Februar/März 2021
EVP: 1,90 EUR
MAGAZIN #8
Hauptsache motiviert!
Motivation als Basis für das Lernen
Wissenschaft im Hundesport Ohne Grundwissen gehts nicht!
Punkte im Hundesport
gibts nicht nur auf dem Richterblatt
Pankreasinsuffizienz
Die krankhafte Verdauungsstörung
im ABO ∙ ∙ ∙ Hundesport-Themen ∙ kynolog. Fachbeiträge ∙ Interviews ∙ Produktvorstellungen ∙ ∙ ∙
informiert bleiben
SPORTHUND kann jetzt auch Agility!
Tunnel Wippe Reifen Sacktunnel A-Wand Steg Slalom Hürden
sporthund.de 2
© Constanze Rähse
Stell dir ab sofort deinen Parcours zusammen.
EDITORIAL
„Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ Benjamin Franklin „Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts.“ Kennt ihr den Spruch noch, der wohl an jeder Tür zu jedem Schul-WC gestanden hat? Und welcher lerngeplagte Schüler hat dem nicht zugestimmt und sich im späteren Leben dann doch vom Gegenteil überzeugen lassen.
Autoren dieser Ausgabe FRANSI ROTTMAIER ist seit 1997 im Schlittenhun-
desport aktiv. Die gelernte „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ stieg 2005 als Zeitsoldatin auf die Arbeit mit Dienstgebrauchshunden um. Als Referentin und Beraterin über Aggressionsverhalten, Selbstschutz und Mikromuster-orientierter Verhaltensanalyse machte sie sich europaweit einen Namen.
Lernen beginnt früh. In jedem Leben. In der freien Wildbahn sichert es das Überleben. In der Zivilisation formt es unter anderem den Charakter. Macht also schon was aus, wie viel man „weiß“! Am besten lernt es sich selbstmotiviert. Denn ist nicht die Fähigkeit, mit dem tollen neuen Freund aus den Frankreichferien plaudern zu können weit größere Motivation als der drohende Zeigefinger des Vaters über die schlechten Schulnoten?
NINA DANY-HIRSCH war aktiv in Agility und Obe-
dience, bildete auch an Schafen aus. Heute beschäftigt sie ihre zwei Border ohne aktiven Sport, mit Obedience, Tricks, Longieren oder Dummytraining. Sie besuchte zahlreiche Fortbildungen in der Verhaltenstherapie, ist Hundetrainerin mit eigener Hundeschule, schreibt Fachartikel und bloggt kritisch rund um das Thema Hund.
KAROLINA KRÜGER züchtet seit 2010 Langhaar-
Motivation ist überall. Egal wie sie basiert ist: sie ist die Energiequelle dafür, Fortschritte zu machen, Ziele zu erreichen und Bedürfnisse zu befriedigen. Lohnt sich etwas, wiederholt man Verhalten. Lohnt sich etwas nicht, stellt man es ein. Unsere Hunde wissen das schon lange.
Collies im Deutschen Collie Club. Als Welpenbetreuerin der ersten Stunde begleitet sie Mensch und Hund auf dem Weg zum Team. Die Dipl.-Betriebswirtin schreibt als freies Redaktionsmitglied einer Lokal-Zeitschrift. Die Liebe zur Fotografie und die zeitgemäße faire Ausbildung von Hunden sind für sie Herzensangelegenheiten.
Lernen hört nie auf und auch Hans lernt immer noch etwas, was Hänschen verpasst hat. Nun aber wieder viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Rätseln! Bleibt weiterhin alle gesund! Unser Titelbild „Primärmotiviert“ zeigt in der hundesportlichen Winterpause den jungen, primärmotivierten Dalmatiner Cobe, der mit sich selbst so herrlich Ball spielen kann. Chefredakteurin SPORTHUNDMAGAZIN
Foto: Constanze Rähse
sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
3
TOM
HAUPTSACHE Motiviert TEXT + FOTOS: CONSTANZE RÄHSE
4
Hauptsache motiviert! HUNDESPORT
Motivation ist überall. Ob intrinsisch oder extrinsisch: Sie ist die Energiequelle dafür, Fortschritte zu machen, Ziele zu erreichen und Bedürfnisse zu befriedigen. Da steht sie: die Wippe. Tina, Tom und Trude sitzen davor. Sie freuen sich mehr oder weniger über die heutige Trainingseinheit, denn heute wird sie – die Wippe – nach tagelangem Kennenlernen, das erste Mal in einer Kombination stehen. Mit dem Tunnel. Tom liebt den Tunnel. Mehr als alles andere auf der Welt, könnte man meinen. Na ja, in der Agilitywelt. Die Wippe müsste es aus seiner
Sicht nicht im Parcours geben, aber wenn er nach deren überwinden anschließend durch den Tunnel darf, motiviert ihn das. Tina liebt die Wippe. Dieses wackelige Ding, das ihr immer das Gefühl gibt, dass sie fliegen kann. Und sie beherrscht es und möchte immer wieder drauf. Bei den meisten ihrer Agilityfreunde ist das eher nicht so. Auch Trude mag das Ding überhaupt nicht. Sie hat Bammel, findet es eher unangenehm. Dieses wackelige Ding. Die Wippe fordert Entschlossenheit damit es schnell geht, schließlich zählt am Ende die Zeit. Es braucht ein gutes Körpergefühl beim Überwinden, denn das Ding ist nur 30 cm breit, da kann man
leicht mal danebentreten. Und schließlich braucht man auch Beherrschung oder wie man es heute wissenschaftlich ausdrückt: Impulskontrolle. Die Wippe gehört ja zu den Kontaktzonengeräten. Ein „running“ ist auf ihr aber nicht möglich, denn sie muss vor dem Verlassen vollständig gekippt sein, muss den Boden berühren, bevor der Hund weiter darf. Schwierig. Nicht für Tina, aber für die anderen zwei. Impulskontrolle ist nicht so Toms Stärke. Und schon gar
nicht, wenn dahinter der Tunnel steht. Trude fehlt die Entschlossenheit. Trotzdem: Alle drei werden später auf Turnieren erfolgreich „um die Wette“ laufen, auch wenn ihre Ausbildungswege aufgrund ihrer Charaktere etwas unterschiedlich waren. Denn das Wichtigste in der Hundeausbildung ist Motivation. Hast du einen Drachen, aber keinen Wind, wird dieser nicht steigen. Ist der Wind zu stark, wird die Kontrolle schwer.
Aber welche Formen der Motivation gibt es denn und wie ist das bei Tina, Tom und Trude? Tina hat eine Leidenschaft für die Wippe. Sie ist primär motiviert. Ihre Belohnung ist das Tun selbst, also wenn sie auf die Wippe darf. Sie steigt auch schon mal drauf, wenn sie gar nicht muss oder soll. Mit der Impulskontrolle an den Zonen hat sie keine Probleme, weil sie ja nicht auf das „Danach“ scharf ist. Die Wippe selbst ist das Ziel ihrer Handlung.
DIE WIPPE nach FCI PO: (Stand 01/2018) Breite (B): 30cm Länge (L): 3,60 bis 3,80m Höhe (H): H=60cm Kontaktzonen: LKZ=90cm Quelle: VDH.de
Die Wippe muss ausbalanciert sein. 1kg muss innerhalb von drei Sekunden komplett kippen.
sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
5
Das ist bei Tom anders. Er ist scharf auf den Tunnel. Der ist sein eigentliches Ziel. Die Wippe ist nur der Weg dahin. Tom ist sekundär motiviert. Der Tunnel ist sein positiver Verstärker. Nach dem Prinzip „machst-du-kriegst-duoder-darfst-du“ hat er mit dem Gerät an sich kein Problem. Alles gut? Fast, denn da er möglichst schnell zu seiner Belohnung will, ist er oft übermotiviert und zeigt Zonenfehler. Eigenmotiviert wird Trude auf der Wippe nie sein. Sie hat Glück, dass der Hundesport sich inzwischen so weit entwickelt hat, dass Meidemotivation (negativer Verstärker) in der Ausbildung nur noch eine Nebenrolle spielt. Meidemotiviert würde bedeuten, dass 6
Trude aus Angst vor einer Strafe oder etwas Unangenehmen die Wippe überwindet. Die lange Zeit hartnäckige Meinung, gute Leistungen könne man nur mit Druck erreichen, verblasste mit der Entwicklung der Funsportarten und dem Öffnen des Hundesports für NichtGebrauchshunderassen zunehmend. Da Trude gern frisst, hat man ihr im Aufbau Futter als Belohnung angeboten und ihr etwas mehr Zeit gegeben. Ihre Art der Motivation ist also eine Mischung aus positivem und negativem Verstärker. Hunger (negativ) ist unangenehm und verschwindet, wenn man nach dem Überwinden der Wippe Futter (positiv) bekommt.
TRUDE
„Ist unsere Motivation stark und heilsam, können wir alles vollbringen“. Dalai Lama
Trude kennt den Dalai Lama nicht, aber er hat wohl recht. Denn da Hunger ja bekanntlich sehr motivierend ist, hat sie jetzt, vor der Wippe sitzend, nur noch ein mulmiges Gefühl.
Für Tom wäre zumindest im Lernprozess sicher eine andere Motivationsform geeigneter. Der Tunnel ist zu „starker Wind“. „Trieb macht doof“ heißt es dann oft auf den Hundeplätzen.
Jeder dort weiß, wie Hunde sich dann oft selbst im Weg stehen. Trotzdem: Lieber übermotiviert, als gar nicht motiviert. Leidenschaft ist die Quelle für Motivation. Ist man motiviert, macht man alles viel engagierter und besser, als man es tun müsste. Das ist bei Tina, Tom und Trude auch nicht anders.
Hauptsache motiviert! HUNDESPORT
Am leichtesten geht die Ausbildung von Tina. Primär motivierte Hunde sind immer mit Freude dabei. Das macht sie auch zuverlässig. schnell erklärt ... INTRINSISCHE MOTIVATION = Motivation von „innen“ Primärmotivation: Der Hund zeigt eine Handlung um der Handlung willen, nicht weil sie zu einem bestimmten Ziel führt. Stichwort selbstbelohnendes Verhalten EXTRINSISCHE MOTIVATION = Motivation von „außen“ Sekundärmotivation/ positive Verstärker: Der Hund verspricht sich von seiner Handlung ein für ihn interessantes Ziel zu erreichen, z. B. Futter, Lob, Spiel Meidemotivation/ negative Verstärker: Der Hund verspricht sich von seiner Handlung die Vermeidung unangenehmer Folgen, z. B. Angst, Hunger, Schmerz
Außerhalb der Funsportarten, wie Agility, Flyball und Dogfrisbee, allesamt selbstbelohnend in der Ausführung, spielt diese Art der Motivation eine besondere Rolle. In der IGP- und Mondioring-Unterordnung, im Obedience oder beispielsweise im Dogdance-Freestyle müssen die Hunde über einen längeren Zeitraum ohne Belohnungen auskommen. Hunde, die also auf Verstärker nicht angewiesen sind, werden in der Gesamtheit immer beständiger und zuverlässiger arbeiten.
nur für sich selbst. Ihre Beweggründe sind dabei gar nicht so weit von den Unsrigen entfernt. Nahrung, gemeinsames Spiel, positive Zuwendung in Form von Körperkontakt oder Lob – eines oder alle motivieren zur Handlungsbereitschaft.
