#27 / April 2018
2,60 Euro
davon 1,30 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
Pflegekind sucht... Das Vorarlberger Kinderdorf sucht dringend Pflegefamilien.
Gequälte Kälber Bio-Landwirt Simon Vetter über artgerechte Tierhaltung.
Zum Kuckuck mit den Schulden Wie tickt der oberste Schuldenberater des Landes selbst in Geldangelegenheiten? Die marie sprach mit dem 63-jährigen Harder über familiäre Weltereignisse, seinen Hausbau und den größten Luxus seines Lebens. Seiten 12/13
Foto: Frank Andres
Ja, gibt´s denn sowas? Eine fünfköpfige Familie in Wolfurt lebt von der Kunst.
Schmelztiegel Vorarlberg Wie der Bahnbau vor 150 Jahren Kulturen verband.
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Mittendrin in V 4-5 6-7 8-9 10
Bild des Monats Ein behütetes Zuhause Leon (12) fand Platz in einer Pflegefamilie Mehr Hirnschmalz Bio-Landwirt Simon Vetter fordert ein Umdenken Auf die Seile, fertig, los Zirkuspädagoge Sebatian Gerer mischt Unterricht auf 11 Waste‘s End Ein Blog von Kristina Heilinger 12-13 Der oberste Schuldenberater Peter Kopf und sein Umgang mit Geld 14-15 Straßenumfrage marie sprach mit Vorarlbergern übers liebe Geld 16-17 Zweite Chance im „Eichamt“ Bludenz Gastronomie-Projekt für arbeitslose Jugendliche 18 Rezept Indischer Frischkäse in Tomatensauce 19 Sehnsucht nach Stille Meditieren im vorarlberg museum 20 Wieviel Ich darf ‘s bitte sein? Kleinwalsertaler Dialoge zum Thema „Ich und wir“ 21 Impressum 22-23 Ein Original mit Pfeife Ein Porträt des Dornbirners Sepp Anton Schicha (69) 24-25 Anti-Gewalt-Training Martina Lecker hilft straffälligen Personen 26-27 Er schafft das Christian Nachbaur lebt allein und selbstbestimmt 28 Öffne dein Herz und sing! Sängerin Ida Kelarova hilft benachteiligten Roma
International 30-31
Stadt der Katzen Bewohner in Istanbul kümmern sich um Samtpfoten
Gsi 32-33
Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, endlich ist er da, der Frühling. Mit den wärmeren Temperaturen wird nicht nur die Gartenschaufel in die Hand genommen, sondern auch das eine oder andere Projekt nach der Winterpause wieder aufgegriffen oder neu begonnen. Es ist Zeit, zu investieren. Die Energie des Frühlings. Und wie in solchen Fällen bald bemerkbar wird: auch Geld. Kaum einer weiß mehr übers Geldausgeben als der oberste Schuldenberater des Landes, Peter Kopf. Seit 28 Jahren berät er Menschen, ihre Schulden abzubauen. Tipps, selbst nicht in die Schuldenfalle zu tappen, erfahren Sie auf den Seiten 12/13. Wofür Mann und Frau in Vorarlberg sinnlos Banknoten hinblättern und was gratis sein sollte, lesen Sie auf den Seiten 14/15. Mit seinem Taschengeld zu haushalten, allein und selbstbestimmt zu leben, das haben ihm nicht viele Menschen zugetraut. Doch Christian Nachbaur, geistig und körperlich schwer beeinträchtigt, schafft genau das. Der 45-jährige Kleinwalsertaler lebt seit Herbst 2016 allein in einer kleinen Wohnung in Götzis, besitzt ein eigenes Konto. Da Christian weder schreiben, lesen noch rechnen kann, kennt er den Zahlencode für sein Bankkonto nicht. Aber er weiß, welche Tasten er drücken muss, und wie oft er wie viel abheben darf. Auch die Ziffern seiner Uhr kann er nicht lesen, aber er weiß, wann es Zeit ist, aufzustehen und in die Arbeit zu fahren (Seite 26/27). Wie man mit wenig Geld auskommen und dennoch eine fünfköpfige Familie versorgen kann, erzählt das KünstlerEhepaar Carolina und Andreas Paragioudakis-Fink. Sie leben mit ihren drei Kindern von Tanz, Theater und Musik (Seite 34/35). Die Videoaufnahmen von qualvoll getöteten Kälbern, die der Verein gegen Tierfabriken (VGT) kürzlich veröffentlicht hat, haben einmal mehr gezeigt, dass in der Fleischproduktion viele Dinge gehörig falsch laufen. Die marie sprach mit dem Lustenauer Bio-Landwirt Simon Vetter, Gemüseproduzent und Rindhalter, über die Verantwortung der Bauern und die Entfremdung der Konsumenten (Seite 8/9). Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre der April-Ausgabe Ihrer Vorarlberger Straßenzeitung!
Die Bahn macht‘s Vor 150 Jahren kam internationales Flair ins Ländle
Kultur
Herzlich, Christina Vaccaro, Redakteurin
34-35 Aus dem Stegreif Fünfköpfige Familie und ihr Leben von der Kunst 36-39 Veranstaltungskalender marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
Kontaktieren Sie uns
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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Bild des Monats
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Großer Auftritt auf dem roten Teppich Foto: Frank Andres
Es war eine ganze spezielle Veranstaltung am Garnmarkt in Götzis. Menschen mit und ohne Behinderung schritten aus Anlass des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März gemeinsam über den Laufsteg und präsentierten die aktuelle Frühjahrsmode. Das Publikum zeigte sich von der inklusiven Modenschau begeistert.
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Ein behütetes Zuhause
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Leon hatte schlechte Karten. Im Alter von sieben Jahren brauchte er dringend ein neues Zuhause. Petra (41) und Dieter Manke (50) aus Hörbranz haben ihm ein solches geschenkt. Heute ist der Zwölfjährige glücklich über den Platz inmitten der Familie Manke. Text: Christina Vaccaro, Foto: Christina Vaccaro, Frank Andres
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in Pflegekind? Es war ein Zeitungsbericht, der eine Idee in Petras Gedankenwelt einbrachte, die sie nicht mehr loslassen sollte. Ein Kind in die Familie aufzunehmen, das nicht das eigene ist, mag sich so mancher vage vorstellen können. Es wirklich zu tun, ist eine verantwortungsvolle Angelegenheit. „Es war einfach noch ein Platz da“, erzählt Petra, wenn sie auf das „Warum?“ eine Antwort gibt. „Nach meiner zweiten Schwangerschaft konnte ich mir keine weitere vorstellen. Und gleichzeitig. . .“ Petra lächelt sanft. Durch ihren pädagogischen Hintergrund als ausgebildete Erzieherin habe sie sich zugetraut, ein Pflegekind aufzunehmen, erzählt sie weiter. Außerdem sei der Altersunterschied zwischen der erstgeborenen Tochter Mia (16 Jahre) und ihrem zweitgeborenen Sohn Lenny (8 Jahre) groß. Sie konnte zuhause bleiben, ihre Ehe war stabil, die Rahmenbedingungen passten einfach. Und natürlich hegte sie auch den Wunsch, etwas Gutes zu tun. Ihr Ehemann Dieter war zunächst skeptisch, als Petra das erste Mal mit ihm über ihre Idee sprach. „Ein Pflegekind war für mich nie ein Thema gewesen. Doch ganz langsam nahm die Idee auch in mir Gestalt an“, erinnert sich Dieter. Die beiden meldeten sich beim Pflegekinderdienst, analysierten mit Fachpersonal ihre Familienstruktur, besuchten ei-
nen Vorbereitungskurs. Und dann kam Bibi. Das damals zwölfjährige Mädchen wurde von ihren Großeltern großgezogen, zu den leiblichen Eltern bestand kaum Kontakt. Die Oma erkrankte, daraufhin kam Bibi zu Petra und Dieter. „Es war gut mit Bibi. Sie hat sich schnell eingelebt“, sagt Petra. Doch nach nur drei Monaten – der Großmutter ging es gesundheitlich wieder besser – hieß es überraschend, Abschied zu nehmen. „Das hat mich ziemlich getroffen“, gesteht Petra. Der Wunsch, ein Pflegekind aufzunehmen, war daraufhin zunächst stillgelegt. Es sollten fast zwei Jahre vergehen, bis sich das mit einem Anruf von Silvia Zabernigg, der Bereichsleiterin vom Pflegekinderdienst, änderte, indem sie von Leon erzählte. „Ich war neugierig auf diesen Jungen“, erinnert sich Petra. Leons Eltern waren nicht in der Lage, ihre Kinder großzuziehen. So brauchte der Älteste wie auch seine beiden Geschwister dringend ein neues Zuhause, eine neue Familie. Ein Treffen zum gegenseitigen Kennenlernen wurde organisiert. Von ihrer ersten Begegnung mit Leon erzählt Petra: „Ich war schockiert. Da saß dieser zierliche, überall aufgeschürfte Junge und hatte weit aufgerissene Augen. Die Situation war ganz anders als bei Bibi. Du hast gemerkt, der hat etwas mitgemacht.“ Es folgte ein zweites Treffen, ein Ausflug an den Bodensee, diesmal gemeinsam mit ihren Kindern Mia und Lenny. Leon war gleich sehr auf Dieter fixiert, es war ein schöner Tag am See, die Chemie stimmte. Dennoch zögerte Petra. „Ich war mir nicht sicher, weil das einfach so eine große
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Familie Manke: Lenny (8) auf dem Schoß von Mama Petra (41), Pflegesohn Leon (12) an der Seite von Papa Dietrich (50). Tochter Mia (16) fehlt auf dem Foto.
Aufgabe ist. Ich habe zu Dieter gesagt, dass ich nicht scheitern und das Kind wieder hergeben möchte.“ Noch von ihrem ersten Kontakt mit dem Pflegekinderdienst wussten die Mankes, dass sie nicht alleine waren, sondern immer Ansprechpersonen zur Verfügung hatten. „Wir waren begleitet und erhielten eine regelmäßige Betreuung“, sagt Petra. Schließlich fasste die zweifache Mutter nochmals Mut. Die ganze Familie stand hinter der Entscheidung, Leon willkommen zu heißen. Und Leon kam. „Am Anfang ist es verwirrend“, sagt der heute Zwölfjährige. „Aber dann geht es.“ Ein leicht schüchternes, doch sehr herzhaft-breites Lächeln zieht sich über das Gesicht des Jungen. Lenny, der neben ihm sitzt, grinst noch breiter. „Warum grinst du so?“, fragt Leon keck. Ein Kichern ist die Antwort. Lenny, erzählen die Eltern, spielte eine wichtige Rolle darin, eine Beziehung zu Leon aufzubauen. Jetzt sind die beiden unzertrennlich, Leon ist offiziell sein großer Bruder. Auch für die Pflegeeltern ist Leon inzwischen fast wie ein leiblicher Sohn. Das anfängliche Durcheinander der Rollenverteilung ist dem Gefühl einer ganz „normalen“ Familie gewichen. Seine leibliche Mutter sieht Leon alle sechs Wochen in festen Besuchszeiten und auch hin und wieder ein paar Tage in den Ferien. Den Rest der Zeit ist er zuhause, spielt mit Lenny Fußball, rauft hin und wieder spielerisch mit seinem kleinen Bruder und ist einfach nur froh, dass er bei Petra und Dieter eine glückliche Familie gefunden hat.
„Wir suchen Bindungspersonen“ Silvia Zabernigg, Bereichsleiterin des Pflegekinderdienstes vom Vorarlberger Kinderdorf, betreut seit 21 Jahren Pflegefamilien dabei, Kindern ein neues Zuhause und damit eine zweite Chance zu schenken. Im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe sucht der Pflegekinderdienst liebevolle Pflegeeltern für benachteiligte Kinder, meist im Kleinkind- beziehungsweise Vorschulalter. Im vergangenen Jahr befanden sich 250 Kinder in 180 Pflegefamilien, dieses Jahr ist der Bedarf besonders groß. „Wir suchen derzeit dringend Plätze für fünf Kleinkinder und zwei schulpflichtige Kinder“, so Zabernigg. Das wichtigste Kriterium für eine Pflegeschaft ist die Fähigkeit, eine Beziehung zum Kind aufzubauen und eine Bindung zu schaffen. „Wir suchen Bindungspersonen“, sagt Zabernigg. Voraussetzung für eine Pflegeschaft sind außerdem eine stabile Partnerschaft und Lebenssituation. Paare oder Familien, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren, können sich unverbindlich beim Pflegekinderdienst über die Bedeutung einer Pflegeschaft informieren. Nach einem Informationsgespräch folgen die sogenannte Familien-Anamnese, in der unter professioneller Begleitung die Familienstruktur offengelegt wird, und ein vorbereitender Kurs im Umfang von vier Samstagen. Es wird großen Wert darauf gelegt, dass das zu vermittelnde Kind und die Pflegefamilie zusammenpassen. Pflegeschaft bedeutet auch, sich für die Verwandtschaft des Kindes und die fachliche Begleitung des Pflegekinderdienstes zu öffnen. „Wir suchen Bindungspersonen“, sagt Zabernigg klar. Personen, die selbst aus Problemoder Scheidungsfamilien stammen, seien genauso für eine Pflegeschaft geeignet. „Diese Personen haben oft noch mehr Verständnis für die schwierige Lebenssituation der Kinder“, erklärt die Betreuerin. In jedem Fall werden zukünftige Pflegeeltern vom Pflegekinderdienst professionell begleitet. Jede Pflegefamilie erhält von der Kinder- und Jugendhilfe, nach Alter des Kindes gestaffelt, ein monatliches Pflegegeld.
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MEHR HIRNSCHMALZ Grausam und verstörend sind die Videos von qualvoll getöteten Kälbern, die der Verein gegen Tierfabriken (VGT) kürzlich veröffentlicht hat. Die marie sprach mit dem Lustenauer Bio-Landwirt Simon Vetter (34) über Verantwortung des Bauern, Entfremdung des Konsumenten und Chancen der Landwirtschaft. 8/
Text: Frank Andres Foto: Christina Vaccaro
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chächten ohne Betäubung. Durchschnittene Sehnen. Ausgestochene Augen. Die drastischen Videoszenen sind für den Betrachter nur schwer verdaulich. Laut VGT werden jährlich 80.000 vorwiegend männliche, für die Milchwirtschaft nutzlose Kälber ins europäische Ausland gebracht. Darunter sind auch Tiere aus Österreich, wie die Ohrmarken der Kälber-Videos beweisen. In vielen Fällen geht es nach der Mast per Lkw und Schiff weiter zur Schlachtung in den Libanon, nach Israel oder in die Türkei. Länder, in denen keinerlei Tierschutzgesetze existieren, die sie schützen könnten. Simon Vetter, Biobauer in Lustenau, hat die Videos der Tierschutz-Aktivisten angeschaut. „Ich dachte, ich bin abgebrüht. Aber ein so großes Maß an Brutalität habe ich noch nie gesehen“, gibt er offen zu. Er selbst, wie wohl viele andere Landwirte auch, sei etwas zu naiv gewesen. Es geht aber auch anders. Auf dem Biohof von Simon Vetter, der überwiegend Gemüse produziert, leben derzeit
auch 60 Rinder. Behornt und in Mutterkuhhaltung. Im Frühjahr und Herbst sind die Tiere auf dem Bauernhof. Den Sommer verbringen sie auf der Alp, den Winter draußen im Laufstall. Simon Vetter, dessen Familie seit über 300 Jahren Lustenauer Boden bewirtschaftet, nutzt die Tiere für die Fleischproduktion. Die Wertschöpfung bleibt dabei zu 100 Prozent in Vorarlberg. Tiere zur Schlachtung ins Ausland zu bringen, kommt für den 34-Jährigen nicht in Frage. „Ich schiebe die Verantwortung nicht ab“, stellt er klar. Simon Vetter bringt seine Tiere selbst nach Andelsbuch zu Metzger Anton Fetz. Aber nicht nur das. „Wenn ein Rind getötet wird, bin ich selbst dabei“, betont der Landwirt. Ihm ist das wichtig. Denn eine möglichst stressfreie Schlachtung wirke sich positiv auf die Qualität des Fleisches aus. Darauf zu verzichten würde seine ganze Arbeit in zwei Minuten kaputt machen, ist er überzeugt.
