AUSGABE 01/2022
DAS SCHÜLER:INNEN-MAGAZIN VOM LEONARDO-DA-VINCI-GYMNASIUM
EIN HEFT ÜBER ZUKUNFT
§
DIE PARAGRAPHEN Was wir dürfen und was nicht
WOHIN?
VISIONEN
Was Mitschüler:innen zurm Thema Zukunft einfällt
LK-WAHL
Wie wärs denn mit Chemie oder Englisch?
PEACE
Frieden für die Ukraine www.leonarda.koeln
Bilder zum Thema Zukunft von:
[1] Elisa Panek | 6D [2] Ida Stüwe | 6B [3] Jonathan Zwernemann | 5D [4] Simon Tigges| 5B [5] Nomi von Cysewski | 6B
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[2] [3] [4]
2 Leonarda 1/2022
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Editorial
A STAR IS BORN
S MEHR IM NETZ Dies sind nur einige Werke zum Projekt Zukunft. Weitere tolle Bilder findet ihr auf Seite 14 und eine Slideshow erwartet euch unter leonarda.koeln.
eptember 2021, der Geburtsmonat dieses Schüler:innen-Magazins, der Leonarda. Damals haben wir noch in kleiner Runde zusammen gesessen, ohne eine konkrete Ahnung davon, in welche Richtung sich dieses Projekt entwickeln würde. Einen richtigen Plan davon, was wir hier überhaupt machen wollen, hat es auch noch nicht gegeben. In den ersten paar Sitzungen haben uns, als junge Redaktion, spürbar diese bewegenden Fragen begleitet: »Wo wollen wir hin? Wo soll es hingehen? Wie soll die Zukunft der Leonarda (der Name hat damals auch noch nicht festgestanden) aussehen?« Und um das Thema »Zukunft« geht es in dieser ersten, ganz besonderen Ausgabe der Leonarda. Die bevorstehende Zeit stellt viel Neues bereit, worüber nachzudenken es sich oft auch jetzt schon lohnt. Sie vergeht schnell und auf manches, das für viele von euch noch in der Ferne liegt, blickt manch anderer in seiner Vergangenheit. Krieg, Einsamkeit, Abitur – die Zukunft allgemein kann sehr einschüchternd sein. Manchmal bedarf es ein wenig Mut, sich mit ihr auseinanderzusetzen. In dieser Ausgabe findet ihr bemerkenswerte Beiträge über schulische, gesellschaftliche, persönliche Entwicklungen und Erfahrungen und ihr könnt außerdem lesen, was die Zukunft für schöne Dinge mit sich bringen kann. Ihr erfahrt von ehemaligen Schüler:innen (und einer Lehrerin), wie diese mit all dem Ungewissen umgegangen sind, wie ihre Zukunft aussehen mag und auch wie jetzige Schüler:innen über die Zukunft in und nach der Schule denken. Wie schnell sich die Gegebenheiten ändern können, haben wir auch gemerkt, als unser Team in den letzten Monaten immer mehr neue Mitglieder gewonnen hat. Fieberhaft haben wir auf die Veröffentlichung unserer ersten Ausgabe hingearbeitet. Wir freuen uns sehr, euch diese nun präsentieren zu können, wünschen euch viel Spaß beim Lesen und sind gespannt auf die Resonanz. Von uns für euch, Eure LEONARDA-Chefredaktion
Nino Nicodemo
Antonia Ritzenhoff
Wilma Klabunde
Lotte A. L. Matull
1/2022 Leonarda 3
INHALT 01/2022
TITELTHEMA
2
2 Ausdrucksstark
Was Schüler:innen zum Thema Zukunft gemalt haben
6 Dystopie
24 Die Chemie muss stimmen!
7 Haltestelle
Was ihr bei der Wahl eurer Leistungskurse beachten solltet. Heute: Chemie und Englisch
Emily Zeinar ist noch nicht am Ziel und schreibt darüber ein Gedicht.
8 Zukunftsvisionen
B
C
Die Gewinner:innen des Fotowettbewerbs stehen fest.
9 Angst und Hoffnung Eure Gedanken sind uns wichtig. Umfrage zum Titelthema COURAGE
IM GESPRÄCH
D
E
26 Abschied
Frau Schmitt im Ruhestand. Uns erzählt sie, wie und warum sie Lehrerin wurde. KULTUR & KUNST
6
27 Tag am Strand
Eine Schülerin erlebt den Strand mit allen Sinnen.
10 Keine Chance für Diskriminierung!
28 Doppelgänger unterwegs
Workshop der Organisation Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage
12
POLITIK UND SOWI
12 Gebärdensprache Wie fühlen sich Menschen, die einander nicht verstehen können?
H
14 Ankunft Köln
I
Mitschüler Miron aus der Ukraine berichtet von seinem Leben in Köln. STUFENFAHRTEN
16 Berlin-Berlin
Eine Reise zum Jüdischen Museum in Berlin. Außerdem ein Gedicht zur unvergesslichen Stufenfahrt.
4 Leonarda 1/2022
Die Wahrhaftigkeit der Geschichte ist wie ein tiefer Schlag in die Magengrube. LK-WAHLOMAT
Ein Blick in die Zukunft via Virtual Reality
A
20 Dachau
16
J
K
Schüler:innen der 6a haben berühmte Bilder der Kunstgeschichte nachgestellt.
30 Vernissage
LK-Kunst präsentiert bemerkenswerte Werke
L
REZENSIONEN
32 Jugend ohne Gott
Junge Schauspieler:innen setzen sich mit Hass und Hetze auseinander.
33 Penthesilea
Bedingungslose Liebe und maßlose Leidenschaft – Literaturkurs verfilmt Kleist-Klassiker.
