LUX E M B U R G S R E I S E MAGAZ I N
Luxemburg Biarritz
Rheingau
Pescara
Kopenhagen
Bosnien-Herzegowina Granada Karibik
Siebenbürgen
Andalusien
Vietnam
Obernai
Fidschi
DEUTSCHE AUSGABE
Marokko Singapur
I N H A LT
I N H A LT
6 8 18 26 32 38 46 54 56 66 74 80 86 88 96 104 112 122
BÜCHER LU X E M B U R G RHEINGAU OBERNAI BIARRITZ PESCARA KO P E N H AG E N T R A U M H OT E LS B O S N I E N - H E RZE G OW I N A SIEBENBÜRGEN G R A N A DA A N DA LU S I E N TRENDS M A R O K KO KARIBIK VIETNAM FIDSCHI SINGAPUR
R H E I N GAU
Von Schatzkammern und Kunstkellern Text Susanne Freitag
Best Practice im Rheingau: Innovative Winzer mit Torschussqualität, kulinarischen Konzepten und einem Sinn für Kunst.
Es gibt Landstriche, denen Mutter Natur ihre besondere Gunst erwiesen hat. Der Rheingau zählt zweifelsohne dazu. Nur ein paar Kilometer von Wiesbaden entfernt im Südwesten Hessens lockt eines der besten Weinanbaugebiete Deutschlands, und Besucher haben die Qual der Wahl zwischen 600 Gütern, von denen einige auf eine lange Geschichte zurückblicken. Verstaubt sind sie deswegen aber noch lange nicht – im Gegenteil: Mit innovativen Ideen ist es den Winzern gelungen, einen Bogen in die heutige Zeit zu schlagen und die Weintradition auch einem jüngeren Publikum näherzubringen. 1:0 für das Weingut Josef Spreitzer Eines davon ist das Weingut Josef Spreitzer in Oestrich. Die Brü-
18
der Andreas und Bernd Spreitzer führen das Weingut seit 1997 gemeinsam, in der 13. Generation, und verstehen es gekonnt, Tradition und Moderne zu verbinden. Optisch zeigt sich das bereits bei der Anfahrt mit einer eindrucksvollen, denkmalgeschützten Jugendstilvilla mit barocken Elementen zur Linken und der modernen Vinothek zur Rechten. Die Tradition des Weinguts geht bis in das Jahr 1641 zurück, und tief im alten Gewölbekeller von 1743 lagern die edelsten Tropfen in der „Schatzkammer“, zu der nur wenige Personen Zutritt haben. 2.500 Flaschen Riesling sind es insgesamt, darunter einige aus dem Jahr 1933. Das Spreitzer-typische Etikett ziert eine goldene Silhouette der sanften Hänge des Rheingau-
R H E I N GAU Mitarbeiter in der Weinlounge 1141 im Draiser Hof.
OBEN
© Mediahsots
Das Weingut Josef Spreitzer in Oestrich.
UNTEN
© Weingut Josef Spreitzer
19
B IAR R I TZ
Biarritz – Von der Kühnheit geküsst Text Sarah Braun
Wellenreiten vor traumhafter Kulisse: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zieht Biarritz die Brettsportfans magisch an und hat sich einen Namen als europäische Surf-Hauptstadt gemacht. Doch das ist längst nicht alles, was die Stadt zu bieten hat. Biarritz nahm seinen Anfang als Walfänger-Dorf und entwickelte sich unter Kaiserin Eugénie zur Thermalstadt weiter. Das eklektische, erhabene Architekturerbe zeugt von der reichen Geschichte der Stadt.
Victor Hugo verfiel bei seinem ersten Besuch in Biarritz dem Charme der wilden, rohen und ungezähmten Schönheit der Landschaften, der gischtumspülten Felsen, der Dünen und ausgedehnten Heidelandschaften. Allerdings befürchtete der Schriftsteller, dass die Stadt „in Mode kommen“ und somit ihren Charme und ihr Feuer einbüßen würde. In diesem Jahr, 1843, hatte Biarritz ihren Wandel gerade erst begonnen. Schon bald sollte ein wahrer Hype über die Destination einbrechen, der bis heute andauert.
