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marie 33/ November 2018

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2,70 Euro

davon 1,35 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer

Sind Sie unzufrieden? Wie uns Unzufriedenheit voran treibt – oder krank macht.

Vorarlbergs reiche Natur Diesmal in unserer marie-Serie: Was die Brennessel alles kann.

Mahsas (18) Geschichte Vom Krieg in Afghanistan auf die Schulbank in Dornbirn.

Kinder der Landstraße Wie Roma-Familien in der Schweiz zerrissen wurden.

Mann oh Mann

Illustration: martindietrich.at

Wann ist ein Mann ein Mann? Die Rollenbilder sind heutzutage verwischt, irgendwo zwischen Macho und Softie. Wir haben eine Gesprächsrunde ins marieThemencafé eingeladen, um die Frage zu klären: Wie sieht das Mannsbild 4.0 aus? Seiten 22 bis 25.


Bildungshaus Batschuns Ort der Begegnung

Begehren neu entfachen | Paarseminar Sophia Rickenbacher, Mitlödi | CH Fr 30. Nov. 18.00 h – So 2. Dez. 16.00 h — Lehrgang Interkulturelle Kompetenz | Leben und Arbeiten in interkulturellen Zusammenhängen Dr. Safah Algader | Mag. a FH Lisa Kolb-Mzalouet Start: 11. – 13. März 2019 bis November 2019 Anmeldeschluss: 18. Jän. 2019 — Info und Anmeldung Bildungshaus Batschuns | T 055 22 / 44 2 90 - 0 bildungshaus@bhba.at | www.bildungshaus-batschuns.at TANDEM | Hilfe für Angehörige und Begleitpersonen von Menschen mit Demenz Im Rahmen der Aktion Demenz bietet das Angebot landesweit Hilfe an. TANDEM wird individuell organisiert, ist kostenfrei und findet in geschütztem Rahmen nahe Ihres Wohnortes statt. Information und Anmeldung: Dr. in Esther Schnetzer T +43 (664) 381 30 47 esther.schnetzer@bhba.at www.bildungshaus-batschuns.at

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Gesprächsrunde der AIDS-Hilfe Vorarlberg in Kooperation mit der Infektionsambulanz Feldkirch

Positiv informiert

Schöner und gesünder leben ohne Plastik!

Fachinput mit offener Frage- und Diskussionsrunde für alle Buchautor und Kommunikationswirt

Matthias Gerschwitz Offen oder geheim: Vom Umgang mit HIV Inhalt

Plastikfrei leben - geht das? In 130 Tagen wollte Frau Amann es schaffen, mit der ganzen Familie plastikfrei zu leben. Wie es ihr dabei ergangen ist und welche Erfahrungen sie dabei sammeln konnte, erzählt sie an diesem Abend. Und natürlich gibt es auch praktische Tipps, die wir in den Alltag einbauen können.

Zeit Ort Kosten

Dienstag, 27. November 2018 von 18 – 19:30 Uhr Energieinstitut Vorarlberg Keine. Anmeldung erforderlich

Tom Neuwirth (Conchita Wurst) hätte es fast erwischt: Auch 2018 kann man mit HIV erpressbar sein. Was spricht für offenen Umgang, was dagegen? Ist die Gesellschaft bereit, HIV aus der »Schmuddelecke« zu holen? Wann: Mi. 14.11.2018 um 19:00 Uhr Wo: Stadtbücherei Dornbirn, Schulgasse 44 Keine Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

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Mittendrin in V 4-7 Positiver Asylbescheid Mahsas (18) Flucht aus Afghanistan nimmt gutes Ende 8-9 Schuldenberaterin Simone Strehle-Hechenberger und ihr neuer Job 10-11 Macht Unzufriedenheit krank? Ein Gespräch mit Dr. Georg Weinländer 12-13 Zenlehrer und evangelischer Pfarrer Interview mit Marcel Steiner 14-15 Noten sind fair und die Erde ist eine Scheibe Kritische Schulbetrachtung von Autorin Daniel Egger 16-17 „Gefühl, das Richtige zu tun“ DDr. Klaus Gasser über seine Arbeit im Hospiz am See 17 Impressum 18 Abschied in Würde Verein auf der Suche nach neuen RitualleiterInnen 19 Die Brennnessel Pflanzenporträt einer ganzjährigen Heilerin 22-25 Wann ist Mann ein Mann? Die marie lud zu erstem Themen-Café 26 Wenn Erzählen verbindet Mehrsprachiger Treffpunkt im KinderCampus Höchst 28-29 Cannabis-Diskussion Drogenberater für staatlich kontrollierte Freigabe 30 Waste‘s End Ein umweltbewusstes Plädoyer für das Stofftaschentuch 30 Schachecke 31 Rezept

Gsi 32-33

Kinder der Landstraße Wie scheinbare Hilfe in Katastrophe endete

Kultur 34-35 Heute ist wieder Kuno! Verein für Kinderkultur mischt Szene auf 36 Speakdating Neues Projekt des vorarlberg museum 36 Rätsel 37-39 Veranstaltungskalender

marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo

Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, wann ist ein Mann ein Mann? Würden Sie das Attribut „männlich“ eher dem Macho zuordnen, der, so wie auf unserem Titelbild, mit einer hübschen Blondine im schnellen Flitzer unterwegs ist, oder dem emanzipierten Hausmann, der kocht, bügelt und noch dazu aufs schreiende Baby aufpasst? Frauen haben sich über Jahrhunderte hindurch mehr Rechte erkämpft. Spätestens seit dem Ende der 1970er Jahre ist der Feminismus zunehmend stärker geworden. Traditionelle Rollenbilder sind überholt, haben sich gewandelt und verändern sich noch. Wie sieht es nun eigentlich mit dem Mann-Sein aus? In unserem neuen Format, dem „marie Café“, laden wir ausgewählte Gäste zum Diskurs über spannende gesellschaftliche Themen ein. In der vorliegenden November-Ausgabe wollten wir einmal die Frage in den Fokus stellen, was heute als „männlich“ gesehen wird. Das Ergebnis unserer ersten Gesprächsrunde, die herkömmliche und neue Männerbilder unter die Lupe nimmt, finden Sie auf den Seiten 22 bis 25. Lesen Sie, was Bestseller-Autor Robert Schneider („Schlafes Bruder“), Ex-Profi-Eishockey-Spieler Conny Dorn, Kabarettistin Maria Neuschmid, Jugendarbeiter Markus Schwarzl und Jogy Wolfmeyer, Gründer des Vereins „Homosexuelle Aktion Vorarlberg“, zum Thema Mann-Sein zu sagen haben. Zwei weitere Themen haben uns in dieser Ausgabe etwas tiefergehend begleitet: das Sterben bzw. Abschiednehmen und das Unzufriedensein. Zu ersterem sprachen wir mit DDr. Klaus Gasser, dem ärztlichen Leiter des Hospiz am See über Kapazitätsgrenzen und den letzten Lebensabschnitt (Seiten 16/17) und mit Mirjam Steinbock, Obfrau des überkonfessionellen Vereins „Abschied in Würde“, der gemeinsam mit Angehörigen Trauerfeiern gestaltet und durchführt (Seite 18). Zum Thema Unzufriedenheit holten wir Ratschläge von Dr. Georg Weinländer, Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin am LKH Hohenems (Seiten 10/11) und Marcel Steiner, langjähriger Meditationslehrer und Geistlicher (Seiten 12/13). Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre der November-Ausgabe Ihrer Vorarlberger Straßenzeitung! Herzlich, Christina Vaccaro, Redakteurin

Kontaktieren Sie uns

Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

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MAHSAS GESCHICHTE

„Fluchtroute“, „Schlepperbande”, „Asylbescheid“: Es ist die persönliche Erzählung, die uns oft erst wirklich ins Begreifen bringt. Die uns zeigt, wie viel Schicksalhaftes, wie viel Angst, Hoffnung und Leid in diesen Begriffen steckt. Mahsas Geschichte ist dabei nur eine unter zigtausenden. Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Frank Andres

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ls ich den Termin mit Mahsa Amini, 18, vereinbare, wissen weder sie noch ich, dass ihre Fluchtgeschichte sehr bald eine mit gutem Ausgang werden würde. Ich möchte mit der jungen Afghanin über ihre

Heimat, ihr Abtauchen in die Illegalität, über ihre beschwerliche Flucht und ihr Ankommen in Vorarlberg sprechen. Seit drei Jahren wartet sie auf ihren Asylbescheid. Als wir uns vor dem vereinbarten Lokal begrüßen, bin ich erst einmal überrascht: Lachend steht Mahsa vor mir, roter Pulli, enge Jeans, Turnschuhe. Ihr Blick ist offen und neugierig. Ihrem

Aussehen nach hätte ich sie als eine hier sozialisierte Jugendliche mit ostasiatischer Herkunft eingeordnet. Sie gehöre zur Ethnie der Hazara wird mir Mahsa später erzählen und über die digitale Suchmaschine werde ich erfahren, dass mongolische Einflüsse auf diese afghanische Volksgruppe als historisch belegt gelten. Nicht nur ethnisch, auch kon-


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Mehrfach hat sie um ihr Leben gebangt: Mahsa Amini, 18, erzählt, wie sie den weiten Weg von Afghanistan bis nach Vorarlberg geschafft hat.

fessionell stellen die schiitisch islamistischen Hazara eine Minderheit dar. Tagtäglich sind sie deshalb in Afghanistan Diskriminierung und der Gefahr von Anschlägen durch die Taliban und weitere Terrormilizen ausgesetzt.

Bildung unter Lebensgefahr

Noch bevor ich meine erste Frage stelle, platzt Mahsa mit einer brandaktuellen Neuigkeit heraus, die ihr Leben soeben entscheidend verändert hat: Zehn Minuten vor unserem Treffen haben sie und ihre Familie erfahren, dass ihr Asylantrag bewilligt wurde. Das bange Warten hat ein Ende. Für die junge Frau bedeutet dies nicht nur Sicherheit, sondern endlich auch Perspektive. Eine Perspektive, die sie sich mit ungeheurem Mut erworben, für die sie Rückschläge und große Gefahren in Kauf genommen hat und zu der ihr auch das Glück die eine oder andere Wegschneise bahnte. Mahsas Geschichte beginnt in Daikondi – in jener zentralafghanischen Provinz, wo sie geboren ist und gemeinsam mit Vater, Mutter und ihren zwei älteren Brüdern einen Teil ihrer Kindheit ver-

„Viele Familien ließen ihre Töchter nicht mehr zur Schule gehen, aber ich bin trotzdem gegangen. Erst nach fünf Monaten hat die Polizei für Ordnung gesorgt.“

brachte. Eine kleine Landwirtschaft sicherte anfangs den Familienunterhalt. Bald erforderte allerdings die politische Situation einen Umzug in die afghanische Provinz Herat, wo Mahsa eine Mädchenschule besuchen durfte. Doch Bildung für Mädchen ist in Afghanistan unerwünscht. Mehr noch, lebensgefährlich: Zweimal sei in der Schule das Wasser vergiftet worden, einmal drohten den Schülerinnen vor dem Gebäude mit Messern bewaffnete Männer. „Viele Familien ließen ihre Töchter nicht mehr zur Schule gehen, aber ich bin trotzdem gegangen. Erst nach fünf Monaten hat die Polizei für Ordnung gesorgt“, erzählt Mahsa. Nicht nur Frauen, auch Männer aus der Bildungsschicht seien der permanenten Gefahr von Angriffen ausgesetzt: „Gebildete wie Ärzte und Lehrer werden von den Taliban getötet, wenn sie gefasst werden. Reisen im Auto oder Bus sind deshalb sehr gefährlich. Sie müssen das Flugzeug nehmen“, zeichnet Mahsa ein Bild von einem Land, wo Terror Alltag ist.

Der erste Fluchtversuch

Die Zeit in Herat war von einem großen ersten Schicksalsschlag für die Familie Amini geprägt. Von einem jobbedingten Aufenthalt im Iran kam Mahsas ältester Bruder nicht mehr zurück. Ein Arbeitsunfall auf der Baustelle kostete ihn sein Leben. Weitere Umstände, die schließlich zur Flucht in den Iran geführt haben, sind der Redaktion bekannt, möchte die Familie aber aus Angst vor Gefährdung ihrer Sicherheit nicht mit der breiten Öffentlichkeit teilen. Nur soviel: Vom Vater fehlt bis heute jede Spur. Mahsa,

ihre Mutter und ihr zweiter Bruder können für ein Jahr im Iran untertauchen. Bis der Bruder bei seiner illegalen Arbeitsstelle geschnappt wird. „Er sollte gegen Geld in den Krieg nach Syrien geschickt werden, doch unsere Mutter wollte nicht noch einen Sohn verlieren“, erzählt Mahsa, wie es zur endgültigen Entscheidung zur Flucht nach Europa kam. Dem Bruder gelingt es, den iranischen Behörden zu entkommen. Beide Kinder, damals 15 und 16, brechen alleine auf, wollen im Auto mittels Schlepper in die Türkei flüchten. Die Mutter bleibt im Iran zurück, ihr Asthmaleiden macht es ihr unmöglich, sie zu begleiten. Bange drei Tage lang warten die Jugendlichen mit vielen anderen Flüchtenden im Grenzgebiet, es gibt kein Wasser, alle werden krank. Noch während der Schlepper auf einen geeigneten Zeitpunkt für den illegalen Grenzübertritt wartet, werden sie von der Polizei aufgegriffen. Der Schlepper ist indes mit dem Geld über alle Berge. Aber das Unerträglichste: Die kranke Mutter weilt nach wie vor illegal im Iran, während die Kinder nach Afghanistan zurückgeschickt werden. Bei einem Bekannten seien sie untergekommen, schutzlos den Gefahren in der einstigen Heimat ausgeliefert.

Immer wieder Todesangst

Die Geschwister wagen erneut die Flucht: „Wir sind über Pakistan in den Iran geflohen, das war die schlimmste Zeit für mich. Ich war die einzige Frau zwischen Hunderten von Männern und habe den Tschador getragen. Nur meine Augen waren sichtbar. An der pakista- >>

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„Die Polizei hat auf unsere Autos geschossen. Ich weiß nicht, wie viele Leute dabei gestorben sind. Wir sind einfach weitergefahren und hatten Glück.“

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nischen Grenze sagten sie, alle dürfen weitergehen, mich als Mädchen wollten sie dabehalten. Aber die Männer – allesamt Hazara – haben gesagt, ich bin ihre Schwester, sie haben mir Schutz gegeben und für ein bisschen Geld durften wir alle passieren. Zehn Tage waren wir unterwegs, in Pakistan haben uns eines Nachts in der Wüste die Taliban überfallen. Ich habe vorne im Fahrzeug geschlafen, irgendwann hörte ich alle schreien, es wurde geschossen und ich dachte, das sei mein Tod. Ich wusste nicht, wo mein Bruder ist, wusste nicht, soll ich im Auto bleiben oder weglaufen, mein ganzer Körper hat vor Angst vibriert. Dann öffnete jemand die Autotür, ich dachte, es sei ein Taliban, aber es war mein Bruder, der sagte, wir müssen wegrennen. Wir haben uns dann in einer Mulde in der Wüste versteckt, bis ein Fahrer uns zum Weiterfahren aufforderte. Das war die schrecklichste Nacht meines Lebens, weil ich wusste, wenn du als Hazara-Frau von den Taliban gefasst wirst, töten sie dich gleich oder . . . “. Mahsa hat keine Lust, ihr Wörterbuch zu bemühen, um zu übersetzen, was so vielen

Mahsa darf bleiben. Bonjour Leben, Bonjour Zukunft.

Frauen angetan wird. Angekommen an der iranischen Grenze, ist das Martyrium noch nicht zu Ende. Die Entbehrungen in Bezug auf Hygiene, Schlaf und Nahrungsmittel sind dabei groß aber zweitrangig: „Die Polizei hat auf unsere Autos geschossen. Ich weiß nicht, wie viele Leute dabei gestorben sind. Wir sind einfach weitergefahren und hatten Glück. Über die Grenze mussten wir zu Fuß, drei Stunden sind wir nur gerannt. Ich war unter enormem Stress. In der Wüste haben wir dann wieder auf Fahrer gewartet, die uns nach Teheran zu unserer Mutter brachten.“ Bezahlt wurden die Schlepper von Mahsas Tante und Onkel. Die vorläufige Sicherheit ist jedoch trügerisch. Noch immer sind sie illegal im Iran und müssen eine neuerli-

che Abschiebung nach Afghanistan und damit um ihr Leben fürchten. Sie starten ihren zweiten Fluchtversuch nach Europa. Diesmal gemeinsam mit der Mutter. Bis zur Grenze Iran-Türkei sind sie erneut im Auto unterwegs, dann geht es in einem beschwerlichen Fußmarsch über die Berge in die Türkei. Schlepper bringen die Familie bis nach Istanbul. Die Bootsfahrt nach Griechenland, erinnert sich Mahsa, war gefährlich „wegen der viel zu vielen Menschen im Boot“. Doch die Hoffnung sei stärker gewesen als die Angst. „Ich habe nur an meine Mutter gedacht, weil sie so krank war. In Griechenland bekamen wir sofort trockene Kleidung und eine warme Suppe. In dem Moment war ich glücklich, wir hatten alles Gefährliche überstanden.“


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„Ich trage meine Religion im Herzen und nicht in der Verhüllung“, sagt Mahsa.

