#12 / Dezember 2016
2,50 Euro
davon 1,25 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
„Ich bin jetzt stärker denn je“
Wie eine arbeitslose Bregenzerin sich und anderen hilft.
Coole Jungs mit Kochlöffel Delikat, gesund: Rezepte aus dem Jugendtreff Dornbirn.
Die Feldkircher Szene Die marie begleitete einen Streetworker bei der Arbeit.
Hoi, s´Elektrisch isch do Vor 100 Jahren floss Strom erstmals in Vorarlberg.
Geben, oder nicht
Bettelnde Menschen, Straßenmusikanten, Spendensammler: Sie gehören längst zum Straßenbild auch in Vorarlberg. Und sie stellen uns vor eine moralische Frage: Geben, oder nicht? Die marie hat Experten gefragt, wem und wie sie was schenken. S. 14/15
Foto: Shutterstock
Denn die Hirten, einfache Menschen, sind plötzlich einfach losmarschiert. Gefürchtet haben sie sich sicher immer noch. Aber sie haben es gewagt zu hoffen – auf das Kind, auf das Wunder, auf Gott.
2/
Bischof Benno Elbs
www.kath-kirche-vorarlberg.at Bezahlte Anzeige
#12 / Dezember 2016
Mittendrin in V 4-5 Bild des Monats 6-7 „Heute bin ich stärker denn je“ Dominique, seit 17 Jahren immer wieder arbeitslos 9-10 Arbeitsplatz Straße marie begleitet Streetworker auf ihrem Einsatz 12-13 Ehrenamtliches Engagement Marlene Peter entlastet junge Familie 14-15 Geben oder nicht geben? Vier ExpertInnen geben Rat 18 Chance auf Arbeit 25 Jahre Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte 20-21 Vom Glück, geboren zu werden Ein Dialog über Abtreibung 21 Impressum 22-23 (Alltags)flucht Siegertext von marie-Leserin Pauline Tagwerker 26-27 Zuhause im Wohnwagen Ansgar Haskamp und sein Leben am Campingplatz 28-29 Ein Lichtschimmer der Freundlichkeit Deutsch-Café in Mäder für Asylwerber 30-31 Weihnachtsumfrage marie-Verkäufer und ihre Wünsche ans Christkind 32-33 Ein Visionär, der anpackt Der soziale Unternehmer Gernot Jochum-Müller 34-35 Coole Truppe mit Kochlöffel Jungs kochen im Jugendtreff in Dornbirn auf 37 Gegen Ende Das etwas andere Adventsgedicht von Stefan Vögel
International 38-39
Im Leid vereint Ein Doppelmörder und ein Vergewaltigungsopfer
Gsi 40-41
Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, fast genau ein Jahr ist es her, als die erste Ausgabe der marie erschienen ist. Genauer gesagt am 8. Dezember 2015, an Mariä Empfängnis. Damals kam die Erstausgabe der Vorarlberger Straßenzeitung im Lkw auf dem Parkplatz des Bonetti-Hauses in Dornbirn an. Akkurat auf Paletten gestapelt. Doch Verkäufer war weit und breit keiner zu sehen. Per Zufall bekamen wir den Tipp, dass es im Oberland jemanden geben soll, der dort eine andere Straßenzeitung verkauft. Wir besuchten den Mann in Bludesch und fragten, ob er sich vorstellen könnte, die marie zu verkaufen. Der Mann heißt Gafari, er ist Flüchtling und stammt aus dem Benin. Er sagte spontan zu. Und heute, fast ein Jahr später, ist Gafari noch immer im Team der marie dabei. Inzwischen ist die marie-Familie gewachsen. Sie zählt heute rund 100 VerkäuferInnen, von Bregenz über Au bis St. Gallenkirch. Das freut uns, macht uns aber gleichzeitig auch demütig. Denn auch wir hegten zu Beginn zwar den Optimismus und die Hoffnung, aber hatten beileibe keine Sicherheit, dass ein solches Straßenzeitungs-Projekt in Vorarlberg funktionieren kann. Und zwar ganz ohne öffentliche Fördermittel, also auf Gedeih und Verderb auf der Akzeptanz und dem Wohlwollen der heimischen Bevölkerung aufgebaut. Jetzt wissen wir, es funktioniert. Dafür möchten wir allen danken, die zum Gelingen der marie beigetragen haben. Vor allem unseren treuen LeserInnen, VerkäuferInnen, InserentInnen, den SpenderInnen, den MitarbeiterInnen und allen anderen, die wir möglicherweise vergessen haben zu erwähnen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Freude beim Lesen der marie, eine besinnliche Adventszeit und frohe Weihnachten. Herzlich, Frank Andres, marie-Redakteur
„Hoi, s‘Elektrisch isch do“ Vor 100 Jahren floss der Strom erstmals im Ländle
Kultur 42-43 „Da hat die Krebshilfe Schwein gehabt“ Bernie Weber über Karriere, Kumpels und Musik 44-46 Veranstaltungskalender
Rätsel 47 Weihnachtsrätsel marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
Kontaktieren Sie uns
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
/3
Bild des Monats
4/
#12 / Dezember 2016
Herbergssuche Foto: Frank Andres
Jürgen (47) und Mary (38) wünschen sich nichts sehnlicher als eine gemeinsame kleine Wohnung mit Küche, Dusche und WC. Doch der Traum hat sich bisher nicht erfüllt. Stattdessen müssen sie in der Nähe des Bahnhofs Feldkirch mit einem Unterschlupf Vorlieb nehmen. Ihr Domizil ist knapp 1,2 Meter hoch und etwas mehr als zwei Meter lang. Heizung und sanitäre Anlagen: Fehlanzeige. Die marie hat die Beiden im Rahmen einer Streetworker-Reportage besucht. Mehr dazu lesen Sie auf den Seiten 9/10.
/5
Mittendrin in V
„Heute bin ich stärker denn je“
Dominique B. (33) aus Bregenz ist seit 17 Jahren immer wieder von Arbeitslosigkeit betroffen. In ihren schlimmsten Phasen fühlte sie sich, als sei sie nichts wert, und sie wäre beinahe erkrankt. Sie hat aber alle Tiefs überwunden. Mit dem „Netzwerk für Arbeitssuchende“, das sie gegründet hat, hilft sie sich selbst und anderen. Ende November wurde das Netzwerk von der Stadt Bregenz ausgezeichnet.
6/
Dominique B. ist eine Kämpferin und lässt sich so leicht nicht unterkriegen. Text: Elisabeth Willi Fotos: Frank Andres
D
ominique B. ist eine mutige Frau. Denn Mut erfordert es, öffentlich über seine jahrelange Arbeitslosigkeit zu sprechen – besonders in einem Land wie Vorarlberg, in dem Arbeit so viel wert ist und arbeitslose Menschen in den Augen einiger „nur zu faul zum Arbeiten sind“. Nicht immer war die Bregenzerin so selbstbewusst. Sie verheimlichte – wie viele andere Arbeitssuchende – ihre Situation, da sie sich dafür schämte. Doch Dominique wuchs an den Herausforderungen und stand immer, wenn sie wieder einmal gefallen war, gestärkt auf. Seit 17 Jahren ist die 33-Jährige in unregelmäßigen Abständen arbeitslos. Sie
ist gelernte Gärtnerin und arbeitete auch in einigen Gärtnereien, sie machte Zusatzausbildungen und war in der Jugendarbeit, im Verkauf sowie in der Gastronomie tätig. In den 17 Jahren absolvierte sie sieben Praktika und war in 15 Betrieben fix angestellt. Das längste Arbeitsverhältnis dauerte zwei Jahre und acht Monate. Wegen unüberbrückbaren Differenzen von beiden Seiten wurden die Dienstverhältnisse aufgelöst. Viele ihrer Arbeitsstellen waren aber auch befristet, zum Beispiel in der Gastronomie. Dominique war in all diesen Jahren bei über 100 Vorstellungsgesprächen, schrieb zahlreiche Bewerbungen, fragte in vielen Betrieben direkt nach Arbeit, informierte sich über 1000 Berufe beim Bifo, suchte Jobs im Internet, erstellte Mindmaps – und dachte sich immer öfter
„Was könnte ich noch machen? Was für ein Potential habe ich noch?“ Die Arbeitslosigkeit wirkte sich verheerend auf Dominiques Selbstbewusstsein aus, vielen anderen Arbeitssuchenden ergeht es ebenso, meint sie. „Man fühlt sich wertlos, klein und nicht gebraucht“, beschreibt sie. „Ich fragte mich: ‚Bin ich es wert, Freundschaften zu haben? Bin ich es wert, eine Liebesbeziehung zu haben?‘“ Die Folge davon: Dominique zog sich zurück. Je mehr Misserfolge sie hatte, desto öfter dachte sie, mit ihr stimme etwas nicht. Durch diese Unsicherheit vertraute sie ihrer eigenen Meinung, ihrem eigenen Gefühl nicht mehr: „Man verliert sich komplett und macht Dinge, die einem nicht gut tun. Man bewirbt sich bei Betrieben, obwohl man weiß, das passt nicht. Solch eine Ar-
#12 / Dezember 2016
beit funktioniert dann nicht, das System spuckt einen wieder aus.“ Laut Dominique wird der Druck, unter dem ein arbeitsloser Mensch steht, von vielen unterschätzt. „Man ist geboren, um tätig zu sein. Man will mitten in der Gesellschaft sein und nicht, wie es als Arbeitssuchender ist, am Rande stehen“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Es ist unglaublich, was Arbeitslosigkeit mit einem macht. Es ist nicht ertragbar, wenn man keine Arbeit hat.“ Als sie vor zwei Jahren gekündigt wurde und erneut unter psychischem Druck und Stress stand, erkrankte sie beinahe an einem Burnout. „Heute bin ich dankbar, dass es so war. Denn dadurch habe ich begonnen, auf meine innere Stimme zu hören.“ Sie habe im richtigen Moment die Notbremse gezogen. „Ich hatte viele Schutzengel. Sonst würde ich jetzt nicht hier sitzen.“
„Das Licht kommt zurück“
Generell hat sie durch die vielen Rückschläge gelernt: „Auch wenn eine Verletzung noch so krass ist, der Schmerz wird täglich weniger. Ich weiß, es geht weiter, und das Licht kommt zurück. Es ist nur eine Frage der Zeit.“ Mit dieser Einstellung überwand sie all die Tiefs. Und das waren zahlreiche. „Heute bin ich stärker denn je“, sagt sie und ballt die Faust. Eine Kämpferin also? „Ja, ich bin eine Kämpferin.“ Einen neuen Job hat Dominique seit ihrer letzten Kündigung noch nicht gefunden – dafür aber eine sinnvolle, wenn auch unbezahlte Aufgabe, die sie mit viel Herzblut und Engagement erledigt: Sie hat vor mehr als einem Jahr das „Netzwerk für Arbeitssuchende“ gegründet, leitet es und möchte es weiter ausbauen. Menschen auf Jobsuche treffen sich zweimal pro Monat im Lebensraum Bregenz, um sich zu vernetzen und auszutauschen (mehr Infos siehe Factbox). Üblicherweise werden arbeitslose Menschen von Be-
ratern betreut, die laut Dominique zwar gut sind, die einen Arbeitssuchenden aber nicht so verstehen wie jemand, der in derselben Situation ist. „Bei unserem Netzwerk erfahren die Teilnehmenden: Es geht anderen genau wie mir, ich bin nicht alleine.“ Dominique selbst geben diese Treffen ebenfalls viel, unter anderem ist dadurch ihr Selbstbewusstsein gestärkt worden. Und nun wurde ihre Idee sogar ausgezeichnet: Ende November erhielt das Netzwerk von der Stadt Bregenz den Anerkennungspreis beim Wettbewerb um den Zukunftspreis 2016/17.
Wird sich alles regeln
Die langen Phasen der Arbeitslosigkeit beeinflussten natürlich auch die finanzielle Situation der 33-Jährigen. Sie lebt von der Notstandshilfe. Längere Zeit wohnte sie bei ihren Eltern, seit Anfang November hat sie nun wieder eine eigene Wohnung. Ihr Geld teilt sie sich strikt ein. Dadurch bringt sie ein bisschen was auf die Seite, um sich auch einmal etwas gönnen zu können. Ängste vor finanziellen Einbußen in der Pension plagen sie nicht. „Was soll ich darüber nachdenken, was in dreißig Jahren ist. Wir wissen nicht, was sich bis dahin alles tut“, sagt sie. Sie habe gelernt, Vertrauen zu haben, irgendwie werde sich alles regeln. Außerdem: „Wenn man so oft ohne Job dasteht, hört man auf, das Leben zu planen.“ Auch wenn Dominique keiner geregelten Arbeit nachgeht, sind ihre Tage strukturiert. Sie steht gegen 8 Uhr auf und geht gegen halb zwölf ins Bett. Untertags hat sie Termine, etwa beim AMS oder rund um das Netzwerk für Arbeitssuchende Menschen. Sie trainiert regelmäßig Power Plate – „Das brauche ich“, sagt sie. Und sie trifft abends Freunde oder Bekannte. „Ich ziehe mich nämlich nicht mehr zurück“, erklärt sie bestimmt. Als Inhaberin des Kulturpasses erhält sie bei manchen kulturellen Veranstaltungen
freien oder ermäßigten Eintritt.Eine gewisse Normalität wohnt ihrem Alltag also inne. Was sie allerdings schon seit Jahren nicht mehr hatte: das Gefühl von Urlaub. „Manche denken zwar, Arbeitslosigkeit sei wie Urlaub. Das ist aber definitiv nicht der Fall.“ Einerseits sei Arbeit suchen nämlich auch eine Arbeit. Andererseits schalte man im Urlaub normalerweise ab – wer arbeitssuchend sei, denke hingegen immer daran, dass er keinen Job hat. HINWEIS: Dominique B. sucht Menschen, die sie beim Ausbau des „Netzwerk für Arbeitssuchende“ unterstützen. Interessierte können sich bei ihr melden unter netzwerk.arbeitssuchende@yahoo.com
Netzwek für Arbeitssuchende Die Treffen finden jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat, um 14.30 Uhr, im Lebensraum Bregenz in der Clemens-Holzmeister-Gasse 2 statt. Die Teilnehmenden können anonym bleiben, Versicherungsnummer ist keine anzugeben. Das Alter der arbeitssuchenden Menschen liegt zwischen 20 und 60 Jahren, vom Akademiker bis zum Lehrling sind viele Berufsgruppen vertreten. Die Treffen dauern an die 1,5 Stunden mit Vorstellungs- und Hauptrunde, in der vor allem Erfahrungen miteinander ausgetauscht werden. Dominique B. möchte im Rahmen des Netzwerkes künftig Fokusrunden anbieten. Dabei würden Vertreter eines bestimmten Berufes – zum Beispiel Gärtner – im Dialog feststellen, welches Potenzial in der Gruppe vorhanden ist. Dadurch könnte viel Neues und Positives entstehen, meint Dominique B. E-Mail-Anfragen an: netzwerk.arbeitssuchende@yahoo.com
/7
Patenfamilie
Dringend Patenfamilien gesucht, die einem unbegleiteten, minderjährigen Flüchtling zwischen 12 und 17 Jahren ein neues Zuhause geben wollen. Kontakt & Infos: Pflegekinderdienst, Vorarlberger Kinderdorf, T +43/(0)5522/82253-0, E-Mail pkd@voki.at 8/
Bezahlte Anzeige
Manchmal schauen uns aus alten Körpern unglaublich junge, wilde Seelen an. [ Joh n O ` Do n ohu e ] Bestellen Sie gratis das neue Programmheft Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast www.arbogast.at | 05523 62501-0 www.facebook.com /arbogast.bildungshaus Bezahlte Anzeige arbogast_inserat marie_november+.indd 1
14.11.16 10:29
Vorarlberger Tag der Menschenrechte Schwerpunktthema: Die Vielfalt menschlicher Würde 10. Dezember 2016 | 16:00 Uhr Pförtnerhaus | Feldkirch Vortrag von Georg Schärmer (Caritasdirektor Tirol) zum Thema „Menschliche Würde in Vielfalt: Zum Zusammenspiel von Menschenrechten, gelebter Praxis und Menschenwürde mit anschließendem Open Space, gemütlichem Beisammensein mit Kaffee, Gebäck und Buffet sowie Konzert mit der Band N.I.K.O. (Klassik, Soul, Jazz, HipHop). Durch das Programm führt „Frau Heimpl“ (Elke Maria Riedmann). Musikalische Umrahmung des Programmes durch Los U.K.L.A.L.A. Jede/r ist ganz herzlich eingeladen, dabei zu sein! Veranstaltet von der Vorarlberger Plattform für Menschenrechte, www.menschen-rechte-leben.at Bezahlte Anzeige
#12 / Dezember 2016
Jürgen und Mary sind ein Paar. Die beiden wünschen sich ein kleines, gemeinsames Zimmer.
Wieder glücklich vereint: Chihuahua Benito fühlt sich im Arm seines Herrchens richtig geborgen. Gemeinsam im Streetworker-Einsatz: Sozialarbeiterin Heike Duelli und der Leiter des Caritas Café in Feldkirch, Peter Wieser.
Arbeitsplatz Straße Streetworker in Feldkirch betreuen bis zu 40 schwer drogen- und alkoholabhängige Menschen. Und zwar vor Ort, an öffentlichen Plätzen in der Innenstadt. Die marie sprach mit Peter Wieser (48), dem Leiter des Caritas Café, über seinen herausfordernden Job und begleitete ihn auf einem Rundgang. Text und Fotos: Frank Andres
P
eter Wieser ist ein erfahrener Sozialarbeiter. Er kennt die Probleme und Nöte der Drogen- und Alkoholabhängigen in Feldkirch. Sie kommen in „sein“ Caritas Café am Bahnhof Feldkirch, um mit ihm zu plauschen, Mittag zu essen oder um sterile Spritzen zu holen. Aber der studierte Jurist weiß, dass es eine soziale Betreuung dieser Menschen auch außerhalb des Cafés braucht. An öffentlichen Plätzen in der Innenstadt. An Orten, wo sie sich treffen, wo Drogen gemeinsam konsumiert werden. „Es gibt Leute, die mit keinem stationären Angebot erreicht werden können“, weiß Wieser.
Erfolgreich unterwegs
Fünf hauptamtliche Sozialarbeiter der Caritas sind mehrmals wöchentlich als Streetworker in der Stadt unterwegs, um drogensüchtige bzw. alkoholkranke Menschen zu besuchen. „Wir
wollen wissen, was in der Szene los ist, welche Substanzen konsumiert werden“, betont Wieser, der selbst als Streetworker im Einsatz ist. Primäre Aufgabe sei es, Schäden zu minimieren, den betroffenen Personen zu helfen, dass sie möglichst gut überleben können. Das Leistungsspektrum reicht von Erster Hilfe bis zum Spritzentausch. Der Erfolg gibt dem 48-Jährigen Recht. „Als ich 1998 bei der Caritas angefangen habe, gab es in Feldkirch eine ausgeprägte Heroinszene. Die Zahl der Todesopfer in Vorarlberg lag damals bei bis zu 20 pro Jahr. Heute sind es durchschnittlich drei bis fünf.“ Und wie hat sich das Konsumverhalten in den letzten knapp 20 Jahren verändert? „Heute werden viele Substanzen gleichzeitig eingenommen. Opiate wie Heroin und Morphium genauso, wie Kokain, Schlaftabletten und Alkohol. Und vor kurzem hatte ich den ersten Fall von Crystal Meth (Anmerkung der Redaktion: eine synthetisch hergestellte Substanz). Das war ganz schlimm.“ Als Streetworker haben Wieser und seine Mitarbeiter aber >>
/9
Mittendrin in V
Es kommt immer wieder vor, dass Drogenkonsumenten ihre gebrauchten Utensilien zurücklassen. Der städtische Wegmacher Kerim räumt dann den Müll wieder weg,
10 /
auch eine Art Brückenfunktion. „Wenn sich ein Anrainer aufregt, dass eine gebrauchte Spritze in seinem Hausflur liegt, versuchen wir vermittelnd einzugreifen. Es gibt zudem immer wieder gemeinsame Sitzungen mit Verantwortlichen der Stadt, Anrainern und den Polizeidienststellen“, erklärt der zweifache Familienvater.
Mit 16 Jahren richtig drauf
Derzeit betreuen Peter Wieser und sein Team 30 bis 40 Personen, insgesamt sind es über das Jahr verteilt zirka 150 verschiedene Suchtkranke, mit denen die Streetworker auf der Straße Kontakt haben. Drei Viertel davon sind Männer, ein Viertel Frauen. Das Alter der Streetwork-Klientel liegt zwischen 25 und 55 Jahren, und es wohnt im Großraum Feldkirch. Einer von ihnen ist Jürgen. Der heute 47-Jährige hat schon eine lange Drogenkarriere hinter sich. Mit 16 Jahren konsumiert er bereits harte Drogen, spritzt Heroin. „Ich war schon damals richtig drauf “, erinnert er sich. Jürgen geht nach Zürich, ist Teil der Drogenszene am Platzspitz. Später reist er nach Holland. Die Drogen schwächen ihn nicht nur gesundheitlich, sondern bringen ihn auch ins Gefängnis. Ein Jahr muss er absitzen, im Mai 2016 kommt er frei. Wohnung hat er keine, in die Notschlafstelle will er nicht. Stattdessen lebt er mit seiner Freundin Mary (38) draußen. „Teilweise haben wir in einer Kapelle übernachtet“, erzählt er. Seit kurzem hat er zusammen mit Mary ein überdachtes Zuhause. Er wohnt in Bahnhofsnähe, in einem 1,20 Meter hohen und knapp zwei Meter langen Verschlag. Nur eine Matratze hat Platz. „Bei diesen Temperaturen ist das immer noch besser, als draußen zu schlafen“, betont Jürgen vor allem das Positive an der derzeitigen Situation. Duschen und Essen könnten er und Mary im Caritas-Café. Nur in der Nacht sei es etwas laut. „Da scheppert es wegen der Züge manchmal“, sagt Mary. Und was ist ihr größter Wunsch? „Ich wünsche ein Zimmer mit Küche, Duische und WC.“ Peter Wieser und seine Kollegin Heike Duelli (42) gehen weiter in Richtung Innenstadt. Am Jahnplatz befindet sich
die Notschlafstelle der Caritas und hinter dem Haus ein alter Eisenbahntunnel. Es ist einer von knapp 25 Treffpunkten der offenen Drogenszene in Feldkirch. Personen sind keine da, aber neben dem Bahngleis liegen gebrauchte Drogenutensilien. „Wir achten darauf, dass keine Spritzen herumliegen. Da reagieren Passanten sehr empfindlich“, erklärt Heike Duelli. Die Streetworker bekommen dabei auch Unterstützung von städtischen Mitarbeitern. Kerim (60) ist Wegmacher und meldet solche Müllplätze bzw. räumt den Abfall weg. In der Innenstadt herrscht Adventstimmung. Vorweihnachtliche Klänge ertönen, es duftet nach Maroni und Lebkuchen. An der Ecke Domplatz-Schmiedgasse treffen wir auf Markus (44). In der Hand hält er seinen Chihuahua Benito. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Vor einem Jahr allerdings kam ihm sein fünf Jahre altes Hündchen abhanden. „Ich saß zusammen mit Benito in einem Tankstellen-Bistro und plötzlich explodierte ein Böller“, erzählt er, als ob es erst gestern passiert wäre. Benito reagiert panisch, rennt aus der Tankstelle. Davor parkt ein Bus, die Fahrertür steht offen. Benito stürmt hinein. Die Tür schließt sich und der Bus voller Pensionisten setzt sich Richtung Ancona in Bewegung. Markus kontaktiert das Busunternehmen. Er erreicht schließlich den Chauffeur am Telefon. Der teilt ihm mit, dass er Benito bei der Autobahnabfahrt Feldkirch-Altenstadt aussteigen hat lassen. Markus sucht die Gegend ab, fünf Stunden lang. Doch von Benito keine Spur. „Alle sagten schon zu mir, dass ich mir einen neuen Hund anschaffen sollte.“ Nach 15 Stunden schließlich das Happy-End. Benito findet den Weg zum Stammlokal seines Herrchens, die Bahnhofsreste in Feldkirch. Als Markus dort ankommt, hält ihn Frauchen im Arm. Nach zwei Stunden geht es für die beiden Streeworker zurück ins Caritas Café. Zum Abschluss will ich von Peter Wieser noch wissen, ob ihn der sehr fordernde Job nach 16 Jahren nicht schon manchmal ins Burn-Out getrieben habe. „Warum?“, fragt er zurück. „Ich habe doch einen tollen Job, der mir zudem viel Spaß macht.“
#12 / Dezember 2016
STEN U L FÉ onat
CA g
AU
M im ngarten! ta hütze n c S o im A C en M R t SP ers n de e J
N HE
_MENSCHEN, KULTUREN UND SPRACHEN treffen einander im Sprachencafé Lustenau.
Bezahlte Anzeige
/ 11
Wir lieben warme Füße!
Es wird Deutsch - Spanisch – Englisch – Italienisch – und Französisch gesprochen. Im Zentrum des Sprachencafés steht die Begegnung von Menschen. Menschen mit Offenheit und Interesse für andere Sprachen und Kulturen!
Alle sind dazu herzlich eingeladen, es ist keine Anmeldung erforderlich. Wir freuen uns sehr über Ihr Kommen! _Termine 2016 / 2017: 3.10.16 7.11.16 5.12.16
Jänner entfällt 6.2.17 6.3.17
3.4.17 8.5.17 Juni entfällt
_Sprachencafé Lustenau im Schützengarten, Schützengartenstraße 8 jeden ersten Montag im Monat von 19.00 bis 20.30 Uhr Kosten pro Abend: EUR 5,Für Rückfragen oder weitere Informationen: Edith Erne oder Lisa Kempter T 0699 19104784 zusammenleben@lustenau.at www.lustenau.at
Wir lieben warme Füße! schuhe.möbel.spiele. 6850 Dornbirn · Schulgasse 1 +(0)5572/284 94 · office@klueckar.at www.klueckar.at
Bezahlte Anzeigen
Bezahlte Anzeige
Mittendrin in V
Was Mama hilft, tut auch der Helferin gut Die Ehrenamtlichen HelferInnen der „Familienimpulse“ entlasten junge Familien, die privat wenig Unterstützung erhalten. Nicht nur für die Familien sind die HelferInnen eine Bereicherung – umgekehrt bekommen auch die Ehrenamtlichen viel zurück, wie Marlene Peter (60) aus Andelsbuch betont. Sie ist seit vier Jahren dabei – und das aus guten Gründen. Text und Foto: Patricia Erne
W
orum es bei „Familienimpulse“ geht? Um Menschen, die gerne mit und um Kinder sind. Die etwas zurückgeben und eine helfende, rückenstärkende Hand sein wollen. Von Hausaufgaben machen, vorlesen, basteln, ins Freie gehen, radeln oder auf dem Spielplatz toben: Menschen wie Marlene Peter (60) aus Andelsbuch machen das - und zwar ehrenamtlich. Vor allem aber sehr, sehr gerne, wie sie betont. Ihre leuchtend-fröhlichen Augen bestätigen das, wenn sie über ihre „zweite“ Familie spricht. Die Rede ist vom Programm „Familienimpulse“ des Vorarlberger Kinderdorfes (nähere Infos siehe Factbox rechte Seite). Wie sie dazu kam? Die 60-Jährige ist selbst Mutter zwei erwachsener Kinder und hat sich vor vier Jahren eine entscheidende Frage gestellt: Wie gehe ich mit meiner Zeit um? Und vor allem: Was will ich damit Sinnvolles machen? „Die Antwort darauf war laut und deutlich“, lacht sie und zeigt auf die vielen Kinderbücher auf ihrem Wohnzimmertisch: „Vorlesen!“. Und das stimmt tatsächlich, denn im Rahmen der „Familienimpulse“ liest sie, nebst anderen Aktivitäten, auch vor. Derzeit einem kleinen Jungen, mit dem sie wöchentlich drei Stunden Zeit verbringt. Und was die Mama des Kleinen inzwischen macht? „Na hoffentlich ihre Batterien aufladen“, sagt Marlene und lacht. „Deshalb bin ich da. Für eine kleine Auszeit – für die Frau selbst oder damit sie wichtige Dinge erledigen kann. Wer zum Beispiel alleinerziehend ist, weiß dass schon wenige Stunden ‚kinderfrei’ eine enorme Entlastung sein können. Nicht jeder hat ein funktionierendes Netzwerk aus Eltern, Freunden und Vertrauten um sich. Und schon gar nicht, wenn das Leben einem vielleicht nicht immer nur Rosen gestreut hat.“
12 /
„Großer Respekt vor diesen Frauen“
Marlene Peter liebt es, Kindern vorzulesen. Bei ihrer Tätigkeit als ehrenamtliche Helferin tut sie dies oft.
Dass Marlene Peter selbst Mutter ist, hilft ihr natürlich bei ihrer Tätigkeit als – ja, als was eigentlich? Ist sie nun eine Art Oma, eine freundschaftliche Bekannte oder ein Babysitter? „Von allem ein bisschen vielleicht etwas. Aber in erster Linie ein Mensch, der sich dem Kind annimmt, es dort abholt, wo es ist und ihm eine schöne Zeit beschert, während Mama entlastet wird“. Temporäre Familienbegleiterin trifft es aber auch irgendwie, findet die ehemalige Bankangestellte, welche die wöchentliche Zeit in ihrer zweiten Familie mit dem Buben und seiner Mama sehr genießt. „Zwar hat man mich geholt, um zu helfen.
#12 / Dezember 2016
Aber ich bin es, die Danke sagen muss. Dass ich etwas zurückgeben und für eine bestimmte Zeit Teil eines anderen Lebens sein darf – also das der Kinder vor allem. Man bekommt so viel zurück, kann im Kleinen wirklich Großes bewegen und wird auch ein Stück dankbarer, so ganz generell. Ich habe großen Respekt vor diesen jungen Frauen, die alles geben – auch in schwierigeren Zeiten.“
Geben können ist das Schönste
Das Schönste sei für sie allerdings das Geben können, sagt Marlene Peter. „Man glaubt gar nicht, wie froh und glücklich das einen selbst macht! Das ist mit nichts zu vergleichen. Ich kann nur beide Seiten – zukünftige Ehrenamtliche und junge Familien – ermutigen, einen genaueren Blick auf die ‚Familienimpulse‘ des Vorarlberger Kinderdorfes zu werfen. Es könnte ihrer beider Leben sehr bereichern ... . Einzige ‚Nebenwirkung‘: positive, unterstützende Impulse, die große Freude machen.“
FAMILIENIMPULSE
Die „Familienimpulse“ gehören zum Präventivbereich des Vorarlberger Kinderdorfes, der junge Familien im Alltag entlastet. Ehrenamtliche HelferInnen kümmern sich für einige Stunden um die Kinder. Mitarbeiterinnen des Kinderdorfes bringen Familien und Ehrenamtliche zusammen und begleiten sie professionell. Infos: www.vorarlberger-kinderdorf.at Ehrenamtliche gesucht Das Kinderdorf sucht ehrenamtliche HelferInnen für die „Familienimpulse“. Was diese mitbringen sollten? Die Liebe zu Kindern, Zeit und den Wunsch, unterstützend tätig zu sein. Die Ehrenamtlichen erhalten ein Grundlagenpaket für den Einstieg, eine spezielle Ausbildung ist nicht nötig. Interessierte können sich bei Frau Hauer melden: 0676 4992078 (MO bis FR, 8.30 bis 11.30 Uhr) oder unter familienimpulse@voki.at
Amos Postner, in Lustenau geboren und in Rankweil aufgewachsen, ist 23 Jahre alt. Er lebt, schreibt und studiert in Wien.
„ES GEHT UNS GUT“ Die letzten Zeitzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus werden alt und sterben. Das Wort „Weltkrieg“ ersetzt endgültig die lebhafte Erinnerung an Fliegerlärm und Maschinengewehrsalven. Es schläft sich sicher in Österreich. Wenn etwas das Leben eines Dreiundzwanzigjährigen auszeichnet, dann womöglich, dass er keine Albträume zu haben braucht. Hat er sie trotzdem, gerät er in Verdacht, selbst daran schuld zu sein. „Es geht uns gut“ – diesen Titel trägt ein Buch von Arno Geiger, in dem ein junger Mann sich dazu herausgefordert sieht, sich mit der Geschichte im Allgemeinen und mit seiner Familiengeschichte im Besonderen auseinanderzusetzen, schlussendlich aber für sich zu keinem abschließenden Ergebnis kommt. „Es geht uns gut“, werden auch die Dreiundzwanzigjährigen von heute nicht müde zu beteuern. Was so viel heißt wie „Wir schlafen sicher“ und
„Wir träumen schön“. Tatsächlich erfreut sich dieser Satz seiner Beliebtheit aufgrund seiner Unbestimmtheit. Selten erkundigt man sich danach, womit, warum und unter welchen Bedingungen es uns eigentlich gut geht. Es beschleicht einen das Gefühl, dass lieber nicht danach gefragt werden soll, woher das eigene Wohlbefinden rührt. Das „Es geht uns gut“ wird allzu oft durch fragloses Hinnehmen der gesellschaftlichen Verhältnisse erkauft, was sich für die Jugend als teures Tauschgeschäft entpuppt. Sie wird in ihrem Anrecht, auch mal unbequem zu sein und auf Fragen keine Antwort zu haben, sondern diese in erster Linie einmal zu stellen, beschnitten. Als wirksamste Strategie erweist sich dabei, die vermeintliche Orientierungslosigkeit der „Generation … What?“ anzuprangern. Wer mit 23 noch nicht weiß, wohin, dem wird bereits ein Versagen in der Karriereplanung unterstellt. Die Diskussion um Mindeststudienzeiten, gekürztes Kindergeld (nur bis zur Vollendung des 24. Lebensjahres) und immer wieder ins Spiel gebrachte Studiengebühren tun ihr Übriges dazu, Druck aufzubauen. Anstelle Sachverhalte zu problematisieren, geht es unter diesen Bedingungen primär darum, in einem nicht zu gewinnenden Wettlauf möglichst schnell mit
dem Studium oder der Ausbildung „fertig zu werden“ und die eigene Arbeitsmarkttauglichkeit unter Beweis zu stellen. Passend dazu gilt an Schulen (und auch zunehmend an Universitäten) die Beschäftigung mit Bildungsinhalten für überholt. Was an den Bildungsstätten erworben werden soll, sind flexibel in der Erwerbstätigkeit einsetzbare Kompetenzen. Ob jemand seine „Lesekompetenz“ dabei an Gebrauchsanweisungen oder an Goethes Faust schult, scheint eher von sekundärem Belang zu sein. Die Frage, was Literatur, Kunst, Philosophie, Naturwissenschaft, Technik oder eben auch Wohlstandsthemen mit einem selbst zu tun haben, gerät damit aus dem Blick, weil diese Form der Auseinandersetzung scheinbar ökonomisch nicht rentabel ist. Eine eigene Sicht auf Problemstellungen zu entwickeln, wird so immer schwieriger, da sie immer weniger gefordert wird. „Es geht uns gut“, denkt der Dreiundzwanzigjährige von heute. Ob er an dieses unzweifelhafte Statement die Frage „Und was hat das mit mir zu tun?“ anschließt, wird offenkundig nicht mehr erwartet. Daher die Bitte: Erwarten Sie es!
