Skip to main content

Sporthund-Magazin Ausgabe 16

Page 1

Juni/Juli 2022

MAGAZIN #16 Von Wattebausch bis Leinenruck Trainingsphilosophien im Hundesport

DVG IGP Bundessieger 2022

Interview mit Yannik & Lenn Kayser

Better Mushing

Seminar für Verantwortungsbewusste

1,90 m Fräskante pro Apportel

SPORTHUND-Apportel in der Produktion

mit Gewinnspiel & Rabattcoupons ∙ ∙ ∙ Hundesport-Themen ∙ kynolog. Fachbeiträge ∙ Interviews ∙ Produktvorstellungen ∙ ∙ ∙


WIR SUCHEN DEN WELTBESTEN SAMMLER! SPORTHUND Sammel-Challenge Noch bis 30.06.2022 mitmachen und die Chance auf einen 100 € Gutschein sichern.

Foto: Constanze Rähse

sporthund.de 2


EDITORIAL

„Die Theorie ist nicht die Wurzel, sondern die Blüte der Praxis.“ Ernst von Feuchtersleben (Österreichischer Arzt) Dass Menschen unterschiedlich wahrnehmen, priorisieren und argumentieren, führt dazu, dass ihre unterschiedlichen Ansichten und Vorlieben sie auf verschiedene Wege führen. Den „einzig richtigen“ gibt es nicht, bleibt die Frage, ob er zu Erfolg führt. Wer aber beurteilt das? Muss am Ende ein Pokal in der Vitrine stehen? Auch, wenn für die Gesellschaft oft nur das zählt, letztendlich muss jeder selbst Bilanz ziehen, denn Erfolg ist nicht gleich Erfolg und definiert sich ganz individuell nach den eigenen Maßstäben.

Autoren dieser Ausgabe INKA STONJEK lebt in Schweden und arbeitet von dort als freie Fachjournalistin, PR-Beraterin und Konzeptionerin. Inhaltlich geht es bei der Ernährungswissenschaftlerin meist um das große Themenspektrum Essen und Trinken. Mit ihrem 7-jährigen Australian Shepherd ist sie im schwedischen Brukshundklubben u.a. im Agility aktiv. SEBASTIAN WEINDEL hat nach abgeschlossener

Ausbildung zur Bestattungsfachkraft unter anderem als Tierbestatter, Dogwalker und Redakteur gearbeitet. Als aktiver Hundesportler in der Trainerausbildung leitet er in seinem Verein Gruppen in der Unterordnung und im Turnierhundsport. Mit einem seiner zwei Hunde trainiert er zusätzlich im IGP-Sport und ist Schutzdiensthelfer.

Gerade in der heutigen Zeit sehnen wir uns aber nach Erfolgserlebnissen, Struktur und Verbundenheit. Vorbilder sind besonders im Sport „Zugpferde“, die, wie beispielsweise Vater und Sohn Kayser, gemeinsam erfolgreich beim DVG IGP Jahres-Höhepunkt die Titel abgeräumt haben. Auch im bescheidenen Rahmen der OG-Prüfung eine lohnenswerte Vorstellung!

FRANSI ROTTMAIER ist seit 1997 im Schlitten-

Aber wie finden wir zur Logik des Erfolgs? Wer führt uns durch den Methodendschungel? Ganz klar: kynologisches Verständnis für die Ausbildung, Empathie für den vierbeinigen Teampartner und Geduld, einen kleinen Schritt vor dem nächsten zu gehen. Dann müssen wir auch nie wieder die abgedroschene Ausrede hervorkramen: „Mein Hund ist einfach zu intelligent für den Sport“.

NADINE ALTNER ist einer der kreativen Köpfe

hundesport aktiv. Die gelernte „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ stieg 2005 als Zeitsoldatin auf die Arbeit mit Dienstgebrauchshunden um. Als Referentin und Beraterin über Aggressionsverhalten, Selbstschutz und Mikromuster-orientierter Verhaltensanalyse machte sie sich europaweit einen Namen.

hinter der Marke Sporthund. Zu ihren Aufgaben gehört die optimale Präsentation der Produkte, damit jeder Kunde ein tolles Shoppingerlebnis hat. Die studierte „Marketingfachfrau“ lebt mit zwei Hunden. Sie beschäftigt sich gern mit kynologischen Themen und schreibt gelegentlich Artikel für Magazin & Blog.

Nun aber wieder viel Spaß beim Lesen und Rätseln! Bleibt gesund und helft euch gegenseitig!

Unser Titelbild „Siegerfoto“ zeigt Rottweilerdame Deli, die nach dem „Zweikampf“ mit dem Helfer als Siegerin vom Platz geht. Auch wenn das gewollt ist: Regeln gibts trotzdem zu beachten. Chefredakteurin SPORTHUNDMAGAZIN

Foto: Constanze Rähse

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

3


RAINER WEBER

BETTER MUSHING Ein Seminar für verantwortungsbewusste Musher

Foto: Constanze Rähse

TEXT: INKA STONJEK

4

EDMUND WEBER


Better Mushing HUNDESPORT

W

er sich für Zughundesport interessiert und mit seinem Hund bei Wettkämpfen antreten möchte, muss Grundkenntnisse als Musher nachweisen. Dafür sind Seminare wie das Better Mushing vom VDSV da. Was man dort lernen kann, hat Seminarleiter Rainer Weber dem SPORTHUND Magazin erklärt. Vor einem Rennen gibt es viel zu tun. Bevor sich Adrenalin und Vorfreude von Mensch und Hund auf der Strecke entladen können, wird jeder Hund an seinem Mikrochip identifiziert und muss einen Gesundheitscheck durchlaufen. Die BetterMushing-Seminare von Rainer Weber fangen genauso an. „So bekommen die Teilnehmer einen Einblick von einem richtigen Wettkampftag und es macht das Seminar schön abwechslungsreich“, sagt er.

Rainer Weber ist seit 1990 im Hundesport aktiv und tritt seitdem bei Wettkämpfen und Meisterschaften im Schlittenhunderennen (seit 1990), im Turnierhundesport (seit 1994), beim Canicross (seit 2005) und im Scooter (seit 2014) an. Als Mitglied der Nationalmannschaft des VDSV war er zuletzt Ende April mit einem seiner vier Hunde bei der IFS-Weltmeisterschaft im französischen Pledran dabei und hat dort im Scooter den 14. Platz erreicht. Seine Erfahrungen gibt er als Ausbilder und Seminarleiter weiter, zum Beispiel als Trainer für Turnierhundesport beim HSV Worms und eben als offizieller Referent des VDSV (Verband Deutscher Schlittenhundesport Vereine e.V.) für Better Mushing. Zum Wohl des Hundes Better Mushing gehört heute zum Pflichtprogramm für alle Sportler, die mit ihrem Hund bei einem Wettkampf im Zughun-

desport antreten wollen. Sie benötigen zudem eine Mitgliedschaft in einem dem VDSV angeschlossenen Verein und eine Rennlizenz. Die Idee, den Zugang von einer Schulung abhängig zu machen, ist Anfang der 90er Jahre entstanden. Der Hintergrund lässt sich auf der Homepage des VDSV nachlesen: Damals schwappte nämlich aus den USA der Protest von Tierschutzorganisationen herüber, die mit dem Sport Tierquälerei verbanden. Sie forderten ein Verbot von Schlittenhunderennen und unterstrichen diesen Protest mit Aktionen, bei denen sie Rennen störten, Musher bedrohten und Hunde entwendeten. In den USA entstand daraus die Organisation Mush with P.R.I.D.E. Ihr Ziel: verantwortungsvolle Musher auszubilden und damit das Image des Sports zu verbessern. In Deutschland rief der ehemalige Deutsche Schlittenhunde Sportverband

schnell erklärt ... Was ist MUSHING? Mushing kommt ursprünglich aus der Schlittenhundeszene, in der der Schlittenhundeführer MUSHER genannt wurde. Heute ist Mushing im Hundesport breiter aufgestellt und beschreibt die Tätigkeit, wenn ein Mensch mit einem oder mehreren Hunden durch ein Seil verbunden Sport betreibt; genauer gesagt, Rennen bestreitet. Mushing ist also ein Begriff für Zughundesport, der durch die verschiedenen Disziplinen (zum Beispiel Canicross, Bike-, Scooter- und Skijöring, Pulka und Gespanne) sehr vielfältig und somit für jedermann mit jedem Hund geeignet ist.

e.V. (DSSV) das Better-MushingKonzept ins Leben. In den Seminaren sollten die Musher den richtigen Umgang mit den Hunden lernen und unter Anleitung verschiedenste kritische Situationen kennenlernen, um diese Zuhause gezielt üben zu können. Begleitet wurde das Konzept durch die Broschüre „Verantwortungsbewusst Leben mit Schlittenhunden“. sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

5


Foto: Constanze Rähse

Foto: Constanze Rähse

Mit zwei Hunden wirds gleich nochmal schwieriger. Auch im Scooterjöring. Wer in den Mehrhund-Klassen starten will, sollte unbedingt über Erfahrungen in den Ein-Hund-Klassen verfügen.

Für Einsteiger und alte Hasen Zu Rainer Weber kommen Sportler, die eine aktive Karriere im Zughundesport anstreben und schon Erfahrung mitbringen, wie Laura Stichling zum Beispiel. „Sie war 16, als sie zusammen mit ihrer Mutter an 6

meinem Seminar teilgenommen hat. Heute ist sie bei Weltmeisterschaften im Skijöring, beim Pulka und der Combined Combination dabei, wie zuletzt bei der On-Snow World Championships & World Masters im norwegischen Hamar. Ein toller Werdegang“, erzählt er.

Edmund Weber hat mit Fred bei dem Better-Mushing-Seminar die nötigen Grundlagen gelernt. Eine große Karriere strebt das Duo nicht an, aber regelmäßigen Herausforderungen im Heimatverein stellen sich beide gern.