Tschador abgelegt

Die weitere Fluchtroute führt über Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien nach Österreich. Bewältigt werden diese Wegstrecken mit Bus, Zug und zu Fuß. An jeder Grenze gibt es Getränke, warme Milch für die Kinder und Übernachtungsmöglichkeiten. Auch die Menschen in einem österreichischen Krankenhaus, wo Mahsas Mutter behandelt wird, nehmen Mahsa als sehr hilfsbereit wahr. Allerdings hat die Familie keine Ahnung, wo sie bleiben könnten. Planlos fahren sie bis nach Hamburg, von dort wieder zurück nach Salzburg und Villach, wo sie eine entfernte Verwandte ausfindig machen und von der Polizei schlussendlich in ein Flüchtlingslager nach Innsbruck verwiesen werden. Die Mutter wird mit Verdacht auf Tuberkulose abermals ins Krankenhaus eingeliefert und bleibt ganze 40 Tage. Mahsa erinnert sich dabei eine „glückliche Zeit“ im Camp. Mit ihren Englischkenntnissen kann sie vielen helfen, die Mutter weiß sie in guten Händen. Nach deren Entlassung werden Mutter, Tochter und Sohn mit fünf weiteren Familien nach Vorarl­berg geschickt, kommen erst in Nofels unter, wohnen später bei einer an Alzheimer

erkrankten Frau und erfahren große Unterstützung durch deren Familie. „Sie hat anfangs immer vergessen, dass wir zusammen wohnen“, lacht Mahsa und fügt hinzu: „Wir haben gemeinsam gekocht, gegessen, gewohnt, das war eine schöne Erfahrung. Leider ist die Frau inzwischen gestorben.“ Mahsa wohnt jetzt mit ihrer Familie in Götzis, hat ihren Pflichtschulabschluss gemacht und besucht aktuell den Bildnerischen Zweig am BORG Schoren. Sie könne sich gut vorstellen, Krankenschwester zu werden. Der Blick zurück bringt sie gedanklich zu ihren afghanischen Freundinnen, die sie sehr vermisst. „Sie sind inzwischen verheiratet, haben teilweise schon Kinder“, spannt die 18-Jährige den Bogen in ihre alte Heimat und streicht mit ihren rot lackierten Fingernägeln ihr offenes Haar zurecht. Sie selber hat ihr Kopftuch abgelegt, weil sie sich unter den anderen Mädchen in der Klasse fremd gefühlt habe: „Das war ein großer Schritt für mich, so hatte ich mich nie zuvor gezeigt. Zum Glück habe ich eine offene Familie.“ Ein schlechtes Gewissen habe sie anfangs dennoch gehabt. Heute sagt sie sich: „Ich trage meine Religion im Herzen und nicht in der Verhüllung.“

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Mittendrin in V

„Mit zwölf Jahren bezahlte ich meine Schulsachen vom eigenen Konto“ Simone Strehle-Hechenberger, Juristin und dreifache Mutter, übernimmt mit 1. November die Leitung der ifs Schuldenberatung. Mit der marie sprach die 44-jährige Bregenzerin über ihre finanzielle Grundausbildung im Elternhaus, ein frühes Schlüsselerlebnis und den Kleinkinderbetreuungsverein Rumpelstilzchen. Text: Christina Vaccaro Fotos: Fatima Lopez-Alva

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en Umgang mit Geld lernte Simone Strehle-Hechenberger früh. Als Älteste von vier Kindern einer mittelständischen Familie musste doch gut aufs Geld geschaut werden. Ihr Vater war Lehrer und bemüht, allen Kindern gleich viel zu geben. Auch waren ihm die Streitigkeiten der Kinder darum, dass auch wirklich niemand zu kurz kommt, zu mühsam. So führte er ein, den Kindern monatlich Geld zu überweisen – die genaue Summe orientierte sich dabei am Alter der Kinder. Das Geld hatten die Kinder selbst zu verwalten und für ihre Ausgaben entsprechend einzuteilen. Bei den Jüngeren besaß die Mutter ein VetoRecht für allzu unvernünftige Ausgaben. Doch großteils bestimmten sie ihre Ausgaben selbst, insbesondere das älteste Geschwister, die junge Simone. „Mit zwölf Jahren bezahlte ich meine Schulsachen vom eigenen Konto“, erinnert sich Strehle-Hechenberger. „Ich bekam etwa 1200 Schilling im Monat. Davon kaufte ich Kleidung und Schuhe, kam für die Skiwoche auf.“ Noch heute rechnet sie ihrem Vater den Wunsch, jedem Kind gerecht zu werden, und das Vertrauen in die Fähigkeit, mit Geld zu haushalten, hoch an. Ein finanzierbares Konsumverhalten und den selbstständigen Umgang mit Geld lernt man am besten im Elternhaus, ist Strehle-Hechenberger

auch heute noch überzeugt. Selbst wenn es zuweilen bedeuten konnte, zwei, drei Monate mit nassen Füßen herumzulaufen, weil man zu viel Geld ausgegeben hatte, um sich neue wasserfeste Schuhe zu kaufen. Was die heutige Leiterin ebenfalls früh prägte, war der Umgang mit Migranten. Vor 40 Jahren, als im 3000-Seelen-Dorf Schwarzach selbst Innerösterreicher als Ausländer galten, hatte Strehle-Hechenberger als sechsjähriges Mädchen ein Schlüsselerlebnis: Die Volksschullehrerin sagte damals zu ihr, sie solle sich nicht so blöd anstellen wie Fatima, die einzige Türkin in ihrer Klasse. Überhaupt gab es damals generell zwei Schulbusse: einen für die Hiesigen, die ins Gymnasium durften, und einen für die Türken, die in die Sonderschule mussten. Später, als Jugendliche, entwickelte Strehle-Hechenberger ein großes gesellschaftspolitisches Interesse, das sie dazu bewegte, neben Jus auch Politikwissenschaften und Geschichte in Wien zu studieren. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie über den Staatsbürgerschaftserwerb von türkischen Migranten in Vorarlberg. Den ersten Job hatte sie bei der Caritas in Wien, wo sie Flüchtlinge zum Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl begleitete. Keine zwei Jahre vergingen, ehe die Caritas Strehle-Hechenberger fragte, ihr zehnköpfiges Rechtsberatungsteam zu leiten. Die Juristin nahm an. Nach ihrer

ersten Karenz kehrte die frisch gebackene Mutter nach Vorarlberg zurück und übernahm bei der Vorarlberger Caritas eine Leitungsstelle im Fachbereich der


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Flüchtlingshilfe, wo sie vor allem für die Rückkehr- und Rechtsberatung zuständig war.

Wie gut, dass niemand weiß . . .

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war Strehle-Hechenberger immer ein Anliegen. Inzwischen ist sie Mutter von drei Kindern (drei, fünf und elf Jahre alt). Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung teilt sie sich mit ihrem Mann – beide arbeiten zwischen 80 und 90 Prozent – und dem Kleinkinderbetreuungsverein Rumpelstilzchen. Dort ist Strehle-Hechenberger auch Obfrau: „Mir ist das Thema Kinderbetreuung enorm wichtig. Eltern wollen nicht nur irgendeine Betreuung, sondern eine gute, leistbare und flexible. Ohne Kinderbetreuung können Frauen keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Simone StrehleTun sie das nicht, Hechenberger leitet die bekommen sie ifs Schuldenberatung. vielerorts auch keinen Betreuungsplatz und können ihre finanzielle Situation nicht verbessern. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.“ Wie aber kommt eine dreifache Mutter, Juristin und Caritas-Angestellte zur Schuldenberatung? Für die 44-Jährige sind Schulden ein spannendes Thema, weil sie einen massiven Einfluss auf die Lebensgestaltung haben, der mit Schulden verbundene Druck die psychische wie physische Gesundheit belastet. In ihrer Arbeit mit Asylwerbern spielte die finanzielle Unsicherheit ebenfalls eine Rolle. „Es geht eigentlich immer um existenzielle Probleme, nicht nur um Zahlen auf einem Bankkonto“, stellt Strehle-Hechenberger den Zusammenhang her. In den letzten Wochen hat sich Strehle-Hechenberger gemeinsam mit ihrem Vorgänger Peter Kopf zusammengesetzt, um seine Nachfolge gut gerüstet zu übernehmen, und ihr 14-köpfiges Team kennengelernt. „Die ifs Schuldenberatung ist eine sehr etablierte Institution, die Peter Kopf vorbildlich aufgebaut hat. Ich freue mich auf diese Aufgabe“, so Strehle-Hechenberger.

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SPRECHTAG: jeden Donnerstag von 9:00 – 15:00 in Bregenz und Feldkirch und von 9:00 – 11:00 in Bludenz. Mehr Infos unter www.ifs.at Bezahlte Anzeige


Thema

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Macht Unzufriedenheit krank? Unzufriedenheit ist ein Phänomen unserer Psyche. Doch weil Körper und Geist miteinander verbunden sind, kann sie sich auch auf der körperlichen Ebene zeigen. Die marie sprach mit Dr. Georg Weinländer (60), Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin am LKH Hohenems, darüber, wie Unzufriedenheit der Gesundheit schadet.

Text und Foto: Christina Vaccaro, Illustration: Shutterstock

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ind Sie glücklich und wenn nein, warum nicht? Unzufriedenheit kann oft nicht erklärt werden und ist für Außenstehende manchmal nicht nachvollziehbar. Die Psychologie beschreibt Unzufriedenheit als ein Unausgeglichen-Sein, ein Nicht-Einverstanden-Sein mit dem, was ist, und spricht von unerfüllten Erwartungen. Medizinisch gesehen ist Unzufriedenheit – so wie jedes andere Gefühl auch – eine chemische Veränderung im Gehirn: „Was wir als Gefühl wahrnehmen ist eine Veränderung der Zusammensetzung von Transmittersubstanzen, also Botenstoffen, meist im Gehirn, aber auch im Körper. Im Falle der Unzufriedenheit wird eine Gruppe von Hormonen ausgeschüttet, die man zusammengefasst als Stresshormone bezeichnen kann“, erklärt Dr. Georg Weinländer. Der Primar der Abteilung für Psychosomatische Medizin am LKH Hohenems ist nicht nur Arzt, sondern auch Psycho-

therapeut und vereint somit Wissen über die körperliche wie psychische Seite der Unzufriedenheit. Um zu verstehen, weshalb bei Unzufriedenheit Stresshormone ausgeschüttet werden, müssen wir Unzufriedenheit zunächst als etwas Positives betrachten: als einen Stimulus, der uns Energie gibt, etwas zu verändern. Durch die körperliche Reaktion stehe mehr Energie zur Verfügung, beispielsweise eine Aufgabe zu erledigen, um dann wieder in einen zufriedeneren Zustand zu gelangen, so Weinländer. Dies werde durch die Botenstoffe Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin ermöglicht, die den Körper sozusagen beschleunigen. Als wesentlichstes Stresshormon wird dabei das Cortisol gesehen, das man geläufig in der Cortisonsalbe kennt, die das Immunsystem beeinflusst und entzündungshemmend wirkt. Doch Cortisol hat noch andere Eigenschaften. Es aktiviert auch den katabolen Stoffwechsel – Stoffwechselprodukte werden abgebaut und Energie freigesetzt. „Bei Unzufriedenheit oder Stress werden Botenstoffe ins


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Dr. Georg Weinländer, 60, Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin am LKH Hohenems, Internist und Psychotherapeut.

Blut ausgeschüttet. Dadurch erreichen sie alle Organe. Das ist auch der Grund, weshalb man manchmal etwa vor einer Prüfung zur Toilette muss. Mein Darm, meine Blasenfunktion, meine Haut – alles wird beschleunigt“, veranschaulicht Weinländer.

Kurzfristig Energie, langfristig Krankheit

Wir alle sind durch einen Energieschub eine gewisse Zeit lang steigerungsfähig. Man spricht auch von einer ansteigenden Leistungskurve. Irgendwann flacht die Kurve aber ab, wir erreichen ein maximales Niveau. Kommt nach dem angestiegenen Stress keine Erholungsphase, bricht das System zusammen. „Dieser Zusammenbruch ist genau das, was man heute so inflationär als Burnout bezeichnet. Die Menschen sind dann körperlich, seelisch und oft auch sozial wirklich am Ende“, sagt Weinländer. Langfristig zehren Unzufriedenheit und Stress am Körper, „kränken“ ihn – machen ihn krank. Cortisol hat eine starke Wirkung auf das Immunsystem. Wer gestresst ist, ist gegenüber Bakterien und Viren weniger gewappnet. Klassische Symptome bei Belastung sind Verspannungen in der Schulter-Nacken-Muskulatur, die bei chronischem Stress zu wirklichen Muskelverkürzungen führen können, Magen- und Darmprobleme und Konzentrationsschwächen. Auch erhöht Stress das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt. Wann Unzufriedenheit in einen chronischen Stress übergeht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Weinländer: „Es gibt wirklich belastbare Menschen, die Unglaubliches aushalten. Viele genetische Faktoren spielen eine Rolle, doch es ist auch eine Frage des Trainings und unserer Biografie. Sind wir ein brasilianisches Streetfight-Kind oder weich gebettet aufgewachsen, nie eisigen Winden ausgesetzt?“

Unsere größte Angst

Sehr individuell ist auch, ob ein Mensch Unzufriedenheit empfindet oder nicht. Ein und dieselbe Situation machen dem einen nichts aus und lösen im anderen großen Unmut, Frust und Stress aus. „Was ich persönlich eine interessante Frage beim Unzufriedensein finde: Ist das eine genuin in mir entstandene Unzufriedenheit oder ist sie mir von außen aufgedrängt worden, in einer Gesellschaft, wo jeder verpflichtet ist, ,happy᾽ zu sein?“, regt der 60-jährige Arzt und Psychotherapeut zum Hinterfragen an. Vielleicht wären wir oft ganz zufrieden, wenn nicht der soziale Druck da wäre, noch zufriedener zu sein. Weinländer glaubt, das größte Problem, das wir als Mensch haben, ist unsere Angst, isoliert zu werden. Wegen dieser Befürchtung tun wir so viel – für andere oder auch für uns, um gut dazustehen und anerkannt zu werden. Weinländer: „Wir sind ständig auf der Jagd, bloß nicht sozial ausgeschlossen zu werden.“ Deshalb lautet die Empfehlung des Arztes bei Unzufriedenheit auch klar, sich mit anderen Menschen auseinander zu setzen, sich in gelingende soziale Kontakte zu begeben mit Menschen, bei denen man sich wohl und willkommen fühlen kann. Dabei werden Hormone produziert, die Gegenspieler von Cortisol sind, und Probleme eventuell durch die Sicht eines interessierten Anderen von einem anderen Blickwinkel beleuchtet. Das helfe, die bei Unzufriedenheit meist sehr enge Sichtweise zu weiten und eine andere Einstellung dazu zu entwickeln. Darüber hinaus rät der Arzt dazu, Dinge zu tun, bei denen man Erfolgserlebnisse hat. Aktivitäten, bei denen spielerisch Dinge ausprobiert werden dürfen, ohne Angst vor Fehlern zu haben, schafften beziehungsweise stärkten das Gefühl, Dinge bewegen und ins Gute verkehren zu können. „Das wäre schon ziemlich viel“, sagt Weinländer.

„Ist das eine in mir entstandene Unzufriedenheit oder ist sie mir von außen aufgedrängt worden, in einer Gesellschaft, wo jeder verpflichtet ist, ,happyʻ zu sein?“

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Thema

SEHNSUCHT NACH UNZUFRIEDENHEIT Marcel Steiner leitet seit 25 Jahren Meditationsseminare. Seit sechs Jahren kommt der Schweizer auch regelmäßig nach Vorarlberg. Im Rahmen seines letzten Besuchs im Tao Sangha Zentrum in Dornbirn hat die marie mit dem evangelischen Pfarrer und Zenlehrer über Unzufriedenheit gesprochen.

Interview: Christina Vaccaro. Fotos: Fatima Lopez-Alva

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marie: Darf man einen langjährigen Meditationslehrer überhaupt fragen, worüber er unzufrieden ist? Marcel Steiner: Auf jeden Fall! Auch als langjährig Meditierender bleibt man nicht nur Mensch, sondern man wird auch Mensch. Unzufriedenheit ist nicht per se etwas Schlechtes. Brauchen wir die Unzufriedenheit, um ein Mensch zu werden? Ja. So wie es eine „faule“ Form der Zufriedenheit gibt, in der man sich abschottet und sein Leben für sich zu leben versucht, gibt es auch eine gute Form der Unzufriedenheit. Sie spiegelt mir die Offenheit des Lebens wider und bringt mich voran. Wie treibt uns die Unzufriedenheit voran? Sie ist eine Unruhe, die nach vorwärts drängt, und ein Ausdruck von Lebendigkeit. Es kommt aber darauf an, woher die Unzufriedenheit kommt und ob sie zu einer unguten Unzufriedenheit wird, wie man sie heute überall findet. Würden Sie sagen, die Menschen sind heute unzufriedener als früher? Die heutige Wirtschaft vermittelt uns Standards von Zufriedenheit, die so hoch über dem normalen Alltag sind, dass man sich fast zwangsläufig unzufrieden fühlen muss. Weil ich das meiste von dem, was es gibt, nicht habe. Weil ich nicht so aussehe, wie die Werbung mir sagt, dass ich aussehen sollte. Oder weil ich nicht das tue, was man mir sagt,

das ich zum Glücklichsein brauche. Wie sollen wir mit Unzufriedenheit umgehen? Nun, normalerweise wenn wir unzufrieden sind, reagieren wir sofort. Diesen ersten Impuls kenne ich sehr gut – ich gehe und hole mir etwas zu essen. Andere trinken oder kaufen etwas. Wieder andere schalten den Fernseher ein. Beim Meditieren spüren wir diese Impulse auch. Wir würden zum Beispiel lieber etwas anderes tun. Doch bei der Meditation bleiben wir sitzen. So bildet Meditation eine Möglichkeit, nicht einfach spontan auf den ersten Impuls mit der erstbesten Handlung zu reagieren, sondern den ersten Impuls tiefer sinken zu lassen. Manchmal lade ich mit der Frage zur Meditation ein: Was möchte ich wirklich? Vermutlich kein neues Auto... Am Anfang kommen solche Dinge: eine bessere Arbeitsstelle, ein größeres Haus, mehr Ferien. Macht man den Prozess, diese Impulse tiefer sinken zu lassen, und kommt immer mehr in die Stille, kann sich ein Raum öffnen, wo man merkt: Die Sehnsucht, die hinter all diesen Wünschen steckt, ist, lebendig zu sein – und diese Sehnsucht ist mir im Grunde geschenkt. Ich bin lebendig. Es ist schon alles da! Ist Unzufriedenheit grundsätzlich ein Haben-Wollen? So äußerst sie sich oft. Doch sie ist genauso ein Sein-Wollen. Ein An-

derssein-Wollen oder auch, wenn es von außen kommt, ein Bessersein-Wollen. Und genauso stark ein Nicht-Haben-Wollen, eine Angst, zu verlieren, was man hat, und eine Angst, zu bekommen, was man nicht haben will. Welchen Umgang mit Unzufriedenheit empfehlen Sie Menschen, die nicht meditieren? Zu meditieren! (lacht) Man kann auch im Alltag üben, ersten Impulsen nicht gleich nachzugeben. Verspüre ich beispielsweise Hunger, kann ich zuerst nachspüren, ob ich wirklich Hunger habe, oder eigentlich mit dem Essen eine andere Sehnsucht zu stillen versuche. Habe ich wirklich Hunger, gehe ich zum Kühlschrank und genieße die Mahlzeit. Ist es Hunger nach Zuneigung, kann das Essen mich nicht sättigen. Merken wir durch das Innehalten nicht erst recht, wie unzufrieden wir sind? Wird die Unzufriedenheit nicht sogar gesteigert? Ja, doch im guten Sinn: Sie führt uns dann da hin, wo sie wirklich herkommt. Unzufriedenheit kann zur Sehnsucht werden und uns letztlich mit dem verbinden, was ich Quelle oder das Göttliche nennen würde. Doch davor fürchten wir uns. Wovor fürchten wir uns? Vor der Unzufriedenheit und der Sehnsucht. Wir wollen das nicht erleben, wollen die Sehnsucht gestillt haben. Doch ich glaube, wir würden eine große Kraft


