#3 / Februar 2016
2,50 Euro
davon 1,25 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
Vindex-Chefin Fahlbusch Sicheren Job geschmissen, um Flüchtlingen zu helfen.
Querdenker im Ländle Von einem, der kein Geld mag und Müll verwertet.
Vorkämpferin für Arme Agathe Kessler, Vorarlbergs Pionierin der Sozialarbeit.
Kostbarer Krimskrams In Hittisau trotzen 7 Frauen der Wegwerfgesellschaft.
Wieder im Leben Zehn Jahre Drogensucht. Susanne Gröbler war Teil einer Welt, die kein Erbarmen kennt: Gewalt, Prostitution, Kriminalität. Heute ist sie clean. Susanne hat der marie ihre Geschichte erzählt. Seiten 8-11.
Foto: Petra Rainer
Tage der Barmherzigkeit
25.2. bis 28.2. 2016
26.2. 19:30 Uhr
27.2. 16:00 Uhr
Vortrag „Was Führungskräfte von Jesuiten lernen können. Das Entscheidungsmodell der Jesuiten.“ mit P. Dr. Christian Marte SJ SPARKASSENSAAL, Dornbirner Sparkasse
26.2. 19:30 Uhr 2/
Vortrag „Selig die sich Erbarmenden, denn sie werden Erbarmen erfahren!“ (Mt 5,7) mit P. O. Univ.-Prof. Dr. Georg Fischer SJ PFARRHEIM HATLERDORF
26.2. 19:30 Uhr Vortrag „Papst Franziskus und die Barmherzigkeit“ mit P. Dr. Andreas Battlogg SJ ALTE KOCHSCHULE (2. Stock) Kirchgasse 8
26.2. 21:00 Uhr
Workshop „Ignatianisch leben – heute“ mit P. Dr. Andreas Battlogg SJ PFARRHEIM HATLERDORF
27.2. 16:30 Uhr Workshop „Concordia Sozialprojekt“ mit P. Mag. Markus Inama SJ PFARRHEIM SCHOREN
27.2. 16:30 Uhr Workshop „Haesch an Plan?“ für junge Leute mit P. Benjamin Furthner SJ und P. O. Univ. - Prof. Dr. Georg Fischer SJ PFARRZENTRUM MARKT
27.2. 18:30 Uhr „Abend der Barmherzigkeit“ – Möglichkeit zum Gespräch, Aussprache und Beichte PFARRKIRCHE HATLERDORF
„Ignatianischer Tagesrückblick“ mit P. Benjamin Furthner SJ KATHARINE-DREXEL-KAPELLE, Hatlerdorf Bezahlte Anzeige
www.jahr-der-barmherzigkeit.at
#3 / Februar 2016
Mittendrin in V 4-5 Bild des Monats 6-7 Brauchen wir eine neue Bank? Das Prinzip Gemeinwohlbank 8-11 Zwei Leben in einem Susanne Gröblers zurück aus Drogenhölle 12-13 Vindex-Gründerin Eva Fahlbusch Sicheren Job gegen Flüchtlingshilfe getauscht 14-15 Kartografierte Verantwortung Landkarte mit 38 wertvollen Inititiativen 15 Impressum 16 Orientalisch gefüllte Süßkartoffel Köstliches Rezept um 1,80 Euro pro Person 17 Stolze marie-Verkäuferin Georgiana Rafaela: „Arbeiten statt betteln“ 18 Wertvoller Krimskrams 7 Frauen trotzen der Wegwerfgesellschaft 19 Schachecke
Anders Leben 20-21
Querdenker im Ländle Von einem, der Müll mehr schätzt als Geld
Gsi 22-23
Tapfere Frau mit großem Herz Agathe Kessler, Pionierin der Sozialarbeit
Kultur 24-25 25 Jahre Jüdisches Museum Ein Ort der Begegnung und Weltoffenheit 26-27 Kulturinitiativen im Porträt Kammgarn in Hard 28-30 Veranstaltungskalender 31 Vorarlberg-Rätsel Kennscht Lüt?
Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, die Februar-Ausgabe der marie ist thematisch nicht so durchgeplant wie sonst, sondern setzt Schwerpunkte, mit denen sich die einzelnen Redakteure von sich aus beschäftigen wollten. Herausgekommen ist – wie ich meine – eine sehr bunte marie. Anders als in den ersten beiden Ausgaben sind diesmal nicht Armut und Notreisende das dominierende Thema. Vielmehr sind es markante Persönlichkeiten, die das Bild der dritten Ausgabe prägen. Eine von ihnen ist die heute 43 Jahre alte Susanne Gröbler. Mit 14 schlittert sie in ein Leben voller Heroin, Prostitution und schwarzer Magie. Wie sie aus diesem jahrelangen Horrortrip heraus und zurück in ein erfülltes Leben findet, lesen Sie auf den Seiten 8 bis 11. Eine markante Persönlichkeit völlig anderer Art ist Agathe Fessler. 1870 in Bregenz geboren, war sie ihrer Zeit weit voraus, gründete eine Volksküche, einen Trödelladen und ein Obdachlosenheim und wurde so zur Pionierin moderner Sozialarbeit (Seiten 22/23). Eva Fahlbusch hat einen krisensicheren Beruf aufgegeben, um den Verein „Vindex – Schutz und Asyl“ ins Leben zu rufen (Seiten 18/19). Auch der Lebenslauf von „Gopi“ aus dem Oberländer Bergdorf Röns ist alles andere als typisch vorarlbergerisch. Ein Interview mit dem Weltreisenden und alternativen Querdenker lesen Sie auf den Seiten 20/21. Wie bereits gewohnt auch diesmal in der marie: Rätsel, Rezept, Karikatur, Verkäuferporträt und vieles, was Vorarlberg sonst noch interessiert und bewegt. Viel Freude mit der dritten marie-Ausgabe! Herzlich, Gernot Hämmerle, Co-Herausgeber
Kontaktieren Sie uns Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0650/8385641.Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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Bild des Monats
Mit E-Gitarre und Schlagzeug für Flüchtlinge Foto: Frank Andres
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Alexander Swoboda (12) aus Klaus und Kian Hofmann (11) aus Weiler engagieren sich musikalisch für Flüchtlinge. Alexander, der Gitarrist des gemeinsamen Band-Projekts „O-Mega“, hat mit „Singeing Sun“ ein Lied zu diesem Thema selbst komponiert. Entstanden ist der Song im Herbst 2014, als die tragischen Bilder von ertrunkenen Bootsflüchtlinge über die Fernsehschirme geflimmert sind. „Ich möchte die Leute mit diesem Lied zum Nachdenken bringen“, erklärt Alexander. Übrigens: Alexander und Kian suchen einen Bassisten (10 bis 14 Jahre alt) für ihre Band. Bei Interesse bitte melden. Wir leiten die Anfragen weiter. Das Video von „Singeing Sun“ („Sengende Sonne“) findet ihr auf YouTube. www.youtube.com/watch?v=ByrSWI5TWbg
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Mittendrin in V
Brauchen wir wirklich noch eine Bank?
Ja, sagten sich einige Leute rund um Christian Felber, der mit seinen Publikationen zur Gemeinwohlökonomie bereits kluge Alternativen zum kapitalistischen Wirtschaftssystem aufgezeichnet hat. Gerechtere und langfristig positiv wirkende Alternativen.
Text: Daniela Egger Foto: Privat
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a, wir brauchen eine neue Bank, eine Bank, der man sein Geld gerne anvertraut, sagen auch die zirka 2700 Österreicher/innen, die die Bankenrettungsmeldungen mit dem Gefühl der Ohnmacht lesen. Sie alle haben bereits Anteile gezeichnet, um die alternative Bank in Österreich Wirklichkeit werden zu lassen. Immerhin eine kleine Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen. Eine Bank, die den Kriterien der Gemeinwohlökonomie folgt, stellt andere Prioritäten auf als die Banken, die seit 2008 für schlechte Presse und immense Staatsschulden sorgen. Die Bank für Gemeinwohl ist ein zivilgesellschaftliches Projekt. Anstatt großer Investoren sollen möglichst viele Genossenschafter/innen an der Gründung der Bank beteiligt sein und die Idee mittragen. Die Ethikbank verzichtet auf Investitionen, die dem Gemeinwohl nicht dienlich sind. Sucht ein Unternehmen um einen Kredit bei der Bank für Gemeinwohl an, muss es damit rechnen, dass nicht nur die eigenen Geschäftsfelder streng unter die Lupe genommen werden, auch deren Zulieferbetriebe müssen nachweisen, dass weder Kinderarbeit noch Umweltbelastungen, Tierquälerei oder illegale Güter produziert oder akzeptiert werden. Die Anleger/innen dürfen darauf vertrauen, dass die regionale Wirtschaft unterstützt wird und
ihr Geld für sozial verträgliche Produkte arbeitet. Für Unternehmen, die unsere Lebensqualität sichern. Ursprünglich waren Banken so gedacht – sie sollten Geld akkumulieren, um Projekte zu ermöglichen, die einer alleine nicht finanzieren konnte. Damit schufen sie Werte in der Zukunft, von deren Ertrag sie auch selbst profitierten.
Vorreiter in Vorarlberg
Seit dem Spekulationswahn und den diversen Blasen, die dieser hervorgebracht hat, ist diese Art der Finanzwirtschaft zu einer Gefahr für die soziale Stabilität geworden. Es ist Zeit für einen Wandel. In Vorarlberg gibt es schon andere Vorreiter-Banken, die ihre Werte einer internen Prüfung für mehr Nachhaltigkeit unterzogen haben. Etwa die Raiffeisenbank Lech und auch die Dornbirner Sparkasse, die beide inzwischen eine Gemeinwohlbilanz vorgelegt haben. Was bedeutet, sie stellen Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Demokratie und Transparenz in den Vordergrund ihres Handelns. In Deutschland kann die GLS Bank auf eine 40-jährige Erfolgsgeschichte verweisen, der Zulauf von Menschen, die ihr Geld in saubere Projekte investieren wollen, ist dort riesig. Weltweit gibt es etwa 36 alternative Banken, die nach den bereits genannten Kriterien arbeiten. Die Bank für Gemeinwohl hilft bei der solidarischen Weiterentwicklung
einer Gesellschaft, die sich im Wandel befindet und sich neu orientieren muss. „Ein besonderes Anliegen der Bank ist es, die systemischen sozialen und ökologischen Auswirkungen von Zinsen sichtbar zu machen und damit den Abschied vom Zinsanspruchsdenken zu ermöglichen“, so liest man auf der Homepage des Projektes. Ein zinsfreies Bankensystem ist in der islamischen Welt nicht ungewöhnlich – immerhin waren sich die beiden Religionsstifter darin einig: Sowohl Jesus wie auch Mohammed verurteilten den Zins, den die Geldgeber verlangten. Die Zinsen führten schon in biblischen Zeiten zu Wucher, und wenn man die Jahreseinkommen von einigen Hedgefonds-Manager erfährt (Im Jahr 2013 verdiente ein gewisser Mr. Tepper – um nur einen zu nennen – fünf Milliarden, das sind täglich (!) rund zehn Millionen Dollar. Quelle: FAZ vom 6.5.2014), dann verschlägt es einem doch die Sprache.
Was können wir also tun?
Es ist noch immer die Zivilgesellschaft, also wir alle, die bestimmen, wie wir leben wollen. Obwohl es immer komplizierter wird, leben wir doch in einer Demokratie, und bestimmen mit unserem Verhalten, in welche Richtung wir gehen. Die Gründung einer Bank ist ein solch zivilgesellschaftlicher Akt, ein mutiger noch dazu. Es werden sehr viel Geld und Zeit investiert, von meist ehrenamtlich engagierten Menschen aus
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„Viele Menschen haben bereits verstanden, dass es dringend Veränderungen braucht.“ Michael Zorn, Sprecher der Gemeinwohlbank, Regionalgruppe Vorarlberg
Hat das alte Dagobert-Duck-Syndrom endlich ausgedient? Die Bank für Gemeinwohl behauptet: Ja!
allen möglichen Berufssparten, um ein deutliches Zeichen zu setzen. Ein Konto lässt sich erst eröffnen, wenn die Finanzmarktaufsicht der Bank für Gemeinwohl die Konzession erteilt. Jetzt geht es also ums Ganze – wird es die neue Ethikbank geben oder nicht? Das entscheiden allein die Menschen, die bereit sind, mitzumachen. Bis 2017 soll österreichweit ein Budget von sechs Millionen Euro erreicht werden, um bei der Finanzmarktaufsicht die Lizensierung einzureichen. Andere, auch bereits bestehende Banken werden diesem Prozess hoffentlich folgen. Das gesamte Projekt der Bankgründung ist auch eine Bewusstseinskampagne, viele Menschen werden inspiriert. Sie sehen, dass es auch andere Wege der Geldwirtschaft gibt und dass diese nicht zurück ins Mittelalter führen müssen. Sie könnten zu einer gerechteren Verteilung führen, was der Wirtschaft bekanntlich noch nie geschadet hat.
Cartoon: Martin 2016
Gemeinwohlbank
Sozial engagierte Ländle-Banken
Seit 2014 Freie Genossenschaft. sechs Millionen Euro hat sich die Bank zum Ziel gesetzt, um den Banklizensierungsprozess zu beginnen. Beginn der Banktätigkeit ist ab Anfang 2017 geplant. Mit 200 Euro kann man Mitglied der Genossenschaft werden. Maximal können Anteile für 100.000 Euro erworben werden, dies als bewusste Entscheidung, um keine Abhängigkeiten von Großinvestoren entstehen zu lassen. Mehr Infos und Anteile zeichnen unter: www.mitgruenden.at
Wenn auch nicht bis zum Geschäftsmodell für das eigene Banking, so prägen Wertorientierung und gesellschaftliche Verantwortung doch auch das Selbstverständnis der heimischen Banken. Hypo und Raiffeisen haben mit einem Spendenfond („Hypo für Vorarlberg“) bzw. einer Crowdfunding-Plattform (mit.einander.at) eigene Strukturen für ihr Sozialengagement eingerichtet.
Sprecher der Regionalgruppe Vorarlberg des Projekts Bank für Gemeinwohl ist Michael Zorn, Tel.: +43 660 35 35 385, E-Mail: rg_vorarlberg@mitgruenden.at
Die Sparkassen („Was zählt sind die Menschen“) und Volksbanken („Regional. Weitsichtig. Respektvoll.“) nehmen ihre soziale Verantwortung u.a. in entsprechend priorisierten Kommunikations- und Sponsorpartnerschaften wahr.
