#1 / Dezember 2015
2,50 Euro
davon 1,25 Euro für den Verkäufer/ die Verkäuferin
Kleines Dorf, großes Herz: Schruns macht aus Flüchtlingskindern Montafoner.
Veganer Festtagsschmaus:
Wie man um 2 Euro ein köstliches Mahl bereitet.
Unfassbare Armut: Vom Leben einer RomaFamilie in Vorarlberg.
Eine Vision in V: Daniela Egger stellt sich ein anderes Vorarlberg vor.
Miteinander
Ein Herz und eine Seele sind Walter und „Elke“, der Hahn. Walter wohnt im Bonetti-Haus in Dornbirn. Seinen gefiederten Freund besucht er fast täglich. „Elke“, eigentlich ein wildes Tier, lässt sich von Walter bereitwillig kraulen und knutschen. „Er spürt, dass ich ihn mag. Deshalb vertraut er mir“, sagt Walter.
Foto: Robert Thoma
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Mittendrin in V 4-5 Bild des Monats 6-7 Kleines Dorf mit großem Herz Schrunser verhindern Abschiebungen 8 Ohne eigenes Dach über dem Kopf Wohnungslose Menschen in Vorarlberg 9 Impressum 10-11 Im Porträt: Ali, der marie-Verkäufer 12-13 Weihnachten ist schön! Od‘r? 14-16 Von einem, der das Gute lebt Elmar Stüttler und „Tischlein deck dich“ 17 Beschämt, aber nicht gebrochen Diana über ihre Flucht und ihr Leben heute 18-19 Kochecke Rezepte für köstliche, gesunde, billige Speisen 20-21 Eine ziemlich verfahrene Situation Pfarrer Elmar Meyer über Roma im Ländle 22 Unfassbare Armut Vom Leben einer Roma-Familie in Vorarlberg 23 Vorarlberg-Rätsel 24 Leistbares Wohnen dowas-Chef fordert Wohnbau-Offensive 25 Schach verbindet Zuwanderer-Paar schuf kleines Schachwunder
Anders Leben 26 27
Leben fast ohne Einkaufen Eine Familie in Hard lebt als Selbstversorger Keine Windeln, keine Schule Die 10-köpfige Familie Delpin geht eigene Wege
Gsi 28-29
Als die Armen nicht heiraten durften Strenge Heiratspolitik zu Großvaters Zeiten
Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, Sie halten die erste Vorarlberger Straßenzeitung in Händen. marie ist eine Zeitung wie es sie in Vorarlberg bisher nicht gab. Straßenzeitungen berichten über das Leben am Rande der Gesellschaft und beleuchten aktuelle Themen aus ungewohnter Perspektive. Weltweit werden Straßenzeitungen von über 200 Millionen Menschen gelesen. Die bekannteste österreichische Straßenzeitung ist der „Augustin“ in Wien, weitere werden in sieben anderen Bundesländern verkauft. Manchmal fällt es uns schwer, uns in Menschen einzufühlen, die auf Hilfe angewiesen sind. Hier baut marie eine Brücke und will entspannte Begegnungen zwischen Menschen ganz unterschiedlicher Prägung ermöglichen. marie eröffnet Seite für Seite spannende, humorvolle, überraschende und berührende Einblicke in das weniger bekannte Vorarlberg. In den letzten Wochen haben wir zahlreiche positive, ermunternde, ja begeisterte Reaktionen zum Projekt marie bekommen. Offensichtlich hat Vorarlberg schon seit langem auf eine eigene Straßenzeitung gewartet. Ideen für so ein Projekt gab es immer wieder. Jetzt waren die Sterne günstig. Wir bedanken uns beim Team des Bonetti-Hauses, das die Abwicklung des Vertriebes übernommen hat, beim Team der Agentur die3 für das schöne Design und die grafische Umsetzung sowie bei allen, die uns mit Rat und Tat und guten Energien unterstützt haben. Das Engagement vieler hat marie zum Leben erweckt. Allein wäre es wohl für jeden von uns ein Traum geblieben. Miteinander geht vieles leichter! In diesem Sinne, viel Freude mit marie, der Vorarlberger Straßenzeitung. Herzlich, Ihr marie-Team Patrick Fürnschuß, Mag. Gernot Hämmerle, Dr. Gerhard Hofer, Robert Thoma (Gründer) und Mag. Elisabeth Willi (Redaktionsleiterin)
Kultur 30-33 Eine Vision Daniela Egger über ein anderes Vorarlberg 34-35 Kleine Kulturinitiativen im Porträt Kultur im Bahnhof Andelsbuch 36-37 Veranstaltungskalender
Medien 38 Straßenzeitungen Kultblätter mit Geschichte und Charakter
Kontaktieren Sie uns Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden, dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn. E-Mail: kontakt@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0650/8385641.Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
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Bild des Monats
MEINE KLEINE WELT AUS FARBEN UND FORMEN Foto: Frank Andres
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Alexander hat in seiner 16-Quadratmeter-Wohnung im Kolpinghaus Bregenz sein Atelier eingerichtet. „Beim Malen geht es mir nicht darum, einen Gedanken künstlerisch auszudrücken, sondern um das Zusammenspiel von schönen Farben und Formen“, sagt er. Ans Verkaufen seiner Werke denkt der 42-Jährige nicht. „Ich fühle mich wohl inmitten meiner Bilder. Damit schaffe ich mir meine eigene kleine Welt, und das macht mich glücklich.“
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Mittendrin in V
KLEINES DORF MIT GROSSEM HERZ Fast einhundert Asylwerber, die Häfte davon Kinder, kamen im Jahr 2004 in die 3700-Seelen-Gemeinde Schruns. Damals vom Abschieben bedroht, reden die meisten Flüchtlingskinder heute ganz selbstverständlich Montafoner Dialekt. Eine Privatinitiative hat verhindert, dass die Flüchtlingsfamilien im Laufe der Jahre abgeschoben worden sind. Text: Gernot Hämmerle Fotos: Karl Grabherr, privat
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Gelebtes Miteinander: Franz und Helene Rüdisser mit einheimischen Kindern und Flüchtlingskindern.
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ekonnt balanciert die flinke Kellnerin drei mit Hauptspeisen beladene Teller auf dem linken Arm, in der rechten die Getränke. Sie ist jung, bildhübsch, hat lange schwarze Haare und redet breitesten Schrunser Dialekt, was im Gasthaus mitten in der Feldkircher Innenstadt durchaus ungewöhnlich ist. Auf die Idee, dass es sich bei der Kellnerin um ein ehemaliges Flüchtlingskind aus Ex-Jugoslawien handeln könnte, kommt man frühestens, wenn man ihren Nachnamen erfährt. Die junge Kellnerin gehört zu einer von jenen dreizehn Familien, die zumindest bis auf weiteres in Österreich leben dür-
fen, weil engagierte Schrunser Bürger in Eigeninitiative ganz viel unternommen haben, um Abschiebungen integrierter Familien zu verhindern. Franz und Helene Rüdisser, beide pensionierte Lehrer, wohnen in einem gemütlich eingerichteten Holzhaus im Gstüdweg oberhalb von Schruns. Sie haben im Jahr 2009 die Plattform „Wir brauchen diese Kinder“ gegründet. Und wohl selbst nicht gedacht, dass diese Plattform das Leben von zumindest 60 Asylwerbern maßgeblich verändern sollte. Der Plattform haben sich innert kürzester Zeit mehr als 40 Schrunser Bürger angeschlossen: Ärzte, Hausfrau-
en, Handwerker, Rechtsanwälte, Lehrer, Gemeindebedienstete. Sie alle wollten nicht zulassen, dass Flüchtlingsfamilien, die seit Jahren in Schruns wohnten, dass Kinder, die längst Montafoner Dialekt redeten, aus ihrem Freundeskreis gerissen und abgeschoben werden. Helene Rüdisser erinnert sich noch gut an den ersten Fall, bei dem sie nicht tatenlos zuschauen wollten. Eine Volksschülerin kam weinend ins Klassenzimmer. Nach über fünf Jahren in Schruns sollten sie und ihre gesamte Familie abgeschoben werden. In dem Moment spielte es keine Rolle, dass sie eine der Klassenbesten war, dass sie vom Dialekt
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Die Plattform „Wir brauchen diese Kinder“ wurde letztes Jahr als Österreichs „Ort des Respekts 2014“ ausgezeichnet und erhielt 3000 Euro Preisgeld. Ein schöner Erfolg, der die engagierten Schrunser Bürger zum Weitermachen animiert hat.
her von den Einheimischen nicht mehr zu unterscheiden war. Die meisten ihrer Mitschüler begannen ebenfalls zu weinen, ebenso die Lehrerin. „Das war der Punkt“, sagt Helene Rüdisser, „wo wir richtig empört waren. Die Kinder sind hier im Kindergarten, oder in der Volksschule, können die Sprache perfekt, sind mit den einheimischen Kindern befreundet. Und jetzt, wo sie gut integriert sind, sollen sie wieder gehen? Und Franz Rüdisser ergänzt: „Wenn der Staat so lange braucht, weit über eine menschlich zumutbare Frist hinaus, um über eine Aufenthaltsgenehmigung bzw. Abschiebung zu entscheiden, dann hat der
Staat eine Bringschuld. Dann muss man die Asylwerber unter dem Titel „Humanitäres Bleiberecht“ hier bleiben lassen.“ Franz und Helene Rüdisser wurden aktiv, sehr sogar. Sie halfen bei Behördengängen. Halfen dabei, Dokumente zu besorgen und übersetzen zu lassen. Mobilisierten andere Gemeindebürger, die die vom Abschieben bedrohte Familie ebenfalls unterstützten. Holten vom Bürgermeister ein Empfehlungsschreiben ein, in dem dieser begründete, warum diese Familie eine Bereicherung für die Gemeinde sei. Holten zig Unterschriften, die bezeugten, dass die Familie in der Gemeinde integriert war. Die Abschiebung konnte buchstäblich in letzter Minute verhindert werden. Doch was war mit den Familien, die ebenfalls seit Jahren in Schruns wohnten und mit dem Damoklesschwert der Abschiebung im Nacken leben mussten?“ Franz Rüdisser: „Uns war klar, dass die Unterstützung auf breitere Beine gestellt werden muss. Deshalb haben wir die Plattform „Wir brauchen diese Kinder“ ins Leben gerufen.“ Die Plattform arbeitet nach dem Subsidiaritätsprinzip. Das heißt, jeder Einzelne oder auch eine kleine Gruppe soll zur Lösung des Problems beitragen. Das sei oft wirkungsvoller, als auf „den Staat“ oder „das Land“ oder neue Gesetze zu hoffen. Franz Rüdisser: „Bei uns muss kein Asylwerber einen Behördengang alleine machen. Da ist immer jemand von unserer Plattform dabei. Das ist dann gleich eine andere Situation, wenn ein Einheimischer dabei ist, eine ganz andere Gesprächsbasis mit den Beamten. Und es hilft, die Unsicherheit oder die Angst der Asylwerber zu reduzieren.“ Die Plattform „Wir brauchen diese Kinder“ fordert ein Bleiberecht für gut integrierte Flüchtlingsfamilien. Vor allem auch für Kinder, die sich in den Schrunser Kindergärten und Schulen längst eingelebt haben, die keine andere Heimat als Schruns kennen. Der Bürgermeister, der Dorfpfarrer, Schuldirektoren, Kindergartenpädagoginnen, Ärzte, Kulturschaffende und Gemeinderäte bekennen sich zu dieser Plattform. Jeden Sommer fahren Franz und
Helene Rüdisser nach Möglichkeit vier Wochen in den Urlaub. In früheren Jahren war da die Angst bei einigen Flüchtlingsfamilien groß, weil Abschiebungen oft im Sommer vorgenommen werden. „Einmal“, erinnert sich Franz Rüdisser, „wollten wir nicht fahren, weil einige Verfahren auf der Kippe standen. Das haben wir damals auch Landeshauptmann Herbert Sausgruber gesagt.“ Dieser hat sich dann offenbar persönlich der Sache angenommen und am nächsten Tag bei Rüdissers angerufen. „Er hat gesagt: Ihr könnt ruhig fahren, ich wünsche Euch einen schönen Urlaub!“ Und tatsächlich verlief der Sommer ruhig.
Einigen droht Abschiebung
Als herben Rückschlag erlebte die Plattform die am 1.1.2014 eingeführten Änderungen im Asylgesetz, wonach nicht mehr das Land, sondern das Bundesamt für Fremdenwesen in Wien über Aufenthaltstitel für Asylwerber entscheidet. Franz Rüdisser: „Wie sollen die in Wien entscheiden, was in Schruns gut ist? Wenn wir Familien in Schruns haben wollen und sie unterstützen, wie kann dann jemand in Wien sagen, dass sie gehen sollen?“ 13 Familien, insgesamt 60 Männer, Frauen und Kinder, die bereits einen negativen Aufenthaltsbescheid hatten, hat die Plattform „Wir brauchen diese Kinder“ unterstützt. Alle 13 Familien haben inzwischen einen Aufenthaltstitel und wohnen in Schruns und Umgebung. Doch die Arbeit der Plattform ist noch nicht beendet. Im Gegenteil. Helene Rüdisser: „Unsere Plattform ist immer noch Anlaufstelle für die ehemaligen Flüchtlingsfamilien.“ Einigen droht noch immer die Abschiebung, sobald sie arbeitslos werden, keine Wohnung mehr haben oder sich finanziell nicht mehr selbst erhalten können. Die Plattform hat auch schon Kleinkredite an solche Familien vergeben. „Kredite, die immer pünktlich zurück bezahlt wurden“, betont Helene Rüdisser.
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ZU WENIG GELD FÜR EIN DACH ÜBER DEM KOPF Auch bei uns gibt es Menschen, die auf der Straße leben - vor allem in der warmen Jahreszeit. Sieben Einrichtungen helfen und bieten ein, zumindest übergangsmäßiges, Obdach an.
Text: Elisabeth Willi Foto: Petelow Witalij
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uch in Vorarlberg gibt es einige wenige Menschen, die im Freien wohnen. Zum einen die Roma. Zum anderen Personen, die vorübergehend auf der Straße leben – vor allem in der wärmeren Jahreszeit. Wenn es kälter wird, kommen sie in die Notschlafstellen im Land, sie suchen bei Bekannten oder in einer der Einrichtungen für Wohnungslose Unterschlupf. Neben diesen klassischen Obdachlosen gibt es mehrere Menschen in Vorarlberg, die keine eigene Wohnung haben, aber nicht auf der Straße leben. Sie erhalten Wohnraum, Betreuung und Beratung in einer der Einrichtungen für Wohnungslose. Dies sind: Caritas Existenz und Wohnen, dowas, IfS Krisenwohnungen, Kaplan Bonetti Sozialwerke und die Kolpinghäuser in Götzis, Bregenz und Dornbirn. Im Jahr 2014 wohnten in den genannten Institutionen etwa 600 Menschen. 475 Personen übernachteten in einer der drei Notschlafstellen im Land. Die Gründe für die Wohnungslosigkeit: Meist spielen mehrere Faktoren zusammen, immer aber ist es ein Armutsproblem – es ist zu wenig Einkommen da. Die Betroffenen haben oft maximal einen Pflichtschulabschluss, sie sind arbeitslos oder ihr soziales Netz ist brüchig geworden. Alkohol, Sucht und psychische Erkrankungen spielen manchmal ebenfalls eine Rolle. Die Zahl der sogenannten „working poor“ – also Menschen, die arbeiten und trotzdem zu wenig Geld haben – steigt. So sagt Peter Mayerhofer vom Kaplan Bonetti Hilfswerk: „Bei uns sind auch einige Menschen, die arbeiten oder eine Pension bekommen. Sie sind dennoch auf das
Schlafen auf der Bank: bei uns ein seltenes Bild. Viele Wohnungslose kommen in Hilfseinrichtungen unter.
Hilfswerk angewiesen.“ Und Michael Diettrich vom Verein „dowas – der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende“ erklärt: „Die Vorstellung, dass wir hier nur Sandler oder Süchtige betreuen ist falsch. Natürlich kommen sie auch zu uns, aber sie sind nicht mehr die Mehrzahl der Klienten.“ Der größte Teil der Wohnungslosen in den Hilfseinrichtungen sind österreichische Staatsbürger. Zum Beispiel waren zwei Drittel der Personen, die 2014 in den IfS Krisenwohnungen gelebt haben, Österreicher. Bei den Kaplan Bonetti Sozialwerken kamen im vergangenen Jahr 59 Prozent der Bewohner aus Österreich, 19 Prozent aus dem EU-Ausland und 22
Prozent aus Drittstaaten. Wohnunungslosigkeit hat eher ein junges Gesicht. Der Altersdurchschnitt in den Wohnangeboten von dowas lag 2014 zum Beispiel bei 33,96 Jahren. In der Notschlafstelle der Caritas waren 41 Prozent unter 30 Jahre alt. Die Menschen, die die Hilfseinrichtungen aufsuchen, sind zum größeren Teil männlich. Die Einrichtungen arbeiten auszugsorientiert. Das bedeutet: Wohnungslosigkeit wird als Krise verstanden, die auch wieder ein Ende finden soll. Das betreuerische Ziel ist, dass die wohnungslosen Menschen so bald wie möglich eine eigene Wohnung finden.
