#13 / Jänner 2017
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marie wünscht Dir ein
glückliches neues
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Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Sie sind selbstständig tätig, haben sich aber zu Verhaltensregeln verpflichtet. So werden die marie-Verkäufer zwar kontaktfreudig, aber nicht aufdringlich sein und werden nicht betteln. Der einzig gültige marie-Ausweis ist weiß mit goldenem Rand (wie hier abgebildet). Bitte kaufen Sie Ihre marie nur bei Kolporteuren, die unseren Ausweis tragen!
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#13 / Jänner 2017
Mittendrin in V
Editorial
4-5 Bild des Monats 6-7 Grenzgängerin So kämpft sich Nicole (40) zurück ins Leben 8-9 Wendelin Hammerer, der Tausendsassa Bildhauer, Historiker und Rinderzüchter aus Egg 12-13 Der Wald tut wohl Zu Besuch im Trauertreff für Kinder 14-15 Vier Klassen für neue Perspektiven Eigener Unterricht für jugendliche Flüchtlinge 18-19 Tierische Ein- und Auswanderer Migration und Wanderung in der Tierwelt 20-21 Aufgewertet Ulrike Ratz stellt aus Abfall neue Produkte her 22-24 Einfach nur zuhören Telefonseelsorge, ein Helfer in der Not 25 Rezept Trüffel-Champignon-Risotto 26-27 Saatgut für die Vielfalt Natürlichkeit kontra Hybridzucht 28 Buchstabensalat Ein Wortsuchrätsel mit Pfiff 29 Verkäuferporträt Milovan Jovanovic, marie-Verkäufer in Dornbirn 30-31 Ein Ort des Gebens und Lernens Gemeinsam lesen, sprechen, schreiben im W*ORT 31 Impressum
Liebe Leserin, lieber Leser, ein neues Jahr liegt vor uns, zwölf noch völlig unbeschriebene Monate. Hoffen wir, dass unsere Lebensbücher 2017 mit viel Schönem, Positivem beschrieben werden und wir mit dem Negativen, das unweigerlich zum Leben dazugehört, gut umgehen und daraus lernen können. Zehn Ausgaben der marie für 2017 sind noch ungeschrieben. Wir möchten sie mit Themen wie bisher bestücken. Solche sind auch in dieser marie – der ersten im neuen Jahr – zu finden. Wir wollen weiterhin Menschen in den Mittelpunkt rücken, die am Rande der Gesellschaft stehen und die sich mit viel Kraft im Leben behaupten. Wie die 40-jährige Nicole, die am Borderline-Syndrom erkrankt ist, mehrere Suizid-Versuche hinter sich hat – und jetzt dennoch positiv in die Zukunft blickt (Seiten 6 und 7). Wir zeigen aber auch auf, wieviel Hilfsbereitschaft und Ehrenamt es in Vorarlberg gibt und welch wertvolle Arbeit damit geleistet wird. Dass es sehr helfen kann, wenn jemand einfach nur zuhört, erfahren Sie in unserem Bericht über die Telefonseelsorge (Seiten 22 bis 24). Nach wie vor wollen wir über Menschen schreiben, die außergewöhnliche Dinge tun. Wendelin Hammer aus Egg-Großdorf ist ein solcher Mensch. Der Bildhauer besitzt 15.000 historisch wertvolle Dokumente, züchtet Hochlandrinder und hat für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone eine Büste geschnitzt (Seiten 8 und 9). Den Themen Gemeinwohl und Nachhaltigkeit werden wir auch 2017 wieder Platz widmen. Lesen Sie in dieser Ausgabe den Artikel über Ulrike Ratz aus Hard, die aus weggeworfenen Gegenständen neue Produkte erschafft. Aus alten Fahrradschläuchen etwa stellt sie lässige Handtaschen her (Seiten 20 und 21). Und schließlich werden wir 2017 wieder versuchen, Sie mit besonderen Themen zu überraschen. In dieser marie mit einem Bericht über Migration und Wanderung in der Tierwelt (Seiten 18 und 19).
Gsi 32-33
„Mein Gott und Herr, ich bin verloren“ Das Leben des Lawinen-Franz-Josef
Kultur 34-36 „Ich war selbst ein verlorenes Kind“ Schriftstellerin Monika Helfer im Interview 37-39 Veranstaltungskalender
Viele interessante Stunden bei der Lektüre unserer Straßenzeitung! Herzlich, Elisabeth Willi, Redaktionsleiterin
marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
Kontaktieren Sie uns
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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Bild des Monats
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Stammtischbrüder Foto: Frank Andres
Kennengelernt haben sich der verwitwetete Manfred (63) und der geschiedene Peter (50) vor zehn Jahren am Stammtisch der Bahnhofsreste in Feldkirch. Seitdem treffen sich der frühere Kranführer und der Staplerfahrer dort fast täglich auf ein gemütliches Bierchen und ein paar Genuss-Zigaretten. Apropos Rauchen: Die Beiden haben kein Problem mit dem generellen Rauchverbot, das ab Mai 2018 in Kraft treten wird. „Dann gehen wir halt raus, um zu rauchen“, sieht Peter die Sache pragmatisch. Übrigens: Manfred hat fünf Kinder, Peter vier und beide haben jeweils neun Enkel.
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Mittendrin in V
GRENZGÄNGERIN Nicole leidet an heftigen Stimmungs- und Gefühlsschwankungen, verhält sich gegenüber ihrem Umfeld aggressiv, versucht mehrmals sich das Leben zu nehmen. Eine Erklärung für ihr Verhalten gibt es nicht. Erst im Alter von 24 Jahren wird in der Psychiatrie ein Borderline-Syndrom diagnostiziert. Heute ist Nicole 40 Jahre alt und kämpft sich zurück ins Leben.
Text und Fotos: Frank Andres
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icole sitzt am Tisch und hält einen kleinen Delphin aus Stoff in der Hand. Streichelt und knetet ihn liebevoll. Nicole ist 40 Jahre alt, in Frühpension, lebt von einer Mindestrente. Für die Finanzierung ihrer kleinen Zwei-Zimmerwohnung bekommt sie Wohnbeihilfe. „Wenn ich heute zu einem Klassentreffen gehen würde, hätte ich nichts vorzuweisen: keinen Job, keine Familie, keine Kinder“, erzählt Nicole mit leiser Stimme. Der Kontakt zu anderen Menschen fällt ihr manchmal schwer, sie zieht sich lieber in ihre eigenen vier Wände zurück. Spielt Puzzle oder malt. „Ich kann die glücklichen Momente nicht richtig schätzen“, gesteht sie. Alles bereitet ihr Stress: „Wenn ich jede Woche einmal einmal zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein müsste, wäre ich dazu nicht fähig.“
Enorme Fortschritte
Das hat mit Nicoles Krankheit zu tun. Sie leidet am Borderline-Syndrom und an einer posttraumatischen Belastungsstörung (Erklärung siehe Kasten rechts). 24 Jahre lang weiß sie nichts von ihrer Krankheit. Erst in der Psychiatrie am Landeskrankenhaus Rankweil wird bei Nicole diese schwere Form einer psychischen Störung diagnostiziert. Heute, mit 40 Jahren, kämpft sie sich zurück ins Leben. Von der Beratungsstelle der Kaplan Bonetti Sozialwerke wird sie auf ihrem beschwerlichen Weg ambulant betreut. „Sie hat seitdem enorme Fortschritte gemacht. Langsam gelingt es ihr, ihren eigenen Rhythmus zu leben“, betont deren Leiter, Michael Hämmerle. Nicole wächst in Deutschland auf. Als sie sieben Jahre alt ist, zieht
Seelentröster: Nicole hält ein Schaf aus Stoff liebevoll im Arm.
sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester nach Vorarlberg. In der Volksschule wird sie gehänselt, weil sie so anders spricht. „Die Kinder haben mich oft ausgelacht.“ Sie hat kaum Freunde, fühlt sich einsam. Daran ändert sich auch nichts, als sie nach der Volksschule an die Hauptschule am Institut St. Josef wechselt und danach die Fachschule für wirtschaftliche Berufe absolviert. Nicole hat zudem Stress zuhause. Sie hat keinen Ort, um sich zurückziehen zu können.Sie fühlt sich durch ihre Schwester genervt. Die familiäre Situation eskaliert. Nicole attackiert ihren Vater mit einem Messer und ver-
letzt ihn am Oberschenkel. Damals ist sie 17 Jahre alt. Nicole zieht in eine WG des Vorarl berger Kinderdorfs in Bregenz. Dort beginnt sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. „Nach drei Monaten flog ich von der Schule, weil ich drei Fünfer hatte“, erzählt sie. Sie zieht wieder zu ihren Eltern. Diese lassen sich kurze Zeit später scheiden. Nicole bekommt endlich ihr eigenes Zimmer. Nicht lange. Denn das Geld reicht nicht, die Mutter muss zusammen mit ihren Töchtern in eine kleinere Wohnung umziehen. „Ich habe in dieser Zeit auf einer ausziehbaren Couch geschlafen.“
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Während des Gesprächs streichelt und knetet Nicole den kleinen Delphin.
Nicole beginnt wieder zu arbeiten, jobbt als Regalbetreuerin im Interspar. Eineinhalb Jahre lang. Sie erkennt, dass es für sie ohne berufliche Ausbildung keine Aufstiegschancen am Arbeitsmarkt gibt. Nicole startet deshalb eine Ausbildung zur Pflegehelferin. Auf das vermeintliche Hoch, folgt ein großes Tief. Sie erleidet mehrmals emotionale und körperliche Gewalt. „Ich bekam Panikattacken und hatte Angst, zur Schule zu gehen“, erinnert sie sich. Die Folge: Nicole bricht aus Erschöpfung zusammen und landet im Jahr 2000 in der Psychiatrie. Dort erfährt sie, dass sie ernsthaft krank ist. Sie leidet am Borderline-Syndrom und an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Was dann folgt, ist eine unendlich scheinende Odysee durch die sozialpsychiatrischen Wohngemeinschaften des Landes, von Feldkirch über Röthis bis Hard, unterbrochen durch immer wiederkehrende Aufenthalte in der Psychiatrie ohne stabile längerfristige ärztliche Betreuung. Am Ende landet sie in der Notschlafstelle in Feldkirch und wechselt im Dezember 2011 ins
Talentiert: Malen ist eines der großen Hobbys von Nicole.
Bonettihaus nach Dornbirn. Zu diesem Zeitpunkt ist Nicole psychisch am Ende. „Mir ist es damals so schlecht gegangen, dass ich mehrmals versucht habe, mich umzubringen.“ Dieser Hilfeschrei wird endlich gehört. Im Kaplan Bonetti Haus wird erkannt, dass Nicole dringend psychotherapeutische Hilfe braucht und sie sofort raus aus dem Bonettihaus muss. Nicole bekommt beides. Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Nicole ist nach wie vor psychisch instabil, hat einen Herzschrittmacher bekommen und muss Psychopharmaka schlucken. Trotzdem denkt sie positiv in die Zukunft. „Ich möchte mir einen Hund anschaffen und ältere Menschen im Heim besuchen und ihnen Geschichten vorlesen.“ Ihr größter Traum sei es aber, endlich wieder mit dem Gewicht runterzukommen. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass psychiatrisch erkrankten Menschen mehr zugetraut wird. Mir hat die eigene Wohnung und der private Rückzugsraum in kurzer Zeit mehr geholfen als alle Wohngemeinschaften davor.“
Treffpunkt Sprachencafé Lustenau Es wird Deutsch, Spanisch, Englisch, Italienisch und Französisch gesprochen. Im Zentrum des Sprachencafés Lustenau steht die Begegnung von Menschen mit Offenheit und Interesse für andere Sprachen und Kulturen. Alle sind herzlich dazu eingeladen, es ist keine Anmeldung erforderlich. Treffpunkt im Sprachencafé Lustenau ist jeden ersten Montag im Monat von 19 bis 20.30 Uhr im Schüt-
zengarten 8. Der Jännertermin entfällt, die kommenden Termine für 2017 sind: 6. Februar, 6. März, 8. April, 8. Mai. Die Kosten pro Abend betragen 5 Euro. RÜCKFRAGEN ODER WEITERE INFORMATIONEN: Edith Erne oder Lisa Kempter: Tel. 0699 19104784 oder E-Mail: zusammenleben@lustenau.at
BORDERLINE-SYNDROM Das Borderline-Syndrom zählt inzwischen zu den meist verbreiteten und gefährlichsten psychischen Erkrankungen und gehört zu den „emotional instabilen Persönlichkeitserkrankungen“. Die Betroffenen neigen dazu, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren und leiden unter häufigen Stimmungsschwankungen. Ihre Fähigkeit vorauszuplanen ist gering und Ausbrüche intensiven Ärgers können zu explosivem, manchmal gewalttätigem Verhalten führen. Zudem sind das eigene Selbstbild und Zielvorstellungen unklar und gestört. Ihre Neigung zu intensiven, aber unbeständigen zwischenmenschlichen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen mit Suiziddrohungen bzw. Suizidversuchen oder selbstschädigenden Handlungen führen.
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Mittendrin in V
Wendelin, der Tausendsassa Er hat für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone eine Büste geschnitzt, züchtet Schottische Hochlandrinder, besitzt 15.000 historisch wertvolle Dokumente aus dem späten 18. und 19. Jahrhundert, hat Madonnen und Altäre für Kirchen von Stuttgart bis Namibia gestaltet und derzeit wird eine vier Meter große Anti-Rassismus Skulptur von ihm in Amerika ausgestellt: Die Rede ist vom Bildhauer Wendelin Hammerer (64) aus Egg-Großdorf.
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Text: Gernot Hämmerle Fotos: Frank Andres, privat
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s gibt fast nichts, was ich nicht gemacht habe“, sagt Wendelin Hammerer mit einem schelmischen Grinsen, und schweift mit seinem Blick über seine ausgestellten Holzschnitzereien, Skulpturen, Fotos seiner Hochlandrinder und stapelweise historische Dokumente aus der Zeit Napoleons. Allein das historische Wälderhaus, in dem der 64 Jahre alte Künstler, Holzbildhauer und Geschichtsforscher Wendelin Hammerer mit seiner Frau Gabi und einem seiner vier Kinder wohnt, ist sehenswert: Es wurde nach dem großen Dorfbrand 1790 von Wendelin Hammerers Vorfahren erbaut, als größtes Haus in Großdorf. Mit einer Käserei und mit einem Salzkontor im Keller, verbunden mit überregional bedeutendem Handel von Salz aus Hallein. Mit einer Textilwerkstatt, wo schon 50 Jahre vor Levi-Strauss die Rezeptur für das heute klassische „Jeans-Blau“ bekannt war. Und mit einer Bank, wo die weltberühmte Klassizismus-Malerin Angelika Kauffmann ihr Geld anlegte. Und weil es damals kein Rathaus gab,
sind tausende Dokumente aus der Zeit der Franzosenkriege bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in diesem Haus gelandet – und bis heute dort. Als Familienbesitz, umfangreicher als das Bregenzerwald-Archiv, von mittlerweile über 30.000 Besuchern bestaunt.
Anti-Rassismus-Skulptur
Jüngstes, international aufsehenerregendes Kunstwerk von Wendelin Hammerer ist eine vier Meter hohe Anti-Rassismus-Skulptur, die der Bregenzerwäder im Auftrag von Theaster Gates, Künstler und Aktivist aus Chicago, angefertigt hat. Dabei hatte Hammerer den Auftrag, eine Miniatur, die Nippesfigur eines schwarzen Tänzers, als vier Meter große Skulptur aus Alltagsmaterialien detailgetreu nachzubauen. Die Skulptur war dann Teil der Ausstellung „Black Archive“ im Kunsthaus Bregenz und ist derzeit in den USA unterwegs. Über 30 Jahre lang hat Wendelin Hammerer als Holzbildhauer gearbeitet und für hunderte Interessierte Schnitz-Kurse gegeben, was auch an seinem Körper Spuren hinterlassen hat. „Ich hab an beiden Schultern die Bänder ab. Jetzt kann ich nur noch Sprüch`
Wendelin Hammerer hat im Auftrag der SportmarketingAgentur von Harti Weirather eine Büste von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone geschnitzt.
machen und Wasser trinken“, sagt Wendelin Hammerer und lächelt dabei verschmitzt. Aber was bitteschön macht eine lebensgroße, aus Holz geschnitzte Büste des Motorsport-Formel-1-Zampanos Bernie Ecclestone in der Werkstatt eines Bregenwälder Kirchenschnitzers? „Ach, das war ein Auftrag der Sportmarketing-Agentur WWP. Die haben ein Geburtstagsgeschenk für Ecclestone gebraucht. Ich hab eine Büste von Ecclestone geschnitzt. Die wurde dann in Bronze gegossen und ihm beim Abfahrtsrennen in Kitzbühel übergeben.“
Überreste keltischer Siedlung
Über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden ist Hammerer vor allem als Kirchenschnitzer. Er hat Altäre und Madonnen aus Holz geschnitzt, zunächst vor allem für Kirchen im benachbarten deutschen Raum. Inzwischen ist er in Fachkreisen als Holzbildhauer und Künstler längst international bekannt. Was viele nicht wissen: Er betreut das Archiv in seinem Wohnhaus, das seit Ende des 18. Jahrhunderts von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Stolz zeigt er ein Trachtentaufkleid aus
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Der Holzbildhauer besitzt auch ein Trachtentaufkleid aus dem Jahr 1830. Foto unten: Der 64-Jährige züchtet Schottische Hochlandrinder.
dem Jahr 1830 – eines der wenigen, die es noch gibt! Und vom Edelsten, was es im Trachtenbereich gibt. Und dann sind da noch 15.000 Dokumente, Verträge, Briefe. Von Negrelli bis Hindenburg und Angelika Kauffmann, Belege für deren Verbindung zum Bregenzerwald. Da überrascht es auch nicht, dass „Wendl“ Hammerer so nebenbei als Hobby Schottische Hochlandrinder züchtet. Sechs Stück, im Gelände, drei Autominuten entfernt von seinem Wohnhaus in Egg-Großdorf. „Bestes Fleisch, zweieinhalb bis drei Jahre gereift, ohne Kraftfutter, nur Gras und Wasser“, wie Hammerer betont. Ach ja: Dort, wo die Hochlandrinder weiden, hat Hammerer Erz-, Kohle- und Tonüberreste einer rund 2300 Jahre alte keltische Siedlung entdeckt. Wissenschaftlich auswerten will er seine Entdeckungen aber nicht lassen. „Da entstehen nur Kosten und Scherereien“, winkt er ab. Trotz Pensionsalter denkt Wendelin Hammerer gar nicht ans Ausruhen. „Keine Zeit. Die nächsten Auftragsarbeiten warten darauf, umgesetzt zu werden.“ Was für Projekte das sind, will der Tausendsassa aus Egg-Großdorf aber noch nicht verraten.
