August/September 2021
MAGAZIN #11 Nicht nur gefährlich, sondern auch unfair Doping im Hundesport
„Schön ist, was dem Gebrauch dient.“ Die Anatomie der attraktiven Fitness
Mit „selbstgezüchtet“ zur WM Eva Hampe im Interview
„Das hat er noch nie gemacht.“ Generalisierung im Training
mit Gewinnspiel & Rabattcoupons ∙ ∙ ∙ Hundesport-Themen ∙ kynolog. Fachbeiträge ∙ Interviews ∙ Produktvorstellungen ∙ ∙ ∙
Die SPORTHUND Obedience-Geräte
Foto: Constanze Rähse
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EDITORIAL
„Erfolg ist nicht etwas, das einfach passiert – Erfolg wird erlernt, Erfolg wird trainiert.“ George Halas (American Football-Spieler, Trainer und Besitzer des National Football League-Teams Chicago Bears, 1885-1983)
Man könnte dem obigen Zitat hinzufügen, dass Erfolg auch ein Stück weit ererbt ist. Indirekt natürlich, aber ein gesunder Körper mit funktionstüchtiger Anatomie ist nun mal die Basis dafür. Deswegen stehen ja Züchter in der Verantwortung und welcher kann diese besser bestehen, als einer, der seine gezüchteten Hunde später auch selbst zum Erfolg ausbilden und führen will. Diese Züchter finden sich in jeder Hundesportart. Erfolgreiche Hundeführer, die wissen was ihr vierbeiniger Athlet in seinem Sport leisten muss und die gezielt nach den richtigen Skills dafür suchen. Ehrliche „Arbeit“ basiert auf Fleiß und kynologischem Wissen, hat zudem ohne Leidenschaft keine Erfolgsaussichten. Es sei denn man mogelt und betrügt die Konkurrenz. Doping ist leider längst auch im Hundesport angekommen. Gefährlich und unfair beeinflusst Doping aber auch die Zucht, denn viele Züchter suchen ihre Zuchtpartner im Sport, beurteilen die Leistungsfähigkeit anhand von biomechanischen Voraussetzungen und Ausbildbarkeit in Training und Wettkampf. Doping verfälscht dieses Bild, bringt Hunde in Gefahr, deren Körper für eine Leistung nicht ausgelegt ist und bringt die „gemogelte“ Leistung in die Entwicklung einer Rasse ein. Wer würde guten Gewissens so eine „Mogelpackung“ in die Zucht nehmen? Doping ist Betrug!
Autoren dieser Ausgabe INKA STONJEK lebt in Schweden und arbeitet von dort als freie Fachjournalistin, PR-Beraterin und Konzeptionerin. Inhaltlich geht es bei der Ernährungswissenschaftlerin meist um das große Themenspektrum Essen und Trinken. Mit ihrem 7-jährigen Australian Shepherd ist sie im schwedischen Brukshundklubben u.a. im Agility aktiv.
FRANSI ROTTMAIER ist seit 1997 im Schlitten-
hundesport aktiv. Die gelernte „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ stieg 2005 als Zeitsoldatin auf die Arbeit mit Dienstgebrauchshunden um. Als Referentin und Beraterin über Aggressionsverhalten, Selbstschutz und Mikromuster-orientierter Verhaltensanalyse machte sie sich europaweit einen Namen.
KATHRIN OVERRÖDDER arbeitet hauptberuflich in der Marketingleitung einer GmbH. Sie ist seit über zehn Jahren Ausbilderin im DVG und findet immer einen Trainingsansatz für jedes Problem. Sie selbst führt im Rally Obedience eine Aussie-Hündin, mit der sie 2015 die Beginnerklasse der DVG BSP gewann, und führt ihren Malinois im Obedience.
Nun aber wieder viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Rätseln! Bleibt weiterhin alle gesund! Unser Titelbild „Obedience“ zeigt Border Collie BILLY beim Richtungsapport auf der VDH Deutschen Meisterschaft 2021 in Gemünden Chefredakteurin SPORTHUNDMAGAZIN
Foto: Sporthund/Constanze Rähse
sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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TEXT: INKA STONJEK
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Foto: Constanze Rähse
Nicht nur gefährlich, sondern auch unfair!
Nicht nur gefährlich, sondern auch unfair HUNDESPORT
Foto: AdobeStock / denisismagilov
Wenn es beim Sport um Medaillen, Pokale oder Urkunden geht, versuchen Menschen, mit verbotenen Substanzen ihre Leistungen zu verbessern – das gilt auch im Hundesport. Zum Schutz des Tieres und zur Fairness im Wettkampf ist es dort ebenso verboten wie beim Menschen. Doch hinter Doping muss nicht immer Absicht stecken, sondern es kann auch aus Unwissenheit geschehen. Was Hundehalter beachten sollten.
Bis zu drei Jahren Sperre drohen, da kann eine Karriere schnell vorbei sein. Auch Unwissenheit bezüglich der vielfältigen Substanzen schützt nicht vor Strafe. Informieren lohnt sich also.
Doping kommt auch im Hundesport vor, auch wenn es dort nicht so große mediale Aufmerksamkeit erfährt wie im Humansport. Es ist ja auch ärgerlich, wenn ein aussichtsreicher Favorit kurz vor dem Wettkampf erkrankt oder sich verletzt. Dann platzen unter Umständen große Träume. Allerdings ist es nicht in allen Disziplinen ein Thema. „Bei Ausstellungen beispielsweise ist es eher unwahrscheinlich, dass gedopt wird, weil es einfach keinen Sinn macht. Ein gedopter Hund wird nun mal auch nicht schöner“, scherzt Jörg Bartscherer, Justiziar und Geschäftsführer beim Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e. V. Dieser ist hierzulande als Dachorganisation für 180 Mitgliedsvereine der größte Dachverband für Hundezucht und Hundesport und somit die oberste Ebene
im Kampf gegen das Doping im Hundesport. Zudem repräsentiert der VDH Deutschland im Weltverband der Kynologie, der Fédération Cynologique Internationale (FCI). Anders sieht es bei Sportarten aus, in denen es auf Schnelligkeit ankommt. „Im Windhundrennwesen hatten wir in den vergangenen Jahren vereinzelte Dopingfälle, im Agility ist der letzte schon Jahre her. Diese Zahlen mögen zwar nach Einzelfällen klingen. Wenn man aber bedenkt, dass diese Sportarten in Deutschland als reines Hobby ausgeübt werden, bekommen sie eine andere Dimension.“ Das lässt erahnen, welches Ausmaß Doping haben muss, wenn Geld im Spiel ist. Solche professionellen Rennen, bei denen auf die Tiere gewettet werden darf oder bei denen Preisgelder ausgezahlt werden, sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus tierschutzrechtlichen Gründen allerdings verboten.
Chronisch kranke Hunde als Grenzfall Doping mit leistungsstärkenden Substanzen ist immer ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Auch Substanzen ohne direkten leistungsfördernden Effekt, die aber durch ihre therapeutische Wirkung einen leistungsmindernden physischen Zustand verdecken, sind im Wettkampf grundsätzlich verboten. Ein Grenzfall, der stets individuell betrachtet werden muss, ist der Umgang mit chronisch kranken Hunden. „Dafür haben wir zusammen mit Tierärzten ein System entwickelt“, erklärt Bartscherer. Dabei müssen die Halter ihr Tier rechtzeitig vor einem Wettkampf zu einem Gesundheitscheck anmelden, bei dem auch das Medikament begutachtet wird. Kommt der Tierarzt zu dem Ergebnis, dass keine verbotene Leistungssteigerung vorliegt, ist Mensch und Hund die Teilnahme erlaubt. sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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Von den acht Deutschen Meisterschaften, die der VDH jährlich ausrichtet, werden mittlerweile auf drei Meisterschaften Dopingtests gemacht. „Welche das sind, wechselt und wird vom Verband jedes Jahr von Neuem festgelegt“, erklärt Bartscherer. Dort jeweils alle Hunde zu testen, würde die Kapazitäten sprengen. „Deshalb nehmen wir Stichproben. Allerdings losen wir nicht einfach aus, sondern konzentrieren uns auf die Spitzenhunde“, sagt Bartscherer. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, arbeitet der VDH mit unabhängigen Dienstleistern zusammen.
Deutsche Meisterschaften des VDH:
Gebrauchshundesport Obedience Agility THS Fährtenhunde Rettungshunde Dog Dancing Flyball
VIELE DISZIPLINEN ERMÖGLICHEN EBENSO VIELE METHODEN
Windhundrennwesen. Christian Spies ist dort als Leiter für die Tierkontrollen zuständig und kennt sich mit Doping aus: „Das Besondere im Hundesport ist, dass es so viele verschiedene Disziplinen gibt. Dadurch ist die Bandbreite an Dopingmethoden sehr breit.“
Einer davon ist die PWC GmbH. Das Unternehmen organisiert seit 25 Jahren weltweit DopingKontrollen im Humansport und ist vor neun Jahren zusätzlich in den Tierkontrollbereich eingestiegen. Dopingtests im Pferderennsport machten den Anfang, später folgte das
Sie reicht von Bronchodilatatoren, die die Bronchien weiten und den Hund leistungsfähiger machen, über Cortison, muskelaufbauende Substanzen, Entzündungshemmer, Hormone bis hin zu Beruhigungsmitteln, damit der Hund auf Schauen nicht so zappelig ist.