32
Das Fischerdorf Biarritz lebte ab dem 12. Jahrhundert vom Walfang. Als die Meeressäuger in der Mitte des 17. Jahrhunderts ausgerottet waren, musste sich die Stadt neu erfinden und machte sich die Schönheit des Ozeans zunutze. Baden im Meer galt zu jener Zeit als Heilmittel für diverse Leiden – eine perfekte Gelegenheit also, um auf diesen Zug aufzuspringen. Ab 1784 fand Meeresbaden massenhaft Anklang. Die Geschichte hätte hier enden können und Biarritz wäre ein kleines Hafenstädt-
B IAR R I TZ Biarritz ist für seine Mischung aus verschiedenen architektonischen Stilen bekannt. Der Geograf Roger Brunet bezeichnet die Stadt als „ein Museum des Badekitschs“.
OBEN
Die Stadt Biarritz hat eine vier Kilometer lange Küste und sechs Strände.
UNTEN
33
KO P E N HAG E N
Eine Ode an den Kaufmannshafen Text Marc Dostert
Kontrastreicher geht es kaum. Prunkvolle Schlösser treffen auf hochmoderne Architektur. Grünes Denken auf freien Lebensstil. Streetfood auf Sterneküche. Willkommen in Kopenhagen.
Die coolste Stadt Europas. Vorausgesetzt, es herrschen gerade hochsommerliche 22 Grad und man hat jemanden wie Salomonsen. Salomonsen wirkte anfangs etwas schwerfällig, konnte ungemütlich werden, war ab und zu auch anstrengend und redete kein einziges Wort. Dennoch war er in dieser Großstadt, auf die die Beschreibung Dorfmetropole viel besser zuträfe, ein steter Begleiter, der sich als unverzichtbar erwies. Dänemarks Hauptstadt hieß früher Køpmannæhafn. Im Jahr 1043 … Ich schweife ab. Dies ist eine Ode, keine Geschichtsstunde. Vielleicht etwas Politik, mal sehen. Die nordeuropäische Hafenstadt kommt mit einer ungeheuren Vielfältigkeit da-
46
her und bietet so einiges. Eine autonome, (fast) ohne Gesetze lebende Hippie-Kommune, eine Skipiste samt Kletterwand auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage, ein schöner Strand mit Blick auf den ewigen Klassenbesten Schweden, ein mit Blumenbeeten und Springbrunnen geschmückter Vergnügungspark, etliche saubere Wasserkanäle, die gerne als sehr kühle Abkühlung genutzt werden, ein riesiger, täglich geöffneter Bio-StreetfoodMarkt, prachtvolle, königliche Paläste, die sich an klares, dänisches Design reihen, eine Kunst- und Kulturszene, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht, und ganz nebenbei noch die besten Restaurants der Welt.
KO P E N HAG E N Das Wasserschloss Frederiksborg liegt auf drei kleinen Inseln in Hillerød.
OBEN
© Daniel Rasmussen
Dänisches Design: funktional, minimalistisch und nachhaltig.
UNTEN
© Daniel Rasmussen
47
KO P E N HAG E N
Fußgänger- und Fahrradbrücken prägen das Stadtbild Kopenhagens.
OBEN
© Daniel Rasmussen
UNTEN LINKS Die Cirkelbroen (Kreisbrücke) verbindet seit 2015 zwei Viertel miteinander.
© Astrid Maria Rasmussen
Etliche Grünanlagen und Parks laden zum Spazieren ein.
