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celluloid Ausgabe 4a/2012 - 1. September 2012

filmmagazin

gegründet 2000

e zur

Beilag

50 Jahre 007

Die goldene Palme 2012 im Kino

Foto: Filmladen; ©1977 Danjaq, LLC and United Artists Corporation. All rights reserved.

ARTIG. NICHT BRAV.

HANEKELIEBE James Bond von A bis z

Mit ausgewählten beiträgen aus dem filmmagazin celluloid

www.celluloid-filmmagazin.com


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a r t i g , n i c h t b r av

celluloid

filmmagazin - BEILAGE ZUR WIENER ZEITUNG Ausgabe 4a / 2012 - 13. jahrgang SEPTEMBER / OKTOBER 2012

LES

COVER 4

EDITORIAL

Michael Hanekes „Liebe“ Mit seinem neuen Film gewann Haneke in Cannes seine zweite Goldene Palme nach „Das weiße Band“ 2009. Diesmal erzählt der Österreicher vom Sterben mit Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva in den Hauptrollen. Wir bringen eine Kritik zum Film und ein Interview mit Michael Haneke

Liebe Leser,

FEATURES 6 12 13 14

James Bond wird 50 Zum Jubiläum gibt es mit „Skyfall“ einen neuen Film aus der Reihe sowie etliche DVD-Editionen. Wir nähern uns dem Phänomen Bond mit einem Lexikon Filmkritik „Chico & Rita“ ist ein außergewöhnlicher Animationsfilm, angesiedelt im bunten Havanna der 40er Jahre Filmkritik „Mama Illegal“ zeigt das Schicksal illegaler Arbeitsmigranten in Europa Die Top-Filme im September/Oktober

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Auf der linken Seite sehen Sie das Cover unserer aktuellen, regulären celluloid-Ausgabe 5/2012, die Sie ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel (oder direkt bei der Redaktion unter www. celluloid-filmmagazin.com) beziehen können. Unser Cover-Star ist diesmal auch unser Gast-Chefredakteur: Schauspieler Nicholas Ofczarek hat mit uns gemeinsam dieses Heft gestaltet, und herausgekommen ist ein intensiver Einblick in das Berufsbild des Schauspielers, mit allen Ängsten, Sehnsüchten und auch Glücksmomenten. Besonders interessant war für uns das Gespräch, das Ofczarek mit Ulrich Seidl im Waldviertel geführt hat - dabei offenbarten sich einige Details, wie das Verhältnis eines Regisseurs und eines Schauspielers zueinander sein kann (und wie es nicht sein sollte). Diese exklusive, von Ofczarek gestaltete Geschichte finden Sie ebenfalls in unserer Kiosk-Ausgabe.

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WEITERE THEMEN

des celluloid Filmmagazins (Ausgabe 5/12 ist am Kiosk erhältlich)

FILMKRITIK 50 53 54 55 56

In dieser Beilage wiederum gibt es für Sie ein Interview mit Michael Haneke (Seite 5), sowie eine große Strecke zum 50. Geburtstag von James Bond, mit teilweise noch nie gezeigten Fotos. Wir wünschen Ihnen viel informatives Vergnügen beim Lesen!

Nach dem Massaker Aurora und die Folgen: Wie gehen Regisseure mit dem Thema Gewalt in ihren Filmen um? Horror in der Lederhose Die heimische Filmförderung steht plötzlich auch auf Mainstream Bild für Bild zurück zum Original Mike Daruty von Universal spricht über die aufwändige Filmrestaurierung von „Der weiße Hai“ Was vom Glamour übrig blieb Paramount und Universal sind 100 Jahre alt - und nicht optimal gerüstet für die Zukunft Marilyn Monroe. Vor 50 Jahren starb das blonde Sexsymbol. Gedanken dazu von Nicholas Ofczarek Filmfestival Locarno Über österreichische Highlights und Schweizer Film-Befindlichkeiten Profile: Julian Roman Pölsler im Gespräch zu „Die Wand“

Liebe Holy Motors Die Wand Buck - Der wahre Pferdeflüsterer To Rome With Love

Matthias greuling

Chefredakteur & Herausgeber celluloid@gmx.at und die Wiener Zeitung

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Filmladen; Sony Pictures; Poool

20 34 36 38 40 42 48

E

OB R EP

celluloid Filmmagazin Beilage zur Wiener Zeitung Nummer 4a/2012, September/Oktober 2012 Beilage zur „Wiener Zeitung“ am 1. September 2012. Medieninhaber und Herausgeber: Werbeagentur Matthias Greuling. Printed in Austria. Die Beiträge in dieser Beilage wurden uns mit freundlicher Genehmigung vom Verein zur Förderung des österreichischen und des europäischen Films zur Verfügung gestellt. Die Interviews wurden von Mitgliedern der celluloid-Redaktion geführt. Die Beiträge geben in jedem Fall die Meinung der AutorInnen und nicht unbedingt jene der Redaktion wieder. Fotos: Filmverleiher. celluloid versteht sich als publizistische Plattform für den österreichischen und den europäischen Film und bringt Berichte über aktuelle Filme. Anschrift: Anningerstrasse 2/1, A-2340 Mödling, Tel: +43/664/462 54 44, Fax: +43/2236/23 240, e-mail: celluloid@gmx.at, Internet: http://www.celluloid-filmmagazin.com Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion und Quellenangabe. © 2012 by Werbeagentur Matthias Greuling

cell u l o i d O N L I N E : www . cell u l o i d - fil m m aga z in . c o m celluloid 4a/2012

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cover

Liebe, Tod &

unbehagen LIEBE Die große Schwere und Mühseligkeit des Alters: Michael Haneke erzählt in „Liebe“ meisterlich, aber distanziert vom Tod. Es ist vielleicht sein bislang relevantester Film

Filmstart: 21.09.12

E

s gibt einen einzigen Moment in Michael Hanekes neuem Film „Liebe“, da wird der greise Ehemann seiner bettlägerigen Frau ins Gesicht schlagen. Da wendet er Gewalt an, weil er die Geduld verliert, für einen kurzen Augenblick. Zuvor hat sie einen Schlaganfall erlitten, zunächst einen, der ihr Sprachzentrum verschont hat, dann einen zweiten, der sie nahezu kommunikationsunfähig macht. Sie kann nicht mehr ausdrücken, was sie möchte, und ihr Mann bringt in dieser Szene die nötige Geduld nicht mehr auf, mit der er ihr bisher standfest durch diese Tragödie geholfen hat. Ein alterndes Ehepaar und seine letzten gemeinsamen Wochen, vor dem Hintergrund einer bürgerlichen Vergangenheit in Paris. Die beiden waren Musiklehrer, und die Liebe zur Musik ist auch im Alter ihr Lebensmotor geblieben. Ihre Tochter (Isabelle Huppert) ist in ihre Fußstapfen getreten, und der körperliche Verfall der Mutter macht ihr schwer zu schaffen. Doch sie in ein Heim abzuschieben, das würde ihr Vater niemals zulassen. BEHÄBIGKEIT  Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant spielen die beiden alten Menschen Anne und Georges mit einer sehr intensiven Behäbigkeit, die das Alter mit sich bringt. Für Trintignant ist es die Rückkehr vor die Filmkamera nach acht Jahren; damals hat er sich endgültig vom Kino verabschiedet, spielte nur mehr am Theater. Doch für Haneke machte er eine