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Veranstaltungshinweis: Das nächste Zen-Seminar mit Marcel Steiner wird vom 10. bis 11. November im Tao Sangha Zentrum in Dornbirn stattfinden. Mehr Informationen zum Seminar bei Wolfgang Petter unter wolfgang.petter@vol.at oder 0650/3008699. Zur Person Marcel Steiner: www.casadasaguascalmas.com

finden, wenn wir Unzufriedenheit und Sehnsucht zulassen. Um der Quelle auf die Spur zu kommen. Manche Menschen empfinden Unzufriedenheit eher als Bremse denn als Motor... Wenn ich die Unzufriedenheit nur auf äußere Umstände projiziere, beginne ich zu klagen. „Ich würde schon, aber mein Chef . . .“, und so weiter. Anstatt dass ich diese Energie nutze, wende ich sie gegen das Außen und oft auch gegen mich. Dann öffnet Unzufriedenheit nicht, sondern blockiert. Im Allgemeinen sagt man, man soll über Probleme sprechen. Jetzt sitzen Sie stundenlang in Stille. Ist das gut oder schlecht für den Umgang mit der Unzufriedenheit? Es kann beides sein! Wenn stilles Sitzen nur dahin führen würde, dass man das Gespräch oder das Fühlen verweigert, wäre es ein Unterdrücken. Doch wenn wir still sitzen, in dem Sinn, dass die Stille uns erst recht mit dem verbindet, was da drängt, öffnet sie. Wir haben keine Ablenkung und werden durch die Stille zum Wesentlichen geführt. Zwischenfrage der Fotografin: Kann man vor Unzufriedenheit sterben? Im Extremfall führt die Unzufriedenheit in die Sucht: Drogen, Alkohol, auch

Sport oder Arbeit. Sie kann uns so weit führen, dass wir uns körperlich und psychisch über alle Grenzen hinaus verausgaben und dann krank werden. Der Psychiater Viktor Frankl hat den Begriff „existenzielles Vakuum“ geprägt. Damit beschrieb er das Phänomen, dass Menschen, die alles haben – Familie, Karriere, Gesundheit, Wohlstand –, in ein Loch fallen. Wie kann es sein, dass alle Lebensfreude verschwindet, wo man doch alles hat, was man haben wollte? Es ist wohl die Erkenntnis: Nichts und niemand kann mir einen endgültigen Frieden verschaffen. Stelle ich jedoch die Erwartung dafür an äußere Dinge, die sie nicht erfüllen können, bin ich frustriert und falle in diese Leere. Man fragt sich: Was jetzt? Das wäre der Punkt, wo es spannend würde. Man würde verstehen, dass es nicht der Fehler des Menschen ist, mit dem man zusammen ist, oder der Dinge, die man erreicht hat. Nichts vermag uns den endgültigen Frieden zu geben. Das Leben wird ja auch nicht erst sinnvoll, wenn ich sterbe. Wie meinen Sie das? Leben ist Jetzt und kann auch nur jetzt sinnvoll sein. Setzt man sich Ziele mit dem Gedanken: „Dann komme ich an“, werde ich stets in ein Loch fallen, wenn

ich sie erreiche. Ist Zufriedenheit also eine Frage der inneren Sinngebung – da man im Äußeren keine Zufriedenheit findet? Ich kann bei allen Dingen Zufriedenheit finden. Das ist auch eine Frage der Dankbarkeit, die man so schnell vergisst. Das Meditieren ist hier eine Hilfe. In der Stille staunt man, wenn man plötzlich für so etwas wie einen Atemzug dankbar ist. Ich glaube, wenn man die Lebendigkeit vor allem Tun oder Wollen erfahren kann, dann macht auch alles mehr Sinn. Aber wenn ich mir vom Tun so viel Sinn erwarte, dann werde ich immer enttäuscht sein. Kann man nun zufrieden sein oder nicht? Schon – letztlich können wir dort Zufriedenheit finden, wo wir präsent sind. Wir verwechseln nur manchmal Dinge, die wir gerne tun und bei denen es uns leichter fällt, präsent zu sein, mit dem Präsent-Sein selbst. Eine Seminarteilnehmerin ist zum Beispiel passionierte Bergsteigerin und erklimmt regelmäßig 4000er. Da fühlt sie sich lebendig. Was sie aber merkt ist, dass nach einem Gipfelsieg bald der nächste kommen muss. Wer erkennt, dass Lebendigkeit aus dem Präsent-Sein entspringt, wird von äußeren Umständen unabhängiger. Präsent-Sein kann ich mit allem und überall. Und sie ist die Grundvoraussetzung für Zufriedenheit. Gibt es ein Allheilmittel gegen Unzufriedenheit? Nun, wie ich es in einem meiner Texte ausdrücke: „Wage es, still zu sein, sei Stille, sei . . .“ Vielen Dank für das Gespräch.

Marcel Steiner leitet seit 25 Jahren Meditationsseminare, so auch im Tao Sangha Zentrum in Dornbirn.

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Mittendrin in V

Noten sind fair und die Erde ist eine Scheibe Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben, haben wir damals gehört. Lassen Sie mich also einmal kurz durchspielen, was die aktuelle Bildungspolitik für ein Berufsleben vor Augen hat, angesichts der Maßnahmen, die sie im Affentempo an den österreichischen Schulen umzusetzen gedenkt.

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Text: Daniela Egger, Bild: Shutterstock

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tellen Sie sich vor, Sie sind jung und unerfahren und haben Ihr erstes Arbeitsjahr im Unternehmen Ihrer Wahl geschafft. Sie haben alles gegeben, sich neuen Aufgaben gestellt, sich mit den neuen Kollegen vertraut gemacht und freuen sich jeden Tag darauf, etwas Neues zu lernen. Anstatt dem persönlichen Gespräch mit Ihrem oder Ihrer Vorgesetzten erhalten Sie an einem bestimmten Tag des Jahres, direkt vor dem Sommerurlaub, ein Zeugnis mit Ziffernnoten. Sie können sich noch kurz in der Kaffeepause mit Ihren Kolleg/innen austauschen, Vergleiche anstellen, und dabei versuchen, die Zahl auf dem Zeugnis so zu interpretieren, dass Sie nach dem Urlaub wissen, wo Sie sich verbessern sollen und könnten. Kurz danach liegen Sie auf der wohlverdienten Strandliege und sind sich selbst und Ihren Gedanken überlassen. Anstatt des Gesprächs mit Ihrem Vorgesetzten, bei dem Sie seine Tonlage, sein Wohlwollen und sein Verständ-

nis neben den Kritikpunkten gehört hätten, steht eine schlichte Zahl auf dem Papier. Nicht die beste und nicht die schlechteste Zahl. Sie versuchen also, aus der Ziffer etwas Brauchbares herauszulesen. Sie können dieser Note keine Fragen stellen, keine eigene Sichtweise vermitteln, sie können nicht auf Resonanz hoffen. Auf nichts, was Ihnen Sicherheit, Zuversicht und Motivation schenkt. Es ist nur eine simple, schweigende Zahl. Sie versuchen, Ihr Selbstwertgefühl nicht davon beeinträchtigen zu lassen, aber die Zahl steht stumm über Ihrem ersten Sommerurlaub. Natürlich heißt es von Seiten der Regierung, es wäre jedem Chef und jeder Chefin freigestellt, Sie in einem persönlichen Gespräch über Ihre Arbeitsergebnisse zu informieren oder Ihnen eine detaillierte Rückmeldung zu geben – aber leider hat er/sie so viel um die Ohren, dass das zeitsparende Ziffernblatt gerade recht kam. Da steht ja alles drin und schließlich wissen Sie selbst was Sie leisten, oder etwa nicht? Dass er/sie sich nicht die Zeit nimmt, sich mit Ihnen an den Tisch


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zu setzen, hat keinerlei Bedeutung. Wirklich nicht. Seien Sie nicht verunsichert, auch wenn Ihr Kollege von nebenan doch zum persönlichen Gespräch geladen wird – das hat sicher nur damit zu tun, dass seine Leistungen noch schlechter bewertet werden ... oder? Und stellen Sie sich vor, Sie kehren nach dem Urlaub an den Arbeitsplatz zurück. Sowohl Ihre türkische Arbeitskollegin wie auch der Kollege aus Syrien haben in der Zeit Ihrer Abwesenheit in eine andere Abteilung gewechselt. Sie erfahren, dass sie dort angeblich schneller die österreichische Arbeitshaltung und die fehlerfreie Sprache erlernen – es arbeitet zwar kein einziger Österreicher dort, aber man fördert das „Österreicher/in werden“ ganz intensiv in dieser Abteilung, angeblich. Macht ja Sinn, sprachlich und moralisch und überhaupt. Dass der junge Syrer jetzt in Ihrem Arbeitsbereich fehlt, weil mit ihm auch sein Spezialwissen verschwunden ist, das ist zwar bedauerlich, aber Sie werden das schon schaffen. Sie haben ja Ihre Ziffernnoten und wissen ganz genau, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen, welche Ziele das Unternehmen verfolgt und welche Rolle Sie dabei spielen. Steht alles hinter der magischen Zahl verborgen, die Sie in Händen halten. Ach ja, natürlich wissen Sie jetzt auch, wie es an Ihrer Arbeitsstelle um Beziehungen und Freundschaften bestellt ist, besser Sie halten sich etwas zurück mit den Vertraulichkeiten oder gar dem Freundschaften schließen, weil die Tatsache, dass der junge Syrer derart sang- und klanglos verschwunden ist, das hat sicher seine Gründe. Darüber wird nicht gesprochen, schließlich sind Sie alle erwachsene Menschen, und niemand will ein Gerücht streuen, aber in der Kaffeepause hört man doch die eine oder andere Vermutung . . . man wird

das ja noch sagen dürfen, nicht wahr? Und waren Sie nicht schon mal mit ihm ein Bier trinken? Da Sie jetzt schon zutiefst verunsichert sind wegen der nicht ganz einwandfreien Note in Ihrem Zeugnis, sehen Sie angesichts des schiefen Blicks Ihres Kollegen düstere Wolken am Horizont aufziehen – lieber nicht zu viel Nähe zugeben zu dem syrischen Kollegen, mit dem Sie sich zwar besser verstanden haben, als mit dem Mann, der jetzt vor Ihnen steht und sie misstrauisch beäugt. Aber genau das ist der Punkt, dieser ist eben jetzt anwesend, während der andere . . . wo ist diese Sonderabteilung „Deutschklasse“ eigentlich? Wie auch immer, Sie wurden ja zum Glück in der Schule auf dieses Leben vorbereitet, und Ihr Selbstwert war durch jahrelanges benotet werden noch nie besonders gut, und ihre ewige Büffelei hat nur dazu geführt dass Sie selbst nicht mehr wissen, was Freude und Begeisterung in Ihr Leben bringt und deshalb werden Ihre Leistungen vermutlich immer eher im Durchschnitt bleiben. Das war schon so, als im Rahmen einer Studie ein Mathetest von unterschiedlichen Lehrern benotet wurde und Unterschiede von bis zu drei Ziffern dabei herauskamen. Je nach Vorname, der auf dem Testblatt stand. In Mathe! Weil Noten fair sind und die Erde eben doch eine flache Scheibe ist – zumindest für manche rückwärtsgewandten Expert/innen an den Schalthebeln der Macht. Dazu sagt der Erziehungswissenschaftler Franz Hammerer im Standard vom 9. Oktober unter dem Titel „Bildung ist kein Leistungssport“: „Wer das Lernen über Noten zum Wettkampf macht, produziert notwendigerweise Verlierer – und diese stehen von Anfang an fest.“

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Mittendrin in V

Gefühl, das Richtige zu tun

Die meisten Menschen wünschen sich zu Hause im Kreise ihrer Angehörigen sterben zu können. Die Realität ist aber eine andere. Auch in Vorarlberg. DDr. Klaus Gasser (38) aus Egg, ärztlicher Leiter des Hospiz am See, sprach mit der marie über Kapazitätsgrenzen, den letzten Lebensweg und was das Hospiz für ihn zu einem besonderen Ort macht.

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Text und Foto: Frank Andres

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in Bett, ein bequemer Ohrensessel, ein Flachbild-Fernseher an der Wand, ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, ein Kleiderschrank. Das Zimmer ist hell und freundlich. Die übergroße Raumhöhe vermittelt einen Loft-Charakter. Eine große Glastür öffnet den Blick auf den großzügigen Balkon und die Natur. Nein, das ist kein Hotel für erholungssuchende Gäste, sondern ein Platz für Menschen, die unheilbar krank sind.

Warteliste

Das von der Caritas geführte Hospiz am See hat vor zehn Monaten seine Pforten geöffnet. Zehn Betten stehen den Patienten, im Hospiz „Gäste“ genannt, zur Verfügung. Wie ist die Erfahrung nach den ersten drei Quartalen seit der Eröffnung im Jänner 2018? „Anfangs erfolgte eine schrittweise Belegung der Betten. Im April und Mai waren die zu belegenden Betten bereits zu weit über 90 Prozent ausgelastet. In den letzten zwei Monaten hatten wir sogar eine Warteliste, die kurzzeitig doppelt so lang war, wie die Anzahl der verfügbaren Betten. Im September war es manchmal so, dass

am selben Tag, wenn jemand verstorben war, ein neuer Gast aufgenommen wurde“, erklärt der ärztliche Leiter des Hospiz am See, DDr. Klaus Gasser. In diesem Jahr sei aber im Bereich der Palliativversorgung in Vorarlberg sehr viel passiert. Neben der Eröffnung des Hospizes, wurde auch die Bettenzahl auf der Palliativstation in Hohenems von zehn auf 16 erhöht.

Klare Kriterien

Die Aufnahme eines sterbenden Menschen ins Hospiz erfolgt nach klaren Kriterien, betont Klaus Gasser. Zuerst einmal brauche es die Zustimmung des Patienten. Dieser müsse zudem an einer fortschreitenden Krankheit leiden und aus medizinischer Sicht als austherapiert gelten. Das bedeutet, es gibt keine weiteren Behandlungsmethoden, die zu einer Heilung oder zu einer Verbesserung seines Gesundheitszustandes führen. Die Zuweisung selbst passiert dann auf ärztlicher Ebene, entweder durch den Hausarzt oder in den meisten Fällen durch den Spitalsarzt. „Danach gibt es ein Gespräch mit dem Patienten und mir, wenn möglich im Beisein der Angehörigen. Ich möchte den Patienten persönlich kennenlernen und wissen, welche

Der Arzt und die Begegnung mit dem Tod: „Den ersten menschlichen Leichnam habe ich als Jugendlicher gesehen. Meine Oma war schon sehr alt und ist mit 98 Jahren gestorben. Besonders geprägt haben mich aber die Erfahrungen als Freiwilliger beim Roten Kreuz. Ich war zum Beispiel bei einem Einsatz dabei, als ein Baby am plötzlichen Kindstod gestorben ist. Dieses Erlebnis ist mir sehr nahe gegangen.“

Erwartungen und vielleicht auch Hoffnungen und Wünsche er oder sie hat“, erklärt der Internist mit den Zusatzfächern Onkologie und Hämatologie.

Ein Ort der Ruhe

Die meisten Menschen wünschen sich, zu Hause sterben zu können. Eine Betreuung bis zum Tod ist daheim, in den eigenen vier Wänden, aber nicht immer möglich. Vier von zehn Vorarlbergern


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Impressum

Zur Person Klaus Gasser, geboren am 13. November 1979 in Egg. 2006 Abschluss des Medizinstudiums in Innsbruck. Seit 2013 Facharzt für Innere Medizin und seit 2015 auch für Onkologie und Hämatologie. Arbeitet einerseits als Oberarzt an der Onkologie des LKH Feldkirch und als ärztlicher Leiter des Hospiz am See in Bregenz.

sterben im Spital, nur ein Drittel in den eigenen vier Wänden. Das ist die Realität. Daher zielt das „Hospiz am See“ darauf ab, eine Atmosphäre zu schaffen, die möglichst nah an das eigene Zuhause kommt. Vordringliches Ziel sei es, den Patienten im Hospiz ein möglichst würdevolles und symptomloses Sterben zu ermöglichen. Ein Erlebnis ist dem Arzt und zweifachen Familienvater dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben. Das Hospiz war erst kurz zuvor eröffnet worden. Klaus Gasser kam an einem Sonntag zur Visite und schaute kurz bei einer älteren Patientin vorbei. Als er die Tür öffnete, sah er im Zimmer drei Betten. Im mittleren lag die Mutter und links und rechts die beiden Töchter. „Alle drei haben ganz friedlich nebeneinander geschlafen. Da habe ich gemerkt, dass das Hospiz der richtige Ort für sie ist. Sie konnten rund um die Uhr bei ihrer Mutter sein. Es war eine friedliche Atmosphäre, in der sie eine gewisse Ruhe finden konnten“, erzählt der 38-Jährige. Nach sechs Tagen ist die Mutter friedlich entschlafen. „In solchen Momenten“, so sagt der leitende Arzt, „habe ich das Gefühl, das Richtige zu tun.“ Aber es sind längst nicht nur die Ärzte, die sich um die Betreuung der Patienten kümmern,

fügt Klaus Gasser hinzu. Ohne diplomiertes und hochmotiviertes Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Seelsorger, Therapeuten und Reinigungskräfte sei eine 24-Stunden-Betreuung gar nicht möglich. Und nicht zu vergessen, die vielen ehrenamtlichen Hospizbegleiter.

Der Arzt und der Glaube: „Ich selbst bin natürlich sehr eng mit dem christlichen Glauben verbunden. Das hat mit meiner Erziehung zu tun. Aber im Prinzip ist es egal, woran man glaubt. Wichtig ist es, im Leben irgendwo Halt zu finden. Es kann auch etwas Mystisches sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich manchmal ältere, tiefgläubige Menschen mit dem Sterben trotzdem schwer tun. Was der Grund dafür ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist bei ihnen die Angst vor dem Fegefeuer noch präsent.“

Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,70 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Christina Vaccaro MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Daniela Egger, Guntram Gärtner, Gernot Hämmerle, Kristina Heilinger, Simone Fürnschuß-Hofer, Fatima Lopez-Alva, Christine Mennel, Stefanie Rüscher, Mirjam Steinbock, Gerhard Thoma, Robert Thoma Zeitungsausgabestellen: Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Kaplan-Bonetti-Straße 1 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr Bregenz dowas, Sandgrubenweg 4 Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 Uhr Bludenz do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Cornelia Matt, Mag. Peter Mayerhofer, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 17.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP Alexander Grass Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2018 marie. Alle Rechte vorbehalten.