Auch Einsteiger, die nach einem gemeinsamen Hobby für sich und ihr Tier suchen und in den Sport hineinschnuppern wollen, sind willkommen, wie Edmund Weber. Zwei Hunde lebten bei dem aktiven 50-Jährigen und seiner Familie bereits, der Dalmatiner-Mix Fred und

ein kleiner Münsterländer. Im Dezember 2020 kam noch ein Malinois-Welpe dazu. Die Frage, wie der kleine Wildfang am besten ausgelastet werden könnte, brachte den Einstieg in den Sport. „Meine Frau begeistert sich für Turnier-


Better Mushing HUNDESPORT

PROFESSIONELLES TRAININGSEQUIPMENT www.sporthund.de

Foto: Constanze Rähse

10%

Auch Canicrosser müssen den „Führschein“ machen. Ist ein Hund richtig zugstark, dann sollten alle Kommandos sitzen. In dieser Disziplin ist zwar die Geschwindigkeit nicht so hoch, wie z.B. beim Bikejöring, trotzdem hat er vier Beine, der Musher nur zwei.

hundesport und bildet ihn unter anderem im Gehorsam aus. Den Ausdauersport übernehme ich. Ich bin schon immer gejoggt und gerne mit dem Mountainbike unterwegs. Da lag es nahe, dies künftig einfach zusammen mit dem Hund zu tun“, erzählt

Edmund Weber. Canicross und Bikejöring heißen die Sportarten, bei denen die Hunde den Jogger oder Biker ziehen, übrigens im Fachjargon.

KOSTKA MUSHING-MAX Hinweis: Einfach den Gutscheincode am Ende deiner Bestellung in das Gutscheinfeld eingeben und automatisch 10% Rabatt auf den Tretroller Kostka Mushing Max sichern. Nur ein Rabattcoupon pro Person einlösbar. Nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. Der Coupon ist gültig bis 31.7.2022.

CODE:

MUSHING10 sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

7


Foto: Constanze Rähse

Foto: Constanze Rähse

Eine Abfrage, die unbedingt sitzen muss, ist die Neutralität gegenüber anderen Hunden. Der eigene Hund sollte sich auf seinen Lauf konzentrieren und die Umwelt möglichst ausblenden. Außer seinen Musher natürlich.

Von Wettkampfregeln bis Tierschutz Was man im Zughundesport wissen muss, hat Edmund Weber im Better-Mushing-Seminar erfahren. „Die Wettkampfregeln zum Beispiel waren für mich völlig neu“, erinnert er sich. 8

„Ich wusste auch nicht, dass der Streckenverlauf regelrecht beschildert ist. Jetzt kenne ich die Schilder und weiß beispielsweise, dass ich nur an bestimmten Stellen überholen darf.“ Das setzt wiederum voraus, dass der Hund oder gar ein ganzes Gespann den

Eigene Grenzen und auch die der Hunde erkennen, ist ein wichtiges Lernziel. Zugstarke Hunde, die im Zug nachlassen, brauchen vielleicht eine Pause.

Kommandos seines Mushers bedingungslos und unmittelbar folgt. Ein wichtiger Schwerpunkt der Better-Mushing-Seminare ist daher die Kommunikation zwischen Mensch und Tier. „Der Hund darf sich in unvorhergese-

henen Situationen nicht ablenken lassen. Sei es, wenn er beim Wettkampf auf andere Hunde trifft oder weil mitten im Rennen ein kleiner Kläffer hinter der Hecke hervorschießt“, sagt Rainer Weber. Würde der Hund bei den Geschwindigkeiten, die ein Gespann im Zughundesport


Foto: Constanze Rähse

Better Mushing HUNDESPORT

Am Ende des Seminars soll jeder ambitionierte Zughundesportler möglichst sicher unterwegs sein, um sich und andere nicht zu gefährden. Wenn die Regeln erkannt sind und beherrscht werden, dann macht Zughundesport richtig Spaß.

erreichen kann, einen Satz zur Seite machen, könnten sich alle ernsthaft verletzen. Eigene Grenzen akzeptieren „Ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Seminare ist der Tierschutz“, ergänzt Rainer Weber.

„Die eigenen Grenzen und die des Hundes zu kennen und gegebenenfalls ein Training oder einen Wettkampf ausfallen zu lassen, gehört ebenfalls zu den Aufgaben eines verantwortungsvollen Mushers“, sagt er. Deshalb lernen die Teilnehmer, anhand von Tabellen das Wetter

zu interpretieren und die körperliche Aktivität ihres Hundes darauf anzupassen. Hitze macht allen Fellnasen zu schaffen, doch vor allem auf Zughundesport gezüchtete Rassen sind es gewohnt, ihre eigenen Grenzen zu ignorieren und besonders gefährdet, einen Hitzschlag zu erleiden. Deshalb ist auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme so wichtig. Musher müssen also wissen, wie und wann sie ihre Tiere füttern, sodass sie genügend Wasser bekommen und gleichzeitig ihr hoher Kalorienbedarf gedeckt wird. Neben der Theorie auch die Praxis Zwischen solchen theoretischen Blöcken werden die Teilnehmer immer wieder auch praktisch aktiv: sie lernen, ihrem Hund das Zuggeschirr anzuziehen und gemeinsam eine Strecke zu laufen oder zu fahren. Dort üben sie Kurvenverläufe ebenso wie sogenannte Head-onPassings, bei denen sich die

Gespanne entgegenkommen und die Hunde Sichtkontakt haben. Dafür stellt Rainer Weber den Teilnehmern auch eigenes Equipment zur Verfügung, um ausgiebig testen und vergleichen zu können. „Es macht einen großen Unterschied, ob man einen Wettkampf-Pulka vor sich herschiebt oder ein leichteres Einsteigergerät“, weiß er. Teilnehmer Edmund Weber war von den Möglichkeiten des Better-Mushing-Seminars begeistert. Mittlerweile ist sein Malinois alt genug, um bei Wettkämpfen starten zu dürfen. Eine große Karriere strebt das Duo derzeit nicht an, dafür ist Edmund Weber beruflich noch zu stark eingebunden. Regelmäßigen Herausforderungen im Heimatverein stellen sich beide aber heute schon gern. Und vielleicht steigen beide später irgendwann noch tiefer ein. Mehr über Rainer Weber unter www.derhundeversteher.de.

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

9


BRETT VORM KOPF Generalisierung und Stabilität – eine Sache der Logik!

Foto: Constanze Rähse

TEXT: FRANSI ROTTMAIER

10


Brett vorm Kopf? HUNDESPORT

„Die Theorie ist nicht die Wurzel, sondern die Blüte der Praxis.“

halte mit gerade eben wahrgenommenen Eindrücken abgleichen, gehört allerdings zu den

integralen Fähigkeiten, um überhaupt eine Sportart erkennbar auszuüben.

Ernst von Feuchtersleben (Österreichischer Arzt)

nächsten kriecht. In der Vorstellung winkt bereits der sichere Aufstieg in die höhere Liga. Und was tut der Wunderhund zum Stichtag? Er präsentiert dem Richter eine freie Interpretation der Prüfungsaufgaben, just als hätte er beschlossen, seine Sportdisziplin grundlegend zu revolutionieren. Hundlerlatein, wenn der Hund „zu intelligent für den Sport“ ist? Oder schlicht „Prüfungsschlau“? Oder macht es ihnen gar Spaß, uns an der Nase herumzuführen?

Vorneweg: So intuitiv manche Sportausübung für den begabten Vierbeiner auch sein mag – bevor man sich erfolgreich einem Wettkampf stellt, gehört dazu ein solides Grundgerüst an formellen, aber auch propriozeptiven und motorischen Lerninhalten. Das gilt für alle höher entwickelten Säugetiere und eine Prüfungsordnung korrekt lesen muss man dafür nicht unbedingt können. Aufmerksam beobachten, Veränderungen erkennen, sich längere Zeit konzentrieren und auch Erinnerungsin-

Grafik: Fransi Rottmaier

Manche Hunde scheinen ihre Berufung darin gefunden zu haben, uns zur wöchentlichen Übungsstunde in den Wahnsinn zu treiben. Dabei dreht es sich nicht etwa um die grundlegend gutmütigen, eher minderleuchtenden Pelzkerzen auf der Torte. Weit gefehlt – je schlauer der Hund, desto schwieriger wird es. Auch wenn es anfangs oft so wirkt, als könnte der vierbeinige Sportkamerad Gedanken lesen – oder zumindest die Prüfungsordnung, während der Pelzkerzenzündler von einem Minierfolg zum

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

11


Aber wie sieht das in der hundesportlichen Praxis aus?

In der Lerntheorie bedeutet die sogenannte „Generalisierung“ (von lat. „generalis=allgemein“) einen kognitiven Vorgang, bei dem zuvor erlernte Verknüpfungen nicht nur durch exakt den Ursprungsreiz ausgelöst werden, sondern auch von ähnlichen Reizen. Die Beobachtung stammt von dem Psychologieprofessor Burhus F. Skinner, dem Entdecker des Operanten Lernens und Begründer des Behaviorismus. Neurologisch scheint eine Miterregung umliegender Nervenzellen in den die jeweiligen Sinnesreize verarbeitenden Hirnbereichen für dieses Phänomen verantwortlich zu sein. Obwohl Hunden lange eine sehr schlechte Fähigkeit zur Generalisierung nachgesagt wurde, handelt es sich dabei um einen Irrtum: Ohne diesen neurologischen Vorgang wären generalisierte Angststörungen nicht möglich. Auch können Hunde Reize generalisieren, sowie Reaktionsmuster generalisieren. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Prozesse. Während der ersten Lebensmonate begründen diese Lernvorgänge die spätere Sozialisation: es formen sich Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster, welche das soziale Zusammenleben ermöglichen. Die Kognitionsforschung differenziert zusätzlich zwischen deduktivem und induktivem Denken – hier stößt die moderne Wissenschaft auf immer neue Erkenntniss bezüglich der kognitiven Fähigkeiten unserer Vierbeiner.

Foto: Constanze Rähse

schnell erklärt: GENERALISIERUNG

Dazu gehört nämlich die messbare Reproduktion von festgelegten Standards. „Exekutive Funktionen“ nennt die Sportwissenschaftlerin Laura Walk die dafür nötigen Kompetenzen und fügt gleichzeitig bekannte Begriffe wie „emotionale Selbstregulation“ und „Impulskontrolle“. Das dürften in der heutigen Zeit keine Fremdwörter mehr für enga-

Nicht nur Umweltreize, auch Bewegungsabläufe benötigen eine Routine, um in bestimmten Situationen generalisiert abrufbar zu werden.

gierte Trainer darstellen. Längst ist erwiesen, dass auch für Hunde die Teilnahme am sozialen Leben existenziell von derlei gearteten kognitiven Leistungen abhängt. Von erfolgreichem Nahrungserwerb in freier Wildbahn ganz zu schweigen.