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DER LAUF DER ZEIT  Wenn Jean-Louis Trintignant seiner Filmehefrau Emmanuelle Riva also ins Gesicht schlägt, dann hat er damit am meisten wohl sich selbst verletzt. Denn hier erst hat er wirklich verstanden, dass er gegen den Lauf der Zeit machtlos ist. Er wird am Ende die für diesen Mann einzig mögliche Konsequenz ziehen. „Liebe“ ist ein großer Film in Hanekes Karriere. Und es ist einer seiner relevantesten, universellsten. Weil die Unentrinnbarkeit vor dem Tod feststeht, aber auch, weil die Liebe uns bis zu diesem Moment am Leben hält. Das ist der beinahe optimistischste Moment im Werk dieses Filmkünstlers.   Matthias Greuling

LIEBE (AMOUR) F/Ö/D 2012. Regie: Michael Haneke. Mit: Jean-Louis Trintignant, Emanuelle Riva, Isabelle Huppert. FILMSTART: 21. 09. 2012

Fotos: Alexander Tuma; Filmladen

Ausnahme – und brilliert hier in einer nicht nur emotional, sondern auch physisch fordernden Rolle, die dem selbst schon gebrechlichen Trintignant sichtlich viel Kraft abverlangt. Haneke stellt in „Liebe“ die lebenslange Liebe zwischen Anne und Georges auf die Probe; die Bilder seines Kameramannes Darius Khondji sind überaus statisch, nüchtern, niemals emotional. Daraus ergibt sich auch ein behäbiger Film-Schnitt, der die Bilder mehr und mehr zu einem sich verengenden Lebens-Umkreis verdichtet: Der gesamte Film spielt nur in der Wohnung des Ehepaares, was der Realität vieler alter Menschen entspricht. Überhaupt hat Haneke „Liebe“ mit großer Schwere und Mühseligkeit inszeniert, was das Betrachten des Films genauso anstrengend macht, wie man sich auch das Leiden des Alters gemeinhin vorstellt – jene unfreiwillige Lebensentschleunigung, in der schon das Überstreifen eines Pullovers oder der Gang zur Toilette voller Beschwerlichkeiten und von langer Zeitdauer sein kann. Haneke findet eine brillante filmische Form, diesen Lebensabschnitt zu beschreiben. Er gibt der Langsamkeit seiner Geschichte niemals nach, sondern verharrt lieber auf den Details, die den Alltag im Alter so maßlos erschweren können. Dadurch reiht sich „Liebe“, auch wenn er vielleicht der bislang emotionalste Film in Hanekes Karriere ist, nahtlos ein in sein Kino des Unbehagens: Wie immer bei Haneke fühlt sich der Zuschauer niemals wirklich wohl, und gerade hier, beim Thema der eigenen Endlichkeit, funktioniert dieses Unbehagen besonders nachhaltig. Haneke hält neben dem primären Leid der Ehefrau noch eine weitere Erfahrung parat: Wahrer Schmerz, das ist, wenn es geliebten Menschen schlecht geht, wenn sie leiden oder wenn sie sterben.

Haneke mit seiner zweiten Goldenen Palme, Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant

HANEKE IM INTERVIEW „Es ist angenehm, wenn die Leute etwas gut finden“ celluloid: Herr Haneke, welche Einstellung haben Sie zum Tod? Michael Haneke: Meine Einstellung zum Tod ist eine zwiespältige. Er ist bitter für jene, die er aus der Blüte ihres Lebens reißt, und er ist vielleicht erlösend für manche, die leiden. Der Film ist für jedermann zugänglich, weil das Thema Sterben jeden betrifft. Vor zehn Jahren hätte ich diesen Film vermutlich anders gemacht. Die Idee zu diesem Film war eine Geschichte, die in meiner Familie stattgefunden hat und mich berührte. Das Wesentliche ist, dass es kaum jemanden gibt, der nicht schon einmal in der Situation war, dass er einen geliebten Menschen verloren hat. Jeder kennt das, und jeder Mensch geht denselben Weg. Der Grundgedanke von „Liebe“ ist, wie man mit dem Leiden des Menschen, den man liebt, umgeht. Das kann eine bittere Angelegenheit sein. Ich habe „Liebe“ jedenfalls nicht anders gemacht, als meine anderen Filme, es ist wohl das Thema, das den Film für ein größeres Publikum öffnet, weil es intimer herangeführt werden kann. Den Film an nur einem Ort, nämlich in der Wohnung des alten Ehepaares zu drehen, ist vermutlich eine dramaturgische Kleinstarbeit gewesen. Das Thema hat ja einen sehr hohen Anspruch, also musste ich auch eine Form finden, die diesem hohen Anspruch gerecht wird. In diesem Fall ist es die klassische Einheit von Ort, Zeit und Handlung, die mir ermöglicht, dem Thema auf angemessener Höhe zu begegnen. Andererseits ist das aber auch riskant, denn es kann ja schiefgehen, da benötigt man dann eine große Portion Handwerk, damit der Film innerhalb dieser einen Wohnung funktioniert. Sie haben aber nichts dem Zufall überlassen, denn Sie sind bekannt für Ihre akribische Vorbereitung. Das stimmt. Das Apartment hatte ich

jenem meiner Eltern nachempfunden und es in Paris mit dem entsprechenden Dekor errichten lassen. Was aber nicht bedeutet, dass die Geschichte, die ich in „Amour“ erzähle, irgendetwas mit meinen Eltern zu tun hat. Aber mir half das beim Erfinden der Details zu diesem Film, mich in einer mir bekannten Geografie zu bewegen. Ich arbeite mit Prävisualisierung, das heißt, ich plane jede Einstellung bereits zuhause in einem Modell, und weiß daher, wann wo welche Kamera steht am Set. Der Erfolg eines Films liegt einzig und allein in seiner genauen Vorbereitung, das versuche ich auch meinen Studenten klarzumachen. Dass man als Regisseur ans Set kommt und denkt, man lässt sich dort einfach inspirieren, daran glaube ich nicht. Haben Sie eine Meinung zu Patientenverfügung oder Sterbehilfe? Ja, dazu habe ich mir etwas überlegt. Aber das werde ich nicht mit Ihnen teilen. Denn das würde der Rezeption des Films schaden. Sie haben nun Ihre bereits zweite Goldene Palme gewonnen. Wie wichtig sind Ihnen solche Auszeichnungen heute noch? Sie sind schon wichtig, denn der Erfolg deines letzten Films bestimmt die Arbeitsbedingungen des nächsten. Daher muss man dieses Spiel mitspielen. Es wäre auch verlogen, zu sagen, Preise sind mir wurscht. Natürlich ist es angenehm, wenn die Leute etwas gut finden. Aber man zittert nicht vor der Preisverleihung. Als jemand, der noch keinen Preis gewonnen hat, wäre man wahrscheinlich nervöser. Aber das ist so, wie wenn Sie als Theaterregisseur bereits 20 Stücke inszeniert haben, und vor der 21. Premiere erst recht wieder nervös sind. Man arbeitet schon, damit die Leute diese Arbeit irgendwie anerkennen. Sonst könnte man ja zuhause bleiben und nichts tun. 