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DIE ANDERE ART DES ABSCHIEDS

Dass manche Tote ohne große Worte auf ungeweihter Erde beigesetzt wurden, erlebte die Götznerin Christl Büsel in ihrer Jugend mit Empörung. Es beschäftigte sie ein Leben lang. Als sie 50 Jahre alt wurde, war der Entschluss in ihr gereift und die Umstände günstig: Sie gründete 1996 den Verein Abschied in Würde, der Trauerfeiern gemeinsam mit den Angehörigen entwirft und durchführt. Seit seiner Gründung hat der Verein rund 1050 Trauerfeiern für Menschen in Vorarlberg gestaltet und damit vielen Angehörigen die Möglichkeit einer würdevollen Verabschiedung gegeben. Text: Daniela Egger, Foto: Mark Mosman

Auftrag an die Ritualleiter/innen beginnt nach dem Tod und geht bis zur Abschiedsfeier. Dem Team ist es dabei sehr wichrüher waren es vorwiegend Andersgläubige und Mentig, der Trauer Raum zu geben und nicht sofort in Aktivität zu schen die freiwillig aus dem Leben geschieden sind, die verfallen. Man darf sich Zeit nehmen, es gibt keinen Grund soaußerhalb der Friedhofsmauern bestattet wurden. Heute fort alles zu organisieren, außer, dass der Todesfall unverzüglich haben sich die Umstände sehr verändert, alle Bestattungen fingemeldet werden muss. Der Verstorbene darf 48 Stunden lang den auf dem Friedhof statt und das Angebot, eine andere Art zu Hause aufgebahrt bleiben, sofern die Angehörigen dies wünder Abschiedsfeier in Anspruch nehmen zu können wird von schen – wertvolle Zeit für den ruhigen Abschied im intimen immer mehr Familien sehr geschätzt. Sieben Personen bilden Kreis. Mirjam Steinbock, seit zwei Jahren Obfrau des Vereins, den Vorstand und das Rihat mit dem neuen Vortualleiter/innen-Team des stand Vieles in Bewegung Vereins Abschied in Würgebracht. Durch die wachde. Für die Gestaltung sende Mitgliederzahl und der Trauerfeiern legen die den seit einiger Zeit steiVerantwortlichen großen genden Bedarf an bereits Wert auf eine entsprechenzu Lebzeiten vorbereiteten de Ausbildung und ErfahTrauerfeiern brauchte es rung im Umgang mit dem neue Strukturen und OrgaSchmerz des Abschieds nisationsentwicklung. Auund mit zum Teil kompleßerdem gilt es aktuell, neue xen Familiensystemen. Sie Ritualleiter/innen zu finbeschäftigen sich eingeden – diese sollten eine tiehend mit der Vorbereitung fe Auseinandersetzung mit der Feierlichkeiten, gehen dem Tod mitbringen, das Team mit Vorstand und Ritualleiter*innen, v.l.: Wolfgang Breuss, Edith Maria Fuchs, zu den Familien nach HauInteresse für Ritualarbeit Susa Kennedy, Marielle Manahl, Mirjam Steinbock, Martina Schraml und Jodok Wüster. se und sprechen auch mit sowie Gesprächskompedenen, die aus irgendeinem tenz und die Bereitschaft, Grund nicht im Familienverband präsent sind. Edith Maria sich empathisch mit Familiensystemen auseinanderzusetzen. Fuchs ist Teil des Vorstands und als Ritualleiterin tätig. Die dip„Abschied in Würde ist wichtig für Menschen, die auch dielomierte Lebens- und Sozialberaterin sagt dazu: „Es ist wichtig, sen letzten Schritt bewusst gehen möchten,“ sagt Mirjam Steindie Familie vor Ort wahrzunehmen. Wir bieten an, möglichst bock, die immer wieder betont, wie gut es ist, sich frühzeitig mit Alle zu hören, auch ausgeschlossene Familienmitglieder, und dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. „Für die Angehörigen gut hinzuschauen ob der- oder diejenige nicht doch irgendwo ist es sehr hilfreich, wenn sie schon wissen, was sich jemand einen Platz hat. Der Tod eines Angehörigen kann schmerzhafte wünscht. Sie dürfen dann selbst bestimmen, was für sie wichtig Prozesse in den Familien auslösen und oft will etwas nur geseist, sind aber auch sicher, dass sie in Übereinstimmung mit dem hen werden. Da passieren vielfach sehr berührende Dinge.“ Verstorbenen handeln.“ Die Rückmeldungen von HinterbliebeAbschied in Würde ist österreichweit nach wie vor der einnen auf der Webseite des Vereins sprechen für sich – die Arbeit, zige Verein, der ein solches Angebot bereithält für Menschen, die hier geleistet wird ist ein wesentlicher Beitrag zur Begleitung die Wert auf eine individuell gestaltete Trauerfeier legen. Inzwiin einer sehr sensiblen Lebensphase. schen zählt der Verein über 600 Mitglieder. Das Angebot richtet sich aber nicht nur an diese, sondern an alle Interessierten. Der INFOS UNTER: www.abschied-in-würde.at

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Vorarlbergs Bäume, Sträucher und Kräuter erzählen Geschichten Wir machen einen Streifzug durch Vorarlberg – kommt ihr mit? Die vorgestellten Pflanzensteckbriefe drehen sich abwechslungsweise um einen heimischen Baum, einen Strauch oder ein Wildkraut im öffentlichen Raum, welche ihr dann vor Ort aufsuchen und euch genauer ansehen könnt. Denn auch Stadtnatur gibt uns die Möglichkeit zu Naturverbindung – etwas, von dem viele spüren, dass es ihnen fehlt, etwas nach dem sich viele sehnen. Ich wünsch mir, dass diese wieder ein bisschen mehr in unser Leben, in unsern Alltag, findet.

Die Brennnessel – Eine übers Jahr begleitende Heilerin Text und Foto: Stefanie Rüscher Illustration: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé

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as ganze Jahr über schenkt uns die Brennnessel wertvolle Kost und Heil: junge Blätter im Frühling, Samen im Spätsommer, Wurzeln im Herbst. Die Brennnessel vitalisiert, fördert den Stoffwechsel und stärkt bei Erschöpfung nach schweren Erkrankungen, vor und nach einer Geburt. Durch die blutreinigende und entgiftende Wirkung werden entzündliche Vorgänge im Körper beruhigt, die Nierenfunktion wird angeregt, Blasenentzündungen haben keine Chance mehr. Bei Arthrose verbessert sie dadurch die Beweglichkeit und verhütet weitere Knorpelschäden. Wer von Gicht und Rheuma geplagt ist, dem sei ‚Nesselpeitschen‘ empfohlen: Die Wirkstoffe, die das Brennen auf der Haut verursachen, sind genau jene, welche diese Beschwerden lindern. Auch Männer mit Prostataproblemen sind gut mit der Wurzel beraten, wer sich um Kopfhaut oder Haarwuchs sorgt, ebenfalls. Die Brennnessel ist reich. Ein regelrechtes Kraftfutter mit viel Eiweiß, Mineralien wie Eisen – mit außergewöhnlich hoher Bioverfügbarkeit, Kalium und Magnesium sowie Vitamin C und Flavonoiden. Und nicht zuletzt sei erwähnt: Sie wird seit der Antike hochgepriesen als weltbestes Aphrodisiakum. Die Verarbeitungsvarianten sind schier endlos:

als Tee, Spinat, Gelee, Haarwasser, Brennnesselsamenkaviar, oder Samen als Peppauf in Suppen und sowieso über allem. Und wie immer find ich‘s schön, darauf zu achten, dass wir unseren tierischen GenossInnen genug stehen lassen. Und wenn ihr ein paar Samen übrig habt, sät sie doch in eurem Garten oder an einer Stelle in eurer Umgebung aus.

Eine große Beschützerin

Über 50 Schmetterlingsarten legen ihre Eier auf Brennnesseln ab, um ihren nimmersatten Raupen nach dem Schlüpfen einen reich und gesund gedeckten Tisch bieten zu können. Raupen, wie die des Landkärtchens, Tagpfauenauges,

Natur- und Wildnispädagogin Stefanie Rüscher (33) aus Dornbirn.

Admirals oder Kleinen Fuchses sind so wählerisch, dass sie ausschließlich von der Brennnessel schnabulieren. Durch die Eigenschaft der Brennnessel jeden zu brennen, der ihnen zu nahe kommt, sind sie zudem wunderbar vor Fressfeinden geschützt.

„Weiberl hängan, Manderl stengan“

Habt ihr gewusst, dass es BrennnesselWible und -Männle gibt? Die Blütenstände der Männchen stehen waagrecht weg und tragen winzige weißblühende donutähnliche Kügelchen, die, sobald sie reif sind, explosionsartig aufploppen und Staubwolken von Pollen auf die Suche nach ihrem weiblichen Pendant schicken. Wenn alles klappt, kommen daraus Fruchtstände voll grünbrauner, buch­ eckernförmiger Nüsschen hervor. Und wenn der Wind mal nicht dahin trägt, wohin er tragen soll, weiß sich die Nessel mit ihren langen Wurzelausläufern anders zu helfen. Blätter und Stängel sind überzogen von perfekt konstruierten Injektionskanülen, die bei geringster Berührung ihr Köpfchen an einer Sollbruchstelle abbrechen lassen. Der Brennhaarstumpf mit der abgebrochenen Kante bohrt sich dann genüsslich in Häute und alles, was da halt daherkommt.,Jaja, weil wie Pfarrer Künzle schon voller Zuneigung schwärmte: „Hätte die Brennnessel keine Stacheln, wäre sie schon längst ausgerottet, so vielseitig sind ihre Tugenden.“

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Auf zu neuen Ufern!

Vom Mittelmeer zum Bodensee Ruhig und doch majestätisch sieht es aus, wie sich der historische Schaufelraddampfer Hohentwiel gemächlich aus dem Heimathafen bewegt. Es scheint in diesem Moment, als könne nichts diese Idylle trüben und jede Fahrt des liebevoll instandgehaltenen Schiffes auf dem Bodensee wäre ebenso beschaulich und friedvoll. beiten“, erzählt Herr Laila. Und so kam es, dass er nach der Matura an einem Marine-Gymnasium noch eine Marine-Akademie besuchte und dann als Matrose auf einem großen Frachtschiff am Mittelmeer das Gelernte umsetzte.

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Kapitän Adolf F. Konstatzky und Matrose Abdulsamad Laila.

Zu wenig Abenteuer also für einen jungen, hochseeerfahrenen Matrosen? Keineswegs, wie uns Matrose Abdulsamad Laila lachend versichert: „Der Bodensee ist ein kleiner See, ja. Aber er hat alles: Wind, Wetter, Wellen und seine Tücken. Man fühlt sich oft so, als würde man auf dem Meer fahren!“ Herr Laila muss es wissen, ist er mit seinen 27 Jahren doch schon so manche Meile auf Bezahlte Anzeige

hoher See gefahren. Aufgewachsen in der großen Hafenstadt Latakia in Syrien war es schon als junger Bursche sein Traum, auf einem Schiff zu arbeiten. Der in der Bildung tätige Vater hatte hingegen andere Pläne für den Sprössling. „Aber meine Mutter hat gesagt, wenn du ein Ziel siehst, dann kannst du machen, was du willst. Und ich träumte immer davon, auf einem Schiff zu ar-

Dem Traum, eines Tages selbst Kapitän zu sein, setzten aber der Krieg im Heimatland und die Flucht in die Türkei und später nach Österreich vorerst ein jähes Ende. „An meinem ersten Tag in Österreich sagte ich mir, Österreich hat eben kein Meer und das ist jetzt einfach so. Aber als ich dann in Vorarlberg angekommen bin, habe ich den See mit den Schiffen gesehen und der Traum von der Seefahrt war wieder in meinem Kopf. Irgendwie fühlt es sich gleich an. Früher habe ich eben 10 Meter entfernt vom Mittelmeer gelebt und jetzt in der Nähe des Bodensees. Aber damals wie heute sehe ich die Schiffe und weiß, dass ich auf ein solches gehöre!“ Bis es für den jungen Matrosen aber soweit war, mussten noch einige Hürden genommen werden – ohne die Gewissheit, dass der Traum von der Arbeit auf einem Schiff auch in Österreich wahr werden würde. An erster Stelle stand für Herrn Laila das Erlernen der deutschen Sprache. Innerhalb weniger Monate


gelang es ihm, die B1-Sprachprüfung abzulegen. „Mein Glück war es, dass ich in Syrien bereits Englisch gelernt hatte und ich die Buchstaben bereits kannte. Außerdem hatte ich Hilfe von einem jungen Mann aus Vorarlberg, der mit mir gelernt hat. Und natürlich habe ich mit Hilfe des Internets selbst weitergeübt. Das mache ich nach wie vor. Ich lerne jeden Tag!“ Aber nicht nur die Sprache wollte gelernt sein, auch die Arbeit an einer Tankstelle füllte die Tage der ersten Zeit in Österreich. „Mein Traum war natürlich das Schiff. Die Tankstelle war nicht unbedingt das, was ich machen wollte. Aber diese Zeit war wichtig für mich, denn ich konnte nicht nur die Sprache besser lernen, sondern auch verstehen, wie Arbeit in Österreich funktioniert.“ Mit Unterstützung eines Mitarbeiters vom Flüchtlingshilfeverein Vindex gelang der erste Schritt zurück zu den beruflichen Wurzeln: eine Anstellung bei der Schiffswerft Fußach, wobei das erklärte Ziel nach wie vor eine Arbeitsstelle auf einem Schiff blieb. Über Vermittlung von Vindex rückte dieses dann in greifbare Nähe: Ein Vorstellungsgespräch als Matrose auf der Hohentwiel mit dem Kapitän des Schaufelraddampfers, Herrn Konstatzky. Ein Termin, der beiden Seiten in guter Erinnerung geblieben ist. „Herr Konstatzky hat mir ganz direkt ein paar Fragen gestellt, wegen der Religion, der anderen Kultur. Ich war froh darüber, denn so konnten wir alle Unsicherheiten deswegen gleich ausräumen. Ich bin beispielsweise zwar gläubig, aber ich muss während der Arbeit nicht beten. Das kann ich später zuhause nachholen. Oder die Frage nach dem Essen. Ich esse kein Schweinefleisch, aber alles andere esse ich ganz normal mit“, erzählt Herr Laila. Auch der Kapitän des Bodenseeschiffs erinnert sich gerne an die erste Begegnung mit seinem zukünftigen Matrosen: „Letztendlich ist der Schlüssel zum Zusammenleben die gegenseitige Akzeptanz. Das gilt in beide Richtungen. Und Abdulsamad ist eine Bereicherung für unser Team. Aber ja, es ist ein Lernprozess. Ein Lernprozess, dass es mehr gibt als nur meine Interessen, meine Identität. Es geht um das Gemeinsa-

Sehnsuchtsort Wasser – Abdulsamad Laila an Bord der Hohentwiel.

me. Und um Akzeptanz. Hätte ich von vornherein gesagt, dass ich mich auf nichts Neues einlassen will, hätten wir jetzt nicht diesen begeisterten, positiven, aufgeschlossenen Menschen im Team.“ Und diese Begeisterung für die Arbeit auf dem historischen Schiff ist beim Angesprochenen immer wieder zu spüren. „Schon bei der ersten Fahrt war mir klar, dass die Hohentwiel etwas Besonderes ist. In Syrien gab es keine Dampfschiffe und deshalb musste ich an Bord viel Neues lernen. Aber das ist cool. Wir fahren maximal neun Knoten, was echt nicht ohne ist für ein altes Schiff. Ich bin neugierig, das treibt mich an. Wie funktioniert das Schiff? Wie schnell fahren wir? Was ist das? Ich will das alles wissen! Ich möchte nie stehenbleiben, will immer weitergehen. Und irgendwann möchte ich auf einer deutschen Akademie meine Hochsee-Ausbildung fortsetzen!“ Man zweifelt keine Sekunde daran, dass der junge Matrose mit dem Strahlen im Gesicht es auch schaffen wird. Denn der Traum ist noch nicht ausgeträumt. Der Traum, eines Tages Kapitän zu sein. Text und Fotos: Saif Alshabaa und Leonie Dreher

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Vindex (www.vindex.or.at) ist ein interkultureller Zusammenschluss von anerkannten Konventionsflüchtlingen, asylsuchenden und einheimischen Menschen. Als Verein berät und begleitet Vindex Menschen, die in Österreich um Schutz gebeten haben, hier Fuß zu fassen und Wurzeln zu schlagen. Hauptfördergeber von Vindex ist die Weitblick GmbH (www.mitweitblick.org).

mitweitblick gesellschaft bewegen

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CAFÉ

MANNSBILDER 4.0 Welchen Rollenzuschreibungen stehen Männer heute gegenüber? Verschwindet der „typische Mann“ zusehends? Was macht ein Klischee zum Klischee, haben es schwule Männer leichter und überhaupt: Wann ist ein Mann ein Mann?

Moderation: Simone Fürnschuß-Hofer, Robert Thoma, Fotos: Frank Andres, Christina Vaccaro

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Im ersten marie-Themencafé – einer neuen Serie der marie Straßenzeitung – haben wir zum Diskurs über das Rollenverständnis des heutigen Mannes in die Redaktion geladen. Fünf Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen und Berufen haben sich unseren Fragen gestellt: Der ehemalige VEU-Spieler Konrad „Conny“ Dorn, 56, aus Feldkirch, der in Meschach wohnhafte Bestsellerautor Robert Schneider, 57, Sozial- und Jugendarbeiter Markus Schwarzl, 41, aus Batschuns, der Dornbirner Jogy Wolfmeyer, 50, Gründer „Homosexuelle Aktion Vorarlberg“ und als rollenerprobte Frau in der Runde die Kabarettistin Maria Neuschmid, 59, Gurtis. marie: Maria, was ist so lustig an Männern? Wie sehr muss ein Mann Mann sein, damit er für dich kabarettreif ist? Maria Neuschmid: Das ist ganz interessant – wenn ein Mann nur ein bisschen was Atypisches tut, müssen alle wahnsinnig lachen. Wir Frauen müssen viel mehr tun, damit wir lustig sind. Das sieht man ja auch in der Kabarettszene: Es gibt viel mehr Männer als Frauen. Männer sind lustig, wenn sie hilflos sind, wenn sie den Proleten spielen. Sie sind immer lustiger als Frauen. Ich weiß nicht, woran das liegt. marie: Bedienen wir ein paar Klischees:

Der Mann ist hartgesotten, hat Ausdauer, er ist furchtlos und aggressiv. Klassische Männereigenschaften, um ein guter Eishockeyspieler zu sein, Conny? Conny Dorn: Ich glaube, dass ich nicht so bin, wie ich gespielt habe. Aber ich habe gelernt, dass du keine Angst zeigen darfst, auch wenn du welche hast. Wenn du Angst zeigst, hast du schon verloren – im Eishockey zumindest. Wenn es weh tut, zeige es nicht. Das ist auch ein Unterschied zum Fußball: Fußballer liegen am Boden, wenn sie gar nichts haben und der Eishockeyspieler behauptet noch mit blutiger Lippe, du hast mich nicht erwischt. marie: Auch Schwule sind vielen vorgefassten Meinungen ausgesetzt. Gibt es den typischen Schwulen? Jogy Wolfmeyer: Nein. Freddy Mercury ist ein gutes Beispiel. Sein Coming Out war so ziemlich das Letzte, was die Leute erwartet hätten. Auch im Sport gibt es viele Homosexuelle. Gerade dort stellt sich immer wieder das Problem, oute ich mich oder nicht. Mit

dem gemeinsamen Duschen haben die einen mehr Probleme als die anderen. Das habe ich selber erlebt beim Fußball. marie: Ist das liberaler geworden? Jogy Wolfmeyer: Ich bemerke eher einen Retourschub, der zeigt, dass wieder eine sexuelle Revolution bevorsteht. marie: Und dass Schwule einfühlsamer sind, eher Designer und Frisöre? Alles Klischee? Jogy Wolfmeyer: Ja, das ist ein Klischee. Es gibt viele schwule Bauarbeiter, der Beruf hat nichts damit zu tun. Aber wenn ein Homosexueller in einem typischen Männerberuf ist, versteckt er sich eher. Maria Neuschmid setzt sich in ihrer Bühnenarbeit sehr pointiert mit Rollenbildern auseinander nd bringt Frauen wie Männer zum Lachen. Auch privat hat sie mit ihrem Mann die Rollen getauscht.

