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marie 19 / Juli August 2017

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#19 / Juli-August 2017

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Mittendrin in V

Editorial

4-5 Bild des Monats 6-7 Alp-Geschichten Buchprojekt von Ursula Dünser und Daniela Alge 8-9 „Ich habe meine besten Bilder noch nicht gemalt“ Künstlerin Sigrid Hutter (49) kämpft gegen den Krebs 10-11 Alt, cool, nachhaltig: Vintage Mode Nina Himmelreich (23) empfiehlt Klamotten 13 Jedem Tier sein Plätzchen Tipps für eine naturnahe Gartenarbeit 14-15 Streiten, aber richtig! Eine Anleitung von Mediatorin Karin Anna Thissen 16 72 Jahre Ehe ohne Schrammen Irma und Josef Resch und das Geheimnis ihrer Liebe 18-19 Trösten, Putzen, Kinderkriegen Umfrage: Wann haben Sie zuletzt Gutes getan? 22-23 Sex unter Jugendlichen: Fall für den Staatsanwalt? Die gesetzlichen Grenzen und ihre Konsequenzen 24-26 Die Baderinnen vom Walsertal Wiederbelebung einer alten Badekultur 27 Vorarlberg-Quiz 28-29 Vom Leben mit Dingen Daniela Egger schreibt über ihren 19. Umzug 30-32 Der Rebell vom Rhi Walter Batruel: Ein Porträt zum 70er 33 Der unbemerkte Schattenplatz Aus der Serie „Die Widerständigen“ 34-35 Gemüseterroristen und Bratwurstverfechter Pauline Tagwerker nimmt die Moralisten aufs Korn 36-37 Vom guten Gefühl, das Richtige zu tun Von Nepal bis Lustenau: Helga Hagens Manufaktur 38 Rezept: Bunter Sommersalat 39 „Mein Traum ist es, anderen zu helfen“ marie-Verkäuferin Vera Ahima im Porträt

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gsi

40-41 42

Ein Lob dem Müßiggang Faulheit fand einst genausoviel Anerkennung wie Fleiß Erinnerungen von Herbert Knapp Das Bregenzer Hochwasser vom Juli 1955

falls Sie vorhaben, sich einen Sommerurlaub lang auf die faule Haut zu legen, tun Sie das mit Wonne und der Gewissheit, dass Sie sich als Faulpelz in bester Gesellschaft befinden! Ein Rückblick in die Geschichte zeigt, dass Faulheit einst genauso viel Anerkennung und Bewunderung fand wie Fleiß und Arbeit. Lesen Sie darüber in der Rubrik „Gsi“ (S. 40/41). Auch unsere Redaktion wird sich eine Zeit lang dem süßen Nichtstun widmen. Diese Sommer-Ausgabe ist eine Doppelnummer für Juli und August. Ein Hauch von sommerlichen Themen weht auch durch das Blatt: Wir erzählen von den Baderinnen im Großwalsertal, die die Badekultur im Lutzschwefelbad pflegen (S. 24-26), berichten über zwei Frauen, die ein Alp-Buch mit vielen Älpler-Geschichten herausgeben (S. 6/7), und verraten, welche Faszination für Blues-Legende Walter Batruel aus Hohenems vom Alten Rhein ausgeht. (S. 30-32). Besonders freuen wir uns, dass in dieser Ausgabe zwei junge Autorinnen für uns zur Feder gegriffen haben: Die bekannte Götzner Modebloggerin Nina Himmelreich (23) schreibt darüber, welche nachhaltig und fair produzierte Kleidung sie empfiehlt (S. 10/11). Pauline Tagwerker (18) aus Feldkirch, eine preigekrönte Nachwuchsautorin, hat sich die Moralisten unter den Fleischessern und Veganern vorgeknöpft (S. 34/35). Frisch erinnert hat sich unser 84-jähriger Gastautor Herbert Knapp in seinem Erlebnisbericht an die Hochwasserkatastrophe in Bregenz im Juli 1955, wo er als Feuerwehrmann im Einsatz war (S. 42). Ein dramatischer Schicksalsschlag ereilte die Künstlerin Sigrid Hutter (49). Die Feldkircherin ist im Sommer 2016 an Krebs erkrankt. Sie erzählt, wie sie mit Mut und Pinsel gegen die Krankheit ankämpft (S. 8/9). Außerdem berichten wir von einem Ehepaar aus Bregenz – er 93, sie 91 – mit einer beeindruckenden Lebens- und Liebesgeschichte (S. 16). Eine Psychotherapeutin gibt Tipps, wie man konstruktiv und lustvoll streitet (S. 14/15). Die nächste marie erscheint am 1. September. Wir wünschen Ihnen eine fröhlich-leichte Sommerzeit und viel Freude beim Lesen dieser Ausgabe! Herzlich, Elisabeth Willi, Redaktionsleiterin

Kultur 43-45 Veranstaltungskalender 46-47 Ein brisantes Stück Zeitgeschichte Der Fall Jägerstätter als Bühnenstück in Rankweil 48 Impressum

Kontaktieren Sie uns

marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo

Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

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Bild des Monats

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Die Gärtner vom Ardetzenberg Foto: Frank Andres

In traumhafter Hanglage, am Ardetzenberg in Feldkirch, wird seit fünf Jahren intensiv gegärtnert. Vorwiegend Menschen aus dem Suchtmilieu bewirtschaften die 2000 Quadratmeter große Gartenanlage. Das selbstangebaute Gemüse wird in der Küche des CaritasCafés in Feldkirch verarbeitet. Bis zu acht Personen arbeiten von April bis Oktober ein- bis zweimal pro Woche, jeweils für drei bis fünf Stunden, am Caritas-Projekt mit. Im Bild (von links): Slavko, Uwe, Werner, Sara-Lea, Projektbetreuer Werner Schöch und Krystof.


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Mittendrin in V

Der Zusammenhalt in der Älplerfamilie, die majestätische Natur, interessante Alpgesichter, die Einfachheit des Spielzeuges: Das und mehr wird in dem Buch zu sehen sein.

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ALP-GESCHICHTEN

Ursula Dünser (38) aus Götzis und Daniela Alge (42) aus Wangen besuchen diesen Sommer mehrere Vorarlberger Alpen. Sie arbeiten an einem Buch über Alpen, Älpler und deren Geschichten. In der Abgeschiedenheit wollen die Autorinnen auch Werte auffinden, die in unserer Gesellschaft verloren gehen. Text: Elisabeth Willi, Fotos: Ursula Dünser

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ander- und Gastronomieführer von Vorarlbergs Alpen gibt es einige. Bücher, die die Geschichten von Alpen und Älplern erzählen, hingegen nicht. Diese Lücke füllen nun die Fotografin Ursula Dünser (38) aus Götzis sowie die Bäuerin und Krimiautorin Daniela Alge (42), die aus Bizau stammt und seit mehreren Jahren bei Wangen im Allgäu lebt. Die beiden Freundinnen, die sich vor Jahren auf der Wochenstation kennengelernt haben, möchten mit ihrem Buch aber auch die Vielfalt der zirka 530 bewirtschafteten Vorarlberger Alpen aufzeigen. Ursula Dünser ist

überzeugt: „Jede einzelne Alpe hat eine besondere Geschichte zu erzählen.“ Die Geschichten, der von ihnen ausgewählten Alpen, geben die beiden in Wort – dies ist Danielas Part – und Bild weiter. Ausschließlich in Schwarz-Weiß-Fotografien. „Das ist langlebiger und macht die Bilder vom Charakter her stärker“, erklärt Fotografin Ursula Dünser. Eine Geschichte ist die von Emil Schwarzhans aus Bartholomäberg. Er geht seit 35 Jahren „z’Alp“, wie man hier sagt. Die letzten 18 Sommer lebte und arbeitete er alleine auf der Hütte der Alpe Fresch im Silbertal. Die Hochweiden dort wurden übrigens schon vor 5000 Jahren beweidet – und Emil Schwarzhans hat mit seinem

Instinkt und seiner Kenntnis der Gegend mitgeholfen, das zu belegen. Als Archäologen nach Zeugnissen aus der Bronzezeit forschten, fragten sie ihn, wo er immer Feuer mache und sich bei Schlechtwetter unterstelle. Genau an der Stelle fanden sie dann die Beweise. Eine andere Geschichte ist die der Familie Muxel aus Bizau. Sie bewirtschaftet die Mittlere Spitalsalpe im Kleinwalsertal. Kein richtiger Fahrweg führt dort hoch, Muxels fahren mit dem Quad auf und ab. Die paar Ziegen und Kühe, die hier gehalten werden, melkt Vater Jodok per Hand. Bei Regenwetter ist es feucht und kalt in der Hütte, und es kann sogar sein, dass ein Bächlein frisches Regenwasser durch


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Daniela Alge und Ursula Dünser bei ihrer Arbeit. Sie sind auf dem Weg zur Alpe Palüd im Brandnertal.

Foto: privat

Das wahre Leben

Ein bis zwei Tage sind Ursula Dünser und Daniela Alge jeweils auf einer Alpe. So bekommen sie die Morgen- und Abendstimmungen sowie den Tagesablauf der Älpler mit. Zeit investieren die beiden viel, denn das Buch ist ein Herzensprojekt für sie. „Wir möchten damit Werte vermitteln, die in unserer Gesellschaft langsam verloren gehen“, erklärt Ursula Dünser. Das sind Werte wie Achtsamkeit gegenüber der Natur und ein Leben mit ihr im Einklang. Die Älpler leben so, und ein Besuch auf einer Alpe könne auch andere dazu inspirieren, meint Ursula Dünser. Das Buchprojekt ist für die Fotografin eine tolle Gelegenheit, aus dem Alltag rauszukommen und auf der Alpe zu entschleunigen. Die Entschleunigung und das einfache Leben auf den Alpen faszinieren die Mutter von neunjährigen

Zwillingen. Sie hat an den porträtierten Älplern und sich selbst bemerkt: „Man entkommt dem Alltagsstrudel mit seiner ständigen Erreichbarkeit und dem gesellschaftlichen Druck, immer mehr und schneller zu tun. Im Tal besitzen die Menschen so viel, und dennoch geht es vielen nicht gut. Auf der Alpe hingegen sind sie – obwohl sie dort weniger haben – zufriedener.“ Das sieht Ursula Dünser auch an den Kindern: Beschäftigen sie sich im Tal oft mit Handy und Computer, vermissen

sie sie oben in den Bergen nicht. Natürlich gebe es auch weniger schöne Seiten am Alpleben; beispielsweise wenn es wochenlang regnet. Und man habe dort oben wie auch unten mal bessere und mal schlechtere Tage. Dennoch: „Auf den Alpen ist das wahre Leben“, sagt Ursula Dünser. HINWEIS: Die beiden Frauen suchen für ihr Buch eine Alpe ohne Strom und sind dankbar für Tipps. Telefon Ursula Dünser: 0650 2815118. /7

Tendzin Gyatsho, der 14. Dalai Lama trägt einen Waldviertler Phönix.

das stille Örtchen fließt. Die fünfköpfige Familie lebt und arbeitet dennoch liebend gerne auf der Alpe. An die 20 Alpen aus dem ganzen Land wollen Ursula Dünser und Daniela Alge porträtieren. Es werden Alpen sein, die von Familien geführt werden, von Einzelpersonen oder eine, die drei Brüder bewirtschaften. Es sind, wie Daniela Alge sagt, „echt lässige Älpler.“ Eine Ziegenalpe wird vorkommen, eventuell eine Pferdealp und vielleicht sogar eine ganz ursprüngliche Alpe ohne Sanitäranlagen und Strom. Inspiriert für ihr Projekt wurden die beiden durch einen Bildband über Höfe im Allgäu. Im vergangenen Sommer haben sie mit ihrer Arbeit begonnen und die ersten Alpen besucht. Heuer machen sie weiter. Geplant ist, das ungefähr 200 Seiten starke Buch im Frühjahr 2018 herauszubringen.

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Mittendrin in V

Sigrid Hutter will bald wieder ihre Leidenschaften – Motorräder und Kunst – pflegen: „Meine besten Bilder sind noch nicht gemalt.“ Aktuell stellt sie gemeinsam mit Alfred Hrdlicka und Tone Fink aus.

Mit Pinsel und Mut gegen den Krebs Die freischaffende Künstlerin und langjährige Kämpferin für die Rechte homosexueller Menschen im Ländle, Sigrid Hutter (49) aus Feldkirch, malt gegen ihre Krebserkrankung an.

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Text: Andrea Fritz-Pinggera Fotos: Petra Rainer

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Sigrid Hutter: „Ein Leben ohne Schmerzen ist der größte Wunsch“.

as Schicksal kam im Sommer 2016 auf leisen Sohlen. Anfangs freute sich die freiberufliche Künstlerin Sigrid Hutter aus Feldkirch über ihren locker werdenden Hosenbund. Der Schock sitzt tief, als am 11. August Krebs diagnostiziert wird. Ein mangogroßer Tumor ist um die linke Niere gewuchert. Metastasen haben sich bereits in Leber und Lunge eingenistet. Der Kampf beginnt. Kampfgeist zeigte Sigrid Hutter bereits am 10. Jänner 1968 mit ihrer Geburt: Acht ihrer möglichen Geschwister schafften es nicht auf die Welt – Sigrid blieb das erste und einzige Kind ihrer aus Kärnten stammenden Eltern. Gegen deren besondere Fürsorge wehrte sich der kreative Wildfang höchst außergewöhnlich. Als Karatekämpferin in Bewerben oder beim Motorradfahren. Eine frühe, sehr kurze Ehe beendet sie,

als sie feststellt, dass sie Frauen liebt. Ab 1990 ist sie künstlerisch tätig, bereits mit 25 Jahren macht sie sich als Textildesignerin selbständig. 1998 startet sie die beliebte Farbenfachhandlung „Der bunte Hund“ in Feldkirch, bis sie ab 2012 ausschließlich vom Verkauf ihrer Bilder lebt. Sie hatte Studien bei Anton Rabensteiner (Bildhauerei) und Hildegard Unterweger (Malerei, Akt) sowie Xenia Hausner (figurative Malerei, Portrait) unternommen, was ihre künstlerische Entwicklung vorantreibt. Sie malt Landschaftsbilder, Motorräder, ist erfolgreich mit großformatigen Frauenporträts, während ihre Akte und Darstellungen von Frauenliebe, Begehren und Sinnlichkeit immer wieder Skandälchen auslösen. Zahlreiche Ausstellungen folgen, Sammler kaufen Sigrid Hutters Werke in drei Galerien im deutschsprachigen Raum.

Dem Krebs eine runterhauen ...

Für die Feldkircherin beginnt durch die


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Konfrontation mit dem Tod eine intensive Reise gegen die Krankheit – beherzt, verzweifelt, mutig und voller Hoffnung, geknickt und dann wieder euphorisch. Der anfangs als inoperabel bezeichnete Tumor muss mit aller Kraft bekämpft, das heißt geschrumpft werden. Selbst konfessionslose Freunde beginnen für sie zu beten. Sie erhält Vorschläge für Energiearbeit, Indianertee, Heiler bis zur Lourdes-Fahrt. Sigrid Hutter hat keinerlei Verwandte mehr, keine Lebenspartnerin und stellt rasch fest, wie sich die Spreu vom Weizen trennt. Manche vorgebliche Freundin kann mit der Krankheit nicht umgehen und meldet sich nie wieder. Die Enttäuschung darüber sitzt tief. Die Künstlerin regelt ihren Nachlass, erhält Medikamente. Im September rasiert sie sich eine Glatze, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Sie malt ein Selbstporträt mit ihrem roten „Kampfkater“ Fabriano, der vor Jahren eine Krebserkrankung überstanden hat. Sigrid behält ihre Haare, sie wachsen grau nach. Sie selbst stellt ihre Ernährung auf eine ketogene Diät radikal um und isst völlig kohlehydratfrei und fühlt sich überraschend wohl. Die Immuntherapie zeigt nach Monaten erste Wirkung. Die Krebshilfe unterstützt mit Beratung, Freunde organisieren eine Ausstellung bestehender Bilder, damit die Künstlerin aus dem Bilderverkauf ein Einkommen hat. Selbständige haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Eine im Vorjahr freiwillig bei der SVA abgeschlossene Zusatzversicherung hilft nur für wenige Monate: Das Taggeld für Mindestbeitragszahler wird österreich-

weit mit Jänner 2017 überraschend von 29,46 Euro täglich auf 8,51 Euro gesenkt. „Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben“ erklärt Sigrid Hutter. Der Tumor schrumpft nicht, sie googelt ihre Krankheit, fällt in ein mentales Loch. Ein klärendes Gespräch mit dem Primar erleichtert und ernüchtert, die äußerst schwierige Operation wird auf Frühjahr 2017 angesetzt.

Eine geeichte Kämpferin

Die homosexuelle Szene im Land erinnert sich: Gegen den heftigen Widerstand des damaligen Dornbirner Bürgermeisters war Sigrid Hutter 1996 maßgeblich an der Abhaltung des „6. Lesben- und Schwulenforums“ im Martinspark beteiligt. Sie engagierte sich auch für feministische Zeichensetzungen. Für krass unterrepräsentierte Künstlerinnen initiierte Sigrid Hutter im Zuge von drei Feldkirch-Festivals (2002 bis 2004) Ausstellungen im öffentlichen Raum. Ihre ursprüngliche Wutenergie hatte die Malerin in fruchtbares und koordinierendes Schaffen verwandelt. Motorräder hingegen sind ein zentraler Schwerpunkt und neben der Kunst die große Leidenschaft ihres Lebens. Sie hat hunderttausende Motorradkilometer zurückgelegt. Anfangs auf Hondas und Yamahas, seit Mitte 30 mit der Ducati. Nach der Diagnose tauscht sie ihre Damen-BMW gegen eine leichte KTM. 144 Motorradgrafiken historischer Bikes hat sie in den vergangenen Jahren für den BMW-Konzern und den „Concorso d’Eleganza Villa d’Este“, einer Ausstellung für Oldtimer, gefertigt. Bei Fachsimpeleien mit Mechanikern und Mo-

torradfreunden vergisst Sigrid Hutter Zeit und Raum. Zu ihrem 40. Geburtstag hatte sich die Malerin beide Arme tätowieren lassen mit einem Zitat, das Michelangelo zugeschrieben wird: „Reiß aus der Glut mich und von ihr getrennt muss an des Lebens Bächen ich verderben. Ich nähr’ mich nur von dem was glüht und brennt und leb’ von dem, wovon die anderen sterben.“ Ärzte und Schwestern lesen den Satz vor der mehrstündigen Operation am 16. Mai dieses Jahres.

