund Migrantenseelsorger weit mehr als nur eine einfache Frage.

der hat mir gesagt, dass es Zeit braucht, bis die menschliche Seele nachkommt“. Ist Pater Kofis Seele bereits hier? Seine Antwort kommt prompt: „Ich kann schon sagen, dass ich angekommen bin.“ Pater Kofi besucht die einzelnen Flüchtlingsunterkünfte. Er fragt nach, hört zu, macht Mut. Viele sprechen mit ihm über ihre Belastungen, Zweifel oder Ängste. Pater Kofis eigene Migrationserfahrungen und sein Aussehen als einer, der offenbar nicht von hier ist, schaffen Vertrauen. Viele erkennen erst nach einigen Gesprächen, dass der Mann mit den bunten Hemden ein katholischer Priester ist. Ein großer Teil der Flüchtlinge sind Muslime oder gehören verschiedensten Konfessionen an. Dann kommen durchaus Fragen zu christlich-religiösen Themen, auf die der Priester eingehen kann. „Aber für die Caritas und mich als Seelsorger geht es nicht um die Gottesdienste, sondern darum, was die Flüchtlinge brauchen und wie wir ihnen helfen können“, betont Pater Kofi. Noch konnte er nicht alle Unterkünfte in Vorarlberg besuchen, aber er ist auf dem Weg. Am Beginn war er oft im Caritashaus Karim, in dem alleinstehende unbegleitete jugendliche Flüchtlinge betreut werden. Hier wird der Seelsorger herzlich begrüßt: „Wenn du kommst, sind wir happy“. Ohne Vorträge zu halten, lassen sich beim gemeinsa-

men Kochen für uns selbstverständlich gewordene Themen vermitteln, etwa Mülltrennung. Beim Kartenspiel wird Deutsch geübt. Manche würden mit Pater Kofi lieber Englisch sprechen. Aber der Seelsorger weiß: „Um sich einzuleben und später eine Ausbildung machen zu können, ist das schnelle Lernen der Landessprache unbedingt nötig.“

rät Pater Kofi Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Menschen vor allem zu fragen, was sie brauchen, und wie wir ihnen helfen können. Damit keine Parallelgesellschaften entstehen, ist für den Flüchtlings- und Migrantenseelsorger klar: „Wir können nicht planen, wie es in vier Jahren sein wird. Es muss heute angefangen werden, sonst ist es zu spät.“

Worte, die erschüttern

Last gemeinsam tragen

Flucht und Migration sind für Pater Kofi keine Einbahnstraße. Er besucht Schulen, denn die Fragen der Vorarlberger Jugendlichen sind ihm wichtig. Es kursieren viele Gerüchte und falsche Vorstellungen über die Flüchtlinge und Migranten. Manchmal muss der Seelsorger klare Worte finden, die erschüttern: „Wer kennt einen Flüchtling persönlich, sein Gesicht, seinen Namen, seine Geschichte?“ Fast keiner. Der Pater ermutigt die Jugendlichen, mit den Flüchtlingen in Kontakt zu treten, um Vorurteile abzubauen: „Ihr müsst die Initiative ergreifen, denn für die Flüchtlinge ist es schwierig. Zeigt ihnen, wie ihr lebt, nehmt sie mit in die Disco.“ Der Seelsorger ist überzeugt, dass es Multiplikatoren braucht. Nur durch persönliche Kontakte verändern sich Sichtweisen, die dann an Freunde und Familie weitergeben werden. Auch den Gemeinden und Pfarren, die Flüchtlinge aufgenommen haben,

Das Wort Angst hört Pater Kofi oft. „Wenn die Menschen hier sagen, dass sie Angst haben, macht das wiederum den Flüchtlingen Angst“, sagt er. Ihm selbst macht die Ohnmacht angesichts der Verzweiflung und Zukunftssorgen vieler Flüchtlinge Schwierigkeiten, weil er sie nicht lösen kann. „Ich kann nur zuhören, ermutigen, mitgehen, manchmal hilft es auch, nur still da zu sein.“ Was würde er nach schweren Gesprächen alleine mit der Last machen? Da helfen ihm sein Glaube und die Gemeinschaft seiner Mitbrüder, mit denen er reden kann. Seinen persönlichen „Atem- und Freiraum“ findet Pater Kofi bei Spaziergängen am See. Der erste Vorarlberger Flüchtlings- und Migrationsseelsorger freut sich über die positive Aufnahme durch seine Vorgesetzten und Mitarbeiter: „Das Gefühl tut gut, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird, das gibt mir Kraft, weiterzumachen.“

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Mittendrin in V Der Garten in der Einkaufstasche: Pflücksalat, Kohlrabi, Fenchel, Rucola versprechen reiche Ernte. Ab Mitte Mai können Fruchtgemüse wie Tomaten, Chili und Gurken eingepflanzt werden.

DER GARTEN IN DER TASCHE Mobil und platzsparend: Gemüse und Kräuter können auf kleinstem Raum gedeihen, sogar in einer Mehrwegeinkaufstasche.

Text und Foto: Simone König

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ehrwegeinkaufstaschen gibt es mittlerweile in jedem Einkaufsmarkt zu erwerben, meist aus recyceltem Plastik und als Ersatz für die dünnen Plastiksäckle. Sie eignen sich sehr gut für einen Garten in der Tasche. Und so einfach geht’s: Die Mehrwegtasche bekommt eine Kartoneinlage damit der Boden stabiler ist. Seitlich werden zwei Finger breit über dem Boden Löcher gestochen, damit überschüssiges Gießwasser abrinnen kann. Damit so ein Taschengarten nachhaltig ist und über mehrere Jahre bebaut werden kann, ist die richtige Befüllung entscheidend. Zuerst kommen Leichtlavasteine, kleine Bimssteine oder Blähtonkugeln hinein. Blähtonkugeln gibt’s in jedem Baumarkt, die beiden Leichtgesteine im gut sortieren Fachhandel. Sie sind etwas leichter als Blähton und haben eine bessere Drainagewirkung. Damit wird die Tasche zu einem Fünftel der Höhe gefüllt.

Torffreie Bioerde

Für die mehrjährige Nutzung der Tasche ist es notwendig, gekaufte Bio-Erde für Gemüse (torffrei!) oder Mutterboden, Kompost und die eben genannten leichten Materialien wie Leichtlava und Blähton zu mischen. Das Mischungsverhältnis: 65 bis 80 Prozent Pflanzerde oder Mutterboden, 15 Prozent Lava oder Blähton und 5 bis 15 Prozent Kompost oder Regenwurmhumus. Glücklich, wer direkten Zugang zu Regenwurmhumus hat, es ist der fruchtbarste Dünger. Man kann ihn im Internet bestellen oder selbst erzeugen. Die Tasche wird bis zum Rand befüllt und fürs Erste sind genügend Bodennährstoffe enthalten. Wer sichergehen und später nicht nachdüngen will, mischt noch etwas Schafwolle unter die Erdmischung. Zu kaufen gibt es Schafwollpellets, die sich langsam auflösen und Wasser speichern. Aber auch Reste von reiner unbehandelter Schafwolle sind gut verwendbar. Wollkleidungsstücke, die den Motten zum Opfer gefallen sind, geben zerschnitten auch einen guten Zusatzstoff ab. Die Mot-

ten sind Garant dafür, dass die Wolle von höchster Qualität und schadstofffrei ist, denn Motten fressen erfahrungsgemäß nur das Beste.

Kräuter und Gemüse

Die Bepflanzung der Tasche richtet sich nach der Größe, dem Standort und den eigenen Vorlieben. Voll gefüllt hat die Tasche nun ja einiges an Gewicht, da ist es gut, ihr einen fixen Standplatz zu geben oder sie auf einen Pflanzroller zu stellen. Dann kann sie dem Sonnenlicht folgen. Hineingesetzt werden können so gut wie alle Kräuter, eine kleinfrüchtige Tomate, ein Chilistrauch oder eine Mangoldstaude zusammen mit Pflücksalat, Rucola, Basilikum, Petersilie oder wenn es nach unten wachsen soll, sind Hängetomaten (Cherry Cascade), Hängeerdbeeren, kleinfrüchtige Gurken und hängende Kräuter wie zum Beispiel Kapuzinerkresse besonders schön. Da die Tasche ein relativ großes und nährstoffreiches Erdvolumen ähnlich einem neuen Hochbeet bietet, können die Gemüse enger gepflanzt werden, als am Beet üblich. Nach dem Pflanzen ist die richtige Dosierung beim Gießen wichtig. Zur Prüfung der Feuchtigkeit macht man am besten die Fingerprobe: Zeigefinger bis zum zweiten Gelenk in die Erde stecken, wenn es sich bis zum ersten Gelenk feucht anfühlt, dann ist alles in Ordnung, ansonsten gießen. Eine Mulchschicht auf der Oberfläche schützt vor Austrocknung, sehr gut geeignet ist angetrockneter Rasenschnitt. Wer nicht mulcht, lockert die Erde immer wieder mal mit einer kleinen Kralle. Selbstverständlich eignen sich die verschiedensten mobilen Gefäße wie zum Beispiel Fahrradanhänger, Fahrradkörbe, Hängekörbe, Kisten auf Rollen sowie fix stehende Behältnisse als Kleingemüsegärten. Aufgeschnittene Tetrapacks und Plastikflaschen ergeben einen Minigarten mit jeweils einer Pflanze. BUCHTIPP: Handbuch Bio-Balkongarten von Andrea Heistinger, ISBN 978-3-7066-2494-7 www.andrea-heistinger.at/buecher/ WEBTIPP: stadtmachtsatt.de/urban-gardening/


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Abschied von der „Nost-Mama“ Renate Schwarz, Nachtdienstmitarbeiterin der dowas Notschlafstelle in Bregenz, ist am 5. April im Alter von 71 Jahren an Leukämie verstorben. Ein Nachruf von ihrem Kollegen Markus Hämmerle.

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ie Renate selbst manchmal sagte, gehöre sie schon zum Inventar der Notschlafstelle. Sie war ein Urgestein des dowas. Für viele der Hilfesuchenden, die im Laufe der 21 Jahre in die Notschlafstelle (NOST) kamen, war Renate die „Nost-Mama“. Renate hat ihre Arbeit beim Verein dowas im August 1994 aufgenommen, keiner ihrer KollegInnen war länger Mitarbeiterin im dowas als Renate. In ihrer langjährigen Tätigkeit beim Verein dowas hat Renate mehrere Veränderungen mitgemacht, viele Kolleginnen und Vorgesetzte sind gekommen, haben mit Renate zusammengearbeitet, diskutiert, gelacht und ihre Tätigkeit bei dowas wieder beendet. Renate ist geblieben. Auch als sie in Pension kam, hat sie beim dowas weitergearbeitet. Unter den Nachtdienstmitarbeiter­Innen entwickelten sich langjährige Freundschaften. Renate war auch außerhalb der Dienstzeiten ein Mensch, mit dem man sich gerne traf, gemeinsam lachte und über Gott und die Welt philosophierte. In unzähligen Nachtdiensten, es waren über 1000, war sie bereit, obdachlose und hilfesuchende Menschen ins Haus zu führen und durch die Nacht zu begleiten. Ein offenes Ohr zu haben für viele, viele Lebensgeschichten der KlientInnen war für Renate selbstverständlich. Sie freute sich mit den Menschen, wenn diese aus verschiedenen Lebenskrisen wieder schrittweise herausgefunden haben und sich deren Situation verbesserte. Renate hat sich aber auch geärgert, wenn KlientInnen zum wiederholten Male auf die Notschlafstelle angewiesen waren, wenig Entwicklung bei ihnen sichtbar war. Dennoch hat Renate diese Menschen immer wieder aufgenommen

und sich um sie gekümmert. Renate waren zahlreiche der Hilfesuchenden schon über mehrere Jahre bekannt. Sie hat versucht zu motivieren, hat getröstet, Eigenverantwortung eingefordert und wenn es nötig war, auch klare Grenzen gesetzt. Dass die Besucher­Innen in der NOST wertschätzend miteinander umgehen, darauf hat Renate Wert gelegt. Die Stimmung in der Notschlafstelle war ihr wichtig. Oft hat Renate die Dienste an Heiligabend übernommen und für eine besinnliche Atmosphäre gesorgt. Sie war nicht nur an diesem Tag die „NOST-Mama“. Selbstverantwortung, Durchhaltevermögen und Vertrauen waren für sie große Werte. Renate war ein Mensch, der Offenheit und Klarheit liebte. Auch wenn es nicht immer zu ihrem eigenen Vorteil war, hat sie Konflikte angesprochen und sich oft für die Belange der NOST-Mitarbeiter­Innen eingesetzt, hat gekämpft, wenn sie Ungerechtigkeiten vermutete. Mit ihrer Krankheit hat sie im März letzten Jahres eine weitere, schwierige Aufgabe erhalten. Aufgrund ihrer Erkrankung musste Renate schweren Herzens ihre Tätigkeit beim Verein dowas Ende 2015 beenden. Renate hat uns aber nochmals gezeigt, wieviel Kraft und Energie in ihr steckt, hat die Herausforderungen ihrer Krankheit angenommen und es immer wieder geschafft, optimistisch und dankbar zu sein. Trotz ihres Kampfgeistes konnte sie sich von ihrer Krankheit nicht mehr erholen. Nun müssen wir MitarbeiterInnen und KlientInnen des dowas Abschied nehmen! Dass es Gott gibt und dass er gut ist, war für Renate nie eine Frage. So dürfen wir Renate sicher in seinen Händen wissen.

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Als Enkelin Vorarlberger Auswanderer ist Ingrid Maria Kloser schon früh mit den Themen Fremdheit, Heimat und Heimweh in Berührung gekommen.