Stoffgruppen-Liste des VDH* Substanzen, die auf das zentrale oder periphere Nervensystem wirken (u.a. psychoaktive Substanzen) Substanzen, die auf das vegetative Nervensystem wirken Substanzen, die auf den Magen-Darm-Trakt wirken Substanzen, die auf Herz und Kreislauf wirken Substanzen, die auf den Bewegungsapparat wirken Substanzen mit fiebersenkender, schmerzstillender, entzündungshemmender Wirkung Substanzen mit antibiotischer, antimykotischer, antiviraler Wirkung Substanzen, die die Blutgerinnung beeinflussen Substanzen mit zellschädigender Wirkung
Antihistaminika Diuretika Lokalanaesthetika Mulkelrelaxantien Atmungsstimulantien Sexualhormone (ausgenommen beim Training) Anabolika Corticosteroide Endokrine Sekrete und ihre synthetischen Homologe *Quelle: www.vdh.de
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Nicht nur gefährlich, sondern auch unfair HUNDESPORT
Doping liegt vor, wenn bei einem Hund mindestens eine oder mehrere Substanzen gefunden werden, deren Gehalt das physiologische Maß überschreiten. Theobromin ist der einzige Wirkstoff, für den mit zwei Mikrogramm pro Milliliter Blut ein maximaler Grenzwert gilt. Er ist natürlicherweise in Schokolade enthalten und wirkt beim Hund ähnlich stark aufputschend wie Kokain oder Amphetamine beim Menschen. Während sich beim Menschen Dopingsubstanzen in Urin, Blut und sogar Speichel nachweisen lassen, klappt dies beim Hund nicht so einfach. „Ihr Urin lässt sich auf Wettkämpfen schlicht
Geschichtlich: Pferderennen gab es schon „immer“. Das Manipulieren der Leistungsfähigkeit der Tiere wurde aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts zum Thema. Kontrollen gab es erst viel später.
schwer sammeln. Außerdem reicht meist die Probenmenge nicht aus“, erklärt Dr. med. vet. Stephanie Janowski-Gastl. Sie ist niedergelassene Tierärztin in München und in ihrer Freizeit für den PWC unterwegs. Der Vorteil von Blutproben ist, dass sie sich gezielt entnehmen lassen und darin heute auf ein breites Spektrum an Substanzen getestet werden kann. „Allerdings sind dafür bis zu 20 Milliliter Blut nötig. Das ist recht viel und dauert bis zu drei Minuten, bis die Probe genommen ist“, erklärt Spies.
Schon römische Wagenlenker gaben ihren Pferden ein Honig-Wasser-Gemisch zur Steigerung der Schnelligkeit.
Foto: AdobeStock / Sergey Kohl
Von all diesen Substanzen muss der Hund am Tag des Rennens bzw. der Leistungsprüfung frei sein.
Die Analysen gibt die PWC nur in die Hände von Laboren, die von der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) akkreditiert sind. Das sind in Deutschland gerade mal zwei: das Labor am Institut für Biochemie an der Sporthochschule Köln und das Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie Dresden (IDAS) in Kreischa.
Mitte 17. Jahrhundert gab es eher negatives Doping, d. h. leistungsmindernd, z. B. wurden im Pferdesport Tiere geschwächt und man wettete auf die Konkurrenz. leistungsteigerndes Doping gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. 1910 erstmal Nachweis für Doping im österreichischen Pferdesport. Pferdesport gilt als „zweifelhafter Schrittmacher“ für Humandoping. Den ersten Dopingtoten gab es 1886 im Radsport. (Quelle: planet-wissen.de) sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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Das Tier wird für einen Zeitraum zwischen sechs Monaten und drei Jahren gesperrt. Während dieser Zeit darf der Hund an keinen Wettkämpfen oder Ausstellungen des VDH teilnehmen. Zudem muss der Halter des Hundes damit rechnen, 8
„Tatsächlich dopen Hundehalter, allerdings öfter aus Unwissenheit als aus Kalkül“, sagt Janowski-Gastl. Sie ahnen nicht, dass ein gut gemeintes und unbedacht verabreichtes Medikament zu einem positiven Dopingbefund führen könnte. Man denke auch an Hunde, die sich das Stück Schokolade heimlich vom Wohnzimmertisch räubern. Trotzdem schützt Unwissenheit vor Strafe nicht.
Foto: Jan Redder
Die Ergebnisse leiten die Labore an den VDH weiter. „Bei etwa jedem 20sten Hund gibt es Auffälligkeiten. Dabei liegen die Laborparameter außerhalb der Norm“, erklärt Spies. Das bedeutet noch nicht, dass der Hund des Dopings überführt wurde. Zunächst erhält der Hundebesitzer Gelegenheit zur Stellungnahme. Fällt die Dopingkontrolle am Ende jedoch positiv aus, geht alles seinen rechten Gang: „Wir melden den Verstoß an die zuständigen Behörden, das sind üblicherweise die Veterinärbehörden am Wohnort des Halters“, erklärt Bartscherer.
ebenfalls für sechs Monate bis drei Jahre gesperrt zu werden, wobei sich diese Sperre dann auf alle Hunde in seinem Besitz erstreckt. Darüber hinaus werden Name und ausgesprochene Sanktionen veröffentlicht sowie die FCI informiert. In besonderen Fällen wird der Halter auch aus dem VDH ausgeschlossen.
Auch „Randsportarten“ müssen sich zukünftig auf Kontrollen einstellen. Der VDH führt derzeit auf drei seiner acht Deutschen Meisterschaften Dopingtests durch.
Foto: Constanze Rähse
POSITIVER DOPINGBEFUND BRINGT SANKTIONEN MIT SICH
Nicht nur gefährlich, sondern auch unfair HUNDESPORT Die Hundebesitzer bzw. -führer sind verantwortlich und müssen deshalb mit ihrem Tierarzt abklären, ob ein Medikament zu Problemen führen könnte. Das gilt auch für Substanzen im Futter und eventuelle Futterzusätze. Die Halbwertszeiten eines Wirkstoffes lassen sich in den Beipackzetteln jedes Medikaments nachlesen, da die Feststellung der Halbwertszeiten inzwischen eine Voraussetzung für die Zulassung von Medikamenten ist.
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Starten darf ein Hund nur, wenn das verabreichte Medikament vollständig ausgeschieden und somit der Nullwert erreicht ist. Wichtig zu wissen: Das ist je nach Rasse, Gewicht und Geschlecht, aber auch abhängig von der Aktivität und Genetik des Tieres unterschiedlich. VDH PLANT, DOPINGKONTROLLEN AUSZUWEITEN Und wie sieht es mit dem Hundeführer aus? Bei Disziplinen wie Agility künftig auch den
Menschen auf Doping zu testen, hält der VDH für übertrieben. „Wir vertreten die Auffassung, dass der Hund der Leistungsträger ist und weniger der Mensch“, sagt Jörg Bartscherer. Aber die Dopingkontrollen auszuweiten, sei sinnvoll. „Wir spielen beispielsweise mit dem Gedanken, künftig auch bei Zuchtzulassungsveranstaltungen zu testen.“ Dabei wird neben dem äußeren Erscheinungsbild des Hundes einschließlich der Bewegungsabläufe, seinen Gesundheitsdaten
auch sein Verhalten begutachtet. Das ließe sich durch entsprechende Medikamente positiv beeinflussen.
„Wenn es darum geht, Elterngenerationen für die Zucht auszuwählen, dürfen keine verbotenen Substanzen im Spiel sein.“
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„SCHÖN IST, WAS DEM GEBRAUCH DIENT!“ Foto: Constanze Rähse Foto: Jan Redder
TEXT: FRANSI ROTTMAIER
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„Schön ist, was dem Gebrauch dient“ KYNOLOGIE
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chönheit mag sicherlich im Auge des Betrachters liegen – was sich auch in den vielfältigen Erscheinungsbildern unserer Hunderassen niederschlägt. Größe, Statur, Fellbeschaffenheit und Farbschläge, auch die rassetypischen Wesensmerkmale besitzen ihren eigenen Charme. Doch was, wenn eine Hundesportart den Alltag bereichern soll?
Sport ist letztendlich eine Form des Gebrauchs, die einen Körper durchaus „ins Schwitzen“ bringen kann. Wo geschwitzt wird, kann auch ein „Zuviel“ und daraus ein Gesundheitsrisiko entstehen. Der verantwortungsbewusste Hundehalter stellt sich dann die Frage: Ist mein Hund überhaupt geeignet für diese Sportart? Macht Schönheit „fit for fun“ oder müssen wir unseren Geschmack übergehen, um einen gesunden Sporthund zu führen?
lich auch Fruchtbarkeit ab. Bei uns Menschen ebenso wie im Tierreich, also auch bei unseren vierbeinigen Sportkameraden. Denkt man ein wenig weiter an das Zuchtgeschehen und den „Run“ auf begehrte Deckrüden anhand ihrer Platzierung auf Meisterschaften, lassen sich diese Zusammenhänge sogar im größeren Rahmen wiedererkennen.
Schließlich überträgt jeder Züchter seine persönliche Vorstellung von Attraktivität auf seine Zuchtvorhaben.
Versuche mit höheren Tierarten ergaben, dass insbesondere die Körpersymmetrie eine Rolle spielte: symmetrischer Körperbau scheint bei der Partnerwahl besonders gesunden Nachwuchs zu versprechen, da er auf Krankheitsresistenz und geringeres Risiko für schadhafte Mutationen hinweist. Das gilt auch für uns Menschen.
Allerdings stellt ein sportlicher Wettkampf eher eine fokussierte Momentaufnahme dar und zu dem Prädikat „attraktive Fitness“ gehört weitaus mehr.
Zudem steht körperliche Fitness direkt mit den sogenannten „exekutiven Funktionen“ wie emotionale Selbstregulation oder Frustrationstoleranz in Verbindung.
Da lohnt sich eine nähere Betrachtung, auch, wenn die Antworten darauf gar nicht so einfach sind. Attraktivität hängt hauptsächlich von Merkmalen der Gesundheit, Vitalität und letztend-
Foto: Constanze Rähse
„Schön ist, was dem Gebrauch dient“, so die bis heute vielzitierte Aussage des preußischen Hofrittmeisters Max von Stephanitz Ende des vorletzten Jahrhunderts. Und das ist nicht nur eine philosophische Auslegung des Mannes, dem die Zucht unserer Deutschen Schäferhunde zu verdanken war.
Altersgerechte Rauf- und Rennspiele als Welpe legen den Grundstein für jene „exekutiven Funktionen“, die der erwachsene Sporthund für seine Aufgaben benötigt. sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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Foto: Jan Redder Foto: Nadine Krei
Foto links: Attraktivität durch Fitness und Leistungspotential.
Seit 1990 werden diese Zusammenhänge erforscht, mit überraschenden (und für chronische Sportmuffel sicherlich eher unattraktiven) Erkenntnissen: auch das allgemeine Sozialverhalten erfährt durch regelmäßige muskuläre Belastung positive Reize. Kein Wunder, dass Attraktivität mit 12
körperlichen Attributen wie Symmetrie und Fitness assoziiert wird! Körpersymmetrie bedeutet gleichzeitig auch vielversprechende sportliche Leistungspotentiale: ein Hundekörper ist ein biomechanisches Wunderwerk, dessen Einzelsegmente dazu möglichst reibungsarm ineinandergreifen
sollten. Kraftübertragung entsteht schließlich durch eine exakt koordinierte Muskelkette, beginnend vom kleinen Zeh bis hin zur Kopfhaltung. Im richtigen Moment muss der richtige Muskel in der geforderten Intensität anspannen oder lockern – was eine immense Rechenleistung des Gehirns erfordert.
hochproblematisch und bedürfen orthopädischer Korrektur. Viele chronische Rücken- und Hüftleiden resultieren daraus, was schwerlich mit einer sportlichen Karriere zu vereinbaren ist.
