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marie 16 / April 2017

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#16 / April 2017

2,50 Euro

davon 1,25 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer

Erst handeln, dann planen Vorbild Weiler: So gründet man eine Bürgerinitiative.

„Geistiger Umweltschutz“ Gsi: Der Zensur im Ländle fielen 1000 Filme zum Opfer.

Das Hungergefühl geliebt Wie eine Frau aus Feldkirch ihrer Magersucht entkam.

Die Widerständigen marie-Serie: Orte, so nutzlos wie wertvoll und schön.

Der Mediziner und das eigene Leid der Anderen Radioonkologe und Strahlentherapeut Dr. Raoul Pinter (39) vom Landeskrankenhaus Feldkirch spricht über die Herausforderung, täglich mit todkranken Menschen umzugehen. Am Leid der Patienten wäre er fast selbst zerbrochen. Bis er lernte, sich mit seinem eigenen Leid auseinanderzusetzen. Lesen Sie mehr auf den Seiten 18-20.

Foto: Christina Vaccaro


Trauer begleiten - Menschen verbinden Erinnerungen teilen Was können Trauergruppen bewirken? „Ich konnte mir in der Gruppe Zeit für meine Trauer nehmen und im Alltag wieder leichter funktionieren. Die Trauer war nicht vorbei, aber ich habe erlebt, dass ich damit leben kann.“ Zitat einer ehemaligen Teilnehmerin. Vier Abende, in denen Zeit für die Trauer und Raum für das neue Leben ist.

Nächste Gruppe: Schule Müselbach immer mittwochs von 19:00 - 22:00 Uhr 3. Mai, 17. Mai, 31. Mai und 7. Juni 2017 Anmeldung und Information direkt bei der Referentin Astrid Bechter-Boss: abb@aspetos.com oder telefonisch: 0676/6113399 Kosten: €220,-- für alle Abende, wobei die Teilnahme nicht an finanziellen Belangen scheitern soll. Der Familienpass und besondere Situationen können den Preis mindern. Informieren Sie sich. Informationen zu den folgenden Gruppen in Sulz und Lustenau finden Sie unter www.aspetos.com 2/

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Mittendrin in V

Editorial

4-5 Bild des Monats 6-8 „Ich wollte sein wie alle anderen“ Musikerin Fatima Spar über ihr Fremdsein in Lustenau 9 Ein Polizist als marie-Verkäufer Im Porträt: Lamin Samura (48) aus Gambia 10-11 „Schnelles Handeln, einfach tun, Planung folgt“ Vorbild Weiler: So gründet man eine Bürgerinitiative 12 Eine Vision für Afrika Kinderchor aus Uganda zu Besuch im Ländle 13 Rezept Käse-Gemüse-Kräutertoast mit buntem Salat 14-15 Vom Vertriebsleiter zum (Lebens-)künstler Porträt über Jo Auer, Künstler und bunter Hund 16-17 Serie: Die Widerständigen Orte, so nutzlos wie wertvoll und schön 17 Impressum 18-20 „Jetzt muss ich nicht mehr davonlaufen“ Interview mit Radioonkologe Dr. Raoul Pinter 21 Schachecke 22-23 „Ich bin ein Kind im Spielzeugladen“ Zu Besuch bei E-Gitarrenbauer Nick Page 24 Mit dem Pinsel der inneren Spur folgen Freude und Spaß am Malen im Malort Dornbirn 25 Vorarlberg-Rätsel Varschtosch Vorarlbergerisch? 26-27 „Mein Name war auf der Liste“ Hasans Flucht von Bangladesch nach Vorarlberg 28-30 „Ich habe das Hungergefühl geliebt“ Wie Christina Fuksa ihrer Magersucht entkam 31 Tierisch motiviert Julia Haslinger, von der Biologin zur Designerin

Liebe Leserin, lieber Leser, immer mehr Bürger schließen sich zu Initiativen zusammen, wenn sie das Gefühl haben, dass Großprojekte ohne Mitsprache durchgeboxt werden sollen. Aktuelles Beispiel ist der „Lebensraum Weiler“, der sich gegen die Ansiedlung des Industriebetriebs Ölz in der Landesgrünzone wehrt. Die Mitbegründer Kerstin und Martin Riedmann erklären, wie es ihnen gelungen ist, sich bei Politik und Wirtschaft Gehör zu verschaffen (Seiten 10 und 11). Christina Fuksa litt bis zum 40. Lebensjahr unter Magersucht, einer chronischen Essstörung, die tödlich verlaufen kann. „Ich habe das Hungergefühl geliebt“, sagt die heute 47-Jährige. Dank einer Therapie hat sie überlebt und gelernt, wieder zu essen. Mit marie-Mitarbeiterin Simone Fürnschuß-Hofer hat Christina Fuksa ganz offen über ihre Krankengeschichte gesprochen (Seiten 28 bis 30). Fatima Spar wurde 1977 als Nihal Sentürk in Hohenems geboren. Im Buch „Kindheit(en) in Vorarlberg“, das am 24. April erscheint, erzählt die Musikerin mit türkischen Wurzeln über ihr Aufwachsen in Lustenau, ihre Urlaubsreisen mit der Familie und ihren Wunsch „blond, blauäugig und hellhäutig“ zu sein. Einen Vorabdruck ihrer Kindheitsgeschichte lesen Sie auf den Seiten 6 bis 8. Künstler sind oftmals als schräge Vögel verschrien. Jamata alias Jo Auer hat mit 30 Jahren einen hochdotierten Beruf aufgegeben, lebt derzeit abgeschieden in einem alten Haus im Silbertal und gilt sogar unter Künstlern als bunter Hund. Ein Porträt des 63-jährigen Lebenskünstlers von Gernot Hämmerle lesen Sie auf den Seiten 14/15. Das alles und noch mehr lesen Sie in der aktuellen marie. Viel Spaß bei der Lektüre! Herzlich, Frank Andres, marie-Redakteur

Gsi 32-33

„Geistiger Umweltschutz“ Der Zensur im Ländle fielen 1000 Filme zum Opfer

Kultur 34-36 Abseits ausgetretener Pfade Interview mit Theaterpädagogin Brigitte Walk 37-39 Veranstaltungskalender

marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo

Kontaktieren Sie uns

Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

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Bild des Monats

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Frühjahrsputz für den Drahtesel Foto: Frank Andres

Jetzt ist es an der Zeit, Ihr Fahrrad wieder fit für den Frühling zu machen. Wer den Frühjahrsputz aber lieber in professionelle Hände geben will, kann das in der alten Remise der Wälderbahn in Bregenz tun. Dort kümmern sich Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren um Ihren Draht­esel und machen ihn wieder flott. Im Rahmen des Integra-Arbeitsprojektes werden die Jungs und Mädchen durch praxisnahes Training auf den Einstieg in eine Lehre vorbereitet. Kleiner Tipp: Bis zum 9. April können Sie Ihr Fahrrad zum Spezialpreis putzen lassen. Nähere Infos bzw. Terminvereinbarungen telefonisch unter 0664 88785016 oder per E-Mail an fahrradeservice@integra.or.at


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Mittendrin in V

„Ich wollte sein wie alle anderen“ Im Buch „Kindheit(en) in Vorarlberg“ erzählen 38 Persönlichkeiten ihre Geschichten vom Aufwachsen in Vorarlberg. Die marie veröffentlicht die Erinnerungen der türkisch-stämmigen Musikerin Fatima Spar (40).

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Text: Fatima Spar Fotos: privat

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ein Vater ist 1970 als einer der ersten Stickerei-Gastarbeiter nach Lustenau gekommen, meine Mutter folgte zwei Jahre später nach. Meine Mutter ist in Istanbul aufgewachsen, mein Vater stammt aus einem kleinen Dorf am Schwarzen Meer. Ich habe zwei ältere Geschwister. Meine Eltern arbeiteten Schicht im selben Stickerei-Betrieb. Beide haben irrsinnig viel gearbeitet, meine Mutter auch während der Schwangerschaft bis zu 15 Stunden täglich. Als ich auf die Welt kam, war ich mit einer schwarzen Schicht überzogen – der Arzt dachte erst, meine Mutter wäre Alkoholikerin, angeblich kam es aber vom immensen Schwarzteekonsum meiner Mutter. Ich bin in einem herrlichen alten Haus im Hasenfeld aufgewachsen. Bei uns wurde viel geheizt, es war immer warm, was auch die Nachbarskinder mochten, die bei uns einund ausgingen. Wir hatten in manchem viele Freiheiten. Ich kann mich nicht erinnern, dass uns verboten wurde, Limonade zu trinken oder Süßigkeiten zu essen. Mit dem Fernsehen war es ähnlich. Das war für die Nachbarskinder wie im

Paradies. Außer einmal, als wir bei meinem siebten Geburtstag einen Horrorfilm angeschaut haben. Das fanden dann vor allem die Eltern der anderen Kinder weniger lustig. Meine Eltern waren sehr aufgeschlossen. Wir haben zum Beispiel immer Weihnachten gefeiert. Ich kann mich noch gut an das kleine Häuschen unterm Christbaum erinnern. Religion

„Meine ganze Kindheit hindurch habe ich mir gewünscht, blond, blauäugig und hellhäutig zu sein.“ spielte in unserer Familie keine Rolle, war aber für mich als Kind ein großes Thema – ich wollte, wie die anderen Kinder auch, den Religionsunterricht besuchen

und in die Kirche gehen, war bei der Jungschar und habe oft in der Kirche Blockflöte gespielt. Das ganze Programm eben. Das wurde von meinen Eltern und allen anderen akzeptiert. Einmal gab es Ärger, als ich mir eines schönen Tages die Hostie geholt habe. Da wurde vorgeschlagen, dass ich konvertiere, was natürlich nicht in Frage kam. Ich wollte einfach so sein wie alle anderen Kinder, dazu gehören. Mit meinem „dunklen“ Aussehen war ich immer unglücklich, fand mich nie hübsch. Ich war nicht diskriminiert, aber ich habe natürlich erlebt, dass bei uns anders gesprochen und anders gegessen wurde, dass andere Regeln galten. Meine Eltern haben einen Teil ihrer Tradition aus der Türkei mitgebracht, u.a. sehr strenge Moralvorstellungen,


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„Mit türkischen Kindern hatten wir nichts zu tun und den Anspruch, so zu leben wie österreichische Kinder.“ was sich aber im Laufe der Jahre sehr zum Positiven geändert hat. Wir waren bestimmt keine typische Migrantenfamilie. Damals gab es eine Handvoll türkischer Familien in Lustenau, die sich alle gekannt haben, die extrem konservativ und vom Land waren. Meine Mutter aber war eine „Städterin“ und brachte andere Vorstellungen in punkto Erziehung mit. Meine Eltern haben immer versucht, uns unseren

Zur Person Fatima Spar, 1977 als Nihal Sentürk in Hohenems geboren, ist in Lustenau aufgewachsen. Sie lernte ab dem elften Lebensjahr Gitarre, seit sie 13 ist, beschäftigt sie sich mit Jazzgesang. Nach der Matura am BORG Dornbirn Schoren studierte sie Musik- und Theaterwissenschaften, später Mode- und Bekleidungstechnik in Wien, brach das Studium jedoch ab, um sich wieder der Musik zuzuwenden. 2004 gründete sie die Band „Fatima Spar & The Freedom Fries“, mit der sie rund um den Globus auftritt. Fatima Spar schreibt ihre Songs in türkischer, englischer und deutscher Sprache. Sie lebt in Wien.

freien Willen zu lassen. In der Community hatten wir als Kinder und Jugendliche deshalb auch keinen besonders guten Ruf. Meine Eltern waren aber voll integriert, obwohl sie wenig traditionell gelebt haben. Wir hatten im Gegensatz zu den extrem konservativen Auswanderern eine starke Verbindung zu unserer türkischen Verwandtschaft, die wir ein bis zwei Mal jährlich besucht haben. Im Winter sind wir nach Istanbul gereist, im Sommer sowohl nach Istanbul als auch in das kleine Heimatdorf meiner Großeltern am Schwarzen Meer. Noch heute reise ich zumindest einmal jährlich nach Istanbul, um meine riesige Familie zu besuchen. Meine Mutter hat zwölf Geschwister. Ich habe da sehr enge Beziehungen, Lieblingscousinen und Tanten, die mir sehr nahe stehen. Die Reise in die Türkei im vollgestopften VW-Bus habe ich jedoch schwer ertragen. Wir Kinder haben im Auto immer irrsinnig viel gestritten. Furchtbar war für mich auch, nicht einen einzigen Sommer mit meinen Freundinnen in Vorarlberg verbringen zu können. Das Abschiednehmen war jedes Mal schlimm – sowohl in Lustenau als auch in der Türkei. Ich habe noch das Bild meines Großvaters vor mir, der immer geweint hat, wenn wir abgefahren sind. Dieses Nicht-verwurzelt-Sein, dieses Hin-und-her-Reisen und die damit verbundenen Abschiede waren immer schrecklich. Ich habe zwar schlussendlich über Umwege Matura gemacht, wollte aber eigentlich ans Raimund-Theater, etwas in Richtung Kunst/Schauspiel machen. Nach zwei vergeudeten Jahren an der HAK haben mir meine Eltern den Wechsel ans BORG Dornbirn Schoren erlaubt. Mein Glück war, dass ich Gitarre spielen konnte und deshalb die Aufnahme geklappt hat. Das Gymnasium war für mich wie der Himmel auf Erden.

Ich musste das Lernen erst lernen, was bei uns zu Hause schwierig war. Meine Mutter hatte sich inzwischen im Textilwarenhandel selbstständig gemacht und arbeitete hauptsächlich zu Hause. Es war immer Betrieb, in Ruhe lernen konnte ich nur nachts. Obwohl ich zu Hause schulisch keine Unterstützung hatte, war es meinen Eltern wichtig, dass wir Matura machten – was wir auch alle drei getan haben. Mein Vater konnte schnell sehr gut Deutsch. Wir haben daheim sowohl Türkisch als auch Deutsch gesprochen. In der Schule hatte ich zwar keine Sprachprobleme, war aber schwach in Deutsch. Sprachförderung gab es damals keine und ich habe ewig gedacht, dass ich in Sprachen völlig untalentiert

„Wir haben zu Hause Türkisch und Deutsch gesprochen.“ bin. Erst viele Jahre später habe ich gemerkt, dass ich, wie mein Vater, im Gegenteil doch ziemlich sprachbegabt bin. Musik spielte bei mir immer eine große Rolle. Angefangen habe ich ganz klassisch mit Blockflöte. Es gab bereits damals eine Konkurrentin, die wie ich Flöte gespielt hat, später jedoch Klavier lernen durfte. Unbedingt wollte ich auch Klavier spielen, aber wir konnten uns das Instrument nicht leisten. Ich vergesse nie, wie ich das Mädchen bei ihrer ersten Klavierstunde durch eine Glastür gesehen und wahnsinnig beneidet habe. In der Hauptschule war dann Wolfgang >>

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Mittendrin in V

Verocai mein Lehrer und Mentor. Ich spielte im Schulensemble zuerst Flöte, dann Gitarre, war bald auch am Jazzseminar der Musikschule Lustenau. Dort spielte ich zum ersten Mal in einer Band. Wenn ich an besondere Ereignisse in meiner Kindheit denke, fallen mir zuerst die negativen ein: als wir beim Spielen am Rhein eine Leiche gefunden haben. Oder der tödliche Unfall einer Motorradfahrerin, den ich miterlebt habe. Ganz schlimm war, als meine Eltern das erste Mal ohne mich weggefahren sind. Trotz gelungenem Bestechungsversuch mit einer Barbie habe ich tagelang nur geweint. Eingeprägt hat 8/

„Als kleines Kind noch lässig, irgendwann schrecklich: die ‚Baderei‘ bei uns zu Hause.“

sich mir auch, dass ich immer gerne lange Haare gehabt hätte, meine Mutter aber auf den kurzen Haaren bestand. Vermutlich weil es pflegeleichter war. Furchtbar gesehnt habe ich mich nach einem richtigen Bad, vor allem in der Pubertät. Wir hatten nur einen Waschkessel, der mittwochs und samstags eingeheizt wurde. Als wir dann endlich Besitzer eines Bades waren, sind wir ein halbes Jahr später umgezogen. Die schönen Erinnerungen: Das paradiesische Dorf meiner Großeltern in der Türkei, der wunderbare unberührte Sandstrand, wo wir viele Wochen ohne Eltern und mit Kindern aus drei Generationen zusammen den Sommer verbracht haben, beaufsichtigt von zwei Tanten und Onkeln. Jeden Tag eine riesige Schüssel Pommes frites, die Kinder am Boden rundum, die süßen Brötchen am Morgen. Und auch meine herrlichen Geburtstagsfeste, immer maskiert, weil im Fasching, und Pippi Langstrumpf im Fernsehen am Sonntagvormittag. Ich glaube, dass man Kinder unterstützen sollte wie es nur geht, und versuchen sollte, ihre Talente zu entdecken und zu fördern.