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„ Die haben ein Geburtstags geschenk für Ecclestone gebraucht.“
Wendelin Hammerer im Kunsthaus Bregenz: Diese vier Meter große Anti-Rassismus-Skulptur hat der Großdorfer geschaffen.
Die Sozialausgaben explodieren nicht! Es gibt kaum ein politisches Thema, bei dem so viel Halbwissen und Unwahrheiten verbreitetet werden wie bei den Sozialausgaben. Von Kostenexplosionen und Unfinanzierbarkeit des Sozialsystems ist da die Rede, ganz aktuell im Zusammenhang mit der Debatte um die Mindestsicherung und die Ausgaben für Flüchtlinge. In der breiten Öffentlichkeit wird das nahezu unhinterfragt geglaubt. Das liegt auch daran, dass jede/-r etwas anderes meint, wenn er oder sie von Sozialleistungen spricht. Die Vorarlberger Armutskonferenz hat nun in einer Studie die Entwicklung der österreichischen Sozialausgaben zwischen 1995 und 2015 überprüft. 10 /
Was versteht man unter den Sozialleistungen?
Man sollte genau zuhören, wenn jemand von „den Sozialleistungen“ spricht: Jede und jeder meint damit etwas anderes. Korrekterweise versteht man unter Sozialleistungen die folgenden Teilbereiche, die auch von der Statistik Austria als „Ausgaben für Sozialleistungen“ jährlich erhoben werden (Ausgaben 2015):
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Alter (einschl. Pensionen) – 44,3 Mrd. Euro Krankheit/Gesundheitsversorgung – 25,3 Mrd. Euro Familie und Kinder – 9,7 Mrd. Euro Invalidität und Gebrechen – 6,8 Mrd. Euro Hinterbliebene – 6,0 Mrd. Euro Arbeitslosigkeit – 5,6 Mrd. Euro Wohnen und soziale Ausgrenzung (darunter Mindestsicherung und Wohnbeihilfe) – 2,1 Mrd. Euro In Summe waren das 99,9 Milliarden Euro im Jahr 2015. Daran wird schon deutlich, dass die derzeit heiß umstrittene Mindestsicherung anders als behauptet trotz aktuell überdurchBezahlte Anzeige
schnittlicher Steigerungen nicht die Leistungsfähigkeit des Sozialsystems bedroht: Mit 810 Millionen betrug ihr Anteil an den Gesamtausgaben letztes Jahr 0,8%, der in der Tat hohe Zuwachs von 100 Mio. Euro von 2014 auf 2015 waren gerade einmal 0,1% der Gesamtausgaben. Selbst eine Verdoppelung der gesamten Mindestsicherung hätte eine Steigerung um nicht mehr als 0,7% bedeutet. Kostenexplosion sieht anders aus! Genauso wird gerne verschwiegen, dass es in den letzten 20 Jahren Ver-
schiebungen innerhalb der Ausgaben für die Teilbereiche gab, die die Zuwächse in einzelnen Bereichen relativieren: In der Tat überdurchschnittliche Steigerungsraten wiesen die Bereiche Alter/Pension, Arbeitslosigkeit sowie Wohnen und soziale Ausgrenzung auf. Unterdurchschnittlich entwickelten sich hingegen Familie/Kinder, Invalidität sowie Hinterbliebene. Genau im Durchschnitt der Gesamtausgaben blieb die Entwicklung der Ausgaben für Gesundheit.
Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt und Sozialausgaben Österreich 1995 bis 2015 (Index: 1995 = 100) Quelle: Statistik Austria
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Michael Diettrich: Geschäftsführer von dowas und Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz.
Foto: dowas
Kein sozialpolitisches Problem, sondern ein wirtschaftspolitisches
Vor diesem Hintergrund ist die immer wieder behauptete Explosion der Sozialausgaben reiner Unfug. Natürlich hört es sich viel an, wenn sich die Sozialausgaben von 1995 bis 2015 verdoppelt haben (plus 50 Milliarden Euro). Allerdings muss man das in Relation zu der „Haushaltskasse“ sehen, aus der sie bezahlt werden: das Bruttoinlandsprodukt (BIP). 2015 wurden in Österreich 339,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Vergleicht man die Entwicklung der Sozialausgaben mit der des BIP in den letzten beiden Dekaden (1995 bis 2015), kann zu keinem Zeitpunkt von einem explosionsartigen Anstieg die Rede sein, wie die nebenstehende Grafik zeigt. Um die Entwicklung besser vergleichbar zu machen, wurden in der Grafik die tatsächlichen Eurobeträge des Jahres 1995 auf 100 gesetzt und die nachfolgenden jährlichen Wachstumsraten auf diesen Wert aufgerechnet (Indizierung). Bis 2006 entwickelten sich die Sozialausgaben in etwa parallel zum BIP. Erst seit Ausbruch der andauernden
Wirtschaftskrise im Jahr 2009 liegt das Wachstum der Sozialausgaben konstant über dem des BIP. Betrachtet man die Entwicklung inflationsbereinigt, verläuft die Linie der Sozialausgaben sogar während des gesamten Zeitraums unter der des BIP – auch nach 2008! Aber selbst wenn man die Inflation vernachlässigt, hat die Entwicklung nach 2008 nichts mit einem übermäßigen Anstieg der Sozialausgaben tun. Sie ist vielmehr das Resultat eines massiven Einbruchs der Wirtschaftsleistung. Vergleicht man nämlich die 7 Jahre bis 2008 mit denen nach 2008, betrug das durchschnittliche jährliche Wachstum der Sozialausgaben vor der Krise 3,6%, in den 7 folgenden Jahren mit 3,8% aber nur unwesentlich mehr. Dass die Sozialausgaben in wirtschaftlichen Krisen stärker steigen, ist gewissermaßen der Normalfall in einem modernen Sozialstaat und auch ökonomisch sinnvoll. Sie wirken so einem krisenbedingten Nachfrageeinbruch und einem noch stärkerem wirtschaftlichen Rückschlag entgegen. Das eigentliche Problem ist die Dauer der derzeitigen Krise: Bei richtigem wirtschaftspolitischem Gegensteuern sind Konjunktureinbrüche in der
Regel nach drei Jahren überwunden. Stattdessen gehen wir jetzt ins neunte Krisenjahr. Wir haben es folglich nicht mit einem sozialpolitischen Problem zu tun, sondern mit wirtschaftspolitischem Versagen auf der ganzen Linie. Und ökonomisch betrachtet wären Kürzungen von Sozialleistungen völlig falsch: Österreich leidet seit Jahren unter der schwachen Nachfrage der privaten Haushalte, die bei Leistungskürzungen noch schwächer würde. Statt monatelang im der gesamtem Republik über in der Gesamtschau völlig irrelevante Ausgabensteigerungen bei der Mindestsicherung oder den Flüchtlingsausgaben zu debattieren, wäre es folglich angebrachter zu fragen, was wirtschaftspolitisch schief läuft. Warum dies nicht getan wird, dafür gibt es nur Vermutungen: Auffällig ist z.B., dass diejenige Partei am lautesten nach Kürzungen in der Mindestsicherung schreit, die nahezu in ganz Österreich die Minister und Landesräte in den Ressorts Wirtschaft und Finanzen stellt.
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DER WALD TUT WOHL Kinder trauern anders als Erwachsene. Um den Verlust einer geliebten Person besser verarbeiten zu können, gibt es einmal im Monat den Trauertreff für Kinder in Bregenz, Feldkirch und Bludenz.
Text: Christine Mennel Fotos: Frank Andres
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asmin* (8) hat sich warm eingepackt. Im Schwedenofen knistert das Feuer, aber noch ist es frisch in den Räumen der Waldschule Bodensee im Bregenzer Thalbach Berg. Jasmin ist sofort mit Feuereifer bei der Sache, als die ehrenamtliche Hospizbegleiterin und Musikpädagogin Bettina von Siebenthal sie auffordert, ihre „Gefühlsmonster-Karte“ zu ziehen. Sie gehört manchmal zum spielerischen Einstieg in den Trauertreff und ist unter anderem ein kindgerechtes Instrument, um miteinander in Beziehung zu treten. Üblicherweise gibt es ein Begrüßungs- und Abschieds-Ritual. Dann wird beispielsweise zu Beginn auf kindgerechte Weise der Sonnengruß zelebriert oder gemeinsam gesungen. In der zweiten Hälfte der beiden Stunden im „Trauertreff “ geht es in den Wald. „Der Wald ist ein Heiler“, sagt Karin Müller-Vögel von der Waldschule. Der Wald ist fixer „Partner“ in der Trauerarbeit. Mit seiner Hilfe öffnen sich die Kinder, kommen über das Tun ins Sprechen. „Reden muss aber niemand beim Trauertreff “, versichert Annelies Bleil. Sie ist Koordinatorin bei Hospiz Vorarlberg und verantwortlich für den gesamten Kinderbereich (HOKI). „Wir haben etwas gesucht, das Kindern hilft, den Verlust eines nahen Angehörigen zu verarbeiten“, erklärt sie, „und uns die Frage gestellt: Wie macht man Trauerarbeit mit Kindern?“ Kinder drücken ihre Gefühle nicht unbedingt in Worten aus, sondern oft im Spielen. Eines ist jedoch Erwachsenen und Kindern gemeinsam:
Karin Müller-Vögel von der Waldschule Bodensee, Musikpädagogin Bettina von Siebenthal und Annelies Bleil, Koordinatorin bei Hospiz Vorarlberg. Sie helfen Kindern bei der Trauerbewältigung.
Sie brauchen Zeit und Raum, um mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig zu werden. Genau solche Räume soll der Trauertreff in Bregenz bieten. Auf spielerische, kreative und naturverbundene Weise können Kinder, die einen Eltern- oder Großelternteil oder Geschwister verloren haben, bei den Treffen in die verschiedenen Gefühlswelten eintauchen.
Kinder sind Vorbilder
Trauer verläuft zyklisch und je nach Alter dauert so ein Prozess unterschiedlich lang. Wie lange jemand trauert, ist abhängig von der Schwere der Trauer. Meistens setzt sie erst richtig drei bis sechs Monate nach dem Sterbefall ein. Zuvor schützen Verdrängungsmechanismen. „Und wenn die Mama immer weint, wenn das Kind vom Papa erzählt,
wird das Kind nicht mehr von ihm sprechen“, nennt Anneliese Bleil ein Beispiel. Auf der anderen Seite besitzen Kinder die Gabe, sehr schnell zwischen ihren Gefühlen zu wechseln. „Da sind sie uns ein Vorbild“, sagt Anneliese Bleil, „denn damit bleibt man nicht so lange in der Trauer gefangen.“
Natur hilft immer
Trauer braucht Ausdruck, damit sie einen nicht erdrückt. Sich ausdrücken: Das geht kaum irgendwo so gut wie in der Natur. Während ihrer Arbeit mit Erwachsenen hat Annelies Bleil immer wieder Betroffene gefragt, was ihnen geholfen hat. Die Antwort war: die Natur. Egal was passiert, sie hilft immer. Bei den Trauertreffs steht ein starker, waldpädagogischer Ansatz im Vordergrund. Kinder öffnen sich im Wald sehr schnell
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Kinder drücken ihre Gefühle oft während des Spielens aus. Genauso wie Erwachsene brauchen sie Zeit und Raum, um mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig zu werden.
und fühlen sich wohl. Die Seele beginnt sich zu regenerieren. „Trauer zu bearbeiten heißt nicht automatisch traurig sein“, sagt Karin Müller-Vögel. Mit den Kindern unternimmt sie Verschiedenes im Wald. Mal wird getrommelt, ein anderes Mal ein Waldbild, aus allem was die Natur zu bieten hat, gefertigt. Oder: Jedes Kind kann sich, wenn es möchte, einen persönlichen Baum aussuchen, der für die verstorbene Vertrauensperson steht. Auch in der Natur gibt es Krankheit und Tod. Aber so wie der Specht in einem abgestorbenen Baum ein neues Zuhause findet, kann auch der Verstorbene an einem anderen Ort, in einem neuen Daheim, ankommen. Jasmin ist am liebsten im Wald. Am Schluss summt sie, gemeinsam mit Bettina von Siebenthal, ein Lied. Weil reden muss hier niemand. Aber jeder darf singen. *Name von der Redaktion geändert
TRAUERTREFF FÜR KINDER Die Treffen werden von erfahrenen HOKI-MitarbeiterInnen geführt. Es ist eine offene Gruppe, ein Einstieg ist jederzeit möglich.Um ein telefonisches Vorgespräch wird gebeten. Wo: Waldschule Bodensee, Thalbach Berg, Bregenz, Feldkirch noch offen, Bludenz im Wald oberhalb vom Kloster St. Peter Informationen und Termine: Tel.: 0676 88420-3525 E-Mail: hospiz.kinder@caritas.at Homepage: www.caritas-vorarlberg. at/hoki.
marie-Leserin Carmen Wagner (44) aus Götzis ist begeisterte Schreiberin und besucht seit vielen Jahren Schreibseminare von Evelyn Brandt. In einer Schreibwerkstatt entstand das Gedicht „Meinungsschlichtheit“.
Meinungsschlichtheit Da steht sie, die alles überragende Menschenrasse. Bis an die Zähne bewaffnet, Schlagstock in der rechten Hand, Baseballschläger in der linken Hand, wohl oder übel, selbst die alles überragende Menschenrasse verfügt noch nicht über zwei rechte Hände, ein Sortiment an Messern steckt einsatzbereit am Hosengürtel, böser verachtender Blick ... ... nur im Kopf hohle Leere. Einen bedrohlichen Kreis bilden sie. Es sind viele, und sie johlen, schimpfen, schreien und spucken mit hasserfüllten Parolen auf ihn ein. Er steht in der Mitte, hilf-, wehr- und sprachlos. Natürlich sprachlos, wie soll er diese Sprache auch verstehen. Sie umzingeln ihn. Er muss weg, sofort. Weg aus ihrem Blickfeld, weg aus ihrem Land, weg aus ihrem Leben. Die Hände erheben sich, die einsatzbereiten Waffen erfüllen ihren Zweck, ganz kurz nur. Eine Minute später ist das Problem gelöst, tot. Sieg heil für die Meinungsschlichtheit.
Carmen Wagner schrieb ein Gedicht, das sie der marie zur Verfügung gestellt hat.