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Mittendrin in V
ZWEI LEBEN IN EINEM Die Vorarlbergerin Susanne Gröbler ist 14 Jahre alt, als in der Schule „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gezeigt wird. Fasziniert von der jungen, heroinsüchtigen Christiane F. lässt sich die Jugendliche auf eine Welt ein, die weder Gnade noch Kompromisse kennt. Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Petra Rainer
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Foto: privat Hochzeitsbild einer Heroinsüchtigen: Susanne Gröbler in ihrem „ersten“ Leben.
hristiane F. aus „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ verkörpert, was die junge Susanne Gröbler sein möchte: Cool, abgeklärt, subversiv. Fasziniert von der Drogensüchtigen, die sich bereits als Minderjährige prostituiert, glorifiziert sie deren Schicksal und Lebensweise. Was mit der Intention eines abschreckenden Beispiels ins Klassenzimmer gebracht wird, wirkt sich im Falle der 14-jährigen Susanne verheerend aus. Sie erinnert sich: Nicht an Gefahren und rote Warnsignale im Kopf, sondern an Gänsehaut bei David Bowies Filmmusik. Nicht an Abstoßendes und innere Abwehr, sondern an eine Szene, die sie in ihren Bann zieht. „Das ist es“, dachte ich sofort. „Mich hat niemand überredet oder reingezogen. Ich habe mich ganz aktiv auf die Suche nach Drogen gemacht“, so Susanne Gröbler, die heute mit 43 Jahren clean ist und mit ihrem zweiten Mann in Langenegg lebt. Weit muss sie damals nicht gehen, um sich mit Stoff einzudecken. Schnell knüpft sie bei ihren Discobesuchen Kontakte mit Drogensüchtigen, der erste Joint ist nur wenige Tage nach dem Film gedreht. Dann geht alles ganz schnell. „Ich kam sofort in einen Kreis, in dem es üblich war, harte Drogen zu nehmen.“ 15 ist sie erst, als sie von zu Hause wegläuft. Ohne Pass über die grüne Grenze nach Zürich an den viel berüchtigten Platzspitz flieht. Dort versorgt sie sich nicht nur mit dem ersten Schuss Heroin, sondern verdient sich auch vor Ort das nötige Geld dazu: „Prostitution gehört dazu, anders hätte ich mir – wie viele an-
dere auch – die Sucht nicht finanzieren können“, so Susanne Gröbler heute.
Labil und sensibel
Dabei war dieser Weg nicht vorgezeichnet. „Ich habe gute Erinnerungen an meine Kindheit, es hat im Grunde vieles gepasst“, gibt Susanne familiären Gegebenheiten keine Schuld. „Eine gewisse Disposition zu Suchtverhalten mag vielleicht vorhanden sein bei mir“, räumt sie gleichzeitig ein. Sowohl der Vater als auch der Stiefvater, beide inzwischen verstorben, waren Alkoholiker. Gleichzeitig betont sie, habe ihr Bruder niemals Alkohol oder Drogen missbraucht. Was also war passiert, das im heranwachsenden Mädchen diesen Wandel bewirkt hat? „Mit 14 hat sich in mir viel verändert. Da meine Eltern berufstätig waren, war ich relativ oft allein, habe angefangen zu rauchen und mich in Tagträumen verloren. So wie viele Jugendliche auf der Suche sind, war auch ich es, aber ich war zudem labil und höchst sensibel“, sagt Susanne, die so schnell in die Drogenwelt abtaucht, dass ihre Mutter eine Weile braucht, bis sie die im Zimmer herumliegenden Joints und Spritzen überhaupt als solche registriert.
Hochzeit unter Drogen
Ihre Mutter ist es auch, die sie schließlich über Interpol suchen lässt. Susanne wird nach Hause gebracht, landet in einem Heim für Schwererziehbare. Mit dem Effekt, dass der Drogenkonsum eine unmittelbare Fortsetzung findet, Susanne wird weiterhin regelmäßig mit Stoff ver-
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Susanne GrĂśbler heute: Ăœber den Glauben hat sie zu sich und in ein neues Leben gefunden.
Mittendrin in V
Gitarrespielen hat sich Susanne Gröbler selbst beigebracht.
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sorgt. Das geht ein halbes Jahr so, bis sie ihre Mutter aus dem Heim wieder zu sich nach Hause nimmt. Susanne stabilisiert sich kurzzeitig. Und lernt wiederum ein halbes Jahr später ihren ersten Mann kennen: Einen schwer süchtigen Drogendealer. Es kommt, was kommen muss, das jedoch schlimmer denn je: Ein täglicher Cocktail aus Drogen, Schlafmitteln und Methadon bestimmt fortan ihr Leben, mit 17 ist Susanne Gröbler der Sucht komplett verfallen. Lebt in den Folgejahren von Notstandshilfe, schläft in billigen Wohnungen oder auf der Straße, isst nichts oder das, was ihr zufällig in die Hände fällt. In dieser Phase heiratet sie ihren ersten Mann. Das Hochzeitsfoto zeigt eine Susanne, die heute nicht wiedererkennbar ist: Pechschwarze Haare, eingefallene Wangen, schwarz umrandete Augen. Ein Anblick, der die Welt, in der sie lebt, widerspiegelt. Sie wiegt gerade noch 39 Kilo, lässt sich mit ihrem damaligen Mann in eine Entzugsklinik einweisen, bricht nach nur einer Woche ab und wartet zu Hause auf ihren Partner, mit dem sie noch am Tag seiner Entlassung sofort wieder die nächste Spritze setzt. Und damit ihre erste Überdosis. Niemand merkt es, Susanne stirbt beinahe.
Dem Tod näher als dem Leben
Als sie doch noch auf der Intensivstation in Feldkirch landet, sagen ihr die Ärzte, dass sie nicht mehr lange leben wird, wenn sie so weitermacht. Einmal mehr
wird sie von ihrer Mutter aufgefangen, die den Ausbau eines Zimmers zu Hause in Aussicht stellt. Trotz allem elterlichen Beistand bestimmt jedoch weiterhin das Heroin ihr Leben. Immer wieder ist sie durch eine Überdosis dem Tod näher als dem Leben. Schlafmittel und Medikamente sind tägliche Rationen, die teilweise packungsweise geschluckt werden. „Man wundert sich, was so ein Körper alles ertragen kann“, schüttelt Susanne den Kopf und findet teilweise selber kaum Worte für eine Zeit, die man rein äußerlich betrachtet an ihr heute nicht mehr erahnen würde. Für eine Zeit, in der die Gefühle wie ausgeschaltet waren und dennoch die Emotionen mit ihr Achterbahn fuhren: „Das Leben war sinnlos geworden. Ich war als Schwersüchtige abgestempelt, schaute von Tag zu Tag noch fertiger aus, war ständig zugedröhnt von Tabletten und Drogen.“ Manchmal habe sie auch Amphetamine genommen, nächtelang nicht geschlafen und sei völlig durchgedreht. „Ich bin vor ein Auto gesprungen, habe einmal eine Arzthelferin bedroht - aber an all das kann ich mich im Grunde gar nicht mehr erinnern. Wenn ich die Zeiten aus diesen zehn Jahren zusammenrechne, an die ich Erinnerungen habe, dann sind das vielleicht drei Jahre.“ Nicht nur optisch, auch charakterlich weiß Susanne um die zerstörerischen Auswirkungen der Drogen: „Vor nichts und niemandem hatte ich Respekt. Schon gar nicht vor der Polizei.“ 33 Piercings gegen den
Die Bibel ist Susanne Gröblers tägliche Begleiterin.
Rest der Welt. „Ich habe ausgeschaut wie der Tod“, sagt Susanne und scheut sich nicht, die Bilder herzuzeigen. Der Tiefpunkt allerdings ist noch nicht erreicht.
Schwarze Magie
Irgendwann trennt sich ihr Mann von ihr. Woraufhin sie in aller Verzweiflung einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Er soll ihr ihren Mann zurückholen, betet sie ihn an, dafür bekäme er ihr Leben. Susanne fühlt sich tatsächlich in der Hand des Satans: Ihr Mann kommt zu ihr zurück, aber ihr Leben wird ab sofort nicht nur von den Drogen, sondern auch von einer Stimme bestimmt, die sie Tag und Nacht verfolgt und sie endgültig ihrer Sinne beraubt. Ein regelrechter Knödel in ihrem Magen verursacht Schmerzen, Hassgefühle übermannen sie. Nervenzusammenbrüche stehen an der Tagesordnung, höchst aggressiv gebart sie sich allen und jedem gegenüber, schlägt mit ihren blanken Händen Scheiben ein. Einmal wirft sie einen Krug nach ihrem Partner. Er duckt sich, im Furnier dahinter klafft ein Loch. Ihr Mann verlässt sie wieder, Satan bleibt. „Ich glaubte, tot zu sein und habe ein Jahr lang darauf gewartet, in die Hölle zu kommen, gleichzeitig hat sich diese väterliche Stimme in mir als das Gute verkauft und Gott als den Bösen dargestellt“, ist sich Susanne heute sicher, dass sie im Bann der schwarzen Magie gefangen war. Sie will nicht alles preisgeben, was sie in dieser Zeit erlebt hat, ringt
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Heute lebt Susanne Gröbler mit ihrem zweiten Ehemann in Langenegg, lässt sich in Bregenz zur Sozialbetreuerin ausbilden. Seit 19 Jahren ist sie clean.
nach erklärenden Worten: „Das war keine Psychose. Die Stimme war vielleicht imaginär, das Erlebte aber realer als mir lieb war.“
Die Wende
Irgendwo im Niemandsland zwischen Leben und Tod gefangen fängt Susanne an sich zu ritzen, Piercings selber zu stechen: Eiternde Wunden am ganzen Körper, die Adern voller Gift. Mehrmals versucht sie, sich umzubringen, wirft einmal den Föhn ins Wasser, während sie ihre Hand hineinhält. An ihrem absoluten Tiefpunkt vernimmt sie eine Stimme, die sie zutiefst berührt: „Es gibt Hoffnung, gib nicht auf.“ Zeitgleich sucht sie den Gemeindepfarrer auf, der ihr den Exorzisten empfiehlt. So weit kommt es aber nicht, denn an einer vorübergehenden Arbeitsstelle lernt sie einen Mann kennen, der gemeinsam mit seiner Frau bedürftige Menschen bei sich aufnimmt. Er lädt Susanne zu einer Veranstaltung des Predigers und Missionars Erwin Fillafer ein. „Am Ende dieser Veranstaltung gab es einen Aufruf: Wenn jemand sein Leben Jesus widmen möchte für einen Neuanfang, möge er nach vor kommen“, sieht Susanne diesen Tag als Wendepunkt ihres Lebens. „Als jemand, für den es keine Hoffnung mehr gibt, ging ich also nach vorne und sagte, Gott, wenn es dich gibt, komm in mein Leben.“ Das sich daraufhin radikal verändert. In der Familie, die sie zu Erwin Fillafer gebracht hat, findet sie Schutz
und Platz zum Wohnen. Sie erzählt ihrem damaligen Partner und zwei weiteren Freunden davon. Alle werden von der fünfköpfigen Familie aufgenommen. Susanne hört auf zu rauchen und verordnet sich selbst einen Entzug. Nach drei Monaten ist er vollzogen. Das war 1997, seitdem ist sie clean ohne jeden Rückfall. Ebenso ihre Freunde: „Alle hat der Glaube ergriffen und gerettet, niemand wollte mehr zurück in das alte Leben.“ Dreizehn Jahre wohnt sie in dieser familiären Wohngemeinschaft, teilt Glaube, Arbeit und Freizeit mit diesem Kreis an Gleichgesinnten. Gemeinsam gründen sie schließlich eine christliche Gemeinde. Ihre Beziehung zu ihrer Mutter wird zaghaft wieder aufgenommen. Lange wird es dauern, dass diese keine Angst mehr vor einem Rückfall hat. „Sie hat mich damals in der schlimmsten Phase bereits auf dem Sterbebett gesehen, hat mit dem Pfarrer schon über meinen bevorstehenden Tod gesprochen. Sie ist durch die Hölle gegangen. Und ich habe viel nachzuholen mit ihr“, ist Susanne Gröbler dankbar für eine Mutter, deren Tür nie ganz zu war.
Neue Perspektiven, neues Leben
Dass Susanne sich weder mit Aids noch Hepatitis angesteckt hat, gleicht einem Wunder. Dessen ist sie sich bewusst. Vor vier Jahren hat sie wieder geheiratet: „Mein Mann macht mir Mut, glaubt an mich. Ich habe den Führerschein nachgeholt und eine Ausbildung begon-
nen“, fühlt sich Susanne heute in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Dreizehn Jahre lang hat sie neben Pflegearbeiten in ihrer Wohngemeinschaft bei einer Putzfirma ihr Geld verdient, war beim mobilen Hilfsdienst und hat die Heimhelferausbildung absolviert. Dass sie sich nun neben ihrer Arbeit im Pflegeheim im SOB Bregenz zur diplomierten Sozialbetreuerin ausbilden lassen darf, sieht sie als „Wahnsinnsglück“: „Das ist eine Schule mit Charakter. Die Direktorin hat mich aufgenommen, obwohl sie ahnte, dass mit meinem Leben etwas nicht in Ordnung war. Ein horrender Hauptschulabschluss und zehn Jahre Lücke im Lebenslauf lassen sich eben schwer verschweigen. Aber sie hat nicht nachgefragt sondern gewartet, bis ich es ihr erst jetzt nach zwei Jahren selber erzählt habe.“ Es ist ihre Geschichte, die sie heute in Schulklassen und Firmrunden gehen lässt. Ihr Weg in die Sucht soll abschreckend wirken. Sie will keinen Mythos erzeugen, sondern mit der nackten, grauenvollen Wahrheit konfrontieren. Und dabei die Jugendlichen auch vor Satansanbetungen und Praktiken wie „Tischlerucken“ warnen. „Lasst die Finger davon, es ist kein Spiel“, wiederholt sie immer wieder. Im Gegensatz zum Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ lässt Susanne das letzte Kapitel nicht aus: Wie sie zum Glauben und damit wieder zu sich und in ein neues Leben gefunden hat. Das imponiert mehr als alles andere.
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Eva Fahlbusch hilft als Geschäftsführerin des Vereins „Vindex“ schutzsuchenden Flüchtlingen, die keine offizielle Hilfe erhalten.