34 Nathan der Weise
Glaube: eine Frage der Sozialisation oder des Erbes?
15
Kolumne: Lars Beier fordert einen bewussteren Umgang mit Nachrichten.
28
24
38 WAS IST...?
36 Nicht-Binär
Weder Mann noch Frau? Nichtbinäre Geschlechtsidentität einfach erklärt
32
STANDARDS
3 Editorial 13 Impressum
37 LGBTQIA
Wofür stehen eigentlich die einzelnen Buchstaben? Wir klären es auf! SV-AKTUELL
38 Spendenaktion
... und was wir sonst noch geschafft haben. DIE PARAGRAPHEN
40 Schummeln
Was erlaubt ist und mit welchen Strafen du (nicht) rechnen musst.
LEONARDA IM NETZ Die Leonarda ist mehr als nur ein Heft! Du findest uns außerdem in deinem Browser und auf Instagram über die unten angegebenen Links. Besuche uns auch dort und sei immer bestens informiert!
EX-LEOS – WAS JETZT?
42 Erst mal entspannen
Ben Fodera und Hayat Ouardi im Gespräch mit Olivia Kirmanidis und Emily Zeinar.
leonarda.koeln instagram.com/ leonarda.zeitung
1/2022 Leonarda 5
Titelthema
D Y S T O P I E
Fatih Kaya
6 Leonarda 1/2022
Titelthema
NOCH NICHT AM ZIEL Ein Gedicht von Emily Zeinar
Ich will gehen weit weit weg, der aktuelle Stopp ist hübsch die Aussicht ist schön ein sehr komfortables Versteck. Sehe die da vorne an Haltestelle 20, Neid ich bin erst bei Stopp 3. Mir ist klar ich bin noch nicht bereit und doch kann ich nicht mehr warten dumm sie zu vergleichen 20 und 3 ich tue es trotzdem im ewigen Streit, Station 3. Es ist schön hier zu sein, du bist zwar nicht im Ziel aber weist mir den Weg zum nächsten Gleis. Will dass du weißt dass ich dankbar bin also verzeih, wenn ich dir manchmal das Gefühl gebe nicht mehr zu sein als Station 3.
Auf vollständige Zeichensetzung wurde aus lyrischen Gründen bewusst verzichtet.
1/2022 Leonarda 7
Titelthema
Zukunftsvisionen
Gewinner des Foto-Wettbewerbs Anfang des Jahres haben wir alle Schüler:innen dazu aufgerufen, an unserem FotoWettbewerb zum Thema "Zukunftsvisionen 2022" teilzunehmen. Wir wollten wissen, wovon ihr träumt, was ihr euch wünscht oder wovor ihr Angst habt. Aus den vielen interessanten Zusendungen hat die Redaktion in anonymer Abstimmung über die besten Motive abgestimmt.
Ida Krämer aus der 6A hat mit ihrem Bild den ersten Platz erklommen. Sie teilt mit dem Foto ihre Idee, dass unsere Haustiere sich zu viel von uns abgeguckt haben und es uns dann nachmachen. Ihr Appell: Menschen sollen nicht zu weit in die Tierwelt eingreifen. Den zweiten Platz erreichte Malu Schmidt mit ihrem Bild „Angst vor Krieg“. Sie schoss das Foto wenige Tage vor dem Ausbruch des UkraineKriegs. Tasnim Ardouz träumt auf dem dritten Platz davon, Harry Potter einmal persönlich zu treffen. Und auch viele weitere Eingänge haben der Redaktion hervorragend gefallen. So erzählt uns die Bilderstory von Nihal Lectibi, wie man gebrauchte Masken entsorgt. Elin Grandl und Mathilda May sind so wunschlos glücklich, dass sie Bäume umarmen.
Platz 1: Surfendes Meerschweinchen | Ida Krämer 6a
Platz 2: Angst vor Krieg | Malu Schmidt 5B
Platz 3: Besuch von Harry Potter | Tasnim Ardouz 5A
Bild Silhouette: Pixabay / Mohammed Hassan
Wunschlos Glücklich | Elin Grandl, Mathilda May
Gebrauchte Masken | Nihal Lectibi
8 Leonarda 1/2022
Titelthema
Kartenlegen von Lotta Borchers, Wilma Klabunde und Klara Dör rwächter
Unsere Umfrage zum Titelthema im Frühjahr 2022: an unserer Schule stellen sich die Schüler:innen ihre Zukunft völlig unterschiedlich vor. Während die einen mit dem Begriff Zukunft UNGEWISSHEIT verbinden, denken die anderen vor allem an HOFFNUNG in ihrem Leben. Herausgefunden haben wir dies durch einen Rundgang im alten Schulgebäude in der Blücherstraße, wo jede und jeder aus den Jahrgängen 8 bis Q2 per Internetabfrage einen Begriff ihrer
bzw. seiner Wahl zu unserem Titelthema „Zukunft“ nennen konnte. Je mehr Schüler:innen dasselbe Wort mit dem Begriff Zukunft verbinden, desto größer erscheint dieses Wort im Ergebnis unserer Umfrage. Auch wenn die Gedanken an die eigene Zukunft sehr individuell sind, kann man doch Gemeinsamkeiten erkennen, z.B. bei der Nennung der Begriffe FRIEDEN und ANGST. Vielen Dank an alle, die unsere Zeitung mit dieser Umfrage unterstützt haben! 1/2022 Leonarda 9
Courage
Workshop gegen Diskriminierung
Bild: Pixabay / Gerhard Janson
Eine Reportage von Wilma Klabunde
