/ Juni 2026
ALP-PREMIERE
Die Geschwister Bernhard (21) und Bianca (29) Nußbaumer starten in ein gemeinsames Abenteuer. Sie bewirtschaften diesen Sommer erstmals die Alpe Kanis auf knapp 1500 Metern Seehöhe. Die marie hat die beiden getrennt voneinander befragt und mit ihnen über Motivation, Erwartungen und Sehnsüchte gesprochen. Seiten 4 bis 6.

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Wenn kleine Taten Großes bewirken
Zum 50. Geburtstag macht dm freiwilliges Engagement sichtbar und motiviert zum Mitmachen.
Viele Menschen engagieren sich im Alltag für andere – oft leise, ohne große Bühne. Genau hier setzt die Initiative „Lust an Zukunft“ von dm drogerie markt an. Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens lädt dm Menschen in ganz Österreich dazu ein, gemeinsam eine lebenswerte Zukunft mitzugestalten. Im Mittelpunkt stehen dabei ehrenamtliches Engagement und die Freude daran, gemeinsam etwas Gutes zu bewirken – ganz gleich, ob im Kleinen oder im Großen.

Regina unterstützt mit „VinziRast am Land“ Menschen in existenziellen Notlagen beim Neustart ins Leben.
Engagement hat viele Gesichter Essen auf Rädern ausliefern, Kindern beim Lesenlernen helfen, Umweltaktionen organisieren oder kulturelle Projekte unterstützen: Jede dieser Taten macht die Welt ein Stück besser. Auf der Plattform dm-lustanzukunft.at erzählen engagierte Menschen ihre persönlichen Geschichten und zeigen, was
sie motiviert und was ihnen dabei begegnet. Damit werden nicht nur Vorbilder vor den Vorhang geholt, sondern auch andere inspiriert, selbst aktiv zu werden. Denn Engagement ist ansteckend – und oft einfacher, als man denkt.
Raum für Vereine und Initiativen Auch Vereine, Organisationen und soziale Projekte finden auf der Mitmach-Plattform Platz. dm bietet ihnen eine Bühne, um ihre Arbeit vorzustellen und neue Unterstützerinnen und Unterstützer zu erreichen. Im Rahmen der Initiative werden 50 der eingereichten Projekte von einer Jury prämiert und finanziell unterstützt. Zusätzlich findet Ende des Jahres ein Voting unter allen dm Kundinnen und Kunden statt, bei dem die Projekte die Chance auf eine zusätzliche Prämierung erhalten.
Mit Verantwortung und Haltung Seit 50 Jahren steht dm in Österreich für eine Unternehmenskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Gründer von dm haben das Selbstverständnis geprägt, dass Wirtschaft für den Menschen da ist – nicht der Mensch für die Wirtschaft. Mit „Lust an Zukunft“ wird dieses Verständnis im Jubiläumsjahr konkret: Engagement erhält eine Bühne, Menschen werden miteinander verbunden und Zukunft wird gemeinsam gestaltet.






© dm / Marko Mestrovic
sich
Mitmachen ist einfach „Lust an Zukunft“ richtet sich an alle. Ob jemand schon lange engagiert ist oder gerade erst beginnt: Jede Initiative zählt. Denn Zukunft entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.
Wir haben
Lust an Zukunft. Sie auch?
Erzählen Sie Ihre Geschichte, stellen Sie Ihr Engagement vor oder lassen Sie sich inspirieren:
dm-lustanzukunft.at
Als kleines Dankeschön werden unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Überraschungen verlost.
Inhalt
4-6 Geschwister-Premiere auf der Alpe Kanis
Bianca (29) und Bernhard (21) Nußbaumer bewirtschaften zum ersten Mal eigene Alp
7 Jetzt oder nie
Bei den Montforter Zwischentönen ist auch die marie Teil des Programms
8-11 Zwischen Verschwinden und Werden
Caritas-Fachstelle für Essstörungen greift zum Jubiläum Tabu-Thema in Fotoausstellung auf
11 marie-Freundeskreis
12-13 Man weiß ja nie
Daniel Mutschlechner macht sich rot-weißrote Gedanken zur Fußball-WM
13 Reparatur-Cafés
16-17 Echte Jugendbeteiligung
Nico Kantner bringt Musical zu Kinderrechten auf die Bühne
18-19 „Ich bin ein fröhlicher Mensch“
Trotz schwieriger Lebensphasen lässt sich
Fabian nicht entmutigen
20-21 Alltagsrassismus
Was oft schnell dahingesagt wirkt, ist für Autor Hans Platzgumer meist nicht so harmlos
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser!
Wie gewohnt schreibe ich das Editorial kurz vor Zeitungsdruck. Zeitlich fällt das diesmal auf dieses unglaublich sommerlich anmutende Pfingstwochenende. Wenn man arbeiten muss – wobei Editorialschreiben tatsächlich irgendwo zwischen Arbeit und Vergnügen liegt –, ist die Paarung Wochenende und Sommerwetter ein zweischneidiges Schwert. Eigentlich möchte man den Liegestuhl unter einen Baum schieben, sodass nur noch die Zehenspitzen in die Sonne ragen, und sich in einem Buch verlieren. Man möchte mit der Badetasche an den See, mit dem Rucksack in die Berge oder auf dem Drahtesel mit wehendem Haar in das nächste Café am Marktplatz fahren. Man möchte Freunde zum Barbecue einladen und mit den Kindern Rommé spielen. Kurz: Man möchte in den Ferienmodus schalten – weiß man doch in unseren Breitengraden nie so genau, wann es einem die nächste Schlechtwetterperiode mit der Leichtigkeit wieder schwer macht. Stattdessen wartet Arbeit. Und so schwanke ich zwischen Freude und Hader, wenn ich umgeben vom Sound des Sommererwachens auf der Terrasse mein Büro aufschlagen darf. Die grüne Stinkwanze, die soeben auf meinem Laptop landet, ist geradezu Sinnbild für dieses kleine Gefühlsdilemma.
22-24
Daten allein entscheiden nichts
Ein Besuch im data:room in Hard
25 marie-Postkartenset
26-28 Zwischen Konzertsaal und Klimakrise
Lea Brückner, Geigerin, Moderatorin und Klimabotschafterin im Interview
28 Impressum
29 Scharfe Jause für die Halbzeitpause Lieblings-Gurkensalat und ein Berg Empanadas aus Dans Probelokal
30-31 Lebensweg
Programm „Walk of Life“ zeichnet in den Niederlanden Lebensgeschichten von marginalisierten Menschen auf
32-34 Als jeder Bissen Brot wichtig war Ausländische Hilfe rettete Österreicher:innen vor 80 Jahren vor dem Hungertod
34 Sudoku
36 Filmclub-Tipps
37 Rechenrätsel, Schachecke
38-39 Veranstaltungskalender
39 Rätsellösungen
Die nächste Ausgabe der marie erscheint am 1. Juli
Manchmal ist es allerdings auch so, dass mich prächtiges Sommerwetter selbst in arbeitsfreien Zeiten unrund werden lässt. Lasst uns am Abend grillen, sagen die Kinder, mäh mich endlich, schreit der Rasen, ich habe eh längst gewonnen, feixt das Unkraut, kommt auf ein Gläschen, schreiben die Freunde, atme erst mal tief durch, sagt der Mann, relax doch einfach, mahnt die innere Stimme zur Unvernunft. Wie soll ich da bloß auch noch See und Berg und Fahrradtour unterbringen? Ich persönlich tu mir wesentlich leichter damit, hauptamtliche Arbeitsaufträge zu priorisieren als dieses Konglomerat an Bedürfnissen in eine Ordnung zu bringen, die allen Sehnsüchten gerecht wird. Sind vielleicht einfach unsere Sommer zu kurz oder die Wunschlisten zu lang? Wer wie ich beizeiten von solchen Luxusproblemen heimgesucht wird, dem sei ein Zitat von Johnny Cash ans Herz gelegt. Auf die Frage, was für ihn das Paradies sei, soll er geantwortet haben: „Der Morgen mit ihr und Kaffee.“ Ist das nicht wunderbar? Wunderbar einfach – und gleichzeitig gar nicht so einfach umzusetzen. Vor allem dann nicht, wenn vor lauter Anklopflärm in der Sehnsuchtszentrale das kleine Glück übersehen wird. In Leistungsgesellschaften haben schließlich auch Freizeitstress und FOMO (Fear of Missing Out, die zwanghafte Angst, etwas zu verpassen) Hochkonjunktur. Nein, das betrifft wahrlich nicht nur „die Jungen und ihr Social Media Verhalten“. So lass ich also die Stinkwanze weiterfliegen und mache statt reinem Schönwetterprogramm das, was wir auch bei der marie tun: Das Gute sehen, das Schlechte benennen, das eine nicht glorifizieren und das andere nicht zum Drama hochstilisieren. Gleichzeitig: den Zwischentönen Raum geben, das Unsichtbare auf die Bühne holen, dem Unangenehmen die Stirn bieten, ohne ins Lamento zu verfallen. Also in meinem Fall: Die Pflichten auf Echtheit und Ablaufdatum überprüfen, tun, was zu tun ist, dann Liegestuhl schnappen, Handy auf leise und alles weitere auf morgen verschieben. Zumindest nehme ich es mir vor, Übung macht die Meisterin.
Stimmen Sie sich auch schon mal langsam auf den Sommer ein – gute Momente dazu liefert Ihnen hoffentlich auch diese Ausgabe der marie!
Ihre Simone Fürnschuß-Hofer Redakteurin
Kontaktieren Sie uns
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677 615 386 40. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

Vorne: Lukas Burtscher (Pfister), Madeleine Berchtold (Pfisterin), Mitte: Max Schwendinger (Pfister), Bianca Nussbaumer, hinten: Kathrin Albrich (Freundin von Bernhard), Bernhard Nussbaumer (jeweils von links nach rechts)
Interview: Frank Andres, Fotos: privat
ES GIBT ZWAR STROM UND FLIESSEND WASSER, ABER DAS LEBEN DORT
OBEN IST NICHT MIT DEM ALLTAG UNTEN IM TAL ZU VERGLEICHEN. DIE LAGE IST ABGESCHIEDEN, UND WIR WISSEN NOCH NICHT GENAU, WAS UNS ERWARTET. ABER GENAU DAS MACHT ES SO SPANNEND – WIR FREUEN UNS UNGLAUBLICH DARAUF.“
GeschwisterPremiere auf der Alpe Kanis
Bernhard (21) und Bianca (29) Nußbaumer bewirtschaften heuer erstmals gemeinsam eine Alp auf knapp 1500 Metern Seehöhe. Die marie hat die Geschwister vor dem Beginn der Alpsaison getrennt voneinander befragt und mit ihnen über ihre Erwartungen und Herausforderungen gesprochen.
Bianca Nußbaumer – „Die Berge sind mein Rückzugsort“
In diesem Sommer steht für euch eine Premiere an: Du und dein Bruder übernehmt zum ersten Mal alleine die Verantwortung für eine Alp. Wie kam es zu diesem mutigen Schritt?
Bianca: Wir sind beide quasi auf der Alp groß geworden. Unsere Eltern haben selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb. Mein Bruder war in den letzten Jahren bereits als Senn auf verschiedenen Alpen tätig. Heuer wollte er es wissen und sich an eine eigene Alp wagen. Als er die Zusage für die Alpe Kanis bekam, passte es bei mir zeitlich perfekt: Da ich im Herbst mein Lehramtsstudium beginne, habe ich zugesagt, ihn diesen Sommer bei der Bewirtung und im Haushalt zu unterstützen.
Die Alpe Kanis ist eine urige, alte Hütte. Worauf stellt ihr euch ein? Muss man für dieses Leben „geboren“ sein?
In gewisser Weise schon. Es gibt zwar Strom und fließend Wasser, aber das Leben dort oben ist nicht mit dem Alltag unten im Tal zu vergleichen. Die Lage ist abgeschieden, und wir wissen noch nicht genau, was uns erwartet. Aber genau das macht es so spannend – wir freuen uns unglaublich darauf.
Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag auf 1500 Metern Höhe aus?
Um 5 Uhr geht es gemeinsam in den Stall, um die 50 Milchkühe zu melken. Danach beginne ich in meinem Revier – der Küche. Während mein Bruder die Milch direkt zu Käse und Butter verarbeitet, kümmere ich mich um die Gäste. Das Angebot reicht von der klassischen Älplerjause bis zum selbstgebackenen Kuchen. Wir
DIE BERGE SIND MEIN RÜCKZUGSORT. WENN ICH STRESS
HABE, MUSS ICH EINFACH „RAUF AUF DEN BERG“, DANN
IST DER KOPF SCHNELL WIEDER FREI.“
wurden schon vorgewarnt: Sobald die Bergbahn den Betrieb aufnimmt, geht der Ansturm erst richtig los. Erst nach 17 Uhr, wenn die Bahn schließt, kehrt Ruhe ein – dann folgen die Vorbereitungen für den nächsten Tag und die Abendrunde im Stall.
Als Jugendliche verzichtet man für den Alpsommer auf das Freibad oder Treffen mit Freunden. Was bedeutet dir die Natur heute?
Früher war der Verzicht manchmal schwer, aber heute schätze ich es umso mehr. Die Berge sind mein Rückzugsort. Wenn ich Stress habe, muss ich einfach „rauf auf den Berg“, dann ist der Kopf schnell wieder frei. Die Natur war mir schon immer extrem wichtig.
Dein Lebenslauf macht gerade eine interessante Wendung: von der Buchhaltung beim Steuerberater hin zum Lehramtsstudium. Gab es dafür einen Auslöser?
Absolut. Ich wollte schon immer etwas Soziales machen. Letztes Jahr war ich mit dem Vorarlberger Verein Pamoja bei einem Hilfsprojekt in Kenia. Wir haben dort ein Haus für eine Familie gebaut und ich durfte in einem Heim für Kinder mit Behinderung arbeiten. Diese Zeit hat mich tief bewegt und zu einem Umdenken geführt. Ich wollte weg von den Zahlen und hin zur Arbeit mit Menschen.
Hand aufs Herz: Ist der Alpsommer eine einmalige Sache oder der Beginn einer neuen Tradition?
Ich habe noch keinen festen Plan für die nächsten Jahre, aber wenn das Studium im Herbst gut anläuft, könnte ich mir gut vorstellen, wieder einen Sommer oben zu verbringen.
Worauf freust du dich am meisten, wenn die Tagestouristen am Abend wieder im Tal sind?
Auf die Stille. Ich bin gespannt, wie viel echte Ruhe es bei dem regen Betrieb geben wird. Aber wenn die Gäste weg sind, freue ich mich darauf, die Zeit bei den Tieren im Stall zu genießen oder vielleicht noch eine kleine Wanderung auf einen Gipfel zu machen.

Bianca war letztes Jahr für die Organisation Pamoja in Kenia im Einsatz. Dort half sie auch im Small Home, einem Heim für beeinträchtigte Kinder.
Bernhard Nußbaumer – „Es hat schon Überwindung gekostet“
Bernhard, du bist mit 21 Jahren bereits gelernter Milchtechnologe und startest nun als dein eigener Chef auf der Alpe Kanis durch. War für dich immer klar, dass du diesen Weg gehst?
Bernhard: Ich habe die Lehre zum Senner zwar abgeschlossen, aber danach direkt im Betrieb aufgehört. Ich wollte das Sennen nur noch im Sommer machen. Im Winter lebe ich mich anderweitig aus: Zuerst kam der Zivildienst in der Landwirtschaft, dann habe ich in einem Sägewerk und zuletzt in der Metallverarbeitung gearbeitet. Aber der Sommer gehört dem Berg. Nach Stationen als Beisenn im Nenzinger Himmel und auf der Alpe Schöner Mann wollte ich es jetzt selbst wissen.
Jetzt bist du zum ersten Mal Pächter. Wie fühlt es sich an, die volle Verantwortung zu tragen?
Es hat schon Überwindung gekostet. Ich bin zwar mein Leben lang im Sommer auf der Alp gewesen, aber selbst die Entscheidungsgewalt zu haben, ist etwas anderes. Da es aktuell extrem schwierig ist, gutes Personal zu finden, habe ich meine Schwester gefragt, ob sie einsteigt und die Bewirtung übernimmt. Dass wir das jetzt als Geschwister-Premiere durchziehen, ist eine tolle Sache.
Dein Arbeitstag beginnt, wenn andere sich noch einmal im Bett umdrehen. Wie sieht dein Pensum aus?
Um halb fünf in der Früh stehe ich im Sennhaus. Um fünf wecke ich die beiden Pfister, damit sie die Kühe von der Weide holen. Spätestens um sechs Uhr wird gemolken und direkt im Anschluss starte ich mit der Käseproduktion. Am Nachmittag schaue ich nach dem Jungvieh, den Pferden und Schafen oder erledige Feldarbeiten.
ES HAT SCHON ÜBERWINDUNG GEKOSTET.
ICH BIN ZWAR MEIN LEBEN LANG IM SOMMER AUF DER ALP GEWESEN, ABER SELBST
DIE ENTSCHEIDUNGSGEWALT ZU HABEN, IST ETWAS ANDERES.“
Wenn das Wetter schön ist, heißt es richtig buckeln. Einen Gang zurückschalten kann man höchstens mal bei Regen. Um 18 Uhr steht dann schon wieder die zweite Melkrunde an.
Das klingt nach purer Knochenarbeit. Was gibt dir das Leben auf der Alp im Gegenzug?
Es ist die Abwechslung zum „normalen“ Leben und die Nähe zur Natur. Manche können sich das gar nicht vorstellen, aber wir brauchen dort oben zum Beispiel keinen Fernseher. Wir schauen lieber aus dem Fenster. Internet ist auf der Alpe Kanis ohnehin schwierig, aber da kämpft man sich durch. Es sind ja nur drei Monate. Alp ist eben Alp: Man beißt sich drei Monate durch und danach weiß man erst wieder richtig zu schätzen, wie komfortabel man eigentlich daheim lebt.
Du hast die Alpe vorerst für drei Jahre gepachtet. Wie blickst du auf die kommende Zeit?
Der erste Sommer ist quasi die Probezeit. Man muss erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, wie alles funktioniert. Im zweiten Jahr läuft es dann meistens erst so richtig rund.
Wann geht es offiziell los?
Das hängt ganz vom Schnee ab. Wenn alles klappt, starten wir Anfang oder Mitte Juni mit den „Viechereien“. Eine gewisse Anspannung ist definitiv da, aber die braucht es auch – ohne diesen Respekt vor der Aufgabe könnte man das gar nicht machen.
Wie es den beiden im Sommer auf der Alp wirklich ergangen ist, können Sie in der Oktober-Ausgabe der marie nachlesen.
andererseits braucht Ihre Unterstützung!
MANCHE KÖNNEN SICH DAS GAR NICHT VORSTELLEN, ABER WIR BRAUCHEN DORT OBEN ZUM BEISPIEL KEINEN FERNSEHER. WIR SCHAUEN LIEBER AUS DEM FENSTER.“
Die Alpe Kanis liegt auf 1463 Metern Seehöhe im Wandergebiet von Mellau, direkt am Fuße der Kanisfluh. Am einfachsten erreichen Sie die Alpe von der Bergstation der Mellaubahn (Roßstelle). Von der Bergstation führt ein gemütlicher, kinderwagentauglicher Weg in zirka 30 Minuten zur Alpe Kanis. Kurz vor der Alpe gibt es einen Wassertummelplatz am Alpbach, der ideal für eine Pause mit Kindern ist. Die Alpe ist während der Sommermonate (zirka Anfang Juni bis Anfang September) bewirtschaftet. Das Hauptgebäude ist über 100 Jahre alt und dient nach wie vor als Unterkunft für das Vieh. Die Alpe ist bekannt für ihre authentische Atmosphäre.
Die Alpe ist ein zentraler Knotenpunkt für verschiedene Touren: Für konditionsstarke Wanderer führt der Weg weiter steil bergauf zum Gipfel der Kanisfluh (2044 Meter).
Eine beliebte Route führt von der Roßstelle über die Alpe Kanis zur Alpe Wurzach und über das Kanisereck wieder zurück zur Bergstation (Gesamtgehzeit zirka 2,5-3 Stunden).
Die marie findet, das gehört unterstützt: inklusiver Journalismus, mehrfach ausgezeichnet, der Themen so aufbereitet, dass sie alle verstehen und Barrieren schwinden.
„Wir brauchen bis Ende Juni insgesamt 7.000 Abos, damit wir in dieser Form weiter bestehen können. Und das ist wirklich ernst gemeint. Uns geht das Geld aus – und wenn sich daran nichts ändert, müssen im Herbst leider die ersten festen Anstellungen wieder gekündigt werden“, dieser Hilferuf erreicht uns von der Vorarlbergerin und andererseits-Redakteurin Bianca Riedmann. Sie und das ganze Team des Inklusivmagazins befinden sich gerade mitten in einer wichtigen Abo-Kampagne und suchen noch dringend Unterstützer:innen. Relevanter Journalismus andererseits publiziert sowohl online als auch auf Papier. Die Redaktion lenkt den Blick auf das Leben mit Behinderung und deckt dabei immer wieder Missstände auf. Zuletzt mit der Doku „Hauptsache, du kriegst kein Kind“ zu Sterilisation von Menschen mit Behinderungen. Mit dieser Recherche haben sie medial große Wellen geschlagen. Auch aus der Politik gab es Reaktionen. Weitere Dokus wie „Das Spendenproblem“ über Licht ins Dunkel und „Rette sich, wer kann“ über die Situation von Menschen mit Behinderungen in Umweltkatastrophen machen Barrieren sichtbar. Die Perspektiven Betroffener stehen bei allen Recherchen im Mittelpunkt und tragen zu einer differenzierten und inklusiven Berichterstattung bei. Was 2020 als kleines Online-Medium begann, wuchs zu einem mehrfach ausgezeichneten Medienhaus. Zwölf fair bezahlte Arbeitsplätze konnten aufgebaut werden – die Hälfte davon besetzt von Menschen mit Behinderungen. Um den laufenden Betrieb nachhaltig zu sichern, braucht das Medium insgesamt 7000 Abos. Bis Ende Juni bleibt noch Zeit. Jede Spende und jedes Abo bringen das Team einen Schritt näher ans Ziel: www.andererseits.org/abo/