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QUEEN Text: Ingrid Kloser Fotos: privat, Bettina Bohne

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er Bürgermeister der kleinen Stadt hatte beschlossen, den Marktplatz in der Weihnachtszeit von den Bettlern zu befreien, in den Schulen wurden auch die Kinder über dieses Vorhaben informiert. Der Bürgermeister, ein kleiner Mann, hielt eine Rede. Betteln müsse stumm geschehen, sagte er und es komme leider vor, dass die, die seit Wochen den Bahnhof und die Innenstadt belagern, dieses Gesetz immer wieder überschreiten. Laut um Geld oder Essen zu fragen nenne man aggressives Betteln und dieses müsse unterbunden werden. Dafür werde er, der Bürgermeister, sorgen. Die Marktfrau mit den Kirschkernkissen, die gegen schlechten Schlaf helfen sollen, verstand nicht alles, doch sie nickte heftig.

Inspiriert vom marie-Bericht über notreisende Roma in Vorarlberg, hat Ingrid Maria Kloser eine Kurzgeschichte geschrieben.

In diesem Winter nahm ich täglich den Zug um 17.09, der mich nach der Arbeit in die kleine Stadt zurück brachte. Und jedes Mal saß ein Mädchen mit ihrer Mutter im Abteil. Die Kleine saß kerzengerade und ließ lustvoll ihre Beine baumeln. Ohne Scheu blickte sie in die Gesichter der Ein- und Aussteigenden. Sie hatte etwas Königliches an sich und so nannte ich sie vom ersten Augenblick an die Queen. Die Queen trug schwarze Lackschuhe und in den Haaren feine Zöpfchen, an deren Enden Perlen baumelten. Die Hände lagen erwartungsvoll auf dem Polster und auf ihren kleinen Fingernägeln waren alte Flecken eines Nagellacks zu sehen. Als sich unsere Augen trafen, fing mein Gesicht zu brennen an. „Gehst du arbeiten?“ Sie wartete, so als wolle sie mich nicht überfordern. „Hast du ein Kind?“ Zweimal schüttelte ich den Kopf und ich wollte ihr sagen,

dass ich mich aber hin und wieder wie ein kleines Mädchen fühle. Mutig und unbeschwert – ich ließ es bleiben. Kurz bevor der Zug in meinen Bahnhof fuhr, schritt eine Roma durch das Abteil. Sie hielt ein Bündel im Arm und ich vermutete wie jeden Tag, dass es leer war. Die Queen zupfte still an dem Bündel und die Frau beugte sich nach vorn. Man konnte jetzt die Sandalen mit den Plateausohlen unter dem langen Rock sehen. Der Säugling schlief fest in eine Decke eingewickelt und auf diese Decke legte die Queen nun ein Zitronenbonbon. Am Tag darauf trug auch sie Sandalen, so als würde sie im nächsten Bahnhof in eine Kutsche steigen. Denn draußen rauschte grausiges Matchwetter vorbei. Sie rutschte aufgeregt auf dem Polster hin und her und in den Händen hielt sie ein Geschenk für das Kind. Am Bahnhof ging ich vorbei an den


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Bechern, die mir rote Hände entgegen streckten und eine unerklärliche Unruhe trieb mich die Bahnhofstraße hinauf und hinunter. Bis ich endlich begriff: Etwas in mir wollte so mutig sein wie sie. In dem kleinen Laden an der Ecke kaufte ich Schokolade und eine Schleife und wenig später ging eine erwachsene Frau mit zittrigen Knien in die Hocke. „Du wirst schon sehen, die wollen nur Geld“, ich wusste nicht mehr, wer es gesagt hatte. „Organisierte Familienbanden“, die Sätze hingen schief in meinem Kopf während eine Hand mit schwarzen Nägeln das Papier aufriss und die Schokolade in den Mund stopfte. Dann zeigte die Hand auf ein Foto mit Kindern und ich dachte an die Zöpfchen mit den Perlen und an eine glänzende Mickey-Mouse-Geldtasche, während drei einzelne Euromünzen in den Becher fielen. In den nächsten Tagen wollte dieses Etwas noch mutiger sein und ich schob festen Willens die bösen Sätze beiseite und ging entschlossen erneut in die Hocke. Dabei spazierten die Finger meiner rechten Hand über den Asphalt. Die linke Hand bewegte ich über dem Kopf hin und her und um die Stummheit aufzuheben fragte ich: „Willst du duschen?“ Die Frau stand auf und folgte mir in meine Wohnung. Im Bad zeigte ich ihr, wie das Wasser aufzudrehen ist und ging in die Küche. Ich wartete, im Flur war es mäuschenstill und nach einer halben Stunde und kurzem, höflichem Klopfen, öffnete ich die Badezimmertüre. Sie stand noch angezogen und spielte mit

einem meiner Lippenstifte. In der Küche nahm sie große Schlucke des heißen Kaffees und aß alle Kekse vom Teller. Sie fixierte mich kurz, dann gingen die Augen durch die Küche. „Eine Schönheit“, dachte ich, den feinen dunklen Strich der Haut unter den Wimpern betrachtend. Die Türklingel riss mich aus dem Staunen, durch den Türspalt sah ich einen samtenen, himmelblauen Rock und die bösen Wörter und die Sätze waren blitzartig zurück. Ich flehte die Queen herbei und flüsterte ins Halbdunkel des Flurs: „Leih mir deine Augen, deinen Blick ... deinen Mut“. Dann ging ich ins Schlafzimmer und wühlte in den schwarzen Sachen für die noblen Anlässe, schlüpfte in einen schwarzen, samtenen Rock und in die Pumps mit den glitzernden Steinchen. Im Spiegel des Wandschranks sah ich komisch aus, da ich oben noch in meinem blauen Sweatshirt steckte. Doch als ich durch den Flur ging, hörte ich irgendwo deutliches Kinderklatschen.

ZUR PERSON Als Enkelin Vorarlberger Auswanderer (1925 nach Brasilien) kam Ingrid Kloser schon früh mit den Themen Auswanderung, Fremdheit, Heimat, Heimweh in Berührung. Nur eben mit umgekehrten Vorzeichen. Ihre Großeltern waren die, die gingen, die Fremdheit vorfanden, die sich integrieren sollten, die Heimweh hatten, die auf fremde Hilfe angewiesen waren. Ingrid Kloser wurde 1962 in Hard geboren, ist beruflich als Dozentin und in der Erwachsenenbildung tätig, wohnt in Bregenz, schreibt seit einigen Jahren Kurzgeschichten und Erzählungen. 2014 erschien bei Bucher die autobiographische Erzählung „Nur Zuhause“, die die Geschichte ihrer Familie erzählt. 2015 erschien beim Verlag Bibliothek der Provinz der Erzählband: „Im Sommer werden die Tage wieder länger sein ...“

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„Die Queen zupfte still an dem Bündel und die Frau beugte sich nach vorn. Man konnte jetzt die Sandalen mit den Plateausohlen unter dem langen Rock sehen.“

Liebe Leserin, lieber Leser! Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Daher mögen sie mitunter kontaktfreudig sein. Sie werden aber nicht aufdringlich sein oder betteln.

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ENDLICH FRAU Romy S. (52) aus Dornbirn kommt in einem Männerkörper zur Welt, will aber ein Leben lang eine Frau sein. Nach Jahrzehnten der Unterdrückung und Verheimlichung ihrer wahren Identität erfüllt sich im Alter von 50 Jahren ihr größter Wunsch: Durch eine geschlechtsumwandelnde Operation wird sie auch biologisch eine Frau. Text: Elisabeth Willi, Fotos: Petra Rainer

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omy S. erblickt 1963 als Bub das Licht der Welt, aber: Sie fühlt sich von klein auf als Mädchen und später als Frau. Jahrzehntelang hasst sie ihren Körper und unterdrückt ihr wahres Ich. Romy heiratet, wird Vater von zwei Kindern, lässt sich scheiden. Im Alter von 50 Jahren findet dann Romys zweite Geburt statt: Bei einer geschlechtsangleichenden Operation wird der Männer- in einen Frauenkörper umgewandelt. Ihr erster Gedanke, als sie aus der Narkose erwacht: „Jetzt bin ich im richtigen Körper geboren. Wunderschön.“ Romy, die ihren früheren männlichen Vornamen nicht nennen möchte, ist transident – landläufig besser bekannt als transsexuell. Transidente Menschen sind im falschen Körper geboren, sie fühlen sich dem anderen Geschlecht zugehörig. Durch Hormonbehandlungen und geschlechtsangleichende Operationen kann ihr biologisches Geschlecht dem gefühlten angepasst werden. So wird aus einer Frau ein Mann oder aus einem Mann eine Frau, wie im Fall von Romy. Die Dornbirnerin ist beim Interview mit der marie dezent geschminkt, ein schwarzer Lidstrich und ein beiger Lidschatten betonen ihre hellbraunen Augen, ihre Fingernägel sind rot lackiert. Sie wirkt offen und entspannt. Unbeschwert plaudert sie beim anfänglichen Smalltalk und lacht oft. In sachlichem Tonfall erzählt die starke Frau schließlich ihre Geschichte. Es ist eine Geschichte von Unterdrückung, Scham, Verzweiflung und Suizidgedanken. Von Jammer und Selbstmitleid ist aber nichts zu spüren.

„Ich möchte ein Mädchen sein“

„Lachen ist gesund“, meint Romy und tut dies jetzt auch oft.

Romy wird als jüngstes Kind und einziger Junge ihrer Familie geboren. Sie wächst im Rheintal auf, ist sehr feinfühlig und sensibel. Damals noch ein Bub, spürt sie schon sehr früh, dass sie anders ist als andere Jungs. „Ich möchte ein Mädchen sein“, wünscht sie sich


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„Ich fühlte mich wie ein Schizophrener, ja wie ein Monster.“

Romy malt sehr gerne und verarbeitet in ihren Bildern auch ihre Geschichte. Der Junge mit dem übervollen Rucksack spricht Bände über ihre Vergangenheit als Bub und Mann.

oft. Auch in der Pubertät kann sie sich mit ihrem Geschlecht und dem damit verbundenen Rollenbild nicht identifizieren. Dennoch: Nach außen hin und für alle anderen ist sie ein Bub. Ist Romy aber alleine zuhause, zieht sie Röcke und Bikinis ihrer Schwestern an. „In diesen Momenten habe ich Ruhe gefunden“, erzählt Romy. Nur kurz währen dieser Seelenfrieden und das Gefühl des Einklangs, denn sogleich schleicht sich der Gedanke ein: „Was, wenn mich jemand im Kleid erwischt?“ Die Ängste und die Panik, die Romy dabei empfindet, sind – wie sie es ausdrückt – „pickelhart“. Über all diese Ängste, ihre Gefühle und inneren Widersprüche kann die Jugendliche mit niemandem sprechen. Sie ist verunsichert, denn sie weiß selbst nicht, was mit ihr los ist. Heutzutage würden einige wenige Klicks im Internet verraten, was Sache ist, und auch einem großen Teil der Bevölkerung ist Tranidentität/Transsexualität bekannt. Ganz anders aber die Situation in den 1970er-, frühen 1980er-Jahren. Romy leidet still und unerkannt. Der damalige Bub und Jugendliche wird von seinen Eltern sehr männlich erzogen. Ihre Erwartungen an ihn sind: ein Männerberuf, die Übernahme des Elternhauses, Hochzeit und Kinder. Romy möchte diesen Anforderungen entsprechen und das weibliche Ich verdrängen. Deshalb gibt sie sich extra männlich und tritt mit Anfang 20 einer Rockergang bei. Nach außen hin cool, schmerzt es sie innerlich sehr, wie ihre Rockerkumpels

die Frauen behandeln. Der permanente Widerspruch im Leben des damaligen Tischlers hinterlässt Spuren: „Ich fühlte mich wie ein Schizophrener, ja wie ein Monster. Je älter ich wurde, umso stärker war dieses Gefühl.“ Dennoch geht es Schlag auf Schlag weiter: Der damalige junge Mann heiratet, übernimmt das Elternhaus und bekommt mit seiner Frau zwei Kinder. „Nach der Geburt der Kinder habe ich mich für kurze Zeit – und das einzige Mal in meinem Leben – als Mann gefühlt“, erzählt Romy. Doch bald kommen die quälenden Gedanken zurück: „Warum bin ich so geboren? Ich möchte eine Frau sein.“ Heimlich schlüpft sie wieder in Frauenkleider. Die angenehmste Zeit im Jahr ist für sie stets der Valentinstag: Getarnt als Geschenk für die Ehefrau, kann die heute 52-Jährige nach Herzenslust und ohne Angst, aufzufliegen, weibliche Kleidung, Accessoires und Gebrauchsgegenstände kaufen.

