www.hoffnung.ch/interlaken-oberhasli
REGIOZEITUNG
INTERLAKEN & OBERHASLI SEITEN 3–5
VERTRAUEN, DAS TRÄGT
SEITEN 16–19
MIT GOTT GERUNGEN Jakob Hari aus Adelboden verlor durch einen Verkehrsunfall beide Söhne.
SEITEN 8–9
Nach frühen Verlusten wieder Freude gefunden: Landwirtin Milena Knutti aus Erlenbach i. S.
HOFFNUNG FÜR DIE HOSENTASCHE
AdobeStock
Mit Kärtchen schenkt Pfarrerin Eva Leuenberger Touristen in Lauterbrunnen Segen für unterwegs.
SEITE 13
SEITE 30
SEITEN 34–35
MACH MIT BEIM FOTOWETTBEWERB
HOPE MEETS HOCKEY: ROMAN JOSI
ENTDECKE HOFFNUNG
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HALT IN EXTREMEN ZEITEN LIEBE LESERIN, LIEBER LESER Wetterkapriolen, gesellschaftliche Debatten, steigende Lebenshaltungskosten oder der Wunsch nach Gesundheit und Langlebigkeit: Vieles scheint heute ins Extreme zu driften, manches davon menschengemacht. Manchmal bringt das Leben selbst uns an Grenzen. Schmerzhafte Erlebnisse, Krisen und Zeiten der Trauer können uns den Boden unter den Füssen wegziehen. Solche extremen und herausfordernden Lebenserfahrungen stehen im Mittelpunkt unserer Hope-Herbstausgaben sowie der Sommer- und Herbststaffel unserer Kochsendung «Was das Leben auftischt». Köchin in der Sommer-Staffel war Milena Knutti, bekannt aus der SRF-Sendung «Landfrauenküche». Auch sie kam nicht ohne schwere Schicksalsschläge durchs Leben. Lest mehr darüber direkt ab der nächsten Seite.
Ein weiteres schweres Thema ist Missbrauch. Deborah Zimmermann (S. 20) und Pascal Brawand (S. 10) erzählen, wie sie trotz ihrer belastenden Erfahrungen neue Perspektiven fanden. Wer selbst durch eine schwierige Zeit geht, ist bei unserem Beratungsteam an der richtigen Adresse. Wir hören zu und vermitteln auf Wunsch passende Anlaufstellen (hoffnung.ch/beratung). Allen von Herzen eine ermutigende und hoffnungsvolle Lektüre!
FLORIAN WÜTHRICH Chefredaktor Hope
Unsplash: Matt
Ein langes und tiefes Trauertal liegt hinter Hanni und Jakob Hari aus Adelboden. 2019 verloren sie bei einem Verkehrsunfall in Schweden beide Söhne. Offen erzählen sie von ihrem Ringen
mit dem Schicksal und mit Gott – und davon, wie neue Hoffnung in ihr Leben zurückgekehrt ist (S. 16).
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HERZLICHEN DANK AN UNSEREN GOLDSPONSOR! HOPE 2026/1
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REDAKTION REDAKTION
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3 MILENA UND KILIAN KNUTTI
AUS DEM MINUS WURDE EIN PLUS Milena und Kilian Knutti standen durch ihre Teilnahme bei der «Landfrauenküche» von SRF Ende 2025 national im Rampenlicht. Das innovative Paar, das nebst Truten und Hühnern sogar Garnelen züchtet, schätzt das einfache Leben – nah bei den Menschen. «Mit Freundinnen habe ich mir immer wieder die ‹Landfrauenküche› von SRF angeschaut und darüber gewitzelt, was wir kochen würden», erzählt Milena Knutti. Im Sommer 2025 hat die begeisterte Hobbyköchin selbst teilgenommen. «Zum Podestplatz hat es nicht gereicht, aber es war eine sehr interessante Erfahrung», hält die 32-Jährige fest. Sie hat vor allem Produkte vom eigenen Hof verwendet und es genossen, in der halben Schweiz herumzureisen und die anderen Landfrauen auf ihren Höfen zu besuchen.
«Wir hatten schlaflose Nächte und es ging uns gesundheitlich immer schlechter …»
Geflügel zu züchten und direkt ab Hof zu verkaufen, hatten Milena und ihr Mann ursprünglich nicht geplant. Kilian sucht stets neue Herausforderungen. Er hat bereits im Recyclingbereich, als Automechaniker, später als Maurer und letztlich als Kranführer auf dem Bau gearbeitet. Auch schmierte der Bauernsohn jeweils die vom Vater produzierten Käse, wenn sich dieser als Senn auf der Alp aufhielt. Vor sechs Jahren entschied sich Kilian für die Ausbildung als Landwirt. Anschliessend zog die junge Familie auf einen Milchbetrieb, für den Nachfolger gesucht wurden. Zuversichtlich packte auch
Namen: Milena und Kilian Knutti Geboren: 1995 und 1994 Wohnort: Erlenbach i. S.
Hope
Käse, Kühe, Konflikte
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Plötzlich war da eine Lücke …
Milena ist als jüngstes von fünf Kindern in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder war sie eng verbunden. Durch einen Unfall auf dem Hof kam er ums Leben, als sie dreijährig war. Sechs Jahre zuvor hatte er selbst seine ältere Schwester verloren. «Als Kleinkind habe ich nicht bewusst realisiert, was geschehen war», stellt Milena klar. Plötzlich war da eine Lücke – ihr Bruder fehlte. Sie entwickelte Verlustängste und konnte kaum noch allein einschlafen. Der Glaube der Familie, dass Gott trotz allem gute Absichten hat, liess sie überleben – aber es war eine sehr harte Zeit. Die Eltern verarbeiteten die Katastrophen nach und nach, indem sie einige Jahre später seelsorgerische Hilfe suchten. Dass die Familie viel miteinander sang – Lieder, die ihr Vertrauen in Gott ausdrücken, aber auch Volksmusik – stärkte den Zusammenhalt. Im Teenageralter arbeitete auch Milena das Erlebte auf. «Wir müssen Gott nicht verstehen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er aus einem Minus ein Plus machen kann», ermutigte sie ihr Vater. So konnte seine Tochter ihre Ängste mit der Zeit überwinden.
«Ich war so glücklich, dass meine Mutter immer zuhause war – das möchte ich meinen Kindern nicht vorenthalten.»
ganzen Lebenskreislauf mit.» Die Familie schätzt diese Privilegien und lässt andere daran teilhaben. Zum Beispiel, indem sie einen Wohnwagen als B&B vermietet. «Es hat immer genau gereicht»
Ihre Mitmenschen im Blick zu haben, ist Milena und Kilian wichtig. «Ich möchte etwas Sinnvolles tun», hatte Kilian seiner Frau mitgeteilt, als sie frisch verheiratet waren. Also schaffte er Truten an und gemeinsam mästeten sie die Tiere. Mit dem Verkaufserlös übernahmen sie Patenschaften des Hilfswerks JAM. Dieses ermöglicht Kindern in Afrika regelmässige Mahlzeiten und Bildung. «Es hat immer genau gereicht», erzählt und freut sich Milena. «Wir konnten alle Kosten decken und den entsprechenden Betrag für die Kinder überweisen.» Geflügel statt Rinder
Diese Zuchterfahrung kam dem Paar zugute, nachdem es den Milchbetrieb verlassen hatte. Kilians Eltern überliessen der vierköpfigen Familie das grosse Bauernhaus und zogen in eine Wohnung. «Ohne unsere Notlage wäre das wahrscheinlich nicht passiert. So hat sie doch zu etwas Gutem geführt», resümiert Milena. Erneut wurden Truthähne angeschafft, später kamen Hühner dazu. Knuttis betreuen die Jungtiere liebevoll bis zum Schlachttermin, verpacken das Fleisch selbst und verkaufen es direkt ab Hof. Am Abholtag schöpfen sie ihren Kunden jeweils Suppe oder werfen den Grill an. So lernt man sich kennen. «Viele schätzen es, dass die Tiere es wirklich gut bei uns haben», weiss Milena. Garnelen und Gottesdienst
Inzwischen arbeitet Kilian bereits an einem weiteren Standbein fürs Familieneinkommen. Neben einem Teilzeitjob auf dem Bau züchtet er Garnelen. Diese beleben Aqua-
Ganz für die Kinder da sein
Milena und Kilian lernten sich 2018 kennen. Im Februar 2020 heirateten sie und wurden im Dezember 2021 Eltern. Heute gehören drei kleine Buben zu ihnen, der älteste kam im Sommer in den Kindergarten. Ihre Teilzeitstelle als Mittelstufenlehrerin hat Milena gekündigt. An diesem einen Tag pro Woche hatte jeweils Kilian für die Buben gesorgt. Die leidenschaftliche Mama und Köchin hält fest: «Ich war so glücklich, dass meine Mutter immer zuhause war – das möchte ich unseren Kindern nicht vorenthalten.» Sie weiss, wie herausfordernd der Schulbeginn sein kann und bekräftigt: «Das Bauernleben ist schön! Wir sind viel zusammen, können im und ums Haus herum viel machen und die Kinder bekommen den HOPE 2026/1
rien optisch und halten sie sauber, indem die Tiere die Algen fressen. Milena gefällt diese innovative Seite an ihrem Mann, während sie sich selbst als stetig bezeichnet. «Wir ergänzen uns gut – auch wenn wir an der Kommunikation noch arbeiten müssen», erklärt sie und lacht. Beide schöpfen immer wieder Weisheit und Kraft aus der Bibel oder aus Predigten, die sie in ihrer Freikirche oder online hören. Sich um Kinder zu kümmern und die eigenen Talente auch zum Wohl anderer einzusetzen, erfüllt Milena und Kilian. So schaut das Paar zuversichtlich in die Zukunft. Es hat erlebt, dass Gott aus einem Minus ein Plus machen kann. (mf.)
ÜBER KILIAN UND MILENA
Was bringt euch zum Lachen? Unsere Kinder – mit ihrer unbeschwerten und charmanten Art geben sie uns immer wieder Anlass dazu Worüber denkt ihr oft nach? Sinnerfülltes Leben und das damit verbundene Gestalten des Lebens Was würde uns an euch überraschen? Der Name unserer Katze: Fuchur Was möchtet ihr gern erleben? Freiheit Wann geratet ihr in einen Flow? Wenn Kilian in der Landi ist – und Milena die Kopfhörer aufgesetzt hat ...
zVg.
Milena mit an. Die Zusammenarbeit erwies sich jedoch zunehmend als belastend, da den beiden kaum Raum für eigenes Gestalten blieb. Kilian gesteht: «Wir hatten schlaflose Nächte und es ging uns gesundheitlich immer schlechter …» Schliesslich kündigte er den Vertrag – ohne Plan B.
Kilian und Milena sind Eltern von drei Jungs.
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EXTREME ERFAHRUNGEN
Sommerlich-leicht, aus hofeigenem Garten und Geflügelbetrieb präsentiert sich das Menü, das Milena Knutti unaufgeregt auf den Tisch zaubert. Alles andere als leicht verdaulich ist ihre Geschichte (siehe Seiten 3 –5). Zwei Geschwister starben als Kleinkinder bei tragischen Unfällen auf dem elterlichen Hof. Im Teenageralter belastete Milena dieser Doppelverlust stark. Kraft ihres Glaubens und professioneller Begleitung konnte die Mutter von drei kleinen Buben den Schmerz überwinden. Als Pflegefachfrau und Trauerbegleiterin sieht sich auch Monika Jost immer wieder mit dem Thema Tod konfrontiert. Hinzu kommt eine eigene Krebserkrankung im Gaumen vor einigen Jahren. Nach drei Eingriffen ist sie heute tumorfrei. Offen und ehrlich berichtet die Mutter dreier Teenager vom Umgang mit der Erkrankung und mit dem Verlust ihres früheren Aussehens. Durch die Gespräche führt Hope-Chefredaktor Florian Wüthrich, mit am Tisch sitzen: Christine Furrer, Mutter der tödlich verunglückten Radsportlerin Muriel Furrer, sowie Claudio Minder, CEO des Ostschweizer Schuhunternehmens kybun Joya. (mhe.)
HIER GEHT’S ZU UNSERER KOCHSHOW:
Hope
Die Lebensgeschichten in der sechsten Staffel der Talk- und Kochshow «Was das Leben auftischt» handeln vom Umgang mit extremen Erfahrungen. Sie bringen Themen wie Tod und Trauerbewältigung, aber auch Abenteuer und Unternehmertum auf den Tisch.