Nur Gras, Wasser und Viehsalz
Das Fleisch – Biolandwirt Vetter verwertet das ganze Tier – wird hauptsächlich ab Hof verkauft, ein Teil geht in die
gehobene Gastronomie in Vorarlberg. Seine Kunden, so sagt er, legen Wert auf die Qualität des Produktes. „Vor allem die Grilltypen haben begriffen, dass die Qualität des Fleisches stimmen muss. Es ist ähnlich wie bei einer guten Flasche Wein. Die hat auch ihren Preis.“ Vor allem bei jungen Familien komme beim Kauf noch ein weiterer Aspekt hinzu: die Ethik. Ihnen sei wichtig, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Im Supermarkt sehe man in den seltensten Fällen den Stall, in dem das Tier aufgewachsen ist. Auf dem Vetterhof könne jeder vorbeikommen, um sich selbst ein Bild von der Tierhaltung zu machen. Hofladen und Rinderstall liegen nur 25 Meter auseinander. Transparenz gehört dazu. Da dürfe man sich als Landwirt nicht aufregen, wenn die Tiere im Stall fotografiert werden. Die Rinder von Simon Vetter bekommen übrigens kein Soja-Kraftfutter oder Mais zu fressen, damit sie schneller an Gewicht zulegen. „Sie werden ausschließlich mit Gras, Wasser und Viehsalz gefüttert“, erklärt Biobauer Vetter, der den Hof 2016 von seinen Eltern übernommen hat. Und er fügt hinzu:
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Auf dem Hof von Bio-Landwirt Simon Vetter in Lustenau kann jeder selbst vorbeikommen und sich selbst ein Bild von der Tierhaltung machen.
„Rinder sind die besten Umwandler für Grünlandfläche.“
Totale Entfremdung
Früher hätten weidende Rinder zum Ortsbild gehört. Auch im Rheintal, sagt Simon Vetter. Heute hätten die Menschen kaum mehr Kontakt zu Nutztieren. Gleichzeitig sei der Fleischkonsum so hoch wie noch nie. „Das hat zu einer totalen Entfremdung geführt“, urteilt Vetter. Ausdruck dieser Entfremdung sei auch die derzeit hitzig geführte Tierschutz-Debatte. „Wenn Tierschützer die Bauern für ihren technischen Umgang mit Tieren kritisieren und diesen mit Konzentrationslagern vergleichen, dann fehlt die Diskussionsbasis“,
sagt er. Wie emotional Menschen beim Thema Fleisch reagieren, hat Biobauer Vetter auch schon selbst miterlebt. „Wehe ich teile auf Facebook ein Foto eines Rindes und schreibe dazu, dass es frisches Fleisch bei mir zu kaufen gibt. Diese Reaktionen musst du zuerst einmal aushalten.“ Der Konsument sieht nur mehr das Stück Fleisch und blendet das dazugehörige Tier komplett aus.
„Die Milchleistung lag vor 100 Jahren noch bei 1000 Liter pro Kuh. Heute sind es 7000. Alles wurde zugespitzt auf das Mehr.“
Große Chance für Vorarlberg
Ein Transportverbot von Kälbern ins Ausland hält Simon Vetter für politisch nicht möglich. „Das wäre ein klarer Verstoß gegen EU-Wettbewerbsregeln. Das Tier wird als Ware eingestuft.“ Ein strukturelles Umdenken in der Landwirtschaft, vor allem in einer
kleinräumigen Region wie Vorarlberg, hält er aber für eine große Chance. Statt die Tiere immer mehr in Richtung größere Milch- und Fleischleistung zu züchten, müsse mehr Augenmerk auf Qualität und Tierschutz gelegt werden. „Die Milchleistung lag vor 100 Jahren noch bei 1000 Liter pro Kuh. Heute sind es 7000. Alles wurde zugespitzt auf das Mehr.“ Diese Entwicklung hält Vetter für falsch. „Wir müssen in Schoppernau nicht für den ominösen Weltmarkt produzieren“, formuliert er etwas überspitzt. Vorbild für eine nachhaltige Landwirtschaftsstrategie ist für ihn der Holzbau in Vorarlberg, der im Ausland als vorbildlich gilt. „Wir müssen mehr Hirnschmalz pro Hektar investieren. Dann können wir reüssieren.“ Dann kämen statt italienischer Kälberzüchter mehr hochrangige Experten-Delegationen ins Land, um sich über das „Tierschutzland Nr. 1“ (Anm.: Ziel der Vorarlberger Landesregierung) zu informieren. Und wenn es gelingen würde, jedem Touristen in Vorarlberg nur zusätzlich ein Paar Landjäger zu verkaufen, dann wäre das Thema Kälbertransport ins Ausland kein Thema mehr.
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Teamwork und Konzentration – wertvolle Lerneffekte als Nebenprodukt der Zirkusprojekte.
AUF DIE SEILE, FERTIG, LOS Kinder lieben Zirkus, selbst in Zeiten der animierten Computerspiele üben die Kunststücke eine große Faszination aus. Zirkus ist aber noch viel „cooler“ (Originalzitat eines sechsjährigen Schülers), wenn er an die Schule kommt und zum Mitmachen einlädt. Sebastian Gerer (41), Zirkuspädagoge und Artist, mischt den Unterricht mit Diabolo & Co. auf und bringt die Kinder dazu, über sich hinauszuwachsen. 10 / Text: Daniela Egger, Fotos: Dietmar Stiplovsek
eit sechs Jahren lebt der gebürtige Bayer Sebastian Gerer (41) in Vorarlberg. Zunächst entstand der Verein Zack & Poing, der neben den Vorführungen auch Workshops für Kinder und Erwachsene anbietet. Kürzlich eröffnete die neu gegründete Zirkushalle des Vereins in Dornbirn. Seither wächst das Workshop-Angebot, die Szene erhält lebendige Impulse und viele Kinder kommen mit den Zirkusdisziplinen in Berührung. Nebenher besuchen Sebastian Gerer und seine Kolleginnen und Kollegen Schulen, die für einige Projektwochen Unterrichtszeit zur Verfügung stellen und sich zum Teil mit finanzieller Unterstützung des Vorarlberger Kulturservice und double check organisieren.
anmutig durch die Luft bewegt. „Das ist immer wieder ein Schlüsselerlebnis,“ sagt Sebastian Gerer, „die Kinder haben ziemlich schnell Erfolg und sind stolz auf ihr Können. Es ist nicht schwer, diese Kunststücke zu erlernen, und doch muss man etwas Disziplin haben und dranbleiben.“ Und weil das alles großen Spaß macht, lernen die Kinder ganz nebenbei wichtige Kompetenzen, die ihnen auch beim Lernen nützen. Sie erleben, dass sie etwas, das zuerst schwierig scheint, rasch beherrschen können. Nicht aufgeben lautet die Devise. Sie lernen an sich selbst zu glauben, aufeinander Rücksicht zu nehmen und gemeinsam etwas zu erarbeiten. Sie trainieren das Balance-Gefühl und verknüpfen dabei ihre rechte und linke Hirnhälfte, was sie schlicht und einfach klüger macht.
Schneller Erfolg
Positive Wirkung auf Kinder
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„Es macht richtig Spaß,“ sagen die Kinder nach der Trainingseinheit, die sie dazu bringt, ihre motorischen Fähigkeiten zu erweitern. Zu Beginn fliegen die Bälle noch wild durch die Gegend, doch schon bald gelingt das Jonglieren immer besser. Ebenso das Diabolo, das sich mit der Zeit
Martha Caballero, Direktorin der Volksschule Götzis-Blattur, ist beispielsweise überzeugt von der positiven Wirkung auf die Kinder: „Kinder entwickeln durch ein solches Projekt Selbstvertrauen und Mut. Sie lassen sich auf Neues ein, erleben Erfolge und werden toleranter in
Bezug auf ihre Frustration.“ In der Zirkushalle in Dornbirn finden viele unterschiedliche Workshops für Kinder statt, etwa die wöchentliche Zirkuswerkstatt, ein Eltern-Kind-Training, aber auch zwei Ferienbetreuungswochen im August mit gemeinsamem Mittagessen. Auch für Erwachsene gibt es vielseitige Angebote, etwas vollkommen Neues im Leben anzugehen. Die positiven Effekte der gehobenen Zirkuskunst wirken sich nämlich in jedem Lebensalter positiv aus – ein Blick auf die Homepage (zackundpoing. at) lohnt sich.
ELTERN-KIND-ZIRKUS 2x pro Monat. Erster Termin: Freitag 04.05. Freitags: 15 –16:30 Uhr, Zirkushalle Dornbirn KINDERZIRKUS-FERIENWOCHE 4-TAGES-WORKSHOP Termine: Montag – Donnerstag 30.07. – 02.08. und 27.08. – 30.08. 4-Tages-Workshop, Zirkushalle Dornbirn
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WASTE’S END Ein Blog von Kristina Heilinger Als Mensch, der auf Müll verzichten möchte („Zero Waster“) komme ich häufig mit anderen Leuten ins Gespräch. Das ergibt immer wieder spannenden Stoff zum Nachdenken für beide Seiten und dabei kommen auch noch ganze Kolumnen so wie diese hier heraus. Letztens organisierte ich an unserer Universität eine Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit mit. So kam es, dass ich mich mit anderen Mithelfern über das müllfreiere Leben unterhielt. Ich erzähle: „Gemüse, Obst und Pilze habe ich schon immer unverpackt gekauft, das ist gut machbar. Du brauchst nur zwei, drei Stofftaschen stets in den Rucksack oder in die Handtasche zu legen.“ Da wollte jemand wissen, wie ich denn das mit dem Salat mache. Denn der lose Salat sei ja so richtig unpraktisch. Mit dem
Salat aus dem Plastikbeutel spare man sehr viel Zeit. Ob das wirklich stimmt? Am nächsten Tag setzte ich mich mit der Stoppuhr an den Küchentisch und maß, wie lange ich brauche, um einen großen Bio-Salatkopf zu waschen und zu zerpflücken. Ergebnis: zwei Minuten und 54 Sekunden. Dafür habe ich frischen, gesunden und schmackhaften Salat – so viel ich will. Der zumeist konventionelle und, wie verschiedenste Forschungsarbeiten zeigen, stark keimbelastete Tütensalat ist darüberhinaus auch noch teurer.
Von praktischen und unpraktischen Salaten
Was zeigt uns dieses Beispiel? Der „unpraktische Salat“ hat Mehrwert. Vor 30 Jahren hat kein Mensch Tütensalat gekauft. Das Bedürfnis nach Tütensalat ist ein künstlich geschaffenes, das durch
ansprechende Werbung und den immer noch bestehenden Trend zu Convenience&To-Go weiterlebt. Bei näherem Hinschauen hingegen entpuppt sich das vermeintlich praktische Produkt als teurer, weniger frischer und geschmacksarmer Haufen Blätter. Es lohnt sich daher bei unterschiedlichsten Produkten, bewusst einmal inne zu halten und sich zu fragen: „Was bringt mir dieser Artikel wirklich außer x Minuten Zeitersparnis in meinem Alltag?“ So ist eine bewusste Konsumentscheidung einfach getroffen. Denn Wissen, Gesundheit, Geschmack und Frische gibt es beim unpraktischen Salat gratis dazu. Auch meine Kollegin musste zugeben: „Das ist doch praktisch.“ Mehr zum Thema Müllvermeidung auf www.wastesend.com
S C HAC H - E C K E Mit welchem raffinierten Damenzug gewinnt Schwarz (am Zug) sofort?
Anstatt die Springer zu tauschen, setzt Weiß (am Zug) in zwei Zügen matt!
Wie verwertet Schwarz (am Zug) seinen Freibauern gewinnbringend
Schwarz am Zug
Weiß am Zug
Schwarz am Zug
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Lösung: 1. ... Tb1+! 2. TxTb1 La7+ nebst axTb1D!
Lösung: 1. d4+ exd 2. Sd3+ matt!
Lösung: 1. ... Da7! 2. DxDa7 LxSc3 matt! Falls Weiß die Dame nicht schlägt und ausweicht (zB. 2. Dc4), verliert er den Turm auf g1.
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Peter Kopf kann Schulden nicht wegzaubern, aber Menschen helfen, sie wieder in den Griff zu bekommen.
„Ich hatte das Glück, eine sparsame Mutter zu haben“ Peter Kopf ist seit 28 Jahren der oberste Schuldenberater des Landes. Wie aber tickt der 63-Jährige selbst in Geldangelegenheiten? Die marie sprach mit ihm über familiäre Weltereignisse, seinen Hausbau auf Pump und den größten Luxus, den er sich in seinem Leben leistet.
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Text und Foto: Frank Andres
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eruflich wollen wohl die wenigsten mit Peter Kopf zu tun haben. Denn wer sein Büro im Benger-Areal in Bregenz betritt, steckt meist in argen Geldnöten. Braucht Hilfe, um aus der Schuldenfalle zu kommen. Doch die Ratschläge und Tipps des 63-Jährigen tun manchmal weh. Haben mit Verzicht zu tun. Mit Veränderung im Umgang mit Geld. Das ist schmerzhaft. Ähnlich wie ein Besuch beim Zahnarzt. Gar nicht schmerzhaft ist es hingegen, wenn man den Vater von zwei erwachsenen Kindern in seinem Büro zu einem privaten Gespräch trifft und mit ihm über das liebe Geld plaudert.
„Überfluss war ein Fremdwort“
Aufgewachsen ist Peter Kopf gemeinsam mit drei Geschwistern in einer Mietwohnung in Hard. „Überfluss war für uns ein Fremdwort“, sagt er. Trotzdem hatte er als Kind nie das Gefühl arm zu sein. „Wir mussten keine Not leiden“, betont er. Ver-
zicht aber gab es. Während sich andere Familien schon sehr früh einen Fernseher oder ein Auto leisteten, gab es diesen Luxus im Hause Kopf jahrelang nicht. Die Devise lautete: „Gekauft wird etwas erst, wenn man sich es auch leisten kann.“ Vor allem die Mutter schaute aufs Geld. Bei kleineren Dingen war sie zurückhaltend, dafür wurden größere Anschaffungen wie Weltereignisse gefeiert. Eines dieser Weltereignisse war der Kauf eines Heizlüfters, erinnert sich Peter Kopf. „Plötzlich hatten wir eine warme Stube. Davor konnte nur ein Raum richtig geheizt werden.“ Dieser bewusste Umgang mit den Geldreserven haben Peter Kopf nachhaltig geprägt. „Ich hatte Glück, eine sparsame Mutter zu haben“, ist er heute überzeugt. Die Schattenseiten des Geldes lernte Peter Kopf in seinem ersten Job nach der Handelsschule kennen. Eineinhalb Jahre lang arbeitete er als Schalterbeamter in einer Bank. „Da habe ich zum ersten Mal mitbekommen, was passiert, wenn jemand seine Geldangelegenheiten nicht im Griff hat“, erklärt er. Es hätten sich
zum Teil große Dramen abgespielt, wenn er einem Kunden erklären musste, dass er ihm kein Geld geben darf. Peter Kopf will diese Zeit aber nicht missen. „Du beschäftigst dich in diesem Job den ganzen Tag mit Geld. Das ist eine gute Schulung fürs Leben.“ Beruflich schwenkte er nach dem Ausflug ins Geldwesen komplett um. Es folgten drei Jahre bei der Katholischen Jugend. Danach machte er die Berufsreifeprüfung, absolvierte die Sozialakademie und wurde Leiter der Telefonseelsorge, die er selbst mit aufgebaut hatte. Mit 35 Jahren fand er seine endgültige berufliche Bestimmung bei der ifs Schuldenberatung, die heuer ihr 30-jähriges Jubiläum mit einer Ausstellung feiert (siehe Infokasten). „Da bin ich daheim. Hier kann ich mit anderen Menschen arbeiten und sie unterstützen“, betont er. Er selbst sehe sich dabei nicht als besserer Mensch. „Ich will mein Leben und meine Erfahrungen weitergeben.“ Und er freut sich über die kleinen und größeren Erfolge in seinem Job. „Oft melden sich ehemalige Klienten
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bei mir und sagen: Durch eure Unterstützung habe ich heute keine Schulden mehr.“
Überaus befriedigend
Auch ein Mensch wie Peter Kopf, der es gewohnt ist, mit Geld sparsam umzugehen, hat Schulden gemacht. Er erfüllte sich mit Mitte 20, kurz nach seiner Hochzeit, den Urtraum aller Vorarlberger: ein eigenes Haus mit Garten. „Ich bin zu einem früheren Kollegen auf der Bank gegangen und habe gesagt: Ich brauche Geld.“ Das klappte auch problemlos. Das Angebot seines Bankberaters, er könne noch einen viel größeren Kredit haben, lehnte der Jungehemann damals aber dankend ab. „Mein Ziel war es, möglichst billig zu bauen“, erklärt er. Über seinen Schuldenstand war er immer informiert. „Ich wusste wie viel Zinsen ich täglich zu zahlen habe. Das war eine Spinnerei von mir“, gibt er zu. Inzwischen ist der Hauskredit längst abbezahlt. Und wie
INFOS IFS SCHULDENBERATUNG Begonnen hatte die Schuldenberatung des Instituts für Sozialdienste (ifs) vor 30 Jahren mit 300 Klienten. Im Jahr 2017 waren es 2895, Tendenz gleichbleibend. Der typische Schuldner ist zwischen 36 und 45 Jahre alt und männlich. Die durchschnittliche Verschuldung beträgt 88.660 Euro. Dieser Wert ist seit den 2000er Jahren ziemlich stabil. Die größten Schuldenfallen sind: Einkommensverschlechterung und Arbeitslosigkeit, Scheidung und Trennung, ehemalige Selbstständigkeit, Bürgschaften und andere Haftungen, Wohnen, Unfall/ Krankheit/ Todesfall, Unterhaltsverpflichtungen, Autokauf.