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50 jahre james bond

Fotos: ©1969-2006 Danjaq, LLC and United Artists Corporation. All rights reserved.

Entspannung am Set von „The Man With the Golden Gun“ (1974): Roger Moore mit Maud Adams (r.) und Britt Ekland auf einem Strand in Phuket, kurz vor dem Dreh der Szene auf der rechten Seite oben.

50 JAHRE 007

JAMES BOND von a bis z 1962 erschien der erste Bond-Film „Dr. No“. Zum Jubiläum nähern wir uns dem Phänomen Bond mit einem kleinen Lexikon, gespickt mit seltenen Fotografien

A

dam, Ken  Der als Klaus Adam geborene deutsche Filmarchitekt bestimmte aufgrund seiner bahnbrechenden Entwürfe von 1962 bis 1979 die Ausstattung der Bond-Filme, aber auch viele technische Spielereien sind seinen Ideen zu verdanken. Adam schuf das Labor und die Privatgemächer von Dr. No, die ihm Aufträge von Stanley Kubrick einbrachten. Er entwarf Fort Knox für „Goldfinger“ und rüstete den Aston Martin auf, baute den Krater für „Man lebt nur zweimal“, die U-Boot-Halle für „Der Spion, der mich liebte“ und die Raumstation von „Moonraker – Streng geheim“. Adam wurde zweimal mit dem Oscar ausgezeichnet, allerdings nie für einen 007-Film. Dafür war er „nur“ nominiert. Adam ist der einzige Deutsche, der an sieben Bondfilmen beteiligt war und sie wesentlich mitgeprägt hat.

B

assey, Shirley  Die einzige Sängerin, die es bisher geschafft hat, drei Titelsongs der 007-Filme zum Besten zu geben, ist die 1937 geborene Engländerin Shirley Bassey. Sie sang „Goldfinger“, „Diamonds Are Forever“ und „Moonraker“, der von den Musikern ironisch „Moon Finger“ genannt wurde, weil er so starke Ähnlichkeiten mit dem Klassiker „Moon River“ aufwies. Komponist John Barry schätzte die ausdrucksstarke Stimme der Bassey. Ihren Welterfolg mit „Goldfinger“ schätzte sie nicht so sehr, obwohl er ihr Glück und Geld eingebracht hatte, da sie sehr präzise auf die Szenen im Titelvorspann singen musste. Bis heute singt sie das Stück daher nur ausnahmsweise – wie etwa für die englische Queen bei den Feierlichkeiten zum Thronjubiläum im Juni 2002.

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C

asino Royale – Der Fernsehfilm (1954)  Am Donnerstag, dem 21. Oktober 1954, um 20.30 Uhr Eastern Standard Time wurde die erste Adaption eines BondRomans von Ian Fleming vom US-Fernsehsender CBS ausgestrahlt. Der hatte die Rechte erworben, dem Autor 1000 Dollar gezahlt, und die Geschichte amerikanisiert. So wurde aus James Bond „Jimmy Bond“, der ohne, dass M, Miss Moneypenny und Q auftauchten, im Dienste Washingtons agierte und seine Aufträge von einem Kollegen mit dem Namen Clarence Leiter bekam. Dieser hat nur wenig mit dem CIA-Freund Felix Leiter zu tun. Im Originalroman heißt die Figur René Mathis. Der Charakter des Mädchens wurde verändert: aus Vesper Lynd wurde Valerie Mathis. Auch das Ende ist völlig neu. In dieser Adaption tötet Bond Le Chiffre, während im Roman das seine ehemaligen Kollegen tun. Auch bringt sich Bonds Geliebte nicht selbst um, sondern … fällt ihm in die Arme. Der einstündige, schwarzweiße TV-Film wurde in drei Akte geteilt, die durch Werbung unterbrochen wurden und wirkt eher wie eine Theateradaption des Stoffes, zumal die Handlung lediglich auf die beiden Orte Casino und Hotel beschränkt war und von sämtlichen Akteuren „live“ gespielt, von mehreren Kameras aufgenommen und direkt übertragen wurde. Bevor es losging führte Gastgeber William Lundigan in den Film ein. Am Ende tauchte er erneut auf und schloss so den Film. Der Film war ein Teil aus der Serie „Climax Mystery Theatre“. Barry Nelson, Peter Lorre, Linda Christian und Michael Pate spielten die Hauptrollen. Ian Fleming fand die Adaption enttäuschend.


D

ildo  Bei den Dreharbeiten des Films „Im Angesicht

des Todes“ stieg die Schauspielerin Grace Jones in einer Bettszene mit Roger Moore mit einem Dildo ins Bett, um den Mimen zu ärgern. Der hatte zuvor ständig Scherze mit ihr getrieben, so dass sie sich rächen wollte. Einmal gerieten sie sogar – außerhalb des Bettes - sehr heftig aneinander: Nach rund siebenstündigen Aufnahmen im Wasser ging er zu seinem Zimmer, um sich zu erholen, und Grace Jones in ihres, direkt nebenan, drehte aber die Musik so laut auf, dass er sich aufregte. Cubby Broccoli wurde gerufen, um die Streithähne zu beschwichtigen. Vor allem Moores Bemerkung von den „den Frieden störenden Ureinwohnern“ führte zu einer herben Verstimmung der schwarzen Jamaikanerin. Als sie dann aus Rache den Dildo umschnallte, war Moore so entsetzt, dass er die Szene schmiss. Das vorab eingeweihte Team prustete vor Lachen. Das gedrehte Filmmaterial wurde nie gezeigt.