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6. Staffel
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«Was hilft gegen meine Einsamkeit?» EINBLCK IN UNSERE E-MAIL-BERATUNG «Ich befinde mich in einer hoffnungslosen Situation. Gesundheitliche Probleme und andere Herausforderungen lassen mich verzweifeln. Alles um mich herum sehe ich nur noch schwarz. Was hilft gegen meine Einsamkeit?» Liebe Susanne* Vielen Dank für dein Vertrauen und deine Anfrage, vielmehr für deinen Hilferuf. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie hoffnungslos du dich gerade fühlst. Wenn Körper und Seele leiden, kann es vorkommen, dass man keinen Ausweg mehr sieht. Und doch zeigt deine Nachricht auch etwas sehr Kostbares: Du hast den Mut, dich mitzuteilen. Das ist bereits ein Zeichen von innerer Stärke und Lebenswillen, auch wenn es sich vielleicht gerade nicht so anfühlt.
Das Beratungsteam von Hope Schweiz ist Teil der Livenet-Arbeit. Es bietet eine erste Anlaufstelle in Seelsorge und Beratung per E-Mail, die jede und jeder nutzen darf. Der kirchliche oder kulturelle Hintergrund spielen keine Rolle. Seit 25 Jahren besteht dieses kostenlose Angebot. Die Fragen werden von Seelsorgerinnen und Seelsorgern (Pfarrerinnen, Pastoren, ausgebildete Seelsorger) ehrenamtlich beantwortet.
Wenn du mir etwas genauer schildern könntest, welche Herausforderungen dich belasten (Beziehungen, Arbeit, Finanzen o. Ä.) kann ich dir konkretere Wege aufzeigen, wie du Unterstützung erhalten kannst. Weiter empfehle ich dir, dich ebenfalls an deine Hausärztin zu wenden und ihr diese Gefühle zu schildern. Falls du an einer Depression erkrankt bist, kann sie dir weiterhelfen. Du darfst deine Sorgen auch Gott anvertrauen; er hört jedes Gebet und ist immer für dich da. In Psalm 34,19 steht: «Der Herr ist denen nahe, die verzweifelt sind, und rettet diejenigen, die alle Hoffnung verloren haben.» Manchmal trägt uns Gott nicht durch grosse Wunder, sondern durch kleine Zeichen – ein mitfühlendes Wort, einen Menschen, der zuhört, eine Stunde der Ruhe. Du musst das nicht allein schaffen! Gern darfst du dich wieder melden. * Name geändert
Was beschäftigt dich? Weshalb engagierst du dich in der Livenet-Beratung? Ich finde es sehr wertvoll, dass Menschen für ihre Nöte eine Anlaufstelle haben. Auch wenn wir die Personen und ihre Umstände nicht so genau kennen, können wir trotzdem Hoffnung, Gebet und Segen weitergeben.
Schreib uns! Unser Team antwortet dir gern:
hoffnung.ch/deine-frage
Was schätzt du an deiner Tätigkeit? Die Hemmschwelle, ein Problem zu äussern, ist gerade bei der E-Mail-Beratung geringer, als wenn man direkt auf eine Person zugehen muss. Besondere Freude bereiten positive Rückmeldungen – und wenn man spürt, dass es einer ratsuchenden Person besser geht.
Sharon Wenk, Supervisorin & Beraterin
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EVA LEUENBERGER
FRIEDEN ZUM MITNEHMEN Eva Leuenberger ist Pfarrerin in Lauterbrunnen. Der Ort wird von vielen Touristen besucht – nicht immer zur Freude der Bevölkerung. Die regionalen Kirchgemeinden reagieren darauf, indem sie Besucherinnen und Besuchern ermutigende Bibelworte mit auf den Weg geben. «Jeden Tag fahren um die 4500 Autos zu uns ins Tal und wieder hinaus – das hinterlässt bei den Einheimischen Spuren», erzählt Eva Leuenberger. Die reformierte Kirchgemeinde Lauterbrunnen umfasst die Dörfer Lauterbrunnen, Wengen, Mürren, Gimmelwald, Stechelberg und Isenfluh. Die an Naturschönheiten reiche Region ist ein Touristenmagnet. Dass Reisende aus aller Welt private Gärten und Lebensräume betreten, gehört fast schon zum Alltag. Im Frühjahr landete die Pfarrerin gar auf der Kühlerhaube eines Autos. Als sie wieder heruntersprang, fuhr der Berner Lenker unbeirrt weiter. Der Dichtestress bringt alle an ihre Grenzen. «Wir leiden unter den Touristenströmen. Es gibt keine Zwischensaisons mehr – man kann sich nicht mehr erholen», stellt Eva klar. Kirche als Kulisse
Auch die Kirchen sind betroffen, werden als Picknickplätze und oft unerlaubt als Werbeplattformen genutzt. «Eine Kirchgängerin erklärte mir, sie fühle sich durch die vielen Flyer wie im Tourismusbüro …», sagt Eva und ergänzt: «Früher kamen christlich geprägte Besucher jedes Jahr wieder, sie nahmen an Gottesdiensten teil, man lernte sich kennen.» Heute kämen viele Besucher aus Übersee, sähen die Kirchen vor allem als Fotosujet und kehrten nie wieder zurück. «Wir fühlen uns benutzt», hält Eva fest. «Ich bin immer wieder geladen nach Hause gekommen, weil es mir zu viel wurde.» Gehen war dennoch keine Option. «Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes – aber wir HOPE 2026/1
Name: Eva Leuenberger Geboren: 1968 Wohnort: Merligen
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Verständlich verkündigen
Den christlichen Glauben lernte die gebürtige Ostschweizerin durch das kirchliche Engagement ihrer Eltern kennen. Nach der Ausbildung als Pflegefachfrau studierte Eva berufsbegleitend Theologie. Sie wollte mehr Zeit für die Menschen in ihrem Arbeitsumfeld haben. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen; während 20 Jahren teilten sie sich ein Pfarramt in Amsoldingen. So verbanden sie Erwerbs- und Familienarbeit. «Predigen wollte ich ursprünglich eher nicht …», erklärt Eva, die zuerst im Familien- und Seniorenbereich Verantwortung trug, «… doch bald merkte ich, wie gern ich das mache. Es war mir aber wichtig, nicht zu manipulieren.» Was Wahrheit anbelangt, könne sie sich auch irren, hält die Pfarrerin fest. Sie sei begeistert von der Bibel, gerade von ihren sozialkritischen Texten. «Sehr oft geht es um Macht und Geld – doch wenn wir uns nicht um Schwächere kümmern, geht letztlich auch eine Demokratie zugrunde», ist sie überzeugt. «Gewisse Texte bereiten mir Mühe, ich lese sie dennoch», erklärt die 58-Jährige. Einmal habe sie als Predigttext einen Brief an den Evangelisten Johannes geschrieben: «Ich trat mit ihm über die gewalttätigen Texte in Dialog, weil sie mich herausfordern.» Nach dem Gottesdienst kamen Leute auf sie zu und sagten: «Jetzt habe ich endlich begriffen, um was es da geht.» Seither ist ihre Freude am Predigen stetig gewachsen.
«Sehr oft geht es um Macht und Geld – doch wenn wir uns nicht um Schwächere kümmern, geht letztlich auch eine Demokratie zugrunde.» Vor fünf Jahren zog das Paar an den Thunersee, wo Eva in die Spezialseelsorge wechselte. «Spitalseelsorge und Sterbebegleitung sind wichtig und wertvoll», betont sie. Doch während der Corona-Pandemie sei ihr diese Aufgabe sehr an die Substanz gegangen. «Ich merkte, dass ich am glücklichsten bin, wenn ich alles machen kann – von der Kinder- bis zur Seniorenarbeit.» Dazu passt heute ihre 50-Prozent-Stelle in Lauterbrunnen. Blessing to go
«Während der Pandemie begegnete ich Menschen, die besorgniserregend depressiv wurden», erinnert sich Eva. «Auch die Kirchen durften nicht mehr so aktiv sein wie zuvor – das war eine grosse Not», erklärt sie.
Damals ermutigte sie eine Betroffene, Bibelverse auf Visitenkarten zu schreiben. Die Frau verzierte sie mit kaligraphischer Schrift und blühte dabei auf. Sie hatte wieder eine Aufgabe und konnte abends mit Freude auf das schauen, was sie geschaffen hatte. Das gab ihr Kraft für die herausfordernde Zeit. Diese Idee griff Eva vor zwei Jahren gemeinsam mit ihrem Team im Lauterbrunnental auf. Freiwillige begannen, kleine Karten mit ermutigenden Bibelversen zu gestalten, sie mit Vögeln oder Blumen zu verzieren und in den Kirchen aufzulegen. So möchten sie Touristinnen und Touristen einen Segen mit auf den Weg geben und der Ohnmacht in schwierigen Zeiten etwas Hoffnungsvolles entgegensetzen. Die Bibelkärtchen finden seit Beginn grossen Anklang: «Anfangs war die Nachfrage so gross, dass wir sie schliesslich fotografierten und drucken liessen», erzählt die Pfarrerin. Sie erlebt, dass nicht nur die Beschenkten, sondern auch die Gestaltenden davon profitieren. Das Beschriften der Kärtchen verändere die innere Haltung, öffne den Blick für suchende Mitmenschen und fördere die Gastfreundschaft. Gerade die christliche Tradition habe dazu viel beizutragen.
«Wir Reformierte dürfen allen das Abendmahl geben, weil Jesus dazu einlädt.» Abendmahl für alle
Nicht immer ist das einfach: «Es gibt Touristen, die kommen während des Gottesdienstes in die Kirche, filmen, fotografieren und lassen beim Hinausgehen die Tür zuknallen.» Da müsse sie sich manchmal beherrschen, um nicht wütend zu werden, bekennt Eva. Ganz anders erlebte sie es an Pfingsten: Einige asiatische Besucher blieben bis zum Schluss im Gottesdienst sitzen. Als Eva sie zum Abendmahl einlud, nahmen sie die Einladung gern an. Später stellte sich heraus, dass sie als Christen bewusst den Gottesdienst besucht hatten. «Das freute uns riesig. Wir Reformierte dürfen allen das Abendmahl geben, weil Jesus dazu einlädt», erklärt die Pfarrerin. Sie fügt an: «Im Nachhinein waren wir ein wenig stolz darauf, dass wir unseren Vorbehalten nicht nachgegeben, sondern die fremden Besucher bewusst willkommen geheissen hatten.» Dazu gehören heute auch die Bibelkärtchen. Lächelnd ergänzt Eva: «In jeder unserer Kirchen darf man sich eines mitnehmen. Und wenn keine mehr da sind: Im Pfarrhaus haben wir Vorrat!» (mf.)
Margarete Schmocker
dürfen auch uns selbst gegenüber achtsam sein», betont sie.
ZUR PERSON
Einer meiner Lieblingsplätze: Der Wald, dort fühle ich mich geborgen und geerdet. Worüber denkst du oft nach? Über unsere Welt und wie alles weitergehen wird Was würde uns an dir überraschen? Ich kann plötzlich loslachen und verblüffe mein Umfeld damit. Hast du Angst vor dem Sterben? Vor dem Tod nicht, vielleicht vor dem Weg und dem Leiden bis dorthin. Ich hoffe, dass mich mein grosses Gottvertrauen tragen wird. Wenn du nochmal anfangen könntest – was würdest du anders machen? Wir können im Leben nicht zurück, sondern immer nur lernen – bis zuletzt.