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NEUE UND ALTE ALLTAGSNÖTE
Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,50 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt.
Mitgefühl für die Not der anderen ist heute wieder gefordert. Kommentar: Gerhard Hofer
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ch muss nicht weit gehen, um zu sehen, dass nicht nur Flüchtlinge in Not sind. Wohnungsnot, Geldnot, Familiennot, Krankheit und andere belastende Situationen kennen viele Menschen in Vorarlberg aus eigener Erfahrung. Seit vielen Jahren. Lange vor der Flüchtlingsfrage sind die Preise fürs Wohnen in die Höhe geschnellt, lange vor der Flüchtlingsfrage sind Menschen in Arbeitslosigkeit geraten oder körperlich und seelisch erkrankt. Vorarlberg hat viele Gesichter, reiche und arme, junge und alte, fremde und weniger fremde und solche, die sich in der so genannten Mitte befinden. marie schafft neue Einblicke in ein Land, das sich wandelt. Überteuerte Wohnungen einerseits, leerstehende Häuser und Wohnungen andererseits. Leben in Saus und Braus einerseits, Leben an der Armutsgrenze andererseits. „Anerkannt vor aller Leistung“ das ist eine Sehnsucht, die seit über 2000 Jahren Menschen verbindet und tröstet. Wie können wir bei aller Freude an guter Leistung und Wohlstand eine Kultur fördern, die das Herz berührt. Mitunter helfen Notsituationen, eingefahrene Wege zu verlassen und neue Formen des Miteinanders zu pflegen. Denken wir nur an den Zusammenhalt der Bevölkerung bei den großen Überflutungen. Wildfremde Menschen sind in die Überschwemmungsgebiete gefahren und haben gemeinsam zugepackt, ohne lange zu überlegen, was bringt‘s mir. Dieses Mitgefühl für die Not der anderen ist heute wieder gefordert. Zu viele Menschen fühlen sich in ihrer Not nicht verstanden oder verstecken sich aus Scham, der Leistungsgesellschaft nicht zu entsprechen. Und dabei gibt es ganz viele Menschen, die hinschauen und helfen, ohne viel darüber zu reden. Sie alle teilen die Idee von marie.
Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Campus V, Coworking Hintere Achmühlerstraße 1a, 6850 Dornbirn Telefon: 0650 8385641 eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktonsleitung: Mag. Elisabeth Willi Redaktionsteam dieser Ausgabe: Anna Thoma, Daniela Egger, Diana Khasuyeva, Mag. Frank Andres, Gabi Schmuck, Dr. Gerhard Hofer, Gerhard Thoma, Mag. Gernot Hämmerle, Patrick Fürnschuß, Robert Thoma, Simone Fürnschuß-Hofer Vertrieb und Zeitungsausgabe Kaplan Bonetti Sozialwerke Gilmstraße 7 6850 Dornbirn eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Tel. 05572 23061 Wer Zeitungsverkäufer werden möchte, der kann sich Montag bis Donnerstag von 8.30 Uhr bis 17 Uhr und freitags von 8.30 bis 12 Uhr bei der Ausgabestelle melden. Sie erhalten einen Verkaufsausweis. Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg (iG) 6833 Klaus eMail: kontakt@marie-strassenzeitung.at Externe Beiräte Mag. Peter Mayerhofer DSA Markus Hämmerle DSA Heidi Lorenzi Dr. Claudio Tedeschi
Liebe Leserin, lieber Leser! Alle lizensierten marie-Straßenverkäufer sind mit einem Ausweis ausgestattet, den sie während ihrer Arbeit sichtbar am Körper tragen. Auf Verlangen werden sie diesen jederzeit gerne vorzeigen. Die marie-Straßenverkäufer verstehen sich nicht als Almosenempfänger, sondern als Teil eines wichtigen Projektes. Daher mögen sie mitunter kontaktfreudig sein. Sie werden aber nicht aufdringlich sein oder betteln.
Druck Medien-Druck Salzburg GmbH Auflage 10.000 Exemplare Erscheinungsweise monatlich Gestaltungskonzept Mario Lorenz (www.die3.eu) Layout/DTP Alexander Grass (www.die3.eu) Bildbearbeitung Fitz Feingrafik
Der/die Inhaber/in dieses personalisierten Ausweises ist berechtigt die Vorarlberger Straßenzeitung marie im Rahmen der vereinbarten Richtlinien zu verkaufen. Verein und Projekt sind bei den Behörden des Landes Vorarlberg angezeigt. Weitere Information unter www.marie-strassenzeitung.at
Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580 BIC: RVVGAT2B420
Ausweisnummer
für den Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg
Herzlich, das marie-Team
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© 2015 marie. Alle Rechte vorbehalten.
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Der 18-jährige Ali Ahmed beim Fußballspielen im Garten am Gaisbühel.
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IM PORTRÄT: ALI, DER MARIE-VERKÄUFER Ein breites, schelmisches Grinsen überkommt sein Gesicht, als ich auf sein Spielchen einsteige. Ohne zu zögern kickt er mir, dem fremden Journalisten, den Ball zu. Ali Ahmed ist aus Somalia geflüchtet und nun einer der ersten offiziellen marie-Zeitungsverkäufer.
Text und Foto: Gernot Hämmerle
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li Ahmed ist 18 Jahre jung. Er lebt seit Februar dieses Jahres am Gaisbühel, in der ehemaligen Lungenheilstätte in Bludesch, wo momentan knapp 100 Flüchtlinge untergebracht sind. Zu dritt in einem einfach ausgestatteten, aber sauberen Zimmer. Alis Zimmerkollegen kommen ebenfalls aus Somalia, allerdings aus anderen Regionen. Zuvor kannten sich die drei Männer nicht. Ali freut sich darauf, die Straßenzeitung marie zu verkaufen. Ein paar zusätzliche Euro im Monat kann er gut gebrauchen. Und arbeiten will er ohnehin. Außerdem ist er eine Frohnatur
und sucht gerne den Kontakt zu anderen. Noch spricht er nur sehr gebrochen Deutsch. Doch Gretchen Stein, seine ehrenamtliche Deutschlehrerin am Gaisbühel, attestiert ihm Talent. Sie ist der Meinung, dass Ali „unbedingt Schauspieler werden muss. Wenn er die Zungenbrecher nachsagt, die ich ihm vorgebe, bringt er alle zum Lachen.“ Ali möchte in Vorarlberg bleiben. Er sei glücklich hier, erklärt er mit strahlenden Augen. Er wolle Arbeit finden. Vielleicht etwas, das mit Sport zu tun hat. Das Strahlen aus den Augen verschwindet schlagartig, als ich nach seiner Familie frage. Die Antworten kommen zögerlich. Ali ist vor gut einem Jahr vor dem Bürgerkrieg in Somalia geflüchtet. Er
stammt aus einer Bauernfamilie in Somalia. Er ist der jüngste von vier noch lebenden Geschwistern. Zwei seiner Brüder sind im Bürgerkrieg umgekommen. Als Ali nach dem Interview den Raum verlässt, erzählt seine Deutschlehrerin, dass Ali nicht weiß, ob er seine Familie wohl jemals wieder sehen wird. Alis liebstes Hobby ist der Fußball. Für den Fototermin mit marie posiert er auf der Wiese beim Gaisbühel. Ausgerüstet mit einem Trainingsanzug und mit Fußballschuhen, die er geschenkt bekommen hat. Den Ball muss er sich ausleihen. Er kickt mir den Ball zu. Keine Chance, dass er mich ohne ein kleines Spielchen hätte gehen lassen.
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WARUM WIR UNTERSTÜTZEN
Gutes Miteinander in unserem Land erwächst im gemeinsamen Dialog und gegenseitigem Respekt. Es ist schön, wenn marie dazu künftig einen Beitrag leisten kann. Herzlich Willkommen im Ländle! Claudio Tedeschi, Leiter Kommunikation Caritas
Wir erhoffen uns von der marie einen Beitrag zur Medienvielfalt und dass Themen von Menschen am Rand der Gesellschaft mehr Präsenz erhalten. Außerdem bietet die marie unseren Klienten die Möglichkeit, sich ein paar Euro dazuverdienen zu können, aber auch die Chance auf Begegnungen, die sonst nicht stattfinden würden. Gerne unterstützen wir deshalb die Vorarlberger Straßenzeitung. Peter Mayerhofer, Geschäftsführer der Kaplan Bonetti Sozialwerke in Dornbirn
Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben, werden oft übersehen und überhört. Nun erhebt marie ihre Stimme und rückt damit soziale Themen in den Mittelpunkt. Es ist schön, eine Mitstreiterin in der guten Sache zu haben, die sich stark für die Schwachen macht. Stefan Allgäuer, Geschäftsführer IfS
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Ich hoffe, dass die marie Vorarlberg bunter macht. Mehr Farbe im Land können wir gut gebrauchen, vor allem bei sozialpolitischen Themen. Auch deshalb wird dowas die marie aktiv unterstützen. Michael Diettrich, Geschäftsführer von dowas und Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz
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Mittendrin in V
WEIHNACHTEN IST SCHÖN! OD'R? Bewohner der Kaplan Bonetti Sozialwerke haben der marie erzählt, was ihnen Weihnachten bedeutet, wie sie es feiern oder was sie sich wünschen. Manchen gefällt das Fest sehr, anderen wiederum ist es ziemlich egal. Viele finden es schade, dass Geschenke heutzutage wichtiger sind als das Miteinander der Menschen.
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n Heuer Marko: „Weih der schön.
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et Foto: Harri
Hanekamp
wie jedes Jahr andtit der Verw zu m h ic e rd we ich . Im Vergle schaft feiern es heute ss a d mich, rt ö st r e h ü fr ie Menass gibt. D H r h e m l vie inander n das Mite e b a h n e h sc nachtsMein Weih . n e ss e rg e v enschen dass die M t, is h sc n u w nder statt hr miteina e m r e d ie w n.“ der mache gegeneinan
Foto: Tobias Mittmann
Avni: „Ich bin Moslem, doch
Foto: Tobias Mittmann
erlebe ich hier seit 29 Jahren Weihnachten mit. Ich finde es schön. Die Stimmung und die freundliche Atmosphäre gefallen mir. Einen Christbaum habe ich bisher nie aufgestellt, heuer aber mache ich es vielleicht. Geschenke habe ich an Weihnachten auch schon verschenkt. Es ist gut, wenn man anderen Menschen Freude bereiten kann.“
Bra
gi: „Weihnachten bedeutet mir gar nichts. Ich bin froh, wenn ich an dem Tag meine Ruhe habe. Ich werde fernsehen, schlafen und vielleich t hänge ich Lametta oder Weihna chtskugeln an den Katzenbaum. Ganz geht Weihnachten also do ch nicht an mir vorbei.“
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Foto: Julia Vogt
Mario: „Weihnachten ist für mich eigentlich nic hts Großartiges, ich habe noch nie was damit anfange n können. Einen Chris tbaum werden meine Mitbew ohner und ich aber trotzd em aufstellen und schmü cken. An Weihnachten selbs t gehe ich zur Familie.“
en ist eine
acht Dragan: „Weihn iten überhaupt.
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llt Wei Kuki: „Mir gefäm ehr, weil es
Foto: Liv Stephan
seit Jahren nicht eldsache ist: Wer nur noch eine G meisten. Früher schenkt wem am m, dass man ging es noch daru verbringt, das gemeinsam Zeit n heuer alleine, war schön. Ich bi inen Christstelle deshalb ke iere nicht. Mein baum auf und fe sch ist, dass ich Weihnachtswun zimmerwohendlich eine Zwei “ nung bekomme.
Manuela: „Weihnachten ist
Foto: Nathalie Krajnik
ein schönes Fest. Ich liebe es, wenn alles leuchtet, ich mag die Weihnachtsdeko und die Weihd nachtslieder. Die Menschen sin um Weihnachten herum netter zueinander und lächeln mehr. Das ist der Sinn von Weihnach in ten, nicht die Geschenke. Me Wunsch ans Christkind ist ein er Dach über dem Kopf. Entwed e hier im Bonetti-Haus oder ein eigene Wohnung.“
rich Foto: Daniela Uh
der schönsten Ze ärkte und das Die Weihnachtsm sonders, und Einkaufen sind be finde ich cool. Weihnachtslieder mit ein paar Ich feiere heuer tti-Haus, in die Kollegen im Bone auch gehen. Kirche werde ich achten heute ist, So schön Weihn nnoch besser: früher war es de nicht so viel Da hat man noch ern mehr Zeit eingekauft, sond racht.“ miteinander verb
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Monik
Foto: Gabi K üh
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a: „Weihnachten und den Advent finde ich seh r schön. Ich mag das Bummeln du rch den Weihnachtsm ark kaufen und ei t, Geschenke nfach alles, w as man an Wei hnachten mac ht. An Weihnachten bin ich zuhau se bei der Familie. Mein Weihn achtswunsch wäre: Frieden auf der ganzen Welt. Ich brauche keine Geschenke, nur Frieden.“
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DAS GUTE LEBEN: VON EINEM, DER ES EINFACH TUT Woche für Woche versorgt „Tischlein Deck Dich“ 600 in Not geratene Familien und über 2700 Asylsuchende mit Lebensmitteln, die anderswo aussortiert werden. Das Kapital des Hilfswerks? 300 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein Mann, für den das Gute zu leben alternativlos geworden ist. Eine Erfolgsgeschichte ohne Glanz, Glamour und Pomp. Stattdessen eine zum leisen Staunen.
Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Annabell Stübe
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Elmar Stüttler im unermüdlichen Einsatz für die ehrenamtlich organisierte Sozialtafel Vorarlbergs.
eld war das Wichtigste in meinem Leben. Die von mir geführte Tischlerei hat mir und meiner Familie einen sehr guten Lebensstandard ermöglicht. Den äußeren Umständen nach hätte ich also zufrieden sein müssen“, sagt Elmar Stüttler, der früher Tische zimmerte und sie heute für bedürftige Menschen deckt. 1994 aber der Zusammenbruch. Depression, Ängste, schwere körperliche Beschwerden. Dreißig bis vierzig Besuche bei Ärzten und Heilpraktikern können daran nichts ändern. Genauso wenig wie Medikamente oder stationäre Aufenthalte im Krankenhaus. Schlussendlich prophezeit ihm ein Arzt den Rollstuhl binnen zwei Jahren. Elmar Stüttler am Tiefpunkt seines Lebens. „Da bin ich auf dem Boden gesessen und habe regelrecht nach Gott geschrien, ihn um Hilfe angefleht.“ Er beginnt zu beten. Jeden Morgen fünf Minuten. Zwiegespräche mit Gott, Meditatives, Herzensgebete. Weil es ihm gut tut. Und weil es gut tut, werden die Gebetszeiten immer länger und die Medikamente immer weniger. Nach zwei Jahren ist die Wende vollzogen, eine neue Perspektive tut sich im Studium der Theologie auf. Elmar Stüttler ist zutiefst überzeugt: „Da war
jemand anderes am Werk“ und möchte „etwas zurückgeben“. Wie genau, weiß er noch nicht, aber auch das gehört fortan zu seinem Leben: Im täglichen Gebet die Antworten auf seine Fragen zu finden.
Vom Glauben in die Tat
2000 erhält Elmar Stüttler die Weihe zum Diakon und gibt in Folge Religionsunterricht. Vier Jahre später durchfährt es ihn wie ein Blitz, als er im Radio von der „Münchner Tafel“ hört. Man schreibt den 4. Oktober – der Gedenktag des Mannes der Armen, Franz von Assisi. Elmar Stüttler ist berührt. Dieses Engagement trifft punktgenau auf sein Verständnis von diakonischer Missionsarbeit: Sich Menschen am Rande zu widmen. Nicht theoretisch, sondern ganz praktisch und real. Mit seiner Frau fährt er eine Woche später nach München und läutet damit ein Projekt ein, das beispielgebend werden sollte. Ein halbes Jahr investiert er in die Vorbereitung. Behördengänge, Autokauf, Gespräche mit Ladenbesitzern und Produzenten. Elmar Stüttler erfährt kaum Widerstand, Skepsis schüttelt er ab, offene Fragen übergibt er nach oben. „Tischlein Deck Dich“ startet im April 2005. Seitdem: 80-Stunden-Wochen, keinen Tag Urlaub, Wochenend-Einsätze. Auch: Zufriedenheit, Dankbarkeit, Gesundheit und tiefes Sinnerleben im Tun. Als Be-
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15 Waren, die anderswo aussortiert werden, werden Woche für Woche an bedürftige Menschen verteilt.
freiungsschlag von materiellen Werten, der den Verlustängsten die Angriffsfläche genommen hat, so sieht er es heute.
