Männer machen Politik Die Regierungsbildung folgte alten Mustern, aber enthielt ein paar Überraschungen
Der Aufstieg der Castegnaros Elf Jahre nach dem Tod John Castegnaros erscheint heute die erste Biographie über den ehemaligen Gewerkschafter, Staatsrat und Abgeordneten
« Déconstruire » Martine Kleinberg, cofondatrice de Jewish Call for Peace, voix dissonante dans la communauté juive de Luxembourg
Korrekt Beim Thema Kleiderordnung in den Sekundarschulen prallen die Generationen aufeinander. Eine Bestandsaufnahme rund um Crop-Tops, Jogginghosen und Selbstbestimmung
Traces urbaines Julien Hüsch s’affirme comme un des artistes les plus intéressants de sa génération, du point de vue conceptuel comme formel
Die Zukunft ist liberal Die Eckpunkte des CSV-DPKoalitionsvertrags sind seit gestern bekannt. Luc Friedens Trickle-DownPolitik hatte Xavier Bettel nichts entgegenzusetzen
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Unabhängige Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur
#46
70. Jahrgang 17.11.2023
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T H E M A
17.11.2023
Die Zukunft ist liberal Luc Laboulle
Die Eckpunkte des CSV-DP-Koalitionsvertrags sind seit gestern bekannt. Luc Friedens Trickle-Down-Politik hatte Xavier Bettel nichts entgegenzusetzen „Sou, dann ënnerschreiwe mer dat“, sagte Luc Frieden. Es war nur eine weitere PR-Show, als der Formateur von der CSV der Öffentlichkeit am Donnerstagvormittag im Staatsministerium die Eckpunkte des schwarz-blauen Koalitionsvertrags vorstellte, nachdem er ihn gemeinsam mit den beiden Delegationsführern Xavier Bettel (DP) und Claude Wiseler (CSV) unterzeichnet hatte. Vereidigt werden die neuen Minister/innen am heutigen Freitag, am Montag sollen sie sich zu ihrem ersten Regierungsrat treffen, um dem Koalitionsabkommen zuzustimmen, danach soll das über 200 Din-A4-Seiten lange Dokument den Abgeordneten überreicht werden, bevor Frieden am Mittwoch seine Regierungserklärung im Parlament hält, wo er den größeren Zusammenhang erklären will, in dem die darin vereinbarte Politik zur Geltung kommen soll. Die Debatte in der Abgeordnetenkammer soll am Donnerstag stattfinden. Eigentlich wollte Luc Frieden den Vertrag erst nach seiner Regierungserklärung publik machen, doch auf Druck der Medien und der Opposition hat er schließlich eingelenkt. „Lëtzebuerg stärke fir d‘Zukunft“, lautet die gemeinsame Zielsetzung von CSV und DP, die sie in „intensiven, konstruktiven a flotte Gespréicher“ erreicht hätten, „mat vill Freed“ seien sie ans Werk gegangen und hätten „eng grouss Aarbecht“ geleistet. Friedens Enthusiasmus kann nur schwer darüber hinwegtäuschen, dass das Koalitionsabkommen ein Geschenk an seine Freunde von der Handelskammer und der Arbeitgeberverbände ist. Die Zukunft, in die CSV und DP Luxemburg gemeinsam führen wollen, ist eine von niedrigeren Betriebssteuern (der taux d‘affichage soll auf OECD-Durchschnitt gesenkt werden, der insbesondere wegen sehr niedrigen Steuersätzen in Teilen Osteuropas und in den baltischen Staaten unter dem von Luxemburg liegt), von öffentlichen Zuschüssen für Betriebe (vor allem im Hinblick auf die Energietransition) und von vereinfachten Verwaltungsprozeduren (Once-Only-Prinzip, „Silence vaut accord“-Regel). Ob diese Maßnahmen tatsächlich ausreichen werden, um „Finanzplatz, Handel, Landwirtschaft und Weinbau“ wettbewerbsfähiger gegenüber ihren Konkurrenten aus dem Ausland zu machen, ist fraglich. Eine unternehmerfreundliche Politik wird die neue Regierung auch beim Natur- und Umweltschutz einleiten, was insbesondere Grundeigentümern, Bauherren und dem Bauwesen zugute kommen soll. Innerhalb des Bauperimeters seien die Naturschutzgesetze in den vergangenen Jahren zu streng angewandt worden. Vermutlich sollen die Kompensierungsmaßnahmen abgeschafft werden, wie es im CSV-Wahlprogramm vorgesehen war. Zudem sollen die PAG- und PAP-Prozeduren vereinfacht, die Erweiterung des Bauperimeters erleichtert werden.
Luc Frieden, Xavier Bettel und Claude Wiseler
des Detail könne im Koalitionsvertrag geregelt werden, gegebenenfalls müsse man in den jeweiligen Ministerien auf Unvorhersehbares reagieren können.
Details dazu gab es am Donnerstag nicht, doch die DP hatte in ihr Wahlprogramm geschrieben, sie werde „Grundstücke in Grünzonen als Bauland einstufen, das ausschließlich für öffentlichen Wohnungsbau infrage kommt und nicht auf dem freien Markt gehandelt werden kann“. Am Donnerstag sprach Frieden nicht von öffentlichem, sondern von erschwinglichem Wohnungsbau, der mindestens ein Drittel des Gesamtprojekts bei einer Perimetererweiterung ausmachen soll. Der grüne Wohnungsbauminister Henri Kox hatte den subventionierten Wohnungsbau in einem im Sommer verabschiedeten Gesetz auf öffentliche Bauträger beschränkt. Um schneller zu bauen und das Bauwesen vor der Krise zu bewahren, wollen CSV und DP künftig die Privatwirtschaft stärker in den Bau von erschwinglichem Wohnraum einbinden. Unter welchen Bedingungen ist bislang nicht bekannt, doch es ist davon auszugehen, dass Privatpromotoren künftig auch mit staatlichen Zuschüssen rechnen werden können. Kox hatte die Beschränkung auf öffentliche Bauträger eingeführt, um zu vermeiden, dass vor allem assoziative Investoren mit öffentlich finanzierten Immobilien nach einer gewissen Ablauffrist (20 Jahren) Profite erzielen können. Höhere Vergünstigungen erhalten künftig auch wieder private Investoren, die Mietwohnungen kaufen. DP und CSV wollen das amortissement accéléré wieder erhöhen. Der frühere DP-Finanzminister Pierre Gramegna und seine Nachfolgerin Yuriko Backes hatten die beschleunigte Abschreibung in den vergangenen Jahren gebremst und begrenzt, weil die DP es für den rasanten Anstieg der Wohnungspreise mitverantwortlich machte. Frieden und Bettel wollen nun ab Anfang 2024 das amortissement accéléré „wiedereinführen“, für ein oder zwei Jahre und mit einer noch nicht definierten Obergrenze; sie wollen den Mehrwertsteuersatz beim Verkauf von Immobilien senken, den Bëllegen Akt (Steuerkredit auf notarielle Urkunden) und die Grenze zur steuerlichen Absetzung von Schuldzinsen aus einem Immobilienkredit erhöhen – das alles, um die Bautätigkeit und den Immobilienmarkt „wieder in Bewegung“ zu bringen. Welche Auswirkungen diese Anreize auf die Wohnungspreise haben werden, bleibt abzuwarten. Insgesamt ist die geplante Wirtschafts- und Steuerpolitik der neuen Regierung erst einmal spekulativ. Sie soll die Konjunktur wieder ankurbeln, die erhöhte Wirtschaftsleistung soll die Steuereinnahmen erhöhen und den Staatshaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen. Dazu gehört auch eine Stärkung der Kaufkraft durch die Bereinigung der Steuertabelle in Höhe von vier Indextranchen. Allerdings beinhalten diese vier Tran-
In der Klimapolitik wollen CSV und DP die Energietransition gegen Umwelt- und Naturschutz ausspielen
chen bereits die Anpassung der zweieinhalb Tranchen, die DP, LSAP und Grüne mit den Sozialpartnern bei der Tripartite im März ausgehandelt hatten und vor den Sommerferien vom Parlament verabschiedet wurden, sodass die neue Regierung genau genommen nur eine Bereinigung der Steuertabelle von anderthalb Indextranchen vornimmt. Für die von der DP seit zehn Jahren versprochenen Individualisierung der Einkommenssteuer soll bis 2026 ein „Projekt“ vorliegen, die Steuerklasse 1A soll schon vorher entlastet werden. Eine „Austeritätspolitik“, wie sie der bisherige Wirtschaftsminister Franz Fayot (LSAP) vergangene Woche im Tageblatt und gegenüber anderen Medien befürchtet hatte, ist laut Frieden nicht geplant. Der Revis soll sogar erhöht werden, aber nicht zu sehr, denn er soll unter dem sozialen Mindestlohn bleiben, damit die Menschen verstehen, dass „schaffe sech lount“, sagte Frieden. Eine Erhöhung des Mindestlohns ist nicht geplant, in der Welt von CSV und DP wäre das kontraproduktiv. Sollten die steuerpolitischen Anreize nicht zu dem gewünschten Wirtschaftsaufschwung führen, könnten Sparmaßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt doch notwendig werden. Diese Hintertür ließ Luc Frieden sich offen, als er betonte, nicht je-
Der Trickle-Down-Ansatz war das Herzstück von Luc Friedens Wahlkampagne. Einer Liberalisierung der Gesellschaft wollte die DP sich nicht widersetzen. Diese äußert sich auch im gesundheitspolitischen Bereich, wo die beiden Regierungsparteien das Gesetz über den „virage ambulatoire“ überarbeiten wollen, das Gesundheitswesen weniger krankenhauszentriert gestalten und die Gründung privater Arztgesellschaften erlauben wollen, die Kernspintomografen und andere Großgeräte auch ohne Anbindung an ein Spital betreiben dürfen, wie Luc Frieden gestern verkündete. In der Klimapolitik wollen CSV und DP die Energietransition gegen Umwelt- und Naturschutz ausspielen. Man wolle massiv in den Ausbau von erneuerbaren Energien, in Windräder und Transportnetze für Strom und Wärme investieren. Diese dürften nicht durch Umweltauflagen ausgebremst werden, unterstrich Frieden, der von einem „Paradigmenwechsel“ sprach. Auch wenn die Wahlprogramme von DP und CSV sich in vielen Punkten überschnitten, konnten die stimmenmäßig gewichtigeren Christsozialen sich am Ende gegenüber den Liberalen durchsetzen. Die CSV besetzt alle wichtigen Ministerien (Staatsministerium, Finanzen, Justiz, Inneres, Polizei, Gesundheit und soziale Sicherheit), die DP konnte sich vor allem in der Bildung und teilweise in der Familienpolitik behaupten. Mit dem Wohnungsbau, der Verteidigung sowie Mobilität, Landesplanung und Integration übernehmen sie schwierige Ressorts, von denen die meisten in den vergangenen fünf Jahren von Grünen geleitet wurden. In gesellschaftspolitischen Fragen konnte die DP Zugeständnisse bei der medizinisch unterstützten Fortpflanzung (PMA) und beim Adoptionsrecht durchsetzen; die Leihmutterschaft wird zwar nicht legalisiert (die DP war dafür, die CSV dagegen), doch immerhin sollen Eltern, die sich eine Leihmutter im Ausland „leisten können“, ihr Kind künftig in Luxemburg rechtmäßig anmelden dürfen, wie Xavier Bettel ausführte. Auch bei der sogenannten „Herdprämie“ erzielte man einen Kompromiss. Einig war man sich derweil in sicherheitspolitischen Fragen: Neben der Ausweitung der Platzverweises und der Einführung der comparution immédiate wollen CSV und DP die Gemeindepolizei einführen, die eine Einheit innerhalb der großherzoglichen Polizei werden soll, jedoch den Befehlen der Bürgermeister/innen unterstehen soll.
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am Montag im Schloss Senningen Sven Becker
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Sven Becker
Yuriko Backes (DP) erbt sämtliche Ämter von François Bausch und obendrein die Gleichstellung
Fast wie Synchronschwimmen: Luc Frieden und Xavier Bettel vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags
Die neue Gesundheits- und Sozialministerin Martine Deprez (CSV) mit Michel Wolter
Georges Mischo (CSV) wollte den Sport und musste auch das Arbeitsressort nehmen
Männer machen Politik Peter Feist
Die Regierungsbildung folgte alten Mustern, aber enthielt ein paar Überraschungen
Gegen die „sozialistische Planwirtschaft“ im Gesundheitsbereich hatten sowohl die CSV als auch die DP gestänkert und das Thema im Wahlkampf groß
Im Gegenzug kann es verwundern, dass die Ärztin Stéphanie Obertin nicht Gesundheitsministerin wurde, wenn sie als Elftgewählte auf der DP-Zentrumsliste immerhin für ein Regierungsamt in Frage kam. Die Ressorts Hochschule, Forschung und Digitalisierung für sie scheinen willkürlich gewählt. Zwei oder wenigstens eine Frau wollte die DP unbedingt in der Regierung haben, neben Yuriko Backes. Das wäre nicht so einfach geworden, ohne den Bezirksproporz zu verletzen und die Bestgewählten-Vorrechte. Und vielleicht bestand die CSV am Ende darauf, dass die politische Verantwortung für den Bereich Gesundheit an sie überginge.
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REAL
Dass Martine Hansen nicht Schulministerin wurde, sondern Claude Meisch von der DP das bleibt, obwohl Hansen dieses Amt angestrebt und die CSV im Wahlkampf verkündet hatte, alles anders machen zu wollen als die DP, ist für die Liberalen und für Meisch ein Erfolg. Für Martine Hansen kommt es einer kleinen Demütigung gleich. Meisch wiederum erhält obendrein die Zuständigkeit für Wohnungsbau, Landesplanung und die Großregion. Die beiden letzteren Ressorts in eine Hand zu geben, ist sicherlich sinnvoll – Raumplanung sollte grenzüberschreitend betrieben werden. Genauso aber lassen sich Argumente dafür finden, sie am besten mit dem Innenministerium zu verknüpfen, damit ein politischer Ausgleich mit der Gemeindeautonomie gefunden werden kann. Den
Überraschend ist die Besetzung des Arbeitsminister-Amtes mit Georges Mischo. Sportminister wollte er unbedingt werden und wird es nun auch, dass er das andere Amt mitübernehmen muss und zum neuen Georges Engel wird, ist vielleicht der Preis dafür. Und deutet darauf hin, dass sonst niemand viel Lust hatte, sich mit Gewerkschaften und Unternehmerverbänden über Arbeitsrecht, Kollektivvertragsrecht und Arbeitszeitflexibilisierung auseinanderzusetzen. Ebenfalls überraschend ist der Kulturministerposten für den 29-jährigen Schierener Bürgermeister Eric Thill (DP), der auch delegierter Tourismusminister wird. Weil Fernand Etgen und André Bauler, die beiden Erstgewählten auf der DP-Nordliste, für ein Regierungsamt nicht in Frage kamen, musste eines für den nächsten auf der Liste gefunden werden. In der Kulturszene ist Eric Thill bislang unbekannt (siehe auch S. 17).
F R Ä I B É I E R
Werden Serge Wilmes und Martine Hansen gut kooperieren? Claude Meisch und Léon Gloden?
Zum Beispiel wird Serge Wilmes beweisen müssen, ob er sich als neuer Umweltminister gegen seine Parteikollegin Martine Hansen wird durchsetzen können, die neue Landwirtschaftsministerin. Der „vernünftige Naturschutz“, den sowohl die CSV wie auch die DP im Wahlkampf versprochen hatten, bedeuet nicht viel angesichts der vielen EU-Regeln auf diesem Gebiet. Auf nationaler Ebene aber bietet sich genug Konfliktpotenzial zwischen Naturschutznormen und den Interessen der für die CSV als Wählerschaft wichtigen Landwirte, dass Wilmes und Hansen nicht nur aneinandergeraten, sondern daraus Kämpfe entstehen könnten, wen von beiden die Partei mehr unterstützt. Wilmes’ Stand in der CSV ist schon heute kein ganz einfacher. Ein geschwächter Umweltminister aber wäre nicht gut für eine Regierung, die den Klimaschutz ernst nimmt.
Dass Gilles Roth (CSV) neuer Finanzminister würde, war abzusehen. Dass Vorgängerin Yuriko Backes sämtliche Ressorts von François Bausch (Grüne) übernehmen würde und zusätzlich die Gleichstellung, dagegen nicht. Die Ämterhäufung für sie ist auf jeden Fall groß, in Mobilität und Bauten (wozu auch Ponts et Chaussées gehört) wird sie sich einarbeiten müssen. Eine Diplomatin für das Verteidigungsressort zu ernennen, mag klug sein, um Luxemburgs Verhältnis zur Nato und der EU-Verteidigung zu gestalten. Doch schon daheim warten auf Backes eine ganze Reihe schwieriger Entscheidungen zu Verteidigung und Armee (siehe S. 13).
gemacht. Die Besetzung der Posten von Gesundheit und Sozialversicherung mit Martine Deprez ist interessant: Deprez sitzt für die CSV im Staatsrat und arbeitet in dessen Kommission Soziales, sie wurde schon als nächste Staatsratspräsidentin gehandelt. Ihr Regierungamt stärkt die CSV im Südbezirk. Deprez arbeitete als Mathematikerin in der Generalinspektion der Sozialversicherung eng mit deren früherem Direktor Georges Schroeder zusammen. Sie kennt das System von Santé und Sécu und ist wahrscheinlich ziemlich unbeeinflusst von Lobbyinteressen. Ein Hinweis darauf kann sein, dass manche Stimmen aus dem Ärzteverband AMMD sich über die sozialen Netzwerke schon beschweren.
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Nach Sitzen ist die CSV der stärkere Partner im Bündnis, mag ihr Wahlresultat vom 8. Oktober auch nicht besser sein als das von 2018, die DP dagegen zwei Mandate hinzugewonnen haben. Und so bekleidet die CSV, wie von früher gewohnt, abgesehen vom Staatsministerium die nächsten fünf Jahre auch Königsämter wie Finanzen (Gilles Roth), Justiz (Elisabeth Margue) und das wegen seiner Zuständigkeit für die Gemeinden politisch interessante Innenministerium. Dass dessen neuer Chef Léon Gloden obendrein für die Polizei zuständig wird, macht ihn zum Minister für Law and Order in den Gemeinden. Als Verfassungsrechtsexperte seiner Fraktion, der er in der vorigen Legislaturperiode war, wird er die Frage nach dem Sinn einer Gemeindepolizei beantworten müssen. Mit Elisabeth Margue die nach „einem richtigen Platzverweis“ und ob Luxemburg sich die Einführung einer comparution immédiate
Ins Außenministeramt, das die CSV traditionell dem Koalitionspartner zugesteht, wurde wieder der Außenhandel eingegliedert. Xavier Bettel, der in seiner Partei besonders viele Vorbehalte gegenüber einer Koalition mit der CSV unter Luc Frieden hegte, wird sich nicht nur viel im Ausland aufhalten können, seine Mission wird auch noch klarer die sein, den Finanzplatz als einen mit menschenfreundlichem Antlitz zu verkaufen. Dass Lex Delles ein so großes Wirtschaftsressort übertragen wird wie Etienne Schneider (LSAP) zwischen 2013 und 2018, inklusive Mittelstand, Energie und Tourismus (Letzteren delegiert an Eric Thill), ist ein Prestige-Pluspunkt für Delles und die DP und sorgt wahrscheinlich für Synergien. An anderen Stellen könnte die Ämtervergabe eher das Gegenteil bewirken.
wird Meisch über Léon Gloden suchen müssen. Sofern ihm das Schulressort dafür Zeit lässt und Gloden diese Zusammenarbeit wirklich interessiert. Ob Luc Frieden recht behält mit seiner Erklärung, er habe verschiedene Ressorts absichtlich auseinander gelassen, damit die Minister/innen zusammenarbeiten, könnte gut daran abzulesen sein, ob Meisch und Gloden das gelingt. Im Wohnungsbau auch: Die Rolle des für die Gemeinden und die Kommunalplanung zuständigen Innenministers ist groß im Wohnungsbau, vielleicht noch größer als die des Wohnungsbauministers, der nicht viel mehr als das öffentliche Segment unter sich hat und Beihilfen vergibt. Lösen CSV und DP ihre Versprechen für mehr Wohnungsbau nicht ein, fällt das auf Claude Meisch zurück wie zuletzt auf den Grünen Henri Kox.
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Die Zusammensetzung des neuen Kabinetts ist nicht historisch. Unter den 15 Minister/innen sind nur fünf Frauen. Die scheidende DP-LSAP-GrüneRegierung ist mit fünf auf 17 von Parität zwar noch weiter entfernt und sah nur ein wenig besser aus, als Corinne Cahen (DP) ihr noch angehörte. Doch schon weil die CSV im Südbezirk und im Osten mit einer männlichen Doppelspitze angetreten war, die DP im Süden und im Norden, kam, was kommen musste: Die Postenbesetzung der Regierung sollte die Bestgewählten der Bezirke bedienen, dabei den Proporz zwischen den Bezirken beachten, das Kräfteverhältnis in der Koalition sowieso. Also fanden vor allem Männer einen neuen Job.
wirklich leisten kann, während Frankreich dabei ist, sie wieder abzuschaffen.
C
Einen „historischen Moment“ nannte Luc Frieden am Mittwochabend die CSV-DP-Koalition, weil die letzte zwanzig Jahre her ist. Die Beschwörung, dass nun etwas Neues käme, passte nicht gut zu der Biedermeier-Tapete im Separee des Hôtel Parc BelleVue, wo Frieden die CSV-Regierungsmitglieder der Presse vorstellte.
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ÉDITO
POLITIK
« Totale Schäiss »
Opposition lernen
Bernard Thomas
Le fabuleux destin européen de Jean-Claude Juncker cache une réalité historique plus prosaïque : Les Luxembourgeois ont souvent fait piètre figure dans les institutions. Gaston Thorn se trouve vite dépassé comme président de la commission. Dans ses mémoires, le diplomate français Claude Martin se rappelle avoir rencontré, fin 1984, « un homme amer, et usé » au Berlaymont, « content de passer la main : « Il était de petite taille, et paraissait lui-même perdu dans l’immensité de ce bâtiment aux couloirs sans fin ». La présidence Santer implose en 1999. Dans sa biographie collective de huit dirigeants luxembourgeois des institutions européennes, l’historienne Mauve Carbonell constate que ni Michel Rasquin, ni Lambert Schaus, ni Victor Bodson, qui se succèdent au poste de commissaire des Transports entre 1958 et 1970, ne réussissent à « dompter ce ‘bastion des nationalismes’ ». (D’ailleurs, ajoute-t-elle, ce ne serait « pas le poste le plus recherché, bien au contraire. ») Albert Borschette, « commissaire à la concurrence, à la presse et à l’information et à la politique régionale » entre 1979 et 1976, laisse de mauvais souvenirs auprès de ses fonctionnaires. « Ulcérés », ils accusent le Luxembourgeois d’avoir parachuté ses proches dans les directions générales. Nicolas Schmit se sera, lui, relativement bien débrouillé dans le labyrinthe institutionnel de Bruxelles. Le commissaire à l’emploi et aux droits sociaux a réussi à se démarquer par plusieurs propositions de directives gentiment progressistes. Celle sur le salaire social minimum lui aura valu les critiques du patronat européen et de la presse bürgerlich. La FAZ estimait que le Luxembourgeois outrepassait ses compétences. La NZZ titrait « Brüssel hätte besser ganz verzichtet ». (Le texte reste en réalité soft : la commission se borne à proposer un cadre commun qui devra favoriser une « convergence ascendante ».) La carrière de Nicolas Schmit a toujours évolué entre politique et diplomatie. Mais au-delà de son air de technocrate distant, Schmit est un vrai politicien versé dans les disputes intellectuelles et idéologiques. (Il a été politisé dans le PS français durant ses années étudiantes à Aix-en-Provence.) Le commissaire a réussi à se créer une assise auprès des confédérations syndicales européennes. Il a soigné sa gauche : À peine six jours après avoir été nommé commissaire, il se trouvait devant le congrès de l’OGBL à tenir un discours. « Je suis un grand critique de l’idéologie néolibérale », rappelait-il, en 2020, au Land. En juin 2024 auront lieu les prochaines européennes. Avec Marc Angel et Nicolas Schmit (voire Jean Asselborn), la perspective de récupérer un deuxième siège à Strasbourg (que le parti avait perdu en 1999) est à portée de main. Mais Schmit a des projets plus ambitieux. Il espère se maintenir dans l’exécutif européen. N’ayant rien à perdre, le quasi-septuagénaire joue sa dernière carte et se positionne comme potentiel Spëtzekandidat européen du groupe politique S&D pour les élections de 2024. « Das interne Auswahlverfahren läuft und ich höre, dass mein Name dabei zirkuliert. Sollte ich zum Schluss gefragt werden, würde ich den Auftrag auch annehmen », est-il cité ce mercredi dans le Wort. (En 2019, Schmit avait déjà tenté le coup, pour finir par s’incliner face au Néerlandais Timmermans.) La newsletter bruxelloise de Politico a repris illico l’info, analysant la stratégie schmitienne : « He could try to capitalize on the idea that if he were to stay, Luxembourg might get a more important portfolio in the next Commission given his network and the need to satisfy the Socialists ». Le calcul semble tortueux : S’il devenait Spëtzekandidat européen et s’il s’assurait un poste prestigieux (vice-président ou haut représentant), Luc Frieden pourrait se voir forcé à soutenir son compatriote sur le plan européen. Quitte à frustrer les ambitions de Christophe Hansen, eurodéputé aussi zélé qu’idéologiquement flexible, auquel le CSV vient de promettre le poste de commissaire. Frieden faisant pour Schmit ce que Bettel avait fait pour Juncker ? Cela semble hautement hypothétique, voire carrément irréaliste. D’autant plus que Frieden et Schmit, ce n’est pas la grande amitié. En 2010, le socialiste était le premier parmi les membres du gouvernement à critiquer publiquement l’austérité prônée par le dauphin chrétien-social. Schmit fit exploser la Tripartite, et fut fêté comme héros par la base socialiste. Des années plus tard, il se rappellera face au Land les mesures de rigueur budgétaire prônées alors par Frieden : « Dat war alles totale Schäiss ».