Foto rechts: physiologisch bedingt nehmen Gliedmaßen immer diagonal aufeinander Einfluss.
Ist das eher ein spezieller Nachteil unseres aufrechten Ganges, oder haben Hunde diese Problematiken auch?
Bedenkt man zudem den physiologischen Grundsatz, dass Gliedmaßen in der Diagonale aufeinander Einfluss nehmen, erschließt sich auch der physiologische Sinn der angestrebten Symmetrie. Ungleiche Beinlängen oder unterschiedliche Beugungsund Streckvermögen an den Gliedmaßen sind
Leider muss man sagen: Ja, Hunde betrifft dies ebenso. Und ein gehöriger Teil davon liegt an züchterischen Vorgaben, die sich zu weit von der eigentlichen Funktion anatomischer Ausprägungen entfernt haben! Bestimmte Merkmale von „Schönheit“ unterliegen nämlich gruppenspezifischer Wahrnehmung.
„Schön ist, was dem Gebrauch dient“ KYNOLOGIE
Foto: Jan Redder
Wer sich also einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlt, übernimmt auch große Teile deren Konsens über „das finden wir begehrenswert“.
Foto: Jan Redder
Für Schutzhundesportler interessant sind oftmals die unterschiedlichen Erscheinungsbilder innerhalb einer Rasse, wenn die jeweiligen Populationen nach unterschiedlichen Zuchtausleseprogrammen selektiert wurden. Insbesondere belgische Schäferhunde aus dem belgischen Ring oder der niederländischen KNPV weisen häufig körperliche Merkmale auf, die mit molossiden Rassen assoziiert werden. Bei hauptsächlich In der KNPV und im IGP-Sport nach IGP Kriterien selektierten Popula- müssen Malinois unterschiedliche körperliche Herausfordetionen des Malinois rungen meistern. hierzulande verändert sich der Gebäudetyp hin zu Schnelligkeit. Selbst der typische Angriffsstil und die Haltearbeit an der „Beute“ weisen erstaunliche Differenzen auf. In Anbetracht der biomechanischen Anpassung sind diese physiologischen Veränderungen nachvollziehbar, bedenkt man die Funktion als Zuchtausleseprogramme der jeweiligen Schutzhundesportart. Da muss nicht immer der obligatorische „Pitbull eingekreuzt“ worden sein!
Bei Rassefreunden steht dieser Konsens in der Rassebeschreibung als klar definiertes Schönheitsideal. Und an dem Punkt entsteht ein Konflikt zwischen eigentlich gesunden Begriffen der Attraktivität und der menschlichen Neigung, natürliche Prozesse zu abstrahieren.
Wenn es in der Realität der tatsächlichen Ausführung nicht mehr funktioniert, wird ein „Schönheitsideal“ schlicht und ergreifend fragwürdig.
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Um ein Gefühl für diese „Grenzen des guten Geschmacks“ zu entwickeln, sollte man sich den funktionellen Grundriss eines lauforientierten Beutegreifers betrachten.
Am augenscheinlichsten sind die Diskrepanzen zwischen „Rassestandard“ und „Sporttauglichkeit“ wohl im Verein für Deutsche Schäferhunde, in dem sich in den letzten Jahrzehnten die Populationen „Schönheit“ und „Leistung“ größtenteils getrennt voneinander entwickeln.
Die auf physiotherapeutische Anwendung spezialisierte Tierärztin Dr. Sabine Mai von PhysioVet beschreibt in ihren Weiterbildungen den optimalen Körperbau eines belastbaren Gebrauchshundes mit einprägsamen Worten:
Bewegung ist allerdings nicht gleich Bewegung – denn der „typische“ Körperbau einer bestimmten Population wird stark durch die 14
Fotos: Jan Redder
„Korrekt gebaute Hunde bewegen sich mühelos über längere Zeit.“
Fotos: Zwei Hunde auf der gleichen Prüfung. Gute Sprünge sind natürlich auch Ausbildungssache, aber auch Anatomie sollte auf keinen Fall Geschmackssache sein.
Lebensweise der jeweiligen Individuen bestimmt und evolutionär setzen sich die Merkmale durch, die Vorteile verschaffen. Auf dieser Grundlage basiert auch unsere normierte Rassezucht.
Und hier beginnen auch die Feinheiten der Diskrepanzen zwischen „Rassestandard“ und „Sporttauglichkeit“: Unterschiedliche Sportarten weisen unterschiedliche Bewegungsprofile auf.
Für jedes Bewegungsprofil existiert ein biomechanisches „Ideal“ und natürlich auch Ausschlusskriterien. Wenn eine Rasse in ihrer züchterischen Vergangenheit selten mit genau diesen Anforderungen konfrontiert wurde, sinkt die Chance, innerhalb dieser gebäudetechnisch geeignete Kandidaten für genau diese Sparte zu finden. Sie weichen dann in ihrem Erscheinungsbild sogar vom Rassestandard ab oder reagieren im umgekehrten Fall mit Überlastungserscheinungen. Die aus der Gesundheit erhaltenden Gründen geforderte „Mühelosigkeit“ kann schwerlich erreicht werden. Für Dr. Mai besitzt das „Ideal“ eines sportlichen Allrounders kräftige Muskulatur an den Hinterschenkeln, eher leicht
aufgewölbte als abgesenkte, muskulöse und nicht zu lange Rückenlinien und im Verhältnis schmalere Schultern mit steilen, stabilen Karpalgelenken an den Vorderbeinen. Das Becken braucht zur Horizontalen eine deutliche Winkelung, um ausreichend raumgreifende Schritte zu erlauben. Die Sprunggelenke stehen lotrecht zum Sitzbeinhöcker und die Unterschenkel sind nicht übermäßig lang. Die Pfoten sollten eher klein und geschlossen sein. Der Hals mit dem Kopf dient – ebenso wie die Rute – als „Ausleger“ in Sachen Gleichgewicht. Ist der Schädel zu massiv und schwer, zieht es den Schwerpunkt sehr weit nach vorne und belastet Schulter und Vorderhand. Ist der Hals mit der Kopfpartie zu fragil, wird ein Ausbalancieren
in engen Wendungen schwierig und die Halswirbelsäule wird zum mechanischen Schwachpunkt für seitliche Krafteinwirkung. Daher bringt ein harmonisches Verhältnis zum Rumpf physiologische Vorteile. Hunde mit solchem Gebäude sind ausreichend schnelle, wendige Läufertypen und deshalb hervorragend für Sportarten geeignet, in denen genau solche Bewegungsprofile vorherrschen. Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen „Allerweltshund“, der die meisten Sportarten abdeckt und auch in Rettungshundearbeit, Distanzläufen und bei normaler Alltagsbelastung „mühelos“ mithält. In der Biomechanik und der Bewegungslehre kennt man zwei unterschiedliche Anpassungs-
Foto: Markus Platzbecker
„Schön ist, was dem Gebrauch dient“ KYNOLOGIE
typen: Schnelligkeit versus Kraftanpassung. Selbst die kleinen, stabilisierenden Bälkchen in den größeren Röhrenknochen bilden sich längs der Hauptbelastungsrichtung aus, um dort strukturelle Ermüdungsbrüche zu verhindern. Diese Anpassung der knöchernen Strukturen kann bis zu zwei Jahren dauern. Deshalb sind biomechanische Zusammenhänge und ein Bewusstsein für Bewegungsprofile auch so wichtig für die Gesunderhaltung.
Der Körperbau des lauf orientierten „Allerweltshundes“ ähnelt sich grundlegend, auch wenn Fell, Farbe und Co. grundverschieden sind
Windhunde, Hetzjäger und moderne Schlittenhunde weisen oft leichtere Kopfpartien und weniger Haltemuskulatur in der Schulter auf, was für eine horizontale Vorwärtsbewegung vorteilhaft ist. Außerdem behindert eine zu muskulöse Schulter einen raumgreifenden Schritt, da die Schulter durch eine Vielzahl einzelner Muskelstränge am Hundekörper gehalten wird, die sich im Durchmesser nicht gegenseitig einengen dürfen. sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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Zudem tendieren gute Läufer zu einem schmalen, leichten, gestreckten Körperprofil und großem Lungenvolumen – und auch die Atemtätigkeit selbst hängt von Muskeleinsatz ab! Die Symmetrie des Körpers fungiert hierbei als Schutz vor Verletzung oder punktueller Überbelastung – besonders die Knie und die Sprunggelenke sind hier gefordert. Außerdem stört jedes überflüssige Kilogramm, da das eigene Körpergewicht
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stützenden Knochenstrukturen benötigen ausreichend Dichte und Spannung, um mit diesen Kräften arbeiten können. Das erfordert einiges an durchaus langwieriger Anpassung. Denn punktuelle Kraftspitzen erzeugen strukturelle Verletzungen oder beschleunigten Verschleiß. Natürlich gibt es weitaus mehr Bewegungsprofile als Langstreckenläufer und Gewichtheber, diese vereinfachte Gegenüberstellung anhand Kraftanpassung versus Geschwindigkeit dient lediglich der Veranschaulichung.
Foto: Jan Redder
bei jedem Schritt vom Boden hochgeschnellt und am Ende der Schwebephase wieder abgefedert werden muss. Die vertikale, entgegen die Schwerkraft wirkende Muskelarbeit ist dabei zwar moderat, wirkt aber über mehrere Stunden auf die Körperstruktur ein. Ein Kraftsportler hingegen kann sich ein massigeres Erscheinungsbild leisten: gedrungene, stämmige, robuste Gliedmaßen und großflächige Muskelansätze bringen ihm Stabilität und die Möglichkeit, kurzfristig starke Kraftübertragung zu vollbringen. Sein Rumpf muss tragfähig sein und die involvierten Gelenke wie Hüfte und Knie brauchen ihren vollen Bewegungsumfang, um mechanisch ungünstige Belastungsspitzen zu vermeiden. Das eigene Körpergewicht spielt eine untergeordnete Rolle: Die Muskeln dürfen voluminös sein. Sie müssen schließlich dazu in der Lage sein, große Spannung zu erzeugen – das bedeutet auch motorisch eine sehr gute Synchronisation der einzelnen Muskelfasern. Auch der Sehnen- und Bandapparat sowie die
Foto oben: Der Hund benutzt die gesamte Auflagefläche bis zum Tarsalgelenk, um sein Körpergewicht in die Höhe zu schnellen. Die Archillessehne leistet hierbei enorme Arbeit.