war das Gefühl wieder ohne Schulden zu sein? „Es geschafft zu haben, war überaus befriedigend.“ Der Hausbau war der einzige Luxus, den sich der Vater von zwei erwachsenen Kindern über Pump finanziert hat. Egal ob Autos oder Umbauten am Haus, Peter Kopf hat seine Anschaffungen stets bar bezahlt. Gekauft wird nur das, was man sich leisten kann. Da tickt er wie seine Mutter. Peter Kopf ist ein Barzahler. „Ich habe immer mindestens 100 Euro in der Geldtasche.“ Nur wenn es nicht anders geht, beim Tanken oder wenn er im Ausland unterwegs ist, verwendet er die Bankomat- bzw. Kreditkarte. Eine Abschaffung des Bargeldverkehrs lehnt er strikt ab. „Aus beruflicher Erfahrung weiß ich, wie schwer es für manche Menschen ist, bei Kartenzahlung den Überblick über ihren tatsächlichen Kontostand zu bewahren.“ Den größten Luxus, den sich der vierfache Opa leistet, ist das Reisen. Außer in Australien war er bereits auf der ganzen Welt unterwegs. Bereits nach der Handelsschule besuchte er für zwei Monate seine Schwester in den USA. „Das ganze Geld, das ich bei meinen Ferialjobs verdient hatte, ging dafür drauf.“ Diese Investition bezeichnet Peter Kopf heute als wichtigste in seinem Leben. „Ich zehre noch heute davon.“ Vor drei Jahren haben er und seine Frau das Pilgern für sich entdeckt. Gemeinsam waren sie auf dem Jakobsweg und dem Stevenson-Weg unterwegs. „Letztes Jahr waren wir in Frankreich und sind in zehn Tagen 250 Kilometer weit gewandert. Da gibt es Begegnungen und Erlebnisse, die mit Geld gar nichts zu tun haben, aber dennoch unbezahlbar sind“, sagt Kopf. Er gibt aber auch zu, dass er Glück in seinem Leben gehabt hat. „Ich war nie länger krank oder arbeitslos. Ich konnte nach meinem Kontostand leben.“
Tipps, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen
• Bezahlen Sie möglichst in bar. Das hilft den Überblick zu bewahren • Setzen Sie klare Prioritäten: Zuerst Miete, Betriebskosten, Strom, Heizung, Lebensmittel, Unterhalt bezahlen, dann erst die nicht so wichtigen Ausgaben wie Auto und Handy • Reduzieren Sie Fixkosten, wie nicht notwendige Versicherungen, Abos oder Mitgliedsbeiträge • Schauen Sie aufs Konto: Es sollte immer im Plus sein, nie überzogen • Machen Sie keine„heimlichen“ Schulden wie Kontoüberzug, Gehaltsvorschuss, Geld von Freunden ausleihen • Gehen Sie mit einem Einkaufszettel in den Supermarkt • Sparen Sie für Anschaffungen • Räumen Sie einmal im Jahr den eigenen Besitz, wie Kleidung und Werkzeug, aus und neu ein. Da gibt es vermutlich vieles doppelt und es werden Sachen entdeckt, die man noch nie verwendet hat • Setzen Sie sich eine preisliche Obergrenze für eine Anschaffung • Führen Sie ein Haushaltsbuch Kontakt ifs Schuldenberatung: Mehrerauerstraße 3, 6900 Bregenz, Telefon +43 5 1755 4100, Fax +43 5 1755 9580 Internet: www.ifs.at Auch wenn man keine Schulden hat, bietet das ifs eine Budgetberatung an. Das Angebot richtet sich an Menschen in Umbruchsituationen, wie Familienzuwachs, Pensionierung, Trennung und Auszug von zu Hause.
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GUTES GELD, BÖSES GELD
Gewisse Dinge sollten wir gratis bekommen. Andere würde man nicht für alles Geld der Welt tun. Und für wieder Anderes blättert man sinnlos Notenscheine hin. Reporterin Andrea Fritz-Pinggera ist für die marie auf die Straße gegangen, um mit den Leuten über Geld zu reden.
DIE FRAGEN (1) Was sollte Ihrer Ansicht nach kostenlos sein?
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Michaela Bauer, 46, Lohnbuchhalterin, Altach
(2) Wofür geben Sie sinnlos Geld aus?
(1) Trinkwasser sollte für jeden Menschen kostenlos zur Verfügung stehen.
(3) Was würden Sie für alles Geld nicht tun?
(3) Lebende Tiere essen.
Bernd Federspiel, 51, Stadtplaner, Hard (1) Frieden. Wär der gratis, gäbe es kein Argument mehr für den Krieg. (2) Das letzte Bier. (3) Meine Würde verkaufen.
(2) Ich gebe für nichts sinnlos Geld aus.
Benedikt Weber, 26, Veranstaltungstechniker, Hohenems (1) Öffis. Wär auch gut für die Umwelt. (2) Zigaretten. Eine Sucht halt. Und Rubbellose. (3) Freundin, Familie oder Freunde verraten. Töten und quälen.
Stefan Schlenker, 54, Zirkuspädagoge, Dornbirn (1) Politische, soziale, philosophische Bildung über das Schulsystem hinaus. (2) Meine vierte, fünfte oder mittlerweile sechste Gitarre? (3) Gegen meine persönlichen moralischen Prinzipien verstoßen.
Martin Lampert, 74, Pensionist, Feldkirch (1) Liebe – und zwar Zuwendung, Achtsamkeit, Gerechtigkeit ohne Gegenleistungen. (2) Für Papier gebe ich sinnlos Geld aus. (3) Mich erpressen lassen.
Doris Madlener, 59, Pensionistin, Feldkirch (1) Die Deckung aller Grundbedürfnisse für alle. (2) Wenn ich das fünfzigste Paar Schuhe kaufe. (3) Mich kaufen bzw. bestechen lassen.
Sabine Hopfner, 56, Sekretärin, Dornbirn (1) Rezeptgebühren, Eintritte für Kultur, Öffis und Medizin für alle, die weniger als 1500 Euro netto verdienen. (2) Ich kaufe mehr Kleidung und Schuhe als ich wirklich brauche. (3) Bewusst anderen Schaden zufügen – körperlich oder finanziell.
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Wie viel ist genug? 30 Jahre ifs Schuldenberatung bedeutet: 54.000 Menschen allein in Vorarlberg, die mit Hilfe der kostenlosen Einrichtung einen Weg aus der Schuldenfalle gefunden haben. Das Jubiläum ist Anlass für eine Ausstellung im Atrium des vorarlberg museum und bietet einen Blick auf das eigene Verhältnis zu Geld, auf die globalen Finanzen und was das Leben in Vorarlberg kostet.
Text: Daniela Egger, Foto: Shutterstock Niklas Mayer, 17, Student am Konservatorium, Dornbirn (1) Meiner Meinung nach sollten alle Studien kostenlos sein. (2) Ich glaube, ich gebe für nichts sinnlos Geld aus. (3) Jemanden schlagen oder Freunde verraten würde ich keinesfalls tun.
Laila Frei, 21, Bürokauffrau, Bregenz (1) Bildung – alles was über die Pflichtschule hinausgeht sollte kostenlos sein! (2) Zigaretten. (3) Ich würde mich nicht für alles Geld der Welt prostituieren.
Mia Walter, 16, Schülerin, Rankweil (1) Medizinische Leistungen wie Brillen, Physiotherapien und Zahnspangen. Das fände ich wichtig. (2) Pizza oder Automatensnacks in der Mittagspause. (3) Ich würde mich nie für Geld ausziehen oder jemand anderen verletzen.
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o ist eigentlich das ganze Geld? Sicher nicht in den Händen der Mehrheit der Menschen, und auch ganz sicher nicht in den Händen der Frauen. Soweit sind vermutlich viele informiert, aber dass 62 Superreiche weltweit dieselbe Menge Geld unter sich aufteilen, wie 3,7 Milliarden der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung, das spricht sich nur in gewissen Kreisen herum. In der Ausstellung mit dem Titel „Wie viel ist genug?“ erfährt man bei einer Interview-Hörstation den Bericht einer jungen Mutter, die Privatkonkurs anmelden musste. Sie hat noch heute, Jahre später, Tränen in den Augen, während sie erzählt, dass sie sogar die Sparbücher ihrer Kinder abgeben musste. Und dass ihre Kinder sie getröstet haben, weil es ja nur Geld ist, nichts weiter. Wer gepfändet wird, weil die Schulden nicht mehr zu bewältigen sind, erlebt einerseits die Erleichterung, weil die Dinge endlich wieder in geordnete Bahnen kommen, aber auch eine harte Zeit der Entbehrungen für sich und die Familie. Nicht teilnehmen zu können, die Klassenfahrt nicht finanzieren zu können, den Kindern kein Handy kaufen zu können, treibt in die Isolation. „Wenn die Geldtasche leer ist, ist sie leer, so einfach,“ sagt ein weiterer Klient der ifs Schuldenberatung – er ist verschuldet, weil sein Kind krank zur Welt kam. Die nächsten Jahre wird seine Geldtasche weiterhin leer bleiben, obwohl er zwei Arbeitsplätze hat. Die Interviews geben Einblicke in das bedingungslose Grundeinkommen, in alternative Währungen mitten in Vorarlberg jenseits von Euro und Kapitalismus, in die Blockchain-Technologien oder auch in ein Leben unter dem freiwilligen Armutsgelübde. Eine Besonderheit der Ausstellung ist die Beteiligung der Polytechnischen Schule Dornbirn. Die Schülerinnen und Schüler werden für die Dauer der Ausstellung aktiv dafür sorgen, dass Gäste Unterstützung vor Ort haben, wenn sie etwa beim Eingangsportal ihren eigenen Kontostand angeben sollen, oder wenn sie endlich einmal im Geld baden möchten. Die Jugendlichen haben selbst ein Quiz entwickelt, das regelmäßig stattfindet, führen Schulklassen durch die Ausstellung und geben kompetente Auskünfte über Finanzen und Co. – und wie man seine Schulden wieder in den Griff bekommt. Sollte das nicht reichen, finden auch Beratungsgespräche mit den ifs-Expert/ innen vor Ort statt. HINWEIS: Ausstellungseröffnung am Freitag, 13. April, 17 Uhr; Ausstellung vom 14. April bis 8. Juni im vorarlberg museum, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
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REZEPT FÜR EINE ZWEITE CHANCE Im Café-Restaurant Eichamt in Bludenz wird gut gekocht. Arbeitslose Jugendliche mit und ohne Pflichtschulabschluss oder Ausbildung wie Semih Alay (18) aus Bludenz erhalten dort die Möglichkeit, für ein Jahr in Beschäftigung zu gehen. Dabei lernen sie die Arbeitswelt und verschiedene Berufssparten kennen. Text: Christina Vaccaro, Fotos: Frank Andres
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Nach dem Abbruch der Handelsschule hat Semih durch seine Beschäftigung im Eichamt Bludenz Orientierung gefunden.
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emih Alay schält Kartoffeln, schneidet Gemüse und rührt in großen Töpfen. Seit einem halben Jahr arbeitet der 18-Jährige bereits im sozialen Restaurant mit gutbürgerlicher Küche, das zur Hälfte von integra gefördert wird und die andere Hälfte selbst erwirtschaftet. Neben sieben regulär angestellten Fachkräften finden jährlich etwa 33 Unbeschäftigte im Alter von 15 bis 19, in Sonderfällen bis 24 Jahren eine Arbeit und zugleich die Möglichkeit, ins Gastgewerbe hineinzuschnuppern. Es sind Jugendliche wie der 18-jährige Semih, der nach seinem Pflichtschulabschluss die Handelsschule in Bludenz besuchte, sie zwei Mal nicht schaffte und schließlich von der Schule abgemeldet wurde. „Ich habe zuerst viele Bewerbungen geschrieben, aber ich wurde nirgendwo akzeptiert“, erzählt Semih. „Ein Freund von mir hat mir empfohlen, zu integra zu gehen.“ Es sind Jugendliche, die zwar die neunjährige Schulpflicht erfüllt, aber keinen Pflichtschulabschluss haben. Oder Jugendliche mit Pflichtschulabschluss, die keine Lehrstelle gefunden haben. Manche sind Lehrabbrecher. Andere kommen aus der Sonderschule, wieder andere aus der Mittelschule, vereinzelt auch aus dem Gymnasium. Sie alle haben keine Arbeit und wenig Perspektiven – und finden in Produktionsschulen von integra (siehe Infokasten) eine zweite Chance. Das gastronomische Sozialprojekt Eichamt feiert dieses Jahr sein fünfjähriges Jubiläum. In diesen fünf Jahren werden über 160 Jugendliche im Restaurant beschäftigt gewesen sein. Barbara Capelli, Bereichsleiterin der Produktionsschulen Bludenz von integra, sagt: „Viele Jugendliche mit und ohne Pflichtschulabschluss wissen nicht, was für eine Lehre sie überhaupt machen sollen. Wir versuchen, ihnen Orientierung zu geben.“ Jugendliche erhalten in den Metall-,
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Im Restaurant mit gutbürgerlicher Küche mitten in Bludenz erhalten arbeitslose Jugendliche die Möglichkeit, ins Gastgewerbe zu schnuppern.
Holz-, Bilderrahmen- und Fahrradwerkstätten, im Gartenbereich, im Handel und eben auch in Catering und Gastronomie Einblick in die verschiedenen Berufssparten. Alle Werkstätten der Produktionsschule seien sehr wirtschaftsnah, so auch das Eichamt. „Wir machen hier keine Beschäftigungstherapie“, stellt Capelli klar. Neben dem Café- und Restaurantbetrieb kocht das Eichamt täglich für mehrere hundert Personen und beliefert Kindergärten, Schulen und verschiedene Einrichtungen wie die Drogenberatungsstelle „Do it yourself “ oder das AMS. Die Jugendlichen lernen – mit unterstütztender Begleitung – die reale Arbeitswelt kennen. Regelmäßig besuchen psychosoziale MitarbeiterInnen das Eichamt und besprechen in Fördergesprächen mit dem Fachpersonal und den Jugendlichen, wie es läuft, was sich gut entwickelt hat, wo es noch besser gehen könnte und was die nächsten Ziele sind. „Die Psychologin sitzt dann schon auch mal in der Küche und schält mit dem Jugendlichen Kartoffeln“, sagt Capelli. „Das besondere Setting direkt am Arbeitsplatz wirkt sich dabei positiv auf die Beziehung zwischen dem Jugendlichen und der Therapeutin aus.“ Ein Nebeneffekt der Arbeit im Eichamt ist, dass Jugendliche mit Lebensmitteln in Kontakt kommen und diese oft überhaupt erst kennenlernen. „Es ist schon auffällig, wie viele junge Menschen selbst regionale Lebensmittel wie eine Zucchini nicht mehr kennen“, so die Leiterin. Bevor man jemanden in den Keller schickt, um das Gemüse zu holen, müsse man eine kleine Einschulung in puncto Gemüsekunde geben. Semih ist inzwischen voll im Eichamt angekommen, kennt sich mit Gemüse gut aus. Den wöchentlichen Wechsel zwischen Früh- und Spätschicht ist er gewohnt, die Arbeitsaufgaben in der Küche und im Lieferservice sind ihm vertraut, die
integra Vorarlberg ist eine gemeinnützige GmbH, die arbeitslose Menschen in Beschäftigung bringt. Sie berät, betreut und bildet Unbeschäftigte aus und unterstützt ihre Integration in den Arbeitsmarkt. Außerdem ist integra Ansprechpartner für Politik, Verwaltung und Arbeitsloseninitiativen.