Im Juni 2010 war Mars Di Bartolomeo Gesundheits- und Sozialminister in der letzten CSVLSAP-Regierung (Foto: Archiv Martin Linster). Dreizehneinhalb Jahre später ist der 71-Jährige in der nun elfköpfigen LSAPKammerfraktion der Einzige, der neben Regierungs- auch Oppositionserfahrung gegenüber einer CSV-DP-Mehrheit (19992004) hat. Der scheidende Außenminister Jean Asselborn (74) verzichtet auf sein Abgeordnetenmandat, so dass der am 8. Oktober nicht direkt gewählte Ex-Fraktionschef Yves Cruchten nachrücken kann. In Interviews sagte der am 8. Oktober im Landesvergleich am zweitbesten Gewählte Jean Asselborn diese Woche, er brauche jetzt „erst mal Ruhe“. Fit genug, um in den letzten Tagen reihenweise Journalist/ innen großer deutscher Medien zu empfangen, war er aber immerhin. Im Juni bei den Europawahlen anzutreten, schließt er nicht aus. In der Kammerfraktion der nun größten Oppositionspartei ist ein Trend zur Verjüngung gesetzt; nach der Wahl von Liz Braz (27) und Claire Delcourt (34) sowie der Ernennung der scheidenden Innenministerin Taina Bofferding (40) zur Fraktionspräsidentin am Dienstag. Die Fraktion hat die Verjüngung nötig, die richtige Oppositionsrolle muss sie noch finden. Nachdem Franz Fayot vor zwei Wochen für Stimmung gesorgt und der neuen Mehrheit schon unterstellt hat, einen Austeritätskurs fahren zu wollen, hält die LSAP sich nun auffällig zurück. Paulette Lenert, die am Montag Bilanz ihrer knapp drei Jahre im Gesundheitsministerium zog, hielt einen neunzigminütigen Monolog, in dem sie noch die kleinste Initiative ihres Ministeriums erwähnte, aber keine politischen Aussagen machte, durch die in dem so wichtigen Bereich Gesundheit und Krankenversicherung ihre Partei erkennbar, geschweige der Boden bereitet worden wäre für eine Initiative der Fraktion. Dass die gewesene LSAP-Spitzenkandidatin, die in den letzten Wochen vor den Wahlen immer mehr politisches Profil zeigte, in den Technokratinnen-Modus zurückschaltete, ist bemerkenswert, dürfte aber weniger damit zu tun haben, dass sie ihrer Fraktion nicht vorgreifen wollte, sondern dass sie anhaltende Probleme hat, LSAP-Politik zu formulieren und zu vertreten. Dass sie Taina Bofferding den Fraktionsvorsitz überließ, obwohl sie „prett“ war, Premierministerin zu werden, deutet in dieselbe Richtung. Gut möglich, dass sich zu Santé und Sécu in der neuen Kammer Mars Di Bartolomeo im Namen der Sozialisten äußern wird, die so bald auf ihren letzten Haudegen noch nicht werden verzichten können. pf
Stühlerücken Nachdem die Zusammensetzung der neuen Regierung feststeht, lässt sich ableiten, wer bei CSV und DP in die Kammer nachrückt. Sofern niemand auf ein Mandat verzichtet, heißen die neuen CSV-Abgeordneten Maurice Bauer, Laurent Mosar und Alex Donnersbach (Zentrumsbezirk), Nathalie Morgenthaler und Françoise Kemp (Süden), Jeff Boonen (Norden) und Stéphanie Weydert (Osten). Für die DP nachrücken würden Guy Arendt und Patrick Goldschmidt (Zentrum), Barbara Agostino und Mandy Minella (Süden) sowie Ex-Fraktionspräsident Gilles Baum aus dem Osten. Von der NordDP rückt niemand nach, weil die beiden direkt Gewählten Fernand Etgen und André Bauler kein Regierungsamt erhalten haben. pf
P E R S O N A L I E N
Frank Engel, Sprecher von Fokus und Ex-CSVPräsident, öffnete gestern RTL Radio seine Gedanken über die Zusammensetzung der CSVMinister/innen-Riege. „Unendlich ambitionslos“ sei sie; wer im Wahlkampf behauptet hat, in Schul- und Wohnungsbaupolitik alles besser zu wissen, hätte diese Ressorts nicht der DP überlassen dürfen. Luc Friedens Herumeiern um die Veröffentlichung des Koalitionsvertrags erinnere ihn daran, dass der damalige Finanzminister 2010 einen Kredit über zwei Milliarden Euro zur Bankenrettung aufnehmen wollte, ohne das Parlament zu konsultieren. Was CSV-Premier Jean-Claude Juncker dann anwies, zu tun. pf
Lucien Lux,
Blog
Staatsratsmitglied mit LSAPMandat, erhielt eine Rüge wegen Bruch des Vertraulichkeitsgebots, weil er im Juli das Gutachten zum abgeänderten Gesetzentwurf über den „virage ambulatoire“ an den Immobilienunternehmer Flavio
Becca weitergab, noch ehe der Staatsrat darüber abgestimmt hatte. Lux ist das erste Mitglied, das vom Staatsrat sanktioniert wurde, und hat erklärt, die Rüge zu akzeptieren. Es handelt sich um die zweitniedrigste Sanktion, die der Staatsrat beschließen kann. pf
S TA ATS F I N A N Z E N
Nicht alles korrekt Als der Staatsrat am Dienstag den vorläufigen Haushaltsentwurf für Januar bis April 2024 durchsah, fielen ihm ein paar Probleme auf. Dass die Weiterführung der Gebühr für die Erteilung eines Jagdscheins fehlt, ist ein kleines. Ein größeres, wenngleich technisches, ist, dass die Berechnung der Spritakzisen einen höheren Anteil an Biospit berücksichtigen soll: Das gehöre nicht in ein vorläufiges Budget; entweder müsse ein separates Gesetz verabschiedet oder die Bestimmung in den regulären Haushalt 2024 kommen. Dass das vorläufige Haushaltsgesetz eine legale Basis schaffen soll, um geschiedenen Eltern, die ihre Kinder abwechselnd betreuen, die Absetzbarkeit von der Einkommensteuer zu ermöglichen, der Gesetzentwurf das aber nicht weiter ausführt, sondern an eine Verordnung delegieren will, hält der Staatsrat für einen verfassungswidrigen Eingriff in eine matière réservée à la loi. Der neue parlamentarische Finanzausschuss wird sich damit befassen müssen. pf
S OZ I A L E S
Pensionsreform, jetzt „Schnell“ soll nach Ansicht der Handelskammer das Pensionssystem so reformiert werden, dass der aktuelle Beitragssatz von 24 Prozent (je acht Prozent für den Versicherten, den Betrieb und den Fiskalanteil aus der Staatskasse) auch
„langfristig“ erhalten bleibt. Das sei unverzichtbar „pour limiter l’impact des pensions sur la compétitivité-coûts des entreprises“. Die Forderung erhebt sie jedes Jahr, wenn das Sozialministerium die prime de répartition pure ausrechnet. Die drückt das Verhältnis der Ausgaben der Rentenkasse zur Beitragsbasis aus. Solange 24 Prozent nicht überschritten zu werden drohen, muss politisch nichts geschehen. Für 2022 (die Berechnung erfolgt immer rückblickend) wurde eine prime von 21,89 Prozent ermittelt, etwas weniger als die 22 Prozent im Jahr 2020. Die Handelskammer wendet sich diesmal natürlich an die neue Regierung. Doch für die, wie für ihre Vorgänger, wäre es politisch bereits riskant, die Maßnahmen zu aktivieren, welche die Rentenreform von 2012 vorsieht, falls 24 Prozent erreicht zu werden drohen: Abschaffung der Jahresendzulage und Kürzung der Rentenanpassung an die Reallohnentwicklung. Vielleicht auch eine Beitragserhöhung – die steht in der Reform als Möglichkeit. Weil die Generalinspektion der Sozialversicherung 2022 in ihrer turnusgemäßen Vorausschau über die nächsten zehn Jahre geschätzt hatte, dass 2027 die 24 Prozent erreicht werden könnten, sucht im Wirtschafts- und Sozialrat eine Arbeitsgruppe nach einem Konsens. Wahrscheinlich dauert die Suche noch an, sonst hätte die Handelskammer diesmal etwas anderes schreiben können. pf
G E S E L L S C H A F T
Bewaffneter Direktor Verstöße gegen das Waffen- und das Drogengesetz werden Jean Billa vorgeworfen, der bis zum 16. Oktober Direktor des Clerfer Lyzeums (LESC) war. Verdacht auf Unterschlagung öffentlicher Gelder bestehe auch, teilte die Staatsanwaltschaft Diekirch mit. Die Ermittlungen laufen. Auf Land-Nachfrage sagte der Erste Regierungsrat Lex Folscheid aus dem Bildungsministerium, Billa habe man als „Familienvater
mit VW Touran und zwei Kindersitzen“ kennengelernt. Er habe in den letzten Jahren eine Art Imagewechsel zum „Rocker-Direktor“ vollzogen, sich eine Harley Davidson besorgt, tätowieren und piercen lassen. All das ist zunächst Privatsache. Aufgefallen war er aber auch mit dubiosen Posts in den sozialen Medien, die das Second Amendment in den USA über den Schusswaffengebrauch glorifizieren, sowie weiteren Posts mit Fotos von den Beinen seiner Frau, die selbst in der Schulleitung des LESC tätig ist. Diese Bilder wurden am Arbeitsplatz gemacht. Er sei auch sonst seinen Aufgaben als Schulleiter nicht gerecht geworden. Vom Bildungsministerium war Billa wegen dieser disziplinarischen Angelegenheiten bereits dreimal verwarnt worden, begonnen hatten diese Schritte vor einem Jahr. Weiter habe er öfter darüber gesprochen, in seinem Garten mit Gewehren auf Dosen zu schießen. Im Rahmen der Ermittlungen wurden dann auch Waffen und Munition gefunden und beschlagnahmt. Jean Billa war vor 23 Jahren als Kassierer in der DP Norden aktiv. Lex Folscheid teilt mit, man habe vor drei Monaten, als weitere Informationen über die (zu diesem Zeitpunkt strafrechtlich zu verfolgenden) Verhaltensweisen ans Ministerium drangen, sofort reagiert. Seit seiner Suspendierung hat der Vizedirektor Max Wolff Jean Billas Posten übernommen. sp
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Der Aufstieg der Castegnaros Luc Laboulle
Interessant sind aber vor allem die beiden Schriftbeiträge, die mit vielen Anekdoten über John Castegnaro und seine Weggefährten gespickt sind. Einen wichtigen Stellenwert im Buch nimmt der Bruderzwist zwischen John und seinem älteren Bruder Mario Castegnaro ein. Nach dem frühen Tod des Vaters hat die Mutter Léontine ihre drei Kinder alleine aufgezogen. Die Familie habe plötzlich ohne Einkommen dagestanden, Hunger gelitten und sei auf die Hilfe der Caritas angewiesen gewesen, berichtet Guy Castegnaro. Das Verhältnis zwischen John und seinem im Januar 2022 verstorbenen Bruder Mario, der eigentlich Gabriel hieß, war stets „sehr angespannt“. Guy Castegnaro führt diese Spannungen auch auf Marios Wutausbrüche zurück, die häufig zu Streit geführt hätten. Während Mario die Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie leitete – damals einer der prestigeträchtigsten Jobs beim LAV –, wurde John 1970 zum Tarifverhandlungssekretär für die in der reinen Arbeitergewerkschaft bis dahin eher zweitrangige Mittel- und Kleinindustrie, das Baugewerbe und den öffentlichen Dienst ernannt. Weil die Gesellschaft in den 1970-er Jahren sich aufgrund der Stahlkrise und damit zusammenhängenden wirtschaftspolitischen Entscheidungen jedoch strukturell veränderte, verlor der LAV an Mitgliedern und an Bedeutung. Um dem entgegenzuwirken, musste die Gewerkschaft sich für Beamte aus dem Privatsektor und dem öffentlichen Dienst öffnen. Robert Schneider beschreibt die Bestrebungen des LAV, durch Fusionen mit den anderen Syndikaten eine Einheitsgewerkschaft für alle Beschäftigten zu gründen, ausführlich. Zeitzeugen wie der langjährige FEP-Präsident und spätere OGBL-Generalsekretär Jos Kratochwil berichten, dass diese Bestrebungen schon in den 1960-er Jahren unter Mathias Hinterscheid begonnen, von Antoine Weiss maßgeblich vorangetrieben und von John Castegnaro, der 1976 LAV-Generalsekretär wurde, abgeschlossen worden seien. Allerdings scheiterte der LAV mit seinen Plänen, denn LCGB, Landesverband und NGL entschieden sich schließlich gegen den Zusammenschluss, die Aleba spaltete sich von der FEP ab und wurde eigenständig. Durch die Integration von großen Teilen der FEP und des Lehrersyndikats FGIL war die neue Gewerkschaft OGBL jedoch wesentlich stärker als ihre Vorgängerorganisation LAV. John Castegnaro wurde 1979 ihr erster Vorsitzender. Während seiner 25-jährigen Präsidentschaft habe sich die Zahl der OGBL-Mitglieder „von 22.000 auf rund 50.000“ verdoppelt, schreibt Schneider, ohne jedoch auszuführen, wie dieser Zuwachs genau zustande kam. Er hängt wohl auch mit Castegnaros Bemühungen um die Aufnahme von Grenzgänger/ innen und Arbeitsmigrant/innen zusammen. Während der potugiesischstämmige OGBL-Mitarbeiter Carlos Pereira bestätigt, „Casteg“ sei sich damals im Klaren gewesen, „dass portugiesische Einwanderer für den luxemburgischen Arbeitsmarkt immer wichtiger werden würden“, wird den Frontalieren im Buch vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt.
CSV-Staat 3.0 Mit der Amtsübergabe endet diese Woche die Ära der liberalen Reformkoalition von DP, LSAP und Grünen. Sie dauerte zehn Jahre. Nach dem Bankenkrach und der Wirtschaftskrise 2008 versackte das Luxemburger Modell. Remedur war von den Konservativen nicht mehr zu erwarten. Interessierte Kreise zauberten einen fünf Jahre alten Geheimdienstskandal hervor. Damit stürzte die LSAP ihren CSV-Premier.
John Castegnaro mit Jacques Poos und Jean-Claude Juncker
Guy Castegnaros persönliche Erinnerungen an seinen Vater sind zum Teil sehr emotional geprägt, manchmal klingen sie wie eine persönliche Abrechnung mit dessen politischen Weggefährten
liebte und deshalb mit seiner Frau regelmäßig nach Italien reiste. Oder dass Hi-Fi-Geräte seine zweite Leidenschaft waren, er „stets alle neuesten Modelle von Schallplattenspielern und später CD-Playern sowie alle möglichen Film- und Fotokameras“ besaß, während sein vermutlich nach dem Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller benannter Bruder „nichts, noch nicht einmal kaputte Elektrogeräte“ wegwerfen konnte. Vielleicht auch, dass Mario, der immerhin Direktor der Arbeiterkammer, Präsident des Wirtschafts- und Sozialrats und 1999 kurzzeitig Abgeordneter war, es nur schwer ertragen konnte, dass 2013 in Oberkorn eine Straße nach seinem Bruder benannt wurde. Guy Castegnaros persönliche Erinnerungen (er schreibt über sich in der dritten Person) an seinen Vater sind zum Teil sehr emotional geprägt, manchmal klingen sie wie eine persönliche Abrechnung mit dessen politischen Weggefährten. So führt er die Beteiligung von John Castegnaro an der Gründung von Initiativen wie dem Pflegedienst Help oder dem Pflegeheim Elysis auf die „katastrophalen Bedingungen“ in dem Heim zurück, in dem Castegnaros Mutter ihre letzten Lebensjahre verbrachte, was seinen Vater sehr traurig gemacht habe. Er erzählt, dass er „weder Armut noch Elend“ ertrug und „nie gefühls- oder gar tatenlos an Bettlern, bedürftigen Kindern oder Erwachsenen im In- und Ausland vorbeigehen“ konnte. Und, dass er „unter der latenten Fremdenfeindlichkeit“, gelitten habe. „Mehr als einmal sei er als ‚Mafioso‘ beschimpft“ worden, schreibt Guy Castegnaro, ein Vorwurf, der aber möglicherweise nicht nur auf seine italienischen Wurzeln zurückzuführen war, wie die folgende Passage zeigt: „Beim Schlendern durch die Escher Hauptgeschäftsstraße wurde offensichtlich, wie bekannt und vor allem wie beliebt er war. Ständig wurde er gegrüßt und stets grüßte er zurück oder blieb sogar stehen, um sich die Sorgen des ein oder anderen anzuhören. Er holte dann ein Stück Papier und einen Stift aus seiner Tasche, schrieb die Anliegen auf und konnte den betroffenen Personen oftmals helfen. Auf diese Weise griff er vielen Menschen bei der Arbeitssuche oder einem Problem mit ihrer Rente unter die Arme. Einige waren ihm ihr Leben lang dankbar und zeigten sich erkenntlich.“ Als der noch in der Léierbud der Arbed ausgebildete Arbeiter John Castegnaro 2004 als OGBL-Präsident zugunsten des Lehrers Jean-Claude Reding zurücktrat und sein Amt im Staatsrat schon 2003 nach 18 Jahren hatte niederlegen müssen, schlug er eine politische Karriere ein. Bei den Kammerwahlen 2004 wurde er nur Fünfter auf der Südliste der Sozialisten, angesichts seiner Popularität ein enttäuschendes Resultat. Guy Castegnaro macht dafür Mars Di Bartolomeo verantwortlich, der ihn zu der
Kandidatur überredet hatte. Während des LSAPKongresses nach den Koalitionsverhandlungen habe Di Bartolomeo „Casteg“ vor den LSAP-Delegierten „bloßgestellt und sehr scharf kritisiert“, weil dieser sich kritisch zu einer Koalition mit der CSV geäußert hatte. Daraufhin sei sein Vater ausgepfiffen und ausgebuht worden, was ihn bis zu seinem Tod sehr belastet habe. Guy Castegnaro erhebt noch weitere Vorwürfe an die Spitzenkandidaten der Düdelinger LSAP, für die sein Vater „zur Bedrohung“ geworden sei. Deshalb hätten sie (Alex Bodry und Mars Di Bartolomeo) den Düdelinger Wählern ans Herz gelegt, dem „LSAP-Kandidaten aus Rümelingen“ keine Stimme zu geben. Aus den Notizen seines Vaters gehe zudem hervor, „wie die damalige LSAP-Spitze sich regelrecht während der Koalitionsverhandlungen bei Juncker und Co. anbiederte, um unter allen Umständen eine Koalition mit der CSV zu bilden. Vor allem Jean Asselborn und Alex Bodry wollten unter keinen Umständen auf einen Ministerposten in der zukünftigen Regierung verzichten“, schreibt Guy Castegnaro, um zu schlussfolgern: „Im Gegensatz zu seiner Gewerkschaftswelt kamen in der Politik die unehrlichsten und skrupellosesten Gegner aus den eigenen Reihen.“ Im zweiten Teil des Buchs relativiert Mars Di Bartolomeo im Gespräch mit Robert Schneider diese Vorwürfe. Hintergrund des Streits auf dem LSAPKongress sei die Finanzierung der „Mammerent“ gewesen; als er Sozialminister wurde, habe er sich geweigert, diese über die Rentenkasse zu finanzieren – obwohl es so im Koalitionsabkommen festgehalten war –, danach sei der Streit beigelegt gewesen. John Castegnaros „weniger gutes“ Wahlergebnis in Düdelingen (er wurde dort immerhin Sechster) sei auf die Schließung der Düdelinger Walzstraße zurückzuführen: Mit Arcelor (bei der John Castegnaro Mitglied im Verwaltungsrat war) habe der OGBL 2004 ein Abkommen unterzeichnet, mit dem weder die Belegschaft noch die Gemeindeführung einverstanden war, woraufhin der Düdelinger LSAP-Schöffenrat mit seinem Bürgermeister Di Bartolomeo eine Protestkundgebung veranstaltet habe.
Die neue Koalition hatte ein Programm: Sie sollte die Wählerschaft gesellschaftspolitisch liberal, die Unternehmer wirtschaftspolitisch liberal bedienen. Die Ära lässt sich in drei Etappen gliedern. Zuerst die Euphorie der Reform- und Sparpolitik. Sie dauerte vom Wahltag, dem 20. Oktober 2013, bis zum 26. April 2016. Die Fürsorge galt dem globalen Finanzkapital: Nach Luxleaks musste seine aggressive Steuerplanung gerettet werden. Die Koalition versprach, die Fenster des muffigen CSV-Staats aufzureißen. Durch die Privatisierung des Erzbistums, eine Abtreibungsreform, später die Legalisierung des Cannabis-Geschäfts. Ihr Held war der tollkühne Wirtschaftsminister Etienne Schneider. Gleichzeitig beschloss sie Austerität und Steuererhöhungen: Sie dekretierte einen strukturellen Überschuss von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts als mittelfristiges Haushaltsziel. Das zahlte die Wählerschaft ihr heim. Bei den Europawahlen und dem Referendum über eine Wahlrechtsreform. Mit der Erklärung zur Lage der Nation am 26. April 2016 verkehrte die Koalition den mittelfristigen Haushaltsüberschuss in ein strukturelles Defizit von –0,5 Prozent. Um mit Gratistransport, Punktwerterhöhung, Steuersenkungen, Elternurlaub ihre Haut zu retten. Die Aufmerksamkeit galt dem wahlberechtigten Kleinbürgertum, dem sozial integrierten Teil der Arbeiterklasse. Die Koalition überstand wider Erwarten die Wahlen. Die Ratlosigkeit der CSV half ihr dabei. Die Helden waren müde. Die dritte Etappe begann mit dem ersten Covid-Infizierten am 29. Februar 2020. Die Koalition regierte im Ausnahmezustand. Den Haushaltssaldo nannte sie: „Et kascht, wat et kascht.“ Vorübergehend verstaatlichte sie die gesellschaftliche Reproduktion. Der wirtschaftliche Liberalismus war am Ende. Im Lockdown auch der
gesellschaftspolitische. Die neue Heldin war die fürsorgliche Gesundheitsministerin Paulette Lenert. Während des UkraineKriegs verstaatlichte die Koalition Kosten des Erdgasboykotts. In der Inflation bezuschusste sie die Haushalte. Die Staatskasse übernahm die Lohnkosten einer Indexanpassung. Die Aufmerksamkeit galt der Nation. In der Nussschale der Tripartite. Das Luxemburger Model wurde schuldenfinanziert. Dankbar bestätigte die Wählerschaft am 8. Oktober die Regierungsparteien DP und LSAP mit zusätzlichen Stimmen und Mandaten.
DP, LSAP und Grüne versuchten keinen Bruch mit dem CSV-Staat. Sie entstaubten und liberalisierten ihn
Die Reformkoalition von DP und LSAP zwischen 1974 und 1979 bot ein Update 2.0 des CSV-Staats. Seine Anpassung an die Lebensgewohnheiten und Arbeitskämpfe nach Achtundsechzig. Auf der erneuerten Grundlage konnte die CSV wieder ein halbes Jahrhundert lang regieren. Nun installierten DP, LSAP und Grüne das Update 3.0. Sie passten den CSV-Staat an das 21. Jahrhundert an. An die neuen Lebensgewohnheiten, die Krise des Neoliberalismus, die Kriege. Um die Kapitalverwertung unter veränderten Bedingungen zu gewährleisten. Um die Gefolgschaft der besitzlosen Klassen zu sichern. Nur die grüne Anpassung an die Klimaveränderung lehnte die Wählerschaft ab: Das war das Ende der Koalition. DP, LSAP und Grüne versuchten nur 2015 Bruch mit dem CSV-Staat. Sie entstaubten und liberalisierten ihn. Am Ende waren alle bereit, sich der CSV an den Hals zu werfen. Die CSV kann den Staat wieder übernehmen. Ob es für ein halbes Jahrhundert reichen wird, ist nicht abzusehen. Zehn Jahren Linksliberalismus folgt Luc Friedens autoritärer, unternehmerfreundlicher Rechtsliberalismus. Ob die alte Volkspartei damit wieder hegemoniale Partei wird, entscheiden andere. Romain Hilgert
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Anders als mit seinen Parteifreunden von der LSAP hatte John Castegnaro mit dem früheren CSV-Premierminister Jean-Claude Juncker ein „respektvolles, wenn auch kompliziertes Verhältnis“. Zeitweise telefonierten sie mehrmals wöchentlich oder gar täglich miteinander, wie Juncker Robert Schneider erzählt, und sie hätten eine „tugendhafte“ Absprache getroffen: Vor Castegnaros öffentlichen Erklärungen zu bestimmten Themen habe er Juncker über deren Inhalt informiert, während dieser sich vor jeder Erklärung zur Lage der Nation lange und intensiv mit dem OGBL-Präsidenten unterhalten habe. Umso größer sei „Castegs“ Enttäuschung gewesen, dass Jean-Claude Juncker sich während der letzten Monate seines Lebens nicht bei ihm gemeldet habe, schreibt Guy Castegnaro: „Vergebens wartete der todkranke Casteg monatelang auf Junckers Anruf, der genauestens über seinen kritischen Gesundheitszustand Bescheid wusste. Ein paar Tage vor seinem Tod erschien plötzlich der Name Juncker auf dem Handydisplay, doch Casteg hatte weder Lust noch die nötige Energie, um mit ihm zu reden, und ging nicht ans Telefon. Junckers letzter Anruf kam zu spät.“ Mit sich selbst geht Guy Castegnaro indes weniger hart ins Gericht. So beteuert er im vorletzten Kapitel seines Erfahrungsberichts: „Als sein Sohn Guy, in der Zwischenzeit Fachanwalt für Arbeitsrecht, entschied, nur noch Arbeitgeber zu beraten und zu verteidigen, war Casteg keineswegs empört oder verärgert. Für ihn war wichtig, dass sein Sohn seine Arbeit stets ehrlich, loyal, verantwortungsbewusst und mit einem Höchstmaß an Integrität ausübt.“
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Sven Becker
Vielleicht spannender als der gewerkschaftliche Werdegang John Castegnaros und die Vorgeschichte zur Gründung des OGBL, die in anderen gewerkschaftseigenen Publikationen bereits ausführlich behandelt wurde, sind die persönlichen Details, die die Leser/innen über die Protagonist/innen von De Casteg erfahren. Etwa, dass Mario Castegnaros große Leidenschaft italienische Opern waren, er Pavarotti
Archiv/Martin Linster
Elf Jahre nach dem Tod John Castegnaros erscheint heute bei den Editions Le Phare die erste Biographie über den ehemaligen Gewerkschafter, Staatsrat und Abgeordneten. Verfasst wurde De Casteg – Ein Leben für die Anderen vom Tageblatt-Journalisten Robert Schneider und von John Castegnaros Sohn Guy, der die Idee dazu hatte. Während Guy Castegnaro im ersten Teil über den „privaten Casteg“ aus dem Nähkästchen plaudert und die Geschichte seiner Familie sowie den politischen Werdegang seines Vaters aus einem sehr persönlichen Blickwinkel erzählt, zeichnet Robert Schneider im zweiten Teil die „steile Karriere“ des „Naturtalents“ im Gespräch mit rund 20 Weggefährten nach – unter ihnen die CSVEhrenstaatsminister Jacques Santer und Jean-Claude Juncker sowie die früheren Gewerkschaftspräsidenten Jean Spautz, Marcel Glesener (beide LCGB), Josy Konz und Nico Wennmacher (beide FNCTTFEL). Die Biographie erhebt nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, Archivarbeit haben die beiden Autoren kaum geleistet, allerdings hatten sie Zugriff auf John Castegnaros umfangreiche private Aufzeichnungen. Das Buch gewährt sehr persönliche Einblicke in das Leben und Schaffen des ersten OGBL-Präsidenten, der als einer der Väter des Einheitsstatuts und als Vollender des luxemburgischen Korporatismus gilt. Vervollständigt wird das mit vielen Bildern und einigen Zeichnungen ausgeschmückte 190-seitige Werk durch einen Anhang mit Zeitungsartikeln, Todesanzeigen und anderen Dokumenten.
Z UFALL SGE SPR ÄCH MIT DEM M ANN IN DER EISENB AHN
Martine Hansen, Elisabeth Margue, Luc Frieden und Léon Gloden am
Mittwochabend nach dem CSV-Kongress
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Land
P O L I T I K
17.11.2023
« Déconstruire » Entretien : Pierre Sorlut
Martine Kleinberg, cofondatrice de Jewish Call for Peace, voix dissonante dans la communauté juive de Luxembourg Sven Becker
« L’histoire millénaire de la coexistence entre juifs et musulmans nous a appris que vivre ensemble est non seulement possible, mais un enrichissement réciproque », lit-on dans le communiqué envoyé le 16 octobre aux rédactions luxembourgeoises. Les membres de l’association Jewish Call for Peace, fondée en août 2021, s’y disent « dévastés, autant par les atrocités commises par le Hamas que par le feu de la vengeance que le gouvernement israélien a déchainé sur Gaza ». L’association veut porter « une autre voix juive » sur le conflit israélo-palestinien et lutter contre les préjugés antisémites. Son communiqué se conclut par une exhortation « à résister à la polarisation et aux sirènes du rejet de l’autre ». Aucun écho médiatique n’a été donné à cette prise de position. La présidente de Jewish Call for Peace, Martine Kleinberg, rechigne à en dévoiler le nombre de membres, qui serait insignifiant. Elle a reçu le Land lundi.
Votre sentiment d’exclusion de la communauté juive locale, ça date de quand ? Pour moi, jusqu’à aujourd’hui ce n’était pas la communauté qui me marginalisait, mais des individus. C’est la première fois ici qu’il y a une autorité qui essaie de m’exclure. Jusqu’à présent, j’ai toujours pu parler avec les deux rabbins, des gens ouverts, même si on n’est pas forcément d’accord, des gens que j’apprécie beaucoup sur le plan intellectuel et moral. Personne ne traite l’autre de diable ou de quoi que ce soit. Il y a du respect.
d’Land : Madame Kleinberg, à travers votre association, vous portez une voix qui détonne dans la logique du camp contre camp qui domine le débat public actuel.
Alors comment expliquez-vous cette marginalisation ?
Martine Kleinberg : C’est notre première prise de parole officielle, par voie de communiqué. Nous sommes une toute petite association en train de faire son nid. Il nous a paru impossible de ne pas prendre position. Le 7 octobre, j’ai été détruite. Détruite par la violence des actes perpétrés par le Hamas, détruite par les dommages causés au projet d’État palestinien, et détruite par la perspective de représailles massives. Ça m’a rendue physiquement malade d’imaginer ces familles en train de dormir et attaquées dans leur maison. C’est sidérant tant de violence. Est sidérante aussi l’approche médiatique avec un parti pris presque aveugle pour Israël, du moins les premières semaines. Peut-être par un réflexe d’identification avec les Israéliens, des Occidentaux comme nous. Parce qu’on voit des témoignages personnels au sujet de ces 1 200 victimes israéliennes. Tous plus émouvants les uns que les autres. Alors que du côté palestinien, ce sont des ruines, c’est une masse anonyme, ce sont des chiffres. Dans les médias mainstream, on a très peu de visages, de récits, de personnes, des Palestiniens qui racontent.
Je pense que pour de nombreux juifs, le traumatisme de la Shoah fait qu’il faut se serrer les coudes. Une personne m’avait adressé le reproche une fois, non pas que ce que je disais était faux, mais elle jugeait que je ne devais pas critiquer Israël à l’extérieur de la communauté, surtout en tant que juive, parce que cela nourrissait l’antisémitisme. Et je dis bien « critiquer », parce que je n’ai jamais dit que j’étais antisioniste.
Ce n’est pas facile à entendre manifestement...
Avec votre association, vous demandez un cessezle-feu. Ça fait vraiment froid dans le dos d’entendre des gens comme vous et moi rejeter un cessez-le-feu. On parle de 10 000 morts. Et combien des 20 000 blessés survivront dans une région où le système de santé était déjà défaillant en raison du blocus de la Bande de Gaza depuis 2007 et des quatre guerres précédentes ? Gaza désormais privée d’eau potable et d’énergie par Israël. Les survivants seront handicapés à vie, vont souffrir ad vitam de cette guerre, connaître des troubles post-traumatiques. On se dit qu’on n’arrivera jamais à gérer les conséquences de cette violence. J’ai en tête l’image d’un homme qui tient son fils de onze ans dans ses bras. Ils pleurent la perte de tout le reste de leur famille dans le bombardement. Imaginez si ce gamin vit jusqu’à quinze ans et que, là, un gars lui tende un fusil : « Écoute, maintenant, c’est l’occasion de venger toute ta famille. » À Gaza ou dans le Sinaï égyptien (en cas d’expulsion), cet enfant n’a aucun espoir, ni d’État, ni d’études normales, ni d’accès à un psychologue qui l’aide à
Bio Martine Kleinberg est née dans la région lyonnaise le 3 juin 1967, dans les heures qui ont précédé la Guerre des Six Jours. La Franco-Luxembourgeoise raconte que ses parents suivaient, anxieux, ce nouveau conflit au Proche-Orient depuis la chambre de la maternité. Sa famille a connu les camps de la mort. Sa mère est née en Palestine en 1945 (alors sous mandat britannique), les parents de celle-ci ayant quitté l’Europe pour fuir le nazisme. Ils sont revenus en 1947, à Bruxelles puis Luxembourg. Ils n’ont donc pas vécu sur place la création d’Israël, l’année suivante. Martine Kleinberg travaille dans la fonction publique. Elle est membre du Comité pour une paix juste au Proche-Orient , association qu’elle a présidée et qui organise (ce samedi encore) des manifestations pour demander un cessez-le-feu à Gaza. pso
j’ai été clairement repérée par les trois messieurs de la sécurité. L’un d’entre eux a d’ailleurs fait des allusions que, sur le moment, je n’ai pas comprises : « Vous n’êtes pas membre de la communauté »; « Vous savez pourquoi on ne vous laisse pas rentrer ». J’ai une histoire vis-à-vis de cette synagogue. Mes parents s’y sont mariés dans les années 60. Le lustre qui pend audessus du rabbin, c’est mon arrière-grand-mère qui l’a offert. Ça m’a fait un choc2.
Martine Kleinberg, lundi en son domicile à Luxembourg
grandir malgré tout. Que va faire Israël face à ces jeunes qui vont vouloir à leur tour se venger ? Non seulement cette réponse militaire brutale d’Israël est amorale, mais elle est stupide pour sa propre sécurité à moyen et long terme.
Comment expliquez-vous cette difficulté à porter dans le débat public une position conciliant volonté de cesser le feu et de combattre le Hamas, tout en reconnaissant à Israël son droit à exister ? Cette polarisation, elle date. Elle s’enkyste aujourd’hui parce qu’il y a le choc. Mais sommes-nous culturellement construits comme des alliés inconditionnels d’Israël ? En 2003, un sondage eurobaromètre faisait valoir que 59 pour cent des sondés dans l’UE voyaient en Israël une menace pour la paix, devant l’Iran, la Corée du Nord, les États-Unis et l’Irak. Le sondage avait été considéré comme antisémite en Israël. Je pense que si l’on exclut ce contexte de forte émotion, les gens sont plutôt sensibles au sort des Palestiniens. C’est un conflit colonial et les Palestiniens sont écrasés. En général, on a tendance à soutenir les plus faibles. Mais les gouvernements sont guidés par des considération géopolitiques, politiques ou historiques comme la culpabilité de la Shoah.
Vous n’avez pas obtenu d’écho à votre message prônant la paix. Est-ce qu’il faudrait absolument choisir un camp, Israël ou Palestine ? Est-ce qu’un Juif qui critique Israël, c’est trop compliqué ici ? Les États-Unis regorgent d’associations juives américaines qui critiquent la politique israélienne envers les Palestiniens, la colonisation. Il faut dire qu’il est très difficile de sortir de la polarisation, de nombreuses associations de défense des droits des Palestiniens le font, mais personne ne veut l’entendre.
Certains slogans aux manifestations ou encore des actes d’intimidation diffusées sur les réseaux sociaux ne suscitent-ils pas une réelle peur chez les juifs ?
« Vu qu’Israël prétend mener ses politiques d’occupation, de colonisation et de guerre au nom des juifs du monde, que je le veuille ou non, ça me concerne » En Europe, beaucoup de juifs ou de juives ou d’autres personnes soucieuses de la sécurité de la communauté juive s’inquiètent d’une résurgence de l’antisémitisme. Et c’est un fait qu’à chaque guerre à Gaza, on a vu les actes antisémites augmenter dans les pays occidentaux. Cependant, certains, et notamment le gouvernement Netanyahou, nourrissent la peur, sans craindre le mensonge. Notre message s’adresse à tous, mais nous aimerions bien motiver plus de juifs du Luxembourg à nous rejoindre. Je connais des juifs qui ne soutiennent pas la politique israélienne d’occupation et de colonisation. Mais, ils n’osent pas forcément le dire. En France, le CRIF (Conseil représentatif des institutions juives de France) défend Israël, quoi que fassent ses gouvernements. Certains, notamment parmi les personnes venues de pays musulmans, pensent que tous les juifs soutiennent Israël, qui se présente comme l’État des juifs, où seul le peuple juif aurait droit à l’autodétermination. Donc faire la différence, ça devient difficile, surtout quand Israël a intérêt à la confusion. Il faut faire beaucoup de pédagogie pour déconstruire les préjugés et les mythes.