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Vier Klassen für neue Perspektiven
Vorwiegend junge unbegleitete Flüchtlinge sind es, die seit diesem Herbst einen Schritt in ihre Zukunft für sich verbuchen können. Aufgrund einer Initiative des Bundesministeriums und der Bereitschaft von vier Schuldirektoren werden sie österreichweit in gesonderten Klassen unterrichtet. 14 / Text und Fotos: Daniela Egger
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n Vorarlberg sind es vier Schulen, die eine dieser Flüchtlingsklassen geöffnet haben: die HAK Bludenz, die HAK Feldkirch, das Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch und das BORG Lauterach. Es handelt sich dabei um einen Lehrgang für Menschen mit geringer Kenntnis der Unterrichtssprache Deutsch zwischen 15 bis 18 Jahren. Die Zuweisung erfolgt über die Betreuungsorganisationen. Die insgesamt 80 Jugendlichen sind teilweise unter subsidiärem bzw. befristeten Schutz vor Abschiebung, manche haben bereits den anerkannten Asylstatus oder stecken noch mitten im Verfahren. Sie zu unterrichten stellt jede Bildungseinrichtung vor ähnliche Herausforderungen, wie Direktor Michael Schelling des BORG Lauterach betont. „Sie sind sehr begeistert, dass sie hier sein dürfen und entsprechend motiviert“, berichtet er. „Aber wir haben da
eine Klasse mit ganz unterschiedlichen Bildungsniveaus. Der eine hat Schwierigkeiten mit rechnerischen Basiskenntnissen, der andere war in Syrien kurz vor der Matura. Sie stehen ganz am Anfang mit der deutschen Sprache und außerdem haben sie allesamt schreckliche Erfahrungen gemacht. Sie zu unterrichten
Miraga Rostami, Iran, 16 Jahre
Ich bin seit einem Jahr hier. Meine Eltern sind Afghanen, ich bin im Iran geboren. Wenn ich einen Wunsch frei hätte? Ich möchte bei FC Barcelona neben Messi und Neymar spielen. Und wenn das nicht geht, werde ich Automechaniker.
geht nur ganz individuell.“ Eine einzige junge Frau aus Tibet sitzt gemeinsam mit ihrem Bruder unter 18 weiteren jungen Männern aus Afghanistan und Syrien. Damit die Klasse nicht zu isoliert bleibt, haben die Schüler und Schülerinnen des BORG Lauterach ein Mentorensystem eingeführt, sie begleiten die Jugendlichen in der Pause und auch in der Freizeit. „Unser System Schule ist mit dieser Klasse schon gefordert und unsere Lehrer und Schüler machen das gut“, betont Michael Schelling. „Die Lehrer und Lehrerinnen müssen ihre pädagogischen Fähigkeiten anpassen und aktivieren, so gesehen profitieren beide Seiten. Gerade Junglehrerinnen und Junglehrer machen jetzt wertvolle Erfahrungen.“ Der Sportlehrer ist beispielsweise sehr zufrieden mit dem männlichen Zuwachs an talentierten Fußballern, die Schüler und Schülerinnen kümmern sich engagiert um die neuen Schüler und die Schule selbst organisiert, wenn nötig, auch Unterrichtsmaterial, das sich die Jugendli-
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Michael Schelling, Direktor am BORG Lauterach: „Für die Jugendlichen ist es wichtig, dass sie eine Perspektive bekommen und nicht untätig herumsitzen.“
In der Flüchtlingsklasse am BORG Lauterach werden 19 Schüler und eine Schülerin unterrichtet.
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Musa Rasuli, Afghanistan, 16 Jahre
Mein Traum ist Frieden auf der ganzen Welt. Ich möchte eine Lehre machen und in der Bank arbeiten.
chen mit ihren zehn Euro Taschengeld wöchentlich nicht kaufen können. Auch wie sie zu einer Jause kommen, musste erst mit den Betreuungsinstitutionen geklärt werden – immerhin haben sie intensive Tage mit bis zu sechs Stunden Unterricht. Zehn Stunden Deutsch, sechs Stunden Englisch, sechs Stunden Mathe, dazu Ethik, Geschichte, naturwissenschaftliche Fächer, Kompetenztraining (persönliche und soziale Kompetenzen) und Sport strukturieren die
Woche für die jungen Leute, die sonst untätig in den Heimen warten müssten, bis ihr Status geklärt ist. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Programm ist die Basis in Deutsch nach A1, Englisch-Kenntnisse und eine lateinische Alphabetisierung.
Und was kommt danach?
„Es wird sich weisen ob das nächstes Jahr weitergehen wird. Es ist ein Investitionsprojekt, wenn wir das nicht jetzt machen, haben wir in zehn Jahren weit höhere Kosten“, sagt Michael Schelling, und: „Für die Jugendlichen ist es wichtig, dass sie eine Perspektive bekommen und nicht untätig herumsitzen. Welche Art von Zertifikat sie am Ende erhalten ist eine politische Entscheidung, aber das wird sicher für sie eine Möglichkeit eröffnen, in ihrem Bildungsweg weiter zu gehen. Es gibt noch große ungeklärte Fragen dabei, zum Beispiel ob die Möglichkeit für Firmenpraktika eröffnet wird, wobei Firmen aber auf versicherungstechnische Hürden stoßen.“
Es braucht also viel Engagement und den politischen Willen, um den jungen Leuten, die hier in Sicherheit leben dürfen, auch eine Perspektive zu schenken. Dieses Engagement ist erfreulicherweise vom Ministerium über den Landesschulrat bis zu ehrenamtlich tätigen Bürgern zu finden.
Mahdi Ahmadi, Afghanistan, 15 Jahre
Ich lerne Gitarre und bin sehr froh, dass ich hier an der Schule Unterricht bekomme. Ich möchte eine Band gründen und die Lieder von Mortza Pashae, einem iranischen Rapper, spielen. Und ich möchte gerne Automechaniker werden.
Raus aus der Ohnmacht Gerade in Zeiten immer größer werdender Verunsicherung braucht es Menschen, die sich mutig für ein gutes Miteinander engagieren. Darum gründeten vier junge Vorarlberger im vorigen Jahr die Weitblick GmbH – ein gemeinnütziges Unternehmen mit Sitz in Götzis. Ihr Ziel: Leute dafür zu begeistern, sich für positiven Wandel in der Gesellschaft einzusetzen.
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„Wenn ich wüsste dass die Welt morgen unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“
Tagtäglich erreichen uns neue Schreckensmeldungen, noch ehe wir die Nachrichten vom Vortag richtig verdaut haben. Die Flut an Problemen und Herausforderungen mit denen wir fortwährend konfrontiert werden, erzeugt in vielen von uns ein Gefühl der Ohnmacht und des Verloren-Seins. Angst, Hoffnungslosigkeit und sozialer Rückzug sind die Folgen. Vielen scheint der gesellschaftliche Untergang unabwendbar. Doch wenn man glaubt, eine andere Welt sei unmöglich, dann wird sie es auch. Diese fatalistische Schicksalsgläubigkeit gefährdet uns und unBezahlte Anzeige
seren Planeten, denn sie verleugnet das Potential der gestalterischen Kraft, die in jedem von uns steckt. Was tun gegen die verbreitete Untergangsstimmung. Jeder hat da so sein Privatrezept - und genau das interessiert uns.
Du bist gefragt. Schreib mit an einem ganz besonderen Rezeptbuch.
Schreib uns dein ganz persönliches Mut-Rezept und werde damit Teil einer Bewegung, die Mut macht. Es gibt viele Erlebnisse, die es wert sind, veröffentlicht zu werden, weil sie Zuversicht und
Mut ausstrahlen. Wir möchten möglichst viele Beiträge sammeln und damit ein Mut-Buch veröffentlichen – und dein Beitrag bewirkt vielleicht mehr als du ahnst. „Und wenn ich wüsste, dass die Welt morgen unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll einst Martin Luther gesagt haben. Nun man muss nicht Martin Luther sein, um sich und anderen Menschen Mut zu machen. Diesem Beispiel folgen immer noch viele Menschen- auch in Vorarlberg. Darum würden wir gerne von dir wissen, was oder wer dir in deinem Leben Mut gemacht hat? Du kannst dein Rezept in 5 oder 50 Zeilen verfassen – ganz nach Idee und Vorliebe. Wir freuen uns auf deine Geschichte – anonym oder mit Namen, das bleibt dir überlassen. Sende dein Mut-Rezept an daniel.scheyer@weitblick.org
Es gibt unendlich viel, was wir tun können.
„Ich selber komme immer wieder ins Staunen, wenn ich sehe, wie viele engagierte Menschen sich hier in Vorarlberg für eine gute Zukunft einsetzten. Wir dürfen uns angesichts der derzeitigen globalen Herausforderungen nicht entmutigen lassen. Ich bin davon überzeugt, dass der Unterschied zwischen dem was wir tun und dem was wir in der Lage wären zu tun, genügen würde, um die meisten Probleme auf der Welt zu lösen. Natürlich bin ich nicht blauäu-
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gig. Es gibt viele Entwicklungen, die wir nur bedingt beeinflussen können, aber es gibt auch unendlich viel, was wir tun können.“ so Weitblick-Geschäftsführer Christian Kathan. Wir alle sind aufgefordert uns für ein gutes Miteinander einzusetzen, aber jeder auf seine Weise. Mit den Worten des berühmten Wiener Psychiaters Viktor Frankl: „Die Aufgabe wechselt nicht nur von Mensch zu Mensch – entsprechend der Einzigartigkeit jeder Person – sondern auch von Stunde zu Stunde, gemäß der Einmaligkeit jeder Situation.“ So stellt sich uns allen immer wieder die Frage: Was ist das Wertvollste, das ich in diesem Augenblick tun kann?
Mit Weitblick. Die Gesellschaft bewegen.
Mahatma Gandhi formulierte es vielleicht am treffendsten: „Sei der Wandel, den du in der Welt sehen willst.“ In diesem Geiste haben wir uns vor gut einem Jahr dazu entschieden, die Weitblick GmbH zu gründen. Als anwendungsorientierte Ideenschmiede bündeln wir Fachwissen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und setzen dieses in unterschiedlichen Projekten um. Vor allem in den Bereichen Bildung und Integration gibt es in Vorarlberg – wie auch in ganz Österreich – viel zu tun. Einer unserer wichtigsten Schwerpunkte liegt daher im Bereich Schulentwicklung. Hier bemühen wir uns insbesondere um die Implementierung von Lebenskompetenzprogrammen, um Persönlichkeit und prosoziales Verhalten von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Auch im Integrationsbereich sehen wir dringenden Handlungsbedarf. Damit jene Asylwerber, die ein Bleiberecht erhalten, möglichst rasch und gut integriert werden, unterstützen wir den Ausbau psychosozialer Angebote in diesem Bereich (mehr dazu unter: www.mitweitblick.org) Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist in all unserem Tun von zentraler Bedeutung. So setzen wir bewusst auf Maßnahmen, die nicht unbedingt schnelle Lösungen liefern, dafür aber langfristig Wirkung zeigen – daher auch unser Name: Weitblick Text: Daniel Scheyer
mitweitblick gesellschaft bewegen Mit Mut und Weitblick lässt sich viel bewegen.
Die Weitblick GmbH stellt sich vor: Christian Kathan, Geschäftsführer Dipl. Gesundheits- und Krankenpfleger; Erziehungswissenschaftler; Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision, in eigener Praxis tätig. Forschungsschwerpunkte: Psychotraumatologie, Bindungstheorie, Resilienz
Frederick Lins, Geschäftsführer diplomierter Jurist, Wirtschaftsjurist und Kanonist; Unternehmer in Feldkirch und Mainz; verschiedene Managementfunktionen und IT-Projekte im gemeinnützigen und Sportbereich. Daniel Scheyer, Projektmanagement Klinischer & Gesundheitspsychologe; Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision, in eigener Praxis tätig; Forschungsschwerpunkte: Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter, Achtsamkeit im psychosozialen Kontext, Psychotraumatologie.
Matthias Mittelberger, Leitung Bildungsprogramm studierter Philosoph und Politikwissenschaftler; politischer Erwachsenenbildner und selbständiger Lerncoach; Lehrtätigkeit in den Fächern Deutsch und Philosophie/Psychologie für Externisten. Forschungsschwerpunkt: angewandte Ethik.
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Tierische Einund Auswanderer
Auch in der Tierwelt gibt es Wanderungen und Migration. Ein Grund dafür ist das wandelnde Klima. Arten, die früher in Vorarlberg kaum anzutreffen waren, haben durch den Klimawandel ihr Verbreitungsgebiet ausgeweitet und sind nun hier integriert. Die Leistungen, die die Tiere bei ihren Wanderungen vollbringen, sind enorm: So gibt es Schmetterlinge, die vom Mittelmeer bis nach Südschweden fliegen.
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Text: Georg Friebe, inatura Fotos: Georg Friebe
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ingewandert, verschleppt oder als Gast, vielleicht gar nur als Durchzügler im Ländle – vielfältig sind die Möglichkeiten, wie sich die Tierwelt unserer Heimat saisonal oder permanent wandelt. Manche Wanderungen erscheinen uns so gewöhnlich, dass wir sie kaum noch registrieren. Andere finden derart verborgen statt, dass wir nichts von ihnen bemerken. Erst wenn sich gebietsfremde Arten nicht nur dauerhaft etablieren, sondern die ökologische Vielfalt eines Gebiets oder die Gesundheit von uns Menschen gefährden, werden sie zum Problem. Aber halt: Nicht alles, was wandert, muss auch zu den Einwanderern gezählt werden. Vögel, die sich von Insekten und Spinnen ernähren, werden wir jetzt im Winter vergeblich suchen. Ihre Nahrung hat sich zur Winterruhe ins frostsichere Versteck zurückgezogen. Andere
Kleintiere haben bereits im Sommer und Herbst für Nachwuchs gesorgt, der nun als Ei, Larve oder Puppe überwintert, auf dass dann im Frühjahr eine neue Generation schlüpfen kann – zur Erhaltung der Population, aber auch als Nahrung für andere Tiere. Es gibt also keinen Grund für Schwalbe, Bachstelze und Mönchsgrasmücke, die kalte Jahreszeit hier in ihrem Brutgebiet zu verbringen. Wie viele andere Vogelarten ziehen sie über die Alpen in wärmere Gefilde. Die einen überwintern im südlichen Europa, andere an der Nordküste Afrikas, und sogar jenseits der Sahara liegen die Winterquartiere mancher nördlich der Alpen heimischer Arten. Vorarlberg wiederum ist Überwinterungsgebiet von Tieren, die eigentlich viel weiter im Norden beheimatet sind. Aber was bedeutet „heimisch“ bei Vögeln? Allein das Brutgebiet entscheidet. Daher gilt der Große Brachvogel in Vorarlberg als (beinahe) ausgestorben, auch wenn man im Rheindelta biswei-
len 200 oder mehr Tiere dieser Art als Durchzügler beobachten kann.
Insekten als Langstreckenflieger
Wundern wir uns bereits bei Vögeln über deren Leistung als Langstreckenflieger, so wird das Staunen bei Insekten nur umso größer. Der Distelfalter gehört zu jenen Schmetterlingen, die alljährlich aus den heißen Mittelmeergebieten einfliegen. Bis Großbritannien und Südschweden kann er vordringen. Hier vermehrt er sich, und die nördlich der Alpen geschlüpften Tiere versuchen dann den Rückflug. Nicht immer gelingt dies. Bei einem anderen Tagfalter, dem Admiral, haben sich die Wanderungen in den letzten beiden Jahrzehnten gewandelt. Ein Einflug über die Alpen findet kaum noch statt, und die Überwinterungsgebiete liegen nun am Oberrheingraben und in Ostfrankreich. Doch selbst in Vorarlberg kann man nach einem milden Winter Tiere entdecken, die augenscheinlich hier den Winter über-
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Tierische Wanderer, die auch in Vorarlberg anzutreffen sind (von links nach rechts): Feuerlibelle, Stahlblauer Grillenjäger, Südlicher Blaupfeil, Admiral und Kräuseljagdspinne.
dauert haben. Auf ihren Wanderungen lassen sich die leichtgewichtigen Tagfalter gerne vom Wind tragen. Aber unter den nachtaktiven Schwärmern gibt es beachtliche „Flugmaschinen“. Die durchschnittliche Geschwindigkeit des Windenschwärmers liegt bei 50 km/h, doch bei günstigem Rückenwind kann er auch doppelt so schnell vorankommen.
Folgen des Klimawandels
Nicht nur am Wanderverhalten des Admirals zeigen sich die Auswirkungen des sich ändernden Klimas. Noch im Jahr 2001 musste die Feuerlibelle als „nur seltener Gast“ bezeichnet werden, der sich gelegentlich aus dem Mittelmeerraum über die Alpen verirrte. Damals waren in Vorarlberg genau zwei Fundstellen bekannt. Inzwischen kann man diese Libelle im ganzen Rheintal finden, und die Beobachtung frisch geschlüpfter Tiere bestätigt die erfolgreiche Fortpflanzung. Wir dürfen die Feuerlibelle mit Recht als integriert und bodenständig betrachten. Auch vom Südlichen Blaupfeil – ebenfalls einer Libelle – wurde 2001 vermeldet: „Die fünf Fundorte im Rheintal mit wenigen adulten (Anmerkung der Redaktion: geschlechtsreifen) Männchen lassen diese Art nicht als bodenständig erscheinen.“ Die Gefährdungseinstufung
lautete folgerichtig „Vom Aussterben bedroht“. Heute wird diese Art im Koblacher Ried regelmäßig gesichtet, und auch in Göfis wurde sie bei Paarung und Eiablage beobachtet. Admiral, Feuerlibelle und Südlicher Blaupfeil gehören ohne Zweifel zu den Profiteuren des Klimawandels. Sie haben ihr Verbreitungsareal aktiv ausgeweitet und konnten sich in Regionen etablieren, in denen sie noch vor wenigen Jahrzehnten kaum oder nur als Vermehrungsgast bekannt waren. Ebenfalls zu den Gewinnern des Klimawandels gehört die Kräuseljagdspinne. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, ist sie seit zwei Jahrzehnten auf dem Vormarsch in Richtung Norden. Im Großraum Basel und am Ober rheingraben hat sie längst stabile Populationen entwickelt. 2014 wurden die ersten Tiere in Vorarlberg entdeckt.