Meist liegt das Problem weniger an der „Intelligenz“ (wissenschaftlich korrekt wäre hier: kognitive Fähigkeiten) des Hundes. Es scheitert wesentlich öfter an unserer persönlichen Logik – oder eher: Unlogik. Diese beginnt schon dabei, unserem Sportkameraden ein solides Verständnis für die Prüfungsordnung einzuräumen, obwohl wir ihn lediglich unbewusst über die gestellten Aufgaben lotsen. Wie das als „Kluger Hans“ bekannte Pferd bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts eindrucksvoll bewies, sind unsere tierischen Wegbegleiter hervorragende Beobachter. Sie leiten auch Erkenntnisse


Brett vorm Kopf? HUNDESPORT

Foto: AdobeStock / Christian Müller

Auch Hunde gucken von anderen ab – deswegen ist das Trainingsumfeld wichtig. Schließlich passen nicht alle Ideen der anderen Hunde in die eigenen Pläne – aber der eigene Hund sieht das anders.

aus Beobachtungen anderer Hunde und Menschen ab, insbesondere, wenn zu ihnen eine emotionale Beziehung besteht. Haben wir also den Hauch einer Ahnung oder auch nur die unbeirrte Überzeugung, den „richtigen“ Weg zu

kennen, geben wir dem Hund unbewusst Informationen darüber. Das kann sehr nützlich sein, wenn wir es gezielt in den Übungsaufbau integrieren. Dazu müssten wir aber eine realistische Einschätzung über den tatsächlichen Wissensstand des Hundes besitzen – denn:

Dieses intuitive Kooperieren bedeutet noch lange nicht, dass der Hund auch selbstständig die vorgegebene Art der Problemlösung nutzt. Vor allem nicht, wenn wir Unsicherheit ausstrahlen.

erklärt: Da esschnell in der Natur des ABSTRAKTION Menschen liegt, beobachtete Zusammenhänge eher Im Tierreich eher wenig bekannt ist im Gegensatz abstrakt einzuordnen, zur weituns verbreiteten erwischt leicht ein inGeneralisierung das menschlicheKognitionspsychologie Abstraktionsvermögen. Hierbei werden grundder legende Züge von Reizsystemen oder Situationen wohlbekannter Fallstrick: herausgelöst, anstelle lediglich Ähnlichkeiten zu die Bestätigungsverzerverknüpfen. rung. Wir übersehen Faktoren, die unserer abstrakt Wir schaffenÜberzeugung ein abstraktes Verständnis von Wahrgewonnenen scheinlichkeiten, widersprechen. Unddie je wir mit bestimmten „Schubladen“ assoziieren. unangenehmer uns eine Diskrepanz erscheint, Spricht man also von „schlechter Generalisierung“, desto unwahrscheinlicher ist spontane meist Abstraktion die Besinnunggemeint. Wir haben durch unser hochentwickeltes Abstraktionsvermögen darauf. andere Bezugssysteme für unsere Wahrnehmung entwickelt – oft fehlt uns der Blick auf Details, die für den Hund entscheidend sind, ob er etwas „ähnlich“ oder „ganz verschieden“ wahrnimmt. Hier muss der Mensch unterscheiden und Umdenken lernen, um Übungsabläufe in für Hunde logische Teilschritte zu zerlegen. sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

13


Leider zählt Gewissenhaftigkeit zu mitunter genetisch determinierten Persönlichkeitsdimensionen. Genau die damit verbundenen Eigenschaften werden mit Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht – niedrige Werte fördern 14

Wären wir selbst Hunde, wüssten wir intuitiv, welche Bezugssysteme unsere Sportpartner nutzen. Wir kämen gar nicht auf die Idee, abstrakte Vorstellungen einzubringen – und das beginnt schon bei der Veränderung von Distanzen, räumlicher Komponenten oder Zeitspannen. Die vielbesungene Generalisierung

ist auch für Hunde kein Problem, solange der Initialreiz grundlegend bestehen bleibt. Eine gewisse Abweichung wird toleriert – und es gibt Hinweise darauf, dass diese individuelle Spanne einen neurobiologischen Faktor darstellt. Auch haben wir es mit Individuen zu tun. Wir sind allerdings keine Hunde und begreifen deswegen häufig nicht, wann wir von einer tatsächlichen Ähnlichkeit in ein komplett anderes Bezugssystem wechseln – denn in unserer Wahrnehmung ist das völlig normal. Unser Gehirn spart damit Energie und nimmt diese Abkürzung dankbar an. Leider auf Kosten der Detailwahrnehmung, weswegen Ethologen sich wissenschaftlich objektives Beobachten mühsam antrainieren müssen.

Zur Veranschaulichung die Übung „Sitz“: für den Hund macht es einen großen Unterschied, ob er lediglich die Hinterbeine einknicken und das Hinterteil in der Schwebe halten soll, ob er sich absetzen und verharren soll, ob „Sitz“ eine Aussage über die Entfernung zum Hundeführer beinhaltet, wie dessen Front dabei aussieht und ob der eigentliche Reiz nun ein körpersprachliches Signal oder einen Stimmlaut darstellt. Für uns ist „Sitz“ eine Abstraktion, also eine Bewegungsabfolge, die eine Belohnung verspricht. Lösen wir uns nicht aus dieser Abstraktion, bemerken wir vielleicht gar nicht, dass die Belohnung nie wirklich in der Sequenz des Sitzens erfolgt und es für den Hund deshalb unlogisch ist, ordentlich im Sitz zu verharren.

Foto: Constanze Rähse

Wer also sorgfältigen Übungsaufbau und strukturiert kleinschrittig veränderte Parameter mit einer langweiligen, unflexiblen Tranfunzel assoziiert, wird an den „klugen Hund“ glauben. Und sogar unbewusst Situationen vermeiden, die diese Überzeugung bedrohen.

Bestätigungsverzerrung und unstrukturierte Planlosigkeit. Auch Integrität – also Vertrauenswürdigkeit – ist eng mit Gewissenhaftigkeit verwandt. Glücklicherweise lassen sich Strategien erlernen, gegen diese Stolpersteine erfolgreich anzutreten. Und das ist auch notwendig, wollen wir unserem Hund die Prüfungsordnung zuverlässig erklären.

Oft sind Hilfen mehr für den Menschen, da wir uns dadurch besser auf die Details fokussieren. Das ergibt eine konsequente Information für den Hund.

Geht man davon aus, dass ein Hund ohne spezielle Erwartungshaltung kaum drei Sekunden seine Aufmerksamkeit auf einem Reiz wie beispielsweise ein Fernsehbild gerichtet hält, wird eine „langweilige“ Platzablage in der Begleithundeprüfung zu einer Herausforderung.


Brett vorm Kopf? HUNDESPORT

Besonders geprägt wurde dieser Begriff in der Jagdhundearbeit: „Beständigkeit“ beschreibt besonders in der Dummyarbeit die Fähigkeit, bis zur eigentlichen Freigabe durch den Hundeführer konzentriert, still und ruhig zu warten. Die dafür erforderlichen exekutiven Funktionen ziehen sich allerdings durch die gesamte Hundesportwelt, sie sind nicht an diese eine Situation/Übung gebunden. Auch das konzentrierte Fortführen einer Tätigkeit bei Störreizen und Widerständen bedient sich dieser Kompetenzen. Wer also an der dafür zwingend erforderlichen Selbstbeherrschung arbeitet, fördert gleichzeitig die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, Frustration auszuhalten, den Drang nach kurzfristiger Befriedigung zu unterdrücken und sich an korrekte Abläufe und Regeln zu erinnern. Je komplexer und selbstständiger die Aufgabe, desto mehr Selbstbeherrschung benötigt der Hund. Da diese Selbstbeherrschung nur schwerlich mit überschießenden Emotionen, Tunnelblick und hocherregtem Stresssystem vereinbar ist, sind manche Individuen aufgrund ihrer persönlichen Konstitution eingeschränkt – hier gilt es, Entwicklungspotential zu erkennen – aber auch die jeweiligen Grenzen zu respektieren.

Und auch vorauseilenden Gehorsam zu regulieren und geduldig auf Richteranweisung und Hundeführersignal zu warten, ist eine Kunst. Für manche Hunde ein mentaler Kraftakt. Für die prüfungstaugliche Beständigkeit einer Übungsausführung braucht es also ein bemerkenswertes Bündel an Fähigkeiten – auch bei uns.

Manchmal sind uns da die gewissenhaften, langweiligen und etwas trottelig wirkenden Pelzkerzen haushoch überlegen: Deren Zweibeiner wissen, dass sie sich keine hochtrabenden Überzeugungen leisten können. Wir müssen das manchmal auf die harte Tour lernen. Und auch, wie man vom ungemütlichen Boden der Tatsachen wieder aufsteht.

Quellen: Fenzel, B. (2009) Der Hund denkt mit. MaxPlanckForschung „Das Ich im anderen“ Heft 4/2009 Walk, L. (2011). Bewegung formt das Hirn: lernrelevante Erkenntnisse der Gehirnforschung. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 1, 27-29. https://doi.org/10.3278/DIE1101W027 Deffner Carmen, Sonja Quante, and Laura Walk. „Exekutive Funktionen und Psychomotorik.“ motorik 4 (2017): 189-196. Schweizer, Karin; Weidenmann, Bernd; Paechter, Manuela: Mangelnde Kohärenz beim Lernen in Gruppen. Ein zentrales Problem für den Einsatz von netzbasierten Lernumgebungen – In: Carstensen, Doris [Hrsg.]; Barrios, Beate [Hrsg.]: Campus 2004. Kommen die digitalen Medien an den Hochschulen in die Jahre? Münster u. a. : Waxmann 2004, S. 78-88. – (Medien in der Wissenschaft; 29) – URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-112672 DOI: 10.25656/01:11267 Forster, Barbara (2018): Anxiolytische Effekte von Imepitoin bei Hunden mit generalisierten Angststörungen. Dissertation, LMU München: Tierärztliche Fakultät

Foto: Constanze Rähse

schnell erklärt: STABILITÄT (STEADINESS)

Dann klappt es auch mit der schönen Prüfung: Training ist auch nur Logik!