HIER GEHT’S ZUM TALK MIT EVA:
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10 Hope
PASCAL BRAWAND
HOFFNUNG ZWISCHEN DEN SEILEN Als Kind misshandelt und traumatisiert, stärkt der ehemalige Box-Champion Pascal Brawand heute andere Menschen. Das Credo seiner Berner Boxschule: Es gibt immer Hoffnung! Pascal Brawand, von allen «Päscu» genannt, ist ein Mittfünfziger mit grauer Mähne, bei dem die Worte förmlich sprudeln. Dabei behält er sein Gegenüber und die Umgebung fest im Blick. Jahrzehntelang hat er genau das trainiert. Sandsäcke, Boxhandschuhe, Ring- und Springseile sind seine Welt – ein Universum, das ihm als Teenager Schutz und Chancen bot. Eindrücklich erzählt der Boxtrainer, Theologe, Coach, psychosoziale Berater und Fachberater für Psychotraumata von eigenen Abgründen und seinem Weg ans Licht. Einschneidende Schläge
Päscus Geschichte beginnt im Jahr 1971 in Bern. Er verbringt die ersten Jahre bei seiner Mutter, lernt seinen Vater nie kennen. Ab dem vierten Lebensjahr ergänzen Tageseltern die Betreuung. Über sie spricht er bis heute positiv. Highlights sind jeweils die Ferienbesuche bei seiner geliebten Grossmutter in Grindelwald. Es folgen düstere, prägende Jahre. Zwischen seinem 7. und 14. Lebensjahr ist der Junge physischem und psychischem Missbrauch ausgesetzt: «Das waren Schläge mit Fäusten und Worten und auch Festlegungen à la ‹du bisch nüt, du chasch nüt – und us dir wird nüt …›», beschreibt Päscu die Erniedrigungen seines «Stiefpères». Boxring und Revanche
Diese frühen Erfahrungen von Ohnmacht brennen sich tief in seine Seele ein: «Ich begann mich zu verändern, warf Dinge durch die Gegend, wurde jähzornig und abweisend», erzählt Päscu. Fasziniert HOPE 2026/1
Name: Pascal Brawand Geboren: 1971 Beruf: Boxtrainer, Theologe, Berater
von den «Rocky»-Filmen und mit dem Wunsch, sich wehren zu können, greift er mit 14 Jahren erstmals zu den Boxhandschuhen. Er findet eine gute Boxschule, startet mit Kinderboxen und kämpft sich Schlag für Schlag in den Disziplinen weiter. Der Boxsport wird zum Ventil für seinen tiefsitzenden Zorn. Er erinnert sich an den Tag, als er den Partner seiner Mutter zurückschlug: «Diese Auseinandersetzung wendete das Blatt. Danach liess er für immer von mir ab.» Das Boxen hilft nicht nur, Wut zu kanalisieren, sondern lehrt ihn auch Disziplin, die Kunst der Verteidigung und im Club Kollegialität und Zusammenhalt. «Sternchen» und Schmetterlinge
Während seiner Ausbildung zum Maurer
und später zum Anlagen- und Apparatebauer feiert Päscu grosse Erfolge im Ring: Er gewinnt vier Schweizer Meistertitel und wird zweimal Schweizer Vizemeister im Amateurboxen. 1996 endet der sportliche Höhenflug abrupt: Im Kampf um den Schweizer Meistertitel der Senioren im Halbweltergewicht geht er nach nur 32 Sekunden k.o. Die Niederlage erschüttert ihn. Den Gang in das Profilager tritt er nicht mehr an. Päscu zieht einen Schlussstrich unter seine Boxerkarriere. «Ich wäre niemals Weltmeister geworden. Das war mir klar», sagt er heute. Noch im selben Jahr lernt er seine Frau Karin kennen. Damals 25-jährig, leidet er psychisch noch stark unter den Folgen
PODCAST MIT PÄSCU:
Hope
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ZUR PERSON
seiner Kindheit. Durch Karin erlebt Päscu eine Form von Bindung, die er als «Heimat» beschreibt und die einen tiefgreifenden Heilungsprozess in Gang setzt. Karins christliche Spiritualität spielt dabei eine grosse Rolle – so auch seine eigene.
«Die Angst sass mir im Nacken.» Angst und ein Entschluss
Päscu blendet zurück, sieht sich in seinem Kinderzimmer hocken. «Die Angst sass mir im Nacken. Ich wusste nie, wann sich die Tür wieder öffnen und Fäuste zu sinnlosen, hasserfüllten Prügeln ausholen würden.» Er fügt an: «Die Frage nach Gerechtigkeit, nach einer höheren Macht hat mich schon damals beschäftigt. Ich sehnte mich nach Schutz.» Später habe er sich mit verschiedenen Philosophien und letztlich mit der Bibel auseinandergesetzt. «Die Worte von Jesus schienen direkt zu mir zu sprechen, von ihnen ging eine intensive Liebe und Annahme aus», erinnert sich Päscu. Kurz bevor er Karin begegnet, entscheidet er sich, Christ zu werden und Jesus nachzufolgen.
«Die Worte von Jesus schienen direkt zu mir zu sprechen, von ihnen ging eine intensive Liebe und Annahme aus.» Vaterfiguren
Päscu lässt sich taufen und absolviert ein Studium in Praktischer Theologie. Die Boxhandschuhe hängt er nicht an den Nagel. In der legendären Boxschule Charly Bühler, wo er selbst einst seine Karriere startete, wird Päscu Trainer. Noch heute begeistert, erinnert er sich: «Mir wurde bewusst, dass meine eigenen Trainer für mich stets
Einer deiner Lieblingsplätze: meine irdische Heimat Grindelwald Deine liebste Jahreszeit: Herbst und Frühling Worüber denkst du oft nach? Gott – und erst danach die Welt Was würde uns an dir überraschen? Heiterkeit und Tiefgründigkeit Meer oder Berge? Berge Hast du Angst vor dem Sterben? Jein. Ich bin den Weg, wenn sich der Geist vom Körper trennt, noch nicht gegangen. Wenn du nochmals anfangen könntest – was würdest du anders machen? Ich wäre mutiger, doch das konnte ich damals leider nicht sein.
Vaterfiguren verkörpert hatten. Fünf Tage die Woche standen sie an meiner Seite und gaben mir wertvolle Lebensweisheiten mit auf den Weg. Nun wollte ich anderen weitergeben, was ich selbst erfahren hatte.» Als Boxer und Theologe verbindet Päscu zwei Welten und nutzt in seinen Trainings Bilder aus dem Boxsport, um biblische Themen greifbar zu machen: den Umgang mit Sieg und Niederlage, das Überwinden von Ängsten oder den langen Weg persönlicher Entwicklung. Sein Leitmotiv stammt aus der Bibel: «Kämpfe den guten Kampf !» (1. Timotheus, Kapitel 6, Vers 12). Für ihn geht es dabei nicht um Gewalt, sondern um den Mut, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.
Konzentriert und fokussiert: Päscu mit einer Schülerin. .
Hoffnung als «Handwerk»
2010 gründet Päscu zusammen mit Karin eine eigene Boxschule. Sie trägt den bezeichnenden Namen «Boxen zur Bildung». Im Zentrum stehen Identität und Persönlichkeitsentwicklung. Der Inhaber konkretisiert: «Das Boxen ist Mittel zum Zweck, damit all diese Menschen Gewinnerinnen und Gewinner im Leben werden.» Diverse Institutionen arbeiten mit ihm zusammen. Vom Kindergartenkind bis zur Seniorin bietet er vielfältige Trainings quer durch alle sozialen Schichten an, darunter Asylsuchende und inhaftierte Jugendliche. 2024 erweitert Päscu sein Angebot und gründet «Pascal Brawand Boxing», das auf das therapeutische Boxen fokussiert. Dafür liess er sich zum psychosozialen Berater und zum Fachberater Psychotraumata ausbilden. Ziel als therapeutischer Box-Coach ist es, Menschen zu stärken und ihnen zu helfen, Emotionen zu kontrollieren und neues Selbstvertrauen zu gewinnen. Dabei arbeitet Päscu neben vielem anderen mit dem Konzept der sogenannten «VIP-Regler». Dahinter steht die Erkenntnis, dass traumatisierte Menschen Bezugspersonen brauchen, die verfügbar, interessiert und persönlich für sie da sind. Eine solche Stütze möchte er sein.
«Das Boxen ist Mittel zum Zweck, damit all diese Menschen Gewinnerinnen und Gewinner im Leben werden.» Dankbar resümiert Päscu: «Gott hat es gut gemeint mit mir. Das Boxen ist für mich Beruf und Berufung. Hier kann ich Alltagsspiritualität leben und den Menschen vermitteln: ‹Es gibt immer Hoffnung!›» (mhe.)
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Wahlweise ein Wandbild vom oder ein Workshop mit dem Profi-fotografen Martin Mägli (www.naturbild.ch) im Wert von CHF 250.–. Zudem wird das Siegerbild in den Hope-Zeitungen 2027 als Poster veröffentlicht.
2. 3.
Für die Zweit- und Drittplatzierten gibt es je ein Exemplar von Martin Mäglis Bildband «Heimatland».
BEDINGUNGEN
MITMACHEN & GEWINNEN!
Daniela Gerber
Pexels: picjumbocom
– nur Landschaftsbilder aus der Schweiz – Bildauflösung: 300 dpi bei Format A3 – keine übermässige Bildbearbeitung & keine KI – Querformat – Teilnahmeschluss: 31. Dezember 2026 – Einsendung per Mail an wettbewerb@hope-schweiz.ch mit Betreff «Hope-Fotowettbewerb» und folgenden Angaben: Vorname, Name, Aufnahmeort und -datum des Fotos
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14 BARBARA UND MARTIN KÜNZI
Hope
Namen: Barbara und Martin Künzi Geboren: 1972 und 1973 Wohnort: Thun
«ZWISCHENSINN» IM PILGERHAUS SCHWENDI Rund 20 Jahre stand das ehemalige Hotel Schwendi oberhalb von Meiringen leer. Heute ist daraus ein Ort geworden, an dem Menschen zur Ruhe kommen, neue Perspektiven gewinnen und entdecken können, was Barbara und Martin Künzi «Zwischensinn» nennen.
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«Nein, wir haben uns keinen langjährigen Traum erfüllt», erklären Barbara und Martin Künzi zu Beginn des Gesprächs. Jahrelang fuhren die beiden am verlassenen Hotel Schwendi vorbei. Das Haus faszinierte sie und die beiden fanden: «Daraus könnte man etwas machen.» Nach zehn Jahren blieb ihr Blick daran hängen. Dass sie selbst einmal neues Leben hineinbringen würden, hätten sie damals nie geglaubt. Seit Anfang 2026 erstrahlt die Schwendi als Pilgerhaus nun in neuem Glanz. Mit viel Sorgfalt wurde das Gebäude renoviert, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Entstanden sind sechs individuell gestaltete Appartements, dazu eine grosszügige Wohnstube mit Cheminée, grossem Esstisch und gemütlichen Sitzgelegenheiten. Das Haus liegt unweit des Reichenbachfalls und bietet Platz für Menschen, die bewusst für einige Tage aus ihrem gewohnten Rhythmus heraustreten möchten.
Leben findet jetzt statt
Der Begriff «Zwischensinn» begleitet Barbara und Martin schon seit einigen Jahren. Entstanden ist er während eines Aufenthalts auf Mallorca. Dahinter steht eine Beobachtung, die viele kennen: Das eigentliche Leben wird oft auf später verschoben. Wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, die Kinder grösser oder berufliche Meilensteine erreicht sind. «Zwischensinn bedeutet für uns, sich auf die Gegenwart einzulassen, auch wenn nicht alles perfekt ist», erklärt Martin. Herausforderungen würden dadurch nicht verschwinden. Aber man könne lernen, ihnen mit einer anderen Haltung zu begegnen. Diese Überzeugung wurde auch durch persönliche Erfahrungen geprägt. Als Barbara und Martin nach einigen Ehejahren eine Familie gründen wollten, blieb die ersehnte Schwangerschaft aus. Die beiden mussten sich mit der Frage auseinandersetzen, ob ein erfülltes Leben zwingend eigene Kinder
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«Zwischensinn bedeutet für uns, sich auf die Gegenwart einzulassen, auch wenn nicht alles perfekt ist.» Mutig Neues wagen
Zwischensinn bedeutet für die beiden nicht, alles einfach hinzunehmen. Vielmehr geht es darum, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und neue Wege zu wagen. Nach rund 20 Jahren im Schuldienst spürte Barbara zunehmend, dass ihr Arbeitsumfeld nicht mehr zu ihr passte. Heute ist sie als selbstständige Logopädin in einer Praxisgemeinschaft tätig und kann Kinder und Eltern nach ihren persönlichen Schwerpunkten unterstützen.
«Es kann nicht sein, dass Kinder verantwortlich sind für mein Glück.» Auch Martin schlug beruflich einen neuen Weg ein. Der Betriebsökonom und Marketingspezialist trennte sich von seiner bisherigen Firma und gründete die Zwischensinn GmbH. Heute begleitet er Personen, Teams und Unternehmen bei Fragen rund um Sinn, Identität und Persönlichkeitsentwicklung. «Firmen sind ihren Kunden ein Gegenüber, genauso wie Menschen einander ein Gegenüber sind», erklärt er. Begeisterung entstehe dort, wo Menschen und Unternehmen wissen, wer sie sind und wofür sie stehen. Dabei ist sein Glaube für ihn zentral: «Ich erlebe Gott als Versorger und Inspirationsquelle. Gleichzeitig hat er mir Talente und Fähig-
keiten geschenkt. Spannend wird es dort, wo beides zusammenspielt.» Kein Vernunftsentscheid
Als die Idee entstand, das leerstehende Hotel zu kaufen, reagierten viele Menschen skeptisch. Das Haus liegt an einem eher schattigen Hang. «Macht das nicht!», bekamen die beiden mehrfach zu hören. Doch Barbara und Martin lassen sich in ihrem Leben von Gott leiten – durch Bibellektüre, Predigten und Gebet. «Wenn wir vor Entscheidungen stehen, die menschlich nicht vertretbar sind, Gott uns die Sache aber aufs Herz legt, heisst das: Geht!», führt Martin aus. «Gelingen und Erfüllung werden folgen.» Barbara ergänzt: «Unterwegs mit Gott gehen wir jeweils den ersten Schritt und hören dann wieder auf ihn. So wachsen wir im Glauben.» Das Paar prüfte seine Ideen sorgfältig, besprach sie auch mit Fachleuten und fand schliesslich Unterstützung durch Bank, Berghilfe und private Darlehensgeber. Zweimal verbrachten Barbara und Martin die Sommerferien im Haus und lernten es so kennen. Danach wurde es aufwendig renoviert.
