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Sporthund-Magazin Ausgabe 6

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Oktober/November 2020

EVP: 1,90 EUR

MAGAZIN #6 Therapeutisches Potential im Hundesport

Hopp. Bring. Aus.

Apportieren im Obedience á la Metzmacher

Nähe durch Distanz

Longieren verbessert Beziehungen

Patella, Patella

Die luxierte Kniescheibe

im ABO ∙ ∙ ∙ Hundesport-Themen ∙ kynolog. Fachbeiträge ∙ Interviews ∙ Produktvorstellungen ∙ ∙ ∙

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Format: DIN A3 • Hochwertiger Druck auf 170g Bilderdruckpapier mit UV-Lack • Preis: 9,90 € • limitiert

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EDITORIAL

„Nähe ist keine Frage der Entfernung.“ Sprichwort

Distanz schafft Nähe. Klingt erstmal paradox, aber, dass ein wenig Verwehren das Begehren steigert, wissen wir spätestens seit Corona uns Gewohntes teilweise stark eingeschränkt hat und uns somit vermissen lässt.

Autoren dieser Ausgabe FRANSI ROTTMAIER ist seit 1997 im Schlitten-

hundesport aktiv. Die gelernte „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ stieg 2005 als Zeitsoldatin auf die Arbeit mit Dienstgebrauchshunden um. Als Referentin und Beraterin über Aggressionsverhalten, Selbstschutz und Mikromuster-orientierter Verhaltensanalyse machte sie sich europaweit einen Namen.

Im Grunde ist dies auch die Message des Longierens, dass Nähe, die nun mal jedes Rudeltier braucht, ein kostbares Gut darstellt, die Bindung verbessert und damit ganz nebenbei Aufmerksamkeit und Konzentration steigert. Nicht zuletzt ist diese Distanzarbeit deshalb auch zum Therapieren von „schwierigen“ Hunden geeignet. „Schwierig“ soll sich hierbei auf aggressiv, ängstlich etc. beziehen und wir erklären in dieser Ausgabe auch, warum sogar Schutzdienst für diese Hunde therapeutische Wirkung haben kann.

SUSANNE METZMACHER ist eine von Deutsch-

lands erfolgreichsten Hundeführern im Obedience. Die Sachbearbeiterin in der Administration sammelt seit 2004 ihre Erfahrungen im Hundesport. Ihre erste Prüfung legte sie 2007 in der Klasse Beginner ab und läuft seitdem von Erfolg zu Erfolg. 2018 war sie als Vierte Deutschlands Beste auf der FCI Weltmeisterschaft.

KAROLINA KRÜGER züchtet seit 2010 Langhaar-

Aggressivität und Ängstlichkeit sind nicht immer angeborene Wesenseigenschaften, sondern können auch auf Schmerzen hindeuten, wenn die Veränderungen plötzlich auftreten. Körperliche Sollbruchstellen, wie die Patella-Luxation, die auch bei einem der beliebtesten Agilityhunde, dem Sheltie, auftritt, haben schon so manche Sporthund-Karriere zerstört. Manchmal ist jedoch auch Physiotherapie hilfreich und auch diese kann perfekt in die Longierarbeit integriert werden.

Collies im Deutschen Collie Club. Als Welpenbetreuerin der ersten Stunde begleitet sie Mensch und Hund auf dem Weg zum Team. Die Dipl.-Betriebswirtin schreibt als freies Redaktionsmitglied einer Lokal-Zeitschrift. Die Liebe zur Fotografie und die zeitgemäße faire Ausbildung von Hunden sind für sie Herzensangelegenheiten.

NICOLE BEUTLER macht seit 1986 Hundesport, anfangs 18 Jahre IGP, dann seit 2004 erfolgreich Rettungshundesport. Sie war mehrfach Deutsche Meisterin und Teilnehmerin auf Einzel- und Teamweltmeisterschaften. Neben der Ausbildung ihrer eigenen Hunde ist sie auch als Hundetrainerin nach §11 und Referentin auf RH-Seminaren aktiv.

Rundum rund ist diese Ausgabe also – und nun viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Rätseln! Bleibt weiterhin alle gesund!

Chefredakteurin SPORTHUNDMAGAZIN

Unser Titelbild „Apportieren“ zeigt in der Hundesportart Obedience Golden Retriever Fine, Deutschlands besten Hund der FCI Weltmeisterschaft 2018 (Platz 4) Foto: Eugenie van Oirschot

sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Foto: Constanze Rähse

HUNDESPORT: THERAPEUTISCHES POTENTIAL TEXT: FRANSI ROTTMAIER

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Hundesport: Therapeutisches Potential HUNDESPORT

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ine Sache dürfte dabei schnell klar werden: oberflächliche Betrachtungen und eine allzu grob gefasste Definition von „Problemen“ werden dieser Frage nicht gerecht. Dafür ist der Bereich „Problemverhalten“ zu komplex, ebenso wie das Schutzdienstprogramm deutlich mehr zu bieten hat, als Zerrspiele am Hetzarm und ein ins Schwitzen geratender Helfer. Jetzt gibt es ja auch nicht nur IGP oder Ringsport. Zum Bewältigen von sportlichen Belastungen brauchen Hunde ein entsprechend stabiles, ausgeglichenes Wesen. Es geht ja um Leistungsdruck und Wettkampfstress. Und:

der Grundsatz von allem Sport besagt nun mal, dass die Gesunderhaltung und der Schutz vor Überbelastung im Vordergrund stehen. Was aber, wenn es da mangelt? Wenn der Hund hyperaktiv, nervös, impulsiv oder ängstlich auf Außenreize reagiert? Ein Hund, der ängstlich und unsicher mit Begegnungen umgeht, findet sicherlich auch wenig Freude an Agility und all den anderen Möglichkeiten, die moderne Hundeplätze so bieten.

Bleiben wir aber mal beim Gebrauchshundesport: was, wenn er unangemessenes Misstrauen oder als „feindselig“ beschriebene Reaktionen gegenüber anderen Menschen zeigt und von selbst nicht zur Ruhe kommt? Klares Ausschlusskriterium – oder kann hier genau dieser zumeist kritisch beäugte Sport sogar therapeutische Wirksamkeit entfalten? Dieser Artikel soll Mut machen, dem vielleicht als hoffnungsloser Schwerenöter abgestempelten Vierbeiner etwas mehr wohlwollende Zuversicht entgegenzubringen. Schutzdienst ist nicht gleich Schutzdienst. Training für einen Wettbewerb findet unter anderen Voraussetzungen und auch Zielsetzungen statt als ein Aufbau- oder Rekonvaleszenztraining. Das gilt kompromisslos für jede Sportart! Kommt also ein Hund mit einem Defizit auf den Platz, gehört die Aufmerksamkeit dem langfristigen, belastbaren Ausgleich dieser Problematik. Vorher kann kein Wettkampftraining stattfinden – solange dieser Grundsatz beachtet wird, besitzt die Arbeit mit dem Figuranten sogar sehr viel therapeutisches Potential!

Foto: Constanze Rähse

Wir hatten die Thematik „gesundes Maß an Frust im Hundesport“ in einer früheren Ausgabe bereits behandelt. Heute richtet sich der Fokus explizit auf den Fall: Hund mit Verhaltensproblemen im Hundesport. Kann das gut gehen?

Spielerischer Wettkampf statt Feindseligkeit: Gewinner und Verlierer bleiben Freunde. sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Warum dieser Gedankengang für Kritiker so schwierig ist, liegt auf der Hand: Wenn man als Hund wegen „Wesensdefiziten“ mit der Umwelt Stress hat, braucht man nicht noch Stress mit einem überambitionierten Hundeführer und zu allem Überfluss mit einem Figuranten, der zwangsläufig „Aggression“ ins Spiel bringt! Da kann sich – beispielsweise – Angst nur verschlimmern oder als ultimative Fehlverknüpfung in „Angstaggression“ umschlagen! Und hier dürften Schutzdienstfreunde mit solchen „schwierigen“ Kandidaten aufatmen: diese Hypothese gilt heutzutage als veraltet.

AKUTE STRESSBELASTUNG

Erwartungshaltung des Hundeführers Verständnis der PO Trainingsumfeld/Vereinsleben

ENTWICKLUNGSCHANCE

Belastungsgrenze

DURCH:

☑ Anpassung an steigende Anforderungen ☑ Resilenzfaktoren durch Beziehung, Training, Selbstorganisation ☑ Erholungsphasen und Maximalbelastungen in Balance halten

Beziehung des Mensch-Hund-Teams Kommunikationsfähigkeit hierarchische Stellung

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In der behavioristischen Verhaltenstherapie des letzten Jahrhunderts wurden Auslöser aggressiver oder furchterfüllter Erregung bis unter die affektive Reaktionsschwelle vermieden. Die Neubewertung erfolgt also über eine klassische Verknüpfung des „Reizobjektes“ mit vorher als „angenehm“ erlernten Signalen. Eine Annäherung erfolgt kontrolliert und stets im Rahmen des jeweilig Erlernten – das nennt sich „Habituation“. Fällt das situativ erlebte Bild jedoch aus dem Rahmen der vorherigen Konditionierung, stehen keine ausreichenden Bewältigungsmechanismen zur Verfügung!