Voilà l’objet de votre association... Au début, j’ai vraiment pris mon bâton de pèlerin, sollicité des gens que je connaissais ou qu’on m’avait
indiquées : « Tiens, j’ai une voisine, elle est juive, elle me paraît être ouverte à ça, va la voir ». J’ai rencontré pas mal de gens qui étaient d’accord avec les principes. Puis on me dit : « Je sais qu’on te perçoit comme le diable dans la communauté juive. Pas moi, je comprends, c’est bien. Mais tu vois, je ne vais pas m’y associer. »
Vous avez présidé le Comité pour une paix juste au Proche-Orient (CPJPO) de 2016 à 2020 et maintenant vous conduisez cette initiative. Êtes-vous considérée comme une paria au sein de la communauté juive, notamment durant les périodes très polarisantes comme aujourd’hui ? Comment le vivez-vous ? (Elle prend une respiration) C’est compliqué. Certaines personnes de ma famille ne me parlent plus. Déjà depuis quelques années. Disons que jusqu’à présent, j’ai toujours pu me rendre à la synagogue. Je ne suis pas religieuse, je ne suis pas croyante, mais ma mère est assez traditionaliste et donc il y a des moments forts de recueillement familial pour lesquels je tiens à l’y rejoindre. J’ai aussi toujours été très respectueuse. Je n’ai jamais parlé politique à la synagogue, ni donné de flyer du CPJPO ou maintenant de Jewish Call for Peace. Comme chez ma mère à des dîners où je sais que c’est plutôt très pro-israélien, je fais profil bas. Mais récemment il m’est arrivé ce truc. Quoi donc ? Par décence, je ne veux pas entrer dans les détails publiquement1. En bref, le jour de Kippour cette année, le 25 septembre, donc avant les attaques du 7 octobre en Israël, le service de sécurité de la synagogue à Luxembourg a voulu m’interdire d’entrer dans les lieux. À un moment particulièrement éprouvant (de cette journée de rituels, ndlr) quand on a perdu des très proches, la prière des morts. Au final, un membre du Consistoire est intervenu et j’ai pu assister au service religieux. Par après, j’ai rembobiné le fil ; la reconstitution des faits m’a permis de conclure que
Ce sont-là les paradoxes de l’histoire. Ce qui a amené à la création d’un État hébreu en 1948, c’est l’assassinat de six millions de juifs en Europe. C’est une affaire intra européenne. Mais la création de l’État d’Israël avec l’expulsion des Palestiniens a créé un problème entre les juifs et les musulmans dans le monde. Les pays arabes ont instrumentalisé l’antisémitisme. Après, il faut déconstruire leurs préjugés. Et je sais qu’en Allemagne, c’est très dur, parce qu’il y a des jeunes, des Syriens par exemple, qui viennent aussi avec ce qu’on leur a appris à l’école. Et le problème de certaines approches de la lutte contre l’antisémitisme, c’est qu’elles sont purement castratrices. Du coup, vous avez des personnes qui vont dire : « Regardez, on n’arrive plus à dire ce qu’on pense sur Israël et Palestine. Parce que maintenant, si on dit ce qu’on pense, on est taxé d’antisémitisme, on doit réprimer notre liberté d’expression, à cause des juifs » Et là, on est en plein dans les stéréotypes antisémites sur les juifs qui ont de l’influence . Il faut déconstruire tout ça ...
Vous êtes agnostique, mais vous revendiquez votre culture juive ? Je dis souvent que c’est un héritage, une transmission qui fait que même si on ne croit pas en Dieu et que même si on ne veut pas manger casher parce qu’on ne voit pas tellement le sens, on reste fidèle à cette histoire-là, fidèle à la dimension universelle du judaïsme des Lumières. Mes parents m’ont appris très jeune que nos ancêtres, et pas si loin que ça, ont risqué leur vie pour conserver leurs rites, leurs pratiques, leur judaïsme. Ce n’est quand même pas nous qui allons maintenant mettre ça par-dessus bord. Dans nos sociétés sécularisées, on est de moins en moins croyants ou pratiquants, mais on peut conserver cette fidélitélà. En plus, par rapport à Israël-Palestine, vu qu’Israël prétend mener ses politiques d’occupation, de colonisation et de guerre au nom des juifs du monde, que je le veuille ou non, ça me concerne.
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Le Land dispose d’un récit in extenso
Contacté, le président du consistoire Albert Aflalo parle d’une vérification opérée pour des raisons de sécurité, notamment les jours de fête où il y a une forte affluence. Il faut que les gens s’inscrivent. Et « il se trouve que Madame Kleinberg n’est pas membre de la communauté » et qu’elle ne vient « qu’une fois par an », ce qui explique pourquoi les « bénévoles du contrôle » ne l’ont pas reconnue, selon les explication d’Albert Aflalo. « C’est regrettable », mais ce n’était « pas contre elle », poursuit le président du consistoire. 2
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Wir ändern wieder was Peter Feist
Ab 15. Dezember erscheint das Lëtzebuerger Land mit neuen Inhalten, einem neuen Layout und einem neuen Format Zwischen dem Herbst 2011 und dem Frühjahr 2012 erfand das Lëtzebuerger Land sich neu. Der Ausgabe vom 29. Juni 2012 sah man es sofort an: Sie war die erste, die im „Norddeutschen Format“ erschien, 56,5 Zentimeter hoch und 40,5 Zentimeter breit, dem größten der gebräuchlichen Zeitungsformate. Das konnte radikal und aus der Zeit gefallen erscheinen: Der Rentabilitätsdruck auf die etablierten Luxemburger Zeitungen war gestiegen. Ein Teil ihrer Leserschaft und ihrer Anzeigenkunden zog Gratiszeitungen oder Online-Medien vor. Verlage neigten eher dazu, Zeitungsformate zu reduzieren. Das Luxemburger Wort etwa hatte sich 2005 vom Norddeutschen Format abgewandt. Das Land hingegen wurde größer. Nicht alle Leserinnen und Leser waren davon angetan. Manche waren entsetzt. Andere kommentierten: „In der Badewanne kann ich die Zeitung nicht mehr lesen, da wird sie nass.“ Oder: „Selbst wenn ich Business Class fliege, bekomme ich das Land nicht gefaltet, ohne meinen Nachbarn zu stören.“ Abbestellungen aus Protest gegen das große Format aber gab es keine zwanzig. Das machte Mut. Ganz offensichtlich sahen die Leser und Abonnentinnen, dass das Land nicht einfach nur sein Format vegrößert hatte. In erster Linie gaben Verlag und Redaktion vor elf Jahren ein publizistisches und ökonomisches Versprechen ab: Zu beweisen, dass trotz aller Umbrüche auf dem Zeitungsmarkt eine intelligente und elegante unabhängige Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur auch weiterhin wirtschaftlich tragfähig ist und sich entwickeln kann – und zwar auf Papier. Das große Format sollte diesen Anspruch kraftvoll unterstreichen.
Das Land soll noch interessanter und abwechslungsreicher werden. Die Fotos behalten ihre hohen Stellenwert
Im Oktober vergangenen Jahres gingen Verlag und Redaktion wieder daran, das Land neu zu erfinden. Dieser Prozess ist so gut wie abgeschlossen. In vier Wochen wird er mit der Ausgabe vom 15. Dezember endgültig. Und ja: Das Format der Zeitung ändert sich ebenfalls. Wie 2012 ist das Teil eines Qualitätsversprechens. Die Änderungen von 2012 waren keine falschen Entscheidungen. In den Jahren seither nahm der Druck auf die Presse weiter zu. Die Medienlandschaft insgesamt wurde kompetitiver.
Manche Zeitungstitel stellten ihr Erscheinen ein. Die Parteibindung von Tageszeitungen begann einer journalistischen Professionalisierung Platz zu machen. Internetportale gewannen an Bedeutung, nicht nur für die Verbreitung von Nachrichten, sondern auch als Erweiterung traditioneller Zeitungen, als Investigativ-Portal, als multimediale Plattformen. All diese professionell hergestellten Angebote sind einer wachsenden Konkurrenz durch die sozialen Netzwerke ausgesetzt, über die auch Gerüchte und Falschmeldungen verbreitet werden. Umso wichtiger ist die Rolle geworden, die professioneller Journalismus zu spielen hat. Das Land konnte mit seinem Journalismus als in erster Linie Abonnement-Zeitung die Zahl seiner Abonnements ungefähr stabil halten. Eine regelrechte Erosion seiner Leserschaft, wie viele gedruckte Titel sie erleben mussten, fand nicht statt. Demnach besteht nach wie vor eine Nachfrage nach Land-Journalismus auf Papier. Nach ausgereiften Analysen, gewissenhaft recherchierter Hintergrundberichterstattung und Reportagen, unabhängigen Kommentaren zu Politik, Wirtschaft und Kultur. Und dem Fotojournalismus, der im Land traditionell einen hohen Stellenwert genießt. Die Unabhängigkeit und der Professionalismus der Land-Redaktion bildet sein nunmehr fast siebzig Jahren ein Gütesiegel. Die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit des Lëtzebuerger Land wird von einer gemeinnützigen Stiftung, der Fondation d’Lëtzebuerger Land, garantiert. Ihr gehören hundert Prozent der Anteile am Verlag Éditions d’Lëtzebuerger Land. Die Redaktion hat ihre redaktionelle Linie
in Anlehnung an die grundsätzlichen Werte des Land-Journalismus selber definiert. Erzielt der Verlag Gewinne, bleiben sie im Land.
ren Format leichter, weil zusätzliche Seiten sich einfacher hinzufügen lassen. Das wollen Verlag und Redaktion ab Mitte Dezember ermöglichen.
Eine wichtige Hoffnung, die mit dem großen Format ab 2012 verbunden war, erfüllte sich nicht: Dass es möglich sein würde, auf längere Sicht die Redaktion beträchtlich zu erweitern, zusätzliche, neue Rubriken in der Zeitung anzubieten und ihre Seitenzahl zu erhöhen. Seit Ende Juni 2012 liegt sie, abgesehen von Beilagen, typischerweise bei 20 Seiten, nur manchmal, wie diese Woche, bei 24. Vor elf Jahren hatte die Hoffnung gelautet, es könnten regelmäßig deutlich mehr Seiten sein.
Schon 2011 und 2012 hatten sie viel über den Inhalt der Zeitung diskutiert. Diesmal noch mehr. Die Auswahl der Themen soll vielfältiger werden. Die Länge der Texte soll stärker variieren, die journalistischen Formen auch. Das Land soll noch interessanter und abwechslunsgreicher werden. Die Kultur-Rubrik wird in Zukunft „Feuilleton“ heißen und um Beiträge an der Schnittstelle von Gesellschaft und Kultur erweitert. Die Bilder behalten den besonderen Rang, der ihnen im Land gebührt.
Realisieren ließ sich das nicht wegen der Entwicklung des Anzeigenmarktes. Nach der Finanzund Wirtschaftskrise richtete er sich strukturell neu aus und erreichte für die gesamte traditionelle bezahlte Presse nie mehr das vorige Niveau. Das Land finanzierte sich in den letzten Jahren zu je einem Drittel aus dem Verkauf, gewerblichen und öffentlichen Anzeigen sowie der Pressehilfe, mit welcher der demokratische Rechtsstaat bei den Medien Kunde für eine unabhängige Berichterstattung wird. Die Struktur des Umsatzes des Land-Verlags zeugt vom Vertrauen der Leser in die Qualität des Land. Sie demonstriert, dass die Herausgabe einer gedruckten Zeitung sich auch weiterhin als Geschäftsmodell eignet. Wir stehen zum Papier. Doch weil der Ausbau der Seitenzahl nicht gelang, erwies das große Format sich als enges Korsett: Das Land „atmen“ zu lassen, den Inhalt der Zeitung in seinem Umfang zu strukturieren, in Abhängigkeit von der Aktualität und der Gewichtung, welche die Redaktion ihren Themen geben möchte, gelingt in einem kleine-
Statt derzeit 20 Seiten im Norddeutschen Format wird das typische Land künftig 32 Seiten im Berliner Format umfassen. Je nach den Planungen der Redaktion werden es auch 36 oder 40 Seiten sein können. Das neue Layout konzipiert die Designagentur Michel Welfringer in Brüssel. Die LandÄsthetik bleibt geprägt von eleganter Zurückhaltung, überwiegend in Schwarz-Weiß, lässt sich künftig aber vom Magazin-Stil inspirieren. Für die Herstellung des neuen Land hat der Verlag sich an die Druckerei Editpress in Esch/Alzette gewandt. Gegenwärtig laufen die letzten Vorbereitungen für den Mitte Dezember anstehenden Wechsel. Diese Woche trafen sich Verlag und Redaktion mit den Designern aus Brüssel, um letzte Änderungen zu besprechen. Ende des Monats wird die „Nullnummer“ gedruckt. Mehrere Testdrucks haben in Esch schon stattgefunden. Alle Beteiligten fanden, die Resultate konnten sich sehen lassen und wurden immer besser.
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Mir ginn d’Land net op Le 15 décembre, le Lëtzebuerger Land fera peau neuve
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Land
P O L I T I K
17.11.2023
Im LCE wird daran erinnert, dass auch Haarschnitt und Schminke „korrekt und einer Schule angemessen“ sein müssen, die Ste Sophie toleriert hingegen keine „exzentrische“ Kleidung, was auch immer das in der Praxis bedeuten mag
Sven Becker
In manchen Schulen sind Jogginghosen per Kleiderordnung verboten
Korrekt Sarah Pepin
Beim Thema Kleiderordnung prallen die Generationen in den Sekundarschulen aufeinander. Eine Bestandsaufnahme rund um Crop-Tops, Jogginghosen und Selbstbestimmung
Reminder Wie sich die Schülerschaft kleidet, ist offensichtlich nicht nur ein Sommerthema. Kürzlich beschloss der Direktor des städtischen Lycée classique Michel Rodange, Jean-Claude Hemmer, eine Erinnerung in Form eines Briefes an alle Eltern schicken zu lassen. Ihm zu entnehmen war folgendes: „Maintenant que les cours ont repris et que l’automne a commencé, il y a lieu de constater qu’un certain nombre d’élèves se présentent au lycée avec une tenue que je qualifierais d’inappropriée.“ Er erinnert die Familien daran, dass die Kleidung ihrer Kinder „den Körper und die Unterwäsche“ bedecken sollen; dass Sportkleidung lediglich für den Sportunterricht geeignet ist – und dass auf T-Shirts bitte keine „verletzenden“ Bilder oder Mottos draufstehen dürfen. Wenn auf wiederholte mündliche Verwarnungen nicht reagiert würde, müssten die Eltern dieser „kleinen Minderheit von Schülern“ ihren Nachwuchs abholen und ihnen „vernünftige“ Kleidung anziehen.
Was Jugendliche im Unterricht tragen können oder müssen, ist ein umstrittenes Sujet, das immer wieder aufkommt. Es geht um Autorität, das Recht auf Selbstbestimmung, Transgression, um Normen, und um gegenseitigen Respekt und die Institution Schule. Dabei hat jede Schule erstmal das Recht, gemeinsam mit der Schulgemeinschaft einen internen Regelkodex aufzustellen, wie sich die Schülerschaft im Unterricht zu kleiden hat. Interessant ist, wie präzise er je nach Institution ausfällt. Im Michel Rodange etwa wurde die generelle Vorgabe des Schulgesetzes aus dem Jahr 2009, es müsse sich um eine „korrekte“ Kleidung handeln, erweitert und beinhaltet nun genaue Vorgaben: Die Schultern, der Bauchnabel, der Rücken und der Ausschnitt sind bedeckt zu halten, Röcke und Shorts müssen mindestens die Hälfte der Oberschenkel verbergen. Der „Schlabberlook“ einer Jogginghose ist nicht zugelassen. Am frühen Dienstagnachmittag sitzen Schüler im Foyer des Michel Rodange. Yara, Leena, David, Lea und Nathan gucken auf ihre Handys und albern herum, weil ihre Doppelstunde Deutsch ausgefallen ist. Sie sind auf Septième und demnach erst seit knapp zwei Monaten in der Schule. David trägt ein türkises Puma-Joggingensemble, die anderen Jeans. Fast alle haben Sneakers an den Füßen und halten Steppjacken von Marken wie North Face in der Hand. Ihre Klassenlehrerin habe ihnen die neuen Regelen vorgelesen, erzählen sie. Nathan, 12 Jahre alt, Zahnspange und leicht gerötete Wangen, findet das
Jogginghose-Verbot blöd. „Wir müssen uns den ganzen Tag anstrengen, dann können wir es auch ein wenig gemütlich haben.“ Leena, Hoop-Ohrringe und Pferdeschwanz, pflichtet ihm bei, mit Jeans auf den Stühlen zu sitzen sei anstrengender. Sie hätten keine Schuluniform, aber nun dann doch irgendwie. Lea trägt Dr. Martens-Stiefel und ist eher zurückhaltend. Sie findet, dass Jogginghosen wie Pyjamas aussehen. Leena steht auf und zeigt Lea auf dem Smartphone, dass das ganz offensichtlich gar nicht der Fall ist. Hey, teacher An einem Tisch weiter oben im Foyer bereiten
sich eine Handvoll Primaner auf ihre mündliche Prüfung vor. Sie sind vor allem in schwarz, weiß und grau gekleidet. Lena stellt fest, dass viele Lehrer etwas gegen Jogginghosen haben. Sie trage keine – ihre Mutter lehne diese Art von Kleidung als Schulkleidung ab und würde sie so nicht zum Unterricht lassen – aber es störe sie bei anderen nicht. Dana, die neben ihr sitzt, tut sich mit der Regelung schwer. „Wir sind hier noch nicht beim Arbeitgeber, da kann man etwas nachsichtiger sein. Was das schulterfrei angeht, sind es im Sommer hier gefühlte 50 Grad!“ Lena sagt, die Verbote richteten sich disproportional an Mädchen, denn vor einigen Jahren hätte man den Jungs lediglich verboten, in Flipflops zu kommen. Trotzdem gebe es durchaus Mädchen auf den unteren Klassen, die ihre Freiheit zu sehr ausreizten und in BH-artigen Tops und völlig bauchfrei in die Schule gekommen seien. Dass alle wegen ein paar Ausnahmen bestraft werden würden, sei nicht besonders fair. „Was mich stört ist die Art, es zu rechtfertigen: Wenn Lehrer sagen, sie könnten sich wegen weiblicher Outfits nicht konzentrieren. Wenn die Erklärung lautet, wir sollen alle respektabel aussehen, ist das in Ordnung.“ Die beiden Jungs am Tisch erklären, die Jogginghose wegen ihrer mündlichen Prüfung heute gegen eine normale getauscht zu haben. Als es um viertel nach zwei zum Unterrichtsende klingelt, strömen alle aus dem Gebäude – einige von ihnen in Jogginghose. Auffällig ist, wie ähnlich sie sich alle anziehen. Subkulturen wie Goths oder Hippies sieht man keine mehr. Die Streetwear ist zum Mainstream geworden. Im Gespräch mit dem Land erklärt der Schuldirektor JeanClaude Hemmer, Corona habe einige Spuren beim Kleiderstil hinterlassen. Man habe erst beschlossen, die Schüler nach der Pandemie in Ruhe zu lassen, habe dann festgestellt, dass es immer wieder Fälle gab, wo Jugendliche ausgesehen hätten „als hätten sie sich morgens nach dem Aufstehen nicht umgezo-
gen“. Der „Rodange“ zählt 1 500 Schüler/innen, es handle sich um eine Minderheit von circa 50 Jugendlichen, und man unterscheide durchaus zwischen Schlabberjogging und anderen Arten von Trainingsanzügen. Denn natürlich gehört auch das zur Debatte: Jogginghosen gibt es mittlerweile selbst bei Dolce & Gabbana, für 900 Euro. Die Schultern bedeckt zu halten scheint sich für Hemmer vor allem auf Bandeau-Tops zu beziehen, bei denen die Schultern völlig frei sind. Dass sich das disproportional gegen Mädchen wende, lehnt er mit dem Einwand ab, Jungs dürften auch nicht bauchfrei oder im „Marcel“ zum Unterricht kommen. Mit dem Schülerkomitee hat sich keine gemeinsame Einigung finden lassen – und eine Linie „braucht das Haus nunmal“, sagt Jean-Claude Hemmer. Aus Kleidungsgründen sei noch niemand sanktioniert geworden. Die Körper der anderen Sekundarschulen haben mit pubertie-
renden und mit-sich-selbst-experimentierenden Individuen zu tun, die sich entfalten wollen. Zu stark autoritäres Auftreten bewirkt bei dieser Bevölkerungssparte bekanntlich meist das Gegenteil des gewünschten Verhaltens. Das Lycée des Arts et Métiers, das eine andere sozioökonomische Schicht bedient, kommt auf den ersten Blick mit der strengsten Kleiderordnung daher. Hier wird auf der Homepage nochmal drauf hingewiesen, dass die Kleiderordnung „die Dezenz einer schulischen Institution“ reflektieren solle; dass Kleidung sauber sein soll und nicht „exzessiv zerrissen oder ausgefranst“; und dass unter Minishorts oder Miniröcke eine Leggings gehört. Fabrice Roth, Direktor des LTAM, erklärt im Gespräch, man überarbeite diesen Kodex gerade. Bei Trainingsanzügen müsse man sich die Frage stellen: „Warum noch wie Don Quijote gegen etwas vorgehen, das gesellschaftstauglich geworden ist?“ Die Schule habe ihre Philosophie geändert und würde versuchen, die Schüler dazu zu kriegen, Verantwortung zu übernehmen, und zu verstehen, dass sie beim Vorstellungsgespräch nicht egalwie erscheinen können. Eine Coaching-Stunde auf den unteren Klassen bietet nun den Schülern die Möglichkeit, sich auch über solche Themen auszutauschen. Roth habe festgestellt, die besten Resultate erziele man, wenn ein „Peer“ seinem Mitschüler Bedenken über ein Outfit ausdrückt. Auch in den Nachbarländern wird debattiert. Im föderalen Deutschland fordert der Bundeselternrat mittlerweile eine einheitliche Regelung, was die Kleiderordnung für Schulen angeht – um „verlotterter“ oder „freizügiger“ Kleidung den Garaus zu
machen. In einigen Schulen in Nordrhein-Westfalen wurden Schüler vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie Jogginghose trugen. Im laizistischen Frankreich ist die Diskussion ebenfalls schon mehrmals aufgeflammt: Dort geht es wahlweise um die Abaya, dann um das Crop Top. 2020 hatte der damalige Bildungsminister Jean-Michel Blanquer auf France Info erklärt, die Kinder sollen „de facon république“ gekleidet in die Schule kommen. Vor knapp zwei Monaten sprach sich Präsident Emmanuel Macron zwar nicht für eine Uniform aus, erklärte jedoch, man könne den Schülern sagen, sie sollen eine tenue unique samt Jeans, T-Shirt und Veste zum Unterricht anziehen. Im LTB gilt offiziell, Jogginghosen seien dem Sportunterricht vorenthalten, im LYMA in Esch/Alzette gehen Leggings in der Theorie nicht als Hose durch. Im Fieldgen darf die Kleidung nicht „provokant“, Tättowierungen und Piercings müssen „diskret“ sein; trägt eine Schülerin einen Schleier, dann maximal auf Schulterlänge und er darf keinen Teil des Gesichts bedecken. Die meisten Lyzeen untersagen eine Kopfbedeckung im Saal, außer es handelt sich um ein Zeichen religiöser Angehörigkeit. Einige erklären, auf T-Shirts dürften keine rassistischen, sexistischen, aggressiven oder gewalttätige Slogans stehen, Drogen, Tabak und Alkohol dürften nicht verherrlicht werden. Im LCE wird daran erinnert, dass auch Haarschnitt und Schminke „korrekt und einer Schule angemessen“ sein müssen. Der Lycée Vauban ist ähnlich explizit was die Bedeckung des Körpers angeht und untersagt eine tenue vestimentaire „type vacances“ ebenso wie Kleidung, die religiöse Angehörigkeit signalisiert. Die Sainte-Sophie toleriert hingegen keine „exzentrische“ Kleidung, was auch immer das in der Praxis bedeuten mag. Sind das Probleme, die sich im mehr urbanen Raum stellen? Jeff Kohnen leitet den 2008 eröffneten Atert Lycée in Redingen seit vier Jahren. Er hat tatsächlich den Eindruck, dass es bei ihnen weniger ein Thema ist als in der Hauptstadt und im Süden des Landes. R.e.s.p.e.c.t Ähnlich wie das Lycée Ermesinde hat sich das Lycée Aline Mayrisch in seiner Schulordnung auf das Wort „korrekt“ beschränkt. Judith Reicherzer, Kommunikationsbeauftragte des „Alima“, erklärt, in Ausnahmefällen, etwa wenn jemand einen extremen Ausschnitt trage oder eine Provokation auf einem T-Shirt stehe, stünde eine Kiste mit Pullovern bereit, die die Jugendlichen sich überziehen sollen. Die Schüler diskutierten überdies eifrig untereinander über das Thema. „Der Respekt, den wir hier leben, muss immer wieder neu verhandelt und erarbeitet werden.“ Sie sieht den Schwerpunkt jedoch eher in der Beziehung mit den Schülern und in der pädagogische Rolle des Lehrpersonals als in rigiden Regelungen – und sieht die Schule auch als „Schutzraum“ für Jugendliche, in dem sie sich ausprobieren können; natürlich ohne andere zu verletzen. Tatsächlich bleibt die Frage, inwiefern sich die Regeln wirklich durchsetzen lassen, vor allem wenn man sich Schüler anschaut, die aus den genannten Schulen strömen und von denen einige dem Dresscode nicht entsprechen. Und es stellt sich auch die Frage nach der Willkürlichkeit, sowohl bei den präzise formulierten als auch den vage gehaltenen Regelungen. Wirklich extreme Positionierungen finden sich bei den Befragten nicht, eher Appelle an den gesunden Menschenverstand.
Karl der Große war im Jahr 808 der Erste, der den verschiedenen sozialen Ständen vorgab, wieviel sie für die eigene Bekleidung ausgeben dürfen und regelte somit, wie Menschen ihre soziale Herkunft nach außen signalisierten. Kleiderordnungen waren bis ins 19. Jahrhundert gängig. Bis ins 13. Jahrhundert hatten männliche und weibliche Kleidung den gleichen Grundschnitt, erst dann inspirierte die weibliche Taille zu Geschlechterunterschieden in den Kleidungsstilen. Den Körper der Frau zu bändigen und zu kontrollieren, wie er sich in der Öffentlichkeit präsentiert und was von ihm entblößt wird, hat seitdem Tradition. Vor drei Jahren war es im LCD in Diekirch zu einem Eklat wegen der Kleiderordnung gekommen, die als sexistisch eingestuft worden war und „zur Sexualisierung des weiblichen Körpers führe“. Sie ähnelt jener des Michel Rodange und war gemeinsam mit dem Schülerkomitee erarbeitet worden. Im Nachgang war eine krude Karikatur zustande gekommen, die den Sexismus der Schule anzuprangern versuchte. Die Schülerin teilte die Zeichnung auf Social Media, was zu ihrer zeitweiligen Suspendierung führte. Das war die bisher einzige disziplinarische Aktion, die eine Kleiderordnung – indirekt – in den letzten Jahren in Luxemburg zur Folge hatte. Denn, so teilt das Bildungsministerium mit: Niemand kann wegen eines Verstoßes gegen die Kleiderordnung von der Schule verwiesen werden.
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Land
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17.11.2023
E U RO PA
Cecilia Fasciani/NurPhoto/AFP
En mai, la région de Bologne a été frappée par des inondations qui ont fait beaucoup de dégâts
L’écologie, un nouveau défi pour l’Italie Sara Montebrusco, Florence
L’Italie est en retard sur plusieurs objectifs écologiques : notamment le nombre d’arbres plantés est insuffisant pour atteindre les objectifs de la stratégie de l’UE en matière de biodiversité
Alors que le patrimoine forestier de l’Italie s’est enrichi au cours de ces dernières années, couvrant plus de onze millions d’hectares, soit presque 37 pour cent du territoire national, les arbres plantés ne sont pour l’instant pas suffisants pour atteindre les objectifs de l’UE. Et malgré la plantation de plus de 2,8 millions d’arbres entre 2022 et début 2023, l’Italie manque également d’atteindre l’objectif fixé par le PNRR, plan national de relance et de résilience, un plan stratégique qui vise à moderniser et à améliorer l’économie italienne. Celui-ci prévoyait de planter 6,6 millions d’arbres d’ici 2024. Pour l’instant l’Italie n’a finalement planté qu’un peu plus d’un tiers des arbres prévus. L’espace vert urbain ne se développe pas comme espéré et l’on compte une moyenne de 24 arbres pour cent habitants, soit 53,7 mètres carré d’espace vert par personne. Les données proviennent de Legambiente, une association sans but lucratif, composée de citoyens qui œuvrent pour la protection de l’environnement ; elle a examiné 105 villes du pays. Tandis que Crémone, Modène et Trieste se distinguent avec un nombre supérieur à la moyenne d’environ cent arbres pour cent habitants, soit un arbre par personne. Dix des villes suivies ne compteraient que cinq arbres ou moins pour cent habitants. L’Italie se montre donc pour l’instant déficiente dans le développement efficace de la sylviculture et
L’Italie présente un retard sur la valorisation des chaînes d’approvisionnement et de la production « made in Italy » ainsi que sur la prévention des incendies de forêt, qui sont en constante augmentation
ne parvient pas à gérer les espaces verts de manière assez durable et écologique. Il s’agit pourtant d’un point particulièrement important pour lutter contre la crise climatique. Les forêts en milieu urbain et périphérique jouent un rôle fondamental dans la régénération des villes et l’amélioration de la santé publique. En effet, un hectare de forêt pourrait éliminer en moyenne 8,5 kg de PM10 par an. Ces particules d’un diamètre inférieur à 10 µm, sont inhalables et peuvent avoir des effets néfastes sur la santé. Leur réduction est donc clairement bénéfique à notre bien-être. En outre, un hectare de forêt permettrait aussi d’éliminer 36 kg d’ozone par an. La FAO (Organisation des Nations unies pour l’alimentation et l’agriculture) estime qu’une augmentation de dix pour cent des espaces verts urbains pourrait contribuer à retarder de cinq ans l’apparition de problèmes de santé. De plus, la plantation d’arbres contribue à améliorer notre qualité de vie : les espaces verts rafraîchissent les villes et rendent les canicules plus vivables, ils favorisent l’approvisionnement d’eau et peuvent diminuer jusqu’à 70 pour cent des bruits environnants. Les espaces verts remplissent aussi une fonction sociale et esthétique : Qui ne se réjouit pas à l’idée d’habiter près d’un parc ? Les arbres sont donc non seulement bénéfiques à notre santé physique mais également mentale. Ils créent également un havre pour la faune en milieu urbain, ce qui favorise la biodiversité. Les inondations qui ont touché la Toscane, il y a deux semaines, nous interpellent aussi sur l’utilité des arbres et de la végétation pour éviter des catastrophes de telle envergure. Les conséquences du déluge ont été dévastatrices : la boue recouvre encore plusieurs quartiers des communes de Campi Bisenzio et Prato, et outre les huit victimes, 30 000 familles et entreprises ont été frappées. Les dégâts économiques pour la Toscane sont énormes. L’une des causes de ces inondations aurait été la fragilité du terrain qui ne serait plus capable de retenir l’eau, qui arrive en grande quantité et trop rapidement. Divers fleuves et torrents ont débordé, parmi lesquels le Bisenzio et le Marina. Augmenter le nombre d’arbres en ville accroît la perméabilité des sols et est donc utile pour réduire les risques d’inondations. Il faudrait aussi prévoir des zones et des bandes végétalisées qui ralentiraient l’écoulement de l’eau avant
que celle-ci ne pénètre dans les égouts ou les réseaux de drainage dans lesquels l’accumulation excessive d’eau engendre à son tour des inondations. Le développement des espaces verts à travers la plantation d’arbres est donc important et salutaire. Et même si l’Italie s’est dotée en juillet dernier du premier cluster national du bois, le pays reste néanmoins encore loin de réaliser ses propres objectifs et ceux du Green Deal européen. Ce cluster a notamment comme objectif de soutenir des initiatives de coopération et les synergies entre le monde forestier et les entreprises de traitement du bois et de valoriser les produits de la sylviculture basés sur les principes de certification de la qualité, de durabilité et de traçabilité. En outre, l’objectif 11 de l’agenda 2030 de l’ONU pour le développement durable semble également être encore distant et difficile à atteindre. L’Italie présente aussi un retard sur la valorisation des chaînes d’approvisionnement et de la production « Made in Italy » ainsi que sur la prévention des incendies de forêt, qui sont en constante augmentation. Si des incendies frappent toute l’Europe durant les mois les plus chauds, ce sont surtout les pays méditerranéens, l’Espagne, la Grèce, l’Italie, le Portugal et
la Turquie qui en souffrent le plus. Les statistiques de l’association Legambiente montrent que de janvier à fin juillet 2023, 51 386 hectares, soit l’équivalent de 73 408 terrains de football, sont partis en fumée en Italie. Legambiente souligne également qu’il s’agit majoritairement d’incendies provoqués par des pyromanes. Cela suppose de renforcer les activités d’enquête et de rendre les réglementations plus strictes, en prévoyant des sanctions plus sévères, à côté des interventions écologiques nécessaires. L’Italie fait donc face à de nombreux défis. Pour les affronter, ainsi que les nombreux objectifs manqués pour l’instant par le pays, Legambiente s’est penchée avec des experts, représentants politiques et entreprises, sur ces différentes problématiques. Les discussions ont eu lieu le 31 octobre à Rome lors de la sixième édition du forum national « La bioéconomie des forêts. Conserver, reconstruire, régénérer ». Legambiente lance aussi un appel au gouvernement et aux institutions en mettant l’accent sur les cinq actions prioritaires pour lesquelles il est essentiel d’accélérer le rythme : la mise en œuvre de politiques visant à protéger les forêts du changement climatique, l’encouragement de la formation de clusters régionaux visant à renforcer le Made in
Italy, l’achèvement des projets PNRR, pour reverdir les zones urbaines, la promotion d’un plan national de plantation d’arbres et enfin la pleine application de la loi 10/2013. Celle-ci prévoit entre autres que toutes les communes de plus de 15 000 habitants disposent d’un registre des arbres et que, pour chaque enfant né ou adopté dans ces communes, un nouvel arbre soit planté. Les administrateurs municipaux doivent également établir un bilan vert à la fin de leur mandat, montrant l’impact de l’administration sur les espaces verts publics, indiquant notamment le nombre d’arbres plantés et abattus et la taille et l’état des espaces verts. Ce n’est certainement pas la première, ni la dernière fois que l’association écologiste tente de proposer des plans d’action au gouvernement. Selon Stefano Ciafani, le président de Legambiente, l’Italie est « le pays du vent et du soleil, mais ne semble pas croire en leur potentiel. » Un exemple qui le démontre : il faut six ans pour autoriser une installation de production d’énergie renouvelable dans le pays alors que la moyenne européenne est de deux ans. L’Italie a sûrement encore beaucoup de chemin à parcourir pour sa conversion écologique et ainsi développer pleinement le potentiel de ses innombrables ressources naturelles.