«Unterwegs mit Gott gehen wir jeweils den ersten Schritt und hören dann wieder auf ihn.»
Vieles entwickelte sich erst unterwegs. Schritt für Schritt entstand die heutige Form des Pilgerhauses: ein Ort mit bewusst wenigen Gästen und viel Raum zur Entfaltung. Maximal neun Personen können gleichzeitig im Haus übernachten. Was zunächst wie eine Einschränkung wirkte, erwies sich als Stärke. Jeder Gast findet Rückzugsmöglichkeiten, ohne auf Gemeinschaft verzichten zu müssen. Annehmlichkeiten und eine gute Fee
Ob Einzelpersonen, Paare, Teams oder Geschäftsleitungen: Das Pilgerhaus Schwendi bietet Raum, um Abstand vom Alltag zu gewinnen und wichtige Fragen in Ruhe zu durchdenken. Wer hier ankommt, soll sich auch nicht um Nebensächlichkeiten kümmern müssen. Kaffee und Getränke stehen bereit, E-Bikes können genutzt werden, und wer möchte, erhält Unterstützung bei der Organisation von Coaching- oder Begleitangeboten.
Hope
voraussetzt. «Es kann nicht sein, dass Kinder verantwortlich sind für mein Glück», sagt Barbara rückblickend. Gemeinsam fanden die beiden einen Weg, ihre Situation anzunehmen und zugleich offen zu bleiben für das, was ihnen das Leben sonst schenken würde. Heute sind sie seit 30 Jahren verheiratet. Ihre zahlreichen gemeinsamen Projekte haben sie zusammengeschweisst. Schmunzelnd sagt Martin: «Die Schwendi ist wohl unser bisher grösstes Abenteuer.» Barbara arbeitet als Logopädin mit Kindern im Vorschulalter. Dort kann sie ihre fürsorgliche Art täglich einbringen und Familien auf ihrem Weg begleiten.
Die elegante grosse Stube bietet Raum für Begegnungen.
Eine wichtige Rolle spielt Daniela Grossenbacher, die im Nachbarhaus wohnt. Die Floristin und vierfache Mutter heisst die Gäste willkommen, dekoriert die Räume mit saisonalen Blumen und sorgt dafür, dass man sich vom ersten Moment an wohlfühlt. «Sie ist ein Geschenk des Himmels», sagen Barbara und Martin dankbar. Bewusst verzichten die beiden auf grosse Werbekampagnen und Buchungsplattformen. Wer ins Pilgerhaus Schwendi kommt, soll den Ort nicht zufällig entdecken, sondern sich bewusst dafür entscheiden. (mf.)
«Sie ist ein Geschenk des Himmels.»
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16 JAKOB UND HANNI HARI
Namen: Jakob und Hanni Hari Geboren: 1959 und 1955 Wohnort: Adelboden
NEUES VERTRAUEN NACH SCHWEREM VERLUST 2019 verloren Hanni und Jakob Hari durch einen Verkehrsunfall in Schweden beide Söhne. Hope-Chefredaktor Florian Wüthrich hat die beiden besucht und Einblick in ihren Trauerweg erhalten. Dieser war geprägt von Klagen, Weinen und dem Ringen um neue Hoffnung. Von der Bushaltestelle «Adelboden, Mineralquelle» geht’s nur wenige Schritte den steilen Weg hinauf zum Daheim von Hanni und Jakob Hari. Ich nehme jeden Schritt langsam unter die Füsse, nicht wegen der für diesen Sommer typischen Hitze an diesem Augusttag, sondern weil ich mich innerlich auf die Schwere des Weges einstimme, den dieses Ehepaar die letzten Jahre zu bewältigen hatte. Wie viele andere Schweizer erfuhr HOPE 2026/1
ich damals im Januar 2019 aus den Medien vom schrecklichen Verkehrsunfall in Nordschweden, bei dem sechs junge Schweizer starben. Fünf von ihnen stammten aus Adelboden. Unter ihnen waren Michael Hari (27) und Joel Hari (25).
«Wenn Gott uns verschonen würde vor Problemen, würde manch einer Christ werden, ohne in eine Freundschaft mit Jesus investieren zu wollen.» JAKOB
«Was sagen die Frommen jetzt?»
Hanni und Jakob erzählen mir gleich zu Beginn unseres Gesprächs an ihrem Stubentisch von einem Erlebnis unmittelbar nach
dem Tod ihrer Söhne: «Wir tranken auf der Engstligenalp einen Kaffee. Da hörten wir, wie am Nachbartisch über den Unfall diskutiert wurde. Plötzlich warf ein Mann die Frage in die Runde: ‹Was sagen jetzt wohl die Frommen über ihren liebenden Gott?› Wir versuchten zu orten, von wem die Aussage stammte, fanden es aber nicht heraus. In der Frage schwang eine verbreitete Annahme mit: ‹Wenn es einen lieben Gott gibt, dann muss es Menschen, die ihm nachfolgen, besser gehen als allen anderen.› Dies war für den Fragesteller durch den Unfall offensichtlich widerlegt worden. Folglich gab es für ihn keinen guten Gott ...» Jakob fühlte sich durch das Erlebnis herausgefordert. Er fragte sich seinerseits: «Kann ich diesem Gott, der so etwas zulässt, auch in Zukunft vertrauen?» Derartige Gedanken würden das Elternpaar weiterhin begleiten, hatte der beschwerliche Weg durch den Schmerz doch eben erst begonnen. Auch für ihre Tochter Leah, die beim Unfall ihre beiden Brüder verlor, brach eine schwierige Zeit an. Eines war Jakob im Kopf jedoch von
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«Von einem Moment auf den anderen sind meine Mutterträume zerplatzt ...» HANNI
Ein Jahr lang jeden Tag geweint
Für unser Gespräch machen die Haris von Anfang an klar, dass die Tiefe ihrer Betroffenheit und die «Länge des Schmerzes» in diesem Hope-Artikel Platz haben dürfen und sollen. «Bring bitte keine plumpe Botschaft, dass man mit Jesus alles gut hinnehmen kann oder wie rasch wir zu Hoffnung und Lebensfreude zurückgefunden haben. Das würde nicht der Wahrheit entsprechen.» Die Wahrheit ist, dass Hanni und Jakob im ersten Jahr ihres Trauerwegs jeden Morgen geweint und Psalm 23 gebetet haben – natürlich mit besonderer Betonung auf den Worten «… und ob ich schon wanderte im Tal des Todes, bist du bei mir». Schock am Ski-Weltcup
Wir kehren ganz an den Anfang zurück,
«Erst nach Jahren konnte ich wieder aus tiefstem Herzen sagen, dass Gott gut ist.» JAKOB
Gefühle hinkten nach
Jakob empfand völliges Unverständnis. Besonders schwer wog für ihn, dass sich beide Söhne so sehr für Gott und den Glauben eingesetzt hatten. Am folgenden Sonntag wurde in der Kirche ein Bibelvers als Erinnerung an die Verstorbenen projiziert: «Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.» Für Jakob war das absolut unpassend. Er dachte frustriert:
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Anfang an klar: «Wenn Gott uns verschonen würde vor Problemen, würde manch einer Christ werden, ohne in eine Freundschaft mit Jesus investieren zu wollen.»
Auch Jakob war mit einem Bücherstand am Anlass, als bei Hanni zwei Polizisten an der Haustür standen. In einem YouTube-Video, das im Herbst 2020 produziert wurde, erzählen die beiden, welche Strategien ihnen halfen, die ersten Tage irgendwie zu überstehen. Hanni fühlte sich beraubt und empfand Gott gegenüber eine riesige Enttäuschung. Sie glaubte, nie wieder froh sein zu können, nie wieder lachen zu können. «Ich hatte mir oft die Zukunft unserer Söhne ausgemalt: Wie werden sie sich beruflich weiterentwickeln, welche Frauen werden sie heiraten, welchen Verlauf wird ihr Leben nehmen? Von einem Moment auf den anderen sind meine Mutterträume geplatzt und werden nie mehr eine Fortsetzung finden.»
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Hope
zum 12. Januar 2019: Sieben Freunde waren mit einem Minibus in der Region um Kiruna unterwegs. In einer vereisten Kurve kollidierte das Fahrzeug mit einem schweren Eisenerzlastwagen. Ein einziger der sechs Insassen überlebte wie durch ein Wunder. Die schreckliche Nachricht erreichte Adelboden inmitten des Ski-Weltcup-Wochenendes und versetzte die ganze Region in Trauer.
MICHAEL
JOEL
Dieser Brief von Jakob und Hanni wurde auf amazingplace.ch/adelboden publiziert (Dezember 2019).
EIN BRIEF BETROFFENER ELTERN Lieber Michael, lieber Joel
Jäh seid ihr zusammen mit Freunden aus unserem Leben weggerissen worden. Die Trennung ist für dieses Leben endgültig, die Lücke durch nichts zu ersetzen! Der Schmerz gross und tief. Ewigkeit. Als ihr nach Schweden unterwegs gewesen seid, habt ihr manches zusammen unternommen. Mit Schneeschuhen, Skis, Kites, Sauna, Motorsäge zum Eisbaden und Fischerrute seid ihr losgefahren. In euren Andachten habt ihr euch mit dem Thema Ewigkeit beschäftigt. Niemand hat wohl geahnt, wie schnell sie für euch anbrechen wird. Eure letzte Bitte an uns war: Lest das Buch: «Sterne leuchten in der Nacht. Gott im Leiden lieben lernen». Seither sind wir nun daran, diesem Gott, der unser Vater ist, das Vertrauen nicht zu entziehen. Wie froh waren wir, diesen Gott schon vorher gekannt zu haben und nun in ihm Zuflucht zu finden. Die Bibel lesen. Wenn wir die Bibel
lesen, merken wir immer wieder: Sie spricht genau in unsere Situation. Immer wieder wird klar: Wir sind hier auf der Erde um zu entscheiden wo wir die Ewigkeit zubringen wollen. Ob wir Gott unser Vertrauen (Glauben) schenken, ihn allein verehren – oder ob wir von Gott nichts wissen wollen. Viele Geschichten und Texte lassen uns gar einen Blick in jene unsichtbare Welt tun oder zeigen uns wie Menschen, die mit Gott gelebt haben, mit ähnlichen Nöten umgegangen sind.
Gott kennt das Leid. Unglaublich: Gott kommt in seinem Sohn Jesus selbst in seine Schöpfung und stirbt dort stellvertretend für uns, damit wir durch ihn ewiges Leben erhalten. Das hilft uns, diesem Gott zu vertrauen. Lieber Michael und Joel, ihr habt diesen Jesus als Herrn angenommen. Es war euer Anliegen, euren Glauben zu bezeugen und andere Menschen zu ermutigen, diesem Jesus Vertrauen zu schenken. Dass euch Gott schon so jung zu sich genommen hat, verstehen wir nicht. Weil Gott versprochen hat, uns nie zu verlassen, wissen wir, dass er auch in diesem Unglück zugegen war. Gleicherweise ist er auch bei uns, bis zum Wiedersehen! Eure Eltern
Adelboden, den 31. Dezember 2019
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18 «Habt ihr euch das überlegt – hielt Gott in diesem Moment seine Hand über sie?» JUNI 2019
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«‹Geteiltes Leid ist halbes Leid›: Die Anteilnahme verschiedenster Freunde (hier aus Papua Neu Guinea, wo unsere beiden Söhne geboren wurden), tat gut.»
JUNI 2022
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«Die gemeinsame Suche eines Grabsteins war ein zentraler Verarbeitungsschritt im Trauerprozess.»