Zoske, S. (2020) TU Darmstadt „Vom Klugen Hans zum kundigen Helfer“ F.A.Z. Singelnstein, Tobias. „Confirmation Bias – Die Bestätigungsneigung als kognitive Verzerrung bei polizeilichen Ermittlungen im Strafverfahren“ Strafverteidiger, vol. 36, no. 12, 2016, pp. 830-836. https://doi.org/10.1515/stv-2016-1206

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

15


#Erfolgsgesichter

Hundesport, Titel und der Name Kayser – das passt! Foto: Michael Renker

{ INTERVIEW } DVG IGP BSP 2022: 2x Kayser mit Siegerpokal

Yannick Kayser (34) Hundetrainer Hundesport seit 2002 Sporterfolge:  Sieger DVG BSP IGP 2022, Berec  FCI WM IGP Weltmeister 2017, Punk  3. Platz VDH DM IGP 2017, Punk  15. Platz FMBB IGP 2017, Punk  Sieger DVG BSP IGP 2017, Punk  Sieger DVG BSP IGP 2016, Punk  Sieger DVG BSP IGP 2009, Indy  Sieger DHV DM IGP 2009, Indy  Sieger DVG BSP THS 2004, Dasca

INTERVIEW: CONSTANZE RÄHSE

16

Lenn Kayser (10) Schüler der 4. Klasse, Hundesport seit 2019 Sporterfolge:  Sieger DVG BSPJ IGP 2022, Caramba


Erfolgsgesichter: Yannick & Lenn Kayser HUNDESPORT

Yannick Kayser: Ja, Hunde bestimmen einen Großteil unseres Lebens, sowohl im Privaten als auch geschäftlich. Unsere fünf Malinois leben bei uns in der Familie und sind somit voll im Alltag integriert. Als ich 2017 mit Punk auf der FCI WM Weltmeister wurde, begleitete mich Lenn im Alter von fünf Jahren eine Woche lang und wir erlebten dieses tolle Ereignis sehr intensiv. Hier stellte sich bereits heraus, dass Lenn ein Händchen für die Hunde hat, genauso wie meine Tochter Jule das inzwischen auch schon sehr eindrücklich lebt. 2019 gab ich Caramba an Lenn ab, die ihm in unserer damaligen, nicht ganz einfachen Lebenssituation sehr viel Kraft gab. So sind die beiden zu einem unzertrennlichen Team zusammengewachsen. Gemeinsam mit Lenn und Jule verbringen Anne und ich sehr gerne Zeit auf dem Hundeplatz, was sich allerdings, entgegen vieler Erwartungen, zwischendurch zeitlich schwierig gestaltet. Yannick, mit dem DVG IGP Bundessiegertitel fing die unglaubliche Erfolgsgeschichte von Punk an. Welche Parallelen könnte es denn mit Berec geben? Welches Potential siehst du? Yannick Kayser: Was Punk und Berec wohl am meisten verbindet, sind die stark ausgeprägten Meutebereiche. Natürlich verbindet sie nun auch der DVG Bundessiegertitel, was im übrigen all meine Hunde verbindet. Durch die jetzigen Erfolge mit Berec und Caramba konnte jeder meiner Hunde einen DVG Bundessiegertitel erreichen.

Yannick, du hast als einziger Starter in jeder Sparte das „Vorzüglich“ geschafft. Das ist Ausbildung auf höchstem Niveau. Siehst du als Grundlage Fleißarbeit oder braucht es dazu schon einen besonders gut veranlagten Hund? Yannick Kayser: Selbstverständlich ist ein gewisses Maß an Fleiß, Talent des Hundes und ausbilderisches Geschick nötig, um am Tag X alles auf den Punkt zu bekommen. Noch viel wichtiger empfinde ich jedoch die Effizienz im Training, was bedeutet, dass ich gute Trainingseinheiten brauche, nicht viele!

Ich absolviere kaum ein Training, einfach um trainiert zu haben. Solche Trainingseinheiten machen mich wirklich unzufrieden. Ich möchte möglichst effektiv die entscheidenden Schlüsselmomente trainieren, von denen ich dann in der Prüfung profitiere. Aufgrund der Erfahrungen vieler PrüSchutzdienst BSP 2022: Berec vom Haus Edental erreicht 98 Punkte. fungen wurde mein Training somit immer effizienter. Nun konnten wir mit Anne Eisemann, Sue Chandraratne, Mandy Gläser, Dieter Jäkel, Lenn und mir sechs Teilnehmer aus dem Starterfeld von unserer Trainingsgruppe stellen, wovon sich vier zur VDH DM qualifizieren konnten. Das freut mich ganz besonders. Foto: Michael Renker

Herzliche Gratulation zu euren Leistungen bei der DVG IGP BSP! Hundesport scheint ein Familienthema bei euch zu sein. Erzählt doch mal kurz eure Geschichte?

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

17


Yannick, nach welcher Ausbildungsphilosophie arbeitet ihr? Gibt’s einen Mentor?

Foto: Steffi Loidl

Yannick Kayser: Ich denke, mit das Wichtigste ist, dass wir immer mit und nicht gegen unsere Hunde arbeiten. Das Verständnis für den Kern einer jeden Übung hat höchste Priorität. Dieses erreichen wir über einen Step by Step Aufbau jeder Teilübung, unter Berücksichtigung der instrumentellen Konditionierung. In meinen Augen ist das Gleichgewicht der verschiedenen Verstärker (positive/negative) und Strafen (positive/negative) im richtig dosierten Verhältnis alles entscheidend, damit es zwischen mir und meinem Hund zu dem „Flowgefühl“ sowohl auf dem Hundeplatz als auch im Privaten kommen kann.

Hundeführer angeeignet. Sicherlich konnte ich in der Zeit, in der ich mit Knut zusammenarbeitete einen Großteil dieser Erfahrungen sammeln und mir im Umgang mit den Hunden viele grundlegend tolle Vorgehensweisen abschauen. Was ich für mich aber als besonders lehrreich erachte ist, dass ich mir die meisten Dinge praktisch erarbeit habe, ohne zu diesem Zeitpunkt tief in die Theorie einzusteigen. Das machte ich ca. 15 Jahre lang so. Erst nach meinem WM-Titel habe ich angefangen, mich tiefgründig mit Lernverhalten und den ganzen bestehenden Theorien zu befassen. Inzwischen kann ich durch dieses Wissen so gut wie alles, was ich in der Praxis sehe oder bereits selbst an Erfahrungen gemacht habe, über diese fundierten Lerntheorien herleiten. Somit gelingt es mir beinahe jedes Verhalten, welches die Hunde im Training zeigen, auf den Ursprung herunterzubrechen. Diese Fähigkeit verleiht meinem, als auch dem Training mit meiner Kundschaft ein hohes Maß an Effektivität und gibt sowohl mir, als auch den Hundeführern einiges an Sicherheit und Vertrauen in die Ausbildung. Die Möglichkeit, das inzwischen so reflektiert betrachten zu können, motiviert mich immer wieder aufs Neue, an jedem neuen Tag in meinem Job als Trainer und Helfer. Berec (5 Jahre) und Punk (13 Jahre)

Inzwischen betrachte ich meinen Werdegang im Hundesport als eines meiner gelungensten Projekte. Jahrelang habe ich mir über learning by doing viele Fähigkeiten sowohl als Helfer, wie auch als 18

Eine wichtige Zeit für meine theoretische Herleitung war die Zeit, in der Anna Björk (Bachelor of Biology and Master of Animal Behavior an der Universität Stockholm) das Praktikum zu ihrer


Erfolgsgesichter: Yannick & Lenn Kayser HUNDESPORT

Lenn, für dich war es die erste BSP? Wie ist das so, bei den ganz Großen der Szene mitzuführen? Lenn Kayser: Es war für mich ein sehr spannendes Erlebnis mit meiner Caramba an der BSP teilzunehmen. Hundesport mache ich seit ich sechs Jahre alt bin. Irgendwann habe ich Papa gezeigt, wie ich mit Caramba Sitz und Platz übe. Dann hat Papa gesagt, ich soll doch mal versuchen, mit ihr Fuß zu laufen. Mit der Zeit bekam ich immer mehr Spaß daran und Caramba und ich wurden uns immer einiger. Dann mit acht Jahren legte ich meine erste Prüfung ab, eine FPR3 und führte gemeinsam mit Papa beim Rebmesser-Pokal in Friesenheim. Papa mit Berec und ich mit Caramba in IGP1.

Vor dem Schutzdienst war ich anfangs etwas aufgeregt, weil so viele Hunde durchgefallen sind, die im zweiten Teil nicht getrennt haben. Caramba war aber zum Glück brav. Bei der langen Flucht war ich etwas verwirrt, weil der Richter „einsetzen“ gesagt hat und ich nicht wusste, was er damit meinte. Als er es zum zweiten Mal gesagt hat, habe ich es dann kapiert. Bei der Siegerehrung hat mir die Musik sehr gut gefallen und es war ein tolles Gefühl mit Papa und Sue auf dem Podest zu stehen. Der Pokal gefällt mir besonders gut. Foto: Michael Renker

Masterthesis bei mir absolvierte und wir über ca. sieben Monate täglich Fachgespräche zum Verhalten der Hunde im Training und dessen Ursprünge geführt haben. Meine Praxiserfahrung und ihr Fachwissen erwiesen sich als prima Synergie, sodass jeder von dem anderen profitieren konnte.

Wie fühlt man sich denn so vor seinem ersten BSP Auftritt?

Yannick, wenn der Sohnemann auch am Start ist, ist dann leichter, selbst zu führen oder als Betreuer mitzufiebern?

Lenn Kayser: Im Fährtengelände war ich mir sehr sicher, dass Caramba das gut kann. Deshalb habe ich mich auf die Fährte gefreut. Genervt hat mich, dass wir so lange auf die Fährte gewartet haben. Bei meiner ersten Prüfung am Rebmesser-Pokal war ich noch aufgeregt, weil es das erste Mal war, dass ich eine Prüfung geführt habe. Bei der BSP war ich eigentlich nur beim „Voraus“ aufgeregt, weil ich mir nicht sicher war, ob Caramba sich an den Vorauspunkt aus dem Training erinnert. Der Platz in Gelsenkirchen war so riesig. Aber zum Glück hat sie es super gemacht.

Yannick Kayser: Ich mag beides! In der Prüfung empfinde ich eine leichte, jedoch angenehme Anspannung, die ich auch brauche, um wirklich im Moment sein zu können. Sowohl in einem guten Training als auch in der Prüfung sollte vieles automatisiert, jedoch auch sehr bewusst ablaufen, sodass ich mich auf die Kernelemente des Vorführens konzentrieren kann. Lenn ist das auf der BSP, seiner ersten Prüfung außerhalb von Friesenheim, in meinen Augen nahezu perfekt gelungen. Ich war begeistert, wie er sich fokussieren konnte und was er Caramba trotz Prüfungssituation mitgeben konnte, ohne großartige Hundeführerhilfen zu benötigen. Das war wirklich toll!

Schutzdienst BSP 2022: Lenn und Caramba erreichten 95 Punkte

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

19


Wie habt ihr gelost, wart ihr zufrieden mit dem Los? Konntet ihr euch gegenseitig unterstützen? Yannick Kayser: Die Lose waren nahezu optimal. Der DVG hat es so eingerichtet, dass wir beide im Stadion und auch auf der Fährte beieinander sein konnten. Das war mir bei seiner ersten BSP sehr wichtig. So konnten wir Caramba immer gemeinsam vorbereiten. Losglück hatten wir insofern, dass fünf von sechs Startern unserer Trainingsgruppe am Sonntag in B/C dran waren und wir uns gegenseitig unterstützen und anfeuern konnten. Das war wirklich optimal! Lenn, welches ist denn deine Lieblingssparte?