Verbreitung „per Anhalter“
Bei den stationär lebenden Spinnen sind aktive Wanderungen kaum zu erwarten. Die Verbreitung erfolgt wohl „per Anhalter“ über kurze Strecken, zum Beispiel im Auto. Wichtiger als die Verschleppung einzelner Tiere ist jedoch, dass diese am Zielpunkt ihrer Reise passende Lebensbedingungen vorfinden. Die Kräuseljagdspinne sucht dabei die
Nähe des Menschen: Im Siedlungsraum, an und in den Gebäuden ist es wärmer als draußen in Wald und Wiese. Obwohl wärmeliebend, liegt auch im Norden die Hauptpaarungszeit im Oktober und November. So wundert es nicht, dass in einer Föhnnacht Ende des vergangenen Novembers in Dornbirn ein Tier außen an einer Hauswand gesichtet wurde. Die Kombination von passiver Verschleppung und aktiver Wanderung ist der Grund, warum der Stahlblaue Grillenjäger seit 2015 zur Tierwelt Vorarlbergs zählt. Diese aus Mittelamerika stammende Grabwespe wurde in Europa erstmals 1960 in Südfrankreich registriert. Von dort hat sie sich aktiv weiter verbreitet. Wie aber ist sie nach Frankreich gekommen? Der erste Fundort liegt nahe einer der Landungsstellen US-amerikanischer Truppen zu Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Unrat des Versorgungsplatzes fanden sich sowohl Stroh als auch Halme, die der Art als Versteck und Nistplatz während der Überfahrt gedient haben könnten. Durch Verschleppung und Klimawandel ändert sich unsere Tierwelt. Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Neuankömmlinge hat das Potential, die bestehende ökologische Vielfalt eines Gebiets zu stören. Alle anderen sind eine Bereicherung für unser Land.
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AUFGEWERTET Ulrike Ratz (46) aus Hard war eine der ersten Upcyclerinnen im Land. Heute ist diese Form der Müllvermeidung im Trend. Aus alten Produkten – quasi aus Müll – wird Neues, Schönes hergestellt wie Rucksäcke oder Mappen.
Die Handtasche (links) hat Ulrike Ratz aus Fahrradschläuchen hergestellt. Um dermaßen festes Material zu nähen, braucht sie eine besondere Nähmaschine (Bild oben). Das Nähen hat sie sich selbst beigebracht.
20 / Text: Elisabeth Willi Fotos: Frank Andres
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us alten Fußbällen werden coole Federschachteln, aus weggeworfenen Fahrradschläuchen lässige Handtaschen, aus gebrauchten Tetrapackungen praktische Notizblöcke. Seit acht Jahren verwandelt Ulrike Ratz (46) alte Gegenstände in neue. Upcycling wird dies genannt (nähere Infos siehe Factbox rechte Seite). „Als ich damals mit einer Freundin begonnen habe, hat das in Vorarlberg noch niemand gekannt“, erzählt die Harderin. Mittlerweile liegt diese Form der Müllvermeidung, die etwas Schönes erschafft, voll im Trend. „Werkstatt“ heißt das Ein-Frau-Unternehmen, denn die Freundin, die anfangs mit von der Partie war, hörte nach einem Jahr aus Zeitgründen auf. Die Werkstatt, in der Ulrike Ratz dem Weggeworfenen wieder Leben einhaucht, ist in einem kleinen Zimmer im Haus in Hard untergebracht. Hier stapeln sich in Kisten die Materialien, mit denen sie die neuen Produkte herstellt: Jeans, Bettwäsche, Ländle Milch-Tetrapackungen, Fahrradventile, Fahrradschläuche,
Schwimmflügel, Schwimmwesten der Hohentwiel und einiges mehr. Daraus macht die kreative Frau unter anderem Geldtaschen, Mappen, Rucksäcke, Taschen für das iPad, Handtaschen, Schlüsselanhänger und Federschachteln. Die meisten ihrer Produkte näht Ulrike Ratz. Um dermaßen festes Material wie Fußbälle oder Fahrradschläuche zu nähen, braucht es eine besondere Nähmaschine. „Lederverarbeitungsnähmaschine“ heißt das graue, recht klobige Gerät, mit dem dies möglich ist. „Sie ist derselbe Jahrgang wie ich“, sagt die 46-Jährige und schmunzelt. Das Suchen danach habe einige Mühe gekostet, aber: „Schließlich hat sie mich gefunden.“ Das Nähen hat sich die gelernte diplomierte Pädagogin selbst beigebracht. In ihrer Schulzeit war Handarbeiten nicht unbedingt ihr Lieblingsfach. Das Interesse daran erwachte erst vor acht Jahren nach der Karenz. Ulrike Ratz begann damals, aus Streifen gebrauchter Tetra Paks große Handtaschen zu flechten. „Ich war ganz erstaunt, dass man aus Müll etwas machen kann“, erzählt sie. Wieso sie Upcycling-Produkte herstellt, hat mehrere Gründe: Zum Einen
ist ihr der Umweltgedanke wichtig. Zum Anderen findet Ulrike Ratz es einfach toll, aus etwas Wertlosem, Weggeworfenem einen neuen Gegenstand herzustellen. Und außerdem: „Ich bin gerne kreativ.“ Kreativität scheint sie eine Menge zu besitzen, denn sie entwickelt stets neue Ideen, was sie aus den alten Sachen produzieren kann. „Immer nur dasselbe zu machen, ist auf Dauer langweilig.“ Dabei ist die Ideenentwicklung etwas vom Schwierigsten und Langwierigsten im ganzen Arbeitsprozess. Da kann es sein, dass sie tagelang tüftelt, ausprobiert und schaut, ob das Ganze auch praktisch ist – und zum Schluss verwirft sie es dann doch. Ziel bei der Herstellung jeden Produktes ist es, dass sie kaum neues Material zukaufen muss. Manchmal ist dies aber unumgänglich: So verwendet sie bei ihren Handtaschen etwa neue Reißverschlüsse und Schlaufen zum Umhängen. Den Rest jedoch stellt sie aus Altem her – wie etwa die Innenfächer aus ausgetragenen Jeans. Auf die Frage, wie lange die Upcyclerin durchschnittlich – von der Idee bis zum letzten Nadelstich – für einen Gegenstand benötigt, lacht sie und ant-
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wortet: „Das will ich gar nicht wissen!“ Die Mutter einer zehnjährigen Tochter arbeitet zusätzlich als Verkehrserzieherin in Kindergärten sowie Volksschulen und betreibt die „Genusswerkstatt“, in der sie Obst in feine Marmeladen, Chutneys und mehr verwandelt und weitere
Produkte wie Cremen, Seifen oder Lippenbalsam herstellt. Sie kann also selten viel Zeit am Stück für das Upcyclen aufbringen und weiß deshalb wirklich nicht genau, wie lange sie für einen Artikel braucht. Stattdessen zählt sie die Arbeitsschritte für eine Handtasche, hergestellt aus Fahrradschläuchen, auf: Die Schläuche suchen sie oder ihr Schwiegervater in spe aus dem Container eines Fahrradgeschäftes in der Nachbarschaft
heraus, dann werden sie gewaschen, getrocknet und sortiert. Als nächstes schneidet sie bis zu zehn Filzteile zu, auf die sie die Schläuche näht. Und schließlich muss sie noch all die Einzelteile wie Innentaschen, Reißverschluss oder Futter herstellen und befestigen. Jeder der so entstandenen Taschen ist ein Unikat und 100 Prozent „Made im Ländle“. Abgesehen von den Fahrradschläuchen, die die Harderin oder jemand aus ihrer Familie holt, erhält sie die meisten alten Produkte von Anderen. „Mir sammelt man“, nennt sie das. Mittlerweile wissen genügend Menschen von ihrem Upcycling-Unternehmen und finden das auch gut, sodass sie Ulrike Ratz die Arbeitsmaterialien zutragen. Gekauft werden können die Produkte auf Märkten oder im Geschäft „Verkauferei“ in Bregenz. Im Internet ist Ulrike Ratz‘ „Werkstatt“ nicht zu finden. Denn: „Das mag ich nicht. Ich habe so lange an einem Produkt gearbeitet und deshalb möchte ich sehen, wer es bekommt und dass derjenige auch eine Freude daran hat. Das Internet ist so kalt.“
UPCYCLING Upcycling ist so wie Recycling eine Art der Müllvermeidung. Beim Upcycling (englisch up „nach oben“ und recycling „Wiederverwertung“) wird Abfall als Material verwendet, um neue Produkte zu schaffen. Durch den Schwund der natürlichen Ressourcen einerseits und durch steigende Müllberge andererseits gewinnt Upcycling immer mehr an Bedeutung. Im Bereich der Innenund Außenreinrichtung verwenden bereits viele Privatpersonen schon seit Längerem alte Obstkisten, Paletten, Weinflaschen, Rohre etc. – und schaffen so neue, schöne Accessoires. Autor und Coach Hannes Treichl, der die Homepage www.andersdenken.at betreibt, sagt, dass jeder alte Gegenstand mindestens 50 andere Verwendungsmöglichkeiten hat – ob im Haushalt, Garten, Büro oder als Shop- oder Schaufensterdekoration. Unter www. andersdenken.at/upcycling-kreativitaetstraining/ sind 80 kreative Upcycling-Ideen zu finden. / 21
S C HAC H - E C K E Vorarlberger gegen Weltmeister Carlsen und WM-Finalist Karjakin Schach-Superstar Magnus Carlsen aus Norwegen hat kürzlich mit seinen 26 Jahren zum zweiten Mal seinen Weltmeistertitel erfolgreich verteidigt, diesmal in New York gegen den gleichaltrigen Russen Sergey Karjakin. Beide WM-Finalisten haben – damals als „Wunderkinder“ – schon gegen einen Vorarlberger gespielt. Carlsen besiegte als 11-Jähriger Philipp Scheffknecht. Sergey Karjakin musste sich als 12-Jähriger, damals jüngster Großmeister aller Zeiten, gegen Milan Novkovic mit einem Remis begnügen! (Beide Partien aus dem Buch „Perlen aus meinem Schachtagebuch“ von Milan Novkovic)
Magnus Carlsen (2084) Philipp Scheffknecht (2150) Europacup, Kreta (Griechenland) 2001
Milan Novkovic (2374) Sergey Karjakin (2523) Europacup, Halkidiki (Griechenland) 2002
Philipp Scheffknecht war besser gestanden, aber der 11-jährige Carlsen drehte die Partie.
Nach harmloser Eröffnung des Weißen kam es zu folgender Stellung:
Stellung nach 48 Zügen
Stellung nach dem 13. Zug von Weiß
49. g4! und jetzt geht das geplante 49. ... Te5 nicht, weil sonst der weiße d-Bauer marschiert. 50. d6! Dc3 51. d7! mit Matt. Es folgte noch 49. ... Th6 50. d6 Dc6 51. De7 g5 52. Lc4 Tg6 53. Lxf7+ Lxf7 54. Dxf7+ Kh8 55. Df8+ Tg8 56. Df6+ Tg7 57. De5 Kg8 58. De6+ 1:0 Scheffknecht gab auf.
13. ... Sxc4! Dieses Opfer hatte der Dornbirner Milan Novkovic, wie er zugab, gar nicht berücksichtigt. Nach 40 Minuten fand er aber eine Variante, die ihm das Unentschieden sicherte. Karjakin hingegen blitze die restlichen Züge herunter. Er hatte alles schon im Voraus berechnet ... Es folgte 14. Lxc4 d5 15. Sxd5 Lxb2 16. Dxb2 Lxd5 17. Tad1 De7 18. Lxd5 Dxe3+ 19. Df2 Dxf2+ 20. Kxf2 cxd5 21. Txd5 Tfd8 22. Tfd1 Txd5 23. Txd5 Tc8 24. Td7 Tc2 25. Kf3 Txa2 1/2 : 1/2 Remis auf Vorschlag von Karjakin.
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ANLAUFSTELLE GEGEN MUTLOSIGKEIT
Manchmal kann von heute auf morgen alles anders sein. Und manchmal ist genau das Gegenteil das Problem: Nichts geht weiter, man steckt fest, es fehlt an Kraft und Zuversicht. In beiden Fällen sehnt sich der Mensch oftmals nach jemandem, der einfach nur zuhört. Text: Simone Fürnschuß-Hofer Foto: privat
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„ Wir sind ganz nah dran an jenen Menschen, die niemand mehr um sich haben will.“ Sepp Göfler, Leiter der Telefonseelsorge
und 13.000 mal im Jahr wird die Nummer 142 der Telefonseelsorge Vorarlberg gewählt. 88 ehrenamtliche Mitarbeiter, die der Schweigepflicht unterliegen und stets anonym agieren, sind hier engagiert und schenken etwas, das nicht in Geld aufzuwiegen ist: Lebenszeit, Lebenshilfe. Und das rund um die Uhr. Wenn sich Menschen in Krisen allein gelassen fühlen, der Weg zum Therapeuten gescheut oder nicht gesehen wird, wenn das soziale Auffangnetz fehlt oder die Angst vor Reaktionen aus dem Umfeld zu groß ist, kann die Telefonseelsorge Kraftquelle sein. Um Beistand und Trost zu geben, um zu ermutigen, nicht aufzugeben und um bei Bedarf fachliche Beratung zu vermitteln. Das Postkastensystem von 142online.at bietet außerdem anonyme Beratung für alle, die lieber schreiben als reden.
Not braucht Gehör
„Der Gedanke, mein Leben zu beenden setzte sich durch“, schreibt ein ehemali-
ger Anrufer und weiß nicht mehr, wieso er doch noch zum Telefon griff. Dass kurz vor dem geplanten Suizid die Telefonseelsorge miteinbezogen wird, ist nicht erst einmal vorgekommen. Nicht immer geht es bei den Anrufen jedoch unmittelbar um Leben und Tod. Mutlosigkeit und Alleinsein, traurige Lebensereignisse, Seitensprünge, die gestanden werden wollen oder aber auch Scherzanrufe – die Mitarbeiter der Telefonseelsorge begegnen tagtäglich unterschiedlichsten Motiven und Lebensgeschichten. Konstant bleibt lediglich die Anruf-Frequenz: Keine Stunde, in der die Leitung nicht besetzt ist. Geleitet wird die Telefonseelsorge Vorarlberg von Sepp Gröfler und seiner Stellvertreterin DSA Barbara MoserNatter – die einzigen Hauptamtlichen des Teams, die auch per Namen genannt werden dürfen. Die marie hat den in Dornbirn wohnhaften Sozial- und Sexualpädagogen Sepp Gröfler, 55, seines Zeichens auch Humorberater und Kabarettist, zum Interview gebeten und ein erfrischend offenes Gespräch geführt.
EHRENAMT TELEFONSEELSORGE VORARLBERG Rund 12 Stunde pro Monat sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter bei der Telefonseelsorge im Einsatz; das entspricht 2 bis 3 Diensten und auf ein Jahr gerechnet rund einem Monatsgehalt an geschenkter Zeit. Supervision und Fortbildungen sind verpflichtend. Die Telefonseelsorge ist 365 Tage rund um die Uhr besetzt; finanziert wird die Institution zu einem Großteil von Diözese und Land, sowie zu jeweils zwei Prozent von der evangelischen Kirche und der VGKK.
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marie: Lieber Sepp Gröfler, mal angenommen, ich möchte Mitarbeiterin der Telefonseelsorge werden, bin jedoch weder Psychologin noch Therapeutin. Habe ich eine Chance? Sepp Gröfler: Durchaus. Mitarbeiter kann im Grunde jeder und jede werden, der bzw. die das Mindestalter von 25 Jahren erreicht hat und bereit ist, sich auf eine Ausbildung von fünf Wochenend-Seminaren einzulassen: Dabei geht es vorwiegend um die eigene Geschichte und den Umgang damit. Mit der Verpflichtung zu regelmäßiger Supervision und zu einer Mindest-Dienstdauer von drei Jahren ist man dabei. Deshalb sind bei uns sehr viele Berufssparten vertreten, von der Lehrerin über Priester bis zum Lkw-Fahrer und jeder hat seinen eigenen Zugang zu den Themen, die hereinkommen. Was alle in der Arbeitsweise eint: Immer geht es um den Aufbau von Beziehung. Wer ist der typische Anrufer, die typische Anruferin? Den oder die gibt es als solche nicht, aber die meisten Anrufer sind zwischen 35 und 60 Jahre alt. Thematisch geht es fast immer um psychische Belastungen. Menschen, die unter Depressionen leiden oder Stimmen hören, der Alkoholkranke, der auf dem Weg zum Kühlschrank nochmals abbiegt und zum Telefon greift, Menschen, die oftmals schon keiner mehr hören kann oder sehen will, wenden sich an uns. Selbst wenn sie intellektuell beeinträchtigt sind und durch ihr Verhalten sozial völlig isoliert – bei uns bekommen sie Begegnung auf Augenhöhe. Ich möchte sagen, das ist beinahe ein Mutter-Teresa-Effekt: Wir sind ganz nah dran an jenen Menschen, die niemand mehr um sich haben will und behandeln sie würdevoll, sodass sie ihr Ansehen zurückbekommen, ohne dafür etwas leisten zu müssen Gibt es auch so eine Art Stammkundschaft bei der Telefonseelsorge? Natürlich. Es gibt Anrufer, die schon seit 15 Jahren unsere Nummer wählen und auch wenn sie nach wie vor noch nicht die gewünschte Stabilität erreicht haben, treten sie nicht auf der Stelle.