/ 13
Mittendrin in V
Beim Betteln auf der Straße werden Not und Bedürftigkeit sichtbar.
Foto: Bettina Bohne
Geben oder nicht geben? Sie stehen in Fußgängerzonen, knien in Unterführungen, gehen durch Bahnabteile: Bettelnde Menschen. Sie stellen uns jeden Tag vor moralische Fragen: Wem soll man geben? Und wie viel? Vier ExpertInnen geben Rat. 14 / Interviews: Frank Andres, Robert Thoma Fotos: Diözese Feldkirch, Frank Andres, privat
CORNELIA MATT (52), Geschäftsführerin der Kaplan Bonetti Sozialwerke
Soll man einem Trinker oder Rauschgiftsüchtigen Geld geben? Nach meiner Erfahrung verbirgt sich hinter jeder Suchterkrankung eine Lebensgeschichte. Wenn ich einem Menschen Geld gebe, tue ich es, ohne zu urteilen, wie er sein Leben gestaltet. Wichtig ist, dass es in unserer Gesellschaft möglich ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Jeder soll auch selbst entscheiden, ob er/sie ein Geld gibt oder nicht. Was halten Sie vom Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“? Also nur denjenigen Geld zu geben, die sich bemühen, es selbst zu verdienen, zum Beispiel indem sie Musik machen, Rosen oder Straßenzeitungen verkaufen. Betteln ist eine Erwerbstätigkeit auf der Straße, die sehr unterschiedlich sein kann, so unterschiedlich die Menschen selbst sind. Jeder tut das, was er am besten kann. Armut ist der Ausgangspunkt, warum Menschen auf der Straße ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Die Frage ist, wie wir eine solidarische Gesellschaft gestalten, in der es eine Grundsicherung für ein Leben in Würde für alle gibt, sodass niemand mehr zu betteln braucht.
Wie entscheiden Sie, wem Sie Ihr Geld geben? Ich entscheide ganz spontan auf der Straße, wem ich Geld gebe. Es gibt keine bestimmte Gruppe, ich habe verschiedensten Menschen schon Geld gegeben: InländerInnen, MigrantInnen, Notreisenden, Jungen, Älteren, Menschen mit Behinderungen, Kriegsveteranen, auch Kindern, vor allem in den Ländern des Südens. Kann man das Leid des Einen gegen jenes des Anderen aufwiegen, um zu entscheiden, wem man spendet? Ich allein kann nicht jedem Bettler, jeder Bettlerin ein Geld geben, auch wenn ich es gerne tun würde. Ich verlasse mich daher auf die Solidarität vieler Menschen, die gerne Geld spenden. Umso größer die Zahl der SpenderInnen ist, desto eher bekommen alle Menschen auf der Straße ein Geld für ihr Überleben. Ich kann nicht längerfristig jeder Frau, jedem Mann die Situation erleichtern. Ich kann für einen Moment aufmerksam sein und einen kleinen Beitrag leisten, die ärgste Not zu lindern.
#12 / Dezember 2016
BENNO ELBS (56), Bischof der Diözese Feldkirch
MATTHIAS SUTTER (48), Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an den Universitäten Köln und Innsbruck
WALTER SCHMOLLY (50), Direkor der Caritas Vorarlberg
Was ist der Unterschied zwischen Betteln auf der Straße und dem Herumreichen eines Körbchens während des Gottesdiensts? Beim Betteln auf der Straße werden Bedürftigkeit und Not sichtbar. Das haben wir in Vorarlberg lange Zeit so nicht gekannt. Die Bitte armer Menschen berührt, sie fordert eine persönliche Antwort. Das Sammeln beim Gottesdienst ist auch ein Ritual. Die Verwendung ist ganz klar angesagt – für einen sozialen oder kirchlichen Zweck. Da wie dort kann ich entscheiden, ob und wieviel ich geben will an Aufmerksamkeit, Zeit und Geld. Wie entscheiden Sie, wem Sie Ihre Spende geben? Oft spontan, aus dem Gefühl. Manchmal lege ich auch vorher ein „Budget“ fest, wieviel ich heute geben kann oder will. Brauche ich ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich einem Bettler kein Geld geben will?
Grundsätzlich nein. Betteln ist ein Menschenrecht, ebenso aber auch die Entscheidung, ob oder wieviel ich gebe. Wenn ich mich in Ruhe mit der Frage beschäftige, finde ich meine Gewissens-Antwort. Nach dieser versuche ich dann in der Situation zu handeln. Kann man Nächstenliebe lernen? Ganz gewiss. Jeder Mensch, dem ich in die Augen schaue, von dessen Bedürftigkeit ich mich anrühren lasse, bringt mich mit meiner eigenen Menschlichkeit in Berührung. Dann weiß ich, dass Hilfsbedürftigkeit jeden – manchmal sehr schnell – treffen kann. Und: In jedem Menschen kann uns Gott begegnen. Ein Wegweiser dabei kann das Wort Jesu sein: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“
Eine Frau bettelt auf der Straße. Wenige Meter entfernt, steht ein Mann und macht Musik. Wem würden Sie Geld geben? Dem Musiker, wenn er wirklich musizieren kann. Viele Menschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich nur für einen Bettler und damit gegen viele andere entscheiden. Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Nein, denn ich fürchte, niemand kann die Not aller Menschen lindern. Viele Institutionen sind auf Spenden angewiesen. Hat da der Staat versagt? Aus meiner Sicht eher nein. Der Staat kann nicht für alles zuständig sein, weil das auch die Steuerlast der einzelnen Bürger arg über Gebühr erhöhen würde.
Wie kann Geld gerechter aufgeteilt werden? Die Antwort auf diese Frage hängt stark davon ab, welche Vorstellung von Gerechtigkeit jemand hat. Beispielsweise halten viele Menschen es für gerecht, wenn jene Person mehr bekommt, die mehr für eine Sache geleistet hat. Andere würden wiederum Gleichverteilung – unabhängig vom Beitrag des einzelnen – als gerecht erachten. Ich neige mehr zur ersten Interpretation. Was halten Sie von einem bedingungslosen Grundeinkommen? Das ist eine interessante Idee. Jedoch habe ich Zweifel an der Finanzierbarkeit und auch an den Folgen für die Leistungsanreize.
Sollte man lieber an eine Hilfsorganisation spenden anstatt an Bettler? Man kommt nicht umhin, sich zu entscheiden, wem man mit seiner Spende Gutes tun und was man unterstützen will. Und da gibt es viele Nöte und Bedürfnisse, die man nicht gegen einander ausspielen soll. Eine Unterscheidungshilfe kann die Frage sein, wo und wie die Spende mehr bewirkt. Aber wenn ich einem Bettler bzw. einer Bettlerin begegne, dann geht es ja meist nicht so rational zu. Da geht es zunächst darum, mich zumindest ein bisschen auf die Begegnung mit dem bettelnden Menschen einzulassen. Und dann weiß ich im Normalfall, ob ich etwas geben will oder nicht.
Sollte man lieber einem einzelnen Bettler viel Geld spenden oder das Geld auf mehrere Bettler gerecht aufteilen? Die Einkünfte der bettelnden Menschen bei uns sind sehr bescheiden. Aber es hilft ihnen auch schon das Wenige, das sie einnehmen. In ihrer Not ist es ihnen jedenfalls so viel wert, dass sie das Elend des Bettelns auf sich nehmen. Also wenn es um einen Betrag geht, bei dem sich das Aufteilen lohnt, plädiere ich für das Aufteilen. Wie entscheiden Sie spontan auf der Straße, wem Sie Geld schenken? Voraussetzung ist, dass ich in der Situation die Möglichkeit habe, mich kurz auf den Menschen, der um Geld bittet, einzulassen. In der Regel gebe ich dann ein- bis zweimal am Tag etwas.
/ 15
Schenken mit Sinn kommt an! Alle Geschenke, die Sie bei uns im Webshop auswählen können, sind Dinge, die armutsbetroffene Menschen dringend brauchen. Drei Beispiele, wie die Aktion „Schenken mit Sinn“ im vergangenen Jahr gewirkt hat: • 90 Esel mit Eselkarren und 860 Ziegen wurden in Äthiopien an arme Familien übergeben. • 27 Schultaschen, vollgefüllt mit Lernmaterialien und Bekleidung, wurden hier im Land an bedürftige Kinder verteilt. • 84 Babypakete erhielten Vorarlberger Familien als Grundausstattung.
schenken mit Sinn. Eine Ziege zu besitzen und Zicklein züchten zu können, sichert in Äthiopien das Auskommen einer ganzen Familie.
16 /
Schenken Sie doch heuer eine Ziege! Sinnvoll helfen! Für Almaz in der äthiopischen Kleinstadt Meki war schon vergangenen Monat Weihnachten. Über die „Schenken mit Sinn“-Aktion der Caritas bekam sie zwei Ziegen geschenkt. Die Ziegen helfen der Frau auf vielfältige Weise: Almaz ist Witwe und lebt in der äthiopischen Kleinstadt Meki. Die Dürre der vergangenen Monate hat die sechsfache Mutter oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Die Ernte auf dem Feld war verdorrt, sie wusste schlichtweg nicht mehr, wie sie ihre Kinder vor dem Hungertod bewahren konnte. Die Kinder zur Schule zu schicken war undenkbar, weil sie mit leerem Magen den langen Schulweg nicht geschafft hätten. Durch die Spenden, die über die Aktion „Schenken mit Sinn“ der Caritas übergeben wurden, bekam sie zwei Ziegen als Starthilfe zum Aufbau einer kleinen Tierzucht. Michael Zündel von der Caritas AusBezahlte Anzeige
landshilfe war dabei, als sie die Tiere übernehmen konnte und erzählt von ihrem strahlenden Gesicht. „So wie für Almaz und ihre Familie kann schon eine einzige Ziege einen Neuanfang bedeuten“, berichtet er. Der Grund ist, dass der Großteil der Bevölkerung Äthiopiens von der Landwirtschaft lebt, doch der Ertrag ist gering. Besonders Witwen, Alleinerzieherinnen und Frauen mit vielen Kindern sind von Armut betroffen. Eine gute Tat „zum Anfassen“: Mit einem Geschenk mit Sinn haben Sie die Möglichkeit auf originelle Weise doppelt Freude zu schenken! Egal für welchen Anlass Sie eines unserer Geschenke auswählen: Mit jedem einzelnen bereiten Sie Ihren FreundInnen, Bekannten oder KollegInnen eine Freude und schenken gleichzeitig Menschen in Not ein Stück Lebenshilfe. Alle Geschenke finden Sie hier: www.schenkenmitsinn.at
Babygrundausstattung für einen guten Start ins Leben
Schenken mit Sinn – Geschenke zur Auswahl 1. Wählen Sie Ihr Geschenk: www.schenkenmitsinn.at Finden Sie ein Geschenk für Ihre Lieben und helfen Sie damit Menschen in Not. Bestellungen bis zum 15. Dezember werden rechtzeitig vor Weihnachten versendet. Wenn es eilt, können Sie alternativ das Billet auch selbst ausdrucken (mittels DownloadLink). 2. Billet mit Infos Sie erhalten ein schönes Billet per Post mit Informationen über das Projekt zum verschenken. 3. Doppelt Freude schenken Mit einem Geschenk mit Sinn machen Sie den Beschenkten Freude und bewirken auch ein Stück Lebenshilfe. Sie haben noch Fragen? Rufen Sie uns an: Nicole Heim T 05522-200 1088
#12 / Dezember 2016
ES GEHT UM UNS ALLE
Foto: Frank Andres Hanni Agostini, langjähriges Mitglied beim „Postfach für jeden“, half tatkräftig bei der letztjährigen Lebensmittel-Weihnachtsaktion mit und verpackte unzählige Lebensmittel in die Pakete.
Weihnachtsaktion für hilfsbedürftige Familien Der Verein „Postfach für jeden“ führt jedes Jahr eine Lebensmittel-Weihnachtsaktion durch. Dieses Jahr zum 35. Mal. Zirka 20 HelferInnen packen Mitte Dezember Lebensmittel in Pakete, die dann bedürftige Familien in Vorarlberg erhalten. In eineinhalb Tagen stellen die HelferInnen 700 Pakete zusammen. Etwa 80 davon werden über das „Postfach für jeden“ an die Familien weitergegeben, der Rest wird von anderen Vorarlberger Hilfs-
institutionen abgeholt und zugestellt. Die Lebensmittel kommen zu einem kleinen Teil von Spar-Geschäften in Dornbirn, die meisten werden durch Geld, das der Verein über Spenden eingenommen hat, finanziert. HINWEIS: Spendenkonto: Verein Postfach für jeden, Raiffeisenbank Im Rheintal, IBAN: AT83 3742 0000 0420 0010
Das Friedenskraftwerk Vorarlberg hat ein Statement zur Migration als Herausforderung und Chance für den Frieden veröffentlicht. Mit diesem Papier bezieht der Verein Stellung zu aktuellen Konflikten rundum die Themen Migration, Asyl und Interkulturalität und weist so auf Wege des Friedens hin. „Es geht um uns alle“ lautet der Titel – weil es in den betreffenden Konflikten nicht nur darum geht, ob wir „den Anderen“ zur Seite stehen oder nicht. Julia Felder vom Friedenskraftwerk Vorarlberg führt aus: „Es geht um unser aller Freiheit in Gemeinschaft, anders sein zu dürfen. Wir wollen ein Teil der Gesellschaft sein dürfen und Zugang zu den gemeinsamen Lebensgrundlagen haben, auch wenn wir anders sind. Dieser Wunsch vereint uns trotz aller Unterschiedlichkeit und trotz der unterschiedlichen Bereitschaft, sich ‚dem Anderen‘ zu öffnen. Wie können wir also auf Gemeinschaften bauen, in denen wir auch in der Unterschiedlichkeit zusammenhalten? Wie können wir auch zukünftigen Generationen ermöglichen, eine Konfliktkultur miteinander aufzubauen?“ Zu diesen Fragen können sich Interessierte auf der Homepage des Friedenskraftwerks inspirieren lassen: www.friedenskraftwerk.at
Frastanzer Verein setzt sich für Flüchtlinge ein Der Verein Kultur10Vorne hat das ehemalige Gasthaus „Zur Frohen Aussicht“ in Frastanz renoviert und nutzt es für vielseitige Zwecke. Der Reinerlös aller Vereinsaktivitäten kommt Asylwerbern zugute. Künstler können in dem Gasthaus und dem Gastgarten verschiedene Veranstaltungen durchführen. Wöchentlich findet ein Lerncafé für Kinder aus Frastanz – auch mit migrantischem Hintergrund – statt und jeden Freitag die „Nähparade“. Dazu sind alle Interessierten eingeladen. Aus Afrikadamast, der dem Verein geschenkt wurde, werden Stoff-
taschen genäht, die in der Vorweihnachtszeit gegen freiwillige Spenden in Geschäften der Region erhältlich sind. Am 3. Dezember, 10 bis 20 Uhr, findet im Gasthaus der jährliche Adventbasar des Vereines statt. Neben dem Verkauf von weihnachtlichen Geschenken und Kunsthandwerk stehen Musik des Gitarrenensembles und Chores der Musikschule Walgau und eine Lesung der Schlinser Autorin Marlene Kilga auf dem Programm. Es gibt zudem ein afghanisches Buffet sowie Waffeln und Glühwein, und Kinder können sich im kreativen Gestalten üben.
Foto: Kultur10Vorne Jeden Freitag veranstaltet der Verein die „Nähparade“. Es werden Stofftaschen genäht, die dann verkauft werden.
/ 17
Mittendrin in V KAPLAN BONETTI ARBEITSPROJEKTE Angebotene Dienstleistungen: Industrielle Lohnarbeiten: Zusammenbau diverser Komponenten, Maßbohrungen, Schleifen, Verpackungs- und Steckarbeiten uvm. im Auftrag heimischer Industriebetriebe. Holzarbeiten: Herstellung einfacher Holzprodukte wie Kisten, Regale, Fußschemel, Futter- und Nistkästen. Altmetall-Recycling: Sortenreine Trennung von Kabeln und metallhaltigen Maschinen oder Geräten. Außendienstleistungen: Hausmeisterdienste, Gartenarbeiten, Landschaftspflege, Flurreinigungen, Umzüge, Kleintransporte, Entrümpelungen uvm. Reinigung: Reinigung von Büros, Stiegenhäusern, Allgemeinflächen uvm. Wäscherei: Waschen und Bügeln von Tischwäsche, Bettwäsche, Arbeitskleidung uvm.
Foto: Lisa Mathis
18 /
Foto: Markus Gmeiner
Von Metall bis Holz: Im Rahmen der Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte werden verschiedenste Tätigkeiten angeboten.
Auch einfache Holzprodukte werden hergestellt.
CHANCE AUF ARBEIT Seit 25 Jahren gibt es die Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte. Sie bieten langzeitarbeitslosen Menschen Beschäftigung und die Möglichkeit, auf dem regulären Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen zu können.
K
aplan Emil Bonetti gründete 1991 den Verein „Arbeitsprojekt Haus der jungen Arbeiter“. Ziel war die Integration der Bewohner des „Hauses der jungen Arbeiter“ in den Vorarlberger Arbeitsmarkt. In dem Arbeitsprojekt wurden ihnen einfache, industrielle Komplettierungsarbeiten sowie Tischlereiarbeiten angeboten. Das Angebot der Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte richtet sich heute in erster Linie an langzeitarbeitslose bzw. von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Menschen. Ihre Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt sind gering. Die Gründe dafür: fehlende Qualifikationen, mangelnde Sozialkompetenz, gesundheitli-
che Einschränkungen, für die Wirtschaft wenig attraktive Lebensläufe mit langen Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lücken, Haftzeiten etc.
Erwerb und Sozialkontakte
Durch die Beschäftigung und entsprechende Begleitmaßnahmen werden die langzeitarbeitslosen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Leistungsfähigkeit gefördert und für einen Wiedereintritt in den ersten Arbeitsmarkt befähigt und unterstützt. Weitere positive Effekte der Beschäftigung sind eine Tagesstruktur, Einkommen, Erwerb von Versicherungszeiten, Sozialkontakte usw.
Momentan haben elf Menschen einen Dauerarbeitsplatz bei den Kaplan Bonetti Arbeitsprojekten. 70 ArbeitnehmerInnen sind vorübergehend beschäftigt, die durchschnittliche Dauer ihrer Beschäftigung beträgt 4,5 Monate. Diese Verweildauer soll künftig verlängert werden. Ein weiteres Vorhaben ist die Einrichtung von Dauerarbeitsplätzen für ältere, langzeitarbeitslose Menschen. Zusätzlich sollen Kampagnen zur Bekämpfung von Vorurteilen gestartet werden. Menschen wollen arbeiten, schaffen es oft aber nicht zu den Bedingungen, die der Arbeitsmarkt fordert. Deshalb brauchen sie Unterstützung.
#12 / Dezember 2016
Übrig. Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems bis 19. Februar 2017
Bezahlte Anzeigen
Villa Heimann-Rosenthal Schweizer Str. 5, Hohenems www.jm-hohenems.at Museum & Café: Di bis So und feiertags 10 – 17 Uhr Bezahlte Anzeigen
Einzigartig ist auch Ihre Unterstützung. Danke! spenden.vorarlberger-kinderdorf.at/ Hypo Landesbank Vorarlberg IBAN: AT60 5800 0000 1103 0114, BIC: HYPVAT2B Bezahlte Anzeigen
/ 19
Mittendrin in V
Vom Glück geboren zu werden
Melanie Corn (36) und Sybille Grafl (37) nennen die Dinge beim Namen. Ihre Texte und Dialoge kommen von Herzen und rühren an.
Text: Simone Fürnschuß-Hofer Foto: Frank Andres
S 20 /
eit Kindestagen kennen sich die zwei Mittdreißigerinnen. Sie haben denselben Kindergarten und dieselbe Schule besucht und arbeiten jetzt zusammen im Sprungbrett-Lädele der Caritas Werkstätte Bludenz. Melanie liebt das Malen und hat eine eigene Strichkunst entwickelt. Sie habe ihr Hobby ganz einfach zum Beruf gemacht, ist sie, die in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, mit ihrer Tätigkeit äußerst zufrieden. Mit Sibylle verbindet sie eine tiefe Freundschaft und viele geteilte Sorgen und Freuden. Für Sybille bedeutet Glück, überhaupt auf der Welt zu sein und wunderbare Eltern zu haben. Ihre leibliche Mutter sah sich über ein Leben mit ihr nicht hinaus und gab das viel zu früh geborene 1,6 Kilo-Bündel direkt nach der Geburt zur Adoption frei. Ihre Adoptiveltern haben Sybille noch im Spital besucht und sie mit offenen Armen empfangen. „Bis heute sind wir ein Super-Team“, so die junge Frau, die ihre leibliche Mutter erst nicht kennenlernen wollte und als dann doch der Wunsch nach einem Treffen in ihr aufkam, diese leider zuvor verstarb. Immer wieder setzt sie sich mit ihrer eigenen Geschichte, mit Ausgrenzung, aber auch mit den schönen Seiten des Lebens auseinander. Einer ihrer Texte wurde 2016 mit dem nationalen Literaturpreis „Ohrenschmaus“ prämiert.
Vom Recht auf Leben
Die gesellschaftliche Haltung, Kinder besser abzutreiben, wenn pränatal eine Behinderung festgestellt wird, macht Sybille und Melanie betroffen. Die Statis-
Freundinnen seit Kindertagen: Sybille Grafl und Melanie Corn.
tik zeigt eine klare Tendenz: Neun von zehn Frauen entscheiden sich gegen ihr Kind, wenn eine Trisomieform – die bekannteste ist das Down-Syndrom – diagnostiziert wird. Mütter, die ihre Kinder trotzdem zur Welt bringen, sind immer häufiger mit der Frage konfrontiert, ob sie denn nichts dagegen hätten tun können. Die wenigsten meinen es bös’ aber „was dagegen tun können“ bedeutet in diesem Fall immer die Tötung des Kindes. Was laut österreichischem Gesetz
bei entsprechender Diagnose auch über die dreimonatige Fristenlösung hinaus bis „zum Eintritt der Wehen“ möglich ist. In einem starken Dialog haben sich Melanie und Sybille der Frage nach dem Lebensrecht gewidmet und den daraus entstandenen Wortwechsel im eben erschienenen Buch „Durch Erfahrung wird man klug“ veröffentlicht. Auszüge daraus dürfen wir in der marie abdrucken. Die Redaktion sagt Danke.
#12 / Dezember 2016
MELANIE UND SYBILLE: „JEDES KIND HAT EIN LEBEN VERDIENT“ Auslöser für den folgenden Dialog war ein Fernsehbericht über Abtreibung der ORF Sendereihe „Thema“: Sybille: „(...)Mit den Kindern mit Behinderung macht man das in der heutigen Zeit sowieso gleich. (Anm. der Red.: abtreiben). Gut, dass der Papst dagegen ist. Klar wünscht sich jeder ein gesundes Kind, aber was ist denn schon dabei, wenn es behindert ist?“ Melanie: „Wir haben auch eine Behinderung und ein gutes Leben. (...) Auch wir mit Behinderung können genauso wie andere Leute Spaß an unserem Leben haben. Oder was meinst du?“ Sybille: „Ich find, jedes Kind hat ein Leben verdient, egal ob es behindert ist oder nicht. Ich finde, dass es nicht in Ordnung ist, wenn man einfach abtreibt. Eigentlich müsste man zuerst das Kind fragen, ob es am Leben bleiben oder sterben will. Und dann erst die Eltern. Aber ich glaube, die Ärzte entscheiden das.“ Melanie: „Ich finde, Abtreibung ist Mord. Kinder mit Behinderung werden aber meistens abgetrieben. Das hört man immer wieder von Kindern mit Down-Syndrom. (...) Ich glaube, bis zum dritten Monat, hat meine Mama gesagt, darf man abtreiben, das ist normal. Aber behinderte Kinder werden noch später abgetrieben. Das finde ich nicht gerecht, das ist keine Chancengleichheit. Und alle reden von Chancengleichheit.“ Sybille: „(...) Behinderte Kinder sind ja schließlich auch Lebewesen, trotz ihrer Behinderung. Und das sollte man jeder Mama sagen, die erfahren muss, dass ihr Kind behindert ist, wäre ich der Meinung. Vielleicht würde ich es auch so machen wie meine leibliche Mutter: Mein Kind zur Adoption freigeben. Meine Mutter hat es richtiggemacht. Sie hat mich am Leben gelassen. Nach der Geburt ist gleich die Rettung gekommen und hat mich mitgenommen ins
Bludenzer Spital. Da haben sie mich in einen Brutkasten getan. (...) Dort musste ich warten, bis sich jemand meldet wegen meiner Adoption. Mein Arzt hat dann meine Adoptiveltern angerufen, die wollten schon seit zwei oder drei Jahren ein Kind adoptieren. (...) Sie haben mich angeschaut und gedacht, mei, was ist denn das für ein süßes, schwarzhaariges Kind? (...) Nachher sind sie jeden Tag zu mir ins Spital gekommen, haben mich „gebuddelt“, gewaschen, gewickelt und geredet mit mir. Ich habe ja noch nichts verstanden, aber gleich gemerkt, dass sie mich gernhaben und eine Liebe zu mir aufbauen. Sie waren immer für mich da und kurz nach dem zweiten Geburtstag haben sie mich dann adoptiert. (...) Meine leibliche Mutter habe ich von Geburt an auf jeden Fall nicht mehr gesehen. Ich hätte sie später schon gerne mal gesehen, aber jetzt ist sie schon selber tot. Sie hat mich am Leben gelassen und mir eine faire Chance gegeben. Und meine Adoptiveltern, das sind schon immer meine Eltern, haben dafür gesorgt, dass ich am Leben bleibe und groß werde. (...)“
Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Am Kehlerpark 5, Top 34 6850 Dornbirn Telefon: 0677 61538640 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Elisabeth Willi (Leitung), Frank Andres MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Amos Postner, Christina Vaccaro, Gerhard Thoma, Ingrid Delacher, Pauline Tagwerker, Patricia Erne, Robert Thoma, Simone Fürnschuß-Hofer Zeitungsausgabe Ausgabestelle Dornbirn Kaplan Bonetti Sozialwerke Kaplan-Bonetti-Straße 1 Montag und Mittwoch 14 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 9 Uhr Ausgabestelle Bregenz dowas, Quellenstraße 18 Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 Uhr Ausgabestelle Bludenz do it yourself, Kasernstraße 5-7/3b Montag und Mittwoch 14 bis 16 Uhr Ausgabestelle Feldkirch Caritas-Cafe, Wohlwendstraße 1 Dienstag und Freitag 10 bis 12 Uhr Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at
Buchprojekt Der gekürzte Dialog stammt aus dem Buch „Durch Erfahrung wird man klug!“, das das Sprungbrett Lädele unter der Projektleitung von Monika Fischer aktuell herausgebracht hat. Zwölf Künstlerinnen und Künstler präsentieren in Wort und Bild ihre lebensfrohen Kunstwerke und laden den Betrachter und Leser auf eine Reise ein, auf der „Existentiellem und Schönem in der Einfachheit“ (Zitat Waltraud Valentin, Caritas Stellenleiterin Werkstätte Bludenz) begegnet wird.
Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer, DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Dr. Claudio Tedeschi, Cornelia Matt Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage 25.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass Bildbearbeitung Fitz Feingrafik Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420 © 2016 marie. Alle Rechte vorbehalten.
/ 21
Mittendrin in V
(ALLTAGS)FLUCHT Beim dritten Literatur-Nachwuchswettbewerb der Walgauer Bibliotheken hat die Feldkircherin Pauline Tagwerker (17) in der „Kategorie 2 – Mittelschulen/Gymnasien/Polytechnische Lehrgänge“ gewonnen. Die marie veröffentlicht ihren Siegertext.
E 22 /
s schneite. Dicke Flocken, die vom Himmel hinabfielen. Große, kleine, filigrane und wuchtige, schnell und langsam. Sie alle fielen herab und bedeckten die Erde nach und nach mit einer weißen Glitzerschicht. Morgen würde die Welt wie ein Winterwunderland aussehen, da war er sich sicher. Der kleine Junge saß am Fenster. Er hatte sich aufs Fensterbrett gesetzt und die Füße angezogen. Gedankenverloren starrte er die immer dichter werdende Schneewand an. Wie gern würde er hinausgehen und sich von Kopf bis Fuß einschneien lassen! Er wollte den Schnee spüren. War es wirklich so kalt, wie er gehört hatte? Oder wärmer? Und warum zogen alle Mützen an, bevor sie hinausgingen? Bekam man Gehirnfrost, wenn eine Schneeflocke den Kopf berührte? Aber um diese Dinge herauszufinden, müsste er hinaus und das ging nicht, er hatte drinnen zu bleiben. Leider. Er starrte weiter angestrengt nach draußen. Wollte nicht verpassen, wie die Flocken den Boden berührten. Doch es waren so viele! Mindestens hundert! Nein, tausend! Unendlich viele! Moment mal, wie viel war unendlich denn eigentlich? Der kleine Junge stutzte. Mehr als tausend gab es doch gar nicht, oder doch? Morgen würde er sie zählen! Dann wusste er es. Nach einiger Zeit, die er am Fenster sitzend verbracht hatte, wurde es dunkler. Die Sonne verschwand langsam, der
Nachmittag würde bald dem Abend weichen. In der Ferne hörte er die Geräusche der anderen Menschen. Stimmen, die riefen, diskutierten und sich unterhielten. Er wusste, dass seine Eltern ihn bald suchen würden, ihn aus seiner Wintertraumwelt in die hektische, graue Realität zurückholen würden. Davor hatte er Angst. Er wusste auch, dass das lächerlich war, sämtliche seiner Freunde vom Fußballspielen würden ihn auslachen: „Du bist ein Träumer!“ Ja, dachte er, das bin ich. Das war schon immer so und das bleibt auch so. Als die Welt gemeiner, dunkler und furchteinflößender geworden war, war seine Traumwelt freundlicher, heller und liebevoller geworden. Als er sein Zuhause verlassen hatte müssen, war sie diesem ähnlicher geworden. Als er seinen Bruder verloren hatte, hatte sie einen neuen Mitbewohner bekommen. Sie passte sich seinen Wünschen und Zielen, Träumen und Sehnsüchten an, blieb beständig und sicher. Wer wäre da so dumm und würde sie nicht aufsuchen? Das konnte der Junge einfach nicht verstehen. Warum wollten alle die Wirklichkeit, egal wie schrecklich sie war? Das machte doch keinen Sinn. Aber als er die Rufe seiner Eltern hörte, musste er zurück, so schwer es auch war. Morgen komme ich wieder, war jeden Abend sein letzter Gedanke vor dem Einschlafen. Meistens beschützte ihn seine Welt auch im Schlaf. Nur
diese Nacht nicht. Diese war schlimm. Er hörte seinen Bruder das letzte Mal schreien, seine Mutter weinen, seinen Vater flehen. Er war auf einmal wieder in dem Lastwagen, der sie zur Grenze gebracht hatte, und dann auf dem Boot, das sie übers große Wasser führte. Dort war es schrecklich gewesen. Alle hatten Angst, es waren überall Menschen, die schimpften, Tränen vergossen oder beteten. Er konnte noch das furchtbare Schaukeln fühlen, die Wellen hören, die gegen die Bootswand schlugen. Damals war ihm schlecht geworden, sehr schlecht. Es hatte fürchterlich gestunken und es gab kein Licht. Am zweiten Tag gab es auch kein Wasser und Essen mehr und dann ... ... war er wach. Die Nacht war vorüber, die Schrecken nahmen ein Ende. Der Junge wollte weinen vor Erleichterung und vor Schmerz über das Erlebte, aber er wollte sich nicht blamieren. Die großen Männer weinten doch auch nicht! Aber er musste an einen sicheren Ort. Zu seinem Fenster, mit seiner Traumwelt. Also zog er sich an und schlich hinaus. Den Gang entlang, um die Ecke, ein kurzes Stück gerade aus und dann die zweite Tür links. Als er sie erreicht hatte und den Trubel und die Hektik des Ganges aussperrte, bemerkte er, dass er nicht alleine war. Statt in die weiße Landschaft vor dem Fenster blickte er in braune Augen, sah strubbeliges schwarzes Haar und einen schmächti-
#12 / Dezember 2016
/ 23
gen Körper, der in einem viel zu großen Pullover steckte. Der andere Junge dürfte nicht viel jünger sein als er, er beobachtete ihn, als er zur Fensterbank kam, sich hinsetzte, die Beine anwinkelte und ihn ansah. Da saßen nun zwei Jungen, eigentlich völlig unterschiedlich, doch auch völlig gleich, beide verängstigt und überfordert in einer kleinen Kammer am Fenster, das der Schlüssel, der Spiegel und das Tor zu ihrer Gedankenwelt war. Der Junge wusste nämlich, dass sein Gegenüber aus demselben Grund wie er hier war. Das sah er einfach. Und so vergingen Stunden, in denen beide Kinder in ihren Traumwelten ihrem alten und Wunschleben hinterhertrauerten. Sie sprangen auf den Wiesen ihrer Heimatdörfer herum, gingen zur Schule, spielten, lachten und freuten sich, zuhause zu sein. Im Gang krachte etwas und mit einem Mal war die Illusion fort, die Türen der Gedankenwelten geschlossen. Die Jungen sahen sich an. Der Kleine mit dem Wollpullover deutete nach draußen, auf die Wiese vor dem Block, in
dem sie wohnten. Dort hatten sich Kinder zum Spielen versammelt. Sie warfen Schneebälle durch die Gegend und formten Schneemänner. „Warum sind sie glücklich und wir nicht? Warum dürfen sie zuhause bleiben und müssen nicht weg wie wir? Warum haben sie das, was wir uns wünschen? Waren sie vielleicht ordentlicher, mutiger oder fleißiger? Meinst du, sie haben besser auf ihre Eltern gehört? Das ist nicht gerecht!“ Er stockte und krallte die Hände in seinen Wollpullover. Der andere Junge sah ihn ratlos an. Er wusste es nicht, konnte es auch nicht verstehen. Von seinen Eltern wusste er, dass Gerechtigkeit ein schwieriges Thema war. Sehr, sehr schwierig. Und er selbst konnte auch nicht erklären, was es mit ihr auf sich hatte. Irgendwie konnte das keiner. HINWEIS: Pauline Tagwerker würde sich über Rückmeldungen zu ihrem Text freuen. E-Mails an: pauline.tagwerker@gmx.at
Pauline Tagwerker (17) wohnt in Feldkirch-Altenstadt und geht ins Gymnasium Feldkirch-Rebberggasse (8. Klasse). „Wie lange ich schon schreibe, kann ich eigentlich nicht sagen, da ich nur dann schreibe, wenn mir etwas einfällt :-). Dies tue ich allerdings seit der 3. Klasse Volks- schule“, sagt sie. Pauline Tagwerker ist auch engagierte Jugendbotschafterin der Caritas.
