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Sporthund-Magazin Ausgabe 17

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August/September 2022

MAGAZIN #17 Wer gewinnt, hat Recht!

Ideenreichtum und Beharrlichkeit

Die hohe Schule des Gehorsams FCI Obedience WM 2022

Die 4 F,s

Strategien in Konfliktsituationen

MAELSON

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SPORTHUND Technikkissen TORRO

Foto: Constanze Rähse

sporthund.de 2


EDITORIAL

„Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916, österreichische Schriftstellerin)

Wie wir Menschen auf plötzliche Konfliktsituationen reagieren, können wir in der heutigen Zeit vielfach beobachten: kämpferisch, fluchtbereit – manchmal auch mit Galgenhumor oder Verdrängungstaktik. Denkt man über seine Handlung nach oder reagiert man instinktiv?

Autoren dieser Ausgabe FRANSI ROTTMAIER ist seit 1997 im Schlitten-

hundesport aktiv. Die gelernte „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ stieg 2005 als Zeitsoldatin auf die Arbeit mit Dienstgebrauchshunden um. Als Referentin und Beraterin über Aggressionsverhalten, Selbstschutz und Mikromuster-orientierter Verhaltensanalyse machte sie sich europaweit einen Namen.

Schon mal von den 4 F,s gehört? Einen vergleichenden Blick kann man auch auf unsere Hunde werfen. Wie reagieren sie angesichts einer Bedrohung und woher kommen diese so gegensätzlichen Reaktionen, was sagen sie über ein Individuum aus? Erfolgreiche Hundetrainer sollten instinktive Reaktionen von bewussten Entscheidungen trennen können, um nicht nur erfolgreich, sondern auch fair auszubilden.

SEBASTIAN WEINDEL hat nach abgeschlossener

Ausbildung zur Bestattungsfachkraft unter anderem als Tierbestatter, Dogwalker und Redakteur gearbeitet. Als aktiver Hundesportler in der Trainerausbildung leitet er in seinem Verein Gruppen in der Unterordnung und im Turnierhundsport. Mit einem seiner zwei Hunde trainiert er zusätzlich im IGP-Sport und ist Schutzdiensthelfer.

INKA STONJEK lebt in Schweden und arbeitet von dort als freie Fachjournalistin, PR-Beraterin und Konzeptionerin. Inhaltlich geht es bei der Ernährungswissenschaftlerin meist um das große Themenspektrum Essen und Trinken. Mit ihrem 7-jährigen Australian Shepherd ist sie im schwedischen Brukshundklubben u.a. im Agility aktiv.

Nachweislich machen bessere kynologische Kenntnisse die Ausbildung gehobener. Der Trend der letzten Jahre geht zu immer mehr Perfektion. Man muss sich fragen, wo das noch hinführt und ob diese Perfektion überhaupt erreichbar ist. Was die Richter heute sehen wollen, ist teilweise nicht mehr ausbildbar. Diskussionen dazu gab es en masse nach der FCI WM im Obedience, wo von den Weltbesten kein einziger mehr mit „V“ bewertet wurde. Ist der Hundesport motivatorisch bedroht? Wie wir Leistungsanspruch, Qualität und dennoch Attraktivität für die breite Masse unter einen Hut bekommen können? Nun aber wieder viel Spaß beim Lesen und Rätseln! Bleibt gesund und helft euch gegenseitig!

Chefredakteurin SPORTHUNDMAGAZIN

Unser Titelbild „Siegerfoto“ zeigt Border Collie Nature Mind Come Bye Ace von Hundeführerin Janina Leick auf der FCI Obedience WM 2022 in Dänemark. Foto: Janina Leick

sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Ariki o kurí

Foto: Philouska

TEXT: INKA STONJEK

Die hohe Schule des Gehorsams

Die FCI Obedience Weltmeisterschaft 2022 in Aarhus (DEN)

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FCI WM Obedience 2022 HUNDESPORT Vom 22. bis 26. Juni hat im dänischen Aarhus die FCI World Championship im Obedience stattgefunden. Vier Tage lang haben 110 Hundeführer aus aller Welt zusammen mit ihren Hunden um Punkte und Nachkommastellen gekämpft. Als Weltmeister fuhren die Teilnehmer und Teams aus Schweden, Norwegen und Finnland nach Hause. Als „vorzüglich“ bewertet wurde jedoch keiner. „About turn, turn left, slow pace“ – die Kommandos des Stewards erfüllen die Reithalle des Reitsportclubs Vilhelmsborg. Diesmal werden dort allerdings keine jungen Pferde mit ihren Reitern ausgebildet. Es sind Mensch und Hund, die hochkonzentriert über den Sand schreiten. Fünf Tage lang war das weitläufige Gelände in Dänemark Austragungsort für die Weltmeisterschaft im Obedience.

ners. Die Kommandos, die der Hundeführer von dem sogenannten Steward angesagt bekommt, müssen unmittelbar von Mensch und Hund umgesetzt werden. Das Augenmerk der Richter liegt auf Geschwindigkeit und Präzision, aber auch darauf, wie willig der Hund den Anweisungen seines Menschen folgt. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V. schreibt in der Prüfungsordnung: „Das Ziel der Ausbildung liegt auf gutem Kontakt zwischen Hund und Hundeführer und auf der Bereitschaft des Hundes, dem Hundeführer sogar auf Entfernung zu gehorchen.“

Punkte für Schnelligkeit und Präzision

Einheit zwischen Mensch und Tier

Mit Kommandos wie diesen werden die Hundeführer durch die Freifolge geleitet. Hohe Punktzahlen erreichen nur die Teams, die regelrecht zu einer Einheit verschmelzen: der Hund aufmerksam und motiviert stets nah am Bein seines menschlichen Part-

Diese Harmonie zwischen Mensch und Hund ist es, was Shauna Wenzel so am Obedience fasziniert. „Wenn alles gut läuft, gleicht die Freifolge beinahe einem Tanz“, schwärmt die gebürtige Britin. 2005 hat sie den Sport für sich entdeckt. Der Wunsch,

Aarhus Stadt des Lächelns

Aarhus

liegt an der dänischen Ostküste der Halbinsel Jütland und wurde im 8. Jahrhundert gegründet. Als eine der ältesten Städte Dänemarks erreichte Aarhus im 15. Jahrhundert den Stadtstatus und ist heute die zweitgößte Stadt des Landes. Auf 468 km2 kommunalem Gebiet wohnen ca. 352.000 Einwohner. Veranstalungsort: Vilhelmsborg ist das nationale Reitsportzentrum von Dänemark mit seit 1945 denkmalgeschütztem Herrenhaus

sich in der Elternzeit nach der Geburt ihrer Tochter Cla-Ffi noch einem Hobby zu widmen, führte sie in einen Obedience-Kurs. „Das ist es!“, beschreibt sie ihren ersten Eindruck rückblickend. Heute ist die Tochter erwachsen und teilt die Begeisterung ihrer Mutter. Mit ihrem Border Collie Elly hat ClaFfi 2018 sogar als jüngste Teilnehmerin an der Weltmeisterschaft im niederländischen Ermelo teilgenommen. Während die aktive Sport-Karriere derzeit für das Studium ruhen muss, lastet Mutter Shauna den Hund aus: sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Gehorsam in Nähe und Distanz

WE

Foto: Herrmann Wenzel

Die Freifolge ist eine wichtige Übung im Obedience, denn die erzielten Punkte fließen vierfach in die Gesamtwertung ein. Shauna Wenzel ist von ihrer Leistung und der ihrer Hunde mehr als begeistert: „Elly war mit der Lautstärke etwas überfordert, hat sich aber tapfer durchgekämpft. Miff ist ein starker Charakter und war absolut genial.“ Neben der Freifolge müssen alle Teams noch neun weitere Übungen während der Weltmeisterschaft absolvieren. In einigen findet sich das Apportieren wieder, also das Bringen eines Gegenstandes, der ausgelegt wird. In anderen geht es um das Gehorchen des Hundes auf Distanz, wenn er sich beispielsweise aus einigen Metern Entfernung um eine Pylone oder in ein markiertes Quadrat schicken lassen muss. Bei der „Geruchsidentifizierung“ muss der Hund aus mehreren identischen Gegenständen den heraussuchen, dem sein Hundeführer zuvor berührt hat. Bereits am ersten Wettkampftag mussten alle Hunde zwei Übungen in der Gruppe meistern: mal sitzend, mal liegend, während sich der Hundeführer entfernt oder auch ganz aus dem Blickfeld des Hundes verschwindet.

EL

6

SHAUNA

NZ

mit Elly hat sie sich ebenso für die Weltmeisterschaft in Dänemark qualifiziert wie mit dem eigenen Hund Miff. Border Collie Ced, der sich nach vier Weltmeisterschaften bereits in den Ruhestand verabschiedet hat, und die Nachwuchshündin Maisy komplettieren das Quartett.

 seit 2005 im Obedience  wichtigste Erfolge: Bayerische Meisterin mit Shadow, FCI Vizeweltmeister (TEAM) 2015 mit Ced, Deutsche Meisterin 2021 und 2022 mit Miff  Ausbildung zum „British Kennel Club Instructor for FCI Obedience“  Infos: www.obedience-is-fun.com

Gut, sehr gut, vorzüglich Am Ende erreicht Shauna Wenzel mit Miff Platz 24, mit Elly Platz 69. „Da wäre mehr drin gewesen“, sagt sie. „Mich enttäuscht allerdings nicht die Platzierung, sondern unsere Punkte.“ Jede Übung können die Richter mit maximal zehn Punkten bewerten; aufgrund der vorgeschriebenen Gewichtung (siehe Tabelle) lassen sich in einem Wettkampf so maximal 320 Punkte erreichen. Eine Punktzahl von mehr als 256 ergibt eine „vorzügliche“ Wertnote. Die FCI Weltmeisterin 2022, Mari Leiviskä aus Finnland, gewinnt mit 254,75 Punkten und verfehlt damit sogar als beste Läuferin der Welt dieses Prädikat knapp. „Das muss man sich wirklich klar machen“, sagt Shauna Wenzel, „denn es bedeutet: weder den Weltmeister, noch irgendeinen anderen Hund haben die Richter an dieser Weltmeisterschaft als „vorzüglich“ angesehen.“


FCI WM Obedience 2022 HUNDESPORT

Weltmeisterin Leiviskä

max. Punkte

20

20

19,5

20

Gruppenübungen: 1

Zwei Minuten sitzen in der Gruppe, Hundeführer außer Sicht des Hundes (F2)

2

Eine Minute liegen in der Gruppe mit Abrufen (F2)

Einzelübungen: 3

Freifolge (F4)

4

Positionen aus der Bewegung (F3)

5

28

40

21,75

30

Abrufen mit Steh und/oder Sitz und/oder Platz (F3)

21

30

6

In ein Quadrat schicken mit Richtungsanweisung, Platz und Abrufen (F4)

26

40

7

Holzapport mit Richtungsanweisung (F3)

25,5

30

8

Um eine Pylonengruppe/Tonne herumschicken, Steh/Sitz oder Platz und Holzapport mit Richtungsanweisung über einen Sprung (F4)

4

40

9

Geruchsidentifizierung und Apportieren (F3)

3

30

10

Distanzkontrolle aus 15 m (F4)

Gesamtpunkte

4

40

254,75

320

Alle Übungen haben den Grundwert 10 und werden je nach Faktor in Klammern aufgewertet. Die Tabelle zeigt die maximal zu erreichenden Punkte und die, die die FCI Weltmeisterin Mari Leiviskä aus Finland mit Tending Panther erreicht hat. Quelle: PO 2022 – Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V.