Verteilen statt vernichten
Bereits ein Jahr nach dem Start von „Tischlein Deck Dich“ erkennt Elmar Stüttler, dass es an der Zeit ist, den Fokus neu zu setzen. Seine Schüler beklagen sich über das ständig klingelnde Telefon, das der Organisation rund um die Sozialtafel geschuldet ist. Stüttler entscheidet sich, das Unterrichten aufzugeben. Den Lebensunterhalt bestreitet er weiterhin über die Tischlerei, den Rest des Tages – sowie darüber hinaus – widmet er dem Aufbau von „Tischlein Deck Dich“. Finanziert wird das Werk von Beginn weg über Sach- und Geldspenden. Auf Zuschüsse vom Land muss Stüttler nur ganz selten zurückgreifen, Unabhängig-
keit ist ihm wichtig. Stand heute: Neun Fahrzeuge bewegen wöchentlich bis zu 25 Tonnen Lebensmittel, 300 Menschen helfen freiwillig als Fahrer, im Lager, bei den Ausgabestellen und über 150 Geschäfte und Produzenten stellen regelmäßig Waren zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einwandfreie Lebensmittel, die aus Gründen von Überproduktion, Verpackungsschäden oder kurzem Verfallsdatum aussortiert werden. Täglich werden in fünf bis acht festgelegten Sammelstrecken die Produkte abgeholt und nach Vandans ins Lager gebracht. Dort wird sortiert und eingeteilt und die Ware an die jeweiligen Ausgabestellen sowie in die Flüchtlingsherbergen geliefert. Hinzu kommen Fahrten ins benachbarte Deutschland, um Überschussware – auch das gibt es bei „Tischlein Deck Dich“ – mit dortigen Sozial-
tafeln zu teilen oder zu tauschen. Wenn beispielsweise 70 Paletten Tiefkühlware abgeholt werden müssen, dann kommt auch das Vandanser Lager an seine Grenzen. Man hat sich dem Grundsatz „verteilen statt vernichten“ verpflichtet und diese Maxime hört erst da auf, wo das Lebensmittel tatsächlich zum Restmüll wird. „Das sind bei uns aber nicht mehr als zwei bis drei haushaltsübliche Eimer pro Woche, so Stüttler. Alles noch irgendwie Verwertbare kommt zum Bauern oder, wenn der Schimmel keine andere Verwertung mehr zulässt, in die Biogasanlage.
Die Scham „dorthin“ zu gehen
Derzeit betreuen die Mitarbeiter von „Tischlein Deck Dich“ rund 600 Familien und erreichen damit 1700 Menschen in Vorarlberg. Bezugsberechtigt sind
Mittendrin in V
Drei Fragen an Elmar Stüttler marie: Was würde sich Ihrer Ansicht nach ändern, wenn „Tischlein Deck Dich“ in eine hauptamtlich organisierte Sozialtafel umgewandelt würde? Elmar Stüttler: Ich nehme bei anderen sozialen, hauptamtlich geführten Organisationen wahr, dass längst nicht alle mit ihrem Herz dabei sind. Um die Liebe zum Tun würde ich fürchten. Und dass es die Menschen nur noch als Job sehen und zu viel in Stunden und Geld gerechnet wird.
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marie: Setzt sich „Tischlein Deck Dich“ auch in politischen Fragen ein? Beispielsweise in der Diskussion rund um die Roma in Vorarlberg? Elmar Stüttler: Wir versuchen zu vermitteln. Die Regierung verhält sich in dieser Frage meiner Meinung nach nicht menschlich. Es kann nicht sein, dass der einzige Lösungsansatz die Abschiebung dieser Menschen nach Rumänien ist. Man kann sich ihre dortige Situation nicht vorstellen. Dort sind sie geächtet. Hierher kommen sie mit dem Wunsch nach Integration. Denn eines weiß ich: Sie wollen die Sprache lernen, ihre Kinder zur Schule schicken, eine Arbeit bekommen. Auch sie wissen, dass sich für sie einiges ändern muss. Dabei kommt es aber eben auch hier traurigerweise vor, dass sie angespuckt werden. Als Christen sind wir aufgefordert, menschenwürdiges Verhalten an den Tag zu legen. Das fängt mit der einfachen Erkenntnis an, dass diese Menschen gleich viel wert sind wie andere. Dass ihr Anderssein in ihrer Tradition und ihrer Geschichte begründet ist. Das fehlende Verständnis ist das Hauptproblem. marie: Ihr Wunsch für „Tischlein Deck Dich“ und die Zukunft der Tafel? Elmar Stüttler: Dass weiterhin so viele Menschen mit Freude mithelfen. Und dass gleichzeitig nicht noch mehr Menschen unsere Hilfe benötigen. Aber auch das ist gelenkt: Bislang ist es sich stets ausgegangen.
Menschen, die sich in einer Notlage befinden und denen eine Berechtigungskarte bei der Gemeinde, dem IfS, der Caritas, Volkshilfe oder der Aktion Leben ausgestellt wurde. In Zahlen liegt die Grenze bei zirka 630 Euro Monatsbezug. „Das ist oft der schwierigste Schritt: Sich einzugestehen, es nötig zu haben und die Scham zu bezwingen“, so Stüttler. Auch das erste Mal dann tatsächlich in die Ausgabestelle zu kommen, koste viel Überwindung. Denn Menschen, die sich keine Lebensmittel mehr leisten können, haben vielleicht bis kurz davor noch ein Einkommen gehabt, eine Familie, ein Leben ohne Krankheit und Existenzängste: Die alleinerziehende Mutter, der 50-Jährige, der Kränkung und Kündigung mit Alkohol betäubt, Empfänger von Mindestrenten. Wer die Gäste von „Tischlein Deck Dich“ betreut, der weiß, dass Bedürftigkeit nicht zwingend sichtbar ist. Armut ist in Vorarlberg nach wie vor ein Tabuthema. „Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich einmal zu euch kommen muss“, diesen Satz hat Elmar Stüttler nicht erst einmal gehört. Um Menschen die Hemmschwelle zu nehmen in einer der Ausgabestellen vorbeizukommen, macht er ihnen das Angebot, vorab mitzuhelfen.
„Wir leben im Paradies“
Inzwischen widmet sich der mit dem Toni-Russ-Preis geehrte Elmar Stüttler ausschließlich seinem Lebenswerk. In der Tischlerei werken derweil andere, der Mieterlös finanziert ihm und seiner Frau das Nötigste zum Leben. Mehr brauchen sie nicht, denn: „Wir leben im Paradies. Aber für ein geglücktes Leben
braucht es eben auch den Sinn und die Zufriedenheit.“ Sagt einer, der einst so am Geld gehangen ist und für den heute das Kostbarste sein unerschütterliches Gottvertrauen ist. Elmar Stüttler macht keinen Hehl draus: Der Glaube spielt eine zentrale Rolle in seinem Leben. Das tägliche meditative Gebet ist seine Kraftquelle, lädt den Akku auf, bietet Raum für das Danke und für die Bitte. Ist die Antwort auf die oft gestellte Frage: „Wie schaffst du das alles?“ Wenn er von menschenwürdigem Verhalten, von der Achtung vor der Schöpfung, von Nächstenliebe und von Barmherzigkeit spricht, dann sind das Begriffe, die sein tägliches Tun prägen. Alles eine Frage des Glaubens? Das Gute zu leben hat ihm jedenfalls das gute Leben zurückgebracht.
Die Ausgabestellen in Vorarlberg immer von 16.00 - 18.00 Uhr: Montag: Bludenz, beim Kloster St. Peter, St. Petergasse 45 Dienstag: Feldkirch, Kapuziner- kloster, Bahnhofstraße 4 Mittwoch: Götzis, vor dem Pfarrzentrum, Hauptstraße 15 Donnerstag: Dornbirn, Kolpinghaus Tiefgarage, Jahngasse 20 Freitag: Bregenz, Kloster Mehrerau, Mehrerauerstraße 66 Unkostenbeitrag: pauschal 50 Cent bei 1-2 Personen pro Familie, 1 Euro bei 3-10 Personen pro Familie
Bezugsberechtigten wird die Bezugsmenge (1/0 steht für 1 Erwachsener/ 0 Kinder) und Reihung (21) in die Handinnenfläche geschrieben, damit in der Ausgabestelle alles fair verläuft.
#1 / Dezember 2015
Diana Khasuyeva (re) malt professionell. In ihren Werken erinnert sie an ihre alte Heimat.
BESCHÄMT, ABER NICHT GEBROCHEN Diana Khasuyeva, 24 Jahre alt, flüchtete vor neun Jahren mit ihrer Familie von Tschetschenien nach Vorarlberg. Sie berichtet der marie von ihren Erfahrungen. Fotos und Text: Diana Khasuyeva Protokoll: Gerhard Hofer
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ir waren in der Heimat nicht mehr sicher, und auf der Flucht haben wir auch immer Angst vor Verfolgung gehabt. Der Lärm der Bomben hat zum Einschlafen gehört wie das Kuscheltier. In Vorarlberg können manche Flüchtlingskinder in der Nacht nicht schlafen, weil sie die Stille beunruhigt. Ich glaube, alle Flüchtlinge haben furchtbare Albträume und denken oft an die Heimat. Aus meiner Sicht ist es besonders wichtig, die Sprache zu lernen. Aber, Deutsch ist eine schwere Sprache für eine Tschetschenin und sicher auch für die meisten anderen Asylsuchenden. Ich habe oft geweint, weil ich mich nicht verstanden fühlte, ausgelacht wurde, weil ich anders aussah, nicht die Sprache beherrschte und keine Ahnung hatte, was von mir erwartet wurde. Heute spreche ich fließend Deutsch und kann anderen Flüchtlingen helfen, den Alltag zu bewältigen. Eine meiner schönsten Erfahrungen war, als mich die Volksschulkinder und die Lehrer nicht ausgelacht haben – bei meinen Versuchen, allein vor der Klasse Deutsch
zu sprechen. Mir hat das Mut gemacht, und ich habe mich immer öfter getraut, in der Öffentlichkeit Deutsch zu sprechen. Und jetzt kann ich so gut sprechen, dass ich als Verkäuferin in einem Modegeschäft arbeiten kann. Mein Traum ist, dass ich von meiner Kunst, der Malerei, leben kann. Ich habe die Hauptschule in Vorarlberg abgeschlossen und habe auch die HTL in Dornbirn besucht, aber es war sehr schwer, weil ich noch zu wenig Deutsch konnte. In Vorarlberg habe ich viel Hilfe und Unterstützung von vielen Seiten bekommen. Ich bin froh, dass wir hier sein können.
Die verlorene Heimat in Bildern
Über die von Flüchtlingen gegründete Organisation VINDEX in Bregenz bekam ich Hilfe bei meiner Suche nach Arbeit und Unterstützung in der Ausbildung. So konnte ich auch die einjährige Kunstschule in Liechtenstein besuchen und dabei meine Freude an der Malerei professionell weiter entwickeln. Meine Werke erinnern an meine Heimat, die es so nicht mehr gibt. Tschetschenien ist ein schönes Land, aber die Politik ist schlecht. In meinen Bildern erinnere ich an die Gemeinschaft, an die Clans, die
über Jahrhunderte das Land geführt haben. Große Familienclans haben eigene Türme als Zeichen des Zusammenhalts und der Eigenständigkeit erbaut. Jeder Clan hatte seinen eigenen Turm, 20-30 Meter hoch, die Größe der Türme symbolisierte die Stärke der Clans. Diese Türme wurden von russischen Soldaten zerstört, wie viele andere Symbole der tschetschenischen Kultur. In meinen Bildern erinnere ich an die Kraft der Gemeinschaft und an die Kultur unseres Volkes. Unsere Identität soll über die gemalten Bilder wieder sichtbar werden. Ich bin sehr gerne in Vorarlberg und bin froh, dass ich jetzt bereits wieder anderen Flüchtlingen helfen kann. Für viele bin ich ein Beispiel dafür, dass auch bei sehr schlechten Startbedingungen eine gute Entwicklung möglich ist. Mein Lebenslauf soll allen verzweifelten Menschen Mut machen. Ich mache jetzt schon Workshops an Schulen, wo ich erzähle, wie es mir ergangen ist und wie wichtig es ist, Menschen Respekt entgegenzubringen, auch wenn sie nicht gut oder gar nicht Deutsch sprechen können. Jeder Mensch braucht andere Menschen, die ihm helfen, ganz besonders wenn er in Not ist.
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Fabienne Landerer kocht und fotografiert leidenschaftlich gerne. Sie ist 19 Jahre alt, in Vorarlberg aufgewachsen und reist jetzt nach der Matura für ein Jahr in Europa herum. Sie verzaubert uns auch aus dem Ausland mit kunterbunten Rezepten. Aus ethischen und ökologischen Gründen verzichtet sie auf tierische Produkte.
VEGANER FESTTAGSBRATEN
Für 2-4 Personen, je nach Größe der Beilage. Kostet pro Person 2 Euro.
Zutaten für den Braten:
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• 1 Packung Seitan fix Pulver (250 g), ist im Biohandel erhältlich • Öl • Bratschlauch • 1-2 Zwiebeln • Salz • Pfeffer • Rosmarin • Knoblauchpulver • Paprikapulver • Fleischgewürz (gibt’s genauso zu kaufen, Achtung vor Fleischextrakten) • Auch super: fixfertiges Bratengewürz im Päckchen
Zutaten für die Sauce:
• 1 Zwiebel • 1 EL Tomatenmark • Fleischgewürz • Paprikapulver • 3 EL Mehl oder 1 EL Maizena • Salz und Pfeffer • Optional: 2-3 EL Rotwein oder 1 TL Sojasauce Man kann auch eine fixfertige Bratensauce nehmen.
Zubereitung Braten:
Ofen auf 150° einschalten. Das Seitanmehl in einen Messbecher geben, abmessen und in eine Schüssel geben. Exakt gleich viel Milliliter Wasser abmessen. In das Wasser 1 EL Fleischwürze, einen TL Salz, einen TL Paprikapulver, eine Prise Pfeffer und Knoblauchpulver, oder das fertige Bratengewürz ins Wasser rühren. Das Gewürzwasser nun langsam in das Seitanmehl kippen und kräftig kneten bis ein schöner „Rohbraten“ entsteht. Zwiebel klein hacken, dann mit jeweils 1 TL Paprikapulver und Fleischgewürz , etwas Rosmarin und 3 EL Öl vermengen. Zusammen mit dem Braten in den Bratschlauch geben und für 45 Minuten ins Backrohr geben. Dann in einer Pfanne Öl auf höchster Stufe erhitzen, etwas Paprikapulver direkt in das Öl geben und den Braten
darin kurz und scharf von beiden Seiten anbraten, damit er eine leckere Kruste bekommt. Fertig.
Zubereitung Sauce:
Zwiebel sehr klein hacken und mit Öl in der Pfanne anbraten. Wenn sie goldbraun sind, in die Mitte der Pfanne etwas Öl hineingeben und direkt im Öl Paprikapulver und Tomatenmark einige Sekunden anbraten. Das Mehl/Maizena hinzufügen, alles verrühren und mit einer Tasse Wasser aufgießen. Mit Fleischgewürz, Salz und Pfeffer würzen. Optional für einen guten Geschmack: 2-3 EL Rotwein und/oder 1 TL Sojasauce. Als Beilage passen Tagliatelle, Naturreis oder Risotto. Guten Appetit!