marie: Apropos typisch bzw. atypisch: Deine Aktivitäten als Autor und Filmproduzent, Robert, hast du hintangestellt, um dich ganz deinen drei Kindern zu widmen. Was macht dieser Rollentausch mit dir? Robert Schneider: Ich definiere ja


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Mann-Sein ganz anders. Bei mir ist ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau, wenn er bzw. sie mutig ist. Das hat nichts mit Kraft, das hat mit Haltung zu tun. Wenn man für was hinsteht, das man will, wenn man ein klares Ja oder Nein gibt, dann ist das ist für mich sowohl eine typisch männliche wie frauliche Eigenschaft. Alles dazwischen sind Waschlappen, Frauen wie Männer. Bei mir ging’s ins Hausmann-Sein ganz nahtlos über. Ob ich ein Buch schreibe oder ob ich für die Buben koche: Immer geht es darum, ob ich es mit Hingebung mache, ob ich das, was ich tue, gern habe, liebhabe. Das ist mir geschenkt worden. Ich wollte niemals Kinder haben, never ever, und als mich meine Frau angerufen hat von New York aus und mir sagte, sie sei schwanger und klar war, ich bleibe daheim, werde die Kinder erziehen, war das wie lebenslänglich ohne Bewährung. Mein Glück war, dass ich mich bei der Geburt ins erste Büable gleich so verliebt habe – ein Geschenk. Aber es macht keinen Unterschied, was man tut, sondern wie man es tut. Das ist der Punkt. Ob man es wählen kann oder ob man es so halb, so verlogen macht. Mut ist also keine Frage des Geschlechtes, sondern eine Frage der Persönlichkeit. marie: Markus, du bist in der Gründungsphase eines Jungenkompetenzzentrums und leitest Workshops, die genau das wollen: die Persönlichkeit der jungen Menschen stärken. Worum geht’s genau? Markus Schwarzl: Um ein Aufbrechen der Rollenklischees, der tradierten Rollenbilder. Beispiele haben wir hier schon gehört. Ich habe nicht gewusst, dass Frauen im Kabarett genauso um Anerkennung kämpfen müssen wie im Management. Das finde ich erschreckend. Humor hat doch nichts mit dem Geschlecht zu tun. Genauso wenig

Robert Schneider kennen wir alle als Bestseller-Autor von „Schlafes Bruder“. Dass er heute als Hausmann seine drei Jungs versorgt während seine Frau als Pilotin um die Welt fliegt, wissen die wenigsten. Für ihn essentiell: Mensch sein und was man tut mit Hingabe machen.

wie Sport geschlechtsabhängig ist, das finde ich sehr unfair. Conny Dorn: Ich muss dir da widersprechen, bis zu 12, 13, vielleicht 14 Jahren können die Mädchen mit den Buben, da sind die Mädchen den Buben sogar oft voraus. Doch danach, wenn der Bub übern Sommer einen Ruck macht, ist der körperliche Unterschied so groß, da sind die Mädchen chancenlos. Ich habe das im Eishockey als Trainer der Auswahl selbst gesehen. marie: Gehen Frauen anders miteinander um im Sport? Conny Dorn: Aggressivität ist schon testosterongesteuert, würde ich sagen. Robert Schneider: Frauen werden ja gerne auch überhöht . . . Gehen Frauen untereinander nicht auch perfider, wenn auch an der Oberfläche scheinbar feiner miteinander um? Sie haben andere Mechanismen. Maria Neuschmid: Es gibt einfach Unterschiede. Buben sind wilde Hunde. Hast du eine Geburtstagsparty nur mit Buben, da bist du fix und fertig, es läuft einfach anders ab. Männer sind anders als Frauen, fertig, aus. Da bin ich felsenfest überzeugt. Jogy Wolfmeyer: Früher als ich in der Jugendarbeit tätig war, hatten wir wilde Weiber dabei, die waren schlimmer als jeder Kerl. Die Jungs waren damals die Zahmen. Es gibt die Wilden auf beiden Seiten. Markus Schwarzl: Die Jungen werden in bestimmte Klischees reingedrückt. Ein Junge muss stark sein, ein Junge muss rebellieren. Wir gehen auf Plätze zu Jugendlichen, initiieren Jugend­treffs und bemerken unglaubliche Rückschritte, auch durch den Rechtsruck in der Politik. Maria Neuschmid: Hat das nicht auch

mit der sozialen Schicht zu tun? Markus Schwarzl: Nein, das hat mit Sozialisation und Bildung nichts zu tun. Ich habe genug Gymnasiasten, die ein Drogenproblem haben. Aber ich gebe dir insofern recht, als dass diese ihr Tun zu einem späteren Zeitpunkt ganz anders reflektieren können. marie: Was sind die größten Unsicherheiten, mit denen die Jungs heutzutage zurechtkommen müssen? Markus Schwarzl: Die Angst, das Gesicht zu verlieren vor den Kollegen. Gerade wenn es um um den ersten körperlichen Kontakt geht und die Frage, wie gehe ich auf den anderen zu, wie mache ich auf mich aufmerksam. Und um die Frage, stehe ich auf Mann oder Frau, bin ich Mann, bin ich Frau, habe ich meine Geschlechtsidentität gefunden? Die erste Geschlechterzuschreibung findet ja bei der Geburt statt, da entsteht die erste Fixierung. marie: Eine gendergerechte Zukunft würde also heißen: Ich schreibe dem Kind nicht das Geschlecht zu, trotz biologischer Offensichtlichkeit? Jogy: In Australien ist das gerade ein riesengroßes Thema. Egal ob es männlich oder weiblich ist, kannst du für das Baby dennoch das dritte Geschlecht Gender X wählen. Markus Schwarzl: Jeder sollte seine Identität selber finden. marie: Lasst uns einen Blick auf #Metoo werfen ... Robert Schneider: #Metoo ist völlig missglückt, behaupte ich. Die Medien haben Jagd auf Prominente gemacht, vorwiegend auf Männer, die Opfer sind immer unwichtiger geworden, die Ge-

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jagten immer wichtiger. marie: Fühlt ihr euch missverstanden? Produziert #Metoo Unsicherheit? Robert Schneider: Nein überhaupt nicht, das ist an mir vorbeigegangen. Wie ich mit einer Frau umgehe – also mit Respekt – hat das nicht verändert. #MeToo ist uns außerdem etwas schuldig geblieben: Die Antwort darauf, was ganz sicher kein sexueller Missbrauch ist. Maria Neuschmid: Viel zu wenig ist rausgekommen, was in Firmen läuft, wo die Frau Angst um ihren Job hat, wo sie sich beim Regale einräumen gefallen lassen muss, vom Chef beim Vorbeigehen angemacht zu werden. Robert Schneider: Die Sauerei ist, dass es niemanden interessiert, wenn es der Herr Müller ist in irgendeinem Büro. Die Medien interessiert nur, ob wir den Typen kennen. Markus Schwarzl setzt sich als Sozialbetreuer und Jugendarbeiter für eine geschlechtergerechte Zukunft ein und möchte die Jungen motivieren, sich nicht durch Zuschreibungen in Rollen drängen zu lassen, sondern ihre eigenen Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit zu entwickeln.

marie: Zurück zum Ausgangspunkt: Ist es heute schwieriger, eine Frau, einen Mann kennen zu lernen, angemessen Kontakt aufzunehmen? Markus Schwarzl: Der Kontakt findet heute natürlich schon vorher in den Sozialen Medien statt, da werden auch schon Bilder herumgeschickt. Das sind durchaus auch sexuelle Übergriffe, das sollte bearbeitet werden: Wann fängt es an? Soziales Mobbing findet zum Beispiel dort statt, wo Fotos einfach weitergeschickt werden und diese sofort zigtausende haben. Maria Neuschmid: Früher bist du in die Disko und die Männer haben die Frauen

zum Tanzen geholt. Heute blättert man in Tinder, die gefällt mir, die nicht, dann schreibt man einer, dann trifft man sie. Es ist so anders geworden. marie: Was gibt dir Stoff für die Bühne? Sind es also heute andere Themen als früher? Maria Neuschmid: Es geht immer um dieselben Gefühle: Sie verlieben sich, sie sind unglücklich, sie sind unsicher. Das Klischee gibt es als solches nicht, denn das Klischee existiert. Früher ging der Mann noch in den Frühschoppen, die Frau hat zu Hause gekocht. Die Männer haben gejasst, die Frauen Ausflüge mit den Kindern gemacht. Wenn das heute ein Mann macht, sagt die Frau, das machst du genau dreimal, dann ist die Ehe fertig. Heute ist Familie wichtig. Fast wichtiger, als vor 30 Jahren, würd’ ich sagen. Männer müssen heute abwaschen, kochen, Wäsche aufhängen, die Kinder von der Schule abholen. Die siehst du jetzt in Elternsprechtagen, in Wartezimmern. Das hat es vor 30 Jahren nicht gegeben. Sie sind heute dort, wo wir damals waren. Die sind jetzt unsicher, aber das können sie alles auch. marie: Mithilfe im Haushalt – wie schaut

das bei dir aus, Conny? Conny Dorn: Ich mache alles. Ich bin jetzt getrennt von meiner Frau, aber ich habe das auch schon früher gemacht. Maria Neuschmid: Damals, als wir noch das Schwimmbad und den Laden geführt haben, musste ich mich entscheiden, ob ich spiele oder das Geschäft habe. Bei sechs Kindern zu Hause war uns klar, dass es nicht mehr so weitergeht. Da lag die ganze Verantwortung plötzlich bei mir, weil der Mann auf die Kinder schauen musste und es hat mir gleich eine Gürtelrose aufgezogen. Eine Woche bin ich im Spital gelegen. Da ist mir bewusst geworden: So müssen sich die Männer fühlen. marie: Wenn klassische Rollenbilder nicht mehr taugen, aber junge Paare nach dem richtigen Modell suchen: Machen nicht gerade diese Pole –weibliche Qualität und männliche Qualität – eine Partnerschaft aus? Robert Schneider: Nein, es gibt nicht die weibliche oder die männliche Qualität, es gibt nur eine menschliche Qualität. Conny Dorn: Da muss ich dir widersprechen, die weibliche Qualität gibt es schon. Ich glaube, dass eine Mutter anders mit den Kindern umgeht. Robert Schneider: Nein, die Kinder gehen anders mit der Mutter um, nicht die Mutter mit den Kindern. Bei uns ist die Mama die Autorität über alles. Es ist hochinteressant, wie die Jungs mit ihrer Mama umgehen. Mit einer Zärtlichkeit ...


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Das erste marie-Themencafé (von links) mit Maria Neuschmid, Jogy Wolfmeyer, Robert Thoma, Markus Schwarzl, Simone Fürnschuß-Hofer, Robert Schneider und Conny Dorn.

Conny Dorn: Aber die Mutter hat eine andere Beziehung, weil das Kind ja neun Monate in ihrem Bauch ist. Maria Neuschmid: Es hat schon jeder seine Rolle. Es macht was aus, ob du ein Kind gebärst, stillst. Jeder sagt, wir brauchen dringen männliche Pädagogen. Es stimmt also nicht, dass alle gleich sind. Jogy Wolfmeyer: Als meine Schwester schwanger war, bat sie mich, nach Wien zu kommen um auf ihr Neugeborenes aufzupassen. Die ersten vier, fünf Monate habe ich das Kind gehabt. Bis heute ist mein Neffe noch fixiert auf mich, ich war der zum Kuscheln. Das Rollenbild geben wir uns selber vor. Was ich dem Kind gebe, kommt zurück. Markus Schwarzl: Aber dort stellt sich die Frage, was für Bilder vermittelt werden. Was ist meine Assoziation von Mann oder Frau. Ich als Mann kann meiner Tochter nur sagen, was es mir bedeutet Mann zu sein, nicht, was sie für ein Bild von Frau haben soll. marie: Als schwuler Mann, Jogy, der sowieso nicht ins klassische Rollenbild passt – befreit dich das in einem gewissen Sinn von allen anderen Erwartungen? Jogy Wolfmeyer: Zuschreibungen habe ich sowieso nie gehabt. Ich bin teils Australier, teils Weißrusse. Als wir hierhergekommen sind von Australien war das ein Kulturschock. Alle waren in einer Sippe, ich war der Ausländer. Somit war es sowieso wurscht: schwul und Ausländer zu sein, da habe ich nicht dazu gepasst. Ich war ein Fremdkörper. Meine Kollegen waren deshalb auch immer eher Ausländer. Der Vorarlberger braucht Zeit, um warm zu werden. Es gibt

Conny Dorn ist heute im Immobiliengeschäft tätig und scheut sich nicht davor, Kochlöffel und Putzlappen zu schwingen. Dennoch ist er überzeugt: Männer sind einfach anders. Und dürfen das auch bleiben.

Länder, die herzlicher mit dir umgehen, Vorarlberg ist kühler. Maria Neuschmid: Aber die Jungen umarmen sich jetzt auch bei uns. Etwas, was es vor 20 Jahren nicht gegeben hätte. Es ist viel körperlicher geworden. marie: Umarmt man sich nicht auch nach dem Eishockeyspiel? Conny Dorn: Nein, wir haben uns nie umarmt. Eishockey kommt aus Kanada, die ticken ja sowieso anders, haben ja ein Schamgefühl, das kann man sich hier gar nicht vorstellen. In Kanada, wenn da ein Eishockeyspieler schwul wäre . . . (schüttelt den Kopf). In Österreich ginge es. Zumindest in Wien hätte ein schwuler Eishockeyspieler kein Problem, in Vorarlberg sehr wohl. marie: Doch noch ein Versuch, ein Klischee ins Rennen zu werfen: Reden Männer anders? Drücken sich Männer anders aus, sei es in der Literatur oder in der Umkleidekabine? Könntest du, Robert, erkennen, ob ein Roman von einer Frau oder einem Mann geschrieben wurde? Robert Schneider: Nein, wir Schriftsteller sind die falsche Adresse. Aber es gibt einen männlichen Sprech. Männer reden unter Männern ganz anders als wenn Frauen dabei sind. Conny Dorn: Ja, natürlich. Wir sind ja kilometerweit gemeinsam im Bus gefahren – nur Männer drin. Da wird schon anders geredet. Sobald nur eine

Jogy Wolfmeyer hat sich durch seinen Umzug von Australien nach Vorarlberg jahrelang im doppelten Sinne als Exote gefühlt und möchte sich bis heute keinen Erwartungshaltungen von außen unterordnen. Lieber erfände er sich jeden Tag neu.

Frau dabei ist, ändert sich das. Außer du bist ein Volltrottel. Maria Neuschmid: Männer reden über Gefühle erst nach dem vierten Bier, wir Frauen kommen gleich zum Punkt, sind gesünder diesbezüglich. Jogy Wolfmeyer: Bis zum Alter von 13 Jahren findest du keinen Unterschied. Was da geschimpft und geflucht wird! marie: Wir fassen zusammen: Der typische Mann ist nicht mehr im Trend. Die einen setzen auf „Rollen-Neutralität“, die anderen auf Unterschiedlichkeit. Was macht aus eurer Sicht den Mann unverzichtbar? Conny Dorn: Na gut, schon allein für die Vermehrung ist der Mann unverzichtbar. Robert Schneider: Ich komme nochmals auf den Anfang zurück. Ich weigere mich, mich als Mann zu bezeichnen, ich bin Mensch und als Mensch unverzichtbar. Markus Schwarzl: Männer sind genauso unverzichtbar wie die Frauen, das Wichtigste ist: Ein Miteinander finden und jede/n selber entscheiden lassen, welche Rollen entsprechen. Jogy Wolfmeyer: Ich hab’s mit David Bowie: Nicht die Erwartungshaltung wiedergeben, sondern seine eigene momentane Situation. Mich jeden Tag neu erfinden dürfen. Wenn ich heute ein Mann sein will, bin ich Mann, wenn ich eine Frau sein will, bin ich Frau. Wenn geschlechtslos, dann geschlechtslos. Maria: Erstens weil wir Kinder wollen, zweitens Spaß, drittens wollen wir über jemanden „schnorrla“, wir brauchen jemanden, der uns was holt, wenn wir ihn rufen. Also i bruch sie ganz viel. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

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Wenn Erzählen verbindet Sechs mal im Jahr lädt die ProjektWerkstatt zum mehrsprachigen Erzählnachmittag in den KinderCampus Höchst. Das Erzählen und Vorlesen für Kinder werden im Dorf zum Ritual und Treffpunkt. Die Mehrsprachigkeit der Geschichten verbindet Ortsansäßige unterschiedlichster Nationen.

Text: Christine Mennel Fotos: Fatima Lopez-Alva

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s ist wieder FreitagsgeschichtenFreitag im KinderCampus: Die Tür öffnet sich und eine Gruppe erwartungsvoller Kinder mit ihren Eltern, Geschwistern, Omas, Opas oder Nachbarn treten ein. Heidrun und Zarene sind schon bereit, das Kamishibai (japanisches Tischtheater) zwischen ihnen aufgebaut. Die Kinder suchen sich einen Platz und machen es sich gemütlich. Das Licht geht aus und nur das Tischtheater bleibt beleuchtet. Endlich geht es los! „Aaa-uuu“ klingt es durch den finsteren Wald und die Tiere fragen sich, woher denn dieses unheimliche Geräusch kommt. Abwechselnd auf Deutsch und Englisch lesen Heidrun Thaler, eine Mitarbeiterin der Bücherei/Spielothek Höchst und Zarene Hutter-Levy, die aus Australien kommt und mit ihrer Familie in Höchst lebt, die Bilderbuchgeschichte vor. Immer wieder dürfen auch die Kinder mitmachen, Fragen stellen oder über das Geschehene mit den Leserinnen reden. Wie klingt der Hahn auf Deutsch? Und könnt ihr euch erinnern, welchen Laut er auf Englisch gemacht hat?

Basteln und Gestalten: Im KinderCampus kommt auch die Kreativität nicht zu kurz.

Wenn im KinderCampus die Freitagsgeschichten starten, können es die Kinder kaum erwarten bis es losgeht.

