Skip to main content

marie 4 / März 2016

Page 1

#4 / März 2016

2,50 Euro

davon 1,25 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer

Mein autistischer Bruder Kurzgeschichte aus der Feder einer marie-Leserin.

Gemeinsam gärtnern Zum Saisonstart: Tipps für den Gemeinschaftsgarten.

„Ich vermisse die Straße“ Papst Franziskus sprach mit Straßenzeitung überArmut.

Sie winkte dem Kaiser zu Das letzte Interview mit Anna Hämmerle (109).

Multikulti Multitalent Der gebürtige Afghane Zaker Soltani (18) lebt erst seit drei Jahren in Vorarlberg und gewann bereits einen Redewettbewerb. Er besitzt auch künstlerisches Talent. Von einigen Bildern sagt er: „In Afghanistan hätte ich niemals gewagt, so etwas zu malen.“ Seiten 18-19.

Foto: Rudi Hämmerle


Bezahlte Anzeige

2/

inaturasondErausstEllung

DER BIBER Ein HEimkEHrEr stEllt sicH vor

18. März bis 11. September 2016

Bezahlte Anzeige


#4 / März 2016

Mittendrin in V 4-5 Bild des Monats 6-7 Schulprojekt zum Thema Demenz Schüler gestalten Buch der Erinnerungen 8 - 10 Notreisende Roma in Voralberg Der Versuch einer fairen Betrachtung 12 - 13 Kleiner Bruder Kurzgeschichte über einen autistischen Buben 13 Impressum 14-15 Start in die Gartensaison Tipps und Tricks für gemeinsames Gärtnern 16-17 Eine Mordsfrau Daniela Alge: Krimiautorin, Mutter, Bäuerin 18 - 19 Gelungene Integration Junger Afghane über seinen Akt der Befreiung 20 Rezept Deftiges Stroganoff mit Tagliatelle 22-23 Anna Hämmerle winkte dem Kaiser zu Das letzte Interview einer 109-Jährigen 24 Beruflicher Nomade und Stehaufmännchen marie-Verkäufer Alfred Weidinger 25 Schachecke

Interview 26-31

„Ich vermisse die Straße“ Papst Franziskus über Kindheit und Armut

Gsi 32-33

Die Geschichte von Herbert S. Gasser Nobelpreisträger mit Vorarlberger Wurzeln

Kultur 34-35 Fimforum Bregenz im Porträt Kinoerlebnis für Cineasten 36-38 Veranstaltungskalender

Rätsel

Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, Die gute Nachricht zuerst: marie ist vom Weltverband der Straßenzeitungen als Mitglied aufgenommen worden. Dadurch hat sich für uns der Zugang zu dem reichen Erfahrungsschatz sowie auf ausgewählte redaktionelle Inhalte von 112 Straßenzeitungen in 35 Ländern eröffnet. Eine erste Frucht davon ist ein Interview, das Papst Franziskus einem niederländischen Straßenmagazin gegeben hat, exklusiv für alle Zeitungen des Weltverbandes INSP (International Network of Streetpapers). Dabei erzählt der Heilige Vater von seiner Kindheit, spricht über den Reichtum der Kirche und über die Armut. Das ganze Interview lesen Sie auf sechs Seiten im Blattinneren. Das war die gute Nachricht. Jetzt die Bessere: marie darf sich über stark wachsende Beliebtheit freuen. Das schlägt sich in steigenden Verkaufszahlen nieder, was wiederum direkt dem Einkommen unserer Verkäufer zu Gute kommt. Gleichzeitig ermöglicht es uns, zusätzliche Verkäufer zu beschäftigen. Die Auflage der März-Ausgabe beträgt 20.000 Stück – das Doppelte unserer Erstausgabe vom Dezember des Vorjahres. Die Aufgeschlossenheit der Vorarlberger gegenüber Straßenzeitungen ist in der Branche nicht unbemerkt geblieben. In jüngster Zeit haben sich Mitbewerber auf Vorarlbergs Straßen eingefunden. Sie stammen aus Deutschland und Ostösterreich. Es steht uns nicht an, über andere Straßenzeitungen zu urteilen. Allerdings erreichten uns einige Beschwerden in Zusammenhang mit deren Verkaufspraktiken. Es liegt uns sehr daran, dass unsere marie nicht mit diesen Zeitungen verwechselt wird. Echte marie-Verkäufer erkennen Sie am Ausweis, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Erfreulich, dass die Fangemeinde auf unserer FacebookSeite www.facebook.com/marie.strassenzeitung rapide wächst. Hier gibt,s auch während des Monats Infos von unserer Redaktion und die Möglichkeit zum Loben, Kritisieren und Diskutieren. Viel Freude beim Lesen der Vorarlberger Straßenzeitung! Herzlich, Robert Thoma, Co-Herausgeber

39 Vorarlberg-Rätsel Kennscht d‘Rekorde?

Kontaktieren Sie uns Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0650/8385641.Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

/3


Bild des Monats

Auf einen Tee und eine Zigarette ins Caritas-Café Foto: Frank Andres

4/

Bevor er zur Arbeit geht, führt Rafael Paravicini (37) sein Weg ins CaritasCafé in Feldkirch. Dort raucht er gemütlich eine Zigarette und trinkt dazu sein Gläschen Tee. Rafael ist im Wald-Projekt der Caritas beschäftigt. Bei Schönwetter macht Rafael unterschiedliche Waldarbeiten wie Instandhaltung von Wald- und Güterwegen, Restholzbündelherstellung und Flurreinigung. Bei Schlechtwetter und im Winter stellt er aus Altkleidern, die von der Caritas gesammelt wurden und nicht mehr für den Weiterverkauf geeignet sind, Putzlappen her. Diese werden im Auftrag der Firma Hans Sperger produziert.


#4 / März 2016

/5


Mittendrin in V

Jugendliche hielten ihre schönsten Erinnerungen auf Papier fest. Dadurch beschäftigten sie sich auch damit, was ihnen in ihrem Leben wirklich wichtig ist.

6/

Was möchte ich nie vergessen? Dieser Frage gingen 250 Schüler aus fünf unterschiedlichen Schulen nach. Bei einem gemeinsamen Projekt zum Thema Demenz zeichneten, malten und schrieben sie ihre wichtigsten Erinnerungen auf. Daraus entstanden ist ein Buch, das ab April im vorarlberg museum ausgestellt wird. Text und Fotos: Sara Bonetti

E

rinnern und Vergessen liegen nahe beieinander. Dies wurde 250 Schülern der HAK Bludenz, dem Gymnasium Bludenz, dem Gymnasium Schillerstraße Feldkirch, der Polytechnischen Schule Dornbirn und dem Gymnasium Bregenz bewusst, die sich seit Herbst 2015 bei einem schulübergreifenden Projekt mit dem Thema Demenz beschäftigten. Die zentrale Frage war: Welche Erinnerungen sind für mein Leben von wirklicher Bedeutung? Gemeinsam gestalteten sie ein Buch der Erinnerungen, das ab 1. April Teil der Ausstellung „Da war doch was“ im vorarlberg museum sein wird. Das Buch

erinnert mit seinen überdimensionalen Maßen und den 250 Bögen handgeschöpftem Papier aus Nepal an eine mittelalterliche Handschrift. „Demenz ist eine Krankheit, die viel mehr Familien betrifft, als ich anfangs geglaubt habe“, erzählt Schüler Alexander Gut (17) vom Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch und ist in Gedanken bei seiner Tante. Schon vor einigen Jahren wurde bei ihr die Krankheit Demenz diagnostiziert. „Anfangs, da war alles noch gut. Sie hat selbst darüber gelacht, wenn sie was verwechselt oder vergessen hat. Doch dann, als ihr bewusst wurde, was passiert, ist sie traurig geworden“, erzählt der Jugendliche. Wie sehr ihn diese Zeit prägte, ist ihm in den vergangenen

Monaten erst richtig bewusst geworden. Er und seine Mitschüler gestalten die Ausstellung „Da war doch was“ mit. Im Rahmen des Kunstprojektes werden die schönsten Erinnerungen der Schüler gesammelt und in ein Buch gebunden. Nach der sechswöchigen Ausstellung im vorarlberg museum wird das Buch auf Wanderschaft gehen und schließlich im Museum archiviert, sodass die Schüler noch in 50 Jahren nachlesen können, was ihnen damals wichtig erschienen ist. Das Buchprojekt kam im Herbst 2015 ins Rollen. Die Idee dazu stammt von der „Aktion Demenz“ und Frauke Kühn, Lehrende für Kulturmanagement am Gymnasium Schillerstraße. Sie holte die beteiligten Schulen ins Boot. „Es ge-


#4 / März 2016

Die Schüler gstalteten insgesamt 250 Bögen Naturpapier mit ihren Erinnerungen. Daraus entstand ein Buch.

Thomas und Alexander besprechen Erinnerungen.

hört zu meinem Beruf, Inhalte aus dem Leben heraus aufzugreifen und zu den Schülern zu bringen“, so Kühn. Während das Projekt zu Beginn versuchsweise mit einer Klasse begann, weitete sich der Umfang rasch aus. „Ich war überwältigt von der positiven und offenen Resonanz von Schul- und Lehrerseite“, erklärt Kühne. „Ein Projekt dieser Größe mit einer gemeinsamen Ausstellung und unter Beteiligung unterschiedlicher Schulformen ist eine Ausnahmesituation.“ Die Lehrer arbeiteten zusammen, um das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und aufzuarbeiten. Während in Biologie beispielsweise die neurowissenschaftlichen Hintergründe der Erkrankung ergründet wurden, ging es in Deutsch darum, über Literatur Verständnis und Sensibilität für Betroffene und Angehörige zu entwickeln. Es wurde aufgezeigt und bewusst gemacht, dass die Krankheit nicht nur ältere Generationen betrifft, sondern auch zum Leben von Jugendlichen gehört.

zuständig für die Pressearbeit des Projektes - eine Aufgabe, die neben dem normalen Schulunterricht auch in ihre Freizeit hineinreicht. Die Auseinandersetzung mit dem Vergessen verändert auch ihr eigenes Bild auf die Erkrankung. „Ich glaube, das Schlimmste an dem Ganzen ist, wenn es einen lieben Menschen trifft und man nur zusehen kann“, sagt die Jugendliche. Auch sie spricht dabei aus eigener Erfahrung und ist wie viele andere von dem Thema persönlich betroffen. Neben einer Großtante, die selbst an Demenz erkrankt ist, trifft Elisabeth über ihre ehrenamtliche Mitarbeit beim Samariterbund immer wieder auf Menschen, die vergessen haben, wie man sich erinnert. Durch ihr Engagement will sie Betroffenen helfen.

Erinnern und vergessen

Unweigerlich mit der Aufarbeitung der Krankheit sind die Werte von Erinnern und Vergessen verbunden. „Ganz zu Beginn, als wir angefangen haben über Demenz und Erinnerungen zu sprechen, wurde uns die Frage gestellt, welches die fünf wichtigsten Erinnerungen unseres Lebens sind“, erklärt Alexander. Automatisch ging es für ihn und seine Kameraden darum, herauszufinden, was ihnen in ihrem Leben von wirklicher Bedeutung ist. Aus diesen Sammlungen an Werten und Inhalten entwickelten sich

dann die Seiten für das Buch der Erinnerungen. Alleine oder in Zweierteams hielten alle Schüler ihre kostbarsten Erinnerungen auf einem großen Bogen aus Naturpapier fest. Eines dieser Teams sind die Schülerinnen Linda Kollmann (16) und Cookie Peel (17). „Für mich sind bei vielen Erinnerungen die Menschen wichtig“, erzählt Linda, „Es geht mir nicht darum festzustellen, was ich Tolles gemacht habe, sondern mit wem ich die Zeit verbracht habe, und da stehen Familie und Freunde ganz weit vorne.“ Die Einschränkung auf wenige Momente ist für Cookie eine ihrer größten Herausforderungen. „Es gibt so viele Erlebnisse, so viele schöne Dinge – es ist schwierig festzustellen, was denn nun die eine unter den vielen ist“, erzählt sie. Die Technik und Herangehensweise, wie die Seiten gestaltet wurden, war den Jugendlichen weitgehend selbst überlassen. Von den Pädagogen wurden sie mit viel Engagement begleitet. Von Texten, bis hin zu Zeichnungen, Fotocollagen und Melodien gab es für die Kreativität keine Grenzen. Bei Linda und Cookie ist es am Ende ein Baum geworden. Jeder einzelne der Äste trägt einen Wert, der ihr Leben um schöne Erinnerungen bereichert. So haben neben Familie und Freunde auch der schulische Werdegang und andere bedeutende Ereignisse ihren Platz gefunden. Das umfangreiche Projekt wird organisatorisch begleitet von den Schülern des Wahlpflichtfaches Kulturmanagement am Gymnasium Schillerstraße. Als Teilnehmende ist Elisabeth Bömcke (17)

AUSSTELLUNG Projekt: Da war doch was. Teilnehmer: 250 Vorarlberger Schüler Projektthema: Demenz, Erinnern und Vergessen. Präsentation: Freitag, 1. April, 17 Uhr, im Atrium des vorarlberg museum. Ein Kulturvermittlungsprojekt des Gymnasium Schillerstraße Feldkirch in Kooperation mit Aktion Demenz und vorarlberg museum. Sponsoring: Hagenpur Manufaktur Lustenau

/7


Mittendrin in V

Notreisende Roma in Vorarlberg: Die vielen Wahrheiten Da die Not und das Leid der Einen, dort die Angst und Unsicherheit der Anderen: Versuch einer fairen Betrachtung. Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Bettina Bohne und Frank Andres

M 8/

Manche Roma-Kinder bleiben in Rumänien und werden von ihren Eltern mit dem hier erworbenen Geld versorgt.

an müsse mit Repressalien rechnen, wenn man die Wahrheit sage, meint einer, der damit schon Erfahrung hat. Was denn seine Wahrheit ist, will ich wissen. Der gut 50-Jährige, nennen wir ihn Hans, hat sich in den vergangenen Wochen persönlich für bessere Bedingungen der notreisenden Roma in Vorarlberg eingesetzt. Im Rahmen seiner Möglichkeiten. Er hat Mails und Leserbriefe verfasst und auch selbst angepackt. Vier Roma-Kinder, deren Mutter tagsüber am Betteln ist, hat er versorgt. Sie zu Freizeitaktivitäten eingeladen und ihnen Bustickets gekauft, damit sie bei eisigen Temperaturen einen Ort zum Aufwärmen haben. Seine Hilfeleistung kommt nicht allerorts gut an, im Gegenteil, er wird beschimpft sich mit „denen“ einzulassen. „Den meisten geht es doch nur darum, Gründe zu finden, wieso es mit den Roma nicht funktionieren kann. Dann wird ein Grund gefunden, aufgebauscht und alle fühlen sich bestätigt.“ Das ist die trotzige Wahrheit von Hans. Kolportiert wird andererseits, dass viele Delikte tatsächlich den notreisenden Roma zugeschrieben werden können. Unsere Nachfrage bei den Supermärkten, die sich in von Roma stark frequentierten Zonen befinden, gibt kein klares Bild. Neben unverschämten Verhaltensweisen von – wie betont wird – einzelnen Roma, spricht ein Betreiber, der nicht genannt werden will, von einer

Häufung kleinerer Diebstahlsdelikte. Genaueres erfährt man nicht. Wir erhoffen uns von der Dornbirner Stadtpolizei Fakten, Kommandant Hubert Winder: „Hinsichtlich ihrer Kriminalität ist kein gravierender Unterschied zwischen Roma und Einheimischen zu beobachten. Es gibt hier wie da schwarze Schafe.“

Organisierte Kriminalität?