Bei primär motivierten Hunden ist das die Freude am Tun. Perfekt. Auch wir Menschen gehen ja nicht täglich zur Arbeit, um dem Chef zu gefallen. Wir arbeiten für unser Gehalt, auch mal aus Leidenschaft, für viel Spaß oder zur
Befriedigung unserer Grundbedürfnisse. Lohnt sich etwas, wiederholt man Verhalten. Lohnt sich etwas nicht, stellt man es ein. So „sehen“ das auch Tina, Tom und Trude.■
TINA
Warum ist das so? Weil Hunde Egoisten sind. Es sollte klar sein, dass Hunde nicht etwas tun, um uns Menschen zu gefallen. Sie tun nichts für uns, sondern sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
7
Glenn v Schaffe Foto: pics4dogs.eu
WISSENSCHAFT IM HUNDESPORT 8
Als interessierter und erfahrener Hundehalter kann man dem Thema Wissenschaft gar nicht aus dem Weg gehen. Ganze Trainingsweisen begründen sich vorgeblich auf „neuste wissenschaftliche Erkenntnisse“. In unserer hoch komplexen Welt liegt es nahe, Erklärungen und Anleitungen in der Wissenschaft zu suchen. Das schafft Sicherheit, wenn man auf der Suche nach Antworten ist, denn immerhin kommen diese von Experten. Diskussionen um das richtige Hundetraining werden so auch schnell auf eine pseudowissenschaftliche Ebene gehoben.
U
nd so passiert es, dass Lieschen Müller ihren stark ziehenden Schäferhund nicht mehr am Halsband führen möchte, denn die Schädlichkeit von diesem ist ja schließlich „wissenschaftlich belegt“.
Hinter all den wissenschaftlichen Fachbegriffen, Studien, Experimenten und Theorien werden der individuelle Hund und sein Halter immer unwichtiger. Die Wissenschaft soll erklären, wie der Hund und Halter trainieren und zusammen leben müssen. Dass Lieschen Müller ihren Schäferhund am Geschirr womöglich gar nicht halten kann, wird nicht großartig beachtet. Dass die Lerntheorie lediglich eine Theorie von vielen ist, ist egal.
positive Verstärkung
negative Verstärkung
= positive Belohnung
= negative Belohnung
Zugabe einer Konsequenz
Wegnahme einer Konsequenz
Beispiel: Angenehmes wird zugefügt, Hund bekommt Triebziel.
Beispiel: Unangenehmes wird entfernt.
positive Bestrafung
negative Bestrafung
= positive Strafe
= negative Strafe
Zugabe einer Konsequenz
Wegnahme einer Konsequenz
Beispiel: Unangenehmes wird hinzugefügt.
Beispiel: Angenehmes wird entfernt.
Bei der Heranziehung der Wissenschaft geht es meist nicht mehr um eine sachliche Auseinandersetzung, sondern um eine einseitige Bestätigung der eigenen Meinung. Betrachtet man die angeführten angeblich wissenschaftlichen Beweise mal näher, stellt man schnell fest, dass diese häufig
Verhalten tritt seltener auf
TEXT: NINA DANY-HIRSCH
Verhalten tritt häufiger auf
Wissenschaft im Hundesport HUNDESPORT
fehlinterpretiert wurden, sie eigentlich gar keine wissenschaftlich haltbaren Beweise in dem Sinne sind und sie schlicht keine Absolutaussagen (wie zum Beispiel „Hunde dürfen nie am Halsband geführt werden.“) zulassen. Dies passiert schnell, wenn wissenschaftliche Veröffentlichungen von Laien interpretiert werden. Die
Wissenschaft im Hundetraining verkommt schnell zu einer „Pseudowissenschaft“. Aber es klingt einfach so viel besser, wenn man die eigene Meinung mit einem „wissenschaftlich belegt“ unterstreichen kann – wer soll dagegen dann noch etwas sagen? Über Meinungen lässt sich schließlich vortrefflich diskutieren, über wissenschaftliche Fakten nicht, oder? v on w iSSenSchafT , T heorien unD h YpoTheSen Vereinfacht gesagt, ist Wissenschaft ein System, das aus der Hervorbringung, Bewahrung, Vermittlung und Lehre von Wissen besteht. Die Hervorbringung, sprich Forschung, verläuft unter der Verwendung wissenschaftlicher Methoden. Der Zweck der Wissenschaft ist es, über einen bestimmten Bereich der Wirklichkeit Aussagen zu treffen. sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
9
T
heorien sind erst einmal gedankliche (eben theoretische) Konstrukte, die einen Teilbereich der Wirklichkeit erklären und vorhersagen sollen. Um eine Theorie zu prüfen, erstellt man eine Hypothese, die diese entweder belegt oder widerlegt. Als konkretes Beispiel lässt sich hier die Lerntheorie der operanten Konditionierung nehmen.
Nun lässt sich nicht jedes Individuum der Welt in jeder Situation untersuchen. Also formuliert man eine Hypothese, die man gut überprüfen kann. Wenn ein Individuum über positive und negative Konsequenzen lernt, müsste ein Hund, der für ein bestimmtes Verhalten, wie „Sitz“, belohnt wird, dieses Verhalten häufiger zeigen. Hierzu kann man ein wissenschaftliches Experiment durchführen, was dies dann belegen kann. 10
Foto: iStockphoto / ahavelaar
Diese Theorie besagt, dass jedes Individuum über positive und negative Konsequenzen lernt.
Wissenschaft ist keine Handlungsanweisung für die Wirklichkeit.
D ie T heorie – ein B lickwinkel Theorien bilden grundsätzlich nur einen Teilbereich der Wirklichkeit ab. Der Mensch hat den Wunsch, seine Welt erklären zu können. Theorien helfen dabei.
D
ie gesamte Wirklichkeit mit all ihren Facetten kann eine Theorie gar nicht abbilden. Sie ist eher eine Vereinfachung dieser, weil sie sich auf einen bestimmten Bereich beschränkt, der auch überprüfbar ist. Wenn wir uns vorstellen, dass wir einen
Gegenstand betrachten, so nehmen wir eine bestimmte Perspektive ein. Wir sehen nur einen bestimmten Teil des Gegenstandes und nicht den ganzen. Um auch die anderen Seiten zu betrachten, müssen wir unsere Perspektive ändern. Dabei ist keine Perspektive „richtiger“ als die andere. Alle Perspektiven zusammen machen erst den ganzen Gegenstand aus. Hier liegt ein sehr häufiges Missverständnis begründet, wenn sich Hundehalter der Wissenschaft bedienen.
Theorien können allenfalls von ihrer Perspektive ausgehend sagen, wie der Gegenstand aussieht und welche Effekte man erwarten kann – von einer anderen Perspektive aus betrachtet, kann man schon wieder zu völlig anderen Ergebnissen kommen. Wie man handeln „soll“, sagt einem keine Wissenschaft – denn dafür ist sie nicht da. Sein Handeln nur an einer bestimmten Theorie zu orientieren, wird somit der Gesamtheit des Gegenstandes nicht gerecht. Wenn ich die Erziehung meines Hundes nur an der Konditionierungstheorie ausrichte, werde ich dem Wesen des Hundes nicht gerecht, weil ich das „Gesamte“ so nie erfassen werde.
Wissenschaft im Hundesport HUNDESPORT
Ein Hund möchte an der Leine zu einem anderen Hund stürmen. Der Halter schneidet ihm den Weg ab und blockt den Hund körpersprachlich. Beide gehen anschließend ruhig am anderen Hund vorbei. → Wenn wir nun unsere theoretische Brille der operanten Konditionierung aufsetzen, ist das Blocken eine positive Strafe. Der Hund wird in Zukunft dieses Verhalten weniger zeigen. → Wenn wir hingegen die theoretische Brille der sozialen
Lerntheorie aufsetzen, ist das Blocken eine soziale Aussage und das ruhige Weitergehen am Hund vorbei ist etwas, was der Hund im weitesten Sinne nachahmt. → Setzen wir die theoretische Brille der Kommunikation auf, hat der Halter dem Hund etwas mitgeteilt „das wünsche ich nicht, aber du kannst ordentlich hinter mir herlaufen“. Ein Sachverhalt, drei theoretische Brillen und drei unterschiedliche Aussagen. Dabei ist keine richtiger als die andere – jede bietet eine andere Perspektive, unter der man einen Sachverhalt betrachten kann. Dies ist ein häufig total verkannter, aber sehr wichtiger Aspekt. Theorien sind Teilausschnitte der Wirklichkeit. Diskussionen darüber entgleisen oft, weil den Menschen gar nicht klar ist, dass sie verschiedene Betrachtungswinkel einnehmen.
An dieser Stelle sollte auch klar sein, dass Wissenschaft eben keine Absolutaussagen hervorbringt. Innerhalb einer Theorie können Hypothesen formuliert werden, die die Theorie stützen können, wenn sie sich als wahr erweisen (zum Beispiel anhand von Studien). Sie sagen aber nichts darüber aus, wie die Wirklichkeit sich in Gänze darstellt. Diesen Anspruch haben Studien aber auch gar nicht.
Foto: AdobeStock
J
e nach Blickwinkel lassen sich auch erzieherische Maßnahmen unterschiedlich betrachten. Hierfür finde ich den Begriff der „theoretischen Brille“ gut anwendbar und hier möchte ich jeden Leser und jede Leserin ermutigen, mit mir einen Sachverhalt unter verschiedenen theoretischen Brillen zu betrachten.
Nur weil in einer Studie an Belgischen Schäferhunden gezeigt wurde, dass diese weniger Stress haben, das „Aus“-Kommando zu lernen, wenn positive Strafe verwendet wurde als bei negativer Strafe, heißt das nicht, dass man nun auf negative Strafe verzichten sollte und nur noch positiv strafen soll. (Böhm 2009) Für interessierte Hundehalter bedeutet das auch, dass sie sehr vorsichtig sein sollten, wenn Absolutaussagen mit einem „wissenschaftlich belegt“
begründet werden. Hier lohnt sich ein Blick in die Originalquellen, die diese Aussagen entsprechend relativieren können. sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
11
U
m die Qualität der eingereichten Artikel in einer Fachzeitschrift zu gewährleisten, wurde der sogenannte „Peer-Review-Prozess“ 12
entwickelt. Eingereichte Studien werden vom Verlag an unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet weitergeleitet. Diese können das Manuskript entsprechend bewerten und einer Veröffentlichung zustimmen, es zur Überarbeitung zurück zum Autor schicken oder auch eine Veröffentlichung ablehnen. Artikel, die eine solche Qualitätssicherung nicht durchlaufen haben, sind entsprechend vorsichtig zu beurteilen. Noch vorsichtiger sollte man bei Artikeln aus den populären Medien oder Blogs sein. In diesen findet man besonders oft die bereits vorher beschriebenen Absolutaussagen und Fehlinterpretationen. Hier fehlt gänzlich die fachliche Kontrolle. Es gibt allerdings auch noch einige weitere Punkte, die man bei einer wissenschaftlichen Veröffentlichung beachten sollte. D ie S tichprobe – wer nimmt teil ? Nicht nur die Theorien bilden einen Teilbereich der Wirklichkeit ab – auch die Studienteilnehmer
Foto: Constanze Rähse
H ilfe – eine S tudie ! Wer sich die Mühe macht, in die Originalquellen schauen zu wollen, wird aber in den meisten Fällen zunächst große Schwierigkeiten haben. Nicht immer sind die Originalquellen frei verfügbar. Hier führt der Weg entweder über Universitätsbüchereien oder über den entsprechenden Autor. Wissenschaftliche Texte sind in der Regel nicht national beschränkt. Um auch international gelesen werden zu können, sind die entsprechenden Texte meist auf Englisch verfasst. Sie richten sich grundsätzlich an ein Fachpublikum. Dieses Fachpublikum besteht aus anderen Forschern und Wissenschaftlern des entsprechenden Fachgebiets. Diese Texte sind nicht für den Laien aufbereitet und gespickt mit vielen Fachausdrücken, die man nachschlagen muss.