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DIE EIN-FRAU-SHOW UND DIE GUTEN GEISTER Eva Fahlbusch, Geschäftsführerin des Vereins „Vindex – Schutz und Asyl“, ist eine Frau mit großem Herz: Sie gab ihren krisensicheren Job auf, um den Verein aufzubauen und verwendete dafür ihr Erspartes. Text: Gerhard Hofer Foto: Frank Andres
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er all die Geschichten von Vertreibung, Gewalt, Verfolgung und Abschiebung hört, fragt sich unweigerlich, wie kann hier in diesem Büro in der Bregenzer Innenstadt eine spürbar gute Stimmung herrschen. Es ist pure Lebenskraft, die Eva Fahlbusch (55), eine gebürtige Deutsche und jetzt in Lochau wohnend, ausstrahlt. Eine Frau voller Energie und Charme. Das ist wohl nur eine der Qualitäten, die dieser Job verlangt. Wie anders lässt es sich erklären, dass jemand einen krisensicheren Job aufgibt und sein Erspartes für den Aufbau eines Vereins für schutzsuchende Flüchtlinge verwendet. Was die Frau auf die Beine gestellt hat, das ist alles andere als alltäglich. Die diplomierte Familientherapeutin hat vor etwas mehr als drei Jahren ihre sichere Anstellung in einer Sozialeinrichtung gekündigt, um den Verein
Vindex zu gründen und jenen Menschen zu helfen, die keine offizielle Hilfe erhielten. Es waren anfänglich vor allem Tschetschenen, die aus dem Krieg in der Heimat flohen und auch auf der Flucht vor Verfolgung, Folter und Mord nicht sicher waren. „Manche von ihnen wurden postwendend abgeschoben. So verschwanden junge Väter ohne ordentliche Verhandlung, sie hinterließen schwangere Frauen mit Kleinkindern und viel Elend“, sagt Eva Fahlbusch.
Vor Abschiebung gerettet
Nicht alle schauten weg. Rückblickend meint Eva Fahlbusch, dass sie damals von der Not der Menschen und der medialen, oft sehr negativen Berichterstattung über „kriminelle Asylwerber“ – auch seitens offizieller Seite –, so schockiert war, dass sie einfach handeln musste. "Durch unsere Initiative wurden mehrere Menschen und junge Familien vor der Abschiebung gerettet und dem damit oft direkt verbundenen Weg in ein
Folter-Gefängnis – ohne jede Chance auf eine faire Verhandlung", erzählt Eva. Es sind Schicksale, wie das eines schwer kriegsverletzten, blinden Mannes, die die engagierte Frau berührten. Der Flüchtling S. sollte nach dem Dublin-Gesetz abgeschoben werden. Aufgrund seiner Blindheit und Hilflosigkeit wurde ihm jedoch gestattet, bis zu seinem Abtransport bei seinen in Vorarlberg ansässigen Angehörigen zu bleiben. Vindex setzte sich für den Mann ein und konnte trotz fehlendem Krankenversicherungsschutz durchsetzen, dass das LKH Feldkirch den Mann untersuchte und eine mögliche Behandlung aufzeigte. Mit diesen Attesten und einem Überraschungsbesuch bei dem zuständigen Vollzugsbeamten der Bezirkshauptmannschaft erreichte Eva Fahlbusch, dass der Beamte den Flüchtling persönlich zu Gesicht bekam. „Wir baten den Beamten, uns einen Rat zu geben, was er in unserem Fall tun würde. Wie er seinem Angehörigen helfen würde, wenn
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er vor der gleichen Situation wie wir stünde“, erzählt die Vindex-Geschäftsführerin. „Der Beamte fand dann eine kreative, aber absolut richtige Lösung. Der Mann wurde nicht abgeschoben. Das war einer meiner bewegendsten Momente. Inklusive dem Beamten hatten wir alle Tränen in den Augen.“
Sparstrumpf leer
Nach einem halben Jahr privater Flüchtlingshilfe war der Sparstrumpf von Eva Fahlbusch leer und alle Hilferufe schienen vergebens. Es war die sprichwörtlich letzte Minute, als einige gute Geister auftauchten und Vindex vor dem endgültigen Aus retteten. Menschen wie Peter Mennel sahen, was auf dem Spiel stand und halfen – ideell und materiell. Wie die Geschichte von Vindex weitergeht bleibt ungewiss. Bis heute ist das Überleben der Hilfsorganisation von privaten Spenden, Unterstützern und Helfern abhängig. Vindex bekommt keinerlei öffentliche Förderung. Aber wer den Menschen Eva Fahlbusch und ihr Team kennengelernt hat, glaubt, dass in diesem Falle das Gute gewinnt.
Verein Vindex Der Name Vindex kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Beschützer, Retter, Befreier vom Unrecht. Der Schwerpunkt der Arbeit ist die Unterstützung und die Integration von anerkannten Konventionsflüchtlingen. Asylsuchende können sich aber ebenfalls an Vindex wenden. Der Verein begleitet die Menschen bei Behördengängen, bietet Rechtsberatungen an, verfasst Petitionen und setzt sich bei öffentlichen Auftritten für Flüchtlinge ein. Daneben kümmert er sich auch darum, dass Flüchtlinge einmal zur Ruhe kommen und sich sicher fühlen können. Vindex möchte zur Caritas, die vor allem für Asylsuchende und deren Grundversorgung verantwortlich ist, keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung sein. Eine der Stärken von Vindex ist, dass der Verein von Menschen getragen wird, die selbst als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind, Traumata durchlitten und Asylverfahren durchlaufen haben.
„Ich fühle mich oft beschenkt“ Peter Mennel ist Obmann des Vereins „Vindex – Schutz und Asyl“. Im Interview mit marie erzählt er von seinen Aufgaben, seiner Motivation und seinem Wunsch, dass immer mehr Mitmenschen ihrem Mitgefühl eine Chance geben. Interview: Gerhard Hofer, Foto: Privat
marie: Was hat dich zu Vindex geführt? Peter Mennel: So richtig bewusst wurde mir die Flüchtlingsnot 2009. Ich unterrichtete am Gymnasium in Liechtenstein und bin damals erstmals afrikanischen Flüchtlingen begegnet. Die Flüchtlinge lebten im Luftschutzbunker unserer Schule. Gemeinsam mit Schülern überlegten wir, wie wir helfen könnten und haben ein Hilfsprojekt auf die Beine gestellt, das sehr unbürokratische und direkte Unterstützung ermöglichte. Nach einigen Jahren war die Problematik abgeflacht, es brauchte in Liechtenstein keine weitere Unterstützung. Mich hat diese Thematik aber nicht mehr losgelassen und ich suchte nach Möglichkeiten, mich auch in Vorarlberg für und mit Flüchtlingen zu engagieren. Und so kam ich 2013 zu Vindex, der Verein war gerade gegründet worden, und ich war einige Monate später Obmann. Was ist deine Hauptaufgabe bei Vindex? Ich engagiere mich dafür, dass unsere Arbeit sichtbar wird, und ich bemühe mich um Anerkennung und Unterstützung durch private und öffentliche Organisationen und Personen. Darüber hinaus werbe ich für Mitglieder und pflege den Kontakt mit NGOs. In der Vorarlberger Plattform für Menschenrechte bin ich im Organisationsteam für den jährlichen Vorarlberger Menschenrechtstag tätig. Seit zwei Jahren bemühen wir uns um Akzeptanz in der sozialen Landschaft des Landes. Hier wünsche ich mir doch mehr Entgegenkommen, Zusammenarbeit und Wertschätzung unserer Integrationsarbeit von Seiten des Landes und der „Big Player“.
Was ärgert dich? Manche Menschen scheinen zu glauben, dass Menschen, die aus dem Krieg kommen, weniger wert sind und deshalb weniger Unterstützung verdienen. Bin ich mehr wert, nur weil ich das Glück hatte, hier auf die Welt zu kommen!? Was wünschst du dir? Dass immer mehr Menschen ihrem Mitgefühl eine Chance geben. Ich glaube, dass, wo immer eine echte Begegnung von Mensch zu Mensch stattfindet, die Angst vor dem Fremden weniger wird. Was gibt dir Kraft? Kraft geben mir meine Familie, mein Sport und meine Dankbarkeit für mein Leben. Wenn ich müde oder gestresst bin, weil‘s eben nicht so läuft, wie ich es gern hätte, hilft mir meine Haltung, mich im Sinne von Byron Katie immer wieder zu fragen: „What‘s my job? What‘s your job? And what‘s HIS job?“ Mit der dritten Frage lasse ich los, was ich nicht machen kann und übergebe es dem Leben oder anderen Mächten. Ich sehe so viele erwartungsvolle Gesichter und so viel Potenzial für eine gute Entwicklung, dass ich froh und dankbar bin, diesem Verein als Obmann dienen zu dürfen. Viele schöne Erlebnisse verdanke ich dieser ehrenamtlichen Tätigkeit. Ich fühle mich oft beschenkt.
Peter Mennel ist seit 2013 Obmann von Vindex in Vorarlberg.
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KARTOGRAFIERTE VERANTWORTUNG Es gibt keine einfachen Antworten auf die Fragen unserer Zeit? Das ist nur eine Wahrheit. Mit der „Initiativen-Landkarte“ zeigt Florian Fulterer auf, dass es gerade auch die einfachen und kleinen Antworten sind, die Mut und Perspektive schaffen. Ihr größter gemeinsamer Nenner: Verantwortung leben! Text: Patrick Fürnschuß Fotos: Frank Andres
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ch treffe Florian Fulterer im „Loackerhuus“-Cafe der Lebenshilfe in Götzis. Er kommt direkt von seiner Arbeit als Lehrer im Schulheim Mäder, wo aktuell 62 Kinder zwischen dem 6. und 17. Lebensjahr unterrichtet werden. Sie alle haben zumindest eine schwere Beeinträchtigung und sie sind der Grund, wieso Florian Fulterer Lehrer geworden ist. „Wenn Lehrer, dann nur für Kinder mit Handicap. Das war mir klar“, sagt Florian. „Von niemandem kann man besser lernen ganz da zu sein und ganz ‚Ich‘ zu sein“, ist er überzeugt. Und ergänzt: „Niemanden zu übergehen, keinen Zweck, also auch keinen Lehrplan erfüllen müssen, sondern gemeinsam das lernen, was individuell möglich ist. Das ist das Schöne und Wertvolle an dieser Arbeit.“ Ich bin das erste Mal beeindruckt. Wir sind schon mitten drin, merke ich. In einem Gespräch über das Leben und wie es gelingen kann. Gerade auch vor dem Hintergrund herausfordernder Bedingungen.
Vom Wandel und von Initiativen
Ebenenwechsel, vom Persönlichen zum Gesellschaftlichen. Die vom Menschen sich untertan gemachte Welt steht vor größten Herausforderungen. Klimawandel, Finanz- und Wirtschaftskrisen, Krieg, Spaltung und Flucht dominieren den Mediendiskurs und prägen auch unsere Lebenswelten. Wirklich alles zu schaffen? 2014 hat Florian Fulterer mit Gleichgesinnten eine Landkarte der „guten Initiativen“ in unserem Lebensraum online geschaltet. „Es sind Initia-
tiven von Menschen, die einfach angepackt haben. Die nicht resigniert haben, sondern im Kleinen ihre Lösungen und auch neue Wege gefunden haben“, betont Florian Fulterer. „Grassroot-Bewegung“ nennt die Sozialwissenschaft solche von Bürgern ausgehenden Initiativen. Weil sie von unten nach oben wachsen und weil sie von der Vernetzung leben. Letzteres war und ist auch eines der Hauptmotive von Florian: „Wir hatten selbst einen ökologischen Gemeinschaftsgarten angelegt und wollten einfach, dass die Leute davon wissen. Im Rahmen einer Netzwerk-Veranstaltung der Bodenseeakademie habe ich dann unseren Garten und auch die Idee der Initiativen-Landkarte präsentiert. Es meldeten sich umgehend 15 Menschen, die mitarbeiten wollten. So ging es los.“
Schaffen, was zu schaffen ist
Zwei Jahre später haben Florian und sein Team 38 verantwortungsvolle Wirklichkeiten diesseits und jenseits des Rheins kartografiert. „Es geht um Bewusstseinsbildung und ums Sichtbarmachen dieses vielfältigen Gemeinwohl-Engagements. Den Initiativen damit auch einen Wert geben und sie stärken“, so Florian Fulterer. Die Aufnahme-Kriterien für die Initiativen-Landkarte sind einfach, aber kompromisslos. „Das Angebot der jeweiligen Initiative muss gemeinnützig sein, offen und niederschwellig, selbstorganisiert und partizipativ, nachhaltig und nicht gewinnorientiert. Damit sehen wir viele Beitragsbedingungen für ein gutes Leben und Zusammenleben erfüllt“, ergänzt Florian. Denn genau das ist es, was die „Initiativen-Landkarte“ selbst sein will: Ein Mut machender Bei-
Mutmacher: Florian Fulterer gehört zu den Menschen, die Dinge anpacken.
trag für neue, zukunftsfähige Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Ein Beitrag, der bei der persönlichen Verantwortung beginnt und sich im gemeinsamen Tun entfaltet, ist Florian Fulterer überzeugt. Damit wir schaffen, was zu schaffen ist. Es zumindest versucht haben.
Florian Fulterer (34 Jahre) Erstgeborener Zwilling und einer von fünf Buben einer Gasthausfamilie. Koch- und Kellnerlehre mit Aussicht das elterliche Haus zu übernehmen. „Doch dann habe ich gelernt mich, mein Leben und meine inneren Impulse ernst zu nehmen. Und das hat halt Konsequenzen“, so Florian. Pädagogikstudium an der PH, 2011 Lehreinstieg im Schulheim Mäder. Verheiratet mit Nina, Lehrerin am Paedakoop, Vater von zwei Kindern – Jovin (3 Jahre) und Alva (2 Jahre).
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Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Campus V, Coworking Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktonsleitung: Mag. Elisabeth Willi Redaktionsteam dieser Ausgabe: Caroline Mallrich, Daniela Egger, Doris Banzer, Mag. Frank Andres, Dr. Gerhard Hofer, Gerhard Thoma, Mag. Gernot Hämmerle, Monika Kraxner, Patrick Fürnschuß, Robert Thoma, Simone Fürnschuß-Hofer
Florian Fulterer präsentiert die „Initiativen-Landkarte“. Das Spektrum der insgesamt 38 Projekte reicht vom Gemeinschaftsgarten bis zum Repair-Café.