ANFORDERUNGEN IM SPORT FAKTOR HUNDEFÜHRER

Individuelle Stresskompensation

Motivationsfelder & Belastbarkeit körperliche Voraussetzungen Konzentrationsfähigkeit

KONDITION & KONSTITUTION DES HUNDES

Hier hat sich der Umgang mit Stressoren in der modernen Psychologie eklatant verändert: um sich anpassen zu können, benötigt der Organismus zunächst einen adäquaten Stressreiz. So ein Lebewesen ist viel entwicklungsfähiger als man bisher annahm. Im Schutzhundesport muss der Helfer hier natürlich nicht nur empathisch, sondern auch kognitiv in der Lage sein, seinem vierbeinigen Schützling genau die Anlässe zu bieten, die dieser für eine günstige Lernverknüpfung benötigt. Schema: auftretende Stressoren bieten immer auch Anreize, neue und besser angepasste Bewältigungsmechanismen zu entwickeln. (Schema: Fransi Rottmaier)


Hundesport: Therapeutisches Potential HUNDESPORT Wie viel Fingerspitzengefühl das bedarf, zeigt Ina ZieblerEichhorn auf: die Tierärztin leitet das Hundezentrum Pfalz, bildet europaweit hochkarätige Mantrailer aus – und zieht in naher Zukunft die dritte Generation Wölfe im Kurpfalzpark groß. Sie mahnt aus veterinärmedizinischer Sicht zur Vorsicht, wenn es sich um den Umgang mit Welpen dreht: in diesen sensiblen Entwicklungsphasen kann der Seretoninhaushalt und die Produktion von Cortisol aus den Fugen geraten, wenn der Welpe längerfristig überreizt oder massiv überfordert wird. Das kann zu ernsthaften Fehlentwicklungen in den Gehirnbereichen führen, die für Verhaltenskontrolle zuständig sind – oder spätere Beeinträchtigungen in der Stress­ regulation provozieren. unten: Einsprungtraining schult Bewegungstechnik. Eine gute Technik gibt Sicherheit und führt zu persönlichem Frieden. (Foto: Constanze Rähse)

oben: Hüteeigenschaften, die seit Jahrhunderten genetisch fixiert sind, dürfen heute nur noch wenige Hunde ausleben (Foto: AdobeStock / Alexander Arns) Mitte: Distanz zum Helfer nimmt Konfrontation raus: an der Reizangel geht es nur noch um das Objektspiel (Foto: Constanze Rähse)

Genau dieser Zusammenhang findet sich jedoch auch in der Aufzucht vieler „Haushunde“, die noch nie mit Hundeplätzen in Verbindung gekommen sind. Gerade Hütehundtypen (zu denen der Schäferhund auch zählt) weisen häufig eine Disposition zu impulsiven, überschießenden Reizreaktionen auf: eine über Jahrhunderte fixierte Anpassung an die Anforderungen zur Hütearbeit. Deren entwicklungsbedingt notwendige Stressreize werden nicht mehr in dem Rahmen angeboten, in dem sie zu einer ausgeglichenen Anpassungsreaktion führen. Sportschutzdienst mit der Zielsetzung, einen ungünstig ent­ wickelten Hund zu fördern (ohne ihn durch Wettkampfdruck zu überfordern), bietet durchaus die notwendigen Anreize für diese Nachreifung. Es ist das feine Zusammenspiel zwischen erlebter Selbstwirksamkeit, lustvoller Bewegung und der Souveränität aller Beteiligten, überschießende oder unerwünschte Reaktionen ins Leere laufen zu lassen, welches die „Medizin“ darstellt. Einsprung- und Haltetechniken am vorgeformten Beißwulst lenken von agonistischen Motiven ab – es geht nicht darum, den Figuranten zu vertreiben, zu schädigen oder seine hierarchische Stellung zu verändern. Es geht um Bewegungstechniken, die eine persönliche Befriedigung verschaffen – ohne dabei andere zu verletzen. In der Art, wie ein Hund sein mühsam errungenes sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Foto: Constanze Rähse

Schon gewusst? Dem Tragen des Zielobjektes kommt eine große Bedeutung zu.

„Zielobjekt“ herumträgt und vor Anwesenden präsentiert, lässt sich eine soziale Komponente erahnen: je mehr ein Hund in der Tragephase gelobt und bewundert wird, desto höher seine Motivation, das Objekt bei der nächsten Runde zurückzuerlangen. Letztendlich findet eine Auseinandersetzung mit dem vorherigen „Feindbild“ statt, bei der eben jenes Feindbild sich standhaft weigert, das Verhalten und die Rolle eines „Feindes“ anzunehmen. Auch, wenn der Hund dies – anfangs zumeist – forciert. Hier ist auch der Hundeführer gefragt, durch aufmerksames Eingreifen zu verhindern, dass wütendes, überschießendes oder feindseliges Verhalten zu einem Erfolgserlebnis führt. Es geht schlichtweg nicht weiter, wenn der Hund sich in unkontrollierte Affekte verliert. Diese Spannung auszuhalten und durch angemessene Ablenkung oder Reglementierung „im Außen“ abzubauen, bedarf einer einfühlsamen Hilfe durch den Hundeführer, der seinen Partner Hund zwingend lesen können muss. Der Helfer selbst ist eine lebendige Projektionsfläche, welche auf der Hinarbeit zum regelkonformen Miteinander die verschiedensten Stadien durchläuft. Anfangs vielleicht der potentielle Feind, dem 8

Durch die 2007 von Silke Pauly durchgeführte Studie über Stressbelastung bei Bundeswehr-Diensthunden wissen wir, dass der sachkundig ausgeführte Schutzdienst bei Belastungsfaktoren durch Haltungsbedingungen eine stabilisierende, ausgleichende Wirkung aufweist. Es wurde der Nachweis erbracht, dass Schutzdienst gar nicht mit potentiell negativ auf den Gesamtorganismus wirkenden Stressoren einhergeht. Damit entfällt das Vorurteil.

menschlichen Probanden sogar davon, dadurch „ausgewachsene Lebenskrisen“ bewältigen zu können. Es ist der Weg, seine Lösungsstrategien an die jeweils vorherrschenden Umweltbedingungen anzupassen, ohne sich selbst und seine Ressourcen zu zerstören. Vorausgesetzt, wir erlernen diese integrale Fähigkeit zur Selbstregulation. Auch laut der kynologischen Verhaltenstherapeutin Üncücü aus Hamburg gelten „gut ausgebildete exekutive Funktionen“ heutzutage als ebenso wichtig, wie Intelligenz oder fachspezifisches Wissen.

Psychologisch betrachtet liegt eine mögliche Erklärung in der geschulten Selbstregulation: impulsive Hundetypen müssen von ihrer unwillkürlichen, affek tiven „Erstreaktion“ (die für uns dann als „Problemverhalten“ sichtbar wird) auf ein sekundäres, bewusst gesteuertes Verhaltensmuster umschalten lernen, um Erfolge zu erzielen. Dies fördert die Fähigkeit, impulsivem Handlungsdrang zu widerstehen. Erst denken, dann beißen!

Folgt man Walk und Evers an der Universität Ulm, auf deren neurowissenschaftlicher Forschung diese Schlussfolgerung fußt, nähme die „Fähigkeit zu selbstregulatorischem Verhalten“ dabei eine Schlüsselrolle ein. Dabei drehe es sich auch um selbstgesteuertes Lernverhalten und einen angemessenen Umgang mit Gefühlen.

Auch Leslie Greenberg hat diesen Mechanismus an der kanadischen YorkUniversität erforscht und spricht beim

Jeder dieser Punkte findet sich in einer „sachkundig durchgeführten“ Aufbauarbeit zum Sportschutzdienst wieder.


Hundesport: Therapeutisches Potential HUNDESPORT

Foto: Constanze Rähse

Der Hund lernt, durch kooperatives Verhalten (wir nennen es „Unterordnung“ zwischen den Aktionsphasen) und extrinsisch angeregte Handlungen (beispielsweise sich nicht vom Figuranten provozieren zu lassen) eine ihm gefällige Belohnung zu erreichen. Dabei stehen soziale Faktoren sehr hoch im Fokus: das emotionale Miterleben, aktives Bestärken oder – wenn notwendig – auch korrektives Berichtigen durch den eigenen Hundeführer liefern dem Hund viele Anreize, soziopositive Lösungen zu übernehmen. Er muss „zuhören“ und sich auf die Kommunikation einlassen, um einen Erfolg zu erleben: das ist die Basis einer erfolgreichen Bewältigung.

mit Misstrauen und Drohverhalten begegnet wird. Vom Feind wird er zum unliebsamen, aber ungefährlichen Anhängsel dessen, was Lusterleben verspricht. Er legt interessante und aufregende Bewegungsreize auf das Objekt, wenn der Hund sich reguliert und die Bereitschaft zeigt, die feindselige Konzentration aufzugeben – oft an langer „Reizangel“ auf Distanz, um eine direkte Konfrontation auszuschließen. Diese Distanz wird nach und nach abgebaut. Im gleichen Maße, wie ein Vertrauensverhältnis zwischen Hund und „Sparringpartner“ Mensch wachsen kann, ohne Ressentiments (heimlicher Groll, Unterlegenheitsgefühl) oder aversive Erwartungshaltung. Der Hund hat Kohärenz und Grenzwahrung erlebt, indem Spieleinladung eben Spieleinladung bleibt und keine Angriffsintention beinhaltet. Er hat wütende, frustrierte, ängstliche, aufgeregte Emotionen ausgehalten, ohne sich kurzfristige Erleichterung durch asoziale Verhaltensreaktionen zu verschaffen – die letztendlich für alle sozialen Lebewesen zu einer Abwärtsspirale von Misstrauen und Abwehr führt. Und bewusstes Kooperieren, die Entscheidung zur selbstbestimmten Mitarbeit und sicherlich anstrengendes und verunsicherndes Umlernen sind die selben Resultate einer Verhaltenstherapie.

!

Jeder prüfungsfertige Schutzhund beherrscht diese „exekutiven Fertigkeiten“, um die Herausforderung eines Wettkampfes erfolgreich zu meistern.

Hat ein vormalig „hoffnungsloser“ Kandidat gelernt, sich trotz Aufregung zu konzentrieren, Frust und Fehlschläge auszuhalten und sich selbst zu regulieren, hat er viel mehr erreicht als nur die sportliche Leistung im Verein.

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sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Wie ein Pfeil schießt Fine los. Sie umrundet eine 20 Meter entfernte Pylone, hält auf Kommando sofort aus vollem Lauf an und schaut aufmerksam zu mir. Der Steward informiert mich als Hundeführerin, welches Holz der Hund apportieren soll. Dann schicke ich meinen Teampartner zum Apportel. Fine nimmt es schnell und sicher auf, überwindet mit kraftvollem Sprung die Hürde, die uns noch voneinander trennt und fliegt geradezu in die Grundstellung. Das Präsentieren und Abnehmen des Holzes ist nur noch Formsache für uns als Team.

TEXT: SUSANNE METZMACHER

Foto: Eugenie van Oirschot

FOTOS: SUSANNE METZMACHER EUGENIE VAN OIRSCHOT

☑ HOPP ☑ BRING ☑ AUS

Apportieren im ObediencE 10


Apportieren im Obedience

das GRUNDLAGENTRAINING Ich beginne damit, das Aufnehmen und Halten des Holzes zu trainieren und parallel dazu das Rennen zum Holz und das Bringen. Es empfiehlt, sich das Festhalten des Apportels geringfügig früher anzufangen, damit der Hund eine Idee hat, wo er das Ding anpacken soll, wenn es geworfen wird. Schritt 1: Aufnehmen und Halten

Es ist ein weiter Weg vom „kurzen Anstupsen“ des Holzes bis zur komplexen Übung.

Um den Apport in Klasse 3 so energiegeladen, schnell und präzise vorführen zu können, braucht es viel Arbeit. Vor allem aber ist ein durchdachter Aufbau in kleinen Schritten notwendig. Für mich hat sich die nachfolgend beschriebene Trainingsweise bewährt, aber natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten. Wie immer führen viele Wege nach Rom.