Ein Glück, dass es an diesem trüben Dezemberwochenende am Rande des Ruhrgebiets nicht schneit. Mit meinem Rucksack auf dem Rücken und einer Umhängetasche über der Schulter gehe ich die rutschige Treppe hoch, zum Eingang des Jugendbildungszentrums Hattingen. Ich öffne die Tür und werde von Jutta Babenerd von der Landeskoordination für Schule ohne Rassismus/ Schule mit Courage - der Organisatorin des Seminars - in Empfang genommen. Ich melde mich an und bekomme ein Zimmer zugeteilt. Das Zimmer ist minimalistisch eingerichtet. Beim Eintreten fällt mein Blick auf ein Einzelbett. Links neben der Tür steht ein Schrank, rechts neben der Tür ein Schreibtisch. Eine weitere Tür im Raum führt mich ins Badezimmer. Durch ein Fenster über meinem Bett sehe ich einige von Nebel umhüllte Bäume und hinter ihnen den Weg, der zum Jugendbildungszentrum führt. Bis zum Start des Seminars habe ich noch 45 Minuten Zeit. Ich schaue mir nochmal aufmerksam das Programm an, welches Frau Röder mir vor dem Seminar geschickt hat. Durch die hellhörigen Flure höre ich im Minutentakt weitere Seminar-Teilnehmer:innen eintreffen. Es wird wieder still auf den Gängen und einige Zeit später gehe ich hinunter in den Eingangsbereich, wo sich vor den Seminarräumen schon eine überschaubare Anzahl an Teilnehmer:innen versammelt hat. Ich sehe mich um. Dort steht ein Tischkicker neben der Tür, durch die ich das Gebäude eben erst betreten habe. Rechts von mir stehen einige Tassen und Teller um eine Kaffeemaschine herum. Ich schaue in erwartungsvolle, neugierige Gesichter, die teilweise angeregte Unterhaltungen führen. Bis jetzt sind wir ca. 15 Teilnehmer:innen. Vermute ich. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es jeden Augenblick losgehen wird. Im Seminarraum angekommen, lässt sich jede:r von uns an einem der aufgestellten Tische nieder. Auf meinem Tisch liegen ein Stift und daneben eine Tasche mit Magazinen und Broschüren passend zum Seminar. Die durch Aufregung und Erwartung entstandene Stille wird von einer Vor10 Leonarda 1/2022
stellungsrunde der Teamer unterbrochen. Auch wir sollen uns vorstellen. Dazu finden wir uns in Dreiergruppen zusammen und erarbeiten „Kennlern-Dreiecke“. Nach der Hausführung, auf die eine zweistündige Mittagspause folgt, stellen wir unsere Kennlern-Dreiecke in der großen Gruppe vor. Mittlerweile sind wir vollzählig. Auf die Phase des Kennenlernens folgt eine Erwartungsabfrage mit folgenden Leitthemen: „Das erwarte ich vom Seminar“; „Das erwarte ich vom Team“; „Das erwarte ich von der Gruppe“; „Mit dem Gefühl möchte ich Sonntag nach Hause fahren“. Mir fällt auf, dass bei der Erwartungsabfrage häufig von Offenheit und Meinungsfreiheit, die sowohl vom Team als auch von den anderen Teilnehmer:innen erwartet wird, und von Tipps im Umgang mit Parolen die Rede ist. Bevor es mit der ersten Workshop-Phase losgeht, führen wir ein Standogramm zu folgenden Fragen durch: Wie häufig begegnet mir Diskriminierung im Alltag? Ist Rassismus eine Frage der Bildung? Spielt Rassismus in der Politik eine Rolle?
»Obwohl die TeilnehmerInnen ähnliche Meinungen haben, wird viel diskutiert.« Für die Workshop-Phase teilt sich die Gruppe in vier Bereiche auf: Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Antiziganismus, um mehr über eine dieser zentralen Formen von Diskriminierung zu erfahren. In den jeweiligen Workshops werden auf kreative Weise Definitionen und Hintergründe erarbeitet. Nach der Erarbeitungsphase stellt jede Gruppe ihre Ergebnisse vor. Von der Aufregung, die ich zu Beginn festgestellt habe, ist kaum mehr etwas zu spüren. Sowohl bei dem Standogramm als auch in der Workshop-Phase wird mir beiläufig deutlich, dass viel diskutiert wird. Und das, obwohl meiner Auffassung nach alle Workshopteilnehmer:innen ähnliche Meinungen vertreten. Nach Abschluss des ersten Seminartages gehen wir alle, wie
Courage
»Wenn Ihr Werbung als sexistisch empfindet: kauft doch einfach nicht!« schon mittags, zum Essen in den Speisesaal. Es gibt Dreier- und Vierertische, die aufgrund von Corona mit Plexiglasscheiben voneinander abgetrennt sind. Außerdem ist es wichtig, dass wir uns an unsere Essenszeiten halten, damit die Coronaauflagen eingehalten werden können. Abends ist es möglich, den Tischkicker zu nutzen und im Gemeinschaftsraum Airhockey oder Tischtennis zu spielen. Mehr Aktivitäten waren leider wegen Corona nicht möglich. Am zweiten Seminartag beschäftigen wir uns mit Argumentationstraining und vielgestaltigen Argumentationsmethoden. Das Training startet mit einer praktischen Übung, genannt Kugellager. Bei dieser Methode ist die Aufgabe, in möglichst kurzer Zeit auf Parolen zu antworten, zum Beispiel auf den Tweet des Politikers Christian Lindner: „Hey, wenn ihr Werbung als sexistisch empfindet: kauft doch einfach nicht […]“. Nach einer kurzen Austauschphase werden wir mit der Fünf-Satz-Technik und dem Argumentations-Dreieck vertraut gemacht. Zwei Methoden, die die Möglichkeit bieten, bei Diskussionen klarer die eigene Meinung zu kommunizieren und andere Argumente zu analysieren und zu entkräften. Zudem werden wir mit Tipps und Tricks, die zu einer gelungenen Diskussion beitragen, sowie mit dem Ziel und der Zielgruppe einer Diskussion vertraut gemacht. Dabei kommt die Frage auf, ob sich überhaupt mit jedem Menschen eine voranbringende Diskussion führen lässt. Nach dem Argumentationstraining geht es in eine Textarbeitsphase. Auch hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, aus denen wir wählen können. Darunter Texte über Victim Blaming, Sexismus in der Werbung, Intersektiona-