tun dies. Sowohl bei Experimenten, als auch bei Beobachtungen und Befragungen werden die Studienteilnehmer ausgewählt. So waren die Teilnehmer der Studie über die Auswirkungen von positiver und negativer Strafe beim Erlernen des „Aus“Kommandos Belgische Schäferhunde, die bei der Polizei als Diensthunde geführt wurden. Nicht nur die Haltung und Ausbildungsweise unterschied sich vom normalen Familienhund
– die Ausbilder unterschieden sich ebenfalls vom normalen Hundehalter. Es wäre denkbar, dass das „Aus“ über die negative Strafe schlicht nicht gut umgesetzt wurde, weil die Ausbilder damit weniger Erfahrung hatten. Ebenfalls wäre denkbar, dass die Hunde aufgrund ihrer Vorerfahrungen bei der positiven Strafe weniger Stress hatten. Verallgemeinern lässt es sich auf jeden Fall nicht.
Wissenschaft im Hundesport HUNDESPORT K orrelation vs . K ausalität Grundsätzlich lassen sich zwei wissenschaftliche Methoden in der Forschung unterscheiden: Die Beobachtung (zu der auch die Fragebogenerhebung gehört) und das Experiment. In einer Beobachtung lassen sich nur Korrelationen (Zusammenhänge) überprüfen und keine Kausalitäten (Wirkungsursachen).
K
orrelationen sind statistische Zusammenhänge, die berechnet werden können. So ließe sich ein Zusammenhang berechnen zwischen der Tragedauer eines Maulkorbes und dem aggressiven Verhalten eines Hundes. Man könnte also beobachten, dass je aggressiver der Hund sich verhält, desto länger muss er einen Maulkorb tragen. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass der Maulkorb den Hund aggressiv macht. Besonders bei medizinischen Laienmeinungen wird dies nicht beachtet – die Aussage, dass die Hunde heute kränker
sind als früher, wird selten mit der gesteigerten Lebenserwartung der Hunde, den besseren diagnostischen Möglichkeiten und einer veränderten Haltung (vom Arbeits- zum Familienhund) in Verbindung gebracht.
Korrelation bedeutet nicht Kausalität! Nur weil früher gewisse Krankheiten nicht diagnostiziert wurden, heißt es nicht, dass die Hunde damals gesünder waren. Kausalität lässt sich nur in Experimenten nachweisen. Um zu testen, ob Hunde durch einen Maulkorb aggressiver werden, könnte man Hunde einen Maulkorb tragen lassen und dann beobachten, ob die Hunde tatsächlich aggressiver werden. Hier müssen auch wieder verschiedene Dinge beachtet werden. So gibt es auch andere Faktoren, die ein Verhalten beeinflussen können. Diese Faktoren muss man, soweit es
geht, eliminieren, um den einen Faktor, den man untersuchen möchte, als einzige Verhaltensbeeinflussung testen zu können. So können der Ort, der Versuchsaufbau, die Vorerfahrung des Tieres und der Prüfer einen starken Einfluss haben. Ein Hund, der den Maulkorb positiv kennengelernt hat, zeigt womöglich ein anderes Verhalten als einer, der ihn einfach aufgesetzt bekommen hat. Ein Hund zeigt in seinem Territorium ein anderes Verhalten, als in einer fremden Umgebung. Und selbst der Prüfer hat einen Einfluss darauf. B eobachtereinflüsse – die R osenthal -R atten Ein spannendes Experiment dazu hat Robert Rosenthal durchgeführt. Er teilte seine Studenten in zwei Gruppen auf, die Ratten durch ein Labyrinth laufen lassen sollten. Den einen Studenten wurde gesagt, dass ihre Ratten auf Dummheit gezüchtet wurden. Den anderen wurde gesagt, dass ihre Ratten
auf Intelligenz gezüchtet wurden. Tatsächlich waren weder die einen, noch die anderen dümmer oder intelligenter. Am Ende waren jedoch die Ergebnisse der vermeintlich intelligenten Ratten besser als die der „dummen“ Ratten. Die Studenten haben durch ihren eigenen Umgang mit den Ratten Einfluss auf die Testergebnisse genommen. (Rosenthal & Fode 1963) L aborversuche Es ist dementsprechend wichtig, solche möglichen Störungen des Versuchs durch einen geschickten Versuchsaufbau zu eliminieren. Das Problem dieser sogenannten Laborversuche ist jedoch gleichzeitig auch wieder die Abwesenheit dieser Störungen. Im Alltag sind all diese „Störungen“ keine Störungen, sondern wichtige Elemente, die Verhalten beeinflussen. Allein schon aus diesem Grund sind Aussagen in der Absolutheit, wie sie in der Hundeszene sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
13
häufig gemacht werden, überhaupt nicht möglich. Auch hier wird nur ein kleiner Aspekt der Wirklichkeit untersucht. Erschwerend kommt bei biologischen Experimenten der Verhaltensforschung hinzu, dass diese nicht immer an Hunden, sondern sehr häufig an Ratten, Mäusen und anderen Tieren durchgeführt werden. Dies sollte man bei der Interpretation immer im Hinterkopf haben. g üTekriTerien alS Q ualiTäTSkriTerien Wie man sieht, gilt es, bei der Forschung viel zu beachten. Man spricht bei der Prüfung der Qualität einer Studie auch von „Gütekriterien“. Hier möchte ich nur zwei exemplarisch aufgreifen. Zum einen wäre das die „Objektivität“ – das ist das Maß, inwiefern ein bestimmtes Ergebnis unabhängig von den beteiligten Personen ist. Der „Rosenthal-Effekt“ wäre ein Beispiel für eine Untersu14
chung, bei der keine Objektivität gegeben war, denn die Ergebnisse der Ratten waren im hohen Maße abhängig von den bei dem Versuch beteiligten Personen. Im Bereich des Hundeverhaltens muss man hier auch Fragebögen kritisch sehen, die die Hundehalter selbst ausfüllen.
K
ein Hundehalter kann seinen Hund ganz objektiv beurteilen und schildern. Auch ist fraglich, ob Verhalten immer richtig interpretiert wird und ob das Verhalten immer gleich interpretiert wird. Der eine Hundehalter würde seinen Hund nicht als aggressiv bewerten, wenn er an der Leine bellt, wogegen ein anderer dies als Aggression sieht. Ein weiteres Gütekriterium wäre die Gültigkeit (Validität), die etwas darüber aussagt, inwiefern eine Messung überhaupt das misst, was sie messen soll. So gibt es eine Studie über aggressives Verhalten von Hunden
im Zusammenhang mit aversiven Trainingsmethoden, die gern herangezogen wird. Neben anderen Techniken, wurde in dieser Studie auch das Aufsetzen eines Maulkorbs als aversive Trainingsmethode eingeschätzt. Hier lässt sich zu Recht fragen, ob das Tragen eines Maulkorbs überhaupt die „Aversivität“
eines Trainings misst. Ein Maulkorb lässt sich auch positiv belegen und Hunde, die aggressiv sind, tragen wahrscheinlich auch eher einen Maulkorb. Die häufige Aussage „aversives Training führt zu verstärkter Aggressivität“ lässt sich damit zumindest nicht untermauern. (Herron et al 2009)
Draht-Maulkörbe Baskerville
Code:
20%
MAULKORB20
Rabatt auf Maulkörbe
W issenschaftliche B egriffe falsch genutzt Nicht nur Studien werden pseudowissenschaftlich interpretiert. Auch wissenschaftlich feststehende Begriffe werden das. Nachdem publik wurde, dass Wolfsrudel meistens aus Familienverbänden bestehen, wurde in Diskussionen, in denen das Wort „Rudel“ im Zusammenhang mit den eigenen Hunden fiel, empört aufgeschrien.
Ein Rudel ist lediglich eine geschlossene und individualisierte Form einer Tiergesellschaft. Geschlossen bedeutet, dass die Tiere nicht austauschbar sind und individualisiert, dass die Tiere sich untereinander wiedererkennen.
„Ihr seid nicht verwandt, also seid ihr auch kein Rudel!“
In diesem Sinne lebe nicht nur ich mit meinen Hunden in einem Rudel – selbst meine Katzen gehören dazu. Keiner von uns ist beliebig austauschbar und erkennen tun wir uns untereinander auch. Ein weiteres, momentan sehr beliebtes Phänomen ist auch die „erlernte Hilflosigkeit“. Immer wieder wird gesagt, dass diese aufträte, wenn ein Hund schlechte oder gar keine Erfahrungen macht. Teilweise wird sogar behauptet, dass Strafen einen Hund „erlernt hilflos“ machen würden.
Nun sind Hunde keine Wölfe und nur weil die Rudel bei Wölfen meist aus Familien bestehen, heißt es nicht, dass ein Rudel ein Familienverband ist.
Hinweis: Einfach den Gutscheincode am Ende deiner Bestellung in das Gutscheinfeld eingeben und automatisch 20% Rabatt auf alle Maulkörbe im Sortiment erhalten. Nur ein Rabattcoupon pro Person einlösbar. Nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. Der Coupon ist gültig bis 28.02.2021.
Foto: iStockphoto / K_Thalhofer
Wissenschaft im Hundesport HUNDESPORT
(Spektrum 1999)
„Erlernt hilflos“ klingt schlimm und wenn Untersuchungen dazu sagen, was für verheerende Auswirkungen sie haben kann, möchte man dies natürlich umgehen. Tatsächlich hat die „erlernte Hilflosigkeit“ aber nichts damit zu tun.
E
in Individuum, das erlernt „hilflos“ ist, hat keine Strategie mehr, um eine
Situation zu bewältigen und tut dann gar nichts mehr. Dies tritt aber nur auf, wenn es die Erfahrungen gemacht hat, dass egal was es tut, es keinen Effekt auf die ihn betreffende Einwirkung hat. Er kann dieser Einwirkung weder durch Meiden, noch irgendeine andere Verhaltensweise entgehen – er hat überhaupt keine Kontrolle über das, was passiert und egal, was er tut, es sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
15
Eine Strafe, die bei einem bestimmten Verhalten eingesetzt wird und aussetzt, sobald es nicht mehr gezeigt wird, kann schon per Definition nicht zu einer erlernten Hilflosigkeit führen. Ein Hund, der diese Strafe meidet, hat eine Bewältigungsstrategie. Man muss schon psychopathische Züge haben, um einen Hund zu einer erlernten Hilflosigkeit zu bringen. Dieser Effekt lässt sich im Labor übrigens auch mit positiven Einwirkungen herbeiführen. (Sonoda et al 1991) Wissenschaft zwischen Verkaufsstrategien, Laienmeinungen und Hundeerziehung Die Berücksichtigung von wissenschaftlichen Erkenntnissen im Hundetraining ist, wie man schon an diesen Ausführungen 16
sieht, gar nicht so leicht. Viele Laien interpretieren wissenschaftliche Ergebnisse falsch oder überzogen, weil sie vom wissenschaftlichen Arbeiten schlicht kaum bis gar keine Ahnung haben. Das ist auch nicht schlimm, denn dafür studieren Menschen.