UNTEN RECHTS
© Astrid Maria Rasmussen
48
KO P E N HAG E N Kein Wunder also, dass Kopenhagen bereits mehrfach zur lebenswertesten Stadt der Erde gekürt wurde. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass ihr gesamtes Konzept darauf ausgelegt ist, funktional zu sein. Stichwort dänisches Design, man denke an windgeschützte Badeplätze oder strategisch gut platzierte Hafenbusse. Ihre hiesige, moderne Architektur kommt vor allem seinen Bewohnern zugute und wurde ihrem Alltag präzise zugeschneidert. Die rund um die Uhr, pünktlich abfahrende fahrerlose U-Bahn sowie das hunderte Kilometer lange, klar von potenziell gefährlichen, motorisierten Pendlern abgetrennte Radwegnetz ergänzen die perfektionistische Symbiose von Nutzen und Brauchen. Ohne Salomonsen geht nichts In der Welthauptstadt der Radler verkehren seit 2016 täglich mehr Fahrräder als Autos. Damals wie heute aber nicht etwa der Umwelt zuliebe, nein, sondern weil man ganz einfach viel schneller an sein Ziel kommt. Bereits vor über 50 Jahren erkannte die Politik Vorteile einer solchen Stadtplanung: der Infrastruktur-Ausbau ist um einiges billiger; die Umweltverschmutzung geringer, was letztlich auch deren Bekämpfungskosten senkt; Fahrradfahrer sind allgemein gesünder oder, besser gesagt, seltener krank, belasten die staatliche Krankenkasse somit weniger.
49
KO P E N HAG E N
Auf sanfte Mobilität zu setzen, entpuppt sich als ein äußerst gerissener Schachzug, wobei die sehr flache Geologie der Insel Seeland, auf der Kopenhagen errichtet wurde, einer solchen Strategie natürlich in die Karten spielt. Teuer, aber sexy Die liberale und nachhaltige Stadt ist nicht gerade günstig, vor allem, wenn man in den Genuss gehobener Gastronomie kommen möchte. Den Charme der dort herrschenden Hygge – das dänische Lebensgefühl und Rezept für Glück – beeinflusst dies jedoch kaum. Hygge bedeutet so viel wie eine gemütliche, gesellige Atmosphäre. Wäre ich eine Stadt, würde ich mir wünschen, Kopenhagen zu sein. Würden dort ganzjährig angenehme Temperaturen herrschen, würde ich hinziehen, mir eine mit eigenem Kajak-Steg ausgestattete Wohnung gönnen, täglich ein gut belegtes Smørrebrød verzehren und meinen Salomonsen wahrscheinlich Svenson nennen, weil ich es nicht besser weiß und es nordisch klingt. Salomonsen war der Name meines Fahrrads. Hier haben Fahrräder Namen. Ziemlich cool.
50
KO P E N HAG E N
OBEN LINKS Ein Springbrunnen aus Marokko oder eine Skulptur aus Japan: der Superkilen-Park strahlt Vielfältigkeit aus.
© Astrid Maria Rasmussen
Der Karen-Blixens-Platz ist einer der größten öffentlichen Plätze Dänemarks. Unter seinen „Hügeln“ befinden sich 2.000 Fahrradstellplätze.
OBEN RECHTS
© Astrid Maria Rasmussen
Sind sie zu kalt, bist du zu schwach: Die sauberen Wasserkanäle werden im Sommer vor allem von Einheimischen genutzt.
UNTEN
© Astrid Maria Rasmussen
51
KO P E N HAG E N
6 To-Dos in Kopenhagen Neben den weltbekannten Attraktionen wie der Kleinen Meerjungfrau und dem pittoresken Hafenviertel Nyhavn versprechen diese sechs Orte eine lohnenswerte Erfahrung.
52
1
2
3
4
5
6
2 CopenHill Ein Fahrgefühl, wie auf hartem Schnee: die Müllverbrennungsanlage ist der höchste künstliche Freiluft-Skihügel der Welt und beherbergt außerdem eine Roof-Top Bar und eine 85 Meter hohe Kletterwand.
3 Amager Strandpark Kopenhagens größter Strand ist mit dem Rad vom Zentrum aus leicht zu erreichen. Das gut besuchte Erholungsgebiet bietet einen Ausblick auf die berühmte Öresundbrücke. Sie verbindet Dänemark mit Schweden.
4 Freistadt Christiania Geduldet, geliebt, umstritten, immer wieder Anlass für Diskussionen: die seit 1971 bestehende alternative Wohngemeinschaft verwaltet sich mit wenigen Regeln selbst. Es gibt weder Mietverträge noch Hauseigentum.