E

on Productions Ltd.  Die Produzenten Harry Saltz-

Die Szene am brennenden Wasserflugzeug in „The Man With the Golden Gun“ (1974) musste beim ersten Mal klappen, da es kein Ersatzflugzeug gab.

man und Albert R. Broccoli gründeten im Mai/Juni 1961 die Produktionsfirma Eon Productions Ltd., die die 007Filme herstellte und die Firma Danjaq S.A, die sich um die Vermarktung der James Bond-Rechte und der Figur kümmert. Die Herkunft des Namens ist nicht ganz geklärt. Lange Zeit hieß es, dass Eon für „Everything or Nothing“ steht (Alles oder nichts), und inzwischen gibt es auch ein gleichnamiges Computerspiel, doch Produzent Broccoli hat das in seiner Autobiografie „When The Snow Melts“ verneint. Seine Tochter Barbara enthüllte im Herbst 2008 im Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen, dass die Produzenten eine Firma dieses Namens kauften und ergänzte: „Das Motto ist schön.“ Der Sitz des Unternehmens ist London und wechselte mehrfach innerhalb der Stadt. Nach dem Tod des Produzenten war im Vorspann der seitdem entstandenen Filme der Begriff „Albert R. Broccolis Eon Productions“ zu lesen.

F

leming, Ian (28. 05. 1908 – 12. 08. 1964) Der britische

Romanautor hat James Bond erfunden und veröffentlichte von 1953 bis 1964 zwölf James Bond-Romane und zehn James-Bond-Kurzgeschichten, das Kinderbuch „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“, sowie eine Reihe von Reisereportagen, Kurzgeschichten und Einführungen, die auch in Buchform erschienen sind. Er wurde an der Eliteschule Eton und der Militärakademie Sandhurst ausgebildet, studierte in München und Genf, arbeitete als Korrespondent für Reuters und als Berichterstatter für die Londoner „Times“. Er sprach russisch, deutsch und französisch und diente während des 2. Weltkriegs als persönlicher Assistent des Marinegeheimdienstchefs. Während dieser Zeit erwarb er sich seine Kenntnisse über Spione und Agenten, nahm an mehreren Kursen teil und hatte Kenntnisse von streng vertraulichen Operationen. Aus mehreren der Männer, die er damals kennen lernte, entstand James Bond, so Fleming: „Er nahm ganz plötzlich Gestalt an. Es war eine Mischung aus den Geheimagenten und Sonderkommando-Typen, die ich während des Krieges kennen gelernt habe.“ Nach Ende des Krieges arbeitete Fleming bis 1959 als Leiter des Auslandsressorts des Kemsley Zeitungskonzerns, wozu die „Times“ und die „Sunday Times“ gehörten. Seine Romane entstanden jedes Jahr von Januar bis März in seinem Haus „Goldeneye“ auf Jamaika. Er hat nur die ersten beiden Spielfilme erlebt, die daraus entstanden sind, aber noch die Dreharbeiten von „Goldfinger“ besucht. Der starke Raucher und Trinker Fleming starb im Alter von nur 56 Jahren.

G

Sonnen für den Job: Martine Beswick, hier am Set ihres zweiten Bond-Films „Thunderball“ (1965), stammt zwar aus Jamaica, war zum Zeitpunkt des Drehs aber schon so lange von ihrer Heimat weg, dass sie zwei Wochen Sonnenbaden verordnet bekam.

Palazzo im Maßstab, aus „Casino Royale“ (2006)

Unterwasser-Action in „For Your Eyes Only“ (1981) mit Moore und Carole Bouquet auf den Bahamas man drehte ohne Sauerstoffflasche

eschüttelt, nicht gerührt

Die bekannt gewordene Textstelle, wie James Bond denn nun seinen Wodka Martini zu sich nimmt, war nicht immer die gleiche, aber diese Formulierung ist am bekanntesten geworden. Der Hersteller des Wodkas, die Firma Smirnoff, den Bond zumeist, aber nicht immer, konsumierte, hat sich den Ausspruch inzwischen schützen lassen.

Oben: Einmal-Bond George Lazenby wirft seine Gegner durch die Luft. Links: Vorbereitungen in der Miniatur-Kulisse von „GoldenEye“ (1995). celluloid 4a/2012

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Bambi und Thumper aus „Diamonds Are Forever“ (1971) proben Stunts, während rechts Sean Connery und sein Stunt-Double zusehen. Im Vordergrund sitzt Regisseur Guy Hamilton mit einem Viewfinder, um die beste Kameraposition zu bestimmen.

Der Kampf der „Gypsy Girls“ in „From Russia With Love“ wurde - anders als der Großteil des Films - nicht in Istanbul, sondern in Pinewood gedreht, weil die türkischen Behörden das Filmen in den Slums untersagten.

H

itchcock, Alfred (13. 08. 1899 – 29. 04. 1980) Der

englische Regisseur wurde von Ian Fleming bei einem Treffen mit dem Produzenten Kevin McClory im September 1959 als Regisseur für ihr damaliges Filmprojekt vorgeschlagen, aus dem später das Buch „Thunderball“ resultierte. Nach verschiedenen Angaben lehnte Hitchcock jedoch ab, weil er nicht bereit war, seine Einkünfte mit McClory und dessen Partner Ivar Bryce zu teilen. 1961 wurde er erneut gefragt, inwiefern er sich vorstellen könne, den ersten James Bond Spielfilm von Eon Productions zu inszenieren, lehnte aber ab. David Picker, ein Neffe des Chefs des Filmverleihs United Artists, war ein Fan von Flemings Romanen und schlug Krim, vor Hitchcock zu fragen. In dem Film „Liebesgrüße aus Moskau“ gibt es eine Sequenz, die an Szenen seines Films „Der unsichtbare Dritte“ erinnert. Darin wird 007 von einem Hubschrauber angegriffen. Bei Hitchcock war es ein Sprühflugzeug.

J

ames Bond Will Return  Die Floskel, dass der nächste

James Bond-Film bereits am Ende des aktuellen angekündigt wird, lautete zumeist „James Bond will return“, doch es gab auch Ausnahmen von der Regel. So hieß es im Nachspann von „Liebesgrüße aus Moskau“ etwas abweichend: „James Bond will return in the next Ian Fleming Thriller Goldfinger“. Nach „Goldfinger“ war zunächst der Satz „James Bond will return in „On Her Majesty´s Secret Service“ geplant, doch nachdem die Verhandlungen mit Produzent Kevin McClory abgeschlossen waren und man beschloss, eine andere Romanvorlage vorzuziehen, wurde das in „James Bond will be back in Thunderball“ geändert. Zu Anfang der Serie wurde am Ende eines Films immer auf den Titel des nächsten Abenteuers hingewiesen, doch im Laufe der Jahre verzichtete man darauf. Das liegt auch daran, dass man aktuellen Entwicklungen wie dem Erfolg der Science-Fiction-Abenteuer Ende der 70er Jahre Rechnung tragen wollte. So heißt es im Nachspann vom „The Spy Who Loved Me“ irrtümlich „James Bond will return in For Your Eyes Only“. Daraus wurde bekanntlich nichts, sondern „Moonraker“ folgte. Auch wurde nach „Octopussy“ der Film „From A View To A Kill“ angekündigt, dessen Titel nachträglich gekürzt wurde. „A

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Grace Jones wird gewalttätig in „A View to A Kill“ (1985). Oberhalb des Mannes kann man das Seil sehen, an dem er hängt.