Neue Ausstellungen ihrer Werke

Der Tumor samt linker Niere, mehrere Lymphknoten und vernarbtes Gewebe werden entfernt. Nach einer überraschend guten Wundheilung darf die Künstlerin nach einer Woche heim. Inzwischen starten sowohl in der Artenne Nenzing wie im Künstlerhaus Weiz Ausstellungen mit Werken Hutters. Sie freut sich: Bei „Art on paper“ werden ihre Bilder neben jenen von Alfred Hrdlicka und Tone Fink gezeigt. Rasende Rückenschmerzen im Juni machen sie appetitlos und schwach. Eine Kontrolle ernüchtert: Nicht der Ischias, sondern Metastasen in den Knochen verursachen die Schmerzen. Die Immuntherapie muss so rasch wie möglich fortgesetzt werden. Sigrid Hutters Ziele sind klar: „Ich weiß, dass meine besten Bilder noch nicht gemalt sind. Und ich war noch nie mit dem Motorrad auf dem Stilfser Joch. Dafür kämpfe ich – auch mit Hilfe meiner Freundinnen.“ HINWEIS: Künstlerische Einblicke auf https://sigridhutter.jimdo.com/

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Alt, cool, nachhaltig: Vintage Mode Fair und nachhaltig produzierte Mode liegt im Trend. Es muss aber nicht immer Kleidung von Öko-Labels sein, erklärt die erfolgreiche Vorarlberger Modebloggerin Nina Himmelreich (23). Diese Kleidungsstücke werden nämlich neu hergestellt – und das, wo es doch so viel alte Mode zum Wiederverwenden gibt. Diese alten Klamotten – sprich Vintage Mode – sind für Nina Himmelreich die beste Möglichkeit, nachhaltige Kleidung zu kaufen. Darüber und wo es die coolste Vintage Mode gibt, hat die Modebloggerin für die marie einen Text geschrieben. Fotos: Rouven Stoll, Nina Kammerer

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ie Mode dreht sich bekanntlich im Kreise. Es gibt keinen Trend, der nicht früher oder später noch mal sein Comeback feiern konnte. Seien es die Blumenprints der 60er, die Schlaghosen der 70er, die Oversizejacken der 80er oder die Plateauschuhe der 90er – die Must-Haves von damals hängen auch heute wieder in den Geschäften. Warum also nicht auf Entdeckungstour gehen und die Originale ausgraben, anstatt billig produzierte Imitate der heutigen Massenproduktion zu kaufen? Ich trage mittlerweile täglich mindestens ein Vintage Kleidungsstück. Es sind genau diese Teile, die einen Stil

außergewöhnlich und individuell machen. Aber was genau ist eigentlich „Vintage“? Ganz allgemein gesagt geht es dabei um Dinge, die aus den 1920er bis 1980er Jahren stammen. Der Begriff ist weit gefächert und umfasst so gut wie alle Gegenstände, die in dieser Zeit produziert wurden oder ihre „Retro Optik“ nachahmen: Möbel und andere Einrichtungsgegenstände, Kameras und andere technische Gadgets, Musikinstrumente usw. Im Bezug auf die Mode beschreibt „Vintage“ ausschließlich originale Kleidungsstücke aus den zurückliegenden Jahrzehnten. Der Trend wurde bereits 2001 von Julia Roberts losgetreten, die zur Oscar-Verleihung in einem Kleid von Valentino aus der Kollektion des Jahres 1982 erschienen ist. Was ist es nun,


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Nina Himmelreich ist 23 Jahre alt, stammt aus Götzis, studiert Architektur in Wien und ist erfolgreiche Modebloggerin. Auf allen drei Bildern ist sie mit Vintage-Mode bekleidet.

das die alten Kleidungsstücke plötzlich so attraktiv auf uns wirken lässt? Ganz einfach: Vintage bedeutet absetzen vom Massentrend und der Massenproduktion. Vintage Stücke sind Einzelstücke, die heute so nicht mehr produziert werden. Die Qualität der Klamotten, die vor 1970 hergestellt wurden, ist um Welten besser, als die der aktuellen High Street Mode. Zum einen liegt das daran, dass ab den 70ern Polyester zur neuen Baumwolle wurde und zum anderen an der Massenproduktion, die plötzlich aufblühte und Klamotten, etwas überspitzt gesagt, zum Wegwerfprodukt machte. Früher wurde Kleidung in einer Qualität produziert, die eine möglichst lange Lebensdauer garantierte. Heute hingegen werden Klamotten in einer Qualität produziert, die einen möglichst billigen Preis erlaubt, so dass sie möglichst schnell wieder durch etwas Neues, Trendigeres ersetzt werden können. Quantität vor Qualität lautet das Motto der Wegschmeißmode. Wer seine Klamotten Secondhand kauft, wirkt genau dieser Tendenz entgegen.

Restklamotten werden verbrannt

Die Schnelllebigkeit der heutigen Modeindustrie hat natürlich auch ihre Folgen. Kleidung wird weltweit überproduziert. Alleine in Deutschland werden jährlich nur zirka 70 Prozent der produzierten Waren tatsächlich verkauft. Was noch erschreckender als diese Zahl selbst ist, ist was mit der Überschussware passiert. Um Imageschäden wegen nachweisbaren Fehlkalkulationen zu vermeiden, werden die Restklamotten von manchen Modemarken unbemerkt verbrannt oder auf andere Art und Weise vernichtet. Unter unserer Wegwerfgesellschaft leiden dabei vor allem TextilarbeiterInnen in Asien, die unter menschenunwürdigen Bedingungen Produkte herstellen. Zum Großteil werden diese Teile dann entweder ein- bis zweimal getragen, bevor sie irgendwo in der Ecke eines Kleiderschrankes landen, oder sie werden, wie bereits erwähnt, erst gar nicht verkauft. Auch was Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit angeht ist Second Hand Mode unschlagbar, denn Vintage ist Recycling. Wer einem alten Kleidungsstück neue Verwendung gibt, muss sich erstens kein neues Teil holen und bewahrt zweitens ein altes Teil vor der Tonne. Vor allem auf Reisen sollte man die Augen stets offen halten! Die besten Vintage Stücke habe ich definitiv im Ausland gefunden. New York, Amsterdam, London, Paris – hier ruhen

die wahren Schätze vergangener Zeit. Findet man solch einen Schatz, freut man sich mindestens drei mal mehr, als über ein Teil von der Stange. Außerdem macht die Jagd nach dem besten Vintage Fund einen Haufen Spaß. Auch hierzulande gibt es die eine oder andere Möglichkeit, an ein schönes Stück zu kommen. Mein Liebling unter den österreichischen Second Hand Boutiquen ist auf jeden Fall der Shop in der Burggasse 24 in Wien. Hier findet man sehr ausgewählte und ausgefallene Teile, die immer in sehr gutem Zustand sind. Ganz großer Tipp, vorbei schauen lohnt sich immer!

Wo es in Vorarlberg Vintage Mode gibt

In Vorarlberg ist die Auswahl leider etwas kleiner. Einen Insider-Tipp habe ich aber trotzdem: „Hätt i gern“ heißt der kleine Laden in der Kaiser-Franz-Josef-Straße in Hohenems, in dem man nicht nur Klamotten sondern auch Accessoires und vereinzelte Interior-Teile findet. Flohmärkte sind ebenfalls immer gute Anlaufstellen, um alte Kleidungsstücke zu finden. Wem die Auswahl offline nicht genügt, der kann beruhigt sein, denn auch Second-Hand-Online-Shops gibt es reichlich. „Dogdays of Summer“ wäre hier die österreichische Variante, geführt von zwei Mädels aus Graz. Eine internationale Seite, auf der man etliche Stunden mit Durchstöbern verbringen könnte, ist der Asos Marketplace. Hier gibt’s Stücke aus aller Welt zu finden und die Auswahl ist, wie bereits erwähnt, riesig! Apps wie „Kleiderkreisel“ oder „Shpock“ ermöglichen lokales Secondhand-Online-Shopping und bieten somit zusätzlich die Möglichkeit, sich die Kleidungsstücke vor Ort anzusehen. Abschließend eine nicht ganz unwichtige Frage: Ist Vintage Mode für die große oder die kleine Geldtasche? Sowohl als auch! Ein altes T-Shirt vom Flohmarkt, kostet ein paar Euro. Handelt es sich aber um ein altes Designerteil, das womöglich kaum mehr zu bekommen ist, kann es teuer werden. Unter Umständen sogar teurer, wie wenn man sich ein neues Designerteil kauft (zum Beispiel bei Vintage Chanel Taschen). HINWEIS: Mehr über Nina Himmelreich und ihre Mode gibt es auf ihrem Blog: www.ninahmml.com. Auf Instragram folgen ihr bereits 30.700 Follower unter @nhmml

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„ HILANDER“ BEI PROTON Die „Hilander“ (Chris&Wolfi) sind am 7. Juli um 15 Uhr zu Gast bei HansJürgen Holzer im Studio von Radio Proton in Dornbirn. Die beiden hatten ihre Karriere bei den Klostertalern begonnen, bevor sie eine eigene Band gegründet haben. Christian Torchiani war in den 80er- und 90erJahren Mitglied der Gruppe Bonnies. In der Sendung „Das offene Wort“ sind auch einige Live-Einlagen der Hilander vorgesehen.

GROSSZÜGIGE SPENDE FÜR DIE MARIE SchülerInnen und LehrerInnen des Sportgymnasiums Dornbirn haben im Rahmen der Weihnachtsfeier einen Teil der Einnahmen aus der Versteigerung für unser Straßenzeitungs-Projekt marie gespendet. Insgesamt kam dabei die stolze Summe von 600 Euro zusammen. Kürzlich fand die Scheckübergabe statt. Für diese großzügige Spende bedanken wir uns ganz herzlich! Im Bild: Josef Spiegel, Direktor des Sportgymnasiums (links) und marie-Redakteur Frank Andres. Foto: Wolfgang Berchtold

Kleinproduzenten zu Miteröffnung von Geschäft gesucht die Produktpalette reichen. Auf einer Onlineplattform haben alle Aussteller einen aktuellen Überblick über ihre verkauften Waren. „Talente“ und „Allmenda“ suchen nun zahlreiche Interessierte, die das Geschäft mit ihnen eröffnen. Diese können sich bis 15. Juli anmelden. Das Anmeldeformular dazu gibt es online, ebenso weitere Infos und Kontaktadressen. www.allmenda.com/content/wir-holendas-fachl-nach-dornbirn

Foto: Gernot Jochum-Müller Dieses Fachlgeschäft ist in Salzburg. Ab Oktober soll es auch eines in Dornbirn geben.

S C HAC H - R ÄT SE L Weiß zieht und gewinnt

Nicht einfach Weiß zieht und gewinnt

Lösung: 1. Tb7+! 1:0. Wegen 1. ... Txb7 2. Txc5+ Kb6 3. axb7! (Kramnik - Topalow, Russland 2005)

Nicht schwer

Einfach schwer Weiß zieht und gewinnt

Lösung: 1. Se5! 1:0. Die Doppeldrohung SxDc4 und Sf7+ entscheidet. Auf 1. fxSe5 folgt Dxe5 nebst matt. (Sasikiran - Ponomarjow, Spanien 2006)

Lösung: 1. Dg8+! Txg8 2. Sf7+ matt.

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Das Tauschnetzwerk „Talente“ und die Social Business Genossenschaft „Allmenda“ planen mit 1. Oktober in der Dornbirner Innenstadt die Eröffnung eines Fachgeschäfts für kleine und kleinste Produzenten. Dort können bis zu 300 Aussteller ihre selbstgefertigten Produkte anbieten. Von Apfelmus, Himbeergeist, Bildern, Filzpatschen bis zu Kindermode, von Kerzen, Keramik, Radtaschen, Schmuck, Wein, Ziegenkäse und vielem mehr soll


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Jedem Tier sein Plätzchen im Garten

Sommerzeit ist Gartenzeit, und wir freuen uns, wenn wir ungestört im Garten werken können, die Blumenpracht erblüht und das Gemüse fruchtet. Aber es kann passieren, dass so manche kleine Tierchen uns die Freude an der Gartenarbeit vergällen, weil sie fressen, was wir als das unsere betrachten. Wir haben es in unseren Augen mit einem „Schädling“ zu tun und wollen ihm zu Leibe rücken.

Florfliege

Text: Simone König, Fotos: www.pixaby.com

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orab gleich die gute Nachricht: Jedes Tier ist auf seine Art nützlich und dient als Nahrung für andere Tiere, das ist der ökologische Kreislauf, also gibt es streng genommen keine „Schädlinge“. Daher gilt es im eigenen (Natur-) Garten darauf zu achten, dass sich ein Gleichgewicht einspielt und die jeweiligen „Fressfeinde“ im Garten gute Behausung finden. Den meisten wohl bekannt ist, dass Marienkäfer und Florfliegen und vor allem deren Larven Blattläuse und Spinnmilben fressen. Manche Marienkäfer fressen sogar Mehltau und Schimmelpilze. Beide Arten lieben Wildblumen und wilde Ecken mit Brennnesseln. Zur Überwinterung brauchen sie Laubhaufen, abgestorbenes Gras oder Holzhohlräume, und sie bleiben gerne in der Nähe des Menschen – Marienkäfer in Doppelfenstern, Florfliegen in kühlen Dachböden. Eidechsen und Blindschleichen lieben die warmen Ecken im Garten, sonnige Steinhaufen und Mauern. Sie fressen In-

Igel

Distelfink

sekten, Asseln und teilweise Schnecken und deren Eier. Im Winter sind Spalten und Erdlöcher sowie Kompost-, Laubund Erdhaufen beliebte Quartiere. Ein Distelfink ist die Auszeichnung für den naturnahen Garten. Er wird auch Stieglitz genannt und ernährt sich von halbreifen und reifen Samen von Stauden, Wiesenpflanzen und Bäumen, zum Beispiel Ackerdistel, Gänsedistel, Kratzdistel und Karden, aber auch Hirtentäschelkraut, Ampfer, Wegerich, Mädesüß, Vogelmiere, Sonnenblume, Beifuß, Kornblume, Knöterich sowie Kieferzapfen und Birkensamen. Während der Brutzeit im April und Mai frisst er auch kleine Insekten, insbesondere Blattläuse. Immer wieder finden sich beim Umgraben Engerlinge und Larven. Es sind zumeist Käferlarven von Gartenlaubkäfern, Mai- und Junikäfern oder Dickmaulrüsslern. Durch Wurzelfraß richten sie erheblichen Schaden an, sogar im Rasen oder in der Wiese. Sie sind neben Schnecken und Würmern eine Leibspeise von Igeln und Spitzmäusen. Beide brauchen einen giftfreien Garten mit

Hecken und Sträuchern und am besten Barrierefreiheit hin zu den Nachbargärten, das vergrößert ihr Revier. Sie nisten und überwintern in Laub- und Komposthaufen. Nehmen die wurzelfressenden Störenfriede überhand, können gezielt Fadenwürmer eingesetzt werden. Diese parasitieren Engerlinge und Larven. Sie können über den Fachhandel bezogen werden und manche werden einfach mit dem Gießwasser ausgebracht. Nützlinge in Österreich bietet zum Beispiel die Firma biohelp www.biohelp.at. Und eine wichtige Tugend zeichnet Naturgärtnerinnen und Naturgärtner aus: Geduld und Gelassenheit. Nicht jeder Blattlausbefall wirkt vernichtend und nicht jedes Krankheitszeichen führt zum Tod der Pflanze. Oft muss sich nur das Wetter ändern und die Sache ist erledigt. HINWEIS: Mehr Infos und Kontakt: Netzwerk blühendes Vorarlberg, office@bodenseeakademie.at, Tel: 05572 33064, www.blühendes-vorarlberg.at

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Mittendrin in V

Gerade im Urlaub streiten Paare oft. Damit danach nicht ein Trümmerhaufen überbleibt, sondern beide aus dem Steit etwas mitnehmen können, sollten einige Regeln beachtet werden.

STREITEN, ABER RICHTIG! 14 /

Sommerzeit, Urlaubszeit. Doch gerade in der schönsten Zeit des Jahres fliegen oft die Fetzen. Vor allem zwischen Paaren. Streit an sich ist jedoch nicht schlecht. Denn dadurch werden Lösungen erzielt und Nähe gefördert. Damit der Streit aber nicht eskaliert, sondern lustvoll und konstruktiv wird, sollten gewisse Regeln eingehalten werden. Eine Anleitung für Paare von der Bregenzer Psychotherapeutin und Mediatorin Mag. Karin Anna Thissen.

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nterschiedliche Ansichten und Meinungsverschiedenheiten enden bei Paaren oft in zermürbenden Streitgesprächen, so genannten Einbahnstraßen. Jede(r) weiß mit der Zeit, was kommt, wenn er oder sie beim Partner/der Partnerin den roten Knopf drückt. Streit zwischen Paaren ist der Versuch, dem Anderen auf eine etwas hilflose Art seine eigene Welt verständlich zu machen und zudem eine sehr intensive offenherzige ehrliche Begegnung.

Wenn mir jemand nichts bedeutet, streite ich nicht mit ihm. Oft kreieren Paare Ersatzkonflikte, wie zum Beispiel die Diskussion um das Zudrehen der Zahnpastatube oder das Ausräumen des Geschirrspülers, um dem Partner unbewusst etwas zu transportieren, das sie sich nicht trauen offen anzusprechen, weil sie Angst haben, da-

durch der Beziehung zu schaden. Leider schaffen gerade diese Versuche Distanz zwischen den Partnern und der wahre Konflikt, dass sich zum Beispiel der eine Partner nicht unterstützt oder ernst genommen fühlt, bleibt auf der Strecke. Sich gegenseitig ehrlich zumuten, schafft mit der Zeit eine gewisse Individualität in der Beziehung zwischen den Partnern und damit Bindung, Vertrauen und Verständnis. Je nachdem, wie das Thema Streit in der Ursprungsfamilie gehandhabt wurde, kann es für die betreffende Person eine durchaus erlaubte und unter Umständen lustvolle Form der Klärung von Problemen sein. Oder auch sehr dramatisch, wenn jemand aus einer Familie kommt, in der Streiten nicht erlaubt war oder es Erfahrungen gibt, wo Familienmitglieder durch Streit getrennt wurden oder zu Schaden gekommen sind. Dies kann existentielle kindliche Grundgefühle wachrufen, die im Körper gespeichert sind. Somit können sich auch

kleine Streitigkeiten für die betreffende Person schon dramatisch anfühlen. Um Streit dennoch konstruktiv zu gestalten, ist es daher wichtig, dass die Partner voneinander wissen, was der Begriff „Streit“ für sie bedeutet. Ein Austausch über die Gewohnheiten diesbezüglich aus der Ursprungsfamilie kann die Welt des Anderen verständlicher machen und Nähe in der Beziehung fördern.

Grundsätzlich ist Streit ein Lösungsversuch und sollte auch als solcher gesehen werden. Dies kann verhindern, dass zwischen den Partnern das Gefühl entsteht, der Andere ist mir nicht mehr wohl gesonnen und sabotiert mich. Durch immer wiederkehrenden Streit kann das gegenseitige Vertrauen leiden. Dies zermürbt Paarbeziehungen im Laufe der Zeit und schafft Distanz.