Ich nehme mir einen Hocker, Apportierholz, Kekse und selbstverständlich den Klicker. Das Apportel fasse ich an der Seite an, sodass der Hund ohne Einschränkung an den Steg kann. Ich schaue das Apportierholz an und nicht den Hund. Jede Aktion in Richtung Apportel wird geklickert. In der ersten Einheit sollte der Hund schon von selbst auf die Idee kommen, mit dem Maul an das Holz zu gehen. Die Neugierde wird siegen! Danach sollte man darauf achten, dass der Hund nur noch bestätigt wird, wenn er mit seinem Maul an den Steg geht – auch wenn dies im ersten Moment nur ein Anstupsen ist. Da es im weiteren Verlauf dafür keinen Klick mehr gibt, wird er anderweitig versuchen, an eine Belohnung zu kommen. Meist nimmt er das Holz dann auch schnell in den Fang.

AUSBILDUNG

Susanne Metzmacher (39)

ist Deutschlands erfolgreichste Obediencesportlerin 2018. Die Sachbearbeiterin Administration sammelte 2004 erste Erfahrungen im Hundesport. Ihre erste Prüfung (Obedience Beginner) legte sie 2007 ab und läuft seitdem von Erfolg zu Erfolg:

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2016 und 2017 swhv Verbandsmeister 2017 dhv DM – Platz 3 2017 Deutscher Meister VDH 2018 Vize-Meister VDH 2018 Platz 4 FCI WM Niederlande 2019 swhv Verbandsmeister

 Klick, Belohnung und Freude! Das Timing ist sehr wichtig. In diesem Stadium nicht zu lange mit dem Klick warten, sonst klickert man das Wiederloslassen. Den Keks zur Belohnung mal vom Hund wegwerfen und mal über dem Steg füttern. Nachdem der Hund jetzt mit dem Fang an den Steg geht, wenn ich ihm das Holz präsentiere, fange ich an, die Position des Apportels zu variieren. Mal halte ich es in Höhe des Hundekopfes, mal auf Schulterhöhe, mal bodennah, mal links von mir, mal rechts.  Immer schön flexibel bleiben, auch bei der Belohnung! sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Am Anfang reicht ein kurzes Anstupsen des Holzes, ...

... was sich dann stetig zu längerem Halten entwickelt. Dann werden die Seitenteile losgelassen.

Durch das Werfen der Kekse habe ich beim Zurückkommen des Hundes ein aktives auf das Holz Zugehen. Sobald ich ein zielstrebiges Anbeißen habe, fange ich an, einen Augenblick später zu bestätigen. Der Hund wird wie gewohnt, kurz anbeißen und dann wieder loslassen, weil er ja seinen Klick schon erahnt. In diesem Moment warte ich einfach ab. Ich möchte, dass der Hund nochmals (ohne Interaktion von meiner Seite) den Steg in den Fang nimmt. Erst dann gibt es einen Klick. Somit habe ich im Grunde zwei Verhalten für einen Klick. 12

Nun lasse ich den Hund immer mehr Verhalten (= Steg ins Maul nehmen) anbieten. Dies bedeutet, der Hund erhält seinen Klick für dreimal, dann für viermal Anbeißen. Der Hund wird schnell begreifen, dass es sich lohnt, das Holz etwas länger im Maul zu behalten. Sobald dies erfolgt, freue ich mich megamäßig und belohne ihn dafür! So steigere ich nach und nach die knautschfreie „Haltezeit“ des Apportels im Maul des Hundes. Sobald der Hund das Apportierholz etwas länger halten kann, führe ich für das „Festhalten“ ein Kommando ein. Das Kommando kommt während der Hund das richtige Verhalten zeigt. Es wird ab diesem Zeitpunkt mein „nimm es in den Fang und halte es fest Kommando“. Achtung! Es hilft, nicht das Kommando während des Knautschens zu geben, wenn der Hund noch gar nicht weiß, was „Festhalten“ überhaupt bedeutet. Und da kauen bekanntlich glücklich macht, wird er unter dem Druck des „ich verstehe nicht, was du meinst“ noch mehr knautschen.

Der Hund hat das Holz länger im Fang, nun beginne ich, meine Hand vom Seitenteil des Apportels zu lösen, sodass der Hund nach und nach das Holz alleine im Maul trägt. Dies passiert aber im ersten Augenblick ganz leicht. Es wird nur der Griff am Seitenteil gelockert. Daraus folgt nach einiger Zeit ein Loslassen, Hand wegnehmen, Hand geht wieder zurück. Um nicht zu viel Druck aufzubauen, sollte man dem Hund gestatten, das Holz auf Kommando auszuspucken. Durch den Klick ist er ja bereits gewöhnt, seinen Biss zu lösen, um an seinen Keks zu kommen. Entweder ich nutze hierfür ein Speedapportel, da es weiche Fleece-Seitenteile hat, damit die wertvollen Hundefüße im Zweifel nicht verletzt werden oder ich binde ein Seil an das Apportel, so kann ich, bei richtiger Länge des Seils, ein auf den Boden Aufprallen bzw. auf die Füße verhindern. Bei diesem Trainingsstand kommt mein zukünftiges Aus-Kommando hinzu. Mein Hund kennt das Loslassen von Gegenständen bereits aus dem Alltag. Die Hand geht vom Seitenteil weg und wieder hin, der Hund hält das Apportel. Er soll ein aktives Aus machen, das bedeutet, er zieht seinen Fang vom festgehaltenen Apportel weg, nicht wir ziehen das Apportel aus dem Fang.


Apportieren im Obedience  Nie vergessen: Klick, Belohnung und Freude!

Der Hund zieht seinen Fang vom Apportel zurück.

Egal aus welcher Position, der Hund soll lernen, das Holz aktiv zu nehmen.

HINWEIS: Ein Bestandteil meines Trainings ist, dem Hund das Apportel in der Grundstellung zu geben, halten zu lassen und es dann entweder abzunehmen oder ausspucken zu lassen. Das hilft dem Hund, ein besseres Bild für die Abschlussgrundstellung zu geben. Nachfolgend würde ich dann auch mit dem Metallapportel und den Geruchshölzern (abgerundet und scharfkantig) das Grundlagentraining durcharbeiten. Da der Hund nun bereits weiß, worum es geht, wird dies relativ schnell gehen. Schritt 2: Rennen, Aufnehmen und Zurück

Nach und nach halte ich das Holz immer weiter Richtung Boden. Der Hund soll das Holz in den Fang nehmen und sich im Idealfall wieder hinsetzen. (Das Hinsetzen mit „etwas im Maul“ ist für manche Hunde schwierig. Hier helfe ich mit einem Keks oder sage ihm Sitz.) Der Stand sollte jetzt sein: Das Holz kann auf den Boden gelegt werden, der Hund geht auf Kommando zum Holz, nimmt es am Steg auf und kann sich damit hinsetzen.

Parallel zur Halteübung trainiere ich das Bringen des Holzes. Natürlich halte ich den Hund fest, mache das Apportierholz interessant (je nach Hundetypus) und werfe es. Ist es auf dem Boden aufgekommen, lasse ich den Hund hinrennen. Ich klicke bei dieser Übung für: schnelles rausrennen, schnelles aufpicken bzw. gezieltes und schnelles auf mich zu rennen. Wir verzichten im Augenblick auf eine Anfangs- und Abschlussgrundstellung. Es soll einfach Spaß machen! Kommt der Hund auf mich

AUSBILDUNG

Das generelle Aufnehmen vom Boden hat der Hund schon gelernt, jetzt kommen die Geruchshölzchen dazu.

Während des Werfens den Hund am Halsband zu halten, steigert die Trieblage und damit die Motivation.

zu, laufe ich rückwärts, gehe in die Hocke und drehe mich gegebenenfalls noch weg dazu. Dann präsentiere ich ihm ein Spielzeug, welches er sich dann holen darf. Schritt 3: In die Grundstellung kommen Sobald der Hund das Apportel „halten“ kann, gebe ich ihm das Holz im Vorsitz in den Fang und frage die Grundstellung ab. Anfänglich helfe ich meinem Hund mit einem Keks vor der Nase und führe ihn in die Grundstellung. Zusätzlich gebe ich ihm das Kommando für die Grundstellung. sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Damit kann ich ihn schön daran erinnern, um was es geht. Klappt das gut, vergrößere ich die Distanz. Der Hund muss nun das Holz aufnehmen, ein paar Schritte auf mich zulaufen und ich helfe ihm, wie oben beschrieben, in die Grundstellung zu kommen. Je nach Ausbildungsstand wird das Apportel mit dem „Aus“-Kommando abgenommen oder er darf es ausspucken, um seine Bestätigung zu bekommen. Nach und nach werden die Hilfen abgebaut, bis der Hund selbstständig die Grundstellung einnehmen kann.

Am Anfang reicht etwas Distanz, damit der Hund erstmal den Ablauf lernt.

Wechseln mit dem Holz in die Grundstellung.

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Schritt 4: Ausspucken und Abgabe Wie bereits erwähnt, soll der Hund das Holz aktiv auslassen. Das bedeutet, dass der Hund auf das „Aus“-Kommando den Fang öffnen und den Kopf nach hinten nehmen soll, so dass das Apportel komplett frei ist und ich es nach oben wegnehmen kann. Ich gehe mit meiner Hand zum Apportel und gebe mein Abgabekommando. Der Hund löst den Fang vom Steg. In diesem Moment bestätige ich und der Hund darf sich das Spielzeug holen. Dazu habe ich zuvor ein Tauschspiel auf Kommando aufgebaut. Genauso gehe ich beim Ausspucken des Apportels vor. Der Hund kommt z. B. mit Apportel auf mich zu gerannt und kurz bevor er bei mir ist, gebe ich das Tausch-Kommando und präsentiere das Spielzeug. Der Hund darf es sich holen, ungeachtet davon, was mit dem Apportel passiert. Selbstverständlich dürfen vor der Abgabe des Apportels ein konzentriertes Präsentieren und ein Innehalten nach der Holzübergabe nicht fehlen. Dies würde ich aber nach und nach aufbauen.

TIPP: Tauschspiel aufbauen: Wir spielen mit gleichwertigen Zergel-Spielzeugen mit dem Hund, eines in der rechten, das andere in der linken Hand. Der Hund zergelt mit uns um das eine Spieli, wir halten inne, präsentieren das andere und lassen es lebendig werden. Sobald der Hund von seinem Spielzeug ablässt und sich dem anderen zuwendet, kommt unser „Wechsel-das-Spielzeug-Kommando“. Nun wird erstmal mit dem „neuen“ Spielzeug gespielt, bis wieder gewechselt wird.