Ein kooperatives und integratives Projekt

In der Gemeinde Höchst leben Menschen aus über 60 verschiedenen Nationen, fast ebenso viele Sprachen sind hier lebendig. Diesen kulturellen Schatz will die ProjektWerkstatt mit dem Projekt der Freitagsgeschichten heben und wertschätzen. Auf der anderen Seite soll durch das Projekt die Kultur des Vorlesens und des Geschichtenerzählens gepflegt und für Kinder und Eltern gleichermaßen interessant werden. Das Konzept ist so einfach, wie genial: Mit Hilfe des japanischen Tischtheaters Kamishibai wird eine 30-minütige Geschichte zweisprachig – Deutsch und jeweils eine im Dorf lebendige Sprache – für Kinder ab drei Jahren erzählt. Neben Heidrun, liest jeweils eine weitere Person aus dem Dorf in ihrer Muttersprache vor. „Für mich persönlich soll den Kindern das Lesen vor allem Spaß machen. Denn ich denke, dass das Vorlesen und Erzählen im Schul- und Alltagsstress in vielen Familien verloren geht. Durch das zweisprachige Lesen erleben die Kinder auch, welche unterschiedlichen Sprachen im Dorf gesprochen werden und dass es toll ist verschiedene Sprachen zu sprechen und zu verstehen.

Das ist vor allem auch für jene Kinder, in deren Muttersprache vorgelesen wird, ein besonderes Ereignis. Sie sind stolz und freuen sich“, erzählt Heidrun. Je nach Vorlesesprache, wechselt auch das Publikum der Freitagsgeschichten und immer wieder kommen auch Familien aus den umliegenden Ortschaften vorbei. „Die Aufmerksamkeit freut uns“, sagt Projektleiterin Elisabeth Zech, „wir wünschen uns sehr, dass unsere Idee beispielhaft ist und auch in anderen Gemeinden Nachahmer findet.“ Die Freitagsgeschichten sind eine Kooperation der ProjektWerkstatt des KinderCampus mit der Bücherei/Spielothek Höchst und dem Verein Kinderstube Höchst. Finanziert, werden sie von der KinderCampus GmbH. Doch der finanzielle Aufwand ist neben dem Erfolg des Projektes vergleichsweise gering. NÄCHSTE TERMINE: 30. November 2018 – „Steinsuppe“ (deutsch/türkisch) 18. Jänner 2019 – „Das Zebulon und sein Luftballon“ (deutsch/französisch) jeweils 14.30 und 16 Uhr im KinderCampus Höchst. Anmelden unter office@kindercampus.at, www.kindercampus.at


CROWDFUNDING FÜR ESSBARE STADT DORNBIRN Die Initiative Essbare Stadt Dornbirn ruft zur finanziellen Unterstützung auf. Seit dem Projekt-Start im Frühjahr wurde ein Hochbeet auf dem Rhombergareal aufgestellt und viele interessierte BürgerInnen miteinbezogen. Ziel der Initiative ist es, smarte Hochbeete auf öffentlichen Grünflächen in Dornbirn aufzustellen, Sträucher zu pflanzen und für Insekten wertvolle Blumenwiesen erblühen zu lassen. Gemüse, Kräuter und Beeren dürfen dabei von jedem geerntet werden. Zwischenzeitlich hat sich einiges bewegt: Die HTL Bregenz unterstützt Essbare Stadt Dornbirn bei der Weiterentwicklung SMART­er Hochbeete: Temperatur, Bodenfeuchtigkeit und Lichtintensität sollen gemessen und mit dem Wetterbericht verknüpft werden, sodass bei

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ifs Regionale Sozialberatung

Sie haben Probleme, Fragen, suchen Orientierung und wünschen sich ein klärendes Gespräch? Die regionalen Sozialbe­ ratungsstellen des ifs sind zentrale Anlaufstellen für alle Menschen in Vorarlberg, die psychosoziale Fragen oder Probleme haben. Wir widmen uns Ihren konkre­ ten, aber auch den noch unklaren Anliegen, bieten Unterstützung bei der Klärung sowie Beratung. Wir helfen Ihnen in Krisen­ situationen und vermitteln nach Wunsch und Bedarf zu weiterführenden Angeboten. Sie erreichen uns ohne Voranmeldung. ifs Sozialberatungsstellen

Foto: APPARAT LUX

der Bewässerung der Wasserverbrauch um ein Vielfaches gesenkt werden kann. Die Dornbirner Jugendwerkstätten haben angeboten, die Hochbeete zu bauen. Und schließlich hat die Stadtverwaltung dem Projekt ihren Segen gegeben und stellt nun eine Pilotfläche im zentralen inatura-Park zur Verfügung – ab Februar 2019 soll es losgehen. Dazu läuft ein Crowdfunding bis Ende dieses Jahres, 15.000 Euro werden benötigt. Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann dies über die Plattform www.mit.einander.at/ dornbirn tun. Ansprechpartner ist Thomas Mathis, 06504433687. Mehr Informationen gibt es auf www.essbare-stadt.com oder unter mitmachen@essbare-stadt.com

Bregenz Mo – Fr 8 – 12 und 13 – 17 Uhr St.-Anna-Straße 2 Tel. 05-1755-510 Bregenzerwald Mo – Fr 9 – 11 Uhr Impulszentrum | Egg Tel. 05-1755-520 Dornbirn Mo – Fr 8 – 12 und 13 – 17 Uhr Kirchgasse 4b Tel. 05-1755-530

Hohenems Mo – Fr 8 – 12 Uhr F.-M.-Felder-Str. 6 Tel. 05-1755-540 Feldkirch Mo – Fr 8 – 12 und 13 – 17 Uhr Ganahl-Areal, Schießstätte 14 Tel. 05-1755-550 Bludenz Mo – Fr 8 – 12 und 13 – 17 Uhr Klarenbrunnstr. 12 Tel. 05-1755-560

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„Hunderte Millionen Euro für Verfolgungsbürokratie – das ist absurd!“ Portugal, Tschechien, Deutschland, Kanada, USA – überall wo man hinschaut, wird der Umgang mit Cannabis liberaler. Die Abgabe von Cannabis unter kontrollierten Bedingungen wird zunehmend ermöglicht. Nur Österreich will künftig auf härtere Strafen und mehr Kriminalisierung setzen. Ein völlig falscher und volkswirtschaftlich gesehen auch sehr teurer Ansatz, sagt Drogenberater Bernhard Amann.

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Text: Gernot Hämmerle Fotos: Frank Andres, Shutterstock

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ernhard Amann weiß, wovon er spricht, wenn es um den Umgang mit illegalen Substanzen geht. Im „Ex und Hopp“ in Dornbirn betreut und berät er seit vielen Jahren Drogenabhängige und auch Personen, die mit ein paar Gramm Marihuana in der Hosentasche erwischt wurden. Darunter viele, die laut Amann überhaupt keinen problembehafteten Umgang mit Cannabis haben, die sich aber regelmäßig einem Drogentest unterziehen und zu ihm in „Therapie“ gehen müssen. „Weil das der Gesetzgeber so will. „Das ist absurd“, echauffiert sich Bernhard Amann im Gespräch mit der marie. „Hanf wird politisch aus industriellen Interessen militant bekämpft. Auch die unbeteiligte Gesellschaft leidet unter dieser Inquisition. In Österreich konsumieren nahezu eine Million Menschen mehr oder weniger oft Cannabis. Das ist doch längst ein fixer Teil der hiesigen Lebenskultur. Anstatt vernünftig damit umzugehen, wie es andere Länder längst machen, gibt man in Österreich hunderte Millionen Euro für die Verfolgungsbürokratie aus. Das ist absurd. Das ist Beschäftigungstherapie für Behörden und Justiz.“

Kein Anstieg trotz Legalisierung

In den 1920er Jahren hat man in den USA versucht, die Volksdroge Alkohol durch ein landesweites, generelles Verbot in den Griff zu bekommen. Die illegale Alkoholproduktion erlebte eine Hochblüte. Kriminalisierung als Mittel zur Bekämpfung der Volksdroge hat versagt. Auch die Volksdroge Cannabis kann durch Verbote und der damit verbundenen Kriminalisierung offenbar kaum zurückgedrängt werden. In Ländern wie Holland, Kanada, Tschechien oder mehreren US-Bundesstaaten, wo der Konsum von Hanf (und die Verwendung in der Medizin) längst legalisiert wurde bzw. geduldet wird, war kein Anstieg des Cannabis-Konsums festzustellen.

Regierung für härtere Strafen und Einschränkung von Medikamenten auf Cannabis-Basis

Entgegen dem internationalen Trend will Österreichs neue Regierung vermehrt auf Verbote und härtere Strafen setzen. Geplant ist unter anderem: die gesetzlichen Strafen für Suchtmittel-Vergehen zu erhöhen, den Verkauf von Hanfsamen und Hanfpflanzen zu verbieten und den Einsatz von Medikamenten auf Cannabis-Basis einzuschränken. Bernhard Amann: „Die derzeitige öster-

reichische Drogenpolitik ist gescheitert. Amann wünscht sich ein Modell nach dem Vorbild Kanadas oder Colorados. „Legalisierung heißt: Abgabe verbunden mit staatlicher Kontrolle. Zum Beispiel bei Tabakwarenhändlern, in Apotheken oder bei anderen lizenzierten Händlern. Durch die Vergabe von Lizenzen könnte der Staat viel Geld einnehmen,


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anstatt diesen Markt illegalen Händlern zu überlassen. Derzeit läuft vieles illegal über das Darknet.“ Tatsache ist: Das Gras, das konsumiert wird, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher lag der THC-Anteil im Gras bei fünf bis zehn Prozent, heute liegt er vielfach bei 15 bis 21 Prozent. Das kann unter Umständen zu psychotischen Zuständen führen. „Das ist auf die Kriminalisierung zurückzuführen, auf das organisierte Verbrechen. Die wollen natürlich maximalen Gewinn. Das Problem ist einfach die nicht vorhandene Kontrolle. Viele Konsumenten glauben, des isch a Gräsle mit sieben Prozent, dabei konsumieren sie Substanzen mit über 20 Prozent. Das Problem ist nicht, dass es eine höchst problematische Substanz ist, sondern man muss niedriger dosieren. Den Konsum einüben. Feststellen, was einem guttut“, sagt Bernhard Amann. Seiner Ansicht nach ist der von der Regierung angedachte Weg mit mehr Verboten und härteren Strafen ein völlig falscher und volkswirtschaftlich gesehen auch sehr teurer. „Mit Entkriminalisierung und moderner Besteuerung von Cannabis würden jährlich mehrere hundert Millionen ins Budget fließen. Volkswirtschaftliche Schäden wie Arbeitsplatzverlust, Schulrauswurf, Familienschwierigkeiten etc. noch gar nicht eingerechnet.“

„Verachtung von Cannabis-Konsumenten muss beendet werden“

Ein Punkt im Umgang mit Cannabis stößt Bernhard Amann besonders sauer auf: der Umgang mit sogenannten „Drogenlenkern“: „Wenn man die Zeitung aufschlägt, dann heißt es zum Beispiel, man habe 13 Drogenlenker erwischt, mit Cannabis. Da ist es aber so, dass diese Urin- oder Schweißtests nur anzeigen, ob man in den letzten sechs

Wochen Cannabis konsumiert hat. Bei den meisten stellt sich dann letztlich bei Bluttests heraus, dass sie zum Zeitpunkt des Autofahrens überhaupt nicht von Cannabis beeinträchtigt waren. Wenn jemand beeinträchtigt gefahren ist, soll man ihm, genauso wie einem Alkolenker, den Führerschein einen Monat wegnehmen. Aber meistens dauert es bei Drogenlenkern mehrere Monate, bis sie den Führerschein zurück bekommen. Weil Gutachten eingefordert und auch sonst hohe Auflagen erteilt werden, die extrem überzogen sind. Da kommen dann auf einmal völlig integrierte Menschen, die Familie haben, die ein Haus gebaut haben, in diese Maschinerie hinein. Viele verlieren den Job, das ist nach wie vor so. Das ist für viele existenzgefährdend. Diese Verachtung der Cannabis-Konsumenten muss beendet werden. Vor allem auch von Seiten der Behörden.“

„Einziger Profiteur ist das organisierte Verbrechen“

Bernhard Amann ist nicht nur Gründer der niederschwelligen Drogen-Anlaufstelle „Ex und Hopp“, sondern auch Obmann des Vereins „Legalize! Österreich“. Als solcher fordert er die Herausnahme von Cannabis aus dem österreichischen Suchtmittelgesetz. Mit dem Erreichen des Wahlalters sollte der Cannabiserwerb und -besitz erlaubt sein. Analog zu leichten Alkoholika und Nikotin. „Wenn die Regierung Cannabis weiter kriminalisiert und härtere Strafen beschließt, dann ist der einzige Profiteur das organisierte Verbrechen. Ich hoffe, dass die Regierung noch zur Vernunft kommt. Früher war der Verein „Legalize“ Österreich“ Einzelkämpfer. Inzwischen herrscht bei vielen Vereinen, Hilfsorganisationen und Leuten, die beruflich mit dieser Thematik zu tun haben, Konsens: je niedriger die Strafen, desto leichter ist es mit Betroffenen zu arbeiten.“

Bernhard Amann, Obmann und Drogenberater „Ex- und Hopp“ Dornbirn, sowie Obmann des Vereins „Legalize! Österreich“ setzt sich seit Jahren für die Herausnahme von Cannabis aus dem österreichischen Suchtmittelgesetz ein.

„LEGALISIERUNG ERWECKT DEN SCHEIN DER HARMLOSIGKEIT!“

Die Ansicht Amanns, dass Cannabis „keine höchst problematische Substanz“ sei, ist umstritten. Der Linzer Psychiater und Drogenexperte Kurosch Yazdi, Autor der Buches „Die Cannabis-Lüge“ (2017, Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf), etwa warnt: „Das Zeug ist wirklich gefährlich. Es kommen mehr und mehr Patienten, die wegen Cannabis unsere Hilfe suchen.“ In einem Interview mit dem Falter wird Yazdi wie folgt zitiert: „Die Konzentration des berauschenden THC im Cannabis, wie es heutzutage gezüchtet wird, ist viel höher als noch vor zwanzig Jahren. Das Problem ist nun, dass eine Pflanze, die mehr THC produziert, weniger Cannabidiol aufweist. Diese Substanz wirkt aber Psychosen entgegen. Die neueren Züchtungen haben ein gefährliches Ungleichgewicht. Seiner Ansicht nach ist Legalisieren der falsche Ansatz. In seinem Buch „Die Cannabis-Lüge“ schreibt Kurosch Yazdi: „Sobald etwas legalisiert wird, erweckt es den Schein der Harmlosigkeit, geschweige denn, wenn man es als Medikament einsetzt. Und zweitens, sobald es legalisiert wird, explodiert die Verfügbarkeit – und wir wissen, die Menschen konsumieren das, was verfügbar ist. In Wien wird weniger Crystal Meth konsumiert als in Oberösterreich, weil es in Oberösterreich durch die Nähe zu Tschechien viel verfügbarer ist. Die Verfügbarkeit macht die Droge. Deswegen bin ich gegen die Legalisierung.“

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WASTE’S END Ein Blog von Kristina Heilinger Schnupfenzeit

nicht recyclebar. Viele Leute geben sie zwar in den Biomüll, doch angesichts der Bleichmittel und der Duftstoffe im Tempo ist das keine gute Idee. Korrekterweise müssten sie somit in den Restmüll wandern. Ein Stofftaschentuch hingegen besteht aus Baumwolle oder Leinen, wird einmal hergestellt und hält in der Regel dein ganzes Leben lang. Frag mal bei deinen Großeltern oder anderen Verwandten, ob sie noch Stofftaschentücher für dich übrighaben. Ansonsten sind diese in Onlineshops wie Dawanda oder auf Ebay in verschiedenen Ausführungen – mit hübschen Mustern oder unifarben erhältlich. Mit etwas Geschick lassen sich sogar aus alten Baumwollleibchen oder Bettwäsche Stofftaschentücher schneidern. So lässt sich auch eine stärkere Erkältung ohne Abfall aussitzen. Doch schnupfenfrei ist es immer noch am schönsten. Deswegen mache ich jetzt Schluss mit dem Artikel und gehe nach draußen in den (noch) sonnigen Herbst! Bis bald :)

S C HAC H - E C K E FM Thomas Höfelsauer (Wolfurt) IM Christopher Repka (Bregenz) 2. Bundeliga-West in Wolfurt 2018

Andreas Ciolek (Bregenz) Mathias Kalcher (Wolfurt) 2. Bundeliga-West in Wolfurt 2018

Christian Moritz (SPG Oberland) Guido Neuberger (Wolfurt) 2. Bundeliga-West in Wolfurt 2018

Wie kann Schwarz am Zug die Partie sofort entscheiden?

Wie gewinnt Weiß am Zug entscheidendes Material?

Wie gewinnt Schwarz am Zug durch eine unerwartete Kombination?

Lösung: 1…Sxd4! (Dieser Zug gewinnt forciert.) 2.Tc1 (2.cxd4 Lxd4 3.Sc2 Lxa1 4.Sxa1 Txa2 ist ebenso hoffnungslos wie 2.0-0-0 Lg5 3.f4 Lxf4 4.Sg2 Txa2 5.Sxf4 Ta1+ 6.Kb2 Txd1.) 2…Lg5 3.cxd4 Lxe3 4.dxe6 Txa2 und Weiß warf das Handtuch.

Lösung: 1.Sxf7! (Dadurch gewinnt Weiß zumindest zwei Bauern.) 1…Lxf4 (1…Kxf7 2.Dxe6+ Kg6 3.Lxd6 und Weiß hat bei besserer Stellung zwei Mehrbauern.) 2.Sxh8 Se4 3.gxf4 Dxf4 4.Df3 Weiß wickelt in ein leicht gewonnenes Endspiel ab.

Lösung: 1…Td1+! und Weiß gab sofort auf, da 2.Txd1 an 2…a1D scheitert.

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„Hatschi! Hatschi! Mist, meine Nase läuft. Wo sind denn die Tempos?“ Viele Menschen leiden in der kalten Jahreszeit unter Erkältungen. Auch ich bin da leider keine Ausnahme. Mit dem Unterschied, dass ich anstelle „Wo sind denn die Tempos?“ „Wo isch min Rotzfeatza bzw. „Wo isch mi Stofftaschentuch?“ rufe. Auf Stofftaschentücher umzusteigen, war einer meiner einfachsten Schritte zu weniger Abfall. Die Werbung hat zwar auch mir jahrelang erklärt, wie weich, praktisch und hygienisch Papiertaschentücher sind. Die Realität sah für mich anders aus: Meine Nase tat vom Schnäuzen mit Papiertaschentüchern oft weh. Zudem hatte ich unterwegs oft zu wenig Tempos dabei und musste Nachschub

kaufen oder bei Freunden schnorren. Und wer hat nicht auch schon einmal ein Papiertaschentuch in seiner Hosentasche vergessen und musste dann die Fasern nach dem Waschen aus der Kleidung entfernen? Derlei Ärgernisse fallen weg, wenn du auf Stofftaschentücher umsteigst. Sie sind viel weicher und schonen die empfindliche Haut an der Nase. Wenn du einmal fünf bis zehn davon hast, brauchst du dir nie wieder neue zu kaufen! In der Waschmaschine nehmen die kleinen Tücher nur wenig Platz ein und werden schnell wieder sauber. Auch ökologisch hat das Stofftaschentuch ganz klar die Nase vorn: Papiertaschentücher werden aus frischem Zellstoff unter Einsatz von viel Holz, Wasser, Energie und Chemikalien erzeugt. Denn die blütenweiße Farbe kommt nicht von ungefähr. Zudem sind die Papiertücher jeweils in Einweg-Plastikverpackungen verpackt. Und wie entsorgst du gebrauchte Taschentücher? Ins Altpapier gehören Papiertaschentücher eindeutig nicht – denn die Fasern sind


#33 / November 2018

Daniela Lais (37) ist Koch- und Backbuchautorin, Journalistin und Vielreisende. Sie lebt zwischen Portland/OR (USA) und Hörbranz. Ihre Bücher sind als „Einfach Vegan Backen“ und „Vegane Lunchbox“ in jeder Buchhandlung zu beziehen. Als Vegan on the go ist Vegane Lunchbox in Englischer Sprache weltweit erhältlich. Im Oktober erscheint Easy Vegan Baking auf dem US und UK-Markt. Daniela lebt seit über 16 Jahren vegan.