Arbeit bereit ihm Freude. „Der indische Abend gefällt mir besonders gut“, sagt Semih Alay, wenn er gefragt wird, was an seiner Arbeit ihm besonders zusagt. Punjabireis mit Hühnerfleisch oder Gemüse, dazu eine scharfe Soße und ein Glas Mango-Lassi – so oder so ähnlich sieht die Speisekarte des Eichamts an Mittwochabenden aus. „Ich fühle mich sehr wohl, bin mit dem Team sehr zufrieden und der Chef ist es auch mit mir. Ich bin glücklich.“ Nach dem Jahr im Eichamt möchte er den Zivildienst machen, anschließend eine Lehre. Ob als Koch oder doch in einer anderen Berufssparte, das entscheide er dann, wenn es so weit ist. Das integra-Projekt findet Semih jedenfalls super. „Ich würde auch meinen Freunden empfehlen, in eine Produktionsschule zu gehen. Man kann dann schon arbeiten, etwas Geld verdienen und nach einer Lehre oder einem Job suchen“, so Semih.
Zur Person Barbara Capelli ist Lerntrainerin bei integra und Bereichsleiterin der Produktionsschule Bludenz. Die Sozialmanagerin betreut das Projekt Eichamt Bludenz seit seiner Eröffnung 2013.
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Paneer Makhni – Indischer Frischkäse in Tomatensauce Rezept für 4 Personen. Die Kosten pro Person betragen zirka 2,50 Euro.
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Zubereitung Paneer:
(Indischer Frischkäse) Die Milch aufkochen lassen und etwas Salz dazu geben. Danach Apfelessig hinzufügen, langsam umrühren und köcheln lassen. Alles in ein dünnes, feines Tuch geben und die Flüssigkeit ausdrücken. Die Masse im Tuch, beschwert mit einem Gewicht, für zwei Stunden ruhen lassen.
Zubereitung Makhni:
(Tomatensauce) Geschälte Tomaten kochen und pürieren. Anschließend Butter in einem Topf zergehen lassen und Ingwer sowie
Knoblauch püriert dazu geben. Leicht anschwitzen lassen, bis die Masse goldbraun ist. Das Tomatenpüree dazu geben. Mit Salz, Chilipulver, Kreuzkümmel- und Paprikapulver würzen. Anschließend Sahne dazugeben und langsam aufkochen lassen. Paneer nach Belieben aufschneiden und in die Sauce geben. Kurz aufkochen lassen und das Paneer Makhni ist fertig.
Zutaten:
• 3 Liter Milch • 2 TL Salz • 4 EL Apfelessig • ½ Kilo geschälte Tomaten • ¼ Liter Sahne • 20 g Butter • nach belieben Chilipulver • 1 Msp. Kreuzkümmelpulver TIPP: Garnieren mit Garam Masala, frischem Koriander und Ingwer. Servieren mit Safranreis und Naan Brot.
Suresh Dhoundiyal (47) aus Feldkirch ist seit fünf Jahren Koch im Eichamt.
Garam Masala: Indische Gewürzmischung. Kann im Eichamt gekauft werden.
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SEHNSUCHT NACH STILLE Es ist ein köstliches Geschenk, das von April bis Juni im vorarlberg museum gemacht wird. MuZen, Meditieren im Museum, ermöglicht Menschen den Zugang zur Stille und grenzenloser Spiritualität in der Gemeinschaft. Text: Christine Mennel, Foto: Christina Vaccaro
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anz still ist es im ersten Stock des vorarlberg museum. Man kann Respekt, Behutsamkeit und Ruhe fühlen, die Kraft der Stille spüren. Intensiv schwingt der Ton der Klangschale, die Johannes Bechtold dreimal anschlägt. Es ist der Start von MuZen, Meditieren im Museum. Auf geheimnisvolle Art erfah-
man beispielsweise aus Wasser Tee machen würde, um das Angebot schmackhafter zu machen. Wir wollen jeden ansprechen und niemanden ausgrenzen.“ Zusammen mit dem praktischen Arzt Heinz Hammerschmidt und Erwachsenenbildner Markus Jamer führt er die Meditationsreihe seit Februar 2018. Die Idee dafür entsprang im Herbst letzten Jahres bei einem Treffen im Museumscafe und dem Gedanken: Im Museum wird der Blick meistens nach außen gerichtet – wie wäre es, diesen nach Innen zu lenken?
Entzückendes Nichts
Heinz Hammerschmidt, Markus Jamer und Johannes Bechtold vor der Klangscheibe.
ren Interessierte aus allen Kulturkreisen in diesem Raum überkonfessionelles Meditieren. „Wir geben bewusst keinen inhaltlichen Input, um Stille in ihrer unverfälschten Form erfahrbar zu machen, ohne Färbung irgendwelcher Religionen“, erklärt Bildungswissenschaftler Johannes Bechtold. „Ansonsten wäre das so, als ob
MuZen – Mu steht für Museum, im altjapanischen für Leere oder Nichts. Zen beschreibt den ausbalancierten Zustand von Körper und Geist. An diesem Abend sind über 50 Personen aller Altersklassen gekommen. Muslime, Buddhisten, Christen und Menschen ohne Bekenntnis. Sie alle bringen eines mit: einen offenen Geist und die Bereitschaft, gemeinsam Stille zu erleben. „Endlich einmal nur dürfen und nicht müssen“, bringt es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Veronika Seifert, eine weitere Teilnehmerin, ist begeistert von einem schönen Raum der Stille, mitten in der
Stadt. Sie meditiert seit 20 Jahren: „Es ist ein tägliches Üben. Gedanken ziehen vorbei, der bewusste, verbundene Atem kehrt zurück, ein unruhiger Geist beruhigt sich. Man lernt das Leben bewusst zu leben. Alltag wird zur Meditation, Meditation zum Alltag.“
Absolute Gelassenheit
Während der Sitzmeditation klingelt ein Mobiltelefon. Einmal. Dann ein paar Minuten später noch einmal. Manche irritiert das. Die meisten ignorieren es. Johannes Bechtold erklärt während des Interviews das Loslassen im Zen: „Was es dir bringt? Im besten Fall nichts. Dann gehst du beschenkt heim.“ Und zum Telefon würde der Zenmeister sagen: „Welches Telefon?“ WEITERE TERMINE: 19. April, 17. Mai, 14. Juni, 18 bis 19.30 Uhr im vorarlbergmuseum www.vorarlbergmuseum.at
„Der gegenwärtige Augenblick ist die absolute Ruhe. Obwohl sie in diesem Augenblick existiert, hat dieser keine Grenzen und darin liegt ewiges Entzücken.“ Hui-Neng
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Wieviel Ich darf ’s denn bitte sein? Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Foto: Shutterstock
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ehret den Satzanfängen wie: „Ich, mein Bruder und . . .“ – ein absolutes No-Go. Der Esel kommt zuletzt, so hat man es uns beigebracht. Auch Ich-AGs haftet ein schaler Beigeschmack an, dem Begriff Egoismus der Verdacht der Selbstbezogenheit, Habgier und der Ichsucht. Selfies, Instagram, Snapchat – das ganze Social-Media-Programm – dient dem Selbstdarsteller als zweifelhafte Spielwiese zur Selbstinszenierung. Aber muss ein starkes Ego per se schlecht sein? Ist nicht jeder Individualist auch Egoist? Steckt nicht in jedem Pionier, jedem Kämpfergeist ebenso eine große Portion Egoismus? Ist schlussendlich alles nur eine Frage der Definition oder vielmehr eine Frage des Maßes?
Gemeinwohl, mein Wohl oder beides?
Gerade die Gemeinschaft braucht das Ich, ihr Gewinn ist das Zusammenspiel der Einzelwesen. Individuum und Gemeinschaft stehen immer in wechselseitiger Abhängigkeit. Gemeinschaft macht stark. Mehr noch als auf die Summe ihrer Einzelteile kann sie auf das Herausbilden gänzlich neuer Eigenschaften setzen. Emergenz nennt sich das, wenn durch das Zusammenspiel der Kräfte Unvorhersehbares, Neues in die Welt gebracht wird. Je bunter, individueller und damit verschiedenartiger eine Gemeinschaft, desto kreativer und innovativer ihre Lösungsvorschläge. Daneben erzählt die Menschheitsgeschichte von herausragenden Biografien, die im Einzelkämpfer-Modus Berge versetzt haben. Menschen, die aufgestanden sind für das, was ihnen wichtig war, und unter Einsatz ihres Lebens dafür gekämpft haben. Dennoch steht auch ihr Wirken in Beziehung zum Kollektiv und dessen Interessen. Lieber also gegen den Strom schwimmen oder auf der Welle der kollektiven Weisheit surfen? Selbstlosigkeit oder Selbstliebe? Gemeinwohl oder mein Wohl? Revoluzzer oder Rudeltier? Oder aber ein bisschen von allem? Reine Selbstbezogenheit boykottiere
„Die ganze Welt dreht sich um mich, denn ich bin nur ein Egoist“, singt Falco. Dagegen titelte schon Johannes Mario Simmel: „Niemand ist eine Insel.“ Die Kleinwalsertaler Dialoge wollen es genau wissen und fragen: „Ich und Wir – braucht die Gemeinschaft Egoisten?“
jedenfalls Evolution, sagt Neurowissenschaftler Prof. Dr. Joachim Bauer. Kooperation sei der Schlüssel zum Überleben: „Auf die Trumps dieser Welt können wir verzichten. Die großen Erfinder waren fast alle gute Kooperatoren. Und Erfinder konnten sie nur werden, weil sie von Ausbildungseinrichtungen profitiert haben, die durch die Allgemeinheit bezahlt wurden“, so Bauer. Dass allerdings auch Egoisten der Gemeinschaft gute Dienste erweisen, davon ist der Sonnentor-Gründer und sogenannte „Selfmade-Man“ Johannes Gutmann überzeugt. In seinem Unternehmen setzt er auf Ethik statt auf Gewinnmaximierung und begrüßt weltverbessernde Egoisten: „Jemand, der sich für das Gemeinwohl betätigt, tut das aus bestimmten Gründen – einer Art Egoismus. Wir wollen ja irgendwo auch positiv die Welt verändern. Und es gibt noch viel zu wenige positive Weltveränderer. Ich sehe da viele Chancen für viele Egoisten, die gebraucht werden. Wir motivieren andere mitzumachen. Und das gelingt, weil es sinnvoll ist. Sinnvoll und zukunftsweisend.“ Mehr zum Thema „Ich und Wir – Braucht
die Gemeinschaft Egoisten?“ erzählen bei den Kleinwalsertaler Dialogen der Neuroimmunologe Prof. Joachim Bauer, Unternehmer Johannes Gutmann sowie die Kommunikationsexpertin Dr. Gerlinde Manz-Christ am 6. April von 9 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter: www.kleinwalsertaler-dialoge.at
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Impressum
Fifa hebt Spielverbot für Leandro auf In der Dezember-Ausgabe berichtete die marie über Leandro Jäger aus Hard. Dem damals 14-Jährigen hatte der Weltfußballverband FIFA aus „Gründen des Schutzes von Minderjährigen“ ein Spielverbot bis zum 18. Geburtstag erteilt. Auslöser des umstrittenen Urteils war eine alte Meldebestätigung von Leandros Vater. „Das war mein Fehler, aber ohne böse Absicht“, sagte damals sein Großvater Heinz Jäger gegenüber der marie, bei dem der Jugendliche derzeit wohnt. Jetzt nahm der Rechtsstreit aber doch noch ein positives Ende. Durch die Intervention des ÖFB prüfte
Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,60 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt.
die Fifa erneut den Fall. Und drei Tage vor Leandros 15. Geburtstag, am 20. Februar, hob die FIFA die Spielsperre wieder auf. Damit kann Leandro zu Beginn der Frühjahrssaison Anfang April doch noch beim FC Hard mitspielen.
CO2: VON ZWÖLF AUF EINS Christof Drexel präsentiert sein Erstlingswerk „Zwei Grad. Eine Tonne. Wie wir das Klimaziel erreichen und damit die Welt verändern.“ Der 49-jährige Wolfurter legt auf 220 Seiten drei parallele Strategien dar, die die CO2-Bilanz auf ein nachhaltiges Niveau bringen können. Werden in den Bereichen Lebensstil, Effizienz und erneuerbare Energien zugleich Kohlendioxidemissionen redu-
ziert, ist es laut dem Autor möglich, von derzeit zwölf Tonnen jährlich auf eine Tonne pro Person zu kommen. Pragmatisch und präzise analysiert Drexel, was für ein Kohlendioxidausstoß in Bauen und Wohnen, Ernährung, Verkehr und Fliegen, Freizeit und Urlaub, etc. anfällt. Der Techniker und Firmengründer von „drexel und weiss“ belegt mit Zahlen, Abbildungen und Grafiken, wo CO2 eingespart werden kann. Darüber hinaus hinterfragt Drexel die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Mechanismen, die zu unserem derzeitigen Lebensstil geführt haben. „Mein Buch ist mehr als ein Handbuch, das aufzeigt, was jeder Einzelne tun muss, um einen Beitrag zu leisten. Ich sehe es sowohl als energiepolitische als auch als gesellschaftspolitische Diskussionsgrundlage, um Fahrt in die öffentliche Diskussion zu bringen“, so Drexel. Christof Drexel präsentiert sein Buch am 5. April, 19 Uhr, in der Buchhandlung Brunner in Bregenz. Anmeldung: bregenz@brunnerbuch.at oder 05574/44145.
Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Christina Vaccaro MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Daniela Egger, Kristina Heilinger, Gernot Hämmerle, Simone Fürnschuß-Hofer, Fatima Lopez-Alva, Christine Mennel, Andrea Fritz-Pinggera, Gerhard Thoma, Robert Thoma Zeitungsausgabestellen: Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Kaplan-Bonetti-Straße 1 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr Bregenz dowas, Sandgrubenweg 4 Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 Uhr Bludenz do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Cornelia Matt, Mag. Peter Mayerhofer, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 18.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP Alexander Grass Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2018 marie. Alle Rechte vorbehalten.
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„Da habe ich das nicht ausgegebene Geld für Tabak zur Seite gelegt und dafür zwei Tonnen Kohle gekauft.“
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Text: Gernot Hämmerle, Fotos: Frank Andres
Dornbirner J Original mit Pfeife So meldet sich seine Handymailbox: „Schicha Sepp Anton (69), geborener Wohlgenannt, Huusnamo Metzgar.“ Josef Schicha hat immer seine selbst konstruierte Tabakpfeife dabei, immer einen Spruch auf Lager und ist vor allem eines: ein echtes Dornbirner Original.
osef „Sepp“ Schicha, 69 Jahre alt, gelernter Schlosser, wohnt in einem alten Bauernhaus ziemlich abgelegen im Oberbürgle, ein paar Autominuten oberhalb von Dornbirn/Mühlebach, mit traumhaftem Blick auf das Rheintal und die Schweizer Berge. Den Namen Wohlgenannt hat er bei der Hochzeit mit seiner dritten Frau Traudl Schicha abgegeben: „Ich will nicht mehr Wohlgenannt heißen. So heißt ja fast jeder in Dornbirn. Ich wollte einen besonderen Namen.“ Über seine ersten beiden (kurzen) Ehen sagt er: „Die ersten beiden Frauen sind mir davon gelaufen. Die haben es mit mir nicht ausgehalten. Denen war es hier oben zu langweilig. Die haben gesagt, das hier oben sei der Tod. Aber hier oben ist der Frieden, nicht der Tod.“ Ob er mit seiner ersten beiden Frauen Pech gehabt habe? „Nein, Glück. Aber nur kurz“, sprach‘s und grinste übers ganze Gesicht. Mit seiner Frau Traudl hat er einen Sohn und eine Tochter, beide noch keine 30 Jahre alt, beide wohnen im elterlichen Haus im Oberbürgle.