lität, Aktivismus gegen sexuelle Gewalt, Ethnopluralismus und anti-slavischen Rassismus. Selbstständig können wir uns in Gruppen austauschen. In der anschließenden Workshop-Phase geht es um unsere eigenen Projekte. Wählen können wir zwischen kreativen Aktionsformen und Bündnis- und Organisationsarbeit. Uns werden die SMART- und die ZIM-Methode vorgestellt, welche uns bei der Planung fortlaufender Projekte helfen soll. Außerdem sprechen wir über Pressemitteilungen und darüber, wie wir möglichst viele Menschen für Veranstaltungen erreichen. Ein weiterer Punkt ist die Finanzierung der Aktionen, die natürlich durch die Schule, aber auch von der Bezirksregierung, Jugendparlamenten oder Förderprogrammen bereitgestellt werden kann. Des Weiteren werden uns mögliche Partner:innen vorgestellt, die zusätzliche Unterstützung bieten. Dazu zählen sowohl schulinterne als auch externe Partner:innen. Der letzte Seminartag beschäftigt sich mit den erarbeiteten Projekten, die wir uns gegenseitig zur weiteren Inspiration vorstellen. Zusammen mit Schüler:innen des HeinrichMann-Gymnasiums in Köln stelle ich die Idee für einen über Diskriminierung aufklärenden Schulpodcast vor. Bevor dieses sinnvolle und äußerst lehrreiche Seminar mit einer anonymen Feedbackrunde endet, werden uns noch Bücher und Filme zum Themenfeld empfohlen. Anschließend machen sich alle Teilnehmer:innen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto wieder auf den Weg nach Hause. Ich bin froh, die Chance bekommen zu haben, an einem so interessanten Seminar teilzunehmen. Und das Ganze war komplett kostenlos!
Umfrage in der Schule wegen Mobbing/Rassismus Es wurden 12 Personen befragt. Davon haben 8 Personen Erfahrungen mit Rassismus und/oder Mobbing gemacht und haben folgende Beispiele genannt. Hast du Rassismus oder Mobbing erlebt oder mitbekommen? Liv: „Ich wurde von meinen Mitschülern ignoriert“. Bleona/ Fatima: „Ich wurde wegen meines Aussehens diskriminiert.“ Bleona: „Ich habe erlebt, dass mich jemand angeraunzt hat: »was könnt ihr Ausländer?«" Lina: „Ich habe mitbekom-
men, dass jemand wegen seiner Körpergröße gemobbt wurde.“ Anonym: „Ich wurde fertig gemacht, weil ich eine Schaukel blockiert habe.“ Anonym: „Ein Kind in meiner alten Klasse ist nicht so beliebt und wird deswegen ständig gehänselt.“
Wie hast Du dich gefühlt? Anonym: „Ich fühlte mich schlecht.“ Anonym: „Ich fand es respektlos.“ Liv: „Ich fühlte mich ausgeschlossen.“ Bleona: „Ich war geschockt, dass Menschen so denken.“ Fatima: „Ich fühlte mich verletzt.“ Anonym: „Ich fand es blöd.“
Was hältst Du davon? Liv: „Man fühlt sich doof, wenn man ignoriert wird.“ Anonym: „So etwas muss doch nicht sein.“ Bleona: „Es ist traurig, dass Menschen sich so verhalten.“ Anonym: „Es ist nicht ok.“ Lina: „Man kann ja nichts dafür, dass man anders aussieht.“
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Politik & Sowi
Verzweifelte Stille in Lüttich Eine Erkenntnis von Juliette Gueye
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Lüttich, 2018. Die Französischkurse machen einen Ausflug nach Belgien. Wie es sich gehört, bekommen alle Schüler*innen gleich zu Beginn eine Rallye in die Hand gedrückt. Natürlich machen wir uns alle voller Motivation auf den Weg. Und natürlich verlaufen wir uns alle innerhalb der ersten fünf Minuten. Wo war das Museum nochmal? Wie hieß das noch gleich? Und wie herum hält man die Karte? Es half nichts. Wir sahen ein, dass wir jemanden fragen mussten, der sich in der Gegend auskennt. Doch da gab es ein kleines Problem: Deutsch sprach hier keiner. Also steckten wir die Köpfe zusammen. Nach etwa fünfzehn 12 Leonarda 1/2022
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dass wir eine gefühlte Ewigkeit unterwegs waren, Y ran, Z irgendwann rausfanden, dass wir die ganze Zeit in die
Minuten hatten wir in Teamarbeit in gebrochenem Französisch einen passenden Satz zurechtgelegt und eine von uns dazu gebracht, sich zu opfern und die Frau, die dort hinten langlief, anzusprechen. Ganz nach dem Motto: Einer für alle. Tatsächlich verstand die Frau unser Anliegen und gab uns eine Wegbeschreibung. Leider haben wir nicht wirklich daran gedacht, dass wir letztere ja auch irgendwie verstehen mussten. Wir steckten erneut die Köpfe zusammen. Nach weiteren fünfzehn Minuten hatten wir aus den Puzzleteilen, die wir jeweils aufgeschnappt hatten, eine Route bestimmt und machten uns anschließend zielsicher auf den Weg. Ich erinnere mich nur noch da-
falsche Richtung liefen, uns daraufhin über die Frau beschwerten, die uns frecherweise falsche Anweisungen gegeben habe (dass wir sie vielleicht einfach falsch verstanden hatten, was wesentlich wahrscheinlicher ist, kam uns in diesem Moment natürlich nicht in den Sinn), und schließlich das besagte Museum fanden. Endlich konnten wir die Frage auf unserem Arbeitsblatt beantworten und weiterziehen. Das war eine schwere Geburt. Alle, die sich schon einmal aus ihrem bekannten Sprachraum hinausbewegt haben, kennen diese Situationen.