Zahlreiche Sportler teilen diese Meinung und haben sich im Nachhinein kritisch in den sozialen Netzwerken geäußert:

Die zweifache Obedience-FCI-Weltmeisterin 2017 / 2018 Valentina Balli, ebenfalls aus Italien, betont auf ihrer Facebook-Seite, dass Hunde keine Maschinen seien und die Richter realistische Erwartungen an die Hunde setzen müssten. Zudem sei im Sport positive Verstärkung auch für den Menschen wichtig:

Der Italiener Nicola Giraudi schreibt: „Ich habe die letzten zwei Weltmeisterschaften verfolgt und die Punkte werden weniger und weniger. Und dieses Jahr wurde nicht ein einziger Hund als vorzüglich bewertet – das ist verrückt!“ Dabei habe sich das Training und das Verständnis der Hunde über die Jahre stark verbessert. „Was also haben die Hunde falsch gemacht, nach solch herausragenden Leistungen nur mittelmäßig bewertet zu werden?“, fragt er. Es ginge doch darum, die Sportler anzutreiben und den Sport wachsen zu lassen.

„Wenn die Richter nur nach Perfektion suchen, wird das das Training und den Hund zerstören.”

Einzelwertung FCI Obedience WM 2022

Foto: Wiegaarden / Bjarke Kirkegaard Nielsen

Obedience-Übungen gemäß PO:

Auch die Weltmeisterin 2019 und diesjährige Vize-Weltmeiserin Michelle Holmlund aus Schweden kritisiert die Richtweise: „Es ist natürlich traurig, kein „vorzüglich“ zu bekommen. Dass die Bewertung streng war, ist niemandem entgangen. Ebenso, dass das Programm natürlich nicht fehlerfrei war. Ich verstehe, dass die Rolle als Richter sehr schwierig ist. Doch ich hätte gerne deutlichere Punkteunterschiede zwischen großen und kleinen Fehlern gesehen.“ Starke Konkurrenz aus dem Norden Und noch etwas zeigt sich, wenn man die Weltmeisterschaft in Dänemark mit den vergangenen Veranstaltungen in der Schweiz sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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(2021) und in Tschechien (2019) vergleicht: dass die Skandinavier extrem stark sind und oft weit vorne liegen. In Dänemark standen neben Mari Leiviskä aus Finnland auch die Titelverteidigerin Michelle Holmlund aus Schweden (Platz 2) und Anne Lise Ytreberg aus Norwegen (Platz 3) auf dem Treppchen. In der Teamwertung lag am Ende Schweden vor Norwegen und Finnland. Woran liegt das? „Wenn ich das wüsste“, lacht Shauna Wenzel. Ihr fällt jedoch auf, dass die Skandinavier sehr aktiv sind und auch weite Anreisen zu sportlichen Wettkämpfen nicht scheuen. „Nicht alle Deutschen nehmen lange Wege auf sich“, weiß sie.

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Foto: Wiegaarden / Bjarke Kirkegaard

Einen Unterschied könne auch die Bereitschaft der skandinavischen Verbände machen, mehr Ersatzstarter zu den großen Wettkämpfen zu schicken. „Die skandinavischen Teams reisen oft mit einem großen Team an. Zu den Favoriten kommen oft nochmal ebenso viele Reserve-Hundeführer. Für sie sei die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft eine einzigartige Chance, Erfahrungen zu sammeln, ohne den Druck für eine Teambewertung aushalten zu müssen. Shauna Wenzel sagt: „Die Anspannung einer Weltmeisterschaft darf man nicht unterschätzen. Man muss lernen, damit umzugehen. Und da hilft nur viel, viel Übung.“

Teamwertung FCI Obedience WM 2022

Auftakt der Qualifikationen zur WM 2023 Shauna Wenzel ist gespannt, ob sich die Tendenz zu den nicht nachvollziehbaren und strengen Bewertungen im Obedience fortsetzen wird. 2023 wird die FCI-Weltmeisterschaft in Spanien stattfinden und wenn es nach ihr geht, wird sie wieder dabei sein. Diesmal ist die Ruhepause nur kurz. Nach

zwei Jahren, in denen sich die Qualifikationen Pandemie-bedingt nur auf wenige Wettkämpfe beschränkt haben, können diesmal wieder sechs bestritten werden. Die erste Hürde auf dem Weg zur Weltmeisterschaft ist hierbei die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. „Die Punktevergabe orientiert sich dabei an der Formel Eins. So sammeln wir bei jedem Wettkampf Punkte, die am


FCI WM Obedience 2022 HUNDESPORT

Ergebnisse des deutschen Teams: Platz 24: Anne-Kathrin Weiss Hitch From The Cottace Of Harmony 250,5 Punkte Platz 28: Shauna Wenzel Welsh Riverdee Mischief Managed 249,75 Punkte Platz 35: Wera Hahn Tending Wonderful 245,25 Punkte Platz 52: Christine Hahn Wings Of hope Eternal Hero 234,25 Punkte Platz 69: Shauna Wenzel Ariki O Kurí 223,25 Punkte Foto: VDH

Platz 81: Janina Leick Nature Mind Come Bye Ace 211,75 Punkte

Ende in die Gesamtwertung für die Qualifizierung eingehen“, erklärt Shauna Wenzel. So nehmen an der Deutschen Meisterschaft die zehn Hundeführer teil, die in drei von fünf Qualifikationsläufen die meisten Punkte gesammelt haben. In die Qualifikation zur Weltmeisterschaft fließen die Punkte aus der Deutschen Meisterschaft dann mit ein; die sechs Hundeführer mit den meisten

Punkten dürfen dann nach Spanien fahren. Shauna Wenzel geht deshalb davon aus, dass die sehr ambitionierten Sportler die Chance nutzen werden, möglichst viele Wettkämpfe zu bestreiten. Shauna Wenzel gibt ihre gemachten Erfahrungen als Trainerin und Coach an ihre Schüler weiter.

„Mein Weg ist, dass die Hunde mit Spaß und Eigenmotivation bei der Sache sind. Deshalb dürfen sich meine Hunde einbringen. Sie zeigen selbst, wie sie Ideen für eine Übung haben, man muss sie nur lesen können. Das habe ich gelernt.“ sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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TEXT: FRANSI ROTTMAIER

Foto: Jan Redder

DIE 4 F'S: FIGHT – FLIGHT – FREEZE – FIDDLE

Hündische Bewältigungsstrategien in Konfliktsituationen! 10


Die 4 F ,s: FIGHT – FLIGHT – FREEZE – FIDDLE KYNOLOGIE

Gemeint sind instinktive Verhaltensweisen auf stressige oder bedrohliche Situationen – ein Hund kann quasi KÄMPFEN, FLÜCHTEN, ERSTARREN oder sogenannte „Übersprungshandlungen“ zeigen. Wer diese Reaktionen nicht erkennen und seine Maßnahmen blitzschnell darauf auszurichten vermag, versagt als Hundetrainer! Und auch im Sport will man massenhaft unerwünschte „F’s“ erkennen – ein vernichtendes Urteil über die Sinnhaftigkeit und auch die Qualität des Trainings. Denn dann bedeute die jeweilige Situation ja Stress oder gar eine Bedrohung für den Hund, sonst würde er nicht in das Bermudadreieck der 4 F,s abrutschen. Kynologische Weiterbildungseinrichtungen bauen im Bereich Aggression und Konfliktbewältigung auf das bewährte Fundament dieser Signale, denn wie von Zauberhand lässt sich der Grad drohender Traumatisierung daran ablesen. Und um die Verwirrung zu perfektionieren, werben manche

Kein Anzeichen von Stress oder Druck empfinden wir als „schön“ – aber sind diese Signale deshalb destruktiv?

Zur Beruhigung nun eventuell aufwallender Gemüter sei anzumerken, dass ein guter Trainer selbstverständlich empathisch dazu in der Lage sein muss, sein Training an den aktuellen Zustand des Hundes anzupassen. Dazu gehört auch das Erkennen sogenannter „Coping-Strategien“ und ein situatives Einschätzen derer Bedeutung. Diese Verhaltensweisen können auch durchaus ein stressbehaftetes F beinhalten – nämlich dann, wenn die CopingStrategien nicht ausreichen. Und ganz aus der Luft gegriffen ist diese Einordnung natürlich nicht. Foto: Constanze Rähse

Manche sprechen gar von einer fünften Dimension, dem FAINT – dies sei aber bei Hunden gar nicht zu beobachten. Aber existieren tue sie, die reaktive Ohnmacht. Zumindest bei Ziegen. Als Gen-Defekt. Vielleicht auch bei Hunden in Todesangst. Oder doch nur im Labor? Wenigstens der Vollständigkeit halber. Außenstehende verstehen bei dieser F-Reihenschaltung sowieso nur Bahnhof oder zücken bestenfalls den Schraubenzieher, um dem technischen Problem zu Leibe zu rücken.

Trainer gar damit, den armen, minderbelichteten Vierbeinern durch ihre Methodik zu „besseren“ Konfliktstrategien verhelfen zu können: Knigge in hündisch.