Ja,

ich werde Mitglied im marie-Freundeskreis. Damit unterstütze ich die Arbeit von marie. Meine Jahresspende beträgt:  60,- Euro (Mindestbeitrag für Schüler/Studenten/Senioren)  100,- Euro 

HEFEKARTOFFELN Dieses Gericht kostet für 4 Personen zirka 7 Euro.

Euro

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/ 31 E-Mail

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Einzugsermächtigung: Ich erteile eine Ermächtigung zum Bankeinzug meiner Jahresspende. IBAN

Zubereitung:

Zutaten für 4 Personen: • 800 g Kartoffeln • 6 mittlere Zwiebel • 50 g Margarine • ½ Würfel Hefe • 2 El Mehl • ½ Liter Gemüsebrühe • 2 El Sojasahne • Kümmel • Schnittlauch, gehackt • Salz und Pfeffer • Hefeflocken zum Bestreuen

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Wir versichern, dass Ihre Angaben nur für interne Zwecke bei marie verwendet werden. Ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis ist jederzeit kündbar.

Bitte Coupon ausschneiden und senden an: marie-Freundeskreis Am Kehlerpark 5 Top 34 6850 Dornbirn

✂

Die Kartoffeln schälen, kochen und in dickere Scheiben schneiden. Zwiebeln schälen, in Ringe schneiden und in der zerlassenen Margarine dünsten. Hefe in der Brühe auflösen. Mehl darüber sieben und anschwitzen. Brühe angießen und 5 Minuten köcheln lassen. Sojasahne unterziehen und mit Salz, Pfeffer und Kümmel abschmecken. Schichtweise nun Kartoffeln und Zwiebelsauce in eine gefettete Auflaufform füllen. Im vorgeheizten Backofen bei 180°C etwa 30 Minuten backen, dann den Grill dazu schalten (bis leicht gebräunt) und mit Schnittlauch bestreut servieren. Dazu passt ein knackiger Salat.


Gsi

KINDER DER LANDSTRASSE Charlotte Nobel mit ihrem älteren Bruder Max auf einer Fotografie von 1942. Die Geschwister sahen sich erstmals im Kinderheim St. Joseph in Grenchen (Privatbesitz).

In der Schweiz wurden Hunderte Kinder aus Roma-Familien den Eltern weggenommen und in Heime, zu Pflegeeltern oder in Gefängnisse gebracht. Die meisten davon im Kanton Graubünden. Es sollte eine gute Tat sein, zum Wohl der Kinder. Sie sollten ein zivilisiertes Leben führen. Die Aktion dauerte bis 1973 und mündete in einer Katastrophe. Text: Gerhard Thoma Fotos: Beratungstelle für Landesgeschichte, Universität Zürich

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Das Kinderheim St. Josef im aargauischen Klingnau wurde wie die meisten Heime von katholischen Schwestern geführt. Hier waren über 20 „Kinder der Landstrasse“ untergebracht (aus: Louis Dreyer, Clingenowe – Klingnau).

I

ns Rollen kamen die Maßnahmen Anfang der 1920er Jahre. Immer öfter beklagten Bürger die „misslichen Verhältnisse“ in armen Familien. Besonders bei den fahrenden Familien der Roma und Jenischen. Die Kinder gingen nicht zur Schule, bettelten, seien verwahrlost und entzögen sich jeder staatlichen Kontrolle. Und ähnlich wie heute waren schon damals viele Gemeinden mit diesen Zuständen überfordert. Die Behörden blieben untätig oder schoben die Sippschaften mehr oder weniger sanft in andere Kantone ab. Verärgerte Bürger wandten sich schließlich an „Pro Juventute“ in Zürich. Mit breiter Unterstützung von Behörden und Bevölkerung machten sich die Mitarbeiter der halbstaatlichen Jugendwohlfahrtsorganisation daran, die Vagantenfamilien systematisch zu erfassen. Ihr Ziel: Aus „fahrenden“ Kindern „sesshafte“ gute Bürger zu machen. Dazu wurde 1926 das „Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse“ geschaffen. Gegründet wurde die Einrichtung von Alfred Siegfried (1890 – 1972). Siegfried war Mitglied im Zentralsekretariat von „Pro Juventute“ in Zürich und früher Lehrer an einem Gymnasium in Basel. Sein Posten als Lehrer war ihm gekündigt worden, weil er wegen sexuellen Missbrauchs eines Schülers rechtskräftig verurteilt worden war. Jetzt konnte er als amtlicher Vormund der „Hilfswerk“-Kinder mitbestimmen, wo welches Kind untergebracht wird und wie es erzogen werden soll. Die Vorgangsweise des „Hilfswerks“ war rigoros. Manchen Müttern wurden ihre Babys gleich nach der Geburt weggenommen. Nach einer psychiatrischen Begutachtung wurden


#33 / November 2018

Auch die Kinder dieser Familie aus Graubünden, die sich in den 1920er-Jahren im Sonntagsgewand fotografieren ließ, wurden von Pro Juventute „fremdplatziert“. (Schweizerisches Bundesarchiv).

Das „Scharotl“ ist bis heute ein Symbol für die fahrende Lebensweise, auch wenn die Fahrenden schon lange nicht mehr mit dem Planwagen unterwegs sind. Anonymes Bild aus den 1920er-Jahren (Sammlung Ernst Spichiger/Cronica).

die „Hilfswerk-Mündel“ in Kinder- und Erziehungsheime verschickt, andere landeten in Pflegefamilien. Sogenannte „kleine Diebe“ wurden ins Gefängnis gesteckt. Etliche Jugendliche wurden auf Bauernhöfe gebracht, wo sie in der Landwirtschaft arbeiteten. Die Behörden und Alfred Siegfried von „Pro Juventute“ achteten penibel darauf, dass sich Kinder und Eltern nicht mehr kontaktieren konnten. Teilweise wurden sogar die Namen der Babys und Kinder geändert, damit sie für ihre Verwandtschaft unauffindbar blieben. So sollten sie dem „schlechten Einfluss“ entzogen und von ihren neuen Familien leichter adoptiert werden.

Schreckensherrschaft

Ganz allgemein waren Demütigung und Prügelstrafe damals noch anerkannte Erziehungsmethoden. Zeitgeist sozusagen. Aber Kinder aus ärmlichen Verhältnissen hatten es besonders schwer. Viele Heim- und Pflegekinder wurden hilflose Opfer verfehlter Personalentscheidungen und krimineller Pädagogen. Ein gutes Beispiel dafür ist Alfred Siegfried, der besagte Gründer des „Hilfswerks für Kinder der Landstrasse“ und dadurch Vormund Tausender Kinder von „Pro Juventute“. Der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Pädagoge wurde 1927 auch noch zum Leiter der Abteilung „Schulkind“ befördert. Diese Funktion hatte er 30 Jahre lang, bis 1957, inne. Viele ehemalige Zöglinge des „Hilfswerks“ berichten von sexuellen Übergriffen. Siegfrieds Nachfolger als „Schulkind“-Leiter heißt Peter Doebeli. Dieser wurde bereits 1961 abgesetzt und 1963 in Zürich zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt: Auch er hatte etliche Kinder sexuell missbraucht. Die Nachfolge Siegfrieds als Leiterin des „Hilfswerks für Kinder der Landstrasse“ trat 1958 Clara Reust an. Reust war zuvor als gefürchtete Fürsorgerin beim „Seraphischen Liebeswerk“ in Luzern aktiv. Dieses war unter anderem darauf spezialisiert, fahrende Familien zu bekämpfen. Reust stand bis zur Auflösung des „Hilfswerks

im Jahr 1973 an dessen Spitze. Das Ende des unseligen „Hilfswerks“ wurde 1972 eingeleutet. Journalisten des „Schweizerischen Beobachters“ veröffentlichten Reportagen über Kinder und Jugendliche, die ihren Familien entrissen worden sind. Die Schilderung ihres Leidensweges und jener ihrer Eltern erschütterten die Schweizer Bevölkerung. Im Frühjahr 1973 musste die „Pro Juventute“-Stiftung ihr „Hilfswerk“-Projekt beenden. Sämtliche noch bestehenden Vormundschaften wurden aufgelöst. Weder Alfred Siegfried (1890 – 1972) noch Clara Reust (1916 – 2000) wurden jemals juristisch zur Verantwortung gezogen, ebenso wenig jene Vereinsmitglieder und Beamten, die ihre Aufsichtspflicht bis zuletzt kläglich vernachlässigt hatten. Dafür zahlte der Schweizer Staat, der „Pro Juventute“ Jahrzehnte lang finanziell unterstützt hatte, Betroffenen zwischen 2000 und 7000 Franken „Schmerzensgeld“. Allein aus Familien der Roma und Jenischen wurden von 1926 bis 1973 rund 600 Kinder ihren Eltern entrissen. Die meisten Kindswegnahmen gab es im Kanton Graubünden. Das angepeilte Ziel wurde nicht erreicht. Die Kinder erhielten im bürgerlichen Milieu weder Liebe und Zuwendung noch eine ordentliche Schulbildung. Die meisten landeten entweder wieder auf der Straße oder verdingten sich als Hilfsarbeiter auf Bauernhöfen. Ihre seelischen Qualen sind unbeschreiblich. Viele Akten des „Hilfswerks“ sind nach wie vor unter Verschluss und für die Öffentlichkeit aus Gründen des Personenschutzes und brisanter Daten nicht zugänglich. LITERATUR: Walter Leimgruber, Thomas Meier, Roger Sablonier: „Das Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse“, Historische Studie aufgrund der Akten der Stiftung Pro Juventute im Schweizerischen Bundesarchiv.

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Kultur

HEUTE IST WIEDER KUNO! Bereits die erste Veranstaltung des Vereins für Kinderkultur im Bregenzerwald, KUNO, war ein Riesenerfolg. Der Andrang war so groß, dass kurzerhand ein Zusatzkonzert eingeschoben wurde. Die marie sprach mit den beiden Macherinnen Katharina Rohner und Veronika Sutterlüty über die Anfänge und die Pläne für das nächste Jahr.

Text: Mirjam Steinbock Fotos: Darko Todorovic, Frank Andres

K 34 /

UNO ist noch jung. Im Frühjahr 2018 trug die Kulturmanagerin Veronika Sutterlüty ihre Idee, im Bregenzerwald ein nachhaltiges Kulturprogramm für Kinder und Jugendliche anzubieten, erstmals nach außen. Ihr Plan: Mit Veranstaltungen, die sowohl heimische als auch international tätige Künstlerinnen und Künstler präsentieren, soll jungen Menschen ein spielerischer Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht und die ganze Bandbreite der Kultur gezeigt werden. Ohne Altersbegrenzung, niederschwellig, leistbar und nachhaltig. Bei der Gemeinde Egg fand das großen Anklang und auch andere Institutionen, Fördereinrichtungen und Sponsoren sagten kurzfristig ihre Unterstützung zu. In der Eggerin Katharina Rohner fand Veronika Sutterlüty sofort eine begeisterte Unterstützerin für ihr Projekt. Die Grafikerin, die ebenfalls Erfahrung im Kulturbereich hat und leidenschaftlich für das Thema brennt, gab KUNO seinen Namen, verpasste ihm einen Auftritt im Netz und ein ansprechendes Logo mit individuellen Buchstaben, die es auch schon in Holz gibt. Dass Veronika Sutterlüty eine Netzwerkerin mit feinem Gespür für Kultur ist, bewies sie unter anderem bei „Dorfklang“, ein Projekt, das sie vor einigen Jahren gemeinsam mit Margarete Broger für Wirtshäuser im Bregenzerwald um-

setzte. „Wir müssen die Ressourcen viel mehr nutzen und uns zusammen tun, das spart Geld“, sagt die Musikvermittlerin, die schon für das Symphonieorchester Vorarlberg arbeitete und im Haus der Musik in Wien tätig war. Das Aufteilen von Kompetenzen macht die Eggerin und Mutter zweier Kinder zum Vereinsmotto. So konnten auch rasch Katharina Körber als Schriftführerin und Martina Berchtold für den administrativen und bürokratischen Part gewonnen werden. Das Programm von KUNO, das bis Ende dieses Jahres fixiert ist, wird ebenfalls von vielen Menschen entwickelt. „Ich sehe es als großen Gewinn, das Know-how unserer Vereinsmitglieder einzubinden“, so Veronika Sutterlüty.

Familienfreundliche Preise

Wichtig ist den KUNO-Macherinnen, dass das Angebot für Familien erschwinglich ist. So kostet jede Aufführung lediglich vier Euro Eintritt. Tickets sind sowohl bei den vielen KUNO-Partnern erhältlich als auch digital buchbar. Katharina Rohner richtete einen Online-Ticketkauf auf der Website ein. „Ich kenne das selbst als Mutter. Am Abend hast du endlich Zeit, dich zu informieren, was es gibt. Wenn du das Ticket dann gleich online kaufen kannst, ist das unheimlich erleichternd.“ Ein Publikum außerhalb des Bregenzerwaldes wird bei KUNO übrigens auch angesprochen. Beim ersten Familienkonzert mit dem Trio Eloui, Philipp Lingg und Christoph Mateka, das für

begeisterte Gesichter und eine Zusatzvorstellung sorgte, seien viele Familien aus Bregenz, Lustenau und Dornbirn gekommen, so Veronika Sutterlüty. Auch für die Anreise hat das Team gesorgt, denn mit dem Kauf eines Tickets kann man zusätzlich eine Gratisfahrkarte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln buchen.

Barrierefrei

Keine Barrieren zum Kulturgenuss soll es geben, daran arbeitet der Verein engagiert. Dass es immer wieder Hemmschwellen gibt, ist den Frauen bewusst. Nicht selten sind es der Eintrittspreis,


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„Ich kenne das selbst als Mutter. Am Abend hast du endlich Zeit, dich zu informieren, was es gibt. Wenn du das Ticket dann gleich online kaufen kannst, ist das unheimlich erleichternd.“

eine Altersbeschränkung oder ein hohes Kulturniveau, das Menschen von der Kulturbeteiligung ausschließen kann. Dem möchte KUNO entgegen wirken und bietet zugunsten erschwinglicher Tickets auch ein vorbildliches Sponsoringkonzept für Patenschaften mit Wirtschaftstreibenden. Und auch ein Kulturvermittlungsangebot für Klein und Groß sowie Kooperationen mit anderen Institutionen wie dem Landestheater Vorarlberg oder dem Theater der Figur in Nenzing sorgen für eine umfassende Einbindung von Kulturschaffenden. Und wie steht es mit den Räumlichkeiten? „Die Gemeinde Egg stellt uns

sehr viele Locations zur Verfügung“, schwärmt Katharina Rohner. Auch Bildungs- und Sozial-Einrichtungen sind mit im Boot. Die kommende Veranstaltung „Pippi Langstrumpf “ mit einer Filmvorführung findet im BORG Egg statt und im Dezember geht KUNO zu einem Erzählnachmittag für Jung und Alt ins Sozialzentrum Egg. In „Das Geheimnis des Schenkens“ erzählt Hertha Glück einen Tag vor Heiligabend vor einem generationsübergreifenden Publikum. Selbst der Heiligabend wird bespielt mit „Ein Esel geht auf Reise“, einem Schattentheater, das die Geschichte vom Glauben an sich selbst erzählt.

Im Frühjahr 2019 steht unter anderem mit „PAPiER-LA-PAPP“ zeitgenössischer Tanz von Silvia Salzmann auf dem Programm. „Die Sparte Zeitgenössischer Tanz möchten wir im Bregenzerwald noch ein wenig mehr ausleuchten“, freut sich Veronika Sutterlüty. Auf die Zukunft von KUNO angesprochen, gibt sich Katharina Rohner zunächst bedeckt: „Jetzt schauen wir erst einmal, wie es sich entwickelt.“ Und dann sprudelt es doch aus den beiden Frauen hervor, die sich wünschen, dass es ganz normal wird, zu KUNO zu gehen. „Es wäre toll zu hören, wenn die Leute sagen ‚Heute ist wieder KUNO’, und KUNO zu einer selbstverständlichen Freizeitalternative geworden ist“, wünscht sich Veronika Sutterlüty. Schließlich ist es der dreijährige Sohn von Katharina, der es mit seiner Frage auf den Punkt bringt: „Wo sind eigentlich die anderen KUNOs?“ WEITERE INFORMATIONEN zum Programm von KUNO unter www.kunoinderkultur.at

Großes Foto: Die beiden KUNO-Macherinnen Katharina Rohner und Veronika Sutterlüty. Kleines Foto: Staunende Kindergesichter beim ersten Familienkonzert.