Obwohl Jakob schon nach wenigen Wochen wieder regelmässig als Pastor im Einsatz war, rang er persönlich mit biblischen Verheissungen wie etwa «Es wird kein Haar von deinem Kopf fallen, ohne dass der Herr es zulässt.» Diese Spannungen seien noch heute herausfordernd, gibt er zu. «Ich hätte manchmal lieber gesagt, der Unfall sei einfach Zufall gewesen. Aber das lässt sich mit meinem Glauben nicht vereinbaren. Bereits in den ersten Tagen nach dem Verlust entschied ich, dass ich mich nicht über diesen Unfall definieren lassen will. Nein, ich will so fröhlich wie möglich weiterleben.» Von seinem Verstand her habe er auch recht schnell wieder Vertrauen in Gott gefasst. Doch die Gefühle hätten mehr Zeit gebraucht. «Erst nach Jahren konnte ich wieder aus tiefstem Herzen sagen, dass Gott gut ist.»
«Der Himmel ist uns heute viel näher, wir gehen gelassener mit den Sorgen dieser Welt um.» JAKOB
Vom «Warum?» zum «Wozu?»
JUNI 2024
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«Als ‹Restfamilie› besuchten wir die Unfallstelle nach 5½ Jahren. CoronaKrise und Geburten hatten uns daran gehindert, vorher hinzureisen. Wir fühlten uns angekommen an einem längst bekannten Ort und errichteten dort ein einfaches Denkmal, wo wir der sechs tödlich Verunfallten gedachten.»
Hanni durchlebte die Trauer emotionaler und brauchte mehr Zeit zum Trauern und Klagen. «Ich war einfach unendlich traurig und glaubte zuerst nicht, dass sich das jemals wieder ändern und ich wieder Freude im Leben finden könnte.» Das Grab sei für sie zu einem wertvollen Ort geworden, weil sie sich dort mit ihren Söhnen verbunden fühle. «Beim Eingang des Friedhofs steht auf einem Schild ‹Ich bin die Auferstehung und das Leben.› Das gibt mir jedes Mal die Gewissheit, dass Michael und Joel bei Jesus leben und wir uns wiedersehen werden. Es tut mir gut, das Grab schön zu gestalten und zu pflegen. Dort vorbeizugehen, ist ein fester Bestandteil in meinem Leben geworden.» Was ihren Glauben anbelangt, habe Hanni nach einer langen Zeit des Klagens in kleinen Schritten die Perspektive vom «Warum?» hin zum «Wozu?» gewechselt. Auch in ihrer tiefsten Verzweiflung habe sie immer gewusst, wo sie mit ihrer Not und ihrem Schmerz hingehen konnte. «Wenn man so schweres Leid durchmacht, lässt einen das nie dort, wo man war. Entweder kommt man Gott näher oder man entfernt sich von ihm.» Für Hanni sei immer klar gewesen, dass sie Gott nahebleiben möchte. «Er lässt uns viel Gutes erfahren, aber er führt uns auch durch
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19 Erfahrungen, die wir uns nie ausgesucht hätten. Er möchte uns näher zu sich ziehen oder verfolgt eine andere Absicht, die wir im Moment vielleicht noch nicht verstehen.» Gottes Trost und Erbarmen zu erfahren, habe ihr Hoffnung gegeben. «Wenn man kein Licht sieht, ist Gott doch da. Ich habe seine Nähe immer wieder erlebt.» Jakob pflichtet seiner Frau bei: «Das stimmt. Der Himmel ist uns heute viel näher, wir gehen gelassener mit den Sorgen dieser Welt um.»
«Die Gefahr, dass eine Beziehung in einer solchen Extremsituation Schaden nimmt, ist unglaublich gross.» JAKOB
Viele Ehen zerbrechen …
Im Rückblick stellen die Haris dankbar fest, dass sich ihre Beziehungen als tragfähig erwiesen haben: Neben Gott seien ihre Familie und die christliche Gemeinde das wichtigste Auffangnetz für sie gewesen. Sie seien dankbar, dass ihre Ehe die Prüfung bestanden habe, betont Jakob: «Die Gefahr, dass eine Beziehung in einer solchen Extremsituation Schaden nimmt, ist gross. Gemäss Statistiken zerbrechen etwa zwei Drittel der Ehen daran. Wir erlebten ebenfalls viele Spannungen.» Hanni knüpft mit einer Begebenheit um Michaels Taschenmesser an: «Jakob hatte das Taschenmesser in den Container geworfen, aber ich habe es wieder herausgefischt. Erinnerungen in der Nähe zu haben, gab mir Halt, während mein Mann Gegenstände lieber verstecken oder wegwerfen wollte.»
hilfreicher Meilenstein war die gemeinsame Suche eines Grabsteines, die Gestaltung der Inschrift und die Bepflanzung. Wir haben gelernt die gegenseitigen Bedürfnisse ernst zu nehmen und einander darin entgegenzukommen.» Überhaupt hätten sie neu entdeckt, wie wichtig gemeinsame Aktivitäten sind. «Der Unfall geschah kurz vor meinem 60. Geburtstag», blickt Jakob zurück. «Inzwischen bin ich pensioniert. Umso wichtiger ist jetzt, dass wir in unsere Gemeinsamkeiten investieren!»
«Ich hätte nie gedacht, dass ich nochmals so viel Freude im Leben finden könnte!» HANNI
Jakobs Freude speist sich nebst dem Grossvaterglück weiterhin aus der Hoffnung des Glaubens, an der er bewusst festhält und aus der er Kraft schöpft: «Es gibt viele irdische Hoffnungen, die wir irgendwann aufgeben müssen, aber die Hoffnung auf ein ewiges Leben, zu dem uns Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung den Weg gebahnt hat, trägt durch alles hindurch.» Hanni hat nach einer langen Klagezeit ebenfalls wieder Mut gefasst und bricht auf zu Neuem. Erstmals nach langer Zeit werden die beiden an der Talk-Reihe «ungeschminkt. echt. ehrlich. erlebt» der Freikirchen in Huttwil auftreten. Für Hanni als gebürtige Emmentalerin ist das eine Herzensangelegenheit: «Als geborene Dürrenrotherin ist es mein Wunsch, dass Menschen in dieser Gegend ermutigt werden, bei Jesus Christus Halt zu suchen und die Zeit auf der Erde zu nutzen, sich für die Ewigkeit vorzubereiten.» (fw.)
Enkelkinder bringen Freude zurück
Hanni und Jakob mussten darauf achten, dass die Trauer nicht zuviel Raum einnahm. «Wir wollten auch für Leah und ihren Mann da sein, obwohl uns das in unserem Schmerz, besonders in der ersten Zeit der Trauer, nicht immer gut gelang.» Neue Hoffnung keimte auf, als die Tochter mit Zwillingen schwanger war. Mahela und Samuel, denen zwei Jahre später noch Simea folgte, hätten sie neu aufleben lassen. Besonders Hanni erfüllte es mit neuer Freude, ihre Tochter, ihren Schwiegersohn und die drei Enkelkinder zu sehen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich nochmals so viel Freude im Leben finden könnte!»
«UNGESCHMINKT» – TALK-ABEND MIT TIEFGANG! Haris erzählen ihre Geschichte: 30. Okt. 2026, 20 Uhr, Restaurant Guter Hirte in Huttwil.
«Erinnerungen in der Nähe zu haben, gab mir Halt, während mein Mann Gegenstände lieber verstecken oder wegwerfen wollte.» HANNI
Sie habe sich manchmal allein gefühlt, weil sowohl ihr Ehemann als auch ihre Tochter Leah rationaler trauerten. Gemeinsam Erinnerungsorte und -wege abzulaufen oder zu besuchen, verhalf uns zum gegenseitigen Verständnis füreinander. Ein
HIER GEHT’S ZUM VIDEO MIT JAKOB UND HANNI HARI: HOPE 2026/1
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DEBORAH ZIMMERMANN
«DAS LEISE SÄUSELN, DAS MICH RETTETE» Deborah Zimmermann wurde seit ihrer Kindheit regelmässig Opfer sexualisierter Gewalt. Als sich ihr Freund von ihr trennte, stürzte sie in eine tiefe Krise und fasste den Entschluss, sich das Leben zu nehmen. Mit voller Überzeugung wollte sie die Tat vollziehen – doch ein leises Säuseln hielt sie in letzter Sekunde davon ab. Ihr erstes prägendes Erlebnis hatte Deborah Zimmermann bereits im Alter von drei bis sechs Jahren: In ihrem nahen Umfeld wurde sie sexuell missbraucht. Darüber Bescheid wusste niemand. «Schon als Kind spürte ich, dass etwas nicht stimmte – ich war anders als die anderen um mich herum.» Auch als sie älter wurde, zog sich der Missbrauch fort – sei es in der Schule oder auf Partys. Immer wieder sind Männer übergriffig geworden und haben ihren Körper für ihre eigenen Bedürfnisse missbraucht. Diese Vergehen schienen für Deborah normal zu sein. Sie kannte auch einige Mädchen, die dasselbe erlebten, was ihr die Taten als normal erscheinen liess. «Mein Körper war das Einzige, wodurch ich wahrgenommen wurde – deshalb wurde er zu meinem Wert.»
«Schon als Kind hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmte.» Der Anfang vom Ende
Als Erwachsene führte Deborah für drei Jahre eine Beziehung mit einem muslimischen Mann. Zu Beginn zeigte er sich respektvoll, doch mit der Zeit wurde er HOPE 2026/1
Name: Deborah Zimmermann Geboren: 1993 Wohnort: Thun
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«Nach der Trennung brach für mich die Welt zusammen.» Das «leise Säuseln»
Im Internet suchte Deborah nach Möglichkeiten für einen sicheren Suizid und beschaffte sich die dafür benötigten Utensilien. In der geplanten Nacht stand sie auf, fest entschlossen, ihren Plan umzusetzen. «Ich hatte weder Zweifel noch Angst.» Doch in diesem Moment durchbrach ein unerwarteter Gedanke die Dunkelheit. Leise, fast wie ein Säuseln, hörte sie in sich: «Was, wenn Jesus dir helfen kann?» Zunächst wollte sie weitermachen – überzeugt, dass auch Jesus ihr nicht helfen könne. Doch der Gedanke kehrte zurück, leise und dennoch so kraftvoll, dass sie ihn nicht länger überhören konnte. «In diesem Gedanken lag eine Hoffnung, die ich bis dahin nicht kannte.» In ihrer tiefsten Verzweiflung bat Deborah Jesus um Hilfe, damit sie sich nicht das Leben nehmen würde. Nachdem sie monatelang schlaflose Nächte und Albträume begleitet hatten, war sie in ständiger Angst, nicht einschlafen zu können. In dieser Nacht ging sie in ihr Zimmer zurück und plötzlich wurde es von einem warmen Licht erfüllt. Sie schlief so tief und ruhig wie seit einiger Zeit nicht mehr. Seit-
dem betete sie jeden Abend ein einfaches Gebet: «Jesus, hilf mir, dass ich schlafen kann und dass es mir besser geht.» Der verändernde Durchbruch
Sie betete dieses Gebet, weil es ihr half, einzuschlafen. Doch zu jenem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, ob sie wirklich etwas mit Jesus zu tun haben wollte. Trotzdem begann sie, nach einer Kirche zu suchen – und fand schliesslich eine, die sie ansprach. Eine entscheidende Person auf ihrem Weg war ihr Bruder. «Er hat mir oft gesagt, dass ich Jesus brauche. Diese Worte habe ich damals immer abgelehnt und Wut und Abscheu dafür empfunden.» Schliesslich bat sie ihren Bruder, sie zu einem evangelistischen Gottesdienst zu begleiten. Der Gottesdienst war für Deborah herausfordernd. Sie sah all diese «Superchristen»und fühlte sich unwürdig dort zu sein. Nichtsdestotrotz hörte sie sich die Predigt an – und alles traf sie direkt ins Herz: «Es kam mir so vor, als sei die Predigt nur für mich geschrieben. Ich fühlte mich direkt angesprochen.» Am Ende der Predigt wurde ein Übergabegebet gesprochen. Deborah sprach zwar nicht mit, sagte aber «Amen». In diesem Moment spürte sie, wie ein Strahl von Liebe über sie kam und ihren ganzen Körper durchflutete. «Alle Emotionen, die sich über die Zeit angestaut hatten, kamen endlich hoch und ich bin in Tränen ausgebrochen. Noch nie habe ich in meinem Leben eine solche Annahme und Liebe gespürt.»