Mittendrin in V
Am 8 Dezember 2015 hat die marie das Licht der We t erb ickt Inzwischen sind bereits zwö f Ausgaben der Vorar berger Straßenzeitung erschienen Mit besonderen Geschichten spannenden Reportagen berührenden Bi dern und vie em mehr
Mittendrin in V IRRTÜME WERTE SITTEN -
im ich werde Mitglied unterJa, Damit marie-Freundeskreis. stütze ich die Arbeit
von marie.
Meine Jahresspende
R
GIB DIE HAND als der Kulturen mehr das Zusammenleben verursachen Nichts erschwert Verhaltensweisen einige Angst. Manche in dieser Kolumne Unwissenheit und marie betrachtet derzeit großen Ärger. Diesmal: das Händeschütteln. der Streitpunkte.
beträgt:
für 60,- Euro (Mindestbeitrag Schüler/Studenten/Senioren) 100,- Euro Euro
Bei uns ganz normal – in der islamischen Kultur unüblich: Männer und Frauen reichen sich die
Datum/Unterschrift
Meine Adresse:
Name, Vorname
Hände.
Straße, Nr.
H
Telefon
Beruf
Geburtsjahr
Einzugsermächtigung: zum Ermächtigung Ich erteile eine Jahresspende. Bankeinzug meiner IBAN
BIC
Bankinstitut nur für interne dass Ihre Angaben Wir versichern, Ihre Mitverwendet werden. Zwecke bei marie ist jederzeit kündbar. Freundeskreis gliedschaft im
✂
und Bitte Coupon ausschneiden senden an: marie-Freundeskreis Coworking Campus 1a Hintere Achmühlerstraße 6850 Dornbirn
Mittendrin in V
sind tief in uns Frauen. Traditionen als wir glauben mehr verwurzelt – weit von HandDie Weitergabe Glauwar die (wollen). Überzeugungen, istorisch betrachtet lungsmustern, ist Basis der Kultur ungeschützte, ausgestreckte, zur bensvorstellungen Hand, in der und trägt ursächlich nackte rechte ein eines Volkes seiner Mitglieder getragen wurde, gilt Identitätsfindung sonst die Waffe Missachtung Und auch heute sind wir! Eine Friedensangebot. als demonstrative bei: Das Umgangsforunserer traditionellen – neben der das Händeschütteln – viele Fotos wir daher Geste der Versöhnungzwischen einsti- men werten Beleidigung – auch als Werte. das. persönlichen von Handreichungen symbolisieren auf unsere kulturellen uns Angriff gen Kriegsgegnern dass diese kulturellen Handschlag für Dazu kommt, Im Alltag ist der die Wertschätzung auch bei uns „ungeschriebene sie nicht eine Begrüßung, ange- Werte – wir können ausdrückt. Einen Gesetze“ sind und Offenheit kann per Gesetz zu verweigern, zu einklagen. Niemand botenen Handschlag werden, die Hand als grobe Zurückweidazu verpflichtet empfinden wir reichen. sung und Unhöflichkeit. überwiegende ist der Handschlag Die bei weitem Für Muslime BevölkeKoran, der muslimischen unsere Problem. Im eigentlich kein „Wenn Mehrheit ist bemüht, Vers 86, heißt es: es Sure An-Nisa, werdet, rung/Migranten erlernen und soweit Gruß gegrüßt Traditionen zu ihr mit einem ist, auch anzuwenden. schöneren wieder ihnen möglich so grüßt mit einem in Hand“ geht, zurück.” Es ist Wenn etwas „Hand Dort, wo es oder gebt ihn (genauso) jedoch nicht Kultur es für uns gut. an uns, in der islamischen und Männer sich dann läuft ist, liegt es auch noch nicht so üblich, dass Frauen unsere Traberühren und zu sprechen und in der ÖffentlichkeitDieses gegenge- darüber zu machen, nachvollziehbar ist ungedie Hände reichen. ist ein ditionen zu wecken. Das schlechtliche Berührungsverbot Tra- Verständnis fühlen wir uns Gesetz, also eine wöhnlich. Schließlich ungeschriebenes wie bei uns das oder? dition – ganz ähnlich Männern und im Recht, zwischen Händereichen
Text: Barbara Hofer Foto: Klaus Wurzinger
PLZ, Ort
20 /
#11 / November
2016
Stefan Nan ist nicht zu übersehen. Er balanciert mitten in der Fußgängerzone in Manchester im Kopfstand.
„Dreieinhalb Jahre lang sagte ich kein Wort.“ Aber wenn Nan zählt, bekommt aus seinem Leben erßergewöhnliche man eine ziemlich auDer 55-Jährige Geschichte zu hören. hat schon so dass wir dafür viel wohl zwei Leben erlebt, chen würden. brau-
/ 29
Schweigemarsch
Zu den Höhepunkten such, von Rumänien gehört sein Vernach Jerusalem marschieren. zu Nan packte alle seligkeiten seine Habin einen Handkarren machte sich und am 4. November seiner Heimatstadt 2001 von mänischen Küste Constanta an der ru3000 Kilometer auf den Weg zu seinem weit entfernten 234 Dollar in der Tasche war Ziel. Mit Monate lang er fast neun zu eine Pilgerreise, Fuß unterwegs. Es war Selbstreflexion, eine Gelegenheit zur die nahm. „Dreieinhalber schweigend unterJahre lang kein Wort“, erzählt er und sagte ich wie er mit den beschreibt, Menschen, denen terwegs begegnete, er unin einer einfachen Zeichensprache und über schriftliche Mitteilungen kommunizierte. Als der Winter anbrach, wurde Unterwegssein das „Ich wanderte noch beschwerlicher. zwar von Rumänien Richtung Süden, in es eiskalt und aber in den Bergen war jeden Tag schneite Unterwegs übernachtete es.“ er im Zelt. Er überquerte die Grenze zur Türkei und schaffte den langen Weg zur Grenze, wo es jedoch Problemesyrischen mit sei-
Ronald Allgäuer (50) ist froh, dass er endlich wieder eine sinnvolle Beschäftigung hat.
VOM HAFNER ZUM KOLPORTEUR
16 /
„Es ist traumhaft. Ich habe bisher nur nette und freundliche Menschen getroffen“, schwärmt Ronald Allgäuer über seine neue Aufgabe als marie-Verkäufer. Er ist froh, endlich wieder eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Text und Foto: Frank Andres
D
as Leben von Ronald Allgäuer verlief bisher überaus turbulent. Zwei Jahre nach seinem Lehrabschluss als Hafner geht er nach Wien. Er baut dort Kachelöfen im Renaissance-, Barock- und Rokoko-Stil. Aber nach vier Jahren geht die Firma pleite. Er übernimmt zusammen mit seinem Bruder, einem gelernten Koch, das insolvente Unternehmen. Doch ein Jahr später kommt das endgültige Aus. „Wir sind im Streit auseinandergegangen. Seitdem haben wir auch keinen Kontakt miteinander.“ Mit 300 Schilling in der Tasche und einer Fahrkarte kehrt er nach Vorarlberg zurück. „Ich war völlig mittellos. Ich hatte nur die Kleidung, die ich am Leib getragen habe“, erinnert er sich. Seinen gelernten Job kann er ab diesem Zeitpunkt wegen chronischer Kniebeschwerden nicht mehr ausüben. Er muss sein Leben komplett umkrempeln. Ronald Allgäuer hält sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Er arbeitet als Küchenhilfe am Hochjoch, schleppt Malerkübel am Bau und ist als Chauffeur
unterwegs. „Ich habe immer gearbeitet. Gebettelt habe ich nie“, betont er. Aber nicht nur beruflich muss er Rückschläge einstecken. Er heiratet zwei Mal, bekommt zwei Kinder. Doch beide Ehen werden nach nur knapp einem Jahr wieder geschieden. „Der Alkohol hat viel kaputt gemacht“, gibt er zu. Therapien hätten ihm aber geholfen, das Problem in den Griff zu bekommen. Doch deswegen sei er nicht stolz auf sich. Seit einem Jahr wohnt er jetzt im Bonetti-Haus. Davor lebte er in der Notschlafstelle Feldkirch, beim dowas in Bregenz oder in der „Gruft“ in Wien. Mit der jetzigen Situation ist er mehr als zufrieden. „Ich habe ein Zimmer, ein Radio, eine Dusche und ein WC. Mehr brauche ich nicht.“ Für Ronald Allgäuer ist die marie übrigens nicht die erste Straßenzeitung, die er verkauft. In den 90er Jahren war er bereits als Kolporteur für den „Augustin“ in Wien und den „20er“ in Tirol unterwegs. „Aber so gut, wie die marie habe ich noch
2,50
2016 nie eine Zeitung verkauft“, verrät der Mann mit dem SchnauzApril #5 /bart. Der 50-Jährige ist froh, dass er endlich wieder eine sinnvolle Beschäftigung hat.
Sommerausgabe
Euro
#8 / Juli-August 2016
für davon 1,25 Euro die Verkäuferin/ den Verkäufer
SOMM
Elternhaus in Sabine in ihrem in Wien, ist Bizau. Sie wohnt einmal pro jedoch mindestens Lesen ist ihr Monat in Vorarlberg. deshalb hat sie liebstes Hobby – auch keinen Fernseher.
Mittendrin
EIN LEB EN GELDSOR OHNE GEN
16 /
24 /
/7
Eva Defranceschi, Krankenschwester, 46, Bregenz (1) Es würde dern. Klar, mein Leben nicht wäre es in groß veräneine Unterstützung. manchen Bereichen aber so weiter Vieles gehen, wie würde für mich (2) Ich habe bisher. funden zu das große Glück, einen haben, den mache. Ich ich unglaublichJob gewürde ihn das Leben auch machen, gerne gesichert wenn (3) Wahrscheinlich wäre.
Veranstaltungskalender
Mi., 25. Mai, 20 „Als ich dieDornbirn, Uhr, Spielboden Sa.,sie nepaleEintritt: 6,- Euro 28.mit Mai, 17 Uhr, Remise gründet Vorplatz Bludenz, Eintritt: rein Verein mit. 2015 Armut sah, wusste frei SCHOREN ROCKT! Freunden den Schwesternve Im sischen 2016 Sitz in Nepal. mit TONKRAFT ihre „Chay-Ya Nepal“ ich: Ich muss auch WERK IN CONCERT sind übrigens dortigen Team längst von damals. Schon mehr beiden Retter etwas tun.“ Frau nicht
Mo., 25.4.2016, „Im Schützengarte Lustenau und n“, Di., 26.4.2016, Remise Bludenz, jeweils ab 19 Uhr, Eintritt: frei
KRIEGSKINDER IHRE KINDER UND UNGEWOLLTES– EIN ERBE
Vortrag
Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Schicksal von Angehörigen der Geburtsjahrgänge 1945, deren Entwicklung 1939 bis durch die Bewältigung von frühen Traumatisierungen durch Kriegserfahrungen geprägt worden ist. Viele von ihnen fanden keine Unterstützung bei die Elterngeneration, deren Bewältigung durch die selbst mit ihrem chenen Leben zerbrobeschäftigt war. Referenten Meinrad Pichler und Prof. Dr. Michael sind Ermann.
Vera Cruz nach Bremerhaven unterwegs, an Bord ein abgehalfterter amerikanischer Baseballspieler (Lee Marvin) und ein deutsch-jüdischer Antiquitätenhändl (Heinz Rühmann), er ein herzkranker österreichischer Schiffsarzt (Oskar Werner) und ein nationalsozialistischer Kaufmann (José Ferrer), eine drogenabhängige Spanierin (Simone ein paar hundert Signoret) und Plantagenarbeiter im Zwischendeck ...
Foto: Spielboden
SPOOKY-DOO ZAUBERSHOW
Spooky-Doo ist eine freche, witzige für die ganze Familie. Zaubershow und natürlich kräftig Es wird gelacht, geblödelt gezaubert. Das Gemeinsam schaffen Motto lautet: wir viel mehr als und es sind sogar alleine richtige Wunder möglich. Im Mittelpunkt steht der kleine Geist Spooky. liebenswürdige und pfiffige Gemeinsam mit stellt er die Welt, den so wie wir sie kennen, Kindern Kopf. auf den
Fr., 29.4.2016, 13 bis Möslepark in Altach, 16:30 Uhr, Carla Service kostenlos.
REPARATURCAFE FÜR TEXTILIEN
Gegen Wegwerfgesellsch Im carla Reparaturcafé aft in Altach reparieren, ändern oder verschönern die BesitzerInnen einmal monatlich ihre mitgebrachten Textilien – egal ob ein Reißverschluss Kleider und Knopf fehlt oder klemmt, ein ein Loch in der Hose zu ist. Das Werkzeug und einen geselligen flicken stellen wir. Mit Rahmen dem notwendigen Know-how steht bei Bedarf eine Schneiderin zur Seite.
Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung privat initiierte, über gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.
wäre es schon manche weniger so, dass arbeiten bei meinem Job bleiben, würden. Ich würde Wochenarbeitszeit aber eventuell reduzieren. die
Sa., 30.4.2016, 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 28,- Euro (zzgl. VVK-Gebühr)
Bezahlte
Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen Ausgabestelle Bregenz von Randgruppen Gesellschaft. marie unserer dowas, Quellenstraße ist ein Angebot zur Selbsthilfe 18 für Menschen an Montag und Donnerstag oder unter der Armutsgrenze, ihren Lebensmittelpunkt Ausgabestelle Bludenz 8.30 bis 10.30 Uhr in Vorarlberg haben. die ist die Förderung Ziel do it yourself, Kasernstraße des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft 5-7/3b Montag und Mittwoch und der Mehrheitsgesellschaft. Die Ausgabestelle Feldkirch14 bis 16 Uhr Hälfte des Verkaufspreises 2,50 Euro verbleibt von Caritas-Café, Wohlwendstraße den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, 1 Dienstag und Freitag soziales und nicht 10 bis 12 Uhr ausgerichtetes Projekt. auf Gewinn Anzeigen Redaktion Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung. marie – Die Vorarlberger at Medieninhaber Campus V, Coworking Straßenzeitung, und Herausgeber Verein zur Förderung Hintere Achmühlerstraße einer Straßenzeitung Vorarlberg, ZVR-Zahl Telefon: 0677 61538640 1a, 6850 Dornbirn in 359044778 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.a Internet: www.marie-strassenzeitung.at .at Redaktonsleitung: t Mag. Elisabeth Externe Beiräte Willi Redaktionsteam dieser Ausgabe: Mag. Peter Mayerhofer, Caroline Begle, DSA Markus Hämmerle, Christine Mennel, DSA Heidi Lorenzi, Daniela Egger, Mag. Frank Andres, Dr. Claudio Tedeschi Dr. Mag. Gernot Hämmerle,Gerhard Hofer, Druck: Russmedia Verlag GmbH, Helmut Weissenbacher, Günther Frick, Schwarzach Auflage 30.000 Exemplare Mag. Rebekka Moser, Robert Thoma, Erscheinungsweise Simone Fürnschuß-Hofer monatlich Zeitungsausgabe Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Ausgabestelle Dornbirn Grass (www.die3.eu) Bildbearbeitung Kaplan Bonetti Fitz Feingrafik Sozialwerke Gilmstraße 7 Bankverbindung & Spendenkonto Montag und Mittwoch Raiffeisenbank im Rheintal 14 bis 15 Uhr und von 8 bis 9 Uhr IBAN: AT94 3742 Freitag 0000 BIC: RVVGAT2B420 0648 3580
(1) Für mich beitsleben wäre es kein Grund, zu mein ArTeil unseres ändern. Arbeit ist ein Lebens. Struktur, Sie gibt unseremwichtiger soziale Kontakte Leben und sie ist gut für unseren werden gefördert (2) Nein Selbstwert! auf keinen Fall. Ich (3) Ich denke, liebe meinen dass es für Job. den Luxus Menschen, einer erfüllenden die nicht verlockend Arbeit ist, nicht sollten die zu arbeiten. haben, Gesetze immer attraktiver so sein, dass Deshalb es finanziell ist, einer gehen. Arbeit nach zu
Bild des Monats
#8 / Juli-August
2016
© 2016 marie.
Cornelia Müller, Medienpädagogin,32, Feldkirch (1) Da ich alles mich persönlichbereits habe, würde Diese existentiellekeine Veränderung es für bringen. Sicherheit beruhigend ist aber sehr und gibt freie Entscheidungen einem die Möglichkeit, Sorgen sollte zu treffen. Existentielle mehr haben in unserer Gesellschaft müssen. niemand (2) Nein. Ich habe das große zu haben, Glück einen der mich persönlich und bei Job dem ich sehr bereichert auch das Gutes für Gefühl habe, die Gesellschaft etwas (3) Nein. zu tun. Natürlich würde es geben, die Menschen dieses bin ich überzeugt.System ausnutzen, davon viele Menschen Trotzdem glaube ich, arbeiten bereichert, dass ihnen Spaß gehen, weil es sie weil sie eine macht oder Aufgabe einfach im Leben brauchen.
D m N
Mittendrin in V
Sommer
und Sonnenschein, O Welt voll Glanz holdes Sein, O rastlos Werden, Fülle! O höchsten Reichtums – vergänglich nur Und dennoch, ach und die Natur Und todgeweiht, Schönheitshülle. Ist Schmerz in von
Aus „Sommermorgen“ Marie von Ebner-Eschenbach, Dichterin 1830-1916, österr.
Alle Rechte vorbehalten.
Foto: Veranstalter
Mo., 30. Mai, 19:30 horst in Thüringen, Uhr, Villa FalkenSpenden zugunsten Eintritt: freiwillige Naturschutzbun d
DAS LÄNDLE & DIE GRUSEL-SC HAU
Ein Vortrag über Lust über nicht vorhandeneund Frust im Klimawandel, Eigenverantwortung Inseln der Seligen, über und warum zuviel doch nicht immer Putzen gut ist. Fesselnd, spannend, unterhaltsam. Mit seiner Gruselschau Rochus Schertler konnte bereits viele erfolgreiche bestreiten. Die Abende vergnügliche Art und Weise, mit der er seine Botschaften an den Mann und Frau bringt, sind die wissenschaftlich fundiert, unterhaltsam und aufrüttelnd zugleich.
MEDITATIONSGRUPP
jeden Montag um
18.30 Uhr
4/
10 /
W
Foto: Lena Wöhler
Dieses eindrucksvolle Foto von Lena Wöhler erschien in der Hamburger Straßenzeitung „Hinz&Kunzt“. Dafür wurde sie vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP) für einen Award in der Kategorie „Bestes Foto“ nominiert. Das Bild zeigt den 70-jährigen Bernah, einen gebürtigen Polen, der in einem Zeltlager unter einer Brücke in Hamburg lebt. Der gelernte Kirchenrestaurator hat bei einem Unglück seine Frau und Kinder verloren. Seitdem hält er es nicht mehr lange an einem Ort aus. Er mag das Gefühl von einem „Zuhause“ nicht. Auch wenn die liebevoll positionierten Blumenzwiebeln vor seinem Zelt dem Betrachter einen anderen Eindruck vermitteln.
Als sie doch noch auf der Intensivstation in Feldkirch landet, sagen ihr die Ärzte, dass sie nicht mehr lange leben wird, wenn sie so weitermacht. Einmal mehr
• Jeden Freitag
EINE MORDSFR
jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache gemeinsam Essen lernen,
emlepfoto
grafie.de
marie: Wie sind Sie kommen auf den ? Hund geDieter Prettent Der Hund ist über ganz einfach. haler: (lacht). tausende domesti Das ist Ich bin ziert worden. von Jahren Hunden Jagdgeh aufgewa als Kind schon mit Er wurde le Vorteile ilfen zum chsen. Er ständige vom bringt. schen und Partner r Begleite war mein dem Euro für Die Koexiste des Mensche steht ihm 1,25 r. Der Hund zur Familie. er ungerech nz n bedeutet immer bei. Men-davon Hund im gehörte e, dass sich mit Was macht Verkäuferin/ täglichen Auf ihrer t behandelt wird. Egal ob die der strengen Leben weniger den Hund Homepa Freund Verkäufer musste. den vorarlbe ge zum besten des anMit welchen rg.at findet www.teamcaninSeine Treue Menschen? berühmt Sorgen sich ein kommen en und Problem schen. Das und Loyalität Frauche rad Lorenz: Verhaltensforsch Zitat des zum Menn bzw. Herrche en Ihnen? ers „Es gibt zeitig auch ist ein Segen, ben, der wohl keinen Konn zu aber Die meisten niemals Leute, die ein Fluch. Ich beobachgleichGlaugebroche Mensche ßer dem men, verstehe n wurde n, die zu Glauben te oft umgehe schlecht mit ihren – aumir komeines treuen an seinen n ihren n. weg nicht. Hunden Herrn.“ Hund schlichtHundes Tiere dem Und trotzdem Verbind Mensch stehen die Mensche Ist die Problem et Hund eine Art Gibt es dafür n loyal zur und Liebe? Es atik vergleich ist Problem Seite. eine eine Erklärun en und MenschSymbiose zwische g? nerschaft in einerzu menschl bar mit n Hund . Der Hund ichen Part? Kaiser dass der Dasdem hat Sie winkte Kontakt kann man zum Menschegelernt, mit nicht so die Straße“ einande Interview vermisse „Ich Das einfach r vergleic n vie-letzte mitschen und(109). hen. Wir sprach mit sind Gemeinsam gärtnern für stammen Anna Hämmerle Papst Franziskus vom Affen MenTipps überArmut. ab und Zum Saisonstart: Straßenzeitung
2,50
TANKSTELLE
#4 / März 2016
21 Uhr
jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!
2/
Bruder Mein autistischer aus der Kurzgeschichte in. Feder einer marie-Leser
Die gefüllten Bücherregale im Hintergrund verraten es: Lesen ist – neben dem Schreiben – Daniela Alges liebstes Hobby .
Euro
ftsgarten. den Gemeinscha
inaturasondErausstEllung
AU
DER BIBER
Mord und Kriminalfälle sind ihr Hobby: Mittlerweile ist Daniela Alge (40) ihr dritter Krimi schreibt jährlich erschienen. Im um Kinder, Haushalt einen Wälder-Krim Hauptberuf kümmert i. und die nachhaltig sich die gebürtige geführte Landwirtsch Bizauerin aft. Willi, Fotos: Frank
Dieter Prettentha ler mit seinen zwei Australian Shepherds Jorek und Jindalee (sind Geschwiste r, acht Jahre) und dem Norwegischen Lundehun Fengr (ein d Jahr).
Dieter Pretten lich des Welthuthaler (48) aus Hard ist ndetages der Hundel am 10. Oktobeseit sechs Jahren iebe und Hundetrainer. r mit ihm was den über Die marie Hund zum hat anlässbesten Freud soziale Übersättigung des Mensch , die Grenze Interview: Frank Andres, en macht, n Foto: Christine gesprochen. Hemlep/h
Bezahlte Anzeige
Text: Elisabeth
in V
„Hunde sehr vermwerden zu enschlic ht“
20 /
E
H N
16 /
Irgendwann trennt sich ihr Mann von ihr. Woraufhin sie in aller Verzweiflung einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Er soll ihr ihren Mann zurückholen, betet sie ihn an, dafür bekäme er ihr Leben. Susanne fühlt sich tatsächlich in der Hand des Satans: Ihr Mann kommt zu ihr zurück, aber ihr Leben wird ab sofort nicht nur von den Drogen, sondern auch von einer Stimme bestimmt, die sie Tag und Nacht verfolgt und sie endgültig ihrer Sinne beraubt. Ein regelrechter Knödel in ihrem Magen verursacht Schmerzen, Hassgefühle übermannen sie. Nervenzusammenbrüche stehen an der Tagesordnung, höchst aggressiv gebart sie sich allen und jedem gegenüber, schlägt mit ihren blanken Händen Scheiben ein. Einmal wirft sie einen Krug nach ihrem Partner. Er duckt sich, im Furnier dahinter klafft ein Loch. Ihr Mann verlässt sie wieder, Satan bleibt. „Ich glaubte, tot zu sein und habe ein Jahr lang darauf gewartet, in die Hölle zu kommen, gleichzeitig hat sich diese väterliche Stimme in mir als das Gute verkauft und Gott als den Bösen dargestellt“, ist sich Susanne heute sicher, dass sie im Bann der schwarzen Magie gefangen war. Sie will nicht alles preisgeben, was sie in dieser Zeit erlebt hat, ringt
„Projektgeschäfte“ ab 18 Uhr „Talente-Talk“
SPORTNEIGUNGSGRU
im Monat, 19 bis
Schwarze Magie
Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung privat initiierte, über gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.
MITTAGSTISCH
NÄHWERKSTATT
Rest der Welt. „Ich habe ausgeschaut wie der Tod“, sagt Susanne und scheut sich nicht, die Bilder herzuzeigen. Der Tiefpunkt allerdings ist noch nicht erreicht.
Mittendrin
Dem Tod näher als dem Leben
jeden Freitag mitkochen ab 10.00 / mitessen ab 12.00 – Bio-Regional-Fair / gib was es dir wert ist
LITERATUR
jeden 1. Dienstag
wird sie von ihrer Mutter aufgefangen, die den Ausbau eines Zimmers zu Hause in Aussicht stellt. Trotz allem elterlichen Beistand bestimmt jedoch weiterhin das Heroin ihr Leben. Immer wieder ist sie durch eine Überdosis dem Tod näher als dem Leben. Schlafmittel und Medikamente sind tägliche Rationen, die teilweise packungsweise geschluckt werden. „Man wundert sich, was so ein Körper alles ertragen kann“, schüttelt Susanne den Kopf und findet teilweise selber kaum Worte für eine Zeit, die man rein äußerlich betrachtet an ihr heute nicht mehr erahnen würde. Für eine Zeit, in der die Gefühle wie ausgeschaltet waren und dennoch die Emotionen mit ihr Achterbahn fuhren: „Das Leben war sinnlos geworden. Ich war als Schwersüchtige abgestempelt, schaute von Tag zu Tag noch fertiger aus, war ständig zugedröhnt von Tabletten und Drogen.“ Manchmal habe sie auch Amphetamine genommen, nächtelang nicht geschlafen und sei völlig durchgedreht. „Ich bin vor ein Auto gesprungen, habe einmal eine Arzthelferin bedroht - aber an all das kann ich mich im Grunde gar nicht mehr erinnern. Wenn ich die Zeiten aus diesen zehn Jahren zusammenrechne, an die ich Erinnerungen habe, dann sind das vielleicht drei Jahre.“ Nicht nur optisch, auch charakterlich weiß Susanne um die zerstörerischen Auswirkungen der Drogen: „Vor nichts und niemandem hatte ich Respekt. Schon gar nicht vor der Polizei.“ 33 Piercings gegen den
sorgt. Das geht ein halbes Jahr so, bis sie ihre Mutter aus dem Heim wieder zu sich nach Hause nimmt. Susanne stabilisiert sich kurzzeitig. Und lernt wiederum ein halbes Jahr später ihren ersten Mann kennen: Einen schwer süchtigen Drogendealer. Es kommt, was kommen muss, das jedoch schlimmer denn je: Ein täglicher Cocktail aus Drogen, Schlafmitteln und Methadon bestimmt fortan ihr Leben, mit 17 ist Susanne Gröbler der Sucht komplett verfallen. Lebt in den Folgejahren von Notstandshilfe, schläft in billigen Wohnungen oder auf der Straße, isst nichts oder das, was ihr zufällig in die Hände fällt. In dieser Phase heiratet sie ihren ersten Mann. Das Hochzeitsfoto zeigt eine Susanne, die heute nicht wiedererkennbar ist: Pechschwarze Haare, eingefallene Wangen, schwarz umrandete Augen. Ein Anblick, der die Welt, in der sie lebt, widerspiegelt. Sie wiegt gerade noch 39 Kilo, lässt sich mit ihrem damaligen Mann in eine Entzugsklinik einweisen, bricht nach nur einer Woche ab und wartet zu Hause auf ihren Partner, mit dem sie noch am Tag seiner Entlassung sofort wieder die nächste Spritze setzt. Und damit ihre erste Überdosis. Niemand merkt es, Susanne stirbt beinahe.
Noch bis 22.5.2016, Talente-City in Hohenems VERANSTALTUNGSRE IHE ANLÄSSLICH „20 JAHRE TALENTE VORARLBE • Jeden Freitag RG“. und Samstag
jeden Mittwoch PPE ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9
22.4. bis 22.5.2016, Talente-City in Hohenems
M H
/5
FRAUENCAFÈ
VERANSTALTUNGSRE IHE ANLÄSSLICH „20 JAHRE TALENTE VORARLBE
Die Bibel ist Susanne Gröblers tägliche Begleiterin.
Gitarrespielen hat sich Susanne Gröbler selbst beigebracht.
Ein Leben unter der Brücke
jeden Montag von 15 bis 17 Uhr / Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt!
CANDY DULFER
(NL) Funk-Soul-Jazz Das neue, gemeinsam Astner geschriebene mit Eric Bibb und Staffan und produzierte aus North Carolina Album des stammenden Blues-Sängers wechselt zwischen akustischem sowie Blues mit starken elektrischem Soul- und Gospel-Einflüssen. Gekrönt wird Bibbs und Astners Gitarrenarbeit darauf von Big Daddy Wilsons magischer Stimme, die dem ganzen Album einen unwiderstehlichen Glanz verleiht.
Mittendrin in V
Foto: Veranstalter
Fr., 27. Mai,
Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 ZVIERE-KINDERCAFÉ
Foto: Spielboden
• Jeden Freitag RG“. und Samstag „Projektgeschäfte“ • Jeden Freitag ab 18 Uhr „Talente-Talk“ • 22. April, 20 Uhr, „Christian Felber, Gemeinwohlökono mie“
CLARA BLUME
Avantgarde-Pop
Andrea Fink, 43, Schmuckdesignerin Egg ,
im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!
Sa., 30.4.2016, 20:30 Dornbirn, Eintritt: Uhr, Spielboden VVK 16,-/AK 19,-
Ausdruck, Stimmgewalt, 20 Uhr, Theater IntelligenzAltach, im Kom – Powerfrau Clara und Charme Eintritt: 15,- Euro Blume 2015 ihr langersehntes veröffentlicht im Mai Everything (Earcandy DebutalbumALLES Here Comes AUSSER KONTROLL zehn starke Nummern,Recordings) und präsentiert Musikkabarett E die elaboriertes ting mit catchy Songwri- mit Monaco Bagage. Zur Perfektion Melodien verbinden.gereiftes „Best und Bruder Georg Produzent of “: Älter, weiser und kein bisschen uncool! Nach zwölf Jahren Blume erfolgreicher Touren, klavierlastigen Songs seiner Schwester bettet diediverser Preise und enormer Publikums- und mit Retro-Synthflächen in zeitgeistige Drum-Beats Medienresonanz spielen die vier ments. „Avantgarde-Pop“und orchestralen Münchner Künstler in ihrem Arrangeaktuellen Programm nennen die „Alles außer den Stil des Albums Kontrolle“ Geschwister in geballter Form und bieten live ihre Stärken aus: und imperfekte Nahezu Qualität, die man Studio Synthese hierzulande nur von Musik und Ernst findet. selten und Witz, Heiterkeit Wort, Veranstalter: Theaterkreis und Nachdenklichkeit. Altach.
E
Lorem ipsum dolor Impressum sit amet, consectetuer adipiscing elit. Grundlegende
Bernhard Spettel, Produktionstechni 25, ker, Lauterach
(1) Es wäre einfacher, treffen, die Entscheidungen Lebensplanung zu len. Im Alltag würde leichter Sorgen und gäbe es wahrscheinlich falweniger weniger Stress. (2) Nein, ich Ich könnte würde bei meinem mir aber beitszeit vorstellen, Job bleiben. zu verringern. die Soll-Ar(3) Es würde die aufhören wahrscheinlich manche geben, scheinlich würden, zu arbeiten. würde Aber wahrfehlen. Zudem einem ohne Arbeit etwas denke ich, keinem Menschen dass zu viel Freizeit gut tut.