Suizid als einziger Ausweg

Die Angst und Panik, dass ihre wahre Identität entdeckt wird, nehmen zu. Ebenso der scheinbar unerfüllbare Wunsch, endlich eine Frau zu sein. Gleichzeitig kämpft Romy gegen diese Frau in sich. Immer öfter denkt sie, dass Suizid der einzige Ausweg aus ihrem Dilemma ist. Sie plant bereits, wie sie ihn ausführen wird. Aber nicht wann. Denn: „Ich konnte wegen der Kinder nicht.“ Ihre Familie weiß offiziell nichts von der Transidentität. Romys Unglück und

stete Unterdrückung ihres Inneren wirken sich dennoch auf Ehefrau und Kinder aus. „Sie waren psychisch ebenfalls angeschlagen“, sagt die Dornbirnerin. Schließlich gelangt sie zu der Erkenntnis: „Ich muss meine Familie freigeben.“ Nach 20 Jahren Ehe, die trotz allem ausgeglichen und schön gewesen sei, erfolgt die Scheidung. Romy zieht aus ihrem Elternhaus aus und in eine Wohnung in Dornbirn ein. Diese Wohnung ist klein, gemütlich eingerichtet und liebevoll dekoriert mit Skulpturen wie Engeln oder einem Buddha, mit grünen Zimmerpflanzen, violetten Stiefmütterchen und orangen Tulpen. Lieblingsplatz und Wohlfühloase der Vorarlbergerin ist der sonnige Wintergarten, der ausgestattet ist mit einer bequemen Couch, Kissen, Stereoanlage und Pflanzen. Zwei mit Elefanten bemalte Tücher – Mitbringsel aus Sri Lanka – zieren hier die Wände. „Der Elefant ist mein Krafttier“, erklärt Romy. Denn die Rüsseltiere seien gutmütig, mütterlich, sensibel, aber auch sehr kraftvoll. „Als Mann bin ich in diese Wohnung eingezogen und lebe jetzt als Frau darin“, sagt die Transfrau und lächelt. Dann fährt sie mit ihrer Geschichte fort: Nach der Scheidung ist sie psychisch und physisch völlig am Ende. Innerhalb eines Monats verliert sie 20 Kilogramm an Gewicht. Romy nimmt Antidepressiva. Sie braucht jetzt dringend einen Ansprechpartner und vertraut sich ihrem Hausarzt an. Auf Rat des Mediziners sucht sich die leidgeprüfte Frau Hilfe bei

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Ein Bild aus Romys Sammlung: Der Kasten rechts symbolisiert ihre männliche Vergangenheit, links der Schrank der Frau, der neu eingeräumt werden muss. Ihren Kleiderkasten hat sie schon längst mit Frauenbekleidung gefüllt.

einer Psychotherapeutin mit Spezialisierung auf Transidentität. „Vor ihr habe ich endlich zugegeben: Ich bin transident.“ Romy ist zu dem Zeitpunkt 48 Jahre alt.

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Nach dem Outing lässt Romy keine Zeit mehr versteichen: Innerhalb von 20 Monaten macht sie die verpflichtende Psychotherapie, anschließend die Hormonbehandlung und unterzieht sich im September 2013 der geschlechtsumwandelnden Operation. Eine neue Frau ist geboren! Nach der OP ist Romy überglücklich. Jetzt auch nach außen hin eine Frau zu sein, muss sie aber erst noch lernen: Wie schminkt sie sich? Was zieht sie an, wenn sie die Wohnung verlässt? Wie läuft sie auf hohen Schuhen? Zudem plagen die Dornbirnerin Ängste, sie mache an ihrem neuen Körper etwas kaputt, und sie sorgt sich, fremde Personen sehen ihr den früheren Mann sogleich an. In der Selbsthilfegruppe für transidente Menschen in Vorarlberg, die Romy im Jänner 2013 gegründet hat, kann sie sich nur bedingt austauschen: Zur damaligen Zeit hat keiner der drei Teilnehmenden eine Geschlechtsoperation hinter sich. Im Internet findet sie schließlich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und erhält den guten Rat: „Vergiss die Ängste und Sorgen! Du musst dich selbst spüren!“ Ein Tipp, der ihr heute noch manchmal hilft. Mit der Umwandlung zur Frau verschwindet der einstige Mann zusehends aus Romy und ihrem Leben. Da sie nun

auch vor dem Gesetz eine Frau ist, werden alle offiziellen Dokumente wie Geburtsurkunde und Staatsbürgerschaftsnachweis auf ihren neuen, weiblichen Namen ausgestellt. Die alten Ausweise und Zeugnisse mit dem männlichen Namen vernichtet Romy. Ebenso alte Fotos von ihr – ausgenommen gemeinsame Bilder mit ihren Kindern. Romy pflegt auf deren Wunsch hin keinen Kontakt mit ihnen. Das schmerzt, aber respektiert sie. Sie weiß, dass es für die Kinder ebenfalls sehr schwer war und ist. Genauso wie für Romys Ursprungsfamilie: Nach Jahrzehnten wurde aus dem Sohn plötzlich eine Tochter, aus dem Bruder eine Schwester.

Verändert den Charakter

Auch charakterlich verändert sich die Frau, die schon so viel erlebt hat: „Früher war ich schweigsam, seit der Operation rede ich ständig.“ Die Ursache dafür: Als Mann war sie sehr mit sich selbst beschäftigt und innerlich gefangen in ihrer Mann-Frau-Welt, von der niemand wissen durfte. Was hätte sie mit anderen denn besprechen sollen? Aus demselben Grund nahm Romy früher die Natur nicht wahr. Seit ihrer Umwandlung geht sie mit offenen Augen durch Wiese, Wald und Felder und erfreut sich daran. „Die Natur wiederentdecken“, nennt sie das und zählt es als eines ihrer Hobbys auf. Malen ist ihre andere Leidenschaft – und ein Weg, ihre Geschichte zu verarbeiten. Was vom früheren Mann ist überhaupt noch vorhanden? „Gar nichts“, antwor-

tet Romy unverzüglich. Dann überlegt sie kurz und sagt: „Doch, etwas schon. Die Stimme“. Durch eine Operation von Kehlkopf und Stimmbändern hätte sie zwar verändert werden können, aber das wollte Romy nicht. „Sie gehört zu meiner Identität und zum Männlichen meiner Vergangenheit“, erklärt sie mit ihrer Tenorstimme.

Transidentität/Transsexualität Bei transidenten Menschen stimmt das Geschlecht, mit dem sie zur Welt kommen, nicht mit dem gefühlten überein. Das merken sie oft schon in frühester Kindheit. In Vorarlberg würden einige Betroffene die Transidentität nur heimlich leben, sagt Romy S., Leiterin der Selbsthilfegruppe für transidente Menschen im Land. 15 Personen sind derzeit in dieser Gruppe. Romy glaubt, dass an die 50 Personen in Vorarlberg transident sind. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Die medizinische Behandlung zur Umwandlung wird von Land und Krankenkasse bezahlt. Transidentität ist vor allem unter dem Begriff Transsexualität bekannt. Experten und Betroffene ziehen jedoch „transident“ vor, denn: Es geht vor allem um Identität. Sexualität ist nur ein Aspekt von vielen.


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Im Wintergarten von Romys Wohnung. Dieser helle, liebevoll eingerichtete Raum ist ihre Wohlfühloase.

Durch die jahrelangen psychischen Belastungen, die sich auch auf den Körper ausgewirkt haben, ist Romy seit fünf Jahren berufsunfähig. Eines Tages wird sie aber wieder arbeiten. Das weckt neue Ängste in ihr. Ängste, in ihrem Berufsleben tagtäglich fremden Menschen und

deren Blicken zu begegnen. Blicken, die Romys Empfinden nach zu fragen scheinen: „Was bist du denn für eine Frau?“ Solche Situationen kennt sie schon jetzt aus ihrem Alltag. „Man muss sich stets neu outen“, sagt sie. „Es tut jedoch immer weniger weh.“

HINWEIS: Die Selbsthilfegruppe Transident für Transmänner, Transfrauen und Intersexuelle findet jeden dritten Mittwoch im Monat in der Selbsthilfe Vorarlberg statt. Infos: www. selbsthilfe-vorarlberg.at

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_UNSERE RADWERKSTATT FÜR FLÜCHTLINGE sucht dringend Sachspenden! Wir suchen Damen- Herren- Kinder- Fahrräder aller Art, sowie Fahrradzubehör (Kikis, Fahrradsitze für Kinder, Körbe, Stecklichter, Schlösser,...). Das Rad muss nicht in perfektem Zustand sein, leicht reparaturbedürftig ist OK! Die Räder werden in der neuen Werkstatt vis á vis vom Gemeindeamt, Rathausstraße 4, gemeinsam mit den Flüchtlingen verkehrstüchtig gemacht. Jeden Donnerstag von 15 – 19 Uhr ist die Werkstatt geöffnet, Abgaben sind zu dieser Zeit möglich. Das Team der Fahrradwerkstatt dankt euch für eure Mithilfe!

Kontakt für Fragen und Anregungen: Andrea Hollenstein 05577/8181-330 andrea.hollenstein@lustenau.at

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marie-Leserin Carolin Dür stellt ihr momentanes Lieblingsrezept vor: Riebelomelett. Denn zur Zeit gibt es noch wenig Frisches von den Beeten, und da ist Riebelmais ein guter Sattmacher, den die Gemüse-Selbstversorgerin aus Hard gerne mit etwas Grünkost aus „Unkräutern“ kombiniert. Erbsen hat sie noch in der Tiefkühltruhe. Der Topfen kommt frisch von den eigenen Ziegen. Und Grünes von „neben den Beeten“ wächst „uns eh‘ grad um die Ohren“, wie sie sagt.

Riebelmaisomelett mit Erbsen und Käse und dazu frischer Wildkräutertopfen Für 2 Personen, je nach Größe der Beilage. Kostet pro Person zirka 3 Euro.

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Zutaten:

• 4 Eier • ca. 3 dl Milch oder Milchwasser • ca. 200 g Riebelmais grob gemahlen • Ziegentopfen • Kräuter nach Wahl • wahlweise Käse und Gemüse (zum Beispiel Erbsen)

Foto: Carolin Dür

Zubereitung:

Wir haben eigenen Riebelmais, den ich selbst frisch mahle. Alternativ geht wohl auch grober Polenta-Maisgrieß. Alle Zutaten zu einem dickflüssigen Teig mixen und nach Belieben salzen und würzen im Kühlschrank einige Stunden quellen lassen. Ein wenig Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Aus der Hälfte der Masse ein dickes Omelett bereiten. Wenn es

halbfest ist, einige Erbsen oder anderes „Gemüsiges“ darauf geben, Omelett mittels großem Teller wenden und nach Belieben mit Käse überbacken. Dazu gibt es frische („Un“)Kräuter wie Bärlauch, Giersch, Spitzwegerich, Vogelmiere, Löwenzahn, Brennessel und Schnittlauch mit Gänseblümchenknospen, die feingeschnitten mit einem wertvollen Öl in einem würzigen Topfen vermengt werden. Bei uns ist das natürlich selbstgemachter

Ziegentopfen! Dieses nahrhafte Gericht kann man auch süß mit Apfelstückchen oder pur nur mit Zimtzucker oder Kompott zu einem Milchkaffee genießen. Es ist sehr einfach, macht lange satt, gibt viel gute Energie und macht vor allem glücklich! Guten Appetit!


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Mein größter Wunsch: Leben ohne Schmerzen Seit einem Kletterunfall Ende der 70er Jahre plagen Norbert Mairhofer täglich Schmerzattacken. Der 53-jährige, leidgeprüfte Harder hat in Dornbirn eine Selbsthilfegruppe gegründet. Text: Harald Armellini Foto: privat

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ie treffen sich jeden ersten Donnerstag im Monat in den Räumlichkeiten der Selbsthilfe Vorarlberg in Dornbirn. Die Rede ist von einer Gruppe Menschen mit chronischen Schmerzen. Ein Angebot, das von den Betroffenen gerne angenommen wird, sagt Mitinitiator Norbert Mairhofer, der selbst seit über 36 Jahren Schmerzpatient ist. „Die medizinische und psychologische Betreuung der rund 20.000 chronischen Schmerzpatienten in Vorarlberg ist nicht optimal“, meint Mairhofer. Es fehlten vor allem spezialisierte Therapeuten für die psychologische Schmerzbekämpfung. Es ist der 14. Oktober 1979, als sich das Leben des 53-jährigen Harders schlagartig ändert. Der damals 17-Jährige verunglückt beim Klettern schwer. Beim Abstieg im Klettergarten Hohenems stürzt er über 80 Meter, teils im freien Fall, ab. Die Folgen für den Gärtnerlehrling sind fatal. Zahlreiche Brüche im Fuß- und Beckenbereich, Brustwirbel- und Schädelbasisbruch, schwere Hirnverletzungen, die Nervenwurzeln des linken Armes sind gänzlich ausgerissen. Über ein halbes Jahr verbringt er im Spital. Zuerst an den Landeskrankenhäusern in Feldkirch und Rankweil, schließlich im AKH in Wien, wo eine Nerventransplantation durchgeführt werden muss. Als Folge des Unfalls bleibt jedoch der linke Arm gelähmt. Zahlreiche Therapien und hartes Training sind notwendig, bis Mairhofer nach über vier Jahren seinen linken Arm wieder abbiegen kann. „Als ich in der Reha in Bad Häring mit den vielen amputierten Patienten trainiert habe, war ich irgendwie

wieder zufrieden, dass ich meinen linken Arm noch hatte“, erinnert sich Mairhofer. Doch er muss hinnehmen, dass sein Unterarm gefühllos bleibt. Dennoch plagen ihn Phantomschmerzen, die sich nicht genau lokalisieren lassen. Da ist nicht nur ein permanentes Kribbeln und Stechen im Unterarm. Es sind die plötzlich einschießenden, starken Schmerzen, die Mairhofer das Leben zur Qual machen. 20 bis 25 Mal pro Tag muss er diese chronischen Schmerzattacken über sich ergehen lassen. Einzig die sogenannten Neuroleptika machen die Dauerschmerzen einigermaßen erträglich. Der begeisterte Bergsteiger ist aber eine Kämpfernatur, ergibt sich seinem Schicksal nicht. Knapp zwei Jahre nach seinem Unfall kehrt er ins Berufsleben zurück, schließt seine Gärtnerlehre ab. Damit nicht genug. 1988 legt Mairhofer, der nur seinen rechten Arm zum Arbeiten einsetzen kann, mit Bravour die Meisterprüfung ab: „Ich habe gearbeitet wie ein gesunder Mensch, habe mein Handicap mit enormen Einsatz kompensiert.“ Durch die einseitige Belastung muss in den folgenden Jahren die rechte Schulter mehrfach operiert werden. 2005 dann der nächste Rückschlag. Burnout! Jahrelang quält er sich durch den Berufsalltag, immer wieder psychische Rückschläge. Dazu die täglichen Schmerzattacken. 2013 schicken ihn die Ärzte in die Invalidenpension. Doch seit der Pensionierung sind die Schmerzen deutlich stärker geworden. „Im Berufsleben hatte ich mehr Ablenkung. Die stärksten Schmerzen kommen in der Ruhephase“, ist Mairhofer davon überzeugt, dass Arbeit die beste Therapie ist. Der größte Wunsch des 53-Jährigen: Ein Leben ohne Schmerzen.