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En marche Au congrès du CSV mercredi soir avenue Marie-Thérèse, Gilles Roth ne voulait pas s’exprimer sur les dossiers qu’il allait traiter en priorité la semaine prochaine dans ses nouvelles fonctions de ministre des Finances. Il sait qu’il y a « du pain sur la planche ». « Beaucoup », même. Face au Land, se borne à une synthèse de l’action qu’il mènera sous la conduite de Luc Frieden qui, par deux fois, a répété ce jeudi qu’il s’y connaissait en matière de finances publiques. Gilles Roth veut parvenir à un « équilibre » subtil : « Donner plus de pouvoir d’achat aux gens dans le cadre d’une politique anti-cyclique. Il faudra, bien entendu, renforcer l’attractivité de la place financière et la compétitivité des entreprises en général, le tout en essayant d’assurer la soutenabilité des finances publiques à moyen et long terme ». Un pitch-ascenseur léché. Gilles Roth, 56 ans, bénéficie d’une expérience politique solide. Car, avant d’accéder à la rue de la Congrégation, il était un homme politique pressé. Benjamin des bourgmestres en 2000 (à Mamer), benjamin des députés en 2007. Le Wort l’avait baptisé « der talentierte Neuling ». Gilles Roth a vite gravi les échelons avant de se cogner au plafond. De Jean-Claude Juncker, d’abord, qui ne l’a pas pris à bord du gouvernement en 2009. De l’opposition ensuite. Dix années à la Chambre où il a veillé aux questions financières avec son binôme de QP Laurent Mosar. Ce qui lui a par ailleurs laissé du temps pour veiller sur sa commune. Le voilà de retour à la Jofferegässel. Sa connaissance de la maison, que le
juriste (et avocat) avait abandonnée en tant que premier conseiller de gouvernement, lui permettra de gagner du temps sur les dossiers urgents. À commencer par le budget 2024. Un premier moment clé dans la flèche du temps gouvernemental de Luc Frieden. Le candidat Frieden a promis une baisse d’impôts pour tous et un déficit contrôlé. Le formateur Frieden a annoncé ce jeudi qu’il n’y aura pas de Spuerprogramm. Il a aussi informé que le gouvernement procèdera à une adaptation du barème fiscal équivalant à quatre tranches indiciaires en 2024, et non pas 2,5 comme le prévoyait la coalition sortante après la tripartite du mois de mars. Financer la Kaafkraft devrait coûter bonbon à la communauté. Des recettes liées à davantage de consommation, d’investissement ou d’emploi, sont espérées concomitamment pour renflouer les caisses publiques. « C’est la trajectoire du déficit public qui est importante », a expliqué Luc Frieden jeudi avec le maintien du AAA en ligne de mire. Les dossiers européens sur le bureau du nouveau ministre des Finances auront aussi leur importance, notamment pour ce qui concerne la compétitivité du centre financier. Petit atout pour Gilles Roth encore : il a officié à la représentation permanente à Bruxelles. Last but not least. Il faudra aussi choisir qui occupera la direction de l’Administration des contributions directes où se dessine un vaste chantier. Sans parler de la conjoncture économique morose (voir plus bas). pso
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Land
W I R T S C H A F T
17.11.2023
Licence to handle Les 1 200 salariés de LuxairCargo concernés par la reprise de ses activités, très probablement par une filiale de Cargolux créée pour l’occasion, sont inquiets. Ils l’ont fait savoir lundi par l’intermédiaire des syndicats. Il est question d’un sentiment « d’abandon ». Luxair n’a pas postulé à l’appel d’offres ouvert par Lux-Airport pour octroyer deux licences de ground handling cargo. Une filiale de Cargolux, Luxcargo Handling, s’est alignée dans une logique dictée depuis le ministère des Transports. Le transfert devrait intervenir entre mars et juillet 2024. Tous les salariés de Luxair Cargo sont concernés. Les conventions collectives de travail de Luxair arrivent à échéance au 31 décembre, mais sont reconduites, avait tenté de rassurer le patron de Luxair, Gilles Feith, dans un courrier aux salariés qui s’inquiétaient déjà. Ils avaient même monté un piquet de protestation au Findel pour le signaler. Dans cette communication envoyée le 12 octobre, il est encore écrit que la procédure de soumission devait arriver à échéance le 31 octobre. Mais depuis, plus de nouvelles. Et le ministère de tutelle change
de mains cette semaine. D’où l’émoi des salariés. « Après 27 ans de loyaux services auprès de LuxairCargo, le transfert de l’activité et du personnel à la fin du processus de soumission vers une nouvelle société soulève des questions fondamentales », écrivent LCGB, OGBL et NGL, demandant la garantie de l’emploi, une convention collective copiéecollée sur celle de Luxair ou la reconnaissance du travail accompli ces dernières années. Sollicités par le Land, les services de François Bausch répondent ne pouvoir s’exprimer car « la procédure est toujours en cours » au niveau de LuxAirport, l’instance qui a soumis les appels d’offres. Un marché a aussi été ouvert pour octroyer deux licences d’assistance en escale, où Luxair s’est aligné, mais dont les résultats ne seront rendus qu’en janvier. « Le ministre s’efforcera de préparer ce dossier de la meilleure manière possible, afin de permettre au nouveau ministre de prendre toute décision », poursuit-on au Héichhaus. L’on verra dans les prochains mois si la libérale Yuriko Backes entend piloter de la même manière les intérêts nationaux au Findel. Selon une source, Luxcargo Handling et Goldair Handling, un groupe grec de logistique, ont satisfait aux critères. Ils sont donc dans l’attente de l’obtention de la licence par la ministre. pso
Récession
Ticker
Nous y voilà. La Commission européenne a publié mercredi ses perspectives économiques d’automne. Et, comme la météo
de saison, elles se révèlent bien maussades avec un recul du PIB de 0,6 pour cent en 2023, synonyme de récession. Selon Bruxelles, cette mauvaise performance tient à des conditions de financement restrictives et à des exports moindres. Ce qui choque surtout, c’est que le Luxembourg figure parmi les dix pays européens à avoir une croissance du PIB négative cette année. L’Irlande aussi voit sa production de richesses reculer, mais les prévisions pour 2024 et 2025 sont plus optimistes pour le concurrent irlandais : 3 et 3,4 pour cent de croissance contre 1,4 et 2 pour cent au Grand-Duché (deux pays à la comptabilité nationale aliénée par les transferts financiers opérés par les groupes internationaux qui y domicilient). Pour rester optimistes, il faut se rendre sur le site du Statec, qui prévoit (toujours) 1,5 pour cent de croissance en 2023 et 2,5 en 2024. Mais cette semaine, la fondation Idea a quelque peu fustigé ces prévisions : « Pour atteindre une croissance de 1,5 pour cent en 2023, le PIB au deuxième semestre 2023 devrait croître de 5,3 pour cent par rapport au 1er semestre 2023. » En réalité, la présentation offerte par le directeur du Statec, Serge Allegrezza, au formateur annonce une contraction du PIB pour 2023 de l’ordre de un pour cent. Elle devrait être confirmée dans la prochaine note de conjoncture. pso
Vol direct vers la Chine Une première. Selon le média Aeroroutes, la compagnie China Southern opérera à partir du 21 décembre la première ligne reliant directement Luxembourg
à la Chine, et plus exactement Zhengzhou, capitale de la province du Henan à l’Est de l’Empire du Milieu, ville industrielle et hub logistique (notamment de Cargolux en Chine). Un vol par semaine sera opéré. Les prix des premiers aller-retour en Airbus A350 coûtent 930 euros (classe Eco). Le vol dure onze heures. « La compagnie China Southern Airlines a été formellement désignée par les autorités aéronautiques chinoises pour effectuer des vols passagers commerciaux entre la République populaire de Chine et le Grand-Duché de Luxembourg dans le cadre de l’accord bilatéral », informe la Direction civile de l’aviation. Des échanges sont en cours pour formaliser les droits de trafic. pso
From Russia with love Le Land s’était étonné du chiffre d’affaires mirobolant de Beta Aquarii, start-up du conseil en affaires de l’ancien vice-Premier ministre, Etienne Schneider (LSAP): six millions d’euros en 2022. Un réel tour de force pour un deuxième exercice financier et seulement trois salariés. Dans le cadre d’une collaboration avec le consortium international de journalistes ICIJ, Reporter a retracé ce mercredi l’origine d’une partie de cette manne : une mission confiée par deux oligarques russes (qui ont des intérêts au Luxembourg via une holding de leur groupe Evraz) au lendemain de l’invasion de l’Ukraine. Avec un versement de 2,5 millions d’euros « upfront » et la même chose en cas de succès. Le contrat consulté par Reporter est
d’une simplicité douteuse selon des experts consultés et la mission, un mystère. Ce document a en outre été signé en avril, alors qu’Etienne Schneider venait tout juste d’abandonner son mandat auprès du conglomérat russe Sistema après l’agression décidée par Vladimir Poutine et l’émotion publique suscitée par une telle association. Etienne Schneider précise auprès du média en ligne qu’il n’a pas récolté les 2,5 millions d’euros promis en avril 2023 en cas d’accomplissement de ladite « mission ». Les deux oligarques en question sont sanctionnés au Royaume-Uni, mais pas en Union européenne. pso
Benu arrête son char Benu Village était menacé d’insolvabilité depuis septembre dernier. Ce mercredi, le conseil d’administration de l’association sans but lucratif a annoncé lancer une procédure de demande de liquidation. Une situation dénoncée par l’OGBL qui fustige « une gestion misérable et une indifférence inacceptable de la part des responsables politiques ». Cet éco-quartier installé entre la Grenz et le Brill à la lisière d’Eschsur-Alzette, inauguré en 2019, devait être un modèle de durabilité et d’inclusion. Ce projet pilote, conventionné avec la Ville d’Esch et le ministère de l’Environnement (2017-2019), a attiré les regards de la presse, reçu des éloges et des récompenses, accueilli des visites officielles. Recyclage, réutilisation et valorisation de matériaux destinés au rebut, ateliers pour redonner vie à de vieux meubles et pour transformer vêtements et textiles usagés, puis restaurant
écologique, Benu a grandi passant de trois à plus de quarante salariés. Une dette d’un million d’euros s’est accumulée rapidement, les coûts des projets et les frais de fonctionnement ayant augmenté, plus vite que le chiffre d’affaires, resté, lui, constant. Il y a encore un mois, Georges Kieffer, le fondateur et directeur de l’asbl espérait une « convention de transition » qui lui permettrait de sortir du rouge. Face aux demandes de soutien financier et laissant entrevoir une nouvelle convention, le ministère de l’Environnement a mandaté mi-octobre un expert indépendant pour analyser la situation de Benu Village. Le rapport rendu cette semaine est sans appel. Il pointe l’absence de stratégie qui permettrait la continuité des activités. Il constate une croissance importante des charges « disproportionnée par rapport aux fonds disponibles à moyen et long terme » et calcule que deux millions d’euros annuels seraient nécessaires pour réaliser les activités courantes avec l’équipe actuelle. La lettre conjointe du ministère et de la Ville d’Esch révèle une « gestion financière peu prévoyante » et une « politique irresponsable en matière d’embauche de personnel ». Le texte conclut : « une nouvelle subvention publique ne permettrait ni de résoudre les problèmes de gestion de trésorerie de Benu Village, ni de réduire la dépendance par rapport aux subventions publiques de l’ASBL, à moyen, voire long terme ». La trésorerie ne permet pas de payer les salaires au-delà du
15 novembre. La liquidation est en marche. L’inquiétude est grande chez les salariés qui ont reçu ce jeudi un courrier (que le Land a pu lire) les informant que « le comité a décidé jusqu’à contre ordre de libérer tous les employés de l’asbl d’exercer leur travail ». La missive poursuit : « Néanmoins les contrats de travail des employés du Benu ne seront pas résiliés. Ce sera au liquidateur nommé par le juge de décider de la suite des contrats de travail et de l’avenir à donner à l’asbl.» Dans une réponse à une question parlementaire de Marc Goergen (Piraten) la ministre de l’Environnement, Joëlle Welfring (Déi Gréng), précise : « Il ne peut être garanti que d’autres initiatives prendront la relève de ces salariés ». Les derniers embauchés pour le restaurant en particulier craignent pour leur avenir. « Une demie-douzaine de personnes sont là depuis moins de six mois et risquent de ne pas toucher le chômage », relate Valérie Marx, employée depuis près de deux ans, jointe ce jeudi matin, en pleine réunion avec ses collègues. Elle regrette une « totale opacité » de la part de la direction et un manque d’écoute du Conseil d’administration, « des amis de Georges Kieffer ». Le personnel reste convaincu de l’intérêt du projet. Il planche sur une reprise, et travaille à un business plan. « Les investissements les plus importants ont été réalisés. On veut continuer et renouer le contact avec la Ville d’Esch », s’enthousiasme l’employée. En attendant, à l’heure où nous bouclons le journal, les profils de Georges Kieffer et de Benu Village ont disparu des réseaux sociaux. fc
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W I R T S C H A F T
Réorienter les aides Georges Canto
Les politiques actuelles de soutien à l’agriculture entravent l’adaptation au changement climatique Selon un document de plus de 300 pages publié fin octobre par l’OCDE (Organisation pour la coopération et le développement économiques), le soutien public à l’agriculture atteint aujourd’hui des niveaux records, mais les politiques menées faussent le jeu du marché et ne contribuent pas à l’adaptation au changement climatique. Dans le rapport annuel « Politiques agricoles : suivi et évaluation » dévoilé le 30 octobre, les chiffres de l’OCDE couvrent 54 pays, un périmètre bien plus large que celui des 38 membres de l’organisation. Seize économies supplémentaires ont été étudiées, cinq dans l’UE et onze grands pays émergents, ce qui offre un large panorama très approprié au sujet étudié. Il en ressort que sur la période 2020-2022, le soutien total à l’agriculture a atteint le niveau record de 851 milliards de dollars par an, soit 22,3 pour cent de plus qu’avant la pandémie. Par rapport à la période 2000-2002, le montant a été multiplié par deux et demi, une croissance néanmoins inférieure à celle de la production totale, multipliée par 3,6. Au cours des trois dernières années, les gouvernements se sont efforcés de protéger les consommateurs et les producteurs des effets de la crise sanitaire, des soubresauts géopolitiques et d’une l’inflation inédite depuis quarante ans. Les producteurs à titre individuel ont été les principaux bénéficiaires en recevant pratiquement les troisquarts des aides, soit 630 milliards de dollars par an sur la période étudiée, contre 525 milliards de dollars entre 2017 et 2019 avant la pandémie (hausse de vingt pour cent). Cela correspond à quatorze pour cent des recettes agricoles brutes (RAB) durant la période 2020-22. Mais dans certains pays de l’OCDE cette proportion grimpe à plus de quarante pour cent. L’OCDE déplore que le soutien soit essentiellement le fait de quelques grands pays producteurs, la Chine, l’Inde, les États-Unis et l’Union européenne représentant respectivement 36 pour cent, 15 pour cent, 14 pour cent et 13 pour cent du total (soit ensemble près de 80 pour cent). Plus embêtant, « les mesures les plus susceptibles de fausser le jeu du marché ont représenté la majorité de ce soutien public » indique le rapport. Ainsi, plus de la moitié de l’aide aux producteurs (soit
Coûts cachés
À hauteur de 70 pour cent en moyenne (mais davantage dans les pays à revenus élevés et dans la tranche supérieure des pays à revenus intermédiaires), ils concernent l’impact sur la santé de la population. Une alimentation trop riche en produits ultra-transformés, en sucres et en graisses provoque une augmentation de l’obésité et d’autres maladies chroniques, d’où des dépenses de santé supérieures et un effet négatif sur la productivité des travailleurs. Vingt pour cent des coûts cachés concernent les dégâts causés à l’environnement, comme les émissions de gaz à effet de serre et d’azote, la mauvaise utilisation de l’eau ou la conversion des terres agricoles en usages urbains. Cinq pour cent (mais plus de la moitié des coûts cachés dans les pays à faibles revenus) concernent les effets délétères de la pauvreté et de la sous-alimentation. Par manque de données ou en raison des difficultés à les monétiser, le total des coût cachés serait au minimum de vingt pour cent supérieur à l’estimation de la FAO. gc
Rapport OCDE sur l’agriculture
333 milliards de dollars par an) a été financée par les consommateurs, au travers des tarifs douaniers et des autres mesures qui ont hissé les prix intérieurs au-dessus des prix de marché. Le reste (297 milliards de dollars par an) correspond à des subventions aux motifs et aux modalités variés, notamment des compensations pour faire face à l’augmentation du prix des engrais et de l’énergie. Sur le total des aides, ce sont 518 milliards de dollars, soit 61 pour cent, qui ont été financés par les contribuables. La majeure partie des aides renforce les structures de production existantes. Les mesures de soutien par les prix et les subventions « faussent la production et le marché », selon le Secrétaire général de l’OCDE, l’australien Mathias Cormann, et empêchent les systèmes productifs d’évoluer. De plus, elles créent des distorsions sur les marchés internationaux, pourtant essentiels pour atténuer les effets des pénuries ou absorber des récoltes exceptionnelles. Mais, ajoute-t-il, « elles peuvent de surcroît être dommageables pour l’environnement, puisqu’elles nuisent souvent à la qualité de l’eau et à la biodiversité et peuvent pousser à la hausse la consommation de ressources et les émissions de gaz à effet de serre. Des réformes s’imposent pour que le soutien public à l’agriculture et à d’autres secteurs ne fasse pas obstacle à la réalisation des objectifs climatiques mondiaux ». C’est le principal problème en réalité, car le changement climatique a un impact grandissant sur la production agricole partout dans le monde, du fait de la variabilité accrue des températures et des précipitations et des phénomènes météorologiques extrêmes de type sécheresses, inondations, canicules et tempêtes, de plus en plus fréquents et graves, qui frappent l’agriculture. Cela dit, la Banque mondiale a rappelé dans un document du 31 mars 2023 que si la production agricole est menacée par les effets du changement climatique, les systèmes alimentaires y contribuent aussi puisqu’ils sont à l’origine d’environ trente pour cent des émissions mondiales de gaz à effet de serre. Les modèles de production actuels sont aussi à l’origine de niveaux de gaspillage non soutenables, un tiers de la nourriture produite dans le monde étant perdue ou gaspillée. Or dans les dépenses de soutien, les sommes consacrées aux mesures de prix et aux subventions aux producteurs sont toujours plus importantes au détriment des services d’intérêt général – innovation, biosécurité, infrastructures – dont la part est tombée à 12,5 pour cent durant la période 2020-22, contre 16 pour cent vingt ans plus tôt. Ils sont pourtant essentiels pour aider les agriculteurs à s’adapter à des conditions climatiques moins favorables, ainsi que pour favoriser une croissance durable de la productivité. Pour autant les autorités ne restent pas inactives sur ce point, l’OCDE ayant recensé, dans les 54 pays étudiés dans le rapport, près de 600 mesures d’adaptation au changement climatique dans le secteur agricole. Mais soixante pour cent d’entre elles sont de nature sociale, économique et institutionnelle, comme la planification de l’adaptation ou la fourniture de services climatologiques, de mécanismes financiers et de dispositifs d’assurance. L’organisation appelle à des mesures supplémentaires et plus fortes, en s’attelant « de toute urgence à la mise en œuvre de projets concrets ». Il s’agit de concilier l’inévitable soutien économique à court terme « avec des ajustements progressifs à moyen terme et des actions transformatrices à long terme ». À ce sujet, l’OCDE observe avec regret que si plusieurs pays ont fixé des objectifs de réduction des émissions de gaz à effet de serre à l’échelle de l’économie, seuls 19 des 54 pays étudiés ont défini sous une forme ou une autre un objectif d’atténuation spécifique à l’agriculture.
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Des aides supplémentaires sont accordées aux éleveurs luxembourgeois
Patrick Galbats
Le 6 novembre, la FAO (Food & Agriculture Organization), une émanation de l’ONU, a publié un étonnant rapport sur les coûts cachés (également appelés frais occultes) générés par les systèmes de production agricoles et agro-alimentaires dans 154 pays. Ils s’élèveraient à 10 000 milliards de dollars, soit quelque dix pour cent du PIB mondial en moyenne. Mais si dans les pays riches le poids des coûts cachés est de huit pour cent du PIB, il monte à douze pour cent dans les pays à revenus intermédiaires et culmine à 25 pour cent dans les pays à faibles revenus.
« Les mesures les plus susceptibles de fausser le jeu du marché ont représenté la majorité de ce soutien public. »
Vertueux Luxembourg Au Grand-Duché l’agriculture occupe une place très limitée dans l’économie avec 0,2 pour cent du PIB et 0,8 pour cent de la population active, mais, notamment sous l’angle des aides dont elle bénéficie, elle pourrait servir d’exemple au niveau international. Le 13 septembre 2022, la Commission européenne a approuvé le plan stratégique national présenté par le Luxembourg pour l’application de la politique agricole commune (PAC) entre 2023 et 2027. Un document synthétique de sept pages publié à cette occasion révèle une large palette d’aides financières allant toutes dans le sens du développement durable. Il indique que « l’une des principales priorités est de garantir des revenus plus équitables aux producteurs agricoles », car au Luxembourg, le revenu agricole représente environ un tiers du salaire moyen dans l’ensemble de l’économie.
L’État apportera un soutien direct aux agriculteurs afin de leur garantir un revenu viable. Une attention particulière sera accordée aux secteurs de la production de viande bovine, car le revenu y est encore inférieur au revenu agricole moyen. Le dispositif est complété, pour les éleveurs, par des aides à l’investissement pour moderniser les bâtiments d’élevage et par un soutien financier à ceux qui s’engagent à réduire la densité de leur cheptel (d’au moins quinze pour cent au cours des trois premières années).
cas) pour démarrer leur activité. Autre exemple : un objectif-clé étant de réduire de moitié l’utilisation des pesticides d’ici à 2030, des subventions seront accordées aux agriculteurs qui souhaitent abandonner leur utilisation. Ils recevront entre 70 et 1 000 euros par hectare en fonction des substances actives abandonnées et du type de culture. L’objectif s’inscrit dans la volonté de tripler la superficie consacrée à l’agriculture biologique d’ici à 2025 pour la porter à vingt pour cent du total.
L’accent est également mis sur le renouvellement des chefs d’exploitations agricoles. Pour cela le plan luxembourgeois prévoit de soutenir l’installation de 150 jeunes agriculteurs., en leur octroyant une aide financière de 80 000 euros (pouvant aller jusqu’à 100 000 euros dans certains
Le budget total est estimé à 465,3 millions d’euros dont plus de 35 pour cent de paiements directs (exclusivement sur budget européen) et près de 65 pour cent d’aides au développement rural (financées localement à 80 pour cent). Au total le budget dépend à 51,7 pour cent du financement national. gc
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Land
M E I N U N G
17.11.2023
ZU GAST
DIE KLEINE ZEITZEUGIN
Grundrisse einer linken Opposition
Marc Baum ist Abgeordneter von Déi Lénk
Die Frage drängt sich auf, wie Parteien des linken Spektrums (Linke, Sozialdemokraten und Grüne) eine konsequente Oppositionspolitik betreiben könnten, um dieser parlamentarisch starken, aber unpopulären Regierung die Stirn zu bieten, und wie sie darüber hinaus zumindest die Konturen eines alternativen Projektes einer solidarischen luxemburgischen Gesellschaft zeichnen könnten. Eine linke Opposition muss, im Wissen um die sozialen Kämpfe und Errungenschaften der Vergangenheit in der Lage sein, eine Zukunft zu skizzieren, die den Menschen Perspektiven bietet. Diese Zukunft muss sich an fortschrittlichen Werten orientieren: Freiheit, Gleichheit, Solidarität. In fünf zentralen Bereichen gilt es diese Herausforderung anzugehen: 1 Arbeit muss vor Armut schützen, sie muss in Form der Lohnarbeit die Produktivitätsgewinne den Arbeitenden zukommen lassen: durch anständige Arbeitsbedingungen, korrekte Löhne und eine sukzessive Reduzierung der Arbeitszeit. 2 Wohnen muss ein einklagbares Recht werden und Eigentum verpflichten, d.h. die Spekulation mit dem Grundrecht auf Wohnen und die damit verbundene Profitmaximierung muss unterbunden
Michèle Thoma
werden. Parallel braucht es großer öffentlicher Investitionen. Staat und Gemeinden müssen mittelfristig zum größten Besitzer von Mietwohnungen werden, um einen signifikanten Einfluss auf den Wohnungsmarkt zu haben. 3 Der Kampf gegen den Klimawandel und den Verlust an Biodiversität muss eine kollektive Anstrengung werden, nicht eine individuelle Belastung. Klimagerechtigkeit bedeutet, dass die soziale und die ökologische Frage zwei Seiten derselben Medaille sind. Sie müssen deshalb zusammen gedacht werden. Erst dann wird dieser Kampf um die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen nicht als Bürde oder Last sondern als Chance empfunden. 4 Die wirtschaftliche Entwicklung muss sich in den Dienst der Menschen stellen. Sie muss demokratisch gesteuert werden, u.a. durch eine gerechte Steuerpolitik, welche die Schere zwischen arm und reich verkleinert und der öffentlichen Hand die angemessenen Mittel gibt, die notwendigen Investitionen zu tätigen. 5 Die Beteiligung am gesellschaftlichen und politischen Leben muss erweitert und die demokratische Mitbestimmung aller in Luxemburg lebenden Menschen vergrößert werden: am Arbeitsplatz und in den Institutionen. Das heißt: auch bei Wahlen. Dies sind die grob skizzierten Umrisse eines fortschrittlichen Projektes, das eine linke Opposition einer rückwärtsgewandten Regierung entgegenhalten müsste. Eine Vorstellung der Zukunft, die den Menschen Perspektiven bietet und sie somit auch zusammenbringen und mobilisieren könnte. Gewerkschaften, Umwelt- und Sozialverbände wären die natürlichen Alliierten einer solchen Bewegung. Als Linke sehen wir unsere Aufgabe darin, treibende Kraft einer fortschrittlichen Opposition zu sein. Sozialdemokraten und Grüne müssten allerdings auch bereit sein, sich in Frage zu stellen und ihre Politik dementsprechend neu ausrichten. Marc Baum
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D’GEDICHT VUN DER WOCH
Das teile ich auf Facebook mit. Nein! antwortet ein FB-Freund schon Sekunden später, ich stelle mich auf heftige Gefechte ein. Soweit man in meinem blanden Bläschen davon reden kann, in dem vorwiegend freundliche, überlegte Menschen unterwegs sind, Vernichtungsoffensiven werden hier selten gestartet.
AFP
CSV und DP, die einen Monat lang hinter den sehr verschlossenen Türen des Senninger Schlosses über die Zukunft des Landes verhandelten, erreichten zusammen 47,91 Prozent der abgegebenen Stimmen bei den Wahlen vom 8. Oktober. Das ist so wenig wie noch keine andere Koalitionsregierung in den letzten 70 Jahren. Trotzdem verfügen sie über 35 von 60 Sitze im Parlament.
Wir werden alle mitschuldig sein!
Schuld! Woran denn eigentlich wer jetzt schuld sein soll? Aus welcher christlichen Mottenkiste ich das denn hervorgekramt habe. Wenn ich schon so was wie Schuld ins Spiel bringe, dann sei das doch mein Problem. Wieso ich denn alle mit meinem Schuldkomplex überziehe? Vehement wird Schuldigsein und Schuldiggemachtwerden bestritten. Ein FBFreund bietet versöhnlich den Begriff der Verantwortung anstatt dessen der Schuld an. Soll ich mich entSCHULDigen? Den Post löschen, schon beim Posten hatte ich schließlich das Gefühl, dass etwas daran, vielleicht gar alles daran falsch ist und doch hatte ich den starken Impuls. Als ich kurz vor Mitternacht den Bildern ausgeliefert war von den Ausgelieferten in Gaza. Das konnte doch alles nicht sein! Hier! Jetzt! 2023! Und wir … Auf FB nada. Meine peer group favorisiert sowieso schon seit geraumer Weile Blutdruckschonendes und umgibt sich weise lieber mit guter Kunst als mit ausweglosen Gräueln. Zerfetzte Robbenbabys, die noch vor Jahren Hochkonjunktur hatten, treffe ich kaum mehr an, zu Allerheiligen nicht mal mehr die beliebte Grabstättenromantik. Sich in eine Debatte zu stürzen, in der man wie auch immer in feindliche Schusslinien kommt und schlecht wegkommt, dafür sind die meisten mittlerweile auch einfach zu sozialmedial erprobt, sie haben dazu gelernt. Was ist Schuld überhaupt? Meine peer group scheint von so einem, wie sie monieren, christlich-muffigen Begriff meilenweit entfernt, gerade meine luxemburgischen FB-Freund/innen kommen beneidenswert befreit rüber, säkular und selbstbewusst. Freie Menschen. Nicht so gebeugte wie ich, unter der Schuldknute. Auch wenn man noch so frei und säkular ist, Schuld gibt es trotzdem, reagiere ich t-rotzig. Beweisen kann ich nichts. Und was denn auch? Und wem? Die Bombardierungen in Gaza, inwiefern sollten freundliche gebildete Menschen in einem kleinen Land in Europa in irgendeiner Weise damit zu tun haben? Und könnten sie irgendetwas dagegen tun? Protestieren? Ja, das tun sie vielleicht sowieso. Aber gegen wen? Gegen die, die ebenfalls um ihr Leben kämpfen? Deren Vernichtung Programm der anderen ist. Die Einen. Die Anderen.