#19 / Juli-August 2017

Mag. Karin Anna Thissen arbeitet seit 2003 als Familien- und Gruppenbegleiterin, seit 2005 als Mediatorin und Lebenssowie Sozialberaterin und seit 2009 als Psychologin und Psychotherapeutin. Ihre Praxis ist in Bregenz. Weitere Infos unter www.entwicklungswerkstatt-am-see.at

Das kleine „Einmaleins“ des Streitens kann hier Abhilfe schaffen. Gemeinsam vereinbarte Regeln können wesentlich dazu beitragen, dass das Paar ihren Streit lustvoll und konstruktiv gestalten kann. 1) Raum: Suchen Sie sich einen angenehmen Raum in der Wohnung, an dem Sie ungestört sind und sich wohl fühlen (nicht zu empfehlen sind hier das Schlafzimmer und der Esstisch). Dieser Raum kann als „Entwicklungsraum“ definiert werden. Somit bleiben alle anderen Räume der Wohnung frei von Streitgesprächen. 2) Zeit: Vereinbaren Sie eine gewisse Zeit, die genügend Raum bietet, schwierige Dinge in Ruhe zu besprechen, ohne den Anspruch, jedes Mal gleich eine Klärung herbei zu zaubern. Sollten Sie keine Lösung finden, vereinbaren Sie mit ihrem Partner einen neuen Termin. 3) Kommunikation: Wechseln Sie sich in der Redezeit ab und sprechen sie nicht länger als zwei bis drei Minuten am Stück. Während der Partner/die Partnerin redet, hört der Andere nur zu. Es ist hilfreich, wenn der jeweils zuhörende Partner seine Redezeit damit beginnt, dem Anderen mitzuteilen, was er verstanden hat und dann erst darauf eingeht, was er oder sie mitteilen möchte. Sprechen Sie in ICH-Botschaften, statt dem Partner die Welt zu erklären. Bleiben Sie in Kontakt mit ihrem Partner, indem sie zum Beispiel Augenkontakt halten während Sie sprechen. Kommen Sie vier Minuten vor dem Ende der vereinbarten Zeit zum

Schluss. So haben beide die Möglichkeit, noch einmal für sich zwei Minuten zusammen zu fassen, welches Ergebnis das Gespräch für sie erzielt hat. 4) Non-verbale Kommunikation: Gemeinsames Schweigen während eines Streitgesprächs kann helfen, die eigenen Gedanken und Gefühle zu ordnen und ist ein wesentlicher Teil der Kommunikation. Gestehen Sie sich diese Pausen gegenseitig zu und erkennen Sie an, dass sie unter Umständen ein unterschiedliches Tempo haben, gewisse Dinge einzuordnen. Paul Watzlawick pflegte zu sagen: „Wir können nicht nicht kommunizieren.“ 5) Sicherheit: Vereinbaren Sie ein Zeichen, das dem jeweils Anderen klar signalisiert, dass er oder sie eine Pause braucht, um wieder etwas Abstand zu gewinnen und zur Ruhe zu kommen. Hier kann es hilfreich sein, zwischendurch einmal aufzustehen und ein Glas Wasser zu trinken oder frische Luft zu schnappen mit der Übereinkunft, sich nach fünf bis zehn Minuten wieder im Entwicklungsraum einzufinden ohne Aufforderung. 6) Eigenverantwortung: Fragen Sie sich, welche Gefühle die Mitteilung des Anderen in Ihnen auslöst und teilen Sie ihm oder ihr dies offen mit. Grundsätzlich gilt hier: „Was trifft, trifft zu.“ Das heißt, wenn mich eine Aussage des Partners besonders betroffen macht und unkontrollierbare Gefühle in mir auslöst, hat er damit ein Thema getroffen, das MICH betrifft. Partner halten einem oft den Spiegel vor und

machen uns unbewusst aufmerksam auf wunde Punkte oder nicht gelebte Seiten. Fragen Sie sich, was kann oder macht er oder sie was ich nicht kann oder mich traue zu leben. Freuen Sie sich darüber, etwas von ihrem Partner lernen und nehmen zu können. Diese Vorgehensweise kann helfen, zum wahren Konflikt vorzustoßen, statt sich mit der Diskussion über Ersatzkonflikte in zermürbenden Diskussionen zu verlieren. Das Mitteilen von Gefühlen schafft Nähe und Empathie, Beschuldigungen schaffen Distanz und Unverständnis. 7) Intimität: Vereinbaren Sie, welche Themen in Ihrem „intimen Paarraum“ bleiben sollen und nicht mit Freunden, Eltern oder anderen Personen besprochen werden dürfen. Dies schafft einen sicheren Raum für eine partnerschaftliche Auseinandersetzung. 8) Miteinander weitergehen: Nehmen Sie sich vor dem bewussten Betreten des Entwicklungsraumes vor, was sie nach dem Gespräch machen möchten und bleiben Sie dabei, ganz egal, an welchem Punkt der Diskussion Sie in der vereinbarten Zeit angekommen sind. Dies hilft, sich nicht in belastenden Gefühlen zu verlieren und sie über den Tag oder die Nacht zu ziehen. HINWEIS: Literatur- und YoutubeTipps von Psychotherapeutin Mag. Karin Anna Thissen: „Streitpaare“ von Reinhardt Krätzig. Paul Watzlawick auf Youtube unter den Stichworten „Paul Watzlawick Wahrheit und Wirklichkeit“ sowie „Paul Watzlawick wie wirklich ist die Wirklichkeit“

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Mittendrin in V

72 Jahre Ehe ohne Schrammen Irma (91) und Josef (93) Resch aus Bregenz sind seit 72 Jahren verheiratet. Glücklich verheiratet. Wie sie es geschafft haben, dass ihre Ehe so lange gutgeht, erklärt das rüstige Paar der marie. Text: Elisabeth Willi Foto: Frank Andres

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s ist eine bemerkenswerte Liebesund Lebensgeschichte, die den 93-jährigen Josef Resch und seine 91-jährige Frau Irma aus Bregenz vereint. Kennengelernt haben sich die beiden nach Kriegsende am Wegesrand: er ein ehemaliger Wehrmachtssoldat, der von Hamburg in seine Heimat Hard ging, sie – eine Deutsche – auf der Flucht vor den Russen. Er nahm sie nach Vorarlberg mit, täglich legten die beiden 40 Kilometer zu Fuß zurück. Angekommen in Vorarlberg, wurde bald das Gesetz erlassen, dass alle Deutschen Österreich verlassen müssen. Also wurde im Dezember 1945 geheiratet, damit sie bleiben durfte. Sie war 17 Jahre alt, er 19. Nach dem Krieg gab es nichts, einen Nagel oder ein Stück Holz zu bekommen, war Schwerstarbeit. Dennoch schaffte es das junge Ehepaar, einen Dachboden als Wohnung auszubauen. Auch beruflich bauten sich die beiden gemeinsam aus dem Nichts viel auf: Erst waren sie im Import und Export mit Vorarlberger Waren tätig, dann übernahm Josef Resch die Generalvertretung der Weltkonzerne DLW und WMF in Österreich, und nebenbei baute das Ehepaar noch das Fünf-Sterne-Hotel Albona in Zürs auf. Dem beruflichen Erfolg entsprechend wohnen die beiden Senioren, die zwei Kinder und drei Enkeltöchter haben,

in einer stattlichen Villa am Bregenzer Ölrain. Josef Resch empfängt uns im adretten weißen Anzug mit roten Hosenträgern. Seine Frau Irma ist geschmackvoll geschminkt. Gesundheitlich geht es beiden recht gut, auch geistig wirken sie sehr fit. Der Hausherr begrüßt uns gleich ganz feierlich: „Wir sind seit 72 Jahren verheiratet, und haben keine Schrammen!“ In der langen Zeit gab es freilich den einen oder anderen Streit. Wie hat das Paar es denn gehandhabt, hat es Regeln fürs Streiten aufgestellt, wollen wir wissen. Sie: „Ja klar.“ Er: „Nein.“ Beide lachen. Irma Resch fährt fort: „Wir haben beruflich sehr viel zusammengearbeitet. Da hatten wir manchmal verschiedene Meinungen. Die haben wir ausdiskutiert. Aber nur in der Firma, nicht zuhause.“ Die beiden waren beruflich sehr eingespannt, zwölf- bis 14-Stunden-Tage normal. Erst, als er 75 und sie 73 Jahre alt war, traten sie in den Ruhestand. „Wir hatten kaum Zeit, uns privat zu streiten“, sagt der ehemalige Kaufmann. Wichtig sei immer gewesen – da ist sich das Ehepaar einig – dass beide kompromissbereit, tolerant und nicht nachtragend waren. Oft seien es Kleinigkeiten gewesen, über die gestritten wurde. Irma Resch erzählt: „Ich bin überpünktlich, und mein Mann kommt immer in letz-

Josef und Irma Resch. Kennengelernt haben sie sich am Wegesrand nach Kriegsende in Deutschland.

ter Minute. Das macht mich nervös, und ich schimpfe manchmal.“ Sogleich entgegnet ihr Ehemann schelmisch: „Ich bin aber nicht unpünktlich. Ich komme immer genau zur vereinbarten Zeit. Alles andere ist für mich Verschwendung von Zeit.“ Was sich liebt, das neckt sich, möchte man sagen. Sowieso streitet das Ehepaar in diesen Tagen kaum noch: „Wir genießen jeden Tag, den wir zu zweit verbringen können“, sagt Irma Resch. Was ist die Zauberformel für so eine lange und harmonische Ehe? „Wir haben sehr viel miteinander erlebt und durchgemacht. Das schweißt zusammen“, sagt er. Gemeinsame Interessen, Ziele und Auffassungen seien wichtig, meint sie. „Aber das Wichtigste in der Ehe ist die Liebe“, fügt Irma Resch hinzu.


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19-jährige Mutter lebt jetzt in Kuhstall in Rumänien

GLOCKENLÄUTEN GEGEN DEN HUNGER IN OSTAFRIKA

In der Juni-Ausgabe der marie berichteten wir über die Rumänin Lacramioara Danciu (19) und ihre einjährige Tochter Larissa. Damals standen sie kurz vor der Obdachlosigkeit, mittlerweile mussten sie die Wohnung räumen. Es ist ihrer Familie nicht gelungen, eine neue Unterkunft in Vorarlberg zu finden. Deshalb sind Lacramioara, ihr Mann und ihr Kind nach Rumänien zurückgekehrt, wo sie in einem Kuhstall leben. Lacramioaras Schwiegervater versucht weiterhin, in Vorarlbrg eine Arbeit und Wohnung zu finden. Gelänge dies, würden auch Lacramioara und ihre Tochter nach Vorarlberg zurückkehren.

Am 28. Juli, um 15 Uhr – der Sterbestunde von Jesus – werden in allen Pfarren Österreichs fünf Minuten lang die Kirchenglocken läuten. Das Läuten soll daran erinnern: alle zehn Sekunden stirbt weltweit ein Kind an Hunger. Außerdem soll es die Menschen zum Handeln aufrufen. Denn: „Das ist ein Sterben, das wir verhindern können“, sagt Bischof Benno Elbs. Aktuell sind in Ostafrika 20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Dramatisch ist die Situation in Kenia, wo die Menschen nur noch Dank der Hilfe von außen überleben. Anlässlich dieser Notsituation hat die österreichische Bischofskonferenz diese Glocken-Aktion gegen den Hunger beschlossen. Weitere Infos unter: www.caritas.at/hunger

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Mittendrin in V

TRÖSTEN, PUTZEN, KINDERKRIEGEN Wann haben Sie zuletzt eine gute Tat vollbracht? marie-Reporterin Christina Vaccaro hat sich auf Vorarlbergs Straßen umgehört.

(1) Wann haben Sie das letzte Mal etwas Gutes getan? (2) Was war das?

Andrea Eller, 37, Krankenschwester, Bludesch

Harry Scheffknecht, 63, Ladenbesitzer, Dornbirn

DIE FRAGEN (1) Vor zwei Tagen.

(1) Vor ein paar Tagen.

(2) Zwei junge Roma-Mütter kamen in meinen Laden, und ich habe ihnen Geld gegeben.

(2) Ich habe unser zweites Kind, Julian, zur Welt gebracht.

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Seda Akyildiz, 25, Jugendarbeiterin, Bregenz (1) Vor drei oder vier Monaten. (2) Ich habe einem Flüchtlingsjungen geholfen, seine Mutter zu kontaktieren. Er hat seine Familie seit fünf Jahren nicht gesehen.

Maren Schöpf, 36, Journalistin, Dornbirn

Stephanie Egg, 30, Studentin, Dornbirn (1) Ich versuche, jeden Tag etwas Gutes zu tun. So auch heute. (2) Ich habe ein gutes und langes Gespräch mit zwei Personen geführt, das ganz wichtig war – für sie als auch für mich.

Valerie Liebing, 30, Köchin, Lustenau (1) Ich glaube heute morgen. (2) Meine Kollegin war etwas krank, da haben wir ihr gesagt, sie soll sich heute mehr Zeit nehmen, und ich habe ihr einen guten Tee mit Ingwer und frischer Melisse gemacht.

Stefan Pfanner, 20, Einzelhändler, Schwarzach

Romana Gragl, 48, Büroleiterin, Nenzing

(1) Heute.

(1) Vor ein paar Wochen.

(1) Heute.

(2) Ein Lächeln für einen Menschen auf der Straße, der ganz grimmig geschaut hat. Ich habe ihn angelächelt, und er hat dann auch angefangen zu strahlen. Es ist eines meiner großen Prinzipien, Freundlichkeit weiterzugeben.

(2) Ein Mann im Rollstuhl kam nicht über die Busrampe. Alle haben nur blöd zugesehen. Ich habe ihm geholfen, in den Bus zu steigen.

(2) Ich habe meiner Kollegin geholfen, das Buffet für die Teamsitzung herzurichten. Darüber war sie sehr erleichtert, da sie schnell in Stress gerät, wenn sie das alleine machen muss.


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Julian Hammer, 19, Zivildiener (Caritas Flüchtlingshilfe), Gaschurn

Ramona Fürst, 23, Tierarztassistentin, Nüziders

Helmut Slappnig, 56, Stadtpolizist, Dornbirn

(1) Letzte Woche.

(1) Am Freitag.

(1) Letztes Wochenende.

(2) Mir fiel ein Mann auf der Straße auf, der immer wieder in den Verkehr gestolpert ist und stark betrunken war. Ich habe ihn mitgenommen und heimgeführt, um ihn sicher zu Hause zu wissen.

(2) Ich habe einem Freund für sein Geburtstagsfest meine Anlagen ausgeliehen, sie aufgebaut und am nächsten Tag wieder abgebaut und abgeholt.

(2) Bei einem Fußballspiel ist ein körperlich schwerbehinderter Kollege alleine mit seinem Rollator herumgelaufen und niemand hat ihn beachtet. Ich habe mich um ihn gekümmert und etwas mit ihm getrunken.

Jacqueline Kert, 25, Wirtin, St. Gallen

Monika Ellensohn, 60, Pensionistin, Göfis

Sebastian Lenz, 26, Student, Weiler

(1) Heute morgen im Zug.

(1) Heute Vormittag.

(1) Heute Mittag.

(2) Ein kleines Kind fiel vom Sitz, und ich habe es wieder hinaufgesetzt.

(2) Ich habe vor dem Spar in Rankweil die marie gekauft.

(2) Ich habe rein Pflanzliches gegessen, um gegen die Tierausbeutung zu protestieren. Ich lebe seit 2010 vegan.

Belinda Postl, 49, Mentorin für Persönlichkeitsbildung, Feldkirch

Matthias Szalay, 31, Palliativarzt, Dornbirn (1) Am vergangenen Sonntag.

(1) Vor einem Monat.

(2) In meinem Dienst im Krankenhaus habe ich einer Angehörigen eines Patienten, der bald sterben wird, Trost und Zuversicht spenden können.

(2) Ich habe einem neuen Eigentümer, der bei uns im Haus eingezogen ist, angeboten, das Treppenhaus zu putzen, damit er sich in Ruhe auf das Einziehen konzentrieren kann.

Stefan Magdic, 48, Musterbauer, Dornbirn (1) Während der letzten Monate immer wieder. (2) Ich habe eine Kollegin unterstützt, die psychische Probleme hat. Bis heute habe ich immer wieder Gespräche mit ihr geführt.

Gyula Horváth, 38, Softwareentwicklung, Dornbirn

Alexander Rederer, 37, Zahnarzt, Feldkirch

Renato Dorizzi, 57, Naturcoach, Oberriet (CH)

(1) Letzte Woche.

(1) Jetzt.

(1) Vor drei Minuten.

(2) Ich habe einer älteren Frau, die gestolpert war, wieder aufgeholfen und ihre Einkäufe zusammengesammelt.

(2) Ich habe mich bereit erklärt, an dieser Umfrage teilzunehmen – für mich ist es eine gute Tat, wenn ich etwas tun kann, das Anderen Freude macht.

(2) Ich habe für einen Verein Fenster geputzt.

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Wieviel Kontrolle tut uns gut? Schneiden wir uns schon ins eigene Fleisch? 20 /

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Die Botschaft von Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, ist aktueller denn je. In den letzten Jahren lässt sich ein stetiger Ausbau der staatlichen Kontroll- und Überwachungsmechanismen beobachten. Gleichzeitig werden europaweit Menschen- und Bürgerrechte eingeschränkt. Alles zum Schutze der Bevölkerung. Doch welche Gefahren bringen diese Entwicklungen mit sich? Ich mache mir Sorgen. Wenn Ihnen die Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates am Herzen liegen, sollten Sie sich auch Sorgen machen. Ist Ihnen schon aufgefallen, wie seit ein paar Jahren – meist unter dem Vorwand der Sicherheit – über Jahrhunderte erkämpfte Freiheiten sowie Menschenund Bürgerrechte wenig reflektiert zur Disposition gestellt werden? Nicht nur in Ungarn oder Polen, auch bei uns in Österreich. Die Versuchung scheint vor allem in herausfordernden Zeiten bei Regierenden groß zu sein, Rechte und Freiheiten umzuinterpretieren und aus einer tagespolitischen „Notwendigkeit“ heraus einzuschränken. Ein im demokratischen Prozess erforderlicher Diskurs findet dabei meist nicht, selten noch verkürzt, statt. Gerade in Krisenzeiten sollten sich jedoch Freiheits- und Menschenrechte bewähren, dort zeigt sich die Stabilität und Sicherheit unserer Rechtsordnung. Es ist ein alter Hut, dass unter dem Deckmantel des Schutzes der BevölkeBezahlte Anzeige

rung einerseits bürgerliche Freiheiten eingeschränkt und andererseits Kontroll- und Überwachungsmechanismen ausgebaut werden. Die Anwendung dieses Prinzips ermöglichte den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren eine schnelle und umfassende Machtübernahme. So hob die 1933 verabschiedete Notstandsverordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat über Nacht nahezu alle Grundrechte der eigenen Bevölkerung auf. An diesem Punkt sind wir Gott sei Dank noch nicht angelangt. Aber die derzeit scheibchenweise Einschränkung der bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechte ist in der Gesamtschau besorgniserregend, da sie gehäuft auftritt und ein systematisches Eingreifen erkennen lässt (siehe Infobox). Als Bürger müssen wir aufpassen, dass wir uns blind vor Angst nicht ins eigene Fleisch schneiden. Der einige Jahre zurückliegende Wiener Neustädter Tierschützerprozess ist ein Beispiel dafür, wie ein Gesetz zur Verfolgung organisierter Kriminalität

Nähern wir uns auf erschreckende Weise George Orwells Dystopie, dem Gegenteil einer positiven Utopie, die Antiutopie eines totalitären Überwachungsstaates, dargestellt in seinem bekannten Roman „1984“.


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Aktuelle Entwicklungen in Österreich, die Menschen- und Bürgerrechte einschränken: neue Überwachungsbefugnisse für das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (Staatsschutzgesetz): systematische Überwachung etwa von Verkehrsund Standortdaten ohne richterliche Genehmigung, Weitergabemöglichkeit der Daten an ausländische Geheimdienste, „vorbeugender Schutz“ durch Überwachung. Der Miteinbezug von niederschwelligen Delikten könnte zur vorbeugenden Überwachung etwa von Fußballfans oder im Zusammenhang mit ideologisch oder religiös motivierten Wirtshausraufereien führen anstatt von Staatsgefährdern oder Terroristen. n Notverordnung im Zusammenhang mit Asyl und Flüchtlingen; die dorn

gegen zivilgesellschaftliches Engagement eingesetzt werden kann. Die damalige Vorgehensweise und die Haltung der Tierschützer kann durchaus kritisiert werden. Dennoch ist es äußerst bedenklich, wenn ein Gesetz, das zur Bekämpfung krimineller Organisationen geschaffen wurde, auf einen Verein bzw. eine systemkritische Nichtregierungsorganisation angewendet wird. Wir müssen achtsam sein. Wenn die regierenden Politiker partikulare Interessen über die Wahrung der Menschen- und Bürgerrechte stellen, dann steigt die Gefahr der Unterdrückung einzelner Menschen und Organisationen. Als Bürger müssen wir aufpassen, dass wir aus einer falschen Angst heraus ein repressives System heraufbeschwören. Um mit Benjamin Franklin zu sprechen: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Wer schluckt d‘Krot? Die Mehrheit! Ob uns mehr Kontrolle letztlich auch mehr Sicherheit gibt ist fraglich. Eines ist aber klar: Eine Zunahme an staatlichen Kontroll- und Überwachungsmechanismen ermöglicht größere Beeinflussung und Lenkung des

tigen Befugnisse könnten mit dem Argument des Sicherheitsrisikos das Asylrecht aushebeln. n Pläne zur Einschränkung des Versammlungsrechts: Ausdehnung der Anzeigefrist, Haftbarmachung von Versammlungsleitern für Schäden, Einschränkungen bei Geschäftsinteressen etc. n Eingriffe in den Datenschutz und die Privatsphäre: z.B. Vorratsdatenspeicherung, Abschied vom Bankgeheimnis. n weitere Pläne gibt es vor allem beim Thema abstrakter Gefährder, also Menschen die keine Straftat begangen haben, denen aber bereits vorsorglich Grundrechte vorenthalten oder genommen werden sollen.