Norbert Mairhofer ist einer von 20.000 chronischen Schmerzpatienten in Vorarlberg.

KONTAKT: Selbsthilfegruppe für Menschen mit chronischen Schmerzen Jeden 1. Donnerstag im Monat, 18.30 Uhr, Dornbirn, Höchsterstraße 30. Infos: Norbert Mairhofer (E-Mail: mairhofer. norbert@a1.net) oder Selbsthilfe Vorarl­ berg (Tel. 05572/26374 oder Mail an info@selbsthilfe-vorarlberg.at)

Selbsthilfe Infotag Selbsthilfe Vorarlberg veranstaltet in Kooperation mit der FH „Studiengang Soziale Arbeit“ einen Selbsthilfe Infotag. „Was ist und kann Selbsthilfe?“ lautet das zentrale Thema. Moderiert wird der Infotag von Christoph Feurstein, Vortragende sind Dr. Andrea Kdolsky, Dr. Albert Lingg, Elmar Stüttler und Mag. Michael Lederer. Wann: Do., 12. Mai, 9 bis 17.30 Uhr Wo: Foyer Fachhochschule Dornbirn Weitere Infos: www.selbsthilfevorarlberg.at

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WAS TUN SIE VON HERZEN GERN?

Die USA und Namibia haben es getan, Kanada und die Stadt Lausanne planen es, sogar im Waldviertel findet ein leiser Versuch mit dem Grundeinkommen statt – und immer wieder zeigt sich: Die Auswirkungen sind bei weitem positiver als erwartet. Text: Daniela Egger Fotos: Frank Andres

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eit 2011 geht die Initiative „Was möchte ich von Herzen gerne tun?“ in Heidenreichstein in Niederösterreich ungewöhnliche Wege mit Langzeitarbeitslosen, deren Ideen sich ganz nah am Bedingungslosen Grundeinkommen befinden. Die Region hat etwa 4000 Einwohner, 11 Prozent davon sind durchschnittlich ohne Erwerbsarbeit. Karl Immervoll, Betriebsseelsorge

Cartoon: Martin 2016

Oberes Waldviertel, ist einer der Initiatoren dieses Projektes, das ab Frühjahr 2017 mit einer wissenschaftlichen Studie unter der Leitung von Prof. DDr. Nikolaus Dimmel der Universität Salzburg begleitet wird. Ziel dieses 18 Monate dauernden Studienverlaufs: Erkenntnisse zur Einführung eines Grundeinkommens und Strategien zur Umsetzung.

Gesellschaft etwas zurückgeben

Langzeitarbeitslose beziehen österreichweit eine Mindestsicherung mit der Auf-

Grundeinkommen

lage, sich andauernd irgendwo zu bewerben oder Fortbildungsmaßnahmen zu absolvieren, die teilweise vollkommen an den individuellen Fähigkeiten dieser Menschen vorbeigehen. Seit Anfang 2011 begleitet der Verein zur Förderung von Arbeiter/innen Menschen ohne Erwerbsarbeit auf ihrem Weg zu einer Tätigkeit, die wirklich zu ihnen passt, unabhängig von Lohnerwerb. Das AMS genehmigte diese ungewöhnliche Maßnahme als gleichwertigen Ersatz ihrer Kursangebote, um eine Mindest-


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sicherung zu beziehen. Das Grundeinkommen ist in diesem Fall nicht ganz bedingungslos – die Teilnehmer/innen müssen sich eine Tätigkeit suchen, die sie „von Herzen gerne tun“, diese soll der Gemeinschaft dienen und sie müssen einer wöchentlichen Reflexion zustimmen. Dafür bekommen sie freie Zeit für ihre selbstgewählte Tätigkeit ohne weitere Auflagen. Einige bereits vorliegende anonymisierte Statements zeigen die Wirkung sinnvoller Tätigkeit auf Menschen, die in der Leistungsgesellschaft nicht mehr Fuß fassen können. 30 Teilnehmer/innen haben diese Maßnahme bereits absolviert, die meisten von ihnen finden zurück in den Arbeitsmarkt, beginnen eine neue Ausbildung, von der sie überzeugt sind oder engagieren sich weiter ehrenamtlich. Ein Teilnehmer, männlich, 52 Jahre, berichtet: „Die Maßnahme hat mein Leben umgekrempelt, ich werde auf der Straße gegrüßt und ich fühle mich respektiert, ich gehöre dazu. Vorher war ich nur ein „Zuagroaßter“. Das fühlt sich nun gut an. Es kommt eine gewisse Rührseligkeit auf, wenn ich daran denke, dass die Maßnahme nur sechs Monate dauert. Ich werde bei den Tätigkeiten eingeplant, man braucht mich. Auch habe ich mit der Teilnahme an der Maßnahme das Gefühl, dass ich der Gesellschaft etwas zurückgeben kann.“ Karl Immervoll ist überzeugt: „Sobald man erkennt, wie wichtig es für uns alle ist, dass es den Menschen gut geht, ist eine Umsetzung in ganz Österreich sehr rasch möglich. Langzeitarbeitslose geraten in eine Isolation, mit unserem Ansatz bekommen wir sie wieder in die Gemeinschaft. Wir bekommen sehr viele Anfragen von den AMS Schnittstellen anderer Bundesländer, die von den Erfolgen unseres Angebotes hören.“

Versuche häufen sich

In den Vereinsstatuten heißt es: „... dabei ging es auch im Rahmen der Studie „ÜberLeben an der Grenze“ immer wieder um Bewältigungsstrategien der Deindustrialisierung. Uns scheint es wichtig, neue Wege zu gehen und lokal solche zu erproben: konkret die Einführung eines Grundeinkommens.“ Mitte 2018 werden also interessante Studienergebnisse und wohl auch einige Diplomarbeiten vorliegen, die richtungsweisend

sein werden, wie eine stufenweise Einführung in ein bedingungsloses Grundeinkommen in Österreich funktionieren kann. Derzeit zeigt sich Lausanne abenteuerlustig und kündigt einen Feldversuch mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen an, kurz bevor die Schweizer am 5. Juni darüber abstimmen, wie die NZZ kürzlich berichtete. Auch hier wird das „Versuchslabor“ wissenschaftlich begleitet von der Universität Lausanne – bei der Hälfte der Studienteilnehmer, die bisher Sozialhilfe empfangen, werden Bedingungen für den Bezug der Gelder gestellt, bei der anderen nicht. Erforscht werden soll auf diese Weise unter anderem die Wirkung der Bedingungslosigkeit auf den Arbeitswillen und die Gesundheit der Bezieher. In Dauphin (USA) wurde in den 30er Jahren ein wissenschaftlich begleitetes BGE eingeführt, die Ergebnisse der Studien wurden aber damals nicht veröffentlicht. Dass das BGE heute dermaßen

Karl Immervoll, Mitinitiator des Projektes über die Einführung eines Grundeinkommens.

breit diskutiert wird, hat mit den ökonomischen und demografischen Entwicklungen zu tun, die uns als Gesellschaft zwingen, neue Ideen und Wege zu suchen. Vielleicht ist die Zeit allmählich doch reif, um zumindest auf breiter Ebene darüber nachzudenken.

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glaube nicht alles was du denkst. [ Jo n Kabat- Zinn ]

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Mittendrin in V

Hellmut Fischer weiß sein Leben inzwischen zu genießen. Dem Alkohol hat er abgeschworen, die Genusszigaretten sind geblieben.

„ICH WAR KEIN MENSCH MEHR“

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Hellmut Fischer, Sohn eines Bauunternehmers, wächst ohne materielle Sorgen auf. Doch seine Psyche leidet. Alkohol, Medikamente, körperlicher Zusammenbruch, Nervenklinik, Entzug. Jetzt, mit 68 Jahren, hat er sein Leben erstmals richtig im Griff. Text und Fotos: Frank Andres

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in gepflegter Mann in den besten Jahren: Jeanshose, roter Pullover, schwarze Hausschuhe, edle Armbanduhr. Die grauen Haare auf die Seite gescheitelt, das Gesicht und die Hände gepflegt. Das Zimmer geschmackvoll eingerichtet. Laptop am Schreibtisch, ein Flachschirm-Fernseher und in den Wandregalen überall Bücher. Die Szenerie wirkt befremdend. Hellmut Fischer wirkt eher wie ein erfolgreicher Geschäftsführer als ein Bewohner des Kolpinghauses Götzis. Hellmut Fischer, Jahrgang 1948, wächst behütet auf. Ohne finanzielle Sorgen. Er besucht in Salzburg

die Volks- und Hauptschule, absolviert danach die HTL für Hochbau in Krems. „Meine Kindheit war schön“, betont er. Nach dem Bundesheer tritt Helmut in die Firma seines Vaters Franz ein. Die Firma floriert, hat zu Spitzenzeiten 80 Beschäftigte. Hellmut kümmert sich um Bauleitung, Bauabrechnung und zeichnet Baupläne. Beruflich läuft alles wie am Schnürchen. Das ändert sich auch nicht, als 1976 Hellmuts älterer Bruder Heinz die Geschäftsleitung vom Vater übernimmt. Hellmut bleibt Angestellter, bekommt einen Sondervertrag mit Firmenauto und großzügigen Sachleistungen. „Ich führte ein luxuriöses Leben. Ich hatte ein Segelboot und wohnte kos-

tenlos im Haus meiner Eltern. Ich konnte mir alles leisten“, erinnert er sich. Doch das viele Geld macht ihn nicht glücklich. Hellmut führt zudem eine unglückliche Ehe. Seine Frau leidet an Depressionen. Und er trinkt viel Alkohol. „Bei Bauverhandlungen gab es immer wieder etwas zu begießen.“ Trotzdem habe er nie in der Firma gefehlt, wenn er tags zuvor getrunken hatte. „Ich hatte keine Zeit, um krank zu werden.“ Zum Jahreswechsel 1983/84 trifft ihn ein privater Schicksalsschlag. Sein Vater stirbt im Dezember, und drei Monate später verliert seine Mutter Edith – sie ist erst 62 Jahre alt – ihren Kampf gegen den Krebs. Das geht Hellmut sehr nahe.


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Hellmut Fischer hat die Liebe zu Büchern entdeckt.

Er lässt diese Trauer aber nicht zu, stürzt sich stattdessen in Arbeit. 1987 übernimmt Hellmut auch noch die Finanzbuchhaltung und erkennt, dass es mit der Firma steil bergab geht. Der Grund: schlechte Auftragslage und ruinöses Preisdumping der Konkurrenz. Zwei Jahre später, 51 Jahre nach der Gründung durch den Vater, muss das Bauunternehmen verkauft werden.

Atemnot

Hellmut bekommt in der Folge zunehmend gesundheitliche Probleme. Er leidet an Atemnot. Nimmt diese Beschwerden aber nicht ernst. „Wenn ich eine halbe Stunde an der frischen Luft gewesen bin, war alles vorbei.“ Er verliert seinen neuen Job, verkauft sein Haus und zieht in eine Wohnung. Er ignoriert seine psychischen Beschwerden, ertränkt seine Probleme in Alkohol und landet schließlich nach einem Zusammenbruch in der Nervenklinik Salzburg. Dort bekommt er schwere Medikamente verschrieben, trinkt weiter. Eine fatale Mischung. Im Juni 2000 kommt es zu einem neuerlichen Rückfall. Hellmut erhält die Empfehlung, in der Maria Ebene in Frastanz einen Alkohol- und Medikamentenentzug zu machen. Zwei Monate lang wird er dort stationär behandelt. Der damals knapp 50-Jährige geht aber nicht nur gesundheitlich am Krückstock, sondern ist auch finanziell am Ende. 400.000 Schilling (29.000 Euro) Schulden hatte er ange-

häuft. Doch die Banken erlassen ihm 90 Prozent seiner Rückstände und den Rest begleicht sein Bruder. Er zieht in eine Wohnung nach Schwarzach. Aber das Alleinsein macht ihn depressiv. Er greift wieder zum Alkohol, nimmt Tabletten, bekommt Angstzustände und hat schwere Atemnot. Sein Sozialarbeiter rät ihm, einen Antrag auf Berufsunfähigkeitspension zu stellen. „Ich war kein Mensch mehr.“ Damals ist Hellmut 54 Jahre alt. Ein Jahr später, Ende 2003, wird Hellmut offiziell pensioniert.

„Mir fehlte eine sinnvolle Beschäftigung.“ Keine Struktur im Leben

Wieder einmal scheint Hellmut es geschafft zu haben. Er kauft sich ein Auto, genießt das Leben. Doch der Schein trügt. „Mir fehlte eine sinnvolle Beschäftigung. Ich hatte keine Struktur im Leben“, ist ihm heute klar. Trotzdem „überlebt“ er die kommenden sechs Jahre. 2010 macht sich die schwer angeschlagene Psyche körperlich bemerkbar. Er wird mit der Rettung ins Spital transportiert und landet danach im Seniorenheim Tschermakgarten in Bregenz. Statt sich dort zu erholen, geht es ihm jeden Tag psychisch schlechter. Die Folge: Der

Klein-Hellmut im Alter von vier Jahren: „Ich hatte eine schöne Kindheit.“

totale Zusammenbruch und Einlieferung ins LKH Rankweil. „Was da genau passiert ist, daran kann ich mich auch heute noch nicht erinnern. Ich konnte nicht mehr klar denken“, erzählt der 68-Jährige. Seit diesem Black-Out ist er clean.