Politik & Sowi IMPRESSUM ANSCHRIFT
»Eigentlich sollten wir lieber Gebärdensprache lernen als z.B. Italienisch.« Man verläuft sich, geht zum Bäcker, hat Angst angesprochen zu werden, hat Angst die Kassiererin nicht zu verstehen – Probleme, die erst auftreten, sobald die eigene Sprache nicht mehr den Standard bildet. Und plötzlich findet man sich ganz schnell dabei wieder, wie man verzweifelt versucht, sich mit Händen und Füßen, gegebenenfalls auf gebrochenem Englisch (mit dem man leider auch nicht unbedingt überall weiterkommt) mit den Einheimischen auszutauschen. Wie oft habe ich mich dabei schon zum Affen gemacht? Während meines Auslandsjahres in Frankreich (2019/2020, also nach dem Lüttich-Vorfall) ist mir auf eine ziemlich intensive Art und Weise klar geworden, wie anstrengend und frustrierend es sein kann, sich nicht anständig verständigen zu können. So schön meine Zeit dort auch war - und so unerwartet und traurig meine plötzliche, coronabedingte Rückreise - so fühlte ich die Erleichterung über mich kommen, als ich in Deutschland ankam und wusste, dass dieses konstante Hindernis der Sprache endlich nicht mehr präsent war. Es fühlte sich so an, als könne ich nach sieben Monaten endlich wieder durchatmen und entspannen. All die oben genannten Ängste und Sorgen verloren an Relevanz. Und zu dieser Zeit fing ich an, mich mit dem eigentlichen Thema dieses Textes zu befassen. Jede Sprache hat ihre Sprachgemeinschaft. Und
die allermeisten Sprecher*innen einer bestimmten Sprache haben die Möglichkeit, Ähnliches zu erleben wie ich und an dem Ort zu leben bzw. dorthin zurückzukehren, wo ein Großteil der Menschen um sie herum ebenfalls Sprecher*innen dieser Sprache sind. Sie haben einen Ort, an dem die Kommunikation im Alltag diesbezüglich kein Problem darstellt. Doch während das auf alle Sprachgemeinschaften, die mir zunächst in den Sinn kamen, zutraf, fiel mir auf, dass ich eine ganze Gemeinschaft außen vorließ: Taube Menschen. Diese haben ihre eigene Sprache, die Gebärdensprache. Und während auch sie überall kleine Communities mit anderen Sprecher*innen gebildet haben, haben sie im Großen und Ganzen keinen Ort, an dem ihre Sprache kein Hindernis darstellt. Keinen Ort, an dem sie davon ausgehen können, dass der Großteil um sie herum diese Sprache spricht. Sich verlaufen, zum Bäcker gehen, Angst haben, angesprochen zu werden, Angst haben, die Kassiererin nicht zu verstehen – diesen Problemen, um nur ein paar wenige davon zu nennen, müssen sich Gehörlose täglich stellen. Wir alle lernen Fremdsprachen, allein schon durch die Schule, doch wie kommt es, dass so wenig Interesse daran besteht, die Sprache, deren Gemeinschaft allein in Deutschland schon etwa 80.000 Menschen umfasst, zu erlernen? Zudem leben ihre Sprecher*innen mitten
unter uns. Demnach müsste es uns eigentlich viel näherliegen, Gebärdensprache zu lernen als zum Beispiel Italienisch. Und doch gibt es kaum Gelegenheiten dazu. Meiner Ansicht nach sollte es ein wesentlich größeres und weitreichenderes Angebot geben, Gebärdensprache zu lernen. Ob in Form eines Schulfaches, einer AG oder wenigstens eines Projekttages. Im Allgemeinen sollte der Umgang mit Menschen mit Behinderung im Rahmen unserer Ausbildung wesentlich mehr thematisiert werden. Immerhin machen sie einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft aus, dem auf Augenhöhe begegnet werden muss und dessen Wohlbefinden genauso sichergestellt werden sollte, wie bei allen anderen auch. Was meint ihr dazu? Beherrscht ihr eine Gebärdensprache? Oder hättet ihr Interesse daran, diese und/ oder allgemein mehr über diese Thematik zu lernen?