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Kultur

Speakdating – ein Treffen der besonderen Art Mark Riklin, Soziologe und Künstler, begleitet im Auftrag des vorarlberg museum ein Projekt, das zur Begegnung und Kommunikation einlädt – einer der Grundpfeiler des Museums, das damit den gesellschaftlichen Diskurs befeuern will. Im „Speakdating“ treffen Generationen zusammen und folgen bestimmten Spielregeln, um in Dialog zu kommen. Text: Daniela Egger, Foto: vorarlberg museum

W

Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Die Lösung finden Sie am unteren Rand des Rätsels. Lösung

Für Anfänger

7

×12

÷2

+49

-78

×6

÷2

+24

÷7

×11 Lösung

Für Fortgeschrittene

13

zum Quadrat

-73

1/3

der Summe

+25% ×12

-136

÷86 +250% ×15 Lösung

Für Genies

157

-78

×3

-1/3

der Summe

÷2

×5

-20% -276

zum Quadrat

25% der Summe

Lösungen: Für Anfänger = 99, Für Fortgeschrittene = 210, Für Genies = 400

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enn sich plötzlich eine leere Stuhlreihe als Spalier über den Kornmarktplatz zieht, die ihren Ursprung im vorarlberg museum hat, dann bleiben schon gleich die ersten Passanten und Passantinnen stehen und möchten wissen, was daraus wird. Das Interesse wird noch größer, als die geladenen Gäste nach einer kurzen und musikalisch begleiteten Einführung ihre Plätze einnehmen. Sie sollen reden, nichts weiter als das. Es ist ein Treffen unterschiedlicher Generationen, Alter trifft Jugend, die vorbereiteten Fragen geben einen klaren Rahmen vor, ebenso der Zeitpunkt der Wechsels. Man trifft auf die andere Generation, die Unbekannten, auf die, denen so vieles nachgesagt wird. Im Rhythmus von zwei Minuten werden Erfahrungen besprochen, es geht darum, private Ansichten von wildfremden Menschen zu hören, stehen zu lassen, nicht zu kommentieren, nur zuzuhören. Und zu erzählen, wenn man dran ist. „Die Offenheit der Menschen ist beeindruckend, Jung und Alt begegnen sich vorurteilslos im freundschaftlichen Dialog. Dazu die zauber-

hafte Musik von Andreas Paragioudakis, der die Menschen abholt, und der leere Platz unter den Bäumen, der dazu einlädt, aus dem Alltag zu treten – das gesamte Setting von Mark war ideal, um echte Dialoge zu ermöglichen“, sagt Theresia Anwander, Kuratorin und Verantwortliche des vorarlberg museum für dieses Experiment, gemeinsam mit Fatih Özcelik. Die leuchtenden Augen verraten, was im Anschluss bei Getränken, Käse und Brot deutlich wird: Es war eine unglaubliche, bereichernde und erfüllende Erfahrung. Man geht anders nach Hause, mit neuen Bildern, mit Erzählungen aus erster Hand, mit Ideen und Impulsen für das eigene Leben. Man sieht intensive Gespräche, lachende Gesichter, einander zugewandte Menschen, die sich zuvor nie begegnet sind und jetzt noch lange sitzen bleiben, bunt gemischt, Jung und Alt gemeinsam, einfach so. Weil es schön war sich auszutauschen. Weil das Museum als Hausherrin solche Begegnung ermöglicht und die Teilnehmenden zu Komplizen werden lässt. Und weil jetzt eine geheime Liste kursiert, um ganz sicher wieder eingeladen zu werden, wenn ein neues „Speakdating“ ansteht.


#33 / November 2018

VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at

Di., 6. November, 19:30 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Eintritt: 12,- Euro oder 120 Talente

WER REGIERT DAS GELD?

Vortrag von Paul Schreyer, Autor des Bestsellers „Wer regiert das Geld?“ Schreyer stellt die brisante Frage, wer darüber entscheidet, was als Geld anerkannt wird und wer die Kontrolle darüber haben soll. Seine Antworten sind klar und eindeutig. Veranstalter: TALENTE Vorarlberg. Anmeldung erwünscht: willkommen@arbogast.at.

Mi., 7. November, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: freiwillige Spenden

Foto: Elisabeth Novy

Fr., 2. November, 19 Uhr, Pfarrsaal St. Karl, Hohenems, Eintritt: 18,- Euro

URSULA LEUTGÖB

Damenquartett Ein Hauch von Swing und Volksmusik, Balladen und typische Singer-Song-Writer-Lieder. Feinfühlig instrumentiert und a capella. Texte in bester Liedermachertradition, voller Poesie, Witz, Drive und subtiler Zwischentöne. Seit einem Jahr ist Ursula Leutgöb im Damenquartett mit Monika Schwarzinger (git, bass, sax, voc), Monika Feninger (piano, git, voc) und Antonia Sigl (viol, perc, voc) auf Tour. Mit dem aktuellen Programm „Herzzeit“ ist das Ensemble nun erstmals in Vorarlberg zu hören.

Mo., 5. November, 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: frei

KONTAKTCHOR LÄDT EIN ZUM OFFENEN SINGEN

Asylwerbende Menschen und anerkannte Flüchtlinge singen mit musikalischen Feldkirchern und Feldkircherinnen und Interessierten aus der Region. Ulrich Gabriel, erfahrener Chorleiter, Kolumnist, Musiker und Autor leitet diesen Chor gemeinsam mit der Designerin Brigitte Theisen. Für ein interessiertes Publikum, das gerne singt, besteht die Möglichkeit sich dazu zu gesellen, zuzuhören, mitzusingen, Kontakt aufzunehmen.

FORUMTHEATER „GEH NICHT“

Wir würden ja gerne allen Flüchtlingen in Österreich Schutz bieten, aber eigentlich muss ihnen ja in ihren Herkunftsländern geholfen werden – oder? Gemeinsam mit einer Gruppe von erfahrenen AkteurInnen der Entwicklungszusammenarbeit und MigrantInnen präsentieren Julia Felder und Michael Schiemer ein Theaterstück, das uns wie durch eine Lupe in die Herausforderungen des Themas hineinblicken lässt. Die Szenen beruhen auf realen Erlebnissen der SchauspielerInnen und rufen das Publikum zum Mitdenken auf.

Do., 8. November, 19 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz, Eintritt: frei

Do., 8. November, 19 Uhr, inatura Dornbirn, Eintritt: 10,- Euro

SCHWANGERSCHAFT UND UNERWÜNSCHTER KINDERWUNSCH

Die Bindungsanalytikerin Dr. Ute Auhagen-Stephanos aus Ulm legt in ihrem Vortrag ein psychoanalytisches Verständnis von Unfruchtbarkeit und Schwangerschaft dar, das die körperlichen, psychischen und sozialen Mechanismen der Empfängnis beinhaltet. Anschließend findet ein moderiertes Fachgespräch mit Dr. Ute Auhagen-Stephanos, OA Dr. Norbert Loacker (Leiter Kinderwunschzentrum LKH Feldkirch), Mag. Barbara Jochum (schwanger.li) und Frida Leon Beraud (Theatermacherin) statt. Anmeldung unter naturschau@inatura.at oder +43 676 83306 4770.

Do., 8. November, 20 Uhr, Landeskonservatorium Feldkirch, Eintritt: 12,- Euro

MONTFORTER ZWISCHENTÖNE

Silent Stories Bildergeschichten zum Schweigen mit Live-Soundtrack. Fotografien umfangen eine Aura der Stille. Sieben herausragende Fotograf­ innen und Fotografen gestalteten zum Zwischentöne-Thema sieben Bildergeschichten. Drei Virtuosen improvisierter Musik schauen auf die Leinwand und erfinden live den Soundtrack dazu. Ein poetischer, skurriler, hintergründiger Abend in Farbe und Schwarz-Weiß.

VERGESSENE OPFER

NS-Euthanasie im Familiengedächtnis Wie konnte es geschehen, dass kranke bzw. beeinträchtigte Menschen plötzlich als gesellschaftliche Bedrohung gesehen wurden? Sie verschwanden einfach, heimlich vergast oder zu Tode gepflegt. Thomas Matt führt ein Gespräch mit Angehörigen von Euthanasieopfern. Dazu haben sich bereit erklärt Ilse Bechter aus Krumbach, Nikolaus Emerich aus Lauterach, Katharina Hotz aus Bregenz und Herbert Nägele aus Kennelbach. Impulsreferat von Gerhart Hofer von der Kathi-Lampert-Schule für Sozialbetreuungsberufe in Götzis. In Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems.

Fr., 9. November, 9 bis 11 Uhr, Frauenmuseum Hittisau, Eintritt: frei

FRAUENCAFÉ

Freundschaften beginnen immer mit einer Begegnung. Jeden 2. Freitag im Monat sind die Frauen*cafés Orte die verbinden, Verständnis und Toleranz wecken, Begegnungen ermöglichen, Beziehungen und Freundschaften entstehen lassen. Alle Frauen* sind herzlich eingeladen.

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Veranstaltungskalender

Foto: Veranstalter

Fr., 9. November, 20 Uhr, Gemeindehaus Nüziders, Eintritt: 18,- Euro

COBARIO

Zehn Welten Tour Das mehrfach ausgezeichnete Wiener Instrumentaltrio Cobario tourte schon um die halbe Welt und sog dabei stets neue musikalische Inspirationen auf. Das klingt mal nach staubiger, südamerikanischer Wüste, mal nach tiefgrünen irischen Hügeln und natürlich immer nach dem klassischen Wiener Kaffeehaus. Seit über zehn Jahren begeistern die spielfreudigen Vagabunden Herwigos (Violine, Bratsche, Klavier), El Coba (Gitarre) und Giorgio Rovere (Gitarre) ihr Publikum.

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Mo., 12. November, 19:30 Uhr. KABTreff, Götzis (Am Bach 3), Eintritt: frei

PENSIONSSCHOCK – ZEITGERECHTE EINSTIMMUNG AUF DEN RUHESTAND

Der Übergang von der Berufstätigkeit in die Pension hat es in sich. Zuerst noch voll im Beruf – und dann? Nicht wenige gehen sehr unvorbereitet in den neuen Lebensabschnitt und glauben der wohlverdiente Ruhestand sei ein Schlaraffenland, das sich von selber einstellt. Doch da gibt es einige Stolpersteine, auf die man vielleicht gar nicht gefasst ist, kaum eine Ebene, die von diesen Veränderungen nicht betroffen ist. Nicht zuletzt muss auch in der Partnerschaft Vieles neu arrangiert werden. Vortrag von Dr. Markus Hofer, Buchautor und langjähriger Leiter des Männerbüros der Kath. Kirche Vorarlberg. Anmeldung: KAB-Büro, T 05523/53147, kab@kab-vorarlberg.com, www.kab-vorarlberg.com

Mi., 14. November, 19:30 Uhr, Stadtbücherei Bregenz, Gerberstr. 4, Eintritt: frei

Fr., 16. November, 14 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: frei

MAMA, WAR ICH AUCH IN DEINEM BAUCH?

Ein kultureller Treffpunkt interessanter Menschen aus Feldkirch und darüber hinaus: Bei Kaffee, Tee und Keksen gemeinsam Musik hören, Gedichte lesen, diskutieren, reden, lachen. In Zusammenarbeit mit dem Jugendservice sowie der Flüchtlingskoordination der Stadt Feldkirch und dem Gymnasium Schillerstraße.

Eltern reagieren oft unsicher. Wann ist es Zeit, ein Kind aufzuklären? Wie finde ich die passenden Worte? Kinder können von ihren Eltern lernen, offen, selbstbewusst und verantwortungsvoll ihren Körper und ihre Sexualität zu entdecken. Vortrag von Sexualpädagogin Edith Viktorin.

SALON AM SAUMARKT

Do., 15. November, 9 bis 10:30 Uhr, Pfarrheim St. Christoph, Dornbirn, Eintritt: frei

FRAUENFRÜHSTÜCK

Magdalena Burtscher referiert zum Thema „Die Botschaft der Engel“. Eine Kooperation des Bildungswerkes der Katholischen und der Evangelischen Kirche Dornbirn.

Do., 15. November, 14 bis 18 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz, Eintritt: frei

PROJEKTSCHMIEDE

Die Projektschmiede ist eine Drehscheibe für Menschen mit Ideen, Initiativen und Innovationen aus der Region und für die Region. Projektgeber/-innen arbeiten mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammen, die ihr Fach- und Alltagswissen einbringen. Der klar strukturierte und von einem professionellen Team geführte Rahmen, sorgt für einen offenen und konstruktiven Denkraum, in dem an den Ideen gefeilt und deren Umsetzung gefördert wird. Infos unter http://www.aoh-vorarlberg.at

Do., 15. November, 19:30 Uhr, KAB-Treff, Götzis (Am Bach 3), Kursbeitrag: 7,- Euro

GELASSENHEIT

Kann man das Lassen, die Gelassenheit, die viel Druck von uns wegnimmt, lernen oder einüben? Referent: Elmar Simma, Hospiz-Seelsorger. Anmeldung: KAB-Büro, T 05523/53147, kab@kabvorarlberg.com, www.kab-vorarlberg.com

Foto: Veranstalter

Fr., 16. November, 20 Uhr, Pfarrzentrum Höchst, Eintritt: 17,- Euro

fein_R.I.P.

Kabarett Das Feinripp Ensemble widmet sich im aktuellen Stück dem Tod und dem Sterben. Die drei Schauspieler Thomas Gassner, Markus Oberrauch und Bernhard Wolf wollen die Tür ins Jenseits aufstoßen und suchen das gefährliche Abenteuer in der Unterwelt. Dafür müssen sie sterben. Ihre Seelen treten aus ihren Leibern und wagen die Reise ins Hinüber. Wie es dort aussieht? Das bleibt vorerst ein Geheimnis. Mystisch und ironisch wird es auf jeden Fall.

Fr., 23. November, 19:30 Uhr, Schule am See, Hard, Eintritt: 8,- Euro

VON WÖLFEN UND KINDERN

Die Entdeckung des ursprünglichen Spiels. Vortrag und Workshops mit dem Buchautor O. Fred Donaldson. Er war in den USA Universitätsprofessor, bevor er sich 1973 ganz dem Spielen widmete. Infos unter www.originalplay.at


#33 / November 2018

Sa., 24. November, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 10,- Euro

FÜRS AUGE UND OHR

Zwei Künstler aus Vorarlberg haben sich folgendes Ziel gesetzt: Eine Nacht der Künste. In Zusammenarbeit möchten sie einen unvergesslichen Abend schaffen, der die Sinne der Besucher anspricht. Die Präsentation der Vernissage vom Künstler Be.Dona „Augenblicke“ wird zeitgleich mit der CD-Präsentation des Soloalbums „SENSORY INPUT – Death could be my Bride“ gezeigt.

Fr., 30. November, 20 Uhr, Sonnenbergsaal Nüziders, Eintritt: 22,- Euro

ANNA MATEUR

Sie tanzt. Sie singt. Sie spontant. Und macht Musik mit der wohl geilsten Stimme seit Nina Hagen! Anna Mateur ist diese großartige, wundersame Erscheinung, die mit ihrem sagenhaften Stimmvolumen und abgrundkomischen Witz-Ernst das Groteske der Normalität, das Monströse des Mittelmaßes und den Zusammenhang von Komfort und Konformismus enttarnt.

Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 MEDITATIONSGRUPPE

jeden Montag um 18.15 Uhr

FRAUENCAFÉ

jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen

SPORTNEIGUNGSGRUPPE

Foto: Veranstalter

jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9

LITERATUR TANKSTELLE

Mo., 26. November, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 17,- Euro

jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr

ALI MAHLODJI: WARUM FEHLER UNSER GRÖSSTER LEHRMEISTER SIND

jeden 1. Freitag im Monat, 14 bis 17 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!

Ali Mahlodji bezeichnet sich selbst als „Fehler im System“. Er war Flüchtling, Schulabbrecher, hatte über 40 Jobs – von der Putzhilfe zum Manager, hin zum Lehrer, ist Gründer und Geschäftsführer von WHATCHADO und EU-Jugendbotschafter. Kern seines Vortrages sind auch immer Erfahrungen aus fast 6000 Lebensgeschichten, die sein Team und er für WHATCHADO, eine digitale Berufsorientierungsplattform, eingefangen haben. Vom Präsidenten zum Friedensnobelpreisträger, von internationalen Stars bis zum Nachbarn von nebenan erzählen sie alle in Videos, worauf es in ihrem Beruf wirklich ankommt.

NÄHWERKSTATT

HOCHPRIMA KINDER YOGA

jeden Donnerstag, 15.30 bis 16.30 Uhr, ausgenommen Ferien und Feiertage

OFFENE SCHREIBWERKSTATT

jeden 1. Samstag im Monat, 9.30 bis 12 Uhr, Komm vorbei mit Papier, Stift und Freude am Schreiben

REPARATURCAFE BREGENZ

Geöffnet jeden 1. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr in der Remise der Integra-Fahrradwerksatt, Vorklostergasse 51. Geschickte Handwerker versuchen die defekten Gegenstände gemeinsam mit Ihnen wieder zu richten. Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt. Spenden werden gerne angenommen, damit die Ausstattung mit Werkzeugen ausgebaut werden kann. Wir suchen weitere geschickte Reparierer und Kuchenbäcker/innen. Kontakt: Roswitha Steger, T 0650/264 74 46 oder Lebensraum Bregenz, T 05574/ 52700, lebensraum@lebensraum-bregenz.at.

REPAIR CAFÉ RHEINDELTA

In den geraden Kalenderwochen jeweils freitags von 14-18 Uhr in Höchst, Doktor-Schneider-Straße 40. Die nächsten Termine: 2., 16. und 30. November. Kontakt: repaircafe. rheindelta@gmx.at

REPAIR CAFÉ THÜRINGEN

Jeden 1. Samstagvormittag im Monat 8:30 bis 12 Uhr, Werkstraße 32. Nächster Termin: 3. November. Kontakt: Norbert Burtscher, T 0664/3410517

REPARATURCAFÉ IM MÖSLEPARK GÖTZIS

Jede und jeder kann mit seinem defekten Elektrogerät kommen (keine Elektronikgeräte wie Handy, Drucker, Computer etc.). Unsere Reparaturfachleute stehen mit wertvollen Tipps zur Seite und sorgen für das richtige Werkzeug. Nächster Termin für Elektrokleingeräte: Freitag, 9. November 13 bis 16:30 Uhr. Kontakt: gerhard.schmid@caritas.at

REPARATURCAFÉ FELDKIRCH

Fachleute helfen Ihnen bei der Reparatur von Haushaltskleingeräten, Kleinmöbel, Spielzeug oder etwas Ähnlichem. Kosten? Eine freiwillige Spende. Jeden 1. Samstag im Monat von 9-12 Uhr, Polytechnische Schule Feldkirch/Hintereingang, Hirschgraben 8. Nächster Termin: 3. November von 9 bis 12 Uhr. Kontaktperson: Joachim Breuss, T 0699/ 19287066

REPARATURCAFÉ BLUDENZ

Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.

Das Bludenzer Repair Café gibt dir die Möglichkeit, deine defekten Elektrogeräte unkompliziert reparieren zu lassen. Nächster Termin: 30. November von 13 bis 16:30 Uhr. Klarenbrunnstraße 46. Kontakt: christine. erath@caritas.at, T 05522/ 2002600

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GSTIS MITTA

JEDEN 1. MITTWOCH IM MONAT

FREI-

JEDEN 1. MONTAG IM MONAT

Dornbirn RUNDE 12:15-13:30

Feldkirch 19:00-21:00

Bit.ly/MaennerMittagstisch

Bit.ly/Herrenzimmer

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11.30 Uhr Feiertagsmesse

13.30 Uhr Adventwerkstatt: Sterne basteln & Christbaumkugeln filzen

Bläserensemble Gemeindemusik & Männerchor Götzis

15 Uhr Lesung mit Elmar Simma

Gaumenfreunden aus der Arbogaster Küche Weisheitsgeschichten & Weihnachtsmärchen

15.30 Uhr Adventlieder singen für alle

Stimmungsvoll die Vorweihnachtszeit erleben Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast, Götzis > Eintritt frei > Details unter: www.arbogast.at Bezahlte Anzeige


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marie 33/ November 2018 by marie - Die Vorarlberger Straßenzeitung - Issuu