Wertigkeiten verändert

Im Juni 2012 findet Hellmuts schier endlose Odyssee ein Ende. Nach seinem Krankenhausaufenthalt, kommt er ins Kolpinghaus nach Götzis. Hier im kleinen Appartement kommt er zur Ruhe, stabilisiert sich psychisch und körperlich. Heute, mit 68 Jahren, hat er das erste Mal das Gefühl, sein Leben wirklich genießen zu können. Er steht jeden Tag um 4 Uhr in der Früh auf, verlässt um 8 Uhr das Haus, erledigt seine Einkäufe, geht spazieren, wandern und im Sommer schwimmen. Und er beschäftigt sich mit geistigen Dingen. „Ich lese Bücher über Archäologie, Psychologie und Kunstgeschichte.“ Zudem malt und zeichnet Hellmut leidenschaftlich gerne. Materieller Luxus bzw. Besitz hat für ihn heute keine Bedeutung mehr. „Die Wertigkeiten in meinem Leben haben sich total verändert. Ich brauche kein Haus, kein Auto und kein Segelboot mehr, um glücklich zu sein.“ Mitte Mai ist auch Hellmuts Zeit im Kolpinghaus Götzis wohl endgültig Geschichte. Er zieht in das Haus der Generationen. „Da kann ich wieder selbstbestimmt leben und bekomme Hilfe, wenn ich diese benötige.“

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Mittendrin in V

Neue Erziehungsmethode für schwierige Schüler Der autoritäre Erziehungsstil mit der g‘sundn Watschn hat längst ausgedient, die antiautoritären Methoden haben nie wirklich funktioniert. Der ehemalige Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe, Martin Fellacher, versucht jetzt, die „Neue Autorität“ als Haltung und Erziehungsmethode in Vorarlberg zu etablieren.

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Martin Fellacher hat das Pädagogische Institut für Neue Autorität (PINA) in Schlins aufgebaut. In Lehrer-Seminaren gibt er sein Wissen weiter. Text: Gernot Hämmerle Fotos: Frank Andres

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artin Fellacher war viele Jahre Leiter der Caritas Flüchtlingshilfe. Schon als solcher hat er sich mit der „Neuen Autorität“ beschäftigt. Und dabei auch Prof. Haim Omer von der Universität Tel Aviv kennen und schätzen gelernt, der diese Methode maßgeblich mitentwickelt hat. Nachdem sich Martin Fellacher vorigen Herbst aus der Flüchtlingshilfe zurückgezogen hat, hat er die Aufgabe übernommen, das Pädagogische Institut für Neue Autorität (PINA) in Schlins aufzubauen - ein Projekt, das von der Stiftung Jupident und dem Vorarlberger Kinder-

dorf getragen wird. Ein wesentlicher Teil seiner Arbeit ist, sein Wissen in Seminaren weiterzugeben. Wie zum Beispiel an die Lehrerinnen der Volksschule Fußach. Dort herrscht seit dem ganztägigen Lehrer-Seminar über „Neue Autorität“ Aufbruchsstimmung, sagt die Direktorin, Karin Meier: „Uns hat das Seminar unglaublich viel gebracht. Man wird mit verhaltensoriginellen Kindern nicht allein gelassen.“ Am meisten geholfen hat ihr die Einsicht, dass man laut „Neuer Autorität“ nicht sofort reagieren muss, wenn sich ein Kind daneben benimmt. Karin Meier: „Ich kann sagen: Du hast dich nicht angemessen verhalten, ich werde mir etwas überlegen, und wir reden dann noch einmal. Der Lehrer kann

sich zurücknehmen. Es geht um Deeskalation statt Eskalation.“ Früher, so Meier, hätten die Lehrerinnen unterschiedlich auf Provokationen eines Schülers reagiert. „Die eine ist schwierigen Schülern aus dem Weg gegangen oder hat sie zur Klassenlehrerin geschickt, die andere hat sofort eine Maßnahme gesetzt und dadurch ist die Situation eskaliert. Jetzt ziehen alle – Eltern, Direktorin und Lehrerinnen – an einem Strang.“

Gemeinsame Vorgehensweise

Fälle werden untereinander besprochen und dann einigt man sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise. Meier: „Führt sich ein Schüler trotz mehrfacher Ermahnungen nicht ordentlich auf, so


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muss er zum Beispiel einen Vormittag lang in eine andere Klasse. Nützt das nichts, so muss er in der Direktion sitzen und lernen. Wenn auch das nicht hilft, dann müssen die Eltern den Schüler von der Schule abholen und ihn ein bis zwei Tage daheim selbst beaufsichtigen.“ Anders, als es der Name vermuten ließe, ist „Neue Autorität“ nichts wirklich Neues. „Neue Autorität“ ist eine Haltung und zugleich eine Methode, wie Eltern und Lehrer mit Kindern umgehen, gespickt mit zahlreichen Erkenntnissen und Vorgehensweisen, die sich in der Praxis bewährt haben. „Die Neue Autorität setzt den Schwerpunkt auf Beziehung“, erklärt Martin Fellacher, Leiter des im Vorjahr gegründeten Instituts für Neue Autorität in Schlins. „Früher war Distanz ein wichtiges Thema, Eltern wurden gesiezt oder sogar in der dritten Person angeredet. Heute ist ganz klar, Eltern sind in Beziehung mit dem Kind. Lehrer sind in Beziehung mit dem Schüler. Und als Erwachsener ist es unser Job zu schauen, dass die Beziehung gut ist.“ In der „Neuen Autorität“ gibt es ganz klare Rollen. Martin Fellacher: „Wenn das Kind in der Früh sagt, ich gehe nicht zur Schule, dann ist es meine Aufgabe als Elternteil dafür zu sorgen, dass es das macht. Da kann ich nicht sagen, das ist mir wurscht.“ Und noch einen Punkt der „Neuen Autorität“ hält Fellacher für essentiell: „Wichtig ist, dass man wegkommt von der Idee, dass man sein Kind kontrollieren kann. Autorität wurde früher sehr oft definiert als ‚Das Kind tut, was ich will‘. Kontrollieren kann ich aber letztlich nur mich selber. Ich kann entscheiden, wie ich mit einer Situation umgehe. Wenn ein Schüler nicht tut, was der Lehrer will, fühlt sich der Lehrer mitunter komplett ohnmächtig. Wenn er sich aber überlegt, was er noch tun kann, dann gibt es immer Möglichkeiten.“ Das ist die gute Nachricht der „Neuen Autorität“: Man hat immer Handlungsoptionen.

Martin Fellacher über das heutige Lehrer-Schüler-Verhältnis: „Lehrer sind in Beziehung mit dem Schüler. Und als Erwachsener ist es unser Job zu schauen, dass die Beziehung gut ist.“

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Handwerkszeug mitgeben

Diese Möglichkeiten möchten Fellacher und die anderen PINA-Mitarbeiter vor allem auch Lehrern aufzeigen. Im Zuge von Lehrer-Fortbildungen und ein- oder auch mehrtägigen Seminaren versuchen Fellacher und sein Team, den Pädagogen ein Handwerkszeug für den Unterrichtsalltag mitzugeben. Mittlerweile besteht das PINA-Team aus fünf Mitarbeitern, drei Frauen und zwei Männern. Sie bieten Coaching für Schulen und Bildungseinrichtungen, Sozialpädagogen, Führungskräfte, Gemeinden und auch in Einzelfällen. Außerdem gibt es Ausund Weiterbildungen für Studenten und Eltern. Ein Hauptziel ist immer, die Seminarteilnehmer zu befähigen, in ihrem Lebens- und Arbeitsalltag respektvoll, achtsam, mit Begeisterung und gewaltfrei präsent zu sein. HINWEIS: „Neue Autorität“ ist eine Methode, die zunehmend international Anhänger findet. In Vorarlberg wird im September ein großer Kongress zu diesem

Thema stattfinden: am 8. und 9. September im Montforthaus in Feldkirch sowie am 14. und 15. September im Kinderdorf Kronhalde in Bregenz.

Was ist „Neue Autorität“ Neue Autorität ist aus der Grundidee des Gewaltfreien Widerstandes entstanden. Sie ist Haltung und Methode zugleich, womit in der sozialpädagogischen Arbeit ein neuer Zugang zu altbekannten Situationen gefunden werden kann. Die Konzentration dabei gilt vor allem der eigenen Verhaltensänderung. Mit Beharrlichkeit, Klarheit und Transparenz wird dem Gegenüber signalisiert, wenn man mit einer Verhaltensweise nicht einverstanden ist. Wichtiger Aspekt dabei ist auch die Vernetzung mit anderen, die einen in einer Situation unterstützen können. Mehr Infos unter www.pina.at


Mittendrin in V

„Die meisten Nachbarn finden uns schön“ 28 /

Nie hätte Ghazwan gedacht, dass er seine geliebte Heimat je verlassen muss. Nach einer gefährlichen Flucht – u.a. 45 Stunden eingesperrt in einem LKW – baut er sich ein neues Leben in Lustenau auf. Text: Ghazwan Belal Kharma Fotos: Frank Andres

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abe ich nie denken an Migration aus meinem Syrien. Auch ich hätte nie gedacht, aus Aleppo wegzugehen. Ich lebte ein glückliches und stabiles Leben bis der Krieg begann in meinem Land und insbesondere in den Städten. Zu Beginn des Krieges in den Städten flohen wir in eine andere Stadt und dann auch in der Stadt fing den Krieg. Und ich fing an in Migration nach Europa zu denken – ist nicht länger ein stabiles Leben in unserem Land zu sichern. Täglich alle Arten von Raketen, Flugkörpern und Flugzeuge. Und ich fing an die Notwendigkeiten des Lebens wie Wasser, Strom und Treibstoff und die hohen Kosten überwiegen. In den Läden Preise stiegen bis

Ghazwan Kharma (35) floh im Frühjahr 2014 aus Syrien, seit 17 Monaten ist er in Österreich und lebt jetzt mit siner Familie in Lustenau. Er hat über seine Flucht und das Leben in Österreich einen Bericht in deutscher Sprache geschrieben. Der Text wurde in seinem Deutsch belassen, da er so authentischer ist.

zu 400 Prozent. Für alles verlieren. Und dann rief ich meinen Bruder, der bis ein Jahr gewandert war vor mir und ich sagte ihm sprechen ehrlich. Wie ist die Bräuche und Traditionen der Menschen und wie sind die Aussichten und Migrationspersonen akzeptiert? Auch verbinden mit mein Cousin nach Österreich vor etwa einem Jahr ausgewandert. Und ich fing an, eine gute Idee für die Leute hier zu sein.

Die Reise der Migration

Ich begann die Reise der Migration, die von Anfang an voller Gefahren war, bis nach Österreich. Seit Anfang zu Fuß aus Syrien in die Türkei und aus der Türkei nach Griechenland zu Schiff und von Griechenland nach Österreich mit LKW. Die Reise dauerte drei Monate, konfrontiert mit viele Schwierigkeiten der

Sicherheit. Umgang mit den wichtigen Menschen weniger – sie sind Menschen Händler, traders. Sie schauen dich nach Menge an Geld an, dein Leben ist egal. In der Reise von Syrien in die Türkei unter Beschuss geriet an der Grenze. Den Weg von der Türkei nach Griechenland wir schwimmen etwa zwei Stunden in Schiff. Fahrer gaben uns Wasser wegen der Präsenz der Polizei. Es war bei uns Frauen, Kinder und Männer von hohem Alter. Und dann kamen wir an den Strand und blieben etwa sechs Stunden, bis die Polizei kam und nahm uns zur Polizeistation, wo wir wohnten vier Tage im Gefängnis. Es war sehr schlechte Behandlung, Essen und Trinken ein wenig, schmutzig Bad (Anm.: gemeint ist die Toilette) und auf dem Boden schlafen und kühle Luft. Ich fürchte, ich fing an zweifeln nach Europa, das er be-


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schrieb mein Bruder und mein Cousin als Paradies Gottes auf Erden. Blieb in Griechenland etwa zwei Monate, leide ich an dem Versagen der Flüge und der Festnahme der Polizei. Dann stimmte mit einer der Personen, die einen LKW von Griechenland nach Österreich. Und wir haben die schlimmsten Stunden des Schmerzes in dem Kraftstofftank für 45 Stunden eingesperrt, stehen, ohne zu essen und ohne zu trinken alles verboten bis auf das Bad und bei einer Temperatur im Bereich zwischen +3 und -5 C° in der Nacht. Am Ende warf uns in eine der österreichischen Dörfern. Hier endlich nach langer Qual kamen wir. Und wir begannen zu Fuß herum und fand einen Mann und die Frau mit ihm und bat sie den Zugang zu Traiskirchen helfen. Ohne zu zögern half uns bei der Nutzung des Zuges und kaufen die Tickets und gab uns etwas zu essen und etwas Geld. Als wir zum Camp Polizei kam, waren sehr nett, entgegen dem, was wir von der Polizei in Griechenland gesehen haben. Ich blieb im Camp für drei Tage und dann nach Vorarlberg.