38 GUTE INITIATIVEN!
Vertrieb und Zeitungsausgabe Kaplan Bonetti Sozialwerke Gilmstraße 7 6850 Dornbirn Tel. 05572 23061
Vom freien Radio bis zur Social Business Allmende, von Gemeinschaftsgärten über Friedensarbeit bis zu Repair-Cafés. Das Spektrum der guten Initiativen in unserem Lebensraum ist groß und bunt. Auch das macht die „Initiativen-Landkarte“ sichtbar. Die Macherinnen und Macher haben zur besseren Orientierung für den Landkarten-Leser mittlerweile eine Unterteilung gefasst: „Gärten und Felder“ mit aktuell 15 Initiativen, „Häuser und Räume“ mit weiteren zehn sowie „Bewusst wirtschaften, verantwortungsvoll konsumieren“ mit nochmals 13 Initiativen.
Wer Zeitungsverkäufer werden möchte, der kann sich am Montag und Mittwoch, von 14 bis 16 Uhr, und freitags von 8 bis 10 Uhr melden. Sie erhalten einen Verkaufsausweis. Ausgabestelle Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag bis Donnerstag 9 bis 11.30 Uhr Ausgabestelle Bludenz do it yourself, Kasernstraße 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Ausgabestelle Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr
HINWEIS: Alle Engagements inklusive Kontaktdaten finden sich auf der Website www.wandeltreppe.net von Florian und seiner Frau Nina Fulterer. Dort kann man sich auch mit seiner eigenen Initiative für eine Aufnahme auf die Initiativen-Landkarte bewerben. Was wir von der Vorarlberger Straßenzeitung marie mittlerweile auch schon gemacht haben.
Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at
Liebe Leserin, lieber Leser!
Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer, DSA Markus Hämmerle DSA Heidi Lorenzi, Dr. Claudio Tedeschi
Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Daher mögen sie mitunter kontaktfreudig sein. Sie werden aber nicht aufdringlich sein oder betteln.
Druck Medien-Druck Salzburg GmbH Auflage 12.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass (www.die3.eu) Bildbearbeitung Fitz Feingrafik
Der/die Inhaber/in dieses personalisierten Ausweises ist berechtigt die Vorarlberger Straßenzeitung marie im Rahmen der vereinbarten Richtlinien zu verkaufen. Verein und Projekt sind bei den Behörden des Landes Vorarlberg angezeigt. Weitere Information unter www.marie-strassenzeitung.at
Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420
Ausweisnummer
für den Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg
Herzlich, das marie-Team
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Unterschrif
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26.11.15 08:05
mer Ausweisnum 26.11.15
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© 2016 marie. Alle Rechte vorbehalten.
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Fabienne Landerer kocht und fotografiert leidenschaftlich gerne. Sie ist 19 Jahre alt, in Vorarlberg aufgewachsen und reist jetzt nach der Matura für ein Jahr in Europa herum. Sie verzaubert uns auch aus dem Ausland mit kunterbunten Rezepten. Aus ethischen und ökologischen Gründen verzichtet sie auf tierische Produkte.
Orientalisch gefüllte Süßkartoffel Für 4 Personen. Kostet pro Person zirka 1,80 Euro. Werden die Süßkartoffeln im Bioladen gekauft, belaufen sich die Kosten pro Person auf etwa 2,50 Euro.
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Zutaten für 4 Personen:
• 4 mittelgroße Süßkartoffeln (pro Kartoffel 150-200 g) • 1 Dose Kichererbsen, abgetropft • 1 kleiner Becher Sojajoghurt natur • 2 Zwiebeln • 1 kleine Aubergine • 1 Knoblauchzehe • 1 EL Mehl • Öl, Salz, Pfeffer, Curry, gemahlener Koriander, Kardamom, (Minze)
Zubereitung:
Den Ofen auf 160°C einschalten. Die Süßkartoffeln längs in der Mitte einschneiden, mit Öl bepinseln und einer Prise Salz würzen, dann eine halbe Stunde im Ofen garen lassen. Unterdessen für die Füllung die Aubergine in kleine Würfel schneiden und in einer Schüssel mit reichlich Salz würzen und 10 Minuten ziehen lassen, um die Bitterstoffe zu lösen. Anschließend das Salz unter fließendem Wasser abwaschen und die Würfel mit einigen EL
Öl bei mittelhoher Hitze in einer Pfanne anbraten. Nach 5 Minuten die Zwiebeln hinzugeben und weitere 5 bis 10 Minuten anbraten. Die Aubergine sollte eine schöne dunkelbraune Farbe bekommen. Einen TL Curry und jeweils eine Prise Koriander und Kardamom hinzugeben, mit Mehl bestäuben und verrühren, anschließend mit einem halben Glas Wasser aufgießen und die Kichererbsen hinzugeben. Alles einige Minuten köcheln lassen. Für die Joghurtsauce Salz, Pfeffer und eine gehackte Knoblauchzehe ins
Joghurt geben und alles verrühren. Wer es ganz orientalisch mag, der gibt noch etwas gehackte Minze dazu. Beim Kauf darauf achten, dass im Joghurt kein oder wenig Zucker ist, sonst wird das Topping zu süß. Die Süßkartoffeln aus dem Ofen nehmen, sie sollten ganz weich sein und sich schon fast von der Schale lösen. Die Füllung in die Kartoffel geben, mit der Joghurtsauce toppen und genießen.
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STOLZE marieVERKÄUFERIN
KOMMENTAR: Gerhard Hofer
GESICHTER MIT GESCHICHTE
Bis vor kurzem bettelte Georgiana Rafaela (26) auf dem Marktplatz, jetzt verkauft sie die marie. Das Arbeiten gefällt ihr viel besser als das Betteln.
Georgiana Rafaela verkauft die marie, damit sie ihren Kindern ein besseres Leben ermöglichen kann. Text und Foto: Elisabeth Willi
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eitung, Zeitung“, ruft eine Frau mitten am Dornbirner Marktplatz freundlich den Passanten zu. In ihrer Hand hält sie einige marie-Exemplare, anhand ihres blauen, bodenlangen Rocks erkennt man sogleich, dass sie zu den Roma zählt. Bis vor kurzem bettelte die 26-jährige Georgiana Rafaela auf dem Marktplatz – nun, da sie marie-Verkäuferin ist, sagt sie ganz stolz: „Ich arbeite jetzt.“ Seit fünf Monaten ist Georgiana mit ihrer Familie in Vorarlberg. Ihre Familie hier, das sind ihre Eltern, ihr Ehemann, zwei Schwestern und drei Brüder. Georgiana hat auch zwei Kinder, Florentina (8) und Stefano (5), doch sie sind in Rumänien und werden dort versorgt. Die ersten Monate in Vorarlberg lebte Georgiana im Freien, momentan darf sie in den Kaplan Bonetti-Sozialwerken übernachten.
Analphabetin mit Sprachtalent
Die junge Frau spricht recht gut Deutsch – obwohl sie noch nicht lange hier ist und sie vor allem mit Roma Kontakt hat. Dank einer privaten Initiative kann sie einmal pro Woche einen Kurs besuchen, wo sie Deutsch, aber auch Lesen und Schreiben lernt. Die 26-Jährige ist Analphabetin, ist nie in die Schule gegangen. Dabei hätte sie bestimmt Potenzial, zumindest im sprachlichen Bereich: Sie spricht fließend Italienisch, versteht Spanisch, kann sich ein wenig in Deutsch und in Englisch verständigen. „Ja!“, antwortet Georgiana auf die Frage, ob sie gerne in die Schule gegangen wäre. Für sie war es nicht möglich – nun hofft sie, dass es ihren Kindern eines Tages besser gehen wird. Um das zu erreichen, möchte sie noch mehr arbeiten, zum Beispiel putzen. Bis sich dieser Traum erfüllt, will die zweifache Mutter weiter die marie verkaufen.
Ich stehe am Bahnsteig eines Schweizer Bahnhofes. Gemeinsam mit meiner Frau und meinem Sohn. Es schneit. Ich sage, typisch Schweizer, als der Lautsprecher eine Verspätung mit einem „Ereignis im Ausland“ entschuldigt. Es ist nichts anderes als Schneefall, warum sagen sie das nicht. „Nein, es ist was anderes“, sind Ehefrau und Sohn überzeugt und weisen auf einen fünfköpfigen Polizeitrupp auf dem Bahnsteig. Und tatsächlich: Als der Zug im Bahnhof ist, entpuppt sich das „Ereignis im Ausland“ als Gruppe junger Männer ausländischer Herkunft, die von den Polizisten aus dem Zug geholt werden. Ein Polizist wünscht uns im Vorbeigehen noch einen schönen Abend. Der Zug fährt ab, und wir zeigen uns als tapfere Eltern, die ihren Sohn ins ferne Asien ziehen lassen, wo er schon mehrere Jahr lebt. Dort, wo er hinfährt, gibt es auch immer wieder Ereignisse. Aber, so versichert er uns, die Ereignisse sind kein Grund zur Sorge. Wir glauben das gerne, und ich denke, was die Angehörigen dieser gerade abgeführten jungen Menschen alles durchmachen. Unvorstellbare Sorgen und viel Leid. So viel Leid direkt vor meinen Augen. Umso erfreulicher, dass sich sehr viele Menschen nicht von der wachsenden Fremden-Angst vereinnahmen lassen. Und helfen, wo es möglich ist. Das kann ein freundliches Kopfnicken sein, ein in die Augen schauen und dabei den Mensch hinter den bettelnden Händen wahrnehmen. Eine Übung, die alles andere als leicht ist. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich erstmals täglich Bettler auf meinem Weg in die Arbeit getroffen habe. Es war in Wien und ist über 20 Jahre her. Ich wollte nicht wegschauen. Oft gab ich etwas von meinem Kleingeld ab. Bis es mir zu viel war. Es war nicht das Geld, denn es war nicht viel, das ich da gab. Es war was anderes. Ich wollte nicht mehr in diese Gesichter schauen. Heute wage ich es aufs Neue.
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Mittendrin in V
Wo Krimskrams wieder wertvoll wird Kampf der Wegwerfgesellschaft: Im „s‘Krims Krams“ in Hittisau werden Gegenstände, die man nicht mehr braucht, kostenlos abgegeben und an andere gratis weitergegeben. Ein Modell mit Vorbildcharakter. Text: Caroline Mallrich Foto: Susanne Kiesenhofer
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ch bringe eine Kiste voller Krimskrams und suche einen Skihelm für meinen Sohn Leon“, antwortet Melanie auf die Frage, weshalb der Weg sie in den Laden „s’Krims Krams“ geführt hat. Krimskrams, was ist das? Laut Duden: „Wertloses Zeug“. Ein ganzer Raum also voll wertlosem Zeug? Das „s’Krims Krams“ wurde vor einem Jahr eröffnet. Gut erhaltene Alltagsgegenstände wie Geschirr, Spielsachen, Tisch- und Bettwäsche, Handtücher, Kleidung und Schuhe können hier abgegeben werden. Gratis werden sie dann an die Besucher des Ladens weitergegeben. Nimmt jemand mehr als drei Artikel mit, wird um eine kleine Spende gebeten. Das Team setzt sich aus sieben Frauen zusammen. Emmi Matt, Ingrid Wirthensohn, Jolanda Düringer, Helene Eberle, Petra Haller, Sylvia Oberhauser und Yola Salem arbeiten hier ehrenamtlich. Nach anfänglicher Unsicherheit entwickelte sich die Idee zum vollen Erfolg. „Die vielen Dinge wären normalerweise auf dem Müll gelandet. Ich möchte nicht wissen, wie viele Lastwagenfuhren wir schon davor gerettet haben“, sagt Emmi Matt, die Gründerin. Angefangen hat sie zusammen mit einer Freundin auf Flohmärkten. Den Erlös für die Waren, die sie dort hinbrachte, spendete sie. Irgendwann fing sie an, bei sich zu Hause Flohmärkte zu veranstalten. Doch es wurde zu viel, die Kisten stapelten sich. Schließlich bot ihr die Gemeinde einen Raum für das „s’Krims Krams“ an. Während ich die Regale, die aus Holzkisten gemacht wurden, durchwühle, treffe ich auf andere Besucher. Da ist Martin zusammen mit Ihsan,
Emmi Matt zusammen mit drei syrischen Flüchtlingskindern beim Aussuchen von Spielsachen.
der aus dem Irak kommt. Martin nahm ihn und seine fünfköpfige Familie bei sich auf. Martin bringt einen Schulranzen seiner Tochter, die ihn nicht mehr braucht. Zusammen durchstöbern die beiden Männer die Regale nach Nützlichem für die Familie. Kristina und Ramona, zwei Schauspielerinnen aus Berlin, betreten den Laden. Sie leben für mehrere Wochen in Vorarlberg, um hier bei einem Theaterstück mitzuspielen. Ungern möchten sie alle Dinge, die sie aus Deutschland mitgeschleppt haben, wieder mit nach Hause nehmen. Auch eine syrische Frau verbringt mit ihren drei Kindern den Freitagnachmittag im
„s’Krims Krams“. Die Mutter kommt regelmäßig in den Laden. Sie ist dankbar für die Dinge, die sie hier findet. Ihre Wertschätzung zeigt sie, in dem sie selbstgemachte Köstlichkeiten mitbringt. Heute ist es Joghurt. Während Emmi, Ingrid, Jolanda und ich in der Kaffeeecke sitzen, beobachten wir, wie aus Wertlosem Nützliches wird. Wie Menschen anderen Menschen helfen und auch sich selbst, indem sie sich befreien von Unnützem. HINWEIS: Das „s‘Krims Krams“ befindet sich im Gemeindeamt Hittisau. Öffnungszeiten: Freitag, 14.30 bis 18 Uhr.