Grafik: Fransi Rottmaier

Zur konzeptionellen must-have Ausrüstung eines Hundetrainers gehört im Jahre 2022 die „waschechte“ Beherrschung der kaniden Konfliktbewältigungsstrategien in theoretischer Ausführung – salopp abgekürzt als 4 F,s: FIGHT – FLIGHT – FREEZE – FIDDLE .

Schwieriger wird es jedoch beim wissenschaftlichen Anspruch, der regelmäßig zur dogmatischen Legitimation erhoben wird: „Böse Zungen“ erwähnen dann frappierende Parallelen zum Hype der „Calming Signals“ vergangener Jahrzehnte und des daran gekoppelten Frust-Erwachens, dass Hunde doch nicht ganz so heiß beschwichtigen, wie wir es in unserer Interpretation gekocht haben. Brauen wir uns also eine neue Suppe der Überinterpretation oder missverstehen wir gar die instinktiven Stressreaktionen unserer Vierbeiner? sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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schnell erklärt:

COPING-STRATEGIEN = Bewältigungsstrategien sind erlernte Handlungsweisen, die den Umgang mit Stress, belastenden Situationen und Angsterleben erleichtern

CALMING-SIGNALS = Beschwichtigungssignale sind soziale Gesten und Signale, die dem Gesprächspartner das eigene Unbehagen oder die Sorge vermitteln sollen, eine drohende Eskalation abzuwenden. Dabei handelt es sich um drei völlig unterschiedliche Kategorien, die jedoch ebenso munter wie fälschlich unter „4 F,s“ zusammengefasst werden.

Die „4 F-Affäre“ – ein begriffliches Dilemma? Das Dilemma beginnt schon bei der Definition. Populärkynologische Erklärversuche dieser mysteriösen Konfliktbewältigung leiten zumeist damit ein, dass der Hund aus Unwohlsein oder sich-bedroht-Fühlens in unwillkürliche Verhaltensprozesse rutsche. Sein sogenanntes „Reptilienhirn“ übernähme die Steuerung und mache eine bewusste Beeinflussung unmöglich. Damit ist der Mensch quasi „raus“ und auch der Hund weiß nicht mehr, was er tut, beziehungsweise verfällt wahllos in eins der vier Verhaltensmuster. Dieser Zustand sollte natürlich vermieden werden. Frühprävention ist das Stichwort – oder? 12

Foto: Fransi Rottmaier

STRESSREAKTIONEN (Fight-Flight-Freeze): sind systemische Überlebensreaktionen auf eine Bedrohung und/oder eine akute Gefahrenwahrnehmung

FIGHT und FREEZE – oder etwa FIDDLE? Vorsicht vor Überinterpretationen: zwei Junghunde im ausgelassenen Spiel. Der situative Kontext zählt!

Bereits hier zeigt sich die argumentative Dürftigkeit, denn in diesem Zustand könnte ein Hund während eines Konflikts keine lohnenswertere Strategie wählen oder Risiko gegen Erfolg abwägen – diese kognitiven Prozesse laufen hauptsächlich in Bereichen des Frontallappens ab, populistisch als „Denkerhirn“ bezeichnet. Operiert der Hund also nur noch mit seinem „Reptilienhirn“, könnte er nicht von einer „unwillkürlichen“ Bewältigungsstrategie in die andere wechseln und wäre bei rasch veränderten Ausgangssituationen hoffnungslos aufgeschmissen. Evolutionär also eher ein Garant für baldiges Aussterben der Art – vor allem in unserem Lebensraum – und da nutzt auch der geschäftstüchtigste Hundetrainer nichts mehr.


Die 4 F ,s: FIGHT – FLIGHT – FREEZE – FIDDLE KYNOLOGIE

die Grafik erklärt: Nach der Verarbeitung eines Reizes (wir sehen Erstarren bzw. FREEZE) schüttet das Gehirn beim Erkennen einer Bedrohung Stresshormone (z. B. ACTH) aus, aktiviert die Hormonproduktion in der Nebenniere und das vegetative Nervensystem (Sympathicus), damit der Körper für Kampf oder Flucht bereit wird.

VOM REIZ ZUR REAKTION Grafik: Fransi Rottmaier

Diese gehen indes so weit, bei jeder „unerwünschten“ Reaktion auf Alltagsreize von 4 F,s zu schwadronieren. Als hätten wir affekt- und impulsgestörte Stressbolzen an der Leine, die morgens aufstehen und sich ganztägig vom Tod bedroht fühlen (was es durchaus geben mag, aber eben nicht in diesem Umfang). Möchte man also Konfliktstrategien beschreiben, bräuchte es vorher eine Definition des konkreten Rahmens: zeigen sich die 4 F,s lediglich in einem normalerweise seltenen „Out-of-order“Zustand oder bereits lange vorher, wenn es nur um ein Gefühl des Unwohlseins oder eines Interessenkonflikts geht? Sprechen wir über strategische Coping-Entscheidungen oder über unwillkürliche Stressreaktionen? Wer diese Parameter durcheinander wirft, argumentiert auf fachlichem Treibsand.

Die sichtbare Alarmreaktion (Fight or Flight) wird hauptsächlich über stark erhöhte Durchblutung und Freisetzung von gespeicherter Energie erzielt, dafür muss die Nebenniere Neurotransmitter wie Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin (Katechola-

mine) und Steroidhormone wie Cortisol (Glukokortikoide) freisetzen. Wurde die Alarmreaktion erfolgreich durchgeführt, muss der Organismus rechtzeitig herunterfahren, um das Herz-Kreislaufsystem zu erholen und die Energiespeicher wieder aufzufüllen. Dafür zuständig ist der Gegenspieler im vegetativen Nervensystem: der Parasympathicus. Wir sehen jetzt eine Beruhigung, Futteraufnahme und allgemeine Entspannung. Außerhalb von bedrohlichen Situationen versuchen beide Anteile des vegetativen Nervensystems, sich gegenseitig in Balance zu halten.

Noch mehr Verwirrung verursacht der Umstand, dass den 4 F,s ganz verschiedene Anglizismen zugeordnet werden und niemand festlegen kann, welche denn nun offiziell gelten: FIGHT (kämpfen) – FAWN (schleimen) – FLIRT (flirten) – FIDDLE (tricksen) – FRIGHT (erschrecken) – FIDGET (herumzappeln) sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Über das FIGHT sind wir uns weitestgehend einig. Die drei ersten F’s lassen sich auch relativ einfach erklären und sind in der Verhaltensbiologie zudem gut belegt, da klar beschreibbar (übrigens auch bei uns Zweibeinern). Bei der Nummer vier kocht sprichwörtlich jeder seine eigene Suppe, denn das FIDDLE lässt sich beliebig ersetzen und ergänzen, wie es gerade in die Situation passt. Aus argumentativer Dürftigkeit wird gähnende Leere: es existiert keinerlei wissenschaftlicher Konsens in Form einer konkreten Verhaltensbeschreibung. Gemeint hingegen ist ein Reaktionsmuster, das irgendwo zwischen unvermitteltem Spielverhalten, neurotischem Übersprung, sexuellen Avancen, aktiver Unterwerfung und ziellosen motorischen Zappeleien oszilliert. Kennt jeder, hat jeder schon mal beobachtet – und das soll dann eine „instinktive“ Karte sein zwischen Kampf, Flucht oder Erstarren. Und ja, eventuell noch Ohnmacht. Tatsächlich handelt es sich bei diesen Verhaltensweisen wahrscheinlicher um individuelle Coping-Strategien und diese zeigen sich auffallend häufig im Umgang mit Artgenossen – aber selten gegenüber Artfremden und noch seltener gegenüber wirklich bedrohlichen Reizen. Also gerade nicht in dem Kontext, der instinktiven Stressreaktionen zugeschrieben wird. In der Humanpsychologie umschreibt „Fawning“ eine sozial motivierte Form von Unterwerfung. Allerdings innerartlich! Die damit verknüpften Motive lassen sich zudem schwer auf Hunde übertragen – wir können dem beobachteten Verhalten schlichtweg keine konkreten Gedanken oder Gefühle zuordnen. Statt zu dramatisieren, müssten wir die Beobachtung auch von unbeholfenen Kommunikationsversuchen abgrenzen.

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hinterfragt: Wie dramatisch ist eine gezeigte „Stressreaktion“? Entwickelt hat sich die ursprüngliche „FIGHT-FLIGHT“-Theorie bereits während des Ersten Weltkriegs durch die Arbeit von Walter Cannon, der traumatische Schockreaktionen untersuchte. Heutzutage wissen wir unter anderem, dass unzureichende Sozialisation einen erheblichen Risikofaktor darstellt, während eigentlich „normalem“ Stresserlebens nachhaltig den Kopf zu verlieren. Das „Stresssystem“ konnte sich nicht ausreichend belastbar entwickeln und springt zu schnell an, was Energie verbraucht, die kognitiven Fähigkeiten einschränkt und zudem negative Wahrnehmungen begünstigt. Dabei handelt es sich jedoch um eine behandlungsbedürftige Störung und nicht den Normalzustand eines gesund entwickelten Hundes, der eventuell (für Dritte) destruktive Coping-Strategien gelernt hat. Es ist also nicht jeder Mensch und auch nicht jeder Hund gleich anfällig. Zudem sind diese systemischen Prozesse keineswegs pathologisch – es sind Überlebensfunktionen, die der körpereigenen Homöostase dienen. Das können sie jedoch nur, wenn der Organismus den Umgang damit lernen darf – denn auch das endokrine System verkümmert, wenn es unverhältnismäßig geschont wird. Zu einer Störung kommt es dann, wenn diese Aktionssysteme „außer Kontrolle“ geraten – und das tun sie nicht per se, weil sie „funktionsgemäß“ genutzt werden. Im Gegenteil fördert dies sogar die individuelle Resilenz. Schädlich sind langfristige Stressbelastungen ohne Regenerationsmöglichkeit oder ein extrem verstörendes Erlebnis, welches für den Hund nicht lösbar ist.


Die 4 F ,s: FIGHT – FLIGHT – FREEZE – FIDDLE KYNOLOGIE Kampf oder Flucht – Was steckt hinter Stressreaktionen?