Das Leben in Österreich

Seit meiner Ankunft in Bregenz erhielt den besten Empfang und die Aufsichtsbehörden alle nett und höflich zu uns. So sich fühlen, nachdem verlor das Gefühl. Und ich begann Deutsch zu lernen und zu lernen und Menschen aus Österreich kennen. Und ich begann zu fühlen sehr erleichtert. Vor allem nach meiner Familienzusammenführung und ich zog nach Wohnraum in der Stadt Lustenau. Hier begann ich zu lernen eine Menge Leute von Nachbarn und von der Gemeinde und Spender wissen, die deutsche Sprache zu lehren. Ich fand, dass die meisten Leute hier sind sehr nett. Ich beginne zu verstehen um die Art zu leben hier. Wir haben eine Menge ähnliche Bräuche und Traditionen unter uns gefunden. Aber hier ich gefunden das Zusammenleben der Religionen und liebe Hilfe und Pünktlichkeit der Arbeitszeiten und Verkehrsmittel. Wer im öffentlichen und privaten Sektor arbeitet, immer sie lächelnd, will geben was wollen, mit Freude, ohne Murren. Die meisten der Nachbarn finden uns schön und möchten helfen. Meine Kinder sind sehr glücklich in der Schule. Wir sind sehr zufrieden mit Lehrern und ihren Freunden. Es ist

festgestellt, dass das Leben hier ist alles geordnet System. Jetzt bin ich glücklich hier. Zu sein reduziert nicht nur die Vollendung der deutschen Sprache, auch lernen, einen Job zu bekommen und ich kann durch ihn in guter Form leben. Schließlich danke allen, die mich von der Regierung und den Menschen geholfen. Und ich hoffe auch ihre Erwartungen sein.

Nicht für mich Ein Gedicht von Yaser Faruq Diab (46), geschrieben im Mai 2014 in Istanbul während seiner Flucht von Syrien nach Vorarlberg. Ins Deutsche übersetzt von Bouthaina und Robert Fabach. Yaser Faruq Diab wohnt heute mit seiner Familie in Lustenau. Seit dem Moment, als ich sie verließ mein Haus, die Straßen, meine Stadt, meine Heimat Homs in denen ich lebte Jahre meines Lebens. Die schönsten Jahre meiner Kindheit, meiner Jugend wusste ich, dass meine Träume im Leben dort Wirklichkeit werden können. Meine Spuren, die ich hinter mir lassen musste in denen ich zwischen Frieden und Leiden glücklich bin und ein Leben erfüllt Plötzlich ist alles vergebens, verstreut. Die Erinnerungen, die an meiner Heimat haften. Lebewohl sage ich ihr. Diese Stadt zu verlassen schwer fällt es mir. Schwer fällt es mir meine Füße vom Boden, von der Erde zu lösen. Wie ein Baum seine Wurzeln nicht lösen will, damit seine Zweige die Wolken umarmen und nicht sterben. Ich verließ das Land von Homs und verließ all die Erinnerung die eingeschrieben war an allen Wänden, Feldern, Höfen. Ich verließ all die Spuren

auf Wegen, Straßen und Gassen Der Blick zurück, im Gehen. Verrückt vor Verlust und vor flammendem Schmerz in meinem Inneren, meinem Herzen, verrückt vor Abschied von meinen Kindern, von meiner Frau von Freunden und Nachbarn und meiner Heimat. Vor Wehmut und Sehnsucht weinten meine Augen. Mein Aufbruch geht die Straße des Verrats an dieser Zeit Mein Himmel ist ein langer Weg ohne Ende Für eine winzige Hoffnung auf Frieden und Sicherheit. Doch der Aufbruch ist nicht für mich, er ist für die Träume meiner Kinder, hinter mir ...

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Gsi

Schweizer helfen Kriegskindern aus Vorarlberg

35.000 Kinder aus Österreich wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von Schweizer Gastfamilien aufgenommen oder in Erholungsheimen aufgepäppelt. Dort bekamen sie erstmals genug zu essen, neue Kleidung und durften erfahren, was ein normales Leben ist. Text: Gerhard Thoma Fotos: Schweizerisches Rotes Kreuz, Club der ehemaligen Schweizerkinder

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er Krieg im Nahen Osten führt vor Augen, welches Leid vor allem Kinder durchmachen müssen. Unschuldig büßen sie für die verblendeten religiösen Ideologien und den politischen Fanatismus von Erwachsenen. Deshalb erweckt besonders das Schicksal dieser Kinder mediale Aufmerksamkeit und auch bei uns in Österreich Mitleid. Vor nicht allzu langer Zeit schaute man auch mitleidvoll auf die Kinder in Vorarlberg. Viele Schweizer und Liechtensteiner wollten 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, das Elend in ihren Nachbarländern nicht tatenlos mitansehen. Zwischen 1945 und 1955 nahmen sie deshalb 35.000 Kinder aus Österreich in der Schweiz auf. Die Buben und Mädchen, die Jahre lang nur Tod, Angst und Zerstörung kennengelernt hatten, wurden Monate lang in Schweizer Gastfamilien und Heimen umhegt und versorgt. Nicht jedes Kind darf die Reise über den Rhein antreten. Die Kandidatinnen und Kandidaten werden zuerst von Ärzten in Österreich untersucht, ob sie unterernährt sind. Nur schlecht ernährte und ausgemergelte Kinder werden ausgewählt. Aus welcher sozialen Schicht sie kommen, spielt keine Rolle. Und es gibt noch ein weiteres Hindernis: Die Buben und Mädchen aus Österreich dürfen höchstens zehn Jahre alt sein. Ältere Kinder wagt man nicht zu Schweizer Fa-

Sonderzüge brachten die Kinder aus allen Teilen Österreichs in die Schweiz. Für viele Kinder eine unvergesslich schöne Zeit. Die Kinderzüge wurden vom Schweizer Roten Kreuz organisiert.

milien zu schicken, weil sie, wie es heißt, „vom Nazigeist bereits durchdrungen waren“. Dieselbe Altersgrenze gilt übrigens auch für die 44.000 Kinder aus Deutschland, während beispielsweise Kinder aus Frankreich oder Belgien bis zu 13 Jahre alt sein dürfen.

Geputzt und entlaust

Aus ganz Österreich rollen zwischen 1945 und 1955 Sonderzüge mit Kindern über Feldkirch in die Schweiz. An den Bahnhöfen sieht man freudestrahlende Gesichter, winkende Eltern und Kinder. Überall sind aufmunternde Zurufe zu hören. Die „Schweizerkinder“ kommen aber nicht sofort zu ihren Gastfamilien. In Buchs müssen die jungen Fahrgäste aussteigen. Von dort werden sie in eine

Quarantänestation gebracht. Alle Pflegekinder werden gewaschen, nochmals medizinisch untersucht, desinfiziert und entlaust. Erst dann geht es zu den jeweiligen Gastfamilien oder in Erholungsheime. Dort erleben die Kinder zum ersten Mal, was es heißt, ein friedliches und normales Leben zu führen. So erinnert sich Ilse Sakouschegg an das Leben in ihrer Gastfamilie: „Bald wurden die Erdbeeren reif, die ich bisher kaum kannte. Dann reiften die Kirschen, die Pflaumen (...) Am 1. August (dem Schweizer Nationalfeiertag) wurden Holzstöße auf freiem Feld abgebrannt. Für mich war es ein großes Erlebnis, auch einmal absichtlich angezündetes Feuer zu beobachten, nicht nur brennende Häuser.“ Drei Monate lang dürfen die soge-


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Ja,

ich werde Mitglied im marie-Freundeskreis. Damit unterstütze ich die Arbeit von marie. Dank an die Schweiz und Liechtenstein: Eine Gedenktafel am Palais Liechtenstein in Wien erinnert an die „Butterkinder“. Die Gedenktafel wurde 2012 vom „Club der ehemaligen Schweizerkinder“ finanziert.

nannten Butterkinder in der Schweiz verbringen. Die meisten von ihnen fühlen sich wie auf einem anderen Planeten. Es gibt keine Zerstörungen, prall gefüllte Geschäfte mit Waren aller Art, reich gedeckte Tische, Obst und – vor allem – Schokolade im Überfluss. Die anfängliche Schüchternheit und das Heimweh sind schnell verflogen. Auch die Hürde „Schwyzerdütsch“ ist rasch geknackt. Während die Kinder aus Vorarlberg keine Probleme haben, klappt es bei den Mädchen und Buben aus den östlichen Bundesländern nicht immer auf Anhieb. Anton Partl, damals acht Jahre alt: „Gleich nach meiner Ankunft im Hause Schmid kamen mehrere Frauen, um den ‚Österreicherbub‘ zu beäugen. Die ersten Worte, die ich dabei auf

LITERATURTIPPS UND INFOS:

„Grenzlandhilfe“

Die Schweiz hilft tausenden Kindern in Vorarlberg nicht nur durch ihre staatlich organisierte Gastfreundschaft, sondern auch durch private Nachbarschaftshilfe. Die evangelischen Kirchen der Schweiz zum Beispiel unterstützen Vorarlberger Familien durch ihr Projekt der „Grenzlandhilfe“. Dankbar nehmen Familien die Pakete mit Lebensmitteln, Kleidung, Schuhen und medizinischen Produkten in Empfang. Schulkinder machen Ausflüge ins Schweizer Rheintal. Ebenfalls im Rahmen der „Grenzlandhilfe“ werden Vorarlberger Kinder am Sonntag zum Mittagessen bei Schweizer Familien in einer der Rheintalgemeinden eingeladen. Über die „Grenzlandhilfe“ freuen sich auch Familien und Kinder im benachbarten Baden-Württemberg. Die „Grenzlandhilfe“ ist gleichsam ein Vorbildprojekt für die österreichische „Nachbar in Not“-Aktion für die vielen Opfer des Jugoslawien-Kriegs von 1991 bis 1995. Ein weiteres Schweizer Hilfsprojekt ist der „Patenschaftsdienst“. Kinder, deren Väter im Krieg gefallen oder schwer verletzt worden waren, erhalten monatlich ein Paket mit Süßigkeiten und anderen Lebensmitteln und Waren aus der Schweiz. 4000 Kinder werden beschenkt. Die Aktion dauert bis Ende des Jahres 1946.

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Anton Partl, Walter Pohl (Hg.): „Verschickt in die Schweiz – Kriegskinder entdecken eine bessere Welt“, Böhlau-Verlag, Wien 2005. Ilse Sakouschegg, in: Tiroler Heimatblätter, Heft 2/2005. „Club der ehemaligen Schweizerkinder aus Österreich“: www.schweizerkinder.at B. Haunfelder: „Kinderzüge in die Schweiz – Die Deutschlandhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes 19461956“, Aschaffendorff-Verlag, Münster 2007.

Schwyzerdütsch aufschnappte, war die Frage an die Mutter: ‚Kann er Dütsch?‘ Und diese antwortete: ‚Nei, er kann nüd Dütsch.‘ Völlig verunsichert dachte ich: Hieß das nicht eben, ich könne nicht Deutsch?“

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Kultur

„Stille Post“ an der Mole in Bregenz: Tänzerin Natalie Begle wandelt eine Erzählung in Bewegung um, Texterin Mirjam Steinbock bringt das Wahrgenommene zurück ins Wort.

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Eine von 155 Fragen als Inspirationsquelle für eine persönliche Geschichte aus dem Leben.

STORY TO GO

Wo die Vorarlberger Tanzkompanie bewegungsmelder in Erscheinung tritt, werden Straßen und öffentliche Begegnungsräume zur tanzbaren Fläche erkoren. „story to go“, so ihr aktuelles Projekt, verwandelt Geschichten aus dem Leben in Tanz und Text und bietet sie zum Mitnehmen an. Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: Anja Köhler

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ängst ist der „Coffee to go“, den wir früher nur aus amerikanischen Filmen kannten, auch bei uns angekommen. Nicht nur der Kaffee, auch der asiatische Nudelsnack im typischen Pappkarton, die gesunde Suppe oder Sushi und Co gibt’s inzwischen zum Mitnehmen, eben „to go“. Die zeitgenössische Tanzkompanie bewegungsmelder fügt dem eines hinzu: Geschichten, „stories to go“. Vertanzt wohlgemerkt. Wie bitte darf man sich das vorstellen?

Mit dem Zufallsprinzip spielen

Ausgangspunkt ist ein Platz im öffentlichen Raum: ein Tisch, zwei Stühle und ein Tanzteppich. Eine entscheidende Rolle spielen außerdem 155 Fragen. Fragen, die berühren und inspirieren und ganz intuitiv von Freunden und Bekannten der Tanzkompanie formuliert wurden. Die Sammlung reicht von profan bis philosophisch, von spielerisch bis spirituell: Wann bist du das letzte Mal Seil gesprungen? Wo endet der Himmel? Was bewegt dein Herz? Oder: Wo möchtest du wiedergeboren werden? Fragen wie diese als Katalysator für die „story to go“: Jeder, der im Vorbeigehen Lust auf seine ganz persönliche Geschichte zum Mitnehmen hat, zieht ein Fragekärtchen und

erzählt, was ihm spontan dazu einfällt. Die bewegungsmelder-Akteurinnen nehmen das Erzählte auf und transformieren es unmittelbar in Text und Tanz. Oder umgekehrt, zuerst in Tanz und dann in Text: Die Tänzerin improvisiert, die Texterin dolmetscht das Wahrgenommene zurück ins Wort. Ein bisschen wie Stille Post für Erwachsene. Die Passant/innen bekommen nicht nur die Eindrücke aus der Begegnung und der Tanzvorführung geschenkt, auch ihre Frage und das persönliche Textwerk dürfen sie mitnehmen.