Foto: Michael Renker

Lenn Kayser: Am liebsten mag ich die Unterordnung, weil ich da am meisten mit meiner Caramba zu tun habe. In der Fährte laufe ich einfach nur hinterher und im Schutzdienst mag Caramba den Helfer mehr als mich. Außerdem kann ich Caramba in der Unterordnung am meisten streicheln und das mache ich sehr gern.

Unterordnung BSP 2022: 96 Punkte.

20

Mit 96 Punkten hast du in deiner Lieblingssparte auch das „Vorzüglich“ erreicht, was ja in dieser Sparte nicht leicht ist. Wie bereitest du Caramba direkt im Stadion vor? Hast du ein Ritual?

Lenn Kayser: Ich bin mit Caramba auf dem Parkplatz Fuß gelaufen und habe ihr einige Leckerchen gegeben. Danach musste ich noch etwas warten, in dieser Zeit habe ich mich mit ihr auf die Wiese gesetzt und gekuschelt. Yannick, wer figuriert eure Hunde, gibt es einen festen Helfer? Wie arbeitet ihr in dieser Sparte? Baut ihr auch Übungen ohne Helfer auf? Yannick Kayser: Im Verein sind wir zwei Helfer, Massimo Kienzler und ich. Da wir aufgrund der sehr großen Distanzen und der wenigen Zeit, die mir für unser Training bleibt, verhältnismäßig wenig trainieren, ist es unabdingbar, dass jeder Hundeführer den technischen Kern einer jeden Übung des Schutzdienstes so vorbereitet, dass das Training mit dem Helfer dann möglichst effektiv genutzt werden kann. Wir hatten beispielsweise dieses Jahr eine relativ lange Winterpause bis Mitte März und haben die sechs Hunde dann in ca. zehn gemeinsamen Trainingseinheiten auf die BSP vorbereitet. Das wäre in dieser kurzen Zeit nicht möglich, wenn wir uns als Helfer nicht auf die Dinge konzentrieren könnten, die unser Job sind. In dieser Vorbereitungsphase war es uns glücklicherweise auch möglich, auf Lars Bloem als Helfer zurückzugreifen, der uns in einigen Trainingseinheiten unterstützte! Lenn, wie oft trainiert ihr in den einzelnen Sparten? Lenn Kayser: Vor der Bundessiegerprüfung haben wir ziemlich viel trainiert, in Unterordnung und Schutzdienst ca. zweimal pro Woche. In der Fährte war ich nicht so fleißig, weil Caramba ja nur eine IGP1 Fährte suchen musste und sie das locker schafft.


Erfolgsgesichter: Yannick & Lenn Kayser HUNDESPORT

Yannick, warum ist der Malinois DIE Rasse für dich und hast du auch Erfahrungen mit anderen Rassen? Yannick Kayser: Der Malinois passt sehr gut zu uns, da er in meinen Augen, wie kaum eine andere Rasse, die Fähigkeit besitzt, zwischen den verschiedenen Triebbereichen zu switchen. Vom extrem angenehmen Begleiter zu Hause, bis zu sehr hohen, extremen Triebbereichen in der Arbeit, verfügt er über ein sehr breites Repertoire an Eigenschaften, die wir sehr zu schätzen wissen. Yannick, hat sich der IGP-Sport aus deiner Sicht in den letzten Jahren verändert? Wie nimmst du das wahr? Yannick Kayser: In meinen Augen hat der Sport in vielen Punkten eine immense, jedoch auch unumgängliche Entwicklung hinter sich. Wir machen uns inzwischen ausbilderische Gedanken, da wäre noch vor ein paar Jahren keiner von uns drauf gekommen.

Was mir etwas Sorge bereitet ist, dass es von politischer und gesellschaftlicher Seite aus nur sehr wenig Zuspruch, geschweige denn vernünftige Lobbyarbeit für unseren Sport gibt.

Fotos: Steffi Loidl

Eines meiner Lieblingsthemen ist zum Beispiel die Integration negativer Strafen für die Gehorsamsteile im Schutzdienst, trotz hohem Engagement für den Helfer und den Schutzdienst an sich. Vorweilen noch ging es an dieser Stelle viel um positive Strafen, also Korrekturmaßnahmen, die aus heutiger Sicht an vielen Stellen geschickter zu lösen sind. Ich habe mich bereits vor Jahren dazu entschlossen, gänzlich von der Anwendung von Krallenhalsbändern o. ä. abzusehen. Daher tangiert mich die derzeitige Diskussion über dieses Thema beinahe gar nicht.

Der Malinois passt zu den Kaysers! sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

21


Außerdem vermisse ich in diversen Debatten Lösungsansätze für ernstzunehmende Problemfälle mit Hunden. Es gibt nun mal Situationen im Zusammenleben mit Hunden, die in meinen Augen ein striktes Handeln des Hundeführers erfordern. Ich spreche hier nicht von ausbilderischen Exkursionen, die dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen. Aber es muss doch noch möglich sein, dass ich meinem Hund unmissverständlich mitteilen kann, dass es beispielsweise nicht geht, dass er Fahrräder, Jogger o. ä. jagen darf. Oftmals höre ich das Argument „man darf es erst gar nicht so weit kommen lassen und man müsse diese Dinge frühzeitig in die richtigen Bahnen konditionieren“. Was soll man dazu sagen?

Foto: Jan Redder

Selbstverständlich wäre es wünschenswert gewesen, wenn viele Dinge eine bessere FMBB 2017 mit Punk

22

Konditionierung erfahren hätten, dennoch gibt es sie, diese Hunde, die eben in verschiedenen Situationen, aufgrund verschiedener Umstände über Verhaltensweisen verfügen, die die Hundeführer überfordern und dann eben nicht mehr so einfach umzukonditionieren sind, da der Hund sich in einem permanent selbstbestätigenden Zustand befindet. Oder es gibt einfach auch immer wieder Hunde mit hohen Triebanlagen, die über vom Hundeführer unbewusst stattgefundene negative Verstärker so verrückt geworden sind, dass sie kaum mehr ansprechbar sind. Die gibt es aber nicht nur im Sport, sondern auch draußen beim Gassi gehen. Genau für diese Fälle der Entgleisungen gibt es nach wie vor viel zu wenig Diskurs und konstruktive Lösungsansätze.

Nur zu sagen, es darf gar nicht erst so weit kommen, ist in meinen Augen zwar richtig, aber wenig zielführend für die Betroffenen. Hier wünschte ich mir mehr Aufklärungsarbeit, anstatt immer mehr Verbote. Yannick, warum ist der IGP-Sport wichtig für euch und was wünscht ihr euch für dessen Zukunft? Yannick Kayser: Der IGP-Sport ist unsere Leidenschaft und meiner Ansicht nach, noch immer die vielseitigste Hundesportart. Aufgrund der drei Sparten, die alle sehr komplex sind, gilt es in unserem Sport ein Gleichgewicht für drei völlig verschiedene Triebbereiche zu schaffen und es für eine Prüfung gleich dreimal auf den Punkt zu bringen. Das macht den IGP-Sport zu dem, was er ist.


Erfolgsgesichter: Yannick & Lenn Kayser HUNDESPORT

Für die Zukunft wünsche ich mir genügend Aufklärung der Verbände sowie gesellschaftliche Toleranz, damit der IGP-Sport hierzulande, in DER Hundesportnation Deutschland, weiterhin seine Berechtigung und vielleicht sogar mehr Anerkennung findet. Außerdem rate ich jedem ambitionierten IGP-Sportler über den Tellerrand hinauszublicken, denn in einigen Punkten sind uns andere Sportarten wie Agility oder Obedience sowohl strukturell als auch stellenweise ausbildungsmethodisch ein ganzes Stück voraus. Mich hat es in den letzten Jahren sehr weitergebracht, mich mit anderen Sportarten und deren „Hundetypen“ zu befassen. Beispielsweise war ein Schlüsselmoment vor einigen Jahren der, dass eine Obedience Ausbilderin auf einem Seminar zu mir im Schutzdienst sagte: „Wenn wir das mit unseren Border Collies und Aussis machen würden, würden sie reihenweise Suizid begehen.“ Dieser Satz hat mich eine ganze Zeit beschäftigt. Warum? Weil ich immer wieder Hunde dieser Rassen sehe, die wirklich tolle Arbeiten zeigen. Gleichzeitig wurde mir aber auch bewusst, wie viel weicher diese Hunde im Vergleich zu unseren Rassen sind und wie viel methodisches Geschick dazu gehört, diese weichen Tiere zu solch hervorragenden Höchstleistungen mit starkem Ausdrucksverhalten und Motivation auszubilden. Welche Veranstaltungen stehen als nächstes für euch an? Yannick Kayser: Am DMC Championat, welches für uns als Malinoisliebhaber eigentlich prädestiniert wäre und, das dieses Jahr quasi vor unserer Haustür liegt, werden wir nicht antreten. Einige politische Entscheidungen dieses Verbandes, die nichts mit dem vorangegangenen Minderheitenbegehren zu tun haben, sind in

VDH IGP DM 2017 Platz 3 für Yannick Kayer & Punk vom Further Moor

Foto: Jan Redder

meinen Augen nicht tragbar und lassen es für mich nicht zu, diese Veranstaltung als Teilnehmer oder Zuschauer zu besuchen. Nach den vorangegangenen, teils international öffentlich ausgetragenen Themen, ist für mich die aktuelle Leistungsrichterbesetzung auf dem DMC Championat nicht nachvollziehbar. Hierbei handelt es sich um eine von mir sehr sachlich betrachtete Sichtweise, mit keinerlei persönlichem Hintergrund. Die weiteren Prüfungen, die für uns dieses Jahr anstehen, werden sicherlich unser Rebmesser-Pokalkampf am 23./24. Juli in Friesenheim und dann die VDH IGP DM vom 5.-7. August in Coswig sein. Zu unserer und vor allem Lenns Freude, erreichte der DVG beim VDH Vorstand, dass Lenn mit seiner Caramba als erster Jugendstarter bei einer VDH IGP DM antreten darf. Vielen Dank dafür! Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin! sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

23


Foto: Constanze Rähse

VON WATTEBAUSCH BIS LEINENRUCK Unterschiedliche Trainingsphilosophien im Hundesport 24