#1 / Dezember 2015
ESSBARE WILDPFLANZEN, DIE WIR IM WINTER FINDEN Auch im Winter hält Mutter Natur genug Essbares bereit, mit dem man schmackhafte, gesunde und billige Mahlzeiten zubereiten kann. Text: Anna Thoma, Gabriele Schmuck Foto: Shutterstock
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s ist schön, mit Kräutern zu leben, denn auch sie wollen eine Verbindung mit uns haben“, sagte schon Kräuterpfarrer Weidinger. Wir nutzen die Pflanzen als Nahrung für Mensch und Tier, zur Herstellung von Kleidung oder als Baumaterial. Zur Linderung von Schmerzen oder zur Heilung von Krankheiten. Oder wir schmücken unsere Behausungen damit. Wildpflanzen kommen an natürlichen Standorten vor. Am besten harmonieren wir mit Pflanzen, die in unserer unmittelbaren Umgebung wachsen. Sie gedeihen mit derselben Energie, die auch wir aus der Natur schöpfen. Oft sind Wildkräuter kleiner als gezüchtete Kulturpflanzen. Dafür sind sie reicher an Vitaminen, Mineralstoffen und natürlichen Aromen. Besonders Kalium, Eisen, Vitamin C und A sind meist in höheren Konzentrationen vorhanden. Aber Vorsicht beim Pflücken: Einige Kräuter können für den menschlichen Körper auch giftig sein. Deshalb dürfen nur jene Pflanzen gesammelt werden, die man zweifelsfrei erkennt und über deren Wirkung man gut informiert ist. Auch stehen manche Gewächse unter Naturschutz. Daher gilt: nur soviel sammeln, dass dem natürlichen Fortbestand nicht geschadet wird. Selbst im Winter finden wir noch Grünes und Essbares. Sei es eine frisch geerntete Spitzwegerichwurzel, die unseren Speiseplan bereichert, oder Labkraut und Löffelkraut, das wir unter der Schneedecke finden. Unseren Speiseplan im Winter bereichern auch Blätter der Brombeere, die Knoblauchrauke, die uns an den Knoblauch erinnert und als Gewürz die Nelkenwurz. Getrocknete
Kräuter begleiten uns durch das ganze Jahr als Tee oder Gewürze. Gabriele Schmuck aus Bregenz hat schon seit Jahren Wildpflanzen auf ihrem Speiseplan. Hier ihre erprobten Rezepte mit Pflanzen, die auch im Winter zu finden sind:
Brennnesselspinat:
Zwei Hände voll frische Brennnesselblätter pflücken. Dabei die oberen Blätter der Pflanze verwenden. Blätter blanchieren (kochen), Wasser abgießen. 1 Zwiebel fein schneiden, in Butter rösten, blanchierte Brennnesselblätter dazugeben und mit Sahne verfeinern. Mit Salz und Pfeffer würzen. Soll der Spinat cremig werden, kann man mit einem Pürierstab das Gemüse pürieren. Natürlich können je nach Ernteertrag auch Spitzwegerich oder Löwenzahn dazugemischt werden. Von Natur aus sind Wildpflanzen meist niedriger an Nitratgehalt als kultivierter Salate oder Gemüse. Die Brennnessel ist aber von Natur aus reich an Nitrat, ganz besonders die älteren Blätter. Da ein Teil des Nitrats beim Kochen in das Kochwasser übergeht, wird der Nitratgehalt stark reduziert. Dies ist der Grund, warum man zur Zubereitung von Spinat auch ältere Blätter verwenden und mit gutem Gewissen genießen kann. Das Kochwasser sollte aber dann bestenfalls als Pflanzendünger Verwendung finden. Für Tee oder zum Trocknen sollten nur junge Brennnesselblätter verwendet werden. Ebenso eignen sie sich auch, um Nudeln grün zu färben.
Kaugummi-Gras
Das Gras um den Finger wickeln und gut kauen. Es nimmt den schlechten Mundgeschmack und reinigt zugleich die Zunge. Nicht unbedingt schlucken wegen der starken Fasern. Kaugummi wird ja auch nicht geschluckt.
1-2 Tannennadeln kauen
(Rot- und Weißtannen, aber keine Eibe, denn die ist giftig!) Gegen Husten, zerkauen.
Haselnussschwänzchen
Sie sind ein Vitaminschub. Geschmacklich nicht sehr gut – sie können aber perfekt in Kartoffelpüree gemischt werden.
Spitzwegerichsuppe
Je eine Zwiebel, Kartoffel und Karotte fein hacken, mit etwas wildem Thymian, Nelkenwurz und Majoran in 1 EL Öl anschwitzen. Zwei handvoll Spitzwegerich grob schneiden und dazugeben. Mit 1/8 L Weißwein ablöschen, mit ¼ L Wasser aufgießen und 15 Minuten köcheln lassen. Mit Suppenbrühe, Salz und Pfeffer würzen.
Nelkenwurz
Sie blüht auch im Winter und ist ein Würzkraut. Passt aber auch sehr gut in unsere Salate.
Labkraut
Das Labkraut ist unter der Schneedecke zu finden. Es ist als Salatgrundlage geeignet und kann auch in großen Mengen gegessen werden.
Smoothie
Eine Hand voll Labkraut, etwas Blätter der Walderdbeere, Gundermann, ½ Banane, ein Apfel, etwas Wasser, mit einem speziellen Mixgerät mixen.
Buchtipp: „Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden“. Von Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger. AT-Verlag.
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EINE ZIEMLICH VERFAHRENE SITUATION Die Romadiskussion erhitzt die Gemüter. Derweil versucht man dem Ganzen mit Verboten beizukommen. Betteln nur unter gewissen Auflagen, Campieren gänzlich gestrichen. Sind das wirklich schon die letzten Antworten?
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ls man der jungen Roma Sonia droht, ihr das neugeborene Kind wegzunehmen, wenn sie weiterhin ohne fixes Heim bleibt, bietet ihr die evangelische Pfarrersfamilie Meyer in Dornbirn als Übergangslösung ein Zimmer in ihrem Haus an. Michael Meyer möchte mit dieser Aktion einerseits der jungen Familie helfen, gleichzeitig aber auch aufmerksam machen auf die Not dieser Menschen und zeigen, was auch möglich ist. marie traf sich mit dem engagierten Pfarrer zum Interview.
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marie: Der Unmut der Bevölkerung über die Roma ist größer als die Bereitschaft ihnen einen Platz in unserer Gesellschaft einzuräumen. Woran liegt das in Ihren Augen? Michael Meyer: Ich sehe zwei Aspekte. Zum einen ist die Versorgung der eigenen nicht oder prekär beschäftigten Bevölkerung schon dürftig. Zu spät hat man begonnen der Armut hier im Land mit langfristigen Strategien zu begegnen. So gibt es allein in Dornbirn 1000 Wohnungssuchende. Wenn dann 100 Roma kommen, die keinen vernünftigen Rechtsstatus haben, sich keine Wohnung leisten können, Arbeit suchen aber ohne Schulabschluss und Ausbildung keine bekommen, dann haben sie den weitaus schwierigeren Stand als beispielsweise Flüchtlinge. Denn diese verfügen zumindest über einen Status. Roma als Notreisende haben kaum eine Möglichkeit, ihre bedürftige Situation zu rechtfertigen. Nach spätestens drei Monaten ohne fixe Bleibe können sie des Landes verwiesen werden. Soviel zur Ausgangsund Rechtslage. Hinzu kommt der täglich größer werdende Frust über die ungelöste Problematik und die eigene Ohnmacht: Da sitzen beispielsweise Menschen im Zug und werden Tag für Tag angebettelt. Hier die dringende Not, versorgt zu werden, da die emotionale Not der anderen, sie jetzt
nicht in einem befriedigenden Ausmaß versorgen zu können. Diese unkontrollierte Situation schürt Abwehr und Fremdenhass. marie: Wie versorgen sich denn die Familien, die nicht in den Bus zurück nach Rumänien gestiegen sind, tatsächlich? Michael Meyer: Die Situation war schlechter denn je, als der Winter hereingebrochen ist. Vom Roten Kreuz gab es zwar Decken, aber sie durften sich damit nirgends hinlegen. Eine Familie hatte sich hinter einer Mülltonne versteckt, um etwas Schlaf zu bekommen, wurde aber auch da vertrieben. Mittlerweile haben die Stadt Dornbirn und das Land Vorarlberg das Problem begriffen und versuchen, diesen Menschen wenigstens provisorisch ein Dach überm Kopf zu geben. marie: Wieso sind die hier verbliebenen Roma Ihrer Meinung nach nicht in den Bus gestiegen? Michael Meyer: Ich habe eine Frau gefragt, ob sie zurückfahren würden, wenn ihr eine Wohnung zugesagt wird. Sie hat mir signalisiert, dass sie nicht an die versprochene Hilfe glaubt. Man muss sich das vorstellen: Trotz Bettelund Campierverbot wollen sie lieber hier bleiben als zurückzukehren in dieses Land.
Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Bettina Bohne
marie: Aber Pater Sporschill hat ebenfalls seine Hilfe vor Ort zugesichert. Michael Meyer: Ohne Frage realisiert Pater Sporschill sehr gute Projekte gerade auch im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe. Aber auch er kann nicht alle erreichen. Und diesen Menschen, die jetzt aktuell hier sind, müsste man zumindest eine Brücke bauen, die ihnen Sicherheit gibt. Ein Retourbus ist dafür nicht genug. Denn die Versorgung der Armutsbevölkerung in Rumänien ist ungelöst. Das trifft die Roma ganz besonders, weil sie als Ethnie geächtet sind. Wer weiß, wo die EU-Gelder, die zur Integration der Roma in Rumänien geflossen sind, geblieben sind. Jedenfalls ist das Armutsproblem eine ungelöste Katastrophe. marie: Sie sprechen von einer Brücke. Wie könnte diese ausschauen? Michael Meyer: Die öffentliche Hand muss begreifen, dass in soziale Arbeit investiert werden muss. Richtiggehend Streetwork muss betrieben werden. Neuankömmlinge müssten in einer Auffangstelle empfangen und registriert werden. Spezifische und personenbezogene Erstversorgung inklusive. Gleichzeitig müsste die Zusammenarbeit unserer Hilfsorganisationen wie Caritas oder Rotes Kreuz mit den rumänischen Behörden gesucht werden. Leider wurde stattdessen nur versucht,
#1 / Dezember 2015
Wissenswertes über Roma • Vor rund 1000 Jahren sind die Roma von Indien nach Europa gekommen. Sie wurden von vielen Herrschern verfolgt und hingerichtet. Über die Türkei gelangten sie in den Balkan und über Nordafrika nach Spanien.
Seit Anfang Oktober macht die bildende Künstlerin Bettina Bohne aus Dornbirn eine Fotodokumentation der Roma in Vorarlberg. Sie hat die Roma im Waldcamp in Nenzing sowie an der Dornbirner Ach besucht und sie am Bahnsteig Dornbirn fotografiert. Ein weiterer Schwerpunkt waren und sind die bettelnden Roma-Frauen. Einige Bilder dieser Dokumentation hat Betttina Bohne marie zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!
das Problem auf reinem Verordnungsweg zu lösen. Mit Abschieben und Verboten. marie: „Zu faul zum Arbeiten“, „unverschämt“ und „undankbar“, das sind gängige Zuschreibungen in der Bevölkerung. Was gilt es diesen Vorwürfen zu entgegnen? Michael Meyer: Aufgrund ihrer Diskriminierung sind viele Roma ausgeschlossen vom Bildungssystem und damit auch ausgeschlossen von der Einführung in eine Kultur. Ohne Kultur aufzuwachsen heißt auch, mit den Regeln einer Gesellschaft nicht oder zu wenig vertraut zu sein. Da kann es passieren, dass die geschenkte Wurstsemmel vor den Augen des Spenders in der nächsten Mülltonne verschwindet. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil man sie nicht braucht oder mag und nicht gelernt hat, das höflich zu verbergen oder dankend abzulehnen. Aber auch wenn sich Menschen nicht so verhalten, wie wir es erwarten, haben sie das Recht auf Wahrung ihrer Menschenwürde. Wir sind es, die ihnen vorleben müssen, was es heißt eine Kultur der Menschlichkeit zu pflegen. Und was den Arbeitswillen angeht: Die Roma wollen arbeiten. Dafür ist aber ihr Bildungsstand oft unzureichend, aber ohne fixen Wohnort kann auch für Bildung
nichts getan werden. Eine ziemlich verfahrene Situation. marie: Sie sind einer, der aktiv hilft. Werden Sie angefeindet? Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, dass noch mehr kommen, wenn wir diese Menschen hier versorgen? Michael Meyer: Mag sein, dass mein Verhalten von Seiten der öffentlichen Hand als provokant empfunden wird. Mir geht es jedoch nicht um Polemik oder Kritik, sondern um Lösungen für betroffene Menschen. Es gilt für die zu sorgen, die jetzt im Augenblick da sind und unsere Hilfe benötigen. „Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der bei euch lebt“, steht in 3. Mose 19,34. So aktuell kann die Bibel sein. Wir haben für diese Menschen einen Auftrag. Und zwar hier - auch und gerade, wenn wir wissen, dass vor allem in Rumänien für bessere Bedingungen gesorgt werden muss.
Michael Meyer, evangelischer Pfarrer.
• 10 bis 12 Millionen Roma und Sinti werden in Europa gezählt. Zusammengefasst in einem Staat wäre dieser der neuntgrößte Europas. In Wahrheit siedeln sie jedoch verstreut an den Rändern großer Städte, teils unter miserablen Bedingungen. Rumänien ist dabei das Land, in dem mit Abstand am meisten Roma wohnhaft sind: über 1,9 Millionen. In Österreich sind es 37.500. Nur rund fünf Prozent leben heute noch als Reisende in Wohnwagen. Roma, die bei uns in Vorarlberg landen, sind zumeist keine Durchreisende, sondern gelten als sogenannte Notreisende auf der Suche nach einer besseren Lebensperspektive. • In der NS-Zeit wurde eine halbe Million Roma und Sinti ermordet, die Stigmatisierung endete jedoch nach dem Holocaust nicht. Ihre Ausgrenzung findet bis heute statt und hat zur Organisation von Vereinigungen geführt, die auf internationaler Ebene für Gleichberechtigung kämpfen. • Die Sprache der Roma ist das „Romani“. Sie ist der indoarischen Sprachfamilie zugehörig und zeigt Verwandtschaft mit dem Sanskrit auf. Über Jahrhunderte wurde Romani nur mündlich überliefert, als Schriftsprache entwickelte sie sich erst ab dem 20. Jahrhundert. • Es wird empfohlen, das Wort „Zigeuner“ wegen seiner abfälligen Konnotation nicht zu verwenden. Es wird zu den Begriffen „Roma“ und „Sinti“ geraten - mit dem Verweis, dass es „die Roma“ als in sich geschlossene Kultur nicht gibt, sondern eine Vielheit an Kulturen die Ethnie der Roma ausmacht.
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Mittendrin in V
OBDACHLOS, AUSGEGRENZT, UNERWÜNSCHT Wie Nicolae, Florentina und ihre sechs Kinder leben viele Roma in unfassbarer Armut. Auf ihrer Suche nach einer besseren Perspektive sind einige von ihnen auch in Vorarlberg gelandet. Text und Foto: Simone Fürnschuß-Hofer
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uf der einen Seite ein Europäischer Sozialfond zur Förderung von Good-Practice-Projekten, ein vom Bundeskanzleramt entwickelter Maßnahmenkatalog zur Integration der Roma in Österreich sowie zahlreiche Roma-Vereinigungen im deutschsprachigen Raum, die mehr oder weniger erfolgreich gegen die Diskriminierung der Roma kämpfen. Andererseits Überforderung und Frust auf allen Seiten, wenn eine Gruppe notreisender Roma ihren Platz einfordert und – wie jüngst in Vorarlberg – keine Maßnahmen zur Verfügung stehen, um auf diese Armutszuwanderung adäquat zu reagieren. Nicolae C. (37) ist kein Teil dieser Gruppe, er lebt jedoch seit drei Jahren unter schwierigsten Umständen in Vorarlberg. Nicolae weiß, was es heißt, kein Dach über dem Kopf zu haben. Sein größter Wunsch wäre es, hier für seine achtköpfige Familie ein Leben aufzubauen. Zweifelsohne will er arbeiten, will sich integrieren. Höflichkeit und Dankbarkeit, Fleiß und Hilfsbereitschaft sind Werte, die ihm wichtig sind. Gleichzeitig ist er ständig mit der Stigmatisierung als Roma konfrontiert. Was auf folgende trostlose Bilanz hinausläuft: Drei Jahre lang schlief er auf der Straße und bewohnt zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit der marie einen kleinen, unbeheizten Wohnwagen auf dem Parkplatz der Evangelischen Pfarrgemeinde Dornbirn. Seine Frau Florentina und ihr Sohn David sind seit Mitte November ebenfalls in Vorarlberg, die fünf weiteren Kinder verblieben mehr oder weniger auf sich allein gestellt in Rumänien. Eine Arztfamilie hat sie dort in einem Zelt auf ihrem Grundstück untergebracht.
Vermitteln von Sprache und Verhaltensregeln
Seit Wintereinbruch ist auch für Nicolae der Bedarf nach einer fixen Bleibe dringlicher denn je. Zumal die Familie wieder zusammengeführt werden muss. Die emotionale Belastung für Eltern wie Kinder ist enorm, und offenbar droht das rumänische Sozialamt mit Wegnahme der zurückgebliebenen Minderjährigen. Indes versucht Nicolae, der als einer der wenigen Roma in Vorarlberg Deutsch spricht, sich als Übersetzer und Vermittler zwischen österreichischen Behörden und Roma nützlich zu machen. Dabei geht es nicht nur um die Überbrückung von Sprachbarrieren, sondern auch um die Vermittlung von Verhaltensregeln. „Die fehlende Bildung ist oft ein Problem“, meint Nicolae und sagt daher auch seinen aktuell in Vor-
Nicolae – hier mit seiner Frau und Sohn David – will sich im Ländle integrieren.
arlberg lebenden Landsleuten klipp und klar, dass sie nicht nach der ganzen Hand greifen dürfen, wenn man ihnen den kleinen Finger reicht. Wie wichtig ein Danke ist und wie destruktiv ein Schimpfwort bei ausbleibender Hilfe.