Einzelnen. Allein das Wissen um die Möglichkeit der ständigen Beobachtung (Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen, GPS-Ortung, elektronische Online-Durchsuchungen, Lauschangriffe etc.) prägt unser Verhalten in Richtung sozialer Konformität. Das Perfide darin ist, dass äußere Machtverhältnisse letztlich verinnerlicht werden. Unser Vertrauen in die Staatsmacht wird ausgenutzt. Wir wollen loyal sein und „schlucken die Krot“, ist halt so ... wir passen uns an, wollen ja nicht unangenehm auffallen. Der von oben verordnete Zwang wird so zum Selbstzwang. Der Bürger muss nicht mehr kontrolliert werden, da er sich selbst kontrolliert. Damit nähern wir uns auf erschreckende Weise George Orwells Dystopie, dem Gegenteil einer positiven Utopie, die Antiutopie eines totalitären Überwachungsstaates, dargestellt in seinem bekannten Roman „1984“. Ob wir so eine Welt Realität werden lassen, liegt letztlich bei uns. Denn „Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten“ (Albert Camus). Wenn uns Menschen- und Bürgerrechte ein Anliegen sind, müssen wir uns dafür einsetzen!

Bild: Shutterstock Big Brother is watching you! Welche Gefahren birgt die Zunahme staatlicher Überwachungsund Kontrollmechanismen?

Die Weitblick Autoren Frederick Lins, Geschäftsführer diplomierter Jurist, Wirtschaftsjurist und Kanonist; Unternehmer in Feldkirch und Mainz; verschiedene Managementfunktionen und IT-Projekte im gemeinnützigen und Sportbereich. Daniel Scheyer, Projektmanagement Klinischer & Gesundheitspsychologe; Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision, in eigener Praxis tätig; Forschungsschwerpunkte: Gesundheitsförderung im Kindes& Jugendalter, Achtsamkeit im psychosozialen Kontext, Psychotraumatologie.

mitweitblick gesellschaft bewegen www.mitweitblick.org

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Mittendrin in V

Sex unter Jugendlichen – ein Fall für den Staatsanwalt? Leonie wird im Herbst 14 Jahre alt. Ihr Freund Paul ist schon 17. Sie dürfen sich von Gesetzes wegen küssen und Petting machen. Aber miteinander schlafen wäre verboten. Dann würde sich Paul strafbar machen. Text und Foto: Gernot Hämmerle

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rst kürzlich wurde am Landesgericht Feldkirch ein 19-jähriger Oberländer verurteilt, weil er mit einer 13-jährigen Geschlechtsverkehr hatte. Zwar (angeblich) einvernehmlich, aber auch das ist eben verboten, wenn die Geschlechtspartnerin jünger als 14 ist. Fälle wie diese sind laut Wilfried Siegele, leitender Staatsanwalt am Landesgericht Feldkirch, vor Gericht eher selten. Tatsache ist, dass Jugendliche heutzutage tendenziell früher Sex haben als noch vor ein paar Jahrzehnten. Mädchen erlangen – auch das ist wissenschaftlich erwiesen – früher die Geschlechtsreife. Die Gesetzeslage wurde vor rund zehn Jahren angepasst. Demnach sind grundsätzlich alle sexuellen Kontakte mit Kindern, die unter 14 Jahre alt sind, verboten. Um erste sexuelle Erfahrungen unter Jugendlichen nicht zu kriminalisieren, gibt es die Alterstoleranz-Klausel. Zusammengefasst besagt diese: Geschlechtsverkehr ist straffrei, wenn sie mindestens 13 Jahre alt ist und er nicht mehr als drei Jahre älter als sie.

Kein Ermessensspielraum

Was hält die Staatsanwaltschaft von dieser Gesetzeslage? Wilfried Siegele: „Ich möchte die Gesetzeslage nicht kommentieren. Für die Staatsanwaltschaft ist ohnehin klar: Wenn uns ein Fall zu Ohren kommt, bei dem eine Unter-14-Jährige oder gar eine Unter-13-Jährige Geschlechtsverkehr mit einem Älteren gehabt haben soll und daher eine Straftat vorliegen könnte, dann müssen wir ermitteln. Denn das wäre ein Offizialdelikt. Da gibt es keinen Ermessensspielraum.“ Brigitte Loderbauer, Leiterin der Oberstaatsanwaltschaft Innsbruck hingegen macht keinen Hehl daraus, dass ihr die Gesetze zu wenig streng sind. Des Öfteren erwähnte sie bei öffentlichen Veranstaltungen, dass sie die Alterstoleranz-Klausel, also die Drei-Jahres-Grenze, gerne abgeschafft sähe. Würde bedeuten: ein 15-jähriger würde sich zum Beispiel strafbar machen, wenn er einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit seiner noch nicht ganz 14-jährigen Freundin hätte. Von dieser Sichtweise hält Klaus Schwaighofer, Strafrechtsexperte an der Universität Innsbruck wenig: „Ich halte die derzeitige Gesetzeslage für vernünftig.“

Auch der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch hält diesbezüglich nichts von schärferen Gesetzen. „Bei Sex zwischen Jugendlichen geht es in erster Linie um Vertrauen. Niemals sollte Druck oder gar Zwang mit im Spiel sein. Geänderte Altersregelungen bringen da nicht viel. Was nützt es, wenn die Alterstoleranz-Klausel fällt und wir dann jedes Jahr ein paar zusätzliche Strafverfahren haben?“ Für Michael Rauch ist klar, dass gesetzlich festgelegte Altersgrenzen (wie auch beim Führerschein oder bei Alkohol) immer nur ein Näherungswert sein können, der nie für alle gleichermaßen passen kann. Rauch: „Wir haben 14-jährige, die sind wie 14-jährige. Wir haben 14-jährige, die sind wie 16-Jährige. Und wir haben 14-jährige, die sind wie 12-Jährige. Das heißt: Wir werden nicht ein Alter fixieren können, das auf alle Jugendlichen gleichermaßen zutrifft. Mit der jetzigen Gesetzeslage kann ich daher gut mit.“

Verantwortung beim Älteren

Zurück zur oben angesprochenen Beziehung zwischen Leonie (13) und Paul (17). Dass ein knapp 14-jähriges Mädchen einen 17-jährigen Freund hat, ist heutzutage nicht mehr ganz außergewöhnlich. Um junge Paare wie diese nicht von vorneherein zu kriminalisieren, gibt es die Vier-Jahres-Klausel. Diese besagt: Küssen und Petting sind straffrei, wenn der Altersunterschied weniger als vier Jahre beträgt. Bei Geschlechtsverkehr gilt die Drei-Jahres-Klausel. Bei Leonie und Paul wäre Geschlechtsverkehr also verboten. Michael Rauch: „Es ist ganz klar, dass die Verantwortung beim jeweils Älteren liegt. Der Ältere macht sich strafbar, niemals der oder die Jüngere. Da kann man sich dann auch nicht darauf hinaus reden, dass die Jüngere eh schon wie 15 ausschaut. Da muss es eben eindeutige gesetzliche Regelungen geben.“ Die Praxis zeigt, dass es relativ selten zu Anzeigen kommt, wenn die Beziehung einvernehmlich ist. Laut Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch gibt es bei ihm im Büro jeden Monat zwei bis drei Anfragen, bei denen es um Altersgrenzen bei Geschlechtsverkehr mit Jugendlichen geht. Meist wollen jugendliche Burschen wissen, ob sie legal Geschlechtsverkehr mit ihrer jüngeren Freundin haben dürfen. Die Gesetze sehen neben


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Einvernehmliche sexuelle Kontakte sind erlaubt, wenn beide Partner über 14 Jahre alt sind. Das gilt auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen.

Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch

der Alterstoleranz-Klausel noch weitere Ausnahmen vor. So ist beispielsweise auch Geschlechtsverkehr mit Unter-16-jährigen verboten, wenn diese „noch nicht reif genug sind, die Bedeutung des Vorganges einzusehen“. Oder die Ausnützung eines Autoritätsverhältnisses. „Das alles macht es nicht einfach, Jugendlichen die gesetzliche Lage zu erklären“, gibt Michael Rauch unumwunden zu. Dennoch gehört das zu den Zielen der Kinder- und Jugendanwaltschaft, wenn Mitglieder seines Teams regelmäßig in Schulen gehen und über Kinder- und Jugendrechte aufklären. Mehr als 4000 Schüler pro Jahr. Eines ist ihm dabei aber besonders wichtig: „Es soll nie die Botschaft rüber kommen: Jetzt bist du 14, jetzt darfst du Geschlechtsverkehr haben, also auf geht‘s. Wenn es um Sexualität geht, sollen Jugendliche immer auf sich selber hören, sich keinesfalls unter Druck setzen lassen, nur weil zum Beispiel andere Gleichaltrige schon Geschlechtsverkehr hatten.“

Nackt-Selfies und Internet-Pornos

Ein Mittelschul-Lehrer aus dem Unterland, der nicht namentlich genannt werden möchte, verweist im Gespräch mit der marie auf eine relativ neuartige Problematik bei Unter-14-Jährigen: „Es kommt immer wieder vor, dass vor allem junge Mädchen dem Freund zuliebe Nackt-Fotos von sich selber machen und ihm dann per Smartphone, zum Beispiel per WhatsApp, schicken. Wenn dann die Beziehung vorbei ist, finden es junge Burschen mitunter cool, wenn sie diese Fotos an andere verschicken.“ Das sei schon öfters vorgekommen. Fälle wie diese wird man kaum mit gesetzlichen Regelungen verhindern können, da kommt die Eigenverantwortung ins Spiel. Kopfzerbrechen bereitet Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch auch, dass zunehmend bereits Zehnjährige problemlos Zugang zu Internet-Pornografie haben. Dieses Problem sei aber mit Gesetzen auf Landes- oder Bundesebene nicht zu lösen. Und welchen Ratschlag kann Michael Rauch Jugendlichen bezüglich Sexualität mit auf den Weg geben? „Egal wie, wann, in welcher Form und mit wem Du Sexualität erleben möchtest: Es ist ganz allein Deine Entscheidung. Du entscheidest über den für dich richtigen Zeitpunkt und darüber, mit wem du sexuelle Erfahrungen machen möchtest.“

Folgende sexuelle Kontakte sind immer strafbar: • Alle sexuellen Kontakte zwischen Eltern, sonstigen nahen Verwandten und ihren Kindern/Stiefkindern sind verboten. Eine sexuelle Beziehung ist nicht erlaubt, wenn ein Autoritätsverhältnis ausgenutzt wird. Bei Ausnützung einer Zwangslage (zum Beispiel Drogenabhängigkeit, Wohnungslosigkeit) sind sexuelle Kontakte mit Minderjährigen strafbar. Verboten sind auch sexuelle Kontakte mit Jugendlichen unter 18 Jahren, wenn sie gegen Bezahlung erfolgen. • Grundsätzlich sind alle sexuellen Kontakte mit Kindern, die unter 14 Jahre alt sind, verboten. Diese Altersgrenze betrifft sowohl Mädchen als auch Burschen. Dieses Verbot gilt jedoch immer für die ältere, schon über 14-jährige Person. • Um erste sexuelle Erfahrungen unter Jugendlichen nicht zu kriminalisieren, sieht das Gesetz Ausnahmen vor. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich bei sexuellen Kontakten um Geschlechtsverkehr oder um andere Formen der Sexualität, wie zum Beispiel Petting, handelt. • Du bist mindestens 13 Jahre alt und dein Freund/ deine Freundin ist nicht mehr als drei Jahre älter als du. Dann dürft ihr laut Gesetz miteinander schlafen. Laura (13) und Leon (16) = erlaubt Sara (12) und Lukas (15) = nicht erlaubt • Du bist mindestens 12 Jahre alt und der Altersunterschied zu deinem Freund/deiner Freundin ist nicht größer als vier Jahre. In diesem Fall sind sexuelle Handlungen wie zum Beispiel Kuscheln, Küssen, Petting erlaubt, nicht jedoch Geschlechtsverkehr! Maria (12) und Julian (16) = erlaubt Anna (11) und Simon (15) = nicht erlaubt Wenn du unangenehme Erlebnisse hattest, sprich mit einer Person deines Vertrauens darüber oder wende dich an eine Beratungsstelle, wie die Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija). Deren Beratungsangebot ist vertraulich, anonym und kostenlos! (Auszüge aus der Broschüre „Liebe und Sexualität“ der Kinder- und Jugendanwaltschaft Vorarlberg) Kinder- und Jugendanwaltschaft Vorarlberg Schießstätte 12 (Ganahl-Areal), Feldkirch 05522 84 900 oder 05574 511 923270 kija@vorarlberg.at Öffnungszeiten: Mo bis Do von 8.30 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr, Fr von 8.30 bis 12 Uhr. Termine bitte telefonisch vereinbaren

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Mittendrin in V

DIE BADERINNEN VOM WALSERTAL Zwischen tosender Lutz und rauem Gestein, in einer Talsohle unterhalb der Großwalsertaler Ortschaft Buchboden, lädt das Lutzschwefelbad zu Badekultur inmitten freier Natur. Zum Spiel mit den Elementen und zum Verzicht auf jeglichen Wellness-Schnickschnack.

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Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Frank Andres

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eilquellen – ein weitgehend verloren gegangener Schatz unseres Ländles – erfreuten sich früher großer Beliebtheit. Von Vorarlbergs historischer Badekultur erzählen Orte wie Bad Laterns, Bad Reuthe, Bad Kehlegg, das Rossbad in Krumbach, Bad Rothenbrunnen und viele mehr. Meist handelt es sich um Heilquellen mit schwefeloder eisenhaltigem Wasser, die sich der Mensch für Heilbadeanwendungen in sogenannten Badestuben zunutze gemacht hat. Der Beruf des Baders war vor allem im Mittelalter bekannt: Der Betreiber einer Badestube galt als „Arzt der kleinen Leute“ und genoss nicht immer einen zweifelsfreien Ruf. Neben seinem Badebetrieb bot er auch Dienstleistungen wie den Aderlass und kosmetische Behandlungen an. Kämmen und Sche-

ren beispielsweise oder auch das Befreien von Flohbefall. Schon damals dienten die Badestuben jedoch nicht allein der Hygiene und den Heil­anwendungen, sie waren auch soziale Treffpunkte. Zeitgenössisch übersetzt hat die Idee hinter dem Beruf des Baders der Verein Wassertal. Mit viel Liebe zur Natur wird in Szene gesetzt, was diese zu bieten hat: Wasser in mehreren Qualitäten, Holz als Wärmelieferant, frische Luft zum Durchatmen und als Herzstück eine Schwefelquelle, die über Heilkräfte verfügt. Die Renaissance alter Badekultur.

Kalte Schwefelquelle

Das Lutzschwefelbad in der Großwalsertaler Ortschaft Buchboden weist österreichweit eine der stärksten Schwefelkonzentrationen auf. Erst vor rund 30 Jahren wurde die kalte Quelle auf der Südseite des Tales von einem Marburger Geologiestudenten entdeckt und

vom Berg ins Tal geleitet. Jahre später nahm der Vorarlberger Architekt Martin Mackowitz dieses Naturvorkommen ins Visier seiner Diplomarbeit, konzipierte und setzte um: Eine Kneipptrete, einen Trinkbrunnen, ein Tauchbecken, ein mit Holz beheizbarer Sitzpool und den heißen Stein. Alles open air selbstverständlich. Im Verbund mit der unverfälscht herben Natur dieses Ortes. Später gründete sich der Verein Wassertal, der sich dem Gedanken, die ursprüngliche Badekultur wiederzubeleben, verschrieben hat. Wellness in Reinkultur: Gesundheit und Wohlgefühl durch Wechselbäder, Ruhe und das pure Naturvergnügen.

Sich mit allen Wassern waschen

Der rund 30-köpfige Verein lädt an jenem rauen Ort, der über einen zehnminütigen Fußmarsch von der Buchbodener Kirche aus zugänglich ist, zum Spiel mit den Elementen: Wasser, Feuer, Erde,


#19 / Juli-August 2017

Vereinsobfrau Martina Türtscher und rund 30 weitere Baderinnen und Bader betreiben ein einzigartiges Freiluftbad mit Heilkräften: das Lutzschwefelbad. Pendant im Winter: Ein fahrbarer Saunawagen.

Luft. Die Bader-Tätigkeit wird dabei ebenso zeitgemäß interpretiert wie die „Badeanstalt“ an sich: Jeder, der dem Verein beitritt, bekommt eine Einschulung als BaderIn. An mehreren Wochenenden von Juni bis Oktober führen diese die Besucher durch ein Badeerlebnis, das in dieser Art wohl einzigartig ist. Martina Türtscher, 27, Sozialarbeiterin und Obfrau des Vereins Wassertal: „Wir klären die Besucher über die Heilwirkung der Schwefelquelle auf, wir versorgen sie mit Kaltwasserduschen und leiten sie an, wie sie unsere Wechselbäder für ihre Gesundheit nutzen können. Zum einen sorgt der Kälte-Wärme-Effekt durch den Wechsel vom kalten Schwefelbrunnen ins warme, von uns beheizte Quellwasserbecken für ein hohes Wohlbefinden, zum anderen machen wir den Besuchern die unterschiedlichen Wasserqualitäten durch Fluss, Schwefel- und Quellwasser bewusst. Wenn’s regnet kommt sogar

noch eine vierte dazu.“ Baden also bei jedem Wetter, es sei denn, es zieht ein Gewitter auf. Dann kann es in der Edelstahlwanne schnell unbehaglich werden.

Entschleunigung

Während die Badenden zwischen Lutz und Kneipptrete, zwischen Tauchbecken und warmem Pool ihren Kreislauf auf Hochtouren bringen, sorgt der Bader, die Baderin für ein zünftiges Lagerfeuer, an dem ganz nach Pfadfindermanier gegrillt werden darf: Würste auf Stecken ins Feuer halten, der Lutz lauschen, sich auf einen nächsten Badegang freuen. Entschleunigung also hier wie dort: Zeit mitzubringen ist wohl auch die wichtigste Voraussetzung für die Tätigkeit als BaderIn. Muss doch der direkt mit dem Becken verbundene Holzofen zwei Tage vor einer gebuchten Bade-Einheit mehrfach aufgeheizt werden. Die Wartezeit von drei Stunden bis zur nächs-

ten Holzbefüllung kann man fürs Lesen oder Wandern nützen, sagt eine, die sich diese Zeit ab und zu leisten will. Martina Türtscher weiter: „Alle BaderInnen arbeiten ehrenamtlich, die Angebote werden bewusst reduziert und einfach gehalten. Je nach Belieben der jeweiligen BaderIn gibt es eine Runde Tee oder Quellwasser und vielleicht noch eine Kleinigkeit zu essen.“ Martina ist es wichtig, dass die Mitglieder auch selber etwas von den Badeangeboten haben und verweist auf ein weiteres, originelles Badekultur-Element des Vereins: einen Saunawagen, der seine Zeit als fahrbarer Kiosk abgedient hat, im Sommer als Umkleide fürs Lutzschwefelbad verwendet wird und im Winter mit Saunameister Siegfried auf Wanderschaft geht. Am Seewaldsee hat er vergangenen Winter zwischen Eis und Schnee Premiere gefeiert und wildromantisches Saunavergnügen beschert. Und wer weder das Baden noch das Saunieren goutiert, dem sei gesagt: Der Trinkbrunnen steht jederzeit und jedermann für ein Schlückchen belebendes Schwefelwasser zur Verfügung. Selig, wem dabei kein sensibler Geruchssinn in die Quere kommt. >>

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Mittendrin in V

Wer im Schwefelbrunnen abtaucht, für den ist die kalte Dusche danach ein Klacks. Richtig gemütlich wird es aber erst im auf 40°C erwärmten Quellwasserbecken.

Infos und Daten rund ums Lutzschwefelbad Schwefelquelle: Die Heilkräfte des Schwefelwassers sind vielfältig belegt. Schwefelwasserstoff fördert die Durchblutung der Haut, wirkt antiseptisch bei Hautausschlägen und hat eine heilende Wirkung auf die Gelenke. Die Quelle, die das Lutzschwefelbad speist, weist einen Sulfidschwefelgehalt von 29 Milligramm pro Liter Wasser auf und ist damit eine der stärksten Quellen Österreichs.

