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72 | Consulting

ossi möhr

handelszeitung | Nr. 24 | 14. Juni 2012

«Gefällt mir» genügt nicht

Social Media Keine Firma muss auf Facebook, Twitter, Xing und Co. aktiv sein. Wichtig ist, dass sie es sein will. Die Kunst ­besteht laut Experten darin, News mit anderen relevanten Infos zu mischen und dabei Qualität über Quantität zu stellen.

Drei Kenner, vier Fragen

1.

 arum sollen oder W müssen heutzutage auch Beratungsfirmen in den sozialen Medien mit von der Partie sein? Gilt dies ebenfalls für primär private Plattformen wie Facebook?

2.

I n welchen der unzähligen Social-­MediaKanälen sollen oder müssen Beratungs­ firmen heutzutage ­interaktiv vertreten sein? Twitter, Xing, LinkedIn, Blogs...

3.

 elche Inhalte sollen W oder müssen Beratungsfirmen in den ­Social-Media-Kanälen gezielt transportieren? Nur B2B und PR oder ebenso etwas Fun?

4. 5.

 elche Vorteile bringt W dies für Beratungs­ firmen? Anders gefragt: Wie stellt man es an, dass sich die Angestellten in all den sozialen Medien nicht verzetteln?  elche Gefahren birgt W dies für Beratungs­ firmen? Braucht es zwingend interne Richtlinien, ­damit die Angestellten nicht allen Blödsinn «liken» oder «posten»?

«Eine gewisse künstlerische Freiheit ist unabdingbar» 1.

Ein starkes Kontaktnetz ist im Geschäftsleben zentral. Es schafft Vertrauen und erleichtert die Entscheidungsfindung. Business-Netzwerke ermöglichen Beratungsfirmen sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeitende den ­Aufbau und die Pflege neuer Beziehungen. Auch im Recruiting sowie Employer Branding gewinnen Business-Netzwerke an Bedeutung. Private Netzwerke werden hingegen vorwiegend für die Marken­ pflege genutzt.

2.

Das hängt von den Zielsetzungen und den zur Verfügung stehenden Ressourcen ab. Wichtig ist, den Fokus auf diejenigen Kanäle zu setzen, mit denen die eigene Zielgruppe erreicht und zum

3.

Robert Beer Länderchef für die Schweiz und Österreich, Xing, Sarnen OW

Dialog ermuntert werden kann. Xing wird von zahlreichen Beratungsunternehmen etwa für den Aufbau und die Pflege von Alumni-Netzwerken eingesetzt.

4.

Beziehungsaufbau und -pflege sind langfristige Investitionen in den zukünftigen Unternehmenserfolg. Der ­ Fokus­auf die wichtigsten Kanäle, eine

klare interne Rollenverteilung und Richtlinien zum Umgang mit Social Media ­geben den Handlungsrahmen. Trotzdem muss die Kommunikation über Social Media authentisch und persönlich wirken – dafür ist eine gewisse künstlerische Freiheit unabdingbar.

5.

Social Media Guidelines dienen dazu, den Mitarbeitenden aufzu­ zeigen, was erlaubt oder gar erwünscht ist und was gegen interne Richtlinien ­verstösst. Gute Social Media Guidelines erklären den Mitarbeitenden die Hintergründe und motivieren sie, sich im Sinne des Unternehmens auf den Social-MediaKanälen zu engagieren – statt sie an der Partizipation zu hindern.

«Für Beratungsfirmen ist sicher ein Blog interessant» 1.

Niemand muss in den Social Media aktiv sein. Wichtig ist, dass ein Unternehmen in den Social Media aktiv sein will. Die Einstellung gegenüber dem ­neuen Medium ist sehr wichtig für den Erfolg. Der Auftritt in den Social Media muss authentisch wirken, ansonsten wird es schwierig für ein Unternehmen. Dass Facebook ursprünglich eine private Plattform war, ist korrekt. Die Grenzen zwischen privater und beruflicher Nutzung sind jedoch mittlerweile verschwommen und nicht mehr so klar. Heute sind auch Geschäftskontakte und berufliche Verbindungen auf Facebook keine Ausnahme mehr. Ein Unternehmen sollte sich auf denjenigen Plattformen bewegen, auf denen sich die Zielgruppe auch aufhält. Bei Facebook mit über 900 Millionen Menschen ist die Chance gross, dass sich