Nicht freiwillig gewählt
Wer jahrhundertelang ausgegrenzt wurde und keinen Platz in der Gesellschaft hat, dem ist auch heute der Zugang zu Schulbildung, Arbeit und Wohnraum oftmals verwehrt. Dabei gilt es aufzupassen, nicht in die Klischeefalle zu tappen. Nicht davon auszugehen, dass es der Volksgruppe der Roma grundsätzlich an zivilisiertem Bewusstsein und kultureller Identität fehle. Ende November hat das „Centro Romano“ deshalb bereits seinen zweiten Bericht zu „Antiziganismus in Österreich“, also der Abneigung gegenüber Sinti und Roma, präsentiert und darin Fälle von Diskriminierung gegenüber Menschen, denen zugeschrieben wird, „Zigeuner“ zu sein, dokumentiert. Nomadentum sowie eine parasitäre, gesetzeswidrige und archaische Lebensweise sind nur einige jener Vorurteile, die sich in Wort- und Bildsprache in den Medien immer wieder zeigen. „Die Menschen leben nicht so, weil sie ‚als Roma‘ nicht anders können oder wollen, sondern weil die fehlende gesellschaftliche Teilhabe kein anderes Leben zulässt“, heißt es im Bericht. „Nur weil ich Roma bin, muss ich nicht klauen“, so Nicolae, der selber schon Verleumdungen ausgeliefert war und seine Unschuld über Videomitschnitte beweisen konnte. Ihm ist klar, solange ihm niemand die Chance auf Arbeit gibt und solange er keinen Zugang zu Wohnraum hat, solange wird es für ihn und seine Familie auch keine Perspektive geben. Weder hier noch dort noch irgendwo.
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VORARLBERGRÄTSEL 1
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Autor: Kurt Trinko (C) Ed. Hölzel, Wien, www.hoelzel.at
Waagrecht 1 Das obere Illtal ist das ... 3 Höchster Berg Vorarlbergs (3312m), 2 Wörter 4 Gipfel (2044m) im Bregenzerwald (siehe Bild) 8 Ort im Kleinwalsertal 10 Das untere Illtal ist der ... 11 Größte Stadt im Rheintal 13 Fluss im Bregenzerwald 14 Landeshauptstadt
Senkrecht 2 Pass (1793m) an der Grenze von Vorarlberg nach Tirol 3 Berg (1063) östlich der Landeshauptstadt 5 Gebirgszug an der Grenze zur Schweiz und zu Italien 6 Gebirge südwestlich der Landeshauptstadt 7 Stadt im unteren Illtal 9 Größter See des Landes 12 Größter Fluss des Landes
Lösung Waagrecht: 1 Montafon, 3 Piz Buin, 4 Kanisfluh, 8 Mittelberg, 10 Walgau, 11 Dornbirn, 13 Bregenzerach, 14 Bregenz. Senkrecht: 2 Arlberg, 3 Pfaender, 5 Silvrettagruppe, 6 Vorderwald, 7 Feldkirch, 9 Bodensee, 12 Rhein.
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„FÜR LEISTBAREN WOHNRAUM MUSS LAND SCHULDEN MACHEN“ Das Thema „Leistbarer Wohnraum“ ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. dowas-Geschäftsführer Michael Diettrich führt das auf eine verfehlte Wohnbaupolitik zurück. Seine Forderung: Das Land muss sofort Geld in die Hand nehmen und ein großangelegtes Wohnbauprogramm starten. Text und Fotos: Frank Andres
fen zu wollen, reichen laut Diettrich nicht aus. „Wir brauchen die Wohnungen viel schneller.“ Wie soll das funktionieren? Der dowas-Geschäftsführer schlägt vor, die Wohnbaustandards zu ichael Diettrich ist ein kritischer Geist. Ein Mahner. ändern. „Ich halte den Passivhausstandard für den gemeinnütEin Mann, der sich traut, die Wahrheit zu sagen. zigen Wohnbau für nicht sinnvoll. Niedrigenergie reicht völlig Auch wenn sie anderen nicht schmeckt. „Seit zehn aus. Es müssen auch nicht alle Wohnungen behindertengerecht Jahren rede ich über den leistbaren, gemeinnützigen Wohnbau. gebaut werden.“ Diettrich glaubt auch, dass es notwendig sein Jahrelang hat das niemanden interessiert. Wohl auch deshalb, wird, die Raumpläne in den Gemeinden weil von der Wohnungsnot vor allem zu ändern. „Die verdichtete Bauweise arbeitslose Männer betroffen waren“, muss forciert werden.“ So ein ehrgeizivermutet der Geschäftsführer des Verges Wohnbauprogramm wird laut Dietteins dowas. Jetzt aber ist das Thema in rich Geld kosten. Viel Geld. „Das Land der Mitte der Gesellschaft angekommen. wird Schulden machen müssen, um den „Mittlerweile können sich viele FamiliMenschen wieder ausreichend bezahlen mit Kindern, aber auch Menschen, baren Wohnraum zur Verfügung stellen die einen Vollzeitjob haben, das Wohzu können.“ Das alles wäre jetzt nicht nen nicht mehr leisten. Das ist das Renotwendig, wenn frühzeitig gegengesultat einer verfehlten Wohnbaupolitik steuert worden wäre, ist der gelernte Sodes Landes“, konstatiert der diplomierte zialarbeiter überzeugt. „Dieses Mehr an Sozialarbeiter. Statt sozialen Wohnbau Bereits seit zehn Jahren thematisiert Michael DiettWohnraum hätte sich dämpfend auf die zu fördern, habe man das Geld in die rich den leistbaren, gemeinnützigen Wohnbau. Mietpreise ausgewirkt.“ Förderung von Eigenheimen gesteckt. Die Initiative zur Aktivierung von „Diese Versäumnisse rächen sich heute“, Leerständen wird von Diettrich ausdrücklich begrüßt. Er meint Diettrich. Das Resultat: Allein in den letzten fünf Jahren seien die Mietpreise in Vorarlberg um bis zu 40 Prozent geglaubt aber, dass der Erfolg dieser Aktion überschätzt wird. Ein beträchtlicher Teil der geschätzten 7000 bis 10.000 leerstestiegen. Der Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz geht henden Wohnungen in Vorarlberg befänden sich im höheren davon aus, dass jeder dritte Vorarlberger jeden Cent zwei Mal Preissegment. „Die sind für untere Einkommensschichten gar umdrehen muss, bevor er ihn ausgibt. „Das weiß ich aus meiner nicht leistbar. Und ein Teil der Wohnungen sind Anlageobjekpraktischen Erfahrung und Vergleichsstudien in Deutschland.“ te, die gar nicht zur Vermietung gedacht sind.“ Die Pläne der Landesregierung, bis 2019 insgesamt 2500 gemeinnützige Wohnungen gemeinsam mit der Vogewosi schaf-
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DIE GROSSE FRAGE ... „Werden Vorarlberger bei der Wohnungssuche benachteiligt?“
Die Caritas unterstützt die Flüchtlinge bei der Wohnungssuche in Vorarlberg, indem sie für diese Unterkünfte sucht und sogar Mietgarantien abgibt. Warum tut sie das nicht auch für bedürftige Einheimische? Michael M. Natter: Die Wohnungslosenhilfeeinrichtungen in Vorarlberg erleben derzeit eine große Herausforderung in zweifacher Hinsicht: Zum einen gilt es, sehr engagiert Menschen in Vorarlberg, die in prekärem Wohnraum leben, so zu unterstützen, dass sie eine leistbare Wohnung finden können – andererseits geht es darum, den obdachlosen, neu zugewanderten, anerkannten Asylberechtigten überhaupt ein Obdach zur Verfügung stellen zu können. Bei Obdachlosigkeit wird bei den Lösungsansätzen überhaupt keine Unterscheidung gemacht, ob es eine „einheimische“ oder eine bleibeberechtige Person ist. Wir engagieren uns für alle betroffenen Gruppen gleichermaßen.
Michael M. Natter, Fachbereichsleiter Sozial-Beratung/ Begleitung der Caritas Vorarlberg.
#1 / Dezember 2015
SCHACH VERBINDET Julia kam aus der Slowakei, Milan aus Bosnien. Das Schachspiel hat sie in Vorarlberg zusammengeführt. Gemeinsam holten sie den Denksport im Ländle aus dem Dornröschenschlaf.
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chach ist ein fantastisches Mittel, um jegliche Barrieren abzubauen. Ob auf der Nationalitätsebene, der Religionsebene oder auf der Sprachebene“, sagt die gebürtige Slowakin Julia Novkovic im Gespräch mit marie. „Die Begegnung mit dem Gegner als Mensch, unabhängig von der Herkunft - das erleben wir täglich, und das leben wir auch vor.“ Julia Novkovic ist Meisterin des Weltschachbundes FIDE und lebt seit Anfang der 1990er Jahre in Vorarlberg. Seitdem ist sie als Schach-Nachwuchstrainerin tätig. 2010 schloss sie als erste Frau in Österreich die Ausbildung zum A-Trainer ab. Hauptberuflich ist sie Mathematik-Lehrerin. Julias Ehemann, der Internationale Schachmeister Milan Novkovic, kam Ende der 1980er Jahre aus Bosnien nach Dornbirn. Damals war Vorarlberg ein Schach-Niemandsland. Bei österreichischen Meisterschaften ritterten das Burgenland und Vorarlberg jeweils um die letzten Plätze. Das änderte sich schlagartig, als Julia und Milan anfingen, den Vorarlberger Nachwuchs zu trainieren. Auf Initiative von Reinhard Kuntner vom Schachklub Hohenems wurde 1993 ein regelmäßiges Kadertraining für die talentiertesten Nachwuchsspieler eingeführt. Nicht einmal ein Jahr später war Vorarlberg DIE Überraschung bei den Nachwuchs-Staatsmeisterschaften. Neun der zehn Vorarlberger Teilnehmer holten eine Medaille! Es ging ein Raunen durch die Schachszene. In der Folge
kopierten andere Bundesländer das erfolgreiche Vorarlberger Modell. Inzwischen ist Schach auch in Vorarlberg ein Breitensport geworden. Zahlreiche Zöglinge von Julia und Milan Novkovic haben den Sprung an die nationale Spitze geschafft. Der Lustenauer Georg Fröwis wurde 2011 als 21-Jähriger Österreichischer Staatsmeister und ist eine Stütze der Nationalmannschaft. Auch seine Schwester Annika hatte schon Einsätze bei Nachwuchs-Weltund Europameisterschaften. Talente wie Luca Kessler, Benjamin Kienböck oder Leopold Wagner sitzen in den Startlöchern für künftige Vorarlberger Schacherfolge.
Julia und Milan Novkovic trainieren den Schachnachwuchs im Land.
Ragger, Markus 2625 Froewis, Georg 2421 Wien 2014
Kessler, Luca 2206 Fauland, Alexander 2487 Linz Staatsmeisterschaft 2011
Stellung nach 13.b5
Stellung nach 23... Tb4
Sxd4!! 14.Sxd4 fxe5 15.Se2 Da5+ 16.Kf1 e4 17.Lc2 Lxa1 18.Dxa1 Dd2 19.Dc3 Dxc3 20.Saxc3 Ld7 21.Ke1 Tac8 22.Lb3 Tc5 23.a4 a6 24.b6 Tfc8 25.Kd2 T8c6 26.Tc1 Kf8 27.f4 Ke7 28.f5 Kd6 29.f6 Le8 30.Lc2 Lg6 31.Lb1 Txb6 32.Lxe4 dxe4 33.Ke3 Ke5 34.Tf1 Lf7 35.Tf4 Tb3 36.Txe4+ Kxf6 37.Tf4+ Ke7 38.Kd2 Tb2+ 39.Kd3 e5 40.Tf2 Lc4+ 0-1
Mit welchem Zug kam Luca entscheidend in Vorteil? (Lösung: siehe unten)
Lösung 24.Sg5!! Es folgte noch: 24. … Sxg5 25.Da3 h5 26.Dxb4 h4 27.g4 Se6 28.Dc4 g6 29.Te1 Sf4 30.e3 Sxg2 31.Kxg2 dxe3 32.Txe3 Kf8 33.De4 Sg8 34.De8+ Kg7 35.Tf3 Sh6 36.Dd7 Dd4 37.Dxb7 Dxb2 38.Dc6 1-0
Text: Gernot Hämmerle Foto: Marko Blaskovic
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Anders Leben
DAS LEBEN IST BUNT UND VIELFÄLTIG In vielerlei Hinsicht ähnelt sich das Leben der Vorarlberger: Wir gehen in den Kindergarten und in die Schule, wir kaufen im Supermarkt oder im Tante-Emma-Laden unsere Lebensmittel, wir benutzen Handys, Smartphones und Internet, der Sonntag ist in unserer Kultur der Ruhetag etc. etc. Manche Vorarlberger aber gehen ganz eigene Wege – sie leben anders. Welch Glück, dass wir in einem Land zuhause sind, in dem dies möglich ist. Wie solch andere Lebensentwürfe aussehen und weshalb sie gelebt werden, zeigt die marie mit „Anders leben“.
DAS SCHEITERN GEHÖRT IMMER DAZU 26
Carolin (40) und Daniel (35) Kutzer aus Hard ernähren sich nur von Gemüse, das in ihrem Garten wächst. Was vor fast drei Jahren als Experiment begonnen hat, ist für beide heute ein zentraler Bestandteil ihres täglichen Lebens. Ans Aufgeben hat das Ehepaar bisher noch nicht gedacht. Sie geben aber zu, dass das Scheitern als Selbstversorger immer eine Option ist. Text und Fotos: Frank Andres
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ngefangen hat alles mit dem Wunsch sich bewusster zu ernähren. „Ich wollte nicht mehr so viel Müll produzieren und auch zu mir nehmen“, erklärt Carolin Kutzer ihre Motivation, zur Selbstversorgerin zu werden. Im Februar 2013 macht sie dann Nägel mit Köpfen. Sie mietet sich in Hard ein Häuschen samt Garten. Carolin beginnt Gemüsebeete anzulegen. Das ist der offizielle Startschuss für das Projekt „Selbstversorger“. Die gelernte Kinderkrankenschwester geht aber nicht gänzlich unvorbereitet ans Werk. Sie hatte zuvor Kurse in Permakultur, Kleintierhaltung und Käsekultur besucht. Trotzdem gestaltet sich das erste Jahr richtig hart. „Ich bin täglich um 5 Uhr in der Früh in den Garten gegangen und erst um 21 Uhr wieder zurück ins Haus. Da hatte ich oft nicht einmal Zeit, um Mittag zu essen“, erzählt die 40-Jährige von ihren beschwerlichen Anfängen. Dann, im Sommer 2013, meint es das Schicksal gut mit ihr. Sie lernt Daniel, einen gelernten Landwirtschaftstechniker, kennen. Kurze Zeit später heiraten
Glückliche Familie: Carolin Kutzer und Ehemann Daniel mit Sohn Samuel (drei Monate alt).
sie und leben seitdem gemeinsam ihren Traum vom Selbstversorger. Zwei Sommer später ist das Ehepaar Kutzer überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Tomaten, Paprika, Bohnen, Sprossenkohl, Randig, Salate und Co. gedeihen prächtig im 600 Quadratmeter großen Gartenparadies. Zudem werden auf 1000 Quadratmetern Ackerfläche ohne Pflug Kartoffeln, Dinkel, Roggen, Riebelmais, Vorarlberger Einkorn und Hirse angebaut. „Wir setzen dabei bewusst auf eine ökologische Bewirtschaftung. Es wird nur eigener Kompost zur Düngung verwendet“, betont Daniel. Als Selbstversorger müsse man aber auch immer wieder Rückschläge verkraften. So habe der Dinkelanbau letztes Jahr überhaupt nicht funktioniert. „Das Scheitern“, erklärt Carolin, „gehört einfach dazu.“ Ans Aufhören hätten die Eltern des drei Monate alten Samuel aber noch nie gedacht. Im Gegenteil: Sie freuen sich bereits aufs nächste Gartenjahr.
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INTENSIV UND NATÜRLICH ZUSAMMENLEBEN Acht Kinder, Hausgeburten, keine Windeln, keine Kinderwagen: Susanne und Helge Delpin aus Feldkirch leben ihr Familienleben ein wenig anders als andere. Natürlichkeit, ein intensives Zusammenleben, Freiheit und Selbstbestimmung ihrer Kinder sind ihnen wichtig. Text: Elisabeth Willi Fotos: Alexander Mohr, privat
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ehn Familienmitglieder zählt die Familie Delpin: Mama Susanne (38) und Papa Helge (46) sowie die acht Kinder Gwendolyn (18), Sara (16), Lucy (11), Moriz (9), Marie(7), Mina (5), Felix (3) und Ilvy (1). Allein die Größe dieser Familie ist ungewöhnlich. Darüber hinaus hat sich das Ehepaar Delpin – von der Geburt ihrer Kinder bis zur Schule – für Wege entschieden, die in unserer Gesellschaft kaum begangen werden. Zu Besuch bei Delpins an einem Donnerstagvormittag, es sind keine Schulferien: Rund um den großen Holztisch in der Küche sitzen fünf Kinder, ihre Mutter erklärt, welche Gemeinschaftsaufgaben heute anstehen und nachdem die Kinder selbst entschieden haben, wer was macht, verlassen sie den Raum. Nur die einjährige Ilvy bleibt, versteckt sich mal hinter ihrer Mama, mal klettert sie auf ihren Schoß. Währenddessen erzählt Susanne Delpin entspannt von ihrem Lebens- und Familienmodell. Die meisten ihrer Kinder sind per Hausgeburt zur Welt gekommen. Sie hat sie gestillt, solange sie wollten – teilweise, bis sie sechsjährig waren. Kinderwagen sucht man im Hause Delpin vergebens, die Buben und Mädchen wurden und werden von ihren Eltern getragen. Auch Windeln wird man bei Delpins nicht finden, die Eltern erkennen die Signale, wenn ein Kleines mal muss und halten es über das Töpfchen. Die jüngeren Delpin-Kinder gehen nicht zur Schule, stattdessen können sie selbstbestimmt und frei zuhause lernen. Es gibt noch weitere, von anderen kaum begangene Pfade, die die Familie Delpin beschreitet – die Marschroute steht immer unter dem gemeinsamen
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Helge und Susanne Delpin bei der Taufe ihres jüngsten Kindes.