Quellwasserbecken und warmer Stein: Buchbodener Trinkwasser speist ein freiliegendes Becken, welches durch ein Ofensystem auf 40 Grad erhitzt wird und Platz für 8-10 Personen bietet. Die angrenzende runde Liege- und Sitzfläche wird mitbeheizt und dient als warmer Stein. Verein Wassertal: Während die Quelle (Brunnen mit Tauchbecken, Kneipptrete) jederzeit öffentlich zugänglich ist, ist das Baden im erwärmten Quellwasserbecken nur nach Anmeldung möglich und

wird von BaderInnen begleitet. Betreut und betrieben wird die Anlage durch den Verein Wassertal. Alle Termine und weiter Infos unter www.wassertal.at, info@wassertal.at AKTUELLER TIPP: Theater im Bad “Wo der Wildbach rauscht”: Emotionales, humorvolles Leichtkost-Theater für das Badepublikum am 11., 12. und 13. August mit Eva-Maria Türtscher und Wolfgang Hagspiel!

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MIT UNSEREM HANDELN

SINN

Nachhaltigkeit ist ein Begriff mit vielen Facetten. Vermutlich denken die meisten in erster Linie an ökologisch bewusstes Handeln. Doch Nachhaltigkeit trägt ebenso eine wirtschaftliche wie eine soziale Bedeutung. Für uns als Unternehmensgruppe sind alle Aspekte der Nachhaltigkeit wichtig, geht es dabei doch stets um eines: achtsames und bewusstes Handeln. Nur so können wir sinnvolle Entscheidungen treffen, sinnhafte Projekte umsetzen und mit unseren Taten Sinn entfalten – im wertschätzenden Umgang mit unseren Mitarbeitern ebenso wie im effizienten Einsatz von Ressourcen oder im Einsparen von CO2 .

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Mit Unternehmungen in den Bereichen Bau, Bahn und Ressourcen ist die Rhomberg Gruppe in einer Branche tätig, die rund 40 Prozent aller Rohstoffe weltweit verbraucht. Wir wissen um unsere Aufgabe und unsere Verpflichtung. Wir wissen, dass bewusstes, nachhaltiges Handeln ein steter Weg ist. Einer, der Sinn entfaltet, wenn wir ihn gemeinsam kontinuierlich weitergehen.


#19 / Juli-August 2017

VORARLBERG-QUIZ 1) Wovon leitet sich der Name Ludesch ab?

8) Wie heißt der bekannte in Mäder geborene Mundartdichter?

15) Wer ist der Patron der Pfarrkirche Lingenau?

A Laudatio B Ludasco C Lutetia

A Adolf Vallaster B Egon Moser C Kaspar Troy

A Thomas der Ungläubige B Johannes der Täufer C Paulus der Apostel

2) Wie viele Abgeordnete sitzen im Vorarlberger Landtag?

9) Warth-Schröcken gilt als das naturschneereichste Skigebiet Europas. Wie viele Meter Schnee fallen dort durchschnittlich pro Jahr?

16) Wie heißt das größte Schiff der Vorarlberg-Lines?

A B C

18 26 36

3) Wo findet alljährich der Blosengelmarkt statt? A in Rankweil B in Bludenz C in Feldkirch 4) Wie viele Heilquellen sind in Vorarlberg vermerkt? A 8 B 12 C 16

5) Welcher Brauch wird am Aschermittwoch in der Bregenzer Oberstadt begangen? A Gealdbittelwäsch B Heringsschmaus C Fastensuppen essen

6) Welche Burgruine in Schlins findet als Freilichtbühne Verwendung? A Blumenegg B Neuburg C Jagdberg

7) Wie heißt die schottische Adelsfamilie, die für die Gemeinde Thüringen von so großer Bedeutung war? A Dundas B Dunbar C Douglass

Quelle: „s´Ländle Vorarlberg-Spiel“, © Buchhandlung Ländlebuch, Thomas Steiner

A 4 Meter B 8 Meter C 11 Meter 10) Was befindet sich in der Damülser Kirche als besondere spätgotische Kostbarkeit ? A Wandfresken B Altar C Deckengemälde

A Hohentwiel B Sonnenkönigin C Vorarlberg

17) Wo heute das Landeskonservatorium untergebracht ist, war bis 1979 ein brühmtes, von Jesuiten geführtes Gymnasium. wie hieß es? A Institut St. Josef B Stella Matutina C Gymnasium Schillerstraße

11) Der Dornbirner Aaron Pilsan ist ein interntional erfolgreicher ...?

18) Welche Veranstaltung findet alljährlich im Sommer am Jannersee statt?

A Klarinettist B Gitarrist C Pianist

A Wettfischen B Triathlon C Sommerfest

12) Wie heißt der aus Schwarzenberg stammende Künstler, der vor allem als Zeichner, Objektkünstler und Filmemacher bekannt ist?

19) Für Krumbach entwarfen international bekannte Architekten und Architektinnen sieben Buswartehäuschen. Wie nennt sich dieses Projekt?

A Tone Fink B Tone Fuchs C Toni Polster 13) Welcher Fußballverein ist als erste Mannschaft Vorarlbergs in die höchste österreichische Liga aufgestiegen? A Austria Lustenau B SW Bregenz C SCR Altach

A Bus-Stop B Bus-Halt C Stop and go

20) Wie heißt das Duo, das mit dem Lied „Oho Vorarlberg“ große Erfolge feierte? A stemmeisen&zündschnur B Bilgeri/Köhlmeier C Schliefar Buobo

14) Wie wird die Stadt Bludenz gerne genannt? A Schokoladenstadt B Alpenstadt C Städtle

Lösung 1B, 2C, 3C, 4C, 5A, 6C, 7C, 8A, 9C, 10A, 11C, 12A, 13B, 14B, 15B, 16B, 17B, 18B, 19A, 20B

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Mittendrin in V

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Was muss weg? Was zieht mit mir in die neue Wohnung? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Daniela Egger intensiv bei ihrem bereits 19. Umzug.


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VOM LEBEN MIT DINGEN

Unsere Autorin Daniela Egger zieht zum 19. Mal in ihrem Leben um. Ihre Gedanken, Wünsche und Erlebnisse hat sie in einen Text verpackt.

Fotos: Petra Rainer

I

ch wünsche mir einen automatischen Gegenstände-Zähler an der Haustüre. Ein Gerät, das jedes Ding registriert, einfach nur als Zahl, und wenn ein Ding das Haus verlässt, sollte er die Zahl um diesen einen Gegenstand reduzieren. Das wäre eine wirkungsvolle Erfindung in meinem Leben, einfach so als stummen, täglichen Hinweis. Interessant wäre es auch, wenn alle so einen Zähler an ihrer Haustüre hätten, und diese Zahl für Besucher sichtbar wäre. Man hätte Vergleichsmöglichkeiten und könnte besser eruieren, ob viele Gegenstände in einem Haushalt gemütlich wirken oder eher Unruhe verursachen. Man könnte Erhebungen durchführen, wie viele Gegenstände zum Beispiel dem Spielzimmer eines Zehnjährigen zuträglich sind und ab wann die kritische Phase beginnt, das Spiel also von den Spielsachen erdrückt wird. Ich glaube, der Wettbewerb, wer sich mit weniger Gegenständen begnügen kann, könnte eine interessante Wendung nach sich ziehen, man denke nur an den fehlenden Zusammenhang von Konsumverhalten und Lebensqualität.

Das leere Zimmer als Vision

Ich komme auf 18 Umzüge in meinem Leben – ab dem Zeitpunkt, als ich mein Elternhaus verlassen habe. Jetzt steht der 19. an. Ein Umzug gehört zu den Ereignissen im Leben, die man regelmäßig widerholen sollte, finde ich. Aus psychohygienischen Gründen, und auch, um sich drin zu üben, Liebgewordenes loszulassen. Immerhin ist das ein zentrales Thema im Alter. Es kann nicht schaden, wenn man schon früh vorbereitet ist. Am Ende möchte ich wie ein Zen-Mönch in einem leeren Zimmer sit-

zen und die ganze Welt, leicht wie eine Feder, in mir tragen. Im Moment trage ich einen beträchtlichen Teil der Welt in kiloschweren Kisten durch die Wohnung. Seit Wochen nehme ich jeden einzelnen Gegenstand in meiner Wohnung in die Hand und wäge ab, ob er in meinem zukünftigen Leben eine Rolle spielen wird oder nicht. Kisten und Häufchen mit unterschiedlichen Zielbestimmungen stapeln sich, der Haufen mit der Überschrift „Unbestimmt“ ist leider noch immer groß. Das Zeitraubende an der Sache sind die vielen Reisen in die Vergangenheit, die man eigentlich gar nicht antreten möchte. Manche Gegenstände erzählen lange Geschichten und behaupten von sich, sie wären wichtige Erinnerungsstücke. Dass sie einmal wichtig waren sei unbestritten – aber warum liegen sie seit zehn Jahren unbeachtet in einem Regal oder einem Schrank? Vermutlich weil ich vor dem letzten Umzug zu schwach war, ihnen die Wahrheit zuzumuten – ihre Zeit ist abgelaufen. Das ist nicht nett, aber leider wahr. Andere Dinge schweigen und man fragt sich, wie sie überhaupt ins Haus gekommen sind. Vieles wird von Freunden und Bekannten ins Haus gebracht und man ist verpflichtet, die Höflichkeit zu wahren – den Dingen gegenüber natürlich. Die Bekannten sind dann ja schon wieder weg. Aber stimmt das wirklich? Was macht man mit lieb gemeinten Mitbringseln, die für einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit ihren Zauber entfalten, um gleich danach irgendwo zu verstauben?

Masse zieht Masse an

Ich bin derzeit in einer eher radikalen Stimmung – was nicht in mein Leben

gehört muss raus. Gegenstände, Freundschaften, Projekte, alles, was seine Zeit überdauert hat ohne mitzuwachsen, muss zurückbleiben. Die letzten Wochen führten also zu einer drastischen Senkung der Zahl der Gegenstände im Haus – über die Freundschaften schreibe ich besser ein anderes Mal. Viele fanden eine neue Heimat bei Freundinnen, etwa der Paravent, der in meiner neuen Wohnung keinen Sinn mehr macht. Eine Freundin hat Verwendung für meine hochwertige Silikat-Pfanne, und überließ mir im Gegenzug einen ebenso hochwertigen Wok. Eine andere saniert gerade ein altes Haus mit Garten und hat Platz für meine herrenlosen Pflanzen, zwei von ihnen sammeln ebenso leidenschaftlich Stoffe für zukünftige Kleiderprojekte wie ich ... die in Bewegung geratene Masse meiner aussortierten Gegenstände bringt andere Haushalte in meinem Umfeld ebenfalls in Bewegung. So wie ein Ding unweigerlich weitere Dinge anzieht, so bringt auch das Ausmisten einen Sog mit sich, in die Gegenrichtung. Dabei stecke ich noch mitten drin, und weiß immer noch nicht, was man mit einem Hochzeitskleid anstellt ... Ein Feuer im Garten? Caritas-Container? Es sind diese kniffligen Dinge, die mich Nerven kosten, Auszeichnungen, Preise mit gerahmten Urkunden, Foto-Mappen aus vordigitalen Zeiten, Briefe und Erinnerungsstücke von Freunden, die schon lange keine mehr sind. Beweise dafür, dass mein Leben bisher bunt und voller Abwechslung war. Immer wieder führe ich mir das Bild vor Augen: Eines Tages sitze ich in einem beinahe leeren Zimmer und lächle, während der Mond silbern in mein Fenster leuchtet.

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Mittendrin in V

DER REBELL VOM RHI

Seit Kindheitstagen ist der Alte Rhein in Hohenems für Walter Batruel ein Abenteuer- und Kraftplatz. Die marie hat die Blueslegende, die am 20. August seinen 70.Geburtstag feiert, an seiner „Costa del Rhi“ besucht. Ein Gespräch über Musik, Geldstrafen und warum Rauchen völlig sinnlos ist. Text und Fotos: Frank Andres

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W

alter Batruel nimmt einen Rechen in die Hand und kehrt Rindenreste zusammen. Platziert sein Sitzkissen auf der Holzbank. Stellt ein kleines Radiogerät auf die Wiese und schaltet es ein. Aus den Boxen ertönt sein Lieblingssender „Radio Vorarlberg“. Er fährt mit seiner Hand durch seine lange Haarpracht und zupft am Schnauzbart. Alles ist parat. Jetzt fehlt nur noch das Bier. Er nimmt eine Flasche aus der Kühlbox, öffnet sie und genehmigt sich einen kräftigen Schluck. Willkommen an der „Costa del Rhi“.

Mit Pferdefuhrwerk unterwegs

Alte Liebe rostet nicht. Die Blueslegende ist mit dem Alten Rhein seit Kindestagen an verbunden. „Ich bin als fünfjähriger Bub auf dem Pferdefuhrwerk mitgefahren. Ein alter Mann hat am Alta Rhi Sand geholt“, erinnert sich das Hohenemser Stadtoriginal. Für Walter war der Alte Rhein aber damals auch ein Abenteuerspielplatz. Zusammen mit Freunden baute er Baumhütten. Als Jugendlicher kam dann die Zeit der Lagerfeuer, und zusammen mit Kollegen spielte er Gitarre. Über die Jahre heirateten die Freunde seiner Clique, bekamen Kinder, mussten arbeiten, verschwanden

von der Bildfläche. Nur einer blieb: der letzte Mohikaner Walter Batruel.

Pure Wildnis

Vor 45 Jahren endeckte er schließlich ein ganz besonderes Plätzchen am Alten Rhein. Vom heutigen Strand- bzw. Küstenfeeling fehlte damals noch jede

„Ich musste vor zwei Jahren 1000 Euro Strafe zahlen, weil ich eine Baumhütte gebaut habe.“ Spur. „Der Ort war schwer erreichbar. Es herrschte die pure Wildnis.“ Doch zusammen mit Musikerkollegen wie Reinhold Bilgeri, Armin Egle und Heli Burtscher wurde das verwunschene Paradies urbar gemacht. Es wurde gerodet, der Platz mit Kies aufgeschüttet und mit Beton befestigt. Seitdem verbringt Walter Batruel im Sommer jede freie Minute


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Walter Batruel ist passionierter Bootsbauer. Mit seinem letztes Floß (Foto ganz rechts) stach er erst dieser Tage in See.

an der „Costa del Rhi“ (Rhein-Küste), wie er seinen Kraftplatz nennt. „Ich brauche keinen Urlaub. Ich finde hier meine Erholung“, sagt er im Brustton der Überzeugung. In die Türkei oder nach Tunesien sei er nur seiner Frau zuliebe gereist.

Warm abgetragen

Walter und seine Hundedame Lilly. Gemeinsam mit dem Hund wollte Walter nach Holland fahren, um dort eine Woche lang Straßenmusik zu machen. Doch Lilly hat Angst vorm Autofahren. Die Aktion wurde deshalb abgeblasen.

Die „Costa del Rhi“ befindet sich auf Schweizer Staatsgebiet. Das sorgt bis heute immer wieder für Konflikte zwischen Walter Batruel und den Eidgenossen. „Ich musste vor zwei Jahren 1000 Euro Strafe zahlen, weil ich eine Baumhütte gebaut habe. Angeblich illegal“, erzählt Walter Batruel. Doch anstatt das Material zu entsorgen, hat er das Holz einfach angezündet. „Diese Arbeit wollte ich mir nicht antun“, gibt er offen zu. Aber auch die Wasserung von mehreren Booten der Marke Eigenbau, waren manchen Neidgenossen ein Dorn im Auge. „Ich hatte über die Jahrzehnte sieben, acht verschiedene Boote gebaut. Aber entweder wurden sie geklaut oder Opfer von Vandalenakten.“ Aufgegeben hat Walter Batruel aber nicht. Im Gegenteil: Erst kürzlich hat er mit seinem neuen Floß eine Jungfernfahrt am Alten Rhein unternommen. Drei Monate hat er zusammen mit seinem Adlatus Django, seit 47 Jahren sein ständiger Begleiter, am Wassergefährt gebaut. >>

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Mittendrin in V

Bild ganz links: Eiligen Schrittes und mit Gepäckwagen geht es für Walter Batruel in Richtung Alter Rhein. Bild oben: Handy, Notizbuch mit wichtigen Telefonnummern. In dieser Tasche trägt der „Bluesman“ seit über 40 Jahren seine wichtigsten Dinge mit. Aus diesem Radio ertönt am Alten Rhein immer Walters Lieblingssender „Radio Vorarlberg“.

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Verbaut hat er dabei ziemlich alles. Zum Beispiel ein altes Fahrrad, zwei Surfbretter und zwei alte Schneeschaufeln. Walter ist eben alles, nur nicht gewöhnlich. Walter Batruel, der am 20. August seinen 70. Geburtstag feiert, hat viel erlebt. Als Kind der 68er-Generation lebt er den Traum des Rockmusikers. Mit 14 Jahren bekommt er seine erste Gitarre, mit 15 steht er im Hotel Alpenrose in Ebnit in Dornbirn zum ersten Mal auf der Bühne. Mit einer Ziehharmonika. Mit 17 wird er Mitglied der „Gamblers“, der ersten Vorarlberger Rockband mit internationalem Format. Er tourt durch Spanien, Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich. Er genießt Sex, Drogen und Rock‘n‘Roll in vollen Zügen. Als er mit 18 Jahren nach Vorarlberg zurückkommt, sind er und seine Bandmitglieder bereits umjubelte Rockstars. Eine Lokalzeitung titelt reißerisch: „Sperrt die Mädels ein, die Gamblers sind da.“ Doch es ist damals auch eine Zeit der Intoleranz, der Verbote. Walter Batruel erinnert sich: „Wir trugen alle lange Haare. Das führte dazu, dass wir im Schloss-Café in Hohenems gar nicht bedient wurden. Ein Kollege musste das Bier für uns stattdessen woanders besorgen.“ Dreieinhalb Jahre nach Gründung der „Gamblers“ wird dieses Kapitel

Costa del Rhi: Die Schrift auf dem Stein ist schon etwas verblasst.

geschlossen. Doch Walter Batruel musiziert weiter. Erst mit der Geburt der Tochter Jasmin im Jahr 1977 bekommt das Leben des Walter Batruel einen bürgerlichen Anstrich. Der Erfinder der Bluesmaschin, der kleinsten Big-Band im One-Man-Show-Format, fährt mit dem Lkw Hotelwäsche aus. 20 Jahre lang. 1997, seine Tochter ist inzwischen flügge, macht er sich als Musiker selbstständig. Zusammen mit Dietmar Bitsche gründet er das Duo „Hems Harlem“ und lebt von der Musik. Seit 2012 ist er in Pension, musiziert seitdem nur noch hobbymäßig.

Nichts Spezielles geplant

Doch zurück an die „Costa del Rhi“ und der Frage: Wie feiert ein Alt-Rocker seinen 70. Geburtstag? „Ich habe nichts Be-

sonderes geplant. Ich lasse den Tag auf mich zukommen“, antwortet Walter Batruel tiefenentspannt. So wie bei seinem 50er wird es wahrscheinlich nicht mehr zugehen. Damals enagierten seine Frau und seine Tochter einen Auftritt einer Striptease-Tänzerin, die plötzlich aus einer Kartonschachtel entstieg. Und gibt es noch Vorsätze zum 70. Wiegenfest? „Ich will noch ein paar Jahre drauflegen und deshalb mit dem Rauchen aufhören. Rauchen ist völlig sinnlos und kostet einen Haufen Geld.“ Zudem findet er es schizophren, dass es überall Zigaretten zu kaufen gibt, aber gleichzeitig ab Mai 2018 der blaue Dunst aus den Lokalen verbannt wird. Noch einmal jung will Walter Batruel heute übrigens nicht mehr sein. „In Zeiten von Aids macht das Jungsein keinen Spaß.“


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DIE WIDERSTÄNDIGEN

Der unbemerkte Schattenplatz Dornbirn verbirgt entlang seiner hoch dotieren Marktstraße noch eine weitere Insel der Widerständigen. Unbehelligt vom Investitionswahn dämmert mitten im geschäftigen Treiben ein leiser, schattiger und naturbelassener Park gegen den Strich der Zeit und produziert saftiges Unterholz für Kleintiere, Vögel und Insekten. Eine Serie von Daniela Egger

S

Foto: Frank Andres

ie sind die Auserwählten für die exklusive Brutstätte, niemand scheint sich in den natürlichen Kreislauf der Dinge einzumischen, und wie wohltuend zeichnen sich die hohen Stämme, dichten Hecken und wuchernden Gräser gegen die edlen Boutiquen der Marktstraße ab. Ein weiteres Gegenstück dazu befindet sich innerhalb derselben schmiedeeisernen Einzäunung: Auf der linken Seite der alten, herrschaftlichen Villa kümmern sich sehr wohl ordnende Hände um die geharkten Gehwege, geschnittenen Hecken und Sitzbänke. Die linke und die rechte Seite des Gartens könnten nicht

gegensätzlicher sein, und es scheint deutlich: Der wilde Teil bleibt bewusst sich selbst überlassen. Wer genauer recherchiert stößt vielleicht auf verworrene Erbschaftsangelegenheiten, alte Familienfehden oder einfach eine sichtbar gewordene Ambivalenz im zuständigen Gärtner. Vielleicht quält ihn die Frage, ob es besser sei, die Natur wuchern zu lassen oder sie zu lenken? Würde man die Tiere fragen, dürfte die Antwort klar sein, denn wer sonst bietet ihnen mitten in der Stadt Unterschlupf und Frieden?