Foto: Kerstin Baldschun

Als Differenzierungshilfe lohnt sich ein Blick in andere Fachbereiche. Der Psychiater und Lehranalytiker Dr. Jochen Peichl befasst sich mit traumabasierten Störungen. Seine Veröffentlichungen unterteilen stressbedingte Reaktionsmuster nach sogenannten „Aktionssystemen“ – diese gehören entweder zu einer sympathikogenen (FightFlight-Freeze-Response) Züngeln wird gerne als „Calming Signal“ gesehen, manchmal aber auch als FIDDLE: oder parasympathischen Hier fixiert der Hund erwartungsvoll den Figu(Immobilisierung, Unterranten, bis das Startsignal kommt. Der Zungenwerfung oder Totstellreflex) schlag kann Anspannung verraten – oder einfach die Lefzen befeuchten. Erregung. Wichtig ist die Eingrenzung, dass es sich dabei um systemische Reaktionen auf Bedrohung und akute Gefahrenwahrnehmung handelt. Damit in Verbindung stehen körperliche (systemische) Alarmreaktionen, die extra Energie und Leistung für Flucht oder Kampf im Körper bereitstellen. Das grenzt die Rahmenbedingungen doch erheblich ein. Und auch hier wird unterschieden zwischen der Wahrnehmung einer artfremden Bedrohung und sozia­ len Belastungssituationen, die sich unter anderem auf Bindungserfahrungen auswirken.

Es würde sich also gerade in der Ausbildung von Hundetrainern lohnen, die 4 F,s wesentlich differenzierter zu beleuchten. Nicht jede Begegnung, die Spannung oder gar offen geäußerte Meinungsverschiedenheiten beinhaltet, muss zwangsläufig durch das Schlüsselloch potentiell traumatischer Bedrohungslagen betrachtet werden. Hunde wählen in expliziten Stresssituationen auch nicht „einfach so“ zwischen zur Verfügung stehenden Optionen und lassen sich von uns umstimmen, weil uns eine Option besser gefällt. „Instinktive“ Reaktionsweisen sind stark an Persönlichkeitsmerkmale, Erlebniswissen und aktuelle Verfassung des jeweiligen Organismus gebunden. Die Hunde sind auch nicht automatisch „out of control“ – denn auch dieser Zustand bahnt sich an und hat als natürlichen Gegenspieler die Selbstregulation. Es handelt sich letztendlich um hochkomplexe psychobiologische Vorgänge, denen die am Ende beobachtete Verhaltensweise nachfolgt. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen wir waschechte „Fight-Flight“-Reaktionen oder gar dissoziativ anmutendes Ergeben erleben. Das sieht nicht schön aus. Diese sind jedoch erheblich seltener, als der Hype um die 4 F,s ahnen lässt. Und wie bei jeder inflationären Nutzung laufen wir durch schiere Überreizung in Gefahr, diese Schwelle vor lauter Nebenschauplätzen zu verfehlen.

Quellen: Rottmaier, Fransi: BEAST GAME SERIES (2016) Konfliktmanagement & Selbstschutz www.ttouch.ca „The 5 F’s of Behaviour – Beyond Fight & Flight“ (kein Autor ausgeschrieben) Shafy, Samiha (2011) Spiegel Wissenschaft „Wenn die Hirnmasse schrumpft“ Walter B. Cannon (1915/1975 aus dem Englischen): „Wut, Hunger, Angst und Schmerz: eine Physiologie der Emotionen.“ Peichl, J. (2017) „Innere Kinder, Täter, Helfer & Co“ Klett-Cotta Verlag Gray, J. A. (1990). Brain systems that mediate both emotion and cognition. Cognition & Emotion, 4(3), 269–288. McGowan PO, Sasaki A, D'Alessio AC, Dymov S, Labonté B, Szyf M, Turecki G, Meaney MJ (March 2009). „Epigenetic regulation of the glucocorticoid receptor in human brain associates with childhood abuse“. Nat. Neurosci. 12 (3): 342–8. doi:10.1038/nn.2270. PMC 2944040. PMID 19234457. Weaver IC, Cervoni N, Champagne FA, D'Alessio AC, Sharma S, Seckl JR, Dymov S, Szyf M, Meaney MJ (August 2004). „Epigenetic programming by maternal behavior“. Nat. Neurosci. 7 (8): 847–54. doi:10.1038/nn1276. PMID 15220929.

sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Trainierst du schon mit Köpfchen? TEXT: BARBARA LENSIK

N

Foto: Constanze Rähse

ur allzu oft wird einem Halter einer Arbeitshunderasse wie beispielsweise eines Malinois oder Border Collies entgegnet, dass diese Hunde doch täglich viele, viele Stunden an Beschäftigung benötigen würden, um als Familienmitglied ausgeglichen und zufrieden zu sein. Dabei wird oftmals vernachlässigt, dass jeder Hund nach seinen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechend beschäftigt werden möchte. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichsten Hundesportarten für Mensch und Hund.

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Trainierst du schon mit Köpfchen? HUNDESPORT Gleichzeitig kann ein gänzlich ausgefüllter Terminkalender des Hundes jedoch auch negative Effekte nach sich ziehen und im Extremfall ebenso zu unerwünschten Verhalten führen. Es sollten also gerade Hundesportler, egal ob Amateur oder Profi, eine bestmögliche Balance zwischen Trainingsund Erholungsphasen für ihre Hunde schaffen. „Na, der rennt doch noch wild im Garten, der braucht keine Pause. Oder doch?“ Für die Wahl einer geeigneten Hundesportart ist es zwingend erforderlich, sich mit den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Beschäftigung auseinanderzusetzen und die Gesundheit des Hundes maßgeblich zu berücksichtigen. Jede Sportart stellt andere Herausforderungen. Die Tierärztin Gabrielle Brunner Scheidegger veröffentlichte hierzu in ihrem

Buch unter anderem eine Übersicht bezüglich der verschiedenen Belastungsarten anhand ausgewählter Hundesportarten:

die Gesundheit des Hundes mit dem Aufbau koordinativer Fähigkeiten korreliert und als Prävention von Sportverletzungen anzusehen ist. *1

 Schnellkraft Sprints, Sprünge (z. B. Agility, THS)

Es sollte hierbei jedoch stets der individuelle Hund berücksichtigt werden, da auch die Entwicklungsphasen des Hundes nicht nur durch deutliche Rasseunterschiede, sondern auch unterschiedliche Anlagen des Individuums (Alter, Geschlecht, etc.) bedingt sind.

 Kraftausdauer (z. B. Zughundesport)  Ausdauer (z. B. Fährtenarbeit)  Koordination (z. B. Trümmersuche)  Beweglichkeit als Summe aus Gelenkigkeit und Dehnfähigkeit (alle Sportarten) Ein ganzheitliches Hundetraining ist demnach möglichst auf die aus der jeweiligen Sportart resultierenden Belastungsarten abzustimmen. Zudem erklärt Gabrielle Brunner Scheidegger, dass

Je nach Rassezugehörigkeit erreicht ein Hund seine Endgröße mit zehn bis 24 Monaten. Das Höhenwachstum findet hierbei an den langen Röhrenknochen (zum Beispiel an den Oberschenkelknochen) und dem damit verbundenen Fugenwachstum statt. Bei Erreichen der Endgröße schließen sich in Abhängigkeit vom speziellen Knochen, Rasse, Geschlecht und Ernährung die Wachstumsfugen.

schnell erklärt:

 SCHNELLKRAFT „ist die Fähigkeit, in maximal

kurzer Zeit einen größtmöglichen Kraftimpuls gegen einen Widerstand aufzubringen.“

 KRAFTAUSDAUER gibt an, wie lange eine hohe,

andauernde oder sich wiederholende Kraft zu leisten ist, ohne zu ermüden.

 AUSDAUER ist die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Ermüdung bei Belastung.

 KOORDINATION ist die Fähigkeit, Bewegungen

zu steuern und zu harmonisieren. Koordinative Fähigkeiten sind nicht angeboren, sondern müssen erlernt werden.

Dabei verläuft die Wachstumsfuge bis zum sechsten Monat etwa besonders steil und flacht dann merklich bis zum Erreichen der Endgröße ab. Erst dann ist der Hund voll belastbar. sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Erst nachdenken, dann handeln Nun stellt sich der interessierte Leser folgerichtig die Frage, wie man diese Erkenntnisse in seine Trainingsgestaltung integrieren sollte. Die Tierärztin Gabrielle Brunner Scheidegger empfiehlt hierfür explizit einen durchdachten Trainingsplan. Neben dem theoretischen Wissen, welches man sich u. a. mit der entsprechenden Fachlektüre oder Seminaren aneignen kann, ist ein Besuch bei einem Tierarzt und weiterführend einem Hundephysiotherapeuten ratsam. Ein 18

fachkundiger Blick auf den Gesundheitszustand des Hundes und der Austausch hinsichtlich des Umfangs im Hundesport kann deutlich zur Gesunderhaltung des Vierbeiners beitragen. Die Hundephysiotherapeutin Martina Flocken äußert diesbezüglich in einem Interview unter anderem: „Bei vielen Hundesportarten (...) ist es unvermeidbar, dass der Körper unphysiologischen Belastungen ausgesetzt ist. (…) Das sind vor allem Wendungen, kurze Stopps, A-Wand, enger Slalom, (…), Sprünge mit körperlichen Verdrehungen wie beim Frisbee etc. Der Hundekörper ist hier starken Kräften ausgesetzt. (...) Ich denke, es ist uns allen klar, dass das keine alltäglichen Belastungen sind (…). Man kann als Hundeführer aber auch viel dafür tun, um verantwortungsvoll Hundesport zu betreiben.“ Denn unsere Hunde sind nicht einfach nur „ein Sportgerät“ wie etwa Hürde, Schrägwand und Co., sondern ein treuer

Foto: iStockphoto / Ershova_Veronika

Jedem sollte klar sein, dass bei einer dauerhaften Nichtbeachtung dieser Reifeprozesse und einer intensiven und regelmäßig körperlichen Überlastung im Welpen- und Junghundalter, die Grundlage für spätere Gelenkerkrankungen ausgebildet werden.

Begleiter unseres Lebens. Sie verdienen als solcher behandelt zu werden.“ Ein guter Trainingsplan kann folglich neben der eigentlichen Hundesportübung, wie zum Beispiel dem „Fußlaufen“, abgestimmt aus diversen Übungen zur Koordination, Ausdauer, Beweglichkeit etc. bestehen. Wichtig ist, dass ein guter Trainingsplan nicht nur aus Aktionen, sondern auch aus Erholungsphasen besteht, die der Wiederauffüllung der benötigten Energiereserven und zur Regeneration dienen.

Konzentriert und leistungsfähig kann nur jemand sein, der auch Ruhephasen zur Regeneration bekommt.