W
issenschaftliche Erkenntnisse können sehr spannend sein, vor allem wenn sie helfen, das Wesen des Hundes besser zu verstehen. Sie sagen aber niemals, wie man nun mit Hunden zu leben und zu trainieren hat. Wissenschaftliche Aussagen müssen immer zusammen mit der Theorie und dem „Design“ der Studie betrachtet werden. Sie lassen keine losgelösten Absolutaussagen zu. Leider wird jedoch genau dies oft gemacht – allerdings nicht, um eine fachliche Debatte zu führen, sondern um die eigenen (ethisch begründeten) Entscheidungen zu untermauern. Training nach „neusten wissenschaftlichen Er-
kenntnissen“ klingt sehr schick. Es lässt sich gut verkaufen und scheint auch besser zu sein als andere Trainings, die ja überholt sein müssen, wenn sie anders sind. Wissenschaft darf keine Verkaufsstrategie sein! Wissenschaft schafft Wissen – sie gibt keine Handlungsempfehlung ab. Und wer der populären Laienmeinung bei manch wissenschaftlicher Veröffentlichung nicht folgt, ist nicht altbacken.
Hundehaltung und Hundeerziehung ist etwas zutiefst Individuelles. Es lässt sich in kein Schema pressen. Erst viele unterschiedliche Perspektiven lassen einen Blick auf „das große Ganze“ zu. Sich verschlossen dagegen zu wehren, wird der Individualität von uns und unseren Vierbeinern nicht gerecht. Man benötigt auch keine PseudoWissenschaftlichkeit, um seine Erfahrungen aus der Praxis zu bestätigen.
Foto: Constanze Rähse
gibt nichts was einen Einfluss darauf hätte. Die Einwirkung erfolgt völlig willkürlich und steht mit nichts im Zusammenhang. (Seligman & Maier 1967)
Aber Wissenschaft kann viel Spaß machen, wenn man sich – wie ein Forscher – neugierig und unvoreingenommen mit ihr beschäftigt. ■ Quellenangaben: Böhm, Inke (2009): Vergleich der Stressauswirkungen anhand von Speichelcortisolwerten und der Lerneffekte von drei Ausbildungsmethoden bei Polizeidiensthunden. Dissertation, Tierärztliche Hochschule Hannover Herron, Meghan E.; Shofer, Frances S. & Reisner, Ilana R. (2009): Survey of the use and outcome of confrontational and non-confrontational training methods in client-owned dogs showing undesired behaviors. Applied Animal Behaviour Science Vol. 117. 47–54 Spektrum, Lexikon der Biologie (1999) Online verfügbar: http://www.spektrum.de/lexikon/ biologie/rudel/57810 Rosenthal, Robert; Fode, K. L. (1963): The Effect of Experimenter Bias on the Performance of the Albino Rat. Behavioral Science Vol. 8. 183-189 Seligman, Martin E.P. & Maier, Steven F. (1967): Failure to escape traumatic shock. Journal of Experimental Psychology Vol.74 (1) Sonoda, Akihito; Okayasu, Takahiro & Hirai, Hisashi (1991): Loss of controllability in appetitive situations interferes with subsequent learning in aversive situations. Animal Learning & Behaviour Vol. 19 (3). 270-275Fühlen Hundeur ganz pragmatisch?
AUFGEPASST UND ZUGESCHNAPPT!
Jetzt kein Heft mehr verpassen!? Februar/März 2021 EVP: 1,90 EUR Februar/März 2021 EVP: 1,90 EUR Februar/März 2021 EVP: 1,90 EUR
MAGAZIN#8 #8 MAGAZIN MAGAZIN #8 Hauptsache motiviert!
Hauptsache motiviert! Motivation als Basis für das Lernen Hauptsache motiviert! Motivation als Basis für das Lernen Motivation als Basis fürim dasHundesport Lernen Wissenschaft Wissenschaft im Hundesport Ohne Grundwissen gehts nicht! Wissenschaft im Hundesport Ohne Grundwissen gehts nicht! Ohne Grundwissen gehts nicht! Punkte im Hundesport
Punkte im Hundesport gibts nicht nur auf dem Richterblatt Punkte im Hundesport gibts nicht nur auf dem Richterblatt gibts nicht nur auf dem Richterblatt Pankreasinsuff izienz Pankreasinsuff izienz Die krankhafte Verdauungsstörung Pankreasinsuff izienz Die krankhafte Verdauungsstörung Die krankhafte Verdauungsstörung
∙ ∙ ∙ Hundesport-Themen ∙ kynolog. Fachbeiträge ∙ Interviews ∙ Produktvorstellungen ∙ ∙ ∙ ∙ ∙ ∙ Hundesport-Themen ∙ kynolog. Fachbeiträge ∙ Interviews ∙ Produktvorstellungen ∙ ∙ ∙ ∙ ∙ ∙ Hundesport-Themen ∙ kynolog. Fachbeiträge ∙ Interviews ∙ Produktvorstellungen ∙ ∙ ∙
im ABO iminformiert ABO iminformiert ABO bleiben informiert bleiben bleiben
Jahres-Abonnement Deutschland Jahres-Abonnement Europa
11,40 EUR 22,20 EUR
alle zwei Monate druckfrisch und versandkostenfrei geliefert • Abo endet automatisch nach einem Jahr
Sporthund Magazin
Foto: Rick Letteboer
TEXT: KAROLINA KRÜGER
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? 18
Was Hänschen nicht lernt, ...
KYNOLOGIE
D
as Geheimnis des Erfolges liegt in einer möglichst frühen Förderung des Hundes ... so glauben das viele, die sich einen Welpen kaufen und Hundesportler sowieso. Ein Welpe wird also möglichst mit acht Wochen in sein neues Zuhause gebracht, damit er sein Umfeld und seinen Hundeführer kennenlernt, Bindung aufbaut und den besten Start ins Hundeleben und in die Ausbildung bekommt. Was in den ersten Wochen verpasst wird, scheint uneinholbare, verlorene Zeit.
Diese Fragen beantwortet die Kynologie aktuell inzwischen anders als bisher. Tatsächlich entwickelt sich das Gehirn des Hundes nie wieder so rasend schnell, lernt Neues und bildet neuronale Verknüpfungen, wie im ersten Lebensjahr. Dabei sind es viele unterschiedliche Areale, die sich gleichzeitig entwickeln. Bezogen auf die rein physische Gehirnentwicklung ist das zwar richtig, dennoch mussten in den letzten Jahrzehnten in der Neurologie viele Überzeugungen revidiert werden.
Das Gedächtnis braucht mit zunehmendem Alter zwar länger, sich Neues zu merken, doch je besser das Individuum gelernt hat zu lernen, je mehr Lernmechanismen aktiviert und Ebenen des Lernens erreicht wurden, desto länger erhalten sich auch Flexibilität, Merkfähigkeit und Lernfreude.
Glaubte man früher Verletzungen des Gehirns seien irreversibel, weiß man inzwischen, dass andere Regionen Aufgaben verletzter Teile übernehmen können, sich neue Verknüpfungen bilden und so eine Wiederherstellung körperlicher und geistiger Fähigkeiten möglich ist. Und weil das so ist, weil das Gehirn nie aufhört sich nach neuen Anforderungen oder Notwendigkeiten umzubilden, ist Lernen bis ins hohe Alter möglich. Vorausgesetzt, dass die Motivation dafür nicht in Stupidem und Abstumpfendem, immer Gleichem erstickt.
☐ Lebensbaustelle Gehirn Geboren werden Säugetiere bereits mit allen Nervenzellen, die ihnen jemals zur Verfügung stehen werden. Im Laufe der Kindheit und Jugend sind es, einfach gesagt, die Isolierungen um die Nervenbahnen, die wachsen und einen großen Anteil an der Gehirnvergrößerung haben. Diese weiße Substanz, das Myelin, wächst nach und nach um die Axone und isoliert so die Nervenstränge. Das bewirkt eine deutlich zuverlässige und vor allem schnellere Impulsweiterleitung. sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
19
Foto: iStockphoto / koto_feja
Ist das wirklich so? Ist früher immer besser?
☐ Schnelltrassen erhöhen Lernerfolg Die zweite große Komponente der Gehirnentwicklung ist die Verknüpfung der Nervenzellen. Die Axone verbinden die einzelnen Nervenzellen und leiten so über stärker oder weniger stark ausgebildete Datenautobahnen die Impulse weiter. Es sind diese Nervenbahnen, die Training und Ausbildung bilden und verstärken und die, die Verknüpfungen mit den Muskeln und Gliedmaßen herstellen. Neben diesen physiologischen Prozessen laufen beim Lernen auch chemische Prozesse ab, die das Erinnern unterstützen. Emotionales Lernen erlaubt dem Hund sehr viel schneller Informationen abzuspeichern. Ein Cocktail verschiedener Hormone aktiviert das chemische Gedächtnis, das einen sehr hohen Erfolgsanteil hat und sowohl durch negative wie positive Gefühle schnell und nachhaltig ans Ziel führt. Leider verpassen wir oftmals das optimale Fundament sowohl chemisch, neuronal, wie auch funktional bei unseren Welpen breit zu gründen. Wir verschenken quasi das Potenzial, das unsere Hunde bereithalten, indem wir sie relativ steril, emotionslos und einseitig trainieren, um schnell sichere Ergebnisse zu erzielen. ☐ Links- und Rechtshänder Wer kennt es nicht aus eigener Erfahrung? Schon als Kind entscheiden wir unbewusst über unsere Händigkeit. Wir bevorzugen die dominante Hand, nutzen sie für alles und lassen zu, dass die schwache Hand immer ungeschickter wird. Umerzogene Linkshänder oder Menschen, die sich die dominante Hand verletzt hatten, entwickeln zwangsläufig eine bessere Koordination durch verstärkte Nutzung dieser sonst vernachlässigten Hand. Dieses Beispiel erklärt nachvollziehbar wie neuronales Training funktioniert. Nun entscheiden wir meist selbst, welche Körperseite unsere dominante ist – ein Hund muss sich den Vorgaben des Hundeführers beugen und da läuft er nun mal links. Vielleicht läge diesem Hund 20
die rechte Seite von seiner vorgegebenen Motorik und Orientierung aber besser, wer weiß? Idealerweise sorgt ein beidseitiges Training nicht nur für bessere körperliche Harmonie und Muskelaufbau, es verhindert auch Einseitigkeit in der Haltung und beugt damit Skelett-, Sehnen- und Muskelschäden vor. Gleichzeitig werden doppelt so viele Nervenbahnen angelegt, wodurch der Hund aufmerksamer, konzentrierter und flexibler in seinem Tun wird. ☐ Neben der Gehirnreifung spielen andere Faktoren eine wichtige Rolle beim Lernerfolg Waren Jahrzehnte lang die Klassische und die Instrumentelle Konditionierung die primär angewandten Lernformen im Hundesport, finden sich inzwischen langsam andere Lernstrukturen, die ein Abstumpfen und Festfahren in automatisierten Abläufen verhindern und die Hunde bis ins Alter freudig arbeiten und lernen lassen. Ein abwechslungsreiches aktives Lernen mit einem hohen Maß an Eigeninitiative, selbstständigem Ausprobieren und Handeln auch durch Unterstützung der bekannten Konditionierungen, wie zum Beispiel beim Shapen, führen zu einer großen Aufmerksamkeit, weil die Arbeit für den Hund unvorhersehbar ist.