Nenner: „Wir wollen intensiv und natürlich zusammenleben, und wir möchten, dass unsere Kinder glücklich sind. Auch die Freiheit und Selbstbestimmung unserer Kinder sind uns wichtig“, sagt Susanne Delpin. „Wenn man sich klar ist, was man möchte, ist dieser Weg einfach zu gehen“, fügt sie hinzu. Dass es so viele Kinder wurden, war nicht geplant, sondern: Sobald das jeweils Jüngste laufen konnte, haben die Eltern gemerkt, dass ihre Familie noch ein Kind vertragen würde. Für ihr Lebensmodell bekommen Susanne und Helge Delpin, der bei der Caritas arbeitet, viel Zuspruch. HINWEIS: Ihre vielfältigen Erfahrungen gibt Susanne Delpin gerne bei Beratungen weiter. Mehr dazu unter www.ohnewindel.at
Sieben der acht Delpin-Kinder. Sie wachsen frei und selbstbestimmt auf.
Gsi
Das durchschnittliche Heiratsalter von 1830 bis 1890 betrug bei Frauen 29, bei Männern 33 Jahre.
Bis 1938/39 war eine Ehe ohne kirchlichen Segen in Österreich ein „Notfall“ bzw. eine „Sünde“.
Foto aus den 1880er Jahren. Ohne festen Wohnsitz und ohne Geld durfte man damals nicht heiraten.
HEIRATSVERBOT FÜR ARME
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Noch zu Großvaters Zeiten herrschte in Vorarlberg eine strenge Heiratspolitik. Ohne Vermögensnachweis erteilten die Behörden und der Pfarrer keinen Trauschein.
Text: Gerhard Thoma Fotos: Orig. W. Thurnher/Repro Stadtarchiv Dornbirn, Stadtarchiv Dornbirn/Fotograf Th. Immler, Bregenz, Stadtarchiv Dornbirn/Fotograf W. Högler, Bregenz
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rum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang“, sinniert Friedrich Schiller. Ernsthafte Gedanken über Liebe und Ehe machen sich im 19. Jahrhundert in Vorarlberg nicht nur verliebte Pärchen, sondern auch die örtlichen Behörden und der Pfarrer. Diese bestimmen, für wen die Hochzeitsglocken läuten und für wen nicht. Heiraten darf nur, wer genug Geld hat und sittsam lebt. Die Regelung hat einen konkreten Hintergrund:
Die Armenfürsorge ist nicht Aufgabe des Staates, sondern der Dörfer und Städte. Für ihre armen oder obdachlosen Mitbürger muss die jeweilige Gemeinde in die eigene Tasche greifen und Nahrung und Unterkunft bereitstellen. Damit diese Sozialausgaben möglichst gering sind, dürfen Leute, die nicht genug Geld verdienen oder einen vermeintlich liederlichen Lebenswandel führen, nicht heiraten – und sollen vor allem keine Kinder zeugen. Die Familie könnte der
Gemeinde ansonsten früher oder später zur Last fallen. So platzten beispielsweise die Hochzeitsträume von Josef Thurnher aus Dornbirn. Mit dem Hinweis, er sei ein Bauer, der wenig Geld verdiene und auch sonst nichts erlernt habe, lehnten die Gemeindevertreter sein Ansinnen ab. Ebenso erging es Martin Hilby. Der Baumwollweber führte ins Treffen, dass er gerade ein Haus angekauft habe und durch Mäusefangen gutes Geld verdiene. Zudem sei seine zukünftige Braut Sti-
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ckerin und verdiene mehr als er selbst. Die Ortsvertreter kritisierten jedoch, dass bereits Hilbys Eltern sehr arm und auf die Versorgung durch die Gemeinde angewiesen seien. Sie müssten sogar Holz aus den Wäldern stehlen. Im Fall von Thomas Zoppel und Elisabeth Fußenegger drohte die Hochzeit auch aus moralischen Gründen ins Wasser zu fallen: „Bittsteller Zoppel und Elisabeth Fußenegger gehören zur ärmeren Klasse Leute, indem sie weder Haus noch Gut besitzen. Abgesehen von dieser Armut müssen oder wollen jene Personen nichts von Sparsamkeit und Häuslichkeit wissen, sondern leben auf eine äußerst gleichgültige und verschwenderische Weise ohne weiter zu denken fort, was man schon daraus entnehmen kann, da sich diese jungen und gesunden Leute nicht einmal etwas erspart haben.“ Zoppel protestierte beim übergeordneten Kreisamt in Bregenz gegen das amtliche Schreiben der Gemeinde Dornbirn und bat seinen Arbeitgeber, den Fabrikbesitzer Franz Martin Hämmerle, um Hilfe. Dieser bescheinigte dem Pärchen, dass beide treu, redlich und fleißig in seinem Textilbetrieb arbeiteten. Bald darauf traf die Heiratsbewilligung ein.
Zu oft betrunken
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Dem Fabrikarbeiter Georg Schwendinger wurde das Eheglück versagt, weil er seine Eltern nie unterstützt habe, öfters betrunken und nicht sehr häuslich sei. Auch habe er wenig erspart. Zudem sei seine Auserwählte nicht katholisch. Erfolgreich protestierte Schwendinger in Innsbruck gegen die religiöse Begründung und durfte mit seiner Braut zum Traualtar schreiten. Nicht selten mussten heiratswillige Vorarlberger die milder gestimmten übergeordneten Behörden in Innsbruck oder sogar das liberaler gestimmte kaiserliche Ministerium in Wien um Hilfe bitten, damit sie den Bund fürs Leben schließen durften. Für manche kam jede Hilfe zu spät. Der 27-jährige Fabriksarbeiter Johann Büchel stürzte sich aus Liebeskummer in die Ill und ist ertrunken. Er konnte nicht verkraften, dass man ihm die Heirat mit einem Mädchen aus Feldkirch-Gisingen verboten hatte. Bei manch anderen erwachte nach einem negativen Heiratsbescheid hingegen der Kampfgeist. Der Dornbirner
Georg Kalb hatte beim Landgericht Sonnenberg angesucht, die 28-jährige Maria Veronika Jochum aus Schröcken heiraten zu dürfen. Er hatte bereits ein Kind mit der Bauerstochter. Aufmüpfig fügte er seinem Schreiben hinzu, dass schon Hunderte eine Heiratsbewilligung erhalten hätten, die nur halb so viel verdienten wie er. Sein Gesuch wurde abgelehnt, worauf Kalb erneut intervenierte: Die Behörden verhinderten ganz gezielt, dass er sein Kind christlich erziehen könne. Man zwinge die Eltern, weiterhin in Sünde zu leben. Zudem sei es teurer, getrennt statt gemeinsam zu leben. Nun meldete sich auch der Dornbirner Pfarrer Benedikt Schweinberger zu Wort. Er warf Kalb vor, ein uneheliches Kind zu haben, nie Gottesdienste zu besuchen und während einer „Nachtschwärmerei“ die Religion verschmäht zu haben. Erneut wurde Kalbs Ansuchen abgeschmettert. Deshalb wandte er sich an das Kreisamt in Bregenz. Dort beklagte er sich, dass die örtlichen Behörden vom Ortspfarrer manipuliert worden seien. Dabei sei bekannt, dass sich Pfarrer Schweinberger mehr um sein bürgerliches Wohl als um christliche Tugenden kümmere. „Sein Körperumfang gibt Nachricht über seine Zeitlichkeit“, merkte Kalb an. Obwohl er und seine Braut ein relativ stattliches Einkommen nachweisen konnten, fand Kalb auch im Kreisamt kein Gehör. Er sei leichtsinnig, unmoralisch, areligiös und bezeuge weder der weltlichen noch der geistlichen Obrigkeit Achtung. Der hitzige Schriftverkehr und Eheboykott dauerte mehrere Jahre, bis aus dem kaiserlichen Ministerium in Wien doch noch die Heiratserlaubnis eintraf. Kalb möge zwar sittlich fehlbar sein, aber die Ehebeschränkungen bezögen sich nur auf Vagabunden, Müßiggänger und Erwerbslose. Kalb durfte endlich heiraten, auch wenn er mittlerweile eine andere Braut in sein Herz geschlossen hatte, Anna Maria Mallaun. Die strenge Heiratspolitik der Behörden ließ mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Vorarlberg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwar etwas nach. Der „liebestötende“ Hürdenlauf dauerte in Vorarlberg aber noch bis 1923. Erst mit der Einführung ziviler Standesämter 1938 wurde das Heiraten endgültig Privatsache.
Eine Vision
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NA ALSO, GEHT DOCH
Es begann auf einer Wiese mit Seeblick, eine Wiese, die längst, sogar ohne Betreiben des Eigentümers, in Bauland umgewidmet worden war und damit eine Wertsteigerung erfuhr, die den alten Herrn erstaunt hatte. Er ließ sich aber nicht lange von den Zahlen verwirren.
Text: Daniela Egger Bilder: Mario Lorenz, die3
E
r beschloss, dass auf dieser Wiese weiterhin Blumen wachsen sollten. Der ältere Herr wollte auch die alten Obstbäume nicht fällen lassen. Die Angebote der Grundstücksmakler schmiss er seit Jahren ungeöffnet in den Papierkorb. Seine Kinder schüttelten den Kopf, ließen ihn aber gewähren. Es würde ja nicht ewig gehen und die Preise stiegen und stiegen und so war es eigentlich gar kein Schaden, den Bau der üblichen Kleinwohnanlage noch ein wenig in die Zukunft zu verschieben. Sagten sie sich. Als der alte Herr aber begann, die oberste Humusschicht abzutragen, dachten sie zuerst an eine vielleicht notwendige, neurologische Abklärung. Er verweigerte auch jede Auskunft über sein Vorhaben. Sie ließen ihn nur deshalb gewähren, weil sie selbst zu beschäftigt waren, ein Termin folgte dem anderen, immer wieder hastig geführte Telefonate untereinander zeigten, dass es im Moment noch keine Dringlichkeit gab einzuschreiten. Trug er halt eben den Boden ab. Im nächsten Frühjahr zeigten sich Pflanzen und Kräuter, die der alte Herr aus seiner Kindheit kannte. Eine Magerwiese gedieh, der alte Mann war glücklich. In kürzester Zeit zogen Insekten und Kleintiere auf die Wiese. Die Pflanzen drängten über den Rand der Wiese, mit Hilfe der Bienen eroberten sie die angrenzenden Grünflächen. Die Freude, mit der sie das taten, sprang plötzlich über. Dieser Hang, auf dem sonst nie Fußgänger zu sehen waren – auch weil die großen SUVs die
schmalen Straßen vollkommen ausfüllten – war plötzlich Ziel von Spaziergängern aus der ganzen Stadt. Man staunte über die Fülle, die herrschte, erinnerte sich an längst vergessene Düfte, seltene Schmetterlingsarten zogen Experten an. Zunächst aus der Dornbirner inatura, später aus den grenznahen Universitäten. Die wilden Pflanzen benötigten mehr Platz, bald wuchsen sie an den Rändern des Swimmingpools auf dem Nachbargrundstück, bald tauchten sie auf den umliegenden Hausdächern auf. Vögel, Bienen und andere Insekten trugen ihre Samen in jede verfügbare Ritze und Freifläche, die ein wenig Erde aufnehmen konnte. Man rätselte lange, wer wohl dafür sorgte, die Erdklumpen auf den Hausdächern zu verstreuen. Der alte Mann schwieg, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen. Bald war die Freude und Begeisterung, die dieser Wildwuchs erregte, nicht mehr aufzuhalten – sie erfasste die Menschen selbst. Plötzlich wuchs auf ehemals englischen Rasen ein buntes Meer von Blüten und Blättern und Gräsern. Sie sorgten dafür, dass die Menschen wieder einen Sinn entwickelten für ihre heilsame Gegenwart. Keine hochgezüchteten Tulpenzwiebeln landeten mehr in den rechtwinkeligen Beeten, sondern wilde Orchideen und seltenes Knabenkraut, Türkenbund und Frauenschuh begannen wieder zu wuchern. Arnika, Johanneskraut und Augentrost boten ihre Heilkräfte an. Wegwarte, großer Wiesenkopf und Schafgarbe drängten den Löwenzahn zurück in seine na-
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Eine Vision
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türlichen Schranken. Schwertlilien und Mohnpflanzen läuteten den Sommer ein. Die Menschen lächelten und parkten ihre viel zu großen Autos unten am Hang – sie begannen zu Fuß nach Hause zu gehen. Als auch die ersten Flüchtlinge sich trauten, einmal einen Blick zu werfen auf diese Wiese, von der so viel die Rede war, spürten sie seit langer Zeit wieder einmal, dass die Erde doch ein gutes Zuhause war. Auch wenn ihre Zukunft vorerst noch ungeklärt war, ihre Familien teilweise unvollständig und ihre Sorgen einen weiten Bogen spannten von der alten Heimat bis zu ihrem ungewissen Verbleib in einer Kultur, die sie an vielen Stellen überforderte. Dieser Ort, diese Wiese, der Duft und die Stille, die die neuerdings abwesenden Autos hervorbrachten, sie trugen das Versprechen der Hoffnung. Die Flüchtlinge kamen täglich. Die Bewohner der kleinen und mittleren Architekturtempel hatten zuerst ihr Lächeln eingebüßt und sich überlegt, ob die Polizei vielleicht vonnöten wäre. Der alte Mann aber stellte eine Bierbank auf die Wiese und lud die bescheiden am Rand staunenden Menschen ohne Asylstatus ein, sich zu ihm zu setzen. Er servierte Käse und Holundersaft. Es dauerte etwa zehn Tage, bis der erste Nachbar eine gute Flasche Rotwein auf den Biertisch stellte. Nicht lange danach saß die Nachbarschaft abends mit den Fremden zusammen und ließ sich auf Gespräche ein, die man nie hatte füh-
ren wollen. Inzwischen hatten die Kräuter und Blumen das Seeufer erobert, die kleinen Stadtgärten, die Balkone und die Hausdächer quollen über vor Farben und Lebensfreude. Bienen und seltene Vogelarten stellten sich ein – niemand wusste woher sie plötzlich kamen. Sie hatten aber eine eigenartige Wirkung auf die Menschen selbst, und es dauerte nicht lange, da öffneten sich in der Stadt Türen und Hinterhöfe für Nachbarn, Kinder, Hunde und schlussendlich sogar für Fremde. Immer mehr Bierbänke fanden ihren Weg auf die freien Flächen, bald auch auf die Straßen. Wer mit dem Auto losfahren wollte, musste Geduld mitbringen, bis die Picknickkörbe und Fußballtore, Slacklines und Grillstationen von der Straßenmitte auf den Gehsteig geräumt waren. Die Leute begannen Fragen zu stellen, sie erfuhren Geschichten und Wünsche, Fährnisse und Traumata – und sie hörten zu, ohne gleich mit Ratschlägen zu antworten oder Zuständigkeiten zu definieren. Sie hörten einfach zu. Die Menschen aus den fremden Ländern begannen, sich zu entspannen, die Angst wich. Auf beiden Seiten. Als die städtische Notschlafstelle ihre Türen schloss, geschah das deshalb, weil inzwischen alle Bewohner und Bewohnerinnen, heimische wie fremde, kleine Wohnungen oder Zimmer gefunden hatten. Leerstehende Wohnungen bekamen plötzlich Mieter, die ihre Miete teilweise durch die Mithilfe im Garten oder andere kleine Aufgaben ausglei-
chen durften. Menschen, die jahrelang in dem Gefühl gelebt hatten, in dieser Gesellschaft nicht bestehen zu können, fanden passende Aufgaben, die sie gerne erfüllten. Sie kauften für ältere Leute ein, schnitten Hecken, führten Hunde aus oder starteten kleine Unternehmen. Nicht wenige begannen mit ihrer eigenen Honigproduktion, denn die überaus große Bienenpopulation erzeugte Rekordernten. Mit der Zeit erkannten auch die Bauträger der Region einen Trend, den sie nicht verpassen wollten. Der Imageschaden der Bankbranche schwebte auch über ihren Köpfen, das wussten sie. Sie planten Kleinwohnungen mit ein, die nicht die übliche Rendite abwerfen mussten – Gemeinwohl hieß der neue Begriff, den man plötzlich allerorts hören konnte. Man erkannte, dass es sich sicherer und vor allem fröhlicher leben ließ, wenn alle einen guten Platz hatten. Die Pflanzen taten ihre Arbeit gründlich, ihre Anwesenheit schien eine inspirierende Wirkung zu haben. Pestizide wurden an ihre Produktionsfirmen retourniert, Bauern und Kleingärtner in ganz Vorarlberg begannen, die biologische Produktion als selbstverständlich zu sehen. Die Menschen nahmen sich Zeit. Niemand wollte mehr von Termin zu Termin rasen, zu unbequem war es geworden dauernd die Straßen freiräumen zu lassen, nur weil man selbst in Eile war. Man spazierte also lieber zum Bahnhof, und verbrachte höchst effiziente Zeit unterwegs mit kleinen