Die Leonarda Zeitung Leonardo-da-Vinci-Gymnasium Nippes Blücherstraße 15 – 17 50733, Köln E-Mail: info@leonarda.koeln Internet: www.leonarda.koeln
GRÜNDUNG
September, 2021
CHEFREDAKTION
Nino Nicodemo (Vorsitzender), Antonia Ritzenhoff, Wilma Klabunde, Lotte A. L. Matull
KOORDINATION
Julia Gramberg de Mendoza
LEKTORAT
Julia Gramberg de Mendoza, Ricarda Langen
AUTOR:INNEN UND MITWIRKENDE IN DEN RESSORTS
KOLUMNE: Lars Beier TITELTHEMA: Fatih Kaya, Emily Zeinar, Lotta Borchers, Klara Dörrwächter, Wilma Klabunde, Ida Krämer, Malu Schmidt, Tasnim Ardouz, Elin Grandl, Mathilda May, Nihal Lectibi LK-WAHLOMAT: Lotte A. L. Matull SV DES LDV: Nehir Ketenci, Lars Beier COURAGE/ANTIRASSISMUS: Wilma Klabunde, Anna Roeder KUNST UND KULTUR: Tasnim Ardouz, Fatih Kaya, der Q2-LK-Kunst, die Klassen 5a, 5b, 5d, 6a, 6b, Pia Tönnismann, Julia Gramberg de Mendoza POLITIK UND GESELLSCHAFT: Juliette Gueye, Miron Brykulskyi STUFENFAHRTEN: Emily Schnabel, Juliette Gueye, Kaan Dinc WAS IST…? Emily Schnabel, Antonia Ritzenhoff DIE PARAGRAPHEN: Luis Chimienti REZENSIONEN: Kaan Dinc, Zoe Marsch INTERVIEW LEHRER:IN: Klara Dörwächter, Tami von Cysewski INTERVIEW SCHÜLER:INNEN: Olivia Kirmanidis, Emily Zeinar
LAYOUTKONZEPT
Marcus Schmidt (Eltern-Engagement)
LEONARDO-LOGO
Daniela Goldman (Eltern-Engagement)
INKLUSIVE GESELLSCHAFT
Wir alle sollten uns Mühe geben, dass sich alle Menschen in unserer Gesellschaft gesehen und willkommen fühlen. Und wenn man einmal anfängt, sich für andere Lebensweisen und Kulturen zu interessieren, die sich manchmal, wie zum Beispiel im Falle der GehörlosenCommunity, sogar direkt vor der eigenen Haustür befinden können, wird einem schnell klar, wie spannend unsere Welt doch ist.
TITELBILD
Stefan Novak (der Majordomus des LDV)
SONSTIGE MITWIRKUNG
Sarah Nagelschmidt, Pia Tönnismann, Lennart Krieger, Ina Henrichs
DRUCK
Buch- und Offsetdruckerei Häuser KG Venloer Straße 1271 50829 Köln
REDAKTIONSLEITER DIGITAL Nino Nicodemo
SOCIAL MEDIA
Lotta Borchers Wir danken ganz besonders Julia Gramberg de Mendoza und Marcus Schmidt für ihre tolle Unterstützung bei der Planung und Umsetzung unseres Schüler:innen-Magazins.
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Politik & Sowi
Tage und 5 Nächte durch 5 Länder gefahren Miron Brykulskyi ist im März aus der Ukraine nach Deutschland gekommen und besucht zurzeit die siebte Klasse an unserer Schule. Wir freuen uns, dass wir ihn für die LEONARDA interviewen durften! Er hat unsere Fragen schriftlich beantwortet.
Miron, seit wann bist du in Köln? Ich bin am 3. März nach Deutschland gekommen, also ich bin jetzt schon seit zwei Monaten hier. Möchtest du uns etwas über den Weg hierhin und deinen neuen Alltag erzählen? Ich bin nach Deutschland mit meinen Eltern und meinem Hund mit dem Auto gekommen. Wir waren 5 Tage unterwegs, wir sind durch 5 Länder gefahren. Es war sehr anstrengend. Am Tag sind wir gefahren und in der Nacht haben wir in Hotels oder bei unseren Bekannten geschlafen. Viele Leute auf dem Weg haben uns geholfen. Wir sind nach Köln gekommen, weil hier meine Oma lebt. Ich habe früher meine Oma oft in Köln besucht, deshalb kenne ich diese Stadt sehr gut. In der Ukraine habe ich Deutsch gelernt, deswegen konnte ich schnell neue Freunde in der Schule finden. In Odessa habe ich Tischtennis gespielt und jetzt trainiere ich in der Mannschaft 1. FC Köln. Ich freue mich wirklich sehr, dass ich jeden Tag Training habe und am Wochenende nehme ich oft an Turnieren teil. Es geht mir eigentlich ganz gut und vielleicht auch besser als anderen Kindern und Jugendlichen, die zum ersten Mal in ihrem Leben ins Ausland gekommen sind und die Sprache nicht verstehen. Aber natürlich vermisse ich meine Freunde in Odessa, meine Schule und mein Leben. Ich hoffe, dass der Krieg in der Ukraine bald zu Ende ist und wir zurückfahren können. 14 Leonarda 1/2022
Wie fühlst du dich an unserer Schule? Ich fühle mich in der Schule wohl, es ist eine tolle Atmosphäre hier. Ich habe viele Freunde, sie helfen mir alle im Unterricht, wenn ich etwas nicht verstehe. Die Lehrer sind sehr lieb. Was machst du gerne bzw. was sind deine Hobbies? Ich spiele gern Tischtennis. Mein Hobby ist Basketball. Was wünschst du dir (für die Gegenwart und für die Zukunft)? Ich wünsche mir, dass der Krieg in der Ukraine zu Ende ist. Und auch, wenn ich hier in Deutschland länger bleiben soll, wünsche ich mir, Deutsch so gut zu beherrschen, dass ich dann alles verstehen kann und frei sprechen kann. Möchtest du uns noch etwas anderes von dir erzählen? Ich möchte mich bei allen Lehrern, dem Direktor und allen Schülern des Leonardo da Vinci Gymnasium bedanken, dass sie mir die Chance gegeben haben, ein normales Leben weiterzuführen. Ich fühle mich in der Schule wirklich wohl. Herzlichen Dank für dieses Interview, Miron! Die LEONARDA-Redaktion
Bilder zum Thema Zukunft von oben nach unten: Laura van Koten | 6D Ben Kastner | 5D Tilda Schultze | 5B
Kolumne
Warum wir den Umgang mit Nachrichten in der Zukunft neu lernen/lehren müssen E i n e Ko l u m n e vo n L a r s B e i e r
I
MEHR IM NETZ Dies sind nur einige Werke, Eine Slideshow mit weiteren tollen Bildern findet ihr unter leonarda.koeln.