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GEMEINSAM DEUTSCH LERNEN Flüchtlinge sollen Deutsch lernen. Alle reden davon – viele tun etwas. Wie Monika Kraxner und Doris Banzer. Ein Erfahrungsbericht. Ganz spontan haben wir aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation die Möglichkeit geschaffen, dass in Hohenems wohnende Flüchtlinge – hauptsächlich aus Syrien, Pakistan und dem Irak - mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen können. Unser Ziel ist es, diesen Menschen die Chance zu geben, sich hier besser zurechtzufinden. Dreimal in der Woche haben sie die Möglichkeit, jeweils über 90 Minuten Worte und Sätze für den Alltag zu lernen, wie z.B. für Begrüßung, Einkauf, Kontakte. Überraschend war für uns, dass sich durch Mundpropaganda über 20 Frauen und Männer zur Mitarbeit bereit erklärt haben. Daher können wir in Kleingruppen arbeiten und auf die verschiedenen Schreibkenntnisse und Bil-
dungsniveaus der Flüchtlinge besser eingehen. Denn das deutsche Alphabet, die Aussprache der Vokale und besonders der Umlaute bereiten oft Schwierigkeiten für Menschen aus dem arabischen Kulturraum. Herausfordernd ist auch, dass immer wieder neue Lernwillige dazukommen. Alle Unterrichtenden sind autonom und gestalten den Unterricht abgestimmt auf die Teilnehmer. Flexibel und kreativ zu sein ist wichtig, und jeder kann seine Stärken einbringen. Die Erfahrung zeigt, dass nicht immer alle „Schüler“ kommen und dass ihr Zeitmanagement nicht unseren Vorstellungen entspricht. Doch die gute Atmosphäre und das miteinander Arbeiten sind für beide Seiten eine Bereicherung, der Humor darf dabei auch nicht fehlen. Wir haben den Eindruck, dass alle gerne kommen, um ein paar neue deutsche Worte sprechen und lesen zu lernen oder einfache Sätze zu formulieren. Die Initiative war nur möglich durch das großzügige Entgegenkommen der Stadt Hohenems, des Direktors der Volksschule Markt und vieler privater Spender und Unterstützer. Dafür sagen wir von Herzen Danke. Text: Monika Kraxner und Doris Banzer
S C HAC H - E C K E
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Wolfgang Riener – Erich Peterlunger Vorarlberger Landes-Mannschaftsmeisterschaft, 1979
Rainer Bezler – Nedeljko Kelecevic Vorarlberger Landes-Mannschaftsmeisterschaft, 2013/14
Klaus Doskocil – Karol Kos Graz Open, 1997
Der scheinbare Entlastungszug Tfd1 entpuppte sich als Verlustzug. Mit welcher schönen Pointe zwang Peterlunger seinen Gegner zur Aufgabe?
Schwache weiße Grundreihe, starker schwarzer Freibauer auf e3. Sehen Sie, wie Schwarz mit gleich zwei Opfern seinen Gegner nach wenigen Zügen zur Aufgabe zwang?
Mit exf7 kam der Lustenauer Klaus Doskocil in Vorteil und gewann schließlich nach längerem Kampf. Dabei hätte er kurzen Prozess machen können. Sehen Sie die spektakuläre Siegkombination und die dazu gehörenden Varianten, die sich Weiß entgehen ließ?
Schwarz zieht und gewinnt
Schwarz zieht und gewinnt
Weiß zieht und gewinnt
Lösung 1. Dxe5+ !! hätte sofort gewonnen. Auf 1. ... dxe5 folgt 2. Txf7+ Kh6 und 3. h4 mit undeckbarem Matt! Es droht 25.g5 matt. Nach 3 ... g5 antwortet Weiß mit 4. h5! und Sf5 matt lässt sich nicht verhindern. Auf alle anderen Züge nach h4 folgt g5 matt.
Lösung 1. ... T4xLb5 2. axTb5 e2 3. Te1 Ta1!! und Weiß wird matt
Lösung 1. TxTd1 LxT 2. Db2!! mit Matt oder Damenverlust
Anders Leben
Ziemlich beste Freunde: Gopi mit seinen Hunden Puma und Baba.
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„MEIN WERTVOLLSTER BESITZ IST MEIN LEBEN“
Gopi wohnt im kleinen, idyllischen Oberländer Bergdorf Röns. Doch das Leben des 40-Jährigen verlief bisher alles andere als typisch vorarlbergerisch. Die marie hat den alternativen Querdenker in seinem Elternhaus besucht und mit ihm über Reisen, Geld, Glücksgefühle und seine Vorstellung von der idealen Gesellschaft geplaudert.
Interview und Foto: Frank Andres
marie: Wie bist du zu deinen Namen Gopi gekommen? Gopi: In einem indischen Tempel wurde mir dieser Name gegeben (Anmerkung: Als Gopis wurden in Indien früher Kuh-Hirtinnen bezeichnet). Kannst du mit deinem Taufnamen Martin noch irgendetwas anfangen? Es ist der Name, den mir meine Eltern gegeben haben, der in meiner Geburtsurkunde steht und der für mich kaum Bedeutung hat. Abgesehen von deinem Namen ist auch dein Leben alles andere als typisch vorarlbergerisch. Wie kam es dazu, dass du mit 20 Jahren das Ländle verlassen hast? Ich habe das Land nicht verlassen,
sondern bin auf Reisen gegangen. Mich haben andere Kulturen interessiert. Ich wollte erfahren, wie andere Menschen leben und arbeiten, was Religion für sie bedeutet. Es war also nicht geplant, dass es eine insgesamt 15-jährige Reise wird? Es gab keinen Plan, dass ich ewig unterwegs bin. Geplant habe ich lediglich eine Reise nach Indien, die lange Zeit nicht enden sollte. Ich bin aber auch regelmäßig wieder nachhause gekommen um nach Mama, Freunden und nach dem Haus zu schauen. Abgesehen von Indien: Wohin haben dich deine Reisen geführt? Nach Asien und quer durch Europa.
Ich bin zu Fuß, per Autostopp, mit dem Zug und mit dem Flugzeug gereist. Aber am liebsten bin ich mit meinem Bus gefahren. Denn es ist einfach schön, wenn man immer ein Bett, eine kleine Küche und ein bisschen Werkzeug zur Verfügung hat. Und die Reise ging natürlich immer der Sonne nach. An welchem Ort wärst du gerne für immer geblieben? Es gibt keinen Platz, den ich bevorzugen würde, nur weil er wunderschön ist. Vielmehr reizen mich heute Orte, wo viel Natur ist und wenige Menschen leben. Zum Beispiel in Kasachstan, Russland oder vielleicht auch Kanada. Wo Menschen noch einfach nachhaltig
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leben dürfen und ohne diesen Leistungszwang. Genau das Gegenteil von dem, was in Vorarlberg typisch ist. Wie hast du deinen Lebensunterhalt auf den Reisen bestritten? Ich habe überall, wo Menschen Hilfe gebraucht haben, mit angepackt. Und das ohne dass mich andere dazu auffordern mussten. Dadurch bin ich mit Wohnen, Essen, Trinken und Tipps belohnt worden. Ich habe mich auch handwerklich weitergebildet und bekam ein Verständnis davon, wie Menschen in anderen Ländern leben. Geld hast du also nicht viel gebraucht? Wegen des Geldes habe ich mir nie Gedanken gemacht. Zu Essen habe ich immer etwas bekommen. Durch Slowenien wollten sie mich zum Beispiel nicht durchreisen lassen, weil ich nur 50 Cent in der Tasche hatte. Du bist vor mittlerweile sechs Jahren wieder nach Vorarlberg gezogen. Wie kam es dazu? Ich bin nur wegen meiner Mama zurückgekehrt. Sie war schwer krank und ich habe sie bis zu ihrem Tod begleitet. Was war für dich die größte Umstellung, als du wieder im Ländle sesshaft geworden bist? Ich habe hier anfangs den Zwang verspürt, nicht anders sein bzw. nicht aus der Reihe tanzen zu dürfen. Mir haben alle den Rat gegeben, so zu sein wie die anderen, dann käme ich am besten durchs Leben. Aber ich denke, ich habe schlussendlich den für mich richtigen Weg gefunden. Kannst du mir ein konkretes Beispiel nennen? Getreu dem Motto „Schaffa, schaffa Hüsle baua und körig si“, hat man mir geraten, viel zu arbeiten, um dann viel kaufen und konsumieren zu können. Man gab mir auch den Tipp Arbeitslosengeld bzw. Sozialhilfe zu beantragen, das wäre am einfachsten. Ich habe das aber immer abgelehnt. Ich wollte nie Geld vom Staat. Aber ganz ohne Geld wird das auch nicht funktionieren. Wovon lebst du? Ich lebe von der Zimmervermietung und vom Tauschhandel. Und ich weiß, wer gerne schenkt, bekommt am Schluss alles, was er braucht. Für mich selbst brauche ich nicht viel. Ich habe seit zehn Jahren keine neue Hose mehr gekauft. Wieso soll ich kaufen, wenn
ja soviel Brauchbares auf dem Müll landet!? Womit hast du dein Elternhaus renoviert? Zu 80 Prozent aus Müll, also aus Dingen, die andere weggeschmissen haben. Ich habe alte Holzbalken verwertet, Dämmmaterial, alte Holzbretter- und Steinböden gesammelt. Ich finde für fast alles eine Verwendung. Man kann alles finden, wenn man es sich nur wünscht und abwartet. Man braucht ein wenig mehr Zeit, weil ja alles gestückelt oder improvisiert verarbeitet wird. Was ist dein wertvollster Besitz? Mein Leben. Und was ist mit materiellem Besitz? Der macht dich unfrei. Du musst ihn erhalten, pflegen, eventuell Angst haben, dass er verbrennt, gestohlen wird oder verloren geht. Du hast also viele Sorgen, wenn du Besitz dein Eigen nennst. Und du kommst in eine Art gieriges Denken und willst immer mehr. Das möchte ich nicht. Ich teile die materiellen Dinge lieber mit meinen Mitmenschen, als sie alleine zu besitzen. Dazu ein Aufruf an alle: Ich bin auf der Suche nach einer geeigneten Gratis-Räumlichkeit für einen „Umasus Lada“. Du bist ein naturverbundener Mensch. Woher beziehst du deine Lebensmittel? In der Natur finde ich Kräuter, Beeren, Wurzeln, Früchte, und in meinem Garten wächst so viel Gemüse und Obst, das ich im Herbst verarbeiten und im Winter essen kann. Und den Rest kaufe ich beim Hofer. Isst du kein Fleisch? Nein und das seit über 20 Jahren. In Indien bin ich draufgekommen, dass man sehr gut ohne Fleisch auskommen kann. Dort leben übrigens weltweit die meisten Vegetarier bzw. Veganer. Und die Menschen sind sogar gesünder als hier in Europa. Seit ich kein Fleisch mehr esse, habe ich viel mehr Lebenskraft, Lebenslust und Energie. Darf ein Mensch, der Tiere liebt, Fleisch essen? Meiner Meinung nach nein. Ich kann nicht verstehen, dass ein Mensch seiner verstorbenen Katze nachtrauert und am nächsten Tag genussvoll ein Kalbssteak isst. Also ein junges, heranwachsendes Leben vorzeitig beendet. Kälber wer-
den oft bereits am Tag der Geburt ihrer Mutter entrissen und nach drei bis fünf Monaten geschlachtet. Wie stellst du dir eine ideale Gesellschaft vor? Ich wünsche mir Mitmenschen, die sich mit mehr Bewusstsein, Wertschätzung, Achtsamkeit und Selbstverantwortung begegnen, nachhaltig und friedlich miteinander leben. Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Wir müssen unser bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen. Es braucht ein neues Wertesystem. Es darf nicht sein, dass ein Doktor mehr verdient als ein Kloputzer. Beide Menschen sind gleich viel wert. Der eine kann nicht ohne den anderen. Wir sollten uns Zeit schenken oder tauschen und nicht neiden. In welchen Momenten kannst du Glück empfinden? Wenn ich in der Natur bin und höre, fühle und sehe wie alles zusammen in Symbiose lebt. Wenn ich sehe, was für eine Erde uns der Schöpfer geschenkt hat, dann fühle ich mich glücklich. Aber manchmal kommen mir die Tränen, wenn ich sehe, wie manche Menschen mit der Erde umgehen. Sie denken nicht an die Natur und haben keinen Respekt vor den Tieren. Sie sind einfach nur gierig. Diese Gier wirkt sich auch auf Menschen aus. Sie verhungern oder erfrieren, weil Lebensmittel oder Holz einfach fortgeschmissen werden. Kannst du dir vorstellen wieder auf große Reise zu gehen? Mein Leben ist meine Reise bis zum Ziel. Ich träume manchmal von Indien, aber inzwischen habe ich viel über Nachhaltigkeit gelernt, deshalb werde ich sicher nicht mehr fliegen, sondern zu Fuß gehen. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Ja, ich glaube an das ewige Leben. Unsere Seelen sind sehr alt und auf einer langen Reise in vielen Körpern. Ich glaube, dass sie so lange lernen, bis sie erleuchtet sind. Da fällt mir ein Zitat von Arthur Schopenhauer ein: „Jeder Tag ist ein kleines Leben – jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend, und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.“
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Gsi
Eine tapfere Frau mit großem Herz Volksküche, Trödelladen, Obdachlosenheim: Wie Agathe Fessler (1870-1941) zur Pionierin der modernen Sozialarbeit in Vorarlberg geworden ist. Text: Gerhard Thoma Fotos: Stadtarchiv Bregenz
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anche Menschen sind mit ihren Ideen und Idealen ihrer Zeit weit voraus und stoßen deshalb bei ihren Zeitgenossen auf Unverständnis und Ablehnung. Zu jenen starken Persönlichkeiten, die dem Zeitgeist trotzten und unbeirrt ihren Weg gegangen sind, gehört Agathe Fessler. Agathe Fessler wird am 24. Februar 1870 in Bregenz geboren. Ihre Eltern, Franz Ferdinand und Josefa Fessler, betreiben dort eine Mühle und später eine Kies- und Sandgrube. Schon früh hilft sie im elterlichen Betrieb mit und ist harte Arbeit gewöhnt. Wie viele Mädchen jener Zeit absolviert sie nur eine Volksschulausbildung. Im Unterschied zu vielen anderen wird die kleine Agathe, ein Einzelkind, von ihren Eltern aber zu einer selbstbewussten Frau erzogen. Nicht selten sorgt das Mädchen in der Bevölkerung für Schmunzeln, Bewunderung und empörtes Kopfschütteln, wenn es den Kieswagen durch Bregenz kutschiert oder mit ihren kurz geschnittenen Haaren hoch zu Ross durch die Stadt promeniert.
lischen Sozialarbeit“ gegründet worden waren. „Jahr um Jahr“, so Agathe Fessler, „wartete ich in der Hoffnung, dass prominente Frauen der Stadt die Gründung in Angriff nehmen. Umsonst.“ Ihre Eltern unterstützen sie finanziell. Dabei muss sich Fessler oft gegen missgünstige und intrigante Zeitgenossen zur Wehr setzen. Erst nach und nach bekommt sie auch öffentliche Hilfe.
Prägend für das weitere Leben von Agathe Fessler ist auch eine christliche Grundeinstellung, die ihr zu Hause vermittelt wird: tätige Nächstenliebe.