??? FACHBEGRIFFE kurz erklärT: k
LERNFORMEN BEIM HUND: Assoziationslernen: Klassische Konditionierung (=Erlernen reflexartiger Reaktionen ohne Einfluss des Denkens) Operante Konditionierung (=Lernen an Erfolg und Misserfolg) Nicht-Assoziationslernen: Habituation (=Lernen durch Gewöhnung) Sensibilisierung Soziales Lernen: Beobachtung Nachahmung
Was Hänschen nicht lernt, ...
Ist der vermeintliche Nutzen das Risiko wert? ☐ In der Ruhe liegt die Kraft Tatsächlich ist die Übernahme eines Welpen mit acht Wochen aus verhaltensbiologischer Sicht nicht optimal. Udo Gansloßer, Verhaltensbiologe der Uni Greifswald, beschreibt gestützt auf Studien seiner Kollegen Adam Miklosi, James Serpell und John Bradshaw, dass der Hund möglicherweise ab der 12. wahrscheinlicher sogar erst ab der 15. Lebenswoche überhaupt erst beginnt, Bindung zu einem spezifischen Menschen aufzubauen, sich also einer bestimmten Person anzuschließen. Die Wochen vorher dienen im geschützten Umfeld dem Beobachtungslernen und der Sozialisierung. Welpen, die beim Züchter eine generalisierte positive Erfahrung mit Menschen im Allgemeinen gemacht haben, sind prädestiniert ab der 15. Woche eine enge und belastbare Bindung zu ihrem neuen Besitzer aufzubauen. Insofern ist bei einer späteren Übernahme kein Nachteil für die Mensch-Hund-Beziehung zu befürchten. Eine breite allgemeine Förderung beim Züchter bietet
Foto: Gegen ein frühes Fördern spricht nichts, wenn es nicht überfordert.
Foto: privat
☐ Das emotionale Lernen beinhaltet auch die Kommunikation und den Bindungsaufbau in großem Maße Der Wunsch nach einer gefestigten Bindung verleitet dazu, den Hund möglichst früh beim Züchter abzuholen. Gesetzlich geregelt darf das innerhalb Deutschlands mit acht Wochen passieren. Hunde, die aus dem Ausland eingeführt werden, dürfen erst mit gültiger Tollwutimpfung, also mit 16 Wochen kommen. Die Versuchung, einen Welpen schon vorher über die grüne Grenze zu schmuggeln ist, in Anbetracht der Angst, wichtige Zeit zu verpassen, groß und birgt die Gefahr, dass der Hund bei Entdeckung oder zum Impftermin beim Tierarzt beschlagnahmt wird und in eine zweimonatige amtsveterinäre Quarantäne muss.
KYNOLOGIE
eine gute Basis für das gesamte Leben. Tatsächlich überwiegen bei der späteren Abgabe die Vorteile, insbesondere dann, wenn die Welpen in einem Rudel mit Babysitterhunden aufwachsen. „Die bisherigen Vorstellungen, dass eine korrekte Sozialisierung eines Welpen und Junghundes mit der neuen Familie eine Abgabe im Alter von acht bis neun oder vielleicht sogar schon unter acht Wochen erfordern würden, beruhen auf Fehlinterpretationen früherer Daten. [...] Es sollte daher wichtiger sein, die Sozialisierung der Welpen in ihrer primären Umgebung, also in der Familie und im Umfeld des Züchters zu optimieren und stattdessen das von der Entwicklungsbiologie gefundene Zeitfenster bis zum Ende der zehnten bis zwölften Woche dort verbringen zu lassen.“ So Udo Gansloßer in seinem, mit Petra Krivy geschriebenen, Buch „Ein guter Start ins Hundeleben“. In diesem Sinne, was Hänschen gut behütet für sein Leben lernt, macht es Hans einfacher bis ins hohe Alter flexibler und lernoffen zu bleiben, um vielleicht auch nachzuholen, was bei Hänschen verpasst wurde. ■ sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
21
PR-Artikel
Bildrechte: GladiatorPLUS
Das Körpermilieu entscheidet über Gesundheit oder Krankheit, einen starken oder einen schwachen Körper.
Die Intelligenz des Körpers
Hunde richtig unterstützen & Probleme dauerhaft lösen 22
Die Intelligenz des Körpers GESUNDHEIT Erfände man eine Maschine, annähernd so perfekt wie der Körper des Hundes, wäre dies eine wissenschaftliche Sensation. Denn der Hundekörper ist ein genial konstruiertes System. Tag für Tag meistert er hochkomplexe Aufgaben, erschnüffelt winzigste Duftpartikel, überwindet mühelos Hindernisse und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h. Grund genug, bei körperlichen Problemen auf seine ureigene Kraft zu vertrauen. Vielleicht ahnten Sie es schon: Ihr Hund ist eine Supermaschine. Ein Wunderwerk der Natur, das sich rund um den Erdball an verschiedenste Lebensräume und Aufgaben angepasst hat. Vom größten Organ bis zur kleinsten Arterie ist der Hundekörper darauf ausgerichtet, sich selbst gesund zu erhalten. Er kann eigene Wunden heilen, Sehnen und Knochen reparieren, Muskeln nach Bedarf bilden und sich vor Krankheiten schützen. Auch Wissenschaftler
staunen regelmäßig, wie klug er auf Belastungen reagiert. Dennoch ist das Vertrauen in den Hundekörper und sein Potenzial oft gering. Auf der Suche nach gesundheitlichen Lösungen wird schnell vergessen, wozu die Natur in der Lage ist. Treten Probleme auf, sollen diese stattdessen möglichst auf Knopfdruck geheilt werden. Raten Tierärzte dazu, nur das Immunsystem zu unterstützen und erst einmal abzuwarten, sehen sie sich häufig in der Kritik. Dabei ist jede Heilung eine Selbstheilung. Niemand kann einen anderen gesund machen. Die Kunst liegt vielmehr darin, den Hund im Prozess der Selbstheilung und des Selbstschutzes optimal zu unterstützen. � Die Helden im Hintergrund Was wir nicht sehen, sind die heimlichen Akteure im Hintergrund. Die wahren Helden im Inneren des Körpers, die diese erstaunlichen Leistungen
Prävention, Problemlösung, Potenzialentfaltung* Die GladiatorPLUS Milieufütterung Das Konzept der Milieufütterung entstand aus langjährigen Beobachtungen und der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass das Körpermilieu Einfluss auf sämtliche Organe und Prozesse eines Organismus hat. Mit Hilfe der richtigen Impulse soll das Körpermilieu in seinem idealen Zustand erhalten werden, für vital arbeitende Organe, einen guten Stoffwechsel, eine problemlose Entgiftung und ein normales Immunsystem. Die Idee der Milieufütterung ist es, in jedem Bereich des Körpers optimale Bedingungen zu wahren, sodass sich der Körper des Hundes selbst auf ein neues Gesundheitslevel bringen und dieses dauerhaft erhalten kann. * Prävention als aktive und natürliche Gesunderhaltung. Problemlösung als Ausgleich fütterungsbedingter Problematiken. Potenzialentfaltung für einen Körper in seiner natürlichen Kraft. Mehr Gesundheitswissen: www.gladiatorplus.com/hundesport
möglich machen. Eine hoch intelligente Arbeitsgemeinschaft aus Organen, die sich gegenseitig zuarbeiten und stets bemüht sind, kleinere Schwächen des anderen aufzufangen. Tagtäglich leiten sie unzählige hochkomplexe Prozesse an. Nährstoffe müssen verteilt, Viren, Bakterien und Pilze abge-
wehrt werden. Permanent ist Regeneration im Gang, Zellen werden repariert und erneuert. Was viele nicht wissen:
All diese überlebenswichtigen Prozesse haben einen gemeinsamen Nenner – das Körpermilieu. sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
23
24
„Ich möchte einen Hund, der zu 100 Prozent seine Leistung abrufen, sich zu 100 Prozent konzentrieren und zu 100 Prozent auf seine Energiereserven zugreifen kann. Das funktioniert nur, wenn der Hund von innen heraus gut aufgestellt ist und sein Potenzial optimal nutzen kann. Davon bin ich überzeugt. Gutes Futter trägt seinen Teil dazu bei, aber auch ein starkes Immunsystem und ein gesundes Körpermilieu sind dafür ausschlaggebend.“
Bildrechte: GladiatorPLUS
Das innere Körpermilieu gleicht dem Arbeitsklima einer Firma. Herrscht ein gutes Klima, fühlen sich die Mitarbeiter wohl und die Arbeit fällt ihnen leicht. Auch die „Mitarbeiter“ des Körpers sind abhängig von einer guten Grundstimmung – einem gesunden Körpermilieu. Dieses entscheidet, wie gut jedes Organ, jeder Prozess bis hin zur kleinsten Zelle arbeiten kann und wie harmonisch das Zusammenspiel der einzelnen „Abteilungen“ ist. Das Körpermilieu entscheidet über Gesundheit oder Krankheit, einen starken oder einen schwachen Körper. Wenn wir dies verstehen und das Vertrauen in den Körper wiederfinden, tun sich neue Möglichkeiten für unsere Hunde auf. Denn dann können wir ihren Körper sinnvoll unterstützen und körperliche Probleme dauerhaft lösen.
Hundesportler über die Milieufütterung
� Hilfe zur Selbsthilfe – die GladiatorPLUS Milieufütterung
Tobias Wüst, Agility Weltmeister
Foto: Pavel Humpolec Photography
� Die Bedeutung des Körpermilieus für die Gesundheit des Hundes
Wir haben es in der Hand: Als „sein“ Mensch ist es unsere Aufgabe, unserem Hund die optimalen Rahmenbedingungen für sein Training zu bieten – äußerlich wie innerlich. Über die Fütterung können wir ein stabiles Fundament für gesunde Motivation schaffen. Gerade für geforderte und aktive Hunde
ist die Fütterung nicht nur die wichtigste Kraft- und Energiequelle. Sie ist auch aktive innere Körperpflege und Gesundheitsprävention, die den Organismus in all seinen Funktionen unterstützt. Ein gesunder Körper kann (fast) alles – aber manchmal braucht er unsere Unterstützung. ■
Die Intelligenz des Körpers GESUNDHEIT
Lebensfreude
Die Milieufütterung®
ist der schönste Ausdruck
Das intelligente Fütterungskonzept für dauerhafte Vitalität und Lebensfreude.
von Gesundheit.