Luise Jäger mit erstem andererseits Magazin © Medienhaus andererseits gFlexCo
JETZT ODER NIE
Text: Simone Fürnschuß-Hofer
Foto: iStock/frantic00 (Montforter Zwischentöne)

Wenn sich demnächst im Rahmen der Montforter Zwischentöne Feldkirchs Ecken und Winkel in Bühnen für Begegnungen, Musik und überraschende Perspektiven verwandeln, ist die marie ein Teil davon. Ein kleiner zumindest. Bereits publizierte Geschichten liefern den erzählerischen Soundtrack für einen Konzertspaziergang, der Menschen, Orte und Momente miteinander verwebt. Spannende inhaltliche Klammer: jetzt oder nie!
Die Freude in der marie-Redaktion war groß, als uns die Anfrage der frisch gebackenen Ko-Kuratorin der Montforter Zwischentöne, Silvia Salzmann, erreichte: Ob wir nicht Teil eines ihrer Formate sein möchten, indem wir eine Auswahl an Texten für einen „Konzertspaziergang in den Sonnenuntergang“ bereitstellen würden. Klar wollten wir. Unter dem Motto „Jetzt oder nie – keine Gegenwart ohne Aufbruch“ werden dabei bereits publizierte Texte künstlerisch in Szene gesetzt. Es geht um jene Aufbruchsmomente, die wir in Biografien als Wendepunkte verstehen: dann, wenn kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.
Startpunkt ist das Stella Pförtnerhaus (12. Juni, 19 Uhr), der Weg wird begleitet von überraschenden Begegnungen zwischen Text, Musik, Tanz und Raum, die Zeit- und Ortswahrnehmung verändern. Das Ankommen am Ziel ist ganz dem Innehalten gewidmet: um sich mit Musik dem Moment hinzugeben, Beschwerliches loszulassen und entspannt der untergehenden Sonne zuzuschauen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Wir sehen – und begegnen – uns!
MOZ 2026: alle Programmpunkte
Ab sofort gibt es die Montforter Zischentöne (MOZ) zweimal jährlich – mit einer Sommer- und einer Herbstausgabe (7. - 14. Juni, sowie 7.29. November) an Plätzen drinnen wie draußen!
Sommerprogramm:
07.06., 18 Uhr Talkshow „Gruß aus der Küche“: musikalische Kostproben, Interviews und Einblicke ins Festivalprogramm; Bärenkreuzungsunterführung, kostenlos
08.06., 19 Uhr „Paulas Arbeitszimmer #1“: Kreative geben besondere Einblicke in ihre Arbeit, Zanona
09.06., 19 Uhr „Paulas Arbeitszimmer #2“ Kreative geben besondere Einblicke in ihre Arbeit, Stella 12.06., 19 Uhr Konzertspaziergang „jetzt oder nie“: Keine Gegenwart ohne Aufbruch; Startpunkt: Stella Pförtnerhaus, Gesamtdauer etwa 1 – 1,5 h, davon ca. 30 Minuten Fußweg, (für Schlechtwettervariante ist gesorgt), der Eintritt ist frei.
Beteiligte: Sabine Lorenz (Schauspiel), Suat Ünaldi (Schauspiel), Marina Rützler, Maartje Pasman, Fabian Tobias Huster, Sebastien Kapps, Joni Österlund und Silvia Salzmann (Performer:innen); Maxine Troglauer (Bassposaune); Juan Diaz (Flöte); Raphael Brunner (Akkordeon); Soundscapes (Aufnahme), Stella „Frischluft“-Band von Herbert Walser
13.06., 12 Uhr Performance „in the blink of an eye“: Tanz- und Musikperformances an überraschenden Orten der Altstadt Altstadt Feldkirch, kostenlos
13.06., 19 Uhr Konzert „Die Nacht (ist nicht allein zum Schlafen da)“
Tanz, Ensemble Plus, Karaoke, Yasmo und Klangkantine, Palais Liechtenstein
14.06., 15 Uhr Performance „in the blink of an eye“: Tanz- und Musikperformances in der Altstadt, kostenlos
14.06., 17 Uhr Performance „in the blink of an eye“: Tanz- und Musikperformances in der Altstadt, kostenlos
ZWISCHEN VERSCHWINDEN UND WERDEN
Magersucht, Bulimie, Essanfälle: Destruktives Essverhalten wird oft als „Hilfeschrei der Seele“ übersetzt und ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Ohne professionelle Begleitung ist sie kaum bewältigbar und kann tödlich enden. „Take Care – Fachstelle für Essstörungen der Caritas“ ist eine mögliche Anlaufstelle für Betroffene in Vorarlberg. Zu ihrem 25-jährigen Bestehen greift eine Fotoausstellung der ukrainischen Künstlerin Maryna Liapina ein Thema auf, über das oft geschwiegen wird – mit teils schwerwiegenden Folgen.
Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: Maryna Liapina
In den letzten zehn Jahren sei die Anzahl Hilfe suchender Menschen kontinuierlich gestiegen, sagt Carmen Drexler, 51, Leiterin von „Take Care – Fachstelle für Essstörungen der Caritas“. Gerade junge Menschen stünden massiv unter Druck. Einerseits habe angesichts des aktuellen Trends zum Magersein das Kalorienzählen wieder mehr Gewicht bekommen, doch „gesellschaftliche Normen“ sind nur das eine. Familiäre Belastungen, ein geringer Selbstwert, eine persönliche Not und selbst die Genetik können ebenso eine Rolle spielen. Im Grunde kommen immer mehrere Faktoren zusammen, die eine Erkrankung auslösen“, so die Expertin. Die Fachstelle der Caritas begleitet ausschließlich Erwachsene – dabei seien es zu neunzig Prozent Frauen, die Hilfe suchen. Bei den Männern, die sich melden, zeige sich eine Tendenz zum „Binge Eating“, unkontrollierten Essanfällen. Oft ein Kanal, um emotionalen Stress abzubauen – mit der Folge einer ungewollten Gewichtszunahme bis hin zu Adipositas. Gleichzeitig setze der Optimierungsdruck – Stichwort Sixpack – längst auch der Männerwelt zu.
Zeitnahe Erstgespräche
Das Erste und Wichtigste auf dem Weg zur Genesung sei die Krankheitseinsicht, sagt Carmen Drexler. „Take Care“ stellt dabei psychologische Beratung und Psychotherapie sowie Tanz- und Kunsttherapie bereit. Zudem arbeitet die Caritas-Fachstelle mit der Psychosomatik-Abteilung des Krankenhaus Hohenems eng zusammen und vermittelt bei Bedarf an externe Angebote im Land. „Wir legen großen Wert auf schnelle Antworten“, so die Fachstellen-Leiterin. „Wenn jemand den Mut hat, sich zu melden, dann braucht es viel Zugewandtheit, Feingefühl und ein zeitnahes Erstgespräch – idealerweise im Bezirk, wo die oder der Betroffene wohnt.“ Und es gebe klare Regeln: „Eine Psychotherapie unter einem Body-Mass-Index von 15 ist nicht möglich. Wenn jemand derart im Untergewicht ist, ist er oder sie dafür nicht stabil genug.“ Natürlich würden die Klient:innen in diesen Fällen dahingehend begleitet, dass sie schnell medizinische Hilfe bekommen.
Kontrollverlust
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Fachstelle hat sich die aus Kiew geflüchtete Foto- und Videografin Ma-
ryna Liapina, 38, der Thematik künstlerisch angenommen. Und sich dabei sowohl ihre Distanz als Außenstehende als auch ihre Erfahrungen durch ihre persönliche Fluchtgeschichte zunutze gemacht. Die Ambivalenz zwischen Kontrollbedürfnis und Kontrollverlust, zwischen Angst und Vertrauen, zwischen Wunsch nach Präsenz und dem Verschwinden-Wollen hat sie am eigenen Leib erlebt. Sie kenne das Gefühl, sich im Überlebensmodus zu befinden. Ihre Arbeit mit den betroffenen Frauen habe sie außerdem erkennen lassen: „Wenn ein Mensch seinen Körper nicht mehr als sicheren Ort wahrnimmt, verkommt dieser zu einer Kampfarena, man taumelt zwischen Hilfeschrei und dem Wunsch zu verschwinden. Inmitten dieses Prozesses will man über den Körper wieder Kontrolle gewinnen, man entwickelt möglicherweise eine Essstörung und erkennt dabei nicht, dass dadurch erst recht alles außer Kontrolle gerät“, sagt sie nachdenklich. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien würden unterschiedliche Gesichter und Gesichtsausdrücke, unterschiedliche Positionen einfangen und spürbar machen, wie die Menschen auf diesen Fotografien mit ihren inneren Stimmen zu kämpfen haben. „Stimmen, die ihnen Dinge einflüstern wie: Du bist nicht gut genug, du solltest dich schämen“, so Maryna Liapina.
Wer rettet wen?
Die Geschichten der Frauen haben sie berührt, sagt die Fotografin. Dabei ist auch ihre eigene eine, die unter die Haut geht: In ihrem Heimatland Ukraine arbeitete sie als Kamerafrau und noch am Vorabend des russischen Überfalls habe sie ihr Equipment für den bevorstehenden Drehtag vorbereitet. „Nein, ich hätte nie gedacht, dass ein Krieg ausbricht.“ Am nächsten Morgen zitterte bereits der Boden unter ihren Füßen, als sie aufwachte. Weil sie als Tierschutzaktivistin Dutzende Hunde und Katzen zu versorgen hatte, wollte sie nicht sofort flüchten und brachte sich vorerst in einem Bunker in Sicherheit. Als sich die Lage jedoch zusehends verschlimmerte, tat sie sich mit Menschen zusammen, um in einem Konvoi aus drei Fahrzeugen das Land zu verlassen. Mit an Bord: Ihre Eltern, eine weitere Familie, 39 Hunde und 5 Katzen. Für die Tiere konnte sie in Österreich Unterschlupf finden, mit ihrem Partner, ihrer Mama, sechs Hunden und einer Katze wohnt sie selbst derzeit in einem alten Haus in Klaus. Ja, sagt sie, einerseits sei eine Flucht unter solchen Umständen erschwert, aber gleichzeitig frage sie

„WENN EIN MENSCH SEINEN KÖRPER NICHT MEHR ALS SICHEREN ORT WAHRNIMMT, VERKOMMT DIESER ZU EINER KAMPFARENA, MAN TAUMELT ZWISCHEN HILFESCHREI UND DEM WUNSCH ZU VERSCHWINDEN. INMITTEN DIESES PROZESSES WILL MAN ÜBER DEN KÖRPER WIEDER KONTROLLE GEWINNEN, MAN ENTWICKELT MÖGLICHERWEISE EINE ESSSTÖRUNG UND ERKENNT DABEI NICHT, DASS DADURCH ERST RECHT ALLES AUSSER KONTROLLE GERÄT.“




sich, ob nicht die Tiere sie gerettet haben. Ihre Wohnung in Kiew stehe noch, aber es gäbe Städte, die seien wie vom Erdboden verschwunden. Ausgelöscht. Und es werde mit jedem Tag schlimmer. „Auch im Westen der Ukraine, wo man lange glaubte, dass es sicherer ist, fallen viele Bomben.“ Sinnvolle Beschäftigung und Freunde habe sie hierzulande insbesondere im Vogelfreiraum in Rankweil gefunden, erzählt die Künstlerin. Sie gebe Malkurse, organisiere Ausstellungen, sammle Spenden und sei nach wie vor in der Tierrettung aktiv. Das sei umso notwendiger, als dass inzwischen unzählige Tiere in ukrainischen Wohnungen und Häusern allein zurückgelassen würden.
Hochrisikoerkrankung
Mit ihrer Empathie und der Sprache der Fotografie schöpft Maryna Liapina künstlerisch aus dem Vollen, um den Scheinwerfer auf eine Erkrankung zu lenken, die oft tabuisiert wird. Mut machen sollen sie, diese Protagonistinnen auf den Bildern, die alle bereits in einen Genesungsprozess, in ein „Werden“ gefunden haben – und damit in jene Stabilität, die es überhaupt erst möglich macht, ihre Geschichte zu teilen. Mut dazu, eine Essstörung nicht zu verschweigen, nicht zu verleugnen. „Es bedeutet viel Courage, diese Erkrankung als Teil seiner Biografie zu akzeptieren und sich mit all den Gefühlen vor der Kamera zu präsentieren“, zollt die Künstlerin den Frauen Respekt. „Denn wir dürfen nicht lapidar mit dieser Erkrankung umgehen“, klinkt sich Carmen Drexler nochmals ein. Sie möchte Bewusstsein dafür schaffen, Essstörungen als Hochrisikoerkrankung wahrzunehmen und frühzeitig zu handeln: „Es steckt viel mehr dahinter als nur der Wunsch, eine gute Figur zu haben. Von zehn magersüchtigen Menschen stirbt einer. Jeder Tag zählt, wenn es darum geht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen!“
Die häufigsten Arten von Essstörungen:
// Anorexia Nervosa („Magersucht“): starkes Bedürfnis, das Gewicht zu kontrollieren, oft durch extreme Diäten, übermäßigen Sport bis hin zur Vermeidung von Essen. Betroffene haben meist ein verzerrtes Körperbild und fühlen sich trotz Untergewichts zu dick.
// Bulimia Nervosa („Ess-Brech-Sucht“): Essanfälle mit großen Mengen Nahrung in kurzer Zeit wechseln sich mit kompensierenden Maßnahmen ab (Erbrechen, Einnehmen von Abführmitteln, exzessiver Sport). Betroffene haben oft ein normales Gewicht, aber das ständige Erbrechen und der Stress belasten Körper und Psyche stark.
// Binge Eating: wiederkehrende Essanfälle mit unkontrolliert großen Mengen an Essen ohne kompensierende Maßnahmen wie bei der Bulimie. Dies führt häufig zu Übergewicht bis hin zu Adipositas, Diabetes und psychischen Problemen.
Kontakt: essstoerungen@caritas.at
Journaldienste (täglich von 08:00 bis 12:00 Uhr):
Region Unterland: 05522 200 4050
Region Oberland: 05522 200 1700
25 Jahre „Take Care – Fachstelle für Essstörungen“
Mo, 1. Juni, 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch: Vernissage „Zwischen Verschwinden und Werden“ Ausstellung mit Arbeiten der Fotokünstlerin Maryna Liapina, ergänzt durch Briefe von Menschen, die von Essstörungen betroffen sind. Mit Musik von Anne Madlener. Die Ausstellung ist bis 17. Juni geöffnet und kann zu Veranstaltungszeiten oder nach telefonischer Anmeldung (05522 728 95) besichtigt werden.
Mi, 17. Juni, 18 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch: Rückblick, Dank und Ausblick & Finissage Ausstellung:
Beiträge von Martina Rüscher, Walter Schmolly und Carmen Drexler sowie persönliche Texte von Pia Luger und Tina Strohmaier, musikalisch begleitet von NNELLA.