Beratungsunternehmen mit spezifischem Fachwissen ist sicherlich ein Blog interessant. Hier können Fachbeiträge publiziert und es kann zu aktuellen Themen Stellung genommen werden. Ein Patentrezept gibt es nicht. Ich bin aber überzeugt, dass ein guter Mix zum Erfolg führt. Die Stadt­polizei Zürich zeigt etwa, dass auch in einer ernsten Branche etwas Fun gut funktioniert.

nern, wie es damals mit den E-Mails und dem Internet war? Arbeitgeber hatten unglaubliche Angst, dass sich die Mitarbeitenden nicht mehr aufs Wesentliche konzentrieren. Heute wäre der Büroalltag ohne E-Mail und Internet kaum noch denkbar. Auch wenn man sich darüber streiten kann, ob die E-Mail-Flut nicht tatsächlich die Produktivität hindert, so haben E-Mails viele Arbeitsabläufe vereinfacht und schneller gemacht.

4.

5.

3. Manuel P. Nappo Leiter Fachstelle Social Media Management, HWZ, Zürich

auch die Zielgruppe von Beratungsunternehmen dort bewegt.

2.

Ein Unternehmen sollte sich auf denjenigen Plattformen ­bewegen, auf denen sich die Zielgruppe aufhält. Für

Vorteile liegen wie für alle primär im Netzwerk und im Dialog. Auch Beratungsunternehmen können Social ­ Media nutzen, um sich besser zu vernetzen und den Austausch mit Stakeholdern zu pflegen. Social Media als Informations­ medium sind zudem für viele nicht mehr wegzudenken. Können Sie sich noch erin-

Eine Social Media Policy macht in allen Unternehmen Sinn. Zu sehr sollte man seine Mitarbeitenden jedoch nicht einschränken. Es gibt grundlegende Verhaltensregeln, die auch im Alltag gelten. Es ist wichtig, dass ein Unternehmen bei den Mitarbeitenden ein Verständnis für das neue Medium schafft.

«Gespür für Tonalität der Community entwickeln» 1.

3.

Es gilt: Wir müssen dorthin, wo die Gespräche stattfinden. Einerseits um am Puls der Markt- und Gesellschafts­ dynamik zu sein, anderseits um uns in die Gespräche konstruktiv und kreativ einzubringen.

Man muss ein Gespür für die Tona­ lität einer Community entwickeln. Sie bestimmt, welche Inhalte relevant sind und positiv aufgenommen werden. Fun kann geeignet sein und signalisiert Nähe und Menschlichkeit, wenn es nicht in Anbiederung kippt. Platte PR ist dafür immer falsch.

2. umfrage: Norman C. Bandi

Geschäftliche Beziehungen haben immer auch eine menschliche Komponente – speziell in Branchen, in denen Vertrauen ein wichtiges Gut ist. Wer seine Kontakte mit unzähligen PR-Nachrichten konfrontiert, ist nicht dialogorientiert und wirkt unauthen­ ­ tisch. Die Kunst besteht darin, FirmenNews mit anderen relevanten Informa­ tionen zu mischen und dabei Qualität vor Quantität gehen zu lassen. Über­ raschendes und Humorvolles sind dabei durchaus erlaubt.

Die passende Plattform hängt von der Zielsetzung ab. Mit welchen Stake­holdern möchten wir ins Gespräch kommen und welche Botschaften wollen wir vermitteln? Ein konsistenter, inte­ grierter Auftritt über mehrere Kanäle schafft eine hohe Glaubwürdigkeit.

Dominique von Matt Geschäftsführer Schweiz, Jung von Matt/Limmat, Zürich

4.

Die Vorteile von Social Media sind vielfältig. Man kann Themen platzieren, Ideen sammeln, Innovationen im Unternehmen vorantreiben, mit Anspruchsgruppen in den Dialog treten,

­eigene Schwächen erkennen, Mitarbeiter rekrutieren und vieles mehr. Dazu muss man gezielt Ressourcen bereitstellen. Die Gefahr der Verzettelung sehe ich nicht, da die Fähigkeit zu fokussieren in unserer Branche essenziell ist.

5.

Weil wir mit Kontrollverlust schlecht umgehen können, sprechen wir immer über die wenigen Gefahren statt über die vielen Chancen. Wer Mitarbeitende hat, die unternehmerisch denken, muss sich keine Sorgen machen – auch nicht in den Social Media.

"Gefällt mir" genügt nicht  

Social Media - Keine Firma muss auf Facebook, Twitter, Xing und co. aktiv sein. Wichti ist, dass sie es sein will. Die Kunst besteht laut Ex...