Nicht unzählige verschiedene Mittel, sondern:
Eine sinnvolle Lösung.
Die Kraftquelle als Multitalent. Körpermilieu Immunsystem Darm- u. Leberpflege Regeneration Potenzialentfaltung Arbeitsfreude
Foto: Rick Letteboer
Mia ist Deutschlands erfolgreichster Dog Frisbee-Dalmatiner
Punkte im Hundesport TEXT: CONSTANZE RÄHSE
26
gibt es nicht nur auf dem Richterblatt
Punkte im Hundesport
KYNOLOGIE
W
enn jemand seine Punkte zur Prüfung schon mitbringt, dann wird sein Teampartner wohl ein Dalmatiner sein. Anila, Mia, Amy und Bella sind solche Teampartner. In den unterschiedlichsten Hundesportarten. Ihre Hundeführer und meine Interviewpartner sind Clarissa Scheffler, Rosa Barsnick und Manuela Jansen, alle seit Jahren im Hundesport aktiv.
Clarissa & Anila Obedience
Nun ist die Rasse jetzt sicher nicht die typischste in der Szene. Aber sie wird als universell einsetzbar beschrieben und wurde von mir auch schon in so ziemlich jeder Hundesportart gesichtet. Im Frisbee, im Obedience, im Agility, im THS und vor allem im Zughundesport sind mir die gepunkteten Sportexoten schon aufgefallen, wenn auch wahrscheinlich erstmal durchs Erscheinungsbild, das ja durchaus seinesgleichen sucht. Dalmatiner zählen laut VDH „mit zu den ältesten bekannten Hunderassen und sollen ihr ursprüngliches Erscheinungsbild bis heute kaum erwähnenswert verändert haben“. Ihre Tupfen strahlen Fröhlichkeit aus, sollen gemäß Rassestandard sogar bestimmte Kriterien erfüllen. Möglichst rund sollen sie sein, symmetrisch verteilt und möglichst deutlich von der weißen Grundfarbe abgegrenzt. Also manchmal fragt man sich ja schon, welche Bedeutung solche Rassemerkmale haben und wer diese mal festgelegt hat. Nun, ich bin mir sicher, dass dies nicht ausschlaggebend für meine drei Interview-
„
Rosa & Mia Dog Frisbee
Manuela & Amy & Bella THS, Zughundesport, Dummyarbeit
EIN AUSGELASSENER, FRÖHLICHER DALMATINER IST EIN ECHTER HINGUCKER UND DIE EINZIGE HUNDERASSE, DIE IHRE HEITERKEIT MIT EINEM LÄCHELN AUSDRÜCKT. VDH.de
“
partner war, einen Dalmatiner in ihr Leben zu holen. Alle drei lieben ihren Sport, könnten mit einem der typischen Arbeithunde ggf. viel erfolgreicher sein, haben sich trotzdem für einen Dalmatiner entschieden und sind glücklich mit dieser Entscheidung. Auf die Frage, warum man für den Hundesport einen Dalmatiner wählt, wenn es doch vermeidlich „bessere“ Rassen gibt, die mit mehr Trieb ausgestattet viel engagierter arbeiten und beständiger sind, waren die Antworten im Kontext alle ähnlich. „Der Dalmatiner sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
27
ist nicht so uneingeschränkt triebig, wie beispielsweise Border Collie, Aussie und Malinois“, sagt mir Manuela und auch, dass sie eben deshalb aber auch nicht so schwer zu bremsen sind, wie eben diese. Rosa ordnet das ganz ähnlich ein: „Dalmatiner sind vielleicht nicht die Hunde, die immer oben auf dem Treppchen stehen, aber sie sind sportlich genug, um dabei zu sein und gelegentlich eine Platzierung zu ergattern. Aber neben dem Sport sind sie die perfekten Familienhunde, oft viel alltagstauglicher als Border Collie und Co..“
A
Fotos: Clarissa Scheffler
uch für Clarissa kam nur ein liebenswerter Hund, der mit anderen Tieren gut umgehen kann und sportlich ist, in Frage. Sie lebt mit Anila in Dresden, ist seit mehreren Jahren im Obedience auch auf Wettkampf-Ebene unterwegs. Die 29-jährige Dresdnerin wollte eigentlich nur einen Zweithund, hatte Hundesport gar nicht im Kopf und wurde sozusagen bei einem obligatorischen Erziehungslehrgang für diesen entdeckt. Nach einem Jahr Ausbildung hat sie mit Anila die Klasse 1 absolviert. Inzwischen waren beide auch Teilnehmer der SGSV-Deutschen Meisterschaft, ein Erfolg, der durchaus die Eignung des Dalmatiners für diesen Sport bestätigt.
„Dalmatiner haben ein so tolles Wesen. Anila ist absolut liebenswürdig, verzehrt sich nach Liebe von den Zweibeinern und bringt eine ordentliche Portion „will to please“ mit. Ob das jetzt rassespezifisch ist, kann ich nicht beurteilen. Dafür kenne ich zu wenig Dalmatiner im Sport. Ich denke aber, wie ein Hund arbeitet, hängt auch oft damit zusammen, wie der Halter ihn im Welpenalter fördert. Bei uns stand täglich ein kleines Training auf der ToDo-Liste.“ 28
Foto: Anila ist für Apportieraufgaben immer offen. Egal wann und wo, auch im Schnee.
„Anila liebt, es mit mir zu arbeiten.“
Punkte im Hundesport
KYNOLOGIE
M
„Agility war nicht der Sport der Wahl“, sagt sie mir und begründet es damit, dass dem Dalmatiner wohl die „extrem schnelle, impulsartige Auffassungsgabe fehlt, um diesen Sport interessant genug zu machen.“
Foto: Constanze Rähse
Sie hatte früher zeitgleich vier Hündinnen in einer Altersspanne vom Welpen bis vier Jahre und auch wenn jeder Rassevertreter natürlich individuell verschieden zu allen anderen ist, so waren die Grundzüge aller doch gleich. Sehr bewegungsaktiv sind die Laufhunde, immer gern bei ihrem Menschen und für jeden Spaß zu haben. Es gibt kaum einen Sportbereich, den Manuela nicht getestet oder auch aktiv gelebt hat. Einer ihrer Schwerpunkte war Turnierhundesport. In diesem hat sie sogar die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft geschafft. Zughundesport, wie Canicross und Bikejöring bedient die Leidenschaft des Dalmatiners genauso, wie auch Dummyarbeit und Mantrailen, die auch heute noch die beiden Betätigungsfelder für ihre in die Jahre gekommenen Hunde sind.
Fotos: privat
Foto: Markus Platzbecker
anuela Jansen wohnt mit Amy und Bella in der Eifel. Sie wird seit 15 Jahren von Gepunkteten begleitet, züchtete sogar zwei Würfe im VDH. Da sie vorher Deutsche Schäferhunde hatte, fällt es ihr leicht, Vergleiche anzustellen. „Der Dalmatiner ist sensibel, kann aber auch ein Dickschädel sein und „überlegt“ gern, ob das Geforderte Sinn macht. Härte ist bei dieser Rasse fehl am Platz. Unfaires, hartes oder lautes Verhalten verzeihen sie nicht so gut. Wenn man aber weiß, wie man mit einem Dalmatiner arbeiten muss, dann hat man den besten, gut gelauntesten und motiviertesten Begleiter im Sport und im Leben.“
sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
29
Fotos: Rick Letteboer
Ä
hnlich schätzt auch Rosa ihre Mia ein, die nie die Schnellste im Lernen war. „Aber, wenn sie einmal etwas erfasst hat, dann hat sie immer zuverlässig geliefert und das ist aus meiner Sicht auch ein Vorteil. Dalmatiner überdrehen nicht wie andere Arbeitshunde, die vielleicht schneller lernen, aber auch schnell mal drüber sind und Fehler machen.“ Rosa führt ihre Mia im Dog Frisbee auch auf Turnierebene. Es gibt nicht viele, aber doch ein paar Hundeführer, die die sportlichen Vorzüge der Rasse für den Frisbeesport erkannt haben. Mia ist ein gutes Beispiel für Athletik und Sprungkraft. „Sie hatte von Beginn an einen natürlichen Sprungbogen, sodass wir gar nicht viel gezieltes Sprungtraining brauchten. Sie ist mit ihren 22 kg wie ein Flummi und diese Beweglichkeit ist natürlich schon vorteilhaft gegenüber anderen untypischen Rassen im Sport.“ So haben die beiden sich sogar für die Frisbee-WM 2018 in den Niederlanden qualifizieren und teilnehmen können. Auch Mia ist für vieles zu begeistern und macht alles mit, sogar Skitouren im Winter. Mia ist bereits ihr zweiter Dalmatiner. Zuvor hatte Rosa einen Rüden, der „eine unfassbar schnelle Auffassungsgabe hatte und dadurch etwas anstrengender im Alltag war, weil er sich jede Menge Quatsch selbst beigebracht hat. Zum Beispiel das Öffnen von jedweder Art von Türen.“ Es gibt sie also auch unter den Dalmatinern: die Ausnahmen von der Regel. Aber ist das nicht wie immer im Leben? Grundsätzlich gelten Dalmatiner als leicht erziehbar und gelehrig. Wenn die Basis zum Menschen stimmt und dieser das Verhalten seines Vierbeiners auch anerkennen kann, kann ein Dreamteam entstehen. Das Erfolgsgeheimnis in Erziehung und sportlicher Ausbildung heißt freundliche, aber bestimmende Konsequenz. 30
Warum sieht man so wenige Dalmatiner im Hundesport? Oft habe ich schon gehört, dass „sie sich zu wenig einbringen, hitzeempfindlich sind oder Motivationsprobleme haben“. Aber ist das nicht bei allen Hunden generell immer etwas individuell zu schauen, worauf sie „Bock“ haben? Ich kenne auch Schäferhunde, die für die „Unterordnungssparte“ wenig motiviert sind. Für Rosa Barsnick ist die Rasse die beste Kombination für Sport und Alltag. „Das mögen die Leute unterschiedlich sehen. Das soll auch so sein. Aber mein Sporthund muss auch zu meinem Alltag passen.“ Sie würde sich immer wieder für einen Dalmatiner entscheiden, auch wenn sie im Frisbeesport weitermachen will. Sie begründet es damit: „Ich liebe meinen Sport und ich liebe meinen Dalmatiner, der ein toller, lieber, braver, super freundlicher Familienhund ist. Das würde ich nie gegen einen „besseren“ Arbeitshund, der mir vielleicht mehr Erfolge bringt, eintauschen. Der Dalmatiner ist für mich sportlich genug!“ Schöner Schlusssatz! ■
Punkte im Hundesport
Auszug aus dem FCI-Rassestandard Dalmatiner FCI-KLASSIFIKATION: Gruppe 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen Sektion 3: Verwandte Rassen. Ohne Arbeitsprüfung. Ursprung: Kroatien Größe/Gewicht: Rüden: 56-62 cm / 15-32 kg Hündinnen: 54-60 cm / 16-24 kg
Ein Dalmatiner ist ein angenehmer Gesellschaftshund mit einer guten Antenne für die menschliche Stimmung. Als aktiver Hund begleitet er gern sportliche Menschen. Eine ausgeprägte Eigenständigkeit und sein Hang zum Durchsetzen seines Willens fordern Konsequenz vom Halter. Da die Rasse aber auch sensibel ist, schaltet sie bei ungerechter Behandlung gern auf stur. Kräftig, muskulös und doch elegant ist das Erscheinungsbild des Dalmatiners, dessen
markante, fröhliche Tupfen Lebensfreunde ausstrahlen. Freundlich, lebhaft, nicht scheu oder zurückhaltend, frei von Nervosität und Aggressivität das sind die inneren Werte. Mit positiver Bestärkung und Lob sind Dalmatiner leicht auszubilden.