5 Tivoli Gardens Es heißt, Walt Disney habe hier die Inspiration für sein erstes Disneyland gefunden. Der zweitälteste Vergnügungspark der Welt (der Älteste befindet sich ebenfalls in Kopenhagen) ist mitten in der Innenstadt.
6 Curfew Angelehnt an die Prohibition der 1920er-Jahre, liegt der Eingang versteckt hinter einem falschen Bücherregal. Eine der besten Cocktailbars sollte man ausnahmsweise ohne Fahrrad besuchen.
2 1 6
5
4
3
KO P E N HAG E N
1 Broens Gadekøkken Hier setzen Spitzenköche auf Qualität und präsentieren ihre Interpretation von WeltklasseStreetfood: der Bridge Street Kitchen-Markt wurde vom 3-Sterne-Restaurant noma mitgegründet.
B OS N I E N - H E R Z EG OW I NA
In Sarajevo wird das Signal zum Fastenbrechen durch das Abfeuern einer Kanone gegeben.
OBEN
Die fünfhundertjährige Gazi-Husrev-Beg-Moschee thront über der Altstadt von Sarajevo.
UNTEN
56
B OS N I E N - H E R Z EG OW I NA
Balkanische Vielfalt Text & Fotos Laurent Nilles
Ein langes Wochenende reicht schon, um sich von dem kleinen Land auf dem Balkan bezaubern zu lassen. Von der ottomanischen Altstadt Sarajevos über die moosgrüne Berglandschaft der Dinarischen Alpen bis hin zur weltbekannten Alten Brücke in Mostar: die kulturelle und landschaftliche Vielfalt Bosnien-Herzegowinas lässt sich unkompliziert in ein paar Tagen entdecken.
Auf den Mauern der Gelben Bastion Žuta Tabija, hoch über den Dächern Sarajevos, haben sich dutzende Schaulustige versammelt. Der Duft von frisch gebackenem Brot strömt verlockend über die Festung. In großen Plastiktüten haben die Menschen Getränke und Esswaren auf den Hügel mitgeschleppt. Doch noch üben sich die Sarajlije, wie die Einwohner der Stadt genannt werden, in Zurückhaltung. Es ist Ramadan, muslimische Fastenzeit, und erst nach Sonnenuntergang darf gegessen und getrunken werden. Das Signal zum Iftar, dem Fastenbrechen, wird eindrucksvoll durch das Abfeuern einer alten Ka-
none gegeben. Wenn der Sprengmeister, den typischen roten Filzhut auf dem Kopf, die Schwarzpulverladung zündet, hört man den Knall in der ganzen Stadt: der Startschuss für das gemeinsame Abendessen. In der beschaulichen ottomanischen Altstadt drängen hungrige Familien in die Restaurants und Cafés und laben sich an Ćevapčići, kleinen Würstchen aus Hackfleisch, und Burek, einer mit Fleisch, Käse oder Spinat gefüllten Blätterteigspezialität. Während der Festzeit sind die spitzen Minarette der Moscheen besonders geschmückt und die Gotteshäuser ziehen anlässlich Eid Fitr, dem letzten Tag des Ra-
57
MAR O K KO
Das traditionelle Gewand und die altertümlichen Gewehre werden nebst reiterlichem Können ebenfalls von den Juroren bewertet.
OBEN
In gestrecktem Galopp rasen die Teilnehmer über das Feld, um ihr Können unter Beweis zu stellen.
UNTEN
88
MAR O K KO
Marokkanisches Pferdespektakel Text & Fotos Laurent Nilles
Man muss kein Pferdenarr sein, um dem Charme der traditionellen Reiterspiele des Maghreb zu verfallen. In Marokko, wo mehr als 6.000 Reiter den Sport ausüben, lässt sich der Brauch besonders gut entdecken.