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Apportieren im Obedience

* Beginner Was benötigen wir nun, um in der BeginnerKlasse den Apport meistern zu können? Der Hund soll ruhig sitzen bleiben, das Apportel vom Boden aufheben, direkt zum Hundeführer laufen und in die Grundstellung kommen. Das sollte keine große Herausforderung sein, wenn ihr das Grundlagentraining sorgfältig durchgeführt habt. HINWEIS: Beim prüfungsmäßigen Training der Übung sollte auf jeden Fall jemand dabei sein, der euch die Kommandos ansagt, denn auch das muss der Hund lernen. Ich bestätige den Hund auch immer mal wieder fürs Sitzenbleiben. Nach der Ansage des Stewards einmal tief ein- und ausatmen, wenn der Hund die Position hält.  Klick, Belohnung und Freude! * Klasse 1 Die Klasse 1 haben wir im Grunde auch bereits bei meinem Aufbau trainiert. Da das Apportel bei dieser Übung mindestens zehn Meter geworfen wird, der Hund auf Kommando rausgeht und direkt zum Hundeführer in die

Grundstellung kommt, brauchen wir – wenn alles gut aufgebaut ist – nur noch an den Feinheiten zu arbeiten. Diese wären meines Erachtens, ruhiges Sitzenbleiben beim Auswerfen und auch bei den Stewardansagen. Dann wird daran gefeilt, wie der Hund aus dem Rennen mit dem Apportel sauber in die Grundstellung kommt. Hier würde ich den Hund anfangs aus dem Lauf mit einem Keks annehmen und in die Grundstellung geleiten.

Foto: Eugenie van Oirschot

DIE AUSBILDUNGS- BZW. PRÜFUNGSSTUFEN

AUSBILDUNG

Wie es weitergeht, welche Übungen mit Apportinhalt es noch gibt und wie ich sie aufbaue, liest du in Teil 2 hier in der nächsten Ausgabe des SPORTHUND Magazins. ■ Apport mit Geruchsunterscheidung

sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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TEXT + FOTOS: CONSTANZE RÄHSE

LONGIEREN ... schafft Nähe durch Distanz 16


Longieren schafft Nähe durch Distanz HUNDESPORT Longieren – was ist das?

E

asy achtet genau auf das, was Anja „ansagt“. Da diese Ansagen aber auch oft non-verbal sind, muss die Deutsche Schäferhündin allerdings eher visuell zuhören. Easy steht kurz vor dem Abschluss ihres zehnten Lebensjahres und arbeitet mit Anja schon sechs bis sieben Jahre am Kreis. „Früher war Longieren für uns Beziehungsarbeit und Auslastung. Körperlich und geistig“, sagt die 53-jährige Oberfränkin und fügt lachend hinzu, „dass es heute ein toller Seniorensport ist. Nicht nur für den Hund.“ Seniorensport, Beziehungsarbeit, Auslastung hört sich alles gut an. Aber was genau steckt dahinter und gibt es noch mehr Vorteile?

Longieren ist ein Sport ohne Regeln. Ohne Prüfungsordnung und Leistungsrichter. Es kommt bei dieser Betätigung „nur“ darauf an, sich der eigenen Körpersprache bewusst zu werden. Klare Ansagen nur durch Körperhaltung? Das ist gar nicht so einfach. Im Agilityparcours ist ein verwaschenes Signal schnell anders interpretiert. Die Schulter zu weit nach vorn ... schwupps ist der Hund im Tunnel verschwunden, wo er doch eigentlich über die Wippe sollte. Und jeder IGPler hat in seiner „Laufbahn“ auch schon den Satz „Das hat er noch nie gemacht“ nach einer Prüfung gebraucht. Einer Übung, die im Training immer geklappt hat, fehlte diesmal eine kleine Körperhilfe, die sonst mit dem Hörzeichen immer unbewusst gegeben wurde. Die Folge: Hund versteht nicht und macht Fehler.

Übungen am „Wegesrand“ erhöhen Konzentration und Spaßfaktor. Links: die einfache Sitzübung, rechts: ein Stopp vor den Cavalettis, über die man grad noch flitzen durfte

Ähnlich dem Longieren mit dem Pferd steht der Hundeführer in der Mitte des Kreises und der Hund läuft außen. Er darf die vorgegebene, gut sichtbare Kreislinie nicht überschreiten und zu seinem Menschen kommen, wenn er gerade Lust dazu hat. Stattdessen soll er seinen Menschen genau beobachten und das, was dieser ihm anzeigt ausführen: schnelles Laufen, langsames Gehen, Richtungswechsel, Stopps mit Sitz, Platz

oder Steh, Tricks ... was auch immer „angesagt“ wird. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Longieren – wie geht das? Zunächst wird an der Leine gearbeitet, um dem Hund die neue Aufgabe nahezubringen. So kann der Hund sich nicht nach Lust und Laune der Nase nach entfernen, „denn anfangs versteht er natürlich nur „Bahnhof“. sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Möchte er zu seinem Hundeführer in den Kreis, blockt man ihn bestimmt und klar. Mit wachsender Routine wird die Leine weggelassen und die Distanz zwischen Hund und Mensch vergrößert, sobald man sicher ist, dass der Hund die Trennlinie akzeptiert und gerne mitarbeitet. Die Mitarbeit wird gefördert, indem man den Hund zunächst für jeden Blickkontakt lobt und dann später ins variable Belohnen übergeht. Mit der Zeit werden die Stimmkommandos reduziert und die Körpersprache mehr in den Vordergrund gestellt. Letztendlich möchte der Hundeführer, wie beim Longieren mit einem Pferd, von der Mitte des Kreises aus mit seinem Hund kommunizieren und ihn leiten.

Zusätzliche Geräte, wie hier die Cavalettis, bringen zusätzliche Konzentration, weil in angesagtem schnelleren Tempo trotzdem die Stangen liegen bleiben sollten.

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Longieren – was bringt das? „Obwohl man auf Distanz achtet, verstärkt man die Bindung zu seinem Hund unmerklich immer mehr. Daraus entwickelt sich ein ganz wunderbares Gefühl, den Hund ohne Leine und damit auch ohne direkten Einfluss mit Schwung und Energie lenken und leiten zu können. Vor allem, wenn es gelingt, diese positive Haltung in den Alltag zu übertragen!“ Longieren wird demnach oft auch als Beziehungsarbeit bezeichnet.

Eine gute Beziehung stärkt das Miteinander, das gegenseitige Vertrauen und macht somit den Alltag allgemein leichter. Eine wesentliche Grundvoraussetzung für eine gute Beziehung ist Kommunikation. Wir kennen das alle aus zwischenmenschlichen Verhältnissen und jeder weiß, dass das manchmal ziemlich schwer ist. Und nun spricht unser fellige Freund aber noch nicht mal unsere Sprache. Körpersprache,

wenn sie klar und eindeutig ist, kann da sehr hilfreich sein. Ein Sinn des Longierens besteht also darin, als Mensch die eigene bewusster einzusetzen. „Man lernt schnell genauer anzuzeigen, wenn der Hund auf vermeidliche Ansagen schlecht bis gar nicht reagiert“, sagt Anja. Beim Longieren ist also Konzentration gefordert. Konzentration des Menschen auf die Anzeige und Konzentration des Hundes auf das „Lesen“ dieser und die Ausführung. Das ist anstrengend und deswegen ist Longieren auch eine gute Möglichkeit, den Vierbeiner physisch und psychisch auszulasten. Die Arbeit auf Distanz kann auch für therapeutische Zwecke sinnvoll sein, beispielsweise für die Arbeit mit aggressiven oder ängstlichen Hunden, die sich mit Nähe schwer tun.


Longieren schafft Nähe durch Distanz HUNDESPORT

Fazit Distanzarbeit stärkt die Bindung und ist somit auch eine große Alltagshilfe. Jeder Hundebesitzer weiß, dass sein Hund auch

Anja Börner ist Mitglied in der OG Neudrossenfeld. Eigentlich sieht sie sich eher agilityorientiert. Für den IGP-Sport fehlt ihr schlicht die Konsequenz für konzentriertes Üben. Da auch Easy nicht recht für Unterordnung und Co. zu begeistern war, haben beide im Longieren eine sehr gute Alternative gefunden. Longieren macht beiden Spaß. Manchmal sind sie auch zu dritt. Ein zweiter Hund und sogar schon ein Pferd ergänzen dann die Aufgabe, steigern Schwierigkeit und Anspruch. „Easy fand es sehr spannend mit so einem großen Tier zu laufen und ich hatte zu tun, den Hütehund in ihr zu bremsen.“ ■

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2020

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MAGAZIN #6 Therapeutisches Potential im Hundesport

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Nähe durch Distanz

Longieren verbessert Beziehungen

Patella, Patella

Die luxierte Kniescheibe

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LONGIEREN = Kommunikation + Konzentration + Bewegung + geistige Beschäftigung sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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editorial

Je mehr Abwechslung dem Vierbeiner geboten wird, desto freudiger und motivierter wird er arbeiten. Auch auf immer größere Distanz.

mal rennen will. Wie schön ist es also, wenn man dies erlauben kann, weil man weiß, dass der Vierbeiner auch auf Distanz auf die menschlichen Signale achtet und diese zuverlässig ausführt.

editorial

Wer jetzt denkt, Longieren ist nur stupides im-Kreis-laufen, irrt. Kreativen Hundeführern bieten sich unendliche Möglichkeiten der Abwechslung. Das das Gute ist: es ist egal, ob der Hund klein oder groß ist, ob er eher der gemütliche ist oder der verrückte Flitzer. Die verschiedensten Hindernisse, wie beispielsweise kleine Hürden, Cavalettis, Agilitytunnel, auch Slalom oder Wackelbretter, bieten Abwechslung und fördern den Spaßfaktor. Kleine Aufgaben, Tricks und Elemente aus anderen Hundesportarten geben dem genauen Zuhören immer mehr Bedeutung und machen stetige Verfeinerungen der Signalgebung notwendig.

Anja und Easy sind natürlich schon Profis. „Klappt die Distanzarbeit mit einem Zirkel, so kann man dazu übergehen, einen zweiten einzubauen. Die Abwechslung steigt enorm, weil man den Hund nicht nur in einem Oval um beide Kreise schicken kann, sondern auch in Form einer Acht oder in anderen Figuren. So kommt richtig Schwung und Action in die Sache und die Hunde laufen ungeheuer konzentriert am Kreis. Selbst, wenn der Hund nicht offensichtlich zugewandt ist, hat er seinen Menschen immer im Blickfeld und bei vielen Hundeführern wird noch einmal ein anderes Bewusstsein für das Zusammenspiel aller Signale entwickelt.“

editorial

Varianz & Vielfalt


TEXT: FRANSI ROTTMAIER

Nein, wir reden nicht von einem spanischen Pfannengericht, sondern von der verrenkten Kniescheibe beim Sporthund. Und trotz der phonetischen Ähnlichkeit zum mediterranen Gaumenschmaus handelt es sich um ein ernstzunehmendes orthopädisches Problem – vor allem, wenn man „Sport“ auf dem Plan stehen hat! Aber was steckt hinter der nicht-schmackhaften luxierten Patella, die unseren vierbeinigen Sportkameraden das Leben schwer macht?