Jemand, der arbeitsunfähig ist, kann dennoch über eigenständiges Wohnen oder eine neue Beziehung an Boden und Perspektiven gewinnen. Und den nächsten Schritt angehen, ist er auch noch so klein. Oft hören wir den Satz „Ich wüsste nicht, was ich ohne euch täte.“ Werdet ihr auch einfach nur zum Spaß angerufen? Scherzanrufe haben tatsächlich im Jahr 2006 mit 25.000 Anrufen einen negativen Höhepunkt erreicht (Anm.: heute 1200 Juxanrufe/Jahr). Da werden Pizzen bestellt, da wird gepöbelt und wüst geschimpft. Das kann schon zur Belastung fürs Team werden. Andrerseits finden auch hier unsere Mitarbeiter immer wieder Wege, es quasi umzudrehen, wie folgende Geschichte zeigt: Eine 12-Jährige rief an, sie sei schwanger. Sehr schnell war klar, dass die Geschichte erfunden war. Unsere Mitarbeiterin hat rekonstruiert, dass dieses Mädchen tagein tagaus sämtliche Fernseh-Soaps konsumiert und dabei in einer Endlosschleife dem immer selben Schema unterworfen ist: Eine Geschichte bewegt sich Richtung Höhepunkt zu, Schnitt, Werbung. Die jungen Leute müssen das manchmal „nachspielen“ und landen so bei der Telefonseelsorge. Unsere Mitarbeiterin hat das Mädchen ernst genommen und ihren scherzhaften Anruf in ein seriöses Gespräch verwandelt. Ist die Telefonseelsorge auch so etwas wie ein moderner Beichtstuhl? Was macht ihr, wenn ihr mit einem Verbrechen konfrontiert werdet? Manchmal. Am ehesten werden uns in diesem Bereich Kriegstaten und Seitensprünge gestanden. Erst ganz wenige Male wurden wir mit strafrechtlich relevanten Geschehnissen konfrontiert. Das ist allerdings alles andere als einfach. Wir haben eine Schweigepflicht und unterliegen keiner Meldepflicht. Dennoch gilt es in so einem Falle dem eigenen Gewissen zu folgen. Jemand, der kurz vor dem Suizid steht, ruft dieser Mensch tatsächlich noch bei euch an? Zwei Menschen kenne ich persönlich,
die kurz vor der geplanten Tat die 142 gewählt haben. Die eine stand auf der Brücke, der andere hatte bereits das Gas im Auto: Von Letzterem weiß ich, dass er inzwischen verheiratet ist und zwei Kinder hat. Beide haben sie noch einmal zum Telefon gegriffen und die Tat in diesem Moment zumindest verschoben. Mit der „Anruferin von der Brücke“ sind wir immer noch verbunden. „In Dankbarkeit“, wie sie sagt. Sie schätzt die tiefe Annahme ihrer Person und das wir sie aus „ihren langen Nächten der Dunkelheit“ immer wieder herausgeholt haben. Ja, unser Dasein, Zuhören, In-Beziehung-Treten kann Verzweiflung lindern, den Weg aus der Sackgasse aufzeigen. Gleichzeitig ist es auch schon passiert, dass wir aus Todesanzeigen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Anrufer von uns schließen konnten. Da wir in unserer Arbeit nicht aktiv eingreifen, ist das schwer auszuhalten. Wie steht eigentlich die Berufssparte der Psychologen und Psychotherapeuten eurer Arbeit gegenüber? Wir haben uns im Lauf der Jahre einen sehr guten Ruf bei den Kolleginnen und Kollegen aus der psychosozialen Szene erworben und sie sehen uns als wichtige Einrichtung im sozialen Netz, weil wir da sind, wenn sie frei haben. Es kommt oft vor, dass sie ihre Klienten an uns verweisen, sollten sie einmal nicht erreichbar sein, oder außerhalb der Praxiszeiten Krisen ausbrechen. Eure Mitarbeiter werden im Grunde nicht „gesehen“. Stichwort Anerkennung: Wie sorgt ihr für euer Team? Durch Supervision, ein gutes, schönes Arbeitsambiente, durch kleine interne Feiern, zwei große Feste im Jahr, diverse Ausflüge und viel Humor. Apropos Humor: Denn Sepp gibt’s auch als „Beff “, ältester Nachwuchskabarettist Österreichs. Wie passt das zusammen? Amateurtheater habe ich immer schon gespielt. Humor öffnet da wie dort die Schleusen und bringt die Tränen in einen heilsamen Fluss. Herzlichen Dank für das Gespräch.
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BEVOR DU SPRINGST Eine Anruferin, die die Telefonseelsorge seit über 25 Jahren konsultiert sowie ein Anrufer, der eine schwere Lebenskrise überwinden musste – beide anonym – teilen den marie-Leserinnen und Lesern mit, was es ihnen bedeutet hat, bei der Telefonseelsorge Gehör und Gesprächspartner zu finden.
Tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit
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„Seit über 25 Jahren bin ich mit der Telefonseelsorge in Kontakt. Am Anfang war es nur Verzweiflung, nur Hoffnungslosigkeit, nur Dunkelheit. Und die zentrale Frage: „Wie bring ich mich am schnellsten um.“ Die Brücke als einzige Perspektive. Wortfetzen wie: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich mag nicht mehr“, langes Schweigen, Ende des Gespräches. Es war für die Telefonseelsorger nicht einfach. Jahrelang dasselbe ohne Veränderung. Im Laufe der Zeit hat sich eine tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit entwickelt. Ich lernte zu vertrauen und spürte eine tiefe Annahme meiner Person. Viele Stunden, Tage und vor allem die langen Nächte der Dunkelheit waren das Schlimmste in meinem Leben. Schlafstörungen und
chronische, körperlich starke Schmerzen sind sehr oft noch da. Und die Frage: Wie geht es weiter? Ratschläge tun oft sehr weh. Einfach da sein und zuhören ist das Wichtigste. Ich rufe ab und zu heute noch an und das gibt mir wieder die Kraft zum Durchhalten. Heute bin ich sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die einfach da sind, zuhören und Worte der Hoffnung vermitteln. Durch die vielen Gespräche, das Reden, Reden, Reden und das Zuhören habe ich wieder viel Zuversicht, Liebe und Heilung erfahren dürfen. Ich danke jedem Telefonseelsorger für die Geduld und Zeit und möchte ihm sagen: Dein Dienst war und ist nicht umsonst.“ anonym
„Es folgte die Organisation zum Freitod, ich war bereit“ „Ich war mitten im Leben, hatte gerade meine zweite Ausbildung abgeschlossen und befand mich in einer mir gewünschten beruflichen Stellung. Das Leben konnte kommen, ich war mittendrin. Meine damaligen Lebensziele waren gerade, klar und auch erreichbar. Ich sah mich belastbar, leistungsfähig, offen und hatte tragfähige Freundschaften. Das Leben erschien als breites Feld. Durch ein Lebensereignis engte sich meine heile Welt in kurzer Zeit massiv ein. Ich sah meine Ziele als nicht mehr erreichbar, der Gedanke, mein Leben zu beenden setzte sich durch. Dem Gedanken folgte die Organisation zum Freitod, ich war bereit. Meine Situation spitzte sich an einem Abend zu, ich war alleine, verspürte nicht den Wunsch, meine Freunde um Hilfe zu bitten, sie kannten auch besagtes Lebensereignis nicht. Sie nahmen mich als Frohnatur wahr. Ich kannte die Telefonseelsorge von der Zeitung und rief an diesem Abend an. Ich erinnere mich an den Impuls dort anzurufen heute nicht mehr, vermutlich einfach, weil ich mit jemandem anonym reden wollte. Das Gespräch dauerte lange, ich weiß auch noch, dass Frau C. im Laufe des Abends wegmusste (Dienstwechsel). Frau C. hörte mir zu und stellte Fra-
gen über meine Lebenssituation. Es war ein sehr intensives Gespräch und ich hatte keine Mühe, über meine Lage zu sprechen. Inwieweit mein Unterfangen zum Freitod sich damit veränderte, kann ich nicht genau sagen, ich habe diesen schwierigen Abend bzw. die Nacht hinter mich gebracht. Auf jeden Fall war es für mich wichtig, mit jemandem zu reden, mit jemandem, der mich nicht kennt, der mir zuhört und Fragen stellt, auch Perspektiven aufzeigt ... Was blieb? Der Kontakt zu meiner Gesprächspartnerin blieb über Jahre bestehen, immer anonym, ich kannte ihren Vornamen, sie den meinen. Sie war über lange Zeit eine „Eingeweihte“, sie ging damit behutsam und sorgfältig um. Unser Kontakt war oft schriftlich, ich schrieb an das Postfach der Telefonseelsorge. Wir tauschten uns aus über Gott und die Welt und über uns. Mir war dieser Kontakt sehr wichtig, heute würde ich ihn als Hineinwachsen in ein eigenverantwortliches Leben sehen, ein Entfalten. Nach zirka drei Jahren „entließen“ wir uns ins Leben. Es war ein Lösen, ein guter Abschied. Meine Gedanken an Frau C. und alles, was damit zusammenhing, sind tief und letztlich positiv in mir geblieben.“ anonym
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Fabienne Landerer kocht und fotografiert leidenschaftlich gerne. Sie ist 20 Jahre alt, in Vorarlberg aufgewachsen und reist jetzt nach der Matura für ein Jahr in Europa herum. Sie verzaubert uns auch aus dem Ausland mit kunterbunten Rezepten. Aus ethischen und ökologischen Gründen verzichtet sie auf tierische Produkte.
Trüffel-Champignon-Risotto Die Kosten pro Person betragen 1,20 Euro, mit Bio-Lebensmitteln gekocht sind es etwa 2,10 Euro.
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Zutaten für 4 Personen:
• 400 g Champignon • 500 g Risotto-Reis • 2 Zwiebeln • 3 Knoblauchzehen • Salz, Pfeffer • Öl • 100 ml Weißwein • 100 ml Sojamilch oder Sojasahne • Zum Garnieren: 1 EL Trüffelöl und 1 TL Sojasauce pro Teller
Zubereitung:
Die Zwiebeln und die Champignons kleinschneiden, dann mit zwei EL Öl in einem großen Topf anbraten bis sie leicht braun sind. Den Risottoreis, eine gepresste Knoblauchzehe und ½ TL Salz hinzugeben, 2 min anbraten, dann mit
Weißwein ablöschen. 2-3 Tassen Wasser hinzugeben, einen Deckel auf den Topf geben und bei geringer Hitze 20 min köcheln lassen. Gegebenfalls mehr Wasser hinzugeben. Gegen Schluss die Sojamilch oder -sahne hinzugeben für extra Cre-
migkeit, sowie 2 weitere gepresste Knoblauchzehen. In ein Förmchen geben und schön auf einem Teller anrichten und mit einem EL Trüffelöl sowie einem TL Sojasauce garnieren.
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Bild links: Biologisch gezüchtete Karottensorten. Bild rechts: Bunte Kartoffelvielfalt erfreut sich steigender Beliebtheit.
Saatgut für die Vielfalt
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Bereits jetzt im Winter lohnt es sich, über die Aussaat im Frühling nachzudenken. Das Angebot an Saatgut im Handel ist riesig, die Entscheidung, welches das Beste ist, schwierig. Hier eine Übersicht der Unterschiede. Text: Simone König, Bodensee Akademie Fotos: Franz Amort, Bodensee Akademie
I
m Jänner liegen Beete und Äcker in Winterruhe, sehr aktiv hingegen sind die Bodenlebewesen unter einer schützenden Decke und in entsprechender Tiefe. Dort setzen sie organisches Material um und verdauen, damit Bodenfruchtbarkeit und Bodengesundheit erhalten bleiben und alles bereit ist für die Aussaat im Frühling. Und über die lohnt es sich jetzt im Winter nachzudenken, damit im beginnenden Frühling durchgestartet werden kann. Der Anbauplan für den Garten ist das eine, das andere ist die Bestellung von Saatgut. Da ist die Auswahl groß. Hier eine kleine Anleitung um Unterschiede in der Saatgutgewinnung zu verstehen. In einer Hand voll Samen stecken jahrtausendlange menschliche Kulturleistung. Dass sind viele Menschen, die
Sorten in ihren Gärten kultiviert, sie mit anderen Sorten gekreuzt und die besten Früchte zur Weiterzucht ausgewählt haben. Sie haben die Samen weitergegeben, an die nächste Generation, in andere Regionen, in andere Klimazonen. So ist bei unseren Nahrungsmittelpflanzen die Vielfalt entstanden. Und um diese Vielfalt zu erhalten, braucht es Saatgut, welches von eigener Hand vermehrt werden kann und Sorten, die nicht patentiert sind. Dazu gibt es in der Saatgutzucht die Begriffe „nachbaufähig“ und „samenfest“ im Unterschied zu Hybridsaatgut und gentechnischer Pflanzenzucht mit Patentschutz. Samenfeste Sorten vererben ihre Eigenschaften kontinuierlich an die nächste Generation. Sie werden immer unter natürlichen Bedingungen in Kontakt mit dem Erdboden gezüchtet. Wenn Sie den Bestäubungsvorgang der jeweiligen Pflanze beachten und kontrollie-
ren, können Sie von samenfesten Sorten selbst im Hausgarten Saatgut gewinnen. Sie können das Gemüse über eigenes Saatgut also selbst „nachbauen“. Die ökologische/biologische Saatgutzucht entwickelt ausschließlich nachbaufähige Sorten.
Saatgut nur einmal verwendbar
In der Hybridzucht werden die Pflanzen extremen Bedingungen ausgesetzt oder neue Kreuzungen im Labor erzeugt. Die Pflanzen werden über mehrere Generationen nur mit sich selbst bestäubt. Diese Inzucht führt dazu, dass die Pflanzen verkümmern. Dann werden zwei solche Inzuchtlinien miteinander gekreuzt. Es kommt zu einem Entlastungseffekt, die Pflanzen wachsen besonders gut und tragen schnell reiche Ernte, die Früchte werden groß und einheitlich. Die so erzeugten Samen heißen F1 Hybridsaatgut. Versucht man solch eine Pflanze
#13 / Jänner 2017
Bauer Franz Willi (64) aus Schoppernau hat einen Text über Glück geschrieben und ihn auf Facebook gestellt. Die marie hat ihn dort entdeckt und darf ihn abdrucken.
Am Anfang steht das Samenkorn.
weiter zu vermehren, brechen die beiden Familien und auch die Verkümmerungen wieder durch, denn Frucht und Same sind Träger von Information. Andere Zuchtverfahren finden im Labor statt, z.B. künstliche Verschmelzung von Zellen, Erzeugung von Unfruchtbarkeit und andere gentechnische Eingriffe in die Erbsubstanz. Das Saatgut ist nur einmal verwendbar und muss jedes Mal neu erzeugt werden. Dazu kommt, dass sich dieses Saatgut meist in Konzernhand befindet und es immer weniger Anbieter am Markt gibt, weil die großen Firmen untereinander fusionieren und kleinere Züchter aufkaufen. Das führt zu einer großen Abhängigkeit in der weltweiten Nahrungsmittelproduktion.
Nachbaufähige Pflanzen
Nachbaufähige Pflanzen hingegen machen unabhängig. Sie können nicht nur selbst vermehrt werden, sondern sie sind aufgrund ihres Erbguts auch anpassungsfähig. Sie reagieren auf Bodenbedingungen und klimatische Voraussetzungen des Standorts und passen sich mit den Jahren immer besser an, ohne die Flexibilität im Erbgut zu verlieren. Durch langsames Wachstum sind sie intensiver im Geschmack und oft länger haltbar. Vor- und Nachteil: Sie reifen nicht so einheitlich ab, wie Hybridsorten.
Das heißt die Früchte schauen nicht alle gleich aus, 5 bis 10 Prozent sind sogenannte Charaktergemüse, knollig, gebogen mit Nasen, also speziell. Auch werden nicht alle gleichzeitig reif. Im Hausgarten und Anbau für den Direktverkauf ist dies ein Vorteil, für die Großproduktion und den Handel ein Nachteil. Deshalb setzen sie sich im erwerbsmässigen Anbau kaum durch. Umso wichtiger daher, dass samenfestes Saatgut im eigenen Garten und in der Kleinlandwirtschaft Verwendung findet und von dort auch wieder in die Welt getragen wird. So wie die vielfältigen Sorten einst in den Gärten entstanden sind und durch die Menschen auf der ganzen Erde verbreitet wurden.
WEITERE INFOS SAATGUT Bezugsquellen von samenfestem Saatgut: http://www.gentechnikfreie-bodenseeregion.org/saatgut/
Glück
Zu sehen: die absolute Zufriedenheit der Kühe beim Wiederkäuen Zu sehen: die Geburt eines Kalbes und die mütterliche Fürsorge der Kuhmama Zu sehen: das Wunderwerk eines Spinnennetzes Zu sehen: ein Schwalbennest, das Aufziehen der Vogelkinder und ihr erster Ausflug Zu hören: das Rufen der Raben: „Schick die Katze weg, damit wir an das Futter können“ Zu hören: das Grunzen der Schweine: „Hey Boss, ich will Futter“ Zu hören: das Röhren eines Hirsches: „Hallo Mädels, hier steht euer Traumprinz“ Zu hören: der Lockruf eines Rehes: „Hey Boys, ich habe Zeit für ein Date“ Zu erleben: am Morgen auf dem Weg zum Stall werde ich von der Katze empfangen Zu erleben: den Sternenhimmel betrachten und einfach nur staunen Zu erleben: bestes Heu eingefahren, das war ein guter Tag Zu erleben: hundemüde ins Bett fallen, Gott sei Dank es hat sich gelohnt Und noch tausend Dinge in dieser göttlichen, wunderbaren Welt Und all dies kostet nicht einen einzigen CENT.