Liebe Freundin Bulimie!
Ein Abschiedsbrief
Was warst du für mich? Für zweieinhalb Jahre warst du mein ständiger Wegbegleiter – und gleichzeitig mein größtes Geheimnis. Still, heimlich – und doch immer da. Niemand sollte dich kennen, niemand wissen, dass es dich gibt. Du warst für mich eine Art Sicherheit – die Möglichkeit, alles in mich hineinzustopfen, was ich wollte, ohne mir in dem Moment Sorgen machen zu müssen. Du hast mir erlaubt, kurz zu vergessen, zu genießen. Oft hat das Essen in diesen Momenten besonders gut geschmeckt – zumindest, solange es im Mund war. Was du mir wirklich gegeben hast? Du hast mir eine Möglichkeit gegeben, mit etwas umzugehen, das ich selbst nicht verstanden habe. Vielleicht warst du auch mein Schutz – vor Emotionen, vor Kontrollverlust, vor mir selbst.
Du bist entstanden, als ich versucht habe, mein Leben von einem Tag auf den anderen neu zu ordnen. Der Druck, alles sofort richtig zu machen, hat dir den Eintritt ermöglicht. Aber du warst nie eine Lösung. Du warst eine Flucht – und irgendwann wurde diese Flucht zu einem stillen Abstand, der sich zwischen mich und die Menschen gelegt hat, die mir eigentlich am nächsten stehen. Ich habe mich distanziert – ohne, dass sie es gemerkt haben. Und genau deshalb will ich dich nicht mehr.
Ich verabschiede mich von dir, weil ich spüre, wie sehr du mich krank machst – körperlich, seelisch, gedanklich. Ich will meinen Körper nicht weiter zerstören. Ich will ihm auf gesunde Weise Gutes tun. Ich möchte mich in meinem Körper wohlfühlen dürfen, ohne ihn ständig kontrollieren oder manipulieren zu müssen. Ich will schlank sein – aber nicht auf Kosten meiner psychischen und physischen Gesundheit. Ich will mich beim Essen nicht mehr ständig fragen müssen, wo das nächste Klo ist. Ich will nicht mehr nervös werden, wenn ich höre, dass es nur offene Kabinen gibt. Ich will nicht mehr die Angst haben, dass mich jemand hört, wenn ich erbreche. Ich will nicht mehr enttäuscht sein, wenn die Zahl auf der Waage über 50 liegt – als wäre sie ein Urteil über meinen Wert. Ich will nicht mehr diesen Zwang spüren, alles sofort loswerden zu müssen, wenn ich „zu viel“ gegessen habe – ganz gleich, wie anstrengend oder schmerzhaft es ist. Ich will nicht mehr händeringend nach Erklärungen suchen, warum ich so an Gewicht verloren habe. Keine Geschichten mehr erfinden müssen, wenn Menschen sich sorgen – und mich danach selbst dafür verachten, dass ich meinen Mitmenschen etwas vorspiele. Ich will diesen ständigen Stress nicht mehr. Ich will ehrlich sein dürfen. Ich will frei sein.
Tina 31 Jahre

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MAN WEISS JA NIE
Wird Österreich Fußball-Weltmeister?
Eher nicht – aber es gibt Wichtigeres
Text: Daniel Mutschlechner, Foto: KI-generiert
Vom 11. Juni bis 19. Juli findet die Endrunde der Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA statt. Erstmals seit 28 Jahren konnte sich Österreich für das bedeutendste Sportereignis qualifizieren. Die Vorfreude ist groß, aller Widrigkeiten zum Trotz. Ob unser Team eine Chance auf den Titel hat? „Man weiß ja nie“, meint Teamspieler Marco Arnautovic. Dabei haben wir schon vor dem ersten Spiel gewonnen.

„KRITIKER VERKENNEN AUCH DIE GESELLSCHAFTSPOLITISCHE DIMENSION DES FUSSBALLS. EIN HAUFEN VÖLLIG UNTERSCHIEDLICHER JUGENDLICHER GING IN MEINER VEREINSZEIT GEMEINSAM DURCH
HÖHEN UND TIEFEN. WO SONST KÖNNEN JUNGE
KERLE – UND ZUM GLÜCK AUCH IMMER MEHR MÄDCHEN – IHRE AGGRESSIONEN AUSLEBEN?“
Spiele der Nationalmannschaft fand ich immer schon bedeutender als den Clubfußball. Schließlich entscheidet bei der WM der Reisepass über die Aufstellung. Und nicht dubiose Transfers mit den Millionen arabischer Investoren. Längst boykottiere ich das Pay-TV und die Champions League.
Doch das österreichische Team machte es mir lange nicht leicht. Wie oft habe ich mit legendären ORF-Reportern wie Peter Elstner oder Hans Huber mitgelitten. Beim 0:1 gegen die Hobbykicker der Färöer-Inseln, das wir im Herbst 1990 kassierten. Oder beim 0:9 gegen Spanien, als Verteidiger Toni Pfeffer beim Halbzeitstand von 0:5 ins ORF-Mikrofon sagte: „Hoch werma’s nimma gwinnen.“
Waren wir einmal einem Sieg nahe, fiel wenige Minuten vor Schluss oft das befürchtete Gegentor. Wir haben es ja kommen sehen. Oder diese seltsame Selbstzufriedenheit, wenn es einmal für einen bedeutungslosen Erfolg reichte: Noch immer betrachten wir das 3:2 gegen Deutschland bei der WM 1978 als Sternstunde, obwohl wir ohnedies ausgeschieden waren. Die österreichische Seele lässt grüßen. Und so warte ich seit 1998 auf eine WM-Teilnahme. Jetzt ist sie da. Und diese Freude lasse ich mir nicht nehmen.
Auch nicht von den Denkern, denen jede Fußballbegeisterung verdächtig war. „Es gibt nur etwas, das noch sinnloser ist als Fußball: nachdenken über Fußball“, meinte Schriftsteller Martin Walser einmal. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete Sport und Literatur gar als feindliche Brüder.
Daran dachte vermutlich mein Deutschprofessor, als er sich in einem Anflug intellektueller Selbstgerechtigkeit über meinen Fußball-Pullover erdreistete. Er wollte partout nicht einsehen, dass die Welt nicht nur aus Goethe, Bernhard und Schiller besteht, sondern auch aus Maradona, Butrageno oder Van Basten. Und dass sich Klavierspielen und stundenlanges Ballern auf ein Fußballtor nicht ausschließen. Man kann beides lieben. Das heitere Panini-Album stand damals direkt neben Frühlings-Erwachen und half dem Teenager, Wedekinds Tragödie besser zu verdauen. Doch für den Herrn Professor war jeder Fußballfan ein kleiner Hooligan.
Mein Klassenvorstand ärgerte sich sogar über das abendliche Flutlicht am Trainingsplatz und rechnete mir vor, wie viele Haushalte stattdessen mit Energie versorgt werden könnten. Und als Austria Lustenau während des StadionUmbaus nach Bregenz auszuweichen gedachte, sorgte sich die dortige Vizebürgermeisterin gar um das Stadtbild. Und stellte infrage, ob Fußballpublikum überhaupt zur städtischen Zielgruppe gehören sollte.
Ausgerechnet ein Germanist eilte mir argumentativ zur Hilfe. Klaus Zeyringer war es, der im Standard einmal die Faszination des Fußballs auf den Punkt brachte: „Der Sport ist enorm faszinierend. Es finden so viele Ballkontakte statt, wie es für die menschliche Aufmerksamkeit günstig ist. Es sind so viele Höhepunkte, wie man brauchen kann. Fußball wird in einem gut einsehbaren Rahmen abgehalten, das ist keine Ruderregattastrecke, sondern ein schönes Stadion. Die Regeln sind einfach, es ist ein mediales Massenphänomen.“
Dabei braucht es gar keine rationale Erklärung. Fußball ist Emotion und Spieltrieb. Liegt ein Ball auf einer Wiese, zieht es mich hin. Sehe ich einen Tannenzapfen am Wald-
boden, kicke ich ihn zwischen zwei Bäume, die ich mir als Torstangen vorstelle. Stundenlang spielten wir schon als Kinder hinterm Haus, bis die Dunkelheit den Spaß beendete. Oft rangen wir dann noch um Erlaubnis, nicht nur die erste Halbzeit eines Abendspiels anschauen zu dürfen, sondern auch die entscheidende zweite.
Wer den Fußball geringschätzt, kennt nicht den Glücksmoment, einen Ball aus großer Distanz in die Torecke zu schlenzen. Oder das Wohlgefühl, einen Steilpass in die Tiefe des Raumes beim Mitspieler ankommen zu sehen. Vom großartigen Geruch frisch gemähten Rasens an einem Herbstabend ganz zu schweigen.
Kritiker verkennen auch die gesellschaftspolitische Dimension des Fußballs. Ein Haufen völlig unterschiedlicher Jugendlicher ging in meiner Vereinszeit gemeinsam durch Höhen und Tiefen. Es galt Durststrecken auszuhalten, Ungerechtigkeiten zu verdauen, Angeber auf den Boden zu bringen und Schiedsrichter zu respektieren. Wo sonst können junge Kerle – und zum Glück auch immer mehr Mädchen – ihre Aggressionen ausleben?
Wenn mir heute Nadir, Harun oder Fatih auf dem Marktplatz zuwinken, dann deshalb, weil wir gemeinsam gewonnen und (meist) verloren haben. In unserer Parallelwelt fallen mir kaum andere Gelegenheiten ein, bei denen ich über einen längeren Zeitraum mit Menschen völlig unterschiedlicher Milieus und Herkünfte zu tun gehabt hätte, als auf dem Fußballplatz. Vielleicht noch beim Bundesheer.
In unserem Nationalteam werden auch die Chancen des Einwanderungslandes sichtbar. Gewinnen Alaba, Arnautovic, Laimer und Co, liegen sich Menschen aller politischer Richtungen in den Armen. Jung und Alt, Arm und Reich. Ein derart geäußertes Maß an Patriotismus und Gemeinschaftsgefühl ist mir allemal lieber als die Heimattümelei in Bierzelten, Wehrsportvereinen oder miefigen Kellern von Studentenverbindungen.
Dass sich heute noch weite Teile einer Gesellschaft auf ein Ereignis verständigen, ist übrigens auch nicht selbstverständlich – das gelingt sonst höchstens noch dem Heiligen Abend. Fußball ist das verbliebene gemeinsame „Lagerfeuer“. Der Fokus liegt zur selben Zeit am selben Ort auf demselben Thema. Das wird vom 11. Juni bis 19. Juli wieder so sein.
Und ich weiß schon: Diese Fußball-WM ist klimaschädlich, dient Trump als Bühne und ist von der FIFA so durchkommerzialisiert, dass es den Aficionado an den Rand der Verzweiflung treibt. Ich fürchte mich schon jetzt vor dem Einschreiten des VAR und unzähligen Werbeeinblendungen bei den 104 Spielen dieser völlig aufgeblähten WM. Man soll das verurteilen, kann den Fußball aber trotzdem lieben.
Und auch unser Nationalteam. Unsere Profis spielen richtig gut und sie strotzen vor Selbstvertrauen. Viele treffen sogar bei gesellschaftspolitischen Kommentaren den richtigen Ton. Reicht das für den Weltmeistertitel? Man weiß ja nie. Allein die Tatsache, dass wir ein Team von Welt haben und die österreichische Larmoyanz abgelegt wurde, erfüllt mich mit Freude. Das Erreichen des Halbfinales würde mir völlig reichen.
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Erstes Songwriting-Camp
Vom 26. bis 28. Juli veranstalten Nadja Bodlak (NNELLA) und Sonja-Maria
Smith Novak (Sonj Marina) das erste Songwriting-Camp in Vorarlberg. Der Workshop richtet sich an alle, die in den Austausch kommen möchten, mindestens fünf eigene Songs geschrieben haben und die Basics kennen und einfache Aufnahmen machen können.

Das Camp findet in den Räumlichkeiten der Musik-
schule Feldkirch statt. Mitzubringen ist das eigene Record-Equipment (DAW bzw. Laptop, Audio Interface, Mikrofon und Kabel). Vor Ort gibt es MikrofonStänder, Klaviere und Percussion-Instrumente. Die Teilnahmegebühr beträgt für maximal 15 Teilnehmer:innen 125 Euro.
Nähere Infos unter co.vorarlberg@gmail.com
Vorarlberger Kinderdorf startet Zeitkapsel-Projekt
„Wir KINDER VORarlbergs!“ geht in eine neue Runde und richtet den Blick nach vorne: Was ist heute wichtig für morgen? Gemeinsam mit Kunstschaffenden setzen sich Kinder damit auseinander, was ihnen heute so wertvoll ist, um es in einer Zeitkapsel zu verwahren und mit in die Zukunft zu nehmen. Und weil wir alle Kinder Vorarlbergs sind, lädt das Vorarlberger Kinderdorf auch die Erwachsenen zum Mitmachen ein und fragt: Welches Wort willst du mit nach morgen nehmen?
Auf einem Material nach Wahl im Format 20 x 20 cm kann dieses eine Wort durch Kleben, Nähen, Sticken, Drucken etc. verewigt werden. Das Ergebnis direkt im Vorarlberger Kinderdorf vorbeibringen oder mit Angabe von Namen und Alter an die Adresse Kronhaldenweg 2, 6900 Bregenz schicken.
Was an Kreativem, Lebensfrohem und Ermutigendem entsteht, darüber wird auf der „Wir KINDER VORarlbergs!“-Website laufend berichtet.
Infos & Kontakt: www.wir-kinder-vorarlbergs.at, kinder-vor@voki.at
Meilenstein: Grundstück für Geburtshaus


Die IG Geburtskultur a-z kommt ihrem seit zehn Jahren vorangetriebenen Herzensprojekt, in Vorarlberg ein Geburtshaus zu realisieren und damit Frauen und Familien mehr Wahlmöglichkeiten zu bieten, einen wesentlichen Schritt näher: Am Blasenberg in Feldkirch wird ihnen nun von den Kreuzschwestern ein Grundstück für das Projekt bereitgestellt. Geplant ist ein außerklinisches, hebammengeleitetes Geburtshaus für gesunde Schwangere. Der Standort ist ruhig, gut erreichbar und nahe am LKH Feldkirch. Das Projekt setzt auf einen kleinen Gebäudekomplex aus Lehm und Holz und soll gemeinschaftlich über eine Genossenschaft umgesetzt werden. Für den Bau (über 1,5 Mio. Euro) werden noch Investor:innen und Genossenschafter:innen gesucht. „Unserem Projekt liegt ein innovatives architektonisches Konzept zugrunde, das das gesundheitsfördernde Potenzial von Räumen gezielt nutzt. Investoren und Investorinnen machen damit ein zukunftsweisendes Gesundheitsprojekt möglich, mit Ausstrahlungskraft weit über die Region hinaus“, erklärt die auf Geburtsräume spezialisierte leitende Architektin und ausgebildete Hebamme Anka Dür.
Weitere Infos unter: geburtskultur.com
Vorstellung Projekt: Raum für Geburt. Am Blasenberg. Im Rahmen eines Sommerfests mit Mitbring-Picknick findet für alle Interessierten eine Infoveranstaltung statt: So., 21.06. ab 15 Uhr, Blasenberggasse 3, Feldkirch
Wir lieben Menschen. Wir leben Vielfalt. Wir haben den Mut.

Open Air: Live on Stage Fish & Schnitzel
Kinky Muppet
LILEMUT bringt Vielfalt in den Bregenzerwald –offen, mutig und gemeinsam.Von Juni 2026 bis Ende 2027 entstehen mit vielen Partner:innen Veranstaltungen rund um queere Identitäten und Lebensformen in der ganzen Region. Diese laden zum Hinschauen, Reden und Verstehen ein.
Neugierig? Hier mehr erfahren:


Raphael hat dank seiner Ausbildung zum Programmierer am Digital Campus neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Mittendrin in V
Nico Kantner bringt mit „Special Delivery“ bereits ihre 9. MuscialProduktion auf die Bühne. Die umtriebige Projektleiterin der Kinder& Jugendbotschafter:innen der Caritas Auslandhilfe nimmt immer wieder gesellschaftskritische Themen ins Visier, die sie gemeinsam mit jungen Menschen in Geschichten verwandelt. Ihre Musicals sind bekannt für ihren Bildungsanspruch. Wir haben die in Westafrika aufgewachsene und heute in Dornbirn beheimatete Kreativschaffende zum Interview geladen.
FOKUS AUF KINDERRECHTE UND GENERATIONENDEBATTE
marie: Wie und wo hast du das Musicalschreiben gelernt?
Nico Kanter: Es hat vor 20 Jahren als Hobby angefangen. Gemeinsam mit meiner Freundin Claire aus London gründeten wir die „groovaloos! English Musical Company“ und es entstanden die ersten Musicals in englischer Sprache im gallischen Dorf Fluh in Bregenz. Mich fasziniert nach wie vor, wie man wichtige Themen spielerisch und musikalisch mit Jugendbeteiligung in Bildungsmusicals verpacken kann – um mit Kernbotschaften wiederum viele Menschen zu erreichen.
Was war die treibende Kraft, das Thema Menschenrechte musikalisch umzusetzen?
Die aktuelle Produktion ist unser 2. Musical zu den Kinderrechten. Die UN-Kinderrechte sind das Fundament all unserer Projekte – sie zu thematisieren und sichtbar zu machen ist unsere Kernaufgabe. Durch Kooperationen mit jungen Menschen in unseren Partnerländern wie etwa in Armenien und Äthiopien bekommt man mit, wie gewichtig Kinderrechte überhaupt sind und wie sie leider auch oft verletzt werden. Im aktuellen Fall war es Kinder- und Jugendanwalt Christian Netzer, der den entscheidenden Impuls gab und uns eine Kooperation vorschlug.
Ein Impuls und du schreibst drauflos? Oder wie darf man sich das vorstellen?
Das junge Musical-Team unserer letzten Produktion Waaritaanka war nach den Aufführungen nicht zu bremsen und entwickelte über den Sommer 2025 zwei sensationelle Stories – die ineinandergeflochten zu einem tollen Drehbuch wurden. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wählten bekannte Songs aus, die den Emotionen der Szenen entsprechend Ausdruck verleihen, und ich musste nur noch das Skript schreiben und die Songs umtexten. In allen Bereichen der Projektumsetzung entscheiden die jungen Darsteller:innen mit und übernehmen Verantwortung: Angefangen beim Casting über die Choreografien, Textkorrekturen und Gesangsaufnahmen bis hin zur Organisation der Probentermine, zum Shirt-Design, zur Erstellung der Requisiten und dem Gemüse schnippeln für die Jause bei den Ganztagsproben.
Was können die Zuschauer über eine unterhaltsame Aufführung hinaus mitnehmen?
Dieses Mal haben wir den 10-Punkteplan der Kinder- & Jugendanwaltschaften aller Bundesländer aufgegriffen und machen darauf aufmerksam, dass ein kleiner Teil der Kinderrechtskonvention in Österreich zwar rechtlich stark verankert, die Umsetzung aber in der Praxis nach wie vor in vielen Bereichen unzureichend ist! Ein zweiter wichtiger inhaltlicher
„Mich fasziniert nach wie vor, wie man wichtige Themen spielerisch und musikalisch mit Jugendbeteiligung in Bildungsmusicals verpacken kann – um mit Kernbotschaften wiederum viele Menschen zu erreichen.“

Nico Kantner ist Mama von zwei erwachsenen Kindern, Projektleiterin der Kinder- & Jugendbotschafter:innen der Caritas Auslandhilfe, Leiterin der Säuglings-, Baby- und Kleinkindschwimmkurse in Bregenz, Initiatorin von Musicals zu gesellschaftsrelevanten Themen und Projektpartnerin von Initiativen in Tamale/Ghana