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe der marie über einen Schopf am Rande der Stadt.

Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Die Lösung finden Sie am unteren Rand des Rätsels. Lösung

Für Anfänger

47

-34

×2

-21

×11

-21

÷2

+19

÷3

×4 Lösung

Für Fortgeschrittene

81

÷3

1/9

der Summe

zum Quadrat

×20

-25%

-47

÷11

+1/8 der Summe

-9 Lösung

Für Genies

zum Quadrat

1/3

der Summe

+25%

÷4

×7

-77

+1/7 der Summe

1/4

der Summe

zum Quadrat

Lösungen: Für Anfänger = 48, Für Fortgeschrittene = 0, Für Genies = 64

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Mittendrin in V

Vegetarier und Veganer sind falsche Moralisten! Fleischesser haben kein Gewissen!

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Von Gemüseterroristen und Bratwurstverfechtern Kaum ein Thema wird so leidenschaftlich diskutiert wie die Ernährung. Pauline Tagwerker (18) aus Feldkirch, Vegetarierin und preisgekrönte Nachwuchsautorin, nimmt in ihrem Gastbeitrag für die marie die Moralisten beider Seiten aufs Korn.

E

rnährung. Heikles, nein, sehr heikles Terrain in der aktuellen Zeit. Denn ich wage zu behaupten, dass momentan in keinem anderen Bereich (abgesehen von der Politik) dermaßen viel diskutiert, argumentiert und gestritten wird. Es herrscht ein regelrechter Extremismus, wenn es ums Mittagessen geht: Darf das Rind jetzt auch in der Pfanne sein oder doch nur sein Futter? Und überhaupt, muss der Baum seine Früchte zuerst fallen lassen, bevor man sie essen darf? Wir leben in einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft sehr schnell und vor allem dauernd ändert. In den letzten Jahren haben wir mindestens vier 360 Grad-Wendungen gemacht, von alt zu retro zu alt und wieder zu retro in der Mode, von Optimist zu Pessimist zu Optimist zu Pessimist in der Politik und auch unsere Ernährung unterliegt ständig neuen Trends, die uns Stars, Sternchen, der Nachbar oder auch die Ärzte aufs Auge drücken. Ernähre ich mich jetzt nach dieser Paleo-Steinzeit-Methode, obwohl die Schwiegermutter nur auf Verringerung der Kohlenhydratzufuhr schwört? Das alles tut jedoch nichts zur Sache, wenn

es um die Grundeinstellung geht. Apropos Grundeinstellung. Vegan, vegetarisch, pescitarisch oder doch normaler Fleischfresser? Das ist eine Frage, die es auch regelmäßig schafft, unzählige Gemüter bei Kaffeekränzchen oder Familienessen zu erhitzen. Ich selbst bin Vegetarierin, aber nein, bevor Sie jetzt den Beitrag voller Panik überspringen, weil das sicher wieder ein Pro-Vegetarier-Manifest wird, das nichts anderes übrig lässt als ein schlechtes Gewissen, lesen Sie kurz weiter. Ich bin Vegetarierin, keine Gemüseterroristin und werde diesen Beitrag nur dazu nutzen, meine Verwunderung über den Gemüseextremismus kundzutun. Ja, Sie haben richtig gehört, ein Vegetarier, der den Gemüseextremismus mit Verwunderung zur Kenntnis nimmt. Damit man einen genaueren Überblick über die Sachlage bekommt, möchte ich gerne kurz ausführen, wer eigentlich was isst: Der normale Esser isst alles (Mhm, lecker Fleisch!), der Pescitarier fast alles (Ich esse keine Tiere aber Fische, weil sie hässlich sind – Zitat einer Bekannten von mir), der Vegeta-


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rier wenig (Ihhh, Fleisch!) und der Veganer so gut wie nichts (Ihhh, Tierprodukte!). Kleine Nebenbemerkung: Manche Veganer verzichten nicht nur in Ernährungsfragen, sondern auch bei Kleidung auf tierische „Inhaltsstoffe“. Somit ist auch der Wollpullover tabu. Alleine aus diesem Grund könnte ich niemals Extremismusveganerin werden, einen Winter ohne Wollpulli oder -socken würde ich nicht überleben. Generell gilt, je extremer die Ernährungsweise, je extremer die Überzeugung, die dahintersteht, desto extremer die Verfechtung. Und Extremismus ist als Begriff bei dieser Sache mehr als angebracht. Nein, Veganer und Vegetarier stürzen nicht mit Salatblattschilden und zugespitzten Zucchinis alle Läden, die Tierprodukte verkaufen. Das wäre doch etwas zu brutal. Aber es gibt in manchen Städten teilweise regelrechte Aufläufe von überzeugten Nicht-Tierisches-Essenden, bewaffnet mit Plakaten auf denen blutrot aufgepinselt Sätze wie „Fleisch ist Mord!“ oder „Fleischesser haben kein Gewissen!“ zu lesen sind, richtige Gemüseterroristen eben. Bei solchen Vertretern schaffe es auch ich nicht mehr, mir ein Kopfschütteln zu verkneifen. Denn es wirkt, als ob sie jedem Bratwurstverfechter den Hals umdrehen wollen. Das kann es doch auch nicht sein! Wo bleibt da die Entscheidungsfreiheit? Nur weil eine Person Fleisch isst, ist sie nicht automatisch mit einem Stempel à la „Ich lande in der Hölle“ versehen. Genauso wenig wie ein eingefleischter Veganer, der sich im Gemüsedschihad befindet, kein besserer Mensch ist. Ernährung ist eine Einstellung und wie in der Religion oder beim Lieblingsfußballverein muss man sie sich freiwillig aussuchen, um sie vertreten zu können. Ich habe nichts gegen Fleischesser oder Veganer oder Pescitarier, aber ich habe etwas dagegen, wenn sie auf Moralapostel machen, mal ganz abgesehen von der Frage, ob es moralisch wirklich besser ist, die Mandelmilch aus Südamerika statt der Milch vom Bauern aus dem Dorf zu trinken? Und selbst wenn ich für diese Klatschblattautoren mit ihren Überschriften wie „Vegetarier und Veganer sind falsche Moralisten!“ nur wenig bis gar nichts übrig habe, ist es nicht doch etwas seltsam, wenn ich den Tofu aus dem gerodeten Regenwald dem Ei vom Biohuhn vorziehe?

Zur Person Pauline Tagwerker (18) wohnt in Feldkirch-Altenstadt und hat soeben am Gymnasium FeldkirchRebberggasse maturiert. Sie schreibt sehr gerne, wurde für ihre Texte auch schon ausgezeichnet und überlegt, nach dem Sommer in Innsbruck mit dem Dolmetsch-Studium zu beginnen, weil sie Sprachen sehr interessieren.

KOMMENTAR: Gerhard Hofer

IMMER DIESE FRAGEN Stellen Sie sich manchmal Sinnfragen? In meinem Bekanntenkreis passiert das wieder öfter. Vielleicht sind es die ständigen Alarmmeldungen über Terrorismus, Naturkatastrophen, Hungersnöte, Kriege oder ganz persönliche Schicksalsschläge, die uns fragend zurücklassen. Die Welt scheint unsicher. Und der Tod lacht über das menschliche Streben nach Sicherheit und nimmt alles, was ein Leben lang lieb und teuer war. Alles. Wirklich alles. Dieser Tatsache schauen wir nicht gerne ins Gesicht. Obwohl jeder wissen könnte, was am Ende wartet, hoffen wir auf Begnadigung, leben so, als ob es vielleicht doch eine Ausnahme für uns geben könnte. Wer sich mutig vor Augen führt, dass die gute Versicherung, der tolle Job und die traumhafte Partnerschaft rein gar nichts darüber aussagen, was der morgige Tag bringt, der lebt in der Realität der absoluten Ungewissheit. Für viele ist diese Vorstellung erschreckend, und sie tun alles, um das Thema aus ihrem Leben zu verdrängen. Natürlich nur mit mäßigem Erfolg. Kürzlich sah ich das Interview eines Nothelfers, der Unfallopfer auf der deutschen Autobahn betreut, beziehungsweise deren Angehörige benachrichtigt. In Erinnerung blieb mir folgender Satz: „Die vielen Toten und Schwerverletzten, die ich Monat für Monat hier sehe, sie alle sind morgens in der Gewissheit aufgestanden, dass sie abends gesund zu Bett gehen können.“ Das Schicksal fragt nicht. Alles geht vorbei. Wer‘s nicht glauben will, wird eher früher als später eines Besseren belehrt – bis dahin rennt er im Kreis und weiß sich dabei in bester Gesellschaft. Die Alternative heißt: Jetzt ganz da sein. Leben als gäbe es kein Morgen. Das ist etwas, das Kinder so unbeschreiblich gut können, sie leben den Moment. Mit Weinen und Lachen. Geht beides vorbei. Und kommt wieder. Wie oft auch immer. Wer will das wissen.

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Mittendrin in V

VOM GUTEN GEFÜHL, DAS RICHTIGE ZU TUN Ein Lager voll kostbarem Himalaya-Papier veranlasste Helga und Elmar Hagen vor sechs Jahren, eine Manufaktur in Lustenau zu eröffnen, die soziales Unternehmertum mit dem Anspruch nach künstlerischem Schaffen vereint. Der tagtäglichen Sorge um die finanzielle Machbarkeit stehen Leidenschaft, Engagement und Sinn gegenüber. Text: Simone Fürschuß-Hofer Fotos: Frank Andres, Marcel Hagen

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ngefangen hat alles mit einem Sozialprojekt in Nepal, das der Lustenauer und ehemalige Werbeagentur-Inhaber Elmar Hagen, 72, vor 30 Jahren mitbegründet hat: Durch den Bau des Dhulikhel Hospitals im Kathmandutal wurde Entwicklungsarbeit geleistet, die bis heute eindrucksvoll Wirkung zeigt und zahlreiche Nachfolgeprojekte, beispielsweise zur Trinkwasserversorgung, mit sich zog. Begeistert von den handgeschöpften Papieren, die in Nepal und Bhutan noch nach alter Tradition hergestellt werden und ursprünglich den Mönchen für ihre heiligen Sutren dienten, versuchte Elmar Hagen das Papier über Großhändler auf den europäischen Markt zu bringen. „Die wirtschaftlichen Veränderungen im Großhandel führten allerdings dazu, dass einige unserer Partnerbetriebe schließen mussten und unser Lager vorerst voll blieb“, so Elmar Hagen rückblickend. Viele Jahre später nimmt sich Ehefrau Helga Hagen, 46, dieser handgeschöpften Kostbarkeiten an und startet mit ihm in ein neues Unternehmen.

Der Schatz wird gehoben

„Mir war schnell bewusst, dass die Papierbögen alleine kaum Abnehmer fin-

den würden. So habe ich versucht, das Papier in sinnvolle und die Sinne anregende Produkte umzuwandeln und es mit schmuckem Handgefertigtem aus Nepal zu kombinieren“, verweist Manufaktur-Gründerin Helga Hagen auf die ergänzenden Rohstoffe Filz, Wolle, Silber und Ton. Mit akribischer Handarbeit wird seitdem im Verbund mit Werkstätten in Nepal unter dem Label „Helga Hagen W Manufaktur“ Schönes und Wertvolles gestaltet: Unikate, wie kunstvolle Windlichter und Lampen, farbenfrohe Filzauflagen, Handytaschen und Wollschals bis hin zu Alben, Leporellos und kreativen Schreibsets. „Dass ich hier einen Lebenstraum verwirklichen und jeden Tag einer Arbeit nachgehen darf, die mich künstlerisch fordert, mit Leidenschaft flutet und tief erfüllt, ist das Eine. Dass ich jeden Abend mit der Sorge um die finanzielle Machbarkeit einschlafe, ist die andere Seite.“ Helga Hagen ist keine, die die Dinge verklärt: „Wir beliefern zwar Top-Hotels und andere anspruchsvolle Kunden, aber in jedem einzelnen, wirklich noch von Hand gefertigten Produkt stecken so viele Arbeitsstunden und Zusatzkosten, dass nicht viel übrig bleibt. Passieren darf da nichts.“ Das würde von außen vielleicht anders ausschauen. So sei ihr durchaus schon vermittelt worden, dass ihr wohl von Ehemann Elmar

ein teures Hobby finanziert würde. In Wahrheit sei sie jeden Tag gefordert, das Unternehmen kostendeckend zu führen und gleichzeitig auch die Werkstätten in Nepal regelmäßig mit Aufträgen zu versorgen, um deren Überleben zu sichern. Dazu muss man wissen: Zweimal jährlich reisen Helga und Elmar – wohnhaft in Bludenz – nach Nepal und kümmern sich um die Handwerksbetriebe, die ihre Manufaktur beliefern. Die jeweiligen Partner betraut Helga mit ihren Designs und erarbeitet gemeinsam mit ihnen die neuen Produktmuster. Ebenso vermittelt sie den Produzenten vor Ort Know-how in Produktions- und Qualitätsmanagement. Der direkte Kontakt schafft Beziehung, Vertrauen und in Folge Verantwortung füreinander. „Ich möchte die Menschen dort für ihre Arbeit gut bezahlen und verlange im Gegenzug hervorragende Qualität. Diese hat auch in Nepal ihren Preis.“

Allianz auf Augenhöhe

Als Sozialprojekt würde Helga ihre Arbeit nicht definieren. „Das hier ist eine neue bzw. andere Form der Entwicklungsarbeit. Herkömmliche Sozialprojekte, wie auch unsere Krankenhaus- und Trinkwasserprojekte, leben meist davon, dass es ein zweites Standbein oder Benefiz-Aktionen zu deren Finanzierung gibt. Meine Produzenten sind jedoch davon


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Eng verbunden mit Nepal: Zweimal im Jahr besuchen Helga und Elmar Hagen ihre nepalesischen Werkstätten, wo jedes ihrer Produkte von Hand gefertigt wird.

abhängig, wie gut sich ihre Produkte hier auf dem Markt verkaufen und die Erlöse müssen auch unsere Manufakturarbeit finanzieren“, sieht sich Helga Hagen mit ihren Partnern in einer Allianz auf Augenhöhe. Eine Allianz, die ihr nicht nur 70- bis 80-Stunden-Wochen beschert, sondern gleichzeitig auch das gute Gefühl, das Richtige zu tun. „Ich habe mich dieser Aufgabe ganz und gar verschrieben. Einen Plan B gibt es nicht“, lacht sie und seufzt über das Glück in Freiheit annehmen zu können, was einem als Herausforderung gestellt wird. Denn auszusteigen ist keine Option für sie. „Auch wenn das Geschäft manchmal ein knallhartes ist und der Einsatz in keinem Verhältnis zum finanziellen Ertrag steht: Ich bin zutiefst verbunden mit den Menschen in Nepal und deren Geschichte. Ihre Handwerkskultur und Werte zu fördern und hierzulande zu vermitteln, das ist neben der künstlerischen Arbeit meine Triebfeder.“

Junge Menschen motivieren

Um auch Schülerinnen und Schüler fürs Handwerk, für das Papier als Kulturgegenstand und für Nepal zu begeistern, eröffnet Helga Hagen dann und wann

die Manufaktur zum Experimentier- und Motivationsraum. Ein missmutiges „I ka abr nid schnida“ fegt sie mit einem herzhaften „und ob“ weg und verwandelt Unlust in das gute Gefühl, etwas zustande zu bringen. Heraus kommen schlussendlich immer tolle Sachen. Das Geheimnis? In ihrem Zugang könne und wolle sie die Schüler/-innen so sein lassen, wie sie sind. Gerade im „Sein-Dürfen“ würden Talente erweckt und gefördert, ist Helga überzeugt. Sie arbeite deshalb auch lieber ohne deren Lehrer/-innen mit den Jugendlichen. „Wenn ich die Menschen in Nepal oder besagte Schüler erlebe, sie spüre und in ihre eigene Kreativität führe, weiß ich, dass es sich dafür lohnt, die ganze Mühsal auf mich zu nehmen. Denn im Prinzip habe ich einen Traumjob, der mir schöpferisches Schaffen ermöglicht, Sinn gibt und Flexibilität gewährt. Wenn auch der Freiheit des Tuns die Unfreiheit durch bürokratische und finanzielle Zwänge gegenübersteht“, sucht Helga nach der stimmigsten Beschreibung ihrer Situation. Und verweist auf ihr Lieblingszitat von Václav Havel: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.“

VON NEPAL BIS LUSTENAU Standort Lustenau: Großaufträge gehen an die gehobene Hotellerie sowie den Fachhandel Tischkultur und Dekor. Für Unternehmen und Organisationen gibt es auf Wunsch maßgeschneiderte Aufträge (Kundengeschenke, Dekor, Mailings). Für Hochzeiten und Veranstaltungen aller Art werden durchgängige Gestaltungkonzepte realisiert. Zu den Werkstätten in Nepal: HELGA HAGEN W Manufaktur beauftragt regelmäßig drei Werkstätten mit jeweils 10 bis 15 Angestellten. Zu 90 Prozent arbeiten hier Frauen, Familienfreundlichkeit und faire Bezahlung werden dabei großgeschrieben. Privat- und Firmenkunden sind jederzeit in der Manufaktur oder im Online-Shop zum Stöbern eingeladen; Öffnungszeiten Schauraum, Pontenstraße 1a, Lustenau: Mo-Do: 10.00-12.00 Uhr und 14.0016.30 Uhr, Fr: 10.00-12.00 Uhr oder www.hagenpur.at

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Mittendrin in V

Kulinarisches vom Sunnahof beim Poolbarfestival

NEUES DOMIZIL FÜR SUSI‘S ZAUBEREI Susi‘s Zauberei, ein Lokal für vegetarische und vegane Küche, zieht Anfang August um. Und zwar von der Kirchstraße 43 in die Maurachgasse in Bregenz. Das neue Domizil ist nicht nur größer – statt 50 sind es künftig 140 Quadratmeter – sondern zugleich die neue Wohnadresse von Chefin Susi Füssinger, über die wir in der Februar-marie berichet haben. Gleichzeitig schließt Susi‘s Zauberei in Dornbirn ihre Pforten. Mehr Infos auf Facebook und ab Ende Juli auf der Homepage www.susis-zauberei.at

Erstmals sorgt das Team des LebenshilfeProjektes Sunnahof Göfis für das leibliche Wohl der Gäste des Poolbar Festivals in Feldkirch, das vom 7. Juli bis 15. August stattfindet. Es werden Speisen aus eigenen Bio-Produkten angeboten, die gemeinsam mit dem Team des Gasthaus „Stern Bangs“ und Inhaber Michael Lang am jeweiligen Tag frisch vorbereitet werden. Mitarbeiter mit und ohne Behinderungen vom Sunnahof teilen sie dann abends an die Gäste aus.

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Bunter Sommersalat mit gebackenen Hühnerbruststreifen

Günter Berger (39) aus Wolfurt ist ein erfahrener Koch. Zweibis drei Mal pro Woche zaubert er Mittagsmenüs in der Küche des dowas in Bregenz. Und das seit 14 Jahren. Günter hat zwar seine Lehre nicht abgeschlossen, kocht aber für sein Leben gern.

Die Zutaten für das Rezept sind für vier Personen. Preis pro Essen: 2,30 bis 2,50 Euro.