View To A Kill“ hieß der Film, und ab diesem Nachspann wurde nur noch die Formulierung „James Bond will return“ verwendet.

K

ennedy, John Fitzgerald (29. 05. 1917 - 22. 11.

1963) Am 13. März 1960 begegneten sich Ian Fleming und John F. Kennedy, der damals Gouverneur von Massachusetts war, zum ersten Mal bei einem Dinner im amerikanischen Georgetown. Seine alte Bekannte Marion Oatsie Leiter war bei den Kennedys eingeladen, traf sich mit Fleming und stieß bei einer Spazierfahrt zufällig auf Kennedy und seine Familie, der ihn ebenfalls einlud. Kennedy und Fleming verstanden sich prächtig, und der Autor versprach dem Politiker, ihm immer ein signiertes Exemplar zu schicken. Am 17. März 1961 veröffentlichte das US-Magazin „Life“ eine Liste mit den Lieblingsbüchern von John F. Kennedy, der im November 1960 zum 34. US-Präsidenten wurde. Darunter ist auch „From Russia With Love“. Präsident Kennedy wollte auch unbedingt den ersten Spielfilm „Dr. No“ sehen und bekam vom amerikanischen Filmverleih United Artists eine Kopie ins Weiße Haus geschickt. „Der Präsident liebte den Film“, so Maurice Binder in einem Interview, „und zeigte ihn allen seinen Freunden.“ Auch eine Kopie von „Liebesgrüße aus Moskau“ lieferte man dem Präsidenten im November 1963 ins Weiße Haus. Er sah den Film kurz vor seinem Tod am 22. November 1963 und soll in der Nacht vor dem Attentat, ebenso wie sein angeblicher Mörder Lee Harvey Oswald, noch einen Bond-Roman gelesen haben.

L

izenz zu töten – Die Phrase: Herkunft, Bedeutung und

Anspielungen: Bond-Erfinder Ian Fleming verwendete den berühmt gewordenen Terminus bereits in seinem ersten Roman „Casino Royale“. 007 verfügt über diese Lizenz, weil er während des Krieges in New York einen japanischen Chiffrier Experten und in Stockholm einen norwegischen Doppelagenten getötet hatte. Auch in den Filmen wird diese Lizenz mehrfach erwähnt, zum Teil auch mit ironischen Anspielungen. So heißt es im ersten Spielfilm „Dr. No“ aus dem Mund von M: „Ihre Doppelnummer bedeutet, Sie dürfen notfalls einen Gegner erschießen. Nicht er sie.“ In „GoldenEye“ lautet ein Spruch: „Lizenz zu töten … und darf getötet werden!“

Fotos: ©1963-1985 Danjaq, LLC and United Artists Corporation. All rights reserved.

50 jahre james bond


Drehpause: Sean Connery mit Jill St. John, Harry Saltzman und Saltzmans Sohn Steven

„Do you expect me to talk?“ „No, Mr. Bond, I expect you to die!“ Der berühmte Dialog unter dem Laser in „Goldfinger“ (1964). Der Laser war echt, wurde aus Sicherheitsgründen aber nicht verwendet. Stattdessen wurde eine versteckte Säge unterhalb des Tisches benutzt, um den Tisch zu schneiden.

M

+ Miss Moneypenny  Die Abkürzung M (in

manchem Kinonachspann auch „M“ oder M.) bezieht sich auf den Chef des britischen Geheimdienstes Admiral Sir Miles Messervy – zumindest in den Romanen von Ian Fleming, wo diese Figur auftaucht, die 007 seine Aufträge und Instruktionen erteilt. Die Basis für ihn könnte sowohl Ian Flemings langjähriger Chef beim britischen Geheimdienst John Godfrey oder aber auch der Geheimdienstchef Sir Mansfield Cummings sein, dessen Initial „C“ Fleming anregte, M zu kreieren. Nach anderen Informationen könnte aber auch ein vergleichbarer Charakter namens „R“ in dem 1930 entstandenen Alfred Hitchcock-Film „Geheimagent“ die Basis für die Figur des M sein. Bis zu dem Film „Lizenz zum Töten“ wurde M immer von einem Mann und in elf Filmen von dem englischen Schauspieler Bernard Lee verkörpert. Nach dessen Tod, wurde sein Auftritt in dem Film „In tödlicher Mission“ ausgespart und danach von Robert Brown übernommen, der ihn in vier Filmen spielte. Seit „GoldenEye“ ist die britische Oscargewinnerin Judi Dench in der Rolle von M zu sehen, was einem Zugeständnis an die Realität entspricht, denn jahrelang stand dem britischen Geheimdienst eine Frau vor. Sie ist der gute Geist von M, wacht über sein Vorzimmer und schwärmt für James Bond. Anders als in den Romanen, in denen Miss Moneypenny auch mal außerhalb des Büros im Einsatz ist und sogar einmal entführt wird, werden ihre Aktivitäten in den Filmen so gut wie immer auf das kleine Zimmer innerhalb des Auslandsgeheimdienstes MI 6 beschränkt. Nur selten darf sie 007 auch mal an dessen Einsatzort anschmachten. Romanautor Ian Fleming sagte einmal, dass Moneypenny die Frau mit den „most kissable lipps“ der ganzen Welt sei und versprach in einem späteren Roman zumindest einen Kuss zwischen ihr und 007 einzubauen, doch er verstarb, bevor es soweit war. Samantha Bond wurde dann der Wunsch, von 007 geküsst zu werden, vergönnt, denn in „Stirb an einem anderen Tag“ gibt es eine entsprechende Szene – auch wenn dies nur dank ihrer Vorstellungskraft geschieht.

Nassau, Bahamas: Martine Beswick, die Paula Caplan in „Thunderball“ (1965) spielte, in einem nie veröffentlichten Filmstill, in dem sie sich energisch gegen bewaffnete Taucher wehrt.

N

ull-Null-Agenten  Ian Fleming stattete seinen Helden mit einer Lizenz zu Töten aus, die alle Agenten der Doppel Null-Abteilung des britischen Geheimdienstes besitzen. Diese Autorisierung stammte von Ihrer Majestät der Königin von England. Bei Fleming hieß es dazu: „Eine doppelte Null zu bekommen, ist nicht schwer, wenn man bereit ist, den Gegner abzuschießen. Das ist alles. Die doppelte Null bekam ich wegen eines toten Japaners ... und eines Norwegers. Vielleicht waren es ausgesprochen anständige Menschen?“ An anderer Stelle des Romans „Casino Royale“ sagt er gegenüber dem Kollegen René Mathis: „Eine Doppel Null in unserer Abteilung bedeutet, dass du einen Mann während des Jobs kaltblütig umbringst.“ Die Herkunft der Doppel Null-Nummer erklärte Fleming in einem Interview einmal so: „Um Bonds Aufgabe interessanter zu gestalten, stattete ich ihn mit einer Kode-Nummer aus. Ich habe diese Idee von der Admiralität entlehnt. Am Anfang des Zweiten Weltkriegs wurden alle wichtigen Befehle mit der Doppelnull gekennzeichnet. Aus Sicherheitsgründen wurde das natürlich häufig geändert, aber diese Kode-Nummer ist mir in Erinnerung geblieben, und ich lieh sie mir für Bond aus.“ Wieso es ausgerechnet 007 wurde, dafür gibt es allerdings mehrere Erklärungen.