CODE:
STARMARK15
Im Haarkleid kurz, hart und dicht sind auf der weißen Grundfarbe die zwei Farbschläge schwarz mit schwarzen Tupfen und braun mit leberbraunen Tupfen erlaubt.
www.sporthund.de
Im Zughundesport fühlen sich die lauffreudigen Dalmatiner richtig wohl.
15% Rabatt auf STARMARK-Produkte Foto: Markus Platzbecker
Auf dem Bild die Hunde von Jos van de Mortel und seiner Frau: Holly (brauner Farbschlag) und Jala (schwarzer Farbschlag).
KYNOLOGIE
Hinweis: Einfach den Gutscheincode am Ende deiner Bestellung in das Gutscheinfeld eingeben und automatisch 15% Rabatt auf alle Starmark-Artikel im Sortiment erhalten. Nur ein Rabattcoupon pro Person einlösbar. Nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. Der Coupon ist gültig bis 28.02.2021.
sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
31
Vor dem vollen Napf verhungert ist noch keiner? Von der PANKREATITIS zur PANKREASINSUFFIZIENZ
TEXT: FRANSI ROTTMAIER
D
ieser lockere Spruch wirkt wie blanker Hohn für Hundebesitzer, deren Lieblinge unter einer Bauchspeicheldrüsenschwäche leiden – der EPI (exokrine Pankreasinsuffizienz). Diese bedauernswerten Geschöpfe schwinden quasi vor der wohlgefüllten Futterschüssel dahin, denn ihr Verdauungsapparat kann aufgrund einer ernstzunehmenden Störung die Nahrung nicht mehr ausreichend verwerten.
Foto: Constanze Rähse
Schuld daran ist eine krankhafte Unterfunktion jenes Organs, welches sowohl wichtige Verdauungssäfte in den Darm (exokrine Funktion) sowie den Blutzuckerspiegel regulierende Hormone ins Blut (indokrine Funktion) abgibt: die Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Damit die einzelnen Nährstoffe des zerkleinerten Nahrungsbreis aufgespalten und durch die Darmwand aufgenommen werden, müssen sowohl die Magensäure 32
Von der Pankreatitis zur Pankreasinsuffizienz
Bemerkenswert ist auch, dass vor allem Eiweiße aufspaltende Enzyme (Peptidasen) in einer sogenannten „Vorstufe“ und gemeinsam mit Hemmstoffen aus der Bauch-
speicheldrüse in den Dünndarm gelangen und erst dort aktiviert werden – ansonsten würde sich das Organ selbst verdauen. Da lässt sich die Sensibilität des Verdauungsapparats bereits erahnen. Vergiftungen, Infektionen oder mechanische Reizungen können diese Schutzmechanismen stören und infolgedessen zu einer Entzündungsreaktion führen. Die Verdauungsenzyme verbleiben durch verminderten Abfluss länger in den Pankreaszellen und werden dort aktiviert: die gefürchtete Selbstverdauung setzt ein. In der Humanmedizin kennt man Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse häufig in Verbindung mit Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch, Tumoren und Gallenleiden. Das weist doch erhebliche Unterschiede zum caniden Krankheitsprofil auf. Die Ernährungsspezialistin und Tierärztin Ricarda Kalfark vom Hundezentrum Elbetal benennt:
Foto: AdobeStock / decade3d
beim Eintritt in den Dünndarm neutralisiert als auch entsprechende Verdauungsenzyme bereitgestellt werden. Eines dieser Enzyme erlangte in der Fachwelt Bekanntheit, da es dem domestizierten Haushund ermöglicht, Stärke aufzuspalten: a-Amylase. Unsere Hunde können also aufgrund dieses Pankreassekrets Kohlenhydrate verdauen. Anders als die Galle, produziert und speichert die Bauchspeicheldrüse nicht permanent Sekret – sie wird stattdessen durch die Nahrungsaufnahme angeregt. Deshalb trägt sie auch zum sogenannten „Biorhythmus“ bei und sorgt bei regelmäßigen Fütterungszeiten für eine frühzeitige Produktion, da äußerliche Reize zur Stimulation führen. Regelmäßige Fütterung fördert also eine gute Verdauung. Auch die Zusammensetzung und Qualität („Bioverwertbarkeit“) der Nahrung bestimmen den Enzymcocktail, der zur Verfügung gestellt werden muss. Weicht das Futter plötzlich stark von der üblichen Zusammensetzung ab, kann es zu Verdauungsstörungen und Durchfällen kommen. Diese sind normalerweise schnell wieder vorbei.
GESUNDHEIT
▶ ▶ ▶ ▶ ▶
übermäßig fettreiche Fütterung, Übergewicht, Morbus Cushing verschiedene Medikamente Infektionskrankheiten wie Babesiose genetische Dispositionen (z. B. Hyperlipädemie (erhöhte Fettwerte im Blut) beim Zwergschnauzer oder immunbasierte Entzündungsneigung beim Cocker Spaniel)
als mögliche Risikofaktoren. Aber auch akute Traumata im Bauchbereich nach Sport- oder Verkehrsunfällen können die Bauchspeichelsporthund.de ∙[Heft 1/2021]
33
Symptomatik Gewichtsverlust und Abmagerung trotz scheinbar ausreichender Aufnahme von hochwertigem Futter Heißhunger bishin zu zwanghaft scheinendem Fressverhalten von Gegenständen (Pica-Syndrom/Allotriophagie) lehmfarbener „Fettstuhl“ (Steatorrhoe) und übelriechender (säuerlich/faulig) Dünndarmdurchfall mit unverdauten Nahrungsbestandteilen häufiger Kotabsatz von großen Mengen, Bauchknurren und Blähungen schleimiger Dickdarmdurchfall durch unverdaute Proteine und massive Fehlbesiedlung Mangelerscheinungen (Entwicklungsverzögerungen, schuppige Haut, stumpfes Fell, geschwächtes Immunsystem) Durchfallbedingte Dehydration, Störungen im Elektrolytehaushalt und daraus resultierende Kreislaufbeeinträchtigungen
34
drüse stören. Deshalb sollte nach einem entsprechenden Sturz auch das Allgemeinbefinden nicht nur in Bezug auf den Bewegungsapparat beobachtet werden. Selten sind Pankreasprobleme bei Hunden nicht. Der Veterinär Dr. Hölter erwähnt in seinem umfangreichen Internet-Blog, dass sogar mehr als jeder zehnte Hund im Laufe seines Lebens damit zu kämpfen hat. Oft ließen sich bei Obduktionen krankhafte Veränderungen feststellen, ohne dass es bei dem verstorbenen Hund jemals diagnostiziert wurde. Eine leichte, lokal begrenzte Entzündung kann ohne Folgeschäden abheilen und durch die eher unspezifische Symptomatik bleibt sie häufig unerkannt. „Hunde mit einer subklinisch verlaufenden Pankreatitis zeigen oft nur milde oder unspezifische Veränderungen“ (D.Dorn/S.Mangelsdorf, kleintier-konkret, 2018), heißt es bezüglich der schwierigen Diagnostik. Schwere Verläufe mit sogenannten „systemischen Komplikationen“ weisen allerdings deutliche Veränderungen im Blutbild und der Blutchemie auf. In so schweren, auf umliegende Organe umgreifenden Fällen kommt es auch zu irreparablen Gewebeschäden, bei denen
auch Milz, Niere und Galle betroffen sein können. Es handelt sich dabei um einen akuten Notfall, der dringend in veterinärmedizinische Betreuung gehört! Neben extrem schmerzhaften Abszessen im umliegenden Fettgewebe führt diese ungünstige Entwicklung nicht selten zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie septischer Schock und Multi-Organversagen. Auch unerkannte chronische Verläufe (wiederkehrende, subklinische Entzündungen) sorgen dafür, dass die Bauchspeicheldrüse durch das vernarbte Gewerbe auf Dauer nicht mehr ausreichend arbeiten kann: Eine Pankreasinsuffizienz hat sich entwickelt. Zu den genetischen Vorbelastungen zählt unter anderem die Neigung zu einer Sonderform dieser Organschwäche: die juvenile Pankreasinsuffizienz. Dahinter wird eine Autoimmunerkrankung vermutet, welche die beim Welpen zunächst vollständige entwickelte Bauchspeicheldrüse in den ersten anderthalb bis zwei Lebensjahren schrumpfen lässt. Große Hunde, wie Deutsche Schäferhunde, aber auch der Kurzhaar-Collie scheinen ein erhöhtes Risiko zu besitzen. Diese Sonderform steht meist nicht mit einem Diabetes in Verbindung – die hormonproduzierenden Zellen scheinen weiterhin
Von der Pankreatitis zur Pankreasinsuffizienz zu funktionieren. Bei einer Insuffizienz durch schwere oder chronische Entzündungen kann es jedoch zu einer Zerstörung der endokrinen Pankreaszellen kommen: die Folge ist ein Diabetes Typ 1, der ebenfalls dauerhafte Medikamentengabe nach sich zieht. Der Unterschied zwischen akuter Pankreatitis (Entzündung) und irreparabler Pankreasinsuffizienz (Funktionsunfähigkeit) liegt nicht nur im Fachbegriff. Werden nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme bereitgestellt, kommt es zwar nicht zu der beschriebenen „Selbstverdauung“ und auch die schmerzhaften Entzündungsreaktionen bleiben weitestgehend aus. Allerdings benötigt der vierbeinige Patient nun eine dauerhafte Zufütterung von eben jenen Verdauungsenzymen – er würde sonst sprichwörtlich vor dem gefüllten Napf verhungern! Glücklicherweise werden diese Präparate zumeist gut angenommen und in Verbindung mit einer speziellen Diät (siehe Infokasten) ermöglichen sie ein weitestgehend beschwerdefreies Leben. Eine EPI begünstigt häufig eine schwer nachzuweisende bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms sowie die verminderte
Aufnahme von Vitamin B12. Dieser Mangel wirkt sich erheblich negativ auf die Allgemeingesundheit aus – u. a. mit der Folge von zentralnervösen und immunologischen Symptomatiken. Deswegen rät die Fachliteratur zu einer zusätzlichen Sanierung und Stabilisierung der Darmflora, wenn sich die EPI-typische Verdauungsstörung durch Enzymgabe und angepasste Diätik nicht verbessert. Zudem wird von dem früher praktizierten „Heilfasten“ als Reaktion auf Durchfälle oder bei akuten Entzündungsschüben mittlerweile abgeraten! Abgrenzend zu einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung tritt dort eher Appetitlosigkeit und Erbrechen/starke Übelkeit auf. Eine EPI kann lange unerkannt bleiben und die akuten Beschwerden von rezidivierender Pankreatitis zunächst in scheinbares Abklingen übergehen, wenn der Pankreas seine Verdauungsfunktion letztendlich einstellt. ■ Quellen: Nelson/Couto, Elsevier: Innere Medizin der Kleintiere J.M.Steiner, Schlütersche: Gastroenterologie bei Hund und Katze Dorn D/Mangelsdorf S. „Pankreatitis beim Hund“ kleintier-konkret 2018 Ricarda Kalfark „Ernährungsphysiologie des Hundes 2020“ Ausbildungsunterlagen „Tierpsychologie 2 unter veterinärmedizinischen Aspekten“ Online: drhoelter.de – Blogbeitrag 2020: „exokrine Pankreasinsuffizienz – Bauchspeicheldrüsenschwäche beim Hund“ tierarzt-heinecke.de – Blogbeitrag 2019: „Durchfall ist nicht gleich Durchfall“
GESUNDHEIT
Acht Regeln zur Fütterung hochverdauliches Futter (sollte bei über 90% liegen) in mehreren, kleinen Portionen hochwertige Bestandteile, d. h. wenig Füllstoffe, Bindegewebe, Faseranteile aufgeschlossene Kohlenhydrate tendenziell fettreduziert (10-15%), da insbesondere die Fettverdauung beeinträchtigt ist (kann bei guter Enzymsubstitution vernachlässigt werden). Vitamin-Versorgung sollte regelmäßig überprüft werden (insbesondere VitaminB12 & Folsäure) keine Rohfütterung, da erhöhte Keimbelastung und Anspruch an den Verdauungsapparat vorliegen Wasser- und Elektrolythaushalt sollten durch die erhöhte Dehydrationsgefahr beobachtet werden bei gleichzeitig vorliegendem Diabetes unbedingt Absprache mit dem Tierarzt!