TEXT: SEBASTIAN WEINDEL


Von Wattebausch bis Leinenruck HUNDESPORT MIT MACHT KOMMT VERANTWORTUNG

„Du kannst ein Skalpell einem Metzger in die Hand geben oder einem Chirurgen.“ und „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ In der Welt der Hundeausbildung sind diese Aussagen geschichtsträchtig und bereits auf vielen Hundeplätzen getroffen worden. Sie beantworten aber nicht die Frage nach der Daseinsberechtigung von Hilfsmitteln zur Korrektur unerwünschten Verhaltens. Die neue Tierschutzverordnung, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, verbietet ab sofort den Einsatz von Stachelhalsungen in der Ausbildung, verhindert jedoch nicht das Strafen beispielsweise mittels Einschüchterung, Ignoranz oder dem Leinenruck. Wer darauf abzielt, seinem Hund Schmerz zuzufügen, dem wird dies nach wie vor gelingen. Dafür bedarf es keiner besonderen Hilfsmittel für die Ausbildung. Eine der Situation angemessene Intensität bei der Korrektur kann immer nur subjektiv beurteilt werden und hängt maßgeblich von der Erfahrung und der Persönlichkeit des menschlichen Trainers ab. Eine zu intensive Einwirkung oder aus Hundesicht gar unverständliche, willkürliche Bestrafung kann bekanntlich zahlreiche negative Auswirkungen haben. Viele Hundesportler und -halter verzichten mittlerweile komplett auf Bestrafung beim Training ihrer vierbeinigen Sportkameraden oder bemühen sich zumindest, diesem Ideal so nah wie möglich zu kommen. Der Trend geht klar in Richtung „positive only“ oder „trainieren statt dominieren“. Diese Konzepte wirken sympathisch, modern und auch attraktiv auf Menschen, die vielleicht von den Ausbildungsmethoden in eher konservativen Vereinen abgeschreckt sind. Aber wie erfolgsversprechend sind die unterschiedlichen Methoden im Vergleich und ist das überhaupt das Wichtigste bei der Entscheidung, wie man seinen Hund trainiert?

Foto: Constanze Rähse

Auf vielen Hundeplätzen wird mittlerweile ganz ohne Korrekturmaßnahmen trainiert. Auch auf eine Unterbringung in Boxen wird nach dem Konzept der „sanften Erziehung“ oftmals verzichtet.

KOMPATIBILITÄT VERGRÖSSERT DIE ERFOLGSAUSSICHTEN

Auf Hundeplätzen trifft man gerade im Breitensport häufig auch Teams an, die durch gemeinsame Aktivität hauptsächlich an ihrer Beziehung arbeiten möchten und oftmals wenig Ambition haben, Prüfungen abzulegen oder auf Turnieren zu starten. Man könnte meinen, dass bei einer solchen Einstellung zum Sport noch am ehesten auf Einwirkungen verzichtet wird, da kein Leistungsdruck besteht. In der Realität ist es aber eben nicht so, dass derjenige der Hundesport aus reinem Spaß an der Freude betreibt, zwangsläufig zur „Wattebäuschewerfer-Fraktion“ gehört, während der wettkampforientierte Hundesportler seine Hunde prinzipiell „mit Zuckerbrot und Peitsche“ in militärischer Manier drillt. Entscheidend dafür, wie sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

25


der eigene Trainingsstil ausfällt, ist meist, unabhängig von Leistungsebene oder Sportart, vor allem die eigene Überzeugung, welche in einer Vielzahl individueller und persönlicher Erfahrungen begründet liegt. Ob man mit seinem Trainingsstil auch die gewünschten Resultate erzielen kann, hängt wiederum nicht zuletzt vom Wesen des Hundes ab, der trainiert wird. Der entscheidende Punkt, oder wie man so schön sagt „des Pudels Kern“, ist also die Kompatibilität.

Je besser die jeweiligen Vertreter der Spezies Mensch und Hund miteinander harmonieren, je verständlicher sie miteinander kommunizieren und je größer Empathie und Können des Hundesportlers sind, um das Training passend auf den Charakter seines Hundes zuzuschneiden, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Auch deswegen ist Hundesport Teamsport. 26

 ERFOLG IST NICHT GLEICH ERFOLG Ganz gleich welches Ziel man verfolgt: Passen die Persönlichkeiten zusammen, sind die Erfolgsaussichten besser.

Anna (32) trainiert ihre Mischlingshündin seit drei Jahren auf dem Hundeplatz in der Unterordnung ohne die Aussicht, in naher Zukunft erfolgreich eine Begleithundeprüfung ablegen zu können. Nichtsdestotrotz hat das Training dem Team schon viele persönliche Erfolge beschert. Berücksichtigt man Faktoren wie die Herkunft aus dem Tierschutz, die damit zusammenhängende Frühkastration, die sich in vermehrtem Stress bei der Hündin äußert und die Quarantäne während der Prägephase wegen einer Parvoviroseerkrankung, lässt sich nachvollziehen, dass Anna für ihren Erfolg im Hundesport ein eigenes Maß anlegt. Allein um regelmäßig in einer Gruppe trainieren zu können, war vorab viel Arbeit in Form von Desensibilisierung und Gegenkonditionierung nötig. Naomi ist Annas erster eigener Hund und wird ausschließlich über positive Verstärkung trainiert. Anna ist davon überzeugt, dass dies für die beiden der richtige Weg ist, da ein Fehlverhalten ihrer Hündin in aller Regel auf Angst oder Unsicherheit zurückzuführen sei.


Von Wattebausch bis Leinenruck HUNDESPORT sie

Aufgrund von Naomis Verhaltensauffälligkeiten gilt ihr Interesse vor allem Trainingsmethoden mit eher therapeutischem Ansatz. Im Verein ihrer Wahl kann sie ihrer Überzeugung heute ohne weiteres auch auf dem Hundeplatz treu bleiben. 

KLARE GRENZEN VERBESSERN DIE BEZIEHUNG

Ganz andere Erfahrungen machte Nicole (51) zu Beginn ihrer Hundesportkarriere. Damals hieß es auf dem Vereinsgelände noch: Leinenruck – „Sitz!“, Tritt auf die Leine – „Platz!“, erinnert sie sich. Der Wandel kam, als man erkannte, dass die eigene Körpersprache genutzt werden kann, um dem Hund Hilfestellungen zu geben. Als ein Trainer über ihren damaligen Straßenhund aus Rumänien sagte,

Ob Leckerli, Lob oder Beute: Auch beim wettkampforientierten Training steigert die positive Verstärkung den Arbeitswillen.

Foto: Constanze Rähse

Foto: Constanze Rähse

Gerade bei unsicheren Hunden können Korrekturmaßnahmen schnell das Vertrauensverhältnis zu ihrem Menschen schädigen.

müsse ihn entweder brechen oder ein Leben lang an der Schleppleine halten, war es für sie endgültig an der Zeit, über den Tellerrand zu schauen. Durch positiver gestaltete Trainingseinheiten konnte sie die Beziehung zu ihrem Hund wesentlich verbessern und erzielte insgesamt größere Erfolge. Mit ihrem Australian Shepherd, Arieh, brachte sie es dann auf der Deutschen Meisterschaft des dhv im THS sowohl beim Vierkampf 3 als auch beim 5 km Geländelauf bis aufs Siegertreppchen. sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

27


Mit ihrem Malinois Ragnar trainiert sie jetzt auch den IGP Sport. Wichtig ist Nicole im Umgang mit ihren Hunden aber auch, klare Grenzen zu setzen, um von ihnen ernst genommen zu werden. „Waldorfhunde“ findet sie schrecklich. Auf eine Ansage des Hundeführers müsse bei nicht Beachtung auch eine Handlung folgen.

Perfekte Hilfe gegen das Knautschen:

DAS NEUE SPORTHUND APPORTIERHOLZ

„Was du nicht willst, das lass auch von Anfang an nicht zu.“ Dabei hänge der Grad der Einwirkung von der Situation ab. Wenn ihr Hund ein Kommando ignoriert und lieber am Boden schnüffelt, kommt beispielsweise schon mal ein Tannenzapfen geflogen oder es gibt einen Stups mit dem Fuß. Dabei ist es ihr aber wichtig, dem Hund gegenüber nicht unfair zu sein.  UNANGENEHME KONSEQUENZ BEDEUTET NICHT MIT KANONEN AUF SPATZEN SCHIESSEN Als Schutzdiensthelfer und -trainer ist Simon (42) seit über zehn Jahren im IGP Sport aktiv. Fünf- bis sechsmal wöchentlich arbeitet er auf verschiedenen Hundeplätzen mit unterschiedlichen Rassen. Darüber, dass die Anwendung positiver Verstärkung die beste Lernatmosphäre schafft, gibt es für ihn keinen Zweifel.

10%

auf das verstellbare Apportierholz Vario www.sporthund.de

CODE:

VARIO10

Hinweis: Einfach den Gutscheincode am Ende deiner Bestellung in das Gutscheinfeld eingeben und automatisch 10% Rabatt auf das Apportierholz Vario erhalten. Nur ein Rabattcoupon pro Person einlösbar. Nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. Der Coupon ist gültig bis 31.7.2022.

28

Eine Lernbereitschaft herzustellen und durch Belohnungen zu fördern, gehöre zu den universell gültigen Lerngesetzen. Allerdings müsse erlerntes Verhalten im nächsten Schritt auch abgesichert werden. An dieser Stelle ließe man die Teams oftmals allein, da viele Trainer nur den positiven Aufbau und das Endergebnis präsentieren. In hoher Reizlage sei der zuverlässige Gehorsam, je nach Veranlagung des Hundes, allein durch positive Verstärkung oft nicht zu


Von Wattebausch bis Leinenruck HUNDESPORT

Foto: Constanze Rähse

gewährleisten. Die richtige Einstellung und das Maß an Konzentration während der Übungen können sich auch auf den Teampartner Hund übertragen.

Wenn ein Jagdhund den Abruf ignoriert oder ein Schutzhund nicht trennen will, müsse dies auch mal unangenehme Konsequenzen für ihn haben. Aber natürlich muss im Vorfeld sichergestellt sein, dass der Hund das Kommando auch verstanden hat. Je nach Charakter des Hundes, genüge als Korrekturmittel / Zwang manchmal schon eine laute Stimme. Man dürfe auf keinen Fall mit Kanonenkugeln auf Spatzen schießen. Leider musste Simon auch Vereine kennenlernen, die nach wie vor an längst überholten Trainingsmethoden festhalten. Das Problem sei oftmals, dass die Hundesportler zwar 100% von ihrem Hund verlangen, selber aber nur 40% mit auf den Platz bringen. Wenn das

gewünschte Verhalten vorher nicht richtig konditioniert wurde oder der Teampartner Mensch unkonzentriert ist und seinem Hund keine klaren, eindeutigen Signale gibt, müsse vor allem daran gearbeitet werden, anstatt sich irgendwelcher Zwänge zu bedienen. 