Denn ohne die dringend benötigten Erholungsphasen kann es schnell zu einem „Übertrainiert“ kommen, das unter anderem bis zum Verlust der Leistungsfähigkeit, hoher Verletzungsanfälligkeit, genereller Gereiztheit oder Motivationsverlust führen kann. Dies wiederum bedeutet negativen Stress für den Hund. *2 Im Hinblick auf das Thema „Stress“ äußerte sich Nicole Kieschnick, Leiterin der Organi-


Trainierst du schon mit Köpfchen? HUNDESPORT

Sie stellt klar, dass „dauerhaft zu wenig Schlaf und zu wenig Ruhephasen beim Tier, genauso wie beim Menschen, Auswirkungen auf die Gesunderhaltung des Organismus haben“.

Um die Energiereserven wieder aufzuladen, benötigt es also eine Regenerationsphase, die sich individuell nach der Dauer und Intensität der vorherigen Belastungen richten sollte.

Jeder Athlet benötigt Pausen

Radfahren zu unterstützen.

Training. schnell erklärt:

 STRESS ist eine spezifische Körper-

Die Regeneration „ist der Teil des Trainings, der den Organismus am wenigsten anstrengt, der aber mit am wichtigsten für die Leistungsentwicklung ist.“ Auf jeden trainingswirksamen Reiz folgt eine Phase von reduzierter Leistungsfähigkeit und Erholung. In dieser Phase werden u. a. das körperliche Gleichgewicht wiederhergestellt, Abfallprodukte von Stoffwechselprozessen abgebaut, Gewebe erneuert und das eigene Wohlbefinden gesteigert. Zudem wird in dieser Zeit das Training nicht nur physisch, sondern auch psychisch verarbeitet. Die Regeneration sollte dabei aktiv und passiv gestaltet werden, d. h. neben den Ruhephasen, in denen der Hund seinem Ruhebedürfnis nachgehen kann, ist es ratsam, die Regeneration durch Spaziergänge, leichtes Schwimmen oder

reaktion, die dann ausgelöst wird, wenn der Organismus mit bestimmten Reizen konfrontiert wird. Es erfolgt eine Reaktion auf den Stressauslöser. Positiver Stress (Eustress) bedeutet, dass die Reaktion auf den Stressor wahrgenommen wird. Bei negativer Wahrnehmung spricht man von negativem Stress (Disstress). Prinzipiell laufen im Körper dieselben Prozesse ab, nur die emotionale Bewertung des Stressors ist unterschiedlich. Stressoren sind daher individuell zu betrachten.

Foto: Constanze Rähse

sation und geschäftsführende Leiterin des Büros des „Zentrums für Kynologie – CANIS“ erst kürzlich in einem CANISPodcasts. Die ausgebildete Tierärztin mit mehrjähriger Erfahrung und eigener Praxis ist Dozentin mit den Schwerpunkten Anatomie, Physiologie, Gesundheit und Gedächtnisleistung des Hundes.

Nicht nur für Junghunde, sondern im Besonderen auch für Sporthunde ist eine „ruhige Minute“ ganz wichtig!

Da im Besonderen nicht nur der Körper von einer zu hohen anhaltenden Belastung ohne Erholungsphasen „gestresst“ wird, sondern auch die Psyche des Hundes darunter leiden kann, sollte die Regeneration einen genauso wichtigen Bestandteil im Hundesporttraining darstellen wie das eigentliche

Davon profitieren nicht nur Körper und Geist, sondern in hohem Maße auch die Beziehung, die durch alternative Beschäftigung stärker wird. *1 Quellenangaben: *1

„Gesunder Sport- und Diensthund – Vom Welpen bis zum Senior“, Gabrielle Brunner Scheidegger, Kynos Verlag, 2013 *2

„Stress“: „Handbuch für Hundetrainer“

sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Unsere Produktvorstellung:

H

undesport ist schon lange bunt, wird aber immer noch bunter:

Mopik KRABIK, Crackle FUR, Hol-EE MOP, Fox FUR HULA und Co. ... so außergewöhnlich und vielseitig wie die Namen der Spielis ist auch deren Variantenreichtum, bei dem der polnische Hersteller Dog‘s Craft neben hoher Erfahrungswerte im Umgang mit Hunden auch Fantasie und Farben ins Spiel bringt.

BUNGEE IST IN! 20

Die Entwicklung des fantastischen Spielzeugs für Hunde hält einige tolle Features bereit. Wichtigstes und namengebendes ist dabei das Bungee-Seil, als Hauptbestandteil aller Varianten. Dieses dehnt sich beim Spielen aus und zieht sich zusammen, ist also flexibel. Das regt nicht nur das Beuteverhalten des Hundes an und sorgt für mehr Spaß, sondern schont auch den Nacken des Hundes sowie die Schulter des Hundeführers. Dass das vorteilhaft gegenüber Bällen an „starrem“ Seil ist, kann sich jeder vorstellen, der mit einem beutestarken Hund einer größeren Rasse schon „gezerrt“ hat.

Und da jeder Hundeführer in diesem Spiel auch eine andere Grifftechnik bevorzugt, gibt es die meisten Spieli-Varianten mit einseitiger Handschlaufe (BASIC), beidseitiger Handschlaufe (KRABIK) oder in der ringförmigen Version (HULA). Aber nicht nur der Haltepunkt für den Hundeführer ist facettenreich, auch für die Hunde werden „persönliche“ Vorlieben bereitgestellt. Balljunkies finden die im Hundesport beliebtesten Bälle verarbeitet. Egal, ob der JW Hol-EE Gitterball, Starmark Treat Dispensing Chew Ball, der Hoko-, oder auch der ChuckitBall bevorzugt wird, die liebste Form der Bestätigung ist bestimmt dabei. Bälle, wie beispielsweise der Chuckit Ball „Breathe“ sind zudem besonders sicher, da der Hund atmen kann, falls der Ball aus Versehen in der Kehle stecken bleiben sollte. Auch sowas ist in der Geschichte des Hundesports leider schon passiert. Die Erstickungsgefahr wird durch großzügige Löcher wesentlich verringert. Hundespielzeug wird also immer sicherer und Dog‘s Craft leistet einen Beitrag dazu. Spielis der FUR-Variante mit künstlichem Fuchsfell oder regenbogen-


Bungee ist IN!

PRODUKTE

Ganz ungewöhnlich, aber richtig toll und sehr beliebt ist die Variante MOPIK. Wer den MicrofaserChenille-Wischmopp kennt, weiß um dessen Vorzüge. MOPIK ist genau aus diesem Material. Weich und angenehm im Fang, das mögen viele Hunde. MOPIK nimmt beim Spielen ganz leicht den Speichel des Hundes auf. Vorbei sind also die Zeiten von Glibber und Sabber. Was für eine einfache und doch geniale Idee. Auch der Hund hat viel mehr Grip als beispielsweise auf Leder oder Jute. Und MOPIK ist sogar waschbar.

Bunt, variantenreich, vielfältig einsetzbar und sehr robust: Wir sind begeistert von dem hochwertig verarbeiteten, doppelt vernähten Spielzeug, das wir in unserem Sortiment führen.

Foto: Constanze Rähse

farbenem Kunstfell sind für die Anti-Ballfraktion, also für Hunde, die mit Bällen nichts anfangen können oder wollen. Aber auch sie sollen schließlich Spaß haben, auch wenn FUR vielleicht eher die kleineren Hunde begeistert und ein Rottweiler vielleicht etwas komisch daraufschaut.

sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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AUF GUTE ZUSAMMENARBEIT!

SPORTHUND ist neuer Premium-Partner des DVG SPORTHUND – die Marke, die seit 20 Jahren eng mit dem Hundesport verküpft ist, hat sich heute aus dem Gebrauchshundbereich übergreifend auch in fast allen anderen Sportarten entwickelt und bietet für diese passendes Ausbildungszubehör. Die Produktpalette hält natürlich auch ein großes Angebot für den ganz normalen Alltag mit Hund bereit. Der DVG ist mit ca. 40.000 Mitgliedern nach dem dhv der zweitgrößte Hundesportverband auf Bundesebene. Im DVG findet jeder ambitionierte Hundesportler, egal ob Hobby- oder Profibereich, das für seinen Hund und seinen Sport passende Umfeld. Pünktlich zum Jubiläum der Marke SPORTHUND unterzeichnen nun die beiden neuen Partner eine 5-jährige Zusammenarbeit im Bereich Hundesport. Ganzheitlich gesehen natürlich, denn beiden Partnern ist wichtig, dass nicht nur die „großen“ Hundesportarten davon profitieren. DVG Präsident Christoph Holzschneider: „Ich freue mich über die vereinbarte Zusammenarbeit mit Sporthund als Premium-Partner des DVG. Neben den Vorteilen im Online-Shop für unsere Mitglieder und der materiellen Unterstützung des DVG und seiner Ausrichter in den Bundessiegerprüfungen bieten sich auch insbesondere durch die Medienarbeit von Sporthund neue Wege, die Fülle der heutigen Palette des Hundesports noch besser zu kommunizieren.“ 22

Mit dieser Kooperation schafft der DVG für seine Mitgliedsvereine und deren Mitglieder viele tolle Vorteile. Sporthund unterstützt:  den Verband mit der Ausstattung mit prüfungsrelevanten Geräten zur Durchführung der spezifischen Bundessiegerprüfungen. Auch die Startnummern des DVG werden zukünftig von Sporthund gestellt.  die ausrichtenden Vereine der Bundessiegerprüfungen mit Bekleidung für fleißige Helfer, Ehrengaben etc.  jedes einzelne Mitglied in der DVG-Vorteilswelt gibt es für die Laufzeit der Partnerschaft 3% Rabatt und zusätzlich regelmäßig wechselnde Sonderaktionen, die exklusiv für diese Partnerschaft sind. Für den Zugang in diese DVG-Vorteilswelt genügt die einmalige Registrierung auf www.sporthund.de unter Angabe eines Freischaltcodes, der jedem interessierten Mitglied auf Anfrage von der DVG-Geschäftsstelle zugesendet wird. Jeder Einkauf unterstützt zusätzlich noch aktiv die Arbeit des DVG, schüttet Umsatzprozente an den Verband aus, damit dieser tolle Projekte – wie beispielsweise die Jugendförderung – umsetzen kann.