Beim Stichwort „Kriminalität“ sind wir schnell bei der Frage nach der ominösen, oft zitierten Bettelmafia. Sind die hier verweilenden Roma Teil eines organisierten und kriminellen Netzwerkes? Betteln sie unter Zwang für andere, für Hintermänner, die sich daran bereichern? Der Verein „Centro Romano“ hält dagegen: „Für die Existenz einer Bettelmafia gibt es keine Belege.“ Für den Zusammenhalt in einer patriarchal geprägten Großfamilie hingegen schon. Gesellschaftlich ausgegrenzt und ohne Status, ist das Familiengefüge ihr einziger Schutz. Wenn 30 Familienmitglieder sich abstimmen und vom Familienoberhaupt strategisch gut verteilt werden, ist das nur pragmatisch oder schon kriminell? Fakt ist, dass es dafür in Vorarlberg Strafen gibt. Stapelweise, im dreistelligen Euro-Bereich.

Überlebensstrategie

Bei den nach Vorarlberg gekommenen Roma handelt es sich um Großfamilien aus Rumänien. Theoretisch würde den Menschen in ihrem Heimatland auch unabhängig vom Erwerbsleben eine Sozialversicherung zustehen, diese


#4 / März 2016

/9 Ein bettelnder Roma vor einer riesigen Werbewand: Welten, die aufeinander prallen.

wird aber durch Korruption, Rassismus und Behördendschungel faktisch verhindert. „Oft leben Roma und Sinti in illegal errichtet en Siedlungen, es fehlt ihnen somit die Meldeadresse, damit sich eine Stadt für sie zuständig fühlt. Ohne Adresse keine Schulbildung und kein Sozialstatus“, weiß der Vorarlberger Jesuit Markus Inama. Er leitet das Jesuitenkolleg in Innsbruck und ist seit acht Jahren in Concordia-Projekten engagiert, die Roma-Gruppen am Rande verschiedener Großstädte betreuen. Die Situation vor Ort ist ihm bekannt: „Es gibt Gemeinden, die den Roma androhen, die Baracken niederzureißen, weil sie illegal erbaut wurden.“ Die Folge daraus sind Armutsreisende, wie wir sie hier in Vorarlberg antreffen. Viele von ihnen können weder schreiben noch lesen und sie haben wenig Spielraum, über einzelne Tage hinausgehende Perspektiven zu entwickeln. Es geht ums nackte Überleben ihrer Familien. Derer vor Ort und den in Rumänien zurückge-

lassenen, zumeist minderjährigen Familienmitgliedern, die ebenfalls von dem hier erworbenen Geld versorgt werden. Der psychische Stress ist groß. Ebenso das durch Ausgrenzung und Verfolgung gewachsene Misstrauen, das sich von einer diskriminierten Generation zur nächsten vererbt. Sie haben nicht vergessen, dass man ihre Kinder nicht wie angekündigt in die Schule, sondern ins KZ brachte. Oder das schweizerische „Hilfswerk“, das dem fahrenden Volk der Jenischen bis in die 70er Jahre ihre Kinder entriss mit der Absicht, das Volk sesshaft zu machen. Weitere Hintergründe, die fürs Verstehen wesentlich sind: Seit Jahrhunderten von der Gesellschaft, von Bildungs- und Arbeitsangeboten ausgeschlossen zu sein, hinterlässt Spuren, mehr noch, es erzeugt eigene Systeme. Außerhalb der Gesellschaften zu stehen untergräbt die Anbindung an ein gemeinsam vereinbartes Regelwerk. Bei den rumänischen Notreisenden kommt die in ihrem Land tagtäglich

erlebte Konfrontation mit Korruption dazu. Das kann nichts entschuldigen, aber möglicher Weise einiges erklären. Zum Beispiel auch den Versuch, über Tricks und Lügereien marie-Verkaufsausweise zu ergattern und daraus noch Kapital zu schlagen. Das hat natürlich Konsequenzen. So fand auch der bislang einzige Einzug eines Verkaufsausweises im Roma-Zusammenhang statt.

Keine einfachen Lösungen

Rund 150 Roma dürften derzeit in Vorarlberg verweilen. An die 50 Notschlafstellen für Romnja (Roma-Frauen), für Kinder und kranke Notreisende werden im Kaplan-Bonetti-Haus und der Caritas in Feldkirch angeboten. Ein weiterer Teil der Roma ist in privaten Häusern untergebracht und geschätzt 40 Personen schlafen im Freien. Auch im Winter. Caritas und dowas stellen zeitweise Duschen zur Verfügung. „Die Bedürftigkeit ist unerschöpflich“, so Monika Spiss vom Bonetti-Haus. Sie kennt


Mittendrin in V

beide Seiten: Die Not und Armut der Einen, aber auch den Stress der Anderen für Recht und Ordnung zu sorgen. Und sie ist sich bewusst, dass es keine einfachen Lösungen und auch nicht den einen Weg gibt. „Alle möchten arbeiten, alle ihre Kinder auf einer Schule wissen. Aber das wird nur gelingen, wenn alle Beteiligten in Kauf nehmen, dass auf diesem Weg auch Rückschritte passieren“, ist sie überzeugt, dass das Gelingen von Integration, so widersprüchlich es klingen mag, von der Bereitschaft zum Scheitern und Umkehren abhängig ist. Einfach und schnell „machen“ lässt sich das nicht.

Appell an die Politik

10 /

„Gefordert ist auch die Politik“, sagt nicht nur Hans sondern auch die, die an der Front arbeiten. „Sachlich vorzugehen und die Sprache sorgfältig zu wählen damit das vorherrschende negative Bild nicht weiter verschärft wird“, wünschen sie sich. Und mehr noch: Ihren Beitrag zu leisten, damit öffentliche Räume erst gar nicht als Schlafstätten und Aborte missbraucht werden müssen. Wenn alle öffentliche WCs geschlossen sind ist unschwer zu erraten, wie Grundbedürfnisse erledigt werden. Was wiederum Unmut und Ängste in der Bevölkerung nährt. Die Menschen zu vertreiben ist trotz Verboten und Sanktionen nicht gelungen und wird auch in Zukunft nicht gelingen. Wohl kaum wird Vorarlberg jenes Fleckchen Erde in Europa bleiben, auf dem keine Armutsreisenden nach besseren Bedingungen suchen. „Die Problematik der Notreisenden zeigt auf, wo unser System auch für unsere Bevölkerung früher oder später krankt“, gibt Monika Spiss zu bedenken. „Es gibt hauptsächlich Versorgungsstellen, dabei geht es oftmals vor allem um Beziehung. Wir brauchen Menschen, die Bedürftigkeit wahrnehmen können, Menschen, die Fürsorge leisten. Wenn man sich um bedürftige Menschen nicht kümmert und sie nicht in die Bearbeitung ihrer Probleme mit einbindet dann entsteht eine Handlungsunfähigkeit, die schwer zu korrigieren ist.“ „Eine Schande“ würde Hans sagen, der sich persönlich mit Leib und Seele für bessere Konditionen einsetzt und inzwischen selbst am Ende seiner Kräfte ist.

Rund 150 Roma halten sich momentan in Vorarlberg auf. Im Sommer lebten sie im Freien, jetzt im Winter dürfen manche von ihnen in Notschlafstellen übernachten.

Erzählt wird viel. Über Hilfegebende, die enttäuscht sind, weil sie sich ausgenützt fühlen. Über Roma-Familien, die privat Unterstand gefunden haben und mit denen das Zusammenleben funktioniert. Über solche, die tricksen, unverschämt sind und Diebstähle begehen. Über wertvolle Begegnungen, bereichernden Austausch und schöne Erfahrungen. Alle diese Geschichten erzählen vom Zusammenprallen zweier Kulturen. Und vielleicht auch vom Zusammenfinden. Alle Geschichten sind für sich wahr. Keine ist repräsentativ.

Was uns mit den Roma verbindet, weiß Monika Spiss, die sie tagtäglich begleitet: „Roma sind Menschen mit denselben Empfindungen wie wir. Sie sind weder emotional noch physisch abgehärtet sondern zumeist chronisch krank. Es ist ihnen nicht egal, wie es ihren verbliebenen Familienmitgliedern in Rumänien geht, sie leiden unter Familientrennungen und kümmern sich unter großen Anstrengungen um ihre Kinder.“ Das ist vielleicht jene Wahrheit, die am meisten Brücken schlagen kann. Da ist auch der Hans einverstanden.

Liebe Leserin, lieber Leser! Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Daher mögen sie mitunter kontaktfreudig sein. Sie werden aber nicht aufdringlich sein oder betteln.

Der/die Inhaber/in dieses personalisierten Ausweises ist berechtigt die Vorarlberger Straßenzeitung marie im Rahmen der vereinbarten Richtlinien zu verkaufen. Verein und Projekt sind bei den Behörden des Landes Vorarlberg angezeigt. Weitere Information unter www.marie-strassenzeitung.at

Ausweisnummer

für den Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg

Herzlich, das marie-Team

Name t

Unterschrif

verkaeuferausweis.indd 2

26.11.15 08:05

mer

Ausweisnum

26.11.15

verkaeuferau

swei

s.indd 1

08:05


#4 / März 2016

Flüchtlingsströme regulieren

DAS RECHT AUF ARBEIT LEBEN Bei freier Berufswahl und Sicherung der menschlichen Würde arbeiten zu können ist ein verbrieftes Menschenrecht. Dass es gelebt werden kann, dafür setzt sich das Netzwerk Soziale Unternehmen Vorarlberg ein. Die ersten sogenannten „Sozialen Unternehmen“ wurden in Österreich Anfang der 1980er-Jahre vor dem Hintergrund wirtschaftspolitischer Umbrüche und steigender Arbeitslosigkeit gegründet. Als arbeitsmarktpolitisches Experiment wohlgemerkt. Über 30 Jahre später ist man der experimentellen Pionierphase längst entwachsen und angesichts neuer Rekordarbeitslosigkeit und ohne Aussicht auf umfassendes Wirtschaftswachstum gefragter denn je. Auch in Vorarlberg. Soziale Unternehmen unterstützen am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen auf ihrem Weg zurück ins Erwerbs-

Cartoon: Martin 2016

leben. Sie tun das mit Beschäftigung in eigenen Dienstverhältnissen und Projekten, mit Beratung und fachlicher Qualifizierung. In Vorarlberg haben sich die AQUA Mühle, carla/Caritas Vorarlberg, die Dornbirner Jugendwerkstätten, Integra und die Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte dafür zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Denn die Herausforderungen sind groß: Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen ist dramatisch gestiegen und sie wird Umfragen zufolge auch hoch bleiben. Hinzu kommen ungelöste Fragen zur Arbeitsintegration von Flüchtlingen. Auch hier setzt man auf Soziale Unternehmen und ihr langjähriges, praktisches Erfahrungswissen zu Arbeit, Bildung und Integration. Benedicte Hämmerle, Verbandsprecherin der Sozialen Unternehmen Vorarlberg: „Mit ihrer unternehmerischen Arbeit unterstützen Soziale Unternehmen den einzelnen Menschen und das Gemeinwohl. Ganz praktisch und immer mit dem Blick auf das Ganze und auf den Menschen in seiner individuellen Situation. Ich denke, das ist das eigentlich Wertvolle und Maßstab setzende.“ Mehr über die Sozialen Unternehmen Vorarlberg unter www.sozialunternehmen-vorarlberg.at

/ 11


Mittendrin in V

KLEINER BRUDER Eine Kurzgeschichte von marie-Leserin Christina Gasser (52) aus Dornbirn. Sie erzählt von Kindheitserlebnissen mit ihrem autistischen Bruder.

Text: Christina Gasser Fotos: Privat, Frank Andres

12 /

B

eim Abendessen am Freitagabend, Papa greift gerade zu seinem Lieblingsstinkkäse, fragt Mama: „Charlotte, willst du mitkommen, wenn wir Michael abholen?“ Vor dem Einschlafen betet Charlotte zum lieben Gott. Lieber Gott, betet Charlotte, bitte mach ein Wunder, dass der Michi morgen gesund ist und sprechen kann und mir hilft gegen den Meusburger, und bitte mach, dass meine Mama dann glücklich ist und ich endlich einen Bruder habe, mit dem ich spielen kann und wenn das nicht geht, dann möchte ich ein Pony haben oder einen Hund, mach das doch bitte, lieber Gott. Am Samstag sitzt Charlotte hinten im Kombi, schaut sich die Gegend an und freut sich. Sie freut sich immer, wenn Michi kommt – davor. Einen Tag später schon nicht mehr so doll. Sie fahren weit, bis zu Michis Schule. Zweieinhalb Stunden. Sogar bis ins Ausland. Es hat auch lange gedauert, bis Charlottes Eltern die benötigte finanzielle Hilfe für diese Schule erhalten haben. Niemand hat vorher von dieser seltsamen Krankheit gehört. „Frühkindlicher Autismus in besonders schwerer Ausprägung.“ Schien irgend so eine amerikanische Erfindung zu sein. Viele Leute sagten auch, dass Mama ihn einfach nicht streng genug erzogen habe. Eines Tages platzte Papa der Kragen, und er hat Mama und Michi ins Auto gepackt und ist mit beiden ins Haus der Landesregierung gefahren. Nach einer halben Stunde Aufenthalt im Büro des zuständigen Beamten hat der die Zusage dann erteilt. Zum Aufräumen hat er dann zwei Stunden gebraucht. Die Schule liegt auf einem sanften Hügel. Sie besteht aus mehreren Wohnhäusern, dem Zentralgebäude, Gärten und Tiergehegen. Es gibt dort Ponys, Esel, Katzen, Ziegen, Enten und einen Hund. Charlotte beneidet Michi glühend darum. Sie möchte so gerne auch in ein Internat gehen, auf Ponys reiten dürfen und verschworene Freundinnen haben. Doch alle sa-

Christina Gasser schreibt Gedichte und Prosa, spielt Theater und ist PoertrySlammerin. Zu ihren Liebslingsautoren zählt der amerikanische Schriftsteller Charles Dickens.

gen, Charlotte muss froh und glücklich sein, dass sie daheim bei Mama und Papa bleiben darf. Und dann hat Michi auch noch Angst vor den Tieren, er reitet nie auf den Ponys und läuft vor dem Hund weg! Auf dem Türschild steht „Gruppe Fliegenpilz“, daneben ein von Michi gezeichneter Pilz. Das muss der Neid ihm lassen – malen kann er wirklich! Luisa öffnet, sie ist wahnsinnig dick und lacht immerzu, sie ruft „Michi, Michi, Mama, Papa sind da!“ Carsten humpelt Charlotte entgegen und strahlt sie an. Carsten ist ganz schief. Ein Bein ist kürzer und dünner als das andere, ein Arm verkrüppelt, das linke Auge ist halb geschlossen und der linke Mundwinkel ist nach unten gezogen, wo ihm ständig die Spucke raus rinnt. Seine Nase ist schief und seine Ohren riesig. Und er schielt ganz schrecklich. Carsten ist das hässlichste Menschenkind das Charlotte kennt und ganz kurz überlegt sie, was ihre Freundin Susi dazu sagen würde, aber dann lächelt sie ihn an, denn Carsten tut ihr furchtbar leid. Seine Eltern haben ihn einfach ins Heim gegeben und kommen ihn nie besuchen. Nie. Kein einziges Mal. Nicht einmal zu Weihnachten. Charlottes Herz zieht sich zusammen und wird bei dem Gedanken ganz klein und kalt – so sehr, dass es weh tut. Herr Deimler kommt und begrüßt alle freudenstrahlend. Er ist der Gruppenleiter, ein Bär von einem Mann, und Michi liebt ihn heiß und innig. Das heißt bei Michi, dass er sich von ihm anfassen lässt. „Michi ist im Zimmer“ sagt er, und Mama geht gleich hinein. Er liegt auf dem Bett und wackelt ein bisschen. Hin und Her, Hin und Her. Charlotte hat das auch schon probiert, findet es aber nicht so beruhigend wie an den Fingernägeln beißen. Ist sowieso egal. Mama mag beides nicht und schimpft dann immer ein bisschen. „Hallo Michael“, sagt Mama. Michi sieht nach links oben zur Decke und rückt zögerlich seine Hand in Mamas Nähe. Jetzt bekommt sie wieder diesen komischen Gesichtsausdruck. Charlotte dreht sich um. Also immer noch kein Wunder. „Gott“, denkt sie, „wenn du eh