Das Buch „Kindheit(en) in Vorarlberg“ zeichnet ein Stimmungsbild über die Bedingungen des Aufwachsens in Vorarlberg ab 1945. Authentische Rückblenden versetzen uns in Kinderwelten, die unterschiedlicher nicht sein können. Unter anderem teilen 38 (prominente) Persönlichkeiten berührende Erinnerungen an ihre Kindheit. Das Buch wird vom Vorarl­berger Kinderdorf herausgegeben und erscheint im Bucher Verlag. Präsentation ist am 24. April, 18.30 Uhr, Kuppelsaal Landesbibliothek in Bregenz. Ab 24. April im Vorarlberger Kinderdorf und im Buchhandel erhältlich.

BODEN – DIE GRUNDLAGE UNSERES LEBENS Der Wert und die Bedeutung des Bodens waren vor der Industrialisierung allgegenwärtig, da der Großteil der Bevölkerung von oder in unmittelbarer Verbindung zur Landwirtschaft lebte. Heute sind die meisten Menschen – scheinbar – vom Boden „entkoppelt“. Für manche ist er lediglich als Spekulationsobjekt und Bauland von Bedeutung. Dabei ist der Boden nicht nur die Basis für unsere Ernährung, sondern auch für sauberes Trinkwasser, für den Schutz vor Naturgefahren, für die Biodiversität und vieles mehr. Aber wie steht es um den Boden? Kann die Wissenschaft helfen, den Boden besser zu schützen?

Wie kann mit dieser unersetzbaren Ressource sinnvoll umgegangen werden? Antworten auf diese Fragen gibt es bei dem Vortrag „Boden – Die Grundlage unseres Lebens“ am Donnerstag, 20. April, ab 19 Uhr, im Foyer der Fachhochschule Vorarlberg. Vortragender ist Dr. Andreas Baumgarten, Leiter der Abteilung Bodengesundheit und Pflanzenernährung in der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Weitere Infos zu der Veranstaltung und Anmeldung bis Dienstag, 18. April, unter: www.veranstaltungen.fhv.at


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EIN POLIZIST ALS marie-VERKÄUFER Lamin Samura (48) aus Gambia verkauft seit etwa einem Jahr die marie beim Lidl in der Lustenauer Bahnhofstraße. Er ist dankbar für diese Arbeit, sein Traumjob aber ist: Polizist. Diesen Beruf übte er mehr als 30 Jahre lang in seiner Heimat aus. Text und Foto: Elisabeth Willi

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amin Samura ist ein Mann, der sich selbst zu helfen weiß. Als er vor einigen Monaten beim marie-Verkauf von Jemandem belästigt und bedroht wurde, rief er kurzerhand die Polizei. Er kennt keinerlei Berührungsängste mit den Ordnungshütern. Kein Wunder: In seinem Heimatland Gambia arbeitete er mehr als 30 Jahre als Polizist. Dass er diesen Job sehr gerne ausübte und stolz darauf ist, Polizist zu sein, ist im Gespräch mit ihm immer wieder zu bemerken. Der 48-Jährige verkauft die marie seit knapp einem Jahr beim Lidl in Lustenau in der Bahnhofstraße. Er ist dankbar für die Arbeit, weil er dadurch dem Nichtstun entronnen ist. Außerdem kann er das kleine Zusatztaschengeld gut gebrauchen. Nicht immer aber macht ihm der Job Spaß – er würde halt viel lieber als Polizist arbeiten. Vor etwas mehr als 1,5 Jahren sah sich Lamin gezwungen, seine Heimat Gambia zu verlassen. Im Jahr 1994 putschte sich dort Yahya Jammeh an die Macht und führte das Land autokratisch bis Ende Jänner 2017. Ein Freund von Lamin wurde vor etwa zwei Jahren im Auftrag dieses Präsidenten erschossen. Ein befreundeter Polizist von Lamin, der Kontakte zum Geheimdienst hat, warnte ihn daraufhin: Lamin könnte eines der nächsten Mord­opfer sein. Er beschloss, zu flüchten. Wohin genau, wusste er nicht. Hauptsache Europa. Per Boot

und Bus reiste er her und fand sich eines Tages in Österreich wieder. Das war vor einem Jahr und sieben Monaten. Ganz Polizist, ging er als Erstes zur hiesigen Polizei, zeigte seine Polizeiausweise aus Gambia und fragte, was er tun solle. Man verwies ihn nach Traiskirchen, von wo er schließlich in die Flüchtlingsunterkunft nach Hard – den ehemaligen Gasthof Löwen – geschickt wurde. Hier gefällt es ihm gut, und vor allem: „Mein Leben in Österreich ist sicher.“ Denn auch wenn mittlerweile ein neuer Präsident Gambia regiert, wäre er dort noch in Gefahr, ist Lamin überzeugt. Und er fährt fort: „Ich möchte der österreichischen Regierung und den Menschen hier so sehr danken.“ Danken dafür, dass er so freundlich aufgenommen wurde und die Vorarlberger dermaßen nett zu ihm sind. Lamin ist Muslim. Er besucht hier aber keine Moschee, sondern verrichtet seine Gebete alleine zuhause. Wenn er nicht die marie verkauft oder den Deutschkurs besucht, sitzt er herum und tut nichts, wie er es ausdrückt. Das war in seiner Heimat ganz anders: Er schaute gerne Fußball und spielte auch selbst, er spazierte im Wald, er ging mit Freunden aus oder er aß mit seiner Familie und verbrachte Zeit mit ihr. Lamin hat vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Buben. Im vergangenen Sommer hat sich seine Ehefrau von ihm getrennt. „Sie konnte nicht auf mich warten“, erklärt er.

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„ Schnelles Handeln, einfach tun, Planung folgt!“ Ob Naturschützer, Anrainer oder einfach besorgte Bürger – immer häufiger schließen sich Bürger zusammen, wenn sie das Gefühl haben, dass Wirtschaft oder Politik ein Großprojekt durchboxen wollen, ohne die Interessen der Menschen angemessen zu berücksichtigen. Jüngstes Beispiel: Die Bürgerinitiative „Lebensraum Weiler“, die sich gegen die Ansiedlung des Industriebetriebs Ölz in der Landesgrünzone wehrt. Die marie hat die Mitbegründer Kerstin (36) und Martin Riedmann (40) gefragt, wie es Ihnen gelungen ist, eine Initiative zu gründen und bei Politik, Wirtschaft und Medien Gehör zu finden. Text: Gernot Hämmerle Fotos: Gernot Hämmerle, Lebensraum Weiler

marie: Wann und warum haben Sie beschlossen, eine Bürgerinitiative zu gründen? Kerstin Riedmann: Wir haben nicht konkret gesagt, wir wollen eine Bürger­ initiative gründen. Wir haben aus den Medien erfahren, dass die Ansiedelung der Firma Ölz in Weiler geplant ist und nirgends waren Informationen zu bekommen. Auch die Nachbarn waren ahnungslos. Da waren wir verärgert über die Vorgehensweise der Gemeinde. Mein Mann und ich sind zur Gemeindevertretungssitzung Ende November gegangen. Und da waren dann zirka 15 andere Interessierte anwesend, die auch Informationen wollten, aber nicht bekommen haben. Die haben wir dann nach der Sitzung angesprochen. Martin Riedmann: Wir haben gleich am Tag nach der GV-Sitzung ein Treffen für Interessierte anberaumt. Für Bürger, die nicht so einfach hinnehmen wollten, dass ausgerechnet in die Landesgrünzone ein Großbetrieb angesiedelt werden soll. Es sind etwa 30 Leute gekommen, die sich teilweise untereinander gar nicht gekannt haben. Diese Leute sind bis heute der Kern der Initiative „Lebensraum Weiler“. Kerstin: Wir sind dann da gesessen, ohne zu wissen, dass wir eine Bürgerinitiative gründen. Aber am Schluss des Abends war klar, dass wir eine gründen. Das Thema hat einfach alle bewegt. Weil die Betriebsansiedelung ein großes Ausmaß hätte. Wie haben Sie dann angefangen zu planen, was zu tun ist? Kerstin: Eine, Lisi, hat die Idee für den Namen gehabt, eine andere, Nina, ist Grafikerin, die hat die Homepage gemacht. Ein paar sind gut im Recher-

chieren, ein paar können gut formulieren. Auf der Homepage haben wir eine Dropbox eingerichtet, wo jeder Zugriff hat und sich einbringen kann. Martin: Gleich als erste Aktion haben wir einen Fragenkatalog an den Bürgermeister Dietmar Summer erstellt. Es musste schnell gehen, weil ja angekündigt war, dass im Frühjahr 2017 mit dem Bau begonnen werden könnte. Kerstin: Es war so: Schnelles Handeln, einfach tun, Planung folgt! Wir haben ja keine Polit-Erfahrung. Martin: Wir haben einen Termin mit dem Bürgermeister vereinbart, in seiner regulären Sprechstunde. Den Fragenkatalog haben wir dann zu zehnt dem Bürgermeister persönlich übergeben. ​ Kerstin: Und fast gleichzeitig haben wir unsere erste Presseaussendung (Anm.: 5.12.2016) gemacht. Mit den Fragen an den Bürgermeister. ORF, VN und NEUE waren klar. Und auf der Homepage des Landes haben wir dann noch weitere Medienadressen gefunden, zum Beispiel die Austria Presseagentur Vorarlberg. Und mit der Zeit ist dann der Medienverteiler noch gewachsen. Wie waren die ersten Reaktionen in der Öffentlichkeit? Kerstin: Praktisch alle Medien haben aufgegriffen, dass es jetzt auch in der Gemeinde Weiler Widerstand gibt. Es hat auch schon Reaktionen auf unserer Homepage gegeben. Martin: Der Bürgermeister wollte unsere Fragen nur mündlich beantworten, nicht schriftlich. Wir haben gedacht: Was machen wir damit? Da wollten wir wenigstens, dass möglichst viele die Antworten des Bürgermeisters hören. Wir haben mobilisiert,


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Zur bislang aufsehenerregendsten Protestaktion der Initiative „Lebensraum Weiler“ kamen 500 Unterstützer. Sie bildeten eine Menschenkette um das Bauland, wo ein Industriebetrieb angesiedelt werden soll.

unter anderem mittels Newsletter, und tatsächlich sind an die 50 Leute gekommen. Sogar die VN und der ORF mit einer Kamera, was uns überrascht hat. Kerstin: Und so hat es sich weiter entwickelt. Ganz wichtig war dann der 19. Dezember. Da haben wir erfahren, dass das Verfahren zur Aufhebung der Landesgrünzone am 27. Dezember vom Land eingeleitet wird. Martin: Mitten in den Weihnachtsferien! Ohne Verlängerung der Einspruchsfrist. Das hat uns verärgert. Da war klar, da müssen wir etwas tun. Untereinander haben wir mit einem Mail-Verteiler kommuniziert und tun das immer noch. Interessant auch, wieviel Vertrauensvorschuss wir uns untereinander gegeben haben. Teilweise haben wir uns ja gar nicht gekannt. Es gab eine eigene Dynamik in der Gruppe. Jeder war motiviert, jeder hat jeden unterstützt. Wir haben vieles selber gemacht. Aber gleichzeitig haben wir alle Kontakte von Freunden, die wir haben, angezapft. Solche Unterstützer brauchst du immer. Kerstin: Es war uns immer wichtig, mit allen Parteien ins Gespräch zu kommen, Ihnen persönlich mitzuteilen, was unsere Gedanken und Beweggründe sind. Wir hatten dann auch Gespräche mit dem Bürgermeister, mit Bernhard Ölz von der Firma Ölz, mit Landeshauptmann Wallner und Statthalter Rüdisser und den Landesräten Schwärzler und Rauch. Die Gespräche sind immer beidseitig respektvoll verlaufen. Wir wollten einfach auch klarmachen, dass wir nicht nur Gegner sind, sondern dass wir uns konstruktiv einbringen wollen. Über die Medien ist das nicht immer möglich.

Trotzdem braucht es offenbar medienwirksame Aktionen. Stichwort „Menschenkette“ am Dreikönigstag, am 6. Jänner. Martin: Bei der Aktion „Menschenkette“ sind alle zur Hochform aufgelaufen. Da sind 500 Personen gekommen, haben eine Kette gebildet und so auf den geplanten Industriebetrieb in der Landesgrünzone aufmerksam gemacht. Mit Kundgebungen, Plakaten, Verpflegung und allem. Kerstin: Das hat uns natürlich gefreut, dass so viele mitgemacht haben. Da hat man gesehen, dass es geholfen hat, dass wir zum Beispiel viele Vereine angeschrieben haben. Den Naturschutzbund – da hat Hildegard Breiner ein super Netzwerk –, den Verein „Bodenfreiheit“, den Alpenverein, die Landjugend und so weiter. Die haben dann alle auch für uns Werbung gemacht, und zum Teil auch bei der Aktion selbst mitgeholfen. Wie ist die Bürgerinitiative „Lebensraum Weiler“ strukturiert? Martin: Die Bürgerinitiative hat keine Struktur. Das hat wahrscheinlich Vorund Nachteile. Kerstin: Es gibt einfach Leute, die haben gewisse Stärken. Es gibt ein paar, die können besser texten, also formulieren die die Aussendungen oder die Texte für die Homepage. Da kann man dann nicht alles untereinander absprechen, das geht gar nicht. Dann gibt es viele praktisch denkende Menschen. Einige haben sich überlegt, wie man Bierbänke oder Notfallaggregate für die Aktion „Menschenkette“ organisiert. Martin: Jeder bringt sich einfach ein, wo es geht. Und dann macht man eben.

Haben Sie mit der Initiative Gegenwind erfahren? Kerstin: Ja, schon. In Weiler sind nicht alle glücklich über die Initiative. Der Gemeindevorstand will das Projekt und sieht uns sehr kritisch. Und in der Presse hat man immer wieder gelesen, es gäbe eine wirtschaftsfeindliche Haltung in Vorarlberg. Das finde ich interessant. Weil wir ja immer sagen: Ja zu Arbeitsplätzen, ja zu Ölz, aber eben an einem gewidmeten Platz, nicht in der Landesgrünzone. Aber ich denke, es passt. Auch nach dem VN-Stammtisch sind Befürworter und Gegner zusammengestanden und haben miteinander geredet. Man ist immer sachlich und fair geblieben. Wir wissen, wir stehen für eine gute Sache ein und sind der Meinung, auch die heutigen Kritiker werden uns später Recht geben. Wie geht‘s jetzt weiter? Martin: Im Juni fällt eventuell die Entscheidung, ob das Grundstück aus der Landesgrünzone genommen wird. Kerstin: Wir richten uns darauf ein, dass uns die Sache noch länger beschäftigen wird.

Martin und Kerstin Riedmann, Mitbegründer der Bürgerinitiative „Lebensraum Weiler“.

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Der Kinderchor vom Hilfswerk „Vison für Afrika“ möchte mit seinen Konzerten den Spendern danken. Peter Bader (links) arbeitet ehrenamtlich und gerne für die Hilfsinstitution.

SINGEN FÜR UGANDA Ein Kinderchor aus Uganda tritt in der Karwoche in Vorarlberg auf. Die Kinder singen, tanzen und stecken mit ihrer Freude an. Der Chor ist Teil des Hilfswerkes „Vision für Afrika“, für das Peter Bader (53) aus Dornbirn seit sechs Jahren ehrenamtlich arbeitet.

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Text: Elisabeth Willi, Fotos: Frank Andres, privat

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as wird ein Erlebnis, wenn die Kinder aus Uganda hier auftreten“, sagt Peter Bader erfreut. Die etwa 20 Kinder singen und tanzen – und verbreiten dabei eine Freude und Fröhlichkeit, die ihresgleichen sucht, erzählt der 53-jährige Dornbirner, der den Chor schon öfters erlebt hat. Der Kinderchor ist Teil der Hilfsorganisation „Vision für Afrika“, und Peter Bader Vorstand des Trägervereines in Österreich. Seit sechs Jahren engagiert sich der zweifache Vater ehrenamtlich für das Hilfswerk, das Kinder in Uganda unterstützt. Sponsoren und Paten zu finden ist seine Aufgabe – was nicht immer einfach ist. Der Ein- und Verkaufsleiter beim EHG Stahlzentrum in Dornbirn macht das trotzdem gerne, denn: „Mir und den Menschen hier geht es hervorragend. Wir haben ein tolles Leben, einen guten Beruf und dürfen genügend Geld verdienen. Ich möchte für all das Gute, das ich erhalte, etwas zurückgeben.“ Maria L. Prean – eine Innsbruckerin mit Bregenzerwälder Wurzeln – hat die Hilfsorganisation gegründet. Damals war sie 61 Jahre alt und Neo-Pensionistin. Heute ist sie 76 und hat Bemerkenswertes auf die Beine gestellt: Mehr als 8000 afrikanische Kinder – hauptsächlich in Uganda – erhielten bisher durch das Hilfswerk Schulbildung. Es wurden Schulen und Krankenhäuser errichtet. Ziel aller Hilfe ist: den Kindern Voraussetzungen ermöglichen, damit sie sich sich später selbst gut versorgen und ihr Land positiv verändern können. Peter Bader schätzt Maria L. Prean sehr. Etwa dreimal pro Jahr kommt sie nach Vorarlberg auf Besuch. Peter Bader hat sie aber auch schon in Uganda getroffen: 2012 bereiste er mit sei-

ner Frau das ostafrikanische Land. Während seiner Reise lernte er im Busch eine alleinerziehende Mutter mit zwölf Kindern kennen. Keines davon ging zur Schule. Zurück in Vorarlberg gelang es Peter Bader, für diese Kinder Paten zu finden – und nun kommen alle in den Genuss einer Schulbildung. Der Kinderchor von „Vision für Afrika“ möchte mit seinen Konzerten diesen und allen anderen Spendern danken. Drei Monate lang tourt er durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. In Vorarlberg übernimmt übrigens die 74-jährige Clarine Wohlgenannt aus Götzis die Organisation für Unterkunft und Verpflegung der Kinder. Dies sowie weitere Vorbereitungen schlagen mit rund 4500 Euro zu Buche. Das Geld treibt die engagierte Pensionistin ebenfalls im Vorfeld auf, denn sie meint: „Der Erlös aus den Konzerten soll allein dem Hilfswerk zu Gute kommen.“ HINWEIS: Mehr Infos unter www.visionforafrica-intl.org

KONZERTERMINE • Dienstag, 11. April, 18 Uhr, St. Josef-Kirche Rankweil • Mittwoch, 12. April, 19 Uhr, G3 Mehrzweckgebäude Dornbirn • Donnerstag, 13. April, 10 Uhr, Löwensaal Hohenems • Freitag, 14. April, 18 Uhr, OCG (Offene Christliche Gemeinschaft) Götzis, Garnmarkt 5. • Samstag, 15. April, 13 Uhr, Messepark Dornbirn


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Benno Guter (53) aus Bregenz ist gelernter Koch. Seit drei Monaten hilft er Küchenchef Marcus Ritschel im dowasTreff in Bregenz. Zwei bis drei Mal in der Woche kochen die beiden gemeinsam auf.