Zutaten für Dressing:

• 3-4 Esslöffel Walnussöl • 4-5 Esslöffel Himbeerdressing • Senf, Salz, 1 Prise Zucker • Knoblauch nach Geschmack • etwas Wasser zum Strecken

Zutaten für Panade:

• 1 Handvoll zerriebene Cornflakes • ½ Handvoll gemischte, gehackte Nüsse plus Körner (zum Beispiel Bio-Nussmischung) • ½ Handvoll Brösel • 1 Ei, Mehl • alles miteinander vermischen

Zubereitung:

Verwenden Sie Blattsalate nach Saison und Geschmack, zum Beispiel Rucola, Vogerlsalat, Radicchio, Eichblatt), blätterig geschnittenes Rohgemüse, zum Beispiel Gurke, Radieschen, bunte Paprika, Frühlingszwiebeln etc. In Streifen geschnittene mit Salz, Pfeffer und Zitronensalat gewürzte Hühnerbruststreifen panieren und in Fett schwimmend (sehr heiß) knusprig backen. Den Salat mit dem Dressing marinieren, und die Hühnerstreifen auf dem Teller anrichten. Lasst‘s euch schmecken und genießt den Sommer. Das dowas-Küchenteam.


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„ Mein Traum ist es, anderen zu helfen“ Fast vier Jahre lebt Vera Ahima (30) in Vorarlberg, seit sechs Monaten verkauft sie die marie vor dem Spar-Geschäft in Altach. Eine Rückkehr in ihre Heimat Nigeria ist für die gelernte Friseurin nicht möglich. Sie träumt davon, ein Bleiberecht in Österreich zu bekommen und eine Ausbildung als Krankenschwester machen zu können.

Text und Foto: Frank Andres

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er Verkauf der marie hilft Vera Ahima, auf andere Gedanken zu kommen. Nicht ständig daran erinnert zu werden, dass sie möglichwerweise nicht in dem Land bleiben darf, in dem sie ihre Zukunft sieht. Vera hofft, dass der Verkauf der marie ihr dabei hilft, ein humanitäres Visum zu bekommen. Und sie fügt hinzu: „Ich kann bei dieser Arbeit anderen Menschen ein Lächeln schenken.“ Vera ist bei ihren Kunden beliebt. Wird regelmäßig mit Essen und Trinken versorgt.

Arbeit im Pflegeheim

Vera Ahima kam vor knapp vier Jahren nach Österreich. Über die Gründe, weshalb sie ihre Heimat Nigeria verlassen hatte, will sie nicht sprechen. Drei Jahre lang lebte sie in einer Asylunterkunft in Raggal. „Ich war die erste schwarze Frau dort“, erinnert sie sich. Keine einfache Situation. Vera fühlte sich oft einsam, auch weil sie die Sprache nicht beherrschte. Doch die junge Frau mit ihrem kunstvoll gezopften Haaren nahm das Schicksal selbst in die Hand. Sie absolvierte in Feldkirch einen Deutschkurs. Über Vermittlung der Caritas bekam die gelernte Friseurin eine Arbeit in einem Pflegeheim in Ludesch. „Ich liebe es, älteren Menschen zu helfen“, sagt sie. Vera nahm ihren Job ernst. Ging mit den betagten Heimbewohnern spazieren, redete mit ihnen, wusch sie auch. Zwei- bis dreimal die Woche, jeweils für vier Stun-

den, pendelte sie zwischen Raggal und Ludesch und her. Nach zwei Jahren war dann plötzlich Schluss, die Zeit des Projekts abgelaufen. Ans Aufgeben denkt Vera aber nicht. Im Gegenteil: Sie will unbedingt eine Ausbildung zur Krankenschwester machen. „Mein Traum ist es, anderen zu helfen“, sagt sie. Wenn sie das notwendige Geld hätte, würde sie auch gerne eine Organisation gründen, die sich um benachteiligte, obdachlose Menschen kümmert. Als Friseurin will Vera, die für ihre Haarpracht einmal im Monat mindestens drei Stunden investiert, nicht mehr arbeiten.

„Einfach alles“

Und was liebt sie am Leben in Vorarl­berg besonders? „Einfach alles“, sagt Vera. Hier seien alle Menschen krankenversichert. Es gebe genügend Spitäler. Und niemand müsse, wie in Nigeria, Angst davor haben, auf offener Straße überfallen zu werden. In ihrem Wunsch, in Österreich bleiben zu dürfen, wird Vera Ahima vom Bregenzer Verein vindex – Schutz und Asyl, der Konventionsflüchtlinge und Asylwerber betreut, unterstützt. „Vera hat einen negativen Asylbescheid. Sie

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Vera Ahima träumt davon, Krankenschwester zu werden. Ihre große Leidenschaft ist das Singen. In der freienevangelikalen Kirche in Dornbirn ist sie regelmäßig jede Woche als Gospelsängerin zu erleben.

könnte also theoretisch jederzeit abgeschoben werden“, erklärt vindex-Geschäftsführerin Eva Fahlbusch. Und sie warnt vor den unabsehbaren Folgen für Vera: „In Nigeria wütet die islamistisch-terroristische Organisation Boko Haram. Junge, alleinstehende Frauen wie Vera müssen befürchten, getötet zu werden.“ Und die vindex-Geschäftsführerin betont, dass Vera kein Wirtschaftsflüchtling sei. Bei ihr hätten andere tragische Gründe dazu geführt, dass sie ihr Heimatland Nigeria verlassen musste.


Gsi

EIN LOB DER FAULHEIT

Faulsein ist Katzen angeboren. Nicht zuletzt deshalb erwecken sie unseren Neid und unsere Bewunderung.

Endlich Urlaub, süßes Nichtstun. Gut so, denn „die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich“, postulierte der französische Literaturnobelpreisträger Anatole France. Er beruft sich auf ein allmächtiges Vorbild: Immerhin schien Gott seit Erschaffung von Welt und Mensch – und das ist doch schon einige Zeit her – nicht mehr viel gearbeitet zu haben. Text: Gerhard Thoma, Fotos: pixabay

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S

o gesehen sind die meisten Vorarlberger in weite göttliche Ferne gerückt. Gelten sie doch gemeinsam mit den Schwaben und Schweizern als reinste Verkörperung für arbeitsame Leute. Berühmt für ihren Fleiß gehen sie nicht nur arbeiten, sondern „ma got ga schaffa“ oder „ga schöpfa“ – man „erschafft“ etwas. Die Arbeit wird zu etwas Erhabenem, Kreativem, Schöpferischem erkoren, egal um welche Tätigkeit es sich handelt. Diese Sinngebung für „arbeiten“ ist im deutschen Sprachraum einzigartig. Dabei zeigt ein Rückblick in die Geschichte, dass die Faulheit genau so viel Anerkennung und Bewunderung findet wie Fleiß und Arbeit. Werfen wir einen Blick auf die Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Haufenweise begegnen wir Taugenichtsen, Dandys, Bohemians, Flaneuren, reichen Frührentnern und armen Bonvivants. Beharrlich verweigern sich die Helden in den Romanen, Erzählungen und Dramen von Goethe über Eichendorff und Stifter bis hin zu Thomas Mann der bürgerlichen Gewerbsarbeit. Manns epochaler „Zauberberg“ gilt als der deutsche Faulheitsroman schlechthin. In Stifters „Nachsommer“ sind die Hauptakteure arbeitslose Müßiggänger, die von ihren Apanagen leben. Auch in den Werken des Vorarlberger Schriftstellers Franz Michael Felder werden Personen charakterisiert, die vor der Arbeit flüchten – und deshalb nicht weniger sympathisch erscheinen als ihre schuftenden Zeitgenossen. Die Faulheit auf die Spitze treibt Iwan Gontscharows „Oblomow“ aus dem Jahr 1859. Oblomow ist kerngesund und denkt jeden Tag an einen Job, den er demnächst antreten werde. Zum Arbeiten kommt er aber nie, weil der gutmütige Mann, der niemandem etwas Böses will, sich allein schon beim

Gedanken an die Strapazen niederlegen muss. Dahinter steckt auch eine Kritik an seinen hektisch tätigen Mitbürgern. Jede Menge Besucher wollen Oblomow überzeugen, wie schön und wichtig Erwerbsarbeit sei. Vergeblich. Gontscharows Faulpelz ging in die Weltliteratur ein. In der Medizin gibt es das „Oblomow-Syndrom“: Ein Oblomowist ist ein Mensch, der trotz voller Gesundheit herumtrödelt und sein Bett nicht verlassen will. Meistens handle es sich dabei um verwöhnte Muttersöhnchen. Gontscharows „Oblomow“ ist als Urlaubslektüre zu empfehlen.

Wie die griechischen Götter

In der Zeit noch weiter zurück, begegnen wir den griechischen Göttern. Sie lebten bescheiden, erfreuten sich an Honig, Milch und Nektar – und frönten dem süßen Nichtstun, wie es sich für einen Gott geziemt. Obwohl, ganz untätig waren sie nicht. Statt sich um ihren Lebensunterhalt sorgen zu müssen, strebten sie nach Weisheit, widmeten ihre Zeit den Künsten, ihren Leidenschaften sowie zahllosen hetero- und homosexuellen Liebschaften. Ein Leben wie die griechischen Götter nahmen auch die Römer für sich in Anspruch. Wer es sich leisten konnte, ließ die Arbeit von Sklaven erledigen. Die vornehmen Römer, die Patrizier, beschäftigten sich währenddessen mit Politik, Philosophie und Literatur. Je mehr Freizeit und Sklaven, desto höher waren das Ansehen und die Macht in der Gesellschaft. Diese Lebensauffassung wurde vom europäischen Adel vom Mittelalter bis in die Neuzeit kopiert. Die Könige, Kaiser und hohen Geistlichen „von Gottes Gnaden“ machten sich wie ihr treues Gefolge die Hände selten schmutzig. Die hierarchische Ordnung dies- und jenseits der Schlösser und Villen war eindeutig und weithin akzeptiert: Hier Müßiggang, Lustwandeln und Faulheit, dort schweißtreibende Arbeit, Überlebenskampf und Fleiß.


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„O Faulheit, erbarme du dich des unendlichen Elends! O Faulheit, Mutter aller Künste und der edlen Tugenden, sei du der Balsam für die Schmerzen der Menschheit.“ (Paul Lafargue, Schüler und Schwiegersohn von Karl Marx)

„Er tat nichts und dies mit großem Eifer.“ (Walter Ludin, Schweizer Journalist und Buchautor)

Letzlich ist es die Verkettung von rasanten technischen Fortschritten, Industrialisierung und Wettbewerb, welche die Menschen nicht mehr zu Atem kommen lassen. Nun sind sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber gefordert. Die Demokratie sorgt für gleiche Rechte und Pflichten für alle Bürger. Das heißt, in der Leistungsgesellschaft gibt es keine Herren und Knechte mehr. In diesem von einer breiten Öffentlichkeit mit Argusaugen beobachteten Netzwerk muss jede und jeder funktionieren und die übertragene Aufgabe möglichst perfekt erfüllen, vom Volksschüler bis zum Präsidenten. Wer nicht gewillt ist, die geforderte Leistung zu bringen, gilt als „faul“ und abnormal. Normal ist, wer ständig aktiv ist oder wenigstens so tut, als ob man mit einer wichtigen Sache beschäftigt ist. Ein schlechtes und sorgenvolles Gewissen hat, wer im Urlaub nicht erreichbar ist oder eine Email verpassen könnte. Aussteiger und Konsumverweigerer ernten Bewunderung oder Verachtung. Erst in jüngster Zeit schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung. Menschen üben sich wieder in Langsamkeit und Entschleunigung. Haufenweise melden sich Lebensberater in Büchern, Vorträgen und Seminaren zu Wort. Ziel ist es, die Menschen aus manchen Zwängen und

„Es tut im Grabe hier der Mann, was er im Leben einst getan; er ruht.“ (Grabinschrift)

„Bei jeder Konferenz, an der ich teilnahm, taten sich diejenigen am meisten mit Vorschlägen hervor, die hinterher keinen Finger rührten.“ (Ernst Probst, deutscher Schriftsteller und Verleger)

Selbstentfremdung zu befreien, damit sie wieder zu sich selbst kommen. Neue Arbeitszeitmodelle sind gefragt, Wellness-Kuren oder fernöstliche Meditationstechniken verschaffen kurzfriste Erholung. Faul und müßig sein muss erst wieder erlernt werden. Der griechische Poet Hesiod prägte vor 2700 Jahren das berühmte Wort vom Goldenen Zeitalter: Die Urmenschen waren Bauern und Viehzüchter. Sie arbeiteten, aber „ganz nach Gefallen“ und „gemächlich“ in einem Zustand ungetrübten Glücks. Dann ging es bergab. Auf das Goldene folgte das Silberne und daraufhin das Eiserne Zeitalter: Es ist geprägt durch beschwerliche Arbeit, Konkurrenz und Misstrauen unter den Menschen. Und dies führt, so Hesiod in seiner Dichtung „Werke und Tage“, zu Gewalt, Lüge und Neid. Einmal noch im Goldenen Zeitalter zu leben, wenigstens ein paar Urlaubstage im Jahr, sei allen gewünscht.

Offline statt online. Eine handgeschriebene Postkarte bereitet mehr Freude als tägliche Facebook-Eintragungen.

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Gsi

ERINNERUNGEN VON HERBERT KNAPP

Als Bregenz und Lochau unter Wasser standen Herbert Knapp (84) aus Bregenz erlebte im Juli 1955 als Jungfeuerwehrmann hautnah die Überschwemmungskatastrophe im Gebiet Bregenz und Lochau mit. Der ehemalige Hafnermeister hat für die marie seine Erinnerungen aufgeschrieben.

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ach tagelangen schweren Regenfällen begann am frühen Morgen des 29. Juli 1955 ein Unwetter mit starkem Blitz- und Donnerschlag. Unmittelbar setzte im Pfändergebiet ein wolkenbruchartiger Regen ein, alle Schleusen des Himmels schienen sich geöffnet zu haben. Gegen 6 Uhr mussten die Bewohner von Lochau gegen das Wasser, das in breiten Strömen vom Eichenberg herunterfloss, ankämpfen. Um zirka 7 Uhr erfolgte für die Ortsfeuerwehr Lochau Großalarm. Sämtliche Bäche im Gemeindegebiet wuchsen von Viertelstunde zu Viertelstunde an. Der Lochauer Dorfbach machte die Dorfmitte zu einem See. Am Bahnhof und beim Hotel Bäumle stand das Wasser zeitweise bis zu einem Meter hoch. Nach ein paar Stunden war die Ortschaft von Bregenz abgeschnitten. Bei der Villa Sannwald ging ein Erdrutsch nieder und verschüttete die Bundesstraße meterhoch. Der Straßen- und Bahnverkehr musste eingestellt werden.

Straßen wurden zu Wildbächen

Gegen 9 Uhr begann sich das Unwetter auch im Stadtgebiet von Bregenz verheerend auszuwirken. Von der Talstation der Pfänderbahn schoss eine lehmige, braune Flut durch die Schillerstraße, Herbert Knapp.

Die überflutete Bahnhofstraße in Bregenz.

alle Straßen, die vom Berg zum See führten, waren reißende Wildbäche geworden, sodass der Kornmarkt, die Seestraße und das ÖBB-Bahngelände zu großen Seen wurden. Das Postamt Bregenz war eine Insel, Fernschreibverbindungen und der Telefonverkehr waren unterbrochen. Die innere Stadt: Der Leutbühel und vor allem die seewärts führenden Straßen (Kaiser-, Rathausstraße) wurden in kurzer Zeit zu reißenden Wildbächen. Bahnhofstraße und -platz standen alsbald 60 Zentimeter tief unter Wasser. Gegen Mittag lichtete sich der Himmel, der Regen wurde schwächer. Obwohl am Nachmittag leichter Regen anhielt, setzten die Aufräumarbeiten ein. Die Straßen der Stadt boten einen traurigen Anblick. Im Kinzkeller, der bekannten Großgaststätte, stand das Wasser 1,5 Meter hoch. Die Feuerwehren des Vorarlberger Rheintales kamen den Feuerwehren von

Arg erwischte es den Kinzkeller.

Bregenz, die bereits seit den frühen Morgenstunden im Einsatz standen, zu Hilfe, nachdem die Landesregierung über den ORF Rundfunk Alarmstufe I angeordnet hatte (damals gab es noch keinen Funk bei den Feuerwehren). 17 Ortsfeuerwehren und drei Betriebsfeuerwehren mit 352 Mann und 25 Fahrzeugen, Pumpen und Geräten trafen ein. Um 18 Uhr dieses Katastrophentages, dem 29. Juli 1955, berichtete der ORF in den Abendnachrichten von dem Unwetter: Die Überflutungen in Seenähe in Bregenz und Lochau hatten in den Nachmittagsstunden im Wesentlichen aufgehört. Der Straßenverkehr zwischen Bregenz und Lochau wurde wieder freigegeben. Der Bahnverkehr zwischen Bregenz und Lochau konnte um 16.17 Uhr wieder aufgenommen werden. Die Langenerstraße war an zwölf Stellen vermurt. Ihre Freimachung dauerte noch längere Zeit.


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VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html

Sa., 1. Juli, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 19,- Euro

GABY MORENO

Als Singer- und Songwriterin stattet Gaby Moreno ihre englisch- und spanischsprachigen Songs mit einem liebenswerten Charme aus: Elegante Harmonien, unerwartete Klangfarben Guatemalas, vereint mit schlichter Instrumentierung. 2006 gewann sie den John Lennon Songwriting Contest. Neben einer Emmy-Nominierung, einem Auftritt beim 50-jährigen Jubiläum von Amnesty International folgten 2012 zwei Grammy-Nominierungen. 2013 gewann sie den Latin Grammy Award als beste Nachwuchskünstlerin.

Sa., 1. Juli, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: freiwillige Spende

JAM ON POETRY

Du hast einen Text in der Schublade liegen und auch noch nie vorgetragen? Entstauben, einpacken, rumkommen und slammen! Aber auch wenn du einfach nur mal so, um zu schauen oder kurzweiliges Abendprogramm erleben möchtest – ja auch dann sind wir genauso die richtige Adresse dafür.

Sa., 1. und Di., 4. Juli, 20 Uhr sowie So., 2. Juli, 18 Uhr. Kulturbühne Ambach, Götzis, Eintritt: 22,- Euro

NATÜRLICH BLOND

Erst vor 4 Jahren fand die österreichische Uraufführung im Wiener Ronacher statt, jetzt kommt das rasante Stück in Vorarlberg auf die Bühne: von Vorarlbergern, für Vorarlberger. WAMCO erzählt die schrille Geschichte der bezaubernden Elle Woods, der auf ihrem Weg zum Uni-Abschluss aufgrund ihres Aussehens von üblen Mitstreitern zahlreiche Steine in den Weg gelegt werden. Diese räumt sie jedoch spielerisch mit hinreißender Logik und stets emotional überbordend aus dem Weg. Das Klischee, dass hübsche Blondinen nichts im Köpfchen haben, wird hier – in jeder Hinsicht – schnell über Bord geworfen. Love-Story included! Schulaufführung Di., 4. Juli um 10 Uhr.

So., 2. Juli, 11 bis 13 Uhr, Rittersaal im Palast Hohenems, Eintritt: 20,- Euro

400 JAHRE HOHENEMSER SCHUTZBRIEF – FESTAKT

Festvortrag von Dan Diner (Tel Aviv) und Konzert mit jüdischer Musik des Barock. In der Geschichte der Hohenemser Juden erscheint die Geschichte Europas wie unter einem Brennglas. Und in einer Zeit der Verunsicherung, in der die Gestalt Europas mehr Rätsel aufgibt denn je, ist der Blick auf diese Geschichte ein möglicher Schlüssel für die Antworten nach denen wir suchen.

Mo., 3. Juli, 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: frei

KONTAKTCHOR

Offener Liederabend zum Mitsingen oder Zuhören. Volksgesang, Kanons, Wechselgesänge, Sprechstücke, Rhythmen, Klänge. Fast alles „auf Deutsch“, ein bisschen spanisch, englisch und Silbenmusik. Eingeladen sind Interessierte jeder Alterstufe, auch Kinder, Familien. Leitung: Ulrich Gabriel.