Sepp und seine Tabakpfeife
Sepp Schicha wäre nicht Sepp Schicha ohne seine Tabakpfeife. „Selbst konstruiert“, sagt er nicht ohne Stolz. „Da hab ich jahrelang herumgetüftelt. Das hier ist jetzt ungefähr die zehnte Version. Jetzt passt sie, so will ich sie haben.“ Aus einem Regal in der Werkstatt holt er ein weniger gebrauchtes Modell hervor: „Das ist meine Sonntagspfeife. Auch selbst konstruiert.“ Mit schelmischem Blick beginnt er die Sonntagspfeife auseinander zu bauen und zeigt auf ein Teilchen: „Da! Eine Sonntagspfeife mit einem Stück Tampon zum Gäx absaugen.“
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Foto ganz links: Auf seine Stihl-Motorsäge kann sich Sepp Anton Schicha verlassen. In den letzten 20 Jahren musste er nur kleinere Teile austauschen. Fotos links: Seine Tabakpfeifen hat Sepp Anton selbst konstruiert.
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„Früher“, beginnt Sepp Schicha zu erzählen, „da war ich beim Alpenverein, als Jugendlicher“. Und schon fällt ihm ein blöder Spruch ein. „Ein Älpler wäscht sich morgens früh, ein Alpinist hingegen nie.“ Und fügt hinzu: „Ich war Alpinist.“ Kaum den Satz fertig gesprochen greift er zu einer uralten Gitarre und beginnt ein paar Akkorde zu spielen und zu singen. „How many roads . . . “ und dann noch „Fliegt eine weiße Taube zu dir hierher“. Schon nach wenigen Klängen ist klar, warum eine Karriere als Musiker nicht infrage gekommen ist. Zwischendurch nimmt er einen Schluck aus seinem Schnapsfläschchen: „Zum Abtöten. Ein paar Schluck Schnaps immer am Morgen. Du musst am Morgen trinken, weil sich sonst der Bazillus ausbreitet.“
Für 20 Euro und einen Sechser-Träger Bier
Sein Hausname „Metzgar“ geht auf seinen Urgroßvater zurück, der damals immer schwarz geschlachtet hat. „Er musste deswegen sogar einmal vor Gericht. Aber die Richter wussten nicht, dass er fast nichts gehört hat. Nach einer Weile ist er aufgestanden und hat gesagt: Heee, ihr Herren, händ ihr no lang? I sött uf Kählegg a Suu metzga!“ Ein Auto besitzt Sepp Schicha nicht mehr. „Meinen alten, verbeulten Subu habe ich vor zwei, drei Jahren verkauft. Um 20 Euro und einen Sechser-Träger Mohren Bier. Mit dem Käufer habe ich dann gleich ein Bierchen getrunken. Das Auto hab ich verkauft, weil sie mir den Führerschein abgenommen haben. 0,9 Promille. Jetzt habe ich eine Jahreskarte für den Bus.“ Dass Sepp immer einen Spruch auf Lager hat, ist ihm auch schon zum Verhängnis geworden. Wegen Beamtenbeleidigung
musste er schon öfters Strafe zahlen. „Zu einem Polizisten hab ich einmal gesagt, ob er den Götz von Berlichingen kennt.“ (Anmerkung: Goethes Schauspiel Götz von Berlichingen ist heute vor allem durch das Zitat „Leck mich am A...“ ein Begriff). Viele Jahre hat Sepp Schicha als Schlosser gearbeitet. „Bei mindestens zehn Firmen. Früher hat man gewechselt, wenn einer einen Schilling mehr bezahlt hat. Nach der Lehre war ich bei Meusburgers Georg, in der Höchsterstraße. Damals waren wir zu fünft oder zu sechst. Heute arbeiten bei ihm mehr als 1000 Leute“ (Anmerkung: Meusburger Formenbau in Wolfurt).
„Ich vergesse das immer“
Auf die Frage, wie lange er denn mit seiner dritten Frau schon verheiratet sei, antwortet er: „Schon lange. Ganz genau weiß ich das jetzt aber nicht. Solche Sachen musst du meine Frau fragen. Die weiß das auf den Tag genau, wann wir geheiratet haben und wie alt unsere Kinder sind und so. Ich vergesse das immer.“ Zwei Jahre lang hat Josef Schicha einmal mit dem Rauchen ausgesetzt. „Da habe ich das nicht ausgegebene Geld für Tabak zur Seite gelegt und dafür zwei Tonnen Kohle gekauft.“ Zum Heizen, damit er und seine Frau es schön warm haben im Winter. Jetzt, als Pensionist, ist er viel damit beschäftigt, Holz für den Winter zu sammeln und ofengerecht zu zerkleinern. Am liebsten mit seiner Stihl-Motorsäge. „Die hab ich schon seit über 20 Jahren. Ein paar Mal musste ich ein Teilchen austauschen oder so. Aber die läuft immer noch wie geschmiert“, sprach‘s und zündete sich seine selbst konstruierte Tabakpfeife an.
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EIN GEWALTFREIES LEBEN
Gewalt als letztes Mittel: Sie ist nicht ihre erste Wahl, doch manchmal können Menschen nicht anders. Martina Lecker (34) aus Dornbirn, Bewährungshelferin und Anti-Gewalt-Trainerin bei Neustart, arbeitet mit straffälligen Personen. Sie hilft ihnen, gewaltfreie Handlungsstrategien zu entwickeln.
Text und Fotos: Christina Vaccaro
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ir sehen sie in Bildern. Im Fernsehen, im Kino, im Computerspiel. Wir lesen von ihr. In der Zeitung. In Büchern. Oder wir hören von ihr. Im Radio, in Liedern. Gewalt ist allgegenwärtig. Doch vor allem scheint Gewalt eines zu sein: weit weg. Anti-Gewalt-Trainerin Martina Lecker aus Dornbirn weiß, dass dem nicht so ist. Die Bewährungshelferin fing vor sechs Jahren bei Neustart an (siehe Info-Box). Seit über 60 Jahren arbeitet der Verein in der Straffälligen- und Opferhilfe und führt Anti-Gewalt-Trainings durch. Menschen, die im Rahmen ihrer Bewährungshilfe oder ihres elektronisch überwachten Hausarrests eine gerichtliche Weisung zu einem Anti-Gewalt-Training erhalten, landen bei Martina Lecker oder einer bzw. einem der fünf anderen Anti-Gewalt-TrainerInnen. Im vergangenen Jahr nahmen 42 Personen (40 Männer, 2 Frauen) am Anti-Gewalt-Training teil. „Gewalt kennt viele Formen und ist sehr komplex“, sagt Lecker. „Jegliches Mittel, das eingesetzt wird, um einem anderen Menschen zu schaden, ist Gewalt. Sie kann sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene ausgeübt werden.“ Zur psychischen Gewalt zählen etwa Drohungen, Beleidigungen und einschüchterndes oder kontrollierendes Verhalten. Das Anti-Gewalt-Training umfasst 14 Einheiten zu jeweils drei Stunden und durchläuft 10 Themenmodule, die verschiedene Bereiche umfassen. Ein Modul beschäftigt sich beispielsweise mit den
vier Grundemotionen Freude, Wut, Angst und Trauer (siehe Fotos). Einerseits sollen die Teilnehmenden lernen, ihre Emotionen besser zu kennen und einzuordnen. Andererseits wird geübt, in Mimik und Gestik Signale wahrzunehmen, die etwas über die Gefühlslage des Gegenübers verraten. Ein wesentlicher Aspekt des Anti-Gewalt-Trainings ist das sogenannte Ressourcentraining. Lecker erklärt: „Ressourcen sind alles, was wir zur Verfügung haben, um besser durchs Leben zu gehen. Etwa Stärke, Intelligenz, Fürsorge, Standhaftigkeit und so weiter.“ Das Anti-Gewalt-Training gehe davon aus, dass jeder Mensch sehr viele Ressourcen mitbringt. „Auch ein Gewalttäter hat andere Lösungsstrategien als Gewalt, ansonsten müssten täglich zigtausende Strafdelikte passieren. Das tun sie aber nicht.“ Im Anti-Gewalt-Training wird genau hingeschaut. Der Teilnehmer wird mit seiner Straftat konfrontiert, muss sie beschreiben und auch erklären, wie es zu ihr kam. Die Straftat wird dabei in einen biografischen Zusammenhang gesetzt: Die eigene Vergangenheit bis zur Gegenwart wird in einem Lebensfluss versinnbildlicht, es wird ein „soziales Atom“ aufgezeichnet, in dem die wichtigsten Personen und die Beziehungen zu ihnen um einen selbst herum dargestellt werden. Doch vor allen Dingen wird besprochen, welchen Weg die Teilnehmer weitergehen wollen und was sie für einen gewaltfreien Weg konkret tun müsen. „Wir Trainerinnen und Trainer können den Straffälligen nicht sagen, wie sie richtig handeln müssen. Jeder Mensch hat eine eigene Strategie, um einen Aus-
„Auch ein Gewalttäter hat andere Lösungsstrategien als Gewalt, ansonsten müssten täglich zigtausende Strafdelikte passieren. Das tun sie aber nicht.“
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Die Arbeit mit den vier Grundemotionen Freude, Wut, Angst und Trauer ist Teil des Anti-Gewalt-Trainings.
„Das Thema Gewalt bewegt mich, weil es uns alle betrifft. Ich glaube nicht, dass es einen Menschen gibt, der noch nie Gewalt in irgendeiner Form erlebt hat.“
gang aus einer Situation zu finden, bevor es zur Gewalt kommt. Aber wir können ihnen dabei helfen, eine persönliche Handlungsstrategie zu entwickeln“, sagt Lecker. Nach einer vollständigen Teilnahme an einem Anti-Gewalt-Training liegt die Rückfallsrate zu gewalttätigen Strafdelikten bei zirka 35 Prozent. Ein gewaltfreies Leben ist für die 34-jährige Dornbirnerin jene Form des Lebens, die es am meisten zu erstreben wert ist. Deshalb beschäftigt sie, was Menschen dazu bringt, Gewalt anzuwenden. Die Arbeit in der Bewährungshilfe ist zwar herausfordernd, doch finden sich auch immer wieder schöne Erlebnisse, wenn Teilnehmer erkennen, dass sie wirklich etwas tun und an sich arbeiten müssen. „Ich bin sehr dankbar dafür, so viele Menschen kennenlernen zu dürfen“, sagt Lecker. Laut der Bewährungshelferin würden Außenstehende oft nur die Straftat sehen und entsetzt darüber sein. So könnten sie sich keinenfalls vorstellen, mit diesem Menschen zusammenzuarbeiten. Wenn man aber den ganzen Menschen sehe, und nicht nur, was er getan hat, verändere sich das Bild, so Lecker. Warum sie mit – oder besser gegen – das Phänomen Gewalt arbeite? „Das Thema Gewalt bewegt mich, weil es uns alle betrifft. Ich glaube nicht, dass es einen Menschen gibt, der noch nie Gewalt in irgendeiner Form erlebt hat. Ein gewaltfreies Leben ist aus meiner Perspektive das Beste.“
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NEUSTARTarbeitet seit 1957 im Bereich der justiznahen Sozialarbeit, der Straffälligenhilfe (Bewährungshilfe, Haftentlassenenhilfe), Opferhilfe und Prävention. Neustart ist überwiegend für Bewährungshilfe bekannt, daneben ist es für die Vermittlung gemeinnütziger Leistungen, den elektronisch überwachten Hausarrest und Tatausgleich zuständig. In Vorarlberg sind 25 Hauptamtliche beschäftigt, Sitz ist in Feldkirch und Bregenz.
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ER SCHAFFT DAS Christian Nachbaur lebt seit Herbst 2016 in einer Kleinwohnung in Götzis. Allein und selbstbestimmt. Das haben ihm nicht viele Menschen zugetraut. Denn der 45-Jährige ist geistig und körperlich schwer beeinträchtigt. Dennoch meistert er seinen Alltag souverän. Text und Fotos: Frank Andres
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äglich von Montag bis Freitag steht Christian Nachbaur um 6 Uhr auf. Ohne Wecker. Und auch wenn er die Ziffern der Uhr nicht lesen kann, weiß er immer wie spät es ist. Er zieht sich an, setzt sich in den Rollstuhl und fährt zur Bushaltestelle. Beim Dorfbeck in Lustenau steigt er aus. Dort arbeitet er von 7.30 bis 9 Uhr. Sortiert den Müll, stellt die Container richtig hin. „Er macht seine Arbeit richtig gut“, ist Kollegin Sabrina Grabher-Meyer voll des Lobes für Christian. Nur, wenn er in der Nacht zu wenig geschlafen habe, sei er am Morgen ab und zu launisch. Nach getaner Arbeit genehmigt sich Christian einen Kaffee, eine Leberkässemmel oder ein Schoko-Croissant. Danach geht er in die Werkstätte der Lebenshilfe, isst dort zu Mittag. Um 14 Uhr geht es zurück zum Dorfbeck. Um halb vier ist für Christian Dienstschluss und er fährt mit dem Bus wieder nach Hause. Das klingt im ersten Moment unspektakulär. Wenn man allerdings den Lebenslauf des 45-Jährigen kennt, ist sein heutiger Alltag alles andere als normal.
Frauenakte im Haus der Kunst
Als Christian Nachbaur im Sommer 1972 das Licht der Welt erblickte, war er schwer gehandikapt. Körperlich und geistig beeinträchtigt. Mit acht Jahren kam der Junge, der in Riezlern aufgewachsen ist,
Christian Nachbaur zeigt stolz einen Frauenakt, den er gemalt hat. Seine Bilder wurden sogar im Haus der Kunst in München gezeigt.
ins Schulheim Mäder. Unter der Woche lebte er im Internat, am Wochenende war er zuhause bei seiner Mama. Mit 17 übersiedelte Christian in ein betreutes Wohnhaus der Lebenshilfe nach Lustenau. Besuchte dort die Werkstätte. Im offenen Kreativraum, dem ARTelier, entdeckte er seine künstlerische Ader. Begann zu malen. Und der junge Mann hatte Talent. Christians Frauenakte schafften es mit Unterstützung der Kunsttherapeutin Doris bis in eine Europäische Art Brut-Ausstellung im Haus der Kunst in München.
Leben selbst in die Hand nehmen
Christians Leben nahm aber trotz des großen künstlerischen Erfolgs weiterhin seinen gewohnten Lauf. Bis zum Jahr 2013. Da starb seine Mutter. Gerhart Hofer, jahrelang sein Klassenlehrer im Schulheim Mäder, übernahm die Sachwalterschaft des damals 40-Jährigen. Er kümmert sich seitdem um seine Finanzen und gesundheitlichen Aspekte. „Christian begann eine gewisse Unabhängigkeit
zu entwickeln“, erinnert sich Hofer, heute Direktor der Kathi-Lampert-Schule in Götzis. „Er wollte am Abend plötzlich alleine weggehen und einen eigenen Haustürschlüssel für das Wohnheim. Das war ungewöhnlich.“ An einem Samstagnachmittag wurde er vom Personal des Wohnheims unerwartet in Dornbirn gesichtet. Christian war offensichtlich selbstständig mit Landbus und Rollstuhl unterwegs. Als er dann 2014 beim Dorfbeck selbst wegen eines Jobs anfragte und ihn auch bekam, war für Gerhart Hofer klar: „Christian wollte sein Leben selbst in die Hand nehmen.“ Und Christians Sachwalter unterstützt ihn seitdem auf diesem neuen Weg.
Fehler gehören zum Leben dazu
Das änderte sich auch nicht, als Christian in der Nacht mit dem Rollstuhl von Dornbirn zurück nach Lustenau wollte. Dabei erwischte er die offensichtlich falsche Abzweigung und fuhr in Richtung Autobahn. Passanten hatten ihn gesehen und alarmierten die Polizei, die ihn nach
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Christian Nachbaur mit seinem Freund und Sachwalter Gerhart Hofer.