Gaza, November 2023
Schon bin ich zwischen die Fronten geraten. Schon bin ich am Beteuern. Um meinen düster-verworrenen Post ernsthaft selber entschlüsseln zu können, bräuchte ich ein jahrelanges Studium der Ethik und Theologie, vielleicht noch der Rechtswissenschaft und Psychologie. Feige gehe ich schlafen. Nichts dazu posten! Nichts dazu posten! hatte ich mir seit Wochen eingebläut. Was gab es nach dem Grauen in Israel denn außer Schweigen oder Schreien? Wie später viele jüdische Kunstschaffende prangert ein deutsch-ukrainisch-jüdischer Dichter aber das Schweigen der Kulturszene an, fordert Solidarität ohne Wenn und Aber. Ich will den Post teilen, tue es dann doch nicht. Zu viele Wenns und Abers fallen mir ein. Linke Poster wiederum lehren mich das Fürchten. Ein marxistischer Blogger, dessen glasklaren gesellschaftlichen Analysen ich bisher geschätzt habe, erklärt eiskalt, dass das bürgerlichkapitalistische Konstrukt Israel verschwinden müsse. Dass nach dieser Logik sein Land Deutschland ebenfalls verschwinden müsse und außer Nordkorea und ein paar Diktaturen kaum was übrig bliebe, ist ihm wohl entfallen. Auch der zaghafteste Einwand gegen diese Vernichtungsfantasie wird von den Followern_Followerinnen gibt es kaum, der möchtegern-orthodoxe Marxismus in seinen orthodoxesten Auslegungen ist eine männliche Ob-
Um meinen düsterverworrenen FacebookPost ernsthaft selber entschlüsseln zu können, bräuchte ich ein jahrelanges Studium der Ethik und Theologie, vielleicht noch der Rechtswissenschaft und Psychologie
session, schriftlich niedergebrüllt: Und du wagst es, dich Linker zu nennen? Ist es die Beklemmung darüber, dass wir nicht sagen werden können, dass wir von nichts gewusst haben? Die Ohnmacht der Zuschauerin, die wegen schwerer Gefühlsinkontinenz in eine Debatte stolpert, bei der richtige, zumindest echte Gefühle mit falschen Begriffen kollidieren? Mea culpa, friends!
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LE T TRE AU CLIMAT Sven Becker
Chère nature, cher environnement, cher climat, Jean Lasar
De Jang brauch „elo e bësse Rou“ Jacques Drescher De Jang geet net an d’Chamber; Si ass him vill ze kleng. Wien d’Welt gesinn huet gëschter, Huet muer ganz aner Pläng.
Déi Leit, déi hie gewielt hunn (Et sinn der zimmlech vill), Déi kënnen e verstoen; De Cruchten och – beim Grill.
Mécht hien als Stëmmefänkert Seng Saach just ganz geschéckt? An huet e just am Radio Op d’Tréinendrüs gedréckt?
D’nächst Joer sinn nach Walen; Da gëtt de Jang nees frou, A fënnt vläicht an deem Zirkus Zu Stroossbuerg seng lescht Rou.
Il est venu à notre attention que d’aucuns nous reprochent de vous avoir laissé tomber au nom de la défense du triple A. Nous chercherions, avancent ces mauvaises langues, à négocier avec vous, et avec les lois de la thermodynamique qui vous gouvernent, de la même façon que nous le faisons habituellement avec les syndicats et les technocrates de Bruxelles, pour procrastiner au nom de la compétitivité de notre place financière et de la croissance. Cette lettre se propose de vous démontrer qu’il n’en est rien, évidemment. Que bien au contraire, nous sommes vos meilleurs alliés. Cela commence par le nom qui nous désigne communément : les conservateurs. Qui pourrait être mieux placé qu’une famille politique ainsi nommée pour préserver ou, là où cela s’avère nécessaire, restaurer ce contexte originel qui nous est si cher ? Ensuite, il faut bien voir que nos électeurs ne sont pas prêts à accepter les mesures recommandées par les scientifiques, et que notre stratégie, qui consiste à relancer l’économie, telle qu’elle a si bien fonctionné pendant des décennies, pour dégager les excédents financiers dont nous avons besoin pour amorcer la transition énergétique, est la seule envi-
Lettre (presque) imaginaire du nouveau gouvernement sageable. Cela tombe sous le sens : sans de solides réserves, jamais nous n’aurons les moyens de nous payer cette transition. S’il nous est arrivé de dire du mal de ceux qui ont cru pouvoir parler en votre nom, ce n’est que tactique. C’est parce que nous savons que nous gérons mieux les affaires qu’eux. En pratique, il s’agit de confier aux entrepreneurs et à ceux qui les financent le soin de trouver les meilleures méthodes pour mettre notre mode de vie en adéquation avec les limites planétaires. N’en doutons pas, toute autre méthode est condamnée par avance parce qu’elle transgresse les limites sociétales. Celles que mettent en avant les prétendus défenseurs du climat sont non seulement liberticides, mais aussi inspirées d’a priori technologiques peu compatibles avec les lois intangibles de l’économie.
Les solutions que nous mettons en œuvre pour vous sauver sont frappées au coin du bon sens : faciles à comprendre, conçues pour ne pas faire de vagues et ne laisser personne au bord du chemin. Les pseudoactivistes parlent beaucoup de justice climatique, mais croyez-en notre expérience : en la matière, le consensus et l’acceptabilité sont encore plus importants que la justice. Nous espérons vous avoir convaincus, chère nature, cher environnement, cher climat, du bien-fondé de notre approche et avons une dernière faveur à vous demander. S’il vous plaît, tenez en dûment compte au cours des prochaines années et tâchez d’observer une trêve pour tout ce qui touche aux extrêmes météorologiques et à l’effondrement de la biodiversité : il va nous falloir quelque temps pour déployer nos mesures, et des impacts imprévus résultant d’incartades de votre part telles que vagues de migration incontrôlées, crises alimentaires, soubresauts financiers ou confits armés pourraient désarçonner nos électeurs. Tenez-vous à carreau, c’est dans votre meilleur intérêt.
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Sincèrement, Le nouveau gouvernement du GrandDuché de Luxembourg.
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17.11.2023
M E I N U N G
„La Défense et son armée“ Reiner Hesse
Vor der neuen Verteidigungsministerin liegt ein weites Feld an dringenden Aufgaben. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich ein Wildwuchs entwickelt, der schon an der Spitze seinen Ausgang nimmt
Die Aussage ist zumindest bemerkenswert, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Nato ein militärisches Verteidigungsbündnis ist, das im Ernstfall Territorialverteidigung durch Kriegführung betreibt. All ihre Mitgliedsarmeen haben einen militärischen, unter Umständen kriegerischen Zweck. Doch in Luxemburg herrscht das Bestreben vor, eine grundlegende öffentliche Debatte zum Militärischen zu vermeiden, auch um den Preis kognitiver Dissonanz. Man muss dem scheidenden Verteidigungsminister François Bausch (Grüne) zugutehalten, dass er mehrfach Ehrlichkeit und Realismus eingefordert hat (d’Land, 23.06.2023). Die neue Regierung sollte daran anknüpfen. Ostentatives Nicht-sehen-wollen des Elefanten im Raum wird zunehmend unmöglich. Unter dem Druck der Nato, also von außen, war in den letzten Jahren das Verteidigungsbudget erhöht worden, um auf erneuten äußeren Druck weiter erhöht zu werden. DP-Premier Xavier Bettel und Verteidigungsminister Bausch haben relativ geräuschlos bei der Nato das Zwei-Prozent-Ziel herunterverhandelt, wodurch sich das Verteidigungsbudget auf längere Sicht voraussichtlich nicht bei circa zwei Milliarden Euro jährlich, sondern lediglich bei rund 1,6 Milliarden einpendeln wird. Das macht, alle Zivilisten und Militärs der Streitkräfte eingerechnet, immerhin noch an die 1,2 Millionen pro Kopf und Jahr. Die gegenwärtige Struktur, so heißt es, sei nicht in der Lage, derartige Summen sinnvoll zu verwalten und zu investieren. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Hintergrund dürften sowohl militärische wie auch verfassungsrechtliche Aspekte sein. Ein hoher Militär im Ruhestand hat es ebenso klar wie brutal formuliert: „Schaut man sich auf der Webseite der Direction de la Défense etwa die Beschreibungen einzelner Komponenten an, gewinnt man den Eindruck, dass für manche die Verbindung zum Stabschef der Armee nur rein beamtenrechtlicher Natur zu sein scheint, während die militärische Befehlskette unbeleuchtet bleibt. Zu oft wird vergessen, wie kritisch solche Fragen sind, wenn es zu erklären gilt, warum etwas einmal nicht nach Plan gelaufen ist. Auch für unsere Partner innerhalb der Allianz ist es nicht unerheblich, ob unsere nationalen Fähigkeiten sich nahtlos in multinationale militärische Befehlsketten einfügen lassen und wer ihre militärischen Ansprechpartner zu Einsatzfragen sind.“ Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich offensichtlich ein gewisser Wildwuchs entwickelt, der schon an der Spitze seinen Ausgang nimmt. Luxemburg leistet sich mit der „Direction de la Défense“ eine komplexe Multifunktionsbehörde, die im Außenministerium angesiedelt ist, aber einem Verteidigungsminister untersteht und irgendwo zwischen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik laviert gemäß dem 3D-Ansatz „Diplomatie, Développement et Défense“. Aus dem Internetauftritt der Verteidigungsdirektion ergeben sich mehr Fragen als Antworten. Es tauchen die Begriffe „Défense“, „Direction de la Défense“ und „Armée“ auf, ihre Abgrenzung bleibt nebulös. Verwirrend ist insbesondere eine Passage, in der es heißt: „La Direction de la Défense est chargée de planifier les investissements et de développer les capacités et moyens militaires et d’identifier des investissements permettant la diversification de l’effort de défense du Luxembourg. Aujourd’hui, la Défense luxembourgeoise et son Armée disposent de capacités et compétences diverses dans des domaines tels que la reconnaissance terrestre, le domaine spatial, aérien ou la cyber défense.“ La Défense et son armée? Bei den Untersuchungen des parlamentarischen Haushaltskontrollausschusses zum Satelliten Luxeosys wurde den Parlamentariern am 14.9.2020 klar, dass Défense und Armee zweierlei Dinge und nicht ausreichend miteinander verzahnt sind. Wer trifft militärische Entscheidungen im Rahmen der Défense – zum Beispiel über einen eventuellen Einsatz des militärischen Satelliten, das heißt eine militärische Aufklärungsmission? Oder über einen Cyberangriff oder eine Cyberabwehr? Ist der Generalstabschef dann lediglich der beamtenrechtliche Vorgesetzte der Offiziere in der Défense, beziehungsweise der Direction de la Défense, oder ist er auch ihr operativer militärischer Vorgesetzter? An wen müssen Verbündete sich wenden, wenn sie einen militärischen Entscheider brauchen? Was hat der Generalstabschef zu sagen und was nicht? Militär lebt wesentlich von der eindeutigen Zuweisung von Kompetenzen, die ihren Ausdruck in einer Befehlskette findet. Wozu dient eine militärische Parallelstruktur im Rahmen des Außenministeriums? Hat die Diplomatie des Außenministeriums irgendwann beschlossen, Kriege künftig selbst zu führen im Sinne von Clemenceau, der einst formulierte: „La guerre! C’est une chose trop grave pour la confier à des militaires“? Während die Défense offensichtlich an einer Space-Patrol bastet, verharrt die Armee in den Niederungen der Siebzigerjahre und kämpft mit einem clash of cultures. Eine ganze
Sven Becker
Das seltsame Verhältnis der Luxemburger Politik zum Militärischen allgemein und zur eigenen Armee im Besonderen wurde mal wieder deutlich, als der DP-Abgeordnete Gusty Graas Ende Juli in der Kammer-Debatte zum neuen Armeegesetz erklärte, man dürfe die Armee nicht mit Landesverteidigung und Kriegführung gleichsetzen. Die Armee diene vielmehr dazu, dass Luxemburg seine Rolle in der Nato erfüllen kann.
Generalstabschef Steve Thull und Tom Köller, Chef der Direction de la Défense, im März 2022 auf dem Herrenberg
Reihe von Problemen bedingen und verstärken sich gegenseitig. Als Schwachpunkt wird immer wieder eine archaische und ineffiziente Führungskultur genannt, die in der Praxis zu überbordender Bürokratie und Mikromanagement führt. Detaillierte Anweisungen zur praktischen Ausführung von Vorgaben ersticken jede Initiative und Eigenverantwortung im Garnisonsbetrieb und finden ihre Ausprägung im militärischen Einsatz als „Führung mit Befehl“. In westlichen Armeen hat sich jedoch seit Jahrzehnten das Prinzip des „Führens mit Auftrag“ etabliert, wobei der Vorgesetzte ein Ziel setzt, die nötigen Mittel zuweist und die übergeordnete Führungsabsicht im Rahmen der Gesamtoperation mitteilt, ohne detaillierte Vorgaben zur Ausführung des Einzelauftrags zu machen. Der Ausführende entscheidet selbst, wie er das Ziel erreicht, wobei er durch Kenntnis der übergeordneten Operationsziele auch bei Lageänderung oder beim Abriss der Kommunikation in deren Sinne handeln kann. Das Personalproblem der Armee
Die Luxemburger Armee ist spezialisiert auf Aufklärung, die weitgehend autonomes und lageangepasstes Handeln im Sinne übergeordneter Führungsabsicht verlangt. Insofern widerspricht die Führungspraxis auf dem Herrenberg dem Geist der Aufklärungstruppe und dem, was Offiziers- und Unteroffiziersschülern an ihren Truppenschulen im Ausland vermittelt wird. Die Diskrepanz führt zu Frustration, zur „inneren Kündigung“, zu „Dienst nach Vorschrift“ und schließlich zum Quittieren des Dienstes, was das ohnehin bestehende Personalproblem noch verschärft. Eine Verlängerung des Freiwilligendienstes auf vier Jahre und die Schaffung von neuen Anschlussverwendungen können punktuelle Entlastung bringen. Deutlich entschärfen könnten das Personalproblem dagegen strategische Vorgaben der Politik zur Schaffung einer ArmeeReserve, die auch die gesellschaftliche Integration und die Akzeptanz der Truppe verbessern würde. Ergänzend zur Armee-Reserve brächte die Einführung des Konzepts des Zeitsoldaten wesentliche Vorteile. Die Aussicht auf Armee bis zur Pension schreckt zunehmend ab und führt durch die Verengung der Pyramide zur Spitze hin zu einem unauflösbaren Stau bei Berufssoldaten. Schließlich kann in einer Pyramide stets nur einer an die Spitze gelangen. Warum nicht nach zehn oder 15 Jahren als Capitaine oder Adjudant der Reserve in eine andere Funktion des Staates wechseln und der Armee als Reservist weiter zur Verfügung stehen? Auch dieses Konzept wird in westlichen Streitkräften praktiziert. Und weiter: Warum nicht Jugendliche mit Interesse an Armee, Polizei oder CGDIS durch ein Armee-Lyzeum abholen? Warum kein Lehrstuhl für Militärwissenschaft an der Uni Luxemburg? Diese Rolle als Mittler zwischen Militärkulturen zu spielen, stünde Luxemburg gut zu Gesicht und wäre ohne
Wer trifft militärische Entscheidungen im Rahmen der Défense? An wen müssen Verbündete sich wenden, wenn sie einen militärischen Entscheider brauchen? Was hat der Generalstabschef zu sagen und was nicht?
Zweifel bei der Nato als Verteidigungsanstrengung absetzbar. Auch ließe sich die Verweildauer unserer Offiziersanwärter an ausländischen Akademien reduzieren, ohne auf die Prägung durch ein internationales Umfeld zu verzichten. Truppendienstliche Erfahrung im Ausland muss selbstverständlich sichergestellt werden. So könnte die sklerotische Bubble Herrenberg aufgebrochen werden, statt weiter einer weithin beklagten Infantilisierung Vorschub zu leisten. Ein Leitbild für die Truppe
Diese kulturelle Transition muss selbstverständlich auch das Leitbild der Truppe umfassen. Der Versuch eines Leitbilds in Form der 2020 neugeschaffenen Werte-Charta darf als gescheitert angesehen und muss erneut in Angriff genommen werden, ohne in pathetische Anachronismen zu verfallen. Militärs und Gesellschaft muss klar sein, wofür diese Armee gegebenenfalls einzutreten hat. Die Streitkräfte sind zwar zuvorderst betroffen und gefordert bei der Stärkung der Verteidigungsanstrengungen, aber angesichts der Dimension dieser Herausforderung muss dies zu einer gesamtstaatlichen Querschnittsaufgabe gemacht werden. Dabei können durchaus Synergieeffekte generiert werden. Es fehlt Luxemburg an Zivil- und Katastrophenschutzkapazitäten – was ein Mangel ist, der angesichts zunehmender klimawandelbedingter Katastrophen sowie einer gewachsenen Gefahr durch Krieg, Terror, Pandemien, Fluchtbewegungen und Unruhen schnellstmöglich behoben werden muss. Im Raum steht die Idee einer militärischen Mehrzweckeinheit (unité médico-sapeur), welche die Fähigkeiten einer Sanitäts- und einer Pionierkompanie vereint und mit dem CGDIS durch Abkommandierung, Ausbildung und Material sowie regelmäßige Wehrübungen verbunden wäre. Nach der regulären Dienstzeit in dieser Einheit verbliebe man im Status des Militärs, wür-
de aber zum CGDIS abkommandiert. Während zwei Wochen im Jahr würden diese Kräfte einberufen, um die Reihen der Einheit zu voller Stärke aufzufüllen, Ausbildung und Übungen durchzuführen. Je nach Lage könnte diese Einheit im Blau des CGDIS oder in Militärgrün eingesetzt werden, das heißt zivil oder militärisch. Sie könnte ganz oder in Teilen bei Katastrophen im In- und Ausland unter nationaler, Nato-, EU-, oder UN-Führung agieren, um etwa in Kriegs- und Katastrophengebieten Infrastrukturen zu sichern, Zeltlager und Feldlazarette zu errichten, zu schützen, zu versorgen und zu betreiben. Frankreich, die Schweiz und Österreich haben derartige Einheiten aufgestellt. Das Konzept passt zur vieldiskutierten Idee des Militärhospitals und trüge auch zur Behebung der anhaltenden Misere im Sanitätsbereich der Armee bei. Gesellschaftlich ist die Idee unumstritten und würde für Luxemburg einen eindeutigen Mehrwert darstellen, der überdies als Verteidigungsbeitrag geltend gemacht werden könnte. Es wäre allerdings illusorisch anzunehmen, dass die Armee ein solches Projekt allein stemmen könnte. Expertise und Unterstützung des CGDIS wären unerlässlich, womit man erneut bei der staatlichen Querschnittaufgabe angelangt ist. Die Armee steht immer bereit, um allen staatlichen Stellen bei Bedarf auszuhelfen. Diese Bereitschaft darf keine Einbahnstraße sein. In Gesprächen mit aktiven und ehemaligen Militärs, aber auch Zivilangestellten, die bei Recherchen zu den letzten Beiträgen zum Thema Militär (d’Land, 23.6.2023 und 15.9.2023) geführt wurden, herrschte Konsens über die Schaffung eines Generalinspekteurs oder Kommissars für die Armee. Das Grundkonzept stammt von der deutschen Bundeswehr, wobei die Idee eines „Wehrbeauftragten“ jedoch auf Luxemburger Verhältnisse angepasst werden müsste: Er solle mehr sein als ein Kummerkasten für Soldaten und umfassendes Zugangs- und Initiativrecht haben und neben periodischen Berichten auch selbstständig Untersuchungen durchführen und Vorschläge machen können. Militärjustiz und Militärpolizei könnten ebenfalls an dieser Dienststelle angesiedelt werden. Eine derartige Instanz, beziehungsweise ihr Vertreter, bräuchte das Vertrauen aller militärischen und zivilen Armeeangehörigen sowie der Politik. Auch die Aspekte des Militärischen müssten ihm vertraut sein. Ein legalistisch-bürokratischer Bremsklotz dürfe keinesfalls entstehen. So könnten Konflikte im vorpolitischen Raum ausgeräumt, Vertrauen geschaffen und die zivile und politische Kontrolle der Streitkräfte gewährleistet werden.
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Die neue Ressortministerin Yuriko Backes von der DP hat ein weites Feld von dringenden Aufgaben zu beackern.
Reiner Hesse ist Politikwissenschaftler und Soziologe. Er hat über Militärpolitik und Militärsoziologie geforscht.
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DIC TAPHONE 4
Der Lauf der Dinge Entretien : josée hansen
Lukas Wassmann
Il semble qu’il y a dans toute votre vie un sentiment d’urgence, qui est dû à cet accident, vous le racontez au début de votre autobiographie : d’avoir frôlé la mort vous a donné conscience que tout peut s’arrêter à tout moment – est-ce toujours ça qui vous fait courir aujourd’hui ? Oui, mais pas seulement. Il y a aussi beaucoup de lenteur, car l’échange avec les artistes prend beaucoup de temps, souvent c’est un vrai ralentissement. Et pour cela, il faut libérer le temps comme disent les artistes Philippe Parreno et Pierre Huyghe, qui ont même créé une association appelée « Les temps libérés ». Je crois que c’est moins une question de vitesse qu’une question d’urgence dans le sens où je n’ai jamais voulu attendre avec les choses que j’avais envie de faire, et que je voulais aborder immédiatement. Certains projets prennent très longtemps, mais je les commence immédiatement. La romancière George Eliot disait que les morts ne sont jamais morts, sauf si on les oublie, et je pense qu’il y a aussi un peu de cette volonté-là dans mon travail avec les artistes : de ne pas oublier les pionniers qui ne sont plus là aujourd’hui et que j’ai eu la chance de rencontrer, de les enregistrer. Je pense que nous vivons un âge où il y a beaucoup d’information, mais pas nécessairement plus de mémoire qu’avant, peut-être même que l’amnésie est quelque part au cœur de cette société d’information. Le travail du curator et du directeur de musée, c’est de travailler avec l’art contemporain aujourd’hui et de réaliser des projets avec les artistes – mais c’est aussi protester contre l’oubli.
Sur Instagram vous avez cette belle habitude de publier quasiment chaque jour une rencontre avec un ou une artiste qui écrit quelque chose à la main sur un post-it puis lit la phrase lui- ou elle-même, mais il y a aussi régulièrement des hommages à des personnes qui disparaissent de cette archive...
Hans Ulrich Obrist
Hans Ulrich Obrist (*1968 à Weinfelden en Suisse) est directeur artistique de la Serpentine à Londres et conseiller principal de la Fondation Luma à Arles. Autodidacte en art et multilingue, il a curaté plus de 350 expositions à travers le monde depuis le début des années 1990 et écrit des centaines de livres. Dans son autobiographie Une vie in progress parue au printemps au Seuil, il raconte pour la première fois son parcours personnel. Pour ce quatrième entretien de la série Dictaphone, le Land a eu l’occasion de s’entretenir avec lui.
d’Land : Vous avez écrit d’innombrables livres, des livres de théorie de l’art et du curating, des portraits et surtout beaucoup de livres d’entretiens avec des artistes. Or, Une vie in progress, est un livre particulier dans ce corpus, car il s’agit d’une autobiographie, écrite durant la pandémie, lorsque vous ne pouviez plus voyager, ni faire des rencontres avec les artistes ou le public. Le livre se lit très bien, mais pour une autobiographie, j’ai trouvé qu’il était très pudique, qu’on apprenait très peu sur votre vie privée. On y suit sur votre incroyable parcours d’une enfance à Weinfelden en Suisse à cette figure de curateur global que vous êtes devenu – ce fut en quelque sorte un enchaînement de rencontres, avec comme constante cette grande curiosité qui vous a toujours animé.
Hans Ulrich Obrist : C’est intéressant que vous disiez cela, puisque, après tous les livres que j’ai faits, c’est sans doute mon livre le plus personnel jusqu’à maintenant, puisque je raconte l’histoire de ma mère, je
raconte l’histoire de mon enfance et je raconte l’histoire de cet accident qui m’a fait frôler la mort quand j’avais six ou sept ans, qui était vraiment déterminant pour arriver à l’art... Je parle de cette histoire de guérison et de la figure d’Emma Kunz, et je parle de Koo Jeong A, l’artiste coréenne avec qui je vis depuis bientôt trente ans. Peut-être que, comparé à d’autres autobiographies, le livre est moins dominé par des détails intimes, mais il y a beaucoup plus de choses personnelles dans ce livre que jamais auparavant, ce qui est vraiment dû au Seuil. En France, il y a cette belle tradition que des artistes, souvent des écrivains, dirigent des séries dans les maisons d’édition. Au Seuil, Bernard Comment dirige la collection Fiction & Cie, et ce livre est vraiment né grâce à lui, puisque pendant tout le confinement, il m’a appelé tous les jours à huit heures du matin et il disait : « écris » !, et c’est comme ça que je m’y suis mis. C’est lui aussi qui a toujours insisté qu’il fallait que le livre soit plus personnel.
Vous êtes depuis toujours très matinal : aussi bien Markus Miessen que Max Dax, avec lesquels je me suis entretenue auparavant dans cette série, me parlaient du Brutally Early Club que vous aviez lancé en 2006 et qui avait lieu à Londres, Berlin, Paris ou New York – un club de rencontres et de débats à 6h30 du matin ! Oui, parce que je pense que c’est intéressant de créer des salons, mais des salons inclusifs pour le 21e siècle, où les gens peuvent se parler dans un contexte un peu différent. L’idée que nous avions, avec Markus Miessen et d’autres, comme Shumon Basar, c’était de faire
ça tôt le matin aussi pour développer cette idée d’une flânerie urbaine un peu post-situationniste, qu’on pourrait en fait vraiment improviser le jour avant. Parce que quand vous dites « on se voit demain à six heures du matin », personne ne peut dire qu’il a déjà un schedule prévu parce que personne n’a de rendezvous à cette heure-là. Donc les gens ne pouvaient pas dire non et la plupart sont venus à six heures trente, c’était formidable.
« Je pense que nous vivons un âge où il y a beaucoup d’information, mais pas nécessairement plus de mémoire qu’avant, peut-être même que l’amnésie est quelque part au cœur de cette société d’information »
C’est lié à une question de génération : j’ai commencé à travailler avec les artistes quand j’étais très jeune – j’avais peut-être vingt ans et eux en avaient cinquante ou soixante – et ils ont aujourd’hui 80 ou 90 ans. Donc c’est qu’il y a une génération d’artistes qui nous quittent et il faut célébrer leurs œuvres. À la Serpentine, nous consacrons régulièrement des expositions à des artistes pionniers qui n’ont pas encore été reconnus à leur juste valeur – je pense à Luchita Hurtado, à Barbara Chase-Riboud, ou récemment Kamala Ibrahim Ishag et Faith Ringgold, ce sont de très grandes artistes, souvent des artistes femmes. Une grande rétrospective avec un beau catalogue peut tout changer dans la perception publique de leur travail. Et ça, il faut le faire tant que les artistes sont encore là – pour les célébrer et pour, d’une certaine façon, changer l’histoire de l’art et la rendre plus inclusive et plus diverse.
Je trouve que votre livre donne vraiment espoir, parce qu’il raconte l’histoire d’un garçon dans un village perdu de Suisse, Weinfelden, qui, par la rencontre avec les artistes, trouve comme ça son chemin vers le monde de l’art : un artiste aiguille vers un autre, et encore vers un autre, et à chaque fois, ils vous passent un contact, un numéro de téléphone du prochain qui vous intéresse, et ainsi de suite. C’était peut-être aussi une autre époque parce qu’aujourd’hui, tout le monde semble constamment accessible par les réseaux, mais en fait pas du tout. Alors que vous ce que vous avez vécu, c’est comme un conte de fées. Ça me fait plaisir que vous interprétiez le livre comme ça, parce que ça c’est vraiment mon but. Ce livre est une sorte de Do it yourself manual, qui, je l’espère, encourage les gens. Mon approche a toujours été très DIY. J’ai fait des études universitaires, mais dans un tout autre domaine, en économie et écologie, parce que je voulais comprendre dans les années 1980 déjà comment on pourrait inscrire l’écologie dans notre système de société. Mais mon apprentissage par rapport à l’art est complètement autodidacte, j’ai fait mes premières expos dans ma cuisine, après, j’ai trouvé des lieux insolites pour l’art : une chambre d’hôtel, une montagne en Suisse, un musée dédié à Nietzsche. Et j’ai convaincu ces lieux de me donner leur accord, c’était déjà cette idée de ne pas perdre de temps, de chercher moi-même les opportunités. Mon travail de catalyseur, c’est souvent de convaincre des gens et de créer l’opportunité. Une des opportunités était de demander aux artistes quels étaient leurs rêves et essayer de réaliser ces rêves. Dans cette petite ville dans laquelle j’ai grandi en Suisse, il n’y avait même pas de lycée, donc je devais aller à Kreuzlingen, une ville frontalière, d’où on
pouvait nager par le lac jusqu’en Autriche, ou aller à pied jusqu’à Constance en Allemagne, qui a une formidable université. J’ai alors traversé la frontière au moins une fois par semaine pour aller au cinéma ou à des conférences. Car lorsque j’étais lycéen et fils unique dans une petite ville, c’était un peu claustrophobe. En même temps, j’étais entouré de beaucoup de possibilités de voir de l’art, parce que la Suisse a tellement de musées et d’artistes formidables. Donc je pouvais juste prendre le train et sortir de cette petite ville. Après avoir été aussi isolé à cause de cet accident, où je n’ai pas pu faire de sport, et avoir été à la maison pendant si longtemps, j’éprouvais une grande urgence de me connecter au monde via l’art. Je suis d’un genre plutôt extroverti et à seize ou 17 ans, j’ai simplement cherché les contacts des artistes qui m’intéressaient dans l’annuaire et je les ai appelés et les portes se sont facilement ouvertes puisque aussi bien les artistes que les directeurs de musée ou les écrivains que j’ai contactés ont été fascinés qu’un adolescent sache tellement de choses sur leur travail et ait tout lu et veuille les rencontrer. Je pense que c’est très important aujourd’hui de créer des opportunités pour qu’une jeune génération puisse trouver leurs mentors. Il nous manque des écoles qui facilitent cela, puisque tout le monde n’a pas cette intuition ou ce courage. Il faut de nouvelles formes d’écoles, comme l’Institut des Hautes Études en Arts Plastiques que le curateur Pontus Hultén avait fondé dans les années 1990 à Paris et qui accueillit des artistes comme Philippe Parreno, Dominique Gonzalez-Foerster, Absalon, Chen Zhen ou Xavier Veilhan – toute cette génération incroyable qui a été très influencée par cette école qui profitèrent de la guidance de Daniel Buren ou de Sarkis et du carnet d’adresse de Hultén. La Ville de Paris a mis à disposition une salle et ils ont fondé une école postgraduate qui réunit les vingt ou trente artistes débutants les plus dynamiques venant de partout dans le monde, ils les ont fait venir à Paris et ils les ont même payés pour étudier ! Beaucoup d’entre eux y ont trouvé leur mentor. Si vous regardez plus en arrière, il y a eu le Black Mountain College, dans les années 1930 en Caroline du Nord, que j’ai beaucoup étudié. Le Black Mountain College était similaire, très pluridisciplinaire. Il y avait les élèves d’Einstein, il y avait Buckminster Fuller, c’est là que toute l’histoire de l’art américain de l’après-guerre est née : Rauschenberg, Cy Twombly, John Cage, Susan Weil et Dorothea Rockburne ou Merce Cunningham y sont passés. Aujourd’hui, dans le monde, il n’y a plus d’institut comme ça. Comment font les nouvelles générations pour rencontrer leur mentor ? Une rencontre fondatrice comme ça peut être aussi importante que toute une année d’études. Ça manque vraiment aujourd’hui. D’ailleurs, le Luxembourg serait un endroit formidable pour lancer un tel institut. Comme vous n’avez pas d’académie des beaux-arts, ce serait une opportunité de ne pas répliquer le modèle qui existe partout, mais d’inventer une académie totalement différente et peut-être même pas l’appeler académie. En commençant à zéro, on peut inventer quelque chose de beaucoup plus pluridisciplinaire, à l’image du jeu vidéo, qui me fascine parce qu’il va au-delà du clivage entre les humanités, les arts, la science et la technologie.