Käse-GemüseKräutertoast mit buntem Salat Rezept für vier Personen. Die Kosten betragen pro Person zirka 2 bis 2,50 Euro.

Zutaten für 4 Personen:

• 1 Stück Lauch • 1 große Karotte • 1 rote Paprika • 1 kleiner Kohlrabi (Gemüse nach saisonalem Angebot, alles kann verwendet werden) • 2 Stück Eier • 1 Becher Topfen • 10 bis 15 Gramm geriebener Käse (zum Beispiel Spätzlekäse) • Petersilie, Schnittlauch • Salz, Pfeffer • 8 Scheiben Toastbrot

Zubereitung:

Das Gemüse klein würfeln und in gesalzenem Wasser knackig kochen, danach kalt abschrecken. Das Gemüse, die gehackten Kräuter, den Topfen, die Eier, die Hälfte des Käses, Salz und Pfeffer in einer Schüssel verrühren. Die Toastscheiben mit der Masse bestreichen, mit der anderen Hälfte des Käses bestreuen und im vorgeheizten Rohr (200 Grad) zirka 12 bis 15 Minuten backen. Salat dazu mit Essig und Öl anrichten. Guten Appetit und gutes Gelingen!

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Vom Vertriebsleiter zum (Lebens-) Künstler Künstler sind oftmals als schräge Vögel verschrien. Jamata alias Jo Auer hat mit 30 Jahren einen hochdotierten Beruf aufgegeben, lebt derzeit abgeschieden in einem alten Haus im Silbertal und gilt sogar unter Künstlern als bunter Hund. 14 /

Text: Gernot Hämmerle Fotos: Frank Andres

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as haben ein Vertriebs-Manager, ein Landwirt, ein Künstler, ein Daya-Putih-EnergieKämpfer und ein Mindestrenten-Bezieher gemeinsam? Antwort: Der Vorarlberger Josef Maximilian Auer verkörpert sie alle in einer Person. Beim Betreten des kleinen, alten Bauernhauses, abgelegen im Silbertal, wo Jo Auer seit einigen Jahren allein lebt, deutet nicht viel darauf hin, wie außergewöhnlich facettenreich das Leben des 63-jährigen Mannes mit dem verschmitzten Lächeln verlaufen ist. Vor dem Holzhäuschen steht ein altes Motorrad, von der Decke des Wohnzimmers hängt ein ausgestopfter Bussard. An der Wand lehnt eine sichtlich oft benutzte Gitarre. Für Besucher liegt ein übergroßes Sitzkissen am Boden. Aus jedem Winkel lacht eine Spruchkarte mit einer bizarren oder philosophisch angehauchten Weisheit. Gleich als zum vereinbarten Termin der marie-Fotograf Frank Andres und ich als marie-Redakteur sein Wohnzimmer betreten, drückt Jo jedem von uns

nicht ganz ohne Stolz eine CD mit dem Titel „Greymouse“ in die Hand. „Die sind frisch gepresst. Alles selbst komponiert und mit der Akustik-Gitarre performed“. Und Jo holt gleich die Gitarre und legt los. Die CDs verkauft er um zehn Euro. Auf die Frage, ob er denn auch selber singt, antwortet Jo: „Ich liebe die Musik so sehr, dass ich sie nicht mit meinem Gesang verunreinigen möchte.“ Und grinst schelmisch. Neben der Gitarre beherrscht er noch gut ein Dutzend andere Instrumente wie Maultrommel oder Didgeridoo.

Daya-Putih-Kämpfer

Den Lebensunterhalt bestreitet Jo Auer mit 800 Euro Pension. Der Großteil davon geht für die Miete drauf. Als Künstler, dem sogar ein Artikel im Vorarlberger Künstlerlexikon gewidmet ist, verdient er sich noch ein bisschen was dazu. Aktuell werden seine Bilder in den Räumlichkeiten der Bezirkshauptmannschaft sowie im Restaurant Eichamt in Bludenz ausgestellt. Früher hatte er auch Ausstellungen im Ausland: in Deutschland, der Schweiz und Indonesien. In Indonesien deshalb, weil der dort zwei Schwarze Gürtel als Daya-Putih-Ener-

gie-Kämpfer gemacht hat. Daya Putih ist eine Art Energiekunst mit den Elementen Atemtechnik, Bewegungsschulung, Konzentration und Meditation. Sein Leben ziemlich abgeschieden am Waldrand gibt ihm die tägliche Hauptbeschäftigung vor: „Ich bin Waldhirte. Ich hüte das Land, mähe 9000 Quadratmeter Wiese in teils steilem Gelände von Hand, unterhalte einen Heilkräutergarten und habe dutzende Obstbäume.“ Holzsammeln und -hacken gehören auch dazu. Denn im Silbertal muss man fast das ganze Jahr über heizen. Und die selbstgebaute Natursauna auf der Wiese will auch hin und wieder beheizt werden. Zum Einkaufen geht er meistens in den Dorfladen.

„Schweinekohle“ verdient

In jungen Jahren war es alles andere als klar, dass Josef Maximilian Auer einmal so leben würde. 1954 in Bregenz geboren und als Einzelkind aufgewachsen, wurde er mit 14 Jahren in die Klosterschule Mehrerau geschickt. Ein Gymnasium zu besuchen war damals durchaus nicht selbstverständlich. Einige seiner damaligen Schulkameraden gehören heute zur Elite der Gesellschaft, sind


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Jo Auer zeigt in seinem Atelier eines seiner Kunstwerke. Der 63-Jährige liebt Sinnsprüche und ziert damit die Wände in seinem Haus.

Bürgermeister oder Unternehmer, einer sogar Finanzminister. Die Reifeprüfung absolvierte er dort aber nicht. Er wurde ­– wie einige andere – Opfer sexuellen Missbrauchs, was ihn bis heute beschäftigt. Er verließ mit 17 die Klosterbrüder und absolvierte die Kaufmännische Berufsschule. Dann arbeitete er bei renommierten Vorarlberger Firmen und wechselte schließlich in die Schweiz, wo er als Vertriebsmanager für Garten- und Freizeitmöbel „eine Schweinekohle“ verdiente. Mit Dienstauto, Wohnen im Hotel, Reisen quer durch Europa und allem, was dazu gehört. „Da hab ich unglaublich gut verdient und auch unglaublich viel Geld ausgegeben. Aber: „Irgendetwas in mir hat gesagt: Das kann es nicht sein.“

Plötzliche Sinnkrise

Mit 30 kam dann die Sinnkrise, der plötzliche, heftige Sinneswandel. Von heute auf morgen schmiss er seinen hochdotierten Job hin und kam zurück nach Vorarlberg. Wollte etwas völlig anderes machen, am besten mit seinen Händen. Ein Gelegenheitsjob war zum Beispiel, das damals völlig heruntergekommene Bodenseeschiff „Elisa“ zu sa-

nieren. „Ich hab Schlosser und Tischler gelernt, Schweißen, und hab sandgestrahlt wie ein Irrer.“ Er jobbte als Taxifahrer und arbeitete bei der Lawinenverbauung. Er lernte mit wenig Geld auszukommen, fing an zu malen, künstlerisch tätig zu werden. Im Rahmen des „Kulturservice an Vorarlberger Schulen“ gab er jahrelang Projektunterricht. Zweimal war Jo Auer verheiratet und jeweils nach wenigen Monaten wieder geschieden. Er vertiefte sich immer mehr in seine künstlerische Arbeit als Maler, spielte alle möglichen Instrumente, vorzugsweise Gitarre. Verzichtete auf den Rotwein am Abend, trinkt seitdem mit Vorliebe alkoholfreies Weizenbier. Was für Ziele hat Jo Auer heute? Er beschäftigt sich mit Psychologie, besuchte dazu Kurse in der Schweiz. Er will weiter Musik machen und als Bildender Künstler tätig sein. Vor allem aber will er im Stall neben seinem Haus ein kleines, aber feines Atelier einrichten. Dann könnte er darin Malkurse geben. „Das möchte ich unbedingt, hier an diesem Ort, mit Blick übers Silbertal.“

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Eine Wohnzimmer-Szenerie der etwas anderen Art: Joe Auer spielt Gitarre und über ihm schwebt ein ausgestopfter Bussard.


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DIE WIDERSTÄNDIGEN

Die revolutionäre Kraft eines Holzschopfs Es gibt diese letzten, vereinzelten Orte, die unter einem geheimnisvollen Schutz stehen. Sie entziehen sich dem allgemeinen Bauwahn, sie entziehen sich sogar gänzlich jeder Nutzung. Sie bleiben wie sie sind und sind deshalb von hoher, revolutionärer Kraft.

Eine Serie von Daniela Egger

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Foto: Daniela Egger

ie tun nichts, sie dienen nicht, sie haben nichts, sie verändern sich nicht. Sie verbergen nicht einmal etwas, außer sich selbst. Auf den ersten Blick stellen sie nicht einmal etwas dar. Sie SIND. Das eigentlich Revolutionäre ist ihre Bedeutungslosigkeit. Dass es ihnen gelingt, dem taxierenden Auge zu entwischen, weil sie eben nach Nichts aussehen. Nur wer einen anderen Blick aufsetzt, einen, der weder sucht noch weiß, was er zu finden erwartet, der mag in ihrer Nähe bemerken, dass sie eine kräftige Strahlung aussenden. Die meisten Menschen vergessen diese Orte, sobald ihr Blick sie flüchtig gestreift hat. Trotzdem, oder gerade deshalb wirken sie mit ungebremster Wucht. Sie verändern die Ideen und Wahrnehmungen der Passanten, auf ihre Art greifen sie ein in das Gefüge einer effizienzsüchtigen Welt. Sie hinterlassen Irritationen in der Wahrnehmung, wie kleine Lücken, die ihre Wirkung spät entfalten, manchmal erst Jahre später. Aber sie wirken und breiten sich aus, in Form von Sehnsucht, in Form von Ablehnung, in Form von Suche nach einem Ausweg. Die ehemaligen Passanten nehmen etwas mit, vielleicht die flüchtige Ahnung, dass es auch anders ginge. Dass es eigentlich reichen würde, einfach nur zu sein. Manche von ihnen – und das sind die Meister – bestehen seit Jahrzehnten, vielleicht seit Jahrhunderten mitten im Stadtzentrum, in bester Lage und auf teuerstem Grund. Auf Bauflächen. In Dornbirn, wenige Schritte vom Marktplatz entfernt, steht neben all den Geschäftslokalen, versunken in einer kleinen Nische zwischen dem Innauer und einem ehemaligen Kleidergeschäft und jetzt Friseur, ein Schopf. Ein Holzschopf. Er teilt sich das bescheidene Grundstück mit einem Baum, der als Antenne fungiert. Im Winter noch mehr, weil dann seine Zweige ungehindert ins Weltall reichen, natürlich nur des Nachts, wenn überhaupt niemand mehr hinsieht. Im Sommer bremst das Laub die Reichweite, erhöht aber dafür die Tarnung. Tagsüber wirft er einen starken Unsichtbarkeitszauber über den Schopf. Dieser hatte irgendwann eine Bestimmung, man erkennt es an der liebevollen Verzierung seiner Holzfassade, an der ausgewo-


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genen Form, an der hochgewachsenen Haltung eines stolzen Gebäudes. Dieser Schopf ist nicht vernachlässigt, er wird gepflegt, das Dach ist in Ordnung, eine Regenrinne sorgt für trockenes Gebälk. Die Nachbarsgebäude sind so weit an ihn herangerückt, dass er sich ärgert, man sieht es ihm an, er spürt das Missverhältnis von Nähe und Distanz. Aber er wäre dumm, darauf zu reagieren. In solche Fallen tappen nur Anfänger. Dieser Holzschopf gehört zu den Meistern, und zur Meisterschaft gehört das Nicht-Reagieren, auf konsequent gar nichts. Stoisches In-sich-versunken-bleiben und sich dabei nicht erwischen zu lassen, das sind seine Aufgaben.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe der marie von dem Baum, der sich vom Rest seines Gartens losgesagt hat.

PRODUZIEREN STATT KONSUMIEREN Der Berliner Architekt und Autor Van Bo Le-Mentzel steht für eine Wirtschaft, die auf das Gemeinwohl achtet. Auf diese Weise produziert er Möbel, Schuhe und neuerdings auch Häuser. Und das alles ohne Büro, Firma und klassische Mitarbeiter. Wie das funktioniert, erklärt er beim Vortrag „Produzieren statt Konsumieren“ am Sonntag, 2. April, 11 Uhr, im Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum in Hohenems. Mehr Infos unter www.talente. cc/terminkalender

142 GUTE WÜNSCHE Vielleicht entdecken Sie demnächst ein orangenfarbenes, mit einem guten Wunsch versehenes Kärtchen in Ihrer Jackentasche, in Ihrem Einkaufwagen oder am Kaffeehaustisch! Die Telefonseelsorge Vorarlberg (www.142online.at) bringt dieser Tage 142 Wünsche auf und in die Welt. Eine Sammlung guter Gedanken der 89 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, hinausgetragen als kleine, herzerfrischende Initiative, die einer zunehmend angstvollen Stimmung in der Gesellschaft entgegenwirken möchte. Insgesamt 72.000 Kärtchen werden in Vorarlberg in Umlauf gebracht. Sie sollen überraschen, berühren, Gute-Laune-Momente bescheren. Telefonseelsorge-Leiter Sepp Gröfler: „Das, was wir am Telefon immer wieder erleben dürfen, nämlich die Anruferinnen und Anrufer aus ihrer mutlosen Haltung in eine Selbstwirksamkeit zu bringen, diesen Effekt wollen wir mit unserem Projekt

‚142 Wünsche‘ multiplizieren. Vielleicht lässt sich so ein Netz positiver Gedanken schaffen.“ marie wünscht jedenfalls allen Leserinnen und Lesern passend zur Osterzeit frohes Wünsche-Finden!

Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Elisabeth Willi (Leitung) MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Daniela Egger, Simone Fürnschuß-Hofer, Gernot Hämmerle, Gerhard Hofer, Fatima Spar, Gerhard Thoma, Robert Thoma, Christina Vaccaro Zeitungsausgabestellen: Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Kaplan-Bonetti-Straße 1 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 Uhr Bludenz do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Cornelia Matt, Mag. Peter Mayerhofer, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage 20.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP Alexander Grass Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2017 marie. Alle Rechte vorbehalten.