Foto: AdobeStock / reineg

Als meine holländische Schäferhündin „Ziva“ (mehrfach IGP3 in Deutschland und den Niederlanden, zwei Würfe) plötzlich bei engen Kurven begann, ihr linkes Hinterbein mit einem kurzen Hüpfen hochzuziehen, reagierte ich erschrocken. Was war das für ein sonderbarer „Tick“?!

PATELLA, PATELLA „Houston, wir haben ein Problem“

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Sie hatte sich in der dienstlichen Zwingeranlage unglücklich am Oberschenkel verletzt. Ein Muskelriss, der ihr eine Weile zu schaffen machte, mit Physiotherapie und anschließendem Aufbautraining im Zuggeschirr aber gut abheilte. Sie sprang wieder leidenschaftlich mit dem 3-er Holz über die Hürde und gab im Schutzdienst richtig Gas.


Patella, Patella GESUNDHEIT Der Bewegungstick blieb. Obwohl ihr Knie auf Röntgenaufnahmen und bei Untersuchungen absolut unauffällig erschien! Besonders vor und während der Läufigkeit zeigte sich dieses unerklärbare „Holpern“. Und manchmal auch bei nassem Rasen. Symptomatisch führt eine ausgerenkte Kniescheibe zu einem charakteristischen „Hüpfgang“, bei dem das betroffene Hinterbein nach phasenweise normal erscheinenden Bewegungsabläufen plötzlich teilweise oder sogar komplett entlastet wird. Bei Kleinhunden wirkt das unfreiwillig „lustig“, weil die übertriebene Bewegung an spielerischen Übermut erinnert. Dem ist allerdings nicht so und der „Hüpfgänger“ leidet in Wirklichkeit unter erheblichen Schmerzen! Erkennt man dieses Muster, ist der Gang zum Tierarzt also dringende Pflicht – eine unbehandelte Luxation führt zu oft äußerlich nicht sichtbaren Verletzungen im Gelenksapparat, selbst wenn sie während der Entlastungsbewegung „von alleine“ wieder zurückgesprungen ist. Zur Beruhigung: Kanide Kniescheiben springen deutlich seltener aus der „Bahn“ (eigentlich eine mit Knorpelmasse ausgekleidete Gleitfuge im Oberschenkelknochen), als dies beim von Knieproblemen

geplagten Zivilisationsmenschen bekannt ist – da lastet physiognomisch dank des aufrechten Ganges doch erheblich mehr auf dem sogenannten „Sesambein“ des Kniegelenks. Inklusive ungesund bewegungsarmen Lebensstils, denn Gelenke wollen funktionsgerecht bewegt werden! Anatomisch gesehen ist die kleine, dreieckige Knochenscheibe in die große Strecksehne der Oberschenkelmuskulatur eingebettet. Sie hat eine wichtige Funktion: durch sie wird verhindert, dass diese Sehne als Verbindung zwischen Oberschenkel und Unterschenkel auf der eigentlichen Gelenkskapsel reibt und dadurch ausfranst oder die Kapselhülle reizt. Betrachtet man das Gangbild unserer Hunde (siehe „Dogs in Motion“, 2016, Dr. Martin Fischer), lässt sich mühelos nachvollziehen, wieso ein Sporthund mit einer ausgerenkten Kniescheibe schlichtweg keinen Schub mehr auf die Hinterhand bringen kann oder sogar Verletzungen wie Kapsel- und Bänderrisse folgen. Von massiven Schmerzen einmal abgesehen! Der große, vierköpfige Oberschenkelmuskel stoppt die durch das Körpergewicht ausgelöste Beugung des Hinterbeins, sobald

die Hinterpfote aufsetzt und Last aufnimmt. Dabei wirken enorme Kräfte auf das Knorpelmaterial zwischen der Gleitfuge (Sulcus femoris) und dem darin rauf und runter rutschenden Sesambein. Jede Beeinträchtigung dieser Bewegung führt unweigerlich zu Abnutzungserscheinungen durch erhöhte Reibung: Arthrose ist die Folge. Bedeutet das jetzt, ein Sporthund schwebt bei jedem kräftigen Sprung oder ungeschickter Kollision mit Hindernissen in akuter Gefahr, sich die eigene Kniescheibe ums Bein zu wickeln? Nein, glücklicherweise nicht! Laut veterinärmedizinischer Fachliteratur handelt es sich bei der „Patellaluxation“ um eine sogenannte „Junghundeproblematik“ – überwiegend bei kleinen Rassen im ersten Lebensjahr. Obwohl zunehmend auch Hunde mittlerer oder größerer Rassen betroffen sind, schreibt der auf diesem Gebiet führende Schweizer Kleintierchirurg Dr. med. vet. ECVS Koch, zählen Gebrauchshunde nicht zu den typischen Risikopatienten. Er nennt Chihuahuas, Spitze, Pudel, Yorkshire Terrier und andere Kleinhunderassen, aber auch größere Hunde wie Appenzeller oder Flat Coated Retriever als besonders gefährdet. sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Es liegen beinahe ausschließlich genetische Dispositionen vor – und hier sind Halter besagter Rassen gefragt, die sich für Hundesport interessieren: Ist der eigene Hund betroffen? Kann der Hund überhaupt sportliche Belastungen meistern? Denn oft fällt das wiederholte „Rausschnipsen“ der Kniescheibe erst auf, wenn sich Arthrose oder Dysbalancen durch Schonhaltung gebildet haben und der Hund nicht mehr gerne springt oder losrennt. Manchmal erst nach Jahren, wenn der Knorpel Schaden genommen hat. Tatsächlich ist die Diagnostik bis heute nur durch sogenannte „Palpationsuntersuchung“ (Durchbewegen, manuelles Abtasten) durchführbar – und gerade geringgradige Stufen haben eine hohe Fehlerquote, einfach unentdeckt zu bleiben. Wie bei Ziva. Mittlerweile weiß ich, dass hoher Muskeltonus während der Untersuchung ein Auslösen durch den Tierarzt verhindern kann. Es gibt praktisch keine Möglichkeit zur Prävention im Welpenalter, sollte eine genetische Vorbelastung bestehen. Tierärzte 22

appellieren deshalb an eine verantwortungsbewusste Zucht, da diese maßgeblich beeinflusst, ob der Hund überhaupt darunter zu leiden hat. Auch wenn man großen Hunden eher Gelenksproblematiken nachsagt: in diesem Fall scheint eine züchterisch forcierte Miniaturisierung von Hunderassen ungünstigten Einfluss auszuüben. „Mittelgradig vermutete Erbkrankheit“ lautet die Einstufung der Kleintierorthopädie – und doch seien rund drei Viertel aller Luxationen auf Einflüsse nach der Geburt zurückzuführen. Sollten in den ersten vier Lebensmonaten futterbedingte Mangelversorgungen, zu schnelles Wachstum oder übermäßige, für das körperliche Entwicklungsniveau unpassende Bewegung auftreten, steige das Risiko einer Fehlentwicklung. Allerdings bleiben radiologische Untersuchungen bezüglich Auffälligkeiten im Skelett betroffener Hunde eine klärende Begründung schuldig. Unter Vorbehalt könnte es sich um eine leichte Rotationsfehlstellung handeln, welche durch Fehlbelastung die Kniescheibe nach und nach aus der korrekten Bahn zieht. Da das Sesambein durch austarierten Muskelzug an seinem Platz gehalten wird, begünstigt jegliche Über- oder Untertension der Aufhängung eine solche

Fehlbelastung: gleichmäßige Bemuskelung ist immer auch ein Schutz für die Gelenke! Bei fortschreitendem Leiden bauen sich Muskeln durch Schonhaltung ungleichmäßig ab, dadurch lockert sich der Halteapparat und der Zug wird noch ungleichmäßiger. Das Ausrenken ist durch diese Lockerung zwar nicht mehr so schmerzhaft, aber das Gelenk zeigt sich in seiner Funktion erheblich gestört. Die Hunde „hinken“ nun deutlich und entlasten das betroffene Bein so weit wie möglich, da Lastaufnahme mit erheblichen Schmerzen verbunden ist und zudem die Knorpel zunehmend Schäden erleiden. Die gerade bei hochgradigen, chronisch auftretenden Luxationen mit Gelenksschäden notwendige chirurgische Behandlung hat Eine OP hat gute Prognosen auf ein schmerzfreies Leben. Foto: AdobeStock / Vista Photo

Tatsächlich spielen Traumata wie Sportverletzungen als Auslöser für dieses Krankheitsbild eine eher untergeordnete Rolle, auch seien massive Zerreißungen des Halteapparats in Folge einer Luxation sehr selten.


Patella, Patella GESUNDHEIT

Bei Sportverletzungen durch „stumpfe Traumata“ verrenkt sich die Kniescheibe meist nach innen, was dann gleichzeitig die Gefahr eines Kreuzbandrisses vorne birgt. Zudem kann die Gelenkkapsel einreißen. Da sind hartes Training und Wettkampfbedingungen einfach nicht mehr drin, selbst wenn die akute Verletzung abgeheilt ist! Trotzdem gehört physiotherapeutische Behandlung zur wichtigen Nachsorge: der „weiche“ Halteapparat des operierten oder ausgeheilten Kniegelenks braucht Bewegung, um durchblutet und mit wichtigen Nähr- und Schmierstoffen versorgt zu werden. Andernfalls würde das Gelenk versteifen. Damit diese natürliche Bewegung wieder ohne einseitige Belastung ausgeübt werden kann, muss die degenerierte Muskulatur des betroffenen Beines durch entsprechende

Grad I: Die Kniescheibe ist in ihrer normalen Position, kann aber durch Manipulation bei voller Kniestreckung aus dem Sulcus gedrückt werden und springt ohne Unterstützung wieder in ihre normale Position zurück. Klinische Symptome sind selten. Grad II: Die Patella luxiert bei gestrecktem Knie spontan oder kann aus ihrer normalen Position gedrückt werden und bleibt dann in dieser Position. Dies verursacht typische intermittierende Lahmheiten. Sie kehrt nach einiger Zeit selbst oder durch Manipulation des Kniegelenks wieder in ihre ursprüngliche Position zurück. Es sind milde Gliedmaßenfehlstellungen, wie Innenrotation der Tibia zu erkennen. Wenn die Patella luxiert ist, wird der Fuß gestreckt zur Unterscheidung von Grad II und Grad III.

Übungen aktiviert und aufgebaut werden. Und letztendlich gehört auch die Rückgewinnung der durch Nervenschäden und Fehlhaltung beeinträchtigte Tiefenwahrnehmung zu einer gesunden Gelenksfunktion: Auch beim gesunden Hund müssen die Muskelrezeptoren den Kraftaufwand dosieren, mit dem das Bein in den Boden gestemmt wird – das physikalische Nadelöhr ist und bleibt die Kniescheibe. Daher verdient das kleine Sesambein angemessene Beachtung, sollte etwas „klemmen“.