O

ddjob  Er ist wohl einer der berühmtesten Bösewich-

te der Bond-Filmgeschichte: der stumme Koreaner, der mit seiner Melone und Stahlkrempe zur tödlichen Waffe wird und seinem Chef Goldfinger treu dient. Der als Toshiyuki geborene Harold Sakata, ein Sohn japanischer Eltern, der auf Hawaii auf die Welt kam, spielte den Mann. Der frühere Gewichtheber, Ringer und Catcher, der als Great Toto und Tosh Togo um die Welt zog, bekam dank seines Kurzauftritts so viele Nachfolgeangebote, dass er bis zu seinem Tod 1982 davon Leben konnte. Der Charakter des Oddjob taucht immer noch in Computerspielen auf. Aufgrund seines lang anhaltenden Erfolges, sollten er und der Beißer aus „Der Spion, der mich liebte“ gemeinsam in einem Film zurückkehren, doch die Filmemacher verwarfen die Idee wieder. celluloid 4a/2012

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Fotos: ©1969-1997 Danjaq, LLC and United Artists Corporation. All rights reserved.

50 jahre james bond

Oben links: Diana Rigg aus „On Her Majesty‘s Secret Service“ (1969) musste das Schifahren erst erlernen. Oben rechts: Michelle Yeoh geht, gesichert an Seilen, ein Gebäude hinab, in „Tomorrow Never Dies“ (1997). Links: Timothy Dalton und Talisa Soto proben eine Black-Jack-Szene am Set von „Licence to Kill“ (1989).

Essensausgabe beim Catering in der „Trattoria Broccoli“: Roger Moore reichte das Sugo, Broccoli die Pasta.

P

inewood Studios  Die 1936 eröffneten und außer-

halb Londons gelegenen Filmstudios, waren die Basis fast aller Bond-Filme mit Ausnahme von „Moonraker – Streng geheim“, der zum größten Teil in Paris entstand, „Sag niemals nie“ und „Casino Royale“ (1967), wofür die Studios in Elstree und Shepperton genutzt wurden, „Lizenz zum Töten“, der fast ausschließlich in Mexiko City entstand und „GoldenEye“, der in den früheren Rolls Royce Fabrikhallen in Leavesden gedreht wurde. Für „Der Morgen stirbt nie“ wurde ein ehemaliger Supermarkt im englischen St. Albans, der als Heimat der Frogmore Studios diente, umfunktioniert. „Casino Royale“ (2006) entstand in Tschechien. Auf dem Areal der Pinewood Studios entstand mit der „007 Stage“ auch eine der größten Studiohallen Europas.

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Im Laufe der Jahre ist die so genannte „Q“-Branch, also die Abteilung innerhalb des britischen Geheimdienstes, die sich mit den technischen Spielereien beschäftigt, immer mehr auf den Buchstaben Q (in manchem Kinonachspann auch „Q“) als Synonym für dessen Mitarbeiter Major Boothroyd reduziert worden. Tatsächlich wird der Mann erst in dem Film „Diamantenfieber“ zum ersten Mal „Q“ genannt. Major Boothroyd arbeitet für diese Q-Branch, und Q steht für den „Quartermasters Store“, also die Nachschubeinheit. In dem Film „Goldfinger“ ist der deutschen Synchronisation ein Fehler unterlaufen, denn dort spricht Bond den Mann mit „Guten Morgen K“ an. Im jüngsten Film „Skyfall“ ist „Q“ wieder dabei und wird von dem britischen Schauspieler Ben Whishaw gespielt.

R

eagan, Ronald (06. 02. 1911 – 05. 06. 2004) Der frühere Schauspieler, der später Gouverneur von Kalifornien und US-Präsident wurde, äußerte sich in einer Dokumentation wie folgt über James Bond: „007 ist eine wahre Zehn - die moderne Version unserer großen Helden, die von Zeit zu Zeit in der Geschichte auftauchen. In der Vergangenheit gab es viele wie ihn: Pioniere, Soldaten, Gesetzeshüter, Entdecker, Menschen, die ihr Leben für das Gute eingesetzt haben. Bond ist furchtlos, talentiert, geistreich, mutig, optimistisch - und bekommt immer sein Mädchen. Er trifft auf ein paar schreckliche Gegner, aber irgendwie schafft er es immer, seiner Bestimmung folgend, und mit der Hilfe eines guten Drehbuchs, über sie zu triumphieren. James Bond ist ein Mann der Ehre. Vielleicht klingt es altmodisch, aber er ist ein Symbol wahrer Werte für die freie Welt. Für einige Kritiker ist er nur ein Filmschauspieler - aber wir müssen ja alle mal irgendwo anfangen.“

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ex in den Filmen  „Wir machen Filme für die ganze Fa-

milie, Sex hat darin keinen Platz“, sagte Bond-Produzent Albert R. Broccoli einmal und gab damit die Richtung vor. Dennoch galten einige freizügige Szenen der Filme in manchen Ländern als zu gewagt, wurden daher gekürzt und fielen so der Zensur zum Opfer. Mitte 1985 regte sich die englische Abteilung der Heilsarmee darüber auf, dass in den Bond-Filmen nie zu sehen sei, dass der Agent Ihrer Majestät für Verhütung sorgt. Man bestand darauf, dass dies in den nächsten Film Eingang findet. Der Wunsch wurde nicht erhört. Die wohl komischste Antwort auf die Frage nach den Sex-Szenen im Film gab der damals 57jährige Roger Moore während der Dreharbeiten seines letzten 007-Films „Im Angesicht des Todes“: „Es gibt keine Aufnahmen von mir, in denen ich von vorne völlig nackt zu sehen bin. Wenn wir diesen Film in Cinemascope drehen würden, wäre das etwas Anderes. Dann wäre genügend Platz auf der Leinwand dafür da.“

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est-Szenen  Immer wieder wurden Kandidaten für die

Rolle des James Bond getestet und mussten in verschiedenen Szenen beweisen, ob sie für den Part geeignet sind. Zu den immer wieder verwendeten Tests gehören folgende bekannte Filmszenen:

1. James Bond – 007 jagt Dr. No: Bond erschießt Professor Dent. 2. Liebesgrüße aus Moskau: Bond geht auf Tatiana zu, die im Hotelzimmer im Bett liegt. Prügelei im Zugabteil Bond telefoniert und bestellt das Frühstück 3. Im Geheimdienst Ihrer Majestät: Bond prügelt sich mit Grunther Bond verführt Tracy auf der Liege des Balkons Bond nimmt Tracy die Waffe weg Maud Adams und James Brolin spielten Szene 2 als Test für „Octopussy“. Fiona Fullerton dieselbe Szene Mitte der 80er Jahre mit verschiedenen Kandidaten, die sich um die Hauptrolle in „Der Hauch des Todes“ bewarben. Auch Maryam d´Abo, die später die weibliche Hauptrolle in diesem Film bekam, testete mit Pierce Brosnan und Lambert Wilson. Alternativ war auch die Schauspielerin Annie Lambert engagiert worden.