Foto: Constanze Rähse
Beim Menschen dient der exemplarische Vergleich zwischen Marathonläufer und Kraftsportler als verständliches Modell: Der Läufer braucht effiziente „Federdynamik“ in den Gliedmaßen und überwiegend Muskelfasern, die Ausdauerleistung ohne Übersäuerung erbringen können. Beim aufrechten Gang des Menschen bieten sogar verkürzte Hüftstrecker Vorteile, da sie durch ihre Schnappwirkung eine schnellere horizontale Bewegung ohne frühzeitige Ermüdung erlauben.
Foto unten: Beim Slalom muss sich der Körper seitlich biegen, eine gut trainierte, dehnfähige Muskulatur schützt die Bandscheiben.
Foto: Constanze Rähse
Die Biologie der Attraktivität / UNI-NOVA, Prof. Dr. Haag-Wackernagel Bewegung formt das Gehirn / Bertelsmann-Verlag, 2011, L. Walk Körperliche Fitness für Suchhunde / Physiovet Webinar 2021, Dr. S. Mai Chiropraktik beim Sporthund / Sonntag Verlag, J. Reinhardt
Auch molosside Typen wie Rottweiler weisen diese Anpassungsmerkmale in höherem Maße auf, als beispielsweise Jagdhunde, die hetzen oder verweisen.
den Läufertyp. Hüteund Treibhunderassen, die mit mehr direktem Körpereinsatz arbeiten oder in Richtung Dienstgebrauch gezüchtet wurden, brauchen deutlich muskulösere Schultern und eher kurze, kräftige Halspartien. Die Brust wird breiter, Schädel und Schnauze kürzer und massiver. Auch die Knochenstruktur muss sich verdichten. Vergleichen wir den Australian Cattledog mit einem Border Collie, wird diese Variable deutlich und steht auch in direktem Bezug zu körperbetonter Treibarbeit am Großvieh und der typischen Hütearbeit an Schafherden.
Hunderassen, die auf Kraftanpassung und Haltearbeit selektiert wurden, benötigen ein angemessenes Erhaltungstraining! Werden Muskeln, Bänder und Sehnen schlaff, schleichen sich schnell Fehlhaltungen oder Durchtrittigkeiten ein. Als Folge drohen Patellaluxationen, Bandscheibenvorfälle oder Arthrosen.
Hundetraining aus Tiermedizinischer Sicht / team.konkret 4/2014, A. Quandt Merkwürdige Zusammenhänge – Körperbau, Konstitution und Verhalten / Artikel WUFF 2014 07-08 / S. Strodtbeck & PD Dr. U. Ganslosser
Foto: Constanze Rähse
Um Sportarten wie Schutzhundesport, Dogfrisbee oder exzessives Training an der Reizangel schadlos zu überstehen, entfernt sich die biomechanische Anpassung mehr vom überwiegen-
Fotos: Das rassetypische Erscheinungsbild spiegelt sich in der jeweiligen Art der Bewegungsausführung.
Quellen: Lehrmaterial Krav Maga Union / Full Instructor-Ausbildung
Foto: Constanze Rähse
Zudem verändert sich die gesamte Körperstatik hin zu mehr Schub aus der Hinterhand. Da Hinterbeine ein sogenanntes „Wurfhebelwerk“ darstellen, muss sich hierzu die Hebelmechanik mitsamt dem Rücken verlängern. Schwierig wird hier eine Sportart, bei der die Vorderhand seitliche Rotation erfährt, das Körpergewicht häufig vertikal statt horizontal abfedern muss (wie nach hohen Sprüngen) oder der Rücken seitlich gebogen wird – hier erfahren die Bandscheiben zu hohe Belastung.
Foto: AdobeStock / Tanya
„Schön ist, was dem Gebrauch dient“ KYNOLOGIE
Im nächsten Teil befassen wir uns mit motorischen und biomechanischen Grundlagen zum Thema „Sprünge“. ■
sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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Mit „selbstgezüchtet” zur Weltmeisterschaft { I NTERVIEW } Eva Hampe über ihre Leidenschaft Obedience, den Border Collie und die Zucht.
Foto: Constanze Rähse
Eva Hampe (41) verheiratet, Hundetrainerin aus Westenholz Züchterin „Dumf and Galwy“ (D&G) 13 Würfe seit 2003
Foto: AdobeStock
Sporterfolge: FCI WM 2019, 2021, 3. Platz VDH DM 2021
INTERVIEW: CONSTANZE RÄHSE
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Zuchterfolge: UK Ob.Ch. D&G HalliGalli FCI WM: D&G Highlander, D&G Jubilee Zahlreiche VDH DM Obedience Teilnehmer (2016 sind 10 % der teilnehmenden Hunde D&G-Border Collies
Mit „selbstgezüchtet“ zur WM HUNDESPORT
Eva Hampe: Cocaine hat mir wieder einmal eine unvergessliche Zeit im Ring geschenkt! Sie lief wie auf Schienen, selbstbewusst, hochkonzentriert und völlig unbeeindruckt vom Prüfungsumfeld – für mich absolutes Gänsehautfeeling. Das wir damit auf dem Treppchen gelandet sind, ist für mich natürlich die Krönung! Wie waren deine Anfänge im Hundesport? Eva Hampe: Mit einem Leihhund bin ich schon mit 14 Jahren zum Hundesport gekommen. Ich habe im Verein für die BH und den Turnierhundsport (THS) trainiert und auch bereits an Wettkämpfen im Vierkampf und CSC teilgenommen. 1997 wurde in einer Hundezeitschrift Obedience vorgestellt und für mich stand dann fest, das ist mein Sport! Bis Obedience in Deutschland mit eigener PO offiziell wurde und sich dann endlich ein Verein fand, ist noch mal einiges an Zeit vergangen. Mit einem ersten eigenen Hund, Border Collie Hündin Cheyenne habe ich zwar schon im Obedience trainiert, aber im Verein war dann doch erst der THS unser Mittelpunkt und wir sind u. a. Landesmeister in unserer Alterklasse geworden. Außerdem haben wir etwas Agility betrieben, gehütet, Rettungshundeluft geschnuppert und sie war der beste Distanzpferd-Reitbegleithund der Welt.
perfekt präsentieren zu können. Die Stärken und Schwächen des Hundes so gut zu kennen und einzuschätzen, um den Hund in der Prüfung glänzen zu lassen. Das geht nicht nebenbei, sondern erfordert planvolles Training, Selbstkritik und ein ständiges Optimieren der eigenen Trainerfähigkeiten.
Obedience gehört zu meinem Leben dazu, ich kann in einer gelungenen Trainingseinheit eins mit meinem Hund werden, es gibt nichts Schöneres. Auf ihrer ersten VDH Deutschen Meisterschaft 2011 in Herrenberg startete Eva mit Dumf and Galwy Charismatic („Piper“). Foto: privat
Platz 3 bei der VDH Obedience Deutschen Meisterschaft 2021. Meinen herzlichsten Glückwunsch! Wie fühlt sich das an?
Warum machst du Obedience? Was bedeutet dir das?
Wie oft trainierst du und wie sieht so ein Training bei dir aus?
Eva Hampe: Obedience fasziniert mich durch die unterschiedlichen Aufgaben, die Kombination von Geschwindigkeit und Präzision; zu erreichen, dass der Hund begeistert im Einklang mit mir arbeitet. Die richtige Balance im Training zwischen Stabilität und Intensität zu finden, um am Tag X, alle zehn Aufgaben beim ersten Versuch
Eva Hampe: In der Regel trainiere ich viermal in der Woche. Um bei unseren vielen Trainingsaufgaben den Überblick nicht zu verlieren, schreibe ich für zwei bis drei Monate im voraus einen Trainingsplan, der mir als Orientierung dient und laufend angepasst wird. So kann ich gezielt die Details thematisieren, ohne einzelne Aufsporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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gaben zu vernachlässigen. Fußarbeit und Distanzkontrolle stehen mindestens zweimal wöchentlich als Schwerpunktthemen fest, ansonsten kombiniere ich gerne zu den Detailaufgaben, bei denen es um Genauigkeit geht, ein bis zwei Rennübungen. Das kann so aussehen, dass sich ein ganzes Training dann nur mit dem Thema Apportieren befasst oder auch gerade die Abrufbarkeit der unterschiedlichen Übungen beim ersten Versuch Schwerpunkt ist. Körperliches Aufwärmen vor und ein Cool Down nach dem Training ist mir zur Verletzungsprävention sehr wichtig. Ohne „Warm Up“ und „Cool Down“ dauert eine Trainingseinheit dann auch mal 20-30 min. An manchen Tagen gibt es aber auch mehrere FünfMinuten-Einheiten zu einzelnen Details. Du bist seit Jahren mit Jubilee unterwegs. Ihr wart auch schon zusammen auf der FCI WM?
Was wirst du bis zur WM im August noch trainieren? Eva Hampe: Bis zur WM habe ich noch einige Details auf der Liste: Abschlüsse, Apportelabgabe, Anschluss im Blitz, das Stoppen, gerades Anlaufen Box, Takt und Losgelassenheit, Fußarbeit, um ein 20
VDH Deutsche Meisterschaft 2021: 8,5 Punkte für Eva & „Cocaine“ in der Freifolge
Foto: Constanze Rähse
Eva Hampe: Ja. Ihr Rufname ist „Cocaine“ und sie läuft in der Klasse 3 seit sie fast drei Jahre alt ist, also schon nahezu sechs Jahre. Seitdem wird sie kontinuierlich besser. 2019 habe ich nach einer Trainingspause recht kurzfristig entschlossen, die WM-Qualis doch zu melden. Eigentlich hätten wir genau zu dem Zeitpunkt einen Wurf erwartet, aber die Hündin ist leider leer geblieben. Plötzlich landeten wir nach den ersten beiden Qualifikationen auf dem neunten Platz. Wir sind dann gut vorbereitet zur Deutschen Meisterschaft gefahren und schafften es durch Platz 5 ins Team für die WM in Kladno (CZ 2019). Es war eine wunderbare Zeit und Cocaine hat eine Riesenleistung gezeigt!
Mit „selbstgezüchtet“ zur WM HUNDESPORT
Welche ist eure „Angstübung“? Eva Hampe: Eine Angstübung haben wir nicht. Cocaine ist grundsätzlich sehr zuverlässig in den Übungen. Und welches ist die Lieblingsübung?