Erfolgsgesichter: Yannick & Lenn Kayser HUNDESPORT

Startschuss: 01.08.2022 Und so sehen sie aus, die blauen Stoffleibchen, die künftig jeder BSP-Teilnehmer tragen wird. Foto: Constanze Rähse

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

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Foto: Constanze Rähse

WER GEWINNT, HAT RECHT

Ideenreichtum, Experimentierfreude und Beharrlichkeit im Hundesport 24

TEXT: SEBASTIAN WEINDEL


Wer gewinnt, hat Recht! HUNDESPORT Mut zur Veränderung

Findige Köpfe haben bereits eine Vielzahl von Methoden und Kniffen ausgetüftelt, die bei so manchem Hund den Durchbruch bringen können. So wird der Unterordnungsmuffel auf einmal zum Streber, wenn man ihm die entsprechenden Übungen während des Schutzdienstes abverlangt, bei dem sein Herz jedes Mal höher schlägt. Denn hier weiß er, dass er anschließend zur Belohnung zum Versteck laufen darf, wo sein Spielpartner ihn erwartet. Der übermotivierte THS-Hund, der zum Zwicken und Bedrängen neigt, wird nur noch für das Stoppen und Abdrehen, bzw. das Nicht-Überspringen der Hürden beim Hundeführer mit Futter bestätigt. Allein für die Fußarbeit oder das Gehen an lockerer Leine gibt es unzählige verschiedene Übungen, von denen jede bei einem bestimmten Hundetyp mit der passenden Baustelle den erhofften Effekt haben kann.

„Die Definition von Wahnsinn ist immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.” – Albert Einstein

Was bei dem einen Hund funktioniert, führt beim nächsten womöglich in eine Sackgasse und neue Erkenntnisse werden oftmals aus der Not heraus gewonnen.

Für eine technisch saubere und doch harmonische Freifolge braucht es viele kleine Schritte.

Foto: Constanze Rähse

Weshalb ein individuell auf den jeweiligen Charakter des Hundes zugeschnittenes Training die Erfolgsaussichten wesentlich verbessert, wurde bereits in der vergangenen Ausgabe kurz erläutert. Wie spezifisch und unkonventionell das Training dabei ausfallen kann, ist allein der Vorstellungskraft und Aufgeschlossenheit desjenigen überlassen, der das Training anleitet. Hin und wieder müssen neue Wege gefunden und gegangen werden, um den notwendigen Zugang zum Hund zu bekommen, damit dieser die gewünschte Motivation für eine bestimmte Übung zeigt.

Welches Ziel man auch verfolgt: Es gilt, sich einen realistischen Überblick über den eigenen Trainingsstand zu verschaffen, die Schwächen ausfindig zu machen und durch Informieren, Überlegen und Ausprobieren den richtigen Weg für sich und seinen Hund zu finden. Natürlich stellt der Erfolg sich nicht über Nacht ein. Allerdings sollte auch nicht nur der Weg das Ziel sein. sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Viele verschiedene Wege führen zum Ziel Aus einigen guten Einfällen konnten in der Vergangenheit auch tolle Produkte entwickelt werden und Einzug in den Trainingsalltag von Hundesportlern halten. Das Magnetballsystem zum Beispiel lenkt den Fokus für die Positionierung in der Unterordnung exakt auf die gewünschte Stelle und die Bringselpeitsche kann als effektives Werkzeug zur Umkonditionierung bei unsicheren Hunden dienen, bei denen das Geräusch der Peitsche im Schutzdienst bis dato Fluchtverhalten ausgelöst hat.

Foto: Constanze Rähse

Beißwurst-Peitsche

Belohnung ist das, was als solche für den Hund auch empfunden wird.

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Für einen weder mit Futter noch mit Spielzeug gut zu motivierenden Hund kann ein Echtfell-Dummy den entscheidenden Unterschied ausmachen. Häufig ist erst Vorarbeit notwendig, um danach das eigentliche Problem angehen zu können. Vor dem Einsatz von Dummys zur Bestätigung macht gegebenenfalls ein Reizangeltraining Sinn, durch das die Beute den erforderlichen Stellenwert für den Hund erhält. So wie die Beißwurst-Peitsche durch das gemeinsame Spielen erst positiv verknüpft werden muss, bevor sie das bisher unliebsame Geräusch von sich geben darf.

Dem Hundesportler wird sein Einfallsreichtum in erster Linie beim praktischen Aufbau der Übungen abverlangt, welcher nach Methode XY auch nach ausreichend häufigen Wiederholungen nicht das gewünschte Resultat gebracht hat. Häufig steckt der Teufel dabei im Detail. Wie lange geht das Training und in welchen Magnetbälle Zeitabständen wird trainiert? Welche äußeren Umstände haben Einfluss auf den Lernerfolg? Womit, wann und wo genau wird bestätigt? In welche Richtung wird beispielsweise geworfen? Kommt das Triebziel zum Hund oder holt der Hund es sich ab? Alles zu seiner Zeit Marina erzielt bei ihrer Jette wesentlich bessere Lernerfolge, seit sie durch Ausprobieren die optimale Dauer und das Intervall der Trainingseinheiten für sie herausgefunden hat. Eine neue Übung lernt Jette jetzt nur etwa fünf bis zehn Minuten lang mit voller Konzentration. Gleich im Anschluss darf sie dann spielen und toben. Erst ein bis zwei


Wer gewinnt, hat Recht! HUNDESPORT Tage später wird das Erlernte dann abgerufen und wiederholt. Wenn nach einigen Wiederholungen sichergestellt ist, dass die Übung verstanden wurde, kann ein Finetuning in längeren Trainingseinheiten erfolgen. Marina hat festgestellt, dass Jette sich neue Dinge am besten mit relativ langen Zwischenpausen merken kann. Im Gegensatz dazu kann und muss ihre Hündin Aenna in längeren Sessions gefordert werden, um ausgelastet und zufrieden zu sein. Eine Besonderheit stellt Aennas Wirkung auf eine weitere Hündin im Verein dar. Als Bezugshund für Lara, gibt allein ihre Anwesenheit auf dem Hundeplatz der Angsthündin mehr Sicherheit und erhöht ihre Aufmerksamkeit im Training. Bei Swantje war der Faktor Zeit eher in Form von Beharrlichkeit ausschlaggebend. Obwohl ihr Hund Duke die längste Zeit kein Interesse an Spielzeugen hatte, konnte sie ihn durch tägliches Spiel mit dem Ball, über ein halbes Jahr lang, schließlich doch noch dafür begeistern und diesen dann zur Bestätigung im Training einsetzen. Bei Duke war es tatsächlich wichtig, ihm kontinuierlich und konsequent die Freude am Spiel mit dem Ball zu vermitteln und sich nicht durch das Ausbleiben von raschen Fortschritten entmutigen zu lassen.

Foto: Constanze Rähse

Höchstleistungen sind nur mit hoher Motivation abrufbar.

Wer nicht kämpft, hat schon verloren „Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.“ Charles Dickens Carola und ihr Nunjo mussten sich Trainingsfortschritte hart erarbeiten und vieles ausprobieren. Da Nunjo zu keiner Gehorsamsübung zu motivieren war und auch beim Hindernisparcours im THS keine Bestätigung darin fand, in dem für ihn langsamen Tempo von Carola über die Bahn zu laufen, schöpfte sie das gesamte Spektrum der positiven Ver-

stärkung aus. Nach unbefriedigenden Ergebnissen beim Clickertraining und Shaping gelang es ihr schließlich über die Beutemotivation, aufgebaut über das Hetzen mit einem Hasenfellbeutel, den nötigen Zugang zu Nunjo zu bekommen. Auf sehr kurz gehaltene Unterordnungseinheiten folgte die Freigabe und er durfte Vollgas über den Platz rennen und den Beutel holen. Als die Trieblage hoch genug war, lenkte sie wieder zur Belohnung bei ihr um. Nach diesem Durchbruch brachte es das Team dann bis in die höchste Leistungsklasse im THS-Vierkampf. sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Da ich weiß, dass sie schnell begreift und Dinge bereitwillig umsetzt, sobald ich den richtigen Weg gefunden habe, um ihr zu vermitteln worum es geht, verschwende ich bei ihr keine Zeit mehr mit Ansätzen, die nach einer für sie angemessenen Zeitspanne noch keine positive Entwicklung erkennen lassen. Stattdessen äußert sich Beharrlichkeit bei uns im ständigen Aneignen und Erproben neuer Herangehensweisen, bis das fehlende Puzzlestück gefunden ist und es ganz plötzlich „klick“ macht. Und es macht immer „klick“, zuerst bei mir und dann bei Alma. 28

Im Schutzdienst darf der Hund kontrolliert natürliches Verhalten ausleben.

Foto: Constanze Rähse

Ich selbst habe mit meiner Schäferhündin Alma erst mit dem Schutzdienst-Training begonnen, als sie bereits vier Jahre alt war. Vorher habe ich ihr konsequent vermittelt, dass jegliches Territorialverhalten sowie Zug auf der Leine generell unerwünscht sind, anstatt ihr die Möglichkeit zu bieten, dieses natürliche Verhalten in kontrollierter Umgebung auszuleben. Dadurch waren die Anfänge im Schutzdienst für sie leider geprägt von Unsicherheit und Verständnislosigkeit. Hätte ich im Training immer nur wiederholt, was bei Hunden mit anderer Vorerfahrung funktionieren mag, bei Alma aber eben leider nicht, wären wir jetzt sicher nicht da, wo wir mittlerweile sind und hätten viele tolle gemeinsame Erfolgsmomente verpasst.


Wer gewinnt, hat Recht! HUNDESPORT Mit dem richtigen Mindset „If you really want to do something, you’ll find a way. If you don’t, you’ll find an excuse.“ – Jim Rohn Dieser Beitrag soll Hundesportler dazu ermutigen, nach neuen Ansätzen zu suchen und beim Training zu experimentieren, anstatt bei ausbleibendem Erfolg voreilig die Flinte ins Korn zu werfen. Natürlich helfen feste Abläufe und Kontinuität im Training. Manchmal bringt aber gerade die Abwechslung den Fortschritt durch neu entfachte Motivation. Im besten Fall entdeckt man einen noch geeignetere Trainingsmethode für seinen Vierbeiner, als die bisherige und gelangt dadurch schneller und vor allem mit mehr Freude ans Ziel.

Selbstverständlich kann nicht jeder Hund in jedem Bereich ein Spitzenlevel erreichen. Genau so wenig, wie jeder Mensch das kann!