«Es kam mir so vor, als sei die Predigt nur für mich geschrieben. Ich fühlte mich direkt angesprochen.» Kein einfacher Prozess
Nach diesem Erlebnis spürte Deborah eine tiefgreifende Veränderung in ihrem Leben: «Ich konnte mich endlich im Spiegel anschauen und mich schön fühlen. Zuvor fühlte ich mich wie eine leere Hülle, doch von da an erkannte ich meinen Wert.» Sie begann, alles loszulassen, was sie daran hinderte, ein Leben mit Jesus zu führen – darunter auch bestimmte Musik und Kleidung. Obwohl es noch viele Dinge gab, die Deborah verarbeiten musste, stand sie nun auf einem neuen Fundament: Jesus wurde ihr fester Grund und Fels. «Der ganze Prozess der Heilung war ein Auf und Ab und hat fast zehn Jahre gedauert.» Deborah nahm an verschiedenen Therapien teil, unter
anderem an einer Traumatherapie. Heute glücklich verheiratet und Mutter von drei Kindern, kann sie sagen: «Jesus hat mir das Leben gerettet und mir einen Sinn gegeben. Er hat mich geheilt und ist mit treu geblieben. Ihm verdanke ich alles.» (js.)
«Der ganze Prozess der Heilung war ein Auf und Ab und hat fast zehn Jahre gedauert.»
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manipulativ, kontrollierend und sogar sexuell übergriffig. «Obwohl es eine toxische Beziehung war, konnte ich mich nicht von ihm trennen. Ich dachte er sei der Einzige, der mich wirklich lieben würde, weil ich Liebe falsch interpretierte», erzählt Deborah. Während dieser Zeit lebte sie sehr isoliert. Freunde und Familie versuchten ihr zu helfen, doch Deborah lehnte die Hilfe ab. Als der Mann auf Druck seiner Familie eine andere Frau heiraten musste, trennte er sich von Deborah. «Nach der Trennung brach für mich die Welt zusammen. Ich hatte eine so starke Abhängigkeit zu diesem Mann entwickelt, dass ich nicht mehr wusste, wie ich ohne ihn leben kann.» Hinzu kam, dass sie mit niemandem darüber sprechen wollte, zu gross war die Scham. «Ich fühlte mich einsam und sehnte mich danach, dass jemand sieht, wie es mir wirklich geht.» Der einzige Ausweg, den Deborah sah, war der Suizid – sie war sich sicher, damit würde sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Umfeld erlösen.
ZUR PERSON
Was bringt dich zum Lachen? Meine Kinder Worüber denkst du oft nach? Über die Zukunft, die politische Lage und Jesus Was würde uns an dir überraschen? Dass ich leidenschaftlich gerne Fussball schaue Wann gerätst du in einen Flow? Wenn ich allein mit Jesus bin oder wenn ich «viu z'tüe ha»
HOPE-TALK MIT DEBORAH:
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CHRISTINE WASSMER
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DAS «BUCH DER BÜCHER» IN DER SCHULE
ARTIKEL IN VOLLER LÄNGE ONLINE:
Christine Wassmer aus Bern engagiert sich für Bildung in Ghana. Die Gymnasiallehrerin hat das Lese-LernProgramm «THE BOOK IN SCHOOL» entwickelt. Dabei setzen sich Schülerinnen und Schüler intellektuell und kreativ mit Bibeltexten auseinander. Christine Wassmer wurde 1968 in Rotterdam geboren, wuchs in Südafrika auf und kam mit 14 Jahren in die Schweiz. Sie studierte in den Niederlanden Englische Sprache und Literatur und unterrichtete später an Gymnasien in Bern und Zürich. In ihren Unterricht integriert sie gern Kunst, Musik und Theater. 2017 reiste Christine erstmals nach Ghana, um Lehrpersonen fortzubilden. Sie war schockiert: 70 Prozent der Kinder in riesigen Klassen konnten selbst nach Jahren kaum Englisch lesen. Dazu waren die Lehrmethoden sehr einseitig. Gemeinsam laut lesen
Wassmer ist überzeugt, dass die Bibel Bildung für alle und nicht nur für die Elite möglich gemacht hat. Dazu stellt sie klar: «Viele unserer guten Werte im Westen gründen auf der Bibel.» Auf Basis des Markus-Evangeliums entwickelte sie nun ein Lehrmittel. Gemeinsam mit einheimischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern ab der vierten Klasse begann sie, das Programm umzusetzen. Im Projekt wird jeweils ein ganzes Buch der Bibel gelesen und mit Fächern wie Gesellschafts- und Sozialkunde, Religion, Geschichte und Geografie verbunden. Ein Schlüssel ist das Lautleseverfahren: Zehn Minuten lesen die Kinder gemeinsam im Chor, danach tauschen sie sich über den Text aus und überlegen, wie sie Gedanken und Gefühle künstlerisch darstellen können.
ZUR PERSON
Name: Christine Wassmer Geboren: 1968 Wohnort: Ghana und Bern
Die Wirkung zeigte sich schnell. Kinder, die zuvor geschwiegen hatten, beteiligten sich aktiv am Unterricht. Auch Stimmung und Benehmen an den Schulen verbesserten sich. Viele Schulen bewerben sich um die Teilnahme; manche Kinder stehen schon früh vor der Tür, um das gemeinsame Lesen nicht zu verpassen. Die Bibel als Grundlage
2019 gründete Christine Wassmer mit ihrer Familie einen Verein, um dem Projekt ein juristisches Fundament zu geben. Dank Spenden konnten weitere Schulen einbezogen und einheimische Mitarbeitende angestellt werden. Ziel ist es, noch mehr Lehrpersonen zu schulen und Tausenden Kindern Freude am Lesen zu vermitteln. Christine verbringt rund acht Monate pro Jahr in Ghana, die restliche Zeit arbeitet sie im Backoffice in Spiez. Seit 2018 haben rund 40’000 Schülerinnen und Schüler sowie 900 Lehrpersonen vom Projekt profitiert. 2026/2027 sollen 50’000 Schülerinnen und Schüler und 1200 Lehrpersonen teilnehmen können.
Was bringt dich zum Lachen? Menschen, die gewisse Situationen mit Humor relativieren können Worüber denkst du oft nach? Über die Menschen, die ich liebe – manchmal weine ich auch ihretwegen Was würde uns an dir überraschen? Wohl dass ich gern boxe Was möchtest du gern erleben? Die Wunder und Zeichen, die Jesus getan hat. Er versprach, dass wir Menschen die Hände auflegen können und sie gesund werden. Wann gerätst du in einen Flow? Wenn ich tun kann, was ich liebe: schreiben, Filme schneiden, rezitieren, beten und sogar unterrichten. Für mich sind Liebe, Gott und Kreativität untrennbar.
Für die engagierte Lehrerin ist die Bibel ein lebensspendendes Buch, das mehr vermittelt als Lesen und Schreiben: «Es betont die Würde jedes Menschen und Gottes Liebe zu jedem Einzelnen.» (mf.) HOPE 2026/1
24 ROMAN TSCHÄPPELER
Name: Roman Tschäppeler Geboren: 1978 Wohnort: Biel BE
Roman Tschäppeler ist Kreativproduzent und Co-Autor der Bestseller «Kleine Bücher für grosse Fragen». Er und Mikael Krogerus verbinden analytische Schärfe mit mutigen Ideen, machen komplexe Themen durch humorvolle Modelle verständlich. Im Gespräch mit Hope-Chefredaktor Florian Wüthrich zeigt sich der Seeländer verwurzelt und werteorientiert – ein Denker, der auf Demut statt Dogmen setzt. HOPE 2026/1
Roman, was beschäftigt dich zurzeit?
Ich beobachte, wie sich das Fenster des Sagbaren verschiebt. Meinungen, die für Links oder Rechts früher undenkbar waren, werden diskutierbar. Beispiele wie die Geschlechter- oder die Erbschaftsdebatten zeigen, wie der Diskurs stetig neu ausgehandelt wird. Wir haben kürzlich einen Text über Overton-Fenster geschrieben, eine Theorie, die versucht, das einzuordnen. Wie geht ihr mit Komplexität und Mehrdeutigkeit um?
Interaktion ist wichtig, beobachten, was passiert. Das kann ich auch in der Familie, mit meiner Frau und meinem Sohn, anwenden (lacht). Mikael und ich schätzen es, dass verschiedene Welterklärungsmodelle bestehen. Das verlangt eine hohe Ambiguitätstoleranz. Wer die Welt in Schwarz-Weiss malt, macht es sich zu einfach. In unserer Zeit, die immer mehr Spaltung hervorbringt, ist Flexibilität in Meinungsfragen zentral.
Hope
«CHAOSPILOT» UND KLARHEITSSTIFTER
Seit vielen Jahren haut ihr als Duo «Krogerus und Tschäppeler» Woche für Woche Beobachtungen zum Führungsalltag raus. Dabei geht es um Selbstführung wie Fremdführung. Wie viel davon versuchst du persönlich zu beherzigen?
Da bin ich ganz entspannt. Spätestens seit ich in einem Tenniscamp in Spanien eine kettenrauchende Herz- und Gefässchirurgin kennengelernt habe, mache ich mir darüber keine Sorgen mehr. Man muss nicht davon ausgehen, dass eine Ärztin sehr gesund lebt, auch wenn sie es besser wüsste. Die «Faustregeln» sind für mich Werkzeuge: Man kann sie anwenden, gut finden oder auch daran scheitern. Welche Theorien aus den «Faustregeln» möchtest du hervorheben?
Hofstadters Gesetz «Alles dauert länger, selbst wenn man Puffer einplant». Das
25 ist mein Lieblingsgesetz. Also selbst wenn wir wissen, dass alles immer länger dauert, tappen wir in die Falle und glauben, dass es dieses Mal anders sein wird. Dieses Gesetz ist nicht wissenschaftlich nachweisbar, aber doch zutreffend, oder? Und mir gefällt auch der Wasserglacé-Test: Wenn ein achtjähriges Kind allein eine Rakete kaufen gehen kann und wieder zu Hause ist, bevor diese geschmolzen ist, dann wohnt man am richtigen Ort. In dieser einfachen Faustregel, die Urbanisten und Architektinnen gerne mal zitieren, liegt ganz viel drin.
«Alles dauert länger, selbst wenn man Puffer einplant.» Interessant fand ich auch die Regel von Charles Goodhart (*1936), die sich auf Kennzahlen im Geschäftsalltag bezieht. Sie lautet sinngemäss: «Wenn eine Kennzahl zum Ziel wird, hört sie auf, eine gute Kennzahl zu sein.» Erkläre uns dies!
dann danach zu leben, sind zwei Dinge, die oft wenig miteinander zu tun haben. So wie bei der rauchenden Gefässchirurgin. Oder bei mir, dem zögerlichen Entscheider, der Bücher übers Entscheiden schreibt.
Worauf setzt du deine Hoffnung?
Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
«Ich glaube an die Wirkung der christlichen Kultur und viele – jedoch bei weitem nicht an alle – Ideale des Glaubens.»
Ich lasse mich überraschen, ob es nach dem Tod weitergeht, glaube aber nicht, dass mein heutiges Verhalten Einfluss darauf hat oder dass ich mein Jenseits heute optimieren kann. Aus vielen anderen Gründen lohnt es sich, Nächstenliebe, Verantwortung und Mitgefühl zu leben. Ich glaube an die Wirkung der christlichen Kultur und viele – jedoch bei weitem nicht an alle – Ideale des Glaubens. Wenn Menschen sich wörtlich an Buch und Kanzel halten, irritiert mich das. Man kann es so sagen: Ich glaube nicht an den Absender, aber durchaus an die Botschaft. Was bedeutet Hoffnung für dich?
Hoffnung ist der Glaube an gute Zukünfte. Sie entfacht Motivation und bewirkt Bewegung.
Ich als privilegierter, gesunder und mehr oder weniger sorgenfreier Schweizer finde, andere haben es viel mehr verdient, zu hoffen.
Was war die schönste oder überraschendste Frage, die dir je gestellt wurde?
«Roman, wer bist du eigentlich?» – nicht schön, aber wirkungsvoll und eigentlich unbeantwortbar. Versuche es bitte trotzdem!
Also gut, ich bin ein spezialisierter Generalist mit einem etwas zu Fortsetzung S. 26
Kennzahlen, die modernen «Key Performance Indicators», bieten Orientierung, können aber gefährlich werden, wenn wir sie als reines Ziel definieren. Der Kobra-Effekt zeigt eindrücklich, wie falsche Anreize entstehen können. In Indien wurden Prämien für tote Kobras ausgesetzt – woraufhin Menschen Kobras züchteten, um sie für die Belohnung zu töten.