Fokus liegt auf der Generationendebatte und der Tendenz, dass junge Menschen in vielen Bereichen in unserer Gesellschaft sehr stark kritisiert, aber gleichzeitig zu wenig eingebunden werden. Das sogenannte „Youthwashing“ ist der reinste Partizipations-Killer!
Du meinst, man inszeniert sich jugendnah, tut dabei aber nur so als ob?
Genau! Es existieren zum Beispiel Jugendräte und -beiräte, die von den jungen Beteiligten eigentlich nur als „Alibi-Partizipation“ und Image-Kampagnen erlebt werden, weil sie oft selbst nicht wissen, was eigentlich ihre Aufgabe sein soll oder weil zentrale Entscheidungen schon im Vorfeld getroffen wurden. Oder sie werden eingeladen, Ideen zu entwickeln und erhalten keine Rückmeldung, was damit passiert. Nur zu oft erreichen auch unsere Jugendbotschafter:innen Einladungen zu Podiumsdiskussionen oder Preisverleihungen, die wochentags an Vormittagen oder spät abends stattfinden, wo schon im Vorhinein klar ist, dass eine Teilnahme für sie nicht möglich sein wird. Das macht mich echt wütend! Hinzu kommt, dass viele Erwachsene vorwiegend hohe Erwartungen an junge Menschen haben, Werte und Pflichten in einer Welt vermissen, in der es aber – umgekehrt – kaum noch Vorbildwirkung gibt!
Bietet ihr auch diesmal weiterführendes Material an? Ja, Lehrpersonen erhalten im Vorfeld Material zur Vorbereitung und es wird vor Ort eine interaktive Installation „Unboxing Participation – Jugend, Demokratie und du“ im Foyer des Kulturhauses geben. Die Schüler:innen können abstimmen, Fragen beantworten, und eigene Projektideen für ein Gewinnspiel einreichen. Die gesammelten Inputs werden in einem Positionspapier und offenen Brief an politische Entscheidungsträger:innen weitergeleitet.
„Durch Kooperationen mit jungen Menschen in unseren Partnerländern wie etwa in Armenien und Äthiopien bekommt man mit, wie gewichtig Kinderrechte überhaupt sind und wie sie leider auch oft verletzt werden.“
SPECIAL DELIVERY*
Bildungsmusical (auf Deutsch inklusive ÖGS-Gebärdenübersetzung) im Kulturhaus Dornbirn für Jugendliche ab 12 Jahren, junge Erwachsene, Eltern und Pädagog:innen: Ein Blick hinter die Fassaden, wie Kinderrechte in Österreich von Erwachsenen (meist ungekannt) verletzt und missachtet werden sowie über den wichtigen Dialog zwischen den Generationen und die Kraft, Dinge (un)sichtbar zu machen.
Vorstellungen:
Di., 23.06. 9:30 und 14:30 Uhr
Mi., 24.06. 9:30 und 14:30 Uhr (Abendvorstellung um 19 Uhr)
Do., 25.06. 9:30 und 14:30 Uhr Dauer: ca. 120 Minuten (mit Pause)
Karten über ticketist.io: Schüler:innen: 9 Euro (2 Begleitpersonen pro Schulklasse frei),
Erwachsene: 20 Euro
*übersetzt: Spezielle Lieferung
„ICH BIN EIN FRÖHLICHER MENSCH“
Es braucht oft nicht viel, damit das Leben eine ungewollte Wendung nimmt. Das hat Fabian vor drei Jahren am eigenen Leib erfahren müssen. Trotzdem lässt sich der heute 38-Jährige nicht entmutigen und kämpft darum, wieder in die Spur zu kommen.
Ich habe Fabian vor Kurzem zum ersten Mal gesehen – oder besser gesagt: gehört. Denn noch bevor ich mich mit ihm im Bonettihaus unterhalten konnte, fiel mir sein Lachen auf. Es wirkt im besten Sinne ansteckend. Ich garantiere euch: Fabians einzigartiges Lachen ist das beste Mittel gegen schlechte Laune und das ganz ohne Rezept. Dabei hätte der 38-Jährige selbst durchaus Grund zu klagen, doch im Gespräch mit der marie verliert er kein böses Wort über sein Schicksal. Stattdessen beginnt er, offen aus seinem Leben zu erzählen.
Aufgewachsen ist Fabian in Cottbus, nahe Berlin. Er besucht dort die Schule und spielt in seiner Jugend leidenschaftlich Fußball. Er hütet das Tor. Doch als ihn ein Gegenspieler mit den Füßen voran an beiden Knien trifft, erleidet er eine schwere Meniskusverletzung. Da ist er gerade einmal 16 Jahre alt. Die Fußballerkarriere ist damit vorbei, noch bevor sie richtig begonnen hat. Fabian orientiert sich um und absolviert eine Ausbildung zum Koch. Er arbeitet im Restaurant seiner Mutter und seines Stiefvaters. Die Arbeit bereitet ihm Freude. Eineinhalb Jahre steht er dort in der Küche. „Die Zeit war sehr cool“, erinnert er sich. Als die Geschäfte in der Gastronomie schlechter laufen, übersiedelt Fabian nach Vorarlberg. Sein Stiefvater hatte dort bereits einen Job als Autoverkäufer gefunden. Fabian ist zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt.
Gutes Geld
Der Umzug ins Ländle fällt ihm nicht schwer. Als offener Mensch knüpft er schnell Kontakte und findet bald neue Freunde. Er besucht die Berufsschule und tritt kurz darauf eine neue Stelle an: zuerst als Verpacker bei der Firma Giko in Weiler. „Das war chillig“, erzählt Fabian. Zwei Jahre später wechselt er zur Firma „11er“ nach Frastanz. Er verpackt dort Pommes, verdient gutes Geld und bleibt dem Betrieb elf Jahre lang treu. In dieser Zeit teilt er sich eine Wohnung mit seiner damaligen Freundin. Sechs Jahre lang sind sie ein Paar. „Dann ist sie fremdgegangen. Dann war Schluss“, kommentiert Fabian das Ende seiner Liebe mit knappen Worten.
Drogenprobleme
Gemeinsam mit seiner Mutter zieht er vor drei Jahren ins Haus seiner Schwester. Dort kommt es jedoch zu einer Auseinandersetzung mit schwerwiegenden Konsequenzen. „Ich habe angefangen, Marihuana zu rauchen. Ein Freund sagte zu mir: ‚Probier doch mal.‘ Ich hatte einfach Lust darauf und es hat mir auch noch geschmeckt“, sagt er. Als seine Schwester, die damals ein kleines Kind hat, Fabian mit einem Joint erwischt, wirft
sie ihn raus. Es ist der Moment, der Fabian zum ersten Mal in seinem Leben wirklich aus der Bahn wirft.
Psychische Probleme
Er zieht in eine ifs-Wohnung nach Rankweil, landet später im Landeskrankenhaus und bleibt dort wegen Psychosen längere Zeit stationär. Die Odyssee geht weiter: Nach der Entlassung wechselt Fabian ins Kolpinghaus Bregenz. Dort kifft er weiter, wird erneut erwischt und muss die Unterkunft verlassen. Bei der nächsten Station, der aqua mühle in Frastanz, wohnt und arbeitet er zwar, fühlt sich aber eingesperrt. Es geht ihm psychisch schlecht. „Ich habe mir irgendwann gesagt: Lieber gehe ich auf die Straße“, erzählt er rückblickend. Die Rettung bietet schließlich das Bonettihaus. Über die Vermittlung einer Sozialarbeiterin erhält er vor drei Monaten einen Platz. Im Unterschied zu anderen Projekten wird hier seine Sucht akzeptiert. „Ich kiffe immer noch, aber nicht mehr so viel“, betont er. Heute versucht er sich abzulenken, schaut Fernsehen oder findet Bestätigung in seiner Tätigkeit beim Arbeitsprojekt „bonfire“.
Entzug geplant
Nichtsdestotrotz will Fabian nun endgültig von den Drogen loskommen. Für Anfang Juni plant er einen Entzug auf der Maria Ebene. „Dort bleibe ich, bis ich clean bin“, hat er sich fest vorgenommen. Nach der hoffentlich erfolgreichen Therapie wartet ein Wohnplatz im Kolpinghaus Götzis auf ihn. Eine direkte Rückkehr ins Bonettihaus ist vorerst nicht vorgesehen, um die Gefahr eines Rückfalls im gewohnten Umfeld zu minimieren.
Eigene Texte
Eine Rückkehr nach Deutschland schließt Fabian aus. Er möchte in Vorarlberg bleiben und träumt davon, irgendwann wieder in den eigenen vier Wänden zu leben. Einen Ausgleich findet er beim Rappen; in seiner Freizeit nimmt er Songs in einem Studio in Höchst auf. Seine Vorbilder sind Bushido und Sido. Und worum geht es in seinen eigenen Texten? „Ich singe, was mir spontan einfällt. Es geht um die Liebe und um mich, aber nie um Drogen.“
Einfaches Rezept
Zum Schluss möchte ich wissen, woher Fabian diese beneidenswerte Lebenseinstellung nimmt. Seine Antwort klingt verblüffend einfach: „Ich stehe um 6 Uhr in der Früh auf, trinke Kaffee, frühstücke gemütlich und starte gut gelaunt in den Tag. Ich bin ein fröhlicher Mensch.“ Es wäre schön, wenn es im Leben immer so einfach wäre.
„ICH STEHE UM 6 UHR IN DER FRÜH AUF, TRINKE KAFFEE, FRÜHSTÜCKE GEMÜTLICH UND STARTE GUT GELAUNT IN DEN TAG. ICH BIN EIN FRÖHLICHER MENSCH.“

ALLTAGSRASSISMUS
Text: Hans Platzgumer, Foto: Umudi via pexels
Meist sind es nicht die großen Aufreger, sondern kleine, unscheinbare Vorkommnisse, die uns nachhaltig zu erschrecken vermögen. Die Mainstream- wie Sozialen Medien suggerieren uns eine insta-taugliche Welt, in der nur das Spektakel zählt. Doch jene aufsehenerregenden Taten, Bilder, die Schlagzeilen machen und gezielt Emotionen wecken, bewegen uns nicht auf Dauer. Die Empörung, die sie hervorrufen, verblasst schnell, wird von neuer künstlicher Empörung verdrängt. Stille Beobachtungen hingegen, die wir, außerhalb unserer Komfortzone, in der gegenwärtigen Wirklichkeit machen, zeigen oft tiefgründiger, wie es um uns und unsere Gesellschaft steht.
Wie die meisten für die marie Tätigen wie die marie Lesenden habe ich auch ich einen Zeitungsverkäufer, bei dem ich Stammkunde bin und monatlich das neue Heft erwerbe. Genauer: hatte ich. Seit einigen Wochen ist der nigerianische Verkäufer, den ich seit Jahren vor dem Supermarkt antreffe, wo ich meine Erledigungen mache, nicht mehr zu sehen. Er hatte mich darauf hingewiesen, dass er seine Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängern könne und nach fast zehn Jahren in die Heimat zurückkehren müsse, auch wenn er keine Ahnung habe, wie er sich dort durchschlagen könne. „Du bist noch jung“, sagte ich etwas unbeholfen, um ihm Mut zuzusprechen. In Wahrheit wird er bald fünfzig. In seiner Heimat ist er von Gewalt, Armut und Krankheiten bedroht, in Österreich wiederum wurde ihm über Jahre hinweg nicht gestattet, eine Perspektive für ein würdiges Dasein zu entwickeln. Bürokratische Hürden über Hürden wurden ihm in den Weg gelegt, bis er schließlich die unaufhörliche Ablehnung anerkennen musste, die der österreichische Staat seinesgleichen entgegenbringt. Nun steht kein Zeitungsverkäufer mehr vor diesem Supermarkt. Von einem Tag auf den anderen ist der Nigerianer verschwunden. Hin und wieder bietet ein anderer Afrikaner Zeitungen an, nur sporadisch, ihn habe ich erst ein-, zweimal gesehen.
Letzthin, als ich um die Mittagszeit einkaufen gehe, lungert am Eingang des Supermarkts eine Katze herum. Ein schönes Tier, vielleicht ein Streuner. Während ich mein Rad absperre, nähern sich zwei Vorarlberger Arbeiter dem Eingang. Wohl wollen sie zur Mittagspause Leberkäs-Semmeln besorgen, wie es seit Generationen getan wird. Sie sind viel-

leicht dreißigjährige Männer, freundlich, modern, gut aussehend, gut gelaunt. Sie entsprechen dem Inbegriff vom „ghörigen“ Vorarlberger. Während sie den Markt betreten, deutet der eine auf die Katze und sagt zu seinem Kollegen: „Die hängt hier herum wie die Schwarzen, die den ganzen Tag lang nichts zu tun haben.“ Der Kollege nickt, lacht. Schon sind sie im Inneren des Geschäfts verschwunden. Ich reagiere erst mit einer Verzögerung. Was habe ich gehört? Was hat er gesagt? Hat er das wirklich gesagt? Es dauert, bis mir das Ausmaß dieser Begebenheit bewusst wird. In vollkommener Selbstverständlichkeit, nebensächlich, nicht einmal böse gemeint, gab hier jemand seine Weltsicht preis. Ein Mensch aus der Mitte unserer Gesellschaft offenbart seinen offensichtlich tief sitzenden, in die Normalität übergegangen Rassismus. Er unterteilt die Welt in Schwarz und Weiß. Das eine setzt er mit minderwertig gleich, das andere mit gottgegebener Überlegenheit. Mit einem unwidersprochenen Satz macht er klar, dass er Menschen mit anderer Hautfarbe, anderer kultureller Herkunft, anderer Ausgangslage grundsätzlich als Schmarotzer und Tachinierer empfindet. Er vergleicht sie mit Tieren. Er denkt weder darüber nach, was er sagt, noch was er tut. Das europäische Gefühl der Vormachtstellung, dieses uns seit Generationen überlieferte Bild einer weißen Herrenrasse ist als grundlegende Überzeugung in ihm verankert. Es fällt fast allen Europäern und Europäerinnen schwer, die eurozentrische Sichtweise zu überwinden; bei Menschen wie diesem Mann scheint alles Weltverständnis unreflektiert darauf aufzubauen. Mit seiner Anschauung ist er kein Einzel-, sondern der Normalfall. Darin liegt das Erschreckende, Verstörende.
Bis mir die Tragweite des Vorfalls, dessen Zeuge ich geworden bin, bewusst wird, ist es zu spät zu reagieren. Hätte es etwas gebracht, eine Diskussion mit dem Arbeiter anzustoßen? Vielleicht. Wahrscheinlicher aber ist, dass mein Hinweis auf sein beschränktes, ungerechtfertigtes und gefährliches Gedankengut an ihm abgeprallt wäre, entweder Widerspruch oder Unverständnis ausgelöst hätte, als lächerlich abgetan worden wäre. Ich hätte ihm sagen können, dass der Geflüchtete wohl viel Mutigeres, Eigenständigeres geleistet als er es je in seinem Malereibetrieb getan habe, dass er derartige Leistungen nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung für die Gesellschaft betrachten solle. Doch für rechtspopulistische Politikerinnen und Politiker ist es um ein Vielfaches einfacher, an den Denkmustern dieses Mannes einzuhaken, als für mich zu versuchen, das ewig gestrig Überlieferte aus seinem Kopf zu scheuchen. Aus diesem Grund ist die FPÖ die stärkste Partei hierzulande, ist die AfD so stark in Deutschland, ist jemand wie Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und damit mit der Macht ausgestattet, die gesamte Welt nach Belieben zu zerstören. Das tief im Bewusstsein verankerte rassistische Denken aber auf Parteiprogramme festzulegen, wäre zu kurz gedacht. Er zieht sich durch die breite Gesellschaft und ein weites politisches Spektrum. Nicht bloß rechtsradikale oder rechtsaußen Stehende verkörpern es, auch herkömmlich konservative Überzeugungen bauen darauf auf und viele der heutigen Neo-Konservativen, die sich als linksliberal definieren, obwohl sie weit über die Mitte hinaus nach rechts gerutscht sind, neigen dazu. Eine befreundete Grüne erzählte mir kürzlich, dass sie eine Wohnung nicht nahm, weil in dem Haus fast nur Ausländer wohnen würden. Sie ist nicht die Einzige, die einen solchen Umstand sofort mit Lärm, Schmutz und Gestank in Verbindung bringt. Ihre Vorurteile sind so nachvollziehbar und zugleich unhaltbar, wie Vorurteile eben sind. Wir alle sollten uns dem in uns schlummernden stereotypen Denken des Öfteren zuwenden. Ich selbst bemerke manchmal im Nachhinein, wie voreingenommen meine Gedankengänge sind. Beispielsweise beobachte ich eine Romni vor dem Supermarkt, die augenscheinlich nicht offiziell erworbene marie-Hefte anbietet. „Typisch“, denke ich. Es kommt mir wie automatisch in den Sinn. Erst wenn ich meine Reaktion zu reflektieren beginne, erkenne ich die Falle, in die ich getappt bin. Ich habe einem banalen Klischee erlaubt, sich zu bestätigen. Eine vorgefertigte Meinung, Ergebnis jahrzehntelanger Manipulation, präsentierte sich mir, als wäre es ein unumstößliches Faktum. Klischeedenken ist Gedankenfaulheit, dessen bin ich mir bewusst, dennoch bin auch ich nicht davor gefeit. An manchen Tagen kommt es mir etwa in Meidling, meinem Zweitwohnsitz, vor, als wären sämtliche Frauen verschleiert, junge wie alte. Ich sehe eine Verhüllte nach der anderen. Zähle ich jedoch, wieviele der Frauen, die mir auf der Straße begegnen, tatsächlich einen Hijab tragen, erkenne ich, dass es nur 20 bis 30 Prozent sind. Höchstens jede Dritte verhüllt sich. Warum kommt es mir anders vor? Hat die islamophobe Propaganda auch in mir ihre Spuren hinterlassen?
Wir müssen unseren Blick auf die Welt stets aufs Neue hinterfragen. Welche Automatismen haben sich eingeschlichen, wieviel Gehirnwäsche ist eingesickert?
Ist mein Bauchgefühl womöglich nichts als von Massenmedien beeinflusste Meinungsmache? Es ist ein Ausdruck unserer demokratischen Mündigkeit, uns nicht hemmungslos zu Vorverurteilungen hinreißen zu lassen. Wen eine streunende Katze vor dem Supermarkt sofort zu einem rassistischen Kommentar verleitet, der demonstriert dadurch seine Bereitschaft, Pluralismus, Gleichstellung und in Folge demokratische Gefüge abzulehnen. Was oft schnell dahingesagt wirkt, ist meist nicht so harmlos, wie es erscheint. Es offenbart Darunterliegendes. Rassismus ist heute wie gestern allgegenwärtig. Er wird wohl nie ganz überwunden sein. Umso wichtiger ist es, ihn unablässig im Auge zu behalten.
DATEN ALLEIN ENTSCHEIDEN NICHTS
Was passiert, wenn man eine staubige Industriehalle nicht abreißt, sondern in einen Ort für bessere Entscheidungen verwandelt? Ein Besuch im data:room in Hard.
Text: Judith Lutz
Fotos: Birgit Riedmann (data:room), Magdalena Türtscher (Urs Treuthardt)
AZWISCHEN INFORMATION UND
ENTSCHEIDUNG FEHLT OFT
ETWAS ENTSCHEIDENDES: REFLEXION. BEGEGNUNG. UNTERSCHIEDLICHE PERSPEKTIVEN.
ufstehen oder noch einmal snoozen? Kaffee oder Tee? Fahrrad oder Auto? Menschen treffen täglich unzählige Entscheidungen, viele davon unbewusst. Die meisten klein und automatisch. Manche jedoch mit weitreichenden Folgen. Und dann gibt es jene Entscheidungen, die wirken auf dem Papier logisch. Zahlen stimmen, Zuständigkeiten sind geklärt. Und trotzdem bleibt danach oft etwas zurück. Widerstand, Frust, das Gefühl, nicht wirklich gehört worden zu sein. Vielleicht liegt genau dort eines der großen Missverständnisse unserer Zeit: Dass gute Entscheidungen vor allem eine Frage von Wissen seien. Denn Wissen haben wir genug. Wir messen, analysieren, prognostizieren. Trotzdem entsteht vielerorts das Gefühl, dass Orientierung verloren geht. Dass Gesellschaft trotz aller Informationen nicht unbedingt klüger entscheidet. Der data:room in der Kammgarnfabrik in Hard ist aus genau dieser Spannung entstanden. Ursprünglich ging es um eine recht technische Frage aus dem Tourismus: Wer sind eigentlich die Gäste, die nach Vorarlberg kommen? Welche Bedürfnisse haben sie? Wie treffen sie Entscheidungen? Die erste Idee war, aktuelle Daten so aufzubereiten, dass man auf einen Blick besser versteht, wer eigentlich nach Vorarlberg kommt, was Menschen bewegt, wonach sie suchen. Doch schnell wurde klar: Daten allein entscheiden nichts. „Was bringt mir ein Dashboard, wenn ich allein im Büro sitze und nichts damit anfangen kann?“, sagt Betreiber und Initiator Urs Treuthardt. Zwischen Information und Entscheidung fehle oft etwas Entscheidendes: Reflexion. Begegnung. Unterschiedliche Perspektiven.
Die Welt ist nicht mehr schwarz oder weiß
„HEUTE WIRD OFT SO ENTSCHIEDEN, DASS MAN IM ZWEIFEL NOCH JEMAND ANDEREM DIE SCHULD GEBEN KANN.“
Der data:room versteht sich deshalb weniger als Technikprojekt, sondern vielmehr als Experimentierlabor für eine andere Entscheidungskultur. Denn viele Probleme unserer Zeit lassen sich nicht mehr mit einfachen Antworten lösen. Eine Entscheidung zu Tourismus betrifft Klima, Mobilität, Arbeitskräfte, Wohnraum und Lebensqualität gleichzeitig. Alles hängt mit allem zusammen. Und trotzdem wird vielerorts noch entschieden, als gäbe es nur die eine Entscheidungsgrundlage. „Es gibt tausend Grauabstufungen dazwischen“, sagt Treuthardt. Genau darin liege aber die Schwierigkeit. Komplexität bedeutet nämlich auch: Es gibt selten die perfekte Lösung. Man muss abwägen, Unsicherheiten aushalten und trotzdem Entscheidungen treffen.
Das verlangt etwas, das in einer Wohlstandsgesellschaft nicht unbedingt trainiert wurde: Mut. „Heute wird oft so entschieden, dass man im Zweifel noch jemand anderem die Schuld geben kann“, sagt Treuthardt. Wirklich Neues entstehe so selten. Eine andere Entscheidungskultur bedeutet für ihn deshalb nicht, perfekte Antworten zu finden, sondern Verantwortung zu übernehmen, obwohl nicht alles abgesichert ist.
Warum Begegnung plötzlich politisch wird
Im data:room geht es deshalb nicht nur um Daten, sondern um die Frage, wie Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen. Denn viele Konflikte entzünden sich nicht ausschließlich an Ergebnissen, sondern daran, wie Entscheidungen zustande kommen. Wer durfte mitreden? Welche Perspektiven wurden miteinbezogen und ernst