Staunend stehe ich im von hundert Pferdehufen aufgewirbelten Staub, die Ohren taub vom Knall der alten Gewehre, scharfen Schießpulvergeruch in der Nase. Ein Reiter liegt am Boden, vom harten Rückstoß seiner Waffe aus dem Sattel geworfen, sein Pferd macht sich vom Acker und muss eingefangen werden. Ich habe das gerade Erlebte noch nicht verarbeitet, da rast die nächste Gruppe schon in gestrecktem Galopp auf mich zu. Der mit roten und grünen Flaggen geschmückte Reitplatz, die mit Berberteppichen ausgelegten, elfenbeinfarbenen Nomadenzelte, das weißgetünchte Minarett einer Moschee im Hintergrund – zusammen ergibt sich eine zeitlose Szene wie in einem Gemälde des Orientalismus des 19. Jahrhunderts. Tatsächlich aber befinde ich
mich im Hier und Jetzt, in Ziaida, einer kleinen Ortschaft im Hinterland der Küstenregion Casablancas, wo ich heute die Chance habe, einer traditionellen Tbourida beizuwohnen. Diese marokkanischen Reiterspiele, deren Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen sollen, wurden erst kürzlich, im Dezember 2021, zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO gekürt. Die Regeln des Wettkampfs Als ich ein paar Stunden zuvor ankomme, ist es kurz vor Mittag. Noch viel zu früh, da die Spiele wegen der sengenden Hitze von über 35 Grad erst nach dem Nachmittagsgebet beginnen sollen. Also nehme ich zunächst eine spontane Einladung zum gemeinsamen Couscous-Essen an. Hier, weit weg von den Touristenzentren
89
MAR O K KO
Marrakechs und Agadirs, ist die legendäre marokkanische Gastfreundschaft noch sehr lebendig. Man freut sich über das Interesse des ausländischen Gastes an dem lokalen Brauchtum und so verbringe ich viel Zeit in den Zelten der Sorba – so werden die TbouridaGruppen genannt – und lasse mir bei Oliven und Minztee die Regeln des Wettkampfs erklären. Jede Sorba besteht aus ungefähr zwanzig Reitern, die, angeführt von ihrem Kapitän, dem Mokaddem, einen Angriff einer Berber-Reiterstaffel simulieren. Möglichst synchron soll die Attacke ablaufen. Die Reiter galoppieren nebeneinander in einer geraden Linie wie eine Mauer im selben Augenblick los, um dann kurz darauf alle zeitgleich die alten Vorderladergewehre abzufeuern. Bewertet werden neben der Darbietung auch die Berber- und Araber-Berber-Pferde, deren Abstammung und Statur sowie ihr Gesundheits- und Pflegezustand. Die Kostüme der Teilnehmer, die Verzierung der Sättel wie auch die Qualität der eingesetzten Musketen werden bei der Punkteverteilung ebenfalls berücksichtigt. Letzte Vorbereitungen Bei mehr als zwanzig Reiterstaffeln, die bei diesem Turnier ihr Können unter Beweis stellen, zähle ich fast 500 Pferde, die vor dem Start gefüttert, getränkt, geputzt und schlussendlich gesattelt werden wollen. Stiefel werden gewienert, Gewehre geladen, Turbane
90
MAR O K KO Hunderte Pferde müssen vor dem Turnier geputzt und gesattelt werden.
91
MAR O K KO
Ein gelungener Durchgang: Die Gewehre schießen zeitgleich Feuerbälle gen Himmel.
OBEN
UNTEN LINKS Nur die Besten der Besten dürfen bei der Trophée Hassan II antreten.
Der Mokkadem ist der Kapitän der Reiterstaffel.