Grad III: Die Patella ist ständig luxiert (stationär), kann aber manuell in die normale Position gedrückt werden. Besteht die Luxation einseitig, wird der betroffene Fuß ständig entlastet. Sind beide Seiten betroffen, fällt die Lahmheit nicht mehr so deutlich auf, jedoch sind die Schritte eher kurz und die Knie gebeugt. Es ist eine deutliche Innenrotation der Tibia zu erkennen. Ein schwach ausgebildeter, flacher Rollkamm ist oft spürbar. Grad IV: Die Patella ist dauernd luxiert und manuell nicht mehr in die Ursprungsposition drückbar. Das Gangbild ist sehr steif. Die Tibia ist deutlich nach innen rotiert und der Rollkamm oft flach. Quelle: Tierklinik St. Pölten (www.tierklinik-stp.at)

Ziva ist nach dieser lange unentdeckten Spätfolge noch zwei IGP3 in den Niederlanden gelaufen, bevor ich sie aus dem Sport genommen habe: der Einsatz als Zuchthündin hat – lehrbuchmäßig – die Problematik verschlimmert. Sie genießt heute ein erfülltes „Couchleben“ mit viel gleichmäßiger Bewegung, Schwimmen, Nasenarbeit und langen Spaziergängen. Ihre erfolgreich in unterschiedlichen Sportdisziplinen geführten Nachkommen haben keine Patellaprobleme.■ sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Abb.: Di Dona et al., 2018

zwar gute Prognosen, von einem ambitionierten sportlichen Einsatz im Nachgang sei jedoch eher abzuraten – so die Physiotherapeutin Nadine Schöfer, die ihre Hollandse Herder im Mondioring führt und sich intensiv mit der Rehabilitation von Sporthunden befasst. Sie besitzt eine Tochter von Ziva – glücklicherweise kerngesund!


Lebenswege sind individuell unterschiedlich und doch enden oft viele am selben Ziel. Für unsere Serie definiert sich das Ziel durch emotionale Bilder, die die verschiedensten Hunde mit ihrer Persönlichkeit in ihrer sportlichen, „zwischenmenschlichen“ Interaktion darstellen. Ein Hundesportmagazin lebt von diesen Bildern. Fotografen, die ein Auge für diese Interaktionen haben, drücken damit die Leidenschaft Hundesport aus und tragen dazu bei, dass sie in die Welt transportiert wird und neue Fans und Anhänger findet. TEXT: CONSTANZE RÄHSE FOTOS: MARC GAUB

HINGUCKER mit WAU-EFFEKT! 24

Marc habe ich auf der JEO 2017 in Luxemburg kennengelernt. Wir saßen nebeneinander und haben die Kids bei „ihrem Jahreshighlight“ abgelichtet. Die European Open für Kinder


Fotostrecke: Hingucker mit Wow-Effekt HUNDESPORT

MARC GAUB

wurde 1966 in Luxemburg geboren und arbeitet hauptberuflich in der Informatik als System-Spezialist für Großrechner und Virtualisierung.

„Meine Leidenschaft für Fotografie wächst mit jeder Sekunde, in der ich eine Kamera in der Hand habe.“ und Jugendliche finden jährlich statt, sind ein riesiges Event. Bunt, laut und aufregend, voller schöner sportlicher und emotionaler Momente, die alle eingefangen werden wollen.

Marc, der aus Luxemburg stammt und schon von Kindesbeinen an leidenschaftlich gern fotografiert, ist in die Agilityszene eigentlich eher durch Zufall reingerutscht.

„Die Familie meiner Schwester ist diesem Sport verfallen und hat auch meine Tochter Sheryl mit dem Virus angesteckt.“

Er selbst war nie aktiv im Parcours unterwegs, setzte sich aber immer häufiger mit der Kamera daneben und begann zunächst seine Familie abzulichten. sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Seine erste Kamera war eine Agfa 6x6, die ihm sein Vater schenkte als er sieben war. Von ihm habe er viel über die Fotografie gelernt, erzählt er mir. Schon mit neun Jahren 26

haben sie zusammen in der Dunkelkammer gestanden und Schwarz-Weiß-Negativfilme und -bilder entwickelt. Seine letzte Analogkamera, war die Mamiya 645, eine Mittelformatkamera

(4,5 x 6) mit mehreren Objektiven. 25 Jahre entwickelte er in seiner eigenen Dunkelkammer alle Schwarz-Weiß-Bilder selbst, verbrachte jede freie Minute damit. 2003 wechselte er mit

einer Canon EOS 10D DSLR zur Digitalfotografie. Marc hat heute mehr als 47 Jahre Erfahrung, nennt sich selbst trotzdem Amateurfotograf. Für den Informatiker ist die Foto-


Fotostrecke: Hingucker mit Wow-Effekt HUNDESPORT

Webseite: www.gaub.lu

„Mein Ziel ist es, meine Welt mit den Betrachtern meiner Fotos zu teilen.“ grafie eine Leidenschaft, die sich von der Landschafts- und Tierfotografie, über das Porträtieren von Menschen letztlich zum Hundesport entwickelt hat. Und Marc ist aus meiner Sicht

einer der besten Agilityfotografen. Seine Fotos widerspiegeln Begeisterung und Teamarbeit im Parcours. Und er hat auch das Auge für die emotionalen Momente neben dem Gesche-

hen. Seit 2015 ist er offiziell für das luxemburgische Team bei den Agility-Weltmeisterschaften hinter der Linse. Seit 2017 ist er sogar als offizieller Pressefotograf dabei. Nach ITA, ESP, CZE,

SWE, FIN findet in diesem Jahr leider keine WM statt. Trotzdem freue ich mich auf weitere tolle Fotos, die es ab 2021 hoffentlich wieder geben wird. ■ sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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KLEIN, ABER OHO Fotos: Sandi Okanovic

Der Sheltie gehört zu den erfolgreichsten Rassen im Agilitysport. Wer glaubt, der kleine Hütehund ist eher der ruhige Vertreter á la „Lassie“, hat das Powerpaket noch nie im Parcours erlebt.

Foto: Nico Mayer

TEXT: NICOLE BEUTLER FOTOS: MARC GAUB, SANDI OKANOVIČ, JENNI FREYTAG, CONSTANZE RÄHSE

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Klein, aber oho: der SHELTIE

Die Shelties aus der Zucht und Haltung von Tamara Sedlmaier aus Österreich beweisen dies auf großartige Art und Weise. Seit mittlerweile 18 Jahren starten fast jährlich Hunde aus der Zucht „Shelties of Summergarden“ auf der FCI-Weltmeisterschaft und haben dort u.a. im letzten Jahr einen dritten Platz im Individual Small erreicht und den Vizeweltmeistertitel in der Teamwertung. „Wendigkeit, Intelligenz, großer Arbeitswille und prädestinierter Körperbau“, das macht den Sheltie nach Tamaras Erfahrungen hervorragend für den Agilitysport geeignet. Der üblichen Rassebeschreibung nach ist der Sheltie ein kleiner, langhaariger Arbeitshund, der „seinem Herrn“ treu zur Seite steht, Fremden gegenüber etwas reserviert auftritt, dabei aber nicht nervös ist. Diesen Punkten kann Tamara nach vielen Jahren des Zusammenlebens mit Shelties fast komplett zustimmen, ist jedoch überzeugt davon, dass die Reserviertheit fremden Menschen gegenüber eher an der Sozialisierung in der Welpen- und Junghundzeit liegt.

Rassestatistik 2019

EUROPEAN OPEN AGILITY

„Die Prägungsphase entscheidet beim Sheltie, ob er unbekannten Personen gegenüber reserviert aufritt oder sich offen, freundlich und neugierig zeigt.“ Fotos: Jenni Freytag

S

ie sind wendig, extrem flink und lerneifrig. Ideale Voraussetzungen, um neben ihren ursprünglichen Arbeiten als Hütehund insbesondere im Agility voll durchzustarten, die Fangemeinde stetig zu vergrößern und das Gleiche mit den Erfolgen zu tun.

KYNOLOGIE

SMALL Gesamt indv. total 108 Hunde 9 Shelties Top-10 53,7% Sheltie 12,0% Russell Terrier (V) 8,3% Pudel MEDIUM Gesamt indv. total 147 Hunde 2 Shelties Top-10 39,5% Sheltie 6,1% Pyrenean Shepherd 5,5% Cocker Spaniel (V)

Die erste Weiche für ein gutes Leben wird beim Züchter gestellt.

Dabei gibt die 30-Jährige zu, dass das Klischee, die kleinen Arbeitshunde seien sehr bellfreudig, auch stimmt. Sie würde es aber nicht als lästiges Kläffen bezeichnen. Shelties bellen ihrer Meinung nach gerne bei sportlichen Aktivitäten oder melden den Besucher an der Haustür. Sie lassen sich darin aber gut kontrollieren und man kann das Bellen natürlich auch ganz unterbinden. Die Hunde sind sehr verfressen, was Tamara selbst schon als Rassemerkmal bezeichnen würde. Ein Sheltie zeichnet sich zudem durch sein selbstbewusstes

FCI WELTMEISTERSCHAFT AGILITY SMALL Gesamt indv. total 84 Hunde 9 Shelties Top-10 54,7% Sheltie 14,3% Russell Terrier (V) 8,3% Papillon MEDIUM Gesamt indv. total 79 Hunde 3 Shelties Top-10 40,5% Sheltie 13,9% Mudi 10,1% Pyrenean Shepherd 8,9% Border Collie

(V) = Varianten Parson + Jack Russell Terrier English + Working Cocker Spaniel

sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Wesen aus, das ihn, gepaart mit seiner Lebensfreude und Offenheit gegenüber Mensch und Tier sowie seinem Wunsch, dem Hundeführer zu gefallen, zu einem perfekten Partner im Agilityparcours macht. Manche Shelties haben einen recht schweren und massiven Körperbau, was ein Nachteil beim Agility sein kann. Und wie bei allen Rassen gibt es auch hier Rassevertreter, die über keinen so großen Bewegungsdrang verfügen. Sie sind im Parcours zwar etwas gemütlicher unterwegs, dafür aber oft fehlerfrei.