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„Jetzt muss ich nicht mehr davonlaufen“

Radioonkologe und Strahlentherapeut Dr. Raoul Pinter (39) vom Landeskrankenhaus Feldkirch spricht über die Herausforderung, täglich mit schwerkranken und sterbenden Menschen umzugehen. Am Leid seiner Patienten wäre er selbst beinahe zugrunde gegangen. Bis er lernte, sich mit dem eigenen Leid auseinanderzusetzen. Text: Christina Vaccaro, Fotos: Christina Vaccaro, privat

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marie: Weshalb wolltest du Arzt werden? Dr. Raoul Pinter: Als ich an der Handelsakademie war, habe ich parallel dazu eine Abendschule zum staatlich geprüften Heilmasseur besucht. Dort bin ich einem Arzt begegnet, der Anatomie und Pathologie unterrichtet hat. Ich erinnere mich genau, wie er in die Klasse trat und so eine Ausstrahlung hatte. Ich dachte: Genauso will ich werden. In diesem Moment habe ich beschlossen, Medizin zu studieren. Was war so besonders an diesem Lehrer? Seine Fähigkeit, in kürzester Zeit das wesentliche Ganze vom Menschen zu erfassen. Das entspricht nicht unbedingt dem klassischen Bild eines Arztes. Normalerweise fallen eher Stichwörter wie Helfen und Heilen oder Wissen ... Ja, natürlich haben mich auch diese Dinge motiviert. Es war die Kombination aus enormem fachlichem Wissen und gleichzeitig der Blick ins Herz. Wie kamst du zur Radioonkologie? Ich wollte eigentlich Chirurg werden. Es war aber vorgesehen, dass ich ein Jahr auf die Station der Radioonkologie und Strahlentherapie gehe. Nach vier Monaten wusste ich, dass ich die Aus-

bildung zum Radioonkologen machen möchte. Was hat dich zu dem Schritt bewegt? Mein Mentor Roland Maier, der damalige stationsleitende Oberarzt. Er war sozusagen die nächste Stufe der Vereinigung von rascher Sinnerfassung, Menschlichkeit und exzellentem Fachwissen. Und überhaupt die ganze Station hier. Es war so menschlich! Alle haben alles gesehen, nicht nur das Gehirn oder die Brust, die man bestrahlt. Endlich hat man die Wichtigkeit des psychosozialen Hintergrundes des Patienten beachtet. Hat dir das zuvor gefehlt? Nicht bewusst, doch auf der Station habe ich realisiert, dass es das ist, was ich immer machen wollte: Medizin mit dem menschlichen Hintergrund. Denn dann hat es für mich eine Tiefe bekommen und eine gewisse Erfüllung erhalten, die mich bisweilen auch viel Energie gekostet hat und mich anfangs in die Knie gezwungen hat, so weit, dass ich kurz vor einem Zusammenbruch war. Was ist passiert? Hier bei uns wird viel gestorben, es gibt viele metastierte Patienten, unheilbar Erkrankte, schwerstes Leid und schwerste Krankheit. Das steht auf der

Tagesordnung. Und da so hineinzulaufen mit viel Idealismus und komplett offenem Filter, wie ein offenes Rohr in jeglicher Hinsicht zu sein. Es hat nicht lange gedauert, bis ich Patienten zugeteilt bekommen habe und sich dann natürlich eine Beziehung zu ihnen entwickelt hat, die ich vorher im Turnus in dieser Intensität nicht erlebt habe. Die Abgrenzung ist mir in der ersten Zeit schwer gefallen, es hat mich vereinnahmt. Wie hast du gelernt, damit umzugehen? Indem ich zuerst am Boden gelegen bin. Zuerst bin ich eingegangen, habe ich mich selbst verloren. Anfangs habe ich diese üblichen Mechanismen gemacht, die man sonst totschweigt: Alkohol, extensiv und riskanten Sport betrieben, wenig Schlaf, Sarkasmus dem Patienten gegenüber. Sicher eine gewisse Verrohung innerhalb des Herzens. Ich habe irgendwann einmal bemerkt: Ich kann mich jetzt nicht mehr so einlassen und langsam werde ich böse auf Patienten. Böse, weil ...? Weil mich die Patienten mit Leid und Sorge am Lebensende belastet haben. Das war mir irgendwann zu viel. Ich glaube, dieses ungefilterte, unreflektierte Dasein meiner eigenen Person


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FA Dr. Raoul Pinter Facharzt für Radioonkologie in der Abteilung für Strahlentherapie und Radio-Onkologie am LKH Feldkirch ÖÄK-Diplome für Palliativmedizin, Psychoonkologie, Akupunktur Geboren am 26. Mai 1977 in Wiener Neustadt Wohnhaft in Feldkirch Familienstand: verheiratet, zwei Kinder, das dritte unterwegs Hobby: Triathlon (HELLBLAU.powerteam) Auf der Station für Strahlentherapie begegnet Dr. Pinter täglich schwer erkrankten Menschen.

war das Problem. Das hat mich an den Rand des Abgrunds getrieben. Ich war an der Kippe. Die Frage war, warum halte ich das nicht aus? Warum halte ich es nicht mehr aus, wenn mir jemand sein tiefstes Leid erzählt? Dafür bin ich ja da. Zeitgleich ging bei mir die Ehe kaputt, mit meiner Tochter lief es nicht so, wie ich wollte. Und dann war der Rattenschwanz perfekt. Es war eine Katastrophe. Wie ging es weiter? Meine damalige Frau und ich beschlossen, professionelle Hilfe in einer Gruppentherapie zu holen. Da habe ich zum ersten Mal wirklich hinterfragt, wo ich herkomme und was meine eigentlichen Antriebe sind. Da kam der Stein ins Rollen, und ich begann Schritt für Schritt, die Vergangenheit und auch die Gegenwart aufzuarbeiten. Die Beschäftigung mit dem eigenen Leid war sicher einer der wichtigsten Punkte in meinem Leben, nicht nur als privater Raoul Pinter, sondern auch als Arzt, Onkologe und Palliativmediziner Raoul Pinter. Woher das eigene Leid kommt, wo ich herkomme und wo meine Gefühle herkommen. Das Gefühlschaos zu erkennen und langsam auseinander zu pflücken hat sehr viel Energie gekostet,

Triathlon ist für Pinter eine andere Herausforderung. Von der Arbeit davonlaufen muss er aber nicht mehr.

viele Tränen, hat wahnsinnig wehgetan, war total unangenehm und schambesetzt. Ob es die absolute Wahrheit ist, die ich entdeckt habe, oder nicht, weiß ich nicht, doch für mich stimmt es. Jetzt kann ich seit vielen Jahren hier sitzen und muss nicht davon laufen oder sarkastisch werden, wenn mir tiefstes, schwerstes Leid vom Patienten, von Angehörigen und Kindern geklagt wird. Wie begegnest du dem Patienten heute? Ich werde jetzt nicht mehr hin- und hergeworfen. Das darf man aber nicht mit einer Verrohung verwechseln, im Gegenteil. Aber ich fange auch nicht permanent zu Weinen an, wenn mir jemand etwas Tragisches erzählt. Es gibt mehr Struktur in meiner Emotion. Ich kann ein wenig mehr der Regisseur in meinem eigenen Film bleiben und das gibt mir Ruhe und signalisiert meinem Gegenüber eine gewisse Art von Sicherheit. Ich glaube, dass das oft das Allererste ist, was die Patienten brauchen: Nicht so sehr die Lösung, welche Strahlentherapie oder Chemo man jetzt machen soll, sondern das Signal: Ich verstehe dich, ich bleibe hier und lasse dich nicht alleine. Klage mir dein tiefstes Leid, wenn du willst. Sag mir deinen

verborgensten Gedanken, zeig mir deine tiefste Angst. Du darfst das bei mir, hier ist genug Raum dafür. Es kann sein, dass es mich wahnsinnig berührt, es kann sein, dass ich deinen Schmerz spüre, es kann sein, dass mir vielleicht übel wird und es kann sein, dass mir schwindlig wird. Ich glaube, man darf und soll bis zu einem gewissen Grad signalisieren, dass man berührt ist. Aber man darf sich emotional auch ein wenig zurücknehmen, denn man muss objektive Entscheidungen treffen. Neben deinem Beruf machst du Triathlon. Kann deine Motivation auch daherkommen, dass du dir deiner Endlichkeit bewusster bist als andere? Das ist sicher ein gutes Stichwort, denn in all dem, das ich getan habe, habe ich natürlich immer erkannt, dass ich Grenzen habe. Nicht, dass mir fad wäre, doch es begegnen mir immer wieder Dinge, die mich wahnsinnig fordern. Ich mache Triathlon und bereite mich gerade auf eine Langdistanz vor. Das braucht viel Zeit und Struktur, und man denkt in einer anderen Sphäre. Man trainiert drei Sportarten und Krafttraining dazu. Meine Frau hält mich für wahnsinnig, doch für mich ist es eine andere, willkommene >>

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Herausforderung. Nicht, dass ich die ganze Zeit nach Herausforderungen suche. Sie kommen einfach, aber gut, ich bin auch offen dafür (schmunzelt) und bin dankbarer Aufnehmer für sie. Was wünschst du dir für die Zukunft? In beruflicher Hinsicht, dass das Bewusstsein für nicht heilbare Menschen noch größer wird, dass wir noch mehr zuhören und noch mehr den ganzen Menschen mit seinem Hintergrund sehen. Ich wünsche mir, dass wir uns ganz genau überlegen, was für Therapien wir anwenden und dass wir das viel stärker mit dem Patienten evaluieren. Das bedarf aber einer sauberen Auseinandersetzung mit sich selbst, denn ohne es auszuhalten, weshalb der Patient hier sitzt mit seinem Leid, kann ich keine

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saubere Therapieempfehlung abgeben. Und was wünschst du dir für dich? Dass mein durch das Training lädierter Knochen ausheilt und ich in Kärnten beim Iron Man Austria gut durchkomme und mir nichts passiert. Dass meine Frau und Töchter gesund bleiben. Irgendwann möchte ich mit meiner Frau und den Kindern, vielleicht auch mit Kindeskindern, im Sommer im Garten am Tisch sitzen und mir das „Ergebnis“ meines Lebens anschauen. Auf mein Leben zurückblicken und es Revue passieren lassen. Dann kann ich durchaus einmal sterben. Aber jetzt noch nicht. Jetzt würde ich gerne noch leben. Möglichst lange (lacht). Herzlichen Dank für das Gespräch.

Medizin mit Menschlichkeit: Radioonkologe und Palliativarzt Dr. Raoul Pinter legt großen Wert darauf, den Patienten als ganzen Menschen zu sehen.

HAUS „SAID“ SAGT marie-LESERN DANKE In der marie-Sommerausgabe 2016 berichteten wir über das Haus Said und seine Bewohner: 37 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die größtenteils noch auf ihren Asylstatus hoffen und gleichzeitig bereits dabei sind, sich Perspektiven im Ländle zu schaffen. Seit 15 Monaten gibt es das Haus Said in Bregenz, viel wurde erreicht, nicht zuletzt durch großzügige Spenderinnen und Spender, die einem Aufruf in der marie gefolgt sind. Die Spenden ermöglichen Mobilität durch Monatstickets, wodurch wiederum die Jugendlichen ein von Marlis Schedler initiiertes Lernprojekt an der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch besuchen können. Haus Said Leiterin Margaritha Matt ist generell zufrieden mit der Entwicklung: „Ein Drittel der Jungs hat subsidiären Schutz, dürfen also auch arbeiten. Wir hoffen nun auf Lehrstellen-Angebote von Unternehmen sowie Jobs in Küche und Handwerk.“ Weiter ausgebaut werden soll auch das Team der Freiwilligen mit zusätzlichen MentorInnen, Deutschund MathematiktrainerInnen, BegleiterInnen für Freizeitaktivitäten und modisch-kreativen Menschen, die gemeinsam mit den Jungs ein eigenes Mode-Label entwickeln. Kontakt: margaritha.matt@caritas.at, 0676 884203910.


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KOMMENTAR: Gerhard Hofer

TRIALOG 2017: „LEBEN, SO WIE ICH WILL!“ Das Ziel des Trialogs 2017 der Lebenshilfe Vorarlberg ist der gemeinsame Austausch von Menschen mit Behinderungen, Angehörigen sowie Fachleuten. Im Fokus steht die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen und was wir dazu beitragen können, dass sie ihrem Alter entsprechend leben können. Denn ein selbstbestimmteres Leben hat positive Auswirkungen auf alle Beteiligten. Der öffentliche Vortrag sowie der ganztägige Workshop werden vom Sozialpädagogen und Psychotherapeuten Johannes Staudinger begleitet. Beim

Workshop gibt es für die Teilnehmer die Möglichkeit der Persönlichen Assistenz: Der Familienservice der Lebenshilfe Vorarlberg bietet Eltern und Angehörigen während dieser Zeit Unterstützung. Der Vortrag findet am Donnerstag, 20. April, 19 bis 21.15 Uhr, im J.J. Ender-Saal in Mäder statt, und der Workshop am Freitag, 21. April, 9 bis 17 Uhr, in der Volkshochschule Götzis. Wer beim Trialog mitmachen möchte, kann sich bis 4. April bei Tanja Feuerstein anmelden. Tel.: 05523 506-10084, E-Mail: akademie@lhv.or.at

SCHACH-ECKE In Memoriam: Hubert Graier Kürzlich ist das Vorarlberger SchachUrgestein Hubert Graier im Alter von 71 Jahren verstorben. Der Lustenauer mit Kärntner Wurzeln pflegte bis zu seinem Tod einen wildromantischen Schachstil. Dank seiner unkonventionellen Spielweise gelang ihm – als Unterklasse-Spieler – der eine oder andere Achtungserfolg gegen weit stärkere Spieler – zum Beispiel ein Sieg in einer Simultanpartie gegen Großmeister Taimanov.

Hubert Graier (links unten) in seinem Element: am Schachbrett.

Die folgende Partie ist typisch für „Graiers Hubi“: Zeitweise hat er drei Bauern weniger, durch ein paar schwindelige Züge gelingt es ihm aber, den Gegner zu verunsichern und die Partie doch noch zu gewinnen ... Erich Peterlunger - Hubert Graier Lustenau 1991 1. e4 g6 2. d4 c5 3. Sf3 Lg7 4. c3 Db6 5. Lc4 cxd4 6. cxd4 Db4+ 7. Sd2 Sc6 8. a3 Db6 9. Sb3 e5 10. Le3 Dc7 11. Tc1 Db8 12. 0-0 Sf6 13. Sg5 0-0 14. f4 d6 15. fxe5 dxe5 16. Df3 Lg4 17. Dg3 b5?! (ein Hubi-Zug) 18. LxTf7+ Txf7 19. Sxf7 Le6 20. Sg5 Lc4 21. Dh3 Dc8 22. DxDc8 TxDc8 23. d5 h6 24. Txf6 Lxf6 25. Sf3 Sd8 26. Lxa7 Sb7 27. Le3 Sd6 28. Sbd2 Ld3 29. TxTc8+ SxTc8 30. Se1 Le2 31. Kf2 Ld1 32. Lxh6 Sd6 33. Le3 Kf7 34. Lc5 Sb7 35. Lb4 g5 36. h3 Ld8 37. Sef3 Kf6 38. Kg3 Lb6 39. Kg4 Le3 40. d6 Ke6 41. g3 Sxd6 42. LxSd6 Zeit für Schwarz aufzugeben? Nein! Zeit für Hubi-Züge.

42. ... LxSd2! 43. Lb4? LxLb4 44. axb4 Kf6 Nun ist Weiß, mit zwei Bauern mehr, in Zugzwang und verliert seinen gefesselten Springer! 45. h4 Kg6 46. h5+ Kh6 47. Kf5 LxSf3 48. Ke5 Kxh5 49. Kd4 Kg4 50. e5 Kxg3 0:1

EIN BÖSES WORT Da ist man bester Laune und dann das. Aus heiterem Himmel ein böses Wort aus dem Mund eines guten Bekannten. Alles ist plötzlich anders. Der Himmel bewölkt sich, es schaut nach Gewitter aus. Was tun? Hier einige erprobte Varianten im Umgang mit unangenehmen Gesprächssituationen. Variante eins: Ich überhör‘s ganz bewusst und gebe dem Thema keinen Raum. In der Boxersprache heißt das auspendeln, einen Schritt zurücktreten, etwas Abstand nehmen und dem Gegenüber signalisieren, kein Treffer, hat nicht weh getan. Ich bin voll da und präsent. Funktioniert am ehesten bei leichten „Schlägen“. Die gegenteilige Strategie empfiehlt, den erlittenen Schmerz zeigen und Stellung beziehen, beispielsweise in der Art: „Gratuliere, fühlt sich an wie ein Volltreffer in die Magengrube.“ Damit ist die Gut-Böse-Diskussion eröffnet. Viel Vergnügen dabei. Meine theoretisch bevorzugte Strategie: Ich frage mich, warum macht mein Gegenüber so etwas Gemeines, sicher geht es ihm nicht gut und er muss seine schlechte Stimmung einfach rauslassen. Und mich trifft‘s, weil ich gerade da bin. Es hat gar nichts mit meiner Person zu tun. So belasse ich den Ärger beim anderen, werde weder wütend noch traurig, sondern versuche mitfühlend zu sein. Wie das geht, fragen Sie? Meine Erfahrung: Meistens geht‘s nicht, weil wir auch in der Emotion hochkochen und – so wie die ganze Welt – mit „Wie du mir so ich dir“ antworten. Aber manchmal geschieht ein Wunder, und ich halte inne, atme zwei-, drei-, viermal durch und schaue wie ein beinahe Unbeteiligter von außen auf meine Gesprächssituation. Was ich jetzt sehe, das sind zwei Menschen, die glücklich sein wollen und sich dabei im Wege stehen. Nun halte ich den Mund und lächle uns beiden innerlich zu. Diesmal hat er keine Chance, der Teufel namens Ego. Gott sei Dank gibt es das Wunder der Liebe.