Anna Herzog & Eva Hampe
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Eva Hampe: Wir beide lieben Fußarbeit. Für mich einfach die Übung, die nur funktioniert, wenn Hund und Hundeführer wirklich füreinander da sind. Nicht ohne Grund habe ich gemeinsam mit meiner besten Freundin sogar ein Buch über dieses Thema geschrieben. Beschreibe doch deinen Teampartner etwas bezüglich Charakter und Leistungsvermögen. Wie überzeugt sie dich in der Arbeit?
Eva Hampe: „Cocaine“ vereint viele Eigenschaften, die ich mir bei der Wurfplanung gewünscht habe. Sie ist wahnsinnig schnell, sehr begeisterungsfähig, hat eine tolle Bewegungsintensität und ist dabei immer ansprechbar und kritikfähig. Das hat es mir in der Ausbildung schon leicht gemacht. Sie beißt sich aber auch schon mal
in einer Aufgabe fest, das erfordert von mir Fingerspitzengefühl und Flexibilität im Training, um sie durchlässig für meine Signale zu halten. Das ist ein bisschen die Schattenseite ihrer überdurchschnittlichen Konzentrationsfähigkeit. ... und im Alltag? Eva Hampe: Im Alltag ist sie ein sehr unkomplizierter Hund, der im Rudel nicht auffällt und einfach gerne mit dabei ist. Dass der Alltag auch funktioniert ohne, dass dies einen übermäßigen Trainingseinsatz erfordert, finde ich extrem wichtig, schließlich sind auch im Sport geführte Hunde den überwiegenden Teil ihres Lebens Familienhunde. Das ist bei uns nicht anders.
Foto: privat
paar Beispiele zu nennen. Außerdem gezielte Prüfungsvorbereitung: Abläufe optimieren, Training mit Personen im Ring, Paralleltraining mit anderen Hunden, Übungen verknüpfen. Ende Juli gibt es dann noch ein paar Tage Trainingspause. Ich habe einen ziemlich minutiösen Trainingsplan, um optimal vorbereitet in die Schweiz zu fahren.
Mit ihrer Mutter Ewephoria warst du DVG Vizebundessieger 2018. Gibt es Ähnlichkeiten zwischen beiden? Eva Hampe: Ihre Mutter Ewephoria, genannt „Summer“ ist mittlerweile fast 15 Jahre alt. Die BSP 2018 war mit fast 12 Jahren ihre letzte Prüfung. Cocaine kann ihre Mutter nicht verleugnen, sie sind sich in den Bewegungsabläufen und auch wie sie im Training funktionieren sehr ähnlich. Summer war vielleicht noch eine Spur geradliniger zu trainieren. Beide zeichnen sich durch ihre hohe Konzentrationsfähigkeit – auch bei ausbleibender Belohnung – unter Ablenkung aus. Beide würden arbeiten bis zum Umfallen. Es ist also an mir, die Verantwortung für das richtige Maß zu finden. sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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Du züchtest deine Teampartner selbst. Warum hast du dich für die Zucht entschlossen? Eva Hampe: Kurz nachdem meine Cheyenne eingezogen ist, habe ich immer mehr Kontakt zu verschiedenen Züchtern bekommen. Ich habe mich sehr intensiv mit den unterschiedlichen Linien auseinandergesetzt, Pedigrees studiert, Ausstellungen und Trials besucht. Daraus entwickelte sich der Wunsch, einen kleinen Teil zur Rasse beizutragen.
Gehört aus deiner Sicht die aktive Ausbildung eigener Zuchthunde zur Zucht dazu? Eva Hampe: Definitiv! Nur so kann ich beurteilen, wie der Hund sich in Trainings- und Wettkampfsituation verhält. Nur so kann ich feststellen, wie der Hund funktioniert und lernt. Auch wenn der tägliche Umgang natürlich einen Einfluss hat, gibt mir die aktive Ausbildung und Wettkampfteilnahme eine Fülle an Informationen. Dumf and Galwy Ewephoria („Summer“), 4x VDH DM, DVG Vize-Bundessieger 2018 bei der Geruchsidentifizierung Foto: privat
Warum gerade Border Collies?
Aus welchen Übungen ziehst du zuchtrelevante Schlüsse?
Eva Hampe: Vor vielen Jahren habe ich mal einen Bericht über den Border Collie gelesen. Und der beschrieb genau den Hund, den ich mir immer gewünscht habe. Ich erinnere mich genau, dass dort ein dunkler Border Collie abgebildet war, mit einem Kugelschreiber im Maul und angehobener Pfote. „Die neue Lassie“ – Ein intelligenter aktiver Hütehund. Natürlich habe ich damals noch nicht an Zucht gedacht, aber dieses Bild von meinem Traumhund ist geblieben und ich kann mir nach wie vor im Alltag wie im Training keinen besseren Teampartner wünschen.
Eva Hampe: Mir ist eher das Gesamtbild in Training, Wettkampf und Alltag wichtig. Wie „gut“ eine Übung funktioniert, ist zum Großteil vom Training abhängig. Wie bewegt sich der Hund, wie ist das Körpergefühl? Wie funktioniert der Hund beim Auslassen von Belohnung? Wie sieht es mit der Erregbarkeit aus, wie ist die Frustrationstoleranz? Wie sieht der Umgang zwischen Handler und Hund aus? Das hat schließlich einen großen Einfluss darauf, wie der Hund sich verhält.
Dein erster Wurf fiel im August 2003, also fast genau vor 18 Jahren. Was bedeutet dein Zwingername „Dumf and Galwy“? Eva Hampe: Dumf and Galwy ist die Abkürzung von Dumfries and Galloways, einem County im Grenzgebiet zwischen Schottland und England. Dieses Gebiet gilt als Wiege der Rasse. 22
Wo bzw. wie findest du deine Deckpartner? Was sind Kriterien für die Auswahl? Eva Hampe: Unsere Deckrüdenauswahl ist immer ein langwieriger Prozess. Teilweise suche ich Rüden aus ganz bestimmten Linien, teilweise gefällt mir ein Hund und ich stelle daraufhin Nachforschungen über die entsprechenden Linien an, suche nach Ver-
Mit „selbstgezüchtet“ zur WM HUNDESPORT
wandtschaft, stelle Kontakt zu den Besitzern der Hunde her usw. Schließlich landet ein Rüde auf meiner Liste „unter Beobachtung“. Natürlich möchte ich den Rüden dann auch live kennenlernen, bevor ich eine Entscheidung fälle. Der Rüde muss vollumfänglich meinen Vorstellungen vom Border Collie entsprechen, muss tadellos im Wesen und natürlich gesund sein, aber auch bezüglich Wesen und Gebäude zur vorgesehenen Hündin passen.
Es geht nicht um „immer besser“, sondern um Balance. Beispielsweise ist unsere Summer ein sehr reaktiver Hund auf der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn, die Deckpartner mussten immer über Gelassenheit verfügen, damit das Genie und nicht der Wahnsinn die Oberhand behielt. VDH DM Obedience 2016: (v.l.) Fiains Tochter Ewephoria mit ihren Nachkommen Jubilee, Join the Club und Jollification und Fiains Enkelin I heart you
Bekkis Yldanach Fiain
Eva Hampe: Ja, unsere Fiain haben wir ganz gezielt für die Zucht ausgesucht. Ich habe mich vorher schon sehr viel mit unterschiedlichen Linien auseinandergesetzt und wir sind sehr froh, dass Alison Hornsby uns einen Hund anvertraut hat. Sie ist bis heute meine Mentorin. Welche typischen Rasseeigenschaften sind gut für den Hundesport, welche eher nicht so? Eva Hampe: Die vorhandenen Trainingseigenschaften sind für den Sport von Vorteil, einige Elemente der hütespezifischen Eigenschaften nicht unbedingt. Zu viel Auge hat oft zur Folge, dass
D&G I heart you (Obedience VDH DM, DVG BSP)
D&G Charismatic (Obedience VDH DM, DVG BSP)
D&G Canis Major (Obedience VDH DM)
D&G Ewephoria (Obedience VDH DM, DVG BSP)
D&G Canis Major
D&G HalliGalli (Obedience UK Champion) D&G Highlander (Obedience FCI WM für die Schweiz) D&G Jollification (Obedience VDH DM, DVG BSP) D&G Join the club (Obedience VDH DM, DVG BSP) D&G Jameson (Agility DVG BSP, WM-Qualis) D&G Jefferson (Obedience VDH DM, DVG BSP) D&G Jubilee (Obedience FCI WM, VDH DM, DVG BSP)
(Agility VDH DM, DVG BSP, WM-Qualis)
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Fotos: privat
Bekkis Yldanach Fiain ist Stammmutter deiner Zucht? Mit ihr hast du deine Linie aufgebaut?
die Hunde gerne „einfrieren“ oder Schwierigkeiten haben, auf Spielzeug zuzulaufen. Auch das angezüchtete bogige Herauslaufen, wie es für einen Outrun beim Hütehund gewünscht ist, ist im Obedience eine Trainingsaufgabe. Wie erklärst du die Popularität der Rasse im Hundesport? Eva Hampe: Border Collies sind nicht nur eine Arbeitsrasse, die durch ihre körperlichen Eigenschaften für sportliche Höchstleistungen prädestiniert ist, sondern auch noch bereit ist, seine Fähigkeiten für seinen Menschen einzusetzen. Die hohe Trainierbarkeit, Kritikfähigkeit und Arbeitsintelligenz erleichtern das Training. Außerdem verzeiht ein Border Collie auch schlechtes Training manches Mal leichter als Hunde anderer Rassen. Aber Border Collie ist nicht gleich Border Collie. Innerhalb der Rasse gibt es gewaltige Unterschiede, was manch einer erst im Nachhinein feststellt. Viele Hundesportler sind von anderen Rassen umgestiegen. Denkst du, dass die hohe Nachfrage der Rasse gut tut? Eva Hampe: Die Nachfrage im Hundesport sehe ich tatsächlich nicht als Problem. Guckt man sich die Welpenzahlen an, wird der Großteil der Hunde als „Show- und Familienhund“ gezüchtet, da findet meiner Meinung nach der „besorgniserregendere“ Zuwachs statt.