Welche Eignung der kleine Brite im Hundesport entfalten kann, zeigen die Erfolge der Rasse besonders im Agility. Die Dominanz wird auch in der deutschen Agility-Szene deutlich: 14 von 16 Hunden, die sich in den Kategorien SMALL und MEDIUM für die EO 2019 qualifiziert haben, sind Shetland Sheepdogs. Viele erfolgreiche Hunde stammen aus Tamaras Zucht ...

oben: MIYA Sandi Okanović (SLO) Sieger EO2015 SMALL Dritter EO2018 SMALL unten rechts: MERYL Pavol Vakonic (SVK) FCI WM Vize ind. SMALL unten links: YOU Tamara Sedlmaier (AUT) FCI WM MEDIUM

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Fotos: Marc Gaub

Bei einem sensiblen und arbeitsfreudigen Hund wie dem Sheltie, kann allein die Tonlage während der Übungseinheiten und dem Wettkampf entscheidend sein. Man sollte dem kleinen Powerpaket klare Signale geben, ob das Ausgeführte gut oder nicht gut war und ihm den Spaß an der gemeinsamen Arbeit deutlich zeigen. Das richtige Lob, ggf. verbunden mit einem Leckerchen im richtigen Moment, lassen den Sheltie nach Höchstleistung streben.

Fotos: Constanze Rähse

Mancher Sheltie neigt mitunter dazu, sich schwer von seinem Hundeführer zu lösen. Dieses Nicht-von-derSeite-weichen-wollen führt dann unweigerlich zu Verweigerungen oder Verzögerungen im Parcours. Achtet man bereits im Aufbau darauf und trainiert das Lösen vom Hundeführer und das selbstständige Abarbeiten der Geräte, lässt sich dem aber recht sicher vorbeugen und man hat einen wahren Siegertyp neben sich.

... of Summergarden


Klein, aber oho: der SHELTIE

In Bezug auf die Gesundheit der Rasse muss Tamaras Angaben zufolge züchterisch auf einige Dinge ein verstärktes Augenmerk gelegt werden.  CEA: Die Collie Eye Anomalie ist eine Erbkrankheit der Augen, die beim Sheltie zu Sehverlust und sogar Blindheit führen kann. Über einen Gentest bzw. eine Untersuchung eines entsprechenden Facharztes kann ein möglicher Ausbruch dieser Erkrankung mitunter frühzeitig festgestellt werden.  MDR1 Defekt: Die Gabe bestimmter Arzneimittel kann bei Hunden, die unter diesem – fachlich als Multiple Drug Resistance Defekt bezeichneten – Gendefekt leiden, zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod des Tieres führen. Daher sollte der Hund zur Sicherheit auf diesen Gendefekt hin untersucht werden. Viele Arzneimittel dürfen betroffenen Hunden nicht verabreicht werden, somit ist es wichtig, dass der Besitzer und der behandelnde Tierarzt hierüber Bescheid wissen und entsprechende Vorsorge treffen können.

Auszug aus dem FCI-Rassestandard Shetland Sheepdog (Sheltie) FCI-KLASSIFIKATION: Gruppe 1: Hüte- und Treibhunde Sektion 1: Schäferhunde ohne Arbeitsprüfung Ursprung: Großbritannien Standard: 88 Größe (Widerrist): Rüden 37 cm Hündinnen 35,5 cm (Unerwünscht sind Abweichungen von +/- 2,5 cm) Der Sheltie gehört zu den Arbeitshunden und ist trotz seines filigranen und friedlichen Aussehens ein aktiver Hund. Die Rasse entwickelte sich auf den Shetland Inseln, wodurch die Namensgebung begründet ist, denn Sheltie ist eigentlich

die Abkürzung für Shetland Sheepdog. Welche Rassen an der Entstehung beteiligt waren, ist nicht genau definiert, aber die Ähnlichkeit zum Langhaar-Collie lässt zumindest an der Einkreuzung wenig Zweifel. 1914 wurde die Rasse vom British Kennel Club anerkannt. Ursprünglich ein genügsamer, robuster Hütehund ist der Sheltie heute ein toller Sport- und Familienhund, der lebhaft ist und Fremden gegenüber oft wachsam, sich aber dabei trotzdem mit einem sanften Wesen auszeichnet. Der Sheltie ist ein Hund, der gerne mit seinem Besitzer aktiv ist und ihn überallhin begleiten möchte. Wie die meisten Hunderassen besitzt er Unterwolle, sein Deckhaar ist lang, gerade und im

Bereich des Halses deutlich verstärkt, gleich einer Mähne. Die Vielfalt im Phänotyp ist durch verschiedene, erlaubte Farbentön definiert. Diese gehen von Zobel (Goldton bis hin zu dunkleren Mahagonitönen) über Tricolour, (dreifarbig) bis hin zu Blue-Merle. Beim Blue-Merle findet man Sprenkelungen in verschiedenen Ausprägungen vor.

Fotos: Constanze Rähse

Die hohe Lebenserwartung von nicht selten 15 bis 16 Jahren spricht ebenfalls für den Sheltie, zumal auch der Pflegeaufwand bei weitem nicht so groß ist, wie es das Äußere vermuten lässt. Einmal die Woche gebürstet und während des Fellwechsels regelmäßig die Unterwolle herausgearbeitet, dazu zwei- bis dreimal jährlich ein Bad – das reicht, um die Hunde in optimalem Pflegezustand zu halten.

KYNOLOGIE

Die Varianten der Fellfärbung machen die Rasse unglaublich vielfältig. sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Erfolgreich züchten ist das Eine. Das Andere ist das erfolgreiche Ausbilden und Vorführen der selbstgezüchteten Hunde auf den höchsten Sportebenen. Beides verdient Respekt. Tamara Sedlmaier führt derzeit ihre YOU (Limited Edition Ash of Summergarden) auf Europa- und Weltebene: Größter Erfolg: FCI WM Agility 2019 Platz 3 Gesamt MEDIUM

Fotos: Constanze Rähse

Bild links: EO 2018 Platz 24 Gesamt MEDIUM

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Klein, aber oho: der SHELTIE

Shelties sind relativ einfach und pflegeleicht in der Aufzucht. Ihre geringere Größe gegenüber anderen Rassen macht es leichter, sie ab einem angemessenen Alter überall mit hinzunehmen und sie an Alltagseindrücke zu gewöhnen. Was Beweglichkeit, Koordination und Körperbeherrschung angeht, sind die meisten Shelties Frühentwickler und schon mit vier Wochen sehr viel auf ihren Beinchen unterwegs.

 Fersenkappenabriss Der Fersenkappenabriss betrifft das Sprunggelenk und beschreibt eine Schwächung der Fersensehne bis hin zum Sehnenabriss, der sich durch Lahmheit und Schmerzen beim Hund zeigt. In der Regel hilft hier nur eine Operation, um dem Hund ein wieder beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Anders sieht es da mit Gelenkserkrankungen aus. Von  HD/ED und  OCD sind Shelties weniger betroffen. Die  Patellaluxation kommt aber, wie bei vielen kleineren Hunderassen auch, immer wieder vor. Über die Würfe und den Ablauf der Geburten ihrer Hunde kann Tamara fast ausschließlich nur Gutes berichten. „Die Geburten laufen überwiegend normal ab, die Hündinnen agieren meist vom ersten Wurf an sehr instinktsicher.“, erzählt sie. Während manche junge Mutter etwas überfürsorglich ist, möchte eine andere am liebsten sofort nach dem Werfen wieder herumflitzen und mit dem Hundeführer aktiv sein. Mit etwas Geduld und Ruhe sind aber auch diese aktiven sehr gute Mütter.

Foto: Marc Gaub

 Zahnfehler Zahnfehler kommen beim Sheltie auch vor. Über- oder Unterbiss, fehlende Zähne und Fehlstellungen können dabei auftreten, stehen aber der sportlichen Karriere natürlich nicht im Wege.

Die Shelties „of Summergarden“ haben vom ersten Tag an den Körperkontakt mit Menschen. Ab der vierten Woche kann man die verschiedenen Charaktere der Welpen bereits erkennen. Durch immer aktivere Umwelterkundung kommen stetig neue Verhaltensweisen ans Licht und man kann die Ausprägung der Bereiche Beute- und Hüteeigenschaften, allerdings nicht in der Ausprägung wie es z. B. beim Border Collie der Fall ist, beobachten. Das Springen ist den meisten Shelties in die Wiege gelegt und sie erkunden nur allzu gerne Klettergeräte und Untergründe. Perfekt für den zukünftigen Start im Agilityparcours. Wer sich einen Sheltie anschafft, hat neben einem tollen Begleiter auch einen sportlich aktiven Hund neben sich, der immer für Aktivitäten zu begeistern ist.

KYNOLOGIE

OF SUMMERGARDEN ∙ Zucht seit 20 Jahren ∙ 42 Würfe (2,1/Jahr) ∙ 136 Hunde (3,2/Wurf) ∙ Nachzucht auf FCI WM

Agility vertreten in den Jahren: 2001, 2002, 2004, 2005, 2006, 2011, 2012, 2015, 2016, 2018, 2019

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Klein, aber oho eben! ■ sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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Fotos: iStockphoto / Mumemories

TEXT: KAROLINA KRÜGER

Mythen, Märchen & Legenden: was ist dran an ihnen? DIESMAL: „JEDE HÜNDIN SOLLTE EINMAL IN IHREM LEBEN EINEN WURF AUFZIEHEN?“ 34


Mythen, Märchen & Legenden er Blick in eine mit Welpen gefüllte Wurfkiste bergumente für das Erlebie Reife, die eine Hündin durch D rührt – das wohlige Schmatzen, der Milchtritt, A nis Mutterschaft gibt es D einen Wurf erlangt, ist meist mit dem das weiße Elixier aus den Zitzen gestramgenügend. Da ist zum einen eher davon abhängig, wann sie zur pelt wird, die entlang dem Gesäuge, wie Perlen auf einer Schnur aufgefädelten, rhythmisch wedelnden kleinen Ruten. Tapsige kleine Körper, die sich auf ihre Beinchen stemmen und nach und nach Wohnung, Auslauf und die Welt erobern.

der viel beschworene Vorteil für die Gesundheit der Hündin.

Mutterschaft gelangt als von den trächtigkeitsbedingten Hormonen. Jeder kennt die Hündin, die sich nach dem ersten Wurf deutlich „ausgelegt“ hat, also in ihrem Körperbau gereift ist. Fragt sich nur, ob sie das nicht auch ohne ihre Welpen getan hätte, wenn sie etwas älter geworden wäre.

KYNOLOGIE

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utterschaft für alle ist nicht im Trend der wilden Verwandtschaft. Gleichwohl birgt die Scheinschwangerschaft großen Nutzen, quasi einen doppelten Boden für die Welpenaufzucht.