#4 / März 2016

alles kannst, dann mach das doch einfach!“ Später gibt es Kaffee und Kuchen. Charlotte sitzt neben Carsten, der von Herrn Deimler gefüttert wird. Die Spucke rinnt ihm aus dem Mund, und Charlotte ekelt sich ein klein wenig. Im Heim riecht es irgendwie auch komisch. Nach Pipi und vollen Windeln. Sie stellt sich Susi vor, die Igitt schreien und weglaufen würde und findet sich ziemlich gut. Daheim bettelt Charlotte, ob sie jetzt zu Susi gehen darf. „Ich glaube, Michi hat heute einen richtig guten Tag. Kannst du ihn mitnehmen, vielleicht darf er ja mit euch spielen?“ Charlotte stöhnt hörbar, aber sie packt Michi an der Hand, und der zockelt diesmal ganz brav mit. Beim Haus von Susi hören sie Stimmen aus dem Garten. Charlotte läutet. Susi öffnet und verzieht ein klein wenig das Gesicht, als sie die Beiden sieht. „Kannst du spielen kommen?“ fragt Charlotte. „Weiß nicht, wir haben nämlich Besuch und mit ihm geht das sowieso nicht – Mami mag doch nicht, dass er reinkommt und wieder alles in der Wohnung durcheinanderbringt.“ „Susi“, ertönt eine Stimme, „deine Freunde können jetzt nicht kommen. Wir haben Besuch!“ Susi zuckt die Achseln. „Tut mir leid, vielleicht morgen.“ Charlotte nimmt Michi an der Hand. „Die kann uns mal – weißt du was, wir schleichen uns an und beobachten sie heimlich“. Durch das Gebüsch sieht sie Susis Mutter mit einer Nachbarin sitzen und Kaffee trinken. “Charlotte war’s“, sagt Susi zu ihr, „mit dem blöden Michi“ Michi rupft Gänseblümchen aus und legt sie ordentlich in Reih und Glied. Charlotte spitzt die Ohren. „Wissen’s Frau Maier“, sagt Susis Mutter, „Der Bub, dieser Michi, ist eine Zumutung, aber trotzdem, i sag’s Ihnen ganz ehrlich, i könnt mein Kind niemals in ein Heim geben, wirklich nie. I weiß gar nicht, wie man als Mutter sowas über’s Herz bringt. Zum Glück hab i ja ein gsundes Kind. Aber wissen’s, der Herrgott wird sich schon was dabei gedacht haben.“ Sie schaut zufrieden in die Runde und schaufelt sich ein Stück Torte in ihren breiten Mund. „Komm“ sagt Charlotte zu Michi, „Komm, wir gehen heim zu Mama.“

Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Campus V, Coworking Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktonsleitung: Mag. Elisabeth Willi Redaktionsteam dieser Ausgabe: Caroline Mallrich, Christina Gasser, Mag. Frank Andres, Gerhard Thoma, Mag. Gernot Hämmerle, Robert Thoma, Sara Bonetti, Simone Fürnschuß-Hofer, Simone König Vertrieb und Zeitungsausgabe Kaplan Bonetti Sozialwerke Gilmstraße 7 6850 Dornbirn Tel. 05572 23061 Wer Zeitungsverkäufer werden möchte, der kann sich am Montag und Mittwoch, von 14 bis 16 Uhr, und freitags von 8 bis 10 Uhr melden. Sie erhalten einen Verkaufsausweis. Ausgabestelle Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag bis Donnerstag 9 bis 11.30 Uhr Ausgabestelle Bludenz do it yourself, Kasernstraße 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Ausgabestelle Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer, DSA Markus Hämmerle DSA Heidi Lorenzi, Dr. Claudio Tedeschi Druck Medien-Druck Salzburg GmbH Auflage 20.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass (www.die3.eu) Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2016 marie. Alle Rechte vorbehalten.

Christinas autistischer Bruder Thomas hat diese Bilder gezeichnet und gemalt.

/ 13


Mittendrin in V

GEMEINSAM GÄRTNERN Die Winterruhe im Garten ist vorbei. Wer keinen eigenen Boden hat, der kann in einem Gemeinschaftsgarten mitmachen. Simone König von der Bodensee Akademie erklärt, wie‘s geht.

Text: Simone König Fotos: www.ortoloco.ch

I

14 /

n Vorarlberg gibt es Gemeinschaftsgärten?“ werde ich oft ungläubig gefragt, wenn ich von dieser Gartenbewegung erzähle. „Da hat doch eh fast jeder einen eignen Garten“, ist meist der Zusatz. Das mag ja so sein, dass viele Menschen in Vorarlberg glücklicherweise über einen Garten verfügen. Aber auch ganz viele haben keinen Zugang zu einem Stück Land, das sie bebauen könnten. Manche haben zwar Land, sehen sich aber nicht darüber hinaus, es allein zu bewirtschaften, und andere möchten nicht alleine gärtnern, sondern suchen die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Und daraus ist hier wie andernorts eine Bewegung entstanden, die die gemeinsame Gewinnung von Essbarem in den Mittelpunkt stellt. Die Zugänge zum Thema Garten und Eigenversorgung sind dabei so verschieden wie die Menschen, die den Boden bebauen. Allen gemeinsam ist das Anliegen, wieder direkten Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen zu bekommen und aus eigener Kraft der lebendigen Vielfalt zu dienen, sowohl bei den Lebensmitteln, als auch bei der Biodiversität.

Erfahrungsaustausch

Zweimal jährlich findet in Vorarlberg ein Vernetzungstreffen „Gemeinsam Landwirtschaften und Gärtnern“ statt. Zu diesen offenen Treffen sind alle bestehenden Gruppen und Interessierten eingeladen. Im Mittelpunkt stehen dabei das gegenseitige Kennenlernen und der Erfahrungsaustausch. Initiiert wurden diese Treffen von der Bodensee Akademie, der ALLMENDA Vorarlberg und dem Bildungshaus St. Arbogast. In den Gesprächen bei den Vernetzungstreffen hat sich herausgestellt, dass es ein paar wichtige Faktoren für das Gelingen eines Gemeinschaftsgartens gibt.

Selbst angebaute Früchte schmecken am besten: Die Belohnung für die gärtnerischen Mühen.

Die Kümmerer

Zuerst mal ist es wichtig, dass zwei bis drei Personen sich zusammenfinden, die das Projekt anfangs tragen möchten. Das sind fürs erste die „Kümmerer“. Sie laden zu einer Infoveranstaltung ein und begeben sich auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Ein Grundstück zu finden stellt sich gerade im dicht besiedelten Vorarlberg oft als nicht ganz einfach dar. Eine erste Anlaufstelle sind Gemeinden und Pfarren, auch ein Inserat im Gemeindeblatt hat schon zu einem Grundstück verholfen. Idealerweise liegt das Grundstück im Siedlungsbereich oder in unmittelbarer Siedlungsnähe. Am idealsten ist es natürlich, wenn die täglichen Wege der Gartenmitglieder daran vorbeiführen. Dann kann die Gartenarbeit auch schnell mal im Vorbeigehen erledigt werden. Außerdem ist es gut, die Bodenverhältnisse zu klären, bevor mit dem Gartenbau gestartet wird. Lehmige Böden sind anders zu behandeln, als sandige, und der Humusgehalt ist ein entscheidender Faktor für den gelingenden Gemüseanbau. Am besten einen erfahrenen

„Sowohl der Garten als auch die Gemeinschaft brauchen Zeit zu wachsen.“ Gemüsegartenbesitzer aus der Umgebung zu Rate ziehen. Und keine Angst, Gemüse kann auf jedem Untergrund gezogen werden, notfalls werden Hochund Hügelbeete angelegt. Der Zugang zu Wasser ist ebenfalls entscheidend. Wenn es am Grundstück kein Wasser gibt, dann kann vielleicht ein großer Container aufgestellt und jemand gefunden werden, der ihn füllt. Auch die Frage nach den Toiletten ist zu klären. Vielleicht gibt es ja öffentliche WCs in der Nähe, oder es ist sogar möglich, ein Kompostklo zu errichten. Einen Sitzplatz mit Schatten zum Zusammensitzen sollte es möglichst schon von Beginn an geben. Noch nicht von Anfang an, aber spätestens dann, wenn


#4 / März 2016

Gemeinsam besser als einsam: In Vorarlberg entstehen immer mehr Gemeinschaftsgärten.

/ 15

die Gruppe größer und die Gartenarbeit intensiver wird, stellt sich die Frage nach einem Gartenschuppen. In den meisten Gemeinschaftsgärten kommen so gut wie keine Maschinen zum Einsatz, es wird von Hand gearbeitet. Zum ersten Umgraben des Grundstücks, zumeist ist es ja eine Wiese, lohnt es sich unter Umständen, Unterstützung beim Umackern zu holen. Die geeigneten Maschinen dazu haben vielleicht die benachbarten Bauern oder der Gemeindebauhof. Der Maschinenring Vorarlberg bietet professionelle Bodenbearbeitung an. Wichtig ist, dass der Boden gut abgetrocknet ist, sonst entstehen Verdichtungsschäden.

Klein und fein beginnen

Und wer die Regenwürmer schonen will, macht die Bodenbearbeitung im August, da halten die Würmer Sommerruhe in tieferen Erdschichten. Sehr schonend für den Boden ist der Anbau von Heukartoffeln im ersten Jahr, Infos dazu findet man im Internet. Nach der Bodenvorbereitung kann das gemeinsame Anbaujahr starten. Ein Schneckenzaun rund ums

Feld oder zumindest die empfindlichen Kulturen erhöht die Erfolgschancen erheblich. Beim Planen des Anbaus ist es hilfreich, sich in der ersten Begeisterung nicht zu übernehmen, sondern klein und fein zu beginnen. Außerdem sollten die Größe des Grundstücks und der Anbauplan aufeinander abgestimmt sein.

Zeit zu wachsen

Sowohl der Garten als auch die Gemeinschaft brauchen Zeit zu wachsen. Im Garten kann man nicht alles vorausplanen, vieles entsteht im Tun, und es gelten die Gesetze des organischen Wachstums. Auch das ökologische Gleichgewicht muss sich im Garten erst einstellen. Gleichzeitig kann man auch im sozialen Miteinander nicht alles vorausplanen. Alle bestehenden Gartengruppen berichten von herausfordernder Gruppendynamik und teilweise starken Veränderungen bei den Mitgliedern. Nach drei bis vier Jahren ist zumeist eine dynamische Stabilität erreicht, und es bleibt immer spannend.

Allmenda Wer mehr über bestehende Gemeinschaftsgärten wissen, auf die Mailingliste der Vernetzung gesetzt werden will oder gerne Beratung beim Aufbau eines Gemeinschaftsgartens haben möchte, wendet sich an: ALLMENDA Genossenschaft, www.allmenda.com, simone.koenig@allmenda.com Homepage Wer aktive Gruppen in Vorarlberg und dem benachbarten Rheintal kennenlernen möchte, schaut am besten auf die Homepage www.wandeltreppe. net. Diese gibt einen ersten Überblick über bestehende Gemeinschaftsgärten und Landwirtschaftsprojekte. Einfach den Menüpunkt Initiativenlandkarte anklicken, bei den meisten beschriebenen Gemeinschaftsgärten gibt es einen weiterführenden Link zur Kontaktaufnahme.


Mittendrin in V

Die gefüllten Bücherregale im Hintergrund verraten es: Lesen ist ­– neben dem Schreiben – Daniela Alges liebstes Hobby .

EINE MORDSFRAU 16 /

Mord und Kriminalfälle sind ihr Hobby: Daniela Alge (40) schreibt jährlich einen Wälder-Krimi. Mittlerweile ist ihr dritter Krimi erschienen. Im Hauptberuf kümmert sich die gebürtige Bizauerin um Kinder, Haushalt und die nachhaltig geführte Landwirtschaft.

Text: Elisabeth Willi, Fotos: Frank Andres

S

ie zieht drei Kinder groß, führt den Haushalt, ist Bäuerin, teilweise Selbstversorgerin – und schreibt so nebenher Krimis, die es in Vorarlberg auf Platz 1 der Bestsellerliste geschafft haben. Eine Mordsfrau eben: die gebürtige Bizauerin Daniela Alge (40). Wenngleich sie sich wohl nicht so bezeichnen würde: Sie wirkt trotz ihrer Erfolge bescheiden und bodenständig. „A körige Wäldare halt“, wie man im Bregenzerwald sagt. Doch der Reihe nach. Die Schrifstellerkarriere der gelernten Kindergartenpädagogin begann vor etwa 15 Jahren mit einer Anzeige für den Fernkurs „Schreiben lernen – Autor werden“. Da sie zu der Zeit alleine in einer Wohnung in Bizau lebte, keinen Fernseher hatte, aber fürs Leben gerne las, dachte sie: „So könnte ich die Abende, die ich zuhause bin, verbringen.“ Gedacht, getan.

Es war damals nicht ihr Ziel, irgendwann Autorin zu werden. „Ich habe von einem Tag auf den anderen gelebt und keine Gedanken an meine Zukunft verwendet“, sagt Daniela. Durch den Kurs wurde aber ihre Freude am Schreiben geweckt. Es folgten Jahre, in denen Daniela im Sommer auf Alpen und im Winter als Ski- und Snowboardlehrerin arbeitete, sie lernte ihren Ehemann Christian Alge kennen, zog mit ihm auf einen Hof in Wangen im Allgäu und gründete eine Familie. Um das Jahr 2009 begann Daniela, ihren ersten Krimi zu schreiben. Ein Krimi, der in ihrer alten Heimat Bizau spielt. Denn hier kennt sie jeden Winkel und jede Gasse. Hätte sie ihre Geschichte in Australien angesiedelt, hätte sie zur Recherche dorthin fahren und wochenlang bleiben müssen – unmöglich für sie. Nach zirka drei Jahren

war Daniela mit ihrem Krimi rund um Kriminalkommissar Waldinger fertig und schickte ihn an vier Verlage. Bald darauf brachte sie ihr jüngstes Kind – Sohn Matteo – zur Welt und erlebte kurz danach quasi eine weitere Geburt: die ihres ersten Buches. Der österreichische Verlag „Federfrei“ hatte sich, während sie im Wochenbett war, mit der Zusage gemeldet, ihren Krimi „Kathrinatag“ herauszubringen. Andere Schriftsteller brauchen Jahre, bis sie einen Verlag finden – wenn es denn überhaupt funktioniert – , bei Daniela klappte es im Handumdrehen. Unter anderem auch deshalb, weil Regionalkrimis immer beliebter werden, meint die Autorin.