Di., 4. Juli, 17 Uhr, Treffpunkt Bahnhofshalle Feldkirch, Teilnahme kostenlos

Do., 6. bis Sa., 8. Juli, 21 Uhr, Marktplatz Dornbirn, Eintritt: frei

ORIGANO FESTIVAL

Musik und Geschmack aus aller Welt. Die größte Veranstaltung von SommErleben geht in die 16. Runde und bringt musikalische Vielfalt und eine frische Sommerküche in die Stadt. Ob afrikanische Musiklegende, holländischer Funk & Soul oder österreichische Elektro-Blasmusik-Mischung – beim Origano Festival ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Mi., 12. Juli, 19 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz, Eintritt: frei

CARMEN UND DIE BETTLER

Carmen ist eine der beliebtesten Opern, sie wird heuer und im nächsten auf der Seebühne gespielt. Carmen, eine Zigeunerin, jubelt das Publikum zu. Was, wenn Carmen ein Bettelgewand tragen und in einer Vorarlberger Innenstadt um Almosen bitten würde? Der Kulturwissenschafter Thomas Macho erzählt die Geschichte der Figur Carmen. Anschließend diskutiert er mit Regisseur Kasper Holten, dem Unternehmer Walter Aigner (Tisca) und der Jazz-Sängerin Dotschy Reinhardt. In Zusammenarbeit mit den Bregenzer Festspielen.

WEM GEHÖRT DIE STADT?

Wahrnehmungsspaziergang Der Anblick von bettelnden Menschen irritiert. Manche Passanten fühlen sich belästigt. Städte reagieren mit Bettelverboten. Doch wem gehört die Stadt? Eva Lingg, Dozentin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Gallen, lädt zu einem Spaziergang durch Feldkirch ein. Sie lenkt dabei den Blick auf Gestaltung, Funktion und Nutzung des öffentlichen Raumes. Veranstalter: vorarlberg museum, Caritas, Kaplan Bonetti, Vorarlberger Architekturinstitut VAI und ARGE Wohnungslosenhilfe.

Foto: Hassan Hajjaj

Fr., 14. Juli, 22:15 Uhr, Poolbar Feldkirch, Eintritt: 23,- Euro

A-WA

Tair, Liron and Tagel Haim sind ganz besondere Schwestern. Sie kommen aus Israel und sind für ihren Song Habib Galbi bekannt geworden, in dem sie jemenitische, traditionelle Musik mit Elektround Hip-Hop-Beats unterlegen.

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Veranstaltungskalender

Foto: Gabriel Hyden

Sa., 15. Juli, 22:15 Uhr, Poolbar Feldkirch, Eintritt: 23,- Euro

LEYYA

Sie spielen auf den großen Festivals, touren durch Europa, ihr Hit „Superego“ wird im Radio, Fernsehen und im Film gefeiert, die großen Labels, Verlage und Agenturen laufen ihnen die Türen ein. Vom renommierten Musikblatt „Musikexpress“ wurden sie zum besten Act des noch renommierteren Showcase-Festivals Eurosonic gekürt und „Consequence of Sound“ nennt die Band in ihrer Liste der „most exciting Acts“ des Iceland Airwaves. Eins sind LEYYA keinesfalls: berechenbar. Zeichnet sich doch mit „Zoo“ ab, dass die Band aus Eferding/Österreich so gut wie jedes Genre beherrscht, auch (das des) „Pop“.

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Fr., 21. Juli, 20 Uhr, Blauer Platz Lustenau, Eintritt: frei

THE SPINNING WHEELS

bei Sommer.Lust Am Platz Seit 22 Jahren sind The Spinning Wheels in Sachen Rhythm, Blues & Soul unterwegs. Was mit einer siebenköpfigen Blues Brothers Session angefangen hat, ist inzwischen zu einer fast doppelt so großen Soul-Funk Band gewachsen. Die Wheelers spielen sich quer durch das breite Repertoire an kultigen Rhythm & Blues-, Soul & Soulfunk- und progressiven 70er-Rocksongs.

Foto: Veranstalter

Fr., 28. Juli bis So, 6. August (außer Montag), Freudenhaus Lustenau, Eintritt: 27,- Euro

DAVID DIMITRI

L´Homme Cirque Mit viel Charme und Humor zieht der Seiltänzer und Akrobat David Dimitri Abend für Abend das Publikum in seinen Bann und benötigt dafür nicht viel: Ein Holzpferd als treuen Begleiter, ein Seil für zahlreiche Kunststücke und eine eigens konstruierte Kanone als einen der Höhepunkte der Vorstellung.

Foto: Veranstalter

Fr., 11. August, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: 25,- Euro

GABBY YOUNG & OTHER ANIMALS

Fear of Flying Mit ihren sympathischen Begleitern an Gitarren, Keyboards und diversen möglichen und unmöglichen Instrumenten serviert Gabby Young ihren ureigenen Circus–Swing, den sie artistisch mit Ragtime und Big-Band-Bombast, Mazurka und Operndramatik, Varieté und Vaudeville, Kirmeswalzer und Balkan-Blasmusik vermischt – ein Gesamtkunstwerk.

Fr., 4. August, 20 Uhr, Blauer Platz Lustenau, Eintritt: frei

SWING WERK BIG BAND

bei Sommer.Lust Am Platz Zu Beginn des Konzertes präsentiert die Swing Werk Big Band vielfältige Solisten aus den eigenen Reihen. Dann wagt sich Swing-Werk unter dem Motto „Sounds of a Woman“ mit Songs von Christina Aguilera über Aretha Franklin bis hin zu Gloria Estefan und Amy Winehouse an eine Hommage an die größten weiblichen Stimmen aus Blues, Soul, Jazz und Rock. Als Special-Guest konnte die Vollblutsängerin und Energiebündel Nadine May gewonnen werden, die bereits als beste Schweizer Nachwuchssängerin ausgezeichnet wurde.

Foto: Adrian Buckmaster

Sa., 12. August, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: 27,- Euro

THE KLEZMATICS

30th Anniversary Tour Die weltberühmten, mit einem Grammy ausgezeichneten Superstars der Klezmer-Musik gastieren auf ihrer Tour zum 30-jährigen Bandjubiläum endlich einmal im Freudenhaus. 1986 im New Yorker East Village gegründet, zählen sie zu den erfolgreichsten Interpreten jüdischer Musik weltweit. Viele ihrer Stücke entstammen dem traditionellen Repertoire der Juden Osteuropas und Nordamerikas. Aber im Unterschied zu traditionellen Klezmer-Ensembles beziehen sie Elemente aus Jazz, Latin, Ska, Afro, Rock oder Balkan in ihren treibenden Sound mit ein.


#19 / Juli-August 2017

Do., 24. August, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: noch offen

LABORATORIUM: CIRCUS

Während zwei Wochen im August steht unter dem Begriff Laboratorium das Freudenhaus erstmals Künstlern zur Verfügung, um ihre Stücke auf den Weg zu bringen oder sie fertig zu stellen. Für 2017 sind zwei Künstlergruppen vorgesehen: FENFIRE bilden im Kern die beiden Artisten Christiane Hapt und Sebastian Berger. Gemeinsam arbeiten sie im experimentellen transdisziplinären Bereich der Objektmanipulation und Jonglagetechnik. Ihr erstes Bühnenstück heißt IT’S ABOUT TIME* und greift das Thema der Arbeitsmonotenie auf. Sebastian Gerer erforscht in seinem Stück „egoshow.com“ die Abgründe und Oberflächen des modernen Menschen. Es entstehen circensische Bilder und Kurzgeschichten mittels Diabolo, Jonglage und selbstkreierter Musik mit Stimme, Gitarre, Loops und Effekten.

Fr., 25. August, 20 Uhr, Rathausgasse, Bludenz, Eintritt: frei

JAZZ & GROOVE – TAG 1

Das neu gestaltete Bludenzer Jazzfestival geht heuer in die zweite Runde. Gemäß dem neu gewählten Schwerpunkt in der Programmgestaltung soll die Musik eine breite Zielgruppe ansprechen, zum Verweilen einladen und zum Tanzen verführen. In den Gastgärten der Gastronomiebetriebe in der Rathausgasse sorgen Mia Luz & Toni Eberle für den Auftakt des Festivalwochenendes.

Sa., 26. August, 19:30 Uhr, Rathausgasse, Bludenz, Eintritt: frei

JAZZ & GROOVE – TAG 2

Am Samstagabend wird der Vorplatz der Remise zum Festivalgelände. Als Vorband steht die Vorarlberger Jazzformation „Die Gërtnerei“ auf der Bühne. Rund um Sänger und Posaunist Thomas Gertner fanden sich die fünf Musiker aus der Big Band Szene Vorarlbergs zusammen. Ein Markenzeichen der Band sind Songs auf Deutsch. Als Haupt-Act präsentieren sich Os & the Sexual Chocolates. Die aus Österreich stammende Band hat sich seit 2009 dem Funk verschrieben.

Fr., 30. Juni, 20:15 Uhr, Taubengarten Schruns, Eintritt: frei

NU JARGON

Jazz am Platz Die Band verbindet Tradition mit Modernem und kreiert eine neue musikalische Ausdrucksweise. Dieser „Hot Club“ schöpft aus Eigenkompositionen (A. Baldauf) im Stile des Gypsy-Swings der 30er- und 40er-Jahre und streift stellenweise Elemente des Blues, Soul und Latin.

Jeden 1. Dienstag im Monat in der Bibliothek Altach. Beginn um 19 Uhr. STRICKLIESEL

Häkeln, stricken, plaudern. Eingeladen sind alle. An die Nadeln, fertig, los!!!

Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat um 11 Uhr SONNTAG IN DER INATURA

In der Naturschau Dornbirn werden durch Museumspädagogen Einführungen zu spannenden Themen angeboten. Ein Erlebnis für Groß und Klein. Das Angebot ist im üblichen Eintrittspreis inbegriffen.

Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 MEDITATIONSGRUPPE

jeden Montag um 18.15 Uhr

FRAUENCAFÈ

jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen

SPORTNEIGUNGSGRUPPE

jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9

LITERATUR TANKSTELLE

jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr

NÄHWERKSTATT

jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 17 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!

HOCHPRIMA KINDER YOGA

jeden Donnerstag, 15.00 bis 16.00 Uhr, ausgenommen Ferien und Feiertage

Jeden 2. Montag im Monat, von 14 - 17 Uhr im Alpinund Tourismusmuseum Gaschurn. SPINNSTUBE

Das Verspinnen von Stapelfasern zu Garn ist wie das Weben eine der ältesten Techniken der Menschheit. Gemeinsam versuchen wir aus gereinigter Schafwolle Garn zu spinnen. Wer ein Spinnrad zuhause hat, kann dies gerne mitbringen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich, sehr gerne sind auch geübte SpinnerInnen willkommen.

Jeden 1. Dienstag im Monat im Gemeindeamt in Koblach. KOSTENLOSE RECHTSBERATUNG

Kostenlose Rechtsberatung durch Rechtsanwalt Dr. Edelbert Giesinger von der Kanzlei Giesinger, Ender, Eberle & Partner, Feldkirch. Keine Terminvereinbarung.

Jeden 1. Freitag im Monat von 14 bis 17 Uhr. REPARATUR CAFÉ RANKWEIL

in der Werkstätte der Lebenshilfe, Köhlerstraße 14. Weitere Infos: Bürgerservice der Marktgemeinde Rankweil 05522 405 1125 oder buergerservice@rankweil.at

REPAIR CAFÉ RHEINDELTA

In den geraden Kalenderwochen 14-tägig jeweils freitags von 14.00-18.00 Uhr in Höchst, Doktor-Schneider-Straße 40. Nächster Termin: 7. Juli. Das Repair-Café soll Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Repariert werden können jene Gegenstände, für die entsprechende Spezialisten zur Verfügung stehen - von elektrischen Kleingeräten, Möbeln und Fahrrädern bis hin zu Kinderspielzeug. Kontakt: repaircafe.rheindelta@gmx.at

OFFENE SCHREIBWERKSTATT

jeden 1. Samstag im Monat, 9.30 bis 12 Uhr, Komm vorbei mit Papier, Stift und Freude am Schreiben

Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.

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Kultur

Niemand wird ungerührt bleiben Wie weit darf man gehen, um sich selbst treu zu bleiben? Der Österreicher Franz Jägerstätter verweigerte den Wehrdienst für die Nazis und bezahlte dafür mit seinem Leben. Das bewegende Bühnenstück kommt im August als Freiluft-Theater mit rund 50 schauspiel- und gesangsbegeisterten Laien aus der Region an den Kirchplatz der Rankweiler Basilika. Text und Fotos: Caroline Begle

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ereits in den 1930er-Jahren begann die Tradition der Freilichtspiele auf dem malerischen Kirchplatz vor der Basilika in Rankweil. Vor neun Jahren fand die letzte Inszenierung statt, und seither gab es viele Anfragen, weitere Aufführungen am Liebfrauenberg umzusetzen. Der „Freundeskreis der Basilika“ entschloss sich daher, im August 2017 erneut ein groß angelegtes Freiluftspektakel zu veranstalten. „Es war uns wichtig, ein Theaterstück zu finden, das ideell und spirituell zu diesem besonderen Aufführungsort

Harald Keckeis aus Rankweil, spielt den Anwalt Dr. Feldmann „Ich war schon beim letzten Stück mit dabei und freue mich besonders auf die Auftritte. Wenn die Anstrengungen und Herausforderungen der Probenzeit sich bezahlt machen und das Publikum zufrieden ist.“

am Rankler Kirchplatz passt“, erklärt Wallfahrtsseelsorger Walter Juen, der gemeinsam mit Martin Salzmann und Armin Wille für die Produktionsleitung zuständig ist. Das Stück sollte zudem vielen Interessierten die Mitwirkung ermöglichen, künstlerisch professionell geführt und inhaltlich relevant sein. Die Wahl fiel deshalb auf das im Jahr 2013 entstandene Theaterstück „Jägerstätter“ des Tiroler Autors Felix Mitterer. Der Stoff ist historisch und dennoch höchst aktuell.

Widerstand bis in den Tod

Das Stück erzählt von Franz Jägerstätter aus dem oberösterreichischen Dorf St. Radegund. Er war Bauer, Mesner, Familienvater und gläubiger Christ. Im März 1943 erhielt er die Einberufung zur Wehrmacht. Er verweigerte den Kriegsdienst, wurde verhaftet und in Berlin zum Tode verurteilt. Der Tiroler Autor Felix Mitterers schreibt in seinem Theaterstück vom Weg dieses sturen Bauern, der „Nein“ sagte zu einem verbrecherischen Regime. Er erzählt aber auch von dessen Zweifeln, Ängsten und inneren Kämpfen. Die Geschichte berührt und geht tief. „Man kann sich der Tragik nicht entziehen, es gibt viele Momente mit Gänse-

Kathrin Mathies aus Rankweil, Bewegungschor „Es ist spannend, wie wir im Bewegungschor die Szenen mitgestalten und unsere Ideen einbringen können. Zudem geht die Geschichte des Franz Jägerstätter sehr nah, ich habe oft Gänsehaut bei den Proben.“

haut und Tränen“, berichtet Regisseurin Brigitta Soraperra. „Gleichzeitig hat das Stück auch Leichtigkeit und Witz.“ Ihr steht ein professionelles Team zur Seite (siehe Factbox rechte Seite). Die Schauspielrollen wurden ausschließlich mit Laien aus der Region besetzt. Ein eigens zusammengestellter Projektchor mit rund 30 Personen sowie eine Bewegungsgruppe sind weitere zentrale Bestandteile der Umsetzung.

Engagierte Laien

„Die größte Herausforderung war es, Menschen zu finden, die sich auf dieses Stück einlassen und sich die nötige Zeit nehmen“, erklärt die Regisseurin. Für


#19 / Juli-August 2017

FREILUFT-THEATER AM KIRCHPLATZ DER BASILIKA RANKWEIL „Jägerstätter“ von Felix Mitterer Premiere: 18. August, 20.30 Uhr Weitere Vorstellungen: 19., 23., 24., 25., 26., 27. August, jeweils 20.30 Uhr Regie: Brigitta Soraperra Choreografie: Ursula Sabatin Chorleitung: Michael Fliri Bühne: Pascal Raich Kostüme: Andrea Knecht Live-Musik: Arno Oehri Mehr Infos: www.basilika-rankweil.at

den „Jägerstätter“ fanden sich knapp 50 Personen, die mit viel Freude und Enthusiasmus dabei sind. Die Gruppe ist bunt gemischt – Frauen, Männer und Kinder zwischen vier und Ende 70, erfahrene Laienschauspieler und komplette Neulinge. „Es ist erstaunlich, wie sehr sie sich einlassen und bei der Sache sind, gerade auch jene, die nicht viel Erfahrung mit Körperarbeit haben“, freut sich Choreographin Ursula Sabatin. Das Bewegungstraining, das sie bei jeder Probe macht, wird von den Mitwirkenden sehr geschätzt, da es besonders wichtig für das Körpergefühl und die Präsenz auf der Bühne ist. Die Umsetzung von „Jägerstätter“ entsteht in engster Zu-

Sepp Gröfler aus Dornbirn, spielt den Franz Jägerstätter „Ich schätze die professionellen Bedingungen hier mit einem tollen Team, das dieses bewegende Stück mit Leidenschaft erarbeitet. Da geht der Saft nie aus!“

Die Proben für das Theaterstück über den modernen Märtyrer Franz Jägerstätter, das am 18. August Premiere feiert, laufen auf Hochtouren.

Maria Schneller aus Bludenz, Bewegungschor „Für mich ist es das erste Freiluft-Theater, ich habe bisher nur Erfahrungen im Impro-Theater. Die Arbeit mit diesem professionellen Team ist sehr spannend, und vor allem die Körperarbeit ist sehr wertvoll.“

sammenarbeit aller künstlerischen Bereiche. Regisseurin Brigitta Soraperra ist Freiluft- und Amateurtheater erprobt und legt großen Wert auf kreativen Austausch und Teamarbeit. Nicht nur das künstlerische Team, sondern auch die Mitwirkenden dürfen ihre Ideen einbringen. Die Erarbeitung des Stückes wird so zu einem kreativen Experimentierfeld und künstlerischen Lernprozess. Das Ergebnis ist ein professionelles Theaterspektakel.

Noch heute brisant

Felix Mitterers wichtigste Regieansweisung lautet: „Keine Hakenkreuzfahnen, keine Nazi-Embleme, keine Nazi-Uni-

formen.“ Die Rankweiler Umsetzung trägt diesem Wunsch Rechnung, denn das Stück hat überhistorische Bedeutung. Natürlich gehe es um die Aufarbeitung der NS-Zeit, erklärt Brigitta Soraperra, doch sie wollten auch die heutige Brisanz des Stoffes vermitteln. Angesichts der aktuellen Weltlage stellt sich mehr denn je die Frage, was wichtiger ist – der Glaube an eine überirdische Ideologie oder das Erfüllen irdischer Notwendigkeiten. Walter Juen ergänzt: „Es ist eine zeitlose Botschaft, und ich bin mir sicher: Niemand im Publikum wird ungerührt nach Hause gehen.“

Walter Juen vom Verein „Freunde der Basilika“, Produktionsleitung „Die Fragen, die Franz Jägerstätter sich stellt, sind immer noch aktuell und zeitlos. Ich wünsche mir, dass das Stück dem Publikum als Impuls dient, sich selbst Fragen zu stellen.“

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Sommerausgabe

Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Elisabeth Willi (Leitung) MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Caroline Begle, Daniela Egger, Andrea Fritz-Pinggera, Simone Fürnschuß-Hofer, Gernot Hämmerle, Nina Himmelreich, Gerhard Hofer, Herbert Knapp, Simone König, Pauline Tagwerker, Karin Anna Thissen, Gerhard Thoma, Robert Thoma, Christina Vaccaro Zeitungsausgabestellen: Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Kaplan-Bonetti-Straße 1 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr

Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 Uhr Bludenz do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Cornelia Matt, Mag. Peter Mayerhofer, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage 26.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP Alexander Grass Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2017 marie. Alle Rechte vorbehalten.


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marie 19 / Juli August 2017 by marie - Die Vorarlberger Straßenzeitung - Issuu