genommen? Gab es überhaupt Dialog? Treuthardt beobachtet, dass viele Menschen sich zunehmend in ihrer eigenen Bubble bewegen. Dort, wo ähnliche Meinungen aufeinandertreffen, wenig Reibung entsteht. „Aber genau das müssen wir wieder üben“, sagt er. „Mit Leuten, die nicht deiner Meinung sind und Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen, Lösungen finden.“
Der Raum selbst spielt dabei eine größere Rolle, als man denkt. Klassische Seminarräume erzählen oft schon vor dem ersten Wort, wie Begegnung funktionieren soll: Neonlicht, U-Bestuhlung, Leinwand vorne. Menschen sitzen in Rollen. Nicht als Menschen. Im data:room ist vieles bewusst anders gedacht: viel Platz, flexible Settings, Industriecharme statt steriler Perfektion. Keine klassische Konsumatmosphäre. Ein Ort, an dem Menschen auch nach 17 Uhr noch bleiben wollen. „Die spannenden Gespräche passieren oft erst danach beim Tischtennistisch vor der Türe oder an der Bar“, sagt Treuthardt. „Wenn keine Tagesordnung mehr da ist.“
Vom Dreck zur
Begegnung

Als die Teile des data:rooms in der alten Kammgarnhalle ankamen, fühlte sich die Idee plötzlich weniger visionär an und deutlich realer. Ein Zügelwagen fuhr vor, Gerüstteile wurden in die staubige Halle geworfen. Überall Dreck, alte Spuren der Maschinen, Kälte. Treuthardt war kurz zuvor in die Selbständigkeit gestartet. „Da hab ich zum ersten Mal gedacht: Was habe ich da eigentlich getan?“ Also begann er zu putzen, zu schleppen, aufzubauen. Mit Freund:innen, Helfer:innen und viel Eigenleistung. Die Halle blieb roh und unfertig. Aber genau darin entstand langsam ihre Atmosphäre.
Vielleicht erzählt auch das etwas über die Zeit, in der wir leben. Denn viele Entscheidungen fühlen sich heute nicht mehr sicher an. Es gibt keine Blaupause, keine Garantie, oft kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Trotzdem muss entschieden werden. „Man muss sich irgendwann entscheiden und es dann durchziehen“, sagt Treuthardt. „Auch wenn man nicht alles weiß.“ Mutige Entscheidungen, davon ist er überzeugt, brauchen wir heute mehr denn je.
Leerstand als gesellschaftliche Frage
Der data:room erzählt noch eine weitere Geschichte. Eine, die in Vorarlberg zunehmend relevant wird: Was machen wir mit Räumen, die da sind, aber nicht mehr genutzt werden wie früher? Statt neu zu bauen, bekam Treuthardt die Möglichkeit, den Bestand zu bespielen. Gerade in Vorarlberg, wo viele alte Industrieareale nach neuen Nutzungen suchen, bekommt diese Frage gesellschaftliche Relevanz. Denn solche Orte rechnen sich oft wirtschaftlich nur schwer. Sie stiften aber öffentlichen Mehrwert: als Räume für Begegnung, Austausch und kulturelles Leben. Der data:room zeigt damit auch, wie Zwischennutzung funktionieren kann. Nicht perfekt durchgeplant, sondern tastend, experimentell und mit viel Eigeninitiative.
„DIE SPANNENDEN GESPRÄCHE PASSIEREN OFT ERST DANACH BEIM TISCHTENNISTISCH VOR DER TÜRE ODER AN DER BAR.“

Urs Treuthardt ist Gründer des data:room und der Beratungsagentur occursus, ansässig in Bregenz. Nach vielen Jahren im Tourismus beschäftigt er sich heute mit der Frage, wie bessere Entscheidungen entstehen können — durch Daten, Dialog und bewusst gestaltete Begegnungsräume.
Reden von Mann zu Mann
EFZ-Männerberatung
Männer stehen oft unter Druck – in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf oder mit sich selbst. Die Männerberatung des EFZ bietet Raum, um zur Ruhe zu kommen, Gedanken zu ordnen und über das zu sprechen, was gerade schwer ist: offen, ehrlich und ohne Bewertung.
Ab Mai 2026 findet jeden Donnerstag von 12 bis 14 Uhr eine offene Sprechstunde in der EFZBeratungsstelle, Rathausstraße 25 in Bregenz, statt. Ohne Voranmeldung. Zusätzlich sind Termine zu anderen Zeiten möglich.
Bezahlte Anzeige
Anstehende Veranstaltungen:
// ARCHITEKTURTAGE 2026: Was wäre, wenn … LandStadt Vorarlberg? Ausgewählte Architekturbüros präsentieren in prägnanten 5-Minuten-Slots ihr Bild einer LandStadt Vorarlberg am 29.05., 19 - 23 Uhr, Eintritt frei // Datenbasiert Entscheiden – Mission (Im)possible? Frühstückstalk mit dem ENTSCHEIDUNGSARCHITEKTEN Reto Blum am 11.06., 8-10:30 Uhr Tickets/Anmeldung: www.data-room.at
Der data:room entstand ursprünglich aus einem Innovationsprozess durch die Bodensee-VorarlbergTourismus GmbH rund um Tourismusdaten und wurde gemeinsam mit Partnern aus Architektur (Studio SAAL), Datenanalyse (weavs.io) und Prozessgestaltung (Estuar OG) entwickelt. Heute versteht sich der Raum als Experimentierlabor für Dialog, Zusammenarbeit und neue Formen des Entscheidens.
Orte für gute Begegnungen
Was der data:room eigentlich ist, darauf findet Treuthardt bis heute keine einfache Antwort. Am ehesten beschreibt er ihn so: „Ein Ort für gute Begegnungen.“ Was das genau bedeutet? Für Treuthardt beginnt eine gute Begegnung dort, wo Menschen einander wirklich zuhören. Nicht nur darauf warten, selbst wieder sprechen zu können. Sondern sich tatsächlich aufeinander einlassen, auch wenn unterschiedliche Meinungen im Raum stehen. „Wenn man sich respektiert und auf Augenhöhe begegnet“, sagt er, „dann wird Begegnung gut.“ Und noch etwas hält er für unterschätzt: Humor. Menschen sollten nicht nur funktionieren oder ihre Rolle vertreten müssen, sondern auch gemeinsam lachen dürfen.
Vielleicht steckt genau darin die eigentliche Sehnsucht hinter dem Projekt. Denn in einer Zeit voller Beschleunigung, Unsicherheit und Polarisierung brauchen wir möglicherweise nicht nur bessere Technologien oder mehr Daten. Sondern Orte, an denen Menschen wieder gemeinsam denken lernen. Denn gute Entscheidungen entstehen selten allein. Sie entstehen dort, wo Menschen eingeladen sind, sich wirklich zu begegnen.
„Ich hätte nicht gedacht, wie gut es tut, mit jemandem offen über das zu sprechen, was mich wirklich beschäftigt. Danach war vieles klarer“, erzählt Andreas (42). „Der Schritt hinein war klein –aber das Gespräch hat viel verändert.“
„Hier geht es nicht darum, perfekt zu sein. Sondern darum, Gedanken zu ordnen, Belastendes anzusprechen und neue Wege zu finden“, sagt Jürgen Hartmann von der EFZ-Lebens.Beratung.
Die Männerberatung ist diskret, unverbindlich und gegen einen freiwilligen Kostenbeitrag möglich –in Bregenz, Feldkirch und Dornbirn. Einfach vorbeikommen. Reden hilft.

Lebens.Beratung

Jürgen Hartmann EFZ Lebens.Beratung www.efz.at/maennerberatung +43 5522 74139 / info@efz.at
KLEIN & OHO
Seit dem 22. Mai ist unser Vorarlberg-Postkartenset klein & oho auf der Straße. Zu kaufen oder anzufragen bei allen marie-Straßenverkäufer:innen. Den Auftakt feierten wir mit einem kleinen, aber stimmungsvollen Fest im Jugendhaus Vismut in Dornbirn. Die für die Gestaltung verantwortliche Illustratorin Emilia Anselmi war eigens aus Wien angereist und gab Einblicke ins Making-of ihres ersten öffentlichen Werks. Die junge Vorarlbergerin ließ sich dabei im wahrsten Sinne des Wortes in die Karten schauen und berichtete von ihrem kreativen Prozess.


FEIERTE AUFTAKT
Ein großes Danke an alle Gäste, die den Abend bereichert haben, an die Offene Jugendarbeit Dornbirn für Raum und Unterstützung, an marieVerkäuferin Joy für das leibliche Wohl sowie einmal mehr an unsere Sponsorenpartner, die das Postkarten-Projekt klein & oho überhaupt erst möglich machten: illwerke vkw, Arbeiterkammer Vorarlberg, Haberkorn, Getzner Textil, Raiffeisen und Jochum Druck. Danke!
10 Ansichten zum Verschicken, Verschenken oder Selbstbehalten
Alle 10 Vorarlberger Motive gibt es zusammengestellt als Postkartenset beim Verkäufer und der Verkäuferin Ihres Vertrauens. Jeder Kauf unterstützt unsere Verkäufer:innen und die marie
Wir sagen danke.


Mitgebracht hatte Emilia außerdem zwei ihrer Originalbilder sowie limitierte Poster-Drucke, deren Erlös sie einem guten Zweck widmet. 765 Euro kamen dabei zugunsten der ifs-Frauennotwohnung zusammen.
Zwischen Konzertsaal und Klimakrise
Lea Brückner (*1997) ist eine deutsch-tschechische Geigerin, Moderatorin und Klimabotschafterin. Als international konzertierende Musikerin verbindet sie klassische Virtuosität mit ökologischem Engagement. Sie gründete die Initiative „Music for our planet“ und setzt sich für Nachhaltigkeit in der Kulturbranche ein, u.a. durch „Green Concerts“ und Kooperationen mit Unternehmen für Klimaschutz. Mit der marie sprach sie darüber, warum Musik politisch ist und was sie als Klimabotschafterin zum gesellschaftlichen Wandel beitragen kann.

GERADE WIR KULTURSCHAFFENDEN HABEN EINE BESONDERE VERANTWORTUNG, WEIL WIR EINE ÖFFENTLICHE ROLLE EINNEHMEN. MENSCHEN LESEN UNSERE BIOGRAFIEN, INFORMIEREN SICH VOR KONZERTEN ÜBER UNS, SCHAUEN SICH UNSERE SOCIAL-MEDIAKANÄLE AN UND BEOBACHTEN SEHR GENAU, WOFÜR WIR STEHEN.“
KULTUR WAR IMMER EIN SPIEGEL DESSEN, WAS IN DER GESELLSCHAFT PASSIERT. WENN MAN
EINE BESTIMMTE HALTUNG NICHT MITTRÄGT,
SOLLTE MAN KONSEQUENTERWEISE AUCH NICHT
AUF ENTSPRECHENDEN VERANSTALTUNGEN AUFTRETEN.“
marie: Sie sind nicht nur Violinistin sondern auch Klimabotschafterin. Wie ist es dazu gekommen?
Lea Brückner: Das hat eigentlich 2020 begonnen, während des ersten Covid-Lockdowns. Damals habe ich meine Initiative Music for Our Planet gegründet. Ich hatte das Gefühl, dass nicht nur die Kultur plötzlich stillsteht, sondern dass gleichzeitig viele andere gesellschaftliche Probleme in den Hintergrund geraten. Ich wollte das nicht einfach hinnehmen.
In dieser Zeit habe ich Kontakt mit dem Verein Orchester des Wandels aufgenommen, einem Netzwerk von inzwischen mehr als 35 Berufsorchestern, darunter auch die Münchner Symphoniker. Der Verein setzt sich unter anderem dafür ein, dass Orchester nachhaltiger arbeiten: etwa bei der Herkunft von Instrumentenhölzern oder durch Aufforstungsprojekte.
Gemeinsam haben wir damals eine Social-Media-Kampagne zum globalen Klimastreik organisiert. Zahlreiche Orchester und Musiker:innen – von der Berliner Staatsoper bis zum Beethoven Orchester Bonn – haben kurze Videos veröffentlicht und sich für eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft ausgesprochen. Das war für mich der eigentliche Startpunkt. Gleichzeitig habe ich viel zu diesem Thema gelesen und angefangen auf internationalen Veranstaltungen zu sprechen. Ich wurde sogar von der UN nach Rom eingeladen, als Geigerin und als Klimabotschafterin.
Sie bezeichnen sich heute bewusst als „Klimabotschafterin“ und nicht als „Klimaaktivistin“. Warum?
Weil Sprache unglaublich viel verändert. Der Begriff „Aktivismus“ wird oft so verstanden, als würde sich eine kleine Gruppe für ein Nischenthema einsetzen. Aber beim Klima geht es nicht um eine Randgruppe – es geht um uns alle. Deshalb sage ich lieber: Ich bin Klimabotschafterin. Ich möchte Menschen erreichen und vermitteln, warum Klima-, Natur- und Artenschutz wichtig sind. Interessant ist, wie unterschiedlich die Reaktionen ausfallen: Wenn ich mich als Klimaaktivistin vorstelle, entsteht oft sofort eine gewisse Spannung im Raum. Viele verbinden damit Bilder von Straßenblockaden oder Protestaktionen. Sage ich hingegen „Klimabotschafterin“, verändert sich die Atmosphäre sofort.
Dabei sind die Inhalte dieselben. Ich arbeite genauso mit wissenschaftlichen Fakten und denselben Zahlen wie Klimaaktivist:innen. Aber die Wahrnehmung ist eine andere – und das zeigt, wie stark Sprache unser Denken beeinflusst.
Warum ist Musik für Sie politisch?
Weil Musik noch nie unpolitisch war. Gerade die klassische Musik war immer eng mit gesellschaftlichen Machtstrukturen
verbunden – sei es durch Königshäuser, Kirchen oder politische Systeme. Kultur war immer ein Spiegel dessen, was in der Gesellschaft passiert. Wenn man eine bestimmte Haltung nicht mitträgt, sollte man konsequenterweise auch nicht auf entsprechenden Veranstaltungen auftreten. Für mich gilt das genauso, ob es um die AfD geht oder um politische Entwicklungen anderswo. Wenn ich etwa sehe, was aktuell in den USA im Zusammenhang mit der Einwanderungsbehörde passiert, dann gäbe es kein Honorar der Welt, das mich dazu bringen würde, im Weißen Haus für politische Repräsentanten aufzutreten.
Gerade wir Kulturschaffenden haben eine besondere Verantwortung, weil wir eine öffentliche Rolle einnehmen. Menschen lesen unsere Biografien, informieren sich vor Konzerten über uns, schauen sich unsere Social-Media-Kanäle an und beobachten sehr genau, wofür wir stehen. Deshalb finde ich es problematisch, dass sich insbesondere die Klassikszene lange gerne als „unpolitisch“ verstanden hat – nach dem Motto: Wir machen nur Kunst und haben mit gesellschaftlichen Debatten nichts zu tun.
Wie gehen Sie mit problematischen Sponsorengeldern um, etwa aus der Autoindustrie oder von Kreuzfahrtunternehmen? Das ist ein schwieriges Feld. Natürlich könnte ich sagen: Ich spiele ausschließlich dort, wo hundert Prozent nachhaltige Sponsoren dahinterstehen. Aber dann würde ich wahrscheinlich kaum noch auftreten. Deshalb habe ich für mich persönliche Grenzen definiert. Es gibt Konstellationen, die ich nicht unterstütze. Wenn beispielsweise große klimaschädliche Unternehmen als zentrale Sponsoren auftreten und ich mich damit nicht identifizieren kann, lehne ich Konzerte ab. Ich finde, jede Künstlerin und jeder Künstler sollten sich bewusst fragen: Welche Werte unterstütze ich mit meiner Präsenz? Deshalb reicht es für mich nicht zu sagen: „Ich mache einfach nur Musik.“ Kultur trägt immer Verantwortung.
Viele behaupten trotzdem, Kunst müsse unpolitisch bleiben. Diese Vorstellung halte ich für historisch falsch. Kunst war nie völlig frei oder losgelöst von gesellschaftlichen Strukturen. Schon früher mussten Komponisten das schreiben, was den Höfen oder Auftraggebern gefiel, sonst bekamen sie keine Aufträge. Ein gutes Beispiel ist Mozarts Hochzeit des Figaro. Das Werk basierte auf einem Stück, das den Adel kritisierte und deshalb zunächst zensiert wurde. Problematische Passagen mussten entfernt werden, bevor es aufgeführt werden durfte. Auch Mozart war zu seiner Zeit hochpolitisch und revolutionär. Wir verklären klassische Musik heute oft als etwas „Schönes“ oder „Harmloses“, aber viele Werke waren damals provokant. Kultur war nie losgelöst von Politik. Das zeigt doch: Kunst war immer politisch. Und bis heute greifen autoritäre Bewegungen zuerst Kulturinstitutionen an. Das passiert nicht zufällig. Kultur hat Macht, weil sie Menschen emotional erreicht.
ZEITGENÖSSISCHE WERKE, WERKE VON FRAUEN ODER NEUE PERSPEKTIVEN BLEIBEN HÄUFIG RANDERSCHEINUNGEN. WENN KULTUR GESELLSCHAFTLICH RELEVANT BLEIBEN WILL, MUSS
SIE SICH ÖFFNEN – INHALTLICH, SOZIAL UND STRUKTURELL.“
Sie arbeiten viel mit internationalen Netzwerken zusammen. Was fällt Ihnen im Vergleich zu anderen Ländern auf?
Vor allem in skandinavischen Ländern nehme ich ein anderes gesellschaftliches Grundverständnis wahr. Dort herrscht oft mehr Vertrauen darin, dass politische Entscheidungen langfristig gedacht sind und dem Gemeinwohl dienen sollen. In Deutschland oder Österreich erlebe ich dagegen häufig kurzfristiges Denken: Viele fragen zuerst, wie sich Maßnahmen morgen auf ihren Alltag auswirken und nicht, wie wir in zehn oder zwanzig Jahren leben wollen. Ich glaube, Kultur kann hier eine wichtige Rolle spielen. Sie erreicht Menschen oft dort, wo politische Kommunikation längst auf Widerstand stößt.
Gibt es in der Kulturbranche selbst auch Versäumnisse?
Definitiv. Gerade die klassische Musik hat sich lange als „unpolitisch“ verstanden und sich damit teilweise selbst isoliert. Wir sprechen oft von „Kultur für alle“, erreichen aber de facto nur einen kleinen Teil der Gesellschaft. Studien zeigen, dass viele junge Menschen noch nie in einem klassischen Konzert, einer Oper oder einem Theater waren. Das muss uns zu denken geben. Hinzu kommt, dass die Programme oft extrem konservativ sind. Noch immer dominieren Mozart, Bach und Beethoven die Spielpläne. Zeitgenössische Werke, Werke von Frauen oder neue Perspektiven bleiben häufig Randerscheinungen. Wenn Kultur gesellschaftlich relevant bleiben will, muss sie sich öffnen – inhaltlich, sozial und strukturell.
Würden Sie jemals aus Protest bewusst aufhören zu spielen? Nein. Ich glaube, ich erreiche mehr, wenn ich aktiv bleibe und meine Stimme nutze. Gerade weil viele Menschen bei einer klassischen Geigerin zunächst keine politische Haltung erwarten, entsteht oft ein spannender Moment des Umdenkens. Ich sehe meine Aufgabe darin, Diskurse anzustoßen – nicht darin, mich zurückzuziehen. Kultur darf nicht still werden.
Regenerative Kulturarbeit
Die IG Kultur Vorarlberg mit Geschäftsführerin Mirjam Steinbock als treibende Kraft widmet ihr 35-jähriges Jubiläum 2026 dem Thema regenerative Kulturarbeit – einem Ansatz, der über Nachhaltigkeit hinausgeht und Kultur als lebendiges System versteht. Statt nur Ressourcen zu schonen, soll Kultur dazu beitragen, Menschen, Gemeinschaften und Ökosysteme zu stärken. Zentrale Prinzipien sind das Pflegen von Beziehungen, das Denken in Kreisläufen, das Stärken von Resilienz, Partizipation und ein visionäres, experimentelles Arbeiten.
Mit dem Projekt #ReGen erforscht die IG Kultur, wie Kultureinrichtungen zu Orten der Regeneration werden können. Umfragen, Neujahrsgespräche und ein UNESCO-Talk bilden den Auftakt zu einer breiten Auseinandersetzung. Zahlreiche Initiativen in Vorarlberg – etwa Kammgarn Hard, Spielboden Dornbirn, die Pforte oder das Frauenmuseum Hittisau – arbeiten bereits heute regenerativ, indem sie Gemeinschaft fördern, ökologische Verantwortung übernehmen und neue Perspektiven eröffnen.
Regenerative Kulturarbeit bietet auch Chancen für Unternehmen, etwa durch kreative Workshops oder gemeinsame Projekte. 2026 sollen weitere Veranstaltungen, künstlerische Projekte und Netzwerktreffen folgen, um Regeneration langfristig in der Kulturlandschaft zu verankern.
Impressum
Grundlegende Richtung
Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 3,60 Euro verbleibt den Verkäufer:innen. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt.
Redaktion
marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Telefon: 0677 615 386 40, eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at, Internet: www.marie-strassenzeitung.at
Redaktion: Frank Andres, Simone Fürnschuß-Hofer Mitarbeiter:innen dieser Ausgabe: Daniel Furxer, Guntram Gärtner, Walter Gasperi, Judith Lutz, Daniel Mutschlechner, Hans Platzgumer, Gerhard Thoma Zeitungsausgabestellen:
Dornbirn: Kaplan Bonetti Sozialwerke, Kaplan-Bonetti-Straße 1, Montag, Mittwoch und Freitag von 7.15 bis 9 Uhr
Bregenz: dowas, Sandgrubenweg 4, Montag bis Freitag: 8.30 bis 13 Uhr
Feldkirch: Caritas-Café, Wohlwendstraße 1, Montag bis Freitag 8.30 bis 14 Uhr
Bludenz: do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b, Montag und Donnerstag 9 bis 11.30 Uhr und 13 bis 16 Uhr, Dienstag 13 bis 14.30 Uhr, Freitag 9 bis 11.30 Uhr und 13 bis 14 Uhr
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Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 10.000 Exemplare, Erscheinungsweise monatlich
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Die Julius Blum GmbH unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.