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„Ich bin ein Kind im Spielzeugladen“ In der Werkstatt von Nick Page in Bregenz weht der Duft von Rock‘n‘Roll. Kein Wunder. Denn der 38-Jährige baut E-Gitarren. Ein Porträt eines Mannes, der sich selbst heute noch als Kind fühlt. Text und Fotos: Frank Andres

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pray- und Lackdosen, leere Bierflaschen, Holzabfälle, Gitarrenkorpusse an der Wand, Lötapparat auf der Werkbank. Das alles garniert mit Zigarettenrauch, harten Gitarrenklängen von Motörhead und Lemmy Kilmisters Gesang. Die Szenerie wirkt wie eine Mischung aus Hexenküche und der alptraumhaften, mütterlichen Vorstellung eines Bubenzimmers. Doch in diesem kreativen Chaos spielt kein Kind, sondern ein Erwachsener. Sein bürgerlicher Name: Nick Claus Potulski. Sein Beruf: E-Gitarrenbauer. Sein Alter: 38. Familienstand: verheiratet, zwei Kinder, drei und sieben Jahre alt. „Ich fühle mich wie ein Kind im Spielzeugladen“, verrät der Mann, der sich in Anlehnung an den legendären Led Zeppelin-Gitarristen den Künstlernamen Nick Page zugelegt hat.

Nicks Karriere als Gitarrenbauer entstand rein zufällig. Er hörte als Jugendlicher harte Rock-Gitarrenklänge von Bands wie Black Sabbath, Led Zeppelin und Deep Purple. Sein größter Wunsch war es, selbst eine eigene E-Gitarre zu besitzen. Doch seine Eltern hatten dafür wenig Verständnis. Nick ging deshalb in seiner Heimatstadt Köln zu einem Gitarrenbauer und fragte ihn, ob dieser ihm beim Bau eines elektrifizierten Saiteninstruments helfen könne. Der half und erkannte das handwerkliche Talent von Nick. Und das Schicksal wollte es offensichtlich, dass der damals 15-Jährige wegen mangelnder Anwesenheit von der Schule flog und beim Gitarrenbauer eine Ausbildung begann. Drei Jahre später beherrschte Nick das Handwerk des Gitarrenbaus perfekt. „Ich konnte mir aussuchen, wo ich arbeiten will“, erinnert er sich. Seine Wahl

fiel auf „Ulis Musik“, einem Laden, in dem Rockstars wie die Rolling Stones ein- und ausgingen. Aber statt eigene Gitarren zu bauen, stimmte er zunächst für die Kunden die Instrumente.

Opfer von Gitarrendieben

Mit 24 Jahren machte sich Nick selbstständig, eröffnete einen eigenen Laden in Köln. Doch dieses Abenteuer endete desaströs. Nur wenige Monate später wurde sein Geschäft Opfer von Einbrechern. Die teuren Gitarren waren weg, nichts war versichert und Nick pleite. Zusammen mit einem Freund versuchte er danach sein Glück in London. Doch die Reise war keinen Euro wert. „Ich habe von der Hand in den Mund gelebt. Wenn du dir in einem Pub überlegen musst, ob du das Bier zahlen kannst, macht das keinen Spaß.“ Nick kehrte 2004 nach Deutschland


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Nick Page hat ein Faible für Selbstgemachtes. Seine Gitarren sind handgemacht und auch die Devich-Holzschuhe entstanden in echter Handarbeit.

zurück und machte in Berlin-Neukölln wieder einen Laden auf. „Der lief von Anfang an spitze“, erzählt er. Vielleicht auch, weil er dort nur seine eigenen „Nick Page Guitars“ verkaufte. Nick lebte damals „mittendrin im Ghetto“, wie er selber sagt. In einer Gegend, in der es in seiner Nachbarschaft vor allem Puffs und Kneipen gab, die Alkohol an Minderjährige ausschenkten. Plötzlich wurde Neukölln aber zu hip für ihn, überall fanden Partys statt. „Das war am Anfang ganz lustig, aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr drauf “, meint er rückblickend. Nick war inzwischen auch verheiratet und hatte zwei kleine Kinder. „Da hast du plötzlich andere Prioritäten, als bis 5 Uhr in der Früh auf Party zu machen. Und ich wollte nicht, dass die Kinder in einer solchen Umgebung aufwachsen.“ 2014 verließ er deshalb die deutsche Haupstadt und zog mit seiner

Frau, einer gebürtigen Vorarl­bergerin, in die Provinz nach Bregenz.

Adrenalin-Kick

Damit kehren wir wieder zurück in seine Kreativwerkstätte. Dort baut Nick Page in reiner Handarbeit seine E-Gitarren. Zwölf Stück pro Jahr. Alles Unikate. Kostenpunkt: zwischen 3500 und 12.000 Euro. „Reich werde ich davon nicht“, betont der heute 38-Jährige. Im Gegenteil: Er selbst könne sich seine Gitarren gar nicht leisten, sein letztes Stück in seinem Besitz müsse er jetzt verkaufen. Wehmütige Gefühle hat er aber keine. „Bei mir würden die Gitarren nur an der Wand hängen“, gibt er zu. Für ihn sei es das Größte, wenn Musiker nach Jahren noch immer von seinen E-Gitarren schwärmen. „Für diesen Adrenalin-Kick lebe ich. Es gibt nichts Schöneres, wenn jemand zu mir sagt: Das hast du geil gemacht.“

Was aber zeichnet eigentlich einen guten Gitarrenbauer aus? „Ich habe zwei Talente. Erstens kann ich Gitarren zeichnen, die viele andere Leute mögen. Mein Geschmack ist also massentauglich. Und zweitens kann ich schnitzen. Ich arbeite Formen aus Holz heraus, ohne vorher üben zu müssen“, verrät er. Und Nick fügt hinzu: „Wenn ich nicht Gitarren bauen würde, wäre ich für nichts anderes zu gebrauchen.“ Und wie ist es um Nicks eigene Gitarrenkünste bestellt? „Ich habe mir das Spielen selber beigebracht. Spielte auch immer wieder in diversen Bands. Das Talent reichte aber nicht für die große Rockmusiker-Karriere.“ Aber immerhin hat er es geschafft, dass die Rockstars seine E-Gitarren spielen. Und das ist auch nicht schlecht.

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Mittendrin in V Mit dem Pinsel der inneren Spur folgen: Birgit Bodemanns Mann Robert, Angelika Rümmele, Birgit mit Clemens und Lorenz.

KREATIVE KRAFT

Birgit Bodemann (47) aus Dornbirn eröffnete vor drei Monaten den Malort Dornbirn. Im geschützten Raum wird hier wertungsfrei gemalt. Es geht also nicht um das Erlernen von Kunsttechniken, sondern um Freude und Spaß am Malen sowie darum, seiner inneren Spur zu folgen.

Text und Fotos: Christina Vaccaro

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aben Sie früher auch gerne gemalt? Als Kind nehmen wir unbeschwert und abenteuerlustig den Pinsel in die Hand. Dieselbe Handlung fällt uns als Erwachsener zunehmend schwerer. Im Malort Dornbirn, einem 40 Quadratmeter großen, mit einer einladenden Farbpalette und Zeichenblättern ausgestatteten Raum, treffen sich keine gelernten oder talentierten Künstlerinnen und Künstler, sondern alle, die spielerisch malen wollen. „Beim freien, inneren Malen geht es darum, seiner inneren Spur zu folgen“, erklärt Birgit Bodemann (47) aus Dornbirn. Das Konzept des Malorts hat sie im Rahmen ihrer Kunst- und Kreativtherapie-Ausbildung an der Paracelsusschule Konstanz kennengelernt. „In der Schule und später im Berufsleben steht die Leistung im Vordergrund. Man ist mit Aufgaben konfrontiert und darauf bedacht, ihnen gerecht zu werden und sich mit anderen zu messen. Das alles fällt im Malort weg. Jeder weiß: Hier sieht mir niemand über die Schulter. Ich kann malen, worauf ich Lust habe.“ Die Bilder, die während des freien Malens entstehen, bewahrt Birgit behutsam auf. Dies hat den Hintergrund, dass bei einer Mitnahme nach Hause oftmals die Gefahr besteht, Wertungen und Be-

urteilungen ausgesetzt zu sein – und das möchte Birgit verhindern. Das innere Malen besitze keinen therapeutischen Ansatz. „Es geht um Freude und Spaß beim Malen“, betont Birgit, die als Sekretärin in der Verwaltung des Flüchtlingshauses Lustenau arbeitet. Kunst hatte die Dornbirnerin schon als junges Mädchen interessiert, den kreativen Weg jedoch viele Jahre lang nicht weiter verfolgt. Durch eine Krebserkrankung vor sechs Jahren besann sich Birgit zurück auf das, was ihr wirklich am Herzen liegt. Die Entscheidung, sich einer kreativen Tätigkeit zu widmen, war dann eine logische Schlussfolgerung für die 47-Jährige. So besuchte Birgit im vergangenen Jahr einen Kurs bei Arno Stern, dem deutsch-französischen Pädagogen, der besonders durch den Dokumentarfilm „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer bekannt wurde. Schließlich gründete Birgit den Malort Dornbirn zu Jahresbeginn. Seither kommen viele zum Schnuppern und manch einer auch regelmäßig zum mittwöchlichen Malspiel. Neben dem „Malspiel“, dem freien Malen, wird eine geführte Herzmeditation von Angelika Rümmele, Birgits Cousine und Freundin, angeboten. Den Malort betreibt sie nicht, um Geld zu verdienen, sondern um den Menschen etwas Gutes zu tun. Ihre

Glücksmomente beschreibt Birgit so: „Wenn die Besucher mit einem strahlenden Herzen nach Hause gehen, ist das das größte Geschenk für mich.“ HINWEIS: Mehr Infos unter www.malort-dornbirn.at/

Eine große Farbpalette lädt zum spielerischen Malen ein.


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Varschtosch Vorarlbergerisch? 12

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1. Ägagrind 2. troola 3. uhe 4. agängig 5. Euöli 6. abe 7. grä 8. bschießa 9. abkratzo 10. ätamol 11. gäch 12. Glump 13. wädli 14. Gögle 15. ranscho 16. zweris 17. springa 18. soda 19. botta 20. nüßa 21. mügig 22. Meigi 23. Loabat 24. kripfa 25. Kriase 26. bitzle 27. losna 28. kluppig 29. Hördöpfl 30. Kluppa

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Lösung 1. Sturkopf, 2. fallen, 3. hinauf, 4. laestig, 5. Ei, 6. hinunter, 7. bereit, 8. betruegen, 9. sterben, 10. manchmal, 11. steil, 12. Schrott, 13. schnell, 14. Baby, 15. herumtreiben, 16. quer, 17. rennen, 18. patzen, 19. einkaufen, 20. niesen, 21. liebenswert, 22. Maedchen, 23. Speiserest, 24. kratzen, 25. Kirsche, 26. bisschen, 27. hoeren, 28. geizig, 29. Kartoffel, 30. Waescheklammer

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Mittendrin in V

„Mein Name war auf der Liste“ Hasan Mahmudul (23) floh vor drei Jahren aus Bangladesch: zu Fuß, mit dem Flugzeug und im LKW. Schließlich kam er in Vorarlberg an. Aber hier darf er auch nicht bleiben. Die Geschichte eines politischen Flüchtlings.

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Text und Foto: Christina Vaccaro

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änner 2014. Nach zwei Monaten Flucht steigt Hasan Mahmudul aus dem Taxi. Er denkt, er sei in Deutschland. Doch er ist in Wien. Von dort geht es weiter nach Traiskirchen, der Erstaufnahmestelle für Asylsuchende, wo Hasan nach den Gründen seiner Flucht gefragt wird. Diese erzählt der Bangladeschi auch der marie. Schon als Jugendlicher habe er sich für Politik interessiert. An der Universität war er Sprecher der Studentenorganisation der nationalen Partei von Bangladesch, die 2014 die Parlamentswahlen boykottierten. Daraufhin soll es von der Spezialeinheit der Polizei auf Geheiß der Regierung eine Liste mit Namen zur Fahndung gegeben haben. Manche davon seien ins Gefängnis gekommen, andere erschossen worden. „Auf dieser Liste stand mein Name“, erzählt Hasan. „Viele sind geflüchtet, so viele sind gestorben. Meine Eltern haben der Mafia viel Geld gegeben, damit ich gehen kann. Ungefähr 15.000 Euro. Mein Vater hatte etwas Ackerland, das hat er verkauft.“ Nachts, mit einem Rucksack bepackt, floh er zu Fuß nach Indien. Hasan war damals 19 Jahre alt. In Indien verbrachte er etwa zwei Wochen, bis er von der beauftragten Schlepperbande einen indischen Reisepass bekam. Mit diesem flog er nach

Istanbul, danach ging es mit einem LKW weiter. An die Fahrt im LKW kann sich Hasan nur schlecht erinnern: „Es waren zwei oder drei Tage, ich weiß nicht genau. Sie haben mir eine Spritze gegeben und ich habe geschlafen.“

Nur schlafen und essen: Nicht gut!

Die letzten Meter über die österreichische Grenze legte Hasan im Taxi zurück, über welche Länder er von Istanbul bis nach Österreich reiste, weiß er nicht. Nach seiner Erstaufnahme in Traiskirchen verbringt der Sohn eines Apothekers ein Jahr im Flüchtlingsheim. „Es gab nicht so viele Häuser, niemanden zum Reden. Ein alter Mann hat das Essen gekocht. Ein Jahr nur schlafen und essen. Das war nicht gut“, erinnert sich Hasan und schlägt kurz die Hände vor dem Gesicht zusammen. Die Erinnerung bereitet ihm sichtlich Unbehagen. Freunde aus Bangladesch bieten dem jungen Mann an, bei ihnen in Wien zu wohnen. Er verkauft Zeitungen an U-Bahn-Stationen. Im Internet sucht er nach einer anderen Arbeit und findet schließlich eine Lehrstelle als Koch in Dornbirn. Während seine beiden Schwestern und sein jüngerer Bruder in Bangladesch die Universität besuchen können, tritt er die Lehrstelle an. So verschlägt es Hasan, immer noch mitgenommen von den Geschehnissen in seiner zurückgelassenen Heimat, nach


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Vorarlberg. Sein Deutsch ist gebrochen, es fällt ihm alles andere als einfach, sich im Land einzufinden. „Die Österreicher haben keine politischen Ideen“, meint er und äußert, dass viele in ihrer Freizeit einfach nur etwas Trinkengehen. Damit tut Hasan sich schwer, ihm sind politisches Engagement und Mitspracherecht sehr wichtig. „Ich bin ein bisschen anders geworden“, antwortet Hasan auf die Frage, was ihm Kraft gebe. „Ich war immer in der Gruppe unterwegs und habe über Politik gesprochen. Jetzt nicht mehr. Ich bin ruhig geworden.“ Österreich finde er gut, doch er liebe sein Land und wolle zurück. Mit seiner Familie hat er täglich Kontakt, sie fehlt ihm. Ob er noch Angst habe? „Ja, immer“, sagt Hasan und schlägt nochmals die Hände vor dem Gesicht zusammen. „Jede Nacht ist wie ein Jahr.“ Vor wenigen Wochen kam der negative Bescheid seines Asylantrags. Zurück könne er nicht, sagen ihm seine Eltern und sein Rechtsanwalt in Bangladesch. Vorerst darf er trotzdem in die Berufsschule gehen. Wie es weitergeht, weiß er nicht.

Ja,

ich werde Mitglied im marie-Freundeskreis. Damit unterstütze ich die Arbeit von marie. Meine Jahresspende beträgt:  60,- Euro (Mindestbeitrag für Schüler/Studenten/Senioren)  100,- Euro 

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Das Vorarlberger Catering Unternehmen „der walch“ übergab dem Verein Netz für Kinder einen Scheck über 1500 Euro. Geschäftsführer Christoph Walch: „Wir kennen und schätzen das Engagement der Ehrenamtlichen vom Netz für Kinder und unterstützen das gerne.“ Förderkreismitglied Raphaela Stefandl überreichte Christoph Walch als kleines Dankeschön eine Kinder-Ente.

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Geburtsjahr

Raphaela Stefandl vom Netz für Kinder, Christoph Walch von Walch Catering.

Einzugsermächtigung: Ich erteile eine Ermächtigung zum Bankeinzug meiner Jahresspende. IBAN

Schlagworte Der Macht die Ohnmacht umzuhängen, herauszutreten aus den Zwängen, ist doch, dem andern zugewandt und seine Würde anerkannt.

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Wir versichern, dass Ihre Angaben nur für interne Zwecke bei marie verwendet werden. Ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis ist jederzeit kündbar.

Bitte Coupon ausschneiden und senden an: marie-Freundeskreis Am Kehlerpark 5 Top 34 6850 Dornbirn

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marie-Leserin Margit Berkmann (72) aus Bregenz – ehemals Mitarbeiterin beim Verein Neustart, jetzt Pensionistin – schreibt gerne und hat dieses Gedicht der marie zur Verfügung gestellt.

Linksextrem – rechtsradikal Schlagworte in jedem Fall. Sie schlagen zu und halten fest, die Macht, die Würde und den Rest.