Wer mehr über Kulturpflanzenvielfalt erfahren will, kann sich beim Verein Arche Noah kundig machen: www.arche-noah.at Der Verband für Obst und Gartenkultur Vorarlberg hat Saatgutvermehrung und Saatguterhaltung als Jahresthema 2017: www.ogv.at
Franz Willi weiß, was glücklich macht. Und all das kostet keinen Cent.
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Buchstabensalat In unserem Wortsuchrätsel sind die Namen der sieben regionalen Straßenzeitungen Österreichs versteckt. Die Lösungswörter finden Sie entweder waagrecht oder senkrecht, von oben nach unten oder von unten nach oben, von links nach rechts oder von rechts nach links gelesen.
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Diese Wörter sind versteckt: Zwanziger (20er,Tirol) Apropos (Salzburg) Augustin (Wien) Kupfermuckn (Oberösterreich) Megaphon (Steiermark) Eibischzuckerl (Wiener Neustadt) marie (Vorarlberg)
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#13 / Jänner 2017
„ Täglich Geld für Zigaretten und Dart, mehr brauch ich nicht“ marie-Verkäufer Milovan Jovanovic (62) lebt seit zwei Jahren im Bonetti-Haus. Durch den Verkauf der Straßenzeitung kommt er mit Menschen in Kontakt. Der gebürtige Serbe ist in Frühpension und hofft auf eine Gemeindewohnung. Text: Elisabeth Willi Foto: Frank Andres
M
ilovan Jovanovic (62), der im Bonetti-Haus in Dornbirn lebt, ist ein marie-Verkäufer der ersten Stunde. „Es ist viel besser, die marie zu verkaufen, als nur rumzusitzen“, erklärt der Frühpensionist. Durch diese Arbeit kommt er mit vielen Menschen in Kontakt – und das ist etwas, das er sehr schätzt: „Ich rede gerne mit den Leuten und habe Spaß mit ihnen.“ Der Standplatz von „Milo“, wie ihn alle nennen, ist am Dornbirner Marktplatz. Mittlerweile hat er sich einen Stock an Stammkunden aufgebaut. So etwa eine junge Mutter, die letzthin bei ihm vorbeigekommen ist und gesagt hat, sie hätte die marie längst von anderen kaufen können, sie habe aber auf ihn gewartet. Der 62-Jährige stammt aus einem kleinen Dorf in Serbien. Seit 25 Jahren lebt er in Vorarlberg. Die Liste an Berufen, die er hier ausgeübt hat, ist lang: Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur, Autoschweißer, Eisenleger, Koch in Lech sowie im Montafon. Vor zwei Jahren war dann aber Schluss: Der Arbeitsmediziner schickte ihn in Frühpension. „Mein Rücken ist kaputt. Ich kann nicht lange sitzen und nicht lange stehen.“ Zuletzt war Milo Hilfsarbeiter und bekam von der Firma ein Zimmer gestellt. Als er die Arbeit beendete, musste er es räumen. Die Mieten sind hoch,
Milos Frühpension gering. Deshalb kam er vor zwei Jahren ins Bonetti-Haus. Nun hat er aber Aussicht auf eine Gemeindewohnung in Lustenau. Wieder in einer eigenen Wohnung zu leben, ist der größte Wunsch des gebürtigen Serben. Dann
Milovan Jovanovic im Bonetti-Haus. Manchmal ist dem Frühpensionisten langweilig. Dann spielt er gerne Spiele wie „Mensch ärgere dich nicht“.
könnten ihn auch seine Frau und seine drei Töchter, die in Serbien wohnen, wieder besuchen. Solange er nur ein Zimmer im Bonetti-Haus hat, ist dies nicht möglich. Also fährt Milo zu ihnen, etwa zweimal im Jahr.
Am 15. Mai 1991 – dieses Datum weiß Milo genau – erhielt er die Aufenthaltsund Arbeitserlaubnis für Österreich. Nur einen Monat zuvor war er hier angekommen. „Es war Glück und Zufall, dass es so schnell ging“, sagt er. Es folgten Monate, in denen er von fünf Uhr früh bis 21 Uhr arbeitete, Deutsch war ihm noch ein Buch mit sieben Siegeln. Die Umstände sollten sich aber bald bessern. Milo kam nicht als Kriegsflüchtling ins Land. Vor seiner Auswanderung hatte er eine eigene Installateurfirma geführt, doch das Geld verlor immer mehr an Wert, und er konnte sein Geschäft nicht mehr halten. Die Lösung der Misere: eine Arbeit im Ausland. „Ich nahm 5000 Deutsche Mark mit und dachte: Wenn es klappt, ist es gut, und wenn nicht, komme ich wieder retour.“ Es hat funktioniert. Seine Zukunft möchte der leidenschaftliche Schachspieler in Vorarlberg verbringen. Wenn er die Gemeindewohnung bekommt, soll auch seine Frau bei ihm wohnen. Nicht immer lief Milos Leben wie am Schnürchen. Seiner guten Laune scheint dies dennoch keinen Abbruch zu tun: Während des Interviews lacht er viel und redet gerne. Zum Schluss gibt er noch preis, was ihm wichtig ist: „Ich muss nicht 1000 Euro pro Monat verdienen. Ich brauche nur jeden Tag genügend Geld für Zigaretten und für das Dartspielen.“
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Mittendrin in V
Mitten in Lustenau gibt es einen Ort, wo sich Phantasie und Wirklichkeit begegnen: Das W*ORT, ein Glücks*ORT für Kinder.
EIN ORT DES GEBENS UND LERNENS
Sprechen, lesen, schreiben. In Lustenau gibt es seit gut zwei Jahren einen Ort, der diese besonderen Fähigkeiten auf vielfältige und kreative Weise fördert: das W*ORT. Erwachsene geben das, was sie gut können, ehrenamtlich an Kinder weiter. Aber auch Flüchtlinge lernen im W*ORT Deutsch. Singend.
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Text: Barbara Hofer, Fotos: Marcel Hagen, Andy Sillaber, Bruno Vetter
E
s knistert und knarrt, es ist dunkel, fremd und ein bisschen unheimlich. Lustenauer Kinder entdecken ihren Heimatort neu. In einem Projekt werden leer stehende Häuser mit den Kindern angeschaut und erspürt. Das ist unheimlich, lustig und höchst interessant. Die Kinder recherchieren auch die Geschichte der Häuser sorgfältig, und aus dem Erfühlten und Erarbeiteten entsteht dann ein phantastisches neues Bild von einem leer stehenden Haus. Darüber schreiben sie schließlich einen Text. Gelernt wird so ganz nebenbei, wie vielfältig Gefühle zum Ausdruck gebracht werden können, wie schön und verbindend Sprache sein kann, wenn die Worte auch das ausdrücken, was wir im Innersten fühlen. So unkonventionell die Mittel, so unkonventionell ist auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis. Hier lernen alle voneinander, Groß und Klein, Alt und Jung, Einheimische und Nicht-Einheimische. Lernen, das ist hier ein gemeinsamer Prozess aller Beteiligten.
Lokales Engagement für Bildung
Ideengeber für das W*ORT – diesen besonderen Ort der Sprache – ist das vom amerikanischen Bestseller-Autor Dave Eggers 2002 in San Francisco gegründete Schreib- und Lernhilfezentrum „826 Valencia“ – benannt nach seiner Adresse in der dortigen Valencia Street. Eggers wollte, dass sich Menschen in ihrem Umfeld für Bildung engagieren – und zwar mit ihren ganz persönlichen Talenten. Dadurch sollten auch die Schulen als amtliche Bildungsvermittler unterstützt und ergänzt werden. Eine Gruppe engagierter Lustenauer BürgerInnen lernte dieses Projekt kennen, war begeistert und gründete einen Verein mit dem Ziel, auch in Lustenau einen Ort zu schaffen, wo Er-
wachsene ihr Talent teilen und Kindern ihre Zeit schenken. Die Gemeinde hat dieses Projekt von Anfang an unterstützt und tatkräftig gefördert. Und so wurde das W*ORT Lustenau ein Begegnungs- und Möglichkeitsort, der durch die Menschen, die sich einbringen, belebt wird. Sie engagieren sich kreativ, persönlich und ehrenamtlich für Kinder. Gemanagt wird das W*ORT von der Lustenauerin Gabi Hampson, die zuvor in London in einem wegweisenden Projekt mit psychisch kranken Menschen (Handwerks-)Kunst praktizierte. Handwerkliche Tätigkeiten sind im W*ORT auch ein wichtiger Bestandteil bei der Entwicklung der Wort-Kompetenz und damit einer sozialen Kompetenz. Beide werden – warum auch immer – nicht mehr ausreichend vermittelt. Sprache schafft Teilhabe. Und teilnehmen können, macht Freude. Die Projekte laufen das ganze Jahr, manche auf Anregung von Schulen und LehrerInnen, andere werden von begeisterten Menschen an das W*ORT-Team herangetragen. „Orte und Unorte“ war so ein Projekt, in dem Kinder ihre Lieblingsorte beschrieben und ebenso den Ort, wo sie gar nicht gerne sind. In der Schreibwerkstatt wird zusammen diskutiert, wie kann man eine Geschichte aufbauen, wie wird etwas spannend, welche Wörter sind ungewöhnlich? Kinder und Jugendliche basteln mit Sprache und schaffen damit auch neue Wege zu sensiblen Themen wie beispielsweise leer stehende Häuser.
Chor „Singen ohne Grenzen“
Aber nicht nur Kinder „lernen“ im W*ORT, dass Sprache ganz wesentlich für ein gutes und bereicherndes Zusammenleben ist. Seit im Juni 2015 die ersten Flüchtlinge nach Lustenau gekommen sind, hat sich im Ort etwas verändert, was wenig mit den verwaltungsmäßig notwendigen (und gut funktionieren-
#13 / Jänner 2017
Impressum „Singen ohne Grenzen“ ist eine fröhliche Gemeinschaft, die offen ist, von- und miteinander zu lernen.
den!) Maßnahmen zu tun hat. Männer und Frauen sind selbst aktiv geworden oder haben sich über das Netzwerk für Flüchtlinge in Lustenau „dô sin“ beteiligt, um an Flüchtlinge etwas weiterzugeben, das sie selbst gut können. Eine davon, die selbst aktiv wurde, ist Edith Hagen. Die pensionierte Musiklehrerin gründete vor einem Jahr den Chor „Singen ohne Grenzen“, in dem junge Flüchtlinge singend Deutsch lernen. Die deutsche Phonetik, vor allem die Umlaute, sind für Flüchtlinge aus dem arabischen Raum eine echte Herausforderung. Beim Singen neigen Menschen dazu, Klänge und Töne nachzuahmen. Unser Akzent ist dann weniger offenkundig als beim Sprechen einer Fremdsprache, die Aussprache wird durch das Singen merklich verbessert. Zudem regt Musik das Gedächtnis an. Der Chor – zu den Proben kommen zwischen zehn und 14 Flüchtlinge und sieben, acht LustenauerInnen – passt gut in das Konzept des W*ORT – schon allein deshalb, weil es allen Spaß macht. Bei den Auftritten kann es dann schon vorkommen, dass sich andere Flüchtlinge ganz selbstverständlich dazustellen, leise, leise mitsingen und den Applaus des Publikums strahlend genießen. Dem W*ORT sei Dank – und der Musik.
Das gesungene Wort berührt
Mit Bob Dylan erhielt letztes Jahr zum ersten Mal ein Songwriter, also ein Liederdichter den Literaturnobelpreis. Natürlich, Dichtung wird (auch) gesungen vorgetragen, seit Jahrhunderten. Ob Poetry Slam oder Schubertiade – das gesungene Wort berührt Menschen. Und so gibt es im W*ORT-Ort auch Gesang. Im Oktober startete die Konzertreihe LIEDERW*ORTE mit Erzähl- und Konzertabenden (Termine siehe Factbox unten). Und für alle, die das W*ORT einfach mal kennenlernen möchten, verwandelt es sich jeden Donnerstag am Vormittag in ein unterhaltsames Kaffeehaus. HINWEIS: W*ORT-Kontakt bei Gabi Hampson, gabi.hampson@w-ort.at, Tel.: 0660 6846672
TERMINE W*ORT Am Freitag, 20. Jänner, 20 Uhr, sind Aja und Toni Eberle im W*ORT zu hören, und am Dienstag, 17. Februar, werden die LIEDERW*ORTEe mit „sounds like pepper“ gestaltet, Beginn ebenfalls um 20 Uhr. Am Donnerstag, 26. Jänner, 19.30 Uhr, liest Autor und Asylrechtsberater Daniel Zipfel aus seinem viel beachteten Debütroman „Eine Handvoll Rosinen“.
Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Elisabeth Willi (Leitung) MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Daniela Egger, Georg Friebe, Simone Fürnschuß-Hofer, Gernot Hämmerle, Barbara Hofer, Simone König, Christine Mennel, Annette Raschner, Gerhard Thoma, Robert Thoma Zeitungsausgabe Ausgabestelle Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Kaplan-Bonetti-Straße 1 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr Ausgabestelle Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 Uhr Ausgabestelle Bludenz do it yourself, Kasernstraße 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Ausgabestelle Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer, DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Dr. Claudio Tedeschi, Cornelia Matt Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage 20.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2016 marie. Alle Rechte vorbehalten.
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Gsi
Teilnehmer des ersten Ski-Kurses für Einheimische in Vorarlberg im Jahr 1906 in Stuben und Zürs: (v.l.) Fritz Ikle – nebst Viktor Sohm einer der Kursleiter, Ferdinand Schallert, Franz-Josef Mathies, Engelbert Strolz, Hannes Schneider, Albert und Therese Mathies.
Der Bauernhof in Warth, auf dem Franz-Josef Mathies geboren wurde. Die Eltern hatten 16 Kinder.
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Wie der „Lawinen-Franz-Josef “ an einem Tag unter zwei Lawinen geriet und nach 30 Stunden lebend aus den Schneemassen befreit werden konnte. Text: Gerhard Thoma Fotos: Herbert Sauerwein: „Erzählungen und Sagen vom Tannberg“, „Bergheimat Lech“
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n Lech, Warth, Zürs, Langen und Stuben ist er längst eine Berühmtheit. Jedes Schulkind am Arlberg kennt das harte Leben des Franz-Josef Mathies (1864-1937). Ein Leben, das stellvertretend für die beschwerliche Existenz ihrer Vorfahren steht. Und sie kennen auch die dramatischen Ereignisse, die sich im Dezember 1886 abspielten. Franz-Josef wird am 27. Oktober 1864 in der Parzelle Teschenberg in Warth geboren, wo sein Vater Felix Mathies mit seiner Frau Anna eine kleine Landwirtschaft betreibt. Der Bauer und Viehhändler ist hoch verschuldet, und hoch ist auch die Zahl der Kinder: Nach und nach tummeln sich 16 Kinder rund um Hof und Stall. Franz-Josef ist der älteste Sohn – ein kräftiger Bub mit dunklen Augen und schwarzem Haar. Mit vier Jahren erhält er seine erste Lederhose und muss mit auf die Alpe am Guggisberg zum Heuen. Seine Mutter bindet ihm einen Strick um den Leib und
befestigt das Seil an einem Baum, damit der Bub nicht über die steilen Wiesen kullert. Beim Anblick von der Alpe auf das kleine Bauernhaus seufzt der Vater oft: „Die Aussicht auf unser Anwesen ist so schön, wenn man die Schulden nicht sieht, die darauf lasten.“ Das Franz-Josefle spürt den Kummer des Vaters und pflegt daraufhin in seiner kindlichen Art zu sagen: „Wartet ihr Schulden, im Winter wird euch die Guggislawine schon hinabreißen in den Lech!“ Damals, vor 100 Jahren, war die Landschaft am Arlberg meistens schon Mitte November tief verschneit. Wenn die Hirsche lechabwärts zogen, wusste man, dass bald zwei oder drei Meter Schnee fallen werden. Erst Mitte Mai setzte der Frühling ein. Als Franz-Josef sechs Jahre alt ist, muss er über den Sommer bis Micheli am 29. September als Kleinhirt auf die Steffis-Alpe und für einen fremden Bauern zwei Dutzend Geißen hüten. Von Oktober bis Ende Mai gehen Franz-Josef und die anderen Kinder in die Schule.