Bäuerin und Selbstversorgerin

Sanft hügelig und spärlich bebaut ist der Vorort von Wangen, in dem Daniela mit ihrem Mann Christian Alge (38),


#4 / März 2016

einem gebürtigen Lustenauer, und den drei Kindern Sonja (8), Maja (7) und Matteo (3) lebt. Zu ihrem Hof gehören zwei große Scheunen mit Stall und das Wohnhaus. Einst waren Anwesen und Liegenschaften im Besitz von Christian Alges Großmutter. Heute zählen 50 Hektar Land zum Alge-Hof, insgesamt bewirtschaften die Ex-Vorarlberger zirka 100 Hektar. Sie heuen und verkaufen Heu und Stroh, zusätzlich handeln sie mit Christbäumen. Die Alge-Bauern arbeiten naturnah, verwenden zum Beispiel keinen Kunstdünger. Denn: „Wir möchten unseren Kindern einen gesunden Hof übergeben“, erklärt Daniela. Tiere halten die Alges auch – allerdings nur für den Eigenbedarf. Hochlandrinder in Mutterkuhhaltung, zwei Schweine, Gänse, Hühner und Forellen leben auf dem Bauernhof. Salat und Gemüse zieht Daniela in ihrem Garten. Damit deckt sie ihren Bedarf im Sommer, im Winter bezieht sie die Gemüsekiste. Der sorgsame, nachhaltige Umgang mit den Tieren und der Natur, den Alges praktizieren, spiegelt sich manchmal übrigens in Danielas Krimis wider: In ihrer zweiten Geschichte „Fehltritt mit Folgen“ thematisiert sie die Erweiterung eines Skigebietes und die Verbauung von Grund und Boden in den Dörfern. Daniela ist nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat aber dennoch einen bäuerlichen Hintergrund: Als Kind

Eine moderne Bäuerin, die Krimigeschichten erfindet, aufschreibt – und damit Erfolg hat.

verbrachte sie viel Zeit auf dem Vorsäß – einer Art Voralpe – ihrer Großmutter, und sie arbeitete als Mitzwanzigerin auf Alpen. Auf die Frage, ob sie gerne Bäuerin ist, antwortet sie: „So, wie wir es hier haben, gefällt es mir gut.“

Krimi statt Kochbuch

Die grünen Wiesen hinter Danielas Wohnhaus und der Hof mit den Tieren wirken idyllisch und beschaulich. „Um der Beschaulichkeit zwischen Kindern, Kühen und Kräutern zu entkommen“, sagt die Schriftstellerin mit einem Schmunzeln, „schreibe ich lieber Krimis als Kochbücher.“ Seit ihr erstes Buch im November 2012 herausgekommen ist, hat sie jährlich einen neuen Waldinger-Krimi geschrieben. Ihre 200-Seiten-Bücher sind spannend und gut lesbar. „Auch für jene, die sonst nicht viel lesen“, meint Daniela. Ihre Ideen bezieht sie meist aus dem aktuellen Tagesgeschehen. Gerade eben hat sie mit dem vierten Waldinger-Krimi begonnen. Darin wird Schnee eine große Rolle spielen. Finanziell zahlt sich das Schreiben nicht aus, da sie pro verkauftem Buch im Buchhandel nur 80 bis 90 Cent erhält. „Für mich ist es ein schönes Hobby, das nichts kostet, und ein bisschen Trinkgeld kommt rein.“ Täglich geht Daniela diesem Hobby nach: Jeden Abend schreibt sie mindestens zehn Minuten.

Wenn es gut läuft, natürlich auch länger. Mit dieser konsequenten Arbeitsweise war sie mit ihren letzten beiden Krimis nach jeweils acht Monaten fertig. Tagsüber hat die 40-Jährige alle Hände voll zu tun: Sie kümmert sich um die Kinder, macht die Buchhaltung, kocht für die Arbeiter und hilft beim Heuen. Wie schafft sie es bei diesem Pensum, nebenbei noch zu schreiben? Sie sei bei keinem Verein, mache keinen Sport, sehe nicht fern und meistens bringe ihr Mann die Kinder zu Bett, sagt sie. Da gehe sich dann schon noch was aus. „Ach ja“, fügt sie hinzu, „Den Haushalt nehme ich nicht ganz so genau. Über Fettfinger in den Fenstern und Katzenhaaren unter der Couch kann ich ganz gelassen hinwegschauen.“ Und schließlich bringt der Job als erfolgreiche Krimiautorin auch viele schöne Momente mit sich. Zum Beispiel: „Wenn Buchhandlungen ein ganzes Fenster mit meinem neuen Krimi gestalten. Besonders schön ist es auch, wenn ich in einer Buchhandlung zufällig mitbekomme, wie jemand nach meinen Büchern fragt.“ HINWEIS: Am Freitag, 15. April, 20 Uhr, liest Daniela Alge bei der Veranstaltungsreihe „Literatur und Musik“ in der Bücherei Sulz-Röthis. Ein Jazz-Trio gestaltet das Rahmenprogramm. Der Eintritt ist frei.

Daniela mit ihren Kindern Sonja, Matteo und Maja. Auf dem Alge-Hof wird vor allem Heu hergestellt.

/ 17


Mittendrin in V

EIN AKT DER BEFREIUNG

Der gebürtige Afghane Zaker Soltani sprach vor dreieinhalb Jahren noch kein Wort Deutsch. Heute besucht der 18-Jährige die 7. Klasse im Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch, ist Gewinner des Redewettbewerbs „Sag‘s Multi“ und Mitglied bei KunstVorarlberg. Text: Caroline Mallrich Fotos: Rudi Hämmerle

Z 18 /

aker öffnet die Türe zu seinem Atelier. Es ist hell und lichtdurchflutet. Er selbst wirkt ausgeglichen und lebensfroh. Zaker ist angekommen – angekommen an einem Ort, an dem er sich wohl fühlt, an dem er in Sicherheit ist. Mit acht Jahren flüchtet Zaker Soltani aus Afghanistan mit seiner Familie nach Pakistan. Er will in Freiheit leben, doch die kann er auch an diesem Ort nicht finden. Zaker ist Angehöriger der Hazara, einer schiitischen Minderheit, die verfolgt und diskriminiert wird. Mit 14 Jahren verlässt er dann Pakistan, um nach Europa zu gelangen. Ohne Eltern. Der Vater war von Taliban getötet worden, die Mutter starb im pakistanischen Exil. „Wenn jemand von Afghanistan flüchtet, muss er durch acht Länder reisen, bis er in Sicherheit ist“, schildert Zaker. Hätte er gewusst, wie schwer sein Weg hierher sein würde, hätte er diesen nicht auf sich genommen, betont er heute.

Hoffnung nie verloren

Im Jugendlager von Traiskirchen findet er dann Schutz. Zugleich ist es aber auch ein Ort der Unsicherheit. Er weiß nicht, was jetzt passieren wird und wie sein Leben weitergehen soll. Trotz alledem verliert Zaker nie die Hoffnung. Schnell ist ihm klar, dass er seine Zeit im Lager nicht verschwenden möchte. Täglich nimmt er mit 1000 anderen Migranten am Deutschkurs teil und nutzt auch die Zeit, sich der Kunst zu widmen. Das Ma-

len und Zeichnen ist für ihn eine Möglichkeit, seine Eindrücke der Flucht zu verarbeiten. Nach drei Monaten in Traiskirchen kommt Zaker mit 15 Jahren nach Vorarl­berg. In Feldkirch macht er ein Berufsvorbereitungsjahr. Sein Deutsch verbessert sich stetig. Er fasst einen Beschluss, möchte aufs Gymnasium. In den ersten Monaten muss Zaker sich gegenüber dem Direktor und den Lehrern beweisen. Er muss zeigen, dass er bereit ist zu lernen und das Durchhaltevermögen hat, die Matura zu schaffen. Mittlerweile ist er Gymnasiast in Feldkirch. Seine Lieblingsfächer sind Mathematik und Kulturmanagement. Oft muss er im Vergleich zu seinen Mitschülern das Doppelte an Zeit aufbringen, weil er die deutsche Sprache noch nicht perfekt beherrscht.

Integration durch Bildung

Für Zaker, den Sieger des Redewettbewerbs „Sag‘s Multi“, ist Bildung eine Voraussetzung, damit Integration gelingen kann. „Bildung macht die Welt offener und ermöglicht neue Perspektiven. Menschen, die gebildet sind, denken anders über die Dinge.“ Zaker ist fest davon überzeugt, dass schon ein paar Wortschnipsel den Migranten im Alltag helfen können, um sich wohler zu fühlen und Teil der Gesellschaft zu werden. Selbst wenn sie nur im Supermarkt an der Kasse bezahlen oder beim Bäcker eine Semmel kaufen und sich dabei mit Worten verständigen können, gewinnen sie an Selbstvertrauen. In Afghanistan gibt es kein Recht auf Bildung, deswegen

Zaker Soltani besucht einen Kurs, um Aktzeichnen zu lernen.

„In Afghanistan hätte ich niemals gewagt, so etwas zu malen.“ sind dort auch viele Analphabeten. Für sie ist es nochmals eine größere Herausforderung die deutsche Sprache zu erlernen. Aber selbst das ist möglich, meint Zaker. Ein Blickfang in Zakers Atelier ist ein großes Bild auf Leinwand. Darauf ist eine Menschengruppe zu sehen. Es zeigt Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen, aber auch nackte Frauen- und Männerkörper. Besonders zum Vorschein tritt eine nackte Frau. „In Afghanistan hätte ich niemals gewagt, so


#4 / März 2016

Schuhabstreifer 60 x 36 cm

0,55

ReperaturTuben 250-400 g

1,-

8erToilettenpapier mit Kamilleduft

0,99

Schneeschaufel

40 x 130 cm

2,99

Rest- u. Sonderposten Angebote solange der Vorrat reicht!!!

/ 19

Da.-Unterwäsche

0,25

Für Zaker ist Bildung eine wesentliche Voraussetzung, damit Integration gelingen kann.

Fußmatte

etwas zu zeichnen“, erzählt Zaker. In Österreich hingegen besucht er einen Kurs, um Aktzeichnen zu lernen. Das figurative Zeichnen eines menschlichen Körpers ist für ihn als Künstler interessant. Die Idee für dieses Motiv entstand in einem Restaurant. Dabei stelle er sich vor, wie ein Zusammenleben verschiedener Kulturen möglich sein kann. Seine Antwort darauf ist Akzeptanz und Toleranz: „Wir müssen uns einfach so annehmen, wie wir sind. Dann ist ein Miteinander innerhalb eines Landes möglich.“

Er ist außerdem der Meinung: „Wenn man optimistisch ist, kann man vieles schaffen. Und wenn man mal scheitert, findet man einen anderen Weg.“ Er ist sich bewusst, dass er als Schüler und als Künstler niemals so weit gekommen wäre, wenn ihn nicht andere Menschen unterstützt und gefördert hätten. Nun möchte Zaker diese Erfahrungen zurückgeben. Auch wenn er durch die Schule sehr ausgelastet ist, hilft er anderen Flüchtlingen Deutsch zu lernen.

76 x 46 cm 1 Stk. 3,99 3 Stk. 10,-

Hr. Boxershort

0,55

Lesebrille

+1.00 bis +3.00

1,99

Rest- u. Sonderposten Angebote solange der Vorrat reicht!!!

Bezahlte Anzeigen


Mittendrin in V

Fabienne Landerer kocht und fotografiert leidenschaftlich gerne. Sie ist 19 Jahre alt, in Vorarlberg aufgewachsen und reist jetzt nach der Matura für ein Jahr in Europa herum. Sie verzaubert uns auch aus dem Ausland mit kunterbunten Rezepten. Aus ethischen und ökologischen Gründen verzichtet sie auf tierische Produkte. Weshalb sie in ihren Rezepten Fleischimitate verwendet, erklärt sie so: „Der Fleischgeschmack einer Soja-Wurst geht nicht auf Fleisch zurück, sondern auf ‚Umami‘, das herzhaft schmeckt. Ich möchte auch als Veganerin eimal etwas Herzhaftes, Deftiges essen.“

Deftiges Stroganoff mit Tagliatelle Für 4 Personen. Kostet pro Person zirka 1,70 Euro. Werden die Zutaten im Bioladen gekauft, belaufen sich die Kosten pro Person auf etwa 2,50 Euro.

20 /

Zutaten für 4 Personen:

• 100 g getrocknete Sojaschnetzel • 200 g dunkle Champignons • eine Zwiebel • 100 ml Sojasahne oder Sojamilch • 1 EL Tomatenmark • einen halben TL Sojasauce • 1 EL Mehl • 100 ml Gemüsebrühe • Öl • Salz, Pfeffer, Paprikapulver, veganes Fleischgewürz • Spinat-Tagliatelle

Zubereitung:

Die Sojaschnetzel in einen kleinen Topf hineingeben, mit jeweils einem TL Paprikapulver, Salz und Fleischgewürz würzen. Mit Wasser übergießen und etwa 5 bis 7 Minuten aufkochen lassen, bis sie weich, aber noch bissfest sind. Unterdessen die Zwiebel kleinschneiden und in einer großen Pfanne einige EL Öl erhitzen. Dann die Sojaschnetzel abgießen und mit der Zwiebel

bei großer Hitze zirka 15 Minuten anbraten, bis sie eine schöne braune Farbe bekommen. Hin und wieder einen EL Öl dazugeben. Für den besonderen Geschmack Tomatenmark und Paprikapulver direkt ins Öl geben, kurz anbraten lassen und dann mit den Schnetzel vermengen. Die Champignons kleinschneiden und in Öl einige Minuten anbraten. Dann das Tomatenmark und einen EL

Mehl hinzugeben, verrühren und mit der Gemüsebrühe und der Sahne ablöschen. Die Hitze reduzieren und die Sojaschnetzel mit einem TL Sojasauce hinzugeben. Einen Topf mit Nudelwasser aufstellen und Nudeln nach Packungsanleitung kochen. Mit den restlichen Gewürzen nach Belieben abschmecken und servieren. Guten Appetit!


#4 / März 2016

die welt ist groß und rettung lauert überall. [ ilija trojanow ] Bestellen Sie gratis das neue Programmheft Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast www.arbogast.at | 05523 62501-0 www.facebook.com /arbogast.bildungshaus Bezahlte Anzeige

Bezahlte Anzeige

/ 21

der Ort für Wohnungs­ und Arbeitssuchende

seit über 30 Jahren professionelle Hilfestellung in den Lebensbereichen Wohnen, Arbeit und Existenzsicherung

Wir suchen zum 2. 5. 2016

eine/n SozialarbeiterIn (30 Std.) für unseren Arbeitsbereich Betreute Wohnformen Wenn Sie eine entsprechende Ausbildung haben (Diplom/Mag/BA), selbstständiges und zielorientiertes Handeln gewohnt sind, eigene Standpunkte haben und vertreten, bieten wir Ihnen einen Arbeitsplatz in einem fachlich und menschlich kompetenten Team sowie ein Gehalt nach KV (Minimum E 2.102,– / 30 Std., bei nachgewiesenen Vordienst­ zeiten auch höher). Ihre Bewerbung senden Sie bitte an dowas, Geschäftsführung, Merbodgasse 10, 6900 Bregenz, bettina.tschertou@dowas.at. Weitere Informationen auf www.dowas.at oder unter 05574 9090212.

492 598

Bezahlte Anzeige


Mittendrin in V

Anna winkte dem Kaiser persönlich zu Anna Hämmerle ist Ende Februar im Alter von 109 Jahren in ihrem Heimatort Lustenau verstorben. Nur wenige Tage vor ihrem Tod, trafen wir sie, Österreichs älteste Frau, zum Interview – ohne zu ahnen, dass es ihr letztes sein würde. Wir sprachen mit ihr über Erinnerungen aus ihrem Leben. Text: Gernot Hämmerle Fotos: Markus Gmeiner

S 22 /

eit einem Jahr war sie zu schwach, um ihr Pflegebett zu verlassen. Sie sah und hörte kaum noch etwas und sagte im marie-Interview dankbar: „Hauptsache ich bin immer noch gesund.“ Auf Fotos, die an ihrem 100. Geburtstag, am 29. Mai 2006, gemacht wurden, sieht man Anna Hämmerle noch frisch-fröhlich ihrem Sitznachbarn zuprosten und Walzer tanzen. Als die marie Mitte Februar die Greisin zum Interview besucht, ist sie dann doch etwas gealtert. Sie wohnt zwar immer noch in ihrem Elternhaus in der Vorachstraße in Lustenau, ist aber auf eine Rund-um-dieUhr-Betreuung angewiesen. Ihr Pflegebett kann sie nicht mehr verlassen, dafür wäre sie zu schwach.