Scharfe Jause für die Halbzeitpause
Lieblings-Gurkensalat und ein Berg
Empanadas
Zutaten für 4 Fans auf der Couch:
Teig:
• 300 g Dinkelmehl
• 130 ml Milch
• 4 g Trockenhefe
• ein Schuss Öl
• 1 TL Tomatenmark
• Chilipulver Füllung:
• 300 g Rinderhackfleisch
• 1 Zwiebel
• 2 EL Tomatenmark
• Salz, Pfeffer
• Kreuzkümmel
Zubereitung:
• Paprika
• etwas Zitronensaft und Öl
Gurkensalat:
• 2 Salatgurken
• 1 TL Tahin
• 1 Knoblauchzehe
• 1 Chilischote
• Olivenöl
• Zitronensaft
• Salz, Pfeffer
• gemahlener Kreuzkümmel
• 1 Frühlingszwiebel
Hefe in leicht angewärmter Milch auflösen. Mehl in einer Schüssel abwiegen, Hefemilch unter Rühren einlaufen lassen. Tomatenmark, Öl und eine kräftige Prise Chilipulver einrühren, abgedeckt gut eine Stunde ruhen lassen.
Für die Füllung gewürfelte Zwiebel und Hackfleisch in einer Pfanne in Öl scharf anbraten, gehackte Knoblauchzehe, Gewürze und Tomatenmark einrühren, mit wenig Zitronensaft abschmecken und abkühlen lassen. Statt Hackfleisch können Sie übrigens klein geschnittene Paprika und grünen Spargel anbraten.
Für den Salat Gurken schälen, Kerngehäuse entfernen und in nicht zu dünne Scheiben schneiden. In ein Sieb geben und salzen. Tahin mit gehacktem Knoblauch und Chili, Pfeffer, Kreuzkümmel sowie Öl und Zitronensaft im Verhältnis 2:1 gut verrühren. Mit den Gurken vermischen und mit fein geschnittener Frühlingszwiebel garnieren.
Vom Teig Stücke abreißen und auf einer mit Mehl bestreuten Fläche ausrollen. Kreise von etwa 8 cm ausstechen, mit verquirltem Ei bestreichen, einen Löffel Füllung auf den Kreis setzen. Zusammenklappen, mit einer Gabel die Ränder festdrücken und auf der Oberseite mit verquirltem Ei bestreichen. Bei 170°C Umluft auf einem mit Backpapier belegten Blech rund 15 Minuten backen.
Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com
Wichtige Fußballspiele im TV verlangen eine angemessene kulinarische Begleitung. Und da es für Fans keine wichtigeren Spiele gibt als die der anstehenden WM, ist der Hobbykoch in den kommenden Wochen gefordert. Die Snacks sollten einfach vorzubereiten sein, einen gewissen kulinarischen Anspruch aber nicht unterschreiten. Handlich sollten sie sein und eine größere Anzahl Gäste sättigen. Außerdem ist tunlichst zu verhindern, dass die Couch nach dem Spiel aussieht wie der Auswärtssektor eines Stadions.
Als wäre das alles nicht kompliziert genug, verschärft auch noch die Zeitverschiebung die Situation: Gegen Jordanien spielt Österreich am 17. Juni um 6 Uhr MEZ, gegen Argentinien am 22. Juni um 19 Uhr und gegen Algerien am 28. Juni gar um 4 Uhr früh – diese originellen Anstoßzeiten drohen nicht nur den Biorhythmus völlig auseinander zu bringen, sie erfordern auch einen kulinarischen Kompromiss. Was schmeckt am Abend genauso gut wie in aller Herrgottsfrüh?
Es sind Empanadas, mexikanische Teigtaschen. Am liebsten esse ich sie mit einem Gurkensalat. Diese Kombination tröstet, wenn wir verlieren und unser Team als Gurkentruppe abstempeln. Und sie krönt den Freudentaumel, wenn wir endlich einmal Weltmeister werden. Und sei es – bedingt durch die ermüdenden Anstoßzeiten – wieder einmal nur im Traum.

Musiktipp: Habe nur ich den Eindruck, dass Shakira bei jeder WM den offiziellen Song singen muss? Diesmal tut sie das mit dem nigerianischen Künstler Burna Boy. „Dai Dai“ wird uns demnächst öfter begegnen, als uns lieb ist. Da höre ich mir lieber das Album „Night Light“ der White Lies an, die am 23. Juli in der Poolbar gastieren. Dort werde ich mich bei guter Musik von den WM-Strapazen erholen. Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com.
LEBENSGESCHICHTEN
Wer uns in Erinnerung bleibt und wie wir uns an sie erinnern, kann durch Vorurteile, soziale Stellung und Sichtbarkeit geprägt sein. „Walk of Life“, ein Programm in den Niederlanden, zeichnet die Lebensgeschichten marginalisierter Menschen auf, bevor ihre Stimmen verstummen.
Text: Eliza Janssen, Foto: Eva Meylink
Es heißt, dass jeder Mensch zweimal stirbt: einmal, wenn wir unseren letzten Atemzug tun, und ein zweites Mal, wenn unser Name zum letzten Mal ausgesprochen wird. Wenn das stimmt, dann schafft eine gemeinnützige Initiative in den Niederlanden eine Form der Unsterblichkeit – für Menschen, die nicht damit rechnen, dass die Welt, die sie hinterlassen, um sie trauern oder sich an sie erinnern wird. Seit vier Jahren zeichnet „Walk of Life“ die Lebensgeschichten von Menschen auf, die Obdachlosigkeit, Sucht, Ausgrenzung oder tiefe soziale Isolation erleben. Diese Mini-Memoiren werden auf der Website von „Walk of Life“ präsentiert und in einer wachsenden Datenbank gespeichert, um im Falle des Todes der Person geteilt und gewürdigt zu werden.
Zwanine Siedenburg ist die Projektleiterin von „Walk of Life“ und koordiniert über 70 Freiwillige in Amsterdam und anderen Regionen, um diese seltenen Berichte zu protokollieren. Sie nahm Kontakt mit The Big Issue Australia auf, nachdem sie im Familienurlaub ein Exemplar gelesen hatte. Die Geschichten über Benachteiligung und Obdachlosigkeit erinnerten sie stark an ihre Nachbarn im Amsterdamer Rotlichtviertel und deren komplexe Lebensläufe.
„Ja, natürlich“, sagt Siedenburg auf die Frage, ob sie glaube, dass jeder ein Vermächtnis verdient bzw. ob Erinnerung ein Menschenrecht ist. Als protestantische Pastorin, die auf der Straße mit suchtkranken Menschen arbeitet, erinnert sie sich daran, wie sie gebeten wurde, eine staatlich geförderte Beerdigung für jemanden zu leiten, den sie kaum kannte – und den scheinbar auch sonst niemand kannte. „Sie hatten keine Familie, keine Freunde, nichts“, erinnert sie sich, „also musste ich versuchen, mit sehr wenigen Informationen etwas zu sagen.“
„Bitte erzähl mir“
Mit Unterstützung eines lokalen Ombudsmanns haben Siedenburg
und ihr Team seither hunderte von Lebensgeschichten festgehalten, bevor es zu spät ist. „Jeder möchte, dass man sich an ihn erinnert“, sagt sie. „Sie wollen erklären, warum sie bestimmte Entscheidungen im Leben getroffen haben, und sie wollen eine gute Beerdigung – eine, bei der die Leute wissen, wer sie waren und was sie getan haben. Es gibt eine große Gruppe, die vielleicht sagt: ‚Niemand interessiert sich für mich‘, und als Pastoren und Freiwillige ist es an uns, sie zu überzeugen und zu sagen: ‚Nein, du bist wichtig. Bitte erzähl mir, was du durchgemacht hast. Die Welt kann viel von dir lernen.‘“
Wenn das Team von „Walk of Life“ in einem Hospiz oder einer Unterkunft ankommt, ist es nicht immer leicht, das Vertrauen der Betroffenen zu gewinnen. Es sind Menschen, die von sozialen Netzwerken abgeschnitten oder ausgestoßen wurden und oft mit schweren gesundheitlichen Problemen oder dem nahen Tod konfrontiert sind. Bei Jo-Ann jedoch entstand die Bindung schnell. Die Freiwillige Lida Langenacker schrieb Jo-Anns Bericht über Heroinsucht, Trauma und letztliche Akzeptanz nieder: JoAnn weiß, dass sie sich in der letzten Phase ihres Lebens befindet, lauten die letzten Sätze. Sie hat keine Angst vor dem