Hause brachte. Gerhart Hofer sieht diese Episode entspannt. „Christian hat es ausprobiert. Aber Fehler gehören zum Leben dazu. Zur Freiheit gehört das Risiko. Und das Risiko hat Würde. Das muss man aushalten.“ Die Reise von Christian in Richtung Selbstbestimmheit nahm weiter Fahrt auf. Er lud auf Initiative der Lebenshilfe Freunde, Betreuer und seine Chefin bei der Bäckerei ein, um seine persönliche Zukunftsplanung zu besprechen. Am Ende des Gesprächs stand fest: Christian will selbstständig leben und die Runde traut es ihm zu. Und wie es der Zufall will, bekam Christian im Herbst 2016, im Alter von 44 Jahren am Garnmarkt in Götzis eine eigene Wohnung. Seitdem ist Christian nur noch stundenweise auf die Betreuung der Lebenshilfe angewiesen. Für ein, zwei Stunden täglich bekommt er Einzelunterstützung. Man redet mit ihm übers Geld oder bespricht den Wochenplan oder kocht gemeinsam. Am Abend und am Samstag wird auch gekocht. Jeden zweiten Sonntag ist Christian Gast bei der Familie Hofer.
Eigenes Konto
Gerhart Hofer ist heute noch fasziniert von den enormen Fortschritten, die Christian in den letzten Jahren gemacht hat. „Sein körperlicher und psychischer Gesundheitszustand ist so gut wie noch
nie. Ich bin richtig stolz auf ihn.“ Statt sich von Ängsten oder Bedenken leiten zu lassen, versucht er Christian auf dem Weg in ein normales Leben zu unterstützen. „Er hat sein eigenes Konto und seine eigene Bankomatkarte. Er weiß ganz genau, dass er jeden Montag seinen Betrag abheben darf. Mit dem Geld muss er eine Woche lang auskommen. Das funktioniert in 90 Prozent der Fälle. Er kann zwar weder schreiben, lesen noch rechnen, aber er weiß, welche Tasten er drücken muss und was ein Bier kostet.“
„Eine Freundin“, verrät sein Freund und Begleiter Gerhart Hofer. Und ab April will Christian noch ein Stück selbstständiger leben. Auf seinen eigenen Wunsch hin werden die Betreuungsstunden weiter reduziert. Die marie ist überzeugt: Er schafft das.
Wo die schönen Damen sind
Der heute 45-jährige Christian Nachbaur lebt mitten im Dorf, nimmt am öffentlichen Leben teil. Mehrmals die Woche geht Christian auf ein Feierabend-Bierchen oder eine Cola ins Café Zentrum, weil dort so „schöne Damen sind“, antwortet er ohne lange zu überlegen. Und was wünscht sich Christian am meisten?
Bei seiner Arbeitsstelle, dem Dorfbeck in Lustenau, gönnt sich Christian nach der Arbeit eine kleine Jause.
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Mittendrin in V
ÖFFNE DEIN HERZ UND SING
Singen ist nicht nur für die Ausschüttung eines wichtigen Hormons verantwortlich und macht glücklich, sondern überwindet auch Sprachbarrieren und Vorurteile. Darauf setzt die Sängerin Ida Kelarova seit über 40 Jahren, reist mit ihrem Bus durch Europa und bringt Kinder und Jugendliche aus den Roma-Dörfern in Schulen und Workshops.
Text: Daniela Egger Foto: Johannes Wucher
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da Kelarova (62) hat relativ spät erfahren, woher ihre Vorfahren stammen – sie lebte in Tschechien ein bürgerliches Leben als Tochter eines begnadeten Musikers und einer Mutter, die sehr darauf bedacht war, die Verwandtschaft ihres Vaters nicht allzu sehr einzubinden. Aus gutem Grund, denn Zigeuner waren auch in der damals kommunistischen Tschechoslowakei nicht gern gesehen. Nach dem Studium am Janáčkova Konservatorium in Brno zog sie nach England, als ihr Vater starb und ihr die familiären Zusammenhänge klar wurden – sie war die Tochter eines Rom, eines Zigeuners. Sie war eine halbe Zigeunerin und ihre Leidenschaft für Musik war ihre Sprache – jenseits der klassischen Ausbildung, die sie genossen hatte. Sie begann genauer nachzufragen und überwarf sich deswegen mit der Mutter, die vehement die Herkunft des Vaters leugnete. Dafür fand sie eine Musik, die ihr Herz berührte und ihre Kämpfernatur weckte, und ihren Lebensgefährten Desiderius Dužda, ebenfalls ein waschechter Rom, wie ihr Vater. Seither engagiert sich die Sängerin für benachteiligte Roma, die in ghettoähnlichen Siedlungen in der Slowakei leben und kaum Zugang zu Bildung und
staatlicher Unterstützung bekommen. Seit 20 Jahren ist sie regelmäßig in Vorarlberg zu Gast, als Workshopleiterin und als Sängerin, und sie bringt Kinder aus diesen Siedlungen einfach mit. Viele Spendenaktionen gingen bereits aus Vorarlberg in die Dörfer und halfen, Häuser zu bauen und Kleidung, Schuhe, Spielsachen und Instrumente in die richtigen Hände zu übergeben. Der Filmemacher Stephan Settele begleitete sie auf einer der Fahrten in diese Dörfer. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Filmen über ihre Arbeit. Was Ida Kelarova tut ist wirklich einzigartig: Sie bringt die Roma-Kinder beispielsweise seit 2014 in die private Volksschule Montessorizentrum Oberland Ludesch, wo diese eine Woche lang gemeinsam mit den Ludescher Schülerinnen und Schülern im Pfadfinderheim wohnen, die Roma-Kinder nehmen am Unterricht teil. Alle zusammen lernen die Lieder für das Konzert und treten als Chor auf. Das nächste Benefizkonzert findet am 19. April um 18 Uhr in der Blumenegghalle in Ludesch statt. Davor bietet Ida Kelarova einen Gesangsworkshop in St. Arbogast an. Dort bringt sie Erwachsene dazu, sich in die Roma-Musik zu verlieben und dabei eine ganz neue Stimme zu entdecken. „Jeder Mensch kann singen“, sagt Ida Kelarova mit ihrer sonoren Stimme und lacht dabei. „Die echte Stimme kommt
nicht aus dem Kehlkopf, man muss seine Gefühle in die Stimme legen. Dann klingt es richtig.“ Um einen Zugang zu dieser „richtigen“ Stimme zu finden, hat sie Übungen und Atemtechniken entwickelt, und am Ende jedes Workshops steht ein kleines Konzert – und manchmal auch ein großes, deren Erlös sie immer ihrem Charity-Projekt miret widmet. Sie organsiert Festivals, Konzerte und Tanzworkshops, und über allem steht immer die Begegnung der Kulturen, damit sich die Vorurteile in gegenseitiges Verständnis verwandeln und die Musik ihre heilsame Wirkung entfalten kann.
Open your heart, open your voice and sing Freitag, 13. April, 18-20 Uhr Samstag, 14. April, 10-18 Uhr Sonntag, 15. April, 10-16 Uhr Bildungshaus St. Arbogast Anmeldung: Monika Rietzler hallo@voegilewohl.at +43(0)664 88 39 84 21
Avente gilávez
Benefizkonzert zugunsten der Stiftung miret 19. April, 18.00 Uhr Blumenegghalle in Ludesch
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Kunstspiel Glückliche Gewinnerin bei der Verlosung des Memory-Kunstspiels des Künstlers Rinaldo Loacker im Wert von 70 Euro war marie-Leserin Andrea Matt aus Feldkirch. Ein Porträt des Künstlers erschien in der März-Ausgabe. Gemeinsam mit seinen Götzner Künstlerkollegen („4G“) Stefan Kresser, Peter Joschika und Mila Plaickner stellt Loacker vom 13. bis 29. April im ehemaligen Bürogebäude W+M in Götzis, Am Bach 20 aus. Geöffnet freitags von 18:30 bis 20 Uhr , Samstag und Sonntag 10:30 bis 15 Uhr.
Carwash „Butz suber“ retour bekommt sein Auto, wer es von Integra reinigen lässt. Seit März bietet die gemeinnützige GmbH Autowäsche, Innenreinigung, Räderwechsel, Winter- und Sommercheck u.v.m. an. Nach telefonischer Terminvereinbarung wird das Auto vor der Haustüre abgeholt. Kontakt: 05574/54254 Mehr Infos auf www.integra.or.at
Symposium Name: Osahon Omoregie Alter: 27 Heimatland: Nigeria marie-Verkäufer: seit Februar 2018 Osahon Omoregie musste sein Heimatland Nigeria aus politischen Gründen verlassen. Seit zwei Jahren lebt der gelernte Lebensmittelkaufmann in Österreich, seit knapp zwei Monaten verkauft er die marie. Sein größter Wunsch ist es wieder in seinem Beruf arbeiten zu können und später eine eigene Familie zu haben.
Um das Miteinander der Generationen geht es dort, wo das „Netzwerk Welt der Kinder“ auftritt. Seit bald zwei Jahrzehnten setzen die Initiatoren Carmen Feuchtner und Gerhard König Kinderrechte in den Fokus und holen renommierte Referenten nach Vorarlberg. Das 9. internationale Symposium „Kindheit, Jugend und Gesellschaft“ findet von 18. bis 21. April im Bregenzer Festspielhaus statt. Alle Infos unter www.weltderkinder.at. Am 4. April wird zudem der Film „Im Garten der Klänge“ des erblindeten Musiktherapeuten und Symposium-Referenten Wolfgang Fasser am Spielboden Dornbirn gezeigt.
Sozialbetriebe sehen sich massiv bedroht In einem offenen Brief warnt der Verband der Sozialen Unternehmen Vorarlberg vor der geplanten Kürzung der Mittel für das Arbeitsmarktservice. „Einzelne Projekt innerhalb der Sozialbetriebe von Aqua Mühle, carla, Dornbirner Jugendwerkstätte, integra Vorarlberg und Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte sind dadurch sehr gefährdet“, erklärt Verbandssprecherin Bendicte Hämmerle. Sie ruft alle Vorarlberger Politiker über die Parteigrenzen hinweg auf, sich gegen diese Sparvorhaben der Bundesregierung einzusetzen. Die sozialen Unternehmen gibt es in Vorarlberg seit 25 Jahren. Sie bieten Menschen mit sozialen und gesundheitlichen Defiziten in Vorarlberg einen Job. Die Betriebe erwirtschaften etwa 60 Prozent auf dem Markt, der Rest stammt aus Mitteln des AMS und des Landes. Tausenden Menschen konnte dadurch in den vergangenen Jahren eine Alternative zum regulären Arbeitsmarkt geboten werden.
Demo für Bildung Für Bildung und Soziales und gegen die Pläne der neuen Bundesregierung wird am 20. April am Kornmarktplatz in Bregenz um 14 Uhr demonstriert. Die Vorarlberger Plattform für Reformpädagogische Initiativen & Mehr (PRIM) stellt sich gegen die Budgetkürzungen im Bildungs- und Sozialbereich. Im Anschluss an die Kundgebung und einer Performance wird es eine offene Rednerbühne geben. Mehr Informationen finden Sie unter: www.prim-online.at
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International
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Foto oben: Eine Katze sitzt auf dem Schoß eines Straßensängers in Istanbul. Foto rechts: Eine Katze mit zwei verschiedenen Augenfarben. Man spricht umgangssprachlich von „Odd-eyed“, was so viel wie „merkwürdige oder seltsame Augen“ bedeutet.
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Istanbul: Stadt der Katzen Katzen sind heilig in Istanbul und die Bewohner kümmern sich in Eigenregie um die zahllosen Straßenkatzen der Stadt.
Text: Ali Kucukgocmen Bilder: REUTERS/ Goran Tomasevic
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n den engen Gassen von Istanbul sitzen Katzen auf Dächern und Fensterbänken, kauern in Türeingängen und liegen in nahezu jeder Ecke. Dabei ist es egal, ob sie in der Sonne liegen, sich putzen oder auf der Suche nach Essen in Läden flitzen, die Katzen sind ein fester Bestandteil des täglichen Lebens in Europas größter Stadt geworden. Sie sind so allgegenwärtig, dass niemand mehr darauf achtet, wenn eine Katze durch die Lobby eines hoch angesehenen Bürogebäudes tapst, oder wenn sich eine auf einem Barhocker einrollt, um zu schlafen. Ladenbesitzer und Anwohner kennen die Katzen der Nachbarschaft meist mit Namen und erzählen Geschichten über sie, als würden sie über einen Freund sprechen. Einige Istanbuler Katzenliebhaber kaufen kleine Katzenhütten, um ihre haarigen Nachbarn in kalten Nächten warm zu halten, wobei sie von den Winter-Sonderangeboten für Katzenbedarf in den Tierhandlungen profitieren. Einige nehmen Katzen in den besonders kalten Nächten sogar mit nach Hause. „Geld spielt für einige Leute keine Rolle, wenn es um Katzen geht“, sagt Ozan, Angestellter in einer Tierhandlung. „Sie nehmen Katzen auf, die blind sind, gebrochene Beine oder Magenprobleme haben und bringen diese in die Klinik. Wenn sie sehen, dass diese ausgeheilt sind, lassen sie sie wieder frei auf der Straße leben.“ Im angesagten Stadtteil Cihangir, wo die Straßen mit kleinen
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Ein Mann streichelt eine Katze, während er eine Straße in Istanbul hinuntergeht.
Katzenhütten gesäumt sind, ist es nicht ungewöhnlich, dass Katzen den letzten freien Sitzplatz in einer gut besuchten Bar besetzen, während die Kunden anhimmelnd daneben stehen und sie streicheln, sobald sie von einem weiteren Nickerchen erwachen. Friseurin Esra sitzt vor dem Salon, in dem sie arbeitet. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um zwei Katzen. Sie sagt, dass es ihr in harten Zeiten geholfen hat, sich um Katzen in einem nahegelegenen Park zu kümmern. „Ich fing an, Hunde und Katzen dort zu streicheln, kaufte ihnen Futter und fütterte sie“, erzählt sie. „Dann merkte ich, dass es mir wirklich half.“ Ebenso wenig ist es ungewöhnlich, eine Katze zu sehen, die in den Schoß von Restaurantbesitzern springt, in der Hoffnung, dort einen Platz zum Ausru-
hen zu finden – und die Chance, einen Happen Essen zu ergattern. Necati, der sein Geld damit verdient, Papier für Recycling zu sammeln, gart jeden Morgen Hühnchen, welches er dann an die Seiten seiner Karre hängt. Während er so seinen Weg durch Istanbul macht, füttert er Streuner. Katzen sind heilig, sagt er und erzählt die Geschichte einer Katze, die den Propheten Mohammed während eines Gebets vor einer tödlichen Schlange beschützt. „Man sollte Katzen lieben, nicht Menschen“, sagt er. „Menschen sind undankbar.“ Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche von Jessica Michaels Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Reuters / INSP.ngo
Gsi
DIE BAHN MACHT‘S
Vor rund 150 Jahren rollten die ersten Eisenbahnzüge durch Vorarlberg. Zu verdanken ist dies Tausenden Bauarbeitern, die hauptsächlich aus dem Trentino, Slowenien und Kroatien kamen. Sie machten Vorarlberg kurzfristig zu einem Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Sprachen.
Text: Gerhard Thoma Fotos: ÖBB
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Baustelle Hintergasse Richtung Bludenz. Die Arbeiten an der Arlbergbahn waren äußerst hart und sehr gefährlich. Täglich sind rund 80 Güter- und Fernzüge unterwegs.
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on 1870 bis 1885 war Vorarlberg ein „Vielvölkerstaat“. Auf den Straßen wurde wie selbstverständlich italienisch, serbokroatisch, tschechisch, russisch und französisch gesprochen und gesungen. An den Türen der Wirtshäuser hingen Zettel in fünf verschiedenen Sprachen, die darauf hinwiesen, dass Getränke und Speisen sofort nach der Bewirtung bar zu bezahlen seien. Das internationale Flair kam von den Tausenden Bauarbeitern, die unter anderem aus vielen Teilen der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie nach Vorarlberg gekommen waren, um hier am Bau und Ausbau der Eisenbahn zu arbeiten. Beim Bau der Vorarlberg-Bahn von Bludenz nach Bregenz bis zur bayerischen Grenze sowie von Feldkirch nach Buchs und von Bregenz nach St. Margrethen waren etwa 4000 Arbeiter beschäftigt. Und allein in Langen am Arlberg waren beim Bau der Arlbergbahn bzw. des Arlbergtunnels 4800 Arbeiter in Wohnhäusern und Baracken untergebracht. Dies entsprach der dreifachen Bevölkerungszahl des ganzen Klostertals. Es gab separate Quartiere für ledige und verheiratete Arbeiter. Sogar für die mitgebrachten Kinder wurde gesorgt: Sie hatten Schulunterricht. In Klösterle beispielsweise gab es Jahre hindurch 20 bis 25 Schüler, aber 1881 waren es schon 130, im Jahr darauf 140. „In Klösterle hört man fast nur mehr Italienisch“, resümierte die Landespresse. Die herbeigerufenen Arbeitskräfte waren sorgfältig ausgewählte gute Handwerker. Es kamen Steinbrecher und Steinmetze für die Steinbrüche, Rollbahnfahrer für den Transport von Baumaterialien, Maurer für Stützmauern und Brücken, Erdar-
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beiter für die offenen Bahnstrecken, Zimmerleute für Gerüste an Brücken, Stützmauern, Rollbahnen und Abstützungen in Tunnels, Werkzeugmacher, Schmiede, Magazineure und weitere Hilfskräfte.