Je suis persuadée qu’il y a toujours des destins qui se croisent dans la vie, comme dans un film choral, et un des parcours que vous avez croisé avant nous, c’était celui de Marie-Claude Baud qui fut directrice du Mudam au Luxembourg et qui m’avait parlé à l’époque du courage de ce jeune homme ambitieux ayant fait une exposition dans sa cuisine et qu’elle avait vue. Ce que je trouve frappant, c’est que, après, dans vos appartements, la cuisine ne fonctionne jamais, qu’elle sert surtout à stocker des livres. La cuisine a davantage une valeur symbolique que pratique chez vous ? Oui, j’ai toujours eu des livres dans la cuisine, mais je n’ai jamais vraiment cuisiné. C’est que je vis vraiment dans les cafés, qui sont des lieux de conversation – c’est l’idée même de la rencontre, non ? Ce furent les artistes Fischli et Weiss qui ont libéré ma cuisine des livres et ils l’ont transformé en cuisine d’une certaine façon, en y inventant toute une nourriture. 29 visiteurs en tout ont vu World Soup, ma première exposition au début des années 1990, durant les trois mois qu’elle a duré, et après, elle est devenue une rumeur. Il y a surtout eu des visiteurs suisses évidemment, puisque je ne connaissais pas grand monde quand j’étais étudiant, mais il y avait un visiteur qui était venu de Paris, c’était Jean de Loisy, l’ex-collaborateur
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« J’essaie d’être un catalyseur, mon travail c’est de créer des ponts entre les artistes et la société, c’est d’amener l’art dans la société, pas seulement dans les musées. Il faut que ce que je fais soit utile »
Harun Farocki, Serious Games I: Watson is Down (2009-2010)
Harun Farocki GbR
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de Marie-Claude Beaud. Il était venu pour Fischli et Weiss, mais suite à cette expérience de la cuisine, il m’a invité à être le premier résident-curateur à la Fondation Cartier, puisque Marie-Claude avait cette idée d’inviter des curateurs à Jouy-en-Josas, où se trouvait le siège de la Fondation à l’époque.
Justement, vous parlez de l’exposition sur le jeu vidéo au Centre Pompidou-Metz1 : vous y dites que le jeu vidéo est l’esthétique du 21e siècle comme le cinéma fut celle du 20e et le roman celle du 19e. C’est la fluidité entre les disciplines, la transversalité du jeu vidéo ou la versatilité des artistes que vous font dire ça ? Mes observations sont toujours déduites des expériences faites durant les visites d’atelier : je sors dans les ateliers et j’essaie de voir les patterns et de faire des connexions entre ce que je vois. Ces quatre ou cinq dernières années, j’ai vu que beaucoup d’artistes commençaient à inventer leurs jeux, à imaginer des mondes à travers des jeux vidéo. Je trouvais intéressant de les rassembler, de remonter jusqu’aux années 1970-80 où les premiers artistes travaillent avec l’esthétique du jeu vidéo, d’autres font carrément du hacking, puis cela s’amplifie durant les années 2000. Depuis quelques années, nous avons une nouvelle génération puisque les moteurs de jeux vidéo sont devenus beaucoup plus accessibles et donc les artistes non seulement font du détournement ou de répétition du jeu vidéo, mais ils peuvent inventer des jeux eux-mêmes. Il y a plus de trois milliards d’humains
Centre Pompidou-Metz / Marc Domage
Pour moi, c’était très intéressant puisque je n’avais pas du tout d’argent alors, je vivais et travaillais dans les trains – avec un ticket Interrail, je faisais trente villes en trente jours et je dormais dans le train. Mais là, soudain, je pouvais m’installer durant trois mois à Paris pour travailler et je ne suis plus jamais retourné en Suisse pour travailler ensuite. À Paris, j’ai visité 500 ateliers pour faire une cartographie de l’art vivant, de César à Christian Boltanski et Annette Messager. Mais le soir, je suis toujours rentré à Jouy-en-Josas, car il y avait tous les soirs des rencontres que MarieClaude organisait. À cette époque-là, c’était très insolite, cette pluridisciplinarité : il y avait Lou Reed, ou une soirée avec Paul Virilio, Laurie Anderson et Issey Miyake. Très tôt. Marie-Claude a combiné la mode, l’architecture, le design. Aujourd’hui, c’est quelque chose qui est évident, dans la nouvelle génération d’artistes, beaucoup des jeunes artistes ont une pratique complètement fluide entre les disciplines, les artistes sont autant poètes que compositeurs qu’artistes visuels. Pour cette raison aussi il faut des nouvelles écoles, et les institutions doivent réfléchir à comment elles se réinventent – ce que nous faisons avec la Serpentine, par exemple avec nos pavillons dans le parc.
Theo Triantafyllidis, Pastoral, 2019
qui jouent des jeux vidéo dans le monde, c’est plus qu’un tiers de la population mondiale, le secteur est plus grand que l’industrie de la musique et du cinéma combinés. Les jeux vidéo sont profondément collaboratifs, des compositeurs travaillent avec des animateurs, des artistes visuels, des écrivains ou des cinéastes, le son joue un rôle, tout comme la narration. Donc je me demande si le jeu vidéo peut devenir le Gesamtkunstwerk du 21e siècle. Je suis conscient du fait que la notion d’œuvre d’art totale est problématique, puisqu’elle a été marquée par le late Wagner, avec Beyreuth, cette chose accablante où le spectateur est diminué. À mes yeux, c’est l’opposé qu’il faut faire : donner plus de pouvoir au spectateur. Donc je vois l’idée de Gesamtkunstwerk plutôt dans le sens de Diaghilev et ses Ballets Russes, qui rassemblait toutes les disciplines, il travailla avec
Stravinsky, avec Gontcharova, Picasso ou Coco Chanel. Ce qui est en outre très intéressant dans le jeu vidéo, ce sont les mission driven games, qui ont une mission soit écologique, soit politique. D’autres artistes infiltrent des jeux totalement mainstream pour arriver à des audiences faramineuses : Travis Scott ou Ariana Grande qui donnent des concerts live sur Fortnite arrivent à joindre des millions de personnes. L’année dernière, nous avons collaboré avec Fortnite pour créer une « Serpentine virtuelle » sur la page d’accueil du jeu : on a eu 142 millions de visiteurs en deux semaines, c’est énorme ! On pourrait s’imaginer que quelqu’un invente un jeu qui crée une empathie, par rapport à l’environnement, il y aurait des centaines de millions de personnes qui créeraient cette communion avec l’environnement. Ça pourrait changer le monde et devenir une communauté à l’échelle planétaire.
Je suis née la même année que vous et je suis vos activités depuis très longtemps. J’ai cherché dans ma bibliothèque quel était le premier livre que j’aie acheté de vous, c’était Delta X – Der Kurator als Katalysator (Lindinger + Schmid, 1996) – il y avait encore le prix en franc luxembourgeois dessus. Le commissaire d’exposition Marius Babias y dit : « Der Kurator muss verschwinden » – ce n’est pas du tout ce qui s’est passé… C’est très intéressant que vous ayez ce livre puisque l’autre jour, en rangeant mes livres, je l’ai feuilleté et je me suis dit que je continue à être du même avis quand même sur la majeure partie des points. Je pense que cette idée que le curateur doit disparaître, c’est plutôt dans le sens qu’il doit se faire discret dans son exposition, ne pas s’imposer. J’ai toujours eu horreur des curateurs qui viennent avec des concepts et des idées, que les artistes doivent illustrer. Moi, j’attends toujours une épiphanie en rencontrant les artistes, j’écoute et je regarde ce qu’ils font et quels sont les projets dont ils rêvent. J’essaie d’être d’une certaine
façon un catalyseur, mon travail c’est de créer des ponts entre les artistes et la société, c’est d’amener l’art dans la société, pas seulement dans les musées. Il faut que ce que je fais soit utile.
Pour finir, je voudrais encore parler du public justement. Il y a ce bel épisode dans le livre où vous parlez à un chauffeur de taxi qui dit « la Serpentine, c’est pas pour nous » et finalement, sa fille a découvert l’art et l’architecture en visitant un de vos pavillons dans le parc. Vous affirmez que l’art peut arriver chez les gens par d’autres circuits. Comment est-ce que vous concevez l’accès à la culture pour le grand public, quand beaucoup de gens d’autres couches sociales ne se sentent pas du tout concernés par l’offre culturelle ? C’est une question essentielle. Dans ma famille de classe moyenne en Suisse, l’art ne jouait pas du tout de rôle. Il y avait certes des livres, de la littérature à la maison, mais l’art, je l’ai découvert par les illustrations de la guérisseuse Emma Kunz sur l’Aion A, une roche curative que me donnait ma mère : sur le paquet de cette médecine il y avait un petit dessin d’Emma Kunz, que j’ai découpé et collé sur mon mur. Depuis lors, l’art a toujours été associé à l’idée de la guérison et de l’espoir pour moi. Puis il y avait les illustrations de Claude Sandoz sur la couverture de l’annuaire des trains, qui m’a fait visiter une exposition qui lui était consacrée à Saint Gall, j’ai laissé une carte postale pour lui, et il était ravi de me rencontrer. Ensuite, cela s’est enchaîné avec Fischli et Weiss, j’ai assisté au tournage de leur film sur les réactions en chaîne Der Lauf der Dinge (Le cours des choses) et c’est ce qui s’est aussi passé dans ma vie. C’est de là que me vient la conviction que nous ne pouvons pas enfermer l’art entre les murs des musées. Au contraire : les musées doivent sortir de leurs murs avec l’art, il faut qu’on aille dans la société. Il y a beaucoup de possibilités pour faire cela. À la Serpentine à Londres, non seulement l’entrée est
gratuite, mais en plus, pour contourner la peur du public de passer le pas de porte, nous installons chaque année un pavillon dans le parc de Kensington Gardens – cette année, il était conçu par la jeune architecte franco-libanaise Lina Ghotmeh et n’avait pas de murs extérieurs. Chaque année, il y a des millions de gens dans ce parc, des gens de toutes origines et classes sociales, et ainsi, ils rencontrent l’art en se promenant – le pavillon, comme la fille de ce chauffeur de taxi dont je parle dans le livre et qui avait été attirée par les couleurs, la lumière et les formes du pavillon, mais aussi des sculptures, comme actuellement Georg Baselitz, à qui nous consacrons aussi une grande exposition dans le musée. Après, tout le monde ne vient pas au centre de Londres, donc je suis pour des initiatives comme celles des artistes Arthur Jaffa ou Jef Geys, qui ont amené leurs œuvres dans les quartiers ou dans les écoles primaires à travers le pays. Je vois ça comme un des grands devoirs de directeur ou de directrice de musée du 21e siècle : de ne pas attendre derrière les portes. Aujourd’hui, le musée peut aller partout : sur des plateformes digitales ou sur le plus grand écran d’Europe à Piccadilly avec CIRCA. L’art peut apparaître où on l’attend le moins, pourquoi pas aussi dans les gouvernements et les conseils d’administration. Ce serait formidable si le Luxembourg réalisait cette utopie d’un/e artiste dans chaque CA d’entreprise, non ?
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L’exposition World Building - Jeux vidéo et art à l’ère digitale, dure encore jusqu’au 15 janvier 2024 au Centre Pompidou-Metz ; www.centrepompidou-metz.fr 1
Le dernier livre de Hans Ulrich Obrist qui vient de paraître s’appelle Les conversations du Louvre, onze entretiens avec des artistes, publié en co-édition du Seuil avec le Louvre.
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Wege aus der Armut Ginette Jones
Eine Stufe nach der anderen: Überlegungen zur Bedürfnispyramide und Sozialarbeit Patrick Galbats
re Lebensaufgaben freigesetzt werden. Erst wenn die Gedanken nicht mehr um die Zahlung der Miete und das Anschaffen von Kinderschuhen drehen, kann der Mensch aufatmen und zuhören. Dann kann Sozialarbeit die Erweiterung der gesellschaftlichen Kompetenzen anpacken. Laut Volkzählung 2021 haben lediglich 26,3 Prozent der Bevölkerung keinen Migrationshintergrund, da ihre beiden Eltern in Luxemburg auf die Welt kamen. Des Weiteren haben 20,8 Prozent der Bevölkerung mit luxemburgischer Staatsangehörigkeit diese durch Einbürgerung erhalten. Die Mehrheit davon (50 205 Personen) erwarb die luxemburgische Nationalität zwischen 2002 und 2021. Für die Sozialarbeit bedeutet dies, dass ein Großteil der Menschen, die soziale Hilfeleistungen oder Beratungen anfragen, Mühe haben, die Gegebenheiten des luxemburgischen Staates und seiner Institutionen zu verstehen. Nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich. Menschen mit Migrationshintergrund fehlt oft ein familiäres oder soziales Netzwerk, um sie in einer Krisensituation zu beraten oder aufzufangen. Oder aber um die Funktionsweise der Verwaltungen und Prozeduren zu verstehen. Hier kann Sozialarbeit, wenn sie über die notwendigen Ressourcen verfügt, integrationsfördernd wirken.
Sicht aus einem Escher Kaffeezimmer
Irène T. ist geschieden. Seit drei Jahren. Sie hat zwei Kinder. Seit 25 Jahren arbeitet sie in Teilzeit beim gleichen Arbeitgeber. Berufliche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es in dem kleinen Betrieb keine. Irène lebt weiter mit den beiden Kindern bei ihrem Ex-Mann. Die Situation ist sehr angespannt, für alle Mitglieder der Familie. Da der eigene Lohn zu niedrig ist, um eine derzeit geläufige Miete zu zahlen, hat Irène sich bei den staatlichen Wohnungsträgern eingeschrieben. Sie hat eine Absage erhalten, mit der Begründung, dass sie mit ihrem Ex-Mann zusammenlebt und das die kleine Wohnung ihnen gehöre, wenn der Kredit abgezahlt ist. Irene kommt aus einfachen Verhältnissen, sie verfügt weder über ein familiäres noch soziales Netzwerk, welche ihr helfen könnten, eine angemessene Lösung zu finden. Das Appartement zu verkaufen ist derzeit keine Option., und ihr das Geld auszahlen kann der Ex-Ehemann nicht. Irène fängt an, ihre Kraft abzubauen. Die tagtägliche Ungewissheit macht aus der ehemals mutigen Frau eine Zweiflerin. Sie will durchhalten, aber ob sie es schaffen wird, ist unwahrscheinlich. Erste gesundheitliche Schwächen machen sich bemerkbar. Die Sozialarbeiterin steht ihr zur Seite bei Anfragen, die in ihren Kompetenzbereich fallen. Aber eine Wohnung zu finden ist auch ihr unmöglich. Als Caritas und Croix-Rouge-VertreterInnen vor einem Monat im Rahmen der Vorbereitung des Koalitionsprogramms ihre Vorstellungen zur Bekämpfung der Armut in Luxemburg darstellen durften, erwachten bei den relevanten Organisationen und Institutionen der Sozialhilfe hohe Erwartungen an die neue Regierung. Das Armutsrisiko ist in Luxemburg in der Tat in den letzten Jahren gestiegen. Rezent hat das Statec besorgniserregende Daten vorgelegt. Mietpreise, inklusive Zusatzkosten, verschlingen bei einer steigenden Zahl von Betroffenen mehr als die Hälfte ihres Einkommens. Dabei handelt es sich nicht nur um Revis-Bezieher/innen, sondern auch um Menschen, die erwerbsfähig sind. Die Lebensmittelpreise sind in einem Jahr um zehn Prozent gestiegen. Dass Armut somit nicht nur eine Frage des Geldes und der Umverteilung ist, bedeutet dass diese „komplexe Problematik mit vielen Dimensionen“, wie es Formateur Luc
Stabilität und Schutz als auch körperlicher, seelischer, finanzieller und sozialer Sicherheit.
Die vier ersten Stufen der Bedürfnispyramide sind Defizitbedürfnisse: Sind sie nicht erfüllt, hat das Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden
Frieden ausdrückte, eine Herangehensweise braucht, die ebenfalls multidimensional ist. Abraham Maslow1 stellte in seiner fünf-stufigen hierarchisch aufgebauten Bedürfnispyramide dar, wie der Lebensweg des Menschen verläuft, damit man von einem guten Leben sprechen kann. Die vier ersten Stufen der Bedürfnispyramide sind Defizitbedürfnisse: Sind sie nicht erfüllt, hat das Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden. Auf der ersten Stufe stehen die lebensnotwendigen Bedürfnisse wie Essen, Trinken, Sauerstoff, physiologische Bedürfnisse (Kleidung, Witterungsschutz, Wohnen, Schlaf, Sexualität). Die zweite Stufe ist ebenso wichtig zum Überleben. Es handelt sich um die Erfüllung der Sicherheitsbedürfnisse, sowohl im Sinne von
Sind die beiden ersten Stufen erfüllt, kann der Mensch seine sozialen Bedürfnisse (dritte Stufe) angehen: Wunsch nach Kommunikation, Austausch, nach gelebter Gemeinschaft. In der vierten Stufe strebt der Mensch nach der Erfüllung seiner individuellen Bedürfnisse; diese sind von der Eigenart des Individuums geprägt. Es handelt sich um die Bedürfnisse nach sozialem Status, Wertschätzung, Macht oder Anerkennung. Auf der fünften Stufe steht das Streben nach Selbstverwirklichung: Dieses Streben setzt die Erfüllung der untergeordneten Bedürfnisse voraus. Auf dieser Stufe versucht der Mensch seine Fähigkeiten, Persönlichkeit und Kreativität so zu entwickeln, dass das eigene Leben einen für ihn stimmigen Sinn ergibt. Falls es uns in Luxemburg nicht gelingen sollte, die zwei ersten Bedürfnisstufen für und mit den Menschen zu sichern, dann wird nicht nur der Lebensweg der einzelnen Person prekärer, es wird auch zu weniger Akzeptanz der Institutionen führen. Direkte schnelle Geldhilfeleistungen spielen in vielen Einzelsituationen eine wichtige Rolle für die Sicherung der physiologischen Bedürfnisse. Es gilt auch, auf der Ebene der Sicherheitsbedürfnisse anzusetzen. Stabilisierende nichtfinanzielle Maßnahme spielen dabei eine vorrangige Rolle: Der Drahtseilakt besteht darin, dem einzelnen Hilfesuchenden pragmatisch und realitätsgeprüft zu vermitteln, dass der Weg aus der Armut schwierig, aber nicht unmöglich ist. 2021 und 2022 spielten der Teuerungs- und Energiezuschuss diese Schlüsselrolle. Sie nahmen einer weiteren Prekarisierung der Menschen etwas Wind aus den Segeln. Eine effiziente Prozedur des Fonds national de solidarité ließ die Zuschüsse schnell und unbürokratisch bei der Zielgruppe ankommen. Politik vom Feinsten! Stufen eins und zwei der Bedürfnispyramide wurden so gesichert. Falls diese politische Methode in allen Bereichen des Armutsrisikos zum Paradigma würde, wäre der Sprung in Stufe drei, die der sozialen Bedürfnisse, wahrscheinlicher. Erst wenn die Existenz gesichert ist, kann Energie und Handeln für ande-
Die offices sociaux spielen in der Armutspolitik eine wichtige, wenn auch eher diskrete Rolle. Ihre institutionelle Verortung ist für die Umsetzung von Sozialarbeit in den nächsten Jahren wichtig. Aus der Distanz betrachtet scheinen die dreißig kommunalen und regionalen Sozialbüros eine institutionelle Randerscheinung zu sein. Eine Institution als Hilfestelle für Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben oder eine akute Notlage durchlaufen. Dabei ist der Sachverhalt, im Detail gesehen, etwas nuancierter. Und ob die offices sociaux demnächst den zunehmenden sozialen Anfragen eine effiziente institutionelle Antwort geben können, hängt wesentlich davon ab, welche institutionelle Verortung, welcher Zuständigkeitsbereich und welche Vernetzung ihnen zugeschrieben werden. Seit dem Gesetz zur Sozialhilfe aus dem Jahr 2009 haben die Sozialbüros den Siegel der öffentlichen Einrichtung (établissement public), um ihre legale Mission auszuführen. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen EinwohnerInnen, die in einer legal regulären Situation sind. Als qua Gesetz 2011 das Recht auf soziale Hilfe eingeführt wurde, entstand für die Verantwortlichen der offices sociaux die Herausforderung, sich institutionell neu aufzustellen. Schnell und kompetent, juristisch geprüft, in Methoden der Sozialarbeit eingebunden, so muss jede Anfrage innerhalb von 25 Tagen beantwortet werden. Ein Kraftakt für die Verwaltungsräte und Mitarbeiter/innen der einzelnen Sozialbüros, den die meisten bisher mit Bravour bestanden haben. In Notsituationen wird oft in weniger als 25 Tagen eine Hilfe zugestanden. Nur: Wie lange noch? In den nächsten Jahren müssen die Sozialbüros ihre Professionalisierung fortsetzen können. Die offices sociaux sind in die kommunale und regionale Realität eingebunden. Im Dialog mit den Gemeindeverantwortlichen, lokalen Arbeitgebern, Ärzten und Vereinigungen können Direktlösungen in Einzelfällen schnell und unbürokratisch umgesetzt werden. Hier kann Politik noch mehr positive Unterstützung geben und schwerfällige – zum Teil kontraproduktive – Prozeduren verhindern oder abschaffen. Als établissement public garantiert die institutionelle Einbindung der offices sociaux eine Kontinuität der Sozialarbeit auf dem Gebiet der Gemeinden. In ihrem Arbeitsalltag im Sozialbüro sind Sozialarbeiter/ innen mit sehr unterschiedlichen Anfragen konfrontiert. Zum Berufsbild des Sozialarbeiters, ein vom Gesetz von 1992 geregelter Gesundheitsberuf, gehört es, auf der Basis eines zu erstellenden Vertrauensverhältnisses, Schritt für Schritt die Autonomie des Menschen aufzubauen. Dieses Langzeitziel stellt eine Win-win-Situation dar, für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Im office social läuft Sozialarbeit auf zwei verschiedenen Zeitschienen ab: Berechtigterweise erwartet der Klient eine schnelle Antwort auf seine Anfrage (Kurzzeit). Falls die persönliche Handlungsweise des Klienten das eigentliche Problem ist, sollten mit ihm gemeinsam Maßnahmen überlegt werden, die angepasster sind (Langzeit). Das bedeutet, dass mit der sofort gegebenen Kurzzeit-Lösung auch schon eine Lang-
zeit-Lösung angeboten werden kann – zumindest als Möglichkeit eines nachhaltigen Weges aus der Armut heraus. Da jedoch jede Lebenssituation spezifisch ist, sind automatisierte Maßnahmen keine Lösung. Die systemische, detaillierte Analyse (Anamnese) ist in jedem einzelnen Fall nötig. Das braucht Zeit, Sachkenntnis und professionelles Fingerspitzengefühl. Die angebrachten Lösungsschritte für die Situation der alleinerziehenden Mutter sind meilenweit entfernt von der einer alleinlebenden chronisch kranken Person, deren Umzug in eine Institution organisiert werden muss. Für die Sozialarbeit im Office social bedeutet das Recht auf Hilfe für jeden Einzelfall, dass der Anfrage des Menschen binnen 25 Tagen eine Antwort gegeben wird. Aus gutem Grund, da es sich in vielen Fällen um die Sicherung der Bedürfnisse der ersten und zweiten Stufe der Bedürfnispyramide handelt. Für die interne Organisation des office social bedeutet das, dass personelle und prozedurale Ressourcen vorhanden sein müssen, um den komplexen und heterogenen Anfragen Herr zu werden. Der Klient bekommt schnelle Hilfe (etwa finanzielle Hilfe bei Überschuldung) währenddem die angestrebte Verbesserung und Autonomisierung zeitintensive Prozesse voraussetzt (Einzelgespräche, Begleitung, Netzwerkarbeit). Sozialarbeiter/innen im office social können als „Allgemeinmediziner“ der Sozialarbeit verstanden werden. Sie handeln im Rahmen der legalen und reglementarischen Gegebenheiten der Sozialhilfe. Sie treten an andere Institutionen und Fachorganisationen heran, wenn dies im Sinne der Klienten ist, oder wenn andere Kompetenzen und Expertise nötig sind. Diese externen Akteure sind sowohl staatliche Institutionen als auch karitative Vereinigungen. Erschwerend für eine reibungslose Zusammenarbeit können verschiedene Faktoren sein: Unwissenheit über die jeweiligen Zuständigkeiten, Silodenken, unklare Prozeduren, unprofessionelles Handeln… „Case management“ mit einer designierten Referenzperson muss die Antwort sein auf die „Zerstückelung” des Menschen durch unterschiedliche Akteure. Für Sozialarbeit insgesamt, und leider auch für die offices sociaux, stellt der Personalmangel in den Gesundheitsberufen ein Problem dar. Gut ausgebildete Sozialarbeiter/innen werden gebraucht. Das Berufsbild des „Allgemeinmediziners“ der Sozialarbeit muss weiter geschärft werden. Für die Ausbildung zum Sozialarbeiter bedeutet das, die derzeitige Ausbildung an der Uni.lu so schnell wie möglich praxisorientierter zu gestalten. Eine Masterausbildung, im Verbund mit einem EU-Mitgliedsland oder der Schweiz, wird unumgänglich angesichts der zunehmenden Kompetenzen, die gefordert sind, um soziale Entwicklungen zu verstehen, Lösungen zu entwickeln und Organisationen zu leiten. Last but not least ist die angemessene Digitalisierung der Sozialarbeit eine Herausforderung der nächsten Monate und Jahre. Digitalisierung kann ein wichtiger Baustein in der Armutsbekämpfung sein. Das Dossier social partagé (DSP), nicht zu verwechseln mit der Krankenakte, wurde ins Gespräch gebracht. Um dem Klienten zu erlauben, „seine“ Situation digital zur Verfügung zu haben, würde das DSP unter Einbeziehung und mit der Einwilligung der Person eingerichtet. Die laufende Verwaltung davon bleibt in der Zuständigkeit der Person im Hinblick auf eine autonome(re) Lebensführung. In einer ersten Lernphase könnte sie sich einen Digi-Coach dazu holen. Das DSP soll einen schnellen, unbürokratischen Umgang bei Anfragen ermöglichen und eine Redundanz von Amtshandlungen mindern oder sogar ganz abschaffen. Der Klient könnte einer Verwaltung im Rahmen einer Anfrage (z.B Mietzuschuss) Zugang zu seinen persönlichen Daten geben. Somit könnte der Verwaltungsablauf schneller gestaltet werden. Und der Klient käme schnell in den Genuss einer Hilfe, die für ihn oder sie eine wesentliche Unterstützung darstellt.