Bantli und Läuobli

Erika Percinlic, 76 Jahre alt, ist das einzige Kind von Anna Hämmerle und kümmert sich seit Jahren um sie. Erika ist beim Gespräch mit der marie anwesend, hilft uns, Anna Hämmerles Antworten besser zu verstehen. Denn die 109-jährige erzählt mit schwacher, teils schwer verständlicher Stimme eher bruchstückhaft. Erika ergänzt wenn nötig die Sätze oder Episoden, die sie wohl schon hundert Mal aus dem Mund ihrer Mutter gehört hat. Ob Anna weiß, dass sie mittlerweile die älteste Österreicherin ist? Anna Hämmerle überrascht: „Jessas Maria! Die Älteste? Mir egal, Hauptsache ich bin immer noch gesund!“ Sie erinnert sich noch, wie sie als Kind mit dem Vater in die Schweizer Berge durfte. Und ein Lä-

Anna Hämmerle (Jahrgang 1906) mit einem Foto, das sie als junge Frau zeigt.

cheln huscht über Anna Hämmerles Gesicht, als sie vom „guten Bantli“ (Anm.: eine Art Landjäger) erzählt, den es als Jause zum „Läuobli“ (Anm.: Brotsorte) dazu gab. Und wenn es ganz gut ging sogar noch eine Limo. In ihrem Leben hat Anna viel gearbeitet. Lange Jahre in der Schweiz im Akkord Männerhemden genäht. Sie beginnt vom Krieg zu erzählen. Da fällt auch das Wort Kaiser. Erika Percinlic erklärt: „Wenn sie vom Krieg erzählt, meint sie

zumeist den Ersten Weltkrieg, nicht den Zweiten.“ Als Schulkind habe sie sogar einmal dem Kaiser persönlich zugewunken, erzählt Anna Hämmerle nicht ohne Stolz. Oft habe sie Hunger gehabt. Es habe nichts gegeben, außer vielleicht Stockrüben oder Riebel.

Spontan singt sie ein Lied

Obwohl es sie offensichtlich große Mühe kostet, die Augen beim Erzählen geöffnet zu halten, kann sie herzhaft lächeln,


#4 / März 2016

:

– O RA R L B E R G V IN SCHEN T U M R A LNDEN MEN E T T E B IT M G ZUM UMGAN

Foto: Bilderbox.at

D IS K U S S IO N

Bettelnde Menschen in Vorarlberg sind ein eher neues Phänomen. Das Thema Betteln polarisiert. Bettelnde rufen unterschiedliche Gefühle und Emotionen hervor. Viele Menschen sind verunsichert und reagieren mit Ablehnung. Die Städte reagieren unter anderem mit Bettelverboten, Campingverordnungen, aber auch mit der Unterstützung von Hilfsprojekten in den Herkunftsländern. • Doch welche Maßnahmen sind sinnvoll? • Wie geht die Stadt, wie gehen wir mit BettlerInnen um? • Welchen Platz geben wir bettelnden Menschen in unserer Gesellschaft? Es diskutieren: Michael Meyer, Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Dornbirn Marie-Louise Hinterauer, Sozialstadträtin der Stadt Dornbirn Nina Tomaselli, Abgeordnete zum Vorarlberger Landtag Ferdinand Koller, Mitarbeiter der BettelLobby Wien Tochter Erika Percinlic (76) hat immer wieder ihre Mutter Anna Hämmerle (109) gezeichnet. Anna war die älteste Frau Österreichs.

als sie eine ihrer Lieblingsgeschichten erzählt: wie sie in den 1920er-Jahren aus Jux gemeinsam mit „vier Kärli“ die Straßenbahn in Lustenau entführt hat. Der Schaffner war zu einem Einkehrschwung ins Gasthaus Sandhof gegangen und hatte die Schlüssel stecken lassen. „Die fahrbereite, leere Tram - der Reiz war einfach zu groß. Da sind wir zur nächsten Station gefahren“. Wie ein „Feuerteufel“ sei ihnen der Schaffner nachgerannt ... Anna Hämmerle scheint vor allem ein gutes Langzeitgedächtnis zu haben. Beim Stichwort „alte Lieder“ beginnt sie spontan zu singen. Alle drei Strophen von „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“. Fehlerfrei. Und was wünscht sich Anna Hämmerle zum 110. Geburtstag am 29. Mai? Anna: „Ein Paar Würstli mit einem „Läuobli“ und eine Limonade.“ Den 110. Geburtstag hat Anna Hämmerle nicht mehr erlebt. Sie ist in der Nacht auf den 28. Februar friedlich entschlafen.

FREITAG, 18. MÄRZ 2016 | 19 UHR DORNBIRN, KOLPINGHAUS, JAHNGASSE 20 EINTRITT FREI Eine Veranstaltung der Grünen Bildungswerkstatt Vorarlberg Bezahlte Anzeige

schuhe.möbel.spiele.

6850 Dornbirn · Schulgasse 1 · +(0)5572/284 94 office@klueckar.at · www.klueckar.at Bezahlte Anzeige

/ 23


Mittendrin in V

Alfred Weidinger hat künstlerisches Talent. Aus Styroporkugeln und Fliesenresten fertigt er Dekostücke für Wohnzimmer und Garten. Interessenten für seine Kunstwerke können sich bei den Kaplan-Bonetti-Sozialwerken in Dornbirn melden.

BERUFLICHER NOMADE UND STEHAUFMÄNNCHEN

24 /

Alfred Weidinger erlitt vor drei Jahren einen Herzinfarkt und lebt seit Februar 2015 im Bonetti-Haus in Dornbirn. Durch den Verkauf der marie kann sich der 54-jährige Frühpensionist jetzt wenigstens ein kleines Taschengeld dazuverdienen. Text und Foto: Frank Andres

A

lfred Weidinger („Ich heiße wie der Kräuterpfarrer“) wächst in der Steiermark auf. Geht in Kaindorf zur Schule, absolviert in Graz eine Bäckerlehre, arbeitet zusammen mit seinem Vater in einer Teppichfabrik, geht als Verputzer nach Deutschland, wechselt nach Hartberg in die Backstube. Doch er hält nur drei Monate durch. „Ich war damals knapp 20 Jahre alt. Sechs Tage in der Woche um 2 Uhr aufstehen, war einfach nicht so meins“, erinnert sich der heute 54-Jährige. 1982 verlässt er schließlich die Steiermark und zieht nach Vorarlberg. Doch Weidinger kommt auch im Ländle beruflich nicht zur Ruhe. Ein Jahr lang arbeitet er bei der Firma Fries in Sulz, geht für einen Monat als Bäcker nach Liechtenstein, arbeitet danach in Backstuben in Rankweil und Feldkirch. 1986 dann die Wende. Er heiratet, wird Vater und beruflich sesshaft. Er bekommt einen gut bezahlten Job im Fürstentum, wird Abteilungsleiter bei der Firma Hilcona. Doch 2002

wird seine Ehe, er ist inzwischen Vater von vier Kindern, geschieden. „Das hat mich aus der Bahn geworfen“, erzählt er. Er verlässt die Firma und sein berufliches Nomadenleben geht von vorne los. Er arbeitet wieder als Bäcker in St. Gallenkirch, Bregenz und Hard. Nebenbei jobbt er auch noch als Lagerist in der „Nachtschicht“. 2010 wagt er schließlich den Weg in die Selbstständigkeit, führt ein Bistro. Nur vier Monate später ist das Abenteuer zu Ende. „Es hat mich finanziell gebeutelt. Es war zwar kein Verlustgeschäft, aber unter dem Strich habe ich kein Geld verdient.“ Doch damit nicht genug. 2013 erleidet Weidinger einen schweren Herzinfarkt und wird mit 52 Jahren zum Frühpensionisten. Doch das Geld zum Leben reicht nicht. Er zieht im Februar 2015 ins Bonetti-Haus. Weidinger denkt aber nicht ans Aufgeben. „Ich werde alles dafür tun, dass ich wieder in eine eigene Wohnung ziehen kann.“ Und das 54-jährige Stehaufmännchen freut sich über die marie. „Ich werde durch den Verkauf zwar nicht reich, aber ich kann mir wenigstens ein kleines Taschengeld dazuverdienen.“


#4 / März 2016

S C HAC H - E C K E Lieber Schachspieler, liebe Schachspielerin, Du kannst uns helfen, die marieSchachecke mitzugestalten. Schick uns eine oder gerne auch mehrere Stellungen, die sich als Schach-Rätsel eignen (Mattkombination, Figurengewinn oder einfach Gewinnzug) und natürlich die Lösung dazu, am besten per E-Mail an:

Annika Fröwis – Michael Ernst Graz Open 2014

Pierre Hirtreiter– Annika Fröwis Vienna Open 2014

Welche Matt-Kombination ließ sich die junge Lustenauerin Annika Fröwis nicht entgehen?

Und noch einmal Annika Fröwis in ihrem Element. Mit welchem Zug zwang sie ihren Gegner zur Aufgabe?

Weiß zieht und gewinnt

Schwarz zieht und gewinnt

gernot.haemmerle@mariestrassenzeitung.at Die Stellung sollte aus einer Partie mit Vorarlberger Beteiligung stammen oder zumindest in Vorarlberg gespielt worden sein. Lösung 1. … Sf2+! 0:1. Auf SxSf2 folgt Te1 matt. Und Kg1 SxSe4+ mit Figurengewinn.

Lösung 1. Dxg7+ Kxg7 2. Tfxf7 Kh8 3. Th7+ Kg8 4. Sf6+ Kf8 (oder Kh8) 5. Th8#

/ 25

Zur Anmietung suchen wir laufend

leistbare Wohnungen jeglicher Größe im Raum Bregenz Mieter ist der Verein dowas, wir hinterlegen die Kaution und zahlen die Miete. Die Wohnungen werden von uns an Wohnungssuchende untervermietet, bei auftretenden Problemen sind wir Ansprechpartner und finden Lösungen. Wir haben langjährige Erfahrungen mit derartigen Mietverhältnissen und können auf positive Rückmeldungen unserer VermieterInnen verweisen. Bei Bedarf vermitteln wir auch eine kostengünstige Steuerberatung. Wohnungsangebote richten Sie bitte an dowas, z.Hd. Frau Severine Engel, Merbodgasse 10, 6900 Bregenz, Tel. 05574 90 90 213 oder severine.engel@dowas.at Informationen über unsere Arbeit finden Sie auf www.dowas.at. Bezahlte Anzeige


Interview

„ICH VERMISSE DIE STRASSE“ Er gilt als Fürsprecher der Armen: Papst Franziskus. Umso schöner ist es, dass das niederländische Straßenmagazin „Straatnieuws“ ein Interview mit ihm führen konnte. Ein Gespräch über Franziskus‘ Kindheit, den Reichtum der Kirche und die Pflicht, soziale Missstände anzuprangern.

Text: Stijn Fens, Jan-Willem Wits Fotos: Frank Dries, Staatnieuws / INSP

E 26 /

s ist noch früh, als wir vor dem Dienstboteneingang des Vatikans links vom Petersdom eintreffen. Die Schweizergarde war über unsere Ankunft in Kenntnis gesetzt worden und lässt uns durch. Wir steuern auf das Domus Sanctae Marthae zu, in dem Papst Franziskus wohnt. Das Domus Sanctae Marthae ist aller Wahrscheinlichkeit nach das außergewöhnlichste Drei-Sterne-Hotel der Welt. Das große, weiße Gebäude, in dem Kardinäle und Bischöfe residieren, während sie im Vatikan ihren Dienst leisten oder ihn besuchen, ist auch die offizielle Residenz der Kardinäle während des Konklaves. Hier werden wir ebenfalls erwartet. Wie in jedem anderen Hotel stehen hinter der Rezeption zwei Damen, die uns auf eine Nebentür verweisen. Der Versammlungsraum ist schon vorbereitet. Dieser Raum, der dem Papst unter der Woche als Konferenzraum dient, ist ziemlich groß und mit Schreibtisch, Sofa, Tischen und Stühlen ausgestattet. Dann beginnt das Warten. Marc, der Straatnieuws-Verkäufer, hat von uns allen die meiste Geduld, und wartet in seinem Stuhl sitzend darauf, was als Nächstes kommt. Plötzlich erscheint der offizielle Fotograf des Papstes und flüstert: „Der Papst kommt.“ Und ehe wir uns versehen, betritt er den Raum: Papst Franziskus, das geistliche

Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken. Er trägt einen großen, weißen Briefumschlag. „Bitte setzen Sie sich, Freunde“, sagt er mit einem leichten Handwink. „Wie schön, dass Sie hier sind.“ Aus der Nähe vermittelt er den Eindruck eines ruhigen, freundlichen Mannes, der sowohl energetisch als auch präzise ist. Nachdem er sich niedergelassen hat, entschuldigt er sich dafür, dass er Italienisch statt Niederländisch spricht. Wir nehmen seine Entschuldigung umgehend an. Straatnieuws: Interviews beginnen immer mit einer Frage zu der Straße, in der der Interviewte aufgewachsen ist. Heiliger Vater, welche Erinnerungen weckt Ihre Straße? Welche Bilder kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie sich an die Straßen Ihrer Kindheit erinnern? Papst Franziskus: Von meinem ersten Lebensjahr bis zu meinem Eintritt ins Seminar habe ich immer in derselben Straße gelebt. Es war eine einfache Gegend in Buenos Aires, mit ein- und zweistöckigen Häusern. Es gab einen kleinen Platz, auf dem wir Fußball spielten. Ich erinnere mich daran, wie ich mich früher aus dem Haus schlich, um nach der Schule mit den Jungs Fußball zu spielen. Mein Vater arbeitete in einer Fabrik, die nur ein paar hundert Meter weit weg war. Er war Buchhalter. Und meine Großeltern lebten nur 50 Meter entfernt. Wir lebten alle nur ein paar Schritte voneinander weg. Ich erinnere