Reinhard Hämmerle, 64, Geschäftsführer, Hard (1) Ich finde, Geld geht. dass es im Leben nur bedingt Etwas zu tun, ist aus existentiell. um meiner Sicht Man auch möglichst muss Spaß am an der Arbeit Leben und de nicht unbedingt haben. etwas verändern Ich wür(2) Ich glaube wollen. nicht. (3) Es gibt zahlreiche Menschen Beispiele sehr wohl dafür, die Voraussetzungen die Einstellungendass und nanzielle ändern, Dinge geht. wenn es um Geld und Nicht somit finanzielle umsonst heißt fimachen nicht glücklich. Unabhängigkeit es: die beim Oft können Lotto hohe haben, mit Geldsummen Leute, der Veränderung gewonnen nicht umgehen.
Derzeitige Fixtermine Irgendwann in den 90ern wurde Schoren von Klaus-Dieter die schlechte mediin der Tankstelle Berkmann gegründet, Rockt! tastrophale Armut, und die mangelnde Schaffen der Bands Bregenz, um das am BORG Dornbirn Deuringstraße Tonkraftwerk, zu würdigen. Teilnehmer Schoren die Jugendkapelle zinische Versorgung mehreren Besuchen 9 der Bludenzer der Schoren-Schulband Stadtmusik, bietet und von „Schoren Nach jungen rockt!“ bereicherndie engagierte Schulbildung. sikern die Möglichkeit, Musikerinnen und Musche Szene (DSDS, in Nepal gründet ZVIERE-KIN muss die musikaliGeld bitten. gemeinsam zu Eurovision-Contest um bei DERCAFÉ ihr Können musizieren, Vorund kleinen Projekten und gründeten und Onkel , X-Factor) jeden Montag von unterschiedlichsten Tanten verschiedeneihre durch 15 bis 17 Uhr / FreundInnen aus und Veranstaltungen unter Beweis Bands (z.B.: The der Robinson Weil die Jause der anderen Sponsoren zu stellen und Bob Band, Monofuse, dabei von Sabine 2011 mit immer besser schmeckt! das Miteinander großzügiger werden Driving bei Ausflügen zuen nimmt The zur Hilfe der MenArtistry, Dank Las Vegas stärken. Through und Bauleiter Aufbau Wedding Chapel, – der arlberg einen Verein sowie Veranstaltung 95 Probezahlt Rambo Rambo Rambo, Bergtal Tsum Goldtops etc.).Vorträge MEDITATIONSGRUPPE r – zu Hilfsorganisation den Dorfbewohne ist schen im nepalesischen von jeden Montag um Tal“). Dieses Tal der Verein Spendengelde Doch auch Für 18.30 Uhr allerdings wird – ein. So., 29. Valley („Glückliches lich geleistet. Mai, 19 Uhr, fünf Tage dauert mit zent aus Vorarlberg und ist Frauenmuseum ein rInnen gemeinschaft Fr., 27. Mai, es Uhr, Hittisau, werden gibt 19 nur per Fuß erreichbar, Eintritt: 8,- (ermäßigt FRAUENCAFÈ Austria“ Jagdgasthaus organisiert „Chay-Ya“ will von Sa„Chay-Ya das Egender 6,Schönebach, Euro) jedes Projekt jeden Dienstag ist Sabine Eintritt: 7,verbunden. Fliegt der Marsch dorthin. e Verein, was auf von 9.30 bis 11 in dem – das Euro nd Arbeitsaufwa Uhr zum Kennenlernen, Veranstaltu Dorfkomitee, ein DritAustauschen, Sprache der neugegründet was sie etwa zweimal heißt ngskalender shakesBIER gemeinsam Essen lernen, der Frauenanteil aus bine nach Nepal, FRAUENLEI „Packen wir’s an.“ sehr wichtig – D.Flug Einsie selbst als Frau bezahlt sie den Bregenzerwälder-Th tibetisch bedeutet: die Sache danach hat macht,ERSTER Jahr VerAnfangs eater-Lieder-Abend pro WELTKRIEG anderen Evelyn Fink-Mennel doch tel beträgt. die mit SPORTNEIGUNGSGRUP Und wie Sabine Ebenso Die . zu kämpfen, & der Hausmusik und OnKinodokumentation eigener Fink. Tasche. Helfer. von Tone Bechter jeden Mittwoch Egg Museum. PE Frauzwar mit WiderstandVeranstalter: Sie rennt zu Tanten und baut sich mitfreiwilligen setzt ab 19 Uhr in der der Geschichte und anpackt: erklärt, was vom Ersten Turnhalle Sa., der HTL Bregenz, nunWeltkrieg bis zu bitten 30.4.2016, um einsmitgliederzu den Anfängen Geld Michl-Felder-Str. als sie den Männern machen, bröckelt Uhr, arbeitetdesSabine LöwenSaal, „Dritten Reiches“ keln, um sie22 9 Jahre Hohenems, alles ander. Im Mittelpunkt von 300 Euro auseinSieben LebensEintritt: Österreich in Startkapital Ihren stehen dabei die en VVK 8,-/AK 10,Nepal. im und fürMütter. mit einem Frauen Frau verständigt MITTAGSTISCH Euro Im Anschluss an ersten ehrenamtlichPodiumsgespräch „Chay-Ya“ errichtet taden die Filmvorführung: auf dieser. Die couragierte jeden Freitag mitkochen sie in den Verein auf. mit Christa Hämmerle Nepalesen übrigens ist ab 10.00 / mitessen Gesundheitss kerin) und Tone unterhalt bestreitet ist, mit (Historiab 12.00 – Bio-Regional-Fair sich mit den Bechter (Filmemacher). Studentin von fünf Jahren für DASLaufe NARRENSC / gib was es dir tion: noch Nepali sehr ähnlich Stefania Pitscheider wert ist in ModeraJahren, als sie JahrVeranstalter: HIFFAnlagen, sorgt Soraperra. Film tionen und sanitäre Hindi, das dem der UniTheaterkreis kocht sie ein Reisen sowie auf sowie mediziniNebenjobs. Dann Altach. Das Jüdische Museum und das sie auf arbeiten t, kellnert danach LITERATUR den Hohenems und sauberes Trinkwasser Homunculus-Festi hat. Mittlerweile TANKSTELLE das die von einem Bio-Restauran und baut jeden 1. Dienstag im val feiern gemeinsam versität38gelernt / im Monat, 19 bis „50. Geburtstag“ sche Versorgung Ehrenamtliche ihren 21 Uhr 2015 zerstörten mit einem Erdbeben Sabine über 15 Filmprogramm. neben vielfach preisgekrönte Das Transport verheerenden NÄHWERKSTATT Werk zählt Material, heute Klassikern. 1933 auf. zu den wieder Foto: Anna Hawliczek ist ein jeden 1. Freitag Schulen Schiff von
Do., 28.4.2016, 16 Uhr, Stadtbücherei Bregenz-Vorkl oster, Eintritt: frei.
30 /
(3) Glauben Sie, dass meisten die anderen bedingungslos bei einem en Grundeinkommen aufhören würden zu arbeiten?
SGAB
Kisuaheli dok wubu gofella neumix
Unsere Schweizer Nachbarn Grundeinkom stimmen dieser Wie denkt men ab. Bedeutet: Eine gesicherteTage über ein bedingungslo Vorarlberg darüber? Existenz ses Die marie hat sich auf für alle Staatsbürger. der Straße umgehört.
DIE FRAGEN
(1) Angenommen eine gesicherte , Sie hätten Existenz, nug Geld gezum Essen ein Dach und für überm das Ihr Leben Kopf. Würde verändern? (2) Würden Job wählen? Sie einen anderen
ERAU
in V
Er stEllt sicH
Ein HEimkEHr
18. März bis
#5 / April 2016
Andres
11. September
vor
2016
2,50 Euro
S
ie zieht drei Kinder groß, führt Veranstaltungskalender den Haushalt, Es war damals ist Bäuerin, teilnicht ihr Ziel, weise Selbstversorger irgendwann Autorin zu war Daniela mit werden. „Ich habe in – und schreibt so nebenher ihrem Krimi rund einem Tag auf Kriminalkomm um Krimis, die es den anderen gelebt von issar Waldinger Vorarlberg auf in keine Gedanken und Platz 1 der Bestsellerliste fertig und schickte ihn an meine Zukunft geschafft haben. an vier Verlage. wendet“, sagt Daniela. verEine Mordsfrau darauf brachte Bald Durch den Kurs eben: sie ihr jüngstes die gebürtige wurde aber ihre Bizauerin Daniela Kind – Sohn Matteo – Freude am Schreiben zur Welt und erlebte (40). Wenngleich Alge geweckt. sie danach quasi eine weitere Geburt:kurz bezeichnen würde: sich wohl nicht so Es folgten Jahre, ihres ersten Buches. Sie wirkt trotz die in denen Daniela Erfolge bescheiden ihrer im Sommer auf Verlag „Federfrei“ Der österreichische Alpen und im „A körige Wäldare und bodenständig. hatte sich, während Winter als Ski- und Snowboardlehr sie im Wochenbett halt“, wie man Bregenzerwald im erin arbeiwar, mit der Zusage tete, sie lernte ihren sagt. gemeldet, ihren Ehemann Christian Krimi „Kathrinatag“ Doch der Reihe Alge kennen, zog herauszubring nach. Die Schrifstelmit en. Andere Schriftstellerkarriere der in Wangen im Allgäu ihm auf einen Hof gelernten Kindergartenler brauchen Jahre, und gründete eine pädagogin begann bis sie einen Verlag Familie. Um das finden vor etwa 15 Jahren – wenn es denn Jahr 2009 begann mit einer Anzeige überhaupt funkniela, ihren ersten Dationiert – , bei Krimi zu schreiben. „Schreiben lernen für den Fernkurs Daniela klappte Ein Krimi, der es Handumdrehe – in ihrer alten n. Unter anderem im sie zu der Zeit alleine Autor werden“. Da Heimat Bizau spielt. Denn deshalb, weil Regionalkrimis auch in einerFr., hier kennt sie Wohnung Uhr, Remise 28. Oktober, 20Winkel in Bizau lebte, jeden immer keinen Fernseher und liebter werden, 10,-/jede Gasse. Hätte Eintritt, Eintritt: VVK Bludenz. meint die Autorin. behatte, aber fürs Leben sie ihre Geschichte in gerne las, dachte AK 12,- Euro Australien angesiedelt, „So könnte ich sie: hätte sie zur Recherche die Abende, die Bäuerin und Selbstversor ich LIVE dorthin fahren hause bin, verbringen.“ zuROBB und wochenlang gerin Sanft hügelig Gedacht, zum Debüt-Album im Herbst 2016 Als Anlauf bleiben müssen und spärlich bebaut getan. – unmöglich April ihre zweite veröffentlichen ROBB im für EP der Vorort von ist sie. Nach zirka Wangen, in dem namens „HEAT“. Die Songs sind die konsequente drei Jahren Daniela mit ihrem Mann Weiterentwicklung des bisherigen ROBB-Sounds: Christian Alge Progressiver Soul mit starken Elektro Funk- und (38),
davon 1,25 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
Grundeinkommen für alle Können wir uns ein Leben ohne Existenzangst leisten?
d
Das Hungerjahr 1816 Als Vorarlberg so arm war, dass Menschen Gras aßen.
Go, Florian go! Wie ein junger Bludenzer um seine Zukunft kämpft.
Multikulti Multitalent
Bezahlte Anzeige
Zaker Der gebürtige Afghane erst seit Soltani (18) lebt drei Jahren in Vorarlberg einen und gewann bereits Er besitzt Redewettbewerb. s Talent. auch künstlerische sagt er: Von einigen Bildern ich hätte „In Afghanistan so etwas zu niemals gewagt, 18-19. malen.“ Seiten
Heimische Naturküche Wo wir jetzt schmackhafte Wildkräuter finden können.
R&B-Einflüssen. Support: Ur
30 /
E d W u d n Kop
Eine Frau der Tat
Sabine Klotz (31) aus Bizau hat eine Hilfsorganisation für Nepal gegründet. Dass sie dafür ihr ganzes Geld verbraucht, macht ihr nichts aus. Für sie zählen andere Dinge im Leben. S. 6/7
Bild des Monats
Foto: Rudi Hämmerle
#2 / Jänner 2016
Kultur Foto: Petra Rainer
Der Schafhirte Lustenauer Riedvom
K
Foto: Frank Andres
4/
Ernst Thurnherr ist von Mitte November bis Ende März als Schafhirte im Lustenauer Ried und im Rheinvorland im Einsatz. Und das bei jedem Wetter. Seit seiner Pensionierung kümmert sich der Diepoldsauer hobbymäßig täglich von 9 bis 15.30 Uhr um bis zu 150 Schafe. „Die Tiere sind den ganzen Winter auf der Weide. Auch wenn Zentimeter Schnee es 20 haben sollte“, betont der 72-Jährige. Die Schafe seien schließlich viel besser gegen Kälte geschützt wir Menschen. als
A
m m
DIE KLEINEN AUF DIE BÜHNE
BUNT DAS LEBEN ISTLTIG UND VIELFÄ
mm
en den Kindergart r: Wir gehen in unsere LebensLeben der Vorarlberge ähnelt sich das Tante-Emma-Laden In vielerlei Hinsicht kaufen im Supermarkt oder im in unserer Kultur der Sonntag ist wir es und Internet, leben anders. und in die Schule, eigene Wege – sie Handys, Smartphon r aber gehen ganz mittel, wir benutzen ist. Wie solch andere etc. Manche Vorarlberge dem dies möglich der Ruhetag etc. zuhause sind, in mit „Anders leben“. zeigt die marie wir in einem Land sie gelebt werden, Welch Glück, dass aussehen und weshalb ürfe Lebensentw
M
Mittendrin in V
Kultur in Vorarlberg. Viele denken dabei an die Festspiele, an das Kunsthaus, das Landestheater oder die Schubertiade – an die Hochkultur. Daneben gibt es im Land aber zahlreiche kleine Kulturinitiativen, die Kleinkunst anbieten. Und zwar bis hinein in die Talschaften wie das Montafon, das Klostertal oder den Bregenzerwald. Katharina Leissing, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, erklärte vor kurzem in der ORF-Sendung „Kultur nach 6“: „Die Vorarlberger Kulturinitiativen sind extrem stark, das Angebot ist dicht und vielfältig. Wenn man es mit Wien vergleicht, würde ich sagen: In Vorarlberg ist nicht weniger los. Jeden Tag könnte man mehrere Kulturveranstaltungen besuchen.“ Bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist aber: Diese kleinen Kulturveranstalter arbeiten großteils ehrenamtlich. marie möchte dieses Engagement würdigen und gleichzeitig zeigen, wie dicht das Kulturangebot in Vorarlberg ist. Deshalb werden kleine Kulturinitiativen vorgestellt.
Anders Leben
ZU WENIG GELD FÜR EIN DACH ÜBER DEM KOPF Auch bei uns gibt es Menschen, die auf der Straße leben - vor allem in der warmen Jahreszeit. Sieben Einrichtungen helfen und bieten ein, zumindest übergangsmäßiges, Obdach an.
Text: Elisabeth Willi Foto: Petelow Witalij
KULTUR IM ALTEN BAHNHOF
34
A
Der Bahnhof in Andelsbuch - ehemals ein Teil des Wälderbähnles - wird seit 15 Jahren als Kulturstätte genutzt und vom „kulturverein bahnhof “ ehrenamtlich geführt. Laut Obfrau Margarete Broger ist der Bahnhof der kulturelle Nahversorger im Bregenzerwald.
/5
alender
Text: Elisabeth Willi Fotos: Darko Todorovic
Veranstaltungsk
Kulturpass akzeptieren den Alle Veranstalter l äßigten Eintritt. für freien/erm unter www.hungeraufkunstundkultur.at/vorarlberg.htm
N DAS SCHEITERER DAZU GEHÖRT IMM 26
aus Hard Daniel (35) Kutzer Carolin (40) und in ihrem Garvon Gemüse, das ernähren sich nur als Experiment vor fast drei Jahren ten wächst. Was ein zentraler Befür beide heute hat begonnen hat, ist Lebens. Ans Aufgeben standteil ihres täglichen nicht gedacht. Sie geben noch rger immer das Ehepaar bisher Scheitern als Selbstverso aber zu, dass das eine Option ist. Andres
Infos über den
A
Altes 20 bis 22:30 Uhr, Do., 4.2.2016, Eintritt: 9,- Euro Kino Rankweil,
R KONTAKTCHO Singen“
lädt ein zum „Offenensingen asylwerbende MenSeit ein paar Monaten Flüchtlinge mit sangesfreuschen und anerkanntein Feldkirch. Dieser neue Ort Kolumnist, digen Leuten vor erfahrenen Chorleiter, Chor wird vom geleitet. Einmal Ulrich Gabriel Musiker und Autor besteht nun im ersten Montag, für ein im Monat, jeden die Möglichkeit Theater am Saumarkt das gerne singt, sich dazu interessiertes Publikum,mitzusingen, Kontakt zu gesellen, zuzuhören, aufzunehmen.
Glückliche Familie: (drei Monate alt).
Carolin Kutzer
und Ehemann
Daniel mit Sohn
THE WHO – PARK LIVE IM HYDE (2015)
Uhr, Remise Fr., 5.2.2016, 19:30 VVK 23,-/AK 24,Bludenz, Eintritt: oder allen Hypobanken Euro; Karten in bei Bludenz Kultur.
Park auf Konzertfilm UK The Who im Hyde Im Juni 2015 traten Ort sein konnte, kann sich live vor und wer nicht Form dieses Auftritt nun in den spektakulären Ergänzt werden Gemüte führen. der legenKonzertfilms zu vom Bühnenauftritt – nicht die Aufnahmen Rocker durch Interviews auch dären englischen sondern Who-Mitgliedern, Pop, nur mit den The Musikern wie Iggy mit weiteren bedeutendenMarr. Die Mischung aus Johnny Robert Plant und ist zur Feier des Konzert- und Dokumentarfilm entstanden. 50-jährigen Bandbestehens
BIRGIT MINICHMAYR von Dorothy Parker“
Max Lesung „Texte studierte am Wiener wurde 2001 Birgit Minichmayr Schauspielkunst. in Reinhardt-Seminar Filmfestspielen Internationale sie bei den 51. Shooting-Star des Berlin als Österreichischer Filme wie ausgezeichnet. europäischen Films Parfum – Die GeProduktion „Das Rolle der die Hollywood (2006) oder ihre sie schichte eines Mörders“ (2008), für den „Alle Anderen“ 2009 erhielt, jungen Gitti in bei der Biennale den Silbernen Bären Wie alle Künstler, die in der machten sie berühmt. verzichtet auch Reihe auftreten, Erlös der Kultur.LEBEN auf ihre Gage. Der der Caritas Birgit Minichmayr einem Projekt Veranstaltung kommt Gute. in Äthiopien zu für Aidswaisen
Samuel
Frank Traum vom Selbstvergemeinsam ihren sie und leben seitdem überzeugt, Wunsch sich bewusster Ehepaar Kutzer sorger. alles mit dem Papspäter ist das so viel Müll prongefangen hat haben. Tomaten, Zwei Sommer wollte nicht mehr g getroffen zu Co. gedeihen zu ernähren. „Ich zu mir nehmen“, erklärt Carolin die richtige Entscheidun l, Randig, Salate und Im auch ies. Zudem Sprossenkoh duzieren und erin zu werden. rika, Bohnen, großen Gartenparad Pflug Karzur Selbstversorg Sie mietet Quadratmeter Kutzer ihre Motivation, prächtig im 600 Nägel mit Köpfen. Ackerfläche ohne und beginnt GeQuadratmetern macht sie dann Vorarlberger Einkorn Februar 2013 Garten. Carolin werden auf 1000 das Häuschen samt Roggen, Riebelmais, Startschuss für auf eine ökologische sich in Hard ein toffeln, Dinkel, dabei bewusst Das ist der offizielle setzen enschwes„Wir anzulegen. Kinderkrank Kompost zur Düngung müsebeete Hirse angebaut. rger“. Die gelernte t ans Werk. Sie hatte Es wird nur eigener er müsse man Projekt „Selbstverso Bewirtschaftung. gänzlich unvorbereite ung und Käsekultur Daniel. Als Selbstversorg So habe der verkraften. ter geht aber nicht verwendet“, betont Kleintierhalt , „Ich Rückschläge . „Das hart. wieder Permakultur erste Jahr richtig nicht funktioniert zuvor Kurse in aber auch immer und gestaltet sich das Jahr überhaupt Ans Aufhöbesucht. Trotzdem in der Früh in den Garten gegangennicht einfach dazu.“ Dinkelanbau letztes Carolin, „gehört aber noch ich oft 5 Uhr bin täglich um Scheitern“, erklärt ins Haus. Da hatte Monate alten Samuel nächste von ihwieder zurück aufs Eltern des drei erst um 21 Uhr erzählt die 40-Jährige meint ren hätten die freuen sich bereits Mittag zu essen“, Gegenteil: Sie im Sommer 2013, einmal Zeit, um nie gedacht. Im en Anfängen. Dann, Daniel, einen gelernten ren beschwerlich lernt Gartenjahr. Sie gut mit ihr. Zeit später heiraten es das Schicksal , kennen. Kurze Landwirtschaftstechniker
Text und Fotos:
Kulturpass
am ab 19 Uhr, Theater Mo, 1.2.2016, Eintritt: frei Saumarkt, Feldkirch,
Uhr, Spielboden Fr., 5.2.2016, 20:30 18,- Euro Dornbirn, Eintritt:
ERT FÜR BENEFIZKONZ von CELAL GÜVEM
28 /
Foto: Ingo Pertramer
20 Uhr, Mi, 3.2.2016, ab Spielboden Dornbirn, 19,- Euro Eintritt: VVK 16,-/AK
LIEST: VEA KAISER I ODER DIE MAKARIONISS INSEL DER SELIGEN von den
bis Niedersachsen, ihrem In Von Griechenland bis in die Gegenwart: Fünfzigerjahren in ihrem einzigerzählt Vea Kaiser neuen Roman einer Familie der Glückssuche von Möchartigen Ton von Katastrophen, Und von der und deren folgenreichen und Herzensbrechern. tegern-Helden trifft. man mehrmals großen Liebe, die
Derzeitige Fixtermine Bregenz, in der Tankstelle 9 Deuringstraße
Foto: vovo / Lisa
Mathis
Altes 20 bis 22:30 Uhr, Do., 4.2.2016, Eintritt: 22,- Euro Kino Rankweil,
– DER JAHRESBILANZ 2015VORARLBERGS ABSCHLUSS & George Nussbaumer Ritter von Stefan Vögel Stefan Vögel, Yasmin des George Nussbaumer, Ereignisse schauen auf die einen und Markus Lins wagen per Glaskugel Jahres zurück und auf die kabaretFreuen Sie sich Tagen! Blick nach vorn. aus 365 ereignisreichen tistische Bilanz kultpur Nüziders. Veranstalter ist
MITTAGSTISCH ab 10 Uhr / mitessen
jeden Freitag mitkochen – Fair. Gib, was es Dir – Regional ab 12 Uhr. Bio wert ist.
E KONTAKTCAF Uhr. Eintritt: von 9:30 bis 11 jeden Dienstag frei.
ist eine Zusammenarbeit Dieses Konzert zu Gunsten dem Verein Motif Celal Güven. Murat Üstün mit türkischen Musikers Ekspres und des erkrankten Gründer von Kurtalan Er ist einer der mit Üstün musiziert. hat dort gemeinsam
9:15 bis 17 Uhr, Mi., 10.2.2016, St. Arbogast, KursbeiBildungshaus 14,80 Euro trag: 70,-, Vollpension
UND KRAFTVOLL ENTSCHIEDEN mit Günther Maag-Röckemann
Männerseminar wir zaudern wir uns kraftlos, Manchmal fühlen Leben nur im ist, als ob sich das und zögern. Es Mut, es wirklich würde, ohne den Kopf abspielen eigene Kraft weil wir unsere Schwertzu leben. Vielleicht Angst vor ihr haben. Seminar nicht kennen oder die bei diesem arbeit und Leibübungen, sind ein Weg, in die werden, das Werkzeug sein gilt diese Kraft zu kommen. Es eigene Lebenskraft besten Möglichdamit zu seinen zu erfahren und keiten zu kommen.
eines der letzten bestehenden Gebäude der ehemaligen Bregenzerwälder Bahn. Als das Wälderbähnle 1982 seinen Belein, fein, gemütlich – und trieb einstellte, schien das Schicksal des manchmal ganz schön außerAndelsbucher Bahnhofes besiegelt: Man ordentlich. Das ist der Bahnhof wollte ihn früher oder später abreißen. Andelsbuch im Bregenzerwald. Schon Eine kleine Gruppe engagierter Andelslängst halten hier keine Züge mehr und bucher aber gründete im Herbst 1999 fahren wieder ab, sondern Künstler maden „kulturverein bahnhof “ und adapchen dort Station. Im Gepäck ihre Insttierte in Eigenleistung die ehemaligen rumente, Bücher, Bilder – kurzum alles, Wohnräume des Bahnhofsvorstehers. womit sie den Besuchern Freude, KulDanach wurde der Bahnhof als Kulturturgenuss und Entspannung bereiten. stätte eröffnet unter dem Motto: „Der 52 Veranstaltungen finden hier pro Jahr Bahnhof steht für Ankommen, Aufentstatt, 90 Prozent davon sind Konzerte. halt und Begegnung. Durch die EinrichSchon ganz Große ihres Genres hat die tung als kultureller Treffpunkt haben wir besondere Kulturstätte gesehen, aber dem alten Bahnhof diese Funktion Rockig und groovig spielten „BartolomeyBittmann“ wieauch Kleinen die ersten Schritte in ihre klassischen Instrumente beim Konzert die dergegeben“, berichtet Margarete Broger, im Künstlerkarriere ermöglicht: Die MusiBahnhof. Obfrau des „kulturverein bahnhof “. ker des HMBC traten – lange bevor sie Die Bahnhof-Bühne aus hellem Holz ihren Weh-Tau-Hit landeten – immer ist in schummriges Licht getaucht, auf wieder im Bahnhof auf, und die edition hinten und legt mit seinem Dudelsack den runden Tischchen im Zuschauerbahnhof brachte ihre ersten beiden CDs ein Solo à la Jimi Henrix hin. Mit irgendraum flackern Teelichter. So gemütlich heraus. einem unkonventionellen, besonderen dies ist, auf der Bühne selbst geht die oder lustigem i-Tüpfelchen überraschen Der Bahnhof Andelsbuch wurde Post ab: Ein Dudelsackspieler geht in vor mehr als 100 Jahren erbaut und die meisten der Veranstaltungen ist im die Knie, beugt seinen Oberkörper nach Bahnhof.
K
8
uch in Vorarlberg gibt es einige wenige Menschen, die im Freien wohnen. Zum einen die Roma. Zum anderen Personen, die vorübergehend auf der Straße leben – vor allem in der wärmeren Jahreszeit. Wenn es kälter wird, kommen sie in die Notschlafstellen im Land, sie suchen bei Bekannten oder in einer der Einrichtungen für Wohnungslose Unterschlupf. Neben diesen klassischen Obdachlosen gibt es mehrere Menschen in Vorarlberg, die keine eigene Wohnung haben, aber nicht auf der Straße leben. Sie erhalten Wohnraum, Betreuung und Beratung in einer der Einrichtungen für Wohnungslose. Dies sind: Caritas Existenz und Wohnen, dowas, IfS Krisenwohnungen, Kaplan Bonetti Sozialwerke und die Kolpinghäuser in Götzis, Bregenz und Dornbirn. Im Jahr 2014 wohnten in den genannten Institutionen etwa 600 MenSchlafen auf der Bank: bei uns ein seltenes schen. 475 Personen übernachteten Bild. Viele Wohnungslose kommen in Hilfseinrichtungen unter. in einer der drei Notschlafstellen im Land. Die Gründe für die WohnungsHilfswerk angewiesen.“ Und Michael losigkeit: Meist spielen mehrere FakProzent aus Drittstaaten. WohnunungsDiettrich vom Verein „dowas – der Ort toren zusammen, immer aber ist es losigkeit hat eher ein junges Gesicht. ein Der für Wohnungs- und Arbeitssuchende“ Armutsproblem – es ist zu wenig EinAltersdurchschnitt in den Wohnangeboerklärt: „Die Vorstellung, dass wir hier kommen da. Die Betroffenen haben ten von dowas lag 2014 zum Beispiel oft bei nur Sandler oder Süchtige betreuen ist maximal einen Pflichtschulabschluss, 33,96 Jahren. In der Notschlafstelle der falsch. Natürlich kommen sie auch zu sie sind arbeitslos oder ihr soziales Netz Caritas waren 41 Prozent unter 30 Jahre uns, aber sie sind nicht mehr die Mehrist brüchig geworden. Alkohol, Sucht alt. Die Menschen, die die Hilfseinrichzahl der Klienten.“ und psychische Erkrankungen spielen tungen aufsuchen, sind zum größeren Der größte Teil der Wohnungslosen manchmal ebenfalls eine Rolle. Die Zahl Teil männlich. in den Hilfseinrichtungen sind österreider sogenannten „working poor“ – Die Einrichtungen arbeiten auszugsalso chische Staatsbürger. Zum Beispiel waMenschen, die arbeiten und trotzdem orientiert. Das bedeutet: Wohnungsren zwei Drittel der Personen, die 2014 in zu wenig Geld haben – steigt. So losigkeit wird als Krise verstanden, sagt die den IfS Krisenwohnungen gelebt haben, Peter Mayerhofer vom Kaplan Bonetauch wieder ein Ende finden soll. Das Österreicher. Bei den Kaplan Bonetti Soti Hilfswerk: „Bei uns sind auch einige betreuerische Ziel ist, dass die wohzialwerken kamen im vergangenen Jahr Menschen, die arbeiten oder eine Pensinungslosen Menschen so bald wie mög59 Prozent der Bewohner aus Österreich, on bekommen. Sie sind dennoch auf lich eine eigene Wohnung finden. das 19 Prozent aus dem EU-Ausland und 22
Anzeige
#12 / Dezember 2016
Mittendrin in V IRRTÜME WERTE SITTEN -
stütze ich die Arbeit
als der Kulturen mehr das Zusammenleben verursachen Nichts erschwert Verhaltensweisen einige Angst. Manche in dieser Kolumne Unwissenheit und marie betrachtet derzeit großen Ärger. Diesmal: das Händeschütteln. der Streitpunkte.
von marie.
Meine Jahresspende
R
GIB DIE HAND
im ich werde Mitglied unterJa, Damit marie-Freundeskreis. beträgt:
für 60,- Euro (Mindestbeitrag Schüler/Studenten/Senioren) 100,- Euro Euro
Bei uns ganz normal – in der islamischen Kultur unüblich: Männer und Frauen reichen sich die
Datum/Unterschrift
Meine Adresse:
Name, Vorname
Hände.
Straße, Nr.
H
Telefon
#11 / November
2016
sind tief in uns Frauen. Traditionen als wir glauben mehr verwurzelt – weit von HandDie Weitergabe Glauwar die (wollen). Überzeugungen, istorisch betrachtet lungsmustern, ist Basis der Kultur ungeschützte, ausgestreckte, zur bensvorstellungen Hand, in der und trägt ursächlich nackte rechte ein eines Volkes seiner Mitglieder getragen wurde, gilt Identitätsfindung sonst die Waffe Missachtung Und auch heute sind wir! Eine Friedensangebot. als demonstrative bei: Das Umgangsforunserer traditionellen – neben der das Händeschütteln – viele Fotos wir daher Geste der Versöhnungzwischen einsti- men werten Beleidigung – auch als Werte. das. persönlichen von Handreichungen symbolisieren auf unsere kulturellen uns Angriff gen Kriegsgegnern dass diese kulturellen Handschlag für Dazu kommt, Im Alltag ist der die Wertschätzung auch bei uns „ungeschriebene sie nicht eine Begrüßung, ange- Werte – wir können ausdrückt. Einen Gesetze“ sind und Offenheit kann per Gesetz zu verweigern, zu einklagen. Niemand botenen Handschlag werden, die Hand als grobe Zurückweidazu verpflichtet empfinden wir reichen. sung und Unhöflichkeit. überwiegende ist der Handschlag Die bei weitem Für Muslime BevölkeKoran, der muslimischen unsere Problem. Im eigentlich kein „Wenn Mehrheit ist bemüht, Vers 86, heißt es: es Sure An-Nisa, werdet, rung/Migranten erlernen und soweit Gruß gegrüßt Traditionen zu ihr mit einem ist, auch anzuwenden. schöneren wieder ihnen möglich so grüßt mit einem in Hand“ geht, zurück.” Es ist Wenn etwas „Hand Dort, wo es oder gebt ihn (genauso) jedoch nicht Kultur es für uns gut. an uns, in der islamischen und Männer sich dann läuft ist, liegt es auch noch nicht so üblich, dass Frauen unsere Traberühren und zu sprechen und in der ÖffentlichkeitDieses gegenge- darüber zu machen, nachvollziehbar ist ungedie Hände reichen. ist ein ditionen zu wecken. Das schlechtliche Berührungsverbot Tra- Verständnis fühlen wir uns Gesetz, also eine wöhnlich. Schließlich ungeschriebenes wie bei uns das oder? dition – ganz ähnlich Männern und im Recht, zwischen Händereichen
Text: Barbara Hofer Foto: Klaus Wurzinger
PLZ, Ort
20 /
Beruf
Geburtsjahr
Einzugsermächtigung: zum Ermächtigung Ich erteile eine Jahresspende. Bankeinzug meiner IBAN
BIC
Bankinstitut nur für interne dass Ihre Angaben Wir versichern, Ihre Mitverwendet werden. Zwecke bei marie ist jederzeit kündbar. Freundeskreis gliedschaft im
✂
und Bitte Coupon ausschneiden senden an: marie-Freundeskreis Coworking Campus 1a Hintere Achmühlerstraße 6850 Dornbirn
/ 13 Franz Willi, ein gelassener und gemütlicher Bauer, den so schnell nichts aus der Fassung bringen kann (Foto oben). Von Kindern umringt: Franz Willi war heuer Sommer in Uganda. im mals hat er seine ReiseErstFacebook auf dokumentiert.