sporthund.de ∙[Heft 1/2021]
35
FLYBALL
AGILITY
IGP
OBEDIENCE
ZUGHUNDE
RETTUNGSHUND
15.-16.5.2021 FCI Flyball Open World Cup Lommel (BEL)
13.-14.5.2021 WM Qualifikation (S/M) HSZ Wülfrath (DE)
23.-25.4.2021 DVG BSP Eschweiler-Dürwiß (DE)
6.-7.3.2021 1./2. Qualifikation FCI WM Mendig (DE)
6.-7.3.2021 Schwabentrail Mendig (DE)
6.-9.5.2021 SV BSP Leipheim (DE)
16.-18.7.2021 European Flyball Championship Plasy (CZ)
15.-16.5.2021 WM Qualifikation (L) HSZ Wülfrath (DE)
18.-20.6.2021 SV Bundes-FCI Immelborn (DE)
18.4.2021 VDH DM + Finale Quali Gemünden (DE)
27.-28.3.2021 VulcaniCross Schottenen (DE)
30.5.-2.6.2021 DVG BSP Kiel (DE)
3.-4.6.2021 WM Qualifikation (L) ATC Mendig (DE)
6.-8.8.2021 VDH Deutsche Meisterschaft n.n. (DE)
10.-13.6.2021 FCI Weltmeisterschaft Wichtrach (CH)
3.-4.4.2021 StrongDog South Rieden (DE)
23.-26.6.2021 IRO Weltmeisterschaft Craiova (RUM)
5.-6.6.2021 WM Qualifikation (S/M) ATC Mendig (DE)
27.-29.8.2021 SV BSP Meppen (DE)
3.-4.7.2021 DVG BSP Weeze (DE)
3.-4.7.2021 DVG BSP Weeze (DE)
19.-22.8.2021 FCI Team Weltmeisterschaft Craiova (RUM)
15.-18.7.2021 JOAWC Albrantes (POR)
8.-12.9.2021 FCI Weltmeisterschaft Apeldoorn (NED)
22.-25.7.2021 European Open Albrantes (POR)
22.-26.9.2021 WUSV Weltmeisterschaft Lahti (FIN)
DOGDANCE 7.-9.5.2021 VDH DM + WM Quali Dortmund (DE) 10.-13.6.2021 FCI WM Týn nad Vltavou (CZ) 7.-10.10.2021 offene Europameisterschaft St. Petersburg (RUS) 21.-22.11.2021 VDH DM + WM Quali Stuttgart (DE)
FÄHRTE
36
23.-26.9.2021 FCI WM Agility Estland 4.-5.12.2021 VDH DM/DJM Agility Hemsbach (DE)
RALLY OBEDIENCE
11.-15.5.2021 FCI IGP-FH WM Lahti (FIN)
26.-27.6.2021 DVG BSP Ering (DE)
29.-31.10.2021 DVG BSP Stockelsdorf (DE)
18.-19.9.2021 SV BSP Thale (DE)
SCHLITTENHUNDE 6.-7.2.2021 SSCT Snow Frauenwald (DE)
THS 24.-25.6.2021 DVG BSP Niederzier (DE) 9.-10.10.2021 VDH Deutsche Meisterschaft ? (DE)
Wie die Corona-Krise uns 2021 beeinträchtigt, kann man noch nicht absehen. Erste Termine stehen nun wieder fest, der Anfang für neue hundesportliche Highlights ist also gemacht. Bitte informiert euch auch bei den Veranstaltern.
20.-21.2.2021 VDSV DM Sprint+MD Snow Haidmühle (DE) 27.-28.2.2021 Sprint+MD Snow Oberhof (DE)
Foto: Constanze Rähse
6.-8.8.2021 Deutscher Flyball Cup Emtmannsberg (DE)
DOGFRISBEE 5.-6.6.2021 UFO Major Bremen (DE)
TOPHUNDESPORTTERMINE
Gewinnspiel RUBRIK Teilnahmebedingungen: Sende das Lösungswort, deinen Namen, deine vollständige Postanschrift und die gewünschten Farben und Größen der Apportel per E-Mail an
gewinnspiel@sporthund.de
SPORTHUNDGEWINNSPIEL 1. Lehre von Rassen, Zucht, Ausbildung, Verhalten, Gesundheit und Pflege 2. Beuteobjekt im IGP-Sport 3. Helferbekleidung im Ringsport 4. Ausrüstungsteil für Bike- und Scooterjöring 5. eine mögliche Lernform
Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Unter allen Einsendungen verlosen wir ein Sporthund-ApportelSet*. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Es besteht auch kein Anspruch auf Auszahlung oder Ausgabe eines Ersatzgewinns. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die vom Teilnehmer angegebenen Daten werden nach Maßgabe der DSGVO behandelt. Die Datenschutzerklärung findest du unter www.sporthund.de/ datenschutzerklaerung
6. 7. 8. 9. 10.
Einsendeschluss:
10. März 2021
11. 12. 13. *Das Apportel-Set besteht aus:
14.
Hersteller der Milieufütterung Ursprungsland des Dalmatiners deutscher Begriff für Pankreas Austragungsort Deutscher Flyball-Cup 2021 Nachname der Fotografin des Fotos auf der Cover-Rückseite Rufname des Frisbee-Dalmatiners im Artikel Bestandteil (Abfrage) einer IGP-Prüfung geschlossene und individualisierte Gruppe von Säugetieren in der Verhaltensbiologie eine Motivationsform
3x gleiche Holz-Apportel 1x Filz-Apportel 1x Speed-Apportel 1x Start-Apportel (Farben und Größen frei wählbar)
Lösungswort
Sende dein Lösungswort an: gewinnspiel@sporthund.de und sichere dir die Chance auf ein SPORTHUND-Apportel-Set* im Wert von ca. 60 EUR. 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
sporthund.de ∙[Heft ∙[Heft 6/2020] 1/2021]
37
RUBRIK Impressum & Vorschau
VORSCHAU #9
Lektorat: Dipl.-Germanistin (Univ.) Cordula Scheffner, Viersen Verkauf: Einzelheft: 1,90 EUR zzgl. Versand im Abo: 11,40 EUR (D) / 22,20 EUR (EU) inkl. Versand Erscheinungsweise: 6x jährlich Druck: Saxoprint GmbH Auflage: 5.000 Stück Fotoquellen: Markus Platzbecker, pics4dogs, Jutta Nau, Rick Letteboer, Clarissa Scheffler, Rosa Barsnick, Manuela Jansen, Pavel Humpolec, Constanze Rähse, GladiatorPLUS, AdobeStock, iStockphoto
KAMERA AN, FILM AB! Foto: Constanze Rähse
Gesamtkonzept: Constanze Rähse, Neuhaus an der Pegnitz
Erfolgsgarant Video: Sich beim Training zu filmen, das machen inzwischen nicht mehr nur die Profis. Warum das Mitschneiden wichtig sein kann und warum jede Sekunde der Analyse perfekt investierte Zeit ist ... wir zeigen Argumente.
Hundesport
TIERSCHUTZ MIT BISS ist ein Blick auf Helferarbeit im Sport, die keine Kompromisse zwischen Leistungsanspruch und tierschutzkonformer Fürsorge schließen muss! Der Schutzdiensthelfer trägt schließlich existentielle Verantwortung in der Ausbildung.
Kynologie
Hinweise:
100% ANGEBOREN & 100% ERLERNT Foto: Constanze Rähse
Kein Teil dieses Magazins darf ohne Genehmigung des Herausgebers vervielfältigt oder verbreitet werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Eine Haftung für Ratschläge unserer Experten kann nicht übernommen werden. Der Herausgeber behält sich das Recht vor, veröffentlichte Artikel, Beiträge und Fotos auch in seinen anderen Publikationen (In- und Ausland, im Web und elektronisch) ohne weitere Vergütung und Nachfrage zu veröffentlichen. Die Nutzungsrechte an eingesandten Leserfotos gehen mit Einsendung automatisch auf die Leroi GmbH über.
Unsere nächste Ausgabe erscheint Anfang April 2021 Hundesport
Foto: Constanze Rähse
Herausgeber: LEROI GmbH Geschäftsführer: Florian König, Olaf König Am Schneckenhof 9 D-74626 Bretzfeld-Geddelsbach Email: magazin@sporthund.de Tel.: +49 (0) 79 45 / 9 41 01 01
Scan mich!
IMPRESSUM
Mit der Befruchtung der Eizelle wird der genetische Rahmen festgelegt, innerhalb dessen sich der entstehende Organismus entwickeln kann. Dies gilt nicht nur für die äußere Erscheinung, sondern auch für das Verhalten. Kurzfristige Änderungen vorbehalten. Wir bitten um Verständnis.
38
Individuelle Hundeboxen Stelle dir deine Wunschbox zusammen! Millimetergenau und nach höchsten Qualitätsansprüchen gefertigt, reisen du und dein Hund sicher und komfortabel.
Jetzt online konfigurieren!
sporthund.de sporthund.de ∙[Heft 3/2020]
39
FÜR DIE EWIGKEIT EINGEFROREN ... Freezer: schon zu Lebzeiten eine Legende im Deutschen Obedience-Sport I'M FREEZER VOM CHIEMGAUER LÄNDCHEN HF: Sandra Rohrer FCI Weltmeister 2014 Deutscher Meister VDH 2015 & 2019 Deutscher Meister dhv 2013
... ABER JETZT KOMMT TROTZDEM DER FRÜHLING!
ZUM SAMMELN
Foto: Jutta Nau
sporthund.de