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Begegnungen, die in der Folge weitere Termine unnötig machten. Die Energiewirtschaft erholte sich rasant, nicht nur, weil der PKW-Verkehr auf ein Minimum schrumpfte, sondern auch, weil die Wärmespeicherkapazität durch die natürliche Isolierung auf den Dächern sehr hoch war. In der Folge (das dauerte allerdings einige Jahre) stellten zwei Kraftwerke ihren Betrieb ein. Die Pharmaindustrie erlitt einen kleinen Verlust, weil weniger Antidepressiva, Schlafmittel und Aufputschmittel gebraucht wurden. Was eine direkte Verbesserung der heimischen Wasserqualität mit sich brachte, aber darüber wurde (weiterhin) geschwiegen. Nun war es ja gut. Bald waren nur noch Elektro-Autos unterwegs – die Technik war fortgeschritten, das Design auch, das Image hatte sich gewandelt. „MAN“ fuhr jetzt ohne CO2 Ausstoß. Deshalb waren Luftqualität und die geringe Lärmbelästigung einzigartig in Österreich. Natürlich erhöhte das nicht nur die Übernachtungszahlen im Tourismus, sondern auch den Zuzug von weiteren seltenen Tierarten. Die erste Wölfin wurde noch argwöhnisch beäugt, und als sie sich erlaubte, in der Nähe des Mehrerauer Waldes ein Schaf zu reißen, stand sie schnell auf der Abschussliste. Sie tauchte aber glücklicherweise zur rechten Zeit mit ihren drei Welpen in der Nähe der Seebühne auf, kurz vor der Premiere der aktuellen Festspiele. Was ihre Familie zur Berühmtheit und
das Schaf ins Vergessen brachte. Man gewöhnte sich an so vieles. Plötzlich durfte man Dinge wie das Bedingungslose Grundeinkommen diskutieren, die neu gegründete Bank für Gemeinwohl hatte einen Zulauf, der sie kurzfristig an ihre Kapazitätsgrenzen brachte. Der Abfluss des Geldes von den Aktienmärkten machte sich bemerkbar. Investiert wurde plötzlich in andere Werte. Natürlich wurde nach wie vor gebaut, schließlich brauchten viele Menschen sehr schnell Wohnraum. Aber doch – es war anders jetzt. Man hielt Grünflächen frei, verdichtete die Stadträume, plante auch für junge Menschen, die nicht reibungslos in den Beruf einsteigen wollten. Oder für Menschen, die überhaupt aus dem Arbeitsleben gefallen waren. Man plante leistbaren Wohnraum, einfach deshalb, weil er ein Menschenrecht ist. Rendite ist kein Menschenrecht. Durch die offenen Türen der früher leerstehenden Wohnungen ergab sich eine bunte Population in der Stadt. Die prallte zwar wegen ihrer unterschiedlichen Vorstellungen regelmäßig aneinander, aber es zeigte sich, dass sich das Verständnis für ein westliches Lebens- und Wertesystem sehr rasch entwickelte. Es war ja so offensichtlich ein gutes und freundliches Wertesystem. Die Flüchtlinge hatten ihre Familien nachgeholt, sie hatten die Sprache gelernt und erstaunlich schnell begriffen, welche Chance gerade für sie Ideen wie der V-Taler bereithielt. Sie trieben das Regionalgeld mit Elan vor-
an, erwirtschafteten in kurzer Zeit kleine Vermögen, die wiederum ausschließlich in der Region investiert wurden. Kleine Geschäfte, Handwerksbetriebe und Biobauern fanden ein echtes Auskommen, die kulturellen Erzeugnisse vermischten sich mit der orientalischen Ästhetik und auch mit deren Gelassenheit. Das Regionalgeld hatte den Nimbus der Filzpatschen und Wollstrick-Socken weit hinter sich gelassen. Es war angesagt, sich verantwortlich zu fühlen für das gesamte Lebensumfeld. Deshalb konnte dieses Umfeld nicht mehr bis an die Wall Street reichen, es musste in die Überschaubarkeit zurück geholt werden. Die Anlageberater/innen hatten einige knifflige Aufgaben zu lösen – aber sie machten ihre Sache gut. Bald boomten heimische Betriebe, die Arbeitszeiten wurden flexibler. Plötzlich war es nicht mehr so anstrengend, den Alltag mit Kleinkind zu organisieren, die Menschen waren überhaupt gelassener, was sehr schnell zu einem Bevölkerungszuwachs führte. Und die Wiese am Hang mit Seeblick? Der alte Herr hatte einen langen, beschwerlichen Weg mit bürokratischen Hürden hinter sich, aber mit Hilfe seines Sohnes, der Rechtsanwalt war, hatte die beiden etwas höchst seltenes zuwege gebracht: Der ehemalige Baugrund wurde zur Allmende deklariert. Mit der Vorgabe, der dort heimischen Pflanzenund Tierwelt lebenslanges Wohnrecht zu gewähren.
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Kultur
DIE KLEINEN AUF DIE BÜHNE Kultur in Vorarlberg. Viele denken dabei an die Festspiele, an das Kunsthaus, das Landestheater oder die Schubertiade – an die Hochkultur. Daneben gibt es im Land aber zahlreiche kleine Kulturinitiativen, die Kleinkunst anbieten. Und zwar bis hinein in die Talschaften wie das Montafon, das Klostertal oder den Bregenzerwald. Katharina Leissing, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, erklärte vor kurzem in der ORF-Sendung „Kultur nach 6“: „Die Vorarlberger Kulturinitiativen sind extrem stark, das Angebot ist dicht und vielfältig. Wenn man es mit Wien vergleicht, würde ich sagen: In Vorarlberg ist nicht weniger los. Jeden Tag könnte man mehrere Kulturveranstaltungen besuchen.“ Bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist aber: Diese kleinen Kulturveranstalter arbeiten großteils ehrenamtlich. marie möchte dieses Engagement würdigen und gleichzeitig zeigen, wie dicht das Kulturangebot in Vorarlberg ist. Deshalb werden kleine Kulturinitiativen vorgestellt.
KULTUR IM ALTEN BAHNHOF 34
Der Bahnhof in Andelsbuch - ehemals ein Teil des Wälderbähnles - wird seit 15 Jahren als Kulturstätte genutzt und vom „kulturverein bahnhof “ ehrenamtlich geführt. Laut Obfrau Margarete Broger ist der Bahnhof der kulturelle Nahversorger im Bregenzerwald. Text: Elisabeth Willi Fotos: Darko Todorovic
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lein, fein, gemütlich – und manchmal ganz schön außerordentlich. Das ist der Bahnhof Andelsbuch im Bregenzerwald. Schon längst halten hier keine Züge mehr und fahren wieder ab, sondern Künstler machen dort Station. Im Gepäck ihre Instrumente, Bücher, Bilder – kurzum alles, womit sie den Besuchern Freude, Kulturgenuss und Entspannung bereiten. 52 Veranstaltungen finden hier pro Jahr statt, 90 Prozent davon sind Konzerte. Schon ganz Große ihres Genres hat die besondere Kulturstätte gesehen, aber auch Kleinen die ersten Schritte in die Künstlerkarriere ermöglicht: Die Musiker des HMBC traten – lange bevor sie ihren Weh-Tau-Hit landeten – immer wieder im Bahnhof auf, und die edition bahnhof brachte ihre ersten beiden CDs heraus. Der Bahnhof Andelsbuch wurde vor mehr als 100 Jahren erbaut und ist
eines der letzten bestehenden Gebäude der ehemaligen Bregenzerwälder Bahn. Als das Wälderbähnle 1982 seinen Betrieb einstellte, schien das Schicksal des Andelsbucher Bahnhofes besiegelt: Man wollte ihn früher oder später abreißen. Eine kleine Gruppe engagierter Andelsbucher aber gründete im Herbst 1999 den „kulturverein bahnhof “ und adaptierte in Eigenleistung die ehemaligen Wohnräume des Bahnhofsvorstehers. Danach wurde der Bahnhof als Kulturstätte eröffnet unter dem Motto: „Der Bahnhof steht für Ankommen, Aufenthalt und Begegnung. Durch die Einrichtung als kultureller Treffpunkt haben wir dem alten Bahnhof diese Funktion wiedergegeben“, berichtet Margarete Broger, Obfrau des „kulturverein bahnhof “. Die Bahnhof-Bühne aus hellem Holz ist in schummriges Licht getaucht, auf den runden Tischchen im Zuschauerraum flackern Teelichter. So gemütlich dies ist, auf der Bühne selbst geht die Post ab: Ein Dudelsackspieler geht in die Knie, beugt seinen Oberkörper nach
Rockig und groovig spielten „BartolomeyBittmann“ ihre klassischen Instrumente beim Konzert im Bahnhof.
hinten und legt mit seinem Dudelsack ein Solo à la Jimi Henrix hin. Mit irgendeinem unkonventionellen, besonderen oder lustigem i-Tüpfelchen überraschen die meisten der Veranstaltungen im Bahnhof.
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Margarete Broger arbeitet bis zu 30 Stunden pro Woche für den Bahnhof – ehrenamtlich.
Jiddische Konzerte, Jazz, Tango, Klassik, Pop oder Volksmusik sind im Bahnhof zu hören. Oft sind die Konzerte eine Melange aus all diesen Musikrichtungen. „Weltmusik“ nennt Margarete Broger dies. Neben den Konzerten werden Lesungen, Vorträge, Workshops, Ausstellungen und Kindertheater angeboten. International bekannte Künstler wie Paul Renner, Ona. B. und Albert Leitner haben im Bahnhof schon ausgestellt, Josef Haslinger und Alfred Komarek bereits dort gelesen. Zusätzlich zu dem Programm-Angebot hat der Bahnhof einen eigenen Chor: den Bahnhof-Chor unter der Leitung von Isabella Fink. Obfrau Margarete Broger ist es wichtig, das gesamte Kulturspektrum anzubieten. „Der Bahnhof ist im Bregen-
zerwald der einzige Kulturanbieter mit regelmäßigem Programm – im Bereich der Kleinkunst“, sagt sie und führt weiter aus: „Wir sind der kulturelle Nahversorger für den Bregenzerwald.“ Jemand, der zum Beispiel in Au oder Schoppernau wohnt, fährt mindestens 45 Minuten bis zu den Kulturstätten in Dornbirn oder Bregenz – nach Andelsbuch ist es gerade mal der halbe Weg. Umgekehrt ist der Bahnhof auch für Kulturinteressierte aus dem Rheintal gut zu erreichen. Und so kommt ein großer Teil der jährlich 3000 bis 3500 Besucher aus dem Unterland, dem Oberland, ja sogar aus der Schweiz und aus dem Allgäu. Einen Kulturbetrieb mit jährlich über 50 Veranstaltungen zu führen, bedeutet viel Arbeit. Der „kulturverein bahnhof “ macht alles im Ehrenamt. Drei Personen sind im Vorstand, sieben arbeiten als aktive Mitglieder mit. Den Löwenanteil verrichtet Obfrau Margarete Broger, eine pensionierte Lehrerin. Ca. 25 bis 30 Stunden pro Woche investiert sie in den Bahnhof. Weshalb engagiert sie sich dermaßen? „Weil es total Spaß macht“, antwortet sie. „Ich komme mit Menschen zusammen und lerne neue kennen. Die Arbeit für den Bahnhof erfüllt mich.“ HINWEIS: Mehr Infos zum Bahnhof Andelsbuch unter www.bahnhof.cc
KULTURPASS: KUNST UND KULTUR GRATIS Auch Menschen mit finanziellen Engpässen haben ein Recht auf Kunst und Kultur. Die Initiative „Hunger auf Kunst und Kultur“ bietet deshalb den Kulturpass an. Damit erhalten Menschen in prekären Einkommenssituationen freien Eintritt bei zahlreichen kulturellen Einrichtungen in Vorarlberg. Gegen Vorlage eines Einkommensnachweises unter der Armutsgefährdungsgrenze ist der Kulturpass bei den Ausgabestellen zu erhalten. Wo diese Ausgabestellen sind,
bei welchen Kulturveranstaltern der Kulturpass gilt und weitere Infos gibt es auf: www.hungeraufkunstundkultur.at Anspruchsberechtigt sind: • Personen, die die bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen • Personen, denen die Ausgleichszulage zusteht (Mindestpensionisten) • Personen, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben • Asylwerber, Flüchtlinge
Fensterblicke Die Welt ist heute wie wir gestern waren hinter Fensterscheiben Ergebnisse vergangener Jahre und ich schau hinaus verstört Wo hetzt all das Leben hin immer mehr Tempo, immer weniger Sinn Wo seid ihr jetzt, ihr stolzen Träume aus frischem Grün wurden morsche Bäume und ich schau in mich verstört Und plötzlich spür ich Nein Nein, ich opfere euch nicht mein Leben meine Gefühle, meine Lebendigkeit Nein, ich werde sie euch nicht geben meine Träume, meinen Glauben meine Verwundbarkeit Ich reiße auf die alten Fenster endlich frischer Wind Ich fühle die nahende Welle Unüberhörbar still ist deren Klang in meinem pulsierenden Herz Ich stehe aufrecht vor dem Fenster Die Hoffnung ist voll frischem Wind So schrecklich schön ist es das Leben Ich hatte Augen und war doch meist blind Lass uns versuchen das Gute zu mehren denk ich denn die Welt ist morgen wie wir heute sind
ZUM AUTOR Alexander Jehle, geboren 1970 in Feldkirch, verheiratet mit Tamara, Vater, Rechtsanwalt, suchender Mensch, manchmal überfordert, manchmal voller Energie, dann und wann glücklich, dann und wann traurig, ein Mensch eben
HINWEIS: Von Alexander Jehle sind im Bucher Verlag erschienen: „und immer wieder leben“, „TrotzDem“ und „wie tausend neue morgen“. TIPP: Gemeinsam mit Sängerin Petra Tschabrun, die Alexander Jehles Gedichte in berührende Lieder verwandelt hat, präsentiert der Autor sein neuestes Werk „wie tausend neue morgen“ am Dienstag, 15. Dezember, 20 Uhr, im Alten Kino in Rankweil.
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Veranstaltungskalender ALLE VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT. Mi., 9.12.2015, 18.30 - 21.00 Uhr, Montfortsaal im Landhaus, Bregenz, Eintritt: freiwillige Spenden für Flüchtlinge in Vorarlberg.
MENSCHEN RECHTE LEBEN, 2. VORARLBERGER TAG DER MENSCHENRECHTE
Ganz im Zeichen von „Flucht und Asyl“ steht der heurige zweite Vorarlberger Tag der Menschenrechte.Bereits mehr als 30 Vorarlberger Vereine und Organisationen haben sich der Plattform Menschen Rechte Leben angeschlossen und feiern den zweiten Vorarlberger Tag der Menschenrechte. Der Auftakt zu der 2-tägigen Veranstaltung findet auf Einladung im Montfortsaal im Landhaus Bregenz statt. Livia Klingl, Autorin und ehemalige leitende Außenpolitikredakteurin beim Kurier, präsentiert Zahlen und Fakten der Flüchtlingsthematik. Sie berichtet von Mythen und Chancen rund um das Thema. Musikalisch umrahmt wird der Abend von ehemaligen syrischen Flüchtlingen.
Do., 10.12.2015, 16.30 - 22.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: gratis/Freiwillige Spenden und der Reinerlös des Caterings kommen Flüchtlingen in Vorarlberg zugute.
MENSCHEN RECHTE LEBEN, 2. VORARLBERGER TAG DER MENSCHENRECHTE
Nachdem wir mit der Auftaktveranstaltung am 9. Dezember zu Gast im Landhaus in Bregenz sind, findet die Hauptveranstaltung im Spielboden in Dornbirn statt. Die Mitgliedsorganisationen der Vorarlberger Plattform für Menschenrechte präsentieren ihre Arbeit in einem Markt der Begegnung. Sowohl SchülerInnen als auch Flüchtlinge bilden mit ihren kreativen Beiträgen den Höhepunkt des heurigen Menschenrechtstages. Für Verpflegung ist bestens gesorgt und entführt uns auf eine kulinarische Reise. Auch die JugendbotschafterInnen der youngCaritas sind wieder mit dabei. Abschließend, von ca. 20.30 - 22 Uhr, sind alle herzlich eingeladen bei toller internationaler Musik die Tanzfläche zu erobern.