UNTEN RECHTS
92
MAR O K KO geschnürt. Jeder Kapitän schwört sein Team noch auf die gemeinsame Taktik ein; ein kurzes Gebet wird gesprochen. Und dann geht es auch schon los. Rund um den Reitplatz drängeln sich die Zuschauer. Tribünen gibt es keine, und nur aus den ersten Reihen kann man von der Vorstellung überhaupt etwas sehen. Eine Sorba nach der anderen geht an den Start und die Reiter geben für ihre Darbietung alles. Ein wahrhaft zeitloses Spektakel! Bis nach Sonnenuntergang bleibe ich und beobachte fasziniert, wie im Minutentakt galoppiert und unter dem Jubel des Publikums glühende Feuerbälle gen Himmel geschossen werden. Die Besten der Besten Ein paar Tage später bin ich in Rabat, der Hauptstadt des Landes. Hier findet unter der Schirmherrschaft des Königs von Marokko das Finale der Trophée Hassan II statt. Der wichtigste und prestigeträchtigste Wettkampf des Landes zieht alljährlich tausende begeisterte Besucher an, denen so einiges geboten wird. Nur die Besten der Besten, die Sieger der regionalen Qualifikationsturniere, dürfen hier antreten. Das kundige Publikum feiert die gelungensten Auftritte lautstark, während die kleinsten Patzer kritisch kommentiert werden. Deren gibt es hier allerdings wenige, die Bewegungen der Reiter sind ganz und gar aufeinander abgestimmt, die Schüsse aus den alten Musketen fallen beinahe auf die Milli-
93
F I DS C H I
Fidschi – malerische Trauminseln Text Annemarie Hastert
Das Südseeparadies am Ende der Welt verzaubert mit verheißungsvollen Liedern, der berühmten „Fiji Time“ und perfekter Gastfreundlichkeit.
Es ist „Fiji time“! Tauchen Sie mit REESEN in eine fremde und faszinierende Kultur ein. Wonach Sie auch immer suchen, diese pazifischen Inseln lassen Märchen wahr werden. Den Höhepunkt aller weltweiten Tauchgänge bildet eine Tauchreise am berühmten Regenbogenriff, dem Great White Wall. In dieser Weltklasse-Höhle schimmern die Riffwände weiß. Die dort wachsenden Weichkorallen sind in Wirklichkeit lavendelfarben bis tiefviolett gefärbt. Allerdings ist die Wand so geneigt, dass kein direktes Sonnenlicht auf sie fällt und so dem Taucher der Eindruck vermittelt wird, er würde sich mitten im tiefblauen Meer vor einer schneebedeckten Riffwand befinden, die bis zu 60 Meter hinab in die Tiefe geht. Dieses mystische Unterwassererlebnis gibt es jedoch nur zu einer
112
bestimmten Tageszeit, die die Tauchschulen natürlich kennen. Nur in diesem einzigen Fall existiert die berühmt-berüchtigte Fiji Time nicht. Im Pazifik ticken die Uhren langsamer. Darauf wurden wir bereits bei der Ankunft von unserem Fahrer, dem selbsternannten „FBI“-Boy (Fijian Born Indian) hingewiesen: „Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit.“ Taveuni, sattgrüne Vegetation Das Eiland liegt genau auf dem 180. Längengrad. In der verschlafenen Ortschaft Waiyevo gibt eine Tafel Auskunft darüber, wo einst die Internationale Datumsgrenze verlief. Derjenige, der östlich der Landmarke stand, befand sich im Gestern; derjenige, der westlich weilte, lebte im Heute. Aktuell befindet sich die offiziell praktizierte Datumsgrenze östlich von Fidschi.
F I DS C H I Mein Mann taucht leidenschaftlich gerne in die faszinierende und intakte Unterwasserwelt mit blühenden Korallengärten ab.
OBEN
Nehmen Sie sich Zeit, um alle Schönheiten der Natur zu entdecken. Eine unglaubliche Flora und Fauna erwartet Sie in diesem Südsee-Paradies. Erleben Sie Dschungel-Feeling pur.