#4 / März 2016

/ 27


Interview

28 /

mich auch an die Namen der Menschen, denen ich als Priester das Sakrament, das für so viele, die nach mir verlangten und die ich besuchte, den letzten Trost darstellte, erteilte, weil ich sie liebte. Diese Erinnerungen fallen mir zuerst ein. Haben Sie auch Fußball gespielt? Ja. Waren Sie gut? Nein. Wenn man in Buenos Aires so Fußball spielt wie ich, wird man als pata dura bezeichnet. Das bedeutet, man hat zwei linke Füße! Ich hab trotzdem gespielt, oft als Torwart. Wie haben Sie angefangen, sich persönlich für die Armen zu engagieren? Es gibt so vieles, woran ich mich erinnere, bespielsweise eine Frau, die dreimal die Woche bei uns zu Hause gearbeitet hat, um meiner Mutter zum Beispiel mit der Wäsche zu helfen. Sie hatte zwei Kinder. Sie waren Italiener und hatten den Krieg überlebt. Sie waren sehr arm, aber sie waren sehr gute Menschen. Ich habe diese Frau nie vergessen. Ihre Armut hat mich bewegt. Wir waren nicht reich, normalerweise reichte es bis zum Monatsende, aber nicht viel weiter. Wir hatten kein Auto, fuhren nicht in den Urlaub oder dergleichen. Aber diese Frau benötigte oft ganz grundlegende Dinge. Sie hatten nicht genug, daher gab meine Mutter ihr etwas. Irgendwann ging sie zurück nach Italien und kehrte später wieder nach Argentinien zurück. Ich traf sie wieder, als ich Erzbischof von Buenos Aires und sie bereits 90 Jahre alt war. Ich stand ihr bis zu ihrem Tod im Alter von 93 Jahren bei. Eines Tages gab sie mir eine Medaille des Heiligsten Herz Jesu, die ich immer noch jeden Tag bei mir trage. Diese Medaille - die auch ein Andenken ist - ist mir sehr wichtig. Möchten Sie sie sehen? (Etwas mühsam zieht Papst Franziskus die Medaille hervor, die nach jahrelangem Tragen inzwischen komplett entfärbt ist.) Auf diese Weise denke ich jeden Tag an sie, und daran, wie sehr sie unter ihrer Armut gelitten hat. Und ich denke an all die anderen, die leiden. Ich trage die Medaille, und verwende sie, wenn ich bete ... Welche Botschaft hat die Kirche für Obdachlose? Was bedeutet christlicher Zusammenhalt konkret für sie? Ich denke da an zwei Dinge. Jesus kam ohne ein Zuhause auf die Welt und

wählte die Armut. Die Kirche versucht, uns alle zu vereinen, und sagt, jeder habe das Recht auf ein Dach über dem Kopf. Populäre Bewegungen arbeiten auf die drei spanischen Ts hin: trabajo (Arbeit), techo (Dach) und tierra (Land). Die Kirche lehrt, dass jeder Mensch ein Recht auf diese drei Ts hat. Sie haben oft erhöhte Aufmerksamkeit für Arme und Flüchtlinge gefordert. Befürchten Sie nicht, dass dies zu einer Art Informationsüberflutung in den Medien und generell in unserer Gesellschaft führen könnte? Wenn wir uns mit einem Thema befassen müssen, das nicht angenehm

ist und worüber es nicht leicht fällt zu sprechen, unterliegen wir alle der Versuchung zu sagen: „Ach, lass uns nicht mehr darüber sprechen, es ist einfach zu schwierig.“ Ich verstehe, dass die Möglichkeit der Informationsüberflutung besteht, aber davor habe ich keine Angst. Ich muss weiterhin über die Wahrheit sprechen und darüber, wie die Realität aussieht. Ist das Ihre Pflicht? Ja, das ist meine Pflicht. Ich spüre sie in mir. Es ist kein Gebot, aber als Menschen sollten wir alle so handeln. Befürchten Sie nicht, dass Ihre Unterstützung für Obdachlose und andere


#4 / März 2016

Gruppen, die von Armut betroffen sind, politisch ausgenutzt werden könnte? Wie kann die Kirche sich äußern, um Einfluss auszuüben und gleichzeitig dem politischen Schaukampf fernbleiben? An dieser Stelle gibt es Wege, die zu Fehlverhalten führen. Ich möchte auf zwei Versuchungen hinweisen. Die Kirche muss die Wahrheit sagen und zugleich Zeugnis ablegen: Das Zeugnis der Armut. Wenn man als Gläubiger über Armut oder Obdachlose redet, selbst aber ein Leben im Luxus führt, ist das nicht genug. Das ist die erste Versuchung. Die zweite Versuchung besteht darin, Vereinbarungen mit Regierungen zu treffen. Sicherlich können Vereinbarungen getroffen werden, aber diese müssen klar und durchschaubar sein. Wir verwalten zum Beispiel dieses Gebäude, aber alle Konten werden genau überprüft, um Korruption zu verhindern. Denn die Versuchung der Korruption ist im öffentlichen Leben allgegenwärtig. Sowohl in der Politik als auch in der Religion. Ich erinnere mich daran, wie ich einmal mit großem Bedauern sah, dass die Menschen, als Argentinien unter der Militärherrschaft in den Falklandkrieg mit Großbritannien eintrat, an wohltätige Organisationen spendeten, und dass viele, darunter auch Katholiken, die für die Verteilung dieser Spenden an Bedürftige zuständig waren, diese stattdes-

sen selbst mit nach Hause nahmen. Die Gefahr der Korruption besteht immer. Einmal stellte ich einem argentinischen Minister, einem ehrlichen Mann, der von seinem Amt zurücktrat, weil er einigen Punkten, die nicht transparent genug waren, nicht zustimmte, eine Frage. Ich fragte ihn: „Wenn Sie Hilfe in Form von Mahlzeiten, Kleidung oder Spenden an die Armen und Bedürftigen schicken, wie viel von dem Geld und den Gütern kommt bei denen an, die sie benötigen?“ Er sagte: „35 Prozent.“. Was bedeutet, dass 65 Prozent verloren gehen. Das ist Korruption: ein bisschen für mich, und noch ein bisschen für mich. Glauben Sie, dass Sie bisher unter Ihrem Pontifikat eine Veränderung der Mentalität erreichen konnten, z. B. in der Politik? Ich bin mir nicht sicher, wie ich antworten soll. Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass einige gesagt haben, ich sei ein Kommunist. Aber diese Kategorie ist ein bisschen veraltet. [Er lacht]. Vielleicht drücken wir das heutzutage mit anderen Worten aus ... Marxist, Sozialist ... Diese Worte hat man auch verwendet ... Obdachlose haben finanzielle Probleme, aber sie entwickeln ihre eigene Form von Freiheit. Der Papst hat keine materiellen Bedürfnisse, aber manche halten ihn für einen Gefangenen des Vatikans. Haben

Sie sich schon einmal gewünscht, Sie könnten mit den Obdachlosen tauschen? Ich erinnere mich an Mark Twains Buch „Der Prinz und der Bettelknabe“. Jeden Tag Essen, Kleidung, ein Bett zum Schlafen, ein Schreibtisch, an dem man arbeiten kann, Freunde sind auch da - nichts fehlt. Aber Mark Twains Prinz lebt in einem goldenen Käfig. Fühlen Sie sich hier im Vatikan frei? Zwei Tage, nachdem ich zum Papst gewählt wurde, wollte ich das päpstliche Appartement im Apostolischen Palast beziehen. Es ist kein luxuriöses Appartement. Aber es ist geräumig und groß ... Nachdem ich mir das Appartement angeschaut hatte, erschien es mir ein bisschen wie ein umgekehrter Trichter; obwohl es so groß war, gab es nur eine kleine Tür. Das bedeutet Isolation. Ich dachte: Hier kann ich, einfach aus Gründen der psychischen Gesundheit, nicht wohnen. Das täte mir nicht gut. Anfangs erschien es ein bisschen komisch, aber ich bat darum, hier zu bleiben, im Domus Sanctae Marthae. Und das tut mir gut, denn hier fühle ich mich frei. Ich esse im Speisesaal, wo alle Gäste essen. Und wenn ich früh dran bin, speise ich mit dem Personal. Ich treffe Menschen und begrüße sie; dadurch fühlt sich der goldene Käfig ein bisschen weniger wie ein Käfig an. Aber ich vermisse die Straße.

/ 29


Interview

30 /

Heiliger Vater, Straatnieuws-Verkäufer Marc würde Sie gerne auf eine Pizza mit uns einladen. Was meinen Sie? Das würde ich gerne tun, aber es würde nicht funktionieren. Denn sobald ich hier weggehe, würden die Menschen zu mir kommen. Als ich in die Stadt ging, um meine Brillengläser austauschen zu lassen, war es sieben Uhr abends. Kaum jemand war auf der Straße. Man fuhr mich zum Optiker, und kaum stieg ich aus dem Auto rief eine Frau, die mich sah: „Da ist der Papst!“ Und dann war ich drinnen, und all diese Menschen standen draußen ... Vermissen Sie den Kontakt mit Menschen? Ich vermisse ihn nicht, weil die Menschen hierher kommen. Jeden Mittwoch bin ich für die Generalaudienz auf dem Petersplatz, und manchmal gehe ich zu einer der Ortsgemeinden – ich halte Kontakt zu den Menschen. Gestern kamen z. B. mehr als 5.000 Sinti und Roma zur Vatikanischen Audienzhalle. Offensichtlich genießen Sie Ihre Termine auf dem Petersplatz während der Generalaudienz ... Ja, das stimmt. Ihr Namenspatron der Heilige Franziskus begab sich in radikale Armut und verkaufte sogar sein Evangeliar. Fühlen Sie sich als Papst und Bischof von Rom unter Druck gesetzt, die Schätze der Kirche zu verkaufen?

Das ist eine einfache Frage. Das sind nicht die Schätze der Kirche, sondern vielmehr die Schätze der Menschheit. Wenn ich beispielsweise morgen Michelangelos Pietà versteigern wollte, könnte ich das nicht, weil sie nicht das Eigentum der Kirche ist. Sie befindet sich in einer Kirche, gehört aber der gesamten Menschheit. Das trifft auf alle Schätze der Kirche zu. Aber wir haben damit angefangen, die Geschenke und anderen Dinge, die mir gegeben werden, zu verkaufen. Und die Verkaufserlöse gehen an Monsignor Krajewski, meinen Almosner (Erzbischof Konrad Krajewski, der für die Verteilung von Geldern an die Armen zuständig ist, Anmerkung der Redaktion). Und dann gibt es noch die Lotterie. Wir haben Autos über eine Lotterie verkauft bzw. weggegeben und der Erlös ging an die Armen. Was verkauft werden kann, wird verkauft. Ihnen ist bewusst, dass der Reichtum der Kirche diese Erwartungshaltung hervorrufen könnte? Ja. Wenn wir einen Katalog aller Besitztümer der Kirche erstellen würden, könnte man denken, dass die Kirche sehr reich ist. Aber mit dem Konkordat mit Italien 1929 zur Römischen Frage bot die italienische Regierung der Kirche damals einen großen römischen Park an. Der damalige Papst, Pius XI., sagte:

„Nein, ich will nur einen halben Quadratkilometer, um die Unabhängigkeit der Kirche zu wahren.“ Dieses Prinzip ist immer noch zutreffend. Ja, die Kirche besitzt ein großes Grundvermögen, aber das wird dazu verwendet, um die Strukturen der Kirche aufrechtzuerhalten und die vielen Arbeiten zu finanzieren, die in hilfsbedürftigen Ländern ausgeführt werden: Krankenhäuser, Schulen. Gestern habe ich zum Beispiel veranlasst, dass 50.000 Euro in den Kongo gehen, um drei Schulen in armen Dörfern zu errichten. Bildung ist so wichtig für Kinder. Ich ging zur Verwaltung, stellte den Antrag, und das Geld wurde geschickt. Abschließend hat Straatnieuws-Marc noch ein paar Fragen: Heiliger Vater, haben Sie schon als kleiner Junge davon geträumt, Papst zu sein? Nein. Aber ich werde Ihnen ein Geheimnis erzählen. Als ich klein war, gab es nicht viele Läden, die Waren verkauft haben. Wir hatten einen Markt, wo es einen Metzger, einen Gemüsehändler, etc. gab. Ich ging mit meiner Mutter und meiner Großmutter einkaufen. Einmal, als ich noch recht klein war, vielleicht vier, fragte mich jemand: „Was möchtest du werden, wenn du einmal groß bist?“, und ich antwortete: „Metzger!“ Vor dem 13. März 2013 waren Sie vielen völlig unbekannt. Dann wurden Sie von einem Tag auf den anderen weltberühmt. Wie war diese Erfahrung für Sie? Es geschah unerwartet. Aber ich habe meinen inneren Frieden nicht verloren. Und das ist eine Gnade Gottes. Ich denke nicht wirklich darüber nach, dass ich berühmt bin. Ich sage mir: Jetzt hast du eine wichtige Stellung, aber in 10 Jahren wird dich keiner mehr kennen [er lacht]. Wissen Sie, es gibt zwei Arten von Ruhm: den Ruhm der „ganz Großen“, derjenigen, die wirklich große Taten vollbracht haben, wie z. B. Madame Curie, und den Ruhm der Eitlen. Aber diese zweite Art von Ruhm ist wie eine Seifenblase. Sie sagen sich also: „Ich bin jetzt hier und muss mein Bestes geben.“ und „Ich werde weitermachen, solange ich kann“? Ja. Heiliger Vater, können Sie sich eine Welt ohne Armut vorstellen? Ich möchte eine Welt ohne Armut.


#4 / März 2016

Dafür müssen wir kämpfen. Aber ich bin gläubig, und ich weiß, dass die Sünde immer in uns steckt. Und es gibt immer menschliche Habgier, fehlenden Zusammenhalt und Egoismus, die Armut verursachen. Daher fällt es mir schwer, mir eine Welt ohne Armut vorzustellen. Man denke nur an die Kinder, die als Sklaven oder für sexuellen Missbrauch ausgebeutet werden, oder an eine weitere Form der Ausbeutung, den Organhandel. Das Töten von Kindern, um deren Organe zu entfernen. Kinder zu töten, um deren Organe zu erhalten, ist Habgier. Daher weiß ich nicht, ob wir jemals in einer Welt ohne Armut leben werden, denn es gibt immer Sünde, und das führt zu Egoismus. Aber wir müssen immer kämpfen ... immer. Wir danken dem Papst für das Interview. Er dankt uns auch und teilt uns mit, dass er unser Gespräch sehr genossen hat. Dann greift er nach dem weißen Umschlag, der schon die ganze Zeit auf dem Sofa neben ihm gelegen hat und holt für jeden von uns einen Rosenkranz heraus. Fotos werden gemacht, und dann verabschiedet sich Papst Franziskus von uns. So ruhig und entspannt, wie er bei seiner Ankunft war, verlässt er nun den Raum. Bereit für seinen nächsten Termin. Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Julie Mildschlag.

Ja,

ich werde Mitglied im marie-Freundeskreis. Damit unterstütze ich die Arbeit von marie. Meine Jahresspende beträgt:  60,- Euro (Mindestbeitrag für Schüler/Studenten/Senioren)  100,- Euro 

Euro

Datum/Unterschrift

Meine Adresse:

Name, Vorname

Straße, Nr.

PLZ, Ort

Telefon

/ 31 E-Mail

Beruf

Geburtsjahr

Einzugsermächtigung: Ich erteile eine Ermächtigung zum Bankeinzug meiner Jahresspende. IBAN

BIC

Bankinstitut Wir versichern, dass Ihre Angaben nur für interne Zwecke bei marie verwendet werden. Ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis ist jederzeit kündbar.

✂

Straatnieuws hat das Interview für das Internationale Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP) geführt. Aus dem Pool an Beiträgen des INSP News Service dürfen sich die Mitglieder des Netzwerks honorarfrei bedienen – auch die marie. Infos unter www.INSP.ngo

Bitte Coupon ausschneiden und senden an: marie-Freundeskreis Coworking Campus Hintere Achmühlerstraße 1a 6850 Dornbirn


Gsi

Nobelpreis für Auswanderer aus Vorarlberg Dornbirner „Flüchtlingskind“ Herbert Spencer Gasser machte in den USA Karriere und erhielt 1944 den Nobelpreis für Medizin.

Text: Gerhard Thoma Fotos: Rockefeller Institut, National Academy of Sciences (USA)

32 /

G

emeinsam ist unseren Ländern die Liebe zum Lernen, zu Toleranz, Freiheit und Frieden (. . .) Meine Freude wäre größer, wenn mein Team ebenfalls hier sein könnte. Nun, da ich hier vor Ihnen stehe, möchte mein Herz sprechen, aber ich finde keine Worte. Deshalb sage ich, ganz einfach: Danke.“ Schlichte und klare Worte von Herbert Spencer Gasser anlässlich der Verleihung des Medizin-Nobelpreises am 10. Dezember 1945 in Stockholm. Die „Kür“ zum Nobelpreisträger fand schon 1944 statt, aber wegen des Zweiten Weltkriegs konnte Gasser erst nach Kriegsende 1945 aus den USA nach Schweden reisen. Deutsche U-Boote machten die Überfahrt zu gefährlich.