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Mittendrin in V

„ICH HABE DAS HUNGERGEFÜHL GELIEBT“ Wenn Essen funktionalisiert wird, die Beschäftigung damit zum Zwang und bestimmenden Lebensinhalt wird, dann führt das in soziale Isolation, Entfremdung und Selbstzerstörung: Magersucht ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Die Geschichte von Christina Fuksa.

Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Petra Rainer

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an könnte auch sagen, ich bin reingeschlittert. Angefangen hat es mit einer Gastritis, die mich bereits mit Anfang 20 gezwungen hat, wenig zu essen, um den Schmerzen zu entkommen.“ Christina Fuksas (47) Krankheitsbeginn mag harmlos klingen, wenn man bedenkt, dass sie bis zu ihrem 40. Lebensjahr akut unter der Essstörung Magersucht gelitten hat und bis heute keinen Genuss beim Essen empfinden kann. Dabei liegen die Ursachen natürlich tiefer. Christina Fuksa gibt Einblicke in ihre persönliche Krankheitsgeschichte, wagt diesen Schritt um damit die „Anorexia nervosa“, so die Magersucht im Fachjargon, ein Stück weit begreifbarer zu machen. Und sie als Krankheit zu verstehen, die oft schleichend von einem Besitz ergreift und zu keinem Zeitpunkt banalisiert werden darf. Da geht es nicht um Bikinifiguren und Mode-Diäten, oder die Frage: „Wie schaffst du es bloß, so dünn zu sein.“ Da geht es schlussendlich um das Ringen mit Leben und Tod.

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Schleichender Prozess

Christina Fuksa aus Feldkirch hat jahrelang krankhaft Essenskonsum und Gewicht kontrolliert und dabei völlig die Kontrolle über ihr Leben verloren.

Christina Fuksa lebte bis vor rund acht Jahren in Wien und ist durch ihren Aufenthalt in der Suchttherapiestation Carina in Vorarlberg gelandet – und bis heute hiergeblieben. Inzwischen hat sie ihre eigene, hübsche Wohnung in Feldkirch und arbeitet wieder in ihrem ursprünglichen Beruf als Systemadministrato-


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Ihre Kindheit beschreibt Christina Fuksa als „belastet“, hält bis heute nur sporadisch Kontakt zu ihren Eltern.

rin. Ihr Jahr in der Carina beschreibt sie als Meilenstein und bei allen Höhen und Tiefen als „beste Zeit meines Lebens“. Die Jahre davor waren geprägt von sukzessiver Gewichtsabnahme und exzessiven Lauftrainings.

Fühlte mich dick

Wie kam es dazu? Nach einer belasteten Kindheit sei sie zu einer zurückhaltenden, introvertierten Frau herangewachsen und habe sich sehr am Leben ihrer Schwester orientiert. Habe deren Freundeskreis geteilt, deren Kinder betreut, die Wochenenden in deren Familie verbracht und sei sich erst viel später bewusst geworden, dass sie dabei das eigene Leben vergaß. „Ich war ihr so nah, dass ich in ihrer zweiten Schwangerschaft sogar mit ihr zugenommen habe und auf fast 60 Kilogramm gekommen bin“, erinnert Christina Fuksa an einen bis heute einmaligen Gewichtshöhepunkt, bei dem das erste Mal die Alarmglocken läuten: „Da fühlte ich mich dick.“ Woraufhin sie aktiv beginnt, ihr Gewicht durch Essensentzug zu kontrollieren. Je älter die Kinder ihrer Schwester werden, desto größer werden die Differenzen zwischen den Frauen. „Du bist ja jedes Wochenende bei uns“, so der Vorwurf, verbunden mit dem Appell, doch endlich in ein eigenes Leben zu finden. Diesen Halt der Schwester zu verlieren, lässt Christinas Weg aus den Fugen geraten ohne dass es jemand bemerkt. Depressionen und Panikattacken werden zu ständigen Begleitern. Linderung ver-

Das Fotografieren ist ein Hobby, dem die heute 47-Jährige mit viel Freude nachgeht.

schafft ihr regelmäßiges Sporttraining, das zudem vor Einsamkeit schützt und sie noch schneller abnehmen lässt. Nach nur drei Monaten Training läuft sie ihren ersten Marathon.

bundenen Kontroll- und Machtverlust es verhindert. Außerdem habe ich das Hungergefühl geliebt. Einen Tag lannichts essen zu müssen gab mir Bestätigung und Grund zur Freude.“

Macht und Kontrolle

Moment der Wahrheit

Den Moment, in dem sie im Spiegel ihre Knochen sieht, genießt sie als Erfolgserlebnis. Schön findet sie sich trotzdem nicht. Mehrmals am Tag stellt sie sich auf die Waage, kontrolliert penibel die Zahlen. Das Gefühl, die absolute Macht über ihren Körper zu haben, selber über Essensbedarf und Ausdauer bestimmen zu können, ist das, was die Mittdreißigerin immer mehr in den Bann zieht. „Selber blendet man vieles aus, Fragen des Umfeldes, ob man genug isst, wehrt man ab. Je mehr Druck von außen kommt, desto mehr Verneinung der Probleme.“ Erst sind es noch drei „Mini-Mahlzeiten“ am Tag. Dazu siebenmal bis zu drei Stunden Sport in der Woche bei jeder Temperatur, denn hohe Minus- oder Plusgrade verstärken den Leistungs- und Abnehm-Effekt. Völlig untergewichtig, mit einem Körperfett-Anteil von unter 11 Prozent, landet sie zwischenzeitlich in der Klinik, wird wieder aufgepäppelt, macht nach der Entlassung weiter wie zuvor. Christina zieht sich völlig zurück. Sie erkennt inzwischen, dass es nicht mehr gesund ist, was sie tut: „Du lebst in einem totalen Widerspruch: Selbst wenn man sich im Kopf vornimmt, mehr zu essen, geht es nicht, weil die Panik vor dem Zunehmen und dem damit ver-

Christina Fuksa leidet bereits unter Halluzinationen, ist Herr Ihrer Körperknechtung aber nicht ihrer Sinne. Zwar wird sie seit Jahren von einer Therapeutin begleitet, erst viel später erkennt sie die Abhängigkeit ihrerseits, ihr Ausgeliefertsein, das Ausgenutzt-Werden. Als sie dann in ihrem Job auch noch gemobbt wird und Krankenstand beantragt, hat sie noch mehr Zeit, der Waage zu dienen. Die Tagesration pendelt sich bei einem halben Joghurt ein. Und da, endlich, der Moment der Erkenntnis: „Als mir die Waage 45 Kilogramm anzeigte, stand ich unter Schock und wusste plötzlich, so geht’s nicht weiter, ich hab’s nicht mehr unter Kontrolle.“ Diese Einsicht bringt die entscheidende Wende, ihr wird die Suchttherapiestation Carina in Feldkirch empfohlen, drei Monate später bekommt sie einen Platz. Erst jetzt erfahren ihre Eltern, zu denen sie nur sporadisch Kontakt hält, von ihrer Krankheit. Diese glauben, dass sie sich alles nur einbilde, die Mutter lädt sie paradoxerweise zum Essen ein. Umso heilsamer empfindet sie ihren Lebensabschnitt in der Carina: „Mit 39 bin ich dorthin gekommen und ich war mir bewusst, das ist jetzt meine letzte Chance um das Ganze lebend zu über- >>

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Mittendrin in V

stehen.“ Hier gelingt es ihr, Nähe und Öffnung zuzulassen und der Überforderung ins Gesicht zu schauen: „Das Netz fängt dich dort auf “. Christina bleibt ein ganzes Jahr, lernt wieder zu essen, geht gestärkt aus dieser Zeit heraus, findet eine Wohnung und einen Job. Ihr Essverhalten würde sie heute als gesund bezeichnen, sie esse eben, so wie sie es gelernt habe, aber vom Genießen sei sie weit entfernt. Das Kochen sei ihr weitaus lieber als das Aufessen, das Theater um ein wohl schmeckendes Gericht kann sie nicht nachvollziehen. Und: „Das Gefühl, dick zu sein, wird man nie wirklich los.“ Hassen würde sie ihren Körper aber nicht mehr, sie spricht von „mehr oder weniger Akzeptanz“.

Panik vor vollem Kühlschrank

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Was sie bis heute in Panik versetzen kann sind übervolle Kühlschränke oder zuweilen auch der Überfluss in Supermärkten. Außerdem würde sich jedes Problem sofort auf den Magen schlagen, bei Stress müsse sie aufpassen. In ihr eigenes Leben hat Christina Fuksa inzwischen gefunden, hat ihren Lebensmittelpunkt im Ländle aufgebaut und schätzt nach wie vor die therapeutische Beglei-

tung. Und was würde sie Eltern empfehlen, die den Verdacht hegen, dass ihr Kind an Magersucht leide? „Konfrontation löst die absolute Verneinung aus. Und sie ja nicht zum „brav essen“ zwingen. Kontrolle von außen geht gar nicht, weil genau diese willst du ja selber behalten, da soll kein anderer bestimmen. Ich hätte mir einfach jemanden gewünscht, der für mich da ist, mit mir redet, mir zuhört. Diese Signale, um ins Vertrauen zu kommen, haben mir gefehlt.“

Von ihrer geliebten Oma hat Christina Fuksa als kleines Mädchen diesen Affenkopf geschenkt bekommen. Drückt man den Knopf, zeigt dieser die Zunge und verdreht die Augen.

Kontakt, Information und Begleitung bei Essstörungen Eine der wenigen Studien, die es in Österreich zum Thema Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge Eating Disorder – Heißhungeranfälle ohne Erbrechen) gibt, zeigt einen signifikanten Anstieg an extrem untergewichtigen bzw. extrem übergewichtigen adoleszenten Mädchen im Vergleichszeitraum Anfang der 90er Jahre bis 2004 auf. Das Alter einer Ersterkrankung liegt meist zwischen 12 und 23 Jahren, am meisten gefährdet ist die Altersgruppe der 15-Jährigen. Nur 1-10 Prozent aller Betroffenen sind männlich.

In Vorarlberg bietet die CaritasKontaktstelle bei Essstörungen Erstberatung an, hilft Behandlungsangebote zu finden und ist auch an Schulen präventiv unterwegs. Empfehlung für Angehörige: Nicht zuwarten, sondern so schnell wie möglich Hilfe holen. Je früher der Entwicklung einer Essstörung entgegengetreten wird, desto besser die Prognose, zeigen Erfahrungswerte. Orientierungsfragen zur Prüfung, ob eine Gefährdung besteht, bietet die Kontaktstelle. Alarmsignale, die bereits erste Folgeerschei-

nungen einer Essstörung sein können: Rückzug von Freunden, keine Lust mehr auf Hobbys, aggressive Reaktionen bei Ansprechen auf Essverhalten, zwanghafte Ausübung von Sport, körperliche Schwächeerscheinungen wie Schwindel, Blässe, Schlafstörungen, Frieren. Kontaktstelle bei Essstörungen für Betroffene, Angehörige und MultiplikatorInnen: Caritas Vorarlberg, Suchtarbeit, Alice Mansfield-Zech, T 05522-200 1739, essstoerungen@caritas.at


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Julia Haslinger mit einem Teil ihrer Papeterie-Linie. Der absolute Verkaufsrenner sind die Hefte mit dem Fischottermotiv.

TIERISCH MOTIVIERT Von der studierten Biologin zur Designerin für Papierwaren: Was als Ausgleich zum Job-Alltag begann, ist für Julia Haslinger (32) aus Dornbirn inzwischen zum zentralen beruflichen Standbein geworden. Text und Foto: Frank Andres

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ie tierischen Motive sind einfach niedlich. Fischotter, Giraffen, Eichhörnchen, Schweine oder Elefanten zieren den Umschlag von Notizheften, Grußkarten und kleinen Büchern. Die Bleistift-Zeichnungen von Julia Haslinger kommen an. Unter dem Markennamen „Stift17“ – 17 ist Julia Haslingers Glückszahl – vertreibt die gebürtige Oberösterreicherin seit Sommer 2015 ihre selbstdesignten Papier-Produkte auf Internet-Plattformen wie DaWanda, in Fachgeschäften wie Fräulein Amann in Hohenems und Römer VII in Bregenz. Aber auch auf Märkten präsentiert die 32-Jährige ihre Designersachen. Allein im letzten Jahr waren es 15. Beruflich schlug Julia Haslinger zunächst eine gänzlich andere Laufbahn ein. Sie studierte in Wien Biologie und arbeitete nach dem Uniabschluss sechs Jahre lang an der Akademie der Wissenschaften. Ihr Spezialgebiet: Nanotechnologie. Sie untersuchte zum Beispiel, wie sich technische Neuerungen in der Medizin oder Kosmetika auf den Menschen auswirken. „Es war eine sehr vergeistigte Arbeit“, erinnert sie sich.

Nach zehn Jahren in der Bundeshauptstadt entschloss sich Julia Haslinger zusammen mit ihrem Vorarlberger Freund, einem Arzt, ins Ländle zu ziehen. Das ist inzwischen über zwei Jahre her. Mit dem Umzug nach Dornbirn musste sich die Biologin aber auch beruflich neu orientieren. Denn einen Job in ihrem Spezialgebiet, der Nano-Technologie, gibt es hier nicht. „Ich werde schon etwas finden, dachte ich mir“, sagt Julia Haslinger. Als die Gärtnerei Angeloff in Rankweil einen Mitarbeiter zum Aufbau eines Online-Shops suchte, bewarb sie sich. Und sie bekommt im Februar 2015 den Zuschlag. „Ich habe zwar nicht so viel Ahnung von Pflanzen, aber dafür kann ich gut schreiben. Bei den tausenden Produktbeschreibungen, kann ich meine kreative Ader richtig ausleben“, erklärt Julia Haslinger.

Keine Massenware

Nebenbei beginnt sie auch wieder zu zeichnen. Entwirft unter anderem ein Hochzeitslogo für eine Freundin. Und es kommt gut an. „Es war mir für mich daher naheliegend, eine eigene Papeterie-Linie zu designen und zu entwickeln“, erklärt die 32-Jährige. Julia Has-

linger suchte regionale Partner, die ihre Grußkarten und Schreibhefte nachhaltig, ökologisch und klimaneutral produzieren. Bei der Druckerei Gössler in Dornbirn ist sie schließlich fündig geworden. „Ich produziere keine Massenware. Ich will Menschen erreichen, die das Außergewöhnliche und Individuelle schätzen“, erklärt sie. Und wie lange dauert es, bis sie ein neues Tiermotiv auf Papier bringt? „Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal brauche ich nur eine Stunde und manchmal mehrere Tage.“ Ihre bis zu 50 Produkte verkauft Julia Haslinger vor allem nach Deutschland, Schweiz und Österreich. Zwei Grußkarten lieferte sie sogar in die USA. Nach knapp zwei Jahren hat sich „Stift17“ für Julia Haslinger zum zentralen, beruflichen Standbein entwickelt. Und vielleicht wird sie in naher Zukunft nur von ihrem Hobby leben können. Bei ihrem Talent scheint alles möglich. HINWEIS: Auf Facebook: www.facebook.com/stift.siebzehn Online-Store: www.dawanda.com

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Gsi

„Entsittlichend“, „verrohend“, „das religiöse Empfinden verletzend“: Rund 1000 Filme wurden zwischen 1910 und 1989 in Vorarlberg behördlich verboten. Erst vor zehn Jahren wurde das Zensur-Gesetz offiziell aufgehoben.

„ Geistiger Umweltschutz“: Filmzensur in Vorarlberg

Text: Gerhard Thoma Foto: Norbert Fink

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ilmzensur gibt es, seit es Filme gibt. Schon vor fast 100 Jahren wurde über mögliche gefährliche Auswirkungen von Medien diskutiert. 1923 machten die katholischen Jugendvereine in Vorarlberg auf den „derzeit verderblichen Einfluss des Kinos“ aufmerksam: „Laut Statistik sind 90 Prozent aller jugendlichen Verbrecher auf das Konto des Kinos zu buchen. Auch übt das Kino auf die Gesundheit der Jugendlichen einen so verderblichen Einfluss aus, dass sie in einen Zustand der heftigsten Leidenschaften kommen und ihre volle Willensfreiheit darunter stark leidet.“ Vertreter der Jugendfürsorge saßen in den Kinos, um notfalls Alarm zu schlagen. Nebst politischen, sittlichen und religiösen Motiven gab es einen weiteren Grund, bestimmte Filme zu verbieten: Leute sollten nicht zu unüberlegten „revolutionären“ Handlungen verleitet werden. Sergej Eisensteins legendärer „Panzerkreuzer Potjemkin“ wurde nach einigen Vorstellungen verboten, weil der Streifen auf das weniger intelligente Publikum aufreizend wirke. Deshalb fasste die Landesregierung 1928 einen weitreichenden Beschluss: „Alle zur Vorführung bestimmten Laufbilder müssen vorher der Landesregie-

rung angemeldet werden.“ Diese Zensur-Bestimmung blieb teilweise bis 2007 in Kraft und galt freilich auch während der Zeit des Nationalsozialismus von 1938 bis 1945. Nach dem Krieg setzte die französische Besatzung die strenge Zensur fort, um Jugendliche von Gewalt, Alkohol, Kriminalität und Liebesszenen fernzuhalten. Filme wie „Ali Baba und die 40 Räuber“, „Cäsar und Cleopatra“ und sogar der Operettenfilm „Die Fledermaus“ wurden erst ab 16 Jahren freigegeben. Totales Jugendverbot herrschte in Vorarlberg für die Kinofilme „Die Geierwally“, „Der Glöckner von Notre Dame“, „Casablanca“ mit Humphrey Bogart, „Das Phantom der Oper“, „Der Tiger von Eschnapur“ und die „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann.