«Eine rationale Herleitung zu kennen und dann danach zu leben, sind zwei Dinge, die oft wenig miteinander zu tun haben.» Mir als gläubiger Mann ist natürlich auch die Faustregel zur «Pascalschen Wette» aufgefallen. Diese besagt, dass es lohnenswert ist, an Gott zu glauben, weil der mögliche Gewinn unendlich gross ist, während der Verlust gering wäre, falls Gott nicht existiert (siehe Illustration rechts). Überzeugt dich diese Theorie – also, glaubst du an Gott?
Man muss dazu sagen, dass Blaise Pascal (1623–1662) christlicher Philosoph und Physiker war. Ein logisches Plädoyer für seinen Glauben kam ihm also entgegen. Aber: Eine rationale Herleitung zu kennen und
Roman Tschäppelers Illustration zur Pascalschen Wette.
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positiven Menschenbild. Ich beobachte gerne den Zeitgeist – und verliere manchmal meine eigene Meinung darin … Ich bin einer, der nach vorne blickt und Zukunft gestaltet. Und es schlummert ein nostalgischer Kern in mir, ich bin gern verwurzelt, fühle mich hier im Berner Seeland sehr wohl.
ZUR PERSON
Roman Tschäppeler, wie sorgst du in deiner Freizeit für Balance? Ich spiele sehr gerne und oft Tennis. Im Sommer bin ich irgendwo im Wasser und im Winter auf dem Schnee.
«Ich beobachte gerne den Zeitgeist – und verliere manchmal meine eigene Meinung darin …»
Einer deiner Lieblingsplätze im Berner Seeland? Aufs Seeland hinunterzuschauen ist schön; vom Mont Vully oder der «Bergerie de Haut» auf dem Mont Sujet.
Du gehst den Dingen und den Menschen gern auf den Grund. Welche Frage bringt deiner Erfahrung nach sofort Tiefe in ein Gespräch?
Welche Serie oder welcher Film hat dich in jüngster Zeit inspiriert? Ich habe vor einiger Zeit nochmals alle Folgen von «Modern Family» geschaut. Sie sind so lustig, ich könnte sie mir ein weiteres Mal ansehen.
«Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?» Ausserdem sprechen viele Menschen gern über Reisen und überwundene Krankheiten. Manchmal verrät auch die Nachbarschaft einiges über das Gegenüber. Musst du Menschen lieben, um deine Arbeit gut zu machen?
Gute Frage. Demut ist zentral, anzuerkennen, dass es andere Erklärungen gibt. Wer nur recht haben will, verliert Menschen. Und sich selbst. Demut schafft Vertrauen. Diese Demut und Selbstironie war zum Beispiel an einer Solo-Lesung von dir letzten Herbst im Schlosskeller Fraubrunnen BE für mich als Zuschauer gut spürbar.
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Dafür bin ich in meinem Leben besonders dankbar: Losglück des Lebens: als Sohn einer Pädagogenfamilie Ende Siebziger in der Schweiz ohne Beeinträchtigung auf die Welt gekommen. Jackpot. Was war bisher deine mutigste Tat? Mit sechs oder sieben Jahren bin ich alleine in den Keller hinter die Treppe, das war so eine Geisterecke. Im Ernst, ich habe seither nie mehr so viel Mut gebraucht.
Schön, dass du es so erlebt hast.
«Ja, ich weiss, man sagt, man solle nicht mit Freunden Geschäfte machen. Aber wenn nicht mit Freunden, mit wem denn?» Es ist auffällig, dass bei dir wichtige Etappen im Leben bisher oft in einem Duo funktioniert haben. Dies nicht nur jetzt bei der Arbeit mit Mikael Krogerus zusammen. Hast du eine Erklärung dafür?
Ja, ich weiss, man sagt, man solle nicht mit Freunden Geschäfte machen. Aber wenn nicht mit Freunden, mit wem denn? HOPE 2026/1
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Das Autoren-Duo Roman Tschäppeler und Mikael Krogerus präsentiert im jüngsten Buch «FAUSTREGELN» zahlreiche kurze Erklärungen für komplizierte Situationen. Ihre Methoden, Denkfiguren und Theorien helfen dabei, ein sinnvolleres Arbeitsleben zu führen.
Freundschaft, Vertrauen, gemeinsame Werte, aber auch Unterschiedlichkeit sind die Basis meiner Arbeit. Ich habe Musik mit einem Freund gemacht, mit einem anderen aus der Gastronomie 20 Jahre lang zusammengearbeitet – und bin bereits seit
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dem Studium mit Mikael auch beruflich verbunden. Zu zweit ist vieles einfacher und weniger komplex als in grossen Teams. Und es ist lustiger mit Freunden als mit ‹n’importe qui›. Ich lache oft und gerne mit Mikael. (fw./mhe.)
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RÜCKBLICK: «HOFFNUNGS-KAMPAGNE» ZUR EISHOCKEY-WM
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«Ich glaube an eine höhere Macht – ich nenne sie Gott. Ich vertraue ihm und weiss, dass er einen Plan für mein Leben hat. Alles, was mich beschäftigt, und alle offenen Fragen kann ich ihm abgeben. Das gibt mir Ruhe und nimmt mir den Druck.»
AdobeStock
Unsere Hope-Sonderausgabe zur Eishockey-WM in Zürich und Fribourg vom 15. bis 31. Mai 2026 stiess auf grosse Resonanz. Unter dem Motto «Was macht dich stark im Leben?» gewährten Spieler, Trainer und Fachpersonen persönliche Einblicke über den Sport hinaus. Dank der Partnerschaft mit Empowering Lives entstanden bewegende Interviews, Reportagen und eine spezielle Ausgabe der Kochshow «Was das Leben auftischt». Mit Statements und Kurzporträts von Roman Josi und Benjamin Neukom blicken wir nochmals zurück und zeigen, was die Spieler auch abseits des Eises trägt und stärkt: ihr Vertrauen, frei von Leistung von Gott geliebt und begleitet zu sein.
Hol dir jetzt die Spezialzeitung – passend zur laufenden Saison 26/27. Zum Verteilen oder als persönliche Lektüre.
DANIEL HORNECKER Mentalcoach & Mitgründer «Empowering Lives»
Hope
JANIS MOSER NHL-Profi (Tampa Bay) mit Wurzeln im Berner Seeland
FreshFocus
Erschien im Mai 2026 zur Eishockey-WM
«Bei Gott sind wir zuerst geliebt, unabhängig davon, was wir geleistet haben. Diese Erkenntnis ist auch aus mentaler Sicht sehr befreiend. Ganz nach dem Motto: Geliebt, um zu leisten. Ich wünsche mir, dass der Leser darüber nachdenken darf, was ihm Wert gibt und welche Bedeutung Gott und Jesus in seinem Leben haben.»
Mehr: hoffnung.ch/hockey
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DIE INNEREN WERTE EINES CAPTAINS In der NHL führt der Berner Roman Josi die Nashville Predators als Captain aufs Eis. An der Heim-WM im Mai 2026 stand er an der Spitze des Schweizer Nationalteams. Hope gab er Einblick in das, was ihn im Leben geprägt hat und bis heute trägt. Er war erst der zweite Schweizer, der die Schallmauer von 1000 Spielen in der besten Eishockey-Liga der Welt durchbrach – alle bei den Nashville Predators. Seit 2019 amtiert er als Captain des Klubs, mit dem er 2017 im Stanley-Cup-Finale stand. Ein Erfolg, der nur wenigen Spielern in ihrer Karriere vergönnt ist. Und mehr noch: Roman Josi gewann mit der Schweizer Nationalmannschaft 2013, 2018, 2024 und 2026 jeweils WM-Silber. Der WM-Titel blieb ihm bislang verwehrt, trotz einer Karriere mit dem Meistertitel 2010 (mit dem SCB), der MVP-Auszeichnung an der WM 2013 und der Norris Trophy 2020. Erfolg beginnt mit Freude
Bei all den Zahlen und dem Druck ist Humor für ihn sehr wertvoll. «Mein Spiel lebt von der Freude. Das ist für mich das Wichtigste: dass ich Freude an dem habe, was ich tue. Es ist manchmal schwierig, das zu bewahren, weil es trotz allem ein Business bleibt, in dem das Gewinnen zählt.» Josi ist überzeugt, dass Erfolg aus vielen kleinen Bausteinen entsteht: gemeinsamen Essen, guten Gesprächen, Nähe im Team. «Wenn es nicht läuft, wächst der Druck. Und wenn es läuft, will man immer mehr. Aber wenn man mit Freude spielt, werden die Resultate besser.» Aus Niederlagen lernen
Auch aus Niederlagen zieht er seine Lehren. «Der verlorene Stanley-Cup-Final 2017 HOPE 2026/1
Name: Roman Josi Geboren: 1990 in Bern Familie: Verheiratet, zwei Kinder Wohnort: Nashville, Tennessee (USA)
HIER GEHT'S ZUM VIDEO: Hope-Chefredaktor Florian Wüthrich führte in New York ein Hintergrundinterview mit Roman Josi.
formte mich stark. Wenn man im Finale steht, ist man sich dessen nicht so bewusst. Das ist nun fast zehn Jahre her, seitdem war ich nie mehr im Finale. Es ist extrem schwer, überhaupt so weit zu kommen, und noch schwieriger, dort zu gewinnen. Ich habe gelernt, dass das ein harter Weg ist. Manche erreichen das Finale in ihrer ersten Saison und dann in ihrer gesamten Karriere nie wieder. Das habe ich aus dieser Niederlage mitgenommen.» Spiritualität als Kraftquelle!
Kraft schöpft Roman Josi auch aus Ruhe und Spiritualität. «Ich bin nicht religiös aufgewachsen, meine Frau Ellie hingegen schon. Von Zeit zu Zeit gehen wir zusammen in die Kirche. Ich würde mich nicht als religiös, sondern als spirituell bezeichnen. Ich glaube an Gott. Die Spiritualität ist mir sehr wichtig, Rückzug hilft mir sehr.»
Roman Josi ermutigt: «Auch wenn es mal nicht läuft … das gehört zum Leben. Auch ich gehe manchmal durch solche Phasen. Doch es gibt immer einen Weg und irgendwann kommt man da raus.» Weiter betont er: «Wenn man einen Traum hat und diesen mit Disziplin verfolgt, ist alles möglich. Da können wir als Schweizer von der US-Kultur lernen und etwas grösser träumen.» (dg.)
FreshFocus
31 BENJAMIN NEUKOM
Name: Benjamin Neukom Geboren: 1991 Wohnort: Ostermundigen
«ICH BIN DANKBAR FÜRS LEBEN!» Ein Stockschlag kostete ihn 2022 beinahe sein linkes Auge. Drei Tage nach der endgültigen Diagnose erfuhr Benjamin Neukom, dass er Vater wird. Diese Nachricht rettete den Ex-Olten- und Lakers-Stürmer über sein Karriere-Aus hinweg. «Im Eishockey durfte ich meinen Traum leben», hält Benjamin Neukom fest. Seine schönste Zeit erlebte der 1991 geborene Stürmer in der Juniorenzeit und beim Sprung in die erste Mannschaft seines Jugendclubs, der Rapperswil-Jona Lakers. Später sammelte er unter anderem in Fribourg, Langnau und Olten Erfahrungen in der National League. Das Eishockey prägte ihn stark und wurde für ihn zur «besten Lebensschule», die er sich vorstellen konnte. Gleichzeitig hätte er sich während seiner Karriere mehr und ehrlichere Kommunikation gewünscht. Je länger er im Rampenlicht stand, desto stärker fühlte er
sich wie ein Gladiator und glaubte zeitweise, unbesiegbar zu sein.