m 21. Jahrhundert ist es einfacher denn je, an Informationen zu kommen, sich politisch zu vernetzen oder Argumente der Gegenseite zu empfangen. Dies ist potenziell ein großer Gewinn für unsere Debattenkultur und gerade die jungen Generationen können als Digital Natives die Möglichkeiten unserer Zeit nutzen. In den vergangenen Jahren hat sich die Jugend in Protesten gegen die Klimapolitik und für ein gerechtes Urheberrecht über das Internet stark gemacht. Doch die digitale Welt birgt auch Probleme, die das eigentliches Potential zu einem Gift für unsere Generationen macht. Ein Problem ist die Geschwindigkeit, mit der wir Informationen aufnehmen. Mit sozialen Netzwerken wie Instagram, YouTube, WhatsApp und TikTok, die darauf angelegt sind, von einem Trend in den nächsten zu wechseln und mit rasantem Tempo Nutzer in Bubbles zu ziehen, schon bevor man die aufgenommenen Informationen verarbeitet und sich eine Meinung darüber gebildet hat. Die Informationen sind zugleich auch Unterhaltung, wodurch zu schnell zu viele Informationen aufgenommen werden, so dass wir, ohne uns aktiv für die Aufnahme zu entscheiden, schließlich die Distanz verlieren. Ebenfalls ist es auffällig, dass extreme Nachrichten häufiger angezeigt werden als andere, was charakteristisch ist für ein System, in dem Nachrichten zueinander in Konkurrenz stehen. Es kommen zwar auch positive Nachrichten durch den Filter; diese müssen aber herausragend sein, um mithalten zu können. Dadurch wird für positive Nachrichten die Messlatte, die sie erreichen müssen, so hoch, dass die unendlich vielen positiven Nachrichten, welche im Alltag entstehen, nicht gegen Nachrichten über Krieg, Hunger, Klimawandel, Korruption und Unfähigkeit in der Politik anbrüllen können. Durch dieses Ungleichgewicht wird suggeriert, dass es nur noch wenige positive Dinge gibt und dass man sowieso nichts mehr ändern kann. Um sich das zu veranschaulichen, muss man nur einmal in einem Kiosk alle Schlagzeilen der Zeitungen lesen oder sich auf YouTube News-Formate ansehen: Man stellt schnell fest, welch ein Ungleichgewicht von positiven und negativen Nachrichten dort herrscht. Die Folgen dieser Form der Berichterstattung sind bereits jetzt zu spüren: die Politikverdrossenheit in der Jugend wächst, man hört Sätze wie “Ich kann doch eh nichts ändern” oder “Die machen doch eh, was sie wollen”. Ein großer, sichtbarer Faktor ist außerdem die seit Corona gehäuft auftretende Depressivität unter Jugendlichen. Corona trägt sicherlich die Hauptschuld, aber vermutlich eher als ein Katalysator, der uns in Zeiten der Pandemie noch stärker vor guten Nachrichten isoliert, während gleichzeitig schreckliche Nachrichten aus der gesamten Welt auf uns einprasseln - ohne dass wir eine Chance haben, etwas zu verändern. Wenn wir diesen Umgang mit Nachrichten nicht ändern, werden wir als Gesellschaft in den nächsten Jahren massive Probleme erleben. Entweder werden wir eine emotionalisierte Debatte erleben, welche darin endet, dass wir nicht mehr miteinander reden und uns psychisch gebrochen in den jeweiligen Echokammern verkriechen, oder wir werden alles abblocken und die Probleme der Welt ignorieren. Um die Chancen der Technologie voll auszuschöpfen, müssen wir an Schulen und im Privaten den Umgang mit Medien neu erlernen und lehren. Wir müssen wieder einen gesunden Abstand zu Nachrichten bekommen, lernen, uns wieder Auszeiten zu nehmen, um uns dann ausgeruht wieder mit Themen beschäftigen zu können. So könnten tatsächlich nachhaltige Lösungen gefunden werden. Das Wichtigste ist allerdings, dass Schulen ihren Schüler:innen Beistand leisten bei Sorgen; dass sie ihnen Hilfe anbieten, Themen zu verstehen, die für sie vorher nicht relevant waren. Schulen müssen unbedingt einen kritischen Umgang mit Nachrichten lehren. Bisher ist dies nur der Fall, wenn Lehrer:innen selbst ein Interesse daran haben und es verstehen, auf Augenhöhe mit den Schüler:innen zu reden. Wenn es aber systematisch gelingen würde, dann könnte unsere Zukunft eine Zukunft mit Menschen sein, die unterschiedliche Standpunkte vertreten und die die Möglichkeiten unserer Zeit voll ausschöpfen können.