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nited Artists  Die Firma United Artists (UA) wurde

am 17. April 1919 von den Schauspielern und Regisseuren Mary Pickford, Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks, William S. Hart und D. W. Griffith gegründet, um die Kontrolle über die eigenen Werke zu behalten und ihre Filme selbst zu verleihen. 1951 übernahmen die beiden Anwälte Arthur Krim und Robert Benjamin das Studio, und genau dieser Arthur Krim war es auch, der am 20. Juni 1961 einer Serie von sechs Bond-Filmen zustimmte. Am 2. April 1962 waren die Verträge komplett abgeschlossen. Da waren die Dreharbeiten des ersten Films „Dr. No“ bereits beendet.

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orbilder für James Bond„Er nahm ganz plötzlich Gestalt an. Es war eine Mischung aus den Geheimagenten und Sonderkommando-Typen, die ich während des Krieges kennen gelernt habe“, sagte Fleming einmal zu seinem Rohmodell für James Bond und machte damit klar, dass es nicht eine einzelne Person gibt, die ihm als Vorbild dient. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Männern, die im Laufe der Jahre immer wieder behauptet haben, dass sie die Basis für 007 waren. Dazu zählte sich selbst einer der schottischen Kriegshelden des 2. Weltkriegs mit Namen Sir Fitzroy Maclean, der frühere Geheimdienstoffizier James Boone, aber auch ein FlemingFreund namens Patrick Dalzel-Job.

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ou Asked For It (1954)  Der US-Verlag „Popular Lib-

rary“ erwarb im Juni 1954 die amerikanischen Taschenbuchrechte von Flemings Roman „Casino Royale“, bestand aber darauf, dass der Titel geändert werden müsse, weil er ihnen „zu französisch“ klang. Man zahlte $ 2.625, und Fleming hatte keine Einwände. Als der Band dann ein Jahr später erschien, ist auf dem rückwärtigen Cover von den Abenteuern eines „Jimmy Bond“ zu lesen.

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ensur  Viele Szenen in den Bond-Filmen, Titelvorspänne, aber auch Plakate, Aushangsfotos und Fernsehausstrahlungen wurden im Laufe der Jahre zensiert. Sogar Namen, wie der von Pussy Galore, waren manchem Prüfer zu heikel.  Siegfried Tesche

alther PPK und P 99  Der deutsche Waffenher-

steller, die 1886 gegründete Firma „Carl Walther“, versorgte James Bond seit dem Roman „Dr. No“ im Jahr 1958 mit Waffen, zunächst mit der Walther PPK, später mit dem Modell P 99. Zu PublicityZwecken posierte Sean Connery anfangs auch mit einer Walther LP-53, die jedoch in keinem Film verwendet wurde.

MGM und Fox bringen zum Jubiläum je eine DVD- und eine Blu-ray-Box mit dem Titel „James Bond 007 Jubiläums-Collection“ heraus. In beiden Boxen gibt es erstmals alle 22 klassischen Bond-Filme, bei der Blu-ray-Version sind insgesamt neun der 22 Filme überhaupt erstmals als messerscharfe HD-Version dabei. Hinzu kommen unglaubliche 122 Stunden an Bonusmaterial.

Erhältlich ab 24. 09. 2012

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filmkritik

CHICO & RITA

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Polyfilm

Havanna 1948 in dickstrichiger Animation: Ein zarter wie forscher Film zugleich

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hico sehnt sich zurück ins florierendlebendige Havanna der späten Vierziger. In der im zeitgenössischen Kuba angesiedelten Rahmenhandlung schwelgt er in Erinnerungen – typisch kubanische Elemente wie Zigarren, Rum und Musik eröffnen atmosphärische Zugänge und stellen den Bezug zu Chicos Geschichte her: Bei einem Barbesuch im Jahre 1948 zeigt sich der Pianist Chico von der auftretenden Musikerin Rita vollends entzückt. Als er ihr in einen nobleren Nachtclub folgt und dort eine improvisierte Performance am Piano hinlegt, verzaubert er die zuvor abweisende Rita. Ihre Liebe zueinander drückt sich fortan durch die gemeinsame Komposition „Rita“ aus. Die Liebenden werden erst durch die Verheißungen des glamourösen New Yorks entzweit – Rita wird ein Weltstar. Der zurückgelassene Chico folgt ihr und trifft auf Jazz-Größen wie Charlie Parker, Chano Pozo oder Dizzy Gillespie. Die tragische Romanze nimmt einen weiteren Umschwung, als Rita zu einem gefeierten Hollywood-Star avanciert. Die visuelle Machart des Animationsfilms bringt Figuren und Schauplätze mit dicken schwarzen Konturen hervor, deren Farbgebungen atmosphärische Funktionen erfüllen.

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Während die detailverliebte Optik ein geographisch inhärentes Lebensgefühl Havannas ausdrückt, scheint der farbenfroh-heitere Grundton zu den späteren Zeitpunkten des Trickfilmes verflogen. In monochromen Einstellungen widerhallen Empfindungen, welche die kubanischen Musiker in der Fremde – in den USA – verspüren. Fernando Truebas und Javier Mariscals „Chico & Rita“ folgt hierbei zudem den Konventionen des Realfilms: Establishing-Shots von Havanna oder New York gleichen die Animation an die tradierten Sehgewohnheiten der Zuseher an. Die Simulation von Kamerafahrten und Aufnahmeverfahren wirkt jedoch durch die künstlichen Bewegungen der Figuren abgeschwächt. MOTIVISCHER EINSATZ VON MUSIK  Ebenso werden Plotpunkte ähnlich wie in einem Spielfilm gesetzt: Kurze Rückgriffe auf die Rahmenhandlung markieren den Beginn einzelner Episoden und Handlungseinheiten. Aufgehängt an Fotos, Zeitungsausschnitten und Radiomusik entwickelt sich die Narration entlang einer geradlinigen Dramaturgie. Während Radiomusik die dramaturgische Flashback-Struktur des Animationsfilmes initiiert, zeigt sich der Fluss des gesamten