„Ich bin ein Schafferty p. So wurde ich erzogen.“
#9 / September 2016
ADIEU, LIEBER HELLMUT
Georgiana (2. von links) und ihre Familie Dragosch, Florentina und Stefano (rechts) haben das Glück, von Menschen aus Vorarlberg begleitet zu werden. Diese unterstützen sie, eine Lebensperspektive ohne Betteln zu finden. Eine Arbeit hat Georgiana bereits, was noch fehlt, ist ein Dach über dem Kopf.
untergebracht zu wissen, Beteiligten „das größte wäre für alle Geschenk überhaupt“. Durch ihren Job kann Georgiana sich eine Miete leisten und ihre Familie mit dem Notwendigsten versorgen. Dass es für Roma nicht leicht ist, in Vorarlberg eine Unterkunft zu finden, ist kein Geheimnis. Umso mehr betonen alle Beteiligten unisono, mit der nur positive Erfahrungenjungen Romni gemacht zu haben und ihr auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Georgianas Begegnungen mögen Glücksfälle sein und dennoch fügen sie sich zu einer Geschichte, die zeigt, dass Zivilcourage und Engagement echte Chancen und Perspektiven erzeugen können. Gerade auch dort, wo man eher geneigt wäre, den Mut allzu schnell zu verlieren.
Mittendrin in V
HEUTE BIN ICH BETTLERI N
18 /
„Das Gefühl tut gut, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird, das gibt mir Kraft, weiterzumachen.“
Pater Patrick Kofi
Kodom
Theologie. Für ein Praktikum in Togo musste er eigens in die Republik Benin, um Französisch zu lernen.
it raschen Schritten geht Pater Patrick Kofi Kodom zum Haus der Steyler Rose für den Frieden Missionare in der Moosmahdstraße Für den Orden in Dornbirn, dort der Steyler Missionare, ist seit Herbst dem Pater Kofi 2015 angehört, hat Hier in Vorarlberg sein neues Zuhause. das Thema Migration kümmert er sich Priorität. 1999 die Belange der um wurde der Seelsorger von Menschen, die seinem Orden aus verschiedensten Gründen gefragt, ob er bereit wäre, „in Bewegung“ „in sind. Der aus Europa zu gehen.“ das Missionsgebiet Ghana stammende Zwei Jahre später, wurde von der Pater nach seiner Priesterweihe Diözese Feldkirch ersten Flüchtlingszum in Ghana, kam Pater Kofi im Missionshaus sorger in Vorarlberg und MigrantenseelSt. Gabriel in Mödling bei ernannt. Wien „Human Mobility“ lernte er eine weitere an. Einmal mehr wird im EngSprache, Deutsch. lischen, der Amtssprache Nach seiner Tätigkeit Ghanas, die Migrations- und als Kaplan Innsbruck kam Flüchtlingsbewegung der junge Theologe in genannt. Pater in Traiskirchen 2005 Kofi sucht den unmittelbar mit passenden Begriff in Flüchtlingsthema dem Deutsch, „vielleicht in Kontakt. Pater schenbewegung“? Menbaute als Erster Kofi Der Geistliche die Schubhaftseelsorge ist Flüchtling, hat in den Abschiebegefängnissen aber selber genug kein Migrationsgeschichte, Wiens auf. Er nahm wie er sagt. sich Zeit für Pater Kofi weiß, Gespräche und stärkte das was es heißt, Selbstwertgefühl fremden Orten an Flüchtlinge, deren jener immer wieder Asylanträge abgelehnt neu zu beginnen: „Überall wurden. Für sein wo man hingeht, Engagement erhielt versucht man, 2010 die Friedensrose er sich in die fremde Waldhausen. Kultur einzuleben. Ich Nachdem Pater habe Kofi die von gelernt und musste Menschen kennenaufgebaute Seelsorgetätigkeit ihm sie wieder verlassen“. Sein Leben liest in guten Händen wusste, sich wie eine Landkarte. studierte er in In seinem Heimatland Pastoraltheologie Rom studierte Pater mit Kofi Philosophie, Migrantenseelsorge. dem Schwerpunkt anschließend in Seit Herbst der Kenia Neubeginn in Vorarlberg. „Ein Mitbru-
IRRTÜME WERTE SITTEN -
stütze ich die Arbeit
von marie.
Meine Jahresspende
marie: Am 20. Juni war Weltflüchtlingstag. Jeder deiner „Jungs“ hat mit Sicherheit Traumatisches einzelne vor und auf seiner Flucht erlebt. Teilen sie ihre Geschichten mit euch? Und wie, glaubst du, finden sie trotz allem in diese spürbare Fröhlichkeit? Margaritha Matt: Ja, ihre Fröhlichkeit ist offensichtlich und durchaus ansteckend! Ich denke, das Vertrauen zu uns ist ein Schlüssel. Das hier ist wie eine Basisstation, die ihnen zusichert, sein zu dürfen, wie sie sind. Sie fühlen sich in diesem Setting wohl, dürfen sich einbringen, erhalten Verantwortung. Unser Bemühen, sie zu verstehen, beantworten sie wiederum mit ihrem Einsatz für ein gelingendes Miteinander in diesem Haus. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben dürfen sie mitgestalten, mehr noch, es tut sich eine Perspektive auf für sie. Und ja, nach und nach erzählen sie uns ihre Geschichten, sie wenden sich bei Problemen vertrauensvoll an uns, wollen sich helfen lassen. Haben die Jugendlichen Kontakt zu ihren Eltern? Manche der Jugendlichen haben ihre Eltern auf der Flucht verloren, sei es, weil sie getrennt wurden oder weil sie gestorben sind. Es gibt aber auch Kinder, die ihre Eltern in anderen Flüchtlingslagern wissen oder deren Familien noch lebe sie als ganz offen, sowohl dem im Ursprungsland sind. Ihr Handy bzw. hauptamtlichen als auch das WLAN ist meist dem ehrenamtlichen Team gegenüber. die einzige Verbindung zur Familie; wenn diese abbricht, Kleines Wunschkonzert am Schluss: kommt es schnell zu Krisensituationen. Was, wenn du einen maEs ist so simpel wie teriellen Wunsch frei hättest? traurig zugleich: „Solange ich online bin, lebe ich noch.“ Ein großes Thema ist die Mobilität innerhalb Wie wird für einen guten, anregenden von Vorarlberg. Tagesablauf gesorgt, Ich bin überzeugt, dass durch die äußere wenn gängige Strukturen wie Schulbesuche Bewegung auch „inetc. fehlen? Wie nere Bewegung“ entsteht – Beziehung frei können sich die SAID-Hausbewohner zu Land und Leuten, bewegen? ein Zugehörigkeitsgefühl, das viele Sehr frei. Einmal am Abend müssen Konflikte im Vorhinein sie sich beim „Check gar nicht erst entstehen lässt. Wenn In“ melden, eine weitere Pflicht wir Flüchtlinge nicht sind die professionelausgrenzen, sondern bewusst in die len Deutschkurse. Dazwischen haben Mitte nehmen, „bewegt“ sie Musikstunden, das ihre Einstellung zu uns und unserer Schachkurse, Sport- und Vereinsaktivitäten Kultur positiv. Die 16 oder machen Euro pro Monat für ein Vmobil-Monatsticket ihre Abstecher Richtung Stadt und für Asylwerber See. Wer im Übrigen können sich unsere Jungs nicht leisten. Deutschkurse schwänzt, bekommt Viele Ausflüge und einen Abzug vom TaKurse sind aber nur bei entsprechender schengeld. Sie halten es ein. Genauso Mobilität machbar, wie auch ihre Dienste ergo: vieles geht nicht, weil dies fehlt. beim Kochen und Putzen. Da würde ich Lösung wünschen, vielleicht 37 „Mobilitätspartner“,mir eine Wie erlebst du deine Jungs in Bezug auf die als die Mann-Frau-ThePaten fungieren und für jeweils einen matik? Ortest du religiös oder kulturell Jugendlichen das Mobedingtes Konfliktnatsticket übernehmen. Oder ihnen potenzial? den Erwerb eines Maximo-Tickets ermöglichen. Die 80 Euro Uns Frauen gegenüber begegnen sie im Jahr wären für sie äußerst höflich, resüber das Taschengeld finanzierbar, aber pektvoll und schütteln uns auch ständig der Maximo-Tarif ist die Hände. Ich erderweil leider nur Schülern vorbehalten.
QUEEN
notreisende marie-Bericht über Kloser Inspiriert vom hat Ingrid Maria Roma in Vorarlberg, geschrieben. eine Kurzgeschichte
beträgt:
Aber wenn Nan zählt, bekommt aus seinem Leben erßergewöhnliche man eine ziemlich auDer 55-Jährige Geschichte zu hören. hat schon so dass wir dafür viel wohl zwei Leben erlebt, chen würden. brau-
R
Mittendrin
/ 29
Schweigemarsch
Zu den Höhepunkten such, von Rumänien gehört sein Vernach Jerusalem marschieren. zu Nan packte alle seligkeiten seine Habin einen Handkarren machte sich und am 4. November seiner Heimatstadt 2001 von mänischen Küste Constanta an der ru3000 Kilometer auf den Weg zu seinem weit entfernten 234 Dollar in der Tasche war Ziel. Mit Monate lang er fast neun zu eine Pilgerreise, Fuß unterwegs. Es war Selbstreflexion, eine Gelegenheit zur die nahm. „Dreieinhalber schweigend unterJahre lang kein Wort“, erzählt er und sagte ich wie er mit den beschreibt, Menschen, denen terwegs begegnete, er unin einer einfachen Zeichensprache und über schriftliche Mitteilungen kommunizierte. Als der Winter anbrach, wurde Unterwegssein das „Ich wanderte noch beschwerlicher. zwar von Rumänien Richtung Süden, in es eiskalt und aber in den Bergen war jeden Tag schneite Unterwegs übernachtete es.“ er im Zelt. Er überquerte die Grenze zur Türkei und schaffte den langen Weg zur Grenze, wo es jedoch Problemesyrischen mit sei-
wie aber hin und wieder und dass ich mich fühle. Mutig nahm ich täglich ein kleines Mädchen es bleiben. In diesem Winter mich nach der ich ließ der unbeschwert – BahnText: Ingrid Kloser Bohne den Zug um 17.09, Stadt zurück brachZug in meinen Fotos: privat, Bettina Kurz bevor der das Arbeit in die kleine ein Mädchen mit eine Roma durch saß hof fuhr, schritt Arm und saß te. Und jedes Mal ein Bündel im Abteil. Die Kleine der kleinen Abteil. Sie hielt es leer Beiihrer Mutter im er Bürgermeister jeden Tag, dass den ließ lustvoll ihre Bünich vermutete wie kerzengerade und Scheu blickte sie in Stadt hatte beschlossen, zupfte still an dem der Weihnachtsvorn. war. Die Queen ne baumeln. Ohne Marktplatz in beugte sich nach den Ein- und Aussteigenden zu befreien, in del und die Frau die Gesichter der Königliches an sich die Sandalen mit zeit von den Bettlern die Kinder über Rock Man konnte jetzt auch den. Sie hatte etwas vom ersten AugenBürunter dem langen eine Schulen wurden ich sie Plateausohlen informiert. Der und so nannte schlief fest in dieses Vorhaben hielt eine sehen. Der Säugling kleiner Mann, blick an die Queen. schwarze Lackschuund auf diese Decke germeister, ein stumm geschehen, Decke eingewickelt ein ZitronenbonDie Queen trug nun Rede. Betteln müsse vor, dass Haaren feine Zöpfchen, legte die Queen komme leider Die he und in den sagte er und es Perlen baumelten. den Bahnhof und bon. an deren Enden auf dem trug auch sie Sandadie, die seit Wochen Gesetz erwartungsvoll Am Tag darauf Bahnbelagern, dieses Hände lagen sie im nächsten die Innenstadt Laut um ihren kleinen Fingernädraulen, so als würde überschreiten. Polster und auf steigen. Denn man immer wieder Flecken eines Nagellacks hof in eine Kutsche zu fragen nenne geln waren alte trafen, ungrausiges Matchwetter Geld oder Essen unsere Augen dem ßen rauschte und dieses müsse zu sehen. Als sich brennen an. aufgeregt auf aggressives Betteln Dafür werde er, der zu vorbei. Sie rutschte und in den Händen als fing mein Gesicht her terbunden werden. Sie wartete, so Polster hin und sorgen. für das Kind. „Gehst du arbeiten?“überfordern. Bürgermeister, nicht hielt sie ein Geschenk mit den Kirschkernan den wolle sie mich Die Marktfrau helging ich vorbei Zweimal schüttelte Am Bahnhof schlechten Schlaf „Hast du ein Kind?“ wollte ihr sagen, kissen, die gegen nicht alles, doch sie und ich ich den Kopf fen sollen, verstand nickte heftig.
GIB DIE HAND
für 60,- Euro (Mindestbeitrag Schüler/Studenten/Senioren)
2016
„Dreieinhalb Jahre lang sagte ich kein Wort.“
gekommen.
14 /
Mittendrin in V
im ich werde Mitglied unterJa, Damit marie-Freundeskreis.
Foto: Petra Rainer
in V
als der Kulturen mehr das Zusammenleben verursachen Nichts erschwert Verhaltensweisen einige Angst. Manche in dieser Kolumne Unwissenheit und marie betrachtet derzeit großen Ärger. Diesmal: das Händeschütteln. der Streitpunkte.
100,- Euro
Euro Bei uns ganz normal – in der islamischen Kultur unüblich: Männer und Frauen reichen sich die
Datum/Unterschrift
Meine Adresse:
Name, Vorname
Hände.
Straße, Nr.
sind tief in uns Frauen. Traditionen als wir glauben mehr verwurzelt – weit von HandDie Weitergabe Glauwar die (wollen). Überzeugungen, istorisch betrachtet lungsmustern, ist Basis der Kultur ungeschützte, ausgestreckte, zur bensvorstellungen Hand, in der und trägt ursächlich nackte rechte ein eines Volkes seiner Mitglieder getragen wurde, gilt Identitätsfindung sonst die Waffe Missachtung Und auch heute sind wir! Eine Friedensangebot. als demonstrative bei: Das Umgangsforunserer traditionellen – neben der das Händeschütteln – viele Fotos wir daher Geste der Versöhnungzwischen einsti- men werten Beleidigung – auch als Werte. das. persönlichen von Handreichungen symbolisieren auf unsere kulturellen uns Angriff gen Kriegsgegnern dass diese kulturellen Handschlag für Dazu kommt, Im Alltag ist der die Wertschätzung auch bei uns „ungeschriebene sie nicht eine Begrüßung, ange- Werte – wir können ausdrückt. Einen Gesetze“ sind und Offenheit kann per Gesetz zu verweigern, zu einklagen. Niemand botenen Handschlag werden, die Hand als grobe Zurückweidazu verpflichtet empfinden wir reichen. sung und Unhöflichkeit. überwiegende ist der Handschlag Die bei weitem Für Muslime BevölkeKoran, der muslimischen unsere Problem. Im eigentlich kein „Wenn Mehrheit ist bemüht, Vers 86, heißt es: es Sure An-Nisa, werdet, rung/Migranten erlernen und soweit Gruß gegrüßt Traditionen zu ihr mit einem ist, auch anzuwenden. schöneren wieder ihnen möglich so grüßt mit einem in Hand“ geht, zurück.” Es ist Wenn etwas „Hand Dort, wo es oder gebt ihn (genauso) jedoch nicht Kultur es für uns gut. an uns, in der islamischen und Männer sich dann läuft ist, liegt es auch noch nicht so üblich, dass Frauen unsere Traberühren und zu sprechen und in der ÖffentlichkeitDieses gegenge- darüber zu machen, nachvollziehbar ist ungedie Hände reichen. ist ein ditionen zu wecken. Das schlechtliche Berührungsverbot Tra- Verständnis fühlen wir uns Gesetz, also eine wöhnlich. Schließlich ungeschriebenes wie bei uns das oder? dition – ganz ähnlich Männern und im Recht, zwischen Händereichen
m
Text: Barbara Hofer Foto: Klaus Wurzinger
PLZ, Ort
20 /
H
Telefon
Beruf
Geburtsjahr
Einzugsermächtigung: zum Ermächtigung Ich erteile eine Jahresspende. Bankeinzug meiner IBAN
BIC
Bankinstitut nur für interne dass Ihre Angaben Wir versichern, Ihre Mitverwendet werden. Zwecke bei marie ist jederzeit kündbar. Freundeskreis gliedschaft im
und Bitte Coupon ausschneiden senden an: marie-Freundeskreis Coworking Campus 1a Hintere Achmühlerstraße 6850 Dornbirn
✂
M
#11 / November Stefan Nan ist nicht zu übersehen. Er balanciert mitten in der Fußgängerzone in Manchester im Kopfstand.
Als Enkelin Vorarlberger Ingrid Auswanderer ist Maria Kloser schon früh mit den Themen und Fremdheit, Heimat Heimweh in Berührung
vom 7. bis 11. September jeweils von 10 bis 18 Uhr. Sie finden uns in Halle 3, Stand 15. Besuchen Sie nützen Sie die Gelegenheit, uns und um Fragen, Wünsche oder Kritik anzubringen. Ihre Meinung ist uns damit wir uns verbessern wichtig, können.
D
Im Interview mit der marie lässt Haus SAID-Leiterin Margaritha Matt, 48, aus Wolfurt in den Alltag mit ihren 37 minderjährigen Flüchtlingen blicken. Und erzählt, worauf es ankommt, wenn eine Wohngemeinschaft dieser Größenordnung gelingen soll.
Interview: Simone Fürnschuß-Hofer,
Der Pater und die Ankunft der Seele
Text: Monika Kühne Fotos: Frank Andres
Mittendrin in V / 13
„VERTRAUEN ZU UNS IST DER SCHLÜSSEL“
K
Seit einem halben Jahr arbeitet Patrick seelsorger für Flüchtlinge Kofi Kodom (46) als Caritasgend zu mehr Begegnung und Migranten in Vorarlberg. Er ruft drinzwischen Einheimischen lingen auf, „damit und Neuankömmkeine Parallelgesellschaften entstehen“. 10 /
Radio Proton sucht starke Männer
HERBSTMESSE
Wir möchten mit Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, gerne ins Gespräch kommen. persönlich Deshalb die marie – Die Vorarlberger ist Straßenzeitung auf der Dornbirner Herbstmesse mit einem eigenen Stand vertreten. Die Messe dauert
Mittendrin in V
Text: Caroline Mallrich Fotos: Frank Andres
Hat man keines, erscheint der Ort als ein Anderer. zu ihrem Mann sagt: „Ich dachte, urz bevor ich betteln Ich versuche, einen wäre nicht mehr geeigneten Platz erlaubt zu betteln.“ es che ich mir Gedankengehe, mazu finden. Wie Ich sitze auf dem sieht er aus? Wo darüber, Asphalt, es nieselt, wie viele Münzen soll er sein? Wo werde und ich warte ich am Ende des Tages in meiner darauf, überhaupt gesehen? gesehen? Werde ich Emaille-Tasse, räusch einer Münze endlich das GeMöchte ich überaus der ich normalerweise haupt gesehen meine Milch mit hören. Es passiert in meiner Tasse zu werden? Fragen nig trinke sein Honicht. Fragen gehen über würden. Wenn Ich versuche mir durch den der Boden des Bechers nicht mein Glück in Kopf. Ein mulmiges Gefühl mehr kirch. In einer Feldmacht sich bemerkbar, ren meine Erwartungen sichtbar ist, wäUnterführung während schwerelos finde ich sofort einen geeigneten kleine RegentropIch schlafe schlecht. erfüllt. Platz. An diesem fen auf das Kopfsteinpflaster regnerischen Tag Ein neuer Job wartet auf mich. ist es hier trocken, fallen. durchstreife die Ich allem aber ist es vor kleine Alpenstadt. Ich eine innere Unruhe wache auf, habe dunkel. mal. Zweimal. Einin mir, bin aufgeDer perfekte Platz, Dreimal. regt. Ich stehe meinen Mut zusammen Ich nehme all auf, ziehe mich meinen Gegenstand, denke ich, stelle an, nichts Besonderes, eben und setze mich der mich heute auf das Pflaster. so wie ich mich gleitet, vor mich beEs ist erniedrigend. fühle. Ich sperre die und versinke in Haustüre zu und meine alte Position. nehme meine Emaille-Tasse Gerade als ich Hände vor das den Kopf senke, erschrecke mit. Laufe zum Gesicht Bahnhof, steige ich. Eine Frau Ich hole die aus: springt direkt vor mich Emaille-Tasse Ich kenne Bludenz Bahnhof Bludenz. und stampft wütend aus meiner Jackentasche. nicht. Die Stadt den Füßen auf mit Dieser Gegenstand auch die Menschen und den Boden. Ich kennzeichnet schaue sind mir unbekannt. ihr ins Gesicht, mich Ich verschaffe mir sie Bettlerin. Ich ziehe nun endgültig als einen Überblick. halten einen kurzen sieht mich an. Wir die Straßen, die Über Moment Blickkonden Augenbrauen meine Mütze bis zu Menschen, die takt. „Ich hasse in mein Gesicht, Häuser. Anscheinend es, ich hasse es, Schal bis zum sind Menschen, Bettelei!“ diese Kinn. Ich erinnere den die um Geld bitten, hier wie ich mir als mich, nicht erwünscht. Kind beim Versteckspiel Bevor ich selbst zur die Hände vors Bettlerin werde, Nicht mehr alleine Gesicht gehalten hätte ich die Situation gerne Ich senke schließlich habe. noch einmal aus Schräg gegenüber, meinen Kopf und Perspektive eines der am anderen schließe Ende der Passanten beobachtet. meine Augen. Passage, sitzt ein Berge, Glühwein, Leidensgenosse. Ich schaffe es buntes Treiben Wie zu erwarten, dauert nicht, den Leuten in Geschäften. So es nur Gesicht zu blicken. ins sehen sie es. Das den Der Rumäne mittleren wenige Minuten. Ich höre Schritte Leben ist schön, wenn Alters kommt an mir vorbei man mich zu, und er gehen, nah und der Tasche durch mit etwas Geld in erklärt mir höflich, auf fern. Ich höre, wie eine Vorarlberg spaziert. sei sein Revier. das Haustüre neben Ich lächle ihn mir laut zugeknallt wird. an und erkläre ihm, dass Ich höre wie eine ich gerne hier Frau bleiben würde. Er gibt sich damit zufrieden.
18 /
Mittendrin in V
Hellmut Fischer (1948 - 2016) ist im Alter von 68 Jahren in Götzis gestorben.
Bei Radio Proton „Das offene Wort“ ist am 2. September Uhr der Verein Reiz von 15 bis 17 aus Dornbirn zu Gast im Studio. Themen anderem Barrierefreiheit, sind unter Assistenzeinsatz und Hans-Jürgen Holzer, Arbeitswelt. Moderator der selbst 90-Prozent-Invalide starke Männer, die ist, sucht noch zwei die behinderten Personen tragen können, und dann in den ersten nach der Sendung Stock wieder runter. Das det sich in Dornbirn, Studio befinJahngasse 10. Radio Proton „das offene jeden ersten Freitag Wort“ wird im Monat ausgestrahlt. UKW 101,1. Hans-Jürgen Zu hören auf der Frequenz lich. „Wenn etwas zwischen Holzer (62) gestaltet die Sendung unentgeltden Fingernägeln brennt, machen“, erklärt er dann muss man was seine Motivation. Der gebürtige Bregenzer gagiert sich seit 35 Holzer enJahren in ganz Österreich als Behinderten-Aktivist.
MARIE AUF DER
Für alle am Thema oder an Mitarbeit Interessierten bietet die Plattform Armutsmigration Information und Vernetzung: https://www.facebook. com/PlattformArmutsmigration/
Wie fühlt es sich eigentlich an, als Bettlerin? In der marie-Redakteurin Fußgängerzone Caroline Mallrich auf der Straße sitzend. von der Passantin wechselt ihre Perspektive zur Bettlerin. und wird für wenige Stunden
In der Mai-Ausgabe der marie hat Hellmut Fischer seine Lebensgeschichte erzählt. Er sprach von seiner Zeit als erfolgreicher Geschäftsmann, seinen psychischen Zusammenbrüchen und seinem Weg zurück ins Leben. Erst Mitte Mai ist er aus dem Kolpinghaus Götzis aus- und in das Haus der Generationen eingezogen. Jetzt, mit 68 Jahren, ist Hellmut Fischer in Götzis gestorben. Die marie sagt Adieu, lieber Hellmut!
VOM HAF ZUM KOL NER PORTEU R
16 /
Text und
Mittendrin in V
Als Seelsorger begleitet Norman Buschauer Mitarbeiter und Klienten aus den unterschiedlichsten Bereichen der Caritas. Wie heilsam es ist, sich begleitet zu fühlen, weiß er aus eigener Erfahrung.
Üb g
6/
SOMMERLICH
Von 0,25 bis maximal 0,75 Euro pro Glas: drinks von Fabienne Köstliche SommerLanderer für die kleine Geldtasche.
Andres
„Es ist traumhaft. Ich habe schwärmt Ronald Allgäuer bisher nur nette froh, endlich und freundliche wieder eine über seine neue Menschen Aufgabe sinnvolle als marie-Verkä getroffen“, Beschäftigun g zu haben. ufer. Er ist
BEN VOM VERGELTEN UND VERGE
„In der Mode geht es mir um Werte. Wertlos ist für mich gar nichts. Im Gegenteil, man kann aus so Vielem wieder Wertvolles produzieren, es aufwerten und neu bewerten.“
Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Frank Andres
A
FRISCH
mH
W
Mittendrin in V
1977 eine (60) hat im Juli und Norman Buschauer die sein Leben geprägt hat. Caritas-Seelsorger Eine Erfahrung, verändert und Vergeltung Messerattacke überlebt. die Themen Vergebung seinen Blick auf Wordran“, sind seine ein und jetzt bist du jungen Studenten te bevor er dem Der Schrei, Bauch rammt. Messer in den ist so markerschütternd, sofort der darauffolgt, am 4. Juli der Nachbarschaft und dass ein Arzt in ls Sofie Buschauer Wohnung zusammenpackt ihrer Retseine Arzttasche 1977 die Tür In Folge ist die und einen junErste Hilfe leistet. wird in in Götzis öffnet dass Stelle, das Opfer weiß sie nicht, tung schnell zur gen Mann erblickt, vor ihr Milz und Zwerchkranker Mensch Feldkirch notoperiert. Beaber Glück im ein psychisch den Fremden dem fell sind durchschnitten, führt am steht. Sie ordnet Einstichkanal 21-jährigen Sohnes Unglück: Der ist sokanntenkreis ihres der Pädak studiert die Lebensgefahr an Herzen vorbei, Norman zu, der Tagen gebannt. auf eine Semesterarbeit mit nach einigen sie sich der heute und sich gerade Umschweife bittet Für die marie erinnert Norman vorbereitet. Ohne Während sie sich und 60-jährige Caritas-Seelsorger ihn in die Wohnung. widmet den Mordanschlag Wäschewaschen Buschauer an wieder dem eine SzeIn einem erstmaligen Nebenzimmer die Zeit danach. uns von den Hinterereignet sich im er Pate“: Der 22-jährige Interview erzählt und wie ne wie aus „Der Buschauzu der Tat kam auch Norman gründen, wie es lange. Besucher, den geprägt hat. erklärt sich nicht ihn dieser Angriff er nicht kennt, Gewissen mich auf dem „Dein Vater hat
Mittendrin in V
Foto: Frank
as Leben von Ronald turbulent. unterwegs. Zwei Jahre Allgäuer verlief Hafner bisher überaus nie“, betont „Ich habe immer Renaissance-, geht er nach nach seinem Lehrabschluss gearbeitet. er. Aber Wien. Er ge einstecken. nicht BarockGebettelt geht die baut Er heiratet nur beruflich muss habe ich Firma pleite. und Rokoko-Stil. dort Kachelöfen als Doch beide zwei Bruder, er im einem gelerntenEr übernimmt Aber nach vier geschieden. Ehen werden nach Mal, bekommt RückschläJahren Doch ein zusammen Koch, Therapien „Der Alkohol hat nur knapp einemzwei Kinder. Jahr später mit seinem Streit auseinanderge hätten kommt das das insolvente Unternehmen. viel kaputt Jahr wieder zu bekommen. ihm aber gemacht“, endgültige geholfen, Kontakt gangen. Aus. Doch deswegen miteinander.“ das Problem gibt er zu. einem Jahr Seitdem ner Fahrkarte haben wir „Wir sind im wohnt er in den Griff Mit 300 sei er nicht auch je Schilling kehrt er stolz auf mittellos. nach Vorarlberg in der Tasche keinen sich. Seit Ich und eihabe“, erinnerthatte nur die Kleidung, zurück. „Ich war er sich. die ich am völlig Seinen Leib getragen chronischergelernten Job kann sein Leben Kniebeschwerd er ab diesem Zeitpunkt en nicht komplett mit Aushilfsjobs umkrempeln. mehr ausüben. wegen Er muss Ronald über Wasser. Hochjoch, Allgäuer schleppt Er hält sich Malerkübel arbeitet als Küchenhilfe am Bau am und ist als Chauffeur
Kultur
32 /
Kalt gebrühter Haselnuss-Kaffee
Was in Amerika schon lange das In-Getränk ist, neue findet man seit geraumer Zeit auch bei uns. Das Spezielle ist, dass bei dieser daran Art lei Hitze angewandt von Kaffee keinerwird, so bleiben Aromen perfekt alle erhalten. Zutaten für 5 Gläser: • 5 EL Kaffepulver • 1 L Wasser • Rohrzucker • Haselnusslikör oder Haselnusssirup • Eiswürfel
MÜLL MACHT
Zubereitung:
5 EL Kaffepulver und eine 1-Liter-Flasche 2 TL Rohrzucker in geben, mit Wasser auffüllen und für mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank geben. Den Deckel jedoch nicht komplett verschließen. Wenn der Kaffee serviert werden möchte, 2-3 Eiswürfel in ein Glas geben und den Kaffee direkt durch ein dünnmaschiges Sieb oder einen Kaffeefilter in das Glas gießen. Pro Glas 2 cl Haselnusslikör oder, für eine alkoholfreie Variante, Haselnussirup hinzugeben und eiskalt genießen.
Das malerische
ake
Zutaten für 4-5 Gläser: • 3 reife Bananen • 2 TL Erdnussbutter • 2 TL Kakaopulver • 2 TL Rohrzucker • 750 ml Soja-, Hafer- oder Dinkelmilch • 1 TL Zimt
Zubereitung:
Die Bananen schälen und stückchenweise in den Mixer geben, alle weiteren taten ebenfalls Zuhinzugeben und mixen. Für den Extra-Frischeki ck, den Bananenshake auf Eiswürfel servieren.
Rüscher blieb nicht
unentdeckt. Ein
Werk des Autodidakten
Alphirte war Weltenbummler, gelernter Bautischler, von Kindesbeinen an seine aus Satteins ist ist Rudhi Rüscher Doch das Malen der 62-Jährige. Lebensberater. tot umfalle“, sagt und astrologischer machen, bis ich „Das werde ich große Passion.
Rebekka Moser
I
finden, viele ihrer Ressourcen nternational ist haben Historie. Übrig kreativ, sondern sogenannte „UpcyGebliebenes aus zeigt, cling Mode“ ckereien, falsch Stiseit Jahren angesagt, einer künstlerischen dass Fricker aus produzierte Stoffe Kleidung und Familie stammt. heimischen Firmen, von Accessoires werden So schneidet sie Materialien aus nicht nur wieder im wahrsten Sinne Konkursmassen Wortes einen Nadelstreif-Anzug des oder Reste von durch besondere verwertet, sondern hier und dort, die nie verwendet aus seiIdeen und Designs nem Kontext – aufgewertet. Aus wurden. Alles, das, was einmal was vom Fließband der Hoeinem Hut wird senbund war, fällt, bevor es Tasche, Knöpfe zieht jetzt als eine dem Catwalk Rocksaum werden Ohrenringe eines Minirocks landet oder daheim auf und Hosen werden Blicke auf sich. gemustert wurde, ausRöcke. Evelyne hat cker frönt dieser FriWert für Fricker. seinen besonderen Leidenschaft schon Kampf dem Einheitslook Wählerisch bei Jahrzehnten und seit Gratis-Rohstoffen den ist Die Entwicklung darf man nicht ihrer Materialien bei der Beschaffung eines Kleidungstückes Im Gegenteil, sein. mehr als erfinderisch. ist genau das, was es ist eine HerausfordeEs sind nicht die rung, „aus dem, nur gebrauchte malerin am meisten ehemalige Kunstwas andere nicht alte Kleidungsstücke, die reizt. Die neuen brauchen, etwas mehr den Weg in ihr Einsichten, der neues Schönes Atelier neue Zugang zu zu schaffen“. Der Zugang etwas, das man in einem ist dabei nicht anderen Zusammennur sehr hang als normal kennt, der neue Blick-
museum angekauft.
E DER MALEND T RAUSCHEBAR
Talent von Rudhi
26 /
Bananen-Zimt-Milchsh
28 /
Resteverwertung kann modisch ungeahnt viel Spaß machen.
MODE
Den Stoff aus dem die Träume sind, gewohnten Fashion findet die Dornbirnerin Pfade. sie liebt es, Gebrauchtem Ihr Arbeitsalltag ist ein Gegenmodell Evelyne Fricker abseits der und scheinbar Überflüssigem zur Wegwerfgesellschaft, nicht nur Schneiderin, und sie ist Textilkünstlerin neues Leben einzuhauchen: Fricker ist mit Hang zur Nachhaltigkeit.