Die Kinder lernen nicht, was im Lehrplan steht, sondern was der Pfarrer und die Bauern für wichtig halten: Glaube, Hoffnung und Liebe ist die heilige, Rechnen, Schreiben und Lesen die goldene Dreizahl. So verbringt Franz-Josef die nächsten acht Jahre auf verschiedenen Alpen. Einmal fügte der Bub beim Aufzählen der sieben Sakramente ein achtes hinzu: „Luper“. Als der Pfarrer ihn fragte, wie er darauf käme, antwortete Franz-Josef: „Mein Vater sagt immer: ‚Wenn doch der Sakerment Luper nicht käme‘.“ Herr Luper war ein reicher Lechtaler, der stets am Katharinentag, am 25. November, von Vater Felix die Schuldzinsen einforderte. Im Alter von 14 Jahren erhält Franz-Josef einen starken Muli und ein Fuhrwerk. „Wem nüt dur d’Händ geiht, dem geiht nüt dur’s Mul“, belehrte ihn sein Vater. So wurde Franz-Josef Mathies Fuhrmann und Postbote. Jeden Montag und Donnerstag fährt Franz-Josef den gefährlichen Pfad über den Flexen hinab zur Eisenbahnstation nach Langen, wo
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„Lawinen-Franz-Josef “ Mathies (1864 – 1937).
Post und Güter abgeliefert und abgeholt wurde. Im Winter müssen die Fuhrleute mühsam Wege durch Schneemassen freischaufeln. Pferd und Mann stehen oft vor brusthohen Schneebergen. Stürme und Schneewehen tun ein übriges.
Gefangen im Schnee
Am Montag, dem 20. Dezember 1886, ist das Wetter schön und klar. Frühmorgens macht sich der 22-Jährige mit Ross und Schlitten auf die stundenlange Fahrt von Warth über Lech und Stuben nach Langen. Voran läuft sein Hund Juno. Als Tannberger Fuhrmann hat er ein scharfes Messer bei sich, um notfalls rasch die Zugstränge abschneiden zu können. Zudem hat er eine Laterne, eine hölzerne Schneeschaufel und genug Pferdefutter und Nahrung dabei, um bei schlechtem Wetter mehrere Tage ausharren zu können. Die Hinfahrt verläuft gut. Mit Säcken beladen macht sich Franz-Josef am nächsten Tag von Langen auf den Rückweg. Es ist Dienstag, morgens, der 21. Dezember. Wider Erwarten schlägt das Wetter um. Bei leichtem Schneefall kommt der Fuhrmann beim alten Stubener Mondscheinwirt Jakob Kurzemann vorbei. Dieser meint nur: „Wer einen Schneesturm am Flexen erlebt, hat einen Todfeind weniger.“ Franz-Josef treibt sein Pferd an. Allmählich kommt nun auch Wind auf. Am Kurzkehrtobel sieht er eine kleine Lawine abgehen. „Was herunten ist, kann mir nicht mehr schaden“, denkt er sich. Der Fuhrmann behält die bedrohlichen Schneehalden im Auge, vertraut auf sein Glück und seine langjährige Erfahrung. Immer öfter muss er jetzt aber das Fuhrwerk hinter sich lassen und sich den Weg freischaufeln. Es ist gegen Mittag um 11 Uhr, als das Unglück passiert: Vom Felsengrat donnert eine Lawine herab. Franz-Josef sieht die mächtigen Wirbel auf sich zukommen und schreit noch: „Mein Gott und Herr, ich bin verloren!“ Die Schneemassen reißen den 22-Jährigen hinab in Richtung Flexenbach. Zwar gelingt es ihm, sich zu befreien, aber er kommt nicht weit. Eine zweite Lawine stürzt über den Mann hinweg, reißt ihn abermals in die Tiefe und begräbt ihn. Diesmal gibt es kein Entkommen mehr. Gegen 12 Uhr
findet Gendarmerie-Wachtmeister Caviola das herrenlose Fuhrwerk und den winselnden Hund. Der aus Lech kommende Caviola vermutet zunächst, dass Mathies zurück nach Stuben gegangen sei, um sich Hilfe zum Freischaufeln des schmalen Pfades zu holen. Er deckt das zitternde und mit Eiszapfen behangene Pferd mit leeren Mehlsäcken zu und versucht, über den Lawinenschnee nach Stuben zu gelangen. Als ihm jedoch Briefträger Johann Rinderer aus Stuben entgegen kommt, ist klar: Franz-Josef Mathies wurde von einer Lawine erfasst. Rinderer eilt nach Lech und schlägt Alarm. Um 16 Uhr starten acht Lecher und Dorfpfarrer Markus Grabher eine Suchaktion am Flexenpass. Vergeblich. Mittlerweile tobt ein Schneesturm. Total erschöpft erreichen die Helfer gegen Mitternacht Stuben. Mittwoch früh, am 22. Dezember, trifft die Schreckensmeldung in Warth ein. Franz-Josefs Eltern und seine 15 Geschwister sind verzweifelt. Zur selben Zeit sind bereits alle Männer aus Lech und Stuben auf der Suche nach dem Verschütteten. Am Vormittag, 24 Stunden nach dem Unglück, treffen weitere Hilfskräfte aus Warth, dem Klostertal und dem Tannberg ein. Das Wetter ist wieder schön, über Nacht sind jedoch weitere Lawinen abgegangen. Alle Retter befinden sich selbst in Lebensgefahr.
„Franz Josefle, gib acht!“
Franz-Josef Mathies ist indes seit 24 Stunden mit halb aufrechtem Oberkörper rund zwei Meter tief in einer Rinne des Flexenbachs gefangen. 300 Meter von der Absturzstelle entfernt. Das rechte Bein liegt am Rücken, der Oberschenkel ist zweifach gebrochen. Das andere Bein und den linken Arm kann er ebenfalls nicht bewegen. Sie stecken im eisigen Schnee fest. Von der Stirn rinnt Blut über das Gesicht. Dass er noch lebte, ist dem Wasser des Flexenbachs zu verdanken, welches den Schnee lockerte und ihm eine Atemhöhle verschaffte. Schmerz verspürt er keinen. In seinen Gedanken hört er immer wieder seine Mutter: „Franz Josefle, gib acht!“ Die Erlösung kommt 30 Stunden nach dem Unglück, am 23. Dezember
gegen 17 Uhr. Mit seiner rechten Hand erwischt Franz-Josef eine Stange, die ein Retter in den Lawinenschnee bohrt. Man gräbt ein kleines Loch in den Schnee: „Mein Gott, wie geht’s dir?“ „Gut, gut“, kommt es zurück. In die Schneehöhle hinein gibt man ihm zu essen. Dann kriecht Pfarrer Markus Grabher durch die schmale Öffnung und erteilt dem erschöpften Opfer den Segen. Gleich nachdem Franz-Josef herausgezogen worden war, erhält er vom Stubener Pfarrer Dr. Fußangel die Heilige Kommunion. Erst danach wird der Verunglückte nach Stuben gefahren, wo er im Gasthaus zur „Alten Post“ vom Pfarrer in ein Eisbad gesteckt und versorgt wird. Am Abend treffen Ärzte aus Bludenz und Innsbruck ein, die Franz-Josefs schwerst verletzte Beine amputieren wollen. Aber sein Vater Felix lehnt dies kategorisch ab. Er ist ein bekannter Heilpraktiker für Tiere, schwört aber darauf, dass seine Salben und Kräuter auch Menschen helfen könnten. Tatsächlich wird sein Sohn nach zwei Monaten wieder gesund, nur sein rechtes Bein ist etwas kürzer und die Stimme blieb heiser. Drei Jahre später, im Winter 1889, brach sich Franz-Josef bei einem Unfall mit einem Pferd erneut den rechten Oberschenkel. Weil kein Arzt kommen konnte, richtete sein Vater Felix das Bein ein – und es war wieder gleich lang wie das linke. Im Jahr 1890 wurde der Mathies-Hof versteigert, die verarmte Großfamilie zog nach Stuben. Der inzwischen als „Lawinen-Franz-Josef “ bekannte Fuhrmann war von 1897 bis 1903 Pächter eines Gasthauses in Zürs, dann wieder Fuhrmann im Klostertal. Franz-Josef Mathies verstarb am 18. Jänner 1937 in Stallehr. Wenige Tage zuvor sagte er zu seinem Pfarrer: „Jetzt sterbe ich zum zweiten Mal.“ Seinem Wunsch entsprechend wurde er in Stuben beigesetzt. Die neue Flexenstraße, oberhalb von Stuben nach Lech/Warth, wurde von 1895 bis 1908 gebaut. Diese moderne Straße und der Skisport machten aus der armen Region eine der reichsten der Welt.
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„ ICH WAR SELBST EIN VERLORENES KIND“
Das Herz der Schriftstellerin Monika Helfer (69) schlägt für Außenseiter und Suchende. Ihnen verleiht sie in ihren Büchern eine Stimme. Im Interview spricht sie über starke Kinder, über den wahren Kern ihrer Geschichten und über das gemeinsame Schreiben mit Ehemann Michael Köhlmeier.
Text: Annette Raschner Fotos: Frank Andres
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ie meisten ihrer Helden und Heldinnen begegnen den Zumutungen des Lebens mit Mut und einer gewissen Portion an Trotz und Widerstandsgeist: Monika Helfer (69) schreibt vorzugsweise über beschädigte, aber starke Menschen; kleine wie große. Zurzeit ist die in Hohenems lebende Schriftstellerin auffallend produktiv: In der Edition Thurnhof ist soeben das Buch „Nekyia“ mit Offsetfarblithografien von ihrem Sohn Lorenz Helfer in einer limitierten Auflage erschienen, darüber hinaus liegt seit kurzem die CD „Erinnerst du dich an mich?“ mit achtzehn Shortstories von Monika Helfer vor. Kommendes Jahr publiziert der Verlag Jung & Jung einen neuen Roman, und bei Haymon kommt Ende Februar nächsten Jahres „Der Mensch ist verschieden“ heraus, ein Gemeinschaftsbuch von Monika Helfer und ihrem Mann Michael Köhlmeier mit 33 Charakterportraits.
Monika Helfers Heldinnen und Helden zeichnet eine besondere Gabe aus: Courage.
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Monika Helfers blühende Fantasie zeigt sich auch bei der pflanzlichen Gestaltung ihres Wohnzimmers.
marie: Eines Ihrer ersten Bücher, das bereits auf sehr vieles von später verweist, heißt „Die wilden Kinder“. Im Mittelpunkt stehen die beiden Mädchen Bella und Angela, die in der chaotischen Welt der Erwachsenen ihre eigenen Träume vom Glück verfolgen. Kinder, die auf sich alleine gestellt sind; Kinder, die den Problemen der Erwachsenen mit Mut und Pragmatismus begegnen; Solchen Kindern begegnen wir in Ihrer Literatur immer wieder. Etwa auch in „Oskar und Lilli“, ein Buch, für das Sie 1994 den ORF-Hörspielpreis erhalten haben. Darin werden zwei Geschwister nach einer schweren psychischen Erkrankung ihrer Mutter getrennt voneinander bei Zieheltern untergebracht. Monika Helfer: Ich war selbst so ein verlorenes Kind. Als ich elf Jahre alt war, ist meine Mutter gestorben, und ich bin zu meiner Tante gekommen. Plötzlich aus einem behüteten Haus in eine fremde Welt gestoßen zu werden, war sehr schwierig für mich. Ich habe mich völlig überflüssig gefühlt. Das Schreiben war da mein ganz großer Trost. Sie denken sich gerne zu Menschen, denen Sie begegnen, Geschichten aus. Derweil – das könnte ich mir zumindest vorstellen – werden Ihnen vermutlich von diesen Menschen auch viele Geschichten erzählt!? Das kommt vor, aber diese Erzählungen sind dann lediglich Aufhänger für mich. Sie zünden meine Fantasie an.
Man muss nicht viele Ihrer Kurzgeschichten gelesen haben, um zu wissen: Ihr Herz schlägt vor allem für Außenseiter, für Verlorene, für Suchende. Ihnen verleihen Sie eine Stimme. Die Geschichten, die Sie dabei erzählen, sind alltäglich, traurig, manchmal auch tragikomisch. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt. Nicht mehr und nicht weniger. Denn – wie Sie sagen: „Das Elend ist so groß, da muss ich nichts dazu erfinden.“ Würden Sie das als Anmaßung empfinden? Meine Geschichten sind erfunden, aber sie haben alle einen realen Kern. Bei all dem Leid, das tatsächlich existiert, muss ich nichts überhöhen. Es gibt so schlimme Dinge, wenn man sie erzählen würde, wären sie unglaubwürdig. Und dass ich mich vor allem für Verlorene interessiere, halte ich für eine Schriftstellerkrankheit. Die meisten Schriftsteller beschäftigen sich mit beschädigten Menschen. Und im Endeffekt ist ohnehin jeder irgendwie beschädigt. Wir alle erleiden im Laufe unseres Lebens Verletzungen. Wenn ein Mädchen wie Samira in „Die Welt der Unordnung“ erleben muss, wie ihr zehn Wochen alter Bruder stirbt, weil er die Heroinabhängigkeit seiner Mutter übernommen hat, dann ist das schrecklich, aber es passiert. So ist es. Mich fasziniert, dass Kinder, die in einer so problematischen Welt aufwachsen, unglaubliche Kräfte entwickeln. Ich glaube, sie werden häufig un-
terschätzt. Wenn es sein muss, können Kinder unendlich viel! Wenn einer Frau wie der Psychiaterin Josi beide Brüste amputiert werden und sie schließlich nach 20 Jahren Ehe auch noch erfahren muss, dass ihr Mann eigentlich homosexuell ist, fragt man sich, ob Sie mit Ihren Texten auch Mut machen wollen? Ich beabsichtige das nicht, freue mich aber, wenn es passiert. Ich trage keine Botschaft in mir. Das finde ich problematisch, weil sich dann die Poesie verliert. Ihre Texte erscheinen sehr authentisch, gleichzeitig lassen Sie viele Leerstellen, die das eigene Vorstellungsvermögen reizen. Ich mag das selbst gerne. Ich möchte als Leserin eine Möglichkeit des Interpretierens erhalten. Wenn alles haarklein beschrieben wird, regt es mich nicht an. Ist das nicht auch ein kleiner Trick, weil Sie sich nicht gerne beim Schreiben quälen wollen? Das ist richtig. Ich liebe das Schreiben und möchte mich nicht quälen. Darüber hinaus ist es aber auch ein Mangel. Ich kann nämlich nicht episch denken. Ich bin in meinen Gedanken sehr sprunghaft. Das epische Schreiben erfordert eine ganz andere Disziplin. Und das liegt mir nicht. Bei der diesjährigen Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse an Sie und Ihren Mann Michael Köhlmeier >>
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Diese Form war die einzig mögliche für mich. Sie ist atemlos, es gab für mich kein Innehalten. Als der Text fertig war, habe ich ihn Lorenz übergeben. Ich wollte ihm nicht dreinreden. Für mich sind Illustrationen sowieso nur dann interessant, wenn sie eigenständig sind. Schon beim Buch „Diesmal geht es gut aus“, das ich für das Kinderdorf geschrieben habe, habe ich mit meinem Sohn derart zusammengearbeitet. Im Frühjahr 2017 wird im Haymonverlag „Der Mensch ist verschieden“ erscheinen. Eine kleine Sammlung von 33 Charakterportraits, die Sie mit Michael Köhlmeier entwickelt und geschrieben haben. Wie kann man sich dieses gemeinsame Schreiben bei Ihnen beiden vorstellen? Wir haben das über die Jahre immer wieder gemacht. Ich habe das Äußere des Menschen beschrieben, Michael den Charakter. Es handelt sich um erfundene Personen, wobei sie schon gewisse Vorbilder haben. Ich habe begonnen, und Michael hat weiter gemacht. Das hat deshalb funktioniert, weil wieder jeder was Eigenes gemacht hat. Anders wäre es nicht gegangen, denn wir sind beide sehr eigensinnig. Im Frühjahr nächsten Jahres erscheint von Ihnen bei Jung und Jung ein weiteres Buch. Der Roman „Schau mich an, wenn ich mit dir rede“. Im Mittelpunkt stehen zwei zerrissene Familien, die einander kennen. Eine gute situierte und eine weniger gut situierte. Erstere bewegt sich nach unten, letztere nach oben. Das habe ich spannend gefunden. „Ich will schreiben, bis ich umfalle“ haben Sie in einem Interview gesagt. Da Sie nie zu Pathos neigen, nehme ich ein, dass Sie den Satz genauso meinen, wie Sie ihn gesagt haben? Absolut. Ich muss es schließlich ausnützen, so lange es läuft. Wobei man vorsichtig sein muss, wenn man einen so genannten Lauf hat. Gerade, wenn dieser Lauf in der Nacht stattfindet. Da ist man oft grundlos begeistert und unkritisch. Der Vormittag ist viel nüchterner. Die Nacht blendet! Herzlichen Dank für das Gespräch.