Filmes dem motivischen Einsatz von Musik geschuldet. Sowohl die munteren Passagen als auch die sanften Sequenzen stützen sich auf die Eigenkompositionen und Arrangements von Bebo Valdés. Zwar hält Fernando Truebas und Javier Mariscals musikfilmhafte Animation an den historischen Fakten der kubanischen Revolution fest, trotzdem fußt „Chico & Rita“ insbesondere auf der grenzenlosen gestalterischen Freiheit, die das Genre offenbart. Die wunderbare Geschichte, die dem Trickfilm zugrunde liegt, zeigt sich gerade aufgrund des Rückgriffs auf die Animation in seinem Maßstab uneingeschränkt – ein kompositorischer Umfang, an dem Realfilme vermutlich scheitern würden. In seiner Gesamtheit ist „Chico & Rita“ zart und forsch zugleich – sinnlich wie die Musik seiner Protagonisten und kühn wie der visuelle Stil seiner Macher.   Matthias Heschl

CHICO & RITA GB/E 2010. Regie: Fernando Trueba, Javier Mariscal, Tono Errando. Animationsfilm FILMSTART: 07. 09. 2012


MAMA ILLEGAL

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Poool Filmverleih

Wie leben illegale Arbeitsmigranten in Europa? Eine Antwort darauf gibt Ed Moschitz‘ Kinodokumentarfilm, der drei Frauen bei ihrer Glückssuche in der Fremde begleitet

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ie sind unscheinbar, arbeiten im Verborgenen und ihren Lohn erhalten sie „steuerfrei“ in einem Kuvert. Nein, hier ist nicht von dubiosen Lobbyisten die Rede, sondern von Aurica, Raia und Natasa – drei moldawische Mütter, die im Ausland illegal als Putz- und Pflegehelferinnen arbeiten. Sieben Jahre (!) hat (Film-)Journalist Ed Moschitz, der zuletzt mit seinem Rechtsstreit wegen angeblich manipulierter Videobänder für eine „Am Schauplatz“-Reportage über zwei Skinheads für Schlagzeilen gesorgt hat, die Protagonistinnen seiner Leinwand-Doku „Mama Illegal“ mit der Kamera begleitet. Das Resultat ist eine präzise Langzeitstudie über individuelle Lebensschicksale, die sich trotz aller Unterschiede in einem Punkt ähneln: dem Wunsch nach einem besseren Leben. Ein Traum, für den alle Beteiligten einen hohen Preis zahlen: Aurica musste Mann und Kinder zurücklassen, um mit einem Schlepper in den „goldenen“ Westen zu gelangen; Natasa lebt fernab ihrer Heimat in ständiger Angst, abgeschoben zu werden und Raias einzige Hoffnung auf eine gesicherte Existenz sind die staatlichen Amnestieregelungen für illegale Einwanderer. Getrennt von ihren Familien, weitgehend rechtlos und ohne An-

spruch auf medizinische Versorgung harren die „Glücksritterinnen“ in der Fremde aus, während sie sich zunehmend von ihrer alten Heimat entfremden. Besonders deutlich wird dies in jenen Szenen, in denen Aurica viele Jahre nach ihrer Flucht das Wagnis unternimmt, ohne gültige Dokumente ihre Familie in Moldawien zu besuchen. Ein Wiedersehen, das deutlich macht, dass sie sich ebenso verändert hat, wie die Menschen, die sie einst zurückgelassen hat. Die Kinder sind größer, der Ehemann älter und die emotionale Kluft unüberwindbar – mit dramatischen Folgen: aus Verzweiflung über die familiäre Situation nimmt sich Auricas Mann wenig später das Leben. MENSCHEN  Es sind Momente wie diese, in denen Moschitz seine (menschliche) Qualität als Journalist unter Beweis stellt. Dem 1968 in Judenburg geborenen ORF-Redakteur geht es bei seinem Kinodebüt nicht um Effekthascherei, sondern um die Menschen, die er porträtiert. Statt in emotionalen Situationen mit der Kamera „draufzuhalten“ und die Lebens- und Sinnkrisen seiner Protagonistinnen voyeuristisch in Szene zu setzen, verleiht er als – im wahrsten Sinn des Wortes – stiller Beobachter dem Thema

„illegale Einwanderung“ konkrete Stimmen und Gesichter. Inhaltlich überzeugend, kann „Mama Illegal“ allerdings nicht über handwerkliche Schwächen hinwegtäuschen: Was als mehrteilige TV-Reportage wunderbar funktioniert hätte, verliert auf der Kinoleinwand aufgrund der schwankenden Qualität des Filmmaterials an emotionaler Intensität und Stringenz. „Es war leider unmöglich, über diesen langen Prozess, mit demselben Kamerateam durchzuarbeiten. Dadurch ist die Sprache des Filmes nicht ganz so homogen, wie man es sonst bei Filmen hat, wo mehrere Wochen am Stück gedreht wird“, ist sich auch Moschitz bewusst, der mit „Mama Illegal“ eine berührende SozialReportage im „Schauplatz“-Stil vorlegt.   Jürgen Belko

MAMA ILLEGAL Ö 2011. Regie: Ed Moschitz. Mit Aurica, Natasa, Raia. FILMSTART: 28. 09. 2012 celluloid 4a/2012

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Michael Haneke am Zenit seiner Kunst: „Liebe“ erzählt die Geschichte eines alternden Ehepaares, das mit dem Schlaganfall der

LIEBE von Michael Haneke - ab 21. 09. im Kino - siehe Seite 4/5

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Die Top der

Redaktion im Sept./Okt. 2012

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Doku: Wenn die Bienen sterben, sterben

THAN HONEY 4 MORE Ab 12.10. im Kino

Kristen Stewart & Kirsten Dunst in Walter

THE ROAD 5 ON Ab 05.10. im Kino

Nr. 5/2012 ist ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich!

Salles‘ neuem Roadmovie

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GNADE von Matthias Glasner - ab 26.10. im Kino auch die Menschen

& RITA 3 CHICO Ab 07.09. im Kino

im Havanna des Jahres 1948

Romantischer Animationsfilm, angesiedelt

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famlilie Fassung bewahren. Mit Minichmayr & Jürgen Vogel

Fein austariertes Drama im Eismeer: Nache einem Unfall will eine deutsche Auswanderer-

Fotos: Filmladen (3); Polyfilm; Thimfilm

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Ehefrau fertig werden will. „Liebe“ ist ein möglicher Kandidat für den Auslands-Oscar 2013

abspann


celluloid Beilage zu Wiener Zeitung 4a/2012  

Gratis-Beilage zur Wiener Zeitung am 1. 9. 2012 mit ausgewählten Beiträgen aus dem Filmmagazin celluloid