WZ-KONZERT: TRAVIS IS A TOURIST AND OWEN MCGARRY Do., 10.12.2015 und Sa., 12.12.2015, 20.00 Uhr, Filmforum Bregenz, Metrokino.
IRAQUI ODYSEE
In seinem grandiosen Dokumentarfilm IRAQI ODYSSEY erzählt der schweizerisch-irakische Regisseur Samir die Geschichte des Irak seit dem Ende der Kolonialzeit. Dazu verfolgt er die Lebensläufe seiner eigenen Großfamilie, die sich im Lauf der letzten 50 Jahre – getrieben von den dramatischen politischen Entwicklungen in der Region – nach und nach über die ganze Welt verstreut hat. „Dieser Film gibt den Vertriebenen ein Gesicht und eine Stimme. Es ist nicht nur ein Film über eine einzige irakische Familie, sondern die Geschichte über uns alle.“ (Begründung der Netpac-Jury für die Auszeichnung als Best Asian Film am Filmfestival Abu Dhabi) Kartenreservierung: +43 5574 71843, www.metrokinobregenz.at/
Derzeitige Fixtermine in der Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9
ZVIERE
Weil die Jause der anderen immer besser schmeckt! Kindercafé, jeden Dienstag ab 16.00 Uhr ! Jause bitte selbst mitbringen!
Fr., 11.12.2015, ab 21.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Großer Saal, Eintritt: VVK 16,- Euro, AK 19,- Euro
CLARA LUZIA
Yes, it’s fucking political Wie auch nicht? Wir haben die magischen 7-Milliarden-Menschen-Marke überschritten, pseudoreligiös unterfütterte Abstrusitäten bieten Orientierungslosen neuen Halt, die Festung Europa verteidigt mit Zähnen und Klauen ihren Wohlstand, und Umwelt und Tiere siechen dank unserer bodenlosen Gier vor sich hin.
So., 13.12.2015, Gemeindehaus Nüziders 16.00 Uhr, Eintritt: 5,- Euro für Kinder, 8,- Euro für Erwachsene, 15,- Euro für Familien.
BIMBULLI
Do., 10.12.2015, 19.00 - 23.00 Uhr, Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9 36
Foto: Manfred Werner
Foto: finali Film
Fr., 11.12.2015 und Sa., 12.12.2015, ab 20.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Kinosaal Film, Eintritt: 8,- Euro
LAMPEDUSA IM WINTER
Über drei Jahre arbeitete der Regisseur Jakob Brossmann an seinem Dokumentarfilm über die ‚Flüchtlingsinsel‘ Lampedusa. Die winzige Gemeinschaft am Rande Europas ringt verzweifelt um ihre Würde – und um Solidarität mit den afrikanischen Bootsflüchtlingen die viele für den Grund der andauernden Krise halten. Brossmann begleitete die BewohnerInnen der Insel und beobachtete ihre Begegnungen mit den Bootsflüchtlingen. Der Film erzählt ebenso von den Problemen der Fischer wie von den Einsätzen der Küstenwache an der Außengrenze Europas..“ (Filmladen Filmverleih). „Ein eindringlicher und aktueller Film, der mit einigen Vorurteilen aufräumt.“ (www.srf.ch).Österreich/Italien/Schweiz 2015, 93 Minuten, ital. O.m.U., Regie: Jakob Brossmann
KOST NIX LADEN
jeden Donnerstag ab 19.30 und Freitag ab 10.00 Uhr. Kleidung, Bücher und mehr.
KREATIVWERKSTATT
Termine siehe Kalender. modellieren / häkeln / schnitzen / ….
Das Figurentheater „Il Segreto di Pulcinella“ spielt Bimbulli nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Mira Lobe mit Illustrationen von Susi Weigel. Was spielen Kinder gerne? Mutter - Vater - Kind. Bimbulli entsteht aus diesem Spiel, und auch wir entwickeln daraus unser Figurenspiel. Wie sehen Kinder die Beziehung ihrer Eltern und ihre eigene Rolle darin? Und welche Erfahrungen sammelt man, wenn man sich allein auf den Weg macht? Kaum auf der Welt (von seinem Vater gefaltet), übernimmt Bimbulli die Verantwortung für ein widerspenstiges, freches Küken, das die Welt kennenlernen will. Auf ihrer Reise erleben sie spannende Abenteuer und lernen die Tiere auf der Wiese und im Wasser kennen. Als Gefahr droht, müssen sie den Frosch, der allein unter einem Hut sitzt, überzeugen, das schützende Dach mit ihnen zu teilen. Viele andere Tiere suchen dort Schutz und steigen mit ins Boot. Hier müssen sie alle zusammenrücken, um so die stürmische und regnerische Nacht zu überstehen. Am Ende bringt Bimbulli mit Hilfe des Frosches das Küken wohlbehalten wieder zu seiner Mutter Henne zurück.
OFFENER ABEND
jeden Donnerstag ab 19.30 Uhr. Gute Musik / Gute Gespräche
MITTAGSTISCH
jeden Freitag mitkochen ab 10.00 Uhr / mitessen ab 12.00 Uhr. Bio – Regional – Fair / gib was es dir wert ist
#1 / Dezember 2015
Mo., 14.12.2015, 18.15 - 20.00 Uhr, wöchentlich, Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9
Mo., 21.12.2015, 19.00 Uhr, Frauenmuseum Hittisau, Eintritt: gratis
MEDITATIONSGRUPPE
MEINEN MANN STEHEN. MÄNNLICHKEITSKONSTRUKTIONEN IN DER WEHRMACHT UND DER TABUBRUCH DER DESERTION
Di., 15.12.2015 18.30 - 20.00 Uhr, Tankstelle Bregenz, Deuringstraße 9
INNER YOGA MIT JUTTA Sa, 19.12.2015, 16.00 Uhr, Frauenmuseum Hittisau zu Gast im Gasthof Krone, Hittisau, Am Platz 185 Eintritt: 17,- Euro, 8,- Euro
WENN ES IN DER WELT DEZEMBERT. MUSIK & POESIE IM ADVENT
Claudia Christa (Flöte) und Klaus Christa (Viola) spielen Werke u.a. von Robert Fuchs, Alessandro Rolla und Wolfgang Amadeus Mozart. Gotthard Bilgeri liest gemütvolle, freche und vergnügliche Texte zur Jahreszeit. Kartenvorverkauf: Tourismusbüro Hittisau, tourismus@hittisau.at, 05513 620950
Vortrag und Gespräch mit Maria Fritsche. Was bedeutete es, in der Wehrmacht ein Mann zu sein? Welche Bilder und Vorstellungen liegen soldatischem Verhalten – vor allem in der Wehrmacht – zugrunde? Und welche Auswirkungen hat es, wenn die Anzahl derer, die gerne als „Weicheier“, „Waschlappen“ oder „Feiglinge“ denunziert werden, immer größer wird? Die Vorarlberger Historikerin Maria Fritsche (Trondheim) nähert sich diesem wenig beleuchteten Thema an.
Do., 24.12.2015, ab 22.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: frei
X-MAS IN DER KANTINE
Steff) auch auf Arrangement, Komposition und Produktion. Als Arrangeur und Komponist bei bekannten österreichischen Bands (Falco, Tschako, GS Band, Kiosk Allstars etc.) wurden bald auch internationale Produzenten und Musiker auf ihn aufmerksam. Neben einer langen Zusammenarbeit mit Hollywood Filmproduzent und Komponist Harald Kloser (10.000 B.C., 2012, The Day After Tomorrow) ist Benni Bilgeri ein gern gesehener Side-Man von Superstars (wie Tom Waits, Pointer Sisters, Zucchero, Katrina and the Waves, Jose Feliciano, Go West, Chicago, Al Jarreau, Joe Esposito, Eve Gallagher, Barbara Thompson, John Paar, Chicago, Vinnie Colaiuta, Kristine Blonde, Abe Laboriel, Kirk Whalum, Ina Wolf, Jeff Procaro & Jerry Hey, Doro etc.). Tickets ausschließlich an der Abendkasse.
Do., 31.12.2015, ab 22.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Party, Eintritt: 10,- Euro
SILVESTER BASH
Das bereits traditionelle Kantinen-Silvester wird musikalisch begleitet von einem special DJ-Team. Dazu ein Glas Prosecco & und als Neujahrs-Snack ab 0.16 Uhr Wienerle mit Senf, Kren und Brot!
Fr., 25.12.2015, ab 21.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Eintritt: 10,- Euro 37
X-MAS SOUNDTERRASSE
Foto: Bludenz Kultur
Zum bereits vierten Mal lädt die Soundterrasse zur nachweihnachtlichen Koinzidenz. Festschmaus gibt‘s keinen, dafür ein musikalisches Menü das sich, in bewährter Manier, aus Freunden, Bekannten & lokalen DJs formt.
Sa., 19.12.2015, 20.00 Uhr, Remise Bludenz, Eintritt: VVK: 16,-/13,- Euro, AK: 19,-/16,- Euro,-
MANU DELAGO HANDMADE – „SILVER KOBALT“
Losgelöst von jeglichen Genregrenzen grooven Manu Delago Handmade mit unzähligen Instrumenten in ihrem eigenen Musikkosmos. Und genau das verhalf Manu Delago zu internationaler Bekanntheit, denn Weltstar Björk war so von seiner Musik angetan, dass sie ihn als Hang-Spieler und Schlagzeuger für ihre Welttournee engagierte. Der Tiroler Musiker und Komponist präsentiert sein neues Album „Silver Kobalt“, auf dem seine unbändige Schaffenskraft das nächste Level erreicht: Sein innerer Kobold kombiniert handgemachte technoide Beats mit indischen Rythmen, lässt Magnete im Takt surren und bietet akustischen Raritäten wie Fagott und Hang einen Platz auf der Ehrentribüne. Als „Master Hang Drummer“ bietet Manu Delago Handmade ein grandioses Wechselspiel von experimentellem Pop, detailverliebter Elektronik und verrockter Kammermusik. Kartenvorverkauf: bei allen ländleTICKET-Vorverkaufsstellen, Raiffeisenbanken und Sparkassen in ganz Vorarlberg, online auf www.laendleticket.com
Foto: Sohler
Sa., 2.1.2016, ab 21.00 Uhr, Spielboden Dornbirn, Kantine, Eintritt: frei
GRATIS NEUJAHRSKONZERT - DIE BAND DER DIE FRAUEN VERTRAUEN – 20 JAHRE! FEAT. MERMAIDS
Foto: Benni Press
Mi., 30.12.2015, 20.00 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
THE DAY BEFORE PARTY, BENNI BILGERI PRESENTATION BAD BOY
Am Abend des 30.12. gehört die Bühne des Conrad Sohm Benni Bilgeri & Band. Benni Bilgeri, geboren in Hard (A), hat es zu einem der profiliertesten Gitarristen des Landes gebracht und ist einer der wenigen österreichischen Musiker, die mit Weltstars zusammenarbeiten. Ob Jazz, Swing, Funk und vor allem auch Rock – Benni Bilgeri hat das ABC des Gitarrenspiels von Grund auf gelernt und verlegte sich nach Engagements bei diversen regionalen erfolgreichen Bands (Jugs, Paranoia, Stitch, Infra
Wer hätte das gedacht? Vor zwanzig Jahren als Spaßprojekt für einen Abend gegründet, gibt es die Band mit dem seltsamen Namen noch immer! Die vier angegrauten Herren widmen sich unbeirrt ihrem abgeklärten Garagenrock mit deutschsprachigen Texten. Der Sound ist voller, reifer und knackiger als je zuvor. Hier feiert eine der wenigen noch erhaltenen heimischen Indierockbands aus den Neunzigern ihr Jubiläum! Mit dabei sind die wundervollen Mermaids - als jahrzehntelange Mitbewohnerinnen der Proberaum-WG.
Medien
STRASSENZEITUNGEN: KULTBLÄTTER MIT GESCHICHTE UND CHARAKTER Zumeist von professionellen Journalisten gemacht und teilweise auch von Menschen in sozial prekären Verhältnissen mitgestaltet, erreichen Straßenzeitungen derzeit weltweit über sechs Millionen Leser.
Text: Patrick Fürnschuß
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ie erste Straßenzeitung wurde Ende der 80er in New York gegründet und nannte sich „Streetnews“. Davon inspiriert und unterstützt von The Body Shop Foundation gründete zwei Jahre später John Bird mit „The Big Issue“ die erste Straßenzeitung Europas. „The Big Issue“ wird seit 1991 in London verkauft und hat sich zu einer international renommierten Straßenzeitung mit weiteren Ausgaben in Großbritannien sowie auch in Australien, Südafrika, Namibia und Japan entwickelt. Weltweit sind rund 200.000 Verkäufer auf der Straße im Einsatz und bringen über sechs Millionen Exemplare an den Mann bzw. an die Frau.
Wohnungsloser Herausgeber
Im deutschsprachigen Raum unternahm ebenfalls in den späten 80ern der wohnungslose Hans Klunkefuß erste Versuche im Straßenzeitungsverkauf: Zusammengeklebte und persönlich kommentierte Zeitungsausschnitte wurden mit handschriftlich hinzugefügten Titeln und einem Impressum versehen, je nach Budget 100 bis 500 Mal fotokopiert und als „Berberbriefe“ in den Fußgängerzonen verkauft. Im Jahr
Berühmte Mitstreiter, mehrfache Auszeichnungen - eine kleine Sammlung: • 2003 erhöht sich der Bekanntheitsgrad der Straßenzeitungen schlagartig, als die ehemals von Sozialhilfe lebende Autorin Joanne K. Rowling den Straßenzeitungen erlaubte, das erste Kapitel des neuesten Harry-Potter-Bandes zwei Wochen vor dem offiziellen
1992 erschien dann in Köln mit dem „BankExpress“ die erste professionell gemachte deutsche Straßenzeitung. Später bekannt als „BankExtra“ versorgt sie heute als „Draussenseiter“ die Kölner mit Lesestoff. 1993 kamen „Bürger In Sozialen Schwierigkeiten – BISS“ in München und 14 Tage später „Hinz und Kunzt“ aus Hamburg dazu. Heute zählt man rund 30 klassische Straßenzeitungen allein in Deutschland. Sieben sind es in Österreich, wo 1995 der Wiener „Augustin“ den Auftakt bildete.
Jeder Zeitung ihr Konzept
Unterschiedlich sind die Auffassungen der Herausgeber, inwiefern Menschen in Not auch in die Produktion und redaktionelle Gestaltung miteingebunden werden sollen. Unterschiedlich daher auch die Konzepte: Während es Straßenzeitungen gibt, die ihre Verkäufer ins redaktionelle Prozedere einbinden, setzen andere ausschließlich auf professionelle Redakteure oder laden auf ausgewiesenen Schreibwerkstatt-Seiten zu ersten Gehversuchen im Journalismus. Viele Straßenzeitungen haben in der Folge über das Printmedium hinaus Sozialprojekte wie Radio- und TV-Sender oder Chor- und Theaterproduktionen begründet.
Erscheinungstermin kostenfrei abzudrucken. Was insgesamt 24 deutschsprachige Straßenzeitungen auch gerne taten. • 2004 würdigte der damalige UNO Generalsekretär Kofi Annan am 17. Oktober, dem Tag der Armut, die Arbeit der Straßenzeitungen. Sein Artikel zum Thema Armut wurde exklusiv in Straßenzeitungen veröffentlicht.
Was ist eine Straßenzeitung? Dazu meint wikipedia: Straßenzeitungen oder Straßenmagazine sind lokale Zeitungen oder Zeitschriften, die von Menschen in sozialer Not verkauft und in seltenen Fällen auch redaktionell mitgestaltet werden. Meist sind es Obdachlose, oft aber auch Asylbewerber oder Langzeitarbeitslose, die so einen niederschwelligen Zugang zu einer Arbeit bekommen, in Kontakt mit der Gesellschaft bleiben und ein kleines Einkommen erzielen. Dazu meint marie: Neben dem „Wiener Augustin“, dem Linzer „Kupfermuckn“, dem Grazer „Megaphon“, dem Salzburger „Apropos“ und dem Tiroler „20er“ endlich auch eine Straßenzeitung für Vorarlberg: Eine Zeitung, die Chance und Stimme ist für Menschen am Rand. Ein unabhängiges Blatt, das sich kein Blatt vor den Mund nimmt, das gesellschaftspolitische Zusammenhänge aufzeigt und kritisch, differenziert und unverkrampft über soziale Themen berichtet. Eine Monatszeitung, die einen Beitrag für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Lebensqualität in unserem Land stiften will.
• Viele internationale und nationale Preise wurden Straßenzeitungen schon zuteil: 2010 wurden vier Straßenmagazine mit dem deutschen Wilhelm-Hoegner-Preis ausgezeichnet, 2011 und 2012 verbuchte die Bremer „Zeitschrift der Straße“ je einen Design-Award aus London und eine Dreifach-Prämierung des Type Director Clubs in New York.
#1 / Dezember 2015
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Cartoon: Martin 2015
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