Rasch heimisch

Herbert Spencer Gasser wurde am 5. Juli 1888 in Platteville, einer kleinen Ortschaft im US-Bundesstaat Wisconsin, geboren. Er entstammte einer Familie aus Dornbirn, die dem tristen wirtschaftlichen und politischen Dasein in Vorarlberg entfloh und in die USA auswanderte. In Wisconsin, im Nordosten an den großen Seen gelegen, fühlten sich die Neuankömmlinge rasch heimisch. Fast die Hälfte der Einwohner in Wisconsin stammen nämlich von deutschen

Nobelpreisträger für Medizin 1944: „Exil-Vorarlberger“ Herbert S. Gasser.

und österreichischen Auswanderern ab. Sauerkraut und Bratwürste sind dort heute noch beliebt.

Überzeugte Demokraten

Herberts Vater, Hermann Gasser, praktizierte als Landarzt in Platteville. Seine Mutter, Jane Elizabeth Griswold Gasser, stammte ebenfalls aus einer Einwander­ erfamilie. Seine Eltern waren überzeugte Demokraten und offen für Neues. Die Evolutionstheoretiker Charles Darwin, Alfred Russel Wallace und Herbert Spencer beeindruckten Hermann Gasser sehr – so sehr, dass Letzterer für den

Namen seines erstgeborenen Sohnes herhalten musste. Herbert Spencer Gasser absolvierte seine Grundausbildung in Platteville. Dankbar erinnerte er sich später an seine Kindheit und Jugend: „Es gab kein Radio und kein Kino. Für Unterhaltung mussten wir selbst sorgen. Wir machten Ausflüge in die Landschaft, im Sommer gingen wir fischen, im Winter Ski fahren. Für weitere Strecken hatten wir Pferde oder fuhren auf einem Anhänger mit.“ Er liebte Bücher, zimmerte Möbelstücke und hatte die größte Freude, als er eine billige Kodak-Kamera zum Fotografieren geschenkt bekam. Trotz einer langen und schweren Krankheit, die ihn ein Schuljahr kostete, erinnerte er sich gerne an seine Schulzeit: „Es war eine ganz normale Schule, die aber außergewöhnliche Qualitäten hatte.“ Damit meinte er den guten Unterricht in Sprachen und die Fähigkeit der Lehrer, ihre Schüler für naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern. Herbert Spencer wollte eigentlich einen technischen Beruf erlernen, aber sein Vater drängte auf ein Medizinstudium. So schlug er 1907 seine Zelte an der Universität von Wisconsin in der Hauptstadt Madison auf. Was der 19-Jährige dort erlebte, bezeichnete er später erneut als Glücksfall. Das medizinische Institut war erst kürzlich eingerichtet worden. In den Hörsälen und Labors tummelten sich „viele junge Leute und enthusiasti-


#4 / März 2016

Herbert S. Gasser an seinem Arbeitstisch als Direktor des Rockefeller Instituts für medizinische Forschung: „Bürokratie ist nur dazu da, um für optimale Arbeitsbedingungen zu sorgen.“

sche Lehrer“. Einen besonderen „Draht“ hatte er zu Prof. Joseph Erlanger, mit dem ihn eine Jahrzehnte lange Freundschaft verband. Erlangers Vater war 1842 als 16-Jähriger allein und völlig mittellos aus einem Dorf in Württemberg nach New York ausgewandert. In den USA schlug er sich als Hausierer und Goldsucher durchs Leben, ehe er sich in Kalifornien niederließ und heiratete. Joseph Erlanger kam 1874 als sechstes Kind zur Welt. Zusammen mit Gasser sollte er 1944 ebenfalls Medizin-Nobelpreisträger werden.

Nervenfasern auf der Spur

Die Forschung wurde von nun an Gassers neuer Lebensinhalt. Zeit seines Lebens sollte Herbert Spencer Gasser mit der medizinischen Grundlagenforschung an verschiedenen Universitäten beschäftigt sein. Sein bevorzugtes Fachgebiet: Nervenfasern und Nervenbahnen. Welche elektrophysiologischen Prozesse spielen sich in Nervenfasern ab? Wie kann man sie am besten messen? Wie hängen diese Prozesse mit unserem Schmerzgefühl zusammen? Wie mit dem Hitze- und Kälteempfinden? Die Antworten auf diese Fragen und die (Weiter-)Entwicklung von passenden Medikamenten und Apparaturen wie EKG und EEG sollten Millionen Men-

schen helfen, ihre Leiden zu erkennen, zu lindern oder zu heilen. Gasser scheute sich auch nicht vor gesellschaftlichen Tabubrüchen. 1926 wurde er aufmerksam auf Helen Tredway Graham, eine begabte Forscherin, der es aber aufgrund ihres „Frauseins“ unmöglich war, eine für ihr Talent angemessene Stelle zu bekommen. Gasser holte Graham in sein Team. In gemeinsamen Publikationen – insgesamt fünf – erwähnt er sie als H.T. Graham, um männliche Vorurteile zu verhindern. Helen Graham brachte es zu einer anerkannten Autorität auf dem Gebiet der Histamine – Hormone, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen.

Paradies für Mitarbeiter

1935 wurde Herbert Spencer Gasser zum Direktor des weltberühmten „Rockefeller Instituts für medizinische Forschung“ nach New York berufen. Der 48-Jährige zweifelte zunächst an seinen administrativen Fähigkeiten. „Aber dann“, so Gasser, „überzeugte mich das Argument, dass es die wichtigste Aufgabe des Leiters einer Forschungseinrichtung ist, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter komplette Freiheit und perfekte Arbeitsbedingungen haben.“ 18 Jahre lang, bis 1953, stand Gasser an der Spitze dieser Eliteschmiede. Und er

schöpfte die finanziellen Möglichkeiten voll aus: Er investierte in topmoderne Labors, ließ Wohnungen und Häuser für die Forscher bauen und sorgte sogar für das nötige Mobiliar. In seiner Amtszeit wurden das Institut erweitert und ein weiteres Krankenhaus errichtet. Daneben fand er genügend Zeit für eigene Forschungen, die 1944 in der Verleihung des Nobelpreises gipfelten. Gasser hat nie geheiratet. Er hatte eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder. Menschen, die ihn näher kannten, beschrieben ihn als „elegante Erscheinung“. Freunden gegenüber war er „warmherzig, loyal und besorgt“. Er konnte aber auch ungeduldig sein und pflegte einen „Humor mit ironischem Grundton“. „Small talk“ mochte er überhaupt nicht. Auch war Gasser ein „schlechter Redner“. Privat hörte er gerne klassische Musik und liebte gutes Essen. Neugierig verfolgte er philosophische und physikalische Debatten. Gassers Arbeitsleben endete am 17. April 1961. An diesem Tag – im Alter von 73 Jahren – erlitt er einen schweren Schlaganfall. Herbert Spencer Gasser, Sprössling einer Vorarlberger Auswandererfamilie, starb am 11. Mai 1963 in New York.

/ 33


Kultur

K U LT U R I N I TAT I V E N I M P O RT R ÄT

Ein Teil der aktiven Mitglieder im Verein. Bis zu 15 Personen arbeiten mit.

Klaus Amann, Obmann des Filmforum Bregenz.

Gute Filme in gemütlichem Ambiente

34 /

Das Filmforum Bregenz belebt die regionale Filmkultur, wöchentlich werden besondere Filme im Originalton gezeigt. Die gesamte Arbeit wird ehrenamtlich gemacht. marie hat stellvertretend für das Filmforum-Team mit Obmann Klaus Amann gesprochen. Text: Elisabeth Willi Fotos: Adrian Biatel/Kammgarn Hard

F

ilme können faszinieren und eine Leidenschaft sein. Weshalb dies bei ihm so ist, erklärt Klaus Amann (59) aus Hörbranz, Obmann des Filmforum Bregenz: „Man bekommt eine Geschichte erzählt und erhält einen Eindruck von einem neuen Thema und/oder einem neuen Land. Dazu hört man meistens gute Musik.“ Außerdem seien Filme – sofern es sich um solche im Originalton handelt – sprachlich interessant. Und: „Man erhält Anregungen, etwas Neues auszuprobieren, Manches in seinem Leben anders zu machen oder zumindest, Andere besser zu verstehen.“ Eine schöne, umfassende Beschreibung, was gute Filme alles bewirken. Gute, anspruchsvolle Filme werden wöchentlich vom Verein Filmforum Bregenz im feinen, gemütlichen Ambiente des Metrokino in Bregenz gezeigt. Meist sind es zwei, manchmal sogar drei. Bei der Auswahl sind den Verantwortlichen vor allem zwei Punkte wichtig: Es sollen Filme abseits des Kommerzkinos sein, die gesellschaftlich relevante Themen behandeln – Themen wie Bildung, Migration, NS-Geschichte, Demenz,

Homosexualität, Kinderrechte usw. Ziel ist es, eine Diskussion zu fördern. Der zweite wichtige Punkt: Alle Filme werden in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt. „Für jemanden, der eine Fremdsprache gelernt hat oder lernt, ist das sehr interessant“, sagt Klaus Amann, der an einem Schweizer Gymnasium Englisch und Spanisch unterrichtet. Doch selbst, wenn man die Sprache überhaupt nicht verstehe, habe es seinen Reiz: Man höre ganz fremde Sprachen wie zum Beispiel das Indische, und ein Film in der Originalsprache des Landes, in dem er gedreht wurde, vermittle ein anderes Gefühl, als wenn er synchronisiert wird. Klaus Amman entdeckte während der zehn Jahre, die er in Wien gelebt hatte, die Welt des Kinos. Danach wohnte er im filmgeisterten Spanien. 1995 kehrte er aus Spanien zurück und war freudig überrascht, dass im Filmforum Bregenz Filme in Originalfassung gezeigt wurden. Erst zwei Jahre zuvor – 1993 – war das Filmforum gegründet worden von den engagierten Filmliebhabern Franz Niedermair, Hildegard Bentele, Erich Miller, Bärbel Sobek und Martin Nagel. Sie wollten durch das Filmforum die Filmkultur in Bregenz und Umgebung beleben und unterstützen.


#4 / März 2016

Klaus Amann kam über seine Arbeit als Lehrer zum Filmforum: Als er damals noch Musik unterrichtete, trat er an die Verantwortlichen mit der Idee eines Schülerprojektes heran, in dem es um Filmmusik ging. Kurze Zeit später war er selbst aktives Mitglied im Verein Filmforum. Zwischen zehn und 15 Personen arbeiten im Verein mit. Sie wählen die Filme aus, bestellen sie und schreiben die Programme. Das alles wird im Ehrenamt erledigt. Kassa und Reservierungen hingegen werden vom Team des Metrokinos übernommen. Weshalb arbeitet jemand seit so vielen Jahren ehrenamtlich? Klaus Amann lacht und sagt: „Es macht Spaß, Filme vorzuschlagen und auszusuchen. Und es ist ein cooler, lässiger Verein ohne strenge Regeln.“ Er müsse fairerweise aber hinzufügen, dass die meiste Arbeit diejenigen machen, die die Filme bestellen und die Programmhefte erstellen sowie verschicken. Klaus Amann könnte einige Geschichten aus all den Jahren erzählen – zum Beispiel davon, dass bis vor drei, vier Jahren die Filmrollen noch per Post geliefert wurden und es manchmal ganz schön spannend war, ob sie überhaupt rechtzeitig ankommen. Oder von Filmrollen, die tiefgekühlt waren und manchmal zusammengeklebt werden mussten. Heute ist das Metrokino mit moderner, digitaler Bild- und Tontechnik, Dolby Surround und 3D ausgestattet. Einem modernen Filmgenuss steht also nichts im Weg. Und wer sich vorstellt, Filme des Filmclubs seien eher spärlich besucht, hätte sich den Film „Suffragette“ ansehen sollen: Kinosaal 2 mit 160 Plätzen war dermaßen voll, dass der Obmann auf der Stiege sitzen musste. HINWEIS: Das Filmforum Bregenz akzeptiert den Kulturpass. Nähere Infos zum Verein und Programm unter www.filmforum.at

Filmforum Bregenz Durchschnittlich 8000 bis 9000 Besucher werden jährlich gezählt. Der Eintritt pro Film beträgt 8 Euro, für 60 Euro ist ein Zehnerblock erhältlich. Schülergruppen und Studenten zahlen 6 Euro. Die über 210 passiven Mitglieder erhalten für den Mitgliedsbeitrag von 10 Euro das Programmheft alle zwei Monate zugesandt. Von Herbst bis Frühjahr findet einmal pro Monat ein Kinderkino für Kinder von 6 bis 12 Jahren statt. Beinahe monatlich gibt es Kooperationen mit verschiedensten Institutionen wie zum Beispiel der VHS Bregenz, der Frauennotwohnung oder „Projekte der Hoffnung“: Die Institutionen zeigen für sie relevante Filme im Filmforum.

Aristide Antonas, Weak Monumental Square, 2013

Aristide Antonas Protocols of Athens Ausstellung 4. März bis 7. Mai / 35

 Vorarlberger Architektur Institut Marktstraße 33 | 6850 Dornbirn | Austria Telefon +43 5572 511 69 | info@v-a-i.at www.v-a-i.at Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr Donnerstag bis 20 Uhr | Samstag 11 bis 15 Uhr Eine Ausstellungsproduktion des S AM Schweizerisches Architekturmuseum, kuratiert von Evelyn Steiner:

Mit freundlicher Unterstützung der Subventionsgeber und Jahrespartner:

Bezahlte Anzeige


Veranstaltungskalender

Di., 8.3.2016, 15 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz, Eintritt: 9,- Euro VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html

Mi., 2.3. bis Fr., 4.3.2016, Frauenmuseum Hittisau, Eintritt: frei

FRAUEN IM NATURGEFAHRENMANAGEMENT

Zur Ausstellung „Ich, am Gipfel. Eine Frauenalpingeschichte“ wurde vom Frauenmuseum Hittisau in Kooperation mit dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich ein Film produziert.

Fr., 4.3.2016, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro 36 /

BUSINESS CLASS

von Martin Suter Ein Theaterabend mit Nikolaus Schmid und René Schnoz: Zwei Manager coachen und fordern sich gegenseitig, indem sie schonungslos bilanzieren, was in ihrer persönlichen Performance zum tragischen, aber auch läuternden Knick geführt hat. Über 15 Jahre lang nahm Martin Suter in seinen wöchentlichen Kolumnen die Wirtschafts-Elite aufs Korn. Nicht den untadeligen Firmenlenker, den es möglicherweise auch noch gibt, sondern dessen Zerrbild. Der Romanautor stach in die Wunde der narzisstischen Charakterschwächen und Statusängste, der hohlen Massnahmen und des Profilierungszwangs.

LANGE HAARE, KURZER VERSTAND

Foto: Spielboden

Fr, 4.3., Sa., 5.3., So., 6.3. und Di., 8.3.2016, ab 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 15,-/AK 18,- Euro Spielbodenchor:

NEBENWIRKUNGEN

Oder: DER SPIELBODENCHOR

RETTET DIE WELT AUCH NICHT

Eine selbstironische Revue über das Älterwerden, die heilenden Kräfte des kollektiven Singens und die unerwünschten Begleiterscheinungen des menschlichen Daseins. In seinem neuesten Programm beschäftigt sich der Spielbodenchor mit den Kollateralschäden des Weltgeschehens. Warum? Weil die Welt zwar schon länger alt aussieht als der Chor, in Atem gehalten von Kriegen, Umweltkatastrophen und kollabierenden Banken, deren Auswirkungen alle kennen. Der Chor wirft ein scharfes Auge auf die dabei auftauchenden unerwünschten Nebenwirkungen und sieht sich selbst mit jenen des unvermeidlichen Alterns konfrontiert.