Ab einem gewissen Punkt muss man seinen Kameraden nehmen, wie er ist und sollte das Augenmerk auf die vielen vorhandenen Stärken und guten Eigenschaften legen, als nur auf das, was noch nicht so gut klappt. Nicht selten wird den Hunden auch Unrecht getan, indem ihnen Beschränkungen angedichtet werden, die Schuld daran sein sollen, dass das Weiterkommen sich so schwierig und langwierig gestaltet. In Wahrheit ist es aber zumeist die Bequemlichkeit des Hundeführers, die zum Stillstand führt.

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Wer angesichts von Schwierigkeiten in der Ausbildung bereit ist, aus seiner Komfortzone zu treten, aus alten Mustern auszubrechen und sich neuen Impulsen gegenüber zu öffnen und aktiv nach diesen zu suchen, dem wird sein Hund ganz sicher noch die ein oder andere positive Überraschung bescheren. Und eins ist klar: Wer Erfolg damit hat, hat alles richtig gemacht, hat Recht! 

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sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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TEXT: CONSTANZE RÄHSE

MAELSON Wenn ganz normale Leute mit tollen Ideen die Hundewelt ein wenig besser machen!

Soft Kennel Box  extra starkes, dicht gewebtes Netzgewebe  hochbelastbarer innerer Stahlrahmen  verstärkte und abgerundete Ecken  wasserdichter Boden  faltbar  leichtes Gewicht

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MAELSON MAELSON – die Marke verbindet der Hundehalter mit schick und hochwertig und so ist beispielweise der Soft-Kennel ein Verkaufsschlager bei Sporthund. Aber wo kommt der her und wer hats erfunden? Nein, kein Schweizer. Mark Gallagher ist halb Engländer, halb Italiener, hat seine Kindheit sowohl in Norditalien (schönes Wetter) als auch in Nordengland (sehr nasses und windiges Wetter) verbracht. Immer waren Hunde in seinem Leben. Nach dem Abitur machte der seinen Abschluss in Fremdsprachen an der Lancaster University, zog in den 90ern nach Deutschland und heiratete Sibylle, die ebenfalls mit Schäferhunden aufgewachsen ist. Klar, dass dann auch ihre beiden Söhne die Liebe zum Hund teilen. Mark ist seit 1994 in der Heimtierbranche tätig, zunächst in Deutschland, dann bei Petmate (USA) und schließlich bei Tetra,s 8in1. Erst 2009 erfüllte er sich seinen Traum von der Selbstständigkeit und gründete MAELSON. Der Soft-Kennel war das erste Produkt der Marke. Mark sagt mir: „Damals gab es viele fadenscheinige, faltbare Boxen auf dem Markt, aber der Gesamteindruck war, dass sie vor allem billig gebaut waren und nicht sehr lange hielten. Mein Ziel war es, die beste faltbare Textilbox auf dem Markt zu bauen. Also habe ich das Design einfach, aber in praktischer Form gehalten. Ich habe nur Qualitätsmaterialien gewählt und ich wage zu behaupten, dass diese Formel im Laufe der Jahre viele zufriedene Hundebesitzer überzeugt hat.“

Ja, das hat es wohl, denn die tragbare Hundebox ist bis heute auch das Kernprodukt von MAELSON. Auf der Interzoo im Mai 2022 habe ich Mark und Sibylle kennengelernt, die engagiert und stolz auch weitere hochwertige Produkte präsentierten. Gemäß ihrer Grundformel: smartes Design + Qualität + Funktion gibt es inzwischen 21 Produkte im Sortiment, die in 28 Ländern ausschließlich im B2BBereich vertrieben werden. Während die Treatees und die EcoskinHalsbänder und -Leinen in Deutschland produziert werden, kommen die Hardware-Produkte aus China. MAELSON ist ein zu 100% familiengeführtes Unternehmen mit insgesamt sieben Mitarbeitern, die alle sehr loyal, engagiert und seit dem ersten Tag an Bord sind. Um das Tagesgeschäft und neue Produktideen kümmert sich der Chef selbst. Sibylle ist zuständig für Kundenservice und Logistik, Sohn Phillip für Messen und Lager. Sohn Jason macht die Mediengestaltung und präsentiert die Firma auf digitaler Ebene. In China arbeiten drei Mitarbeiter: Jane, die Büroleiterin, Gavin der Produktionsingenieur und Nie Min der Einkäufer, der auch die Qualität der Rohstoffe prüft . Und so ist das Team klein aber fein und gibt unermüdlich sein Bestes.

PRODUKTE

Cosy Roll Reisedecke  7D Hohlfaser  hochbelastbare Doppelschichtfüllung mit je 200g/m²  hochisolierend bis zu -10°C  feuchtigkeitsabweisend  reiß- und abriebfest  maschinenwaschbar bis max. 40°C

Deluxe Cushion  passgenau für Soft-Kennel  weicher Plüschbezug Anti-Rutsch Boden  maschinenwaschbar bis max. 30°C

Treatees & Treatees Stix  sorgfältig ausgewählte Inhaltsstoffe  100% natürlich  glutenfrei  keine Antioxidatien  keine Geschmacksverstärker  keine künstlichen Farbstoffe  beste deutsche Qualität

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Biod Bowl Der Napf mit der „grünen Seele“ wird aus natürlichen Pflanzenfasern hergestellt und ist somit vollständig biologisch abbaubar.

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sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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TEMPERATURREGULIERUNG Starkes Hecheln, feuchte Ballen

Foto: Constanze Rähse

TEXT: INKA STONJEK

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Temperaturregulierung KYNOLOGIE

Heiße Sommertage machen uns Menschen schon oft zu schaffen, auch ohne wärmenden Pelz um uns herum. Hunde haben deshalb eigene Strategien entwickelt, um sich abzukühlen. Was im Körper des Hundes passiert und wie wir Menschen dafür sorgen können, dass der Sommer auch für unsere Fellnasen zur schönsten Zeit des Jahres wird, erfahrt ihr hier.

H

unde sind gleichwarme Lebewesen, genau wie ihre Herrchen und Frauchen auch. Ihre Körpertemperatur bleibt also relativ konstant bei etwa 38 bis 39 Grad Celsius, egal, ob um sie herum eiskalter Wind weht oder die Sommersonne brennt. Die entscheidende Fähigkeit von gleichwarmen Lebewesen besteht nämlich darin, kontinuierlich Wärme zu produzieren und bei Bedarf auch wieder abgeben zu können.

Thermoneutrale Wohlfühltemperatur Dafür sorgt ein feiner Regelkreis, der bei Menschen und Tieren vom Hypothalamus gesteuert wird. So heißt ein besonderes Areal im Gehirn, das auch Wasser-, Salzhaushalt und Blutdruck reguliert und zahlreiche Hormone produziert. Bei der Temperaturregulation besteht seine Aufgabe darin, die aktuelle Temperatur zu messen und zu bewerten; ist sie zu niedrig, stößt er die Thermogenese an. 70 Prozent der gesamten Wärmeenergie entstehen im Kern des Körpers als unvermeidliches Nebenprodukt bei zahlreichen Stoffwechselprozessen der Organe und des Gehirns. Deshalb entsteht Wärme selbst beim Schlafen, wenn der Stoffwechsel des Tieres auf Sparflamme läuft, oder im Ruhezustand, wenn es nur ruhig daliegt und verdaut.

Wohl und behaglich fühlen sich gleichwarme Lebewesen in der sogenannten thermoneutralen Zone. Darunter wird der Temperaturbereich verstanden, in der sie weder frieren noch schwitzen und die Körpertemperatur deswegen nicht regulieren müssen. Bei bekleideten Menschen liegt sie bei etwa 23 Grad Celsius, bei Hunden – bedingt durch die großen körperlichen Unterschiede der vielen Rassen – zwischen 20 bis 30 Grad Celsius, wobei sich im unteren Bereich vor allem große, langhaarige Hunde und im oberen Bereich eher die kleinen, kurzhaarigen wohlfühlen dürften. Mechanismen gegen Unterkühlung und Überhitzung Bei Temperaturen über oder unter der thermoneutralen Zone muss der Hypothalamus regulierende Mechanismen in Gang bringen. In einer kühlen Umgebungstemperatur beschleunigt er deshalb zum Beispiel die Fettverbrennung und die Verdauung. Mehr als das 5-Fache des Ruhestoffwechsels kann der Körper allerdings auf längere Sicht nicht aufrechterhalten; reicht dies nicht aus, schränkt er zusätzlich Wärmeverluste über die Haut ein. Dann transportiert er weniger Blut aus dem Kern in die Körperschale, wodurch zunächst Hände, Füße oder Pfoten abkühlen, später auch Arme und Beine. Beginnen sie zu zittern, entsteht durch Muskelbewegungen besonders viel Wärme. Deshalb wird auch einem Tier, das sich viel bewegt, schnell warm. Umgekehrt muss ein Zuviel an Wärme abgeführt werden, um einen Kreislaufkollaps zu vermeiden. Deshalb wird sie über das Blut und das Gewebe aus dem Inneren des Körpers zur äußeren Schale transportiert. Wenn sich die Blutgefäße in der Haut (Kapillargefäße) erweitern, fließt mehr Blut hindurch. Menschen sieht man dies an ihren roten Wangen an. Steigt die Kerntemperatur weiterhin an, beginnt der Körper zusätzlich zu schwitzen. Sobald die Feuchtigkeit auf der warmen Haut verdunstet, kühlt die Körperschale ab und kann dem Kern weitere Wärme entziehen. sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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Dichter Pelz wirkt isolierend Bei Hunden wird die Wärmeabgabe über die Haut durch das Fell behindert. Zwar reguliert sich die Problematik durch den Fellwechsel in gewissem Maße selbst, wenn Hunde im Frühjahr ihr Unterfell abstoßen. Trotzdem bleibt meist genügend haarige Masse übrig, die dem Hund in den Sommermonaten zu schaffen macht. Vierbeiner mit dunklem Fell leiden zudem deutlich mehr unter der Hitze als ihre helleren Artgenossen. Regelmäßiges Kämmen und das Ausdünnen der Wolle mit einem Unterwollemesser oder einer Effilierschere können bereits große Erleichterung verschaffen. Auch ein fescher Kurzhaarschnitt kann sinnvoll sein. Beachte allerdings dabei, dass mit den dicken Flocken auch der Schutz vor Sonnenbrand auf den Boden rieselt. Die Haut des Hundes ist kaum an Sonne gewöhnt und deshalb besonders empfindlich. Wer unsicher ist, wie viel Rasur das eigene Tier vertragen kann, sollte sich an einen Hundefriseur wenden, der sich mit den sommerlichen Bedürfnissen auskennt. Hunde schwitzen anders Zudem schwitzen Hunde anders als Menschen. Sie besitzen zwar durchaus funktionale Schweißdrüsen in ihrer Haut, sondern darüber aber vermutlich nur Duftsekrete ab. Einen Schweißfilm wie der Mensch produziert die Haut des Hundes nicht. Stattdessen schwitzen Hunde über die Ballen, mit denen sie im Sommer nasse Pfotenabdrücke auf den Fliesen hinterlassen. Allerdings reicht dies nicht aus, um den Körper ausreichend zu kühlen. Mit dem Hecheln steht Hunden deshalb ein anderer Mechanismus zur Temperaturregulierung zur Verfügung. Rund 300-Mal atmen sie dann mit heraushängender Zunge und weit geöffnetem Maul flach aus und ein. Wer Yoga macht und die Kühlende Atmung kennt, dem ist das Prinzip dahinter bekannt: der Luftstrom streicht die Zunge und die Schleimhäute 34