40 Wirtshäuser in Braz
Für Entspannung nach der harten Arbeit sorgte die Gastronomie. In Braz konnte man von 1880 bis 1884 zwischen 40 Gasthäusern auswählen, in Dalaas und Klösterle waren es mindestens zwölf Schenken, wo man sein Nationalgericht verspeisen und vertrauter Musik lauschen konnte. Überhaupt hat der Bau der Arlbergbahn das Leben der Bevölkerung im Klostertal stark verändert. Anfangs waren die Bewohner in den Ortschaften von Langen über Stuben, Dalaas, Klösterle, Wald und Braz skeptisch. Man stöhnte über mögliche Belastungen von Natur und Landwirtschaft und hohe Kosten. Doch viele haben letztendlich von dem Megaprojekt profitiert. Die meisten Klostertaler saßen während des Winters arbeitslos auf ihren Bauernhöfen. Mit der Eisenbahn kam ein wirtschaftlicher Aufschwung. Durch Grundablösen und Schadensgutmachung auf den Feldern floss reichlich staatliches Geld in die Talschaft. So mancher Landwirt vermietete seine Gehöfte an die Bahn, welche Unterkünfte für die Arbeiter brauchte. Neue Straßen, Wege, Güterwege und Zufahrten wurden gebaut. Die Basis für den zukünftigen Tourismus.
Tollkühnes Projekt
Treibende Kraft hinter den Eisenbahnprojekten waren die Vorarlberger Industriellen Hämmerle, Fussenegger, Rhomberg und vor allem Carl Ganahl, Präsident der Vorarlberger Handelskammer. Bereits seit 1847 pochte der Feldkircher Textilindustrielle auf den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Innsbruck und Vorarlberg, ging es doch darum, neue Absatzmärkte in Innerösterreich, Ungarn und am Balkan zu erschließen. Unterstützt wurden die Vorarlberger von englischen Industriellen. Diese wollten ihre Baumwolle nämlich von Ägypten auf kürzester Strecke über den Arlberg an die französische Kanalküste nach Calais und von dort weiter nach Dover transportieren. Trotz seiner andauernden Bemühungen konnte Ganahl jedoch nur den Bau der Strecke Bludenz - Bregenz - bayerische Grenze mit Zweiglinien nach Buchs und St. Margrethen durchsetzen. Diese „Vorarlberg-Bahn“ wurde 1872 eröffnet. Den Bau einer Bahnlinie über den Arlberg indes hielten viele Ingenieure lange Zeit für unmöglich. Aber auch die horrenden Kosten spielten eine Rolle. Neue Brisanz erhielt der Bau einer Bahnstrecke von Innsbruck nach Bludenz wegen des deutsch-französischen
Krieges 1870/71. Durch deutsche Zollbeschränkungen und Einschränkungen im grenznahen bayerischen Bahnverkehr war Vorarlberg vom restlichen Österreich plötzlich isoliert. Experten brüteten über die beste Lösung. Diskutiert wurden der Bau einer Bahnstrecke vom Tiroler Paznauntal ins Montafon oder vom Stanzer Tal ins Klostertal. Geprüft wurden zudem eine Zahnradbahn über den Arlberg sowie der tollkühne Bau eines mehr als zehn Kilometer langen Bahntunnels von St. An-
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Dampflok in Langen am Arlberg. Die Arlbergbahn wurde 1924 elektrifiziert. Über 4000 Bahnkunden reisen täglich über die imposante Gebirgsstrecke.
ton in Tirol nach Langen am Arlberg. Letztere Idee hat sich schließlich durchgesetzt. Im Juni 1880 war es so weit: Diesund jenseits des Arlbergs dröhnten Schlagbohrmaschinen und Drehbohrer und kämpften sich hüben und drüben täglich fünf Meter weit in die Stollen. Die Bauleitung oblag dem Wiener Oberbaurat Julius Lott, der sich schon beim Bau der Brennerbahn und der ungarischen Bahn große Verdienste erworben hatte. Die Fertigstellung der Arlbergbahn vier Jahre später sollte der Eisenbahnpionier jedoch nicht mehr erleben. Julius Lott starb 1883. Sein Nachfolger wurde Johann Poschacher, der das Werk 1884 vollendete. Die Eröffnungsfahrt am 20. September 1884 erfolgte durch Kaiser Franz Josef höchstpersönlich. Tausende Arbeiter leisteten beim Bau der Vorarlberg-Bahn, der Arlbergbahn und des Arlbergtunnels harte Arbeit. Dutzende verloren dabei ihr Leben. Nach getaner Arbeit in Vorarlberg folgten die meisten Handwerker den Bahnbauunternehmern zur nächsten Arbeitsstelle, wie die Feldkircher Zeitung im Jänner 1885 berichtet: „Ein Teil der braven Bahnbauer wird nach Innsbruck, ein Teil nach Triest und der Großteil nach Böhmen weiterziehen.“ Und in Vorarlberg kehrte wieder „alemannische Ruhe“ ein.
Kultur
Aus dem Stegreif 34 /
Geht das? Von der Kunst zu leben, selbst wenn eine fünfköpfige Familie zu versorgen ist? Ja, es geht, sagen zwei, die sich genau darin tagtäglich üben. Die mit größtmöglicher Wachheit die Gunst des Moments nützen und dem richtigen Maß auf der Spur bleiben. Denn darauf käme es an. Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Petra Rainer
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or allem, das richtige Maß in Bezug auf Arbeit, Freizeit und Materielles zu finden, sei eine beständige Herausforderung und berge gleichzeitig große Chancen fürs Lebensglück, ist Carolina Paragioudakis-Fink, 41, Tänzerin und Tanzpädagogin, Theaterschaffende und Yogalehrerin überzeugt. „Ich denke, dass man mehr dem nachgehen sollte, was einem wirklich wichtig ist, statt den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen. Weniger im ,Brotjob‘ zu arbeiten mag heißen, weniger Geld zu haben, doch gleichzeitig heißt es auch, Zeit zu gewinnen. Zeit für Herzenswünsche, Zeit für die Lieben. Größeres Augenmerk darauf zu legen würde mit Sicherheit zu einer gesünderen Gesellschaft führen.“ Zum Leben brauchte Caroline noch nie viel und vielleicht liegt darin auch das Geschick, um als Künstler-Ehepaar mit drei Kindern in Vorarlberg seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ja, es gehe, wenn man immer wieder bereit
sei zum Verzicht auf Bequemlichkeit, Komfort und Wegwerfkonsum. Zum Bekenntnis, nicht mehr zu wollen als jeweils möglich ist. Heißt konkret: Auskommen ohne Führerschein und Auto, ohne Nippes und anderen Schnickschnack. Die pädagogischen Teilzeitanstellungen von Carolina und ihrem Mann Andreas, 38, Musiker und ebenfalls Theatermacher, würden außerdem helfen, das Nötigste an Fixkosten abzudecken. Damit stünde der Weg frei, Aufträge anzunehmen und Projekte zu entwickeln, für die das Herz voll und ganz schlägt.
Verzicht und Fülle
Carolina und Andreas leben mit ihren drei Kindern Iason (9) Melia (7) und Minoas (1) in Wolfurt. Kennengelernt haben sie sich am Mozarteum in Salzburg, wo Carolina Musik und Tanz und Andreas Klavierpädagogik studierte. Es folgte ein gemeinsames Jahr in Indien mit klassischem indischen Tanz, Yoga und Sitar. Weiterführende Studien und Projekte zogen die beiden – gemeinsam oder getrennt – nach Kanada, Spanien,
Griechenland, Amerika und Holland. Sie lernten, setzten Projekte um und orientierten sich spontan, aber nie beliebig an den Möglichkeiten, die ihnen die Welt bot. So fiel es auch nicht schwer, ihre materiellen Ansprüche den Gegebenheiten anzupassen, als sie vor bald zehn Jahren im Ländle sesshaft wurden. Ein bescheidener Teil des alten Hauses von Carolinas Oma wurde ihre neue Heimat. Wie ein Luxus erscheint ihnen heute der Standard, den der Ausbau des Hauses vor rund einem Jahr mit sich brachte. Ein Teil des Hauses bewohnt nach wie vor die Großmutter, ein weiterer wurde einem syrischen Flüchtling zur Verfügung gestellt. Die Scheune, in der sich früher Schafe, Schweine und Hennen tummelten, durfte sich in eine Yoga-, Musik- und Workshop-Zone verwandeln. Und in soviel mehr – je nach Nutzungsbedarf: Proberaum, Musikzimmer, Unterkunft für Gäste, Sitz der gemeinsamen xthesis Kreativkompanie. Lesbar auch zwischen diesen alten Scheunenwänden: die Hingabe zum Wesentlichen. Im Zugewinn von Wohnfläche wittert das Paar aber
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AKTUELLE PROJEKTE Carolina, Andreas und die hohe Kunst der Improvisation. In der umgebauten Scheune wird getanzt, geprobt und musiziert. Mittendrin: Iason, Melia und Minoas.
durchaus auch Gefahr. Es würde sich sofort mehr Zeugs anhäufen, meint Carolina, die Minimalistin. Andreas sieht diesen Aspekt etwas weniger kritisch, mag den neu gewonnenen Entfaltungs-Spielraum nicht missen. Er, der Grieche, aufgewachsen in der kretischen Hafenstadt Rethymnon, der den Hang zur Fülle quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. Leben, als gäbe es kein Morgen, so die leidenschaftliche Devise seiner griechischen Familie, die ihn bis heute prägt.
Das echte Leben im Spiegel der Kunst
Erst im Nachhinein hat das Paar gemerkt, dass ihr aktuelles Theaterstück „Emillio und Ellie“ eigentlich in seinem Kern ein Spiegelbild ihrer eigenen Wirklichkeit ist. „Ich, der Maximalclown, der einer Commedia dell’arte entsprungen sein könnte – Carolina, die Schlichtheit und Genügsamkeit liebt. Ich, der Extrovertierte – sie, die eher In-Sich-Gekehrte“, versucht
„Wach und ganz im Moment zu sein, zu spüren, was das Werk gerade braucht, das fasziniert.“ Carolina Paragioudakis-Fink
Griechischer Improvisationsabend im BAHI Bregenz: am 3.5. mit Aristoteles Kapagiannidis & Andreas Paragioudakis-Fink Konzertreihe „Unter der Laterne“, im BAHI Bregenz: Start am 7.6. mit Aydin Balli, Robert Bernhard, Martin Grabher, Moaz al Shamma und Andreas Paragioudakis-Fink
Andreas die Persönlichkeiten zu fassen. Im Stück gehe es ums Zuhören und Gehört-Werden, ums Anderssein und ungleiche Blickwinkel auf die Welt. Die Unterschiedlichkeit der Protagonisten erweist sich dem Zuschauer als Glücksfall. Das humorvolle und lebenskluge Bühnenstück für Menschen von 5 bis unbegrenzt steht seit 2014 auf dem Programm der Kreativkompanie und darf jetzt sogar die Reise ins Ausland antreten. Vielleicht liegt das Erfolgsgeheimnis genau in dieser Übertragung des echten Lebens auf die Mittel der Theaterkunst: „Auch im künstlerischen Prozess sind wir total unterschiedlich. Meine Fülle an Ideen wird von Carolina regelrecht ausgemistet, sie macht im Weniger das Mehr sichtbar.“
Unter der Laterne
Andreas ist bis heute – und vielleicht mehr denn je – eng verwurzelt mit dem traditionellen musikalischen Erbe seines Heimatlandes. „So wie es damals wichtig war für mich auszuziehen in die Welt, wegzukommen von Mentalität und familiären Mustern, so spüre ich heute wiederum eine starke Sehnsucht nach Heimat und Wurzeln“, so Andreas. Ausdruck findet diese Leidenschaft in seiner Musik, die er multi-instrumental inszeniert, sei es bei Konzerten, für Festivals, auf Events oder privaten Anlässen. Wer ihn bereits erlebt hat, weiß, wie sehr er es liebt, das Publikum miteinzubeziehen. Dabei geht es viel um die Kunst des Moments, um dessen Unvorhersehbarkeit, die sich die Improvisation zunutze macht. Auch sein aktuellstes Projekt „Un-
Sacred Scars: Carolina als Tänzerin einer netzwerkTanz-Produktion des internationalen Choreografen Blenard Azizaj, Theater Kosmos: 31.3., 01.04., Grabenhalle St. Gallen: 06. 05. Weitere Infos und Angebote in der Scheune unter xthesiskreativ.com
ter der Laterne“ setzt auf die gemeinsamen Nenner Improvisation und Tradition: Im neu eröffneten Coworking-Café BAHI in Bregenz wird er als Gastgeber eine zwölfreihige Konzertserie arrangieren und dabei namhafte Vorarlberger Musiker mit immigrierten Künstlern zusammenspannen. Gerade in der Vernetzung von Alleinmusikern könne viel Neues entstehen, ist Andreas überzeugt. Dem Reiz der Improvisation kann sich auch Carolina nicht entziehen. Wie ihr Mann ist sie seit zwölf Jahren Mitglied von spodium, dem Podium für Improvisationskunst. Hier werden dem Moment gewidmete und damit vergängliche Performances aus Musik und Tanz kreiert. „Wach und ganz im Moment zu sein, zu spüren, was das Werk gerade braucht, das fasziniert“, so die Tänzerin. Von egoistischen Wünschen wegzugehen, würde extrem fordern und diese Arbeit mit der Haltung des Yoga verbinden. Auch hier gehe es um das Sein im Moment, ohne Beurteilung. So sei das auch im Familienleben, führt Carolina weiter aus. Allen Bedürfnissen gerecht zu werden und die künstlerische Arbeit nicht zu kurz kommen lassen, erfordere oft ein Jonglieren und Improvisieren. Carolina: „Dabei geht es immer wieder um die Prüfung, was einem wichtig ist, um das Weglassen des Unnötigen und schlussendlich auch darum, den Kindern zu dienen. Kurz: um die Kunst der Demut. Und um die Frage an uns als Paar – stets aufs Neue: Was ist unser gemeinsamer Traum?“ So verdichten sich in der Feldeggstraße 4 in Wolfurt Beruf und Familie zur Lebensschule, die jeden Tag neu zum Üben einlädt.
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Veranstaltungskalender
VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html
Di., 3. April, 19 Uhr, Vinomnasaal Rankweil, Eintritt: frei
GEDENKVERANSTALTUNG „RANKWEIL 1938“
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Der Historiker Werner Bundschuh im Gespräch mit Alt-Nationalrat Günter Dietrich. Sie zeigen am Beispiel von Einzelschicksalen bekannter Personen aus Rankweil und Umgebung die weitreichenden Folgen von Anpassung und Widerstand in den Jahren 1938-1945 auf. Auch zwei besondere Zeitzeugen sind anwesend: Der 95-jährige Belgier Civilia Camille kam als Zwangsarbeiter zunächst auf die Baustellen der Illwerke, dann nach Sulz. Anwesend ist auch der Sohn des Franzosen Jean Mariani, der 1940 in Kriegsgefangenschaft war und Hauselektriker in der Valduna war.
Mi., 4. April, 18 Uhr und Do., 5. April, 19:30 Uhr, Filmkulturclub im Cinema Dornbirn, Eintritt: 10,- Euro
THE GREEN LIE
Alles öko? Regisseur Werner Boote („Plastic Planet“) beleuchtet in seinem neuen Dokumentarfilm vermeintliche Wahrheiten und Lügen der Großkonzerne und zeigt, dass fair nicht gleich fair, und nachhaltig nicht gleich nachhaltig bedeuten muss. Österreich 2017, 93 Minuten, Original mit Untertitel.