MIT SICHERHEIT UND GUTER LAUNE

Eine falsch angewandte Korrekturmaßnahme kann schnell zu neuen Problemen führen. Die richtige Einschätzung über die Notwendigkeit und das Maß bei der Anwendung von Korrekturen, der individuelle Charakter des Hundes und die Wichtigkeit der ihm übertragenen Aufgabe, ist eine vom jeweiligen Hundeführer zu erbringende Leistung, für die nicht jeder die nötigen Eigenschaften und Kenntnisse mitbringt.

Vielleicht erfordert deshalb eine angemessene und richtig angewandte Korrekturmaßnahme im Hundesporttraining manchmal mehr Fingerspitzengefühl und Erfahrung als die punktgenaue Bestätigung. Für viele ist es außerdem eine Frage des Prinzips. Bevor durch Unerfahrenheit oder Emotionalität bei der Korrektur Schaden angerichtet wird, ist es sicher ratsam, sich bei der operanten Konditionierung auf die positive Verstärkung zu konzentrieren. Stößt man damit an Grenzen und sollten die Umstände operative Eingriffe rechtfertigen, ist in jedem Fall ein Spezialist hinzuzuziehen, sofern man nicht zufällig selbst Chirurg ist. sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

29


Manchen Dingen sieht man gar nicht an, was „in ihnen“ steckt, an Zeitaufwand für die Herstellung zum Beispiel. Für 10,80 EUR (netto) gibt es bei Sporthund das prüfungskonforme farbige 120er ObedienceHolzapportel.

Made in Germany natürlich, also echte deutsche Handarbeit. Aber wie entsteht so ein Produkt, das im Hundesport so selbstverständlich und zahlreich verwendet wird? Wir haben der „bayerischen“ Produktion des 120er mal über die Schulter geschaut:

1,90 M FRÄSKANTE PRO APPORTEL

nach Adam Riese und Eva Zwerg kommt da richtig „Strecke“ zusammen! TEXT: CONSTANZE RÄHSE

30


Sporthund Obedience-Apportel

 Aus einer Multiplexplatte (Birke: 2,50x1,25m) können ca. 100 Apportel der Größe 120x120mm gefertigt werden. Zwölf Arbeitschritte mit Kreissäge, Fräse & Co. sind bis zum fertigen Endprodukt notwendig. Maschinenstunden, Verschleiß­teile und nicht zuletzt Strom, alles muss kalkuliert und preislich berücksichtigt werden. Der zeitaufwendigste Arbeitsschritt ist das Fräsen. Jedes Seitenteil wird auf beiden Seiten in der Haptik verbessert. Da kommen schon mal ein paar Kilometer „Fräsleistung“ zusammen, wenn alle Va-

rianten im Auftrag stehen. Im Sporthund-Shop gibt es vom Start-, über Holz-, Speed- und Mix-Apportel verschiedene Ausführungen für unterschiedliche Ausbildungsstände. Alle werden auch in verschiedenen Größen gefertigt, um den Rassen gerecht zu werden und in mehreren Farben (oder naturbelassen), denn auch über Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich streiten. Weil einige Apportel sogar noch ein Seil haben, kommen im Sporthund-Sortiment summa summarum 46 Varianten zusammen, auch eine logistische Herausforderung im Lager. Und Sporthund würde gern noch mehr Farben

 anbieten, „aber das ist einfach schwer umsetzbar“, so der Firmenchef Florian König. „Mit jeder neuen Farbe beispielsweise gibt es acht neue Varianten. Und wir haben ja auch noch viele andere Produkte, die auch wieder variantenreich sind.“ Damit trotzdem Abwechslung zum Probieren einlädt, gibt es derzeit die Sonderedition „Bub & Madl“ für die Holz- und Speedapportel der drei mittleren Größen 80 mm, 100 mm und 120 mm. Was ist schon perfekt? Du hast eine neue Idee oder einen Veränderungsvorschlag? Dann schreib uns!

PRODUKTE

 Zwölf Arbeitsschritte

 

zum fertigen Produkt  Grobzuschnitt  Streifenzuschnitt auf Endgröße  Quaderzuschnitt auf Endgröße  Abecken  Fräsen der Kanten  Schleifen der Oberfläche  Lackieren mit PU-Buntlack  Feinschliff  Brandmarken/ Stempeln  Ablängen der Rundstäbe  Anschleifen der Stoßkanten

 Verleimen Seitenteile & Rundstäbe

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

31


DUMMYARBEIT Foto: Constanze Rähse

ARTGERECHT & VIELFÄLTIG MIT SPASSFAKTOR TEXT: NADINE ALTNER

32


Dummyarbeit HUNDESPORT

D

Das Apportieren (=engl. retrieve) ist aber natürlich nicht nur den Retrieverrassen vorbehalten. Auch andere (Jagd)hunde können sehr gut apportieren. Somit sind alle apportierfreudigen Hunde, auch außerhalb der Jagdhunderassen, tolle Kandidaten für die Dummyarbeit. Durch das Training des Apports wird der Hund körperlich und geistig gefördert und artgerecht ausgelastet. Da Dummyarbeit in erster Linie auch Teamarbeit ist, stärkt sich die Bindung zwischen Vier- und Zweibeiner ganz nebenbei. Statt Stöckchenwerfen lieber Dummyapport Das Werfen und Apportieren von Stöckchen wird bei vielen Hundebesitzern als Spiel und zur Abwechslung auf Spaziergängen benutzt. Natürlich sind nun diese Stöckchen aufgrund der hohen Verletzungsgefahr nicht die beste Wahl. Besser sind spezielle Apportierspielzeuge oder hochwertige Dummys. Ein gezieltes Apportiertraining startet man am besten mit Snack-Dummys, die mit Futter gefüllt werden können. Nachdem der Hund den Dummy zurückgebracht hat, wird dieser sofort mit Futter aus dem Dummy bestätigt. Viele Hundeführer raten dazu, den

Foto: Constanze Rähse

ie Dummyarbeit kommt ursprünglich aus dem Bereich der Jagdhundeausbildung, in der die Hunde lernen sollen, das geschossene Wild zum Jäger zurückzubringen.

Um Hunden das Apportieren „schmackhaft zu machen“, kommen sogenannte Snack- oder Futterdummies zum Einsatz. Das Prinzip dieser ist ganz einfach: Bringt der Hund das Dummy, bekommt er sein Futter aus diesem. Hunde, die verfressen sind, so wie auf dem Bild der Labrador Retriever, lernen das ruck-zuck.

Hund direkt aus dem Dummy fressen zu lassen, um den Snack-Dummy noch positiver zu besetzen. Doch das kann man halten wie man will und vom Typ des Hundes abhängig machen. Aber kann man einem Hund das Apportieren auch schmackhaft machen, wenn er bisher noch nie Interesse daran gezeigt hat? Na klar! Man kann den zu apportierenden Gegenstand interessant machen, indem man ihn dem Hund anbietet und wieder entzieht. Auch die Beschäftigung des Hundeführers mit dem Gegenstand kann das Interesse des Hundes wecken. Ist das Interesse geweckt, belohnt man jede Interaktion des Hundes mit dem Apportiergegenstand, auch wenn es nur ein Blick oder ein Schnuppern ist. Am besten funktioniert dies über Futter und/oder akustische Bestätigung, beispielsweise mit dem Clicker.

Snack Dummy Large

Hat der Hund sich gut an diesen Snack-Dummy gewöhnt, ist der gefüllte Dummy die nächste Stufe und man kann in die eigentliche Dummyarbeit einsteigen. sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

33


Was wird da eigentlich apportiert?

Dummy Rabbit Fur

Die Canvas- oder Segeltuchsäckchen sind mit Kunststoffkügelchen oder Sägemehl gefüllt. Es gibt sie in unterschiedlichen Gewichten (von 250g bis 2000g) und auch farblich ist die Auswahl groß. Für Prüfungen werden meist orangefarbige und grüne Dummys vorgeschrieben. Zudem gibt es sie auch mit Fellbesatz, mit Schnur oder mit passenden Duftstoffen, die bei manchen Prüfungen fester Bestandteil sind. Ist Dummyarbeit eigentlich eine anerkannte Hundesportart?

Dummy Rabbit Full Fur

Quellen: http://retrieverfreunde-siegerland.de/ wissenswertes/das-dummy-abc/ PO des Jagdspaniel-Klub PO des DRC Hundeschulen.de

34

Jein. In den Sportverbänden DVG und SWHV und auch im VDH gibt es keine offizielle Prüfungsordnung. Dummyarbeit ist eher ein Angebot von Hundeschulen, die eigene Prüfungen ausrichten. So bietet der Berufsverband für Hundetrainer und Verhaltensberater (BHV) Dummyprüfungen an, die im Unterschied zu den Rassezuchtverbänden die Teilnahme aller Hunderassen und Mischlinge erlauben.

Anerkannt und mit eigener Prüfungsordnung gibt es Dummyarbeit aber in den spezifischen Rassezuchtvereinen, wie beispielsweise dem DRC (=Deutscher Retriever Club e.V.), der älteste und größte Retrieverclub Deutschlands mit ca. 13.000 Mitgliedern oder dem Jagdspaniel-Klub e.V.. Die Prüfungsordnungen unterscheiden sich inhaltlich aber nicht wesentlich in den Kernabfragen. Foto: Constanze Rähse

Dummy Standard

Für das professionelle Dummytraining können natürlich keine Alltagsgegenstände wie Schlüsselbund, Schuh oder Tannenzapfen hergenommen werden. Die Apportiergegenstände werden Dummys (=Attrappe) genannt. Weil ja nicht jedes Mal echtes Wild eingesetzt werden kann, simuliert dieser das zu apportierende Niederwild, Kaninchen, Enten, etc..

Egal, welche Aufgabe ansteht: vor dem Startkommando kommt Konzentration.