entlang, kühlt das zirkulierende Blut und gibt die Wärme in Form von Luftfeuchtigkeit nach außen ab. Auf diese Weise werden Körper und Gehirn gleichermaßen gekühlt. Brachycephale Rassen mit sehr kurzen Nasen wie Mops, Französische Bulldogge oder Shih-Tzu sind hierbei extrem im Nachteil: ihnen fehlt die große Oberfläche an Schleimhäuten. Sie haben dadurch kaum die Möglichkeit, ihre Atemluft abzukühlen, und sind besonders anfällig, einen Hitzschlag zu entwickeln. Hundehalter, die ihr Tier mit Maulkorb führen, sollten deshalb unbedingt darauf achten, dass er genügend Platz zum Öffnen des Mauls bietet. Viel trinken und abkühlen Effektives Hecheln macht deshalb ein trockenes Maul. Logisch, dass Vierbeiner bei großer Hitze viel Flüssigkeit zu sich nehmen müssen. Ein voller Wassernapf sollte daher immer in Reichweite stehen, egal, ob sich das Tier gerade im Haus oder draußen aufhält. Im Hochsommer gehören auch beim Spaziergang ein Napf und eine Wasserflasche mit ins Gepäck. Zuhause freut er sich bestimmt über eine eiskalte Überraschung: Füllt ein geeignetes Spielzeug mit kaltem Magerquark, Hüttenkäse, Trockenfutter und anderen Leckereien. Auf lange Ausflüge, Radtouren und wilde Ballspiele sollte man mittags und in der prallen Sonne allerdings besser verzichten. Insbesondere Hunde von aufgedrehten Arbeitsrassen überschätzen ihre eigenen körperlichen Grenzen im Adrenalinrausch oft maßlos und lassen sich trotz Überlastung immer wieder zum Rennen und Apportieren animieren. Deshalb gilt im Sommer: tagsüber hält das Tier Siesta, Aktivitäten werden in den Abend oder die frühen Morgenstunden verlegt. Dann freuen sich die meisten Hunde diebisch, wenn sie im kühlen Nass herumplanschen können: sei es im Bach, im Hundepool oder einfach mit Gartenschlauch oder Rasensprenger.


Temperaturregulierung KYNOLOGIE Erkennen, wenn es zu viel war Übermäßiges Hecheln mit langgestrecktem Hals, Taumeln, Erschöpfung, eingefallen wirkende Augen sind erste Anzeichen einer Überhitzung. Dann ist Handeln angesagt, da sich der Zustand des Hundes schnell verschlechtern kann und unbehandelt zu einem Kreislaufversagen führt. Bringe den Hund deshalb sofort an einen kühlen, schattigen Ort und versuche, ihn abzukühlen. Lege ihm beispielsweise feuchte Handtücher auf die Pfoten und bedecke langsam auch den Rest des Körpers. Auch ein Ventilator oder fließendes Wasser aus dem Gartenschlauch leisten gute Dienste. Kontrolliere dabei unbedingt alle 5 Minuten die rektale Körpertemperatur mit einem digitalen Fieberthermometer, damit seine Körpertemperatur nicht unter das normale Maß sinkt. Ist der Hund bei Bewusstsein, gib ihm handwarmes Wasser zu trinken. Weil Hunde nach einer Überhitzung oft Infusionen und weitere Medikamente benötigen, sollte er auch einem Tierarzt gezeigt werden.

Hitzefalle Auto: Eigeninitiative erlaubt Die meisten Hitzschläge erfolgen bei Hunden, die in geparkten Autos gelassen werden. Lasst daher niemals Euer Tier alleine zurück und scheut Euch auch nicht davor, einem fremden Hund in solch einer Notlage zu helfen. Doch Vorsicht vor blindem Aktionismus: juristisch gesehen ist das Einschlagen einer Autoscheibe Sachbeschädigung. Deshalb sollten Tierretter einige Dinge beherzigen: abhängig davon, in welchem Zustand sich das Tier befindet, ist man verpflichtet, zuerst in der näheren Umgebung kurz nach dem Fahrer zu suchen. Ist er nicht ausfindig zu machen, sollte man die Polizei oder die Feuerwehr verständigen. Ein apathischer Hund mit glasigem Blick jedoch schwebt in akuter Lebensgefahr. Ist zu vermuten, dass Polizei oder Feuerwehr nicht mehr rechtzeitig eintreffen, darf man die Autoscheibe einschlagen. Hierbei sollte man andere Passanten als Zeugen hinzuziehen, ggf. Bilder machen und ein Seitenfenster wählen, um den Schaden möglichst gering zu halten. 

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30.9.-1.10.2022 VDH Qualifikation WM 2023 Denkingen (DE)

18.-22.8.2022 FCI Weltmeisterschaft Brescia (ITA)

5.-7.8.2022 VDH Deutsche Meisterschaft Coswig (Anhalt) (DE)

17.-20.11.2022 FCI EOC Stuttgart (DE)

15.-18.9.2022 IRO Weltmeisterschaft Craiova (RO)

27.-28.8.2022 swhv Verbandsmeisterschaft Einöllen (DE)

18.-21.5.2023 FCI Weltmeisterschaft Herning (DK)

OBEDIENCE

9.-11.9.2022 SV BSP Karlsruhe (DE)

AGILITY 10.-11.9.2022 DVG BSP Ibbenbüren (DE)

1.-2.10.2022 dhv Deutsche Meisterschaft n.n. (DE)

FÄHRTE

22.-25.9.2022 FCI Weltmeisterschaft Schwechat (AT)

13.-16.10.2022 FCI Weltmeisterschaft Lublin (POL)

27.-30.7.2023 FCI EO Kopenhagen (DK)

28.-30.10.2022 DVG BSP n.n. (DE)

5.-8.10.2023 FCI Weltmeisterschaft Liberec (CZ)

18.-20.11.2022 VDH Deutsche Meisterschaft Oberdorla (DE)

RALLY OBEDIENCE 20.-21.8.2022 offene SV Meisterschaft Merseburg (DE) 1.-2.10.2022 DVG BSP Ering (DE) 22.-23.10.2022 dhv Deutsche Meisterschaft n.n. (DE)

11.-18.9.2022 FCI Weltmeisterschaft Roudnice nad Labem (CZE) 24.-25.9.2022 dhv Deutsche Meisterschaft Mötzingen (DE) 28.9.-2.10.2022 WUSV Weltmeisterschaft Randers (DEN)

THS 8.-9.10.2022 VDH Deutsche Meisterschaft Limbach-Oberfrohna (DE)

MONDIORING 6.-9.10.2022 FCI Weltmeisterschaft Gorlitz (ESP)

CaniX 4.-5.3. 2023 BVG BSP Euskirchen (DE)

Foto: Tina Kupke

DOGDANCE

VDH DM Obedience 2022 Ilona Böhler vom PSK Platz 8 mit Feldherr Friedrich

TOPHUNDESPORTTERMINE ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit

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 Mit welchem Verein hat Sporthund ab August 2022 eine Partnerschaft?

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 Was ist im physiologischem Sinn keine Belastungsart?

N athletisch G ästhetisch T allwissend

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 Wo findet die DVG BSP 2022 im Agility statt?

Teilnahmebedingungen: Sende das Lösungswort, deinen Namen und deine vollständige Postanschrift per E-Mail an

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10. September 2022

sporthund.de ∙[Heft 4/2022]

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RUBRIK Impressum & Vorschau

Gesamtkonzept & Layout: Constanze Rähse, Neuhaus an der Pegnitz Lektorat: Dipl.-Germanistin (Univ.) Cordula Scheffner, Viersen

Fotoquellen:

Jan Redder, Janina Leick, Bjarke Kirkegaard Nielsen, Tina Kupke, Mark Gallagher, Kerstin Baldschun, Fransi Rottmaier, Herrmann Wenzel, Philouska, VDH, iStockfoto, AdobeStock, Constanze Rähse

DIE ARCHITEKTUR VON „ZWANG“ Verteufelt, verboten – und manchmal Mittel der Wahl? Was sind weshalb „Strafen“ und wie wirken sie sich auf Wahrnehmung, Emotionen und Lernverknüpfungen aus? Ein alter Begriff aus der Perspektive moderner Kynologie.

Hundesport

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Auflage: 5.000 Stück

Unsere nächste Ausgabe erscheint Anfang November 2022

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Erscheinungsweise: 4x jährlich (1.2. / 1.5. / 1.8. / 1.11.) Druck: Saxoprint GmbH

VORSCHAU #18

Hundesport Kynologie

Foto: Constanze Rähse

Herausgeber: LEROI GmbH Geschäftsführer: Florian König, Olaf König Am Schneckenhof 9 D-74626 Bretzfeld-Geddelsbach Email: magazin@sporthund.de Tel.: +49 (0) 79 45 / 9 41 01 01

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Vermisste Person gefunden! Und jetzt? Der Hund muss nun eine einstudierte Verhaltensweise zeigen, um den Hundeführer zu signalisieren, dass seine Suche erfolgreich war. Welche Methode sich da anbietet, entscheiden verschiedene Kriterien. Kurzfristige Änderungen vorbehalten. Wir bitten um Verständnis.

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MANCHMAL MUSS EINFACH EIN SIEG HER! Foto: Constanze Rähse

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