Fr., 6. April, milk_ressort in Göfis, Agasella 8, Eintritt: frei
CHRISTIAN GEISMAYR: „IM NACHGANG“
„Im Nachgang“ lässt der Dornbirner Maler, Zeichner und Philosoph Christian Geismayr mehrere litarische Erzählstränge ineinander verlaufen. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 13. Mai geöffnet. Mehr Infos: www.milk-ressort.at
Fr., 6. April, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 16,- Euro
HIN.HÖREN: VIECH
VIECH zelebrieren seit jeher ihren ausgeprägten Hang zur Eigenheit. Ihre Kernkompetenz: textstarke Popmusik. Auch die brachialen Live-Shows des Trios beweisen: Hier brennt österreichischer Dreck unter den Nägeln – die vorläufig einzige Würdigung der Heimat.
Fr., 6. April, 20:15 Uhr, Theter am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
PAULA LUDWIG – FREUNDSCHAFTEN UND WEGE
Hommage an eine Künstlerin mit Feldkircher Wurzeln aus Anlass des Stadtjubiläums „FK 800“. Die Nürnberger Theater- und Kulturgruppe „Kunst und Drama“, bekannt für Theaterdokumentationen über außergewöhnliche Menschen, zeigt eine theatralische Biografie und Würdigung der Künstlerin Paula Ludwig aus Texten, Bildern und Briefen.
Mo., 9. April, 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: frei
KONTAKTCHOR LÄDT EIN ZUM OFFENEN SINGEN
Asylwerbende Menschen und anerkannte Flüchtlinge singen mit musikalischen Feldkircherinnen und Feldkirchern und Interessierten aus der Region. Ulrich Gabriel leitet diesen Chor gemeinsam mit der Designerin Brigitte Theisen. Einmal im Monat, jeden ersten Montag, besteht im Theater am Saumarkt die Möglichkeit für ein interessiertes Publikum, das gerne singt, sich dazu zu gesellen, zuzuhören, mitzusingen, Kontakt aufzunehmen.
Foto: Veranstalter
Do., 12. April, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 8,- Euro
DIE AUSSERIRDISCHEN
Doron Rabinovic liest aus seinem neuen Roman. Eine extraterrestrische Macht hat über Nacht die Erde erobert. Die Außerirdischen sind sanftmütig. Sie meiden scheu jeden Kontakt. Sie bringen Aufschwung und Frieden. Da ist nur ein kleiner Haken – sie bitten um Menschenopfer auf freiwilliger Basis. Überall werden Spiele ausgerichtet, um die Außerwählten zu bestimmen. Wer mitmacht, dem winken enorme finanzielle Vorteile. Doron Rabinovici, 1961 in Tel Aviv geboren, in Wien aufgewachsen, ist Schriftsteller und Historiker. In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems.
Do., 12. April, 20 Uhr, Bücherei Hohenems, Eintritt: 7,- Euro
DER LETZTE SCHRITT DER VERNUNFT
Von Sokrates bis ins 20. Jhdt. Matthias Jäger liest aus seinem Buch. Er geht der Frage nach, welche Personen und Ereignisse das kollektive Bewusstsein der Menschen Mittel- und Westeuropas geprägt haben. Die Zuhörerinnen und Zuhörer werden überrascht sein, wie selbstverständlich sie sich mit den vorgestellten Persönlichkeiten identifizieren werden. Musikalische Umrahmung: Klaus Peter (Saxophon). In Zusammenarbeit mit dem Kulturkreis und der Volkshochschule Hohenems.
#27 / April 2018
Fr., 13. April, 20 Uhr, Olgasaal der Taube in Alberschwende, Eintritt: 10,Euro
Sa., 14. April, 19:30 Uhr, Sonnenbergsaal Nüziders, Eintritt: 25,- Euro
MARIA BILL SINGT EDITH PIAF
CAFE FUERTE: HEIMTÜCKISCHER HEIMATABEND
Edith Piaf, der Spatz von Paris, ist so etwas wie die große Schwester für Maria Bill. Sie steht als Figur und mit ihren Liedern seit über 30 Jahren treu an ihrer Seite, begleitete sie in Konzertsäle und auf Theaterbühnen. Obwohl die Schweizer Sängerin Wert auf eine hörbar eigene Interpretation der Lieder legt, gleicht sie der Französin doch in der Leidenschaftlichkeit, im unermüdlichen Brennen für die Musik und das Publikum. Da sie die Piaf inzwischen fast so gut kennt wie sich selbst, erzählt sie den Zuschauern auf berührend emotionale Weise Anekdoten und biografische Details eines von Höhenflügen und tiefen Krisen geprägten Lebens und illustriert so die bekannten Chansons.
Ein Metzgermeister macht die Süddeutsche Zeitung für den Niedergang seiner Metzgerei verantwortlich, ein Bierbrauer opfert sein Leben für den perfekten Rasen und der heimtückische Schnee treibt einen Hotelier in den Wahnsinn. Ob daham oder dahoam, das Leben auf dem Land ist nicht mehr, was es mal war. Auch im Bregenzerwald. Treffsicher, überhöht und sprachlich präzise beschreibt Antonio Fian die österreichische Seele. Das Ganze servieren wir mit unerhörter Volksmusik. Wohl bekomms! Es spielen: Claudia Sutter und Tobias Fend. Inszenierung: Danielle Fend-Strahm. Musik: Florian Wagner.
Do., 12. und Di. 17. April, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 8,- Euro
SIEBZEHN
Queer-Filmreihe „Monja Arts mit dem Max Ophüls-Preis ausgezeichnetes, wildes, mildes Spielfilmdebut über lesbische und andere Lieben einer klugen wie verwegenen Schülerin und ihrer ganz normal wahnsinnigen Teenager-Clique erzählt mit genauem Blick, grandioser Jungbesetzung und viel Humor vom Aufwachsen am Land.“ (Filmladen Verleih). Österreich 2017, 104 min. In Zusammenarbeit mit Go West - Verein für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter*.
Fr., 13. April, 19 Uhr, Johanniterkirche Feldkirch, Eintritt: frei
STILLEKLANGRAUM
„OS“ – Ausstellung von Carol Wyss „OS“ – Ein Ur-Knochen, von dem wir abstammen. Der erste Knochen, der aus dem Himmel fiel. Dies zu kreieren oder heraus zu kristallisieren ist das Ziel von Carol Wyss. Der StilleKlangRaum ist eine spirituelle Begegnung und Unterbrechung – Gebet zwischen Musik, Raum, Kunst und Stille. Musik: Alfons Dünser (Flöte). Veranstalter: Katholische Kirche.
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GSTIS MITTA
JEDEN 1. MITTWOCH IM MONAT
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Dornbirn RUNDE 12:15-13:30
Feldkirch 19:00-21:00
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Veranstaltungskalender
So., 15. April, 11 bis 17 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: frei
FLOHMARKT IM FREUDENHAUS
An dem Flohmarkt können auch nicht professionelle Händler teilnehmen. Oft hat man für gute und liebgewordene Stücke keinen Platz mehr, und der Abschied davon fällt leichter, wenn man noch einen kleinen Erlös erzielen kann. Andererseits finden die Besucher im beheizten und bewirteten Freudenhaus vielleicht ein Schnäppchen. Anmeldungen und Infos für Aussteller: Nadine, Tel. 0664 2227933, Email: office@caravan.or.at
Mi., 18. April, 18 Uhr und Do., 19. April, 19:30 Uhr. Filmkulturklub im Cinema Dornbirn, Eintritt: 10,- Euro
THE SQUARE
Ruben Östlund entwirft in seinem mit der Goldenen Palme von Cannes und sechs europäischen Filmpreisen ausgezeichneten Spielfilm eine Versuchsanordnung, in der ethisches Handeln an den Grenzen zwischen Leben und Kunst versagt. Schweden/Deutschland/Frankreich/Dänemark 2017, 142 min, engl.-schwed.- dän. O.m.U.
Do. 19. und Di., 24. April,19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 8,- Euro
BEACH RATS
Queer-Filmreihe Der einzige Ort, an dem Frankie offen über seine Gefühle und sexuellen Wünsche sprechen kann, ist der anonyme Chatroom, in dem er nachts mit älteren schwulen Männern schreibt. Nach einigem Zögern beginnt er sich mit Leuten aus dem Netz zu treffen und wagt sich in die Cruising-Bereiche am Flussufer vor. Als seine Kumpels sein Geheimnis zu entdecken drohen, muss Frankie eine radikale Entscheidung treffen. USA 2016, 95 min, engl. O.m.U. In Zusammenarbeit mit Go West - Verein für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter*.
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Fr., 20 April, 19 Uhr, vorarlberg museum Bregenz, Eintritt: frei Foto: Veranstalter
So., 15. April, ab 16 und ab 18 Uhr, Kulturbühne AmBach Götzis, Eintritt: 15,- Euro
TREUER WIE FEUER & BRENDA FEUERLE IM HIMMEL
In einem „Feuer-Werk“ aus Schauspiel und Tanz, Artistik und Clownerie verkörpert Elke Maria Riedmann eine Figur, der es nicht leicht fällt, in der Realität zu bleiben. Eingepackt in eine gehörige Portion Humor hält sie den Zuschauern so den Spiegel des Lebens vor und lässt uns darin eigene Wunsch- und Lebensträume erkennen, mit denen wir dem Alltag zu entfliehen versuchen. Das Stück „Brenda Feuerle im Himmel“ ist die Fortsetzung des Riesenerfolgs von „Treuer wie Feuer“. Es sind sowohl Karten für die Einzelveranstaltungen erhältlich als auch eine Karte für beide Aufführungen. Infos: Elke Maria Riedmann, Tel. 0699 12699922.
NINA HORACZEK: JOURNALISMUS – GEGEN POPULISMUS?
Die Chefreporterin der Wiener Wochenzeitung „Falter“ setzt sich seit Jahren mit rechtsextremen Tendenzen in der österreichischen Politik auseinander. In ihrem Buch „Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung“ beschreibt Nina Horaczek die Strategien der Populisten, die Welt in „Wir“ und „Andere“ einzuteilen, Sündenböcke zu erfinden und Lügen für ihre Ziele einzusetzen. Zentrale Frage des Vortrags ist, ob und wie seriöser Journalismus dagegen ankommen kann.
Foto: Gerard Cardoso
Fr., 20., Sa., 21., Di., 24. bis Sa., 28. April, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: 30,- Euro
FREUDENHAUS REVUE
Zeitgenössisches Circustheater Internationale Varietékünstler, Jongleure, Akrobaten gestalten einen unterhaltsamen Abend. Nähere Infos: www.freudenhaus.or.at.
Sa., 21. April, 9 bis 16 Uhr, Bildungshaus Batschuns, Eintritt: freiwilliger Beitrag
AUSGEGRENZTE IN HEILENDER GEMEINSCHAFT
Impulstag mit dem Autor und Gründer der Emmausgesellschaft Karl Rottenschlager. Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Haftentlassenen, Obdachlosen, Gescheiterten und Flüchtlingen. Am Nachmittag: Vertiefung des Themas. Was bedeutet diese Erfahrung für mich im Alltag? Anmeldung zur Tagung und Mittagessen (Kosten: 15,50) bis 8. April bei Margit Pezzei pezzei.m@aon.at oder Tel. 05574 54474.
#27 / April 2018
Di., 24. April, 20:15 Uhr, Bücherei Hohenems, Eintritt: 7,- Euro
LIZZIE DORON: SWEET OCCUPATION
Die Schauspielerin Johanna Lansky liest aus Lizzie Dorons neuem Roman. Anschließend Lizzie Doron im Gespräch mit Hanno Loewy. Fünf Männer in der Mitte ihres Lebens: Feinde, Widersacher. Palästinenser, die die Juden töten wollten, und Israelis, die sich geweigert hatten, ihr Land zu verteidigen. Es ist ein ergreifendes Dokument über einst Radikale, die dem sinnlosen Hass eine Perspektive entgegensetzen: Worte sind stärker als Molotowcocktails, Handgranaten oder Steine. In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum.
Fr., 27. April, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 22,- Euro
Jeden 1. Freitag im Monat von 14 bis 17 Uhr. REPARATUR CAFÉ RANKWEIL
in der Werkstätte der Lebenshilfe, Köhlerstraße 14. Weitere Infos: Bürgerservice der Marktgemeinde Rankweil 05522 405 1125 oder buergerservice@rankweil.at
Jeden 1. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr. REPARATUR CAFÉ FELDKIRCH
in der Polytechnischen Schule, Hirschgraben 8. Weitere Infos: www.reparaturcafe-feldkirch.at.
NORBERT SCHNEIDER & BAND
Mit seiner Stimme, die drei Oktaven umfasst, und seiner halbakustischen Gibson-Gitarre schlägt Norbert Schneider zunächst eine Brücke zwischen verschiedenen Musikstilen wie Blues, Soul und Pop, inzwischen hat er die Palette noch erweitert und sammelt seine Sounds fast auf der ganzen Welt und ohne jegliche Berührungsängste ein. Norberts Vielschichtigkeit und Kreativität spiegelten sich immer auch in seinen zahlreichen musikalischen Projekten wider, deren Repertoire vom Swing über den R’n’B und Gospel bis hin zum Blues reichten.
Sa., 28. April, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 9,- Euro
POETRY SLAM – KAMPF DER DICHTER
Poetry Slam ist eine lebendige Literaturshow mit wenigen Regeln: 6 Minuten Redezeit, eigene Texte, außer Manuskript keine Hilfsmittel. Ansonsten ist erlaubt, was gefällt. Das Publikum klatscht, johlt oder buht – und bestimmt den Star des Abends. Anmeldung für SlammerInnen: poetryslam@spielboden.at oder an der Abendkasse bis 19:45 Uhr.
Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 MEDITATIONSGRUPPE
jeden Montag um 18.15 Uhr
FRAUENCAFÉ
jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen
SPORTNEIGUNGSGRUPPE
jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9
LITERATUR TANKSTELLE
jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr
NÄHWERKSTATT
jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 17 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!
HOCHPRIMA KINDER YOGA
REPAIR CAFÉ RHEINDELTA
In den geraden Kalenderwochen 14-tägig jeweils freitags von 14.00-18.00 Uhr in Höchst, Doktor-Schneider-Straße 40. Der nächste Termine: 6. April und 20. April. Das Team des Repair-Café Rheindelta würde sich freuen, wenn sich noch einige Personen melden, die ihre Hilfe für diesen guten Zweck anbieten möchten. Je mehr Helfer, umso größer das Angebot für Reparaturen. Kontakt: repaircafe.rheindelta@gmx.at
GROSSER BÜCHERFLOHMARKT
Fr., 6. bis Sa., 14. April, Stadtbücherei Bregenz. Eintritt: frei Stadtbücherei Bregenz, Gerberstraße 4, und in der Filiale Vorkloster, Rheinstraße 53. Öffnungszeiten Mo, Mi, Fr 10–12 Uhr und 14-18:30 Uhr. Di, Do, Sa 10–13 Uhr
VORARLBERG MUSEUM BREGENZ
Di., 10. April, 15 bis 16:30 Uhr Erzählcafe –Hund & Katz Der Umgang der Menschen mit Tieren hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Das gilt für Haustiere wie für die Nutztiere in der Landwirtschaft: Hunde nehmen auf dem Frisörstuhl Platz, Kühe erhalten Kraftfutter auf den Alpen, Hühner leben in Legebatterien. Wie haben Sie diese Entwicklung beobachtet? Welche Erlebnisse hatten Sie mit Haus- oder Wildtieren? Das Publikum ist am Wort! Jeden zweiten Dienstag im Monat. Eintritt: frei Do., 26. April, 12:15 Uhr. Konzert am Mittag – Märchenerzählungen Kammermusikwerke für Klarinette von Robert Schumann, Johannes Brahms, Gordon Jakob mit der Kammermusikklasse Francesco Negrini. Die musikalische Mittagspause im Museumscafé – mit Studierenden des Vorarlberger Landeskonservatoriums – jeweils zur Mittagsstunde am letzten Donnerstag im Monat. Eintritt: freiwillige Spenden
jeden Donnerstag, 15 bis 16 Uhr, ausgenommen Ferien und Feiertage
OFFENE SCHREIBWERKSTATT
jeden 1. Samstag im Monat, 9.30 bis 12 Uhr, Komm vorbei mit Papier, Stift und Freude am Schreiben
Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.
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