„Jeder möchte, dass man sich an ihn erinnert.“
„Ich tanzte mit ihr in diesem blöden Krankenhaus, und sie hängte ihre Schals über alle Lichter, damit es gemütlich war. Das werde ich nie vergessen – das ist für mich Religion.“
Sterben. Es gibt ihr Frieden.
Als Siedenburg um Erlaubnis fragte, ein Foto zu machen, bat JoAnn – eine Transfrau Ende fünfzig – um Hilfe, um so gut wie möglich auszusehen. „Ich kannte sie nicht sehr gut, aber nach zehn Minuten Gespräch gab sie mir die Erlaubnis, ihr körperlich so nahe zu kommen, um ihr Gesicht für das Foto zu rasieren“, sagt Siedenburg. Sie freut sich, solche Bitten zu erfüllen – für Momente der Gnade, der Würde oder einfach für ein wenig gut getimten Übermut, wie damals, als eine todkranke Patientin um einen Tanz bat. „Ich tanzte mit ihr in diesem blöden Krankenhaus, und sie hängte ihre Schals über alle Lichter, damit es gemütlich war. Das werde ich nie vergessen – das ist für mich Religion.“
Ohne Mission
Trotz ihres theologischen Hintergrunds sagt Siedenburg, dass sie sich weigert, die Menschen, deren Leben sie aufzeichnet, zu missionieren. „Ich bin nicht nur für mich selbst auf dieser Welt“, glaubt sie. „Ich werde Religion niemals als Mittel zur Kontaktaufnahme benutzen; ich möchte nur über das sprechen, worüber sie sprechen wollen.“ Dennoch ist das Team oft erschüttert davon, Zeuge lebenslanger Traumata zu werden, und ringt mit der Frage, wo ihre Fürsorgepflicht beginnt und endet –wie soll man über das Unaussprechliche sprechen?
„Meine Tochter sagt immer: ‚Du bist sehr holländisch. Du bist sehr offen und direkt.‘ So sind wir nun mal. Manchmal jedoch, wenn man mit jemandem spricht, der dem Tod ins Auge blickt, habe ich solche Angst, die falschen Fragen zu stellen“, sagt Siedenburg. „Ich will sie nicht noch mehr verletzen. Aber wenn man erst einmal eine gute Basis geschaffen und ihr Vertrauen gewonnen hat, kann man alles fragen und sie werden alles erzählen.“
Dieses „Alles“ sind Warnungen, Witze, skurrile Kindheitsanekdoten, Geständnisse. „Alles“ können auch all die Dinge sein, die man im Leben nicht sagen konnte – wie der Ruf nach entfremdeten Freunden und Verwandten in der Hoffnung, dass sie überraschend bei der bevorstehenden Trauerfeier erscheinen. Siedenburg übermittelte eine Nachricht für einen Mann, der den Kontakt zu seiner Tochter verloren hatte. Er war krank und wollte eine Spur von sich für sie hinterlassen, wollte aber nicht, dass sie erfährt, dass er obdachlos unter einer Brücke schlief. „Meine Tochter studiert hier an einer sehr guten Schule, und ich schäme mich vor ihr, dass ich ein Leben wie dieses führe. Sie ist nicht stolz auf mich,
aber sie muss wissen, dass ich sie liebe, also schreib es bitte auf“, erklärt Siedenburg. „Es ist eine Art Testament.“
Die Leiterin von „Walk of Life“ hofft immer, dass die entfremdeten Menschen, mit denen sie arbeitet, wieder in die Familien und Gemeinschaften aufgenommen werden, an die sie sich in ihren Lebensgeschichten erinnern. In einigen Fällen wurden die Freiwilligen von Verwandten konfrontiert, die der Version der Ereignisse des Verstorbenen widersprachen. Siedenburg antwortet in solchen Situationen: „Es ist seine Wahrheit. Es ist seine Geschichte. Ich war nicht dabei, und wer bin ich zu sagen, dass es für ihn nicht wahr ist? Und dann fangen wir an zu reden.“
Sich selbst wiedererkennen
Durch dieses Reden, Schreiben und Gedenken bietet die wachsende Bibliothek des Lebens von „Walk of Life“ ein Paradoxon. Keine zwei Geschichten über Sucht, Obdachlosigkeit oder Einsamkeit gleichen einander – sie fangen höchst unterschiedliche Perspektiven auf soziale Themen ein, die uns alle betreffen. Gleichzeitig ist es verblüffend, wie viel sie gemeinsam haben. Zu viele beschreiben, wie sie von ihren Eltern missbraucht oder rausgeworfen wurden, wie sie von einem Partner an Drogen herangeführt wurden, wie sie als Sexarbeiter:innen tätig waren oder Kleinkriminalität als letzten Ausweg begingen, um sich über Wasser zu halten. Es kann einem das Herz brechen, zwei Lebensgeschichten zu lesen und festzustellen, dass die beiden Personen einander viel hätten bieten können –Gesellschaft, Empathie, Unterstützung.
„Die Grenze zwischen dem, was manche für ein normales Leben halten, und einem Leben auf der Straße, ist sehr dünn“, sagt Siedenburg. „Man wäre überrascht, wenn die Leute einem ihre Geschichte erzählen – sie kann ganz ähnlich wie das eigene Leben beginnen.“ Sie hofft, dass die Leser in den Niederlanden und auf der ganzen Welt etwas von sich selbst in jeder Stimme von „Walk of Life“ wiedererkennen. Dennoch ist das primäre Publikum jedes biografischen Stücks in erster Linie die verletzliche Person selbst, an die erinnert wird.
„Die Grenze zwischen dem, was manche für ein normales Leben halten, und einem Leben auf der Straße, ist sehr dünn.“
Jo-Ann findet, dass Siedenburg sie verstanden hat, als sie die neueste Geschichte liest, die ihren Zustand der Akzeptanz einfängt. Ihr Motto bleibt: MAN LEBT NUR EINMAL. Das sind starke Worte, nach denen man leben kann. Dank „Walk of Life“ sind sie glücklicherweise nicht die ganze Wahrheit.
Mit freundlicher Genehmigung von The Big Issue Australia / INSP.ngo
Als jeder Bissen Brot wertvoll war
Im nächsten Monat, ab 1. Juli, sollen in Österreich die Preise für manche Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch gesenkt werden. Eine Maßnahme, um die Wirtschaftskrise zu lindern. Der Begriff „Krise“ ist jedoch relativ. Unseren Urgroßeltern sind die Nachkriegsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 - 1945) noch in bester Erinnerung. Vor genau 80 Jahren, im Juni 1946, drohten die Österreicherinnen und Österreicher zu verhungern. Nur durch ausländische Hilfe konnten Kinder, Frauen und Männer überleben.
Text: Gerhard Thoma, Fotos: Archiv
Am 8. Mai 1945 schwiegen die Waffen. Nach sechs Jahren Krieg war das Großdeutsche Reich, zu dem auch Österreich gehörte, besiegt. Europa lag in Trümmern. Große Freude herrschte im Juni 1946, als es der österreichischen Bundesregierung in Wien gelang, „durch direkte Verhandlungen in Prag wertvolle Lebensmittelimporte nach Österreich zu tätigen“, wie die „Vorarlberger Nachrichten“ ihren Lesern mitteilte. Durch sogenannte Kompensationsabschlüsse tauschte die Tschechoslowakei Kartoffeln, Zucker, Kohlrüben und Kartoffelwalzmehl „gegen wertvolle österreichische Güter wie Soda, Kochsalz, Stahlbleche, Schrott, Stahl und Magnesit“. Dankbar war Österreich, dass die Tschechoslowakei die Nahrungsmittel lieferte, noch ehe der österreichische Schrott im Nachbarland eingetroffen war. Ein kleiner Teil des tschechoslowakischen Zuckers wurde auch nach Vorarlberg geliefert. Ein Kaffee mit Zucker war damals im Ländle ein Luxus.
Ähnlich wie heute spürten die Österreicherinnen und Österreicher, dass sie nicht allein auf der Welt sind, sondern von weltweiten Entwicklungen abhängen und so ziemlich alle Regierungen der Welt nur eingeschränkt handlungsfähig sind. Hunger war als Folge des Weltkrieges ein weltweites Phänomen. Bezogen auf die österreichische Bundesregierung bemerken die „Vorarlberger Nachrichten“ zu den schwierigen Lebensmittel-Beschaffungsaktionen klipp und klar: „Die Schwierigkeiten, die dabei zu überwinden sind, ergeben sich aus der allgemeinen Weltknappheit an Nahrungsmitteln, dem Mangel an geeigneten Kompensationsgütern und dem noch immer bestehenden fühlbaren Transportmangel.“ Trotzdem. Stolz wird am 1. Juni vor 80 Jahren von weiteren Erfolgen berichtet: „Aus Ungarn werden Paprika und Gemüse geliefert, aus Italien 1300 Tonnen Gemüse und 530 Tonnen Zitronen, aus Dänemark und Schweden 360 Tonnen Salzfische, aus der Schweiz 350.000 Dosen Kondensmilch.“ Verhandlungen um Speck in Dosen aus England seien noch am Laufen. Österreich ist nach dem Krieg wirtschaftlich nahezu bankrott. Die vermeintlich „wertvollen“ österreichischen Güter sind preislich nur sehr wenig gestiegen, während die Kosten der Importgüter – beispielsweise Nahrungsmittel –preislich extrem gestiegen sind. Die Lebenshaltungskosten im Land sind hoch.
Kleider, Schuhe, Saatgut, Medikamente Hilfe zum Neuanfang leisteten auch die alliierten Siegermächte. Man freute sich im Juni 1946 über 68.000 Ton-
nen Saatgut, 15.000 Tonnen Düngemittel, 3000 Tonnen Schädlingsbekämpfungsmittel und 1340 Stück landwirtschaftliche Maschinen – von der Sense bis zum Traktor. Ebenfalls lebenswichtig: 285 Tonnen Medikamente plus 315 Tonnen Spitalseinrichtungen wie Betten, Blutdruckmesser bis hin zum Operationsmaterial. Darüber hinaus erhielten die Österreicherinnen und Österreicher etwas zum Anziehen: 600 Tonnen Kleider und Schuhe. Ganz zu schweigen von 650 Tonnen sonstigen Bedarfsartikeln. Aus der „Polenspende“ rollten 22.000 Tonnen Kohle ins Land. Die Spende von 1000 Lastkraftwagen war ebenfalls nicht zu verachten, schließlich mussten die Waren auch transportiert und verteilt werden.
„Die für unsere Ernährung maßgeblichen amtlichen Stellen hoffen zuversichtlich, dass die Kalorienanzahl auf 1.200 für die Normalverbraucher gehoben werden und dieses Ausmaß den ganzen Juli gehalten werden kann.“ „VN“-Bericht vom 5. Juni 1946
Dass die Hilfslieferungen in den österreichischen Bundesländern gerecht verteilt werden konnten, dafür sorgten Militär, Polizei und Gendarmerie, wie die „VN“ in ihrer Ausgabe vom 4. Juni 1946 berichten: „Die Waren stehen vom Ausschiffungshafen bis zur österreichischen Grenze unter britischem Militärschutz, werden an der Grenze von der österreichischen Gendarmerie bzw. Polizei übernommen und laufend bis zur Verteilung überwacht und kontrolliert. Es wurde bisher von den Waren nichts entwendet und Gerüchte, dass die Waren im Schleichhandel aufgetaucht seien, entbehren bis jetzt jeder Grundlage.“
Satt werden war alles andere als selbstverständlich. Wie dramatisch die Situation war, geht aus einem „VN“Bericht vom 5. Juni 1946 hervor: „Wie man aus dem Ernährungsministerium erfährt, nähern sich die Vorarbeiten ihrem Abschluss, auf Grund welcher es möglich sein wird, im ganzen Bundesgebiet Österreich einheitliche Ernährungssätze aufzustellen. Als Zeitpunkt dieser Maßnahme, welche einen Schritt weiter zur Erreichung einheitliche Verhältnisse in Österreich darstellt, ist der Beginn des Monats Juli anzunehmen. Die für unsere Ernährung maßgeblichen amtlichen Stellen hoffen zuversichtlich, dass die Kalorienanzahl auf 1200 für die Normalverbraucher gehoben werden und dieses Ausmaß den ganzen Juli gehalten werden kann.“
Kein Einzelfall: Ein alter Mann stückelt sich sein Essen aus abgenagten Knochenresten zusammen, die er aus Mülltonnen gesammelt hat.
„Unsere Schweizer Nachbarn sind auch dieses Mal wieder in ihrer praktischen Hilfs- und Opferbereitschaft echte Schweizer gewesen.“
Aus der Dankesrede der „VN“ im Juni vor 80 Jahren

Glück mit den Nachbarn
Im Unterschied zu den anderen Bundesländern hatten die Vorarlberger großes Glück: Ihre Nachbarn sind die Schweizer, die ihren auf politische Abwege geratenen und ins Unglück gestürzten Nachbarn „aus der Patsche helfen“. Zum Beispiel mit Kartoffeln, Töpfen, Pfannen und Schulbänken, wie es in den „VN“ im Juni 1946 in einer Dankesrede heißt:
„Die schon sprichwörtliche Hilfsbereitschaft unserer Schweizer Nachbarn hat sich neuerdings wieder zum Segen unserer notleidenden Bevölkerung ausgewirkt. Diesmal war es die großzügige Kartoffelhilfsaktion der Ostschweizer, die jetzt in An- und Auslieferung zum Abschluss gekommen ist. Für das Land Vorarlberg wurden in fürsorglicher Hilfstätigkeit 326.365 kg Kartoffeln gesammelt und ihm als kostenlose Liebesgabe zur Verfügung gestellt, und zwar von der ‚Ostschweizerischen Grenzlandhilfe St. Gallen‘ 201.540 kg und von der ‚Sozialdemokratischen Partei St. Gallen‘ 124.825 kg. Die Freude der Vorarlberger Bevölkerung über diese Hilfsaktion war aus tiefstem Herzen gekommen. Ihr entsprechend ist auch der große Dank, der ihr ebenso aus tiefstem Herzen quillt.
Für die Kartoffelspende war nur ein geringerer Teil der Sammel- und Frachtkosten zu zahlen, die aus Mitteln des einheimischen Hilfswerks aufgebracht wurden. In verschiedenen Schweizer Gemeinden wurden auch diese Auslagen von der dortigen Gemeindekasse bestritten. Nicht gering war das Erstaunen, als beim Ausladen der Kartoffeln noch manche Überraschungen zutage traten. So unter anderem wertvolle Kleidungsstücke und andere hochwertige Lebensmittel.
Die Verteilung der Spende erfolgte ebenfalls kostenlos. Berücksichtigt wurden dabei in erster Linie die Minderbemittelten und besonders Bedürftige, insbesondere die Empfänger von Fürsorgeunterstützungen und Kleinrenten usw., da es für diese bereits ein Problem bedeutet, teure Konserven zu kaufen.
Und da die Kartoffelversorgung der Bevölkerung schon wochenlang größte Schwierigkeiten machte und sehr mangelhaft war, bedeutet die Schweizer Kartoffelspende im jetzigen Augenblick eine doppelt willkommene und wirksa-



me Linderung der besonderen Notlage. Es verdient hervorgehoben zu werden, dass die Güte der Kartoffeln allgemein das beste Lob findet.
Unsere Schweizer Nachbarn, die schon wiederholt und mit lebhafter Anteilnahme durch die soziale Hilfsorganisation ‚Schweizer Spende‘ wertvolle Instrumenten- und Medikamentenspenden, ferner Spenden von Lebensmitteln, Bekleidungsgegenständen und Wollsachen für Heimkehrer, Spenden von Haushaltsgegenständen, Schulbänken und Hilfsmaterialien usw. ihre regsame Hilfstätigkeit gegenüber unserem schwer geprüften Lande klar und wirksam zum Ausdruck brachten und damit viel Leid, Not und Unglück lindern konnten, sind auch dieses Mal wieder in ihrer praktischen Hilfs- und Opferbereitschaft, die eine so umfassende Kartoffelspende beansprucht hat, echte Schweizer gewesen.
Das ganze Vorarlberger Volk schließt sich den unmittelbar Beteilten an und spricht den beiden so tatkräftigen Hilfsorganisationen wie jedem einzelnen Schweizer den tiefsten Dank aus.“
Fleisch für Niederösterreich und das Burgenland
In der Not standen jedoch auch die Österreicher Schulter an Schulter und halfen sich gegenseitig, so gut es eben ging. Zum Beispiel baten im Juni 1946 Niederösterreich und das Burgenland um Hilfe aus Vorarlberg. Thema: Fleisch. Deshalb startete das Landesernährungsamt in Bregenz einen Aufruf an sämtliche Gemeinden in Vorarlberg, man möge „Schlachtvieh und trächtige Kalbinnen sowie trächtige und in beschränktem Ausmaß gut melkende Kühe“ zur Verfügung stellen.
Die zur Lieferung bestimmten Gemeinden:
(Hohenems und Dornbirn gehörten damals noch zum Bezirk Feldkirch; Höchst, Fußach und Gaißau waren seit 1938 zur Gemeinde Rheinau zusammengeschlossen)
Bezirk Bregenz:
Schröcken (4 Stück Vieh), Au (15), Damüls (6), Schnepfau (4), Bizau (8), Andelsbuch (15), Schwarzenberg (8), Hittisau (20), Krumbach (5), Langenegg (5), Riefensberg (8), Sibratsgfäll (5), Bildstein (8), Rheinau (15) , Langen b. Bregenz (8), Lauterach (15), Möggers (8), Hohenweiler (7), Bregenz (15), Warth (5)
Bezirk Feldkirch: Altach (14), Koblach (16), Mäder (11), Götzis (6), Hohenems (10), Dornbirn (15), Düns (3), Sulz (4), Klaus (3), Röthis (3), Zwischenwasser (12), Meiningen (4)
Bezirk Bludenz:
Bartholomäberg (35), Gaschurn (25), St. Gallenkirch (15), Silbertal (10), Nenzing (5), Thüringen (10), Lech (15)
Die Tiere wurden nicht kostenlos gespendet, sondern zu den damals geltenden Nutzviehpreisen verkauft. Es sollte noch mehrere Jahre dauern, bis die größte Not vorbei war und es mit dem „Wirtschaftswunder“ wieder aufwärts ging.
Lange Nacht der Partizipation: Power für die Demokratie
Auch in der sechsten Ausgabe der Langen
Nacht der Partizipation (LaNaP) geht es vor allem um Austausch und Inspiration. Der Impulsvortrag kommt dieses Jahr von Peter Egg, Demokratieexperte und LaNaP-Erfinder. In seiner Auftaktrede zeigt er auf, wo wir vielleicht gar nicht merken, wieviel Partizipation in einem Projekt steckt und wo hingegen das Beteiligungs-Potenzial ungenützt bleibt.

Die 27 Beteiligungsprojekte, die bei der Langen Nacht der Partizipation vorgestellt werden, sollen sichtbar machen, welche Wirkung und Bedeutung es hat, wenn Wissen und Kompetenz vieler Menschen gebündelt werden. Die Themen reichen von Kinder- und Jugendbeteiligung bis hin zu Gesundheit und gemeinschaftlichem Wohnen.
Donnerstag, 11. Juni | 16:30 bis 21:30 Uhr Polytechnische Schule Dornbirn, Lustenauerstraße 17a Alle Projekte und Anmeldungen: langenachtderpartizipation.at
Eine Kooperation von Jugend Stadt Dornbirn, FHV, PTS, jugendornbirn, IBK
So geht‘s: Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block (= 3×3-Unterquadrate) die Ziffern 1 bis 9 genau einmal vorkommen. Viel Spaß!
Museum des Wandels
Bibliothekar
Norbert Schnetzer –Ein Leben zwischen alten Büchern und neuen Zeiten
Vernissage
15.06.26, 19 Uhr Foyer der AK Vorarlberg Feldkirch

AK Programm Juni 26
Mo 08.06. 19 bis 21 Uhr AK Saal Feldkirch
AK Vortrag: Entspannt in die Pension Was Sie jetzt über Ihr Pensionsrecht wissen sollten.
Mi 10.06. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
It‘s your turn! Du bist dran!
Das Sprachencafé für Englisch und Deutsch als Zweitsprache
Mo 15.06. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
Shared Reading Wer zuhört, gehört bereits dazu.
Mo 15.06. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
Sprachencafé Französisch

Mo 15.06. 19 Uhr Schaffarei
Bibliothekar Norbert Schnetzer – Ein Leben zwischen alten Büchern und neuen Zeiten
Museum des Wandels, Vernissage
Mi 17.06. 20 bis 22 Uhr Schaffarei
ArbeitsLebensGeschichten: Mike Reisinger
Mi 24.06. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
Sprachencafé Spanisch und Italienisch

Trainieren Sie Ihre Sprachkenntnisse in Französisch mit Muttersprachler:innen.
25. bis 27.06. 19.30 Uhr Schaffarei
Mut-/ Wutausbruch: Schöne, alte Arbeitswelt
Mit dem Format „Mut-/ Wutausbruch“ bringen wir brisante arbeitsrelevante Themen auf die Bühne.
Weitere Informationen schaffarei.at/veranstaltungen ak-vorarlberg.at/events

Inspirierende Arbeitsbiografien, vom Scheitern und wieder Aufstehen, vom Dranbleiben und Ausprobieren.
Trainieren Sie Ihre Sprachkenntnisse in Spanisch oder Italienisch mit Muttersprachler:innen.