Unerwartete Begegnungen

„Dass jeder Mensch teilhaben kann an einem künstlerischen Prozess, das ist es, was wir Bewegungsmelderinnen als unseren Auftrag sehen. Und so den Tanz nahbar zu machen. Wir haben schon in unserem allerersten Projekt den öffentlichen Raum betanzt und waren in Zügen und an Bahnhöfen unterwegs, um den zeitgenössischen Tanz zu den Menschen zu bringen“, so die Vorarlberger Tänzerin und Choreografin Natalie Begle. Zusammen mit Aleksandra Vohl hat sie 2006 die Companie bewegungsmelder gegründet. Inzwischen ist mit Mirjam Steinbock eine Ideengeberin dazugekommen, die – nicht nur, aber gerade auch im aktuellen Format „story to go“ – im Text und Wortspiel zu Hause ist. „Einfach mal mit voller Aufmerksam-


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Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Campus V, Coworking Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktonsleitung: Mag. Elisabeth Willi Redaktionsteam dieser Ausgabe: Daniela Egger, Mag. Frank Andres, Mag. Gernot Hämmerle, Ghazwan Belal Kharma, Dr. Gerhard Hofer, Gerhard Thoma, Harald Armellini, Ingrid Kloser, Kurt Mayer, Monika Kühne, Robert Thoma, Simone Fürnschuß-Hofer, DI Simone König, Yaser Faruq Diab

Story to go ist Tanz auf der Straße: Passanten bleiben stehen, schauen zu, machen mit. Zum Mitnehmen gibt’s ein Tanz- und Textgeschenk. Fortsetzung folgt.

keit zuhören, dem Gegenüber Zeit und die Gelegenheit schenken, von sich selbst zu erzählen – das ist ein Schlüsselmoment dieses Projekts. Wenn die Erzählenden dann entdecken, wie sich ihre Geschichte in Tanz und Text offenbart und sich neue Wahrnehmungsräume eröffnen, geht unser Konzept auf “, kann Mirjam Steinbock dem „story to go“-Effekt auch ganz persönlich viel abgewinnen.

Tanz- und Textgeschenk

Mit Freude durften die Macherinnen der Mitnehm-Geschichten bei ihrer Premiere in den Bregenzer Seeanlagen jedenfalls eine große Resonanz erfahren. Wildfremde Menschen zogen „ihre“ Fragen, ließen ihre Geschichten tänzerisch interpretieren und nahmen an einem der ersten Frühlingstage dieses Jahres etwas mit, womit bislang auch kein amerikanischer Spielfilm dienen konnte: ein Tanz- und Textgeschenk, ein inspirierendes Stück Papier und die Erinnerung an einen künstlerisch-schöpferischen Prozess, den sie mit ihrer Geschichte zum Leben erweckt haben. HINWEIS: Nächste „story to go“: Samstag, 7. Mai, 14 bis 17 Uhr, in der Dornbirner Innenstadt. Mehr Infos auf www.bewegungsmelder.in

Zeitungsausgabe Ausgabestelle Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Gilmstraße 7 Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr und Freitag von 8 bis 10 Uhr. Ausgabestelle Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag bis Donnerstag 9 bis 11.30 Uhr Ausgabestelle Bludenz do it yourself, Kasernstraße 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Ausgabestelle Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer, DSA Markus Hämmerle DSA Heidi Lorenzi, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage 20.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass (www.die3.eu) Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2016 marie. Alle Rechte vorbehalten.

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Kultur

Charly Müllner ist ein echter Musikkenner. Kein Wunder: Denn seit 27 Jahren arbeitet er im Musikladen in Feldkirch.

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„Leben und Musik sind eins“ Charly Müllner ist Betreiber des Musikladen Feldkirch, dem letzten Schallplatten- und CD-Geschäft in Vorarl­berg. Was der heute 54-Jährige als berufliches Kurzzeitabenteuer geplant hatte, entwickelte sich zu einer dauerhaften Liebesbeziehung. Ein Interview mit dem Mann, der seinen Kunden genussvoll eines auf die Ohren gibt. Interview und Fotos: Frank Andres

marie: Ist ein Leben ohne Musik für dich vorstellbar? Müllner: Leben ist Schwingung. Schwingung ist Musik. Leben ist Musik. Ich bin Musik. Ich bin von Musik umgeben. Ich bin eingebettet in Musik. Leben ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar. Leben und Musik sind eins. Was macht einen guten Plattenladen aus? Die Menschen, die dort arbeiten. In einem guten Laden steht nicht der größtmögliche Umsatz, sondern der Mensch im Mittelpunkt. Ein guter Plattenladen muss ein musikalischer Tante-Emma-Laden sein. Kompetenz und Begeisterung bei der Beratung sind wichtig. Unser Laden ist Anlaufstelle für Interessierte an musikalischer Fein-

und Hausmannskost. Wann hast du zuletzt eine CD bzw. LP auf amazon bestellt? Amazon? Nie gehört. Oder gehört und gleich wieder vergessen. Lebensmittel kaufe ich beim Erzeuger. Mein Fahrrad habe ich aus dem Fachhandel. Die Zähne lasse ich mir immer noch beim Zahnarzt reparieren. Den Haarschnitt gibt’s im Friseurfachgeschäft. Auch eine Zange oder einen Hammer hole ich mir aus dem guten Fachhandel. Wieso soll ich es bei der Musik anders machen? Du hast im Sommer 1989 zum ersten Mal im Musikladen gearbeitet. Wer war damals dein typischer Kunde bzw. deine typische Kundin? Damals waren das Menschen, die auf der Suche waren. Auf der Suche nach

Musik, die ihnen gut tut. Auf der Suche nach Musik, die einen persönlich weiterbringt. Oft sehr neugierige Menschen auf der Suche nach dem musikalischen Abenteuer. Da konnte man viele gute Gespräche über Musik und das Leben führen. Und so ist das auch heute noch. Die Menschen, die bei uns aus und ein gehen, haben sich nicht wirklich geändert. Ist guter Geschmack erlernbar? Was ist guter Geschmack? Was ist überhaupt Geschmack? Geschmack ist etwas Subjektives. Den guten Geschmack gibt es nicht. Was es gibt, ist Stilsicherheit. Und das kann man schon bis zu einem gewissen Grad erlernen. Das Problem dabei ist, dass wir in unserer Zeit mit viel zu viel Informationen richtig


#6 / Mai 2016

Zuhause in Meiningen betreibt Charly Müllner auch eine kleine Landwirtschaft mit zehn Ziegen.

zugemüllt werden. Das können unsere Filter nicht mehr richtig verarbeiten. Und das erschwert das in sich Hineinhören. Und so bleibt die Stilsicherheit oft auf der Strecke. Kann Musik helfen, eine Depression zu lindern? Ja, aber Musik kann sie auch verstärken. Leben ist Schwingung. Wenn diese Schwingung nur noch unrund ist, wenn mein wirkliches Ich völlig vor die Hunde gegangen ist, dann ist sie da, die Depression. Musik kann helfen, dieses Schwingungsgleichgewicht wieder herzustellen. Können Gespräche mit einem erfahrenen Musikhändler auf Dauer den Therapeuten ersetzen? Nein. Ein fähiger Therapeut ist nicht ersetzbar. Du bist aber nicht nur Plattenhändler, sondern auch Musiker und betreibst eine kleine Landwirtschaft mit Ziegen und Hühnern. wie bringst du diese Jobs alle unter einen Hut? Mein Hut ist groß und ist mit den Aufgaben gewachsen. Und da hat mir meine Oma noch ein hilfreiches Motto mit auf den Weg gegeben: „Eins nach dem anderen wie in Paris.“ Die erste Platte, die du dir gekauft hast?

Charly Müllner steht auf Vinyl. Aus reiner Hörgewohnheit, wie er selbst betont.

„Child is father to the man“ von Blood, Sweat & Tears auf Vinyl. Die erste Platte, die du geschenkt bekommen hast? Heintje. Nach deiner Heintje-Phase hat dir deine Schwester eine Black Sabbath-LP geschenkt. Wie hast du diesen Kulturschock verdaut? Nie! Der Verdauungsprozess dauert nun schon über 40 Jahre. Ist also noch nicht abgeschlossen. Und wird auch nie abgeschlossen sein. Welche Songs sollen zu deiner Beerdigung einmal gespielt werden? Zu diesem Anlass wünsche ich mir Live-Musik. Und da kommt nur eine Band in Frage, nämlich mose (Anm. Charly spielt als Bassist in der Band). Die Songauswahl überlasse ich den Jungs, denn die wissen immer, was zu tun ist. Wie groß ist deine private Platten- bzw. CD-Sammlung? Klein. Ich arbeite schon lange in einem gut sortierten Laden und habe somit eine Unmenge Musik um mich herum. Da überlege ich mir schon ziemlich gut, was ich mit nach Hause nehme. CD oder Vinyl: Was klingt in den Ohren des Musikexperten besser?

Das, was besser aufgenommen wurde, klingt besser. Ich kenne sowohl exzellente CD- aber auch exzellente Plattenaufnahmen. Persönlich mag ich Vinyl lieber. Das hat aber nichts mit besser klingen zu tun, sondern eher mit Hörgewohnheiten. Dein größtes Live-Konzerterlebnis? J.B.HUTTO live in Montreux und kurze Zeit später live im Paradiso in Amsterdam. Da ist‘s mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Der hat mich das Hören neu gelehrt. Welche Songs würdest Du auf deinen persönlichen Soundtrack für diesem Sommer pressen? Prinz Grizzley: „Fiery Eyes“ Johannes Brahms: „Ein deutsches Requiem“ Lucinda Williams: „The Ghosts of Highway 20“ Townes van Zandt: „If I needed you“ Das Zwischtern der Schwalben bei der morgendlichen Arbeit im Ziegenstall Bob Dylan: „Moonshiner“ Jimi Hendrix: „1983 a merman I should turn to be“ Nick Drake: „Five leaves left“ und natürlich die Neue von mose: „Verklingt.“

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Veranstaltungskalender Sa., 7. Mai, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/AK 22,Euro VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html

Do., 5., und Fr., 6. Mai, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 7,-/AK 9,- Euro

WORTFÄRBEREI – LITERATUR TRIFFT SPIELBODEN

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Die Wortfärberei, das neue Format am Spielboden, zeigt Literatur in all ihren Ausformungen: Prosa, Lyrik, aneinandergereihte Worte, geschriene Sätze, geflüsterte Buchstaben. Das Experiment steht über der Konvention. Literatur ist bei der Wortfärberei kein isoliertes Phänomen, die Autorinnen und Autoren bringen Verstärkung mit auf die Bühne, und so trifft das geschriebene Wort schon mal auf Musik, Tanz, Feuerspucker oder Drahtseilakrobat– Innen. Zwei Abende lang ist die Spielbodenkantine Schauplatz der Möglichkeiten, wenn vier Autorinnen und Autoren aus ihren aktuellen Werken und Texten lesen. An jedem Abend ergänzt ein von den Autorinnen und Autoren eingeladener Gast das literarische Programm.

Sa., 7. Mai, 15 bis 16 Uhr, vorarlberg museum in Bregenz, Eintritt: 5,- Euro

ganznah. LANDLÄUFIGE GESCHICHTEN VOM BERÜHREN

Ein Trapezkünstler aus Feldkirch, der im weltberühmten Zirkus Sarrasani auftrat; eine Hebamme, die über 4000 Kindern auf die Welt geholfen hat; eine Krankenschwester, die Geräte rund um die Pflege sammelt; ein Imam, der rituelle Totenwaschungen vornimmt; eine Tänzerin, die eine stolze Tradition aufgreift und dann doch ganz eigene Wege geht. Diese weit voneinander entfernten Lebenswelten und Geschichten sind sich in einem doch ganz nah: Berührung verbindet sie.

JAZZ&KICKS – MASRC RIBOT SOLO

Ribot gehört zu den gefragtesten Musikern der Downtownszene New Yorks. Als Gitarrist von Tom Waits, Laurie Anderson, Caetano Veloso und häufig auch bei diversen Projekten von John Zorn konnte man diesen Grenzgänger zwischen den Stilen oft bewundern. Wie Marc Ribot so schön sagt: „Man muss auf einer Gitarre nicht Gitarre spielen“.

Mo., 9. Mai, 11 Uhr, Theater am Saumarkt in Feldkirch, Eintritt: 8,- Euro

MEIN VATER, DER DESERTEUR

René Freund setzt sich mit dem Kriegstagebuch seines Vaters auseinander – und wie man in mörderischen Zeiten Mensch bleibt: Gerhard Freund ist achtzehn, als er zur Wehrmacht eingezogen wird; Mitte August 1944 soll seine Einheit an der Schlacht um Paris teilnehmen. Der junge Soldat erlebt die sinnlose Brutalität des Kampfes und desertiert. Mehr als sechzig Jahre später liest René Freund das Kriegstagebuch seines verstorbenen Vaters, stöbert in Archiven, spricht mit Zeitzeugen und fährt nach Paris, immer auf der Suche nach einem schärferen Bild von seinem Vater – und der eigenen Familiengeschichte.

Mo., 9. Mai, 20 Uhr, Kolpinghaus Dornbirn, Eintritt: frei.

WIR ERNTEN WAS WIR SÄEN!

Gesellschaftspolitischer Stammtisch. Vortrag und Gespräch mit Ulrich Tilgner. Der deutsche Journalist, Autor und Experte für den Nahen und Mittleren Osten war viele Jahre Auslandskorrespondent für das ZDF und ist aktuell für das Schweizer Fernsehen tätig. Wir wollen gemeinsam mit ihm den wahren Ursachen für Krieg, Terror und Flüchtlingselend auf den Grund gehen. Tilgner kritisiert die westliche Politik in den Krisenregionen scharf und benennt eine Reihe an problematischen Entwicklungen. Für ihn sind die aktuellen Bürgerkriege und Flüchtlingsströme kein Zufall, sondern das Produkt himmelschreiender Ungerechtigkeiten, die durch europäische Kolonial- und Hegemonialpolitik verstärkt und teilweise ausgelöst wurden.

Foto: Veranstalter

Di., 10. Mai, 20 Uhr, Sonnenbergsaal Nüziders, Kosten: 23,- Euro

ROLAND DÜRINGER

Weltfremd? Fühlen Sie sich manchmal weltfremd? In der „Welt wie sie ist“ sind wir Menschen - als Teil der Wirklichkeit sind wir Personen, Verbraucher, Stimmvieh, Arbeitssklaven, ein Wirtschaftsfaktor. Wie weltfremd ist eigentlich unsere Wirklichkeit? Mit dem Programm „Weltfremd?“ fasst Roland Düringer fünf Jahre Vortragsarbeit zusammen, ergänzt, erweitert, bringt komplexe Zusammenhänge auf den Punkt. Ein Mutmacher für alle „Weltfremden“. Veranstalter: kult pur Nüziders.