Text und Fotos:
vom vorarlberg wurde kürzlich
Mittendrin in V
Mittendrin
A
in V
Kräuter-Beeren-Eistee
#4 / März
Kind zu bekommen, ein uneheliches Jahren war es verpönt, gab! In den dreißiger Familie keine Unterstützung soweit es bei der Hände. Ich wurde Land und in fremde Als Ausländerin Baby in ein fremdes nicht die Einzige! Also kam ich als machte es und war sicher Freundin. Man damals schon entwurzelt sehr schwer eine dazu: Vier Mitin der Schule nur Ein kleines Beispiel fand ich später Anschluss zu bekommen. füllten meine Mütze mit Schnee, mir nicht leicht, mir, bis der am Schulweg vor damit ausharren, schülerinnen standen ich musste so lange Demütiauf den Kopf, und tropfte. Solche setzten sie mir über mein Gesicht in jungen Jahren zu schmelzen und ich mich schon Schnee begann führte dazu, dass Klasse fühlte. sehr viele. Das gungen gab es als Mensch zweiter abgelehnt, eben sehr man hilflos, minderwertig, nachfühlen, wie Flüchtlingen gut mit den heutigen Aber an HerausforderunDarum kann ich angenommen wird. fühlt, bis man negativen Erfahrung. dieser an sich ausgegrenzt Positive und das ist das entscheigen wächst man, viele Flüchtlinge setzen, damit sich Maßnahmen zu Beispiel Waffenlieferungen Es wären viele zu bleiben, zum für die in ihrer Heimat für Menschen, den würden, doch großes Problem Für ein ist das Doch Umgang miteinander. sofort zu verbieten. als ein friedlicher er möge den wichtiger sind Macht und Besitz ich bitte Gott inständig, und friedliche zu verstehen, doch damit sie gute mich ist dies schwer Herzen öffnen, die Augen und sind. Verantwortlichen zu treffen bereit Menschen für alle Entscheidungen zwölf! Es ist fünf vor
2016
Zutaten für 4-5 Gläser: • 4 Teebeutel Kräutertee mit Brombeerblätte r • eine Handvoll gefrorene Beeren • 2 TL Rohrzucker • Wasser
34 /
Zubereitung:
1 Liter Wasser zum Kochen bringen, die Teebeutel und dann den Rohrzucker hinzugeben und den Tee ziehen und erkalten für ca. 45 Minuten lassen. Dann in Glas einige gefrorene jedes mit Tee übergießen Beeren geben und und servieren.
O M NW M N
N
Jugendlich e hielten ihre schönsten Erinnerun auf Papier gen fest. Dadurch beschäftig ten auch damit, sie sich was ihnen in ihrem Leben wirklich wichtig ist.
Was m chte ich nie vergöes sen?
6/
Dieser Frage Projekt zum gingen 250 Schüler aus fünf auf. Darau Thema Demenz unterschiedlic zeichneten, s entstan den ist ein malten und hen Schulen nach. Buch, das schrieben Bei einem ab April im vorarlb sie ihre wichtigsten gemeinsamen Text und erg museu Fotos: Sara Bonetti m ausgest Erinnerungen ellt wird.
E
M
erinnert rinnern mit seinen und Maßen nahe beieinan Vergessen und den überdimensiona der. Dies liegen len schöpfte 250 Bögen 250 Monaten m dem GymnaSchülern der HAK wurde handgeerst richtig telalterli Papier aus Nepal Bludenz sium Bludenz Er und che Handsc bewusst an eine mitnasium seine geworde hrift. , dem Gym-, Schillerstraße „Demen Ausstellung Mitschüler n. z ist eine Polytech gestalte Feldkirc mehr Familien „Da war nischen Krankheit, Rahmen h, der doch was“ n die Schule dem Gymna die viel des betrifft, geglaubt mit. Im sium BregenzDornbirn und schönsten Kunstprojektes habe“, erzählt als ich anfangs sich seit werden der Gut bewusst Herbst Schüler die gesamm Erinnerungen (17) vom übergreifenden 2015 bei einem , die Alexanelt der Schüler Gymnas straße in Nach der und in ein Buch ium SchillerschulProjekt mit Feldkirc Demenz sechswö gebunden. h und bei seiner beschäft dem Thema chigen Ausstell vorarlbe Tante. Schon ist in Gedank igten. ge war: rg museum Die zentrale ren wurde Welche vor einigen en Wanderschaft wird das ung im Erinner Frabei mein Leben JahBuch auf diagnostiziert. ihr die Krankh gehen von wirklichungen sind für Museum eit Demenz Gemein „Anfang archiviert, und schließlich er Bedeutu noch gut. sam gestaltet im noch in sodass die Sie hat selbst s, da war alles ng? Erinnerungen, en sie ein 50 wenn sie darüber Buch der was ihnen Jahren nachlese Schüler das ab 1. was Ausstellung n können damals hat. Doch verwechselt oder gelacht, April Teil „Da war , Das Buchpro wichtig erschien dann, als der vergesse rarlberg doch was“ was passiert n ihr bewusst museum en ist. jekt kam 2015 ins im vo, sein wird. ist wurde, sie Rollen. im traurig zählt der Herbst Das Buch Die Idee von der geworde Jugendliche. dazu stammt „Aktion n“, erZeit prägte, Wie sehr Kühn, Lehrend Demenz“ ihn ist ihm in und Frauke den vergang diese am Gymnas e für Kulturm enen anagement die beteiligt ium Schillerstraße. en Schulen Sie ins Boot. holte „Es ge-
2,50
#1
Euro
für davon 1,25 Euro den Verkäufer/ die Verkäuferin
/ Dezember 2015
Herz: Kleines Dorf, großes aus FlüchtSchruns macht lingskindern Montafoner.
aus:
Veganer Festtagsschm
Euro ein Wie man um 2 bereitet. köstliches Mahl
Unfassbare Armut: RomaVom Leben einer Familie in Vorarlberg.
O H
M
/ 25
U
erbesserin Ihre Möchtergerne-Weltv
Name und Telefonnummer
2,50 Euro
davon 1,25 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
Ein Tag als Bettlerin Selbstversuch auf den Straßen Vorarlbergs.
ARTquer in Frastanz Wo besondere Künstler Besonderes schaffen.
der Redaktion bekannt
En F d anpaau k
/ 27
#2 / Jänner 2016
Was macht euch glücklich? Ein Vergleich zwischen zwei Kulturen im Ländle.
W
Brief an die marie
ZUM THEMA FLÜCHTLINGE
erabgezeichnet“, Heiligenbildchen Rudhi erst mit schon in der Volksschule zu malen beginnt ÖlfarbDoch ernsthaft Weihnachten einen innert er sich. Frank Andres Meistern seine Mutter zu Werke von Alten 17 Jahren, als ihm Er kopiert zunächst Fragonard. Später malt er Durchbruch glaubt kasten schenkt. künstlerischen mir Satteins und Jean Honore „Den habe ich n den großen wie Édouard Manet seiner Heimatgemeindemanchen Ich heute nicht mehr. Dorfansichten Rudhi Rüscher Van-Gogh-Schicksal. beMalkunst gefällt Landschaften, Ich erleide das auch im Stillleben. Seine wenn ich abgeschminkt. Maler gefeiert, und am liebsten kaufen ihm erste Bilder ab. Aber um mit Hudann als großer sein Schicksal werde wohl erst war für mich Ansporn, Leuten. Verwandte Kunden. „Das bin“, trägt der 62-Jährige Rüscher sich selbst reits gestorben Dorf hat er einige verkannt, wie Rudhi erzählt er. hat erst kürzder Malerei mor. Aber so gänzlich Das vorarlberg museum weiterzumachen“, Ziel. Er will von heiraein ehrgeiziges er nicht. sich nicht. Er ist für einen AutodidakRudhi verfolgt beschreibt, ist bisschen Lebenstraum erfüllt ihm gekauft. „Das Statt sich Es fühlt sich ein lich ein Bild von leben. Doch dieser Jahren zum ersten Mal Vater. sagt der ganz Besonderes. 25 in die Berge. ausziehen würde“, ten wie mich etwas tet und wird mit mit der Familie entdeckt meiner Kinder widmen, geht er Liebe zur Malerei so an, als ob eines der Malkunst zu Rauschebart. Die frühen Jahren. „Ich habe Mann mit dem bereits in der einstige Klosterschüler
Text und Fotos:
Mittendrin
S
Flucht aus Vorarlberg Als Not herrschte, suchten Viele ihr Heil im Ausland. 22 /
Bunter Vogel
V: Eine Vision in sich Daniela Egger stellt vor. ein anderes Vorarlberg
Adolf Halbeisen blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Der 76-Jährige war Frächter, Skiliftbetreiber und Hüttenwirt. Seit Jahren lebt er in einem Wohnwagen in Altach. Die marie hat ihn besucht. Seiten 12/13
CH WA K N M N CH M H
und „Elke“, Seele sind Walter in Ein Herz und eine wohnt im Bonetti-Haus besucht der Hahn. Walter gefiederten Freund Tier, Dornbirn. Seinen eigentlich ein wildes er fast täglich. „Elke“, bereitwillig kraulen und lässt sich von Walter dass ich ihn mag. Deshalb spürt, knutschen. „Er sagt Walter. vertraut er mir“,
H
M
eit einem Jahr um ihr Pflegebewar sie zu schwach , tt zu sah und hörte kaum verlassen. Sie und sagte noch etwas im marie-In „Haupts terview ache ich bin immer dankbar: sund.“ noch geAuf Fotos, die burtstag , am 29. an ihrem 100. Gewurden, Mai 2006, sieht gemacht noch frisch-fr man Anna öhlich ihrem Hämmerle zuproste Sitznach n und Walzer barn marie Mitte tanzen. Februar terview die Greisin Als die besucht, zum Inist gealtert. Sie wohnt sie dann doch etwas ihrem Elternha zwar immer noch in us in der Lustenau, Vorachs ist aber auf Uhr-Bet eine Rund-utraße in reuung m-dieangewie bett kann sen. Ihr sie nicht mehr verlasse Pflegewäre sie zu schwach n, dafür .
Bantli und
Mittendrin in V
Miteinander
in V
Anna win kte de Kaiser pe rsönlichm zu
Anna Hämm erle ist Ende Nur wenige Februar Tage vor im Alter von 109 dass es ihr ihrem Tod, trafen Jahren in letztes sein wir ihrem Heima würde. Wir sie, Österreichs tort Lusten älteste sprachen au verstor Text: Gernot mit ihr über Frau, zum Intervi ben. Fotos: MarkusHämmerle ew – ohne Erinnerungen Gmeiner zu ahnen, aus ihrem Leben.
SCHRÄGE VÖGEL UND SCHACH BIS ZUM ABWINKEN
O
Beim Freiluft-Schachbrett neben dem Wirtshaus am See in Bregenz wird Schach gelebt. Mit Zigarre im Mund, einer Bierdose in der Hand oder wild gestikulierend und lautstark diskutierend. Zuschauen, mitreden und mitfiebern ausdrücklich erwünscht.
Läuob
Erika Percinli li c, 76 Jahre ge Kind alt, ist von mert sich Anna Hämmerle das einziseit und kümbeim Gespräc Jahren um sie. Erika h mit der ist hilft uns, Anna Hämmemarie anwesen besser zu rles Antwor d, verstehe ten n. Denn rige erzählt mit schwach die 109-jäh Anna Hämmerle verständ licher Stimme er, teils schwer(Jahrgang 1906) mit haft. Erika eher bruchstü einem Foto, ergänzt das sie als ckoder Episode wenn junge Frau cheln huscht n, die sie nötig die Sätze zeigt. dert Mal über Anna wohl schon sicht, als aus dem Hämme sie vom gehört hat. Mund ihrer hun„guten Bantli“ rles Geeine Art zumeist Mutter Landjäger) (Anm.: den Ersten Ob Anna Jause zum erzählt, Zweiten.“ Weltkrie den es als le die älteste weiß, dass sie g, nicht Als Schulkin dazu gab. „Läuobli“ (Anm.: mittlerw den einmal Österrei Und wenn Brotsorte) eiHämme dem Kaiser d habe sie sogar cherin gar noch rle wunken, eine Limo. es ganz gut ging Die Älteste? überrascht: „Jessasist? Anna erzählt Anna persönlich zugesoIn ihrem ohne Stolz. Maria! immer nochMir egal, Hauptsa Oft habe Hämmerle nicht beitet. Lange Leben hat Anna che ich Es habe gesund!“ sie Hunger viel gearnoch, wie nichts gegeben Sie erinnert bin kord Männer Jahre in der Schweiz gehabt. sie Stockrüben sich die Schweiz als Kind mit hemden im Akoder Riebel. , außer vielleich vom Krieg dem genäht. Sie er Berge t beginnt durfte. Und Vater in das Wort zu erzählen. Da Spontan ein LäKaiser. Erika fällt auch singt sie „Wenn sie Obwohl ein Lied vom Krieg Percinlic erklärt: es sie offensic erzählt, kostet, die htlich große meint sie Augen beim Mühe net zu halten, Erzählen kann sie geöffherzhaft lächeln,
16 /
Foto: Frank Andres
Johann Pühringer (linkes Bild) und Urs Wintschnigg (r.) vom Schachklub Bregenz gehören quasi zum Inventar beim Freiluft-Schachbrett beim Wirtshaus am See.
Foto: Robert Thoma
Text und Fotos: Gernot Hämmerle
so laut vor sich hin, dass es selbst für Bei den Freiluft-Schachbrettern in schwerhörige Kiebitze (so nennt man Bregenz verstoßen die Schachspieler it Schach assoziiert der und die Zuschauer bei Brettspielen) kaum zu auch die Kiebitze so ziemlich gegen Durchschnittsbürger höchste alle überhören ist: „Kann ich mir das erlauRegeln des professionellen Schachspiels: Konzentration, Stille, Ernstben? Zwei Bauern für eine schwache Köhaftigkeit. Ganz anders, wenn man spätNoch während die Partie im Gange ist, nigsstellung? Nein ich kann es mir nicht nachmittags oder abends bei den beiden werden Züge in Anwesenheit der Spieler erlauben!“ Er macht einen Zug und Freiluft-Schachbrettern beim Wirtshaus analysiert und diskutiert. Nur wenn eibeißt danach in seinen mitgebrachten am See in Bregenz vorbeischaut. Beim ner gar zu viel dreinredet, hört man mal Wurstsemmel. Heftiges Kopfschütteln Lokalaugenschein der marie an einem ein „Halt die Pappn“. Rauch- und Alkound Gestikulieren bei den zuschauenangenehm warmen Septembernachmitholverbot existieren nicht. den Experten am vorderen Schachbrett. tag belagern 15 bis 20 Herren – die jüngsHarry Amann vom Schachklub BreWeiß hat soeben mit seinem Springer ten Mitte 20, die Ältesten seit Jahren genz ist einer der Stammgäste bei im den den schwarzen Springer geschlagen, Ruhestand – die beiden zirka vier Schachbrettern am See: „Am frühen mal Schwarz hat ohne zu überlegen zurückvier Meter großen Schachbretter, besteNachmittag fangen meistens die Pensiogenommen. „Was hättest du gemacht, hend aus weiß bzw. schwarz angemalten nisten an, dann kommen einige nach der wenn Weiß Te8 Schach gespielt hätte, Steinplatten. Beim vorderen Spielfeld Arbeit hierher zum Schachspielen oder hat hä?“ richtet ein Kiebitz seine Frage dies sich Hund „Axi“ auf den freien Feldern Zuschauen. Manchmal gibt‘s auch noch rekt an den Führer der schwarzen Steine. a4 und a5 gemütlich gemacht. Flutlichtspiele bis nach Mitternacht.“ Dieser antwortet prompt: „Dann wäre „Und früher haben sie bei strömendem Der Spieler am hinteren Schachbrett, ich mit dem König auf h7 ausgewichen, der offenbar gerade am Zug ist, sinniert Regen mit Regenschirm bis in die Nacht und der Angriff ist abgewehrt.“ hinein gespielt. Da sind schon ein paar
M
Gsi
Jahre Die ersten 25 Hohenems Jüdisches Museum Alle Details unseres ms auf: Jubiläumsprogram ms.at www.jm -hohene
M
M
A
#11 / November 2016
Bild des Monats
D R OUNDTRACK N R UCHT
24 /
acht- bis 16-jährigen Verschiffung von geschickt. Oberschwaben
Buben und Mädchen
am Hafen
sie ihren in Bregenz. Damit
Familien nicht
zur Last fallen,
werden sie zum
Arbeitseinsatz nach
FLUCHT AUS VORARLBERG
Auf einen Kaffee ins Loackerhuus Foto: Frank Andres
Jahrhundertelang . Im Gegenteil. „Einwanderungsland“ wo es Arbeit und Freiheit gab. nicht immer ein Vorarlberg war e ihr Glück in Ländern, und Erwachsen suchten Kinder
2/
4/
Tiroler Bauernbund Landesarchiv, Archiv , Vorarlberger 1993) Thoma ins öfText: Gerhard E. Klein - Vorarlberger Landesmuseum im Urwald“, Berenkamp, Eindrucksvoll Fotos: Stich von umer: „Dreizehnlinden – Österreicher historisch belegt. das traurige dem (Reiter/Rampl/H Familien aus Bewusstsein trat
vor fentliche wie heute tausende Jugend„Schwabenkinder“ ftlichen Erihre Kinder und Schicksal dieser Roman Nahen Osten ie landwirtscha Elmar Bereuters Westeuropa schicken, nicht aus, alle Fern14 Jahren durch taulichen allein nach träge reichten der“ und den 17. Jahrhundert ernähren. Das „Die Schwabenkin inder“ mit Tobias schickten seit dem Menschen zu Deshalb Familien ihre Kinder sehfilm „Schwabenk war schlecht. Die sende Vorarlberger Teile Bildungsniveau nach Schwaben. Moretti. in Vorarlberg große ein und Jugendlichen Kinderwanderung Kinder und Jugendfristeten auch Die Vorarlberger Jahrhundertelang und erste massenhafte im März auf „Hütekinder der Bevölkerung Besonders nach Ravensburg lichen wurden hartes Dasein. vom Montafon Jahr 1625 kärgliches und das Monist erstmals im das Klostertal, Überlingen waren betroffen Ähnlich Bregenzerwald. tafon und der
D
B G T R CH
Mittendrin in V
T R
Bezahlte Anzeige
hilft Eva Fahlbusch als Geschäftsführerin des Vereins „Vindex“
schutzsuchenden keine Flüchtlingen, die offizielle Hilfe erhalten.
Bild des Monats
#10 / Oktober
2016
SHOW DIE EIN-FRAU-EN GEISTER UND DIE GUT 12 /
großem Herz: ist eine Frau mit – Schutz und Asyl“, dafür ihr Erspartes. des Vereins „Vindex und verwendete Geschäftsführerin Verein aufzubauen Eva Fahlbusch, Job auf, um den Sie gab ihren krisensicheren
Chance – ohne jede Folter-Gefängnis erzählt Eva. und jenen Menauf eine faire Verhandlung", wie das eines Vindex zu gründenkeine offizielle Hilfe die Es sind Schicksale, blinden Manalschen zu helfen, anfänglich vor schwer kriegsverletzten,Frau berührten. erhielten. Es waren die aus dem Krieg nes, die die engagierte nach dem Dublem Tschetschenen, und auch auf der von S. sollte flohen Der Flüchtling werden. Aufer all die Geschichten in der Heimat Folter und Mord Verfollin-Gesetz abgeschobenund Hilflosigkeit Vertreibung, Gewalt, hört, ihnen Flucht vor Verfolgung, „Manche von seigrund seiner Blindheit gung und Abschiebung hier nicht sicher waren. gestattet, bis zu abgeschoben. wie kann wurde ihm jedoch Vorarlwurden postwendend Väter ohne orbei seinen in fragt sich unweigerlich, Innenjunge nem Abtransport bleiben. in der Bregenzer So verschwanden Angehörigen zu herrsie hinterließen in diesem Büro und berg ansässigen gute Stimmung dentliche Verhandlung, für den Mann ein Eva stadt eine spürbar mit Kleinkindern Vindex setzte sich Lebenskraft, die Krankenversischwangere Frauen Eva Fahlbusch. schen. Es ist pure gebürtige Deutsche sagt das konnte trotz fehlendem eine und viel Elend“, durchsetzen, dass Fahlbusch (55), cherungsschutz wohnend, ausstrahlt. den Mann untersuchte und jetzt in Lochau gerettet Energie und Charme. Vor Abschiebungweg. Rückblickend LKH Feldkirch Behandlung aufzeigdie Eine Frau voller und eine mögliche eine der Qualitäten, es Nicht alle schauten und einem ÜberDas ist wohl nur dass sie damals Wie anders lässt te. Mit diesen Attesten dem zuständigen meint Eva Fahlbusch, und der bei dieser Job verlangt. der Menschen raschungsbesuch der Bezirkshauptjemand einen krisenvon der Not sich erklären, dass und sein Erspartes negativen Berichtsehr oft Vollzugsbeamten medialen, Eva Fahlbusch, sicheren Job aufgibt Vereins für schutz„kriminelle Asylwermannschaft erreichteFlüchtling persöneines –, so erstattung über den für den Aufbau offizieller Seite verwendet. Was den dass der Beamte ber“ – auch seitens sie einfach handeln bekam. „Wir baten er suchende Flüchtlinge gestellt hat, das ist dass lich zu Gesicht Beine schockiert war, wurden Rat zu geben, was die Frau auf die unsere Initiative Beamten, uns einen würde. Wie er seialltäglich. musste. "Durch junge Familien alles andere als unserem Fall tun Familientherapeuwenn in Menschen und würde, dem mehrere diplomierte helfen Die Jahren gerettet und nem Angehörigen mehr als drei in ein vor der Abschiebung tin hat vor etwas verbundenen Weg in einer Sozialdamit oft direkt ihre sichere Anstellung um den Verein einrichtung gekündigt,
Hofer Text: Gerhard Foto: Frank Andres
W
4/
Hundeliebe geht unter die Haut Foto: Christine Hemlep/
hemlepfotografie.de
Dieter Prettenthaler hat sich ein Bild eines Wolfes, umringt von verschiedenen Hunderassen, auf seinen Rücken tätowieren lassen. Darunter geschrieben steht canis lupus familiaris, der lateinische Name für „Haushund“. In seinen Armen hält er Jindalee und Jorek, seine beiden Australian Shepherds. Für den 48-jährigen Harder ist der Hund „der beste Freund des Menschen“. Die hat den erfahrenen Hundetrainer marie zum Interview getroffen. Lesen Sie mehr dazu auf den Seiten 20/21.
/5
und (27) aus Koblach Martin Fröhle aus Meiningen Anita Decker (39) kleine Kaffeepause. gönnen sich eine Servicekräfte Die beiden erfahrenen im LoackerJahren sind seit über fünf der einem Projekt huus in Götzis, beschäftigt. Lebenshilfe Vorarlberg, den Gästen bringen Martin und Anita Kaffee und Kuchen, aber nicht nur auch Küchendienst, sondern machen oder helfen erledigen den AbwaschWenn Sie jetzt mit. in der Backstube im gemütlichen Hock Lust auf einen haben, dann Loackerhuus bekommen vorbei. einfach kommen Sie doch freuen sich über Martin und Anita jeden Gast.
/5
Mittendrin in V
Ansgar Haskamp lebt seit 2009 im Wohnwagen. Und das sehr gerne. Seine Küche mit Waschbecken, Kühlschrank und Wäschetrockner (Bild rechts).
ZUHAUSE IM WOHNWAGEN
Ansgar Haskamp (57) lebt das ganze Jahr über in seinem Wohnwagen am Campingplatz Weiss in Bregenz. Und das nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern: Der gebürtige Norddeutsche fühlt sich hier frei, und praktisch ist es zudem. „Mein Leben im Wohnwagen ist einfach cool“, sagt Ansgar.
26 /
Text: Elisabeth Willi Fotos: Frank Andres
A
nsgar Haskamp (57) lebt ganzjährig in einem Wohnwagen auf einer Fläche von zehn mal zehn Quadratmetern. Er hat dort fast alles, was zum normalen Wohnen dazugehört wie ein Bett, ein Waschbecken, eine kleine Sitzecke samt Tisch oder einen Schreibtisch, auf dem ein Computer steht. Auch jede Menge andere elektrische Geräte sind in seinem Haushalt zu finden: Kühlschrank, Spülmaschine, Mikrowelle oder Fernseher. Aber: Mehr als Umdrehen kann man sich in Ansgars Wohn-/ Esszimmer und in seinem Schlafzimmer nicht. Sollte er je spontan ein Tänzchen vollführen wollen, so würde er sich unweigerlich irgendwo anstoßen. Die Enge stört den gebürtigen Norddeutschen aber nicht im Mindesten. „Ich finde mein Leben hier einfach cool“, erklärt er. Und fügt hinzu: „Es gibt viele, die leben bedeutend schlechter.“ Ansgar, der als Fensterbauer für die Personalvermittlungsfirma MSE Liechtenstein arbeitet, wohnt nicht deshalb
im Wohnwagen, weil er sich keine Wohnung leisten könnte – wenngleich die finanzielle Ersparnis natürlich ein Sahnehäubchen ist. Der Hauptgrund für die besondere Wohnform ist: „Weil es mir einfach gefällt. Man ist frei und kann gehen, wann man will.“ Er lebte vor einigen Jahren in Rosenheim in einer Mietwohnung und wurde plötzlich zu einer Arbeitsfirma nach Wien gerufen. Er konnte seine Wohnung nicht von einem auf den anderen Tag kündigen, sondern hatte sich an die dreimonatige Kündigungsfrist zu halten. Zudem musste Ansgar, bis alles geklärt und geräumt war, etliche Male von Wien nach Rosenheim und retour fahren. „Das war vielleicht stressig“, erzählt er. Heute würde ihm das nicht mehr passieren: Er würde einfach mit seinem Wohnmobil in die neue Stadt fahren und sein Zuhause mitnehmen. Ohne Kündigungsfrist und ohne großes Umziehen. Als Ansgar damals in Wien arbeitete, besaß er bereits einen Wohnwagen – hauptsächlich, um daran herumzubasteln, und dieser stand in seiner Heimatstadt Osnabrück. Der Pförtner der
Baustelle, auf der der Norddeutsche beschäftigt war, wusste von dem Wohnmobil und auch von Ansgars Problemen mit dem Umzug. Er fragte: „Wieso schläfst und wohnst du denn nicht in deinem Wohnwagen?“ „Das wär eigentlich was“, befand Ansgar und setzte die Idee kurze Zeit später in die Tat um: Im Jahr 2009 begann er, für die Personalvermittlungsfirma in Liechtenstein zu arbeiten, und seither wohnt der gelernte Fensterbauer in Vorarlberg im Wohnwagen.
Richtig idyllisch
Auf dem Campingplatz Weiss in Bregenz, keine fünf Gehminuten vom See entfernt. Rechts und links des Schotterweges stehen Campingwagen. Manche Vorplätze sind mit Topfpflanzen geschmückt, vor mehreren Wohnmobilen sind Gartenmöbel aufgebaut, einige Campingwagen sind mit Satellitenschüsseln ausgestattet. Bei einem Stellplatz samt Wohnwagen weist ein selbstgemachtes Schild „Didis Home“ auf den Besitzer hin, vor einem anderen weht eine italienische Flagge. Die Hühner, die entlang des Weges nach Würmern und guten Gräsern picken, tun
#12 / Dezember 2016
Im Wohnwagen rechts hinter Ansgar hat er sich eine Werkstatt eingerichtet. Im Bild rechts: Ein Teil des Küchenblocks, der im Ess-/Wohnzimmer steht.
ihr übriges, um der Szenerie den Stempel aufzudrücken: idyllisch. Abgesehen von Ansgar wohnen weitere Personen ganzjährig auf dem Campingplatz. Bis vor einigen Jahren waren es vor allem Ostdeutsche, die wegen einer Arbeit nach Vorarlberg gekommen waren und erst einmal im Wohnwagen lebten. „Viele von ihnen sind einfach geblieben“, erzählt Ansgar. Alle, die hier wohnen – egal ob ganzjährig oder nur zeitweilig – hätten eine Gemeinsamkeit, meint der 57-Jährige. Den Campingplatz. Das verbinde, und deshalb seien alle gleich per du. Die Nachbarschaft um Ansgars Wohnwagen sei nett. Natürlich gebe es ab und zu auch Differenzen, doch: „Das hat man in einem Wohnblock auch.“
205 Euro Miete pro Monat
Ansgars Reich besteht aus einem alten, geschenkten Wohnwagen, den er als Werkstatt nutzt, einem Anhänger, auf den er eines Tages ein Häuschen bauen will. Daran anschließend ist der Vorraum zu seinem Campingwagen, den er überdacht und mit Wänden versehen hat und den er als Küche sowie Badezimmer nützt. Und schließlich gibt es noch den Wohnwagen mit dem Ess-/Wohn- und dem Schlafzimmer. Toiletten und Duschen sind etwa zwei Gehminuten von Ansgars Zuhause entfernt, doch: „Das geht gut“, sagt er. Waschen und Zähneputzen kann er sowieso in seinem Vorraum, in dem ein Waschbecken steht. Im Winter heizt Ansgar mit Gas, im Sommer kühlt eine Klimaanlage.
Die Miete für den Stellplatz beträgt 150 Euro, für Gas und Strom blättert Ansgar durchschnittlich 55 Euro hin. 205 Euro pro Monat also. Ansgar lebt hier in der Gegend, um Geld zu verdienen. Mit dieser geringen Monatsmiete bleibt ihm gleich einiges mehr übrig. Er besitzt übrigens auch eine Wohnung in Osnabrück. Manchmal – vor allem im Winter, wenn es hier weniger Arbeit gibt – ist er vier Wochen dort. Er genießt dann zwar jeden Tag den Luxus einer Badewanne, aber nach 28 Tagen freut er sich wieder auf seinen Wohnwagen. Die besondere Wohnanlage des Norddeutschen ist an allen Ecken und Enden mit Sachen verstellt: Gasflaschen, Sportbekleidung, Büchern und DVDs, Staubsauger, Werkzeugkisten, Taschenlampen, Brettern, Schläuchen und einigem mehr. Sieht irgendwie nach ei-
nem Sammlertypen aus. „Ja, ich bin ein Jäger und Sammler“, sagt Ansgar und schmunzelt. Letzthin habe er es endlich geschafft, sein Auto, das nicht mehr durch den TÜV ging, zu verschenken. „Ich weiß, ich habe hier viel Müll. Aber wenn jemand etwas braucht, kommt er immer als erstes zu mir.“ Wenn er eine Million Euro geschenkt bekommen würde, was würde er damit anstellen? „Einen größeren Wohnwagen kaufen“, sagt Ansgar. Und fährt sogleich fort: „Ich bin aber froh, dass ich keine Million Euro habe. So viel Geld ist nicht gut für den Verstand, da würde ich durchknallen.“ Es müsse nicht immer das Größte, Schnellste und Schönste sein – da werde man nur überheblich. „Das Wichtigste ist sowieso die Gesundheit. Ich denke, da hab ich richtig Glück.“
/ 27
Liebe Leserin, lieber Leser! Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Bitte kaufen Sie Ihre marie nur bei Kolporteuren, die unseren Ausweis tragen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Daher mögen sie mitunter kontaktfreudig sein. Sie werden aber nicht aufdringlich sein oder betteln. Herzlich, das marie-Team
ist berechtigt personalisierten Ausweises arten Der/die Inhaber/in dieses marie im Rahmen der vereinb die Vorarlberger Straßenzeitung und Projekt sind bei den Behörden Verein Richtlinien zu verkaufen. gt. des Landes Vorarlberg angezei itung.at assenze arie-str www.m Weitere Information unter
Ausweisnummer
Name
Unterschrift
ng einer Straßenzeitung in
für den Verein zur Förderu
Vorarlberg
Ausweisnummer
verkaeuferausweis.indd
26.11.15 08:05 2
verkaeuferausw
eis.indd 1 26.11.15 08:05
Mittendrin in V
EIN LICHTSCHIMMER DER FREUNDLICHKEIT „Ein Fremder ist ein Freund, dem wir noch nicht begegnet sind“. Gemäß diesem irischen Sprichwort setzen sich Ehrenamtliche im Sprach-Café in Mäder dafür ein, dass Asylwerber einen respektvollen Umgang erfahren. Text: Christina Vaccaro Fotos: Le Chun Ye
E 28 /
s ist dunkel an diesem jungen, kalten Abend rund um den Spielplatz der Volksschule Mäder. Doch auf dem finsteren Schulgelände leuchtet eine helle Lichtinsel: durch eine verglaste Gebäudeseite blicken wir in einen ausgeleuchteten Raum, in dem Menschen um einen großen Tisch sitzen. In diesen Raum – das Sprach-Café – eintretend, sind allerlei Stimmen zu hören, deutliche, bedachte und fröhliche Stimmen, mit und ohne Akzent, Frauen wie Männer. Nach einer neugierigen, herzlichen Begrüßung geht der lebhafte Café-Betrieb weiter. Es wird über das Essen nächste Woche gesprochen und über das gemeinsame Reparieren von Fahrrädern am Freitag. Es geht um Fußball, um Deutschbücher. Seit Mai 2015 schafft ein Team von sechs Ehrenamtlichen jeden Dienstag Raum zum Deutschüben und zum geselligen Miteinander: an drei Dienstagen im Monat wird ab 19 Uhr gesprochen, gelernt und geübt, und jeden 2. Dienstag im Monat wird gemeinsam gekocht und gegessen, wobei irakische und persische Gerichte die Vorarlberger Küche bereichern. Die Ehrenamtlichen unterstützen die Asylwerber, wo sie nur können, und gestalten rund um das wöchentliche Treffen weitere Programmpunkte wie etwa einen Ausflug zum Bauernhof „Lisilishof “ in Meiningen oder einen gemeinsamen Besuch der Lehrlingsmesse.
Geduld, Austausch, Verständnis
„Ist der Reifen kaputt oder nur das Licht?“, fragt Andrea Plut-Sauer, Gesundheits- und Krankenpflegerin von Beruf, und nimmt die Fahrrad-Abbildung mit den Deutschvokabeln zur
Miteinander Deutsch lernen und das Miteinander fördern: Asylwerber und Ehrenamtliche im Sprach-Café Mäder. Sie alle sind mit vollem Herzen dabei.