Agathe Fessler. Die rastlose Sozialreformerin blieb unverheiratet und kinderlos.
chen zu gründen. Als Vorbild dienen ihr ähnliche Einrichtungen in der Schweiz, die im Geiste einer „aufgeklärten katho-
1905 ist es so weit: In der Gallusstraße wird das „Marienheim“ eröffnet – die ersten betreuten Bewohnerinnen sind vier Mädchen. In den nächsten Jahren finden Hunderte junge Frauen dort Zuflucht und können so vor Prostitution, Ausbeutung und sozialem Elend gerettet werden. Die Bewohnerinnen erhalten
Bis ins Jahr 1900 arbeitet Agathe Fessler im Betrieb in Bregenz-Steinebach und kümmert sich um die Pflege ihrer Eltern. Dann beschließt sie, mittlerweile 30 Jahre alt, in Bregenz ein dringend benötigtes Heim für obdachlose Mädchen und Frauen, Fabrikarbeiterinnen und entlassene Dienstmäd-
eine Berufsausbildung sowie einen kulturellen und sozialen „Schliff “, etwa in Form von selbst organisierten Theateraufführungen und Arbeiten für das Rote Kreuz. Das „Marienheim“ wird einige Jahre später vom Orden der Barmherzigen Schwestern aus Zams in Tirol übernommen und als Frauenheim weiter geführt.
Trödelladen für Bedürftige
Auf heftige Widerstände der Stadt Bregenz stößt ein weiteres Projekt, das Agathe Fessler 1913 in Angriff nimmt. In ihrem ehemaligen Elternhaus in der Bregenzer Belruptstraße richtet sie einen Trödelladen ein, dessen Erlöse den Armen und Bedürftigen zugute kommen. Doch schon bald sollte das Schicksal sie in ferne Länder führen. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, meldet sie sich getreu ihrer christlichen Verantwortung als Kranken-schwester zum Dienst. Bis Kriegsende 1918 ist sie an der Ostfront im Einsatz. Für ihren humanitären Einsatz wird sie mit der „Elisabeth-Medaille“, einem hohen kaiserlichen Orden, ausgezeichnet – eine Ehrung, auf die ihre Gegner argwöhnisch und missgünstig reagieren. Nach ihrer Heimkehr nach Vorarlberg steht Agathe Fessler völlig mittellos da – das Frauenheim ist verkauft, Besitz ist keiner mehr vorhanden. In dieser schwierigen Zeit entscheidet sich die 50-Jährige, neue Wege einzuschlagen. Sie wandert 1920 in die USA aus, wo sie als Krankenpflegerin arbeitet. Zwei Jahre später kehrt sie nach Vorarlberg zurück. Im „Gepäck“ hat sie eine neue Idee: Sie will in ihrer Heimat ein modernes Se-
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Ja,
ich werde Mitglied im marie-Freundeskreis. Damit unterstütze ich die Arbeit von marie. Meine Jahresspende beträgt: 60,- Euro (Mindestbeitrag für Schüler/Studenten/Senioren) 100,- Euro
Euro
Datum/Unterschrift
Agathe Fessler gründete 1905 das Marienheim in Bregenz für obdachlose Mädchen und Frauen. Die Einrichtung wurde vom Orden der Barmherzigen Schwestern weitergeführt.
Meine Adresse:
Name, Vorname
niorenheim nach US-Muster errichten. Aber niemand zeigt Interesse, die hiesigen Senioren- und Armenhäuser zu reformieren. In wirtschaftlich schweren Zeiten hat man andere Sorgen. Wieder kehrt sie in die USA zurück. Begeistert von den technischen Fortschritten im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ schreibt sie im Jahr 1925 aus Philadelphia Briefe nach Vorarlberg, um große Unternehmer zur Teilnahme an der Weltausstellung zu bewegen. Vergeblich.
Kampf gegen Alkohol
Agathe Fessler
ist aus dir geworden? Mitleid, Grauen, Ekel. Nur einen Wunsch: weit weit fort.“ Agathe Fessler ist 59 Jahre alt, als sie Vorarlberg endgültig den Rücken kehrt und 1929 nach Brasilien auswandert. Dort verlieren sich ihre Spuren. Nachforschungen haben ergeben, dass sie in der Nähe von Porto Alegre noch in einer Pestalozzi-Schule für arme Kinder gearbeitet haben dürfte. 1941, im Alter von 71 Jahren, ist Agathe Fessler in Brasilien verstorben, vermutlich in Porto Alegre. Auf ihrem Grabstein könnte ein Ausspruch der Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach stehen: „Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: alle dummen Männer.“ Literaturtipp: Meinrad Pichler: „Quergänge – Vorarlberger Geschichte in Lebensläufen“, Bucher Verlag, Hohenems 2007.
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Ruhe- und rastlos wie sie ist, kommt Agathe Fessler 1926 erneut nach Vorarlberg. Es sollte die letzte Heimreise in ihrem Leben sein. Dieses Mal ist sie beseelt vom Kampf gegen den Alkohol, den sie für viel Unglück und Gewalt in Ehe und Familie verantwortlich macht. Sie will eine „Volksküche“ einrichten, in der es keine alkoholischen Getränke geben soll. Alles ist schon vorbereitet, aber die Bregenzer Wirte laufen Sturm. Der Plan wird schließlich von höchster Stelle, der Landesregierung, ad acta gelegt. Agathe Fessler ist bitter enttäuscht: „Jetzt gehen mir gründlich die Augen auf, aber auch über. Und eine solche Landesregierung hat noch die freche Stirn, sich christlich zu nennen. Meine liebe alte Heimat, was
„Meine liebe alte Heimat, was ist aus dir geworden?“
Kultur
Ein Museum als Begegnungs- und Inspirationsort für die Fragen unserer Zeit. Das in der Villa Heiman-Rosenthal beheimatete Jüdische Museum Hohenems.
MENSCH SEIN LERNEN IM MUSEUM 24 /
In einer Zeit, in der mitten in Europa wieder Zäune und Obergrenzen aufgestellt werden, feiert das Jüdische Museum Hohenems sein 25-Jahr-Jubiläum. Als Ort, wo die Frage um Würde und Verantwortung des Menschen immer wieder neu gestellt und auch beantwortet werden will. Und zwar vom Besucher selbst. Text: Patrick Fürnschuß Fotos: Dietmar Walser
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er Philosoph Peter Sloterdijk hat Museen einmal als „Schulen des Befremdens“ bezeichnet. Wenn einem das Eigene fremd und das Fremde vertraut wird, dann wächst der Mensch. Über die Grenzen seines Wissens und seiner Identität hinaus. Er weiß nicht mehr länger und wird dadurch offen und berührbar. Er lernt. Er wird am Du zum Ich, wie Martin Buber formulierte. Und im guten Fall wird er am Du zum Mensch. Womöglich gilt das in besonderem Maße für die „Jüdischen Museen“, deren Geschichte auch immer die Geschichte der Anderen ist. Der Nicht-Juden und deren Umgang mit der - manchmal gar nicht so - fremden Minderheit. 25 Jahre Jüdisches Museum Als Treuhänder der Erinnerung an die bedeutendste jüdische Gemeinde Westösterreichs erzählt auch das Jüdische Museum Hohenems seit 25 Jahren diese Geschichten des und der Anderen. Auf seine ganz eigene Art und Weise. Kein Betroffenheitskult, kein naiver Multikulturalismus, stattdessen feines Gespür, innovative und auch mal provokante Vermittlungsarbeit. Es waren denkwürdige Ausstellungen und Aktionen dabei, die das mittlerweile internationale Renommee des Hauses begründen. Schon 1993, als türkisch stämmige Mitbürger „als Gastarbeiter sozusagen ins Gästezimmer der Gesellschaft verbannt waren“
(Zitat Hanno Loewy), startete das Jüdische Museum das einjährige Projekt „Emser Halbmond“. Bewusstsein schaffen für die religiöse und kulturelle Tradition der Türken in Hohenems, für ihr Minderheiten-Dasein und auch für bestehende Ressentiments. Darf ein Jüdisches Museum das? Und darf man „Jude“ sagen? Auch partizipative Zugänge, die den Besucher zum Mitgestalter der Ausstellung machten, sorgten immer wieder für bewegende Irritation. „Darf man Jude sagen?“ lud da etwa ein Mikrofon zur Interaktion bei der Ausstellung „Was Sie schon immer über Juden wissen wollten … aber nie zu fragen wagten.“ (H. Sulzenbacher, 2012). Wer sich traute, hörte sich fünf Sekunden später selber „Jude“ sagen. Und durfte dann die Frage beantworten: „Klang es so, wie Sie es gemeint haben?“. Allein in diesen Konzeptionszugängen wird sichtbar, dass das Jüdische Museum in Hohenems weit über die jüdische Sache hinaus wirkt. „Schon vor seiner Eröffnung war das Haus mehr als ein Jüdisches Museum, nämlich ein Fokus der politischen Kultur des Landes, der Austragungsort von Debatten, in denen es um Grundsätzliches ging, um das Verhältnis des Eigenen und des Fremden, ums Menschsein“, so Hanno Loewy, seit 2004 geschäftsführender Direktor des Museums. Ein Befund, der das Jüdische Museum Hohenems in seinem Jubiläumsjahr 2016 relevanter und wertvoller denn je erscheinen lässt. Masel tov! („Viel Glück!“)
#3 / Februar 2016
DREI FRAGEN AN ... Herr Egger, was bedeutet das Jüdische Museum für Hohenems? Dieter Egger: Die Jüdische Gemeinde war für die Entwicklung von Hohenems von enormer Wichtigkeit. Das jüdische Museum ist das „Gedächtnis“ dieser Geschichte und zugleich eine Visitenkarte, die Hohenems weit über unsere Grenzen präsentiert. Das Haus ist ein Ort der Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der Begegnung von Nähe und Weltoffenheit, der Begegnung von unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Das Museum ist oft auch wichtiger „Mahner“, der uns auch den schmerzlichen Spiegel vor Augen hält und uns zwingt, unsere eigene Position zu hinterfragen und uns zu öffnen. Was wünschen Sie dem Jüdischen Museum zum Jubiläum? Egger: Ich wünsche dem Museum für die Zukunft, dass es immer in Bewegung bleibt und auch uns damit bewegt. Was bedeutet Hohenems für Sie? Egger: Hohenems ist der Ort, den ich liebe und wo ich mich geborgen fühle. Hier hat mein politisches Engagement begonnen, hier bin ich nun als Bürgermeister wieder „gelandet“. Was bedeutet Hohenems für Sie, Herr Loewy? Hanno Loewy: Die ganze Welt mit allen ihren Widersprüchen ist hier in Hohenems auf kleinstem Raum zusammengedrängt. Hohenems ist der spannendste Quadratkilometer, den ich kenne. Was kann uns das Jüdische Museum gerade heute bedeuten? Loewy: Das Jüdische Museum ist der Versuch, einen Ort zu schaffen, in der sich die unterschiedlichsten Menschen, mit den unterschiedlichsten Erfahrungen und kulturellen Hintergründen auf Augenhöhe begegnen können und Anerkennung finden. Was wünschen Sie Vorarlberg für 2016? Loewy: Ich hoffe, die Vorarlberger Zivilgesellschaft bleibt offen für die Menschen, die im Moment zu uns kommen. Viele von ihnen haben furchtbare Erfahrungen machen müssen und das was sie mitbringen, verunsichert viele im Land. Auf der anderen Seite habe ich noch nie so viele Menschen hier im Land erlebt, die das Gefühl haben, gebraucht zu werden.
Hanno Loewy, Direktor Jüdisches Museum Hohenems
Dieter Egger, Bürgermeister Hohenems
Die Geschichte des JMH – ein Abriss Text: Patrick Fürnschuß, Foto: Arnold Sueti
Das Jüdische Museum Hohenems wurde im April 1991 in der Villa Heimann-Rosenthal im Zentrum des ehemaligen jüdischen Viertels eröffnet. Schon seit den 70er Jahren war in Hohenems über ein Jüdisches Museum diskutiert worden. Als die Stadt Hohenems 1983 die von einer Fabrikantenfamilie erbaute Villa Heimann-Rosenthal erwarb und eine neue Gebäudenutzung gesucht wurde, rückte die Chance einer Museumsgründung in greifbare Nähe. Ein Schulterschluss kulturpolitisch engagierter Bürger – organisiert im 1986 gegründeten „Verein Jüdisches Museum Hohenems“ – mit dem humanistisch geprägten Langzeit-Bürgermeister Otto Amann konnte schließlich überzeugen: 1989 wurde Kurt Greussing beauftragt, für die von Roland Gnaiger restaurierte Villa ein Museumskonzept zu erarbeiten. An der Umsetzung beteiligt waren u.a. Karl Heinz Burmeister, Bernhard Purin, Eva Grabherr und Sabine Fuchs sowie die Architektin Elsa Prochazka und das Grafikbüro A&H Haller. Im Jahre 2005 wurde mit dem Umbau des Café- und Foyerbereichs des Museums der Startschuss zur Erneuerung des Hauses gegeben. Eine Erneuerung, die der entwickelten Sammlung des Museums, dem Forschungsstand und auch neuen Fragen jüdischer und zeitgenössischer Gegenwart Rechnung trug. Die neue Dauerausstellung (Hannes Sulzenbacher mit den Architekten Steinmayr & Mascher, atelier stecher) stellt Menschen in den Vordergrund, ihre Widersprüche und subjektiven Erfahrungen, ihre Lebensentwürfe und Bräuche: Menschen wie Salomon Sulzer, den Begründer der modernen europäischen Synagogenmusik ebenso wie bettelarme Hausiererinnen und Gastwirte, Rabbiner und Lehrer, Kaufleute und auch Fabrikanten, wie die Familie Rosenthal, in deren 1864 erbauter Villa das Museum untergebracht ist.