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Abraham Maslow(1908-1970) amerikanischer Psychologe und Vertreter der Humanistischen Psychologie. Entgegen dem orthodoxen Behaviorismus und der für ihn zu sehr mit Krankheiten beschäftigte Psychoanalyse entwickelte er eine Motivationstheorie, die in der Bedürfnispyramide zusammengefasst ist. 1
P O L I T I Q U E
Eric Thill, ministre de la Culture La culture a été un ressort peu débattu et un des derniers portefeuille distribué. L’arrivée d’Eric Thill aux Terres Rouges a pris tout le monde de court. Le jeune libéral, bourgmestre de Schieren, est un inconnu dans le monde culturel. Il doit plutôt sa nomination à son relativement bon score dans la circonscription nord, où il a terminé quatrième derrière les poids lourds que sont Fernand Etgen, André Bauler et Marc Hansen. La figure d’André Bauler, aurait d’ailleurs été moins surprenante au vu de son engagement dans la commission de la culture à la Chambre et dans l’association De Cliärrwer Kanton. Très tôt engagé en politique, dans les pas de ses parents, membres du DP et de son grand-père, ancien échevin de la commune, Eric Thill avait attiré les projecteurs en devenant, en 2019, le plus jeune bourgmestre de l’histoire du Luxembourg à 25 ans. Il affiche sa jeunesse comme un gage de réussite, affirmant lors de la campagne électorale, « apporter un souffle d’air frais » et « mettre en œuvre de nouvelles idées ». Économiste de formation et titulaire d’un master en gouvernance européenne (les deux diplômes obtenus à l’Uni.lu, l’ancrage local étant privilégié), le futur ministre n’affiche pas une audace démesurée sur le plan artistique. « Son bureau à la mairie est décoré de trois tableaux imprimés sur toile : la Panthère rose, Picsou et un graffiti Banksy, détournés et combinés à des sigles de marques et de magazines de luxe. Un penchant pour le style coloré et pop qu’affectionne également Xavier Bettel », notait le Land dans un
portrait il y a un an (photo : Sven Becker). Lorsque Guy Arendt (lui aussi DP) avait été nommé secrétaire d’État à la culture, il avait admis ne pas être connu du secteur, tout en mettant en avant sa commune, « Vous connaissez les Walfer Bicherdeeg ». Eric Thill fera peut-être de même en valorisant les fresques romaines découvertes à Schieren. Ces trésors archéologiques font l’objet d’analyses auprès du Centre d’étude des peintures murales romaines de Soissons, en Picardie. Le ministre sera peut-être tenté de mettre sa commune sur la carte des lieux culturels. Sa deuxième casquette, en tant que ministre du Tourisme, pourrait orientera sa politique en ce sens. Ce sont deux ministères qui sont appelés à développer des synergies, notamment autour de la valorisation du patrimoine et des sites culturels en région, ce que prônait le programme du DP en la matière. Ce programme ne disait rien sur le volet social du soutien aux artistes et il y a fort à parier que les associations et fédérations professionnelles aiguisent déjà leurs armes pour contester d’éventuels accents trop libéraux dans la politique du ministère. D’aucuns supposent que Nancy Braun, qui figurait sur la liste DP dans le Sud, pourrait devenir première conseillère de Thill. Ce qui fait grincer les dents de ceux qui se sont frottés à ses choix et à son caractère, notamment pendant l’année culturelle Esch2022. Les paillettes du cinéma étant aux mains du ministère de la Communication et des Médias, c’est Elisabeth Margue qui montera les marches de Cannes. fc
Land
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17.11.2023
K U LT U R
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We won’t let it happen again La carte blanche du Land est confiée ce mois-ci à Marie Lavis, illustratrice, animatrice et graphiste. Elle s’est formée à l’Atelier de Sèvres (Paris, 20142015) puis en communication visuelle à la HEAD - Haute Ecole d’Art et de Design (Genève, 2015-2018). Désormais basée à Luxembourg, elle est aussi fascinée par la musique, qu’elle intègre autant que possible dans son travail (elle a signé des illustrations pour Bobby McFerrin, le Metropole Orkest ou le Montreux Jazz Festival). Marie Lavis considère que l’expression visuelle et artistique peut se trouver partout : « un visuel immense sur un mur, tout petit imprimé sur la couverture d’un carnet, un motif sur un tissu que l’on porte, une animation dans un clip vidéo, ou une photo sur une affiche imprimée en masse. » Ses inspirations vont de Jean-Charles de Castelbajac,
Hervé Tullet à Christophe Niemann. On a pu récemment voir une de ses réalisations dans le cadre de l’exposition Flip off aux Rotondes. We won’t let it happen again réalisé pour le Land au feutre noir sur papier est un dessin ancré dans l’actualité, « une réaction instinctive aux émotions liées à la situation de guerre actuelle, et aux impacts racistes qu’elle engendre qui nous ramènent presque cent ans en arrière ». Son dessin doit exprimer un espoir d’amour et de rassemblement. « C’est un encouragement à marcher ensemble vers la lumière, à écouter et recueillir les larmes des uns et des autres ». fc
H O M M AG E
Überlebende der Schoah Von der breiten Öffentlichkeit fast unbeachtet überreichte die RenéOppenheimer-Stiftung vergangene Woche ihren gleichnamigen Preis im Nationalen Resistenzmuseum an die beiden Überlebenden der Schoah, Gerd Klestadt und Claude Marx. Als letzte in Luxemburg noch wirkende Zeitzeugen wurden sie für ihr Engagement zur Erinnerung an die Schoah ausgezeichnet, die sie in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere an Schüler/innen weitervermittelten. Während Marx den Zweiten Weltkrieg in einem kleinen Städtchen im Berry überlebte, war Klestadt mit seinen
Eltern im Konzentrationslager Bergen-Belsen interniert. Die Laudationen hielten Laurent Moyse, Präsident, und Anina Valle Thiele, Mitglied der Stiftung. Benannt ist der Preis nach dem im Alter von 13 Jahren von den Nazis deportierten und 1944 in Auschwitz ermordeten René Oppenheimer. Sein Vater Alfred hatte die Stiftung 1991 ins Leben gerufen, um vor den Gefahren von neonazistischen Bewegungen, Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu warnen. Der Preis wird jährlich vergeben. ll
M U S I K
Meditativ Wer neben der Büchersuche in Walferdingen noch weitere, dem Wetter angepasste Beschäftigungen sucht, wird vielleicht im hohen Norden fündig, wo am morgigen Samstag das Festival Odo Sonoritas zum zehnten Mal stattfindet. In der St-Odon Kirche in Stolzemburg (Kanton Vianden) beginnt um 16 Uhr ein Programm, das zeitgenössische sowie Alte Musik und gregorianische Gesänge in sich vereint (das Potenzial
für meditative Stimmung ist bei letzteren bekanntlich hoch). Der Chor Les Chantres du Thoronet, die sich um den französischen Sänger Damien Poisblaud gebildet hat, wird im ersten Teil der Veranstaltung den gregorianischen, fünfteiligen Codex Calixtinus aus dem 12. Jahrhundert darbieten, eine Mischung aus Liturgien, Aufzeichnungen von Wundern und Chroniken, etwa von Karl dem Großen und Roland. Nach einer Pause mit Glühwein geht es ab 19.30 Uhr weiter mit der Sopranistin Valérie Stammet, die gerade ihren Master-Abschluss im Operngesang in Maastricht macht und ein zehnminütiges Konzert mit Stücken von Hildegard von Bingen singen wird. Tempus Est Iocundum, ein weiterer Programmpunkt, ist das 1976 gegründete Projekt des Klarinettisten und Komponisten Johny Fritz, der langjährig am Stater Konservatorium unterrichtete. Das Ensemble Noise Watchers Unlimited ist für den zeitgenössischen Teil zuständig. Es besteht aus Aniela Stoffels an der Querflöte, Malou Garofalo an der Klarinette und Alice Pétré an der Harfe und wird Stücke von Johny Fritz, dem luxemburgischen Komponisten Georges Sadeler (die eigens für das Ensemble komponiert wurden) und dem Italiener Luciano Berio performen. Der Eintritt ist frei. sp
Francofolies, le retour L’année dernière, entre Orelsan, DJ Snake et Angèle (photo : Hadrien Friob), le public des Francofolies avait été gâté en
L I V R E S
Bicherpräis
stars hexagonales. La quatrième édition, du 6 au 9 juin 2024, toujours au Gaalgebierg et dans les salles eschoises, annonce également du lourd. En commençant par la fin : David Guetta en clôture le dimanche soir. Le programme brasse dans les styles variés avec le poids lourd du rap Ninho, ainsi que les autres tenants des musiques urbaines Tiakola, Luidji ou Baby Volcano. Côté rock on ne manquera pas l’étape de la tournée d’adieu du groupe Shaka Ponk. Les amoureux de l’électro lorgneront du côté de Lost Frequencies, Meute, Apashe et même carrément techno pour finir la nuit de samedi avec Ascendant Vierge. Penchant plus vers la chanson, L’Impératrice, Olivia Ruiz, Zaho de Sagazan ou Julien Granel boucle un line up suffisamment éclectique pour plaire au plus grand nombre. Côté local, après Bartleby Delicate et Maz en 2022, Pleasing et The X en 2023, deux autres formations luxembourgeoises bénéficieront de l’accompagnement du programme Franco Fabrik pour être figurer sur la liste des artistes du festival. Le pass de trois jour est actuellement au prix de 110 euros, il deviendra plus cher en se raréfiant. fc
Les Walfer Bicherdeeg se tiennent ce week-end avec pour thème Dire le monde, lire le monde, un fil rouge qui doit « appréhender les nouveaux regards que porte la littérature sur les défis d’aujourd’hui ». L’intelligence artificielle prend ainsi sa place parmi ces nouveaux regard avec la présence de Misch Strotz, créateur de Letz AI, et les images d’Eric Schockmel. Les lectures des deux auteurs en résidence, Florence Sunnen et Maxime Weber, accompagnés par la musique de Bartleby Delicate constituent un moment-phare dans le vaste programme. Ce rendez-vous est important pour les maisons d’édition qui présentent leurs dernières publications et accueillent les auteurs pour des rencontres et des dédicaces avec les visiteurs. Un hall est consacré au marché du livre d’occasion et une zone spéciale est dédiée aux enfants, Books for Kids. Au total, 175 exposants seront présents cette année. Jeudi soir, la Fédération des éditeurs a annoncé les lauréats des Lëtzebuerger Buchpräis. Dëst ass net däi Liewen, le nouveau roman de Claudine Muno (Op der Lay) remporte le prix dans la catégorie Littérature. Du côté des beauxlivres, Aline-Mayrisch-de SaintHubert 1874-1947 de Germaine Goetzinger (éditions Guy Binsfeld) sort vainqueur. D’Rommel Bommel an hir Frënn de Charlotte Reuter et Lynn Cosyn (Ernster Editions) est récompensé comme meilleur livre pour enfants. Le public a
salué Anja Di Bartolomeo et son Koma21 (éditions guy binsfeld). Enfin, To LIVE heißt Leben und LIEBE heißt Love de Fabienne Hollwege remporte le prix du design (encore aux édition guy binsfeld). fc
T H E AT E R
Scharfzüngig Nach Anne Simons Inszenierung von Viel gut essen vor sechs Jahren gab es diese Woche mit Und jetzt: Die Welt! ein weiteres Stück von Sibylle Berg im TNL zu sehen. Berg ist im deutschsprachigen Raum ein kleiner Star, war langjährige Spiegel-Kolumnistin, ihre Werke wurden in 34 Sprachen übersetzt. Sie seziert den Zeitgeist und die mit ihm einhergehenden Lifestyle-Trends mit scharfer Zunge. Und jetzt: Die Welt! wurde 2013 am Maxim Gorki Theater in Berlin uraufgeführt und weist Perspektiven von vier Frauen Anfang 20 auf, die vernetzt und doch einsam, kritisch und doch angepasst, verspielt und doch pragmatisch sind. Der Tagesspiegel nannte das als Monolog geschriebene Werk nach der Aufführung eine „Zelebrierung des geistigen Komplett-Amoks“. Liss Scholtes inszeniert es im TNL, es spielen Rosalie Maes und Lisa Marie Janke. Die Dernière findet am morgigen Samstag statt. sp
Tablo
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K U LT U R
17.11.2023
Aiyana Schier
Traces urbaines France Clarinval
Julien Hüsch s’affirme comme un des artistes les plus intéressants de sa génération, du point de vue conceptuel comme formel La série my motocycle de Julien Hübsch (né à Esch en 1995) comprend quinze pièces commencées il y a environ un an, dans le cadre de ses études à la Hochschule für Grafik und Buchkunst de Leipzig et finies à Mayence quelques mois plus tard. Ce sont de petits tableaux (35 x 25 cm) recouverts de caoutchouc noir. La manière de plier et de clouer le matériau est à chaque fois différente et laisse entrevoir plus ou moins du verso jaune vif. Les œuvres VII, IX et XIII de la série ont été couronnées du prix Grand-Duc Adolphe. Ce prix doté de 5 000 euros est décerné tous les deux ans à « la meilleure œuvre d’art » présentée lors du salon du Cercle artistique Luxembourg (CAL). Pour l’heure en résidence à la Cité internationale des arts à Paris, l’artiste nous dit son étonnement face à cette récompense qu’il croyait « destinées à des artistes plutôt en milieu ou fin de carrière ». À 28 ans, il est en effet le plus jeune lauréat de cette distinction. Ce que le jury n’a pas manqué de faire remarquer dans sa déclaration : « Malgré son jeune âge, le jury a constaté une réelle cohérence et une grande maturité dans son œuvre ».
Florent Ling
Accrochage à la Cité des arts de Paris
Gants de chantier et vernis à ongles
Cette maturité va de pair avec une ambition ou plutôt une volonté de tracer une voix personnelle, de trouver un chemin « honnête et sans compromis ». Après des débuts déjà remarqués dans le cadre luxembourgeois (Generation Art, Biennale d’art contemporain de Strassen, Young Luxembourgish Artists, Hariko), Julien Hübsch décide de repartir d’une page blanche. « Je ne voulais pas être celui qui peint pour les besoins décoratifs des maisons luxembourgeoises. » Sans s’éloigner trop non plus du pays, il choisit Mayence et la classe « Expanded Painting » de Shannon Bool à la Kunsthoch-schule. Cela correspondait à sa façon de considérer son art : « ma langue est toujours celle de la peinture, mais en utilisant d’autres moyens, plus grands, plus liés à l’environnement et à l’installation. » L’artiste apprécie aussi la petite taille de cette ville où les étudiants connaissent moins de pression qu’à Berlin ou Paris. Cette formation, complétée à Leipzig, lui permet de « faire l’art que je voulais faire. » Un parcours qui l’autorise aussi à revenir à son Minett natal. « J’ai mis quelques années à comprendre que c’était OK de parler du Luxembourg, de la sidérurgie. Pas de manière nostalgique ou romantique, mais avec mon vocabulaire contemporain. »
Julien Hübsch
Julien Hübsch choisit généralement des matériaux bruts, trouvés sur des chantiers ou dans l’espace urbain, qu’il transforme, détourne, recrée. Ces matériaux jouent un rôle prépondérant et servent de point de départ à ses œuvres qui se déclinent sous diverses formes : installations, assemblages, peintures élargies et sculptures. Ce qui focalise l’intérêt de l’artiste sont les transformations des matériaux lorsqu’ils sont placés dans de nouveaux contextes. Il travaille ces matériaux comme il utiliserait de la peinture ou du bois dans le cadre d’une recherche graphique. Le résultat de la composition s’avère généralement assez radical dans la réduction des couleurs et des formes. Ces œuvres fonctionnent comme des citations de la ville, comme des extraits de ces moments d’architecture. Au point du vue de la matière, la série my motocycle ne fait pas exception : le caoutchouc provient d’un tuyau trouvé dans la cour de son atelier à Leipzig, « un fragment de ce qui m’entoure, de cet endroit où vivent de nombreux étudiants en art ». La citation s’élargit cette fois à un autre aspect que l’environnement citadin : Parmi les « tas de trucs avec lesquels on pourrait faire n’importe quoi », le choix de ce caoutchouc a été guidé par un intérêt pour l’univers cinématographique de Kenneth Anger. Ce réalisateur américain, décédé en mai dernier, mêle dans ces courts-métrages expérimentaux surréalisme, homoérotisme, substances psychotropes et occultisme. En particulier, Scorpio Rising (1964) se focalise sur la figure émergente du biker (Easy Rider sortira en 1969). Le film alterne des images du Christ issues de films religieux à petit budget avec celles de motards en cuir noir ou de figures nazies. « J’ai été intéressé par les codes et les thématiques très contemporaines sur la masculinité queer. Le matériel souple et doux que j’ai utilisé peut rappeler le cuir, les clous donnent un côté dangereux et sexy ».
Installation dans l’atelier parisien
Plus encore que l’emploi de matériaux trouvés et industriels, le travail de Julien Hübsch implique souvent la réutilisation et le recyclage d’éléments de ses projets antérieurs. Sa démarche n’est pas tant écologique que conceptuelle. Il s’agit de prendre conscience de la façon dont le matériau est traité et des traces laissées par les utilisations précédentes. Il cite une suite d’expositions pour lesquelles il a puisé dans l’environnement de la Schmelz, et retravaillé les mêmes objets, les mêmes carrelages, documents, rebuts, bâches, pierres, bois en les plaçant dans de nouveaux contextes : au Bâtiment IV en 2020, au CAW de Walferdange l’année suivante, puis encore au Cueva ou à Mayence… À chaque fois, une nouvelle recherche est menée en fonction du lieu, les idées sont remises sur le métier, les pensées retravaillées dans un soucis d’adaptation et de flexibilité, « L’exposition correspond à un moment donné et une configuration finale pour cet espace. Une fois l’exposition terminée, l’œuvre redevient un matériau. Les possibilités sont alors infinies. »
Plus encore que l’emploi de matériaux trouvés et industriels, le travail de Julien Hübsch implique souvent la réutilisation et le recyclage d’éléments issus de ses projets antérieurs
L’utilisation des matériaux récupérés principalement dans l’espace public et leur traitement, n’est pas sans évoquer l’esthétique brute des interventions urbaines telles que les graffitis, le vandalisme, les protestations et les actions artistiques illégales. On utilise parfois le terme de « post-vandalisme », inventé par l’artiste Stephen Burke en 2019, qui le distingue de l’art urbain. Il travaille avec les mêmes outils, dans le même contexte, mais, plutôt que d’ajouter des couches sur les murs, Julien Hübsch s’intéresse aux traces quotidiennes créées par l’homme. Le résultat esthétique recherché apparaît plutôt par soustraction, suppression, recomposition, effacement. Il dépouille les objets de leur fonctionnalité ou retravaille en atelier les matériaux les rendant inutilisables. « En enlevant quelque chose, on lui donne plus de pouvoir. » Le travail que l’artiste mène actuellement à Paris, dans le cadre d’une résidence de recherche et de création va dans ce sens. Son projet walls/ origins/ replacements s’intéresse à l’histoire du graffiti, non seulement à travers la technique de l’utilisation de la peinture en spray, mais aussi à propos de l’importance de l’espace public en tant que terrain de jeu. Ses recherches le conduisent à s’intéresser à Gérard Zlotykamien (surnommé Zloty), considéré comme le pionnier de l’art urbain en France, le premier à avoir utilisé la peinture en spray sur les murs, dès 1963. Par un concours de hasards heureux, cette personnalité a émergé plusieurs fois en l’espace de quelques semaines cet automne : l’octogénaire expose au Palais de Tokyo (dans le cadre de Lasco Project), la Galerie Mathgoth lui consacre une rétrospective et une monographie paraît. Cela donne à Julien Hübsch l’occasion de rencontrer ce « grand-père mignon qui sait très bien ce qu’il vaut » et d’orienter son travail plus précisément autour de cette figure. Il retrouve ainsi une quarantaine de lieux où Zloty avait peint ses Éphémères. Suit alors un long processus créatif de transformation. L’artiste photographie les murs, forcément repeints et où, plusieurs décennies après, plus rien ne laisse entrevoir les traces des graffitis. Il retravaille ces images numériquement, en leur appliquant systématiquement un filtre noir et blanc aux contrastes marqués et au fort grain, inspiré des photographies de Daido Moriyama. Finalement, il les imprime sur des feuilles jaunes, créant ainsi environ 80 fiches entre documentation et expérimentation. Ce mercredi, Julien Hübsch ouvrait les portes de son studio parisien dans le cadre des rendez-vous hebdomadaires Ateliers ouverts : Pratiques ralenties. Une occasion de montrer le travail en cours au public et aux autres artistes résidents. En plus de ses panneaux jaunes, il a rassemblé et retravaillé des objets et matériaux glanés sur ses trajets. « Pour aller voir les lieux où avait graffé Zloty, je prenais le même métro, croisais le même chantier, le même bar : les traces que j’emporte entrent en dialogue avec les documents ». Le travail en résidence séduit de plus en plus d’artistes et Hübsch est du nombre. « Je peux ainsi me concentrer sur un volet de recherche, un projet qui existe par lui-même. » Il a postulé pour une autre résidence l’année prochaine à Montréal et espère revenir à Paris pour travailler sur les traces laissées par les Jeux Olympiques. Le début de l’année prochaine sera chargé en projet : une exposition à la galerie Reuter Bausch en janvier, une autre au centre d’art de Dudelange en février (où il devrait montrer le résultat de ses recherches parisiennes) et, plus tard, une exposition monographique à la Galerie Schlassgoart. Tout cela en continuant à jouer de la guitare et à chanter pour ses deux projets musicaux The Choppy Bumpy Peaches ou Sheebaba. Jusqu’ici, il tenait à séparer le plasticien du musicien, « histoire de donner une chance aux deux pratiques, avec moins de pression ». Les deux faces de l’artiste semblent désormais s’accorder, après avoir par exemple joué au Casino Luxembourg lors de la Nuit des Musées. Pas étonnant dès lors que le son de Sheebaba est décrit « artschool-wave » et que les concerts tiennent de la performance. Le post-vandale brouille les pistes pour rebondir là où on ne l’attend pas.
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17.11.2023
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UN LIVRE, UNE EXPOSITION
Kirchberg, terrain de mission photographique Lucien Kayser
Piéton du quartier, Christian Aschman s’est fait archiviste, documentaliste, il s’avère artiste plasticien
LK
Gauthier Bolle, à la fin de son texte, parle du Kirchberg comme d’un miroir, des ambitions variées du Fonds, dira-t-on aussi, des rêves et visions de ses directions successives, des institutions et des hommes qui s’y sont installés. Christian Aschman en déploie les témoignages somptueusement, avec beaucoup d’art.
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LËTZEBUERGER SPROOCHATLAS 1900
LËTZEBUERGER SPROOCHATLAS 1900 Laut- a Formenatlas 1 80 1 86 1 85 18
Alain Atten | Claude Schmit
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123 Pärelen aus der Lëtzebuerger Sprooch
De Band 3 vum Lëtzebuerger Wuertschatz presentéiert 294 lëtzebuergesch Bezeechnunge fir Uebst- a Geméiszorten, fir Kraider, Gewierzer an Nëss. Natierlech mat hiren Iwwersetzungen aus dem Lëtzebuerger Online Dictionnaire.
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117 quant jéinesch Wierder
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IV LËTZEBUERGER WUERTSCHATZ
Dréischel
Zwac kert,
Kuff d'Schmull an dibber nobes!
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n D'Pa + d'Schong
Wakelter, klaken Mais a Majiskraut:
Achelen, Bugger, Kittchen, Schécks, Straubejitzert, Wammes:
Vun
LËTZEBUERGER WUERTSCHATZ
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Mir war de Kolli bal geplatzt!
Rousemaräin an
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Elo ass d'Bëtschel
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III
D'Pan klaken an d'Schong voller Féiss
Enfin, Christian Aschman a déjà été qualifié plus haut d’artiste plasticien, terme employé de nos jours au-delà de la peinture et de la sculpture. L’origine grecque du mot l’autorise, le suggère quand il est question de donner forme, en l’occurrence le photographe le fait après coup, une deuxième fois, et tant de photos de Christian Aschman frappent fortement par leur plasticité. De l’autre côté, parlons de picturalité, de graphisme, et la photographie prend alors une qualité qui s’apparente, malgré son caractère lisse, à la matière travaillée par le pinceau ou la brosse du peintre. C’est vrai de telles terres labourées, simplement retournées ; les jeux de lumière et d’ombre, ceux des couleurs (au hasard de la saison, de la journée) ont d’autre charmes.
Alain Atten | Claude Schmit
An de Librairie n an op heydoo.lu
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Christian Aschman s’est donc fait piéton du Kirchberg, l’arpentant d’ouest en est, montant dans les tours, prenant les meilleurs points de vue sur les terrasses et les toits. Il l’a fait au fil des saisons, avec la chance d’une journée où le paysage s’était couvert de neige, en février 2022, une seule journée, il fallait la saisir, la fixer. Double valeur historique de ses pérégrinations : comme le changement s’y opère à vue d’œil (de caméra), il a agi volens nolens comme archiviste, d’une situation appelée très vite à changer, mais c’est le propre du photographe de retenir ce qui est possible du temps fuyant ; comme documentaliste ensuite dans son souci d’une somme où rien d’essentiel ne manquerait. Bien plus, dans l’ambition de faire découvrir des aspects moins connus, et l’on sait que dans ce sens l’homme est moins fureteur que la caméra. Plus apte à toutes sortes de rapprochements, d’accumulations. Le Kirchberg comme vous ne l’avez guère vu.
À tort ou à raison, le visiteur pourra vouloir dans la pléthore des images, le chiffre du livre a déjà été donné, dans l’exposition une centaine, pour la plupart alignées sur des tréteaux, à côté de quelques panneaux ou projections, dans cette abondance chercher un autre ordre que celui donné par le sujet, l’avancée sur le plateau du Kirchberg. Ordre plus esthétique, comme la démarche du photographe lui-même devant pareille profusion. Y aurait-il ou non comme des configurations qui l’ont plus retenu ? Des mises en forme, quasiment des décors, des mises en scène (car c’est un peu aussi du théâtre que cette exploration) ? Et à raison ou non, on avouera s’être attaché à deux sortes d’oppositions qui reviennent souvent, le vide et le plein, ce dernier allant jusqu’à l’entassement, ainsi que, les deux se faisant concurrence alors, l’horizontalité et la verticalité (inscrites dans l’histoire même du Kirchberg, l’une à ses débuts de campagne maraîchère, l’autre à sa destinée de « Little Manhattan » si l’on veut).
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Le lecteur du livre et le visiteur de l’exposition (jusqu’au 3 février 2024) feront bien d’ailleurs de se mettre en tête la carte figurant le Kirchberg et ses bâtiments existants ou en construction. Christian Aschman, lui, a partagé son terrain en huit zones, mais avertissons de suite quiconque regardera les photos, de ne pas trop longtemps rester à deviner de quelles constructions, de quels endroits il s’agit, les photos méritent mieux que cet exercice de reconnaissance. Dans le livre, l’orientation se fait également dans le temps, avec le texte introductif de Gauthier Bolle, de Strasbourg, esquissant la transformation du Kirchberg depuis 1961, et l’on a pris notamment un bon bol de nostalgie avec les débats, les conflits des années 1980, entre les ambitieux d’une ville autre, carrément moderniste, et les tenants d’une réplique antiquisante.
Cela ne tient bien sûr pas à la seule technique. Il y a le photographe derrière, à commencer par les choix de ce qu’il fait entrer dans la photo, par celui du cadrage, des limites de l’image. Choix judicieux où notre attention tantôt est fortement dirigée, focussée, tantôt se trouve appelée à s’étendre. On se focalise sur tel bâtiment, tel détail même, on laisse vaguer sur le Kuebebierg, jusqu’à Dommeldange, ou dans un vaste panorama fait de blancheur.
I
À peine eut-on quitté les locaux du Luca (Luxembourg centre for architecture), rue de la Tour Jacob, et l’exposition des photographies de Christian Aschman, résultat d’une nouvelle mission du Fonds, que la presse nous mit face à quatre tours qui, d’ici 2008, viendront profondément, non, ce sera toujours en hauteur, modifier l’image du Kirchberg : le bâtiment Monnet 2, le siège d’AcelorMittal, l’extension de la BEI, le complexe pour l’ESM, le Mécanisme européen de stabilité. Faut dire que Christian Aschman a pris les devants, les chantiers des trois premiers, il les a largement saisis avec son appareil, et puis il est vrai que la couverture du livre avec plus de deux cents photographies porte deux dates, 2022/2023. Cela fait du temps que le plateau est « in progress », ça en prendra encore. Il s’agit donc d’un tour momentané auquel nous sommes invités, mais combien riche, quasi global, et regardant aussi bien en arrière qu’en avant.
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(Cour des comptes) au parking Gernsback
LËTZEBUERGER WUERTSCHATZ
De l’extérieur à l’intérieur… du court de tennis
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17.11.2023
SCÈNE
Un théâtre la nuit
Sens dessus dessous Godefroy Gordet
our lancer sa saison théâtrale, tout de suite après sa P fête d’anniversaire, le choix de la pièce en un acte de Tchékhov Le Chant du Cygne est significatif pour le Théâtre du Centaure. Elle parle de théâtre et de ceux qui le font, sur le plateau et en coulisses, de ses joies et de ses peines. Par son sujet, cette pièce s’intègre bien dans la saison du cinquantenaire du Centaure, où la captation de plusieurs productions théâtrales passées donnera un aperçu historique de la maison.
mokita, Zeitzonensynchronisationmechanismus, Disco Dans Ta Cave, Lord Of Fuzz et Fano, peuplent ce nouveau disque, logé chez Muaaah! Records (en plus de A tant rêver du roi records et Don’t trust a bear records), le label made in Rotondes, sur lequel on retrouve pas mal de vieux de la vieille de la musique au Luxembourg.
Parmi les nouvelles d’Anton Tchékhov, des œuvres de jeunesse, dont l’auteur a lui-même fait l’adaptation théâtrale, plusieurs parlent du théâtre et évoquent d’autres thèmes qui lui sont chers. Monter une de ces pièces courtes pose certes le problème de savoir comment l’étoffer ou l’encadrer pour en faire un tout. Souvent on la montre avec d’autres petites pièces de l’auteur.
Bohumil Kostohryz
Excellent duo d’acteurs
Pour jouer la pièce, Marja-Leena Junker, à travers un jeu très nuancé, montre son vif plaisir d’être sur scène. Au début en longue robe fleurie, elle doit se changer en vieux comédien. Enfiler rapidement des habits d’homme et se faire une tête d’homme demande de l’ingéniosité : s’ensuit une délicieuse scène que de transformer l’élégante femme en vieux comédien méconnaissable. Une excellente idée du metteur en scène que cette transformation sur scène. La pièce elle-même parle des comédiens, en particulier des comédiens vieillissants, des auteurs dramatiques aussi. Elle démarre avec l’effroi que peut susciter à première vue et de nuit un théâtre vide. Dans Le Chant du Cygne le comédien Vassili Svetlovidov, après avoir joué Calchas dans l’opéra La belle Hélène d’Offenbach et à la suite d’une fête bien arrosée, se réveille la nuit, seul dans sa loge, abandonné de tous. Il est « prisonnier » du théâtre dont les portes sont verrouillées de l’extérieur. Pour lui voir un théâtre vide de nuit est une découverte effrayante. En cherchant de l’aide, il tombe sur Ivanytch, le souffleur – Mathieu Moro excellent dans ses divers rôles – qui, sans logement à lui, a l’habitude de passer ses nuits au théâtre. La rencontre du comédien et de son souffleur réveille peu à peu la passion du jeu et fait revivre les temps heureux l’espace d’un moment. Et le public dans cette constellation ? Petit saut dans le temps, celui du Centaure est là, il joue son rôle, suivre les comédiens sur scène, qui évoquent les heures glorieuses de la carrière de Svetlovidov, qui redevient le comédien fêté et joue encore une fois ses grands succès tirés de Boris Godounov, du Roi Lear, de Hamlet, une sorte de chant du cygne, des moments forts, mis en évidence par les effets de lumière suggestifs signés Antoine Colla, qui crée pour les scènes plus intimes de beaux clairs-obscurs. Certes Svetlovidov se voit aussi dans le présent en comédien d’un certain âge et se rappelle les moments de faiblesse dans sa carrière et sa vie privée, ses illusions perdues, sa solitude qu’il évoque avec une certaine tristesse. « Ma chanson est finie. » Mais il dit aussi que « Là où il y a de l’art, où il y a du talent il n’y a pas de vieillesse, pas de solitude, pas de maladie, et, même la mort, ce n’est qu’une moitié de mort. » Son souffleur assiste d’abord puis devient le complice de son maître, lui qui par son métier, connaît les grands textes et cette fois il participe sur scène à côté de ce comédien qu’il admire.
Vendredi dernier, le quatuor de musiciens luxembourgeois se faisant appeler No metal in this battle, depuis plus de dix ans, dispensait aux oreilles du public des Rotondes leur nouvel album, et quatrième du genre : Wie Kraut und Rüben. Devant une salle full à craquer faisait se bousculer les spectateurs/ auditeurs, devant les sieurs Pierre Bianchi (guitar, keys), Laurent Panunzi (bass), Marius Remackel (guitar, noise) et Gianni Trono (drums, percussions). On sait le public luxembourgeois attentif, mais clairement pas le plus expressif. Et bien là, devant nos « métaleux » afro-post-punk-funk ça bougeait quand même pas mal. En cause : un dernier disque tout à fait réussi, poussant à se mouvoir jusqu’à la soif. Double soirée de release aux Rotondes, en cette fraîche soirée pluvieuse qui n’aura pourtant refroidi personne. Le line-up était effectivement super alléchant entre les pontes de No metal in this battle avec leur attitude mêlant afrobeat, math et postrock, et, ensuite, le duo de drôles d’oiseaux que sont les types
Les quatre moussaillons de No metal on this battle
de The Cookie Jar Complot, prodiguant un math-rock ouraganesque… Presque en mode soirée entres copains, les quatre musiciens ouvrent le bal avec leur dernier né Wie Kraut und Rüben, qu’on ne saurait traduire autrement que « comme du choux et des navets », instituant une forme de chaos, de confusion, de désordre ou de mélange sauvage, ou, comme on me le souffle à l’oreille en traduction familière : « sens dessus dessous ». Une parabole assez objective vis-à-vis de leur musique, et une expression bien choisie pour faire fleurer l’atmosphère de ce nouvel album assez génial dans son genre, sorti en juin dernier sur Internet Aux Rotondes, il s’agit de porter à l’esprit du public la sortie physique et en vinyle du projet. Moment charnière dans la vie d’un album, c’est pour un groupe, d’une importance capitale que de pouvoir « palper » l’objet de leur musique. Jolie galette profitant au recto d’une réalisation de Julien Hübsch et au verso, du sobre rappel des titres en présence. Lightrider, Shi-
De fait, Lightrider, comme son nom l’indique nous fait chevaucher les projecteurs et boules à facette pour nous bousculer de tessitures disco, amenant un titre carrément radiophonique soutenu par la voix de l’énigmatique Xavier Battle. Disco dans ta cave frise le renouveau d’un générique de Mac Gyver, avec un pulse de rock qui nous donne envie de sauter sur un sidecar et cramer du gasoil à gogo… Bah ouais, quoi ? Shimokita rappelle furieusement les escapades passées du groupe, replaçant au cœur l’afrobeat qu’ils se sont accaparés précédemment comme une signature. Avec Zeitzonensynchronisationmechanismus, le groupe ne nous fait pas de cadeau, et si nous devions le conseiller à un ami, nous dirions « va écouter le titre 4 », celui-ci étant finement travaillé sur des bases krautrock, parfumé à leur sauce. Lord of Fuzz revient à du funk en puissance, tout en lançant à nouveau la voix de Battle dans des arcanes du militantisme politique. Le funk-punk Fano clôture sans bavures, l’OVNI Wie Kraut und Rüben, pas si OVNI que ça au final. Ainsi, de leur dynamique jam survenue de l’impromptue destin de notre monde, voilà que No metal in this battle tire une nouvelle épingle de son jeu, et sans surprise, c’est super bon.