Die Züchtervereinigung International Sheep Dog Society hat bis heute keinen Rassestandard für Border Collies festgelegt, es ist einzig die Hüteleistung des Hundes für die Zuchtselektion wichtig. In der FCI kam die Anerkennung und der Rassestandard erst 1977. Kann der Hundesport das Gleiche für die Zuchtselektion leisten? Eva Hampe: Der Border Collie bleibt ein Hütehund. Diese Qualität kann man nicht antrainieren. Im Hundesport ist der Einfluss des Hundeführers deutlich größer. Wie in allen Bereichen, in denen es keinen wirklichen Gradmesser für Arbeitseigenschaften mehr gibt, führt dies zu Übertreibungen. Das gilt überall, egal ob die Zucht auf Show, Agility oder reinen Erfolg auf Hütetrials ausgelegt wird (hier fehlt teilweise schon die Kompetenz bei der täglichen Arbeit). Es gilt, das Gesamtbild der Rasse im Auge zu behalten. Du hast in deinem J-Wurf einen Deckpartner aus reiner Hüteleistungszucht gewählt, was hast du dir versprochen und ist das aufgegangen?
Hat der Border Collie sich verändert, seitdem du die Rasse kennst?
Eva Hampe: Die Border Collies aus reiner Hüteleistungszucht vereinen i.d.R. Arbeitsqualitäten in idealer Balance. Hier gibt es tatsächlich noch den Gradmesser notwendiger Arbeit. Viele Eigenschaften, die ein Hütehund mitbringen muss, sind auch für den Sporthund von Vorteil. Schwierig ist es oft, Alltagstauglichkeit zu beurteilen, weil diese Hunde oft in sehr ländlichem Umfeld gehalten werden. Das verlangt nach sehr sorgfältiger Informationssammlung im Vorfeld einer Wurfplanung.
Eva Hampe: Es gibt viel mehr Extreme als vor 20 Jahren. Gerade weil der Border Collie eine der wenigen Rassen ist, die wirklich noch einen Job haben, fällt das natürlich noch viel mehr auf als bei manch anderer Rasse.
Im Falle unseres J-Wurfes ist die Planung voll aufgegangen. Die fünf Welpen, die in Obedience-Sportlerhände gekommen sind, waren alle innerhalb von drei Jahren in der höchsten Leistungsklasse. Der 6. Welpe wurde im Agility auf Meisterschaftsniveau
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Mit „selbstgezüchtet“ zur WM HUNDESPORT
Ja, ich habe gelesen, dass eine Wurfschwester an Epilepsie litt. Das macht nicht jeder Züchter, dann seine Hündin unter diesen Umständen auch nicht in der Zucht einzusetzen. Meinen Respekt zu dieser Entscheidung! Was sind neben den gesundheitlichen Einschränkungen weitere deiner Kriterien für einen Zuchtausschluss? Eva Hampe: Fehlende Alltagstauglichkeit, Ängstlichkeit, mangelnde Nervenstärke, Probleme mit Geräuschen, Hypersensibilität, kurz: wenn die Wesenseigenschaften nicht unserem Bild Border Collie entsprechen, dazu gehören auch die Trainingseigenschaften. Was Wesen und Temperament angeht, sind wir ziemlich kompromisslos, gerade weil die auch durch den Kontakt der Mutter mit den Welpen (durchaus bereits im Mutterleib) auch erworben werden können. Ein Hund mit deutlichen Gebäudefehlern würde bei uns auch nicht in die Zucht gehen. Die Erkrankung von „Cocaines“ Schwester hat uns sehr getroffen. Epilepsie ist eine furchtbare Erkrankung – nicht nur für den Hund selber, sondern auch für sein gesamtes Umfeld. Leider ist „Motte“ vorletztes Jahr kurz vor Weihnachten, nachdem sie sich gerade frisch für die WM Qualis und die Deutsche Meisterschaft qualifiziert hatte, innerhalb weniger Tage verstorben. Wir können uns glücklich schätzen, dass sie trotz allem ein glückliches aktives Leben hatte und sieben Jahre alt geworden ist. Die Prognose bei Border Collies mit dieser Erkrankung liegt oft bei gerade 2,5 Jahren.
Nur sportlich geführte Hunde können züchterisch bezüglich ihrer Arbeitsqualität beurteilt werden.
D&G Keltic Kay, eine Enkelin von D&G Ewephoria wird in der Schweiz von Isabelle Grossenbacher im Obedience geführt. Foto: jaggipictures.ch
geführt. Natürlich ist der messbare sportliche Erfolg sehr stark vom anderen Ende der Leine abhängig, aber in dieser Geschlossenheit ist das schon eindrucksvoll. Alle vereinen genau die Eigenschaften, die wir uns gewünscht haben und verfügen über ein sehr funktionelles Gebäude. Umso trauriger ist es, dass „Cocaine“ leider nicht in die Zucht gehen konnte.
Wie siehst du den Border Collie als Familienhund? Gibst du auch Welpen an Nichthundesportler ab? Eva Hampe: Jeder Sporthund ist ja auch Familienhund. Sucht man allerdings einen reinen Familienbegleithund, ohne Interesse an gezielten gemeinsamen Aktivitäten, gibt es deutlich geeignetere Rassen. Wir geben unsere Welpen in der Regel an Hundesportler ab, wobei es uns wichtig ist, dass der Hund eben nicht nur Sportgerät ist. Allein, um die Arbeitsqualitäten beurteilen zu können, ist es aus züchterischer Sicht sinnvoll, wenn die Hunde auch sportlich gefördert werden. ■ sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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Foto: Constanze Rähse
Eigentlich sollte Rex vorauslaufen. Das ist die letzte Übung der Abteilung B im IGP-Sport. Im Training klappt das immer perfekt: schnell und schnurgerade. Am Prüfungstag biegt Rex plötzlich zu den Hölzern ab.
„DAS HAT ER NOCH NIE GEMACHT!“ TEXT: KATHRIN OVERRÖDDER
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„Das hat er noch nie gemacht!“ HUNDESPORT Jeder Hundesportler wird es kennen. Aber warum ist das so? Nun, eine Prüfung ist eben kein Training und einer der häufigsten Gründe ist die fehlende Generalisierung in diesem. Was erstmal so einfach klingt, entpuppt sich häufig als komplexe Herausforderung für Mensch und Hund.
Man muss das Lernverhalten von Hunden verstehen, um eine effektive Generalisierung in seinen Trainingsplan einzubauen. Nur nicht ablenken lassen Schauen wir uns den Begriff der Generalisierung einmal näher an, so zeigt bereits der Begriff, dass es darum geht, ein Verhalten generell zeigen zu können. Aus Hundesicht also unter sich verändernden Rahmenbedingungen. Denn der Hund muss im Hundesport nicht nur die jeweilige Übung nach Angaben der Prüfungsordnung kennen und vorführen können, sondern dieses Können auch unter allen Ablenkungen der Prüfung fehlerfrei vorzeigen. Ob das Prüfungsgelände zum Beispiel direkt an einer viel befahrenen Straße ist oder ob neben dem Hundeplatz einige Schafe gemütlich grasen,
ob viele oder wenig Zuschauer da sind, die sich vielleicht laut unterhalten oder ob gerade Würstchen auf dem Grill brutzeln. Der Hund muss in der Lage sein, diese vielen ungewohnten Reize auszublenden und sich auf die Übung zu konzentrieren. Hunde lernen sehr ortsgebunden Dazu muss man wissen, dass Hunde sehr ortsgebunden lernen und Gelerntes nicht automatisch in andere Situationen übertragen. Um das leisten zu können, benötigt der Hund „die Kenntnis und das Können der einzelnen Teilschritte der Übung, das Gesamtbild der Übung, das Ankündigungswort, die Konzentrationsfähigkeit auf das Wesentliche und das eigenmotivierte Durchhaltevermögen“, erklärt Christiane Rohn, Kommunikationsexpertin für Hunde, die Komplexität der Generalisierung. „Das ist eine riesige Herausforderung für den Menschen als Erklärenden, denn erst durch die Generalisierung erkennen wir, ob unser Hund verstanden hat, was wir erklären wollten und ob er das Erklärte in jeder Situation selbstbewusst ausführen kann“, so Rohn weiter. Schnell wird also klar, warum die Generalisierung in der Hundeausbildung, insbesondere im Hundesport, so eine große Bedeu-
CHRISTIANE ROHN ist Sachverständige für Hunde – insbesondere gefährliche Hunde – und Kommunikationsexpertin. Sie ist Inhaberin der Firma DogSense® (§11 8f) und 1. Vorsitzende des Argenhofes – Gnadenhof Lebenswürde für Tiere e. V., auf dem sie unvermittelbare Hunde aufnimmt. Außerdem ist sie Ausbilderin beim DRK für Rettungshunde und Therapiehunde.
tung hat oder besser gesagt, haben sollte. Denn allzu oft wird dem Thema Generalisierung im Training noch zu wenig Beachtung geschenkt und dann fällt eben nach einer Prüfung der Satz „Komisch, im Training kann er das!“. Fehlende Generalisierung kann Punkte kosten Wenn ich als Hundesportler nun erkannt habe, wie sehr dieses Thema über meinen Erfolg oder Misserfolg im Turnier entscheiden kann, dann stellt sich schnell die Frage: Wie fange ich am besten an? sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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„Wenn wir beispielsweise immer mit unserem Trainer auf dem Platz üben und an einer Prüfung steht der Trainer am Rand, könnte es passieren, dass uns unser Hund über die ganze Prüfung hinweg darauf aufmerksam machen möchte, dass der Trainer noch nicht da ist, sich nicht auf den Platz traut oder wir zu früh gestartet sind. Hunde denken genauso mit, wie wir Menschen. Sie suchen einen Sinn in Handlungen und sie verknüpfen Erklärtes so wie wir auch. Für den Hund ist es eine Choreografie zu dritt, die so erklärt, jedoch plötzlich geändert wurde.“ 28
Foto: Jan Redder
„Zuerst sollte man die eigene Wahrnehmung schulen“, so Rohn. „Denn Hunde nehmen nicht nur unsere Erklärwege auf, sondern erleben zeitgleich auch unsere unbewussten Empfindungen und die damit verbundenen körpersprachlichen Ausdrucksweisen, unseren Tonfall, die Emotionen und vieles mehr“, Christiane Rohn weiter. Wir wissen also niemals, was der Hund wirklich bewusst empfindet, wahrnimmt und mit der Übung verknüpft. Denn die Generalisierung ist ständig vorhanden und wir wissen nicht, was der Hund wirklich alles verallgemeinert im Training. Das ist übrigens bei uns Menschen nicht anders. Zum besseren Verständnis ein kleines Beispiel:
Normalerweise ist die Aufnahme immer sicher, aber wenn die Konzentration nachlässt, gehen die Punkte.