Nur mal eben so einen Wurf, ohne konkrete Vorstellung von Genetik, Zyklus, Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht der Welpen ist die blauäugige Variante, bei der erfahrenen Züchtern der Atem stockt. Je intensiver man sich damit befasst, desto größer der Blick auf sich bergende Gefahren für Leib und Leben der Welpen, aber noch viel mehr der Hündin, die es ja zu bewahren gilt, der man einen gesundheitlichen Benefit durch die Prozedur verschaffen möchte. Lang ist der Weg einer im VDH organisierten Zucht bis zum ersten Wurf einer Hündin. Da müssen Gesundheitschecks bestanden, das Wesen begutachtet und der Standard geprüft werden. Gleichzeitig muss der Züchter den Nachweis seiner Sachkunde erbringen, ob er für diese gewaltige Aufgabe überhaupt gewappnet ist. Voraussetzungen, die bei Uupps-Würfen oder geplanten One-Night-Stands zum Zweck des einen Wurfes oftmals nicht gegeben sind.

Eine Geburt soll Krebs verhindern. Nun neigen Hündinnen aber weniger zu Gebärmutterkrebs als die Spezies Mensch, hier ist die Gefahr, dass eine Hündin erkrankt relativ gering, somit auch der vorbeugende Charakter durch einen Wurf gleich Null. Der häufigere Milchleistenkrebs wird hingegen durch das Säugen nicht nachweislich gemindert, anders als Studien es für den Menschen prognostizieren. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Gebärmuttervereiterung oder Scheinträchtigkeit mindert sich nicht durch Geburten, eher noch verstärkt sich durch die Belastung das Auftreten von Zysten, die wiederum eine Pyometra triggern können. Also, Deckakt, Trächtigkeit und Aufzucht bringen im gynäkologischen Bereich eher Gefahren als Vorteile.

Der menschliche Aspekt

medizinische Sicht

Entwicklungsbiologisch

Fazit

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Keine Frage, das Wunder Leben beseelt jeden, der eine emotionale Ecke in seinem Herzen hat. Die Nachfahren seines eigenen Hundes sind etwas ganz Besonderes und gerade weil unsere Hunde uns nur kurz begleiten, tröstet der Gedanke, dass sie in ihren Kindern weiterleben gewaltig.

Die frühe Geschlechtsreife unserer Hunde und die häufigen Läufigkeiten – mehr als einmal im Jahr – ist auf die Domestikation zurückzuführen. Freilebende Hunde und der entfernte Vorfahre Wolf weisen eine deutlich spätere Reife auf. Auch zeigen gerade die im Familienverband lebenden wilden Hunde, dass es keineswegs jeder Hündin erlaubt ist, Welpen zu haben. Fortpflanzen dürfen sich nur die Leittiere. Wild gedeckte Hündinnen gebären in der Regel keine Welpen, da der Körper die Früchte absorbiert. In den Fällen, in denen es dennoch zu weiteren „unautorisierten“ Würfen kommt, werden die Welpen meist getötet. Regeln, die sich entwicklungsbiologisch als nützlich erwiesen haben, setzen sich evolutionär durch.

In Gruppen lebende Hunde synchronisieren oft ihre Zyklen. Die nicht belegten, scheinträchtigen Hündinnen bereiten sich körperlich auch auf eine Laktation und Aufzucht vor, wenngleich sie nicht gebären werden. Sollte die Mutterhündin jedoch nicht säugen können oder versterben, ist das Rudel aus Tanten und Geschwistern in der Lage, den Wurf dennoch zu versorgen und sichert somit den Fortbestand. Der Mythos, dass eine Hündin für ihr Wohl einmal im Leben einen Wurf haben sollte, kann somit bedenkenlos in das Reich der Märchen und Legenden verbannt werden, dient er doch nur als (verständliche) Ausrede für die Sehnsüchte des Menschen auf das Wunder des Lebens.

sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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20.-22.11.2020 VDH Deutsche Meisterschaft Rochlitz (DE) 23.-25.11.2020 SV Bundes-FH Paderborn (DE) 24.-25.11.2020 DVG BSP FH Visselhövede (DE) 11.-15.5.2021 FCI IGP-FH WM Lahti (FIN)

DOGDANCE 1.-4.10.2020 offene Europameisterschaft St. Petersburg (RUS) verschoben 7.-10.10.2021 20.-22.11.2020 VDH DM und Nationscup Stuttgart (DE) 7.-9.5.2021 Qualifikation FCI WM Dortmund (DE) 10.-13.6.2021 FCI WM Týn nad Vltavou (CZE)

DOGFRISBEE 3.-4.10.2020 UFO Worldcup Finals Ravenna (ITA)

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AGILITY 20.-21.3.2021 WM Qualifikation (S/M) Medium) ATC Mendig 27.-28.3.2021 WM Qualifikation (L) ATC Mendig

OBEDIENCE 24.-25.10.2021 SV Meisterschaft Hausen-Obertshausen (DE) 6.-7.3.2021 1./2. Qualifikation FCI WM n.n. (DE)

10.-11.4.2021 WM Qualifikation (S/M) HSZ Wülfrath

18.4.2021 VDH DM + Finale Qualifikation FCI WM Gemünden (DE)

17.-18.4.2021 WM Qualifikation (Large) HSZ Wülfrath

10.-13.6.2021 FCI Weltmeisterschaft Münsingen (CH)

7.-9.05.2021 Finale WM Qualifikation Dortmund (DE) 23.-26.9.2021 FCI WM Agility Estland 4.-5.12.2021 VDH DM/DJM Agility Hemsbach (DE)

ZUGHUNDESPORT 29.10.-1.11.2020 ESDRA Dryland EM Auronzo di cadore (ITA) 7.-8.11.2020 DVG BSP CaniCross Quakenbrück (DE) 14.-15.11.2020 DM Dryland Leipa (DE)

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise fallen die meisten Hundesport-Events 2020 aus oder wurden verschoben. Die Lage ist etwas unübersichtlich. Informiert euch deshalb bitte auch unbedingt bei den Veranstaltern.

RALLY OBEDIENCE 1.-2.5.2021 DVG BSP Ering (DE)

IGP 23.-25.4.2021 DVG BSP Eschweiler-Dürwiß (DE) 8.-12.9.2021 FCI Weltmeisterschaft Apeldoorn (NED)

Foto: Constanze Rähse

FÄHRTE

FLYBALL 15.-16.5.2021 FCI Flyball Open World Cup Lommel (BEL)

TOPHUNDESPORTTERMINE


Gewinnspiel RUBRIK

SPORTHUNDGEWINNSPIEL  Wie heißt der rasanteste Staffellauf im Hundesport?

 Welche Artikelnummer hat das „Sporthund Fährtenbuch pocket“ im Online-Shop?

 Wie lautet die vollständige Rassebezeichnung des Sheltie?

O 4359271 N 7050332 D 2947269

B Shetland Shetdog T Shetland Sheepdog M Sheepland Shetdog

 Wer macht im Obedience die Ansagen im Ring?

 Wie heißt unser Longiermodel im Artikel?

 Wie lautet der lateinische Name der Kniescheibe?

 Wie heißt die Start-Klasse im Obedience?

V Steward A Ringrichter R Schiedsrichter

C Beasy T Easy S Bessy

E Miniskus I Patella L Ligamentum

R Klasse 0 W Startklasse O Beginner

 Was ist ein Stressor?

 Welchen Sheltie-Zwinger stellen wir in diesem Heft vor?

P Hoopers H Canicross I Flyball

SPORTHUNDFASHION-SET je 1x Hundeführerweste Fashion 2.0, Gürteltasche plus & Team Cap

Teilnahmebedingungen: Sende das Lösungswort, deinen Namen und deine vollständige Postanschrift per E-Mail an

gewinnen@sporthund.de

Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Unter allen Einsendungen verlosen wir ein Sporthund Fashion-Set. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Es besteht auch kein Anspruch auf Auszahlung oder Ausgabe eines Ersatzgewinns. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die vom Teilnehmer angegebenen Daten werden nach Maßgabe der DSGVO behandelt. Die Datenschutzerklärung findest du unter www.sporthund.de/datenschutzerklaerung

MITMACHEN & GEWINNEN

O ein Reiz E ein Geiz B ein Anreiz

 Wo findet im November die VDH IGP-FH DM statt? M Rochlitz T Stewede R Visselhövede

J vom Sommergarten T of Wintergarden A of Summergarden

Lösungswort

Sende dein Lösungswort an: gewinnen@sporthund.de und sichere dir die Chance auf das SPORTHUND Fashion-Set im Wert von 110 EUR.

Einsendeschluss:

10. November 2020

          sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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RUBRIK Impressum & Vorschau

Erscheinungsweise: 6x jährlich Gesamtkonzept: Constanze Rähse, Neuhaus an der Pegnitz Lektorat: Dipl.-Germanistin (Univ.) Cordula Scheffner, Viersen Verkauf: Einzelheft: 1,90 EUR zzgl. Versand im Abo: 11,40 EUR (D) / 22,20 EUR (EU) inkl. Versand Auflage: 5.000 Stück Fotoquellen: Marc Gaub, Eugenie van Oirschot, Susanne Metzmacher, Jan Redder, Jenni Freytag, Constanze Rähse, iStockphoto, AdobeStock

APPORTIEREN IM OBEDIENCE (TEIL 2) Von erfolgreichen Hundesportlern lernen, dafür besuchen Interessierte Seminare und Workshops. In unserer AusbildungsSerie erklärt uns Susanne Metzmacher, wie sie mit ihrer Golden Retriever Hündin Fine den Apport gelernt hat.

READY, SET, GO ...

Hinweise:

... der VDH Deutsche Meister im Flyball kommt aus Bayern. Genau aus Oberfranken. Wie und wo die „laute“ Truppe trainiert und wer die vierbeinigen Stars im Team sind, Sporthund war zu Gast in Emtmannsdorf.

Kynologie Foto: iStockphoto / GoodLifeStudio

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Unsere nächste Ausgabe erscheint Anfang November 2020

Hundesport

Foto: Constanze Rähse

Druck: WIRmachenDRUCK GmbH

VORSCHAU #7

Hundesport

Foto: Eugenie van Oirschot

Herausgeber: LEROI GmbH Geschäftsführer: Florian König, Olaf König Am Schneckenhof 9 D-74626 Bretzfeld-Geddelsbach Email: magazin@sporthund.de Tel +49 (0) 79 45 / 9 41 01 01 Fax +49 (0) 79 45 / 91 15 25

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IMPRESSUM

ICH FÜHLE WAS, WAS DU NICHT SIEHST ... Neidisch? Eifersüchtig? Empathisch? Mitfühlend? … Gibt es diese Gefühle bei unseren Hunden auch? Wie schätzt man Emotionen richtig ein und wie wirken sich diese auf Verhalten aus? Kurzfristige Änderungen vorbehalten. Wir bitten um Verständnis.

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Warmup und Dryup Capes FĂźr einen trockenen und warmen Hund

sporthund.de sporthund.de ∙[Heft 5/2020]

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1000 mal probiert ... 1000 mal ist nichts passiert

Foto: Constanze Rähse

1001 ... ups. Pina – Team Flyball Oberfranken (VDH Deutscher Meister 2019)

ZUM SAMMELN sporthund.de


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