Hilfe. Der Tisch ist voll gedeckt – mit Grammatikbüchern, Lerntafeln und Vokabelhilfen. Um ihn herum sitzen neun Flüchtlinge und die sechs Ehrenamtlichen. Zum Essen gibt es als Vorspeise Geduld, als Hauptgang Austausch und zum Dessert Verständnis – kräftige Nahrung, nach der sich die Asylsuchenden in ihrer Situation verzehren. Ali Almaliki ist bereits seit eineinhalb Jahren hier und wartet auf den Bescheid, ob er nun bleiben darf oder gehen muss. Sein Deutsch ist schon gut, er möchte sich ein Deutschbuch für Fortgeschrittene kaufen, einen Sprachkurs für sein Niveau bekommt er nicht bezahlt. Neben Ali, der im Irak die Universität besucht hatte, sitzt Christine Schranz. Die gelernte Frisörin übt gerade mit Amjad Al Shamari Verbkonjugationen. Amjad ist erst seit ein paar Wochen in Österreich und spricht bereits erstaunlich gut Deutsch. Im Irak ist er Lehrer gewesen und tut sich deshalb beim Lernen leicht. Mit 40 Jahren ist er der Älteste der anwesenden Asylsucher. Die meisten sind Mitte bis Ende 20, Ahmed Jama aus Somalia und Zabi Ahmadi aus Afghanistan sind mit 18 Jahren
die Jüngsten in der Runde. Auf die Frage, weshalb sie beim Sprach-Café mithilft, antwortet Christine ohne zu zögern: „Ich wollte etwas Sinnvolles in meiner Freizeit tun“, und ergänzt: „Ich bin mit viel Herz dabei.“ Dem stimmt auch Katharina Lins, von Beruf Naturschutzanwältin, zu. „Es ist schwer zuzusehen, wie lange die Asylwerber auf den Bescheid ihres Antrags warten müssen und wie sehr sie diese Ungewissheit belastet. Manchmal vergehen etliche Monate. Man kann nichts tun“, bedauert Katharina sehr. Omar Faris aus dem Irak, 24, wartet seit über acht Monaten auf seinen zweiten Bescheid – in erster Instanz wurde sein Asylantrag abgelehnt. Er hat jetzt nur noch diese Chance, fällt der Bescheid wieder negativ aus, muss er gehen. „Ich möchte in Österreich leben“, sagt Omar fest. Im Irak ist seine Familie in die kurdische Region in den Norden geflüchtet und lebt jetzt in Zelten. Er selbst hatte Informatik studiert, bevor er vor einem Jahr und vier Monaten nach Österreich kam. Omar ist sichtlich bemüht, ein Leben in Österreich aufzubauen. Er möchte arbeiten, hat aber aufgrund des abge-
#12 / Dezember 2016
lehnten Antrags Schwierigkeiten, selbst eine unbezahlte Arbeit zu finden. Auch er hat die Anfänger-Sprachkurse bereits erfolgreich abgeschlossen und sucht nun eine(n) Deutschlehrer(in), der/die mit ihm auf fortgeschrittenem Niveau üben möchte. Christine Schranz übt mit Amjad Al Shamari Verbkonjugationen und hat sichtlich Freude dabei. Der ehemalige Lehrer aus dem Irak lernt schnell.
Lächelnd warten
Angefangen hat alles im Februar 2015, als sich Andrea und Christine entschlossen, wöchentlich ein Sprach-Café anzubieten. Schnell erhielten die beiden Unterstützung durch Katharina, Karin Hörburger und Judith Dreymann. Vor kurzem kam Silvia Scherrer dazu. Auch Helmut Giesinger, Gemeindesekretär und für die Asylwerber zuständig, kommt gelegentlich vorbei, und engagiert sich weit über seine Pflichten hinaus. „Sagt man eigentlich Gepäckträger oder Gepäcksträger?“, fragt jemand. Da sind sich auch die Muttersprachler nicht ganz sicher, schnell wird am Smartphone im Duden nachgeschlagen. Gepäckträger, also gut. Die Stimmung im Raum ist trotz der vielen traurigen Schicksale der Asylwerber heiter. Das Ehrenamtlichen-Team begegnet den Menschen mit viel Freundlichkeit, Respekt und Mitmenschlichkeit. Als Außenstehende merkt man kaum, dass das seitens der Ehrenamtlichen mit viel Arbeit und Belastung verbunden ist. Dennoch: „Es besteht der dringende Wunsch, dass Asylanträge schneller bearbeitet werden. Das lange Warten ist auch für uns Ehrenamtliche zermürbend“, gesteht Andrea und wendet sich freundlich lächelnd wieder dem Mann aus Afghanistan neben ihr zu, mit dem sie eine Übung im Deutschbuch bespricht. Es ist ganz offensichtlich, dass das Sprach-Café viel mehr ist als ein Raum zum Deutschlernen. Vor allem ist es eine Herberge, in der die Asylwerber in ihrer ungewissen und unsicheren Situation Respekt und Freundlichkeit erfahren. „Ob sie dann hierbleiben können oder nicht, das liegt nicht in unserer Hand. Aber wie sie diese Zeit erleben, dazu können wir eine ganze Menge beitragen“, beschreibt Andrea die Motivation für dieses große ehrenamtliche Engagement. HINWEIS: Wer mit Omar üben oder sich beim Deutschcafé einbringen möchte, kann sich unter deutschcafe@gmx.at melden.
marie-Leserin Rosemarie Brunner (75) aus Götzis hat der Redaktion das Gedicht „Die Armut“ von Josefine Moos geschickt, das sie in ihrer Schulzeit gelernt hat. An dieses berührende Gedicht, so sagt sie, denke sie jetzt oft, da es gut in die heutige Zeit passt.
Die Armut Ich habe die Armut gesehen! Großäugig stand sie am Wegesrand Und streckte flehend die hagere Hand, Und senkte flüsternd der Stimme Ton: „Habt Mitleid, Herrin, um Gotteslohn!“– In Lumpen gehüllt, die Züge voll Harm, Hielt sie ihr weinendes Kindlein im Arm, Ein Anblick, – so schmerzlich und jammervoll, Dass mir vor Mitleid das Herze schwoll. „Da nehmt und lindert die drückendste Not, Und kauft Eurem hungernden Mägdlein Brot.“– „O Dank!“– sie küsste mir schluchzend die Hand, Die bettelnde Armut am Wegesrand. O Gott! Da kam es mir plötzlich vor, Als trüge die Welt einen Trauerflor, Als senkten sich Schatten, schwarz und dicht, Auf des Tages lachendes Lenzgesicht. „Wer bin ich, Herr, was hab‘ ich getan, Dass Du mir geebnet die Lebensbahn? Die Truhen gefüllt, gesegnet das Mahl, Mich sorglich bewahrt, vor des Hungers Qual? ein Heim mir gewiesen, so warm und weich. Wie glücklich bin ich, wie bin ich reich!“ Und jene, gebeugt von der Wucht des Geschicks, Verfemt, verachtet, Stiefkinder des Glücks. Und wie im Traume schritt ich dahin Und dachte nur immer der Bettlerin. Auszug aus dem „Vorarlberger Lesebuch“, 3. Teil – von heut‘ und ehedem“, 1953, J.W. Teutsch, Bregenz
/ 29
Mittendrin in V
Francis Osariem, 26, Nigeria, verkauft bei Spar Nüziders (1) Ich habe in der Freikirche „God‘s Will International Ministry Dornbirn“ gefeiert. Dort waren viele Afrikaner und auch Einheimische. Wir hatten eine Messe und haben dann miteinander gegessen und getrunken. Es war sehr nett. (2) Genau wie letztes Jahr. (3) Friede und Freude, denn Jesus ist an diesem Tag geboren.
Sonya Patrick, 31, Nigeria, verkauft bei Spar Moosmahdstraße/ Dornbirn (1) Mit Freunden hier in Vorarlberg. Wir haben gegessen, Musik gehört und getanzt. Am Morgen des 25. habe ich meiner Tochter ihr Geschenk gegeben. (2) Auch wieder mit Freunden, weil ich keine Familie hier in Österreich habe. Ich werde meinem Kind noch ein Geschenk kaufen. (3) Gesundheit.
30 /
Carol Viorel, 38, Rumänien, verkauft in der Innenstadt Dornbirn
marie-Verkäufer und ihre Wünsche ans Christkind
(1) Hier in Vorarlberg mit meinen zwei Kindern. Ich war auch in der Kirche. (2) Ich fahre mit den Kindern nach Mailand, wo meine Frau ist. Ich bin von 24. bis 26. Dezember dort. (3) Arbeit und ein Haus in Vorarlberg.
Zehn Verkäufer und Verkäuferinnen der marie aus aller Herren Länder erzählen, wie und ob sie Weihnachten feiern. Viele von ihnen wünschen sich zu dem Fest immaterielle Dinge wie Gesundheit, Liebe und Freude.
DIE FRAGEN (1) Wie hast du Weihnachten letztes Jahr gefeiert? (2) Wie feierst du heuer Weihnachten? (3) Was wünschst du dir zu Weihnachten?
Marc Feunin, 40, Kamerun, verkauft bei Spar Sulz (1) Ich bin Zeuge Jehova. Wir glauben nicht daran, dass Jesus am 25. Dezember geboren wurde. Deshalb ist das für mich ein ganz normaler Tag. (2) Ich werde mich mit meiner Verlobten und einigen Freunden, die auch Zeugen Jehova sind, treffen. (3) Dass die Menschen begreifen, was Jesus zu sagen hat.
#12 / Dezember 2016
Osaro Queen, 32, Nigeria, verkauft bei Hofer Alberschwende
Emma Ikcuwu, 27, Sierra Leone, verkauft bei Eurospar Sägerstraße/Dornbirn
(1) Ich bin mit meiner Tochter in den Messepark und habe mit ihr gespielt. Später sind wir in die Kirche und haben dann zuhause gegessen und getrunken.
(1) Ich habe im Flüchtlingsheim in Tirol mit vielen Freunden gefeiert. Es gab gutes Essen, wir waren in der Kirche und dann in einem Club, wo wir getanzt haben.
(2) Ich gehe mit meinem Kind in die Kirche und dann nach Hause. Wenn ich einen Ehemann hätte, würde der mich ausführen. Da ich aber keinen habe, bleibe ich daheim.
(2) So wie letztes Jahr, denn das war sehr nett. (3) Ein langes Leben und Wohlstand.
(3) Glück für mich und meine Tochter.
Ifesinachi Okoye, 28, Nigeria/Biafra, verkauft bei Eurospar Gisingen
Milovan Jovanovic, 62, Serbien, verkauft in der Innenstadt Dornbirn (1) Ich habe das Weihnachtsfest im Bonettihaus gefeiert. Wir haben gemeinsam getrunken und Weihnachtslieder gesungen.
(1) Letzte Weihnachten waren nicht schön: Ich habe ohne Familie gefeiert, war damals noch nicht marie-Verkäufer und zudem krank. (2) Der Sinn von Weihnachten ist, auf die armen und kranken Menschen zu schauen, ihnen Liebe zu geben. Ich werde Weihnachten deshalb mit solchen Menschen verbringen. (3) Dass ich Weihnachten mit Freude und Liebe feiern werde.
(2) Auch heuer werde ich wieder in Dornbirn, zusammen mit meinen Freunden, im Bonettihaus feiern. (3) Dass ich nächstes Jahr in eine eigene Wohnung ziehen kann.
Gafari Amadou, 35, Benin, verkauft bei Hofer Bludesch (1) Ich habe Zeitungen verkauft und bin dann nach Hause. Ich habe nichts Besonderes gemacht. (2) Ich werde mit meinen Kollegen und Freunden in Bludenz, wo ich wohne, eine Party feiern. (3) Dass ich in Vorarlberg bleiben kann.
Georgiana Rafaila, 27, Rumänien, verkauft in Dornbirn Innenstadt (1) Es war nicht schön. Meine Kinder waren in Rumänien, und ich hatte keine Arbeit. Ich war den ganzen Tag am Bahnhof. (2) Jetzt sind meine Kinder da. Ich werde für sie einen Baum schmücken und mit ihnen feiern. (3) Dass ich eine Wohnung für mich und meine Familie finde.
/ 31
Mittendrin in V
DER VISIONÄR, DER ANPACKT Mit seinem Engagement für Talente Vorarlberg und die Allmenda gestaltet Gernot Jochum-Müller (46) aus Dornbirn schon lange gesellschaftlichen Wandel mit. Sein neuestes Projekt ist das Zeitvorsorgemodell, das sich dem Thema „Gesellschaftliche Überalterung“ widmet. Für sein soziales Unternehmertum erhielt er vor Kurzem ein Stipendium. Text und Foto: Ingrid Delacher
D 32 /
Gernot Jochum-Müller beim Talente-Adventmarkt in Hohenems. Seit seiner Jugend engagiert er sich für Menschen und alternative Initiativen.
ie Motivation, sich für Menschen und Initiativen einzusetzen, entwickelte sich beim Dornbirner Unternehmensberater Gernot Jochum-Müller bereits in seiner Jugend. Die österreichweite Initiative „Brot statt Böller“ der Katholischen Jugend war das erste große Thema, für das sich der 46-Jährige engagierte. „Wir haben vorarlbergweit in allen Städten Jugendliche mobilisiert, an Silvester Aufklärungsarbeit zu leisten.“ Aufzuklären, das Geld nicht in Feuerwerke zu investieren, sondern für Projekte zu spenden. Gernot Jochum-Müller engagierte sich weiter bei der Katholischen Jugend und bemerkte schnell: Das Arbeiten mit Menschen reizte ihn mehr als die Lehre zum Betriebselektriker, die er zu dieser Zeit machte. Während des Zivildiensts entschied er sich, Sozialarbeit zu studieren. Das Thema Geld begleitete ihn auf seinem Lebensweg. „Weil wir nie Geld hatten, hab ich während meines Studiums an Projekten mitgearbeitet und so Praxis und Theorie gut verbinden können.“ Seit seinem Studium arbeitet Gernot Jochum-Müller mit Menschen. Zuerst übernahm er bei der Caritas die Obdachlosenarbeit, wo er einige Projekte mitbegründete, wie die Wohngemeinschaft für obdachlose Rollstuhlfahrer. Er erkannte rasch, dass das Interesse,
gesellschaftliche Probleme zu lösen, bei den wenigsten Menschen vorhanden ist. Das Thema „Sozialer Ausgleich“ ist Teil seines Lebens. Vielleicht prägte ihn sein Vater ein Stück weit, der als Dorfgendarm versuchte, soziale Ungleichheiten auszugleichen, anstatt gleich zu strafen. Sozialer Ausgleich steht für Gernot Jochum-Müller als Obmann von Talente Vorarlberg an vorderster Stelle. Vor der Gründung von Talente pausierte sein freiwilliges Engagement einige Jahre. Erst als vor ungefähr 25 Jahren eine Gruppe Visionäre auf das Thema „Alternative Währung“ aufmerksam wurde, entflammte bei ihm ein starkes Interesse.
System grenzt aus und macht arm
Mit dem Gründungsteam des damaligen „Talentetauschkreises“ beschäftigte sich Gernot Jochum-Müller einige Jahre intensiv mit dem Thema Geld. „Es gab einen Punkt, da hab ich Dinge verstanden.“ Nach ungefähr drei Jahren Recherche zu diesem Thema, stieß er auf die Erkenntnis: „Geld ist der zentrale Hebel für die Veränderung der Gesellschaft.“ Geld, erklärt er, bestimme über alles, was wir tun und über alle Lebensbereiche. Es habe ihn so erschüttert, zu erkennen: „Da gibt es etwas, über das wir so wenig wissen, das so dominant ist und alle Lebensbereiche beeinflusst, ohne dass wir es merken.“ Der Vater von drei Töchtern ist überzeugt, dass unser Geldsystem Armut, Ausgrenzung und
#12 / Dezember 2016
immense Schäden an der Umwelt verursacht. Dieses Thema habe ihn nie mehr losgelassen und ist seither Motor und Motivation für sein Engagement. Ein starker Motor, der ihn seit 20 Jahren für den Verein Talente begeistert und immer wieder antreibt.
„Was kannst du gut?“
„Die Spielregeln unseres Geldsystems sind menschengemacht und veränderbar“, erklärt Gernot Jochum-Müller. Mit Talente und der daraus entstandenen Genossenschaft Allmenda möchte er neue Wege gehen, Geld anders zu verstehen, mit Geld anders umzugehen. An Geld entscheide sich, ob jemand an der Gesellschaft teilhat. „Wer nicht das Geld besitzt, seine Nachbarn und Freunde einzuladen, kann sich kein Netzwerk aufbauen. Ohne Netzwerk sind Menschen in Not ausschließlich auf öffentliche Einrichtungen angewiesen“, erzählt Gernot Jochum-Müller aus seinen beruflichen Erfahrungen. Talente biete seinen Mitgliedern die Möglichkeit, sich mit anderen zu vernetzen und auszutauschen. Bei Talente fasziniere ihn, dass Menschen einander begegnen, die sonst nichts miteinander zu tun hätten. „Beim Verein stellt niemand die Frage ‚Wem körsch?‘, sondern ‚Was kannst du gut?‘. Vermögend begegnet Arm, und sie merken es gar nicht“, freut sich der
Unternehmensberater. Neben Talente Vorarlberg engagiert sich Gernot Jochum-Müller seit 2007 bei der Allmenda-Genossenschaft, die aus dem Verein Talente entstand. Die Allmenda übernahm einige arbeitsintensive Projekte von Talente. Die Genossenschaft gibt Euro-gedeckte Regionalwährungen he-
„Die Spielregeln unseres Geld systems sind menschengemacht und veränderbar.“ raus. In Vorarlberg sind das der V-Taler und die Langenegger Talente. Langenegg gewann mit den Talenten den europäischen Dorferneuerungspreis. „Dank der Dorfwährung bleiben den 1100 Einwohnern jährlich um die 700.000 Euro Wertschöpfung im Ort“, sagt Gernot Jochum-Müller. Mit den V-Talern gelinge es, die Wertschöpfung in Vorarlberg zu halten. Regionale Wertschöpfung und gemeinsam in erneuerbare Energie investieren, dafür setzt sich Gernot Jo-
chum-Müller als Vorstandsmitglied der Allmenda ein. Auf das Engagement des visionären Vorarlbergers wurde auch die weltweit tätige Organisation Ashoka aufmerksam. Sie sucht Menschen aus der Zivilgesellschaft, die sich für gesellschaftlichen Wandel einsetzen, so genannte „Changemaker“. Einer der bekanntesten Ashoka-Mitglieder ist Muhammed Yunus, der in Indien das Konzept der Mikrokredite für Kleingewerbetreibende entwickelte. Ashoka stieß bei der Suche nach österreichischen „Changemakern“ auf Gernot Jochum-Müller mit seinem Zeitvorsorgemodell. Dieses ist in St. Gallen in der Schweiz bereits erfolgreich im Einsatz. Das System von Gernot Jochum-Müller sieht vor, dass rüstige Pensionisten alte Menschen betreuen und dafür eine Zeitgutschrift bekommen, um später selbst Betreuung in Anspruch nehmen zu können. Ashoka mit seinem weltweiten Netzwerk unterstützt Gernot Jochum-Müller mit einem Stipendium über drei Jahre, sich beruflich um die Themen zu kümmern, die die Welt verändern. HINWEIS: Wer sich für das Zeitvorsorgemodell und die V-Taler interessiert, erhält Infos bei Allmenda. Kontakt: info@allmenda.com
Bildungsberatung bringt’s! – Meine Kompetenzen checken – Die richtige Ausbildung – Meine Potenziale kennen – Der optimale Umstieg – Die geeignete Weiterbildung – Mein passender Beruf Bezahlte Anzeige
Ein Institut von:
Gefördert durch: Erwac hsenenbildung
B ildungsberatung Ö sterreich Netz werk Vorarlberg
/ 33
Mittendrin in V
Wenn Männer gemeinsam kochen: Emre, Cyrill, Ceyhan, Ibrahim, Eren und Özkan.
Coole Truppe schwingt Kochlöffel
34 /
Von wegen, Jugendliche haben keine Lust zu kochen. Das Projekt „Rund um xund“ der Offenen Jugendarbeit Dornbirn beweist das Gegenteil. Für die marie haben fünf junge Männer im Jugendtreff „Arena“ groß aufgekocht. Text und Fotos: Frank Andres
D
ie Stimmung in der Küche im Jugendtreff „Arena“ in Dornbirn ist entspannt. Eren (15) macht, während er Walnüsse zerkleinert, den DJ. Zwei Besucher des Treffs beginnen zur Musik zu tanzen. Cyrill (24), gelernter Koch und Jugendarbeiter, ist stolz auf sein Küchenteam. „Die Jungs haben richtig Talent und sind mit großer Begeisterung bei der Sache. Sie machen das alles auf freiwillig.“ Vor knapp zwei Jahren startete Cornelia Reibnegger das Projekt „Rund um xund“. Ziel war es, Jugendliche zum Selberkochen zu animieren. Mit Erfolg: Aus den gemeinsamen Koch-Workshops sind inzwischen drei Rezeptbücher entstanden. Die Rezepte sollen anregen, etwas
Neues auszuprobieren, sind sehr einfach nachzukochen. Ernährungsberaterin Birgit Kubelka hat passend zu den Rezepten Ernährungstipps zusammengestellt. Zudem wird großen Wert darauf gelegt, dass die Zutaten möglichst regional, biologisch angebaut und fairtrade sind. „Das Essen ist viel gesünder und die Jugendlichen wissen, was drin ist“, betont Reibnegger. Inzwischen gibt es im Jugendhaus Vismut in der Schlachthausstraße einen Lunch Club. Zwei mal pro Woche (Dienstag und Mittwoch) kochen Jugendliche gemeinsam. Jeder ist eingeladen. Das Mittagessen gibt es zum Selbstkostenpreis. Aber zurück in die „Arena“. Das dreigängige Menü ist fertig, und die Gäste werden höflich, aber bestimmt zu Tisch gebeten. Na dann, Mahlzeit! Und euch viel Spaß beim Nachkochen.
Die „Rund um xund“-Bücher – soeben ist Teil 3 erschienen – sind über die Offene Jugendarbeit Dornbirn, Schlachthausstraße 11, 6850 Dornbirn erhältlich. Mehr Infos zum Projekt „Rund um xund“ und alle Rezepte zum Download gibt es im Internet unter www.ojad.at. Fragen, Anregungen und Wünsche auch via E-Mail, cornelia.reibnegger@ojad.at oder telefonisch unter 05572 36508.
#12 / Dezember 2016
Während die Nudeln noch kochen, wird bereits der Salat serviert. „Rund um xund“-Projektleiterin Cornelia Reibnegger ist mit dem Ergebnis zufrieden.
Kürbissuppe
Pasta Alfredo
Gemischter Salat
/ 35
Zutaten für 4 Personen:
Zutaten für 4 Personen:
Zutaten Salatdressing
Zubereitung:
Zubereitung:
Zubereitung:
• 1 Hokkaidokürbis • 1 Zwiebel • 750 ml Suppenbrühe • 1 TL Currypulver • 1 Becher Crème fraîche • ½ TL Salz, Pfeffer • 1 TL Zucker
Kürbis waschen, dann zerteilen, die Kerne entfernen und in ca. 1,5 – 2 cm große Würfel schneiden. Die Zwiebel schälen, würfeln, in einem erhitzten Topf andünsten und die Kürbiswürfel dazugeben. Mit ca. 750 ml Brühe aufgießen und Currypulver, Salz, frischen Pfeffer aus der Mühle sowie 1 EL Zucker dazugeben. Die Suppe köcheln lassen. Sie wird recht sämig und ist nach ca. 20 - 25 Min. fertig. Vorsichtig pürieren. Mit 1 Becher Crème fraîche abschmecken.
• 2 Tomaten • 2 Karotten • 2 EL Öl • 2 Zwiebeln • Balsamicoessig • 1 EL Petersilie, gehackt • 1 Handvoll gehackte Walnüsse • frisch geriebener Parmesan • Nudeln
Die Tomaten würfeln, die Karotten und Zwiebeln klein schneiden. Öl erhitzen und die Zwiebeln darin dünsten. Den Essig mit den Tomaten, Karotten und Petersilie dazu geben und 25 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Nudeln in kochendem Wasser kochen. Etwas Öl erhitzen und die Walnusskerne kurz rösten. Die Nudeln mit der Sauce anrichten. Walnusskerne und Parmesan darüber streuen.
• 6 EL Olivenöl • 6 EL Balsamico, weiß • 4 EL Wasser • 1 Zwiebel • 1 kl. Knoblauchzehe • 1 TL Senf • 1 TL Cayennepfeffer • Salz/Pfeffer • frische Kräuter je nach Belieben
Alle Zutaten werden mit der fein gehackten Zwiebel und dem Knoblauch in eine Rührschüssel gegeben und mit einem Schneebesen sämig geschlagen. Dann kann das Dressing kann mit Kräutern verfeinert werden. Es kann auch mit Sauerrahm, Tomatenmark oder frischem Orangesaft aufgepeppt werden.
Eine interaktive Wissenschaftsausstellung
29. SEPT. 2016 – 8. JÄNNER 2017 inatura - Erlebnis Naturschau Dornbirn www.inatura.at www.wirkungswechsel.at 36 /
Bezahlte Anzeige
Rauschende Konzerte, inspirierende Lesungen, aufregende
Ausstellungen, intellektuell stimulierende Vorträge & Diskussionen, aktuelles Theater, poetisches Kindertheater, anregende Kunstwerke, anspruchsvolle Filme u.v.a.m. erleben Sie im Theater am Saumarkt ...
Das aktuelle Programm: www.saumarkt.at Theater am Saumarkt, Mühletorplatz 1, 6800 Feldkirch, Tel. 05522 72895, E-Mail: office@saumarkt.at Bezahlte Anzeige
#12 / Dezember 2016
Gegen Ende Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Mir ist das recht egal. Das alte Jahr ist bald zu End. Es war, wie man die Jahre kennt: Mal gut. Mal schlecht. Normal. Advent, Advent, zwei Lichtlein brennt. Nun kommt der Nikolo. Ich wünsch der Welt ein Happy End, mir einen Schnaps mit viel Prozent. Dann wären alle froh. Advent, Advent, drei Lichtlein brennt. Der Nikolaus war taub. Statt Glück gab’s Krieg im Orient, statt Schnaps ein blaukariertes Hemd. Die hass ich, mit Verlaub. Advent, Advent, vier Lichtlein brennt. Jetzt muss das Christkind ran. Denn wenn der Himmelsdirigent kein Mitleid mit der Welt mehr kennt – zu wem nur bet ich dann? Foto: MCV Kabarettist und Theaterautor Stefan Vögel (47) hat exklusiv für die marie ein etwas anderes Adventgedicht verfasst.
Zu End Advent, kein Lichtlein brennt. Mein Neujahrssekt schmeckt schal. Es brennt das ganze Firmament. Das neue Jahr wird, wie man’s kennt: Mal gut. Mal schlecht. Normal.
/ 37
Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Die Lösung finden Sie am unteren Rand des Rätsels. Lösung
Für Anfänger
19
+33
÷2
-18
×4
+19
-23
+16
÷11
+18 Lösung
Für Fortgeschrittene
6
zum Quadrat
1/3
der Summe
×7
÷21 +75%
zum Quadrat
+79
÷2
-54 Lösung
Für Genies
+25% ÷22
×48
1/6
der Summe
zum Quadrat
3%
der Summe
-75%
zum Quadrat
-80
Lösungen: Für Anfänger = 22, Für Fortgeschrittene = 10, Für Genies = 64
88
International
IM LEID VEREINT
Das Zentrum für heilende Gerechtigkeit in Montreal unterstützt und ermutigt sowohl Opfer als auch Täter bei der Heilung der Folgen von Verbrechen. Jo Redwitch, Verkäufer der Straßenzeitung L’Itinéraire, spricht mit zwei Menschen, die unter den Folgen von Straftaten leiden – einer als Opfer und der andere als Täter. Ex-Häftling René saß für einen Doppelmord im Gefängnis, während Chantal von ihrem Großvater missbraucht wurde. Heute verbindet beide eine tiefe Freundschaft. „Was uns vereint, ist unser Leid, und wir sind beide aus demselben Grund hier, nämlich um wieder ganz zu werden,“ sagt René.
Text: Jo Redwitch Foto: Simon Posnic
Drouin kennen, die Koordinatorin im CSJR Montreal.
„Ich hatte Albträume“
38 /
René hat zwei Menschenleben auf dem Gewissen: „Ich sage häufig, es wird 10.000 Jahre dauern, bis ich wiedergutmachen kann, was ich getan habe. Ich arbeite noch an dem Prozess der Wiedergutmachung.“
R
ené hat zwei Leben auf dem Gewissen; Chantal wurde im Alter von sechs bis zwölf Jahren durch ihren Großvater missbraucht. Das ehemalige Opfer und der ehemalige Anstaltsinsasse suchen das Gleiche: ihre Vergangenheit und ihr Leiden hinter sich zu lassen. René und Chantal trafen sich auf einer Heilungssitzung. Als René seine Geschichte erzählte, war Chantal überrascht über die Art, wie er über sein „inneres Gefängnis“ sprach. Sie schilderten sich gegenseitig ihre traurigen Erfahrungen. So erfuhr Chantal zum ersten Mal von dem Zentrum für ausgleichsorientierte Justiz (CSJR). Aus Angst vor dem Verfahren hatte sie ihr Geheimnis über 40 Jahre lang für sich bewahrt. Sie musste aus sich raus, die Vergangenheit hinter sich lassen. Damals lernte sie zum ersten Mal Estelle
„Als die Sängerin Nathalie Simard, ein ehemaliger Kinderstar, darüber sprach, dass sie sexuell missbraucht wurde, kam etwas wieder in mir hoch“, sagt Chantal. „Ich hatte Albträume und wachte von dem Geruch des Täters an mir auf.“ Chantal hatte bereits in einer Therapie ihre Vergangenheit ans Licht gebracht, sie hatte es jedoch nie geschafft, ihrem Vergewaltiger, der ihr Großvater war, zu vergeben. Erst nachdem sie das Verfahren beim Zentrum für ausgleichsorientierte Justiz begonnen hatte, konnte sie den Prozess des Verzeihens beginnen, und alles kam heraus. Nach diesem ersten Austausch mit Estelle, der Koordinatorin, konnte Chantal mehrere Folgesitzungen pro Woche erhalten. Im Gefängnis organisiert das CSJR Treffen zwischen vier ehemaligen Insassen, vier ehemaligen Opfern und zwei freiwilligen Mitgliedern der in dem Verfahren involvierten Gemeinde. Das Ziel ist, ein Forum zu schaffen, in dem Opfer und Täter sich treffen und frei aussprechen können. Diese Treffen waren für Chantal sehr befreiend. Schließlich erkannte sie, dass sie bereit war, einen Insassen persönlich zu treffen, den der Inzest mit seiner Tochter hinter Gitter gebracht hatte. Dieser Mann ähnelte seltsamerweise ihrem Großvater mit seinem weißen Haar, den blauen Augen und der imposanten
#12 / Dezember 2016
Statur. Sie erkannte ihn ihm ihren Großvater wieder. Die Aufarbeitung des Leidens begann mit ihren Gesprächen. Die Wiedergutmachung und das Verzeihen bauten sich allmählich in beiden auf. Schließlich war Chantal soweit, dass sie ihrem vor ein paar Jahren verstorbenen Großvater verzeihen konnte.