UNTEN
113
F I DS C H I
gliederung Fidschis in das Britische Weltreich ist alles dokumentiert. Mir persönlich bleiben das Ruder der HMS Bounty, einem Dreimaster der britischen Admiralität, der 1787 zu einer Südseereise aufbrach, sowie Thomas Bakers tragische Geschichte in ewiger Erinnerung. Der englische Missionar wurde 1867 von Anhängern der fidschianischen Religion getötet und, wie es scheint, im Bergdorf Nabutautau verspeist. Seine teils zerfetzten und angebissenen Schuhsohlen wie auch seine Bibel sind im Museum hinter einer Glaswand ausgestellt. Für Historiker bleibt es eine Herausforderung, die Wahrheit herauszufinden. Eintauchen in die packende einheimische Kultur Besonders stimmungsvoll sind die traditionellen Begrüßungs- und Abschiedsshows: In Kriegerkleidung gehüllt, spielen die Einheimischen verheißungsvolle Klänge auf der „Fijian-Lali“, einer Stock-Trommel, benutzen eine Muschel zum Musizieren oder eskortieren ihre Gäste wie VIPs zum Feuerlauf, dem „Vilavilairevo“. Diese einzigartige Gabe des gemütlichen Laufens mit nackten Fußsohlen auf glühenden Steinen geht auf ein uraltes Ritual zurück. Das Herzstück der fidschianischen Kultur gipfelt in einem Lovo-Essen. Vor dem gegarten Essen aus dem Erdofen gibt es eine Kava-Zeremonie. Kava (Yaqona), das Nationalgetränk, wird aus der getrockneten und anschließend zerkleinerten Wurzel des Pfefferstrauches unter Wasseraufguss gewonnen. Diese traditionelle Zeremonie, durchgeführt vom Dorfvorsteher, gehört seit Urzeiten zur Kultur der Fidschianer. Sie findet
116
F I DS C H I Was gibt es Schöneres, als mit solch einer Panoramasicht auf Nanuya Levu aufzuwachen? Dieser Eine-Million-DollarBlick garantiert sofortige Entschleunigung.
117
S I N GAP U R
Das Restaurant La Dame de Pic der französischen Küchenchefin Anne-Sophie Pic hat dem legendären Raffles-Hotel zu neuem kulinarischen Glanz verholfen.
OBEN
© La Dame de Pic UNTEN LINKS Anne-Sophie Pic, die mit den meisten Sternen ausgezeichnete Küchenchefin der Welt, hat für La Dame de Pic einen Michelin-Stern im Jahr 2022 erhalten.
© Hublot
Die Küche von Anne-Sophie Pic vereint gekonnt asiatische mit französischen Produkten.
UNTEN RECHTS
© La Dame de Pic
126
S I N GAP U R noch heute davon. Nicht weniger als 260 Stände lassen hier FoodieHerzen höherschlagen. Internationale Spitzenköche Apropos Guide Michelin: Singapur darf mit Stolz behaupten, die Heimat einiger der besten Restaurants Asiens zu sein. Sein Wohlstand, die gehobene Lebensweise einiger Einwohner und seine internationale Kultur locken immer neue Investoren an. Luxushotels und -restaurants schießen wie Pilze aus dem Boden und ziehen die besten Köche der Welt an. Ganze 42 Restaurants dürfen sich mit einem Michelin-Stern schmücken, darunter, seit 2022, La Dame de Pic im berühmten Hotel Raffles, dessen Karte die Handschrift der französischen Spitzenköchin Anne-Sophie Pic trägt. Sieben Etablissements wurden mit zwei Sternen ausgezeichnet. Die Restaurants Odette, Zen und Les Amis stehen mit drei Sternen ganz oben auf dem Treppchen. Die höchstgelegene urbane Farm der Welt Wer nicht unbedingt in einem Sternerestaurant speisen möchte, findet in Singapur tausende Adressen, die alle von der kulturellen Vielfalt der Stadt inspiriert sind – von der Fusionsküche hin zur Cocktailbar im trendigen Lounge-Look. Auf den Dächern von Wolkenkratzern oder in angesagten Vierteln erwarten Besucher viele kulinarische Entdeckungen. In der 51. Etage des kürzlich erbauten CapitaSpring-Gebäudes im Central Business District folgen die Restaurants Kaarla und Oumi diesem Trend. Während das erste mit australischer Küche aufwartet, lockt das zweite seine Kunden mit japanischen Spezialitäten. Sie arbeiten beide mit Zutaten aus
127
S I N GAP U R
Das Oasia Hotel, ein „green-green“ Gebäude im zentralen Stadtteil Tanjong Pagar. Seine Gartenfassade verändert sich im Laufe der Jahre.