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FILM MADE IN LUXEMBOURG
This Film Does Not Exist Tom Dockal
Die vergangene Kinowoche stand ganz im Zeichen des Lëtzebuerger Filmpräis. Die Gelegenheit, das luxemburgische Filmwesen der letzten zwei Jahre in all seinen Ausführungen Revue passieren und feiern zu lassen. Ob kurz oder abendfüllend lang, animiert oder dokumentarisch, oder einfach nur koproduziert – der Cru war dieses Mal gar nicht mal so schlecht. Das werden sich sogar die ewigen Kulturpessimisten eingestehen müssen. Aber keine Sorge, zu fanatischen Befürwortern der (Proto-Nation-Branding) Films Made in Luxembourg, die alles wohlwollend aufnehmen, was den Film-Fund-Luxembourg-Stempel aufgedrückt bekommt, werden sie sicherlich nicht. Nicht, wenn nur wenige Tage vor dem Filmpräis mit Complètement cramé! die wahrscheinlich schwächste Koproduktion der letzten Jahre das Licht der landesweiten Kinoleinwände erblickt. Seit dem Tod seiner Ehefrau ist Andrew Blake nicht mehr der gleiche. Auch noch mehrere Monate später trauert er und lebt zurückgezogen. Eine Veranstaltung zu seiner beruflichen Ehre meidet er auf Teufel komm raus. Er flüchtet von London in die französische Provinz, wo er einst seiner verstorbenen Frau begegnet ist. Seine Reise in die Vergangenheit nimmt jedoch nicht die Form an, die Blake sich vorgestellt hatte. Einmal im schlossähnlichen Landgut angekommen, stellt sich heraus, dass er, wenn er bleiben möchte, den Butler in Probe geben muss. Sehr schnell leuchtet Blake ein, dass nicht nur er, sondern sämtliche Figuren irgendwie am Ende ihrer Kräfte angelangt sind – sei es die Gutsbesitzerin Madame Beauvillier, die alle Hände voll damit zu tun hat, nach dem Tod ihres Mannes das Gut finanziell über Wasser zu halten; sei es die feiste Köchin Odile, Gutsverwalter und Hobbyeremit Philippe oder die junge Haushälterin Manon. Als vor einigen Monaten das Poster für Complètement cramé! veröffentlicht wurde, schien es, als ob es eine Fotomontage, ein bizarr geschmackloses Hirngespinst eines cinephilen Graphikers oder vielleicht sogar ein von AI generiertes Visuell wäre. John Malkovich am Fuß einer Treppe mit blauem Sakko, vor allem aber mit einem Tablett in der Hand, auf dem eine Katze mit klassischem resting cat face und grünem Partyhut auf dem Kopf sitzt. Hinter Malkovich und seiner Katze stehen auf einer Treppe unter anderem Fanny Ardant und Emilie Dequenne und mittendrin sitzt sogar Eugénie Anselin
auf einer Stufe. Sie alle blicken aus dem Poster auf den verdutzten Zuschauer heraus. Sind die Blicke etwa versteckte Hilferufe? Truffaut und Resnais bei Ardant und eine jahrzehntelange Karriere in Hollywood für Malkovich. Und jetzt Complètement cramé! von Gilles Legardinier für sie beide und alle Beteiligten. Es mag wie ein Samstagnachmittag-Fernsehfilm aussehen und wie ein Samstagnachmittag-Fernsehfilm klingen, aber lassen Sie sich davon nicht täuschen. Es ist wirklich ein Samstagnachmittag-Fernsehfilm. Eigentlich spricht ja nichts gegen eine locker leichte Komödie. Aber ohne eine ordentliche Portion Charme, die einen über so manch einen Mangel hinwegsehen lässt, geht nicht sehr viel. Der Charme in Complètement cramé! ist aber sehr gut versteckt. Wer ihn jemals finden sollte, findet dort vielleicht auch den Sinn für komödiantischen Rhythmus, Schauspielführung und dramaturgische Konstruktion. Autor Gilles Legardinier verfilmt in seiner ersten Regiearbeit seinen eigenen, vor mehr als zehn Jahren erschienenen Roman. Eigenen Aussagen zufolge ist der Spielfilm aber keine
Der Amerikaner John Malkovich als französisch sprechender Brite
wirkliche Umsetzung seines Bestsellers. Literatur, so Legardinier, sei eine Innerlichkeit im Alltag der Leser/innen. Der Film wirft deswegen jeden Ansatz von Innerlichkeit (und Humor) über Bord und lässt die allerletzten Überreste von John Malkovichs Versuchen, französisch zu spielen, im Keim ersticken. Wer bei dieser Produktion dachte, es wäre eine gute Idee, den Amerikaner als französisch sprechenden Briten auftreten zu lassen, wird wohl für immer ein Mysterium bleiben. Ein ähnliches Mysterium, wie jenes, wie es möglich ist, dass sich Bidibul Productions auf so ein Projekt eingelassen hat. Der von ihnen koproduzierte Le Petit Nicolas - Qu’est-ce qu’on attend pour être heureux? war nicht nur beim diesjährigen Filmpräis nominiert, sondern war auch einer der tollsten Filme des Jahres. Complètement cramé! hingegen erinnert an Zeiten, die der Film-Standort Luxemburg mit seiner heute regelmäßigen Präsenz bei den großen Festivals am liebsten vergessen würde. Ob jetzt Complètement cramé! aber wenigstens einen Sendetermin im Wochenend-Fernsehprogramm ergattert – auch das bleibt am Ende fraglich.
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Ricardo Vaz Palma
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L e Chant du Cygne est un moment de théâtre intéressant et touchant, bien conçu par le metteur en scène et porté par un excellent duo de comédiens. Josée Zeimes
Mike Zenari
Lol Margue opte de mettre en scène les mêmes deux personnages de la pièce. Un acteur, MarjaLeena Junker, qui connaît bien le métier depuis de longues années en tant que comédienne, metteure en scène et directrice du Centaure et son souffleur, le comédien Mathieu Moro, l’accompagnateur dévoué du comédien, et de leur donner encore d’autres rôles en rapport avec Tchékhov. Mathieu Moro prend celui d’initiateur du Chant du Cygne ainsi que celui de metteur en scène auditionnant la comédienne et les deux lisent des extraits de la correspondance de Tchékhov et de sa femme, la comédienne Olga Knipper.
Alors, depuis 2012 et The Husky tape, plus encore depuis leur premier magnifique long format baptisé Paprika en 2017, et après plus de dix ans de groupe, ponctué de tournées internationales jusqu’en Inde et en Corée, No metal in this battle dispense sa musique atypique façonnée par les parcours assez disparates des membres du groupe. Pourtant, cette année, Wie Kraut und Rüben vient un poil trancher avec leurs habitudes. Il y a déjà un gap dans leur façon de travailler, depuis les événements pandémique. Les contraintes les ont menés vers une spontanéité créative, pour les compositions et les enregistrements de tracks de façon plus véloce. Aussi, la conception de ce dernier ne s’est pas faite en une nuit, voilà un moment que chaque titre est taillé tel un diamant. La ligne adoptée néanmoins est celle du « dansant », avec une attitude plus funky que jamais, et on jure que ça donne envie de bouger. Derrière, ils s’autorisent évidemment à jouer de leurs influences, du psyché au krautrock et vers d’autres contrées sonores aussi…
Marie Lavis
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17.11.2023
C’est beau Bruxelles, la nuit France Clarinval
Avant que les livres de la rentrée envahissent l’actualité littéraire à l’occasion des Walferbicherdeeg, revenons sur Parfois la nuit se tait, deuxième roman d’Antoine Pohu Sky
Voilà un beau titre qui dit déjà les errances nocturnes qui teinteront le roman. Parfois la nuit se tait nous dit qu’il faut savoir écouter le silence, quand les doigts se décollent des touches du piano, avant que les applaudissements ne retentissent. Ces moments que Daniel, le narrateur, ne parvient plus à apprécier, n’arrive plus à vivre, à ressentir. Ce pianiste de jazz au succès pourtant croissant se sent perdu. Sa vie de concerts ne lui apporte aucune satisfaction. Il est vidé, coincé dans le cul-de-sac d’une existence désabusée déjà peu marquée par la joie de vivre. C’est décidé : il sa se barrer. Partir. Prendre le large. Pour, enfin, vivre. Peut-être par peur de changer d’avis ou d’être finalement retenu, il n’annonce son départ que la veille. Il a rassemblé ses amis, Martin, Boris, Carlotta, Arthur, dans le bar de Stéphane où il a ses habitudes. Mi-blasé, micomplice, le barman vieillissant passe des disques de jazz ce qui, mine de rien, nous dit l’érudition de l’auteur en la matière.
Antoine Pohu
Antoine Pohu (né en 1999) signe là son deuxième roman, le lice pour le Bicherpräis, après La Quête, paru chez Op der Lay en 2020. Parfait représentant de sa génération, il n’aimerait pas qu’on dise qu’il est touche à tout. Mais il joue aussi de la guitare, fait de la photo (dont celle de la couverture) et de l’escalade, a finalisé des études en arts du spectacle vivant à l’Université libre de Bruxelles (avec un mémoire consacré à Eschyle et la réécriture dramatique). Quand il n’écrit pas, il travaille sur des projets théâtraux ou de programmation artistique. Capybarabooks vient aussi d’éditer Nous sommes celleux qui marchent dans la ville qui avait été publié (avec un titre au masculin) dans les Cahiers luxembourgeois l’année dernière. Un texte court, lui aussi ancré dans son époque, qui s’annonce comme « un cri de rage face à l’actualité ; de diri-
Société Nationale des Habitations à Bon Marché s.a.
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Avis de marché
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Procédure : ouverte Type de marché : Travaux
Procédure : ouverte Type de marché : Travaux
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Ouverture le 08.12.2023 à 10.00 heures
Ouverture le 15.12.2023 à 10.00 heures
Ouverture le 15.12.2023 à 10.00 heures
Lieu d’ouverture: SNHBM 2B, rue Kalchesbruck L-1852 Luxembourg. Intitulé : Lot menuiserie intérieure - cuisines, réf. MA4-1. Description : – L’exécution des travaux de menuiserie intérieure - cuisines d’un immeuble résidentiel à Mamer. Conditions d’obtention du dossier de soumission : Le bordereau de soumission est téléchargeable sur le portail des marchés publics. Réception des offres : Le jour de l’ouverture avant 10.00 heures Date de publication de l’avis 2302466 sur www.marches-publics.lu : 09.11.2023
Lieu d’ouverture: SNHBM 2B, rue Kalchesbruck L-1852 Luxembourg. Intitulé : Lot charpente, couverture & ferblanterie, réf. R7-1. Description : – L’exécution des travaux de charpente, couverture et ferblanterie de 24 maisons unifamiliales à Berg. Lot 1 : Intitulé : Lot A - 13 maisons unifamiliales – Description succincte : Travaux de charpente, couverture et ferblanterie Lot 2 : Intitulé : Lot B - 11 maisons unifamiliales – Description succincte : Travaux de charpente, couverture et ferblanterie Conditions d’obtention du dossier de soumission : Le bordereau de soumission est téléchargeable sur le portail des marchés publics. Réception des offres : Le jour de l’ouverture avant 10.00 heures Date de publication de l’avis 2302480 sur www.marches-publics.lu : 13.11.2023
Lieu d’ouverture: SNHBM 2B, rue Kalchesbruck L-1852 Luxembourg. Intitulé : Lot cuisines, réf. Aa10, Ap1 & Aa14. Description : – L’exécution des travaux de menuiserie intérieure - cuisines de 2 immeubles résidentiels et de 4 maisons bi-familiales à Luxembourg. Conditions d’obtention du dossier de soumission : Le bordereau de soumission est téléchargeable sur le portail des marchés publics. Réception des offres : Le jour de l’ouverture avant 10.00 heures Date de publication de l’avis 2302496 sur www.marches-publics.lu : 15.11.2023
Malgré des descriptions un peu attendues, l’écriture d’Antoine Pohu révèle une grande sensibilité et parfois un certain lyrisme
geants de plus en plus autoritaires et de systèmes économiques qui creusent nos tombes. » Parfois la nuit se tait n’a en revanche rien de rageur. Il tient plutôt de l’amertume ou de la désillusion que son protagoniste, un jeune pianiste de jazz, entretient comme il fait ses gammes. Il a choisi une vie de bohème, à l’encontre de l’avis de ses parents et tente tant bien que mal de suivre cette voie élective. Le roman suit ses errances et pérégrinations dans les nuits d’un Bruxelles pluvieux dont le
décor fait écho aux pensées sombres du narrateur. L’auteur nous balade habilement à travers plusieurs moments, plusieurs strates temporelles. Le moment-charnière où Daniel annonce son départ est entrecoupé de scènes du passé : les débuts au piano, un premier amour bêtement gâché par une beuverie estudiantine (le penchant pour la boisson le poursuivra au fil des pages), l’amitié avec Paul qui aurait pu porter le nom d’amour, la belle histoire avec Marie qui s’étiole pourtant dans la routine, des petits instants de bonheur volés à la nuit, pour aller vers une vacance grecque lumineuse où le désir homosexuel devient plus prégnant. On suit cette existence pleine de doutes et pleine de possibilités qui n’ont pas éclos faute d’assumer des choix professionnels et sentimentaux, faute de réussir à devenir adulte. Car Parfois la nuit se tait pourrait être un roman d’apprentissage (coming-of-age novel) mais notre héros n’apprend pas grand-chose, sauf peut-être que fuir pour échapper au blues ne fait pas taire la musique lancinante qui résonne dans le vide intérieur. Malgré des redites un peu plates, des descriptions assez attendues de reflets de lumières de phares sur les pavés mouillés, de cheveux qui collent au front et de nuages qui se muent dans le vent, l’écriture d’Antoine Pohu révèle une grande sensibilité, parfois un certain lyrisme. On n’est pas dans une improvisation de jazz, mais dans un roman clairement structuré, au rythme maîtrisé, même s’il s’appesantit parfois sur certains moments. Difficile de mesurer ce qu’il relate de lui-même, et finalement, peu nous chaut. Les tourments du narrateurs sont ceux de la jeunesse d’aujourd’hui qui veut tout et rien à la fois, l’amour des deux genres, l’autonomie et la liberté, la solitude et la solidarité.
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Fondé en 1954 par Carlo Hemmer, édité par Leo Kinsch de 1958 à 1983. Hebdomadaire politique, économique et culturel indépendant paraissant le vendredi. Publié par les Éditions d’Letzeburger Land s.à r.l., R.C. B 19029,N° TVA LU 12 12 40 22. La reproduction des articles et illustrations est interdite sans l’accord écrit de l’éditeur. Gérant Stephan Kinsch (48 57 57-1; land@land.lu), Rédacteur en chef Peter Feist (48 57 57-24; pfeist@land.lu), Rédaction France Clarinval (48 57 57-26; fclarinval@land.lu), Luc Laboulle (48 57 57-28; llaboulle@land.lu), Stéphanie Majerus (48 57 57 35; smajerus@land.lu), Sarah Pepin (48 57 57 36; spepin@land.lu), Pierre Sorlut (48 57 57-20; psorlut@land.lu), Bernard Thomas (48 57 57-30; bthomas@land.lu), Mise-en-page Pierre Greiveldinger (48 57 57-34; pgreiveldinger@land.lu), Photos Sven Becker (48 57 57-36; sbecker@land.lu), Administration et publicité Zoubida Belgacem (48 57 57-32; zbelgacem@land.lu) Édition et rédaction 59, rue Glesener L-1631 Luxembourg Courrier Boîte postale 2083, L-1020 Luxembourg Téléphone 48 57 57-1 Fax 49 63 09 E-mail land@land.lu Internet www.land.lu Twitter @Letzland Facebook d’Lëtzebuerger Land Instagram letzebuerger_land www.land.lu Impression offset Mediahuis Luxembourg S.A. Prix par numéro 5,00 € Abonnement annuel 180,00 € Abonnement étudiant/e 95,00 € Compte en banque CCPLLULL : IBAN LU59 1111 0000 5656 0000
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17.11.2023
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Samantha Wilvert
La foire sans empoigne Loïc Millot
La Luxembourg Art Week s’achève après des journées denses et des milliers de visiteurs pour voir les 77 galeries issues de treize pays. Des compositions abstraites et ascétiques de Wladyslaw Lopuszniak (galerie Arnoux) aux photos homoérotiques revisitant les classiques de l’histoire de l’art comme l’Olympia de Manet (Art Space Vienna), en passant par les fulgurances imprévisibles du groupe CoBra (De Zutter Art Galery) et les collages de Marx Ernst et de ses enfants, sans oublier les NFT dont Artxchains assurait la promotion, chaque stand donnait lieu à une mini-exposition, avec son parti pris esthétique, sa clientèle attitrée, son identité et sa stratégie propres. Mais aussi avec son lot de questions sur le choix des artistes ou la manière de les présenter. Peu d’exposants ont osé un accrochage original. Seul l’espace Octave Cowbell (Metz) est parvenu à se distinguer, transformant son emplacement en une sorte de temple païen. Délimité par des tentures, le lieu, dédié à la nature, abritait les œuvres confectionnées à base de sureau des artistes François Génot et Christelle Enault. Pour se rendre compte des effets de la foire, rien de mieux qu’un comparatif entre trois galeries qui occupent des positions différentes au sein du marché de l’art. Petit poucet de cette édition 2023, la galerie Reuter Bausch, fondée en décembre 2021,
promeut le travail d’artistes émergents, tels que Pit Riewer, Lisa Kohl, Julie Wagener ou encore Arny Schmit, artiste autodidacte auquel le couple de galeristes vient de consacrer une exposition monographique. Pour leur seconde participation à la LAW, Julie et Lou ont fait le choix du renouvellement afin, confient-ils, de « donner sa chance à tout le monde ». Mais aussi pour ne pas faire de jaloux, dans un marché que l’on sait hautement concurrentiel. De nouveaux noms ont fait leur apparition sur les cimaises de la galerie cette année, comme Chantal Maquet, Pascal Vilcollet, ou encore Roland Schauls et Julien Hubsch, parmi d’autres. Un pari visiblement gagnant si l’on en croit les principaux intéressés qui disent avoir bien vendu l’année passée : une trentaine d’œuvres avaient trouvé preneur, à des prix moyens très variés, généralement entre 1 500 et 5 000 euros, avec quelques ventes dépassant la barre des 10 000 euros. Le couple insiste sur la proximité qui existe avec leur clientèle, mixte, plutôt jeune et bien établie professionnellement, qui gagne suffisamment d’argent pour s’offrir certains plaisirs. Pour les œuvres de Roland Schauls, artiste déjà patrimonial, en revanche, plus onéreuses, la clientèle est plus âgée. La galerie peut aussi compter sur les acquisitions des institutions publiques (Musées de la Ville de Luxembourg, ministère de la Culture luxembourgeois, Bibliothèque
nationale du Luxembourg). Toutefois, la galerie Reuter Bausch ne participe à aucune foire internationale : « le risque financier est trop important », concède le couple. Ce qui traduit aussi la difficulté d’exporter de jeunes plasticiens luxembourgeois. Fondée à Paris en 1999, la galerie dirigée par Maria Lund (Paris) suit deux directions : D’une part, la matière, qui conduit à diverses formes d’abstraction et de l’autre la narration, avec des artistes figuratifs. La céramique y est aussi depuis longtemps représentée, comme en témoignent les sculptures du Danois Esben Klemann conviées sur le stand aux côtés des toiles de Marielle Paul et du Berlinois Marlon Wobst, dont on avait pu découvrir les œuvres tendres et délicates l’année dernière. Pour la galeriste, la Luxembourg Art Week est intéressante « pour son pouvoir d’achat, son niveau de vie, et sa position de carrefour en Europe qui draine des collectionneurs néerlandais, suisses, allemands, français », précise-t-elle. Maria Lund apprécie aussi la taille humaine de la manifestation, mêlant des artistes accomplis et des découvertes. Elle souligne l’implication des acteurs du territoire comme le Mudam ainsi que le coût du stand, bien moins élevé que les prix pratiqués à Paris. Ce qui a pour avantage de réduire les risques financiers et de donner plus de liberté dans le choix des artistes. Une
Le stand de la Galerie Reuter Bausch
douzaine d’œuvres était parties l’année dernière, pour une somme totale avoisinant les 35 000 euros. Last but not least, la galerie Lelong & Co. est précédée par une longue histoire que sa représentante, Nathalie Berghege, ne manque jamais de relater au besoin. On y trouve des grands formats et des artistes parfaitement accomplis, tels que David Nash, David Hockney, Pierre Alechinsky, mais aussi quelques jeunes pousses prometteuses comme Fabienne Verdier ou Christine Safa (née en 1994), la cadette de la maison. Soit toute une constellation d’artistes réunis cette année autour du thème de la nature, urgence climatique oblige. La présence d’œuvres d’Etel Adnan et de Richard Serra sur ce stand n’est pas anodine : la première
a fait récemment l’objet d’une exposition au Mudam et au Centre Pompidou-Metz ; le second a marqué de son empreinte le Grand-Duché avec le monumental Exchange installé en 1996 à l’entrée du Plateau du Kirchberg. Ils sont donc bien identifiés des Luxembourgeois. Les prix atteignent rapidement cinq, voire six chiffres. Et c’est avec une satisfaction certaine que Nathalie Berghege annonce, dès le premier jour d’ouverture au public de la foire, qu’elle a d’ores et déjà dépassé le chiffre d’affaires de l’année dernière, estimé à 200 000 euros environ pour une dizaine d’œuvres vendues. Un niveau d’investissement qui s’adresse, sans surprise, à des collectionneurs avertis, luxembourgeois particulièrement, issus du secteur financier.
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THÉ ÂTRE
Molière en petite forme Molière, dont on a fêté en 2022 les 400 ans de la naissance, sera à l’affiche cette saison 2023-2024 dans nos théâtres luxembourgeois avec plusieurs opus revisités ici ou venus d’ailleurs. Ainsi le Escher Theater de nous proposer récemment (les 8 et 9 novembre) L’Amour médecin, petite pièce que l’auteur a écrite en une poignée de jours en 1665 et qui préfigure sa grande pièce Le Médecin malgré lui. Sur le ton de la farce, cette comédie-ballet, en prose et en trois actes, s’entend comme une critique féroce des médecins de la cour, mettant à la lumière leur ignorance et leurs querelles sans fin, eux pour qui « il vaut mieux mourir selon les règles, que de réchapper contre les règles ». Le texte peu convaincant empêche au spectacle de décoller. Les bonnes idées de mise en scène et le jeu des acteurs étaient pourtant là pour dépoussiérer cet opus peu connu – sélectionné dans les courtes pièces de Molière pour sa durée – et en proposer une version moderne à même de « favoriser l’approche de l’univers du théâtre » à un public qui ne le fréquente pas. Aux manettes, Jean-Louis Martinelli, qui a entre autres dirigé le Théâtre National de Strasbourg et le Théâtre NanterreAmandiers, et poursuit aujourd’hui l’aventure avec sa compagnie Allers/Retours. Il a choisi de revisiter L’Amour médecin sous une forme légère (une heure), sur un ton joyeux et en mode théâtre populaire. À ses côtés, neuf comédiens et comédiennes livrent une belle performance dans leur interprétation d’une galerie de personnages grotesques et hauts en couleur. Sganarelle (Edouard Montoute), veuf inconsolé et possessif père ne veut entendre les désirs de mariage de sa fille unique Lucinde avec Clitandre. Pourtant « c’est un mari qu’elle veut ». La drôle et inventive Lisette (Martine Schambacher), suivante de la jeune fille, montera un stratagème pour réunir les amoureux. Lucinde feindra d’être malade, amenant Sganarelle à convoquer un quatuor de médecins aux théories
fumeuses puis à se tourner vers l’orviétan, véritable poudre de Perlimpinpin... avant que n’arrive Clitandre, déguisé en médecin. Il fera illusion usant de ses « charmes » pour guérir une Lucinde qu’il arrive à épouser en trompant Sganarelle.
SUB UMBRA ALARUM
La mise en scène de Jean-Louis Martinelli fait naitre quelques plaisants tableaux collectifs et des scènes chorales dans un esprit commedia dell’arte et théâtre de tréteaux. Le texte est un peu revisité (apartés avec le public). La musique, elle, (l’originale est de Jean-Baptiste Lully) a perdu ses atours baroques pour revêtir des habits modernes (musique et création sonore de Sylvain Jacques), avec accents électro, clins d’œil aux musiques de films et notes inattendues de guitare électrique. Les interludes sont chantés et dansés par la troupe qui, dès le prologue, donne le ton au spectacle. La procession des médecins charlatans, le solo du vendeur d’orviétan aux allures de « pope », tout participe à essayer de dynamiser L’Amour médecin jusqu’au grand bouquet final où les comédiens et comédiennes, de nouveau réunis, laissent advenir des personnages et des séquences de films cultes, des Blues Brothers à Pulp Fiction.
1716-1741 Luxemburg, Festung der Habsburger
Tout au long du spectacle, la scène reste vide, un unique banc fait office d’estrade, de lit, de table… Noir et épuré, le plateau met en relief les merveilleux costumes signés Christian Lacroix, vêtements typés, extravagants, atemporels, de la robe-cage de Lucinde à la tenue baroque avec coiffe déjantée de Lisette, du long manteau « monacal » avec haut chapeau des médecins au bel habit flamboyant et clownesque d’un Sganarelle affublé de baskets. Tout était donc bien là pour embarquer le public dans un spectacle joyeux. Mais au final L’Amour médecin reste une pièce qui pêche par son manque de contenu et d’action théâtrale. Peu à peu, le rythme se perd et le spectacle finit par ennuyer. Karine Sitarz
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Caroline Bottaro
12.10.2023 – 14.04.2024
Les comédiens font tout ce qu’ils peuvent pour donner de l’intérêt à la pièce 0002_M3E_ANN_Land_177x260.indd 1
18/09/2023 11:45
Land 17.11.2023
Couture, code couleur
du lin biologiques. À cette fin, Anne est partie à la recherche de draps en lin qui datent de nos grandmères (et qui seraient probablement jetés alors que c’est une qualité qui cherche son égal parmi les productions commerciales le plus chères aujourd’hui). La collection Ecoprint comportera des pièces de la taille 36 au 52.
Béatrice Dissi
« Si je devais donner un conseil à ceux qui songent à l’indépendance : ne vous limitez pas à une seule activité, surtout au début », enjointelle, qui aborde son plan business de façon très structurée et rationnelle. « Je suis maître couturière, mais, cette activité seule ne me ferait pas vivre. La génération actuelle n’a pas forcément le réflexe d’avoir recours à des vêtements faits sur
mesure ». L’exception sont des clients qui souhaitent, dans un esprit de style individualisé, une pièce unique pour une occasion spéciale tel qu’un mariage, ou encore des gens qui ne trouvent pas leur bonheur dans les coupes présentées dans les rayons des commerces conventionnels. Mais la majorité, pense-t-elle, accorde une importance non-négligeable au prestige d’une marque. Si les créations d’Anne ne portent pas d’étiquette connue, ce sont des pièces uniques, taillées dans des tissus italiens de qualité et durables dans la mesure du possible (certifiés Ökotex par exemple). Cet aspect lui importe: « Personnellement, je garde mes habits pendant longtemps. Il y a des phases dans la mode comme dans la vie, et on peut avoir envie de porter une pièce qu’on a délaissée pendant des années- sous condition qu’elle soit de bonne qualité ». Le projet le plus récent, qu’Anne Bauler prépare avec une collègue, s’inscrit dans une lignée d’économie circulaire. Depuis l’été dernier, elles ont rassemblé des feuilles et des plantes pour une toute première collection de vêtements uniques imprimés à la main. Ce seront des pièces minimalistes, comportant peu de coupes afin de préserver autant que possible l’élan des motifs imprimés. Feuilles de rhubarbe, de bouleau, toutes provenant de plantes locales, orneront manteaux, jupes, chemises, taillés surtout dans du coton et
Le troisième pilier de l’entreprise Bauler est le conseil en matière de couleurs. En se basant sur les travaux de l’Américaine Carole Jackson, Anne propose des tests à ses clientes (ou clients, plus rares toutefois) pour établir à quel type de pigmentation elles adhèrent. Il y en a six, classifiées selon les saisons (tons chauds et froids) avec deux types supplémentaires mixtes (été/hiver et printemps/automne). « Une personne ne peut qu’appartenir qu’à une seule de ces catégories, et cette appartenance ne change pas au cours de sa vie ». En fonction de ce statut, il est recommandé de se tenir à une palette de couleurs établie afin de se présenter sous sa meilleure lumière, de paraître moins fatiguée, moins fade, de se sentir mieux. « Bien sûr, on peut porter toutes les couleurs qu’on souhaite, mais pour la zone à proximité du visage, je recommande d’utiliser uniquement des tons issus de sa palette, et si ce n’est que par le biais d’une écharpe ». Le reflet du teint s’en ressentira,
Anne Bauler, ce mercredi, dans son atelier de Bonnevoie
Sven Becker
« Le noir ou le blanc ne siéent en fait qu’à un seul type de personnes parmi six catégories », explique Anne Bauler, « et peu de gens se rendent compte de l’effet potentiel de la couleur de l’habillement sur leur aura, sur leur énergie même ». Anne Bauler est coach en couleur, en même temps que maître couturière et enseignante au brevet de maîtrise. Elle est devenue indépendante en 2018, après une décennie de carrière professionnelle en tant que juriste, spécialisée en protection des données. « J’ai ressenti le besoin de créer ma propre œuvre, et l’artisanat m’a attirée intrinsèquement. Ma grand-mère a entretenu un commerce de tissus à Diekirch, et depuis mon enfance j’ai eu l’habitude de coudre ». Le rejet de la fast fashion, et l’envie de retourner à des modes plus durables et plus solides, tout en nourrissant sa créativité, l’ont poussée à se lancer dans une maîtrise (« Meeschterprüfung ») en couture, entamée lors de ses dernières années en tant qu’employée d’État.
À côté de son métier de maître couturière, Anne Bauler poursuit une autre passion en donnant des cours ; ce qui lui assure un revenu et une activité pédagogique qu’elle chérit. « Ça me rend heureuse de transmettre à mes étudiants le sentiment d’un travail bien achevé. Souvent, ils sont surpris en découvrant la quantité de travail (en temps et en savoir-faire) qui se cache derrière ce qui peut n’être qu’un petit exercice de couture à la main ». Son désir est de voir l’artisanat encore davantage valorisé et promu. Elle juge que les choses sont en train d’évoluer au Luxembourg, lentement mais sûrement, et elle est fière d’y apporter sa pierre en participant à des programmes scolaires tels que « Hallo Handwierk ».
et, elle en est certaine, l’apparence globale. Certains sont convaincus que l’énergie ou le bien-être mental peuvent en être affectés. « Parfois les gens sont surpris car le résultat peut aboutir à autre chose que les couleurs qui les attirent naturelle-
ment ». Dans ces cas, elle accompagne son conseil d’une liste de combinaisons possibles avec peu de pièces, « le but n’étant pas de faire acheter une toute nouvelle garde-robe », mais de sortir pimpante de chez soi et dans la vie.
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Stil L’ E N D RO I T
Thym Citron La boutique traiteur Olivia Cliquet a fermé ses portes à Belair. Gérald Polis, aux commandes de l’enseigne Thym Citron depuis sa création en 2009, n’a pas attendu longtemps pour reprendre cet espace dans ce quartier résidentiel plutôt haut de gamme. Il espère ainsi
L’ E N D RO I T
séduire une clientèle à fort pouvoir d’achat et offrir une alternative à ceux qui venait déjà dans le quartier gare. Les travaux de la rue de Strasbourg, qui dureront deux ans, ont poussé l’entrepreneur à rechercher une nouvelle adresse. Cette deuxième boutique (photo : fc) propose les mêmes produits que la première – fruits et légumes d’ici et d’ailleurs, épicerie fine, charcuterie et fromages – et comporte aussi un coin poissonnerie. On peut y retirer les commandes passées chez Kraken. Ce qui, vu le peu d’adresses où acheter des produits de la mer, devrait lui attirer du succès. L’offre de salades, plats du jour, soupes et autre petite restauration sera aussi disponible à Belair tout comme les produits de luxe comme le caviar et les truffes. fc
Al 21 Ce coin de l’avenue de la Liberté (au 21, les propriétaires n’ont pas cherché longtemps le nom de leur établissement) est un peu maudit. Il a accueilli successivement une série de snacks-bars, tournés vers la restauration du midi et l’apéritif à destination des employés du quartier, qui ont eu des durées de vie assez moyenne. Loris Amistà, déjà à la tête d’un resto de pâtes à la Cloche d’Or, a monté l’endroit en gamme. Il a revu la déco, repeint les murs, enlevé les vitrines réfrigérées, mis des nappes sur les tables,
ajouté des verres à pied et élargi la carte. Passons sur les antipasti, pas vraiment mémorables et sur les pâtes, certes fraîches
et bien garnies, mais pas plus qu’ailleurs. La véritable originalité de l’endroit sont ses pizzas réalisées avec une base spéciale précuite, inventée par un certain Gianni Calaon, pizzaiolo quatre fois champion du monde en la matière (photo : fc). C’est une pâte pétrie lentement et levée pendant plusieurs jours, gage de digestibilité. Cette base est enrichie de mélanges de graines et de farines qui la rend attrayante à l’œil et ajoute des saveurs comme du charbon végétal (noir), de la spiruline (verte), du curcuma (jaune), un mélange de céréales rustiques, du chanvre ou de l’encre de seiche. La qualité des ingrédients qui la garnissent fera le reste. À tester lors d’un aperitivo à l’italienne tous les mercredis soirs. fc
L’ É V É N E M E N T
Fête des vins et crémants Après les amateurs d’art, la tente installée au Glacis accueillera les amateurs de vin. La Fête des Vins et Crémants de Luxembourg se tient tout le week-end à partir de vendredi à 15h (il paraît que c’est toujours d’heure de l’apéro quelque part). Comme chaque année, pas loin de cinquante vignerons (46 précisément) de la Moselle viennent présenter leurs crus, avec ou sans bulles. On annonce 500 échantillons de toutes les couleurs. Après s’être acquitté du billet d’entrée (20 euros sur place), chacun reçoit un verre qu’il ira se balader de stand en stand pour rencontrer les viticulteurs. Ils ont à cœur de faire connaître leurs
créations œnologiques. « Rien de tel que le contact humain pour faire déguster nos produits, notamment aux expats qui ne connaissent pas encore le terroir de la Moselle », détaille un des organisateurs. On peut aussi passer commande pour remplir la cave avant les fêtes. 2 000 visiteurs sont attendus rien que le samedi. Attention, l’idée n’est pas de se pinter le nez : en dégustation, on n’avale pas… des crachoirs sont prévus. On n’oublie pas la modération. fc