«Diese Nachricht war wie eine Rettung für mich– sie gab mir neuen Halt.» Gute und schlechte Nachrichten
Am 5. November 2022 änderte sich sein Leben schlagartig. Während eines Spiels für Olten traf ihn ein Stock am linken Auge. Zunächst unterschätzte er die Verletzung, doch die Reaktion der Ärzte machte ihm klar, dass es ernst war. Mehrere Operationen konnten sein Augenlicht nicht vollständig retten. Besonders schwer wog für ihn die Erkenntnis, dass seine Hockeykarriere beendet sein würde. Mit 31 Jahren steckte er noch mitten im Sport und fühlte sich für einen beruflichen Neustart kaum vorbereitet. Auch die wirtschaftliche Zukunft bereitete ihm Sorgen. Seine Freundin war schwanger: Drei Tage nach der endgültigen Diagnose erfuhr er, dass er Vater wird. Rückblickend sagt er: «Diese Nachricht
war wie eine Rettung für mich– sie gab mir neuen Halt.» Der Unfall war kein Zufall
Neukom begann, über den Sinn des Geschehenen nachzudenken. Heute glaubt er, dass der Unfall kein Zufall war und Gott gute Gedanken über sein Leben hat. Seine entstehende Familie und der Wille zu leben halfen ihm, nicht aufzugeben. Nach rund 15 Monaten musste er seine Karriere endgültig beenden. Dabei wurde ihm auch bewusst, wie schnell ein Sportler nach dem Karriereende zur «Nummer» werden kann und wie wenig man sich plötzlich für ihn interessierte. Heute lebt Neukom mit seiner Partnerin und den zwei Töchtern in Ostermundigen und absolviert eine Umschulung zum Lehrer. Die Menschen, die er während seiner Hockeyzeit kennengelernt hat, haben ihn geprägt und motivieren ihn nun, Kindern nicht nur schulischen Stoff, sondern auch etwas fürs Leben mitzugeben. Trotz der schwierigen Erfahrungen blickt er dankbar zurück. Er möchte jeden Tag geniessen – «sei er schwierig oder schön» – und sagt: «Ich bin dankbar fürs Leben!» (mm.) HOPE 2026/1
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PASCAL UND CHRISTINE GERTSCH
TRÄNEN ZU PERLEN Manchmal reicht ein einziger Moment, um alles zu verändern. Für Pascal und Christine Gertsch brach 2013 eine Welt zusammen – und doch entstand aus den Scherben und geplatzten Träumen etwas Kostbares. Pascal war ein junger Mann mit Perspektive: ein Musterschüler, sportlich und engagiert in der Kirche. Er lebte für die Musik, sein Herz schlug für christliche moderne Lieder. Mit 15 lernte er Christine kennen, die grosse Liebe seines Lebens. Fünf Jahre später heirateten die beiden. Alles schien perfekt. Pascal absolvierte ein Studium im Ingenieurswesen, das Leben des jungen Paars verlief in geregelten Bahnen – unbeschwert, voller Pläne für die Zukunft. In Lebensgefahr
2013, zwei Jahre nach der Hochzeit, kam alles anders. Pascal wurde bewusstlos auf der Strasse gefunden. Die Diagnose im Spital: Hirnblutung. Angeschlossen an Schläuche und Kabel lag er im Koma. Als er aufwachte, konnte er nicht sprechen und sich kaum bewegen. Kurze Zeit später erholte er sich, kam zur Reha ins AnnaSeiler-Haus, das zum Inselspital gehört. Auch dort ging es rasch bergauf. Der junge Mann konnte bald wieder gehen, brachte Gott durch Musik und Lieder seine Dankbarkeit entgegen. Dann folgten zwei weitere Blutungen. Christine, gelernte Sozialpädagogin, erinnert sich noch gut an den einschneidenden Anruf aus dem Spital nach dem vierten Vorfall: «Man informierte mich und erklärte mir, der Druck im Gehirn sei so stark, dass Pascal sterben könnte. Am Telefon sollte ich entscheiden, ob die Ärzte diesen lebensgefährlichen Eingriff durchführen dürfen …» Schliesslich mussten die Ärzte handeln. «Diese OP war die einzige Möglichkeit, sonst hätte Pascal nicht überlebt», hält Christine fest. HOPE 2026/1
INTERVIEW IN VOLLER LÄNGE ALS VIDEO:
Namen: Pascal und Christine Gertsch Geboren: Beide 1990 Wohnort: bei Bern
Im Rollstuhl
Pascal kam als Pflegefall in einen Rollstuhl, konnte erst nach drei Jahren stationärer Reha nach Hause. Es galt, wieder bei null anzufangen. Für Christine brach eine Welt zusammen. Ihr Traum und Bild von einem Ehemann war zerplatzt. Sie musste funktionieren, schwere Entscheidungen treffen, innere Kämpfe ausfechten.
«Werden wir uns je wieder ein Stück Normalität zurückerobern?» Angst und Überforderung
Die nächsten Jahre waren herausfordernd: erneut lange Spitalaufenthalte, Reha, heftige epileptische Anfälle, organisatorische Strapazen, finanzielle Ängste und quälende Fragen. «Werden wir uns je wieder ein Stück Normalität zurückerobern? Wie wird es weitergehen?», gibt Christine Einblick in jene Zeit des Bangens und Hoffens. Und dann waren da noch die Tränen – unzählige Tränen. Tränen der Trauer, der Angst, der Überforderung. «Ja, auch wenn wir sehr positiv gesinnte Menschen sind und immer wieder neuen Mut gefunden haben, ändert dies nichts an der Tatsache, dass uns sehr viel genommen wurde!» Bitter oder besser
2017 durfte Pascal nach Hause, bleibt bis heute jedoch kognitiv und körperlich stark gefordert. Um das Erlebte zu verarbeiten, reiste er mit Christine nach Irland. 13 Jahre nach dem Schicksalsschlag leben Pascal und Christine in einer Wohnung am Stadtrand von Bern, ihr drittes Kind ist unterwegs. Das Elternpaar wirkt gefasst, zuversichtlich und voller Tatendrang. Ihr Glaube habe sie durchgetragen, sagen die beiden. Pascal bekräftigt: «Gott kann diesen Mist als Dünger gebrauchen. Wir alle haben immer die Wahl: bitter oder besser zu werden.» Diese Worte klingen klar und zugleich errungen. Auch Wehmut ist noch spürbar, umhüllt von Dankbarkeit für das, was sie haben.
«Wir alle haben immer die Wahl: bitter oder besser zu werden.» Hoffnung am Handgelenk
Christine hat ein Herz für Schönes und gründete ihr eigenes Schmucklabel: «Perlen Art». Aus Tränen wurden buchstäblich Perlen. Ihr Traum: ein Store in Bern, ein eigenes kleines Team und eine Community,
die ihre Mission teilen: «Ich liebe es, Schönes zu kreieren und Menschen zu ermutigen, ich möchte ihnen Glauben und Hoffnung weitergeben», sagt die kreative Frau. Die Schmuckstücke sind mehr als Accessoires, sie stehen auch für Dankbarkeit: Als Halskette, Armkette oder Ring halten sie Träume und Wünsche sowie ersehnte oder erlebte Durchbrüche nah am Körper und in Erinnerung. Christine ergänzt: «Wir wussten lange nicht, ob und wie gut Pascal sich erholen würde. Meine Botschaft ist: Handle im Glauben! Das bedeutet, nicht erst zu starten, wenn du alles im Griff hast und der Weg klar ist. Geh los, wage kleine Schritte und vertraue Gott, auch wenn es stürmt oder Türen (noch) verschlossen sind. Halte an deinen Träumen fest und versuche nicht, alles perfekt zu machen, sonst verpasst du dein Leben.»
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Keine Epi-Anfälle mehr
Christine und Pascal sind ein starkes Team. Er blüht auf in seinen Rollen als Ehemann und Vater, sieht sich als Motivator, als Stütze. Seit gut drei Jahren ist Pascal dank guter Medikamenteneinstellung frei von epileptischen Anfällen. Das schenkt allen Stabilität, nach der sie sich lang gesehnt haben. Er hat sich angewöhnt, alles aufzuschreiben, damit nichts vergessen geht. Natürlich gibt es auch Reibungen. Kommunikation ist eine Kunst und manchmal herausfordernd, weil Pascals Einschränkungen Geduld erfordern. Aber die beiden entdecken auch immer wieder Gutes: ihre gemeinsame Freude an feinem Essen, an ehrlichen Gesprächen und an tiefen Beziehungen.
«Meine Geschichte ist nicht zu Ende.» Grenzenlos hoffnungsvoll
Pascal bezieht heute eine volle IV-Rente und arbeitet 30 Prozent an einem «Angepassten Arbeitsplatz» bei der GEWA in der Administration der Logistik. Seine Möglichkeiten mögen begrenzt sein, aber seine Hoffnung ist grenzenlos. Er hält fest: «Auch aus kleinen Anfängen kann Gott Grosses entstehen lassen. Meine Geschichte ist nicht zu Ende. Ich bin überzeugt, dass sich Türen öffnen werden.» Die Leidenschaft, Gott die Ehre zu geben, lebt weiter. Sie sei nicht ans Musizieren gebunden: Selbst mit einer kleinen Fingerbewegung könne er Gott anbeten – ebenso im Rahmen von Perlen Art. Pascal verweist auf die biblische Aussage «Die ganze Schöpfung betet an …» (Offenbarung, Kapitel 5, Vers 13). Sein nächstes Ziel: «Ich möchte mich in die Buchhaltung von Perlen Art einarbeiten. Eines Tages werde ich diese ganz übernehmen.» (mhä.)
ÜBER CHRISTINE UND PASCAL
Meer oder Berge? P: nichts mehr...; C: Meer Käse oder Fleisch? P: Fleischkäse; C: Käse Altbekanntes oder Neues? P: Neues; C: Neues Glas eher halbvoll oder halbleer? P: halbvoll; C: halbvoll Heimlich altern oder riesige Geburtstagsparty? P: Geschenke sind immer willkommen; C: Kleinere Geburtstagsparty Ein Lieblingsplatz in der Region: P: auf unserem Balkon neben dem Grill; C: Aussichtsplatz bei der alten Linde Lieblingsbeschäftigung sonntags bei Regen: P: mit den Jungs spielen und Kaffee trinken; C: allein chillen, TV, Snacks
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DAS PRALLE
LEBEN FÜR DICH! Es mag in unseren Breitengraden heute wie aus der Zeit gefallen klingen: Weltweit glaubt eine wachsende Zahl von Menschen, über 2,5 Milliarden: Es gibt einen Gott, der sie grenzen- und bedingungslos liebt – so sehr, dass er seinen eigenen Sohn für sie opferte. Alle Menschen sollen wieder in Beziehung mit Gott leben und darin Lebenssinn und Frieden finden.
LIEBE
Stell dir vor, da gäbe es jemanden, der an deiner Seite bleibt. Auch an Tagen, an denen du dich selbst kaum magst. Jemand, der dich genau kennt. Und trotzdem liebt. Und dich so annimmt, wie du bist. Unabhängig davon, was war oder woher du kommst. Dieser «Jemand» – Christen nennen ihn Gott – ist für die Menschen und will ihr Bestes. Sein grösster Wunsch ist, dass alle Menschen seine Liebe erfahren. In der Freundschaft mit ihm sollen sie Frieden finden, den Sinn ihres Lebens entdecken und aufblühen.
TRENNUNG
Leider erfahren wir Menschen kaum etwas von Gottes Liebe, weil wir ihn ignorieren. Wir suchen überall nach Bestätigung, Sinn und Erfüllung – nur nicht bei Gott. Wir misstrauen ihm und glauben nicht, dass er es gut mit uns meint. Diesen Alleingang und die Taten, die daraus entstehen, nennt die Bibel Sünde. Sünde verletzt und zerstört unsere Beziehungen. Zu Gott, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst. Sie trennt uns von einem erfüllten Leben, das Gott für uns bereithält.
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Unsplash: Camila Cordeiro
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JESUS
Dass wir Gott den Rücken zukehren, hält ihn nicht davon ab, uns zu lieben. Dafür hat er sich auf Augenhöhe mit uns begeben. In der Person seines Sohnes Jesus Christus wurde Gott Mensch und lebte uns seine Liebe konkret vor. Eine Liebe, die ihn alles kostete: das Leben seines eigenen Sohnes! Jesus nahm die Konsequenzen unseres Alleingangs auf sich. Er starb, brutal gefoltert am Kreuz – aber Gott erweckte ihn wieder zum Leben. Der Tod und alles Trennende sind besiegt. Was damals geschah, gilt bis heute. Jesus hat die gekappte Verbindung zwischen Mensch und Gott wiederhergestellt. Seine Liebe ist real und erfahrbar. Über den Tod hinaus möchte er uns ewiges Leben schenken – frei von Leid und Schmerz.
LEBEN
Gibt es einen grösseren Beweis für Gottes Liebe zu uns Menschen, als den eigenen und einzigen Sohn stellvertretend sterben zu lassen? Jesus lebt – und er möchte dir schon heute ein erfülltes, sinnvolles Leben schenken. Jetzt musst du dieses Geschenk nur noch annehmen. Das geschieht nicht durch menschliche Anstrengung oder gute Taten, sondern dadurch, dass du dich auf Gott einlässt. Du kannst direkt mit ihm sprechen – Christen nennen das «beten» – und ihn um Vergebung bitten, dass du bisher ohne ihn gelebt hast. Jesus verspricht, immer bei dir zu sein. Du kannst dich auf ihn verlassen. Wie entscheidest du dich?
MEHR?
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