Auf seiner hydroponischen Farm Sprout Hub (auch City Sprouts genannt) entwickelt Zac Toh, der Gründer, eine lokale, nachhaltige und urbane Landwirtschaft.
dem benachbarten Sky Garden, der sich als die höchstgelegene urbane Farm der Welt präsentiert. Gemüse, Obst, Kräuter ... 130 Pflanzen wachsen dort in 280 m Höhe und genießen einen schwindelerregenden Blick auf die Supertanker, die in der Bucht vor Anker liegen. Ökologischer Wandel Das Gebäude verkörpert das Umweltbewusstsein einer Stadt, die es sich zum Ziel gesetzt hat, ihren Energiekonsum zu senken und ihre Kohlenstoffemissionen auf spektakuläre Art auszugleichen. Der
128
6 Millionen Einwohner starke Tigerstaat nimmt nicht nur eine führende Position im Finanzwesen und Seehandel ein, sondern glänzt auch in Sachen Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit. Jedes neue Bürogebäude muss die Bodenfläche, die durch seinen Bau verloren geht, durch Grünflächen ausgleichen. Unzählige Gartenetagen, hochgelegene Mikro-Farmen und Pflanzenwände sind so entstanden – wie im Oasia Hotel, dessen Gartenfassade seit seiner Eröffnung 2016 grünt und gedeiht. Das ParkRoyal Collection Pickering beeindruckt
mit seinem „vertikalen Wald“ und hängenden Gärten. In dieser Stadt, die 10 % ihrer Oberfläche der Landwirtschaft widmet, sind Hydroponik und Restaurants, deren Küchen mit frischen Zutaten direkt aus dem Garten arbeiten (Kaarla und Oumi, aber auch Open Farm Community), immer mehr im Kommen. Und so ist die multikulturelle Millionenstadt Singapur nicht nur Weltmeister der internationalen Küche, sondern setzt auch – aus Notwendigkeit und Imagegründen – im Bereich der nachhaltigen Entwicklung ein ganz deutliches Zeichen.
S I N GAP U R
Breviarium
1° N 103° E visitsingapore.com
MALAYSIA
SINGAPUR Central Catchment Nature Reserve Little India Chinatown
Katong-Joo Chiat
Lau Pa Sat Sentosa
Unbedingt Die kulinarische Reise geht einher mit einem völlig neuen Eintauchen in die Kultur. Katong-Joo Chiat ist das traditionsreiche Viertel der Peranakan. In den farbenfrohen Häusern der Shophouses kann man Perlenstickereien und Delikatessen wie Kueh Salat, einen Reiskuchen mit Kokosnuss und Pandan (bei Rumah Bebe), entdecken. In Chinatown gibt es buddhistische Tempel und medizinische Stände. Little India ist überfüllt mit Stoffläden und Ayurveda-Zentren. Kampong Glam schließlich, das malaiische Viertel, ist von der muslimischen Kultur geprägt. Die Besucher strömen in die Mode- und Deko-Shophouses, während andere zur Masjid Sultan Moschee pilgern.
Bloß nicht Wer eher wilde Küsten und unberührte Horizonte liebt, sollte sich die Reise nach Sentosa sparen. Diese Insel, die durch eine Einschienenbahn mit der Stadt verbunden ist, ist ein echter Badeort und bietet eine Fülle von Hotels, Strandbars, Freizeitanlagen, eine Shopping Mall, einen Golfplatz, Eigentumswohnungen... All das in einem sterilen Hightech-Dekor, das die ursprüngliche Natürlichkeit der Insel übertüncht. Die meisten Strände sind künstlich angelegt und blicken auf die vor der Küste kreuzenden Containerschiffe.
Geheimtipp Trotz seiner unglaublichen Dichte gibt es in Singapur viele Grünflächen, die wie eine Atempause wirken. Rund um das MacRitchie-Reservoir befindet sich das Central Catchment Nature Reserve, Singapurs größtes Naturschutzgebiet. Auf dem Programm stehen Wanderwege, der Wald, ein Aussichtsturm und frei lebende Affen. In der Bucht von Singapur gibt es auch mehrere kleine Inseln, die zu Ausflügen einladen. Lazarus Island hat einen Strand, der die Form einer perfekten Muschel hat. Auf Kusu Island gibt es Meeresschildkröten und einen schönen chinesischen Tempel. Pulau Ubin schließlich schützt sein Kampong (Dorf) noch wie früher.
129