Ja,
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hat Dorothea Zanon in ihrer Laudatio einen schönen Satz gesagt: „Monika Helfers Blick auf die Welt und ihre Art zu schreiben fallen in eins: Sie ist, wie sie schreibt, sie schreibt, wie sie ist.“ Eine solche Haltung ist eine sehr selbstbewusste. Dennoch hat es den Anschein, als hätten Sie aus dieser Haltung heraus schon Ihre ersten Bücher geschrieben? Der Prozess des Schreibens gibt mir die größte Sicherheit. Ohne Computer oder früher ohne Schreibmaschine bin ich viel unsicherer. Mein Ton war vermutlich immer ähnlich. Allerdings hoffe ich natürlich, dass ich mich schon verbessert habe. Schreiben Sie täglich? Ja. Früher, als alle Kinder noch im Haus waren, ging das nicht. Da hatte ich meine Zettel, und manchmal habe ich etwas aufgeschrieben. Ich hatte ganze Schuhschachteln voller Sätze. Wenn ich Zeit fand, habe ich die Sätze abgeschrieben und meine Geschichten so aus der Sprache heraus entwickelt. Mittlerweile mache ich das ganz anders, weil ich Zeit und Ruhe habe. Ich zaudere nicht beim Schreiben. Wenn mir was nicht passt, streiche ich es. Fertig. Schreiben ist ein Handwerk. Bei langen Pausen ist es schwierig, im Fluss zu bleiben. Wenn man hingegen dran bleibt, kommen Gedanken, von denen man gar nicht wusste, dass man sie überhaupt hat. Wenn man zaudernd schreibt, ist es lediglich eine gehemmte Angelegenheit. Wer ist Ihr erster Leser? Michael. Er ist streng. Aber ich bin das auch bei ihm. Sonst hätte das keinen Sinn. Manchmal ist man dann zwar gekränkt und uneinsichtig, aber schließlich ändert man doch einiges. Schriftsteller werden meist als Einzelgänger wahrgenommen. Sie sind jedoch eine Autorin, die gerne auch zusammenarbeitet. Zum Beispiel mit Ihrem Mann, aber auch mit Ihrem Sohn, dem Künstler Lorenz Helfer. Mit letzterem haben Sie ein ganz besonderes, ein sehr persönliches Buchprojekt realisiert: „Nekyia“. Dreizehn Jahre nach dem Tod Ihrer Tochter Paula haben Sie die Form eines Klagegesangs gewählt.
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VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html
Foto: Veranstalter
Mo., 2. Jänner, 21 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: frei
GRATIS NEUJAHRSKONZERT: MONTAGUE
Montague ist nicht nur der Nachname von Romeo, sondern auch der Bandname der Indie-/Alternativ Rockband aus Dornbirn. Montague kreieren ihren eigenen Sound, der sich zwischen verzerrten Gitarren, Synth-Sounds und akustischen Gitarren, kombiniert mit Flügelhorn, bewegt. Somit kann sich das Publikum entscheiden, ob es tanzen oder melancholisch zuhören will.
Do., 5. Jänner, 20 Uhr, Reichshofsaal Lustenau, Eintritt: 21,-/18,- Euro ermäßigt
Sa., 7. Jänner, 15 Uhr, Kammgarn Hard, Eintritt: 6,- Euro
NEUJAHRSKONZERT
Felix auf der Leiter Felix ist allein im Garten. Als er die alte Stehleiter sieht, hat er eine wunderbare Idee. Er baut sich eine Schaukel, mit der er bis in die Wolken schaukeln kann. Da passiert etwas Seltsames. Vor Felix steht ein großes kugelrundes Ding mit wirren Haaren und will unbedingt mit Felix schaukeln. Ein Kindertheater um Gefühle und Emotionen. Für Menschen ab 3. Weitere Termine: jeweils Sonntag, 08./15./22. Jänner.
Nach dem fulminanten Auftritt der Sinfonietta Lustenau beim Konzert-Abo 2016, bestreitet das Lustenauer Musikschul-Orchester auch heuer den Auftakt in die neue Abosaison. Die Solistinnen heißen Lena Fischer (Cello, geb. 1995) und Sophie Gigerl (Violine, geb. 2003). Leitung: Doris Glatter-Götz. Kartenreservierung unter T +43 (0)5577 8181-305 oder kultur@lustenau.at.
Do., 5. Jänner, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
Sa., 7. Jänner, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
NEUJAHRSJAZZFESTIVAL 2017: KOMPOST 3
NEUJAHRSJAZZFESTIVAL 2017: JAZZ LIVE TRIO
Was 2009 in einer WG in Wien entstand, kann aktuell als eine der spannendsten jungen Formationen der österreichischen Jazz & Impro-Szene angesehen werden. 2010 erschien ihr Debütalbum „Kompost 3“. Konzerte in ganz Europa, Mexiko und den USA folgten. 2014 gewann die Formation den internationalen Jazzwettbewerb „Bremer Jazzpreis 2014“.
Do., 5. Jänner, 20:30 Uhr, Kammgarn Hard, Eintritt: 17,-/20,- Euro
MALEMA
Alle Jahre wieder: Im neuen Jahr der erste Pflichttermin für alle Malema-Fans und solche, die es noch werden wollen. 6 Musikerinnen die rocken, soulen, funken, sounden und Spaß machen. Mitsingen und Mittanzen sind eindeutig erwünscht!
Fr., 6. Jänner, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
Foto: Lukas Gansterer
Mi., 4. Jänner, 21 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: frei
GRATIS NEUJAHRSKONZERT: MAVI PHOENIX
Der irgendwo zwischen Elektropop, Hip-Hop und R&B angesiedelte Sound der Oberösterreicherin ist einer, der auf erfrischend ungekünstelte Weise aus den Boxen schallt und gerade auch deswegen einlädt, ein zweites und drittes Mal hinzuhören. Zudem hat die 19-Jährige mit „Green Queen“ einen Song in petto, der durchaus Hitqualitäten besitzt.
PUPPENTHEATER HARD
NEUJAHRSJAZZFESTIVAL 2017: JUIA SIEDL
„Julia Siedl und ihre zwei Mitstreiter bringen frischen Wind ins Jazzleben, nicht nur von Wien. Aber vor allem ist es ein Trio, dass die Zukunft im Blick hat. Was man in diesem Genre, geprägt von langweiliger Nostalgiepflege und vielen epigonenhaften Interpreten, in den vergangenen Jahren nicht oft sagen konnte. Das sind mindestens zwei gute Nachrichten für den Jazz.“ (Uwe Killing)
Ursprünglich als Haustrio einer Jazzkonzert-Reihe des Schweizer Radios SRF schon in den 60er Jahren unter Bandleader Klaus Koenig gegründet, erfährt es mit den beiden jungen Ausnahmemusikern Patrick Sommer und Andi Wettstein ein ungewöhnliches neues musikalisches Leben.
So., 8. Jänner, 11 Uhr, Vorarlberger Landestheater, T-Cafe, Bregenz, Eintritt: frei
MEIN KAMPF
Matinee In entspannter Atmosphäre sprechen wir gemeinsam mit dem Publikum über die entstehende Inszenierung des Theaterstücks von George Tabori. Sie erfahren Wissenswertes zum Hintergrund der Arbeit und lernen das Team kennen. Premiere ist am Samstag, 14. Jänner, um 19:30 Uhr im Großen Haus.
Mo., 9. Jänner, 14 Uhr, Alpin- und Tourismusmuseum Gaschurn, Eintritt: freiwillige Spenden
ALTES HANDWERK „SPINNSTUBE“
Alte Handwerkstechniken zu pflegen und sich mit Interessierten auszutauschen, das ist das Ziel der neuen Veranstaltungsreihe zum Projekt „Altes Handwerk“. Gemeinsam versuchen wir aus gereinigter Schafwolle Garn zu spinnen. Wer ein Spinnrad zuhause hat, kann dies gerne mitbringen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich.
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Veranstaltungskalender
Di., 10. Jänner, 14 Uhr, Montafoner Bergbaumuseum Silbertal, Eintritt: frei
SILBERTALER DORFGESPRÄCHE
In gemütlicher Runde wird vom Leben im Montafon anno dazumal erzählt, von kleinen und großen Ereignissen, von Bräuchen und Traditionen und von der einen oder anderen amüsanten Dorfbegebenheit. Bitte bringen Sie auch alte Fotos, historische Schriften oder andere Lebens erinnerungen mit.
So., 15. Jänner, 18 bis 20 Uhr, Jugendheim Rankweil, (gegenüber Bahnhof), Eintritt: 10,- Euro
Sa., 21. Jänner, 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 11,-/ 9,-; AK 12,-/10,- Euro
SPIRITUELLES SINGEN
LEHRERKONZERT DER MUSIKSCHULE BLUDENZ
Mit Wolfgang Kremmel Wir singen zu Gitarrenbegleitung einfache Lieder aus verschiedenen Kulturen und Religionen – Mantras, Herzenslieder, Kraftlieder. Die Mantras und Lieder entspannen den Geist und öffnen das Herz. Eingeladen sind alle, auch Menschen, die meinen, „nicht singen zu können“. Wer sprechen kann, kann auch singen. Singen ist Medizin! In Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk.
Do., 19. Jänner, 20:30 Uhr, Kammgarn Hard, Eintritt: 22,-/19,- Euro
CONSTANZE LINDNER
Foto: Veranstalter
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Mi., 11. Jänner, 19 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 10,-/ermäßigt 8,-/ Kinder 6,- Euro
Jetzt erst mal für immer Ob als Comedian, Schauspielerin oder Sängerin: Constanze Lindner ist ein Bühnentier. Sie erobert das Publikum mit ihrer unvergleichbaren Spielfreude, mit Mut zur Hässlichkeit und entwaffnendem Charme, der im deutschen Kabarett seinesgleichen sucht. Ausgezeichnet mit dem Bayerischen Kabarettpreis 2016 (Senkrechtstarter).
Do., 12. Jänner, 16 bis 17 Uhr, Bibliothek Lustenau, Pontenstr. 20, Eintritt: frei
VORLESESTUNDE DER LUSTENAUER LESEPATEN
Die Lustenauer Lesepaten lesen Kindern zwischen 3 und 8 Jahren vor. Keine Anmeldung nötig!
Mi., 25. Jänner, 19 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 10,-/ermäßigt 8,-/ Kinder 6,- Euro
PATERSON
LeinwandLounge Ein Busfahrer in der Kleinstadt Paterson verfolgt seine tägliche Routine und wird zum genauen Beobachter des Lebens rund um ihn herum. - „Es ist schon famos, mit wie wenig Story-Substanz Indie-Ikone Jim Jarmusch ein berührendes Drama aus dem Hut zaubert.“ (Programmkino.de) USA/ Frankreich/Deutschland 2016, 117 min, englische O.m.U.
Mi., 25. Jänner, 20:30 Uhr, Kammgarn Hard, Eintritt: frei
FRANTZ
LeinwandLounge Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kreuzen sich am Grab eines gefallenen deutschen Soldaten die Wege einer jungen Deutschen und eines Franzosen. „Ein filmisches Meisterwerk über die Kunst des Verzeihens - und die Kunst der Lüge.“ (Der Spiegel). Veranstalter: Verein allerArt in Kooperation mit der Bludenz Kultur gGmbH, dem Stadtmarketing Bludenz und dem Land Vor arlberg. Frankreich/Deutschland 2016, 113 min, deutsch-französische O.m.U.
Neben barocken Werken (u.a. das Harfenkonzert von G.F. Händel) gibt es auch neuere Musik aus Brasilien und anderes zu hören. Julia Großsteiner, Sopran; Theresa Schapfl, Harfe; Carlos Peralta, Gitarre; Thomas Greiner, Flöte; Susanne Mayr, Flöte; Agnes Téglás, Cello. Veranstalter: Bludenz Kultur.
HÖHERE GEWALT
Foto: Veranstalter
Fr., 20. und Sa. 21. Jänner, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/AK 22,- Euro
KABARETT: MASCHEK DAS WAR 2016
Der großangelegte Jahresrückblick 2016. Peter Hörmanseder und Robert Stachel reden über das Jahr der Wahl der Qual. Mit den besten Clips aus „Willkommen Österreich“ im Original, remixed oder extended, dazu bisher nicht Gezeigtes.
Mittwochskino Eine junge schwedische Familie macht Skiurlaub in den Alpen. Plötzlich geschieht die Katastrophe: Eine Lawine rast mit voller Wucht auf sie zu. Panisch ergreift Mutter Ebba die beiden Kinder – panisch ergreift Vater Tomas die Flucht. Als sich der Nebel legt, sind alle unversehrt. Das große Unglück ist zwar ausgeblieben, doch zurückbleibt der Schock über Tomas‘ Handeln. Die Kinder streiken, die Ehe kriselt. Regie und Drehbuch: Ruben Östlund, 2014.
Do., 26. Jänner, 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 12,-/ Studenten, Jugendliche, Pensionisten: 10,- Euro
DER TROST DES NACHTHIMMELS
Lesung und Gespräch mit Michael Köhlmeier Der Roman ist ein erzählerisches Meisterwerk über Blüte und Zerfall eines islamischen Reiches. Mit epischer Kraft, den Scharfsinn und die Ohnmacht seiner Protagonisten im Blick, schildert der große bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört. Karahasan, 1953 geboren, lebt in Graz und Sarajevo.
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Fr., 27. Jänner, 15 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: Erwachsene 10,-/ Kinder 7,- Euro
KEIN PÄCKCHEN FÜR SANDO
Foto: Juha Reunanen
Do., 26. Jänner, 20 Uhr, Gemeindehaus Nüziders, Eintritt: 22,- Euro
SVÄNG
Eine berührende Geschichte über Ausgrenzung und Migration, für Kinder ab 6 Jahren. Ein Theaterstück über das Schicksal des zehnjährigen Sando, der sein Geburtstagspäckchen nicht bekommen hat, weil seine Oma auf dem Weg zur Post tödlich verunglückt ist. Sando versucht, sich ganz allein zu seinen Eltern durchzuschlagen, die in Österreich arbeiten. Doch der Weg durch Rumänien ist lang und gefährlich für einen Zehnjährigen. Regie: Annette Scheibler.
Das Repertoire der vier Mundharmonika-Visionäre aus Finnland ist weit gefasst und so laden die Herrn zu einer außergewöhnlichen Klangreise: eine freigeistig, lustvoll und mit rhythmischer Vitalität zelebrierte Musikmelange. Zeitgenössische Mundharmonikamusik, die derzeit wohl kein zweites Mal in dieser Kompaktheit und Virtuosität zu finden ist.
Do., 26. Jänner, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/ AK 22,- Euro
JAZZ&KICKS: DAVE KING TRIO
In seinem eigenen Trio wollte der feurige Schlagzeuger Dave King aus den USA die Tradition des „Straight Jazz“ mit Einflüssen der Avantgarde schaffen. Für das Piano holte King den großartigen Bill Carrothers, der als Wunderkind und Erbe des traditionellen Jazzpianos von Bill Evans gilt. Er empfahl zudem den Bassisten Billy Peterson für das Trio. Peterson ist einer der vielseitigsten Musiker, dessen Karriere in die 60er Jahre zurückreicht.
Fr., 27. Jänner, 21 Uhr, Gemeindehaus Nüziders, Eintritt: 15,-
SECONDLINE
„Handverlesene“ Songperlen aus Jazz, Soul, American Roots-Music und New Orleans-Grooves verschmelzen eigenständig interpretiert zu einem homogenen Ganzen. Mit Sabine Raidt/Vocal, Mark Holzmaier/Guitar, Klaus Raidt/E-Piano, Hammond und Pit Martinelli/Drums.
Sa., 28. Jänner, 15 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 7,- Euro
KINDERTHEATER HÖCHST – HOTZENPLOTZ 3
Wegen guter Führung wird der Räuber Hotzenplotz vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und beschließt, von nun an ein friedlicher Bürger zu werden. Doch bald gerät er in Verdacht, eine Kristallkugel gestohlen zu haben. Können Kasperl und Seppl die Unschuld des Räubers beweisen?
Sa., 28. Jänner, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 12,-/ Studenten, Jugendliche, Pensionisten: 10,- Euro
TOTALE RELIGION
Foto: Cornelia hefel
Jan Assmann, Vortrag und Gespräch mit Michael Köhlmeier Die weltweite Bedrohung durch religiös motivierten Terrorismus und Gewalt scheint größer zu sein als je zuvor. Der Ägyptologe und Kulturtheoretiker Jan Assmann geht dem möglichen Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und dem absoluten Wahrheitsanspruch der monotheistischen Religionen nach.
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Fr., 27. Jänner, 20:30 Uhr, Kammgarn Hard, Eintritt: 17,-/20,- Euro
AJA SOUL GROUP
Die ‚Aja Soul Group’ ist ein musikalischer Lichtblick in Zeiten von zahl- und wahllosen Hitparadenstürmern aus der kategorischen Soul und R&B Ecke. Soul mit Message vom Feinsten. Don’t miss it! (Klaus Kohler).
Fr., 27. Jänner, 21 Uhr, Gemeindehaus Nüziders, Eintritt: 15,- Euro
JAZZDEBAKEL
Grenzen zwischen verschiedenen Stilen auszuloten und auch zu überschreiten ist die Herausforderung für die Band „Jazzdebakel“. Für Jazzdebakel gibt es keine Grenzen zwischen Pop-, Jazz- und auch Clubmusik. Bianca Reichart/Vocal, Walter Summer/Bass und Vocal, Thomas Dür/Klavier, Thomas Summer/Schlagzeug und Ulrich Mayr/ Trompete.
Foto: Veranstalter
Sa., 28. Jänner, 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: VVK 19,-/ AK 22,- Euro
KONZERT: MAYITO RIVERA
Mario „Mayito“ Rivera ist einer der bedeutendsten, zeitgenössischen Sänger Kubas. Über 20 Jahre lang war er die markante Stimme und das Gesicht der erfolgreichsten kubanischen Band Los Van Van. Für seine herausragende Stimme gewann er unter anderem zusammen mit Los Van Van den Grammy-Award.
Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.
Auf Vorarlbergs Straßen zuhause:
&marie
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