Mo., 7.3.2016, 19 Uhr, inatura Dornbirn, Eintritt: 5,- Euro

MIT TCM INS GLEICHGEWICHT KOMMEN

Vortrag mit D. Med. Stefan Englert Kopfschmerzen, Allergien und Frühjahrsmüdigkeit erfolgreich mit TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und Akupunktur behandeln. Die sanften Methoden der TCM zielen darauf ab, den Energiefluss im Körper zu stärken, vorhandene Dysbalancen auszugleichen und fehlende Energien wieder aufzufüllen. Dies geschieht durch nebenwirkungsarme Methoden wie Akupunktur und pflanzliche Rezepturen. Darüber hinaus können auch spezielle Ernährungstipps oder Körper-Übungen einbezogen werden. Bei diesem Lichtbildervortrag erhalten Sie einen Einblick in die Wirkungsweise der jahrtausendealten chinesischen Heilkunst. Dazu werden Tipps für den Alltag vermittelt, die man leicht selber umsetzen kann, um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Anmeldungen unter naturschau@inatura.at oder Tel. +43 676 833064770.

Erzählcafe Mitte der 1960er Jahre kamen in Vorarlberg Moden auf, die das „gesunde Volksempfinden“ empfindlich störten: Das galt vor allem für Männer mit langen Haaren, Fachterminus „Gammler“. Sie wurden beschimpft, in Gasthäusern nicht bedient, in der Schule diskriminiert und von der Polizei häufiger als andere Jugendliche kontrolliert. Wie haben sie diese Zeit erlebt? Weshalb wurden sie angefeindet? Welches gesellschaftliche Klima herrschte? Worum ging es ihnen und wogegen begehrten die jungen Leute auf? Im Erzählcafe (jeden zweiten Dienstag im Monat) ist das Publikum am Wort. Das Mitreden ist frewillig, das Zuhören Pflicht.

Foto: Veranstalter

Mi., 9.3.2016, 19:30 Uhr, Kino, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 8,- Euro

HIRNGESPINSTER

Hingeschaut! Filmreihe zum Thema psychische Krankheiten in Zusammenarbeit mit pro mente Vorarlberg. Der 22-jährige Simon Dallinger lebt mit seiner Familie in einer Kleinstadt in Deutschland. Sein Vater Hans hat Schizophrenie, verweigert aber jegliche Behandlung. Die Krankheit macht das Familienleben unberechenbar, und Simon tut alles, um das fragile Familiensystem aufrechtzuerhalten – bis zu dem Tag, an dem erstmals eine junge Frau in sein Leben tritt, die ihm viel bedeutet, und er beginnt sein Leben zu verändern. Ein glaubwürdiger, überzeugend ausbalancierter Debütfilm. Das herausragend gespielte Drama besitzt Drive, tragische Tiefe, Witz und jede Menge Energie, und die leichthändige Inszenierung ist stets der Schwere des Themas gewachsen, das weder reißerisch noch verharmlosend behandelt wird.


#4 / März 2016

Fr., 11.3.2016, 20 Uhr, Rathaus Andelsbuch, Eintritt: frei

„NATIONALSOZIALISMUS IN UNSERER REGION: NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE“

Foto: oropax

Do., 10.3. , Fr., 11.3. und Sa., 12.3.2016, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 15,- Euro

OROPAX-EXPERIMENTAL

2016er-Show Das Chaos-Theater experimentiert, testet, flucht oder feiert öffentlich an seiner neuen noch namenlosen Show. In dieser einmaligen Oropax-Phase verlassen die Brüder bewusst die große Bühne und finden sich in den Wurzeln der Kleinkunst auf den kleineren Brettern wieder, die zum Sprungbrett werden. In „Experimental“ mischen die beiden Extremkomiker die neuesten Ideen mit noch nie dagewesenen, noch neueren Einfällen.

Im Januar dieses Jahres erschien der 5. Band der Reihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ mit dem Untertitel „NS-Belastete aus dem Bodenseeraum“, mit mehreren „Tätern“ aus Vorarlberg. Herausgeber Dr. Wolfgang Proske stellt das Buch sowie das zugrundeliegende Konzept der Buchreihe vor. Dr. Wolfgang Weber wird über vier Vorarlberger Beispiele berichten und problematisieren, welche der Bregenzerwälder Nationalsozialisten in die Kategorien Täter, Helfer, Trittbrettfahrer fallen und welche Konsequenzen eine demokratische Gesellschaft daraus ziehen kann. Veranstalter: Kulturforum Bregenzerwald.

Sa., 12.3.2016, 10 bis 17 Uhr, Frauenmuseum Hittisau, Werkstattbeitrag: 70,- Euro inkl. Führung im Museum und Pausenverpflegung.

Do., 10.3.2016, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 10,-/ AK 11,- Euro

THE WIND IN MY HEART. DAS DACH ÜBER MIR.

Das Stück erzählt vom Wohnen im Eigenheim, im Wohnblock, im Bauernhaus oder in der einfachen Mietwohnung und von den Blicken von Frauen auf ihr Leben in ihrer Behaustheit. Wohnen Frauen mehr als Männer? Haben Frauen ein Zimmer für sich allein? Was spielt sich hinter den Vorhängen und Türen täglich ab und was wird erzählt? Eine Entdeckungsreise ins Innere des Alltags. walktanztheater.com und das Frauenmuseum Hittisau erarbeiteten aus Interviews mit Frauen aus Hittisau und Umgebung ein Theaterstück über vier Wände und das Leben zwischen Traum und Wirklichkeit in Wohnung, Haus oder Garten. Veranstalter: Bludenz Kultur

MEDUSAS FLOSS

Nach Vorarlberg geflohen. Gespräche über Flucht und Asyl Eine Auftragsarbeit des Landestheaters, beruht auf einer wahren Begebenheit. Es erzählt die berührende Geschichte eines afrikanischen Jungen, der aus Sehnsucht nach Selbstverwirklichung, für seinen Traum von einer besseren Welt, sein Leben riskiert und nach Europa flüchtet. Die Autorin Petra Maria Kraxner hat dieses Schicksal mit den dramatischen Ereignissen unserer Gegenwart verknüpft und damit die Textgrundlage für die Inszenierung erarbeitet. An diesem Abend berichten Menschen, die nach Vorarlberg geflohen sind, von ihren Erlebnissen: vom Leben in ihrer Heimat, von der Flucht, vom Ankommen und Bleiben. Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Flucht: Perspektiven des Vorarlberger Landestheaters, als Begleitprogramm zu Medusas Floß. Moderation: Bouthaina Fabach.

ICH BIN VIELES! SCHREIBFRAU, SUCHENDE UND SAMMLERIN.

Schreibwerkstatt mit Eva Maria Dörn Unsere Gedanken und Geschichten erzählen mit Witz, Weisheit und Souveränität von Frauen und ihren Lebenswanderungen. Aufgeschrieben werden sie zu hilfreichen Wegbegleiterinnen. Mit Eva Maria Dörn, Schreibpädagogin und Kunsttherapeutin. Anmeldung: eva.doern@gmx.at oder +43 (0)699 10053230; max. 10 Schreibfrauen.

Di., 15.3.2016, 15 Uhr, Museum Frühmesshaus Bartholomäberg, Eintritt: frei Foto: Veranstalter

Di., 15.3.2016, 19 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz, Eintritt: 9,- Euro

SPIELRUNDE AM MONTAFONERTISCH

Wir laden zur 1. Spielrunde und wollen dabei schon fast vergessene Brett-, Karten-, Geschicklichkeits- oder lustige Unterhaltungsspiele neu beleben. Wer Interesse hat, kann auch gerne dazu seine Ideen inklusive Spielematerial einbringen oder sich neugierig auf diesen Spielenachmittag einlassen. Wir freuen uns über Ideen, wie sich die Leute früher in gemütlicher Runde mit Spielen unterhalten haben.

/ 37

Foto: Veranstalter

Do., 17.3.2016., 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 13,-/AK 15,- Euro

DIE EISERNEN

Komödie von Aldo Nicolaj In diesem Stück begegnen sich Bruno, Luggi und Elvira in einem Stadtpark. Nach ihrer Pensionierung sind alle drei einsam geworden und freuen sich über neue Freundschaften, die immer noch möglich sind. Vor allem haben alle drei ihren Humor nicht verloren, weshalb sie dem eigenen Älterwerden und deren Beschwerlichkeiten mit Selbstironie und Sarkasmus entgegentreten. Dieses Stück ist in erster Linie eine Komödie, die es versteht, die Begegnung dieser älteren Menschen mit viel Witz und Überzeugung auf die Bühne zu bringen, es ist aber auch poetisch und einfühlsam. Eine Co-Produktion der Villa Falkenhorst und kult pur Nüziders.


Veranstaltungskalender

Fr, 18.3.2016, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/AK 22,-Euro

So., 20.3.2016, 14:30 bis 15:30 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz, Eintritt: 5,- Euro pro Familie

CIA TRIO FEAT. HARRY SOKAL

DAS KLEINE ICH-BIN-ICH SPRICHT TÜRKISCH

Peter Madsen’s 60 Birthday Celebration Weekend Madsen hat mit Herwig Hammerl am Bass und Alfred Vogel an den Drums in den letzten 5 Jahren 2 Alben eingespielt, von denen das letztere „Elvis never left the building“ vom New York Jazzrecords Magazin 2014 zu den 10 besten Alben des Jahres gewählt wurde. Im Verbund mit einem langjährigen Weggefährten, einem der wohl bekanntesten Saxophonisten aus Österreich, Harry Sokal, werden sie Ausschnitte aus beiden Alben präsentieren.

Auf der Suche nach der eigenen Identität trifft das kleine Ich-bin-ich viele verschiedene Tiere, die alle ganz anders aussehen und dem Ich-bin-ich auch nicht sagen können, wer es genau ist. Zum Schluss findet das kleine Wesen heraus, dass es einmalig und individuell ist und gar nicht so sein muss wie irgendein anderes Tier. Seine Stärken und Fähigkeiten unterscheiden es von den anderen und selbstbewusst sagt es: „Ich bin ich!“. Lesung für Kinder von 5 bis 7 Jahren in türkischer Sprache mit Isminaz Basar.

Mo., 21.3. und Di., 22.3.2016, 9 bis 12 Uhr, Tehater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: frei. Refugees Welcome!

CLOWN-WORKSHOP

Foto: Veranstalter

38 /

Sa, 19.3.2016, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/AK 22,- Euro

MICHAEL MUSSILAMI TRIO FEAT. PETER MADSEN

Peter Madsen’s 60 Birthday Celebration Weekend Michael Mussilami ist einer der innovativsten Gitarristen aus New York und ebenfalls ein langjähriger Weggefährte von Madsen. Zusammen mit der legendären Rhythm Section George Schuller an den Drums und Joe Fonda am Bass werden hier kreative neue Stücke aus der Feder von Mussilami zu hören sein.

Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 ZVIERE-KINDERCAFÉ

jeden Montag von 15 bis 17 Uhr / Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt!

mit Lisa Suitner & Ayman Jndi Ein Clown berührt Herzen, kitzelt das Lachen und die Freude aus den Menschen, scheitert grandios an den einfachsten Aufgaben und gibt niemals auf! Und dafür braucht es so gut wie keine Worte – denn der Clown lebt von Gefühlen und um diese auszudrücken, verwendet er seinen Körper, seine Mimik und Gestik. Clownfrau Lisa Suitner und der Schauspieler Ayman Jndi laden euch ein, den Clown in euch zu finden: Stolpere über deine eigenen Beine, erkläre wichtige Dinge ohne Worte und sei mutig genug, über dich selber lachen zu können! Mach mit! Perfekte Deutschkenntnisse sind nicht notwendig. Alter: ab 5 bis 120. Anmeldung: bis 18. März unter office@ saumarkt.at.

MEDITATIONSGRUPPE

jeden Montag um 18.30 Uhr

FRAUENCAFÈ

jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen

SPORTNEIGUNGSGRUPPE

jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9

Foto: Veranstalter

Do., 31.3.2016, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: frei

ALPINALE LÄNDLE-TOUR

Seit 30 Jahren werden bei der ALPINALE fabelhafte Filme aus aller Welt gezeigt. Im Wettbewerb um ein „Goldenes Einhorn“ wählen Jury und Publikum ihre Favoriten. Die acht beliebtesten Kurzfilme des Festivals 2015 sind hier noch einmal zu sehen. Veranstalter: Kultur.LEBEN

MITTAGSTISCH

jeden Freitag mitkochen ab 10.00 / mitessen ab 12.00 – Bio-Regional-Fair / gib was es dir wert ist

LITERATUR TANKSTELLE

jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr

NÄHWERKSTATT

jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!


#4 / März 2016

VORARLBERGRÄTSEL Kennscht d´Rekorde?

9

8

3 11

1. Wo befindet sich Vorarlbergs höchster Kirchturm?

2 7

2. Vorarlbergs kleinste Gemeinde (Einwohner)

6

3. Vorarlbergs größte Gemeinde (Fläche) 4. Höchster Berg im Bezirk Dornbirn 5. Höchster befahrbarer Gebirgspass Vorarlbergs

1

14 5 13

/ 39

6. Kleinste Gemeinde des Landes (Fläche)

15/12

4

7. Kleinster Bezirk Vorarlbergs (Einwohner) 8. Höchstgelegene Gemeinde Vorarlbergs

10

9. Einzige Vorarlberger Gemeinde ohne zentrale Wasserversorgung 10. Ältestes Gebäude Dornbirns (13. Jhd), siehe Bild 11. Ältester Biererzeuger Vorarlbergs 12. Größte Marktgemeinde Österreichs (Einwohner), Senkrecht 13. Westlichste Gemeinde Österreichs 14. Standortgemeinde des höchsten Riesenmammutbaums Österreichs (56,3 m) 15. Größter Stausee Vorarlbergs, Waagrecht Lösung 1. Höchst, 2. Dünserberg, 3. Gaschurn, 4. Sünserspitze, 5. Bielerhöhe, 6. Röns, 7. Bludenz, 8. Warth, 9. Meiningen, 10. Schlossguggerhaus, 11. Mohrenbrauerei, 12. Lustenau, 13. Meiningen, 14. Dornbirn, 15. Lünersee

Foto: Friedrich Böhringer


Unsere Angebotsvielfalt: · Abbrüche · Bauschlosserei · Bild & Rahmen · Carwash · Catering-/ Gastrowerkstatt · Gartenarbeiten

· Hausmeisterdienste · Komplettierung · Metallteile in Serie · Montage · Näharbeiten in Serie · Paletten · Personalleasing

Secondhand & Neuware: Haben Sie alte „Sachen” in einem guten Zustand, die Sie nicht mehr benötigen? Spendenannahme nach telefonischer Vereinbarung unter 05574/54254. Sämtliche Kinderartikel können nach Terminvereinbarung auf Kommissionsbasis abgegeben werden.

www.integra.or.at Bezahlte Anzeige

· Post-Partner · Reinigung · Spielgeräte · Umzüge · Verpackung · Versand · Vollholzprodukte

2 x in Bregenz: Kornmarktstr. 18 Mo – Fr 9 – 18 Uhr Sa 9 – 16 Uhr

Mariahilfstr. 45 Mo – Fr 8 – 12 Uhr 14 – 17.30 Uhr Sa 9 – 12 Uhr

gestaltung.zone

FTRAG IHR AU HEN MENSC HILFT dung und Bil Arbeit ende h eitsuc für Arb


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
marie 4 / März 2016 by marie - Die Vorarlberger Straßenzeitung - Issuu