Verdi-Oper verboten

„Die strenge Praxis wurde auch nach 1955 fortgesetzt“, erklärt Dr. Norbert Fink, Obmann des 1979 gegründeten Filmkulturclubs Dornbirn. Unter Mithilfe des langjährigen Kinobetreibers Peter Pienz verfasste er das „Vorarlberger Kinobuch“, in dem er die Vorarlberger Kino- und Filmgeschichte historisch aufgearbeitet hat. Sogar die Verdi-Oper „La Traviata“ oder Schillers „Kabale und Liebe“ fielen dem Rotstift zum Opfer und durften nicht aufgeführt werden. Ganz zu schweigen von „amerikanischen

Gangsterfilmen“ und Filmen, in denen nur ein Hauch Erotik zu sehen war. Selbst Reklamebilder wurden zensuriert. Das Kuriose dabei, so Fink: „In Vorarlberg durften junge Frauen mit 16 schon heiraten, sich im Kino ‚aufklären‘ lassen durften sie sich erst ab 18 Jahren, sofern der Film nicht verboten war.“ Erst 1971 hob der Verfassungsgerichtshof die Vorzensur aus Gründen des Jugendschutzes auf. Es sollte aber noch bis 1978 dauern, bis auch die Verpflichtung der Kinobesitzer, einen Film bis 48 Stunden vor der ersten Aufführung vorzulegen, als unzulässige Zensurbestimmung erachtet wurde. „Die Kinos mussten ihr komplettes Filmprogramm vor der Aufführung der Polizeiabteilung der Landesregierung melden“, erklärt Fink die damalige Praxis. „Ein Beamter schaute dann im ‚Multimedia‘ nach, was die Katholische Filmkommission (KFK) dazu meinte. Gab es das ‚Prädikat‘ abzuraten oder abzulehnen, so wurde in die erste Aufführung die Zensurkommission entsandt, die unmittelbar danach die Entscheidung traf, ob der Film abgesetzt werden musste.“ Die „Multimedia“ war die Zeitschrift der katholischen Filmkommission. „Sie benotete alle Filme und war wegen ihrer Komplettheit auch für uns unentbehrlich“, so Fink. Gab es „abzulehnen“ oder „abzuraten“, dann war ein Besuch der Zensoren sicher bzw. wahrscheinlich, ansonsten drohte


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Das Filmzensurbuch der Vorarlberger Landesregierung. Darin wurden alle Filme vermerkt, die wegen roher Gewaltszenen, sittlicher Entgleisung oder Verletzung religiöser Gefühle verboten worden sind. Von 1955 bis 1989 waren es 341 Filme. Die meisten zensurierten Filme waren – aus heutiger Sicht – tatsächlich „Schundfilme“.

keine Gefahr. „Dennoch“, betont Fink, „möchte ich zur Ehrenrettung der KFK schon betonen, dass ich 95 Prozent derer Kritiken unterschreiben hätte können, manche seiner Kritiker, etwa Prof. Aulela waren hervorragende Filmkenner und liberale Geister innerhalb der Kirche, so etwa auch unser Prof. Wolfgang Angerer, der damals die ‚Aktion der gute Film‘ leitete, die ich dann nach seinem Tode übernahm, bis sie aufgelöst wurde.“ Weil der Filmkulturclub Dornbirn in den Weltlichtspielen ohnehin keine Kommerzware spielte, gab es wenig Berührungspunkte mit der Zensur. Die für die Zensoren besonders interessanten Sexfilmchen wurden erst nach den Filmkulturclub-Filmen nach 22 Uhr gezeigt. Peter Pienz berichtet, dass bis 1971 am späten Vormittag der Schnellzug aus Wien in Bregenz eintraf und die Filmrollen mitbrachte. Diese wurden von ihm sofort abgeholt und der Jugendfreigabekommission in einem eigenen Vorführungssaal der Landesregierung im Keller unter dem damaligen Landtagssaal vorgeführt. In der Regel saßen drei oder vier Personen aus der Filmzensurkommission im „Hasenstall“, wie das Zensurkino intern bezeichnet wurde. Insgesamt gehörten der Kommission Dutzende Begutachter aus allen vier Bezirken an. Die meisten stammten aus konservativ-katholischen Kreisen. Von 1955 bis 1989 wurden im „Ha-

senstall“ 341 Filme verboten, darunter „Das Mädchen Irma La Douce“ von Billy Wilder, weil er „entsittlichend“ sei, „Der Reigen“ nach Arthur Schnitzler, ebenfalls „entsittlichend“ oder „Andy Warhols Frankenstein“ (1975), weil „verrohend“. Der Streifen „Stille Tage in Clichy“ nach Arthur Miller wurde 1970 ebenfalls verboten. In der Begründung wurden zahlreiche Zitate des „Pornojägers“ Martin Humer angeführt. Zugleich lief der Film bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes.

Lindauer Kino profitiert

Vom „subara Ländle“ profitierten die deutschen Kinos. „Zwischen Lindau und Friedrichshafen gab es 17 Kinos, die von der Zensur in Vorarlberg lebten“, erzählt Fink. Viele Filme, die in Vorarlberg verboten wurden, kamen sofort im Lindauer Kino ins Programm. „Auch wenn der Film bei uns gar nicht verboten war, wollte man erstens im eigenen Dorf nicht gesehen werden, und zweitens fürchtete man, das saftigste Stück sei bei uns herausgeschnitten.“ Angeblich sollen Religionslehrer damals in Deutschland die Vorarlberger Autonummern aufgeschrieben und die Inhaber ermittelt haben. Die Sünder wurden zur Rede gestellt oder ihre Kinder bekamen einen Zweier in Religion. Norbert Fink erinnert sich an einen Auftritt der brasilianischen Sambatrup-

pe „Carnaval do Brasil“ im Dornbirner Kulturhaus im Jahr 1986. „Als einige Stadtbeamte in den Proberäumen die knappen Oberteile erblickten, mussten die kaffeebraunen Schönheiten Stofftaschentücher in das Bikinioberteil stecken, um die üppigen Kurven etwas zu bedecken. Während der rasanten Tänze fielen diese natürlich heraus, zum großen Gaudium des Publikums.“ Das Ende der Filmzensur in Vorarlberg erfolgte allmählich mit der Gründung des Privatfernsehens in Deutschland am 1. Jänner 1984. Viele Leute legten sich Satelliten-Schüsseln und Empfangsgeräte zu. Zudem schossen Videotheken wie Pilze aus dem Boden. Die Inhalte der Videokassetten waren Bundessache. Die behördliche Kontrolle wurde praktisch überflüssig. Der letzte Kinofilm, der in Vorarlberg zensiert wurde, war das Sexfilmchen „Bizarre Exzesse“ im Jahr 1989. Vor zehn Jahren, am 15. Mai 2007, wurde die Filmzensur in Vorarlberg offiziell abgeschafft. LITERATURTIPP: Norbert Fink, Peter Pienz: „Das Vorarlberger Kinobuch – Die Kulturgeschichte des Kinos in Vorarlberg“, Unikum Verlag, Lindau, Feldkirch, 2016.

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Kultur

ABSEITS AUSGETRETENER PFADE

Verbeugen durfte sie sich schon auf vielen deutschsprachigen Bühnen, verbiegen hat sie sich noch nie lassen: Die Theaterpädagogin und Schauspielerin Brigitte Walk, 57, steht für Mut, Pionierarbeit und jene Portion Eigensinn, den es braucht, um das Neue in die Welt zu bringen.

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Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Frank Andres

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n Vorarlberg in den 70er Jahren aufzuwachsen, das Leben als Mädchen an sich, fand Brigitte Walk, wie sie selber sagt, grauenhaft. Früh wurde die Rebellin in ihr geweckt. Das Bedürfnis, der Enge, sozialen Kontrolle und Vereinnahmung zu entkommen stand in hoher Resonanz mit den neuen Denkweisen, die junge Lehrerinnen und Lehrer an ihre Schule brachten. Da ging es um Aufbruch, um eine neue Gesinnung, darum, die Dinge zum Besseren zu ändern. Eine Stimmung, die genau die Haltung der jungen Brigitte Walk bediente.

Stets hungrig

Die marie hat die Theatermacherin während der Proben zu ihrem aktuellen Stück „Radikal“ besucht und eine Frau getroffen, die ihren Weg immer schon „off the beaten track“ gegangen ist: Abseits ausgetretener Pfade, stets hungrig nach dem, was es über das Gewohnte hinaus zu gestalten gilt.

marie: Was hat Sie ursprünglich inspiriert, den Weg als Künstlerin einzuschlagen? Brigitte Walk: Mein damaliger Klassenvorstand, Ulrich Gabriel, inszenierte am Kornmarkttheater Brechts Dreigroschenoper. Das war eine völlig neue Welt für mich, ich war verblüfft ob dieser für mich neuen Ausdrucksformen und dieser Offenheit. Das hat mich angesprochen, da ist was zum Klingen gekommen. Aber Sie blieben nicht im Ländle? Für uns Jugendliche war ja nichts da, für uns Frauen schon gar nicht, also musste ich so schnell es ging, weg. Ich bin 1978 nach Innsbruck gegangen zum Studium, später ging es per Autostopp und mit leeren Taschen weiter nach Berlin. Dort wohnte ich in besetzten Häusern, erlebte eine Zeit der Anarchie, verbunden mit dieser Aufbruchsstimmung, die mich anzog. Sie haben ja jetzt eine Tochter im ungefähr selben Alter, wenn Sie sich vorstellen ... Natürlich sieht man es als Mutter an-

ders. Aber kürzlich habe ich im „Standard“ gelesen, dass die Hausbesetzungen von damals heute als wichtiger Teil der Stadtentwicklung gesehen werden, weil sie andere, negative, Entwicklungen ausgebremst haben. Es war also richtig, was wir getan haben. Das bestätigt mich, den jungen Menschen zu sagen, tut, was ihr tun müsst. Berlin hatte außerdem nie etwas Destruktives. Es gab Diskutier-Cafés und eine Vielzahl von Zeitungen, das war seelische und intellektuelle Nahrung für mich, die ich immer schon an der Auseinandersetzung interessiert war. Dann sind Sie kurze Zeit später in die Welt der Musicals eingetaucht, haben „Cats“ und „A Chorus Line“ getanzt. Wie passt das mit der Berliner Intellektuellenszene zusammen? Zu tanzen war das Gegenprogramm zu dem, was ich in Vorarlberg erlebt habe. Der eigene Ausdruck entgegen der Einschränkung des Körpers. Tanz ist außerdem Teil meiner Ausbildung, auf die ich mich heute beziehen kann. Um in Berlin langfristig zu bleiben, haben


#16 / April 2017

mir die Papiere gefehlt und damit die Perspektiven. So bin ich zurück nach Innsbruck, wo ich mit modernem Tanz in Berührung gekommen bin. Das hat mich derart fasziniert, dass ich mich an der von Peter Weck neu gegründeten Musicalschule „Theater an der Wien“ beworben habe. Und sind ohne große Vorkenntnisse genommen worden? Ihnen haben wohl meine Energie und mein Wille gefallen. Die knallharte Ausbildung kam ja dann sowieso. Wir haben von 9 bis 21 Uhr trainiert, danach ging’s noch ans Geld-Verdienen. Und wie konnte Sie das Ländle wieder für sich gewinnen? Ich fand die Verschmelzung von Tanz und Theater spannend und habe deshalb an der Hochschule in Wien einen Abschluss in Schauspiel gemacht. Gleichzeitig habe ich an Häusern in Deutschland gearbeitet. Und weil mich das Neue immer gezogen hat, habe ich mir auch im Bereich Theaterpädagogik Wissen angeeignet und die Chance genützt, es später als Theaterpädagogin ans Landestheater zu bringen. 2000 haben Sie dann walktanztheater gegründet, ein Team aufgebaut und seitdem einen großen Teil Ihrer Tätigkeit der Arbeit mit Jugendlichen gewidmet. Was reizt Sie daran? Jugendliche sind Kinder der Zeit, da muss man immer die Gegenwart checken und die Zukunft dazu; außerdem ist ihr Ausdruck auf der Bühne extrem spannend. Lange vor der Flüchtlingsthematik haben Sie bereits mit Zuwanderern ge-

arbeitet. Steckt da wie dort auch eine Portion Sozialengagement dahinter? Wir realisieren keine Sozialprojekte. Immer ist es die Kunst, die uns leitet. Und die Kunst braucht Diversität. Wohl habe ich einmal ein Stück über Flüchtlinge gemacht, aber wir haben diese Menschen nie in dieser Identität wahrgenommen. Und wenn wir an Schulen gehen, so ist auch hier unser Blick ein unvoreingenommener. Das Künstlerische erweitert den Blick um die Neugierde, das Kausale tritt in den Hintergrund. Anders gesagt: Ob ein >> Kind eine Diagnose hat oder einen sonderpädagogischen Status ist mir ganz egal, ich sehe das gar nicht. Und was macht aus Ihrer Sicht gutes Theater aus? Theater muss spannend, sinnlich, anregend sein, es muss mich mit einem Thema begeistern, vor allem aber mit seiner Form – ich liebe ungewöhnliche Formate. Wir arbeiten mit den Jugendlichen so lange und so intensiv, bis wir uns selbst gut unterhalten fühlen, das Thema in seiner Vielschichtigkeit bearbeitet ist und jeder Moment klar und spielbar ist. Wenn wir an ungewöhnlichen Orten spielen können, wie hier in der Alten Spinnerei in Bludenz, sind wir glücklich. Der Ort ist Bühne und Baustelle gleichermaßen, das entspricht dem Lebensgefühl der Jugendlichen und unseren Inszenierungen. Und wie finanzieren Sie Ihre Projekte? Mühsam in Kleinstarbeit. Dass Frauen nicht gleichermaßen subventioniert werden wie Männer, ist traurige Tatsache. Diesbezüglich hat sich seit meiner

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Birgitte Walk in Aktion: Sie zeigt den Jugendlichen, worauf es ankommt.

Jugendzeit wenig geändert in Vorarlberg. Solange Frauen und Zuwanderer in keine höheren Positionen gelassen werden, bleibt eine Gesellschaft undurchlässig, unbeweglich und verliert an Innovationskraft. Aber vielleicht legen wir ja mit unseren Projekten einen Grundstein in eine neue Richtung. Herzlichen Dank für das Gespräch. >>


Kultur

THEATERPROJEKT RADIKAL Autor Marcel P. Hintner in ein Stück gegossen. Mit der Choreografin Anne Thaeter, der Dramaturgin Brigitte Herrmann, mit Nicole Wehinger (Produktion), Petra Künzler-Staudinger (Bühnenbild) und Stefanie Beck (Video) hat Brigitte Walk ein Team mit an Bord, das eine professionelle Umsetzung garantiert. Mit Profis aus der Theaterwelt zusammenzuarbeiten ist den Jugendlichen jedenfalls eine willkommene Alternative zum Schul- und Arbeitsalltag. Ganz abgesehen vom Reiz der Bühnenerfahrung: „In eine andere Rolle zu schlüpfen, jemand zu sein, der man nicht ist – das ist Herausforderung wie Spaß zu gleich“, so die 17-jährige Philomena, die nicht zum ersten Mal mit Brigitte Walk zusammenarbeitet. PREMIERE von „Radikal“, am 10. Mai in Bludenz, Alte Spinnerei, Klarenbrunnstraße 46. Karten erhältlich über Raiba Bludenz und ländleticket.at

Philomena und ihre Schulkollegen haben sich für ihr Stück Inspiration aus wahren Geschichten geholt.

Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Die Lösung finden Sie am unteren Rand des Rätsels. Lösung

Für Anfänger

23

+37

÷5

-9

×11

+17

÷5

-6

×7

-13 Lösung

Für Fortgeschrittene

11

×17

+43

10% der Summe

-13

zum Quadrat

÷5

-25%

×3

÷9 Lösung

Für Genies

103

-28

+40%

÷3

×6

-1/3

÷28

zum Quadrat

+80%

2/3

der Summe

Lösungen: Für Anfänger = 15, Für Fortgeschrittene = 5, Für Genies = 30

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Ein Probeneinblick zum aktuellen Stück „Radikal“, einem von und mit Jugendlichen erarbeiteten Theaterstück über Radikalisierung, Extremismus und die Folgen: Schauplatz ist die Aula des BG Bludenz, mit rund zehn Jugendlichen probt das walktanztheater-Team mehrere Szenen ihrer aktuellen Produktion. René, Philomena, Hamza und Co. werfen noch etwas zaghaft Behauptungen ins Publikum, denen man anmerken soll, dass sie eher Nachahmungsgebrüll sind, denn eigenes, geprüftes Gedankengut. „Ihr sollt nix Kluges sagen, nur Schwachsinn behaupten, aber das mit Überzeugung“, so die Anweisung von Brigitte Walk. Gemeinsam mit Lehrlingen, Flüchtlingen und Schüler/-innen hat sie im Vorfeld die Frage erörtert, was junge Menschen antreibt, sich einer radikalen Gruppe anzuschließen. Und wie viel radikalisiertes Verhalten denn in jedem von uns selber steckt. Das mit den Jugendlichen erarbeitete Textmaterial wurde vom türkisch-vorarlbergischen


#16 / April 2017

Mi., 5. April, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 7,- Euro

VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html

HUNGER.MACHT.PROFITE.8 BAUER SUCHT CROWD

Filmtage zum Recht auf Nahrung. Was geschieht, wenn man ein alternatives Wirtschaftsmodell wie „CSA - Community Supported Agriculture“ in Österreich in die Praxis umsetzt? Ein Modell, das auf Solidarität, auf Gemeinschaft basiert und das Verhältnis Bauer/Bäuerin und KonsumentIn völlig neu definiert. Die österreichische Doku „Bauer sucht Crowd“ beleuchtet die Herausforderungen und Vorteile eines solchen Wirtschaftsmodells.

OFFENES KONTAKT-SINGEN

Mit leichten Klangstücken, Liedern „auf Deutsch“ und einfachen Rhythmusspielchen lädt der Kontaktchor alle Flüchtlinge und Einheimische zum Kennenlernen und erholsamen Singen ein. Leitung: Ulrich Gabriel.

Foto: Veranstalter

Do., 6. April, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/AK 22,Euro

BASSEKOU KOUYATE & NGONI BA

Der amerikanische Bluesgitarrist Taj Mahal beschreibt Bassekou Kouyate als „ein Genie und den lebenden Beweis dafür, dass der Blues aus der Region von Segou in Mali kommt”. 2007 kürte die BBC ihn zum „Best African Artist of the Year“ und sein Debütalbum „Segu Blue” zum „Best World Music Album of the Year”.

Di., 4. April, 20:15 Uhr, Bücherei Hohenems, Marktstraße 1a, Eintritt: 7,- Euro

Di., 11. April, 19 Uhr, Weinberggasse 2, Feldkirch, Eintritt: frei

FRIEDENSGEBET

Ein authentisches Leben führen und zu lernen, wie man ausgewogen gibt und nimmt, ist nicht die leichteste Aufgabe in der Welt. Frieden im Außen bedingt als Grundvoraussetzung den Frieden in unserem Inneren. Dieser Aufgabe widmen wir uns an unserem Friedensabend, in der Stille, im Gebet und beim Singen von Mantren. Veranstalter: „Das Volk der Mutter Erde“.

Foto: Veranstalter

DAS SOLLTEN SIE LESEN!

Mag. Gertrud Leimser spricht über Gegenwartsliteratur aus Österreich. Sie ist sehr vielfältig und zugleich so erfolgreich und nachgefragt wie kaum zuvor. Dieser Abend bietet Ihnen einen kurzen Überblick über Werke österreichischer AutorenInnen ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dem Beginn der Gegenwartsliteratur, zieht einen Bogen bis ins Jahr 2017, wobei der Schwerpunkt auf jüngeren Publikationen liegt. In Zusammenarbeit mit dem Kulturkreis Hohenems.

Di., 11. April, 15 Uhr, Vinomnsaal Rankweil, Eintritt: frei

Vortrag von Univ.Prof. Dr.med. Gebhard Mathis. Veranstalter sind die Seniorenrunde Rankweil und die Seniorenbünde von Sulz/Röthis, Zwischenwasser und Göfis.

WIE EINE JÜDISCHE GEMEINDE ENTSTEHT

Mo., 3. April, 19 Uhr, Theater im Kopfbau, Jahngasse 10, Dornbirn, Eintritt: frei

MUNDWERK-CREW

Musik der Sorte Mundwerk-Crew: Das ist brachialer Rap sowie durchdachte Lyrik, das sind kreischende Gitarren und groovige Pianolines, bashende Beats und funkige Cuts, Temperament von Deutschlands Südseite – eine Ansage aus Bayern, eine Aufforderung zum Feiern!

GESUND UND LUSTVOLL ESSEN IM ALTER

Mo., 3. April, 19 bis 21 Uhr, Jüdisches Museum Hohenems, Eintritt: 8,-/5,- Euro

Vorträge und Gespräch mit Prof. Dr. Stephan Laux (Trier) und Dr. Wolfgang Scheffknecht (Lustenau) anlässlich 400 Jahre Hohenemser Schutzbrief. Die beiden Historiker diskutieren über die Voraussetzungen und Konsequenzen eines Schutzbriefes, der 400 Jahre Geschichte bis zur Gegenwart beeinflussen sollte.

Sa., 8. April, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 14,-/AK 15,- Euro

Foto: SarahHaas

Fr., 7. April, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro

CLARA LUZIA: HERE’S TO NEMESIS

Clara Luzia hat viel zu sagen, immer öfter tut sie das auch laut, aber niemals energisch oder belehrend. Ihr sechstes Studioalbum „Here’s To Nemesis“ wird mit drei Amadeus-Nominierungen („Künstlerin des Jahres“, „Alternative“ und „FM4 Award“) prämiert.

Do., 13. April, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 10,-/AK 12,Euro

LA RISA – ALBUM RELEASE

La Risa ist nicht nur spanisch für „Lachen“, sondern auch der Name des neuen Bandprojekts rund um Larissa Schwärzler. Die Songs lassen sich nur schwer in ein Genre zwängen, sind aber alle im Jazz-, Pop- und Soulbereich angesiedelt. Aftershowparty mit DJ SHOW.BEE in der Kantine.

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Veranstaltungskalender

Fr., 14. April, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 8,-/AK 9,Euro

POETRY SLAM – KAMPF DER DICHTER

Poetry Slam ist eine lebendige Literaturshow mit wenigen Regeln: 6 Minuten Redezeit, eigene Texte, außer Manuskript keine Hilfsmittel. Ansonsten ist erlaubt, was gefällt. Anmeldung für Slammer/ innen: poetryslam@spielboden.at oder an der Abendkasse bis 19:45 Uhr.

Mo., 17. April, 8 bis 19 Uhr, Bildungshaus Batschuns, Eintritt: frei

GEMEINSAM OSTERN FEIERN

Die Frohbotinnen laden ein, das Fest der Auferstehung mit allen Sinnen entlang der Emmausgeschichte zu feiern.

Di., 18. April, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: VVK 15,- Euro (zzgl. Gebühr)

BLUES CARAVAN

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Man nehme einen ausgelassenen Londoner Soulmusiker. Füge ein Stimmwunder aus den Südstaaten hinzu. Und runde es schließlich noch mit einer vielversprechenden Sängerin und Saxophonistin aus Philadelphia ab. Und dann heißt es „Festhalten“! Der legendäre Blues Caravan ist auch 2017 wieder unterwegs – mit drei Künstlern, die jeden Saal zum Kochen bringen werden.

Do., 20. April, 18 bis 19:30 Uhr, inatura - Erlebnis Naturschau, Dornbirn, Eintritt: frei

KRÄUTERNEST – GARTENTREFFEN

Bei einem Spaziergang durch den inatura-Kräutergarten wird gejätet, gezupft und sich ausgetauscht. Dabei widmen wir uns diesmal besonders den Bitterkräutern wie Spitzwegerich, Löwenzahn und Gundelrebe. Mitzubringen: Handschuhe, Papiertüten/Säckle, Sitzunterlage, Wasserflasche. Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung unter naturschau@inatura.at oder +43 676 83306 4770.

Do., 20. April, 19:30 Uhr, Sonnenbergsaal Nüziders, Eintritt: 15,- Euro

VERBORGENES LEID: PSYCHISCHE STÖRUNGEN IM ALTER

Nach wie vor scheuen sich ältere Menschen zu oft etwa wegen seelischer Probleme oder Vergesslichkeit Rat und Hilfe zu suchen. An Hand verschiedener Beispiele soll dies erörtert und auf heute mögliche Hilfen verwiesen werden. Der Vortragende Dr. Albert Lingg verzichtet auf eine Gage. Der Erlös kommt einem Projekt der Caritas für Aidswaisen in Äthiopien zu Gute.

Fr., 21. April, 17 bis 18:30 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz, Eintritt: frei

WAFFENSCHMIEDE BODENSEE

Der schöne Bodensee hat auch seine dunkle Seite – das findet die Initiative „Keine Waffen vom Bodensee“. Zahlreiche Rüstungsfirmen rund um den See tragen mit ihren Produkten dazu bei, dass weltweit Kriege geführt werden, die nicht zuletzt Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen. Vortragende sind Lothar Höfler von Attac Lindau und Peter Grottian, emeritierter Professor für Politikwissenschaften an der FU Berlin. Singen ist Medizin!

Fr., 21. April, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: AK 20,-/VVK 17,Euro (zzgl. Gebühr)

BENEFIZKONZERT MIT DARWIN

Es ist bereits Tradition, dass Bürgermeister Kurt Fischer die Freudenhaussaison in Lustenau eröffnet. Dieses Mal hat er seine Band DARWIN dabei. DARWIN heißt auf gut Lustenauerisch „der Wein“. Die Lieder sind einfühlsame Porträts von Menschen, wie sie uns in ihrer alltäglichen Suche nach Kontakt, Liebe und Glück begegnen. Der Erlös kommt dem Netz für Kinder und der Hospizbewegung zu Gute.

Sa., 22. April, 17 Uhr, Frauenmuseum Hittisau, Eintritt: 17,-/8,- Euro

N°2 TRIO MEDIÆVAL FOLK SONGS

Mit dem Programm „Folk Songs“ erforschen wir die Vokalmusik des Mittelalters. Die intensive Kraft, mit der diese Musik auf ihre Zeitgenossen wirkte, können wir unter Dauerbeschallung lebende Menschen der Gegenwart uns kaum vorstellen. Der warme und klangschöne Gesang der drei Norwegerinnen versetzt uns in die längst vergangene Zauberwelt.

Foto: Bill Kennedy

Sa., 22. April, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: AK 25,-/VVK 22,Euro (zzgl. Gebühr)

IYEOKA SIMPLY FALLING

Über 44 Millionen Menschen haben ihr Video „Simply Falling“ auf Youtube angeklickt. Iyeokas vertonte Gedichte kommen in einem sinnlichen Groove daher: als Soul, R n’B, als tanzbare Balladen mischt sie Funk, Rap und Soul mit Eleganz und einer Prise Motown. Ihre Lieder erzählen übers Frausein im Postfeminismus, über gescheiterte Liebe und die Suche nach Sinn in der Welt.

So., 23. April, 18 bis 20 Uhr, Jugendheim Rankweil (vis a vis Bahnhof), Eintritt: 10,- Euro

SPIRITUELLES SINGEN

Wir singen zu Gitarrenbegleitung Lieder aus verschiedenen Kulturen und Religionen – Mantras, Herzenslieder, Kraftlieder. Die Mantras und Lieder entspannen den Geist und öffnen das Herz. Eingeladen sind alle, die Freude beim gemeinsamen Singen erfahren wollen. Singen ist Medizin! Veranstalter: Pfarre Rankweil und Katholisches Bildungswerk.

Di., 25. April, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 16,-/AK 19,Euro

KABARETT: HAIPL & KNÖTZL – DACKELN IM STURM

Herbert Leopold Knötzl und Clemens Eduard Haipl sind zwei sehr fleißige Menschen: nicht einmal 16 Jahre nach ihrem letzten Bühnenprogramm blasen sie erneut zum Sturm auf die Bühnen Mittel- und Westeuropas. Infotainment und das Aufdecken von Missständen sind nach wie vor große Anliegen.


#16 / April 2017

Mi., 26. April, 19 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 10,-/8,- Euro

Sa., 29. April, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro

WILDE MAUS LEINWANDLOUNGE

ALEX SUTTER & FRIENDS FEAT. UNGIFTED

Josef Hader erzählt in seinem Regiedebüt von einem Wettlauf in den Wahnsinn – eine pechschwarze Tragikomödie über neurotische Stadtmenschen und die Liebe in Zeiten unendlicher Freiheit.

Mi., 26. April, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: AK 25,-/VVK 22,Euro (zzgl. Gebühr)

ANDREAS REBERS AMEN

Der Kabarettist Rebers ist ein streitbarer Geist, der sich mit erhellender Schwarzmalerei und heiligem Zorn gegen religiöse Dogmen, Doofheit und politische Manipulation zur Wehr setzt und die Dinge benennt, die eigentlich niemand hören will.

Mi., 26. April, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,–/AK 22,– Euro

Foto: Veranstalter

Fr., 28. April, 20:30 Uhr, Freudenhaus Lustenau, Eintritt: AK 27,-/VVK 24,Euro (zzgl. Gebühr)

ENNIO MARCHETTO THE LIVING PAPER CARTOON

Ennio Marchettos Kunst lebt einzig und allein von Papier und Pappe und natürlich von seiner unnachahmlichen Beobachtungsgabe. Mit dieser Kombination erweckt der Italiener seine Stars zum Leben. Gäste seiner Show sind Madonna, Michael Jackson, Mona Lisa, Conchita Wurst, die Queen und und und . . .

Mit dabei in der Band der wunderbaren Alex Sutter sind der begnadete Feldkircher Saxofonist und langjährige Sideman Bernhard Klas, der legendäre Bassman Rolf Aberer und an den Drums der Newcomer Mr. Nagy Gergely. Gemeinsam formen sie aus Tönen wunderbare Klangkristalle und emotionsgeladene chilischarfe Arrangements eigener Songs wie Covers.

So., 30. April, 11 Uhr, Jüdisches Museum Hohenems, Eintritt: frei

DIE WEIBLICHE SEITE GOTTES

Die neue Ausstellung stellt die herausfordernde Frage: „Kann der nach jüdischer, christlicher und muslimischer Tradition einzige Gott auch anders als männlich verstanden werden?“ Und wirft einen kritischen Blick zurück auf die Quellen, aus denen sich die Idee des einen Gottes speist. Ausstellungsdauer bis 8. Oktober 2017.

RAGGA GRÖNDAL (ISL)

Mit Ragga Gröndal holt der Spielboden eine der ganz großen Stimmen Islands zum ersten Mal nach Mitteleuropa. In ihrem achten Soloalbum „Svefnljóð“ (übersetzt: „Schlafgedicht“) vertont die Chanteuse aus Reykjavík größtenteils Poeme junger isländischer Lyriker, die alle Schattierungen zwischen Tag und Traum erkunden.

Do., 27. April, 20 Uhr, Frauenmuseum Hittisau, Eintritt: frei

KULTURELLE IDENTITÄTEN

Hugo Dworzak, Architekt und Hochschuldozent an der Universität Liechtenstein, gestaltet einen Abend zum Jahresthema des Instituts für Architektur und Raumentwicklung, das den kulturellen Identitäten gewidmet ist.

Einmal im Monat am Donnerstag, dieses Mal am 6.4., 15 Uhr, Frühmesshaus Bartholomäberg. Eintritt: frei

Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9

SPIELRUNDE AM MONTAFONERTISCH

jeden Montag von 15 bis 17 Uhr / Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt!

Wir laden zur Spielrunde und wollen dabei schon fast vergessene Brett-, Karten-, Geschicklichkeits- oder lustige Unterhaltungsspiele neu beleben. Wer Interesse hat, kann auch gerne dazu seine Ideen inkl. Spielematerial einbringen oder sich neugierig auf diesen Spielenachmittag einlassen.

Jeden ersten Samstag im Monat, 9 bis 12 Uhr, Polytechnische Schule Feldkirch. Eintritt: frei REPARATUR-CAFÉ FELDKIRCH

Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.

Wenn Sie ein defektes Haushaltskleingerät, Kleinmöbel, Spielzeug oder etwas ähnliches zuhause haben, das sie gerne reparieren möchten, kommen Sie damit vorbei. Im Reparatur-Café helfen Ihnen Fachleute dabei. Kosten? Eine freiwillige Spende. Infos: Joachim Breuss Tel. 0699 192 87 066.

ZVIERE-KINDERCAFÉ

MEDITATIONSGRUPPE

jeden Montag um 18.30 Uhr

FRAUENCAFÉ

jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen

SPORTNEIGUNGSGRUPPE

jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9

MITTAGSTISCH

jeden Freitag mitkochen ab 10.00 / mitessen ab 12.00 – Bio-Regional-Fair / gib, was es dir wert ist

LITERATUR TANKSTELLE

jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr

NÄHWERKSTATT

jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!

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Achten Sie auf unseren marieVerkaufsausweis!

Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Sie sind selbstständig tätig, haben sich aber zu Verhaltensregeln verpflichtet. So werden die marie-Verkäufer zwar kontaktfreudig, aber nicht aufdringlich sein und werden nicht betteln. Der einzig gültige marie-Ausweis ist weiß mit goldenem Rand (wie hier abgebildet). Bitte kaufen Sie Ihre marie nur bei Kolporteuren, die unseren Ausweis tragen!

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Benny Ujunw Name

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Ausweisnummer

5 26.11.15 08:0 eis.indd 1

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