Die richtige Dosierung ist entscheidend Daher sollten diese Veränderungen im Training sehr dosiert und auf den jeweiligen Hund angepasst durchgeführt werden. Die Grundlage einer guten Generalisierungsfähigkeit ist eine angepasste und perfekte Balance zwischen zu wenigen und zu vielen Reizen, einer angemessenen Steigerung unter der Berücksichtigung, dass der Hund das Gelernte auch verarbeiten muss. Das ist für den Menschen nicht immer leicht zu erkennen. Wichtig ist vor allem, dass man nicht den Hund für ein falsches Verhalten verantwortlich macht. Denn oft schauen wir nicht richtig hin, wenn unser Hund eine Übung in der Prüfung nicht korrekt ausführt. Nehmen wir an, unser Hund ist ein ruhiges Trainingsgelände gewöhnt und eine Prüfung findet auf einem Gelände an einer viel befahrenen Straße statt. Dann kann der
Lärm, die schnellen Bewegungsreize der vorbeifahrenden Autos, verbunden mit unserer Prüfungs-Anspannung viele Gründe für Missverständnisse auslösen. Der Hund kann in den Autos die Ursache für unsere Anspannung erleben und sich daher eher auf unsere Verteidigung konzentrieren, er kann durch die erhöhte Konzentration, verursacht durch den Lärm und das erschwerte Hören, schneller müde oder durch die stressbedingte Gesamtsituation reizempfindlich werden. Für uns Menschen scheint der Hund kein Problem mit der Straße zu haben, denn er reagiert ja nicht direkt auf die vorbeifahrenden Autos. Aber dieser zusätzliche Stress kann sich darin zeigen, dass der Hund zum Ende der Prüfung mehr Fehler macht, weil er erschöpft ist. Wenn der Mensch dann auch noch auf das hilfesuchende Verhalten des Hundes keine passenden Reaktionen zeigt, weil er dies ja gar nicht wahrnimmt, kann das zu extremen Verhaltensäußerungen führen, die wiederum vom Menschen unverständlich empfunden werden. Kein Training ohne Generalisierung Klar ist also: Generalisierung findet immer statt: Ob wir wollen oder nicht. Denn wir trainieren nie in einer Laborsituation, sondern immer „im echten Leben“.
„Das hat er noch nie gemacht!“ HUNDESPORT
Ein PRAXISTIPP! Christiane Rohn hat dazu einen Tipp! „Je nach Eigenentwicklung des Hundes fördere ich Hunde in der Kommunikationsfähigkeit, der Stressbewältigung, der Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit, im Selbstbewusstsein und in der Eigenmotivation. Ich schule mich jedoch ebenso in allen Bereichen, denn es nützt nichts, wenn nur der Hund die Nerven in schwierigen Situationen behalten kann und ich durch meine Anspannung für eine Vielzahl von Missverständnissen sorge. Ich baue möglichst Abwechslung, die jedoch auf keinen Fall belastend ist, in mein Training ein, sodass meinem Hund klar werden kann, was nichts mit der eigentlichen Übung zu tun hat und egal wo ausgeblendet werden kann.
Die gute Verständigung ist die wichtigste Grundlage und deshalb versuche ich möglichst viel Feedback von meinen Hunden zu erhalten, um zu wissen, was von ihnen verstanden wurde. Das Verknüpfen, Ausblenden, Verallgemeinern, Zusammenhänge begreifen und das Wissen und Können der Abläufe ist für Mensch und Hund gleichermaßen wichtig. Mein größter Tipp ist, Hunden ein Mitspracherecht zu geben, ihnen zuzuhören und mit ihnen gemeinsam Lösungswege zu finden. Dann können Hunde sich sehr gut auf jede Veränderung einstellen, denn sie haben die Möglichkeit auszusprechen, was sie nicht verstehen, wovor sie Angst haben und auch eigene Ideen mit einzubringen.“
Daher müssen wir immer wieder hinterfragen, was genau der Hund in diesem Moment wahrnimmt, welche Teilschritte der Übung er versteht und wie viel Ablenkung er bewältigen kann. Zudem sollten wir unsere Sinne schärfen, um besser sehen und verstehen zu können. Und beim nächsten Turnier vielleicht nicht denken „Komisch, im Training kann er das!“, sondern eher „Was hat dafür gesorgt, dass mein Hund diese Übung nicht korrekt ausführen konnte. Und vor allem: Wie kann ich meinen Hund besser auf solche Situationen vorbereiten…?“ Für das Training mit Rex werden die Sprunggeräte und der Apportierholzständer jetzt immer mal anders gestellt. Dann läuft's auch wieder schnell und schnurgerade. Und der Eindruck der letzten Übung ist ja schließlich auch wichtig! ■
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Experten-Interview mit Sebastian Schäfer
„Bei uns besteht eigentlich das gesamte Training aus Generalisierung!“ Bei kaum einem Hundesport ist das Thema Generalisierung so wichtig wie beim Mondioring. Deswegen haben wir den zweifachen Weltmeister Sebastian Schäfer gefragt, wie er mit dem Thema umgeht und wie er es in sein Training mit seinen Hunden einbaut. Foto: Sebastian Schäfer (Tecdox) mit Nachco (5)
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„Das hat er noch nie gemacht!“ HUNDESPORT
Wie wichtig ist Generalisierung im Mondioring? „Beim Mondioring wird für jede Prüfung ein neues und einzigartiges Szenario erstellt. Das Prüfungsgelände wird also mit verschiedenen Objekten dekoriert und gestaltet. Es kann also sein, dass auf einmal ein Pferdeanhänger mit Stroh, ein Zaun mit künstlichen Schweinen und eine Futtertränke auf dem Prüfungsgelände stehen. Dazu entscheidet der Richter noch über viele Details der Prüfung. Wo zum Beispiel Geruchshölzer versteckt werden oder welcher Gegenstand apportiert werden muss. Je nach Einfallsreichtum des Richters erwartet uns also immer wieder ein komplett neues Bild. Daher ist klar, dass Generalisierung für den Mondioringsport extrem wichtig ist.“ Wie viel Zeit deines Trainings steckst du in das Thema? „Grundsätzlich besteht unser Training immer auch aus der Generalisierung – denn wir trainieren eigentlich nie auf einem leeren Hundeplatz. Wir gestalten jedes Training anders, um unsere Hunde bestmöglich auf den Prüfungsablauf vorzubereiten. Inspiration hole ich mir dafür aus vergangenen Prüfungen, die ich selbst erlebt habe, oder Videos von den verschiedensten Prüfungen im Internet. So wird das Training auf jeden Fall nie langweilig!
{ I N TE R V I E W }
Im Grunde dreht sich das ganze Leben des Hundes um das Thema Generalisierung. Denn ich trainiere auch einfach mal an ungewöhnlichen Orten wie einem Stadtpark oder in der Fußgängerzone.“ Ab wann startest du mit der Generalisierung im Training? „Ich beginne bereits im Aufbau damit, dass ich die Übungen sehr abwechslungsreich gestalte. Ich baue schon bei Junghunden den Prüfungsablauf mit ins Training ein und auch schon – aber nur sehr dosiert – Ablenkungen. Ich würde mit einem Junghund zum Beispiel nicht in einem Stadtpark trainieren. Aber sie lernen bereits im Aufbau, dass es Ablenkungen gibt und sie sich auf das Wesentliche, nämlich die Übung an sich, konzentrieren sollen.“ Hast du Tipps, wie man das Training am besten gestaltet? „Schaut euch Videos von Prüfungen an und stellt sie einfach nach. Aber immer so, dass der Hund die Übung trotzdem noch bewältigen kann. Es bringt gar nichts, dass man den Hund damit überfordert. Er muss erstmal die Übung beherrschen und dann kann man langsam und dosiert mit der Ablenkung anfangen, die der Hund noch leisten kann.“
Foto: Tecdox
Sebastian Schäfer ist zweifacher FMBB Weltmeister im Mondioring und internationaler Prüfungshelfer im Mondioring. Er ist 10-facher WM-Teilnehmer (FCI + FMBB) und bietet Seminare im Bereich Mondioring an.
Sebastian Schäfer mit dem vierjährigen Dart an der Palisade.
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PR-Artikel
Dauerhafte Hundegesundheit fördern
Auf die richtigen Impulse in Haltung und Fütterung kommt es an 32
Dauerhafte Hundegesundheit fördern GESUNDHEIT
Prävention, Problemlösung, Potenzialentfaltung* Wenn ein Hund in unser Leben kommt, zieht nicht nur große Freude, sondern auch große Verantwortung bei uns ein. Denn wie zufrieden, ausgelastet und auch gesund unser Tier ist, liegt wesentlich in unserer Hand. Gesundheit ist wiederum eine wichtige Voraussetzung für viele großartige Dinge, die wir mit Hunden erleben können. Umso mehr, wenn wir sportlich aktiv sein möchten. Gibt es ein Zaubermittel für dauerhafte Hundegesundheit? Etwas, das Hunde in jedem Alter vital erhält? So schön das wäre: Wie so oft, führt auch beim Thema Gesunderhaltung selten nur ein Faktor zum Erfolg. Vielmehr kommt es auf ein gutes Zusammenspiel aller wichtigen Bausteine an. Denn ähnlich wie der Hundeorganismus ein hochkomplexes System aus vielen Organen, Botenstoffen und Zellen ist, die auf eine reibungslose Zusammenarbeit angewiesen sind, greifen auch in der Hundehaltung verschiedene Rädchen ineinander.