Klar, die Grundlage ist das Apportieren, welches in jedem der drei Bereiche die Endaufgabe definiert. Aber eigentlich werden jagdliche Aufgaben nachgeahmt, die auf unterschiedlichen Wegen zum Apport führen. Die Leistungen werden nach festgelegten Kriterien bewertet. Dabei spielen Arbeitsfreude, Ausdauer und Lenkbarkeit genauso eine Rolle wie der Naseneinsatz und das schnelle Apportieren in die Hand des Hundeführers. Nicht erwünscht sind u. a. ein lautes Verhalten während der Arbeit, ein übermäßiger


Dummyarbeit HUNDESPORT

▶ MARKIEREN (Nachahmung der Entenjagd) Der Dummy wird geworfen, der Hund soll sich „merken“, wo dieser runterfällt. Je nach Schwierigkeitsstufe können das auch mal mehrere sein, wie bei einer Entenjagd, wenn mehrere geschossen werden. Der Hund darf erst auf Kommando los und soll möglichst direkt zu den einzelnen Fallstellen laufen. Es ist erwünscht, dass er möglichst eng um diese sucht, um nicht „noch mehr Wild aufzuscheuchen“, welches sich dort ggf. noch versteckt. ▶ VERLORENSUCHE (Nachahmung der Kaninchenjagd) Es werden die Dummys im Gelände ausgelegt, ohne dass der Hund sie hat „fallen“ sehen. Er muss selbstständig, zielorientiert suchen und apportieren. ▶ EINWEISEN Das ist die schwierigste Aufgabe, weil sie einiges an Gehorsam verlangt und der Hund auf Anweisung seines Hundeführers arbeiten muss. Dieser kennt die Auslegestellen und hat seinen Hund durch Abgabe von Kommandos zu den Liegestellen zu dirigieren. Vorauslaufen, Stoppen auf Pfiff, Richtungsansagen (rechts, links, vor, zurück) und Markierung der engeren Suchstelle – der Hund muss sich, im Gegensatz zu den beiden anderen Aufgaben, gut lenken und leiten lassen, was einiges an Training erfordert.

Geländeverbrauch und ein unmotiviertes Arbeiten. Am Ende sind auch stärkeres Knautschen, Wild hetzen und auch das Nicht-Abgeben des Dummys fehlerhaft. Gerät der Hund außer Kontrolle, gibt es keine Punkte. In den POs gibt es immer verschiedene Klassen, wie in anderen Sportarten auch. Durch besondere Leistungen kann man sich über verschiedene Stufen sogar bis zur Europameisterschaft, dem Internationalen Workingtest (IWT) qualifizieren. Fazit: Egal ob Hobby oder Sport: Längst mehr als nur ein Zwischendurch-Spiel kann Dummyarbeit auch als Jagd-Ersatztraining jagdlich motivierte Hunde entsprechend kanalisieren, was eine sehr vorteilhafte Begleiterscheinung ist oder auf sportlicher Ebene einer Prüfungsordnung folgen. Auch wenn der Hund alle Aufgaben beherrscht, wird es trotzdem nie langweilig. Es gibt immer wieder ein anderes Gelände, andere Aufgabenkombinationen und man kann die Schwierigkeitsstufen beliebig variieren. Wer also gern mit seinem Hund in der Natur ist und eine artgerechte Auslastung anstrebt oder seinen privaten Jagdhund den – durch die spezifische Zuchtauslese vorgegebenen – Eigenschaften zuführen möchte, für den ist Dummyarbeit absolut das Richtige! Und Spaß macht es sowieso.

RABATT:

CODE: URL:

10%

DUMMY10

www.sporthund.de

HINWEIS: Einfach den Gutscheincode am Ende deiner Bestellung in das Gutscheinfeld eingeben und automatisch 10% Rabatt auf Mystique Dummys erhalten. Nur ein Rabattcoupon pro Person einlösbar. Nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. Der Coupon ist gültig bis 31.07.2022.

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

35


THS

IGP

30.9.-1.10.2022 VDH Qualifikation WM 2023 Denkingen (DE)

2.-3.7.2022 swhv Verbandsmeisterschaft Mühlacker (DE)

25.-26.6.2022 SV Bundes FCI Langenberg (DE)

17.-20.11.2022 FCI EOC Stuttgart (DE)

23.-24.7.2022 DVG BSP Niederzier (DE)

5.-7.8.2022 VDH Deutsche Meistershaft Coswig (Anhalt) (DE)

8.-9.10.2022 VDH Deutsche Meisterschaft Limbach-Oberfrohna (DE)

27.-28.8.2022 swhv Verbandsmeisterschaft Einöllen (DE)

9.7.2022 swhv Verbandsmeisterschaft Saarbrücken (DE)

OBEDIENCE

9.-11.9.2022 SV BSP Karlsruhe (DE)

14.-17.7.2022 Junior European Open Vantaa (FIN)

18.-19.6.2022 swhv Verbandsmeisterschaft Schnaitheim (DE)

28.-31.7.2022 European Open Opglabbeek (BE)

22.-26.6.2022 FCI Weltmeisterschaft Arhaus (DEN)

10.-11.9.2022 DVG BSP Ibbenbühren (DE)

2.-3.7.2022 DVG BSP Dortmund (DE)

22.9.-25.9.2022 FCI Weltmeisterschaft Schwechat (AT)

1.-2.10.2022 dhv Deutsche Meisterschaft n.n. (DE)

AGILITY

RALLY OBEDIENCE

RH/MANTRAILING

20.-21.8.2022 offene SV Meisterschaft Merseburg (DE)

15.-17.7.2022 DVG BSP Kiel (DE)

1.-2.10.2022 DVG BSP Ering (DE)

18.-22.8.2022 FCI Weltmeisterschaft Brescia (ITA)

22.-23.10.2022 dhv Deutsche Meisterschaft n.n. (DE)

15.-18.9.2022 IRO Weltmeisterschaft Craiova (RO)

36

MONDIORING 6.-9.10.2022 FCI Weltmeisterschaft Gorlitz (ESP)

DVG BSP 2022

11.-18.9.2022 FCI Weltmeisterschaft Roudnice nad Labem (CZE) 24.-25.9.2022 dhv Deutsche Meisterschaft Mötzingen (DE) 28.9.-2.10.2022 WUSV Weltmeisterschaft Randers (DEN)

FÄHRTE 13.-16.10.2022 FCI Weltmeisterschaft Lublin (POL) Foto: Michael Renker

DOGDANCE

28.-30.10.2022 DVG BSP n.n. (DE) 18.-20.11.2022 VDH Deutsche Meisterschaft Oberdorla (DE)

TOPHUNDESPORTTERMINE ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit


SILBENRÄTSEL: Löse mit folgenden Silben die nebenstehenden Fragen und trage den in Klammern stehenden Buchstaben in das Lösungswort unten ein.

SPORTHUNDGEWINNSPIEL  

CHAT-DUM-HING KAY-KIE-MAR MAX-MUS-MY NUNG-ORD-REN SCHWE-SER SHEL-SNACK TER-TIE-UN

Übung in der Dummyarbeit (1.)

Sieger der DVG IGP BSP 2022 (4.)

Hunderasse im Agility (6.)

   

Bezeichnung für Abteilung B im IGP-Sport (1.)

Austragungsort der FCI Agility WM 2022 (3.)

Dummy für Anfänger (2.)

Einsteiger-Scootermodell von Kostka (7.)

Teilnahmebedingungen: Sende das Lösungswort, deinen Namen und deine vollständige Postanschrift per E-Mail an

gewinnspiel@sporthund.de

Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Unter allen Einsendungen verlosen wir ein Alunetz im Wert von ca. 150 EUR. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Es besteht auch kein Anspruch auf Auszahlung oder Ausgabe eines Ersatzgewinns. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die vom Teilnehmer angegebenen Daten werden nach Maßgabe der DSGVO behandelt. Die Datenschutzerklärung findest du unter www.sporthund.de/ datenschutzerklaerung

Lösungswort       

Der Sommer kommt! Wir verlosen wieder ein ALUNETZ.

an gewinnspiel@sporthund.de und Chance auf das Sporthund Alunetz im Wert von ca. 150 EUR sichern.

Einsendeschluss:

30. Juni 2022

sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

37


RUBRIK Impressum & Vorschau

Herausgeber: LEROI GmbH Geschäftsführer: Florian König, Olaf König Am Schneckenhof 9 D-74626 Bretzfeld-Geddelsbach Email: magazin@sporthund.de Tel.: +49 (0) 79 45 / 9 41 01 01

Scan mich!

Gesamtkonzept & Layout: Constanze Rähse, Neuhaus an der Pegnitz

Foto: Constanze Rähse

IMPRESSUM

Lektorat: Dipl.-Germanistin (Univ.) Cordula Scheffner, Viersen

WER GEWINNT, HAT RECHT!

Fotoquellen:

Jan Redder, Michael Renker, Steffi Loidl, AdobeStock, Constanze Rähse

DIE ARCHITEKTUR VON „ZWANG“ Verteufelt, verboten – und manchmal Mittel der Wahl? Was sind weshalb „Strafen“ und wie wirken sie sich auf Wahrnehmung, Emotionen und Lernverknüpfungen aus? Ein alter Begriff aus der Perspektive moderner Kynologie.

Kynologie

Hinweise:

STARKES HECHELN, FEUCHTE BALLEN Foto: Constanze Rähse

Kein Teil dieses Magazins darf ohne Genehmigung des Herausgebers vervielfältigt oder verbreitet werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Eine Haftung für Ratschläge unserer Experten kann nicht übernommen werden. Der Herausgeber behält sich das Recht vor, veröffentlichte Artikel, Beiträge und Fotos auch in seinen anderen Publikationen (In- und Ausland, im Web und elektronisch) ohne weitere Vergütung und Nachfrage zu veröffentlichen. Die Nutzungsrechte an eingesandten Leserfotos gehen mit Einsendung automatisch auf die Leroi GmbH über.

Erfolg kommt oft über Umwege. Die „Geschichte“ hat es oft genug bewiesen. Es gibt viele Teams, die nach einigen Fehlschlägen, mit kreativen und unkonventionellen Methoden doch noch an ihr Ziel gelangt sind.

Kynologie Foto: AdobeStock / Javier brosch

Auflage: 5.000 Stück

Unsere nächste Ausgabe erscheint Anfang August 2022

Hundesport Kynologie

Erscheinungsweise: 6x jährlich Druck: Saxoprint GmbH

VORSCHAU #17

Heiße Sommertage machen uns Menschen schon oft zu schaffen, auch ohne wärmenden Pelz um uns herum. Hunde haben deshalb eigene Strategien entwickelt, um sich abzukühlen. Aber was passiert im Körper des Hundes? Kurzfristige Änderungen vorbehalten. Wir bitten um Verständnis.

38


TILTY BOWL TRINKNAPF kein Auslaufen, Überschwappen oder Verschütten

Foto: Constanze Rähse

sporthund.de sporthund.de ∙[Heft 3/2022]

39


SCHWUNGVOLL GEHTS NOCH IMMER AM BESTEN! Foto: Jan Redder

ZUM SAMMELN sporthund.de


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Sporthund-Magazin Ausgabe 16 by Sporthund - Issuu