Mi., 11. Mai, 19 Uhr, inatura Dornbirn, Eintritt: frei

VORTRAG ZUM THEMA MENSCH

„Mehr gesunde Lebensjahre ab 65 – welchen Einfluss haben Stürze im Alter?“ Ein humorvoller Infoabend. Spätestens dann, wenn man spürt, dass das Gehen oder das Aufstehen nicht mehr so leicht fällt wie im Jahr zuvor, ist es an der Zeit sich zu überlegen, wie man es schaffen kann, das Gleichgewicht und die Kraft zu verbessern. Wie der eigene persönliche Beitrag zu mehr gesunden Lebensjahren aussehen kann, verrät Dr. Bernhard Schlosser in seinem Vortrag. Mit viel Humor und Esprit erzählen die SchauspielerInnen des Seniorentheaters „Ein falscher Schritt“ von eigenen Sturzerfahrungen. Veranstalter: VGKK in Kooperation mit Sicheres Vorarlberg und der inatura.

Do., 12. Mai, 20 Uhr, Gasthof Taube Bizau, Eintritt: 7,- Euro

KASINER, RÄUBER, THEATORLÜT

Präsentation und Lesung aus der Bizauer Theaterchronik des Gebhard Wölfle – gelesen von Jürgen Metzler, kommentiert von Kurt Greussing. Veranstalter: Egg Museum.


#6 / Mai 2016

Fr., 13. Mai, 19:15 bis 22 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Eintritt: freiwillige Spende

„SINGE, BIS DEINE SEELE FLÜGEL BEKOMMT“

Foto: Veranstalter

Do., 12. Mai, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/AK 22,Euro

ÁRSTÍÐIR (ISL)

Árstíðir wurden 2008 gegründet und hatten bereits im selben Jahr zwei Nummer-Eins-Platzierungen im isländischen Radio. Ihre Musik ist eine seltene Zusammensetzung von Klarheit und Komplexität. Ihre Songs sind einfach zum Verlieben. Es werden unterschiedliche Einflüsse wie Progressive Rock, Indie, klassische Kammermusik und isländische Volksmusik vermischt.

Arbogaster Nacht der spirituellen Lieder. Sowohl Singbegeisterte als auch Menschen, die das Singen neu entdecken möchten, sind herzlich eingeladen. Die Sehnsucht, gemeinsam zu singen und in diesen Klang eintauchen zu wollen, genügt, denn „singen ist ein uralter Weg zu Erfahrungen von Gemeinschaft, Heilung und Spiritualität.“ (W. Bossinger). Mit Wolfgang Kremmel, Götzis, Singleiter; Petra Winder, Lingenau, Percussion; Ingeborg Spiegel, Dornbirn, Singleiterin für heilsames Singen, Musik- und Tanzpädagogin.

Foto: Veranstalter

Do., 19. Mai, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 15,- Euro

URSCHEL & KROTH

Eine wilde Mischung aus eigenen bittersüßen Songs, komischen, respektlos und gefühlvoll interpretierten Chansons aus aller Welt, und trockenem, gereiftem Humor lassen die Herzen schmelzen, die Füße zappeln, die Lachfalten sich vertiefen und die Ohren feucht werden.

Do., 12. Mai, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 15,- Euro

TERRY LEE HALE

Terry Lee Hale ist ein Songpoet der Extraklasse, eine singuläre Erscheinung in der Musikwelt, dessen Kraft und Ausdrucksstärke – bei aller Zurückgenommenheit – mit den Jahren gereift sind.

Fr., 13. Mai, 17 bis 18:30 Uhr, vorarlberg museum in Bregenz, Eintritt: frei

JÜDISCHE BEITRÄGE ZUR „ERFINDUNG VORARLBERGS“

Könnte es sein, dass Vorarlberg seine Existenz unter anderem Menschen verdankt, deren Nachkommen im 20. Jahrhundert als „Landfremde“ zunächst ausgegrenzt und dann verfolgt, vertrieben und ermordet wurden? Antworten darauf gibt Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems. Aus der Reihe „Freitags um 5 – Landesgeschichte im Gespräch“.

Foto: Veranstalter Foto: Veranstalter

Fr., 13. Mai, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/AK 22,Euro

OHNE ROLF: BLATTRAND

Mit ihrem Programm „Blattrand“ gelingt es dem mehrfach preisgekrönten Duo, Theater-, Comedy- und Kabarettfans gleichermaßen zu begeistern. Die „Neue Zürcher Zeitung“ feierte „OHNE ROLF“ als „die Schweizer Kleinkunstentdeckung am Zürcher Theaterspektakel“ und die „Bonner Rundschau“ schrieb: „Das Publikum im Pantheon-Theater erlebte die originellste, sympathischste und abgedrehteste Mischung aus absurdem Theater und philosophischem Kabarett, die zur Zeit auf deutschen Kleinkunstbühnen zu sehen ist.”

Mi., 18. Mai, 19 Uhr, vorarlberg museum in Bregenz, Eintritt: frei

O! LIEBE! WAS HAST DU AUS MIR GEMACHT!!!

Liebesbriefe aus dem Bregenzerwald aus drei Jahrhunderten. Szenische Lesung mit Schauspielern des Theatervereins Bizau.

Fr., 20. Mai, 15 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: Kind 7,-/Erwachsene 14,- Euro. Familienticket ermäßigt.

EINE KUH MACHT MÜHE

Eine musikalische und tänzerische Performance zum Thema Zugehörigkeit und Identitätsfindung für Kinder ab 4 Jahren. Mit absurder Komik erzählen eine Kuh, ein selbstverliebtes Truthuhn, ein problematischer Bär und ein sportfanatischer Siebenschläfer Geschichten über den Wunsch zur Verwandlung. Veranstalter: Bludenz Kultur.

Fr., 20. Mai, 19 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: frei

ROCK IM KINO

Auch dieses Jahr bekommen die Nachwuchsbands der Musikschule Rankweil-Vorderland die Möglichkeit, unter professionellen Bedingungen Songs aus den Bereichen Rock, Pop und Jazz zu interpretieren. Die jungen Aufsteiger präsentieren sich mit Punk und Alternativ, mit Balladen über gemütlichen Chiller-Sound bis hin zu Punk Rock. Veranstalter: Musikschule Rankweil-Vorderland.

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Veranstaltungskalender Mi., 25. Mai, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 6,- Euro

Sa., 28. Mai, 17 Uhr, Remise Vorplatz Bludenz, Eintritt: frei

SCHOREN ROCKT! 2016

TONKRAFTWERK IN CONCERT

Irgendwann in den 90ern wurde Schoren Rockt! von Klaus-Dieter Berkmann gegründet, um das Schaffen der Bands am BORG Dornbirn Schoren zu würdigen. Teilnehmer der Schoren-Schulband und von „Schoren rockt!“ bereichern die musikalische Szene (DSDS, Eurovision-Contest, X-Factor) und gründeten verschiedene Bands (z.B.: The Bob Robinson Band, Monofuse, The Artistry, Las Vegas Driving Through Wedding Chapel, Rambo Rambo Rambo, Goldtops etc.).

Fr., 27. Mai, 19 Uhr, Jagdgasthaus Egender Schönebach, Eintritt: 7,- Euro

shakesBIER

Ein Bregenzerwälder-Theater-Lieder-Abend mit Evelyn Fink-Mennel & der Hausmusik Fink. Veranstalter: Egg Museum.

Tonkraftwerk, die Jugendkapelle der Bludenzer Stadtmusik, bietet jungen Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit, gemeinsam zu musizieren, ihr Können bei unterschiedlichsten Veranstaltungen unter Beweis zu stellen und das Miteinander bei Ausflügen zu stärken.

Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 ZVIERE-KINDERCAFÉ

jeden Montag von 15 bis 17 Uhr / Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt!

MEDITATIONSGRUPPE

jeden Montag um 18.30 Uhr

So., 29. Mai, 19 Uhr, Frauenmuseum Hittisau, Eintritt: 8,- (ermäßigt 6,Euro)

FRAUENLEID. ERSTER WELTKRIEG.

Die Kinodokumentation von Tone Bechter setzt sich mit der Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis zu den Anfängen des „Dritten Reiches“ auseinander. Im Mittelpunkt stehen dabei die Frauen und Mütter. Im Anschluss an die Filmvorführung: Podiumsgespräch mit Christa Hämmerle (Historikerin) und Tone Bechter (Filmemacher). Moderation: Stefania Pitscheider Soraperra. Veranstalter: Theaterkreis Altach.

FRAUENCAFÈ

jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen

SPORTNEIGUNGSGRUPPE

jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9

MITTAGSTISCH

jeden Freitag mitkochen ab 10.00 / mitessen ab 12.00 – Bio-Regional-Fair / gib was es dir wert ist

LITERATUR TANKSTELLE

jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr

NÄHWERKSTATT

jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!

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Noch bis 22.5.2016, Talente-City in Hohenems

Foto: Veranstalter

Fr., 27. Mai, 20 Uhr, Theater im Kom Altach, Eintritt: 15,- Euro

ALLES AUSSER KONTROLLE

Musikkabarett mit Monaco Bagage. Zur Perfektion gereiftes „Best of “: Älter, weiser und kein bisschen uncool! Nach zwölf Jahren erfolgreicher Touren, diverser Preise und enormer Publikums- und Medienresonanz spielen die vier Münchner Künstler in ihrem aktuellen Programm „Alles außer Kontrolle“ in geballter Form ihre Stärken aus: Nahezu perfekte Synthese von Musik und Wort, Ernst und Witz, Heiterkeit und Nachdenklichkeit. Veranstalter: Theaterkreis Altach.

Foto: Veranstalter

VERANSTALTUNGSREIHE ANLÄSSLICH „20 JAHRE TALENTE VORARLBERG“.

• Jeden Freitag und Samstag „Projektgeschäfte“ • Jeden Freitag ab 18 Uhr „Talente-Talk“

Mo., 30. Mai, 19:30 Uhr, Villa Falkenhorst in Thüringen, Eintritt: freiwillige Spenden zugunsten Naturschutzbund

DAS LÄNDLE & DIE GRUSEL-SCHAU

Ein Vortrag über Lust und Frust im Klimawandel, über nicht vorhandene Inseln der Seligen, über Eigenverantwortung und warum zuviel Putzen doch nicht immer gut ist. Fesselnd, spannend, unterhaltsam. Mit seiner Gruselschau konnte Rochus Schertler bereits viele erfolgreiche Abende bestreiten. Die vergnügliche Art und Weise, mit der er seine Botschaften an den Mann und die Frau bringt, sind wissenschaftlich fundiert, unterhaltsam und aufrüttelnd zugleich.

Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.


#6 / Mai 2016

S C HAC H - E C K E Philipp Längle - Mathias Kalcher Vorarlberger Mannschafts-Cup 2014

Helene Mira - Eva Wunderl Frauen-Bundesliga 2016

Philipp Längle neuer Schach-Präsident

Weiß spielte nicht das plumpe LxTg8, sondern fand einen schnellen Weg zum (Figuren-)Gewinn. Wie beendete Längle die Partie?

25 Jahre lang war der Albert Baumberger Präsident des Vorarlberger Schachverbandes. Bei der Generalversmmlung Mitte April hat er sein Amt abgegeben. Mit großer Mehrheit wurde der 43 Jahre alte Rechtsanwalt und langjährige Schach-Funktionär Philipp Längle zum neuen Präsidenten gewählt und Albert Baumberger zum Ehrenpräsidenten ernannt. Dass Philipp Längle nicht nur ein guter Schachfunktionär ist, sondern auch selbst gut Schach spielen kann, hat er oftmals bewiesen. Hier eine kleine Kostprobe seines Könnens ­­– siehe nächste Spalte.

Weiß zieht und gewinnt

In gewonnener Stellung fand die Bregenzerin Helene Mira den schnellsten und spektakulärsten Weg zum Sieg. Mit welchem Zug zwang sie ihre Gegnerin zur sofortigen Aufgabe? Weiß zieht und gewinnt

Lösung 1. Le6+ Td7 (einziger Zug) 2. Tc1 Lg7 22. 3. Txc2+ 1-0 ( 3. …Kd8 23. 4. Sc3)

Lösung 1. Tf6+! gxTf6 2. Dxf6 matt! Oder. 1. ... Kxg5 2. DxDh7 mit schnellem Matt.

Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schweirigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Die Lösung finden Sie am unteren Rand des Rätsels. Lösung

Für Anfänger

19

+41

÷4

-10

×8

+60

÷4

-15

×8

+23 Lösung

Für Fortgeschrittene

23

×11

+228

÷13

-18

×12

+72

80% der Summe

-219

×15 Lösung

Für Genies

-61

zum Quadrat

+84

35% der Summe

-231

×21

+167

÷22

-37

Lösungen: Für Anfänger = 103, Für Fortgeschrittene = 315, Für Genies = 4

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Übrig.

Fotos: Dietmar Walser – Gestaltung: atelier stecher

Eine Ausstellung im Jüdischen Museums Hohenems 10. April bis 2. Oktober 2016

Ö ffnungszeiten Museum und Café Di bis So 10 – 17 Uhr und an Feiertagen

Bibliothek Di bis Fr 10 – 12 Uhr und 14 – 16 Uhr sowie nach Vereinbarung Öffentliche Führungen Jeden 1. Sonntag im Monat um 11.30 Uhr Villa Heimann-Rosenthal, Schweizer Str. 5, A-6845 Hohenems T +43(0)5576 73989 | offi ce@jm-hohenems.at | www.jm-hohenems.at

D R. J OHANNES H ÄUSLER

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marie 6 / Mai 2016 by marie - Die Vorarlberger Straßenzeitung - Issuu