Ein hochwertiges Futter etwa nützt wenig, wenn der Hundekörper durch die ein oder andere Problemstelle abgelenkt ist. Häufig funktioniert dann die Nährstoffverwertung nicht richtig. Auch Stress kann Hunden wortwörtlich auf den Magen schlagen und die normalen Verdauungsprozesse aus dem Takt bringen. Eine chronische Erhöhung des Stresshormons Cortisol stört zudem körpereigene Regulationssysteme wie Immunsystem und Säure-Basen-Balance. Das schwächt den Organismus und kann Krankheitsrisiken erhöhen. Dauerhafte Hundegesundheit entsteht also nicht zufällig. Sie ist – fast immer – das Ergebnis eines guten Konzepts in Haltung und Fütterung. Dementsprechend liegt hier die Ursache vieler gesundheitlicher Probleme. Gibt es Defizite in einem Bereich des Hundelebens, wirkt sich die „Baustelle” früher oder später auf das große Ganze aus. Der Hund hängt in einem Teufelskreis fest –
Die GladiatorPLUS Milieufütterung Das Konzept der Milieufütterung entstand aus langjährigen Beobachtungen und der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass das Körpermilieu Einfluss auf sämtliche Organe und Prozesse eines Organismus hat. Mit Hilfe der richtigen Impulse soll das Körpermilieu in seinem natürlichen Zustand erhalten werden. Für vital arbeitende Organe, einen guten Stoffwechsel, eine problemlose Entgiftung und ein normales Immunsystem. Die Idee der Milieufütterung ist es, im Zusammenspiel mit einer artgerechten Haltung und Fütterung gute Bedingungen in jedem Bereich des Körpers zu wahren, sodass er sich selbst auf ein neues Vitalitätslevel bringen und dieses dauerhaft erhalten kann. *Prävention als aktive und natürliche Gesunderhaltung. Problemlösung als Ausgleich fütterungsbedingter Problematiken. Potenzialentfaltung für einen Körper in seiner natürlichen Kraft. Mehr Gesundheitswissen: www.gladiatorplus.com/hundesport
äußerlich wie innerlich. Denn das innere Körpermilieu ist ein Spiegel des äußeren Milieus, in dem der Hund lebt. � Stark durch Wissen und Lösungen Hier setzt das GladiatorPLUS Wissenskonzept an und steht Hundebesitzern mit Wissen, Lösungen und einem langjährigen Erfahrungsschatz zur Seite.
Immer mit dem Ziel, Hundegesundheit zu fördern. Denn nur wer weiß, was sein Hund braucht, was ihn körperlich und psychisch fit erhält, kann ihn optimal unterstützen. Das Fundament der Bausteine ganzheitlicher und dauerhafter Hundegesundheit ist die Milieu-fütterung zur ernährungsphysiologischen Pflege und Unterstützung des Körpermilieus. Denn ein Körpermilieu sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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im natürlichen Gleichgewicht ist eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung fast aller anderen Bausteine. Das Körpermilieu beeinflusst unter anderem, wie gut Nährstoff verwertung und Energiestoff wechsel funktionieren. Weitere zentrale Bausteine sind optimales Training und, damit zusammenhängend, die Mensch-Hund-Beziehung: Je harmonischer diese ist, desto besser klappt die Kommunikation im Hundesport. Entscheidend für gutes Training oder eine erfolgreiche Prüfung ist auch die Tagesform. Sind Hund oder Mensch krank, bringt die beste Trainingsvorbereitung nichts. Bei Sporthunden spielt zudem die Gesundheit des Bewegungsapparates eine große Rolle. Ein weiterer wichtiger Baustein: Die Fähigkeit zur Regeneration. Nur Hunde, die sich in Erholungsphasen gut regenerieren können, sind
startklar für neue Herausforderungen. Auch mentale Stärke und klar definierte eigene Ziele haben im Sport große Bedeutung. Sie schärfen den Blick für das Wesentliche und helfen, fokussiert zu bleiben. Wie weit wir die Bausteine für uns und unseren Hund nutzen möchten, haben wir selbst in der Hand. Doch je mehr positive Impulse wir als bewusste Halter setzen, desto mehr Gutes tun wir für die Vitalität und Arbeitsfreude unseres Tieres. Dann können die Bausteine der ganzheitlichen und dauerhaften Hundegesundheit mit Leichtigkeit ineinandergreifen und sich im Zusammenspiel gegenseitig verstärken. Positive Kreisläufe werden im Körper angestoßen und stabil gehalten, damit er sich selbst gesund erhalten kann. Und damit die große Verantwortung, die wir für unseren Hund tragen, keine Bürde ist, sondern uns glücklich macht.
Dauerhafte Hundegesundheit entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis eines guten Konzepts in Haltung und Fütterung. 34
Dauerhafte Hundegesundheit fördern GESUNDHEIT
AGILITY
6.-10.10.2021 FCI Weltmeisterschaft Pecica (RUM)
11.-12.9.2021 DVG BSP + PARA Agility Emmendingen (DE)
DOGDANCE
23.-26.9.2021 FCI WM Agility abgesagt Estland
20.-22.8.2021 VDH Deutsche Meisterschaft Höhr-Grenzhausen
4.-5.12.2021 VDH DM/DJM Agility Hemsbach (DE)
7.-10.10.2021 offene Europameisterschaft St. Petersburg (RUS)
IGP
FÄHRTE 26.-31.10.2021 FCI Weltmeisterschaft Kincsem-Lovapark (HUN)
7.-10.10.2021 SV BSP Meppen (DE)
29.-31.10.2021 DVG BSP Stockelsdorf (DE)
8.-12.9.2021 FCI Weltmeisterschaft Apeldoorn (NED) abgesagt
DOGFRISBEE
31.10.-7.11.2021 WUSV Weltmeisterschaft Lerma (ESP)
RETTUNGSHUND 4.-7.11.2021 FCI Team Weltmeisterschaft Craiova (RUM)
RALLY OBEDIENCE 18.-19.9.2021 SV BSP Thale (DE)
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25.-26.9.2021 UFO European Cup & Small dog World Cup Piemonte (ITA)
THS 9.-10.10.2021 VDH Deutsche Meisterschaft Wieze (DE)
OBEDIENCE 12.-15.8.2021 FCI Weltmeisterschaft Wichtrach (CH)
Die Corona-Krise ist leider immer noch unberechenbar. Einige Meisterschaften finden wieder statt, für andere besteht zumindest noch Hoffnung auf Durchführung. Bitte informiert euch auch bei den Veranstaltern.
Foto: Jan Redder
MONDIORING
TOPHUNDESPORTTERMINE
SPORTHUNDGEWINNSPIEL
SCHÜTTELWORT: In diesem Rätsel sind die Buchstaben unserer zehn Begriffe alphabetisch sortiert. Kombiniere diese nun so, dass sich die gesuchten Begriffe ergeben.
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U W
1
Ä
ein Zuchtauswahlkriterium
2
Y
Kennelname Border Collie-Zucht von Eva Hampe
3
Begriff aus dem Zughundesport
4
unerlaubte Leistungssteigerung im Hundesport kontraktile Organe zur Bewegung des Körpers zweifacher Weltmeister im Mondioring (Vorname) Begründer Verein für Deutsche Schäferhunde
P
Z
5 6 7 8
„Taschenrakete“ (Hunderasse)
9
Veranstaltungsort SV-BSP 2021
10
Teilnahmebedingungen: Sende das Lösungswort, deinen Namen und deine vollständige Postanschrift per E-Mail an
Einsendeschluss:
23. September 2021
gewinnspiel@sporthund.de
Sende dein Lösungswort an: gewinnspiel@sporthund.de und sichere dir die Chance auf eine Maelson Cosy Roll 100 Reisedecke im Wert von 60 EUR.
Lösungswort: 1
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Foto: Constanze Rähse
A
V
Übung im Obedience
Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Unter allen Einsendungen verlosen wir eine Cosy Roll 100 Reisedecke von Maelson im Wert von ca. 60 EUR (UVP). Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Es besteht auch kein Anspruch auf Auszahlung oder Ausgabe eines Ersatzgewinns. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die vom Teilnehmer angegebenen Daten werden nach Maßgabe der DSGVO behandelt. Die Datenschutzerklärung findest du unter www.sporthund.de/ datenschutzerklaerung
sporthund.de ∙[Heft 4/2021]
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RUBRIK Impressum & Vorschau
Herausgeber: LEROI GmbH Geschäftsführer: Florian König, Olaf König Am Schneckenhof 9 D-74626 Bretzfeld-Geddelsbach Email: magazin@sporthund.de Tel.: +49 (0) 79 45 / 9 41 01 01
Scan mich!
IMPRESSUM
DIE ANATOMIE DES SPRUNGES Foto: Jan Redder
Erscheinungsweise: 6x jährlich
Foto: Markus Platzbecker
Fotoquellen: Jan Redder, Nadine Krei, Markus Platzbecker, Eva Hampe, jaggipictures.ch, tecdox (Schäfer), Constanze Rähse, AdobeStock
DIE MUSKELN DÜRFEN VOLUMINÖS SEIN Muskeln müssen schließlich in der Lage sein, große Spannung zu erzeugen. Hundesport braucht Muskeln, wenn man lange gesund mitmischen will. Eine trainierte Muskulatur in Topform verringert das Risiko für eine Sportverletzung.
Hundesport Kynologie
Hinweise:
MULTITOOL NASE Foto: AdobeStock / Faba
Kein Teil dieses Magazins darf ohne Genehmigung des Herausgebers vervielfältigt oder verbreitet werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Eine Haftung für Ratschläge unserer Experten kann nicht übernommen werden. Der Herausgeber behält sich das Recht vor, veröffentlichte Artikel, Beiträge und Fotos auch in seinen anderen Publikationen (In- und Ausland, im Web und elektronisch) ohne weitere Vergütung und Nachfrage zu veröffentlichen. Die Nutzungsrechte an eingesandten Leserfotos gehen mit Einsendung automatisch auf die Leroi GmbH über.
Der zweite Teil unserer Biomechanik-Reihe fokussiert sich auf „Springen“. Das ist ein wichtiges Element in vielen Hundesportarten und mitnichten nur eine Trainingsgeschichte!
Hundesport Kynologie
Druck: Saxoprint GmbH Auflage: 5.000 Stück
Unsere nächste Ausgabe erscheint Anfang Oktober 2021
Hundesport Kynologie
Gesamtkonzept & Layout: Constanze Rähse, Neuhaus an der Pegnitz Lektorat: Dipl.-Germanistin (Univ.) Cordula Scheffner, Viersen
VORSCHAU #12
Für uns Menschen oft unvorstellbar, was unser vierbeinige Freund alles mit seiner Nase kann. Wir, die eher visuell unterwegs sind, haben gelernt dem hundlichen Hochleistungsorgan zu vertrauen und es vielfältig zu nutzen. Kurzfristige Änderungen vorbehalten. Wir bitten um Verständnis.
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Schnapp dir die passende Scheibe! Hyperflite Jawz
Hyperflite Competition
Guido Averesch mit Phoebe Platz 4 „combined“ UFO Major Bremen (Stadtmusikanten-Cup 2021) Foto: Nadine Krei
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MAN SOLL SICH GEGENSEITIG HELFEN, WENN’S MAL SCHWER WIRD! Foto: Constanze Rähse
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