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Kultur
K U LT U R I N I TAT I V E N I M P O RT R ÄT
Kulturstätte mit Flair und besonderem Programm Seit 20 Jahren wird die Kammgarn in Hard erfolgreich vom Verein Kulturwerkstatt geführt – großteils im Ehrenamt. Dank der Atmosphäre und der optimalen Räume sind schon Bands aufgetreten, die sonst nur in Großstädten spielen. Text: Elisabeth Willi Fotos: Adrian Biatel/Kammgarn Hard
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uf der Bühne der Kulturwerkstatt Kammgarn in Hard: Musiker Manu Delago streicht über das Instrument Hang, das wie ein umgedrehter Wok aussieht. Sanft erklingt das in der Schweiz erfundene Instrument und untermalt den engelsgleichen Gesang von Sängerin Isa Kurz. Fünf Minuten später könnte man meinen, eine andere Band sei auf der Bühne: Wuchtig ertönt das Schlagzeug, voll und schrill der Bass. „Manu Delago Handmade“ ist nicht nur eine Profi-Band, sondern auch eine Musikgruppe, die alle möglichen Musikrichtungen mit- und nebeneinander spielt. Eine besondere Band. Und damit passt sie genau in das Programm der Kammgarn. Dort, so sagt Geschäftsführer Manfred Rendl, werden nämlich keine „eingefahrenen Geschichten“ aufgeführt, sondern spezielle Veranstaltungen. Das Repertoire ist breit: Konzerte, Kabarett, Theater und Kinderprogramme werden veranstaltet, aber auch Workshops durchgeführt und Filme und Ausstellungen gezeigt. Wichtig ist den Organisatoren eine gute Mischung aus einheimischen und internationalen Künstlern. Dermaßen zusammengestellt, ergibt sich ein buntes Programm. So treten im Februar zum Beispiel auf: „Amüsgöl“, „Klaus Paier & Asja Valcic – Bach, Jazz und Tanz“, „Krauthobel“ oder der Kabarettist Stefan Waghubinger, weiters wird das Kindertheater „Herbert & Mimi – Träumeland“ aufgeführt und der Film
Die Kammgarn-Bühne ist technisch gut ausgestattet und recht groß. Hier treten Künstler gerne auf.
„3 Zimmer/Küche/Bad“ gespielt. Seit Kurzem gilt bei manchen der Veranstaltungen in der Kammgarn die „Kulturpartnerschaft“: Flüchtlinge erhalten Gratis-Karten, und die Organisatoren laden andere Gäste ein, den Abend mit einem Flüchtling zu verbringen. Die Kammgarn besteht aus einem Bar- und Cafébereich, der mit Polsterstühlen, einem Sofa und antiken Holztischen ausgestattet ist sowie der Bühne samt Zuschauerraum und Tribünen. Auf zwei Tribünen dienen gelbe, umgedrehte Bierkisten mit einem Polster obendrauf als Sitzgelegenheiten, im Zuschauerraum stehen schwarze, runde Tischchen, die
von Kerzenschein erhellt werden. Stimmig und angenehm ist die Atmosphäre in der Kammgarn. Außerdem, erzählt Geschäftsführer Rendl, sei die Kammgarn weder zu groß noch zu klein: Einerseits finden zwar recht viele Besucher – bis zu 220 Personen – im Veranstaltungssaal Platz, andererseits gibt es dennoch eine Nähe zwischen Publikum und Künstlern. Dank der optimalen Raumgröße, der guten technischen Ausstattung und der besonderen Atmosphäre treten die Künstler gerne hier auf. „Wir hatten schon Bands hier, die sonst nur in Großstädten spielen“, verdeutlicht Manfred Rendl die Besonderheit der Kammgarn.
#3 / Februar 2016
Migrationshintergründe – erhellt von Massimo Livi Bacci Die Kammgarn ist in den denkmalgeschützten Räumen der Firma Schoeller in Hard beheimatet. Vor 25 Jahren entstand aus einer Harder Theatergruppe der „Verein Kulturwerkstatt“, und dieser Verein organisierte damals erstmals das Sommerfestival FOEN-X. Seither findet dieses Festival mit sommerlichen, kubanischen und afrikanischen Veranstaltungen jährlich während der Festspielzeit in und um die Kammgarn statt. Fünf Jahre nach dem ersten Sommerfestival – also vor genau 20 Jahren – gründete der Verein die Kulturwerkstatt Kammgarn und bezog die Räume in der Firma Schoeller. Die Gemeinde Hard war damals – und ist es bis – heute starker Partner des Vereines. Etwa 120 Veranstaltungen werden jährlich in der Kammgarn aufgeführt und zirka 15.000 Besucher gezählt. Geleitet wird die freie Kulturinitiative von einem Organisationsteam, das aus sieben Personen besteht. Von diesen sieben sind übrigens sechs seit 20 Jahren dabei, eine seit 15 Jahren. Geschäftsführer Manfred Rendl und Obfrau Ursula Faigle sind angestellt, alle anderen arbeiten ehrenamtlich. Zusätzlich gibt es noch 30 weitere ehrenamtliche HelferInnen, die ein- bis zweimal pro Monat Bardienst machen. „Ohne Ehrenamt würde es nicht gehen“, sagt Obfrau Ursula Faigle. HINWEIS: Mehr Infos zur Kammgarn und dem Programm unter www.kammgarn.at
Vier der sieben Mitglieder des Organisationsteams. Großteils arbeiten sie ehrenamtlich.
Migration gab es schon immer. Sie ist eine natürliche Entwicklung in der Geschichte des Menschen. In seinem Buch „Kurze Geschichte der Migration“ erklärt Massimo Livi Bacci warum. Text: Patrick Fürnschuß Foto: Klaus Wagenbach
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Massimo Livi Bacci, „Kurze Geschichte der Migration“, Verlag Klaus Wagenbach, ISBN: 9783 8031 27433
er das Phänomen „Migration“ verstehen will, seine Hintergründe und Mechanismen, dem sei Massimo Baccis 176-Seiten-Buch „Kurze Geschichte der Migration“ empfohlen. Der bald 80-jährige Bacci ist Professor für Demographie und entsprechend wissenschaftlich (ja, dann und wann auch mal trocken) ist seine Herangehensweise und sein Schreibstil. Gerade dieses Faktische aber ist es, das dieser Lektüre ihren Mehrwert bereitet. Keine Meinungen, keine Polemik, keine versteckten Interessen. Stattdessen eine gründliche Aufbereitung der menschlichen Migrationsgeschichte. Und die ist spannend genug, kurzweilig und mit Baccis Fokus auf Europa gerade höchst relevant. Der weit aufgespannte Bogen von den ersten Ausbreitungen des Homo sapiens bis zu unseren heutigen Migrationsbewegungen sowie eine Vielzahl von Tabellen und erweiternder Anmerkungen schaffen Überblick und Bedeutungszusammenhänge. Migration gab und gibt es schon immer. Sie ist eine natürliche Entwicklung in der Menschheitsgeschichte und oft auch eine gewollte. Das ist eine Quintessenz des Buches. Eine andere: Gerade in der europäischen Geschichte ist Migration ein stetes Phänomen. „Von 1500 an exportiert Europa Humanressourcen, nachdem es Jahrtausende lang Ziel von Einwanderungen und Invasionen gewesen war“, schreibt Bacci. Von Anfang des 19. Jahrhunderts bis hin zum Ersten Weltkrieg verließen etwa 50 Millionen Menschen Europa bei einer Einwohnerzahl von 180 Millionen. Migration war immer auch ein Politikum: Die absolutistischen Monarchien der Neuzeit siedelten für Machtausbau, Grenzsicherung oder für die Aufwertung dünnbesiedelter Gebiete viele tausende Menschen um. Die russische Zarin Katharina II. lockte nach ihrer Thronbesteigung Einwanderer aus ganz Europa mit zahlreichen Privilegien wie eigenem Land, Steuererlass, zinslosen Wohnbaukrediten und freiem Kirchenbau. Was das habsburgische Österreich verleitete, die Verbreitung des Zarinnen-Manifests zu verbieten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erhielten österreichische Staatsbürger das Recht, auszuwandern. Massimo Baccis Fazit: „Wir Menschen haben Beine. Die Fähigkeit, uns von Ort zu Ort zu bewegen, gehört zu unserem Wesen und ist eine hilfreiche Eigenschaft, um uns den Lebensumständen anzupassen und sie zu verbessern.“ Was heißt das für uns Menschen im 21. Jahrhundert? Bacci: „Wenn wir das hohe Lebensniveau in Europa halten wollen, müssen wir Einwanderung erleichtern und befördern.“
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Veranstaltungskalender
Alle Veranstalter akzeptieren den Kulturpass für freien/ermäßigten Eintritt.
Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/vorarlberg.html
Mo, 1.2.2016, ab 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: frei
Do., 4.2.2016, 20 bis 22:30 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 9,- Euro
KONTAKTCHOR
THE WHO – LIVE IM HYDE PARK
lädt ein zum „Offenen Singen“ Seit ein paar Monaten singen asylwerbende Menschen und anerkannte Flüchtlinge mit sangesfreudigen Leuten vor Ort in Feldkirch. Dieser neue Chor wird vom erfahrenen Chorleiter, Kolumnist, Musiker und Autor Ulrich Gabriel geleitet. Einmal im Monat, jeden ersten Montag, besteht nun im Theater am Saumarkt die Möglichkeit für ein interessiertes Publikum, das gerne singt, sich dazu zu gesellen, zuzuhören, mitzusingen, Kontakt aufzunehmen.
Konzertfilm UK (2015) Im Juni 2015 traten The Who im Hyde Park auf und wer nicht live vor Ort sein konnte, kann sich den spektakulären Auftritt nun in Form dieses Konzertfilms zu Gemüte führen. Ergänzt werden die Aufnahmen vom Bühnenauftritt der legendären englischen Rocker durch Interviews – nicht nur mit den The Who-Mitgliedern, sondern auch mit weiteren bedeutenden Musikern wie Iggy Pop, Robert Plant und Johnny Marr. Die Mischung aus Konzert- und Dokumentarfilm ist zur Feier des 50-jährigen Bandbestehens entstanden.
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Fr., 5.2.2016, 19:30 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 23,-/AK 24,Euro; Karten in allen Hypobanken oder bei Bludenz Kultur.
BIRGIT MINICHMAYR
Lesung „Texte von Dorothy Parker“ Birgit Minichmayr studierte am Wiener Max Reinhardt-Seminar Schauspielkunst. 2001 wurde sie bei den 51. Internationale Filmfestspielen in Berlin als Österreichischer Shooting-Star des europäischen Films ausgezeichnet. Filme wie die Hollywood Produktion „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ (2006) oder ihre Rolle der jungen Gitti in „Alle Anderen“ (2008), für den sie den Silbernen Bären bei der Biennale 2009 erhielt, machten sie berühmt. Wie alle Künstler, die in der Kultur.LEBEN Reihe auftreten, verzichtet auch Birgit Minichmayr auf ihre Gage. Der Erlös der Veranstaltung kommt einem Projekt der Caritas für Aidswaisen in Äthiopien zu Gute.
Fr., 5.2.2016, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 18,- Euro Foto: Ingo Pertramer
Mi, 3.2.2016, ab 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 16,-/AK 19,- Euro
VEA KAISER LIEST: MAKARIONISSI ODER DIE INSEL DER SELIGEN
Von Griechenland bis Niedersachsen, von den Fünfzigerjahren bis in die Gegenwart: In ihrem neuen Roman erzählt Vea Kaiser in ihrem einzigartigen Ton von der Glückssuche einer Familie und deren folgenreichen Katastrophen, von Möchtegern-Helden und Herzensbrechern. Und von der großen Liebe, die man mehrmals trifft.
Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9
Foto: vovo / Lisa Mathis
Do., 4.2.2016, 20 bis 22:30 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 22,- Euro
BILANZ 2015 – DER JAHRESABSCHLUSS VORARLBERGS
von Stefan Vögel & George Nussbaumer George Nussbaumer, Stefan Vögel, Yasmin Ritter und Markus Lins schauen auf die Ereignisse des Jahres zurück und wagen per Glaskugel einen Blick nach vorn. Freuen Sie sich auf die kabarettistische Bilanz aus 365 ereignisreichen Tagen! Veranstalter ist kultpur Nüziders.
MITTAGSTISCH
jeden Freitag mitkochen ab 10 Uhr / mitessen ab 12 Uhr. Bio – Regional – Fair. Gib, was es Dir wert ist.
KONTAKTCAFE
jeden Dienstag von 9:30 bis 11 Uhr. Eintritt: frei.
BENEFIZKONZERT FÜR CELAL GÜVEM
Dieses Konzert ist eine Zusammenarbeit von Murat Üstün mit dem Verein Motif zu Gunsten des erkrankten türkischen Musikers Celal Güven. Er ist einer der Gründer von Kurtalan Ekspres und hat dort gemeinsam mit Üstün musiziert.
Mi., 10.2.2016, 9:15 bis 17 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Kursbeitrag: 70,-, Vollpension 14,80 Euro
KRAFTVOLL UND ENTSCHIEDEN
Männerseminar mit Günther Maag-Röckemann Manchmal fühlen wir uns kraftlos, wir zaudern und zögern. Es ist, als ob sich das Leben nur im Kopf abspielen würde, ohne den Mut, es wirklich zu leben. Vielleicht weil wir unsere eigene Kraft nicht kennen oder Angst vor ihr haben. Schwertarbeit und Leibübungen, die bei diesem Seminar das Werkzeug sein werden, sind ein Weg, in die eigene Lebenskraft zu kommen. Es gilt diese Kraft zu erfahren und damit zu seinen besten Möglichkeiten zu kommen.
#3 / Februar 2016
Fr., 12.2. und Sa., 13.2.2016, 19 Uhr, Treffpunkt Frauenmuseum Hittisau, Eintritt: 30,- Euro inkl. Suppe und Wein.
KALTES LAND
Ein Winter-Freilichttheater von Reto Finger Eine Produktion von Café Fuerte – große Geschichten an kleinen Orten. „Fremdes tut nicht gut in schwierigen Zeiten!” – sagt der Pfarrer, der will, dass alles so bleibt, wie es ist. Das wollen auch die anderen alten Herren im kleinen Bergdorf. Was jahrelang unausgesprochen und verdrängt war, soll nicht an die Oberfläche kommen. Auch wenn Hanna, die jetzt erwachsen ist, das nicht mehr aushält. Doch dann kommt ein junger Mann aus der Stadt, der sie gut versteht, und die Mauer des Schweigens beginnt zu bröckeln. Die Vorstellungen finden im Freien statt. Warme Winterkleidung und gute Schuhe sind notwendig. Nach der Vorstellung gibt es im Frauenmuseum Suppe, Brot und Wein im Warmen! Treffpunkt ist um 19 Uhr beim Frauenmuseum Hittisau, anschließend 30 Minuten Spaziergang zum Vorstellungsort oder ab 19.30 Uhr Bustransfer zum Vorstellungsort. Kartenreservierungen unter Telefon +43 5513 620950 oder tourismus@hittisau.at.