38. Theaterfestival für ein junges Publikum 16.-


20.6.2026 Nenzing luagalosna. at















Der Tod ist ein Arschloch
FILMCLUBTIPPS
von Walter Gasperi
Ausführliche Filmrezensionen zu Mainstream- ebenso wie zu Arthausfilmen und einen Filmclubkalender finden Sie unter www.film-netz.com
Michael Schwarz bietet in seinem Dokumentarfilm Einblick in die Arbeit des Berliner Bestatters Eric Wrede, der mit seinem Team lebensnah auch auf unkonventionelle Wünsche der Betroffenen eingeht: Ein nie voyeuristischer, sondern respektvoller und trotz des ernsten Themas auch witziger und tröstlicher Film.
→ Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 01.06., 20.15 Uhr (deutsche Originalfassung)
Siri Hustvedt – Dance around the Self
Sabine Lidl zeichnet in ihrem Dokumentarfilm in poetisch-assoziativer Erzählweise nicht nur Leben, Werk und feministisches Engagement der US-amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt nach, sondern bietet auch Einblick in deren starke familiäre Bindung und die große Liebesgeschichte mit ihrem 2024 verstorbenen Ehemann Paul Auster.
→ Spielboden Dornbirn: Mi 03.06., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
→ Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Mi 03.06.,19.30 Uhr (engl. OmU.)
The History of Sound
Zwei sich liebende amerikanische Musikstudenten ziehen kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs durchs ländliche Maine, um dort die Volkslieder der bäuerlichen Bevölkerung mit einem Grammophon aufzuzeichnen und für die Nachwelt zu bewahren: Ein klassisch erzähltes, zurückhaltendes Drama, das ebenso präzise wie unaufdringlich den sozialen und historischen Hintergrund einfängt und durch die tiefmelancholischen Lieder die innige Liebe der beiden Protagonisten meisterhaft verdichtet.
→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn:
Mi 10.06., 18 Uhr + Do 11.06., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
→ LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 24.06., 19 Uhr (engl. OmU.)
Ich verstehe Ihren Unmut
Hautnah folgt Kilian Armando Friedrich in seinem Spielfilmdebüt einer von Sabine Thalau intensiv gespielten Objektleiterin einer Reinigungsfirma durch ihre Arbeit: Ein atemloser, quasidokumentarischer Film, der eindringlich die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und den Druck im Niedriglohnsektor aufdeckt.
→ Spielboden Dornbirn: Mi 10.6., 19.30 Uhr ( deutsche Originalfassung)

Rose
Eine Frau, die im Dreißigjährigen Krieg als Soldat gedient hat, versucht in einem protestantischen Dorf als Mann ihren Traum von Freiheit zu verwirklichen: Ein in starken Schwarzweißbildern, in genau kontrolliertem Rhythmus zurückhaltend inszenierter und von den phänomenalen Hauptdarstellerinnnen Sandra Hüller und Caro Braun getragenes Historiendrama über Sehnsucht nach Selbstbestimmung in einer religiös bestimmten, patriarchalen Gesellschaft.
→ Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Mi 17.06.,19.30 Uhr (deutsche Originalfassung)
Jeunes mères – Junge Mütter
Jean-Pierre und Luc Dardenne folgen fünf Teenagern, die mit ihren Babys in einem Heim für minderjährige Mütter leben, durch ihren Alltag: Quasidokumentarisches, schnörkelloses sozialrealistisches Kino, das ungeschönt und nüchtern, aber empathisch Einblick in schwierige Lebensverhältnisse bietet.
→ TaSKino Feldkirch im Kino GUK: So 21.06. bis Do 25.06. (franz. OmU.)
Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren
Bevor Astrid Lindgren eine weltberühmte Kinderbuchautorin wurde, hielt sie von 1939 bis 1945 ihre persönlichen Erfahrungen und den Schrecken des Zweiten Weltkriegs in Tagebüchern fest: Wilfried Hauke erweckt diese Aufzeichnungen in seinem Dokumentarfilm mit nachinszenierten Szenen, Interviews mit Lindgrens Nachkommen und Archivmaterial zum Leben.
→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 24.06., 18 Uhr + Do 25.06., 19.30 Uhr (schwed. OmU.)
Melt
Nikolaus Geyrhalter blickt in seinem Dokumentarfilm in langen statischen Totalen und frontal in die Kamera gesprochenen Statements auf Schneelandschaften zwischen Japan und den französischen Alpen und zwischen Kanada und der Antarktis und spürt dem Rückgang des weißen Goldes nach.
→ Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Do 25.06.,19.30 Uhr (mehrsprachige OmU.)
Die kompletten Filmclubprogramme finden Sie hier: www.filmforum.at // www.spielboden.at // www.allerart-bludenz.at/leinwand-lounge // www.fkc.at // https://saumarkt.at/taskino
Lösen Sie es in 60 Sekunden
Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden!
SCHACHECKE
In den stilvollen Räumlichkeiten des Grand Hotel Bregenz wurde vom 9. bis 17. Mai das 10. Internationale BodenseeOpen ausgetragen. Trotz eines holprigen Starts durch verspätete Anmeldungen konnte das Jubiläumsturnier feierlich eröffnet werden. Der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch, Robert Salant von Bregenz Tourismus sowie der Obmann des Schachklub Bregenz, Alexander Moosbrugger, begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ehe das Schiedsrichterteam um Albert Baumberger und Stephan Hofer die erste Runde freigab.
Wie schon in den Vorjahren wurde in zwei Kategorien gespielt: dem offenen Turnier und dem Senioren Open. Mit insgesamt über 200 Spielerinnen und Spielern aus 24 Nationen präsentierte sich das Feld international breit aufgestellt. Besonders erfreulich war der starke Vorarlberger Anteil, der in beiden Bewerben für sportliche Akzente sorgte.
Im offenen Turnier entwickelte sich rasch ein spannender Kampf an der Spitze. Nach neun interessanten Runden, ausgetragen nach dem beschleunigten Schweizer System, kamen
WFM Manuela Schmitz (Leverkusen)
Elia Cafasso (Rankweil)
10. Int. Bodensee-Open, Bregenz 2026
Wie gewinnt Schwarz am Zug entscheidendes Material?

zwei Spieler auf 7,0 Punkte. Der für Irland startende IM Tarun Kanyamarala hatte in der Feinwertung knapp die Nase vorne und gewann vor dem Italiener FM Niccolo Casadio Erstmalig in der Turniergeschichte gelang einem Vorarlberger der Sprung auf das Podest. Dieses Kunststück vollbrachte der junge Hohenemser FM Benjamin Kienböck mit 6,5 Punkten und der besten Feinwertung. Ebenfalls mit 6,5 Punkten erreichte der Wolfurter FM Fabian Matt den ausgezeichneten 7. Rang. Drittbester Vorarlberger wurde Elia Cafasso aus Rankweil – mit 6,0 Punkten landete er auf den 12. Platz. Auch im Senioren Open ging es hochklassig zur Sache. Nach sieben Runden triumphierte IM John Rodgaard (Färöer) dank besserer Feinwertung vor FM Jan Bartos (Tschechien). Der Bregenzer IM Henryk Dobosz belegte als bester Vorarlberger den dritten Platz und blieb im gesamten Turnierverlauf ungeschlagen.
Zum Abschluss zeigen wir drei ausgewählte Stellungen aus Partien mit Vorarlberger Beteiligung im offenen Turnier. Wir wünschen viel Freude beim Lösen dieser Kombinationen.
FM Fabian Matt (Wolfurt)
Hursh Metha (Kalifornien)
10. Int. Bodensee-Open, Bregenz 2026
Wie erobert Weiß am Zug die Qualität?

FM Benjamin Kienböck (Hohenems)
FM Georg Braun (Tübingen)
10. Int. Bodensee-Open, Bregenz 2026
Wie nützt Weiß am Zug die schwachen Bauern und Felder im schwarzen Lager aus?

VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT
Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at
Di., 02.06.
19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
NXT GENERATION
Junge Bands der Musikschule Feldkirch. Unter dem Titel „nxt generation“ präsentieren talentierte Nachwuchsmusikerinnen und -musiker ihr Können und bringen frische Energie auf die Bühne.
Mi., 03.06.
19.30 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis
LINDERWAHN: SOUNDTRACK EINES LEBENS
Ein Abend zum Lachen und Erinnern mit Markus Linder
Mi., 03.06.
19 Uhr, Literaturhaus Vorarlberg, Hohenems
EMSBACHINNEN: DIE SPRACHE DER FÄDEN – DIE SPRACHE DER LITERATUR
Drei „Spitzenfrauen“ sprechen über ihr Erbe und ihr Wirken im Spannungsfeld von Geschichte, Kunst und Gegenwart: Frauke Kühn, Geschäftsführerin Literaturhaus Vorarlberg, Anita Keckeis, KEX Spitzenkultur, Dinah Ehrenfreund-Michler, Kuratorin, Jüdisches Museum Hohenems.
Fr., 05.06.
19 Uhr, Kammgarn, Hard QUINTETO GALVAN
Ein Abend, um Tangomusik auf verschieden Ebenen zu genießen. Zuhören und Mittanzen erwünscht!
Fr., 05.06.
19.30 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn MIA.
Konzert
Fr., 05.06.
19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
KM-SPECIAL BAND Konzert
Sa., 06.06.
19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
ARMIN THURNHER: UNSTUNDEN DER MENSCHHEIT. WIE DIE WELT UNERTRÄGLICH WURDE
Armin Thurnher über Momente der letzten Jahre, in denen die Geschichte ihren fatalen Lauf nahm.
Mi., 10.06.
19 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis
CLUBHEIM ARBOGAST: EINSTIMMUNG AUF DIE FUSSBALLWM
Arbogast-Seelsorger Delfor Nerenberg ist mit Idolen wie Maradona oder Messi aufgewachsen. Der Argentinier ist Erfolge seines Fußballteams gewöhnt. Daniel Mutschlechner kam wenige Tage vor „Cordoba 78“ zur Welt und leidet seither mit der österreichischen Nationalmannschaft. Da Argentinien und Österreich am 19. Juni im Gruppenspiel aufeinandertreffen, laden Delfor und Daniel kurz vor dem Start der Fußball-WM ins Café Arbogast, das sich für einen Abend in ein Clubheim verwandelt. Außerdem wird beim WM-Pubquiz das Fußball-Hintergrundwissen der Gäste getestet. Ein unterhaltsamer Abend für all jene, denen Fußball mehr bedeutet, als nur Titel und Tore.
Mi., 10.06.
19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
ADA DIAGNE: BAOBAB
Lesung. Eine märchenhafte Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, die Monster der Vergangenheit und die Kraft der Fantasie, die jedes Kind in sich trägt.
Mi., 10.06.
19.30 Uhr, Theater im Kopfbau (TIK), Dornbirn
STUBOHOCK: SPIELERISCH
Kurz vor der Fußball-WM machen Mona EggerGrabher und Kurt Grabher einen Stubohock, bei dem das Thema Fußball nicht zu kurz kommen wird.
Do., 11.06.
16 Uhr, Stadtmuseum Dornbirn
HAUSBESUCH: ZEITKAPSEL
SCHLOSSGUGGERHAUS
Es ist ein Solitär in der Baukultur der Stadt Dornbirn. Sein heutiger Besitzer Stefan Grabher hat dieses sagenumwobene Gebäude aus dem 13. Jahrhundert zu einem Herzensanliegen gemacht. Er erzählt von seiner Beziehung zu dem Ort, seinen aktuellen Projekten im und rund um das Haus, von seinen Visionen. —
Do., 11.06.
19 Uhr, Stadtbibliothek Dornbirn LESUNG UND GESPRÄCH: RESSOURCE ZUKUNFT
Klaus Kofler fragt nicht, wie wir die Welt noch effizienter machen, sondern wie wir lernen, sie sinnvoll zu gestalten. Als Zukunftsforscher und kritischer Beobachter unseres Zeitgeschehens entwirft er mit seinem Ansatz des Regenerativen Zukunftsdesigns kein neues Versprechen, sondern arbeitet an dem, was uns am meisten fehlt: einer lebendigen Haltung zum Kommenden und einem inneren Kompass inmitten des Lärms unserer Zeit.
Do., 11.06.
20 Uhr, Remise Bludenz INNSTRUMENTI
Konzert und Lesung. Die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe klang_sprachen verschränkt zeitgenössische Musik und Lyrik und feiert die 10. Ausgabe. Für das Jubiläum konnte der international renommierte und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller José Oliver gewonnen werden, der aus einem Querschnitt seines Schaffens lesen wird.
Do., 11.06.
22 Uhr, Literaturhaus Vorarlberg, Hohenems
NACHT:LYRIK
Mit Yara Monteiro, Mathias Müller und Mikael Vogel lesen drei besondere Stimmen ihre Gedichte in die Nacht und verwandeln die revitalisierte Kutscheneinfahrt des Literaturhauses einmal mehr in einen Raum andächtiger Stille, leuchtender Worte und berührender Momente.
Do., 11.06.
09-16:00 Uhr, von Dornbirn Bahnhof nach Rorschach
PILGERN UND KUNST –PILGERN ALS KUNST
Besuch der Kunstsammlung Würth und des Pilgerglöckleins in Rorschach mit Kulturvermittlerin Marianne Bereuther und Pilgerreferentin Birgit Huber; kath-kirche-vorarlberg.at
Fr., 12. & Sa., 13.06.
Spielboden Dornbirn TANZ IST FESTIVAL
Fr., 12.06.
19 Uhr, Altes Kino, Rankweil ROCK IM KINO
Das Pop-Rock-Seminar der Musikschule Rankweil-Vorderland präsentiert seine Nachwuchsmusiker:innen im Alten Kino. Bei freiem Eintritt darf getanzt werden!
Fr., 12.06.
19.30 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn MADSEN Konzert
Fr., 12.06.
21 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn DARK PARTY
„In the Dark“ ist eine Nacht für alle, die mit Gothic, EBM, Darkwave und verwandten Sounds aufgewachsen sind oder diese neu entdecken wollen.
Sa., 13.06.
20 Uhr, Remise Bludenz ANDREAS KÜMMERT & THE ELECTRIC CIRCUS
Konzert. Ein Leben, das atmet – eine Stimme, die es erzählt. Mit seinem ersten Doppel-Live-Album auf der Road-Map und mit neu markierten Zielen ist A.K. auch 2026 wieder auf großer Tournee.
Di., 16.06.
19.30 Uhr, Theater im Kopfbau (TIK), Dornbirn SCHALLPLATTENPARTY
Sammler, Interessierte – alle sind willkommen. Bring deine Lieblingsplatte mit! Es gibt feinsten Sound von DJ Vinyl alias Dietmar Grabher (Inhaber Musikladen Feldkirch) und feinstes Wohnzimmerambiente mit guten Getränken und Vinylsound! DJ Vinyl spielt deine Lieblingsplatte oder du kannst selbst das DJ Pult bedienen.
Di., 16.06.bis Sa., 20.06.
Ramschwagsaal, Nenzing LUAGA UND LOSNA FESTIVAL
Internationales Theaterfestival für ein junges Publikum. Das Festival findet in zwei Teilen statt. Jeweils im Juni werden in Nenzing zirka zehn Stücke gezeigt. Als Fachpublikum diskutieren AutorInnen mit den Theatern und lesen aus ihren eigenen Werken.
Do., 18.06.
19 Uhr, Literaturhaus Vorarlberg, Hohenems
ZUFALLSBEGEGNUNGEN MIT: LASS DICH ÜBERRASCHEN
Zwei Menschen, die sich sehr wahrscheinlich noch nie zuvor begegnet sind, treffen live auf der Literaturhaus-Bühne aufeinander und lernen sich kennen. Das sind unsere Zufallsbegegnungen!
Fr., 19.06.
18 Uhr, inatura, Dornbirn PSYCHISCHE GESUNDHEIT IN ZEITEN VON KI
Thomas Fuchs – international anerkannter Psychiater und Philosoph sowie einer der prägenden
LÖSUNGEN
Schachecke
Stimmen der phänomenologischen Psychiatrie –geht der Frage nach, wie technologische Entwicklungen unser Erleben, unser Zusammenleben und unser Verständnis vom Menschsein prägen.
Fr., 19.06.
19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
NELIO BIEDERMANN: LÁZÁR, LESUNG UND GESPRÄCH
Ausgezeichnet als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2025. Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2025.
Sa., 20.06.
19.30 Uhr, Kulturverein Bahnhof, Andelsbuch
CHARMONIE THREE PLUS
Mit Humor, charmantem Augenzwinkern und Spielfreude serviert das Vintage-Vocal-Trio „Charmonie Three Plus“ eine Zeitreise von Chanson, Swing und Jazz bis Pop.
Mo., 22.06.
19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
NAVA EBRAHIMI: UND FEDERN ÜBERALL
Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi taucht ein in das Leben einer kleinen Stadt im Emsland und verknüpft die Geschichten von sechs Menschen zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman über die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?
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Do., 25.06.
18 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems NOFRETETES WEG ZUR GLOBALEN IKONE
Der Vortrag von Sebastian Conrad widmet sich der außergewöhnlichen globalen Karriere der Büste der Nofretete seit ihrer Entdeckung (1912) und ersten Ausstellung (1924). Er zeigt, wie ein altägyptisches Kunstwerk zu einer weltweit bekannten Ikone wurde und welche historischen Umstände diesen Wandel ermöglichten.
Do., 25.06.
19 Uhr, Bücherei Hohenems REINHOLD BILGERI KOMMT IN
DIE BÜCHEREI
Ein besonderer Abend mit Live-Musik, Filmsequenzen und Lesung vom Hohenemser Musiker, Literat, Drehbuchautor und Filmemacher.
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Do., 25.06.
19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
THEATERGRUPPE 3B BAFEP: WIEVIEL ZUKUNFT BLEIBT UNS NOCH?
Eine KI übernimmt die Kontrolle über die Menschen. Als fünf Fremde durch eine Zeitreise in diese Zukunft geraten, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Zwischen Humor, Chaos und Gefahr stellt sich eine Frage: Wer kontrolliert hier eigentlich wen? Theatertext: 3b Klasse und Autorin Daniela Egger, Regie: 3b mit Künstlerin Lisa Suitner
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Do., 25.06. bis Sa., 27.06. Kammgarn, Hard
SUMMER SESSIONS
Von Musik über Kabarett bis hin zu Kinderprogramm und Kulinarik wird ein qualitativ hochwertiges und abwechslungsreiches Wochenende für alle geboten. Ganz nach dem Motto „Kultur ohne Zäune“ findet das Festival bei freiem Eintritt statt. Nähere Infos zum Programm findet Ihr unter kammgarn.at/summersessions.
Do., 25.06.
19.30 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn JESSE DANIEL
Konzert
Sa., 27.06.
16 Uhr, Kulturverein Bahnhof, Andelsbuch
OFFENE BÜHNE
Aller Anfang liegt im Kleinen. Künstlerinnen und Künstler von morgen oder solche, die gerne mal was ausprobieren wollen, bespielen an diesem Tag die bahnhof-Bühne. Denn das Motto lautet: rauf auf die Bühne, sich vom Scheinwerferlicht blenden lassen und das Publikum in den Bann ziehen. Jede volle Stunde für zirka 15 Minuten geht der Vorhang auf: für einen neuen Act, Gig, Auftritt, eine Performance, Show oder Darbietung. Es lohnt sich, im Publikum zu sein!
1...Sa2! [Bereits der entscheidende Zug. Nicht so klar ist 1...Dd6?! 2.a5 Sa2 3.Tc2 Db4 4.Dxd5 Dxb3 5.Df5 und Weiß kann noch Widerstand leisten, obwohl der schwarze Vorteil außer Frage steht.] 2.Tc2 Es gibt keine vernünftige Alternative. 2...a6! Nach diesem unscheinbaren Bauernzug ist die weiße Dame gefangen. Weiß gibt auf.
1.Se5! Danach ist Qualitätsverlust für Schwarz unvermeidbar. 1...Dd6 Auch nach anderen Damenzügen gewinnt Weiß mit dem gleichen Motiv wie in der Partie die Qualität. 2.Sg6+ Kxh7 3.Sxf8+ [Ebenso erobert der Anziehende nach 3.Sxe7+ Kh8 4.Sxc8 die Qualität.] 3...Kg8 4.Sg6 Weiß verfügt über eine Mehrqualität und steht auf Gewinn.
1.Sxd5! [Wahrscheinlich war dieser starke Zug nicht auf dem Radar des Schwarzen. Im höheren Sinn steht Weiß bereits auf Gewinn. Nichts bringt hingegen 1.Dxd4? Lxc3 2.bxc3 Lxg4 3.Dxg4+ Kh8 und die Stellung befindet sich im Gleichgewicht.] 1...Le7 [Nach 1...Dxd5? gewinnt Weiß mit 2.Sxf6+ die Dame.] 2.Dxd4 Kg7 [Die Fortsetzung 2...c6?! scheitert an 3.Sxe7+! Dxe7 4.Sxf6+ mit klarer Gewinnposition für Weiß.] 3.Sge3 [Der natürliche Entwicklungszug 3.Tad1!? ist womöglich noch etwas stärker.] 3...Ld6 [Wiederum scheitert 3...c6?! an 4.Sxe7! Dxe7 5.Tae1!?.] 4.Tad1!? Weiß hat einen gesunden Mehrbauer und die deutlich aktiveren Figuren – außerdem sind alle schwarzen Bauern vereinzelt und schwach. Der Anziehende verwertete diese Vorteile souverän zum Sieg.
Rechenrätsel Für Anfänger = 8 Für Fortgeschrittene = 81 Für Genies = 425

Eine saubere und nachhaltige Energieversorgung war Inspiration und Antrieb für zahlreiche Pionierleistungen unserer Vorgänger. Diesen eifern wir täglich nach und entwickeln spannende Projekte wie das Lünerseewerk II – ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Energiezukunft.
illwerkevkw.at Energie für Generationen.