„Es war alles unwirklich“
Trotz der Schwere seiner Tat dauerte es einige Zeit, bis René seine Taten anerkennen konnte. „Nach meiner Verhaftung, auf der Polizeistation, war alles unwirklich“, sagte er. „Ich konnte nicht glauben, dass es so weit gekommen war. Was mir passierte, würde heute eine toxische Psychose genannt.“ Für René war es nicht die erste Bekanntschaft mit dem Gefängnis. Nachdem er jedoch wegen zweifachen Mordes verurteilt worden war, führte er sein Leben möglichst normal weiter. Innerhalb der Gefängnismauern fühlte er sich wohl, und er nahm weiter Drogen, um seine Gefühle zu betäuben. Ihm wurde nicht bewusst, was er getan hatte. „Ich dachte, die Gesellschaft wäre gegen mich, ich war hin- und hergerissen zwischen Wut und Angst“, erinnert er sich. Einige Jahre später kam sein Leben vollkommen durcheinander. An einem Tag wie jedem anderen hatte er plötzlich das Gefühl, zu ersticken, während er nach draußen schaute. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen würde. „Dieser Zustand hielt sich über zehn Jahre. Es ging ums Überleben“, erläutert René. „Ich lebte ein paar Sekunden, manchmal Minuten. Ich dachte, meine Verurteilung würde niemals enden. Ich hatte immer Klingen in meiner Hosentasche und war bereit, sie zu benutzen.“
Schuldgefühle und Scham
René wollte seinem Leiden ein Ende bereiten, wusste aber nicht wie. Die Drogen wirkten nicht mehr. Damals wurden ihm die Verbrechen, die er begangen hatte, wirklich bewusst. Schuldgefühle und Scham überwältigten ihn täglich, aber er konnte sie nicht in Worte fassen. Die Bilder seiner Morde kamen immer wieder, endlos und unerträg-
lich zurück. „Mir ging es wirklich sehr schlecht, ich war innerlich verletzt, und ich wollte ausbrechen und alle töten“, gibt er zu. „Ich dachte, ich könnte nie wieder ein anderer Mensch werden. Ich dachte, niemand kann ein guter Mensch werden, nur weil er sich anstrengt. Mein Gedanke war, dass einfach nichts Gutes in mir war.“ René traf einen anderen Insassen, der ihm half, indem er ihn in eine Gesprächsgruppe einlud. Der Kumpel hörte ihm zu und akzeptierte René so, wie er war, mit seiner Vergangenheit und seiner Sucht. Innerhalb von wenigen Monaten wechselte René sein Umfeld vollständig aus. Er lernte neue Freunde kennen, die nicht drogenabhängig waren. Er beschloss, professionelle Hilfe zu suchen und traf sich mit dem Anstaltspsychologen. Schließlich öffnete er sich. „Eines Tages fing ich an, zu schreien“, erinnert er sich. „Etwas in mir explodierte und alles öffnete sich. Es war, als ob ich das erste Mal das Leben berührte. Anschließend konnte ich nicht aufhören, zu schreien, und ich spürte etwas in mir.“ René spürte eine spirituelle Verbindung, die schon immer vorhanden war, die er jedoch tief in sich begraben hatte. Um sich menschlich zu bessern, unternahm er alles, was im Gefängnis möglich war. Er nahm sein Studium wieder auf und an verschiedenen Workshops teil. Dann erzählte ein Kumpel ihm von der ausgleichsorientierten Justiz. René zögerte nicht länger und wandte sich an Jean-Guy, den Gefängnispfarrer, um mehr darüber zu erfahren. Diese Gespräche halfen ihm, die Schwere seiner Verbrechen zu verstehen. Auf diese Weise lernte er Micheline kennen, deren Sohn getötet worden war. „Sie änderte sich vollständig nach den ersten beiden Treffen. Die Spannung wich aus ihrem Gesicht, und sie schien loszulassen. Ihr Sohn wurde vor zehn Jahren getötet, und sie hatte den Prozess des Verzeihens noch nicht begonnen“, erzählt René. Jetzt verstand er, dass selbst ein Einbruch schwerwiegende Folgen für die Opfer haben kann. „Nach einem einzigen Treffen wird dir bewusst, dass wir nicht mehr Opfer und Insasse
sind. Uns vereint unser Leiden, und wir sind aus demselben Grund hier: um uns selbst wiederherzustellen.“
Anderen etwas zurückgeben
An einer bestimmten Stelle hatte René das Gefühl, dass er etwas loslassen musste. „Ich sage häufig, es wird 10.000 Jahre dauern, bis ich wiedergutmachen kann, was ich getan habe. Ich arbeite noch an dem Prozess der Wiedergutmachung.“ Er gibt zu, dass er nicht darum gebeten hatte, auf Ehrenwort entlassen zu werden, weil er das nach seinem Gefühl nicht verdient hätte. Sein Betreuer sagte ihm, dass er sich nach 26 Jahren Haft und allem, was er unternommen habe, ernsthaft überlegen sollte, einen Antrag auf Entlassung zu stellen. Inzwischen ist René seit zehn Jahren ein freier Mann. Er ist jetzt Streetworker für eine Organisation, die sich um ehemalige Strafgefangene mit Drogenproblemen kümmert, und er geht immer noch zum CSJR, dem Zentrum für ausgleichsorientierte Justiz. „Wenn ich ab und zu jemandem helfen kann, dann bin ich zufrieden.“ Chantal und René, die sich beim CSJR kennenlernten, sind jetzt befreundet. „René ist mein Engel auf Erden. Wir haben nicht die gleichen Erfahrungen, aber wir verstehen einander. Heute ist mein Leben lebenswert.“ Aus dem Französischen ins Englische übersetzt von Alexis Rappe. Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche von Daniel Gebauer/ Translators Without Borders Mit freundlicher Genehmigung des L‘Itinéraire / INSP.ngo.
In Kanada startete die moderne Umsetzung der ausgleichsorientierten Justiz in Québec in den 1990er Jahren und wurde 2001 mit der Eröffnung des Centre for Restorative Justice (CSJR) in Montreal offiziell eingeführt. Die Organisation betreut jährlich rund 40 Personen.
/ 39
Gsi
Um 1900: Eine Bogenlampe beleuchtet den Leutbühel in Bregenz. Damals entstand die populäre Redewendung „die Nacht zum Tage machen“.
40 /
Mensch und Maschine: Das in Bau befindliche E-Werk in Feldkirch im Jahr 1906.
„HOI, S’ELEKTRISCH ISCH DO!“ Ein Knopfdruck genügt und der Strom fließt. Vor 100 Jahren konnten sich die allermeisten Vorarlberger noch kein elektrisches Licht, geschweige denn einen Elektroherd leisten. Text: Gerhard Thoma Fotos: „Kraftfelder – 100 Jahre VKW“
W
o immer elektrisches Licht in den Jahren um 1900 in Vorarlberg eingeführt oder auch nur zeitweise anlässlich eines Festes eingesetzt wurde, überall sorgte es für Staunen, Bewunderung und ungeteilte Zustimmung. Beispielsweise in Lustenau. Kurz nach der am 9. Mai 1905 erfolgten Elektrifizierung durch die Firma Jenny & Schindler berichtete die Lokalpresse: „Am Dienstag kam nach Lustenau ein überaus geheimnisvoller Gast, auf den ein Großteil der Bevölkerung mit größter Spannung gewartet hatte. Es war fürwahr ein Lichtpunkt in der Geschichte der Gemeinde, als dieser geheimnisvolle Fremdling kraftvoll durch die Straßen
und Gassen zog, kühn wie ein Seiltänzer auf Kupferdraht, überall spontan begrüßt mit den Kraftworten: Hoi, s’Elektrisch isch do!“ Schon 20 Jahre früher, im Jahr 1885, gab es für die Dornbirner eine elektrisierende Lichtshow. Schauplatz war der zugefrorene Weiher der Firma F.M. Hämmerle am Fischbach, wie die halbamtliche Vorarlberger Landes-Zeitung berichtet: „Schon am Nachmittag begann sich der Eisplatz mit teils einheimischen, teils von allen Seiten herbeigeströmten Schlittschuhläufern zu füllen und die Rampe des Platzes war von einer mehr als tausendköpfigen Menge fröhlicher Zuschauer bedeckt. Als die Dämmerung hereinbrach, wurde die inmitten des Platzes an hoher Stange angebrachte elektrische Bogen-
lampe mit einer Lichtstärke von 1000 Kerzen eingeschaltet und ein Meer von weißem, ruhigem Lichte badete die ganze Gegend in feenhaftem Glanze. Mehr als 200 buntfarbene Lampions an der Rampe des Eisplatzes erhöhten den Effekt außerordentlich.“ Dazu spielte die Dornbirner Musikkapelle. Ein kleines Feuerwerk sowie eine Showeinlage von buntgekleideten Turnerinnen und Turnern rundeten das Spektakel ab.
Strom statt Öl
Die erste öffentliche Beleuchtungsanlage in Vorarlberg gab es 1885 am Bahnhof Feldkirch-Altenstadt. 1892 erstrahlten der Bregenzer Hafen, die Eisenbahngründe und das gegenüber dem alten Bahnhof gelegene Hotel Montfort im Lichterglanz – als Vorbild diente Fried-
#12 / Dezember 2016
Pionier in Vorarlberg Als Pionier der elektrischen Stromversorgung in Vorarlberg gilt Friedrich Wilhelm Schindler-Jenny (1856-1920). Der gebürtige Schweizer war Textilfabrikant in Kennelbach und Gründer der Elektrizitätswerke Jenny & Schindler in Bregenz. Als 25-Jähriger reiste Schindler 1881 zur ersten elektrotechnischen Ausstellung der Welt nach Paris, wo ihn Thomas Alva Edisons Kohlenfaden-Glühbirne begeisterte. Voller Enthusiasmus kehrte er nach Kennelbach zurück. Sein Anwesen, die Villa Grünau, wurde sein jahrelanges privates Experimentierfeld: Beleuchtung, Herd, Bügeleisen und andere Geräte versetzten Besucher in Staunen. „Sie haben uns ein Stück des 20. Jahrhunderts sehen lassen“, konstatierten Mitglieder des „Wissenschaftlichen Clubs“ bei einem Besuch im Jahr 1893. Im gleichen Jahr präsentierte Schindler seine vollelektrisierte Küche bei der Weltausstellung in Chicago. Mit einer Goldmedaille und einem Ehrendiplom kehrte er stolz nach Vorarlberg zurück.
Der erste elektrische Backofen Vorarlbergs in der Bäckerei Rupp in Bregenz im Jahr 1903. Die Arbeitszeit wurde um ein Drittel reduziert.
Der Fortschritt hat seinen Preis: Dunkle Rauchschwaden über Bregenz-Weidach um 1900. 100 Jahrer später werden die Themen Umweltschutz und Klimaerwärmung zur Überlebensfrage des Menschen.
/ 41
richshafen. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurden Wohnungen, Betriebe und wichtige öffentliche Plätze mit Kerzen, Gas oder Öl- und Petroleumlampen beleuchtet. Wohlhabende leisteten sich Kerzen aus Bienenwachs, ärmere Leute hatten Kerzen aus Fischöl (Tran) oder Tierfett (Talg). Geheizt und gekocht wurde mit Holz und Kohle. Das Leben ist ein ständiger Kampf gegen Kälte und um Licht. In Bludenz wurde erstmals am Neujahrstag 1901 die elektrische Straßenbeleuchtung entzündet. Zwei Dutzend grell leuchtende bogenförmige Lampen lockten „zahlreiche Zuschauer von hier und der Umgebung an, die sich ob der herrlichen Beleuchtung ganz entzückt“ gebärdeten. Als der Mellauer Dorfschlosser Josef Anton Sutter etwa zur selben Zeit seine Beleuchtungsanlage in Betrieb nahm, strömte „alle Abende viel Volk dahin, um sich das Wunder anzusehen“. Dabei wurde schon in der mechanischen Schmiede von Michael Moosbrugger in Egg elektrisches Licht erzeugt. Der findige Moosbrugger hatte einen Gleichstromgenerator an ein Wasserrad angeschlossen. Mit 2,5 PS versorgte er seinen
eigenen Betrieb sowie einige Nachbarn mit Lichtstrom. Ebenfalls in Egg gingen 1894 in der Brauerei der Firma Simma die Lichter an. 17 Glühlampen mit insgesamt 8 PS beleuchteten die Brauerei.
Strom für die Nachbarn
Historisches leistete 1896 das Elektrizitätswerk Mayer in Schruns. Das am Litzbach erbaute E-Werk war der erste öffentliche Stromversorger in Vorarlberg. Die Startleistung lag bei 25 PS und wurde ab 1901 auf 234 PS gesteigert. Die wasserkraftbetriebene Turbine brachte 1903 insgesamt 1038 Glühlampen zum Leuchten. Das entsprach damals der Leuchtkraft von 14.328 Kerzen. Zudem trieb die Turbine fünf Motoren und neun Kochapparate an. Im Jahr 1905 wandelte Heinrich Mayer sein E-Werk in die „Elektrizitätswerk Montafonerbahn A.G.“ um und gehörte zu den Mitbegründern der Montafonerbahn. F.M. Hämmerle in Dornbirn hatte schon 1884 sieben sogenannte Bogenlampen im Werk Fischbach installiert, die aber nur zwölf bis 20 Stunden Brenndauer hatten und im Vergleich zu Glühlampen relativ schlecht waren. Glühbirnen ka-
men wie bei F.M. Rhomberg 1895 zum Einsatz. Der erste elektrische Backofen Vorarlbergs wurde 1903 in der Bäckerei Rupp in der Bregenzer Gallusstraße errichtet. Bäckermeister Hermann Rupp konnte dadurch die tägliche Arbeitszeit bei gleicher Brotmenge um ein Drittel reduzieren. Eine Sensation! Zum Vergleich: Im Jahr 1903 hatte Vorarlberg 130.000 Einwohner und 25.000 Häuser. In ganz Vorarlberg gab es aber insgesamt nur 171 elektrische Kochherde. Noch viele Jahre lang konnten die meisten Leute vom eigenen Herd und Glühlampen nur träumen. Glühbirnen und die nötige Installation waren einfach zu teuer. Der Hersteller – in Vorarlberg war das die Firma Schindler & Jenny – ging deshalb daran, den Kunden die Installation mietweise zu überlassen, ebenso die Stromzähler. Aus den E-Werken Schindler & Jenny wurden 1916 die Vorarlberger Kraftwerke (VKW) gegründet. LITERATUR: Reinhard Mittersteiner: „Kraftfelder: Strom prägt ein Jahrhundert – 100 Jahre VKW“, Bregenz 2001.
Kultur
„Da hat die Krebshilfe Schwein gehabt“ Um die Karten für die Benefizkonzerte der Krebshilfe Vorarlberg gibt es jedes Jahr ein großes Griss. Einer der Urväter des Erfolgs ist Bernie Weber (53) aus Altach. Das soziale Engagement ist dabei längst nicht mehr die Hauptmotivation des Sängers. Ein Gespräch über Karriere, Kumpels und Musik. Interview und Fotos: Frank Andres
42 /
Noch wird für die Benefizkonzerte der Krebshilfe intensiv geprobt. Von großer Anspannung ist bei „Gründervater“ Bernie Weber und seinen Mit-Musikanten aber noch nicht wirklich viel spüren.
#12 / Dezember 2016
marie: Herr Weber, Sie wissen schon heute, dass das erste Konzert am 16. Dezember im Alten Kino in Rankweil bald ausverkauft sein wird. Wie groß ist die Nervosität? Bernie Weber: Das ist pure Entspannung. Wir wissen, das Haus ist voll. Und sollten wir die eine oder andere Note nicht richtig treffen, dann macht das nichts. Bei Benefizveranstaltungen ist das Publikum viel toleranter. Fehler werden einem leichter verziehen. Die Krebshilfe-Konzerte gibt es seit 17 Jahren. Worin liegt die Hauptmotivation für ein solches Langzeit-Projekt? Ganz einfach. Gebhard Mathis, der Präsident der Krebshilfe Vorarlberg, hat mich damals gefragt, ob ich ein solches Konzert organisieren könnte. Wer jetzt aber denkt, ich sei so unglaublich sozial, der irrt. Die Krebshilfe ist mein Feigenblatt (lacht). Was ist es dann? Ganz ehrlich? Mir taugt es, dass ich drei Mal im Jahr gemeinsam mit alten Musiker-Kumpels, wie George Nussbaumer, Armin Egle, Heli Burtscher oder Walter Schuler auf der Bühne stehen kann. Und das vor vollem Haus. Da hat die Krebshilfe Schwein gehabt (lacht). Das verstehe ich. Aber haben Sie das Projekt wirklich von Anfang an so angelegt? Nein, das war alles völlig ungeplant. In den Anfängen war es immer nur ein Auftritt pro Jahr, jetzt sind es inzwischen drei. Ich kann mich erinnern, dass wir am Beginn der Benefizerei jedes Mal intensiv darüber diskutiert haben, ob es ein nächstes Mal geben soll. Und heute? Derzeit ist kein Ende in Sicht. Es gibt kein Ablaufdatum. Wie werden die Musiker für dieses Pro-
jekt ausgewählt? Das wird im kleinen Musikerkreis besprochen. Wir nehmen uns die Freiheit heraus, zu bestimmen, wer mitspielen darf. Und wer sorgt für die Songauswahl? Das funktioniert nach dem gleichen Schema. Wir überlegen uns ein Thema, suchen dazu 80 bis 100 passende Lieder und überlegen uns, wer was singen könnte. Und am Ende bleiben 28 Songs übrig. Das klingt aber nicht sehr demokratisch. Wenn alle mitreden dürften, würden wir niemals auf einen grünen Zweig kommen. Wann hat eigentlich Ihre musikalische Karriere begonnen? Mit acht Jahren. Da habe ich mit meinem Lego-Mikrofon „Mendocino“ von Michael Holm und „Ich bau dir ein Schloss“ von Heintje gesungen. Und wo sind Sie damit aufgetreten? Bei Kaffeekränzchen in der Nachbarschaft. Als Belohnung habe ich von den Frauen jeweils einen Schilling bekommen. Die Stimme war also schon immer Ihr bevorzugtes, musikalisches Ausdrucksmittel? Ich habe auch Klavier, Saxophon und Klarinette ausprobiert. Aber als Instrumentalist bin ich völlig gescheitert. Apropos Scheitern: Was waren Sie für ein Schüler? Die Schule war nicht meins. Ich habe das Gymnasium in der sechsten Klasse abgebrochen. Ich bin während der Französisch-Schularbeit zum Direktor gegangen und habe ich mich vom Unterricht abgemeldet. Was passierte dann? Ich bin raus aus der Schule, sah einen Aushang bei der Post mit der Aufschrift
Die 17. Auflage der „Benefizerei“ widmet sich dem Thema England – von Pink Floyd über Oasis und über Amy und Annie wieder retour. Die Herren, die heuer polieren und marschieren sind: Heli Burtscher, Markus Kreil, Armin Egle, Walter Schuler,
Marc Pauli, Dietmar Sigmund, Georgios Mikerozis an den Instrumenten. Und an den Stimmbändern zerren Martina Breznik, Reinhold Bilgeri, Paul Winter, Harry Marte, George Nussbaumer und Bernie Weber – we will rock you!
„Briefträger gesucht“ und habe mich beworben. Und den Job bekommen. Wie ging Ihre berufliche Karriere weiter? Eine Ausbildung hat mich damals nicht interessiert. Ich habe als Fahrer in einer Stickerei gearbeitet, Kühe auf einem Bauernhof gemolken und Wasserwaagen gebaut. Als Sänger haben Sie dann aber doch Karriere gemacht. Sie waren Frontmann bei Never do Well, Twist of Fate und Schellinski. Was hat die Musik für Sie damals bedeutet? Sie war mein ein und alles, Beruf und Berufung. Bei Twist of Fate habe ich von der Musik gelebt. In Spitzenzeiten standen wir bis zu 140 mal pro Jahr auf der Konzertbühne. Sie hatten doch damals auch schon Kinder. Wie hat Ihre Familie darauf reagiert? Die haben nichts anderes gekannt. Ich war zwar oft unterwegs, aber fast 200 Tage pro Jahr auch zuhause. Da bin ich am Montag ganz normal zum Ried mann in Altach einkaufen gegangen und gemeinsam mit den Hausfrauen an der Kassa gestanden. Von Ihrem einstigen Vagabundenleben haben Sie sich inzwischen verabschiedet. Heute leiten Sie eine Werbeagentur in Dornbirn. Welchen Stellenwert hat da noch die Musik? Mein Suchtpotenzial hat sich zugegebenermaßen stark reduziert. Heute ist die Musik für mich reines Vergnügen. Und zum Abschluss noch eine Frage: Welchen Tipp würden Sie einem jungen Musiker mit auf den Weg geben? Meine Laufbahn ist nicht nachahmenswert. Die Geschichte ist zwar gut ausgegangen, aber ich würde niemanden empfehlen, es so wie ich zu machen. Herzlichen Dank für das Gespräch.
Altes Kino, Rankweil Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr Samstag, 17. Dezember, 20 Uhr Spielboden, Dornbirn Donnerstag, 5. Jänner, 20.30 Uhr
Kartenvorverkauf für Konzerte in Rankweil: ländleTICKET (Raiffeisenbanken und Sparkassen), Expert Tschanett und Musikladen Rankweil. Kartenvorverkauf für Konzert in Dornbirn: Dornbirn Tourismus, alle Voralberger Raiffeisenbanken, v-ticket.at, laendleticket.at und Musikladen.
/ 43
Veranstaltungskalender
Fr., 2.12., 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at/ vorarlberg.html
GUNKL & WALTER: „HERZ & HIRN“
Kabarett Eine Welt durch zwei Brillen. Wo liegt die Wahrheit? Ist die Welt ein ewiges Mysterium oder ein chemischer Prozess im vorderen Hirnlappen? Was Sie von diesem Abend haben? Ein paar Fragen zu einer Antwort und die beruhigende Gewissheit, dass viele Wege nach Rom führen.
Foto: Veranstalter
Do., 8.12., 19:30 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: 25,- Euro
Foto: Lukas Hämmerle
44 /
LIDIA BAICH UND MATTHIAS FLETZBERGER
Foto: Lisa Mathis
Do., 1.12., 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: VVK 17,- Euro
So., 4.12., 16 bis 18 Uhr, Altes Kino Ranweil, Eintritt: 5,- Euro
WEIHNACHTSPROGRAMM
DER KLINGENDE ADVENTSKALENDER
Amüsgöl Weihnachtseinkäufe enden meistens im nervlichen Desaster. Darüber hinaus besteht immer ein hohes Risiko, dass das Gekaufte ab dem 25. des Monats im Sperrmüll landet. Aber keine Bange, es gibt Abhilfe. Amüsgöl hat sich dieser Misere an dem Konzertabend angenommen und bietet DAS Alternativgeschenk für jeden Haushalt. Der perfekte Einstieg in die Weihnachtszeit.
Do., 1.12., 19 Uhr, Montafoner Heimatmuseum, Schruns und Fr., 2.12., 20 Uhr, Foyer des Theaters am Kornmarkt, Bregenz, Eintritt: frei
„HERR FAUSTINI BLEIBT ZU HAUSE“
Der gebürtige Bregenzer Autor Wolfgang Herrmann liest aus seinem Roman. Einführung und Moderation: Ulrike Längle. Veranstalter ist das Franz-Michael-Felder-Archiv.
Gauls Kinderlieder Wie der Schneehase Nagobert auf Weihnachten wartete. Ein lustiges Advents- und Weihnachtsliederprogramm zum Mitsingen alter und neuer Weihnachtslieder nach dem Kinderhörbuch „Der klingende Adventskalender“ für Kinder von 3 bis 10 Jahren und Erwachsene von und mit Ulrich „Gaul“ Gabriel.
Mi., 7.12., 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 13,- Euro
THEATER MOTIF – AUF!SCHREI!ZIVILCOURAGE
Ein Junge wird auf der Straße zusammengeschlagen. Einer alten Frau wird im Bus der Sitzplatz verweigert, weil sie ein Kopftuch trägt. Ein Mädchen wird in der Disco sexuell belästigt. Scheinbar ohnmächtig schauen wir dabei zu. Aber: Sind wir wirklich ohnmächtig? Forumtheater heißt das Projekt, mit dem sich die bunte Gruppe in neue Herausforderungen stürzt. Gemeinsam mit dem Publikum wird nach einer kurzen Szene versucht, die Katastrophe abzuwenden. Der interkulturelle Verein Motif arbeitet für dieses Projekt mit dem Verein Amazone, dem Jugend- und Kulturzentrum Between sowie dem Projekt „docken. Begegnung“ zusammen.
Klassisches Konzert mit Werken von Beethoven, Brahms und Wagner. Lidia Baich wird als einer der vielseitigsten Geigensolistinnen der jungen Klassik-Generation gehandelt. Matthias Fletzberger hat alle Stationen vom jugendlichen Wunderkind zum klassischen Pianisten, Opernproduzenten, Dirigenten und Solisten passiert.
Fr., 9.12. und Sa., 10.12., 20:15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Eintritt: 19,- Euro
GORAN KOVACEVIC & ISABELLA PINCSEK: WINTERSONG
Das Programm „Wintersong“ ist eine Kollektion von Weihnachts-, Wiegen- und Liebesliedern aus aller Welt. Eine Mischung aus Klassik, Balkanweisen, Jazz und südamerikanischer Musik. Traumhaft schöne Melodien, explosive und energische Rhythmen gespickt mit romantischen Soloausflügen. Musik zum intensiv Hören, Abtauchen, Ergründen und Geniessen.
Sa., 10.12., 16 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch, Eintritt: frei
VORARLBERGER TAG DER MENSCHENRECHTE
Vortrag von Georg Schärmer (Caritasdirektor Tirol) zum Thema „Menschliche Würde in Vielfalt“ mit anschließendem Open Space, gemütlichem Beisammensein mit Kaffee, Gebäck und Buffet sowie Konzert mit der Band N.I.K.O. (Klassik, Soul, Jazz, HipHop). Durch das Programm führt „Frau Heimpl“ (Elke Maria Riedmann). Musikalische Umrahmung des Programmes durch Los U.K.L.A.L.A.
#12 / Dezember 2016
Do., 15.12., 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 7,- Euro
NEUE SPIELRÄUME: DIE EXTREMISTISCHE HERAUSFORDERUNG
Foto: Veranstalter
So., 11.12., 20 Uhr, Altes Kino Rankweil, Eintritt: 19,- Euro
GABI FLEISCH: CHRISTKIND-LA 2016
Wenn Gabi Fleisch den perfekten Baum kauft, den Weihnachtsbeleuchtungs-Wahnsinn aufs Korn nimmt, Männer im Kekse Backen unterrichtet, wenn sie über ihre Hl. Abende in einer Großfamilie erzählt, dann wird es ein Abend zum Lachen, Weinen und sich Vorfreuen! Ein ganz besonderer Weihnachtsabend mit Kabarett und Poesie. Musik: Simon Gmeiner (Alphorn, Trompete) Lucas Oberer/Andreas Villotti (Steirische Knopforgel).
In vielen Teilen Europas sind nationalistische und religiöse ExtremistInnen auf dem Vormarsch. Sie stellen die Demokratie, die Menschenrechte und die europäische Integration in Frage. Ausdruck findet der Rechtsruck auch in der Jugendkultur: Neben „traditionellen“ Neonazis tauchen vermeintlich neue Gruppen wie die „Identitären“ auf. Extremismen finden wir aber auch in Gemeinschaften von MigrantInnen, etwa die „Grauen Wölfe“ oder SalafistInnen. Thomas Rammerstorfer gibt einen Überblick über die vielfältigen extremistischen Herausforderungen unserer Tage, speziell auch in Vorarlberg. Thomas Rammerstorfer schreibt und referiert zu den Schwerpunktthemen Extremismus und Jugendkulturen.
Mo., 12.12., 20 Uhr, Festspielhaus Bregenz, Eintritt: 33,- Euro
GERHARD POLT
& Die Well-Brüder aus´m Biermoss Gerhard Polt und die drei Well-Brüder machen ihre mittlerweile raren Kabarettabende mit Musikeinlagen zu einem Mordsgaudium für das Publikum und für sich selbst. Sie decken Heimatverbrechen aller Art auf und blasen „denen da oben“ gehörig den Marsch, ohne dabei „die da unten“ zu verschonen.
Bezahlte Anzeige
Foto: Dionys Asenkerschbaumer
WOLFGANG VEROCAI ZU GAST BEI RADIO PROTON „Hetti, wetti, täti!“ stellt nicht nur das Motto der neuen Lieder dar, sondern ist auch Titel der neuen CD von Wolfgang Verocai. Ein Jahr lang hat der Vorarlberger daran gearbeitet. „Mich freut jeder Ton, alles klingt so, wie ich es mir gewünscht habe“, sagt er. Wolfgang Verocai ist am 2. Dezember von 15 bis 17 Uhr zu Gast bei Radio Proton im Studio Dornbirn. In der Sendung „Das offene Wort“ von Hans-Jürgen Holzer wird Vorocai über seine CD, aber auch über sein Projekt im Senegal berichten.
/ 45
Veranstaltungskalender
Sa., 17.12., 15 Uhr, Villa Falkenhorst, Thüringen, Eintritt: frei
Sa., 24.12., 16 Uhr, Kammgarn Hard, Eintritt: 6,- Euro
WEIHNACHT AUF FALKENHORST
CLOWN DIDO – DIE WEIHNACHTSREISE
Die Verkaufserlöse des Weihnachtsmarkts im Park der Villa Falkenhorst kommen direkt dem Verein Netz für Kinder zugute. Am Stand von Netz für Kinder gibt’s gegen eine Spende die NfK-Enten in allen Größen und Farben und exzellente selbstgemachte Marmelade. Die musikalische Umrahmung übernehmen das Bläserensemble der Militärmusik Vorarlberg, das Saxophon-Ensemble der Musikschule Blumenegg Großes Walsertal und der „Falkenhorst-Chor“.
Sa., 17.12., 20 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK 13,-/AK 16,- Euro
DIE SCHURKEN UND KURT STERNIK
Ohrwürmer, Klangsinnliches und Humorvolles Trompete, Flügelhorn, Klarinette, Bassklarinette, Akkordeon und Kontrabass treffen im Advent auf Gedichte zur Weihnachtszeit. Veranstalter: Bludenz Kultur
46 /
Di., 20.12., 19 Uhr, Theater im Kopfbau, Jahngasse 10, Dornbirn, Eintritt: 5,50 Euro
INATURA – KINDERWEIHNACHT
Wenn es draußen stürmt und schneit, verkürzen wir auch heuer wieder die Wartezeit aufs Christkind in der inatura. Wir machen uns schlau, wie die Tiere die kalte Weihnachtszeit verbringen, sehen uns tierisch gute Weihnachtsgeschichten an, basteln noch die letzten Schmuckstücke für den Christbaum und stimmen uns auf das große Fest ein. Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung unter Tel. 0676 83306 4744.
Clown Dido nimmt seinen kleinen Freund Didolino und die Zuschauer mit auf eine Reise in die weihnachtliche Welt. Natürlich bringt er viele Überraschungen mit, spielt und singt mit den Kindern Weihnachtslieder aus aller Herren Länder und führt allerlei Kunststücke vor. Da gibt es natürlich auch einiges zum Lachen. Ein weihnachtliches Clowntheater für Menschen ab 4 Jahren.
Mi., 28.12., 20 Uhr, Sonnenbergsaal Nüziders, Eintritt: 25,- Euro
DA BLECHHAUF‘N & BRANDY BUTLER
A Tribute to James Brown.
Do., 29.12., 21 Uhr, Altes Hallenbad, Feldkirch, Eintritt: 8,- Euro
SONDERBAR-REVIVAL PARTY
Mit der Band „Rosi Spezial“. Es wird Zeit, die gutbürgerliche Idylle zu retten. Zeit, mit dem Finger in der Nase auf andere Leute zu zeigen, um gesellschaftskritisch die Missstände der Moderne anzuprangern. Jetzt ist die Zeit, den musikalischen Traditionen dieses Landes eine Stimme zu geben, um eine Bewegung entstehen zu lassen, die den Tag vor dem Abend lobt und sich für die Abschaffung der kleinen, durchsichtigen Plastikbeutel an den Supermarktkassen einsetzt.
Jeden ersten Mittwoch im Monat, 15 bis 17 Uhr, Frühmesshaus Bartholomäberg. Eintritt: frei
SPIELRUNDE AM MONTAFONERTISCH
Wir laden zur Spielrunde und wollen dabei schon fast vergessene Brett-, Karten-, Geschicklichkeits- oder lustige Unterhaltungsspiele neu beleben. Wer Interesse hat, kann auch gerne dazu seine Ideen inkl. Spielematerial einbringen oder sich neugierig auf diesen Spielenachmittag einlassen.
Jeden ersten Samstag im Monat, 9 bis 12 Uhr, Polytechnische Schule Feldkirch. Eintritt: frei
REPARATUR CAFÉ FELDKIRCH
Wenn Sie ein defektes Haushaltskleingerät, Kleinmöbel, Spielzeug oder etwas ähnliches zuhause haben, das sie gerne reparieren möchten, kommen Sie damit vorbei. Im Reparatur Café helfen Ihnen Fachleute dabei. Kosten? Eine freiwillige Spende. Infos: Joachim Breuss, Tel. 0699 192 87 066.
Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 ZVIERE-KINDERCAFÉ
jeden Montag von 15 bis 17 Uhr / Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt!
MEDITATIONSGRUPPE
jeden Montag um 18.30 Uhr
Fr., 30.12., 20:30 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 15,- Euro
SKI-SCHUH-TENNIS ORCHESTRA & FRIENDS PRE SILVESTER PARTY
Das Ski Schuh Tennis Orchestra frönt seiner Liebe zum Leben und blickt den Abgründen Menschheit unverbittert ins Auge. Eine unwiderstehlich ehrliche Mischung aus Reggae-Ska-Balkan-Dub berührt, bewegt und verwischt leichtfüßig die Grenze zwischen Bühne und Auditorium. Begleitet von Akkordeon, Gitarre, Saxophon, Bass und Ukulele begibt sich das Orchestra an Orte eures Herzens, welche noch nie zuvor eine Band betreten hat.
FRAUENCAFÉ
jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr zum Kennenlernen, Austauschen, Sprache lernen, gemeinsam Essen
SPORTNEIGUNGSGRUPPE
jeden Mittwoch ab 19 Uhr in der Turnhalle der HTL Bregenz, Michl-Felder-Str. 9
MITTAGSTISCH
jeden Freitag mitkochen ab 10.00 / mitessen ab 12.00 – Bio-Regional-Fair / gib, was es dir wert ist
LITERATUR TANKSTELLE
jeden 1. Dienstag im Monat, 19 bis 21 Uhr
NÄHWERKSTATT
jeden 1. Freitag im Monat, 15 bis 18 Uhr. Nähmaschinen und Know-How vorhanden, Material selbst mitbringen!
#12 / Dezember 2016
WEIHNACHTSRÄTSEL 10
7
1
13
15
2
12/14
11
/ 47
3
8 5
6
4
1. Einer der Heiligen Drei Könige 2. Christbaumschmuck 3. Schlafstätte des Christkindes 4. Ziehvater Jesu 5. Weihnachten ist das Fest der ... 6. Geburtsort Jesu 7. Vorweihnachtliche Buß- und Fastenzeit 8. Vorweihnachtlicher Brauch; heimliches Schenken 9. Weihnachtsbraten bei Christen und Moslems 10. Jüdisches Weihnachtsfest 11. Geschenk der Hl. Drei Könige 12. Einer der Sternsinger 13. Geschenkeverteilung 14. Autor von „Stille Nacht“; Joseph ... 15. Nachtgottesdienst
9
Lösung 1. Melchior, 2. Kugel, 3. Krippe, 4. Josef, 5. Liebe, 6. Bethlehem, 7. Advent, 8. Wichteln, 9. Gans, 10. Weihnukka, 11. Gold, 12. Mohr, 13. Bescherung, 14. Mohr, 15. Christmette
Foto: Shutterstock
Auf Vorarlbergs Straßen zuhause:
& marie
Auto Gerster
Happy birthday marie. Wir gratulieren zum 1. Geburtstag und wünschen dir, deinen Verkäuferinnen & Verkäufern sowie deinen Leserinnen &
Lesern weiterhin alles Gute. Schön, dass es dich gibt!
Auto Gerster GmbH Dornbirn | Koblach | Bludenz office@autogerster.at www.autogerster.at
Bezahlte Anzeige