Fr., 12.2. und Sa., 13.2.2016, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
auf einen schönen Abend ein, bringt ein bisschen Sitzfleisch und eine kleine Spende für unsere fleißigen Schreiber mit. Interesse geweckt? Schon klar, dass du mitmachst? Dann schick uns eine kurze Mail an jamonpoetry@gmail.com.
Di., 16.2.2016, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Kinosaal, Eintritt: 8,- Euro
ZWEI TAGE EINE NACHT
Filmreihe zum Thema psychische Krankheiten in Zusammenarbeit mit pro mente Vorarlberg. Seelische Erkrankungen und psychische Zusammenbrüche sind immer noch Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Mit dieser Filmreihe wollen wir seelische Erkrankungen zum Gesprächsthema machen, informieren, aufklären und sensibilisieren. In „Zwei Tage eine Nacht“ möchte eine Frau nach einem Krankheitsausfall in ihren Job zurück. Inzwischen wurde ihre Arbeit jedoch gegen einen Bonus auf ihre Kollegen verteilt. Ihr Chef will dies zum Status quo machen und ihre Stelle einsparen; die Kollegen sind des finanziellen Vorteils wegen damit zufrieden. Der Frau bleibt ein einziges Wochenende, sie dazu zu überreden, sich mit ihr zu solidarisieren. Die Brüder Dardenne machen aus der oberflächlich gesehen etwas modellhaften Konstellation ein meisterliches soziales Panorama und ein Plädoyer für Solidarität.
DIE EISERNEN
Theater von Aldo Nicolaj - Koproduktion der Villa Falkenhorst und kult pur nüziders. Eine wunderschöne, berührende Geschichte über drei alternde Menschen. Daran, dass jeder einmal alt wird, hat sich bis heute nichts geändert. Aber wie wird es aussehen, das Alt-Sein? Wird man gebrechlich werden, von der Gesellschaft an den Rand gedrängt, abgeschoben und von den Kindern bloß noch geduldet werden? In „Die Eisernen“ geben drei Schauspieler einen kleinen Vorgeschmack. Das Stück ist poetisch, komisch und empathisch zugleich - und es vermittelt eine zutiefst humane Aussage: Es sagt Ja zum Leben!
Foto: Veranstalter
Mi., 17.2.2016, 20 Uhr, Kulturbühne Ambach, Götzis, Eintritt: 29,-/26,Euro
ROLAND DÜRINGER
Sa., 13.2.2016, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: freiwillige Spende
JAM ON POETRY
Das geht an alle Wortkünstler und Wortkünstler innen. Egal, ob ihr nun wortbegabte Angsthasen, experimentierfreudige – oder vielleicht sogar erfahrene Poeten seid. Ihr habt fünf Minuten, wenn ihr länger braucht gern auch fünfminutenfünfzehnsekunden, um im Rampenlicht unserer kleinen Bühne euer Können unter Beweis zu stellen. Ihr braucht eigentlich nur zwei Texte und eine kleine Portion Mut. Bringt eure Freunde, Verwandten, Bekannten und gern auch die Bekannten der Bekannten mit, dann kann eigentlich auch nix mehr schiefgehen. Ihr wollt euch das Ganze erst einmal als Zuschauer ansehen? Dann lasst euch
Weltfremd? Vorarlbergpremiere. Mit dem Programm „Weltfremd?“ fasst der bekannte Kabarettist seine letzten drei Programme zusammen, ergänzt, erweitert, bringt komplexe Zusammenhänge auf den Punkt. Er fordert kritisches Denken und Selbstreflexion heraus und sucht dabei stets den Dialog mit dem Publikum. Ein Abend für alle „Weltfremden“. Veranstalter: Caravan.
Do., 18.2.2016, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Kinosaal, Eintritt: 8,- Euro
DIE DÜNNEN MÄDCHEN
Filmreihe zum Thema psychische Krankheiten in Zusammenarbeit mit pro mente Vorarlberg. Dokumentarfilm über acht magersüchtige junge
Frauen, die in einer Spezialklinik von ihrer selbstzerstörerischen Krankheit loskommen wollen. In der Begegnung mit den Anorexikerinnen setzt die kunstsinnige Inszenierung primär auf arrangierte Elemente wie einen Flamenco-Kurs, der zur bildmächtigen Metapher für die Krankheit wie ihre Heilung wird. Der lebensbejahende, formal bestechende Film zeigt dank seiner klugen Dramaturgie den steinigen Weg der Süchtigen zum Kern ihres Leidens und macht deren unzugängliche Gefühle nacherlebbar.
Foto: Veranstalter
Fr., 19.2.2016, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 10,-/8,-; AK 11,-/9,- Euro; Karten bei Kultur Bludenz.
FALLEN UP
CD-Präsentation: Dead Heart´s Lullaby Die Vorarlberger Formation Fallen Up zählt zu den innovativsten Metal-Bands in Österreich und begeistert mit sozialkritischen als auch emotionalen Themen. Mit den Debütalben „So Blind Your Eyes … And Listen“ und „Death of Conscience“ macht es sich die Band im österreichischen Metal-Pool bequem. Fallen Up etabliert sich mit ihrem neuen Album „Dead Heart‘s Lullaby“, welches in den RWK-Studios unter Eigenregie entstanden ist, nun vollends in der Metal-Szene. Veranstalter: Bludenz Kultur.
Fr, 19. Feb 2016, ab 21.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 16,-/ AK 19,- Euro
SOFA SURFERS
Staubfrei surfen Zwingende Grooves, treibende Bässe und eine seelenvolle, fragile Stimme: Sofa Surfers are back. Und zwar knackiger denn je, wie die erste Single aus dem neuen Album beweist. Schon die ersten Takte klingen, als hätte jemand das gute, alte Sofa von der Debris der Vergangenheit befreit, kräftig durchgelüftet und die Bezüge erneuert: Im Wind klappernde Metallfedern leiten den Song „The Fixer“ ein, gefolgt von staubtrockenen Beats, die eine für die Sofa Surfers ungewohnte Sturheit an den Tag – oder an die Nacht? – legen. Dann beginnt auch schon Mani Obeya in seinem unverwechselbaren Falsett die Geschichte des Fixers zu erzählen.
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Veranstaltungskalender Sa., 20.2.2016, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 10,-/AK 12,- Euro
HOSEA RATSCHILLER & RADESCHNIG
„Der allerletzte Tag der Menschheit.“ Eine lustvolle satirische Revue zum Zustand des Wesens „Österreich“ mit höllischem Humor und himmlischen Gesängen. In ca. 43 Rollen: Hosea Ratschiller; Musik: RaDeschnig.
Mo., 22.2.2016, 19:30 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 10,-/8,-/6,-Euro
Mi, 24. Feb 2016, ab 20.30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/ AK 22,- Euro
ANDY SHEPPARD QUARTET
Andy Sheppard genießt international einen exquisiten Ruf als Tenor- und Sopransaxophonist. Der aus Bristol stammende Brite hat in den Big Bands der drei bekanntesten „Nachkriegs-Komponisten“ - Carla Bley, George Russel, Gil Evans - gespielt, und hat selber als Komponist für Big Bands bis zu Kammerorchestern bedeutende Werke geschrieben. Er ist eine Galionsfigur der britischen Szene und es heißt, sein neues Album für ECM „Surrounded by Sea“ sei ein Meilenstein seines bisherigen Schaffens.
DEUTSCHLAND IM HERBST ´89
Filmpräsentation und Diskussion mit Hanno Thurnher Als im Oktober 1989 alle Augen auf die Großdemonstrationen in der DDR gerichtet waren, machte sich ein junges österreichisches Filmteam auf den Weg an die innerdeutsche Grenze. Während überall der Sturm der Veränderung aufzog, war hier – an der Schnittstelle der beiden deutschen Staaten und der beiden ideologischen Blöcke – eine geradezu gespenstische Ruhe zu verspüren. Den dabei entstandenen Film, ein einzigartiges zeithistorisches Dokument, präsentiert der aus Dornbirn stammende Filmemacher Hanno Thurnher. Veranstalter: Verein AllerArt.
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Di., 23.2.2016, 15 Uhr, Museum Frühmesshaus Bartholomäberg, Eintritt: frei
SPIELRUNDE AM MONTAFONERTISCH
Wir laden zur Spielrunde ins Frühmesshaus und wollen dabei schon fast vergessene Brett-, Karten-, Geschicklichkeits- oder lustige Unterhaltungsspiele neu beleben. Wer Interesse hat, kann auch gerne dazu seine Ideen incl. Spielematerial einbringen oder sich neugierig auf diesen Spielenachmittag einlassen. Veranstalter: Montafoner Museen.
Mi. 24.2.2016, 19:30 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK: 23,-/AK: 25,Euro; Karten in allen Hypobanken und bei Bludenz Kultur.
ALTENBERG TRIO WIEN
Christopher Hinterhuber - Klavier, Christoph Stradner – Cello, Amiram Ganz – Geige. Werke von Haydn, Enesco und Schubert. Das Altenberg Trio Wien widmet sich der Kammermusik, die von der Klassik bis zur zeitgenössischen Musik reicht, und will ihre und deren Wandlungen für Klassikfreunde erlebbar machen. Wie alle Künstler, die in der Kultur.LEBEN Reihe auftreten, verzichtet auch das Altenberg Trio Wien auf ihre Gage. Der Erlös der Veranstaltung kommt einem Projekt der Caritas für Aidswaisen in Äthiopien zu Gute. Veranstalter: Kultur.LEBEN.
Foto: Veranstalter
Sa., 27.2.2016, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 10,-/8,-; AK 11,/9,- Euro; Karten bei Kultur Bludenz.
POLO TO THE MASSES
Foto: Veranstalter
hin.hören Mit POLO TO THE MASSES erwartet die jungen und junggebliebenen Besucher vielversprechende Newcomer aus Wien, die mit sanften als auch intensiven Klängen unter anderem ZuhörerInnen auf FM4 begeistern. POLO TO THE MASSES erzählen von persönlichen und emotionalen Erfahrungen, ohne dabei gefühlsduselig zu wirken. Die jungen Musiker verstehen es mit akzentuierter Percussion, eindringlichen Gitarren- und Bassriffs und ausdrucksstarken Texten ihre Besucher mitzureißen. Veranstalter: Bludenz Kultur.
Do., 25.2.2016, 20 Uhr, Remise Bludenz, Ausstellungseröffnung, Eintritt: frei
LUCA MATTI UND LUCIO POZZI
Ausstellung In den Arbeiten der beiden renommierten Künstler Luca Matti aus Florenz und Lucio Pozzi aus Mailand verschwimmen die Grenzen zwischen Design, Gravur, Malerei, Video-Animation und Skulptur. Die verschiedenen Sparten beeinflussen und vermischen sich gegenseitig. Es entsteht ein Universum aus Geschichten, Vorschlägen, Träumen; eine Fiktion in Schwarz und Weiß. Veranstalter: Verein allerArt.
Fr., 26.2.2016, 19 Uhr, Montafoner Heimatmuseum Schruns, Eintritt: frei
NATIONALSOZIALISMUS IN UNSERER REGION
Ende Jänner 2016 erscheint Band 5 der Reihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ mit dem Untertitel „NS-Belastete aus dem Bodenseeraum“. Darin enthalten sind auch mehrere Fälle, die Vorarlberg bzw. das Montafon berühren. Am heutigen Abend stellt Herausgeber Wolfgang Proske das Buch vor. Der in Zürich lebende Schriftsteller Jürg Frischknecht berichtet über den Alpinpublizisten Walther Flaig. Der Historiker Dr. Wolfgang Weber geht auf Vorarlberger Fälle ein.
Foto: Veranstalter
Sa., 27.2.2016, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Kinosaal, Eintritt: 8,-Euro
STURE BÖCKE
Film Ein Bruderzwist und stolze Schafe: STURE BÖCKE zeigt ein menschliches Drama voller Empathie für seine Protagonisten, voller skurriler Situationen und wunderbar komischer Momente in großartiger Landschaft. Regie: Grímur Hákonarson, Island 2015. Original mit Untertitel.
Mo., 29.2.2016, 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
PAROLI – DIE IMPROSHOW AUS VORARLBERG
Kabarett Wünscht sich jemand eine Liebes-Szene? Oder lieber eine Horror-Geschichte? Ein Lied gefällig? Über welche Erfindung soll denn unser „Experte“ sprechen? Wollt Ihr die Szene in einer anderen Sprache hören oder im Zeitraffer sehen? Ihr seht, ohne Publikum geht nix. Denn wir spielen, was IHR uns vorgebt! Spontan und ohne Vorbereitung. Auf 5-4-3-2-1 geht‘s los! Spaß garantiert!
#3 / Februar 2016
VORARLBERGRÄTSEL Kennscht d’Lüt?
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1. Geburtsort des SOS-Kinderdörfer- Gründers Hermann Gmeiner (1919-1986) 2. Vorarlbergs erste Bürgermeisterin (1998; Anna ... ) 3. Geburtsort des Haubenkochs Eckart Witzigmann 4. Schriftstellerin, Heimatdichterin (1882-1934; Grete ... ) 5. Einziger Vorarlberger Sommer- Olympiasieger (Hubert ... ) 6. Reformpädagogin, Pestalozzi Schülerin (1794-1854; Maria ... ) 7. Tamiflu-Erfinder aus Mellau (Norbert ... ) 8. Freeriderin, Doppel-Weltmeisterin (Nadine ... ) 9. Ehrenbürgerin von Bezau, Ordensfrau (1881-1971; Selesia ... )
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Lösung 1. Alberschwende, 2. Franz, 3. Hohenems, 4. Gulbransson, 5. Hammerer, 6. Schmid, 7. Bischofberger, 8. Wallner, 9. Michler, 10. Kaufmann, 11. Breiner, 12. Andelsbuch, 13. Pinkelnig, 14. Bregenz, 15. Kloser, 16. Haag, 17. Schruns, 18. Schmutzer
10. Erste Bürgermeisterin einer Stadt in Vorarlberg (2015; Andrea ... ) 11. Umweltschützerin, Atomkraft gegnerin (Hildegard ... ) 12. Geburtsort des österr. Vizekanzlers Jodok Fink (1853-1929) 13. Weltklasse-Skispringerin (Eva ... ) 14. Geburtsort des Stardesigners Stefan Sagmeister 15. Drehbuchautor, Komponist 14 und Filmproduzent („10.000 B.C“) aus Hard (Harald ... ) 16. Vbg. Kunsthistorikerin, General direktorin des KHM Wien (Sabine ... ) 17. Geburtsort der Olympiasiegerin Anita Wachter 18. Komponist und Dichter der Vorarlberger Landeshymne (1864-1936; Anton ... )
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