1/2022 Leonarda 15
Stufenfahrten
Jüdisches Museum in Berlin – eine unvergessliche Erfahrung von Esat Kaan Dinc
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as wir gleich am Dienstagmittag mitmachen mussten, war gewaltig. Wir wären unaufrichtig gegen uns selbst, würden wir es nicht mit dem Wort ‘gewaltig’ ausdrücken, denn an jenem Dienstagmittag hat man uns der deutsch-jüdischen Vergangenheit und deren einmaliger Grässlichkeit überantwortet. Und noch ehe man den Gleichgültigen spielen konnte, ist man zur Reflexion dessen, was sich ganz bösartig als Unmenschlichkeit des Jahrhunderts in die deutsche Geschichte eingeschlichen hat, verurteilt worden. Ja. Das jüdische Museum in Berlin-Kreuzberg war kein leicht zu schluckender Happen, sondern einer, der allen zunächst ganz unbeschwerlich die Kehle hinuntergerutscht ist und uns urplötzlich aber zu einem großen, dicken Kloß im Hals geworden ist. Eine Erfahrung, die in ihrer Heftigkeit alles Bisherige an jenem Mittag überstieg, war der sogenannte Memory Void, einer der symbolischen Leerräume im Libeskind-Bau (das aus Titanzink gebaute, neue der beiden Museumsgebäude). Im Memory Void befindlich: die Installation “Schalechet” (Hebräisch für gefallenes Laub), über 10.000 Gesichter mit aufgerissenen Mündern, aus schweren, runden Eisenplatten geschnitten, bedecken den Boden des Voids im Erdgeschoss. Es ist schwierig, Formulierbares aus dem Wahrgenommenen abzuleiten, ohne dabei in den Verdacht der Verharmlosung oder deskriptiven Versachlichung zu geraten. Doch einen Versuch wird man wohl oder übel wagen müssen: Die Gesichter und die ihnen ansehbare abrupte Verstummung als Ausdruck der Unmittelbarkeit des Schreckens, der über die Opfer von Krieg jeglicher Art hereingebrochen sein muss. Zynisch wird es, wenn man genau über diese Gesichter trampeln muss. Doch das sei auch irgendwie Sinn der Sache, ist uns mitgeteilt worden. Insgesamt eine Erfahrung, die sich in unser aller Gedächtnis niedergelegt hat, ohne jemals ausdringen zu können.
Jüdisches-Museum Foto: Cornelia Kopitzki 16 Leonarda 1/2022
Foto: Unsplash / Lovie Tey
Stufenfahrten
1/2022 Leonarda 17
Foto: Unsplash / Alexander Bagno
Stufenfahrten
18 Leonarda 1/2022
Stufenfahrten
Ach wie schön die Zeit nur war! Ein Gedicht von Juliette Gueye
Montagmorgen um halb zehn Sah man uns am Bahnhof stehen Mit Sack und Pack, froh und munter. Zählten die Minuten runter Bald ging’s los, auf nach Berlin Zehn Uhr vier: Abfahrtstermin! Doch wer dies glaubt, der sei gewarnt, Hat ohne die DB geplant Denn kurz darauf da dacht‘ sie sich Nein euer Zug, der fährt heut‘ nicht Die Lehrerin zum Infostand Sofort sich ein Ersatzzug fand Erleichterung machte sich breit Doch die nächste Hürde war nicht weit Kaum im Zug da hörten wir Auch dieses Fahrzeug bleibt heut‘ hier Und wieder raus, da waren wir nun Wussten nicht so recht was tun Da sind wir plötzlich allesamt In den nächsten Zug gerannt Die Koffer hoch in das Regal auf dem Weg nach Wuppertal…? Von dort aus dann ging’s auf ans Ziel Die Reise nach Berlin? Ein Kinderspiel! Die U-Bahntüre, zu sie geht zerquetscht wird, wer im Wege steht Dann ein schlechtes Abendmahl Mit der Maus im Speisesaal Fahrradtour quer durch die Stadt Strömender Regen, Straßen glatt Jüdisches Museum, angesehen danach auswärts essen gehen
Spreerundfahrt im Sonnenschein Checkpoint Charlie? Auch schnell rein Mit den Kajaks fortbewegen Bloß nicht mit dem Schwan anlegen Muskelkater abzusehen Später noch schön essen gehen Das Stasigefängnis, eindrucksvoll Dinge, die man lernen soll Die East Side Gallery hübsch und bunt Laufen uns die Füße wund Essen gehen, dann in die Bar Ach wie gut die Stimmung war! Die Lehrerinnen nicht vergessen Haben mit am Tisch gesessen Die beiden wie immer dabei Auch mal gerne bis nach zwei Am Morgen noch zum Teufelsberg Die Kunst vor Ort, ein Meisterwerk Koffer holen im Hotel Oh die Zeit verging so schnell! Auf zum Zug, nach Hause fahren Ach wie toll die Tage waren! Und zum Schluss noch ein Vermerk Danke Frau Kopitzki, Frau Gramberg Sie waren auf der Stufenfahrt Weniger Lehrerin, mehr Kamerad Offenheit und Herzlichkeit Vertrauten uns, stets hilfsbereit Kursfahrt mit dem Deutsch LK; Ach wie schön die Zeit nur war!
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Stufenfahrten
EINMAL DACHAU UND ZURÜCK von Emily Schnabel
(24.01.2022 - 27.01.2022) Es ist ca. 11 Uhr als wir in den Zug nach München steigen. Der Bahnsteig ist leer und wir sind 21 Schüler:innen und drei Lehrer:innen, manche noch ein bisschen müde und alle voller unterschiedlicher Erwartungen an die kommenden drei Tage.
Ich möchte vorab gerne noch betonen, dass ich ausdrücklich nur meine persönliche Wahrnehmung schildere. Jede Person geht mit diesem Thema anders um und deshalb möchte ich nicht für meine Mitschüler:innen sprechen. Ich freue mich auf die Reise, bin gespannt auf München und unser Programm. Eine Stadtführung, ein achtstündiges Seminar im NS-Dokumentationszentrum München und dann anschließend am Mittwoch Dachau.
MÜNCHEN - GEBURTSSTADT DER NSDAP
Die Zugfahrt ist schnell vorbei und schon sind wir in München, einer Stadt, die uns alle mehr beschäftigen wird, als wir zu diesem Zeitpunkt erahnen. München ist groß, bayrisch und vor allem sauber. Dass dort Menschen in Dirndl und Lederhosen rumlaufen, habe ich immer für ein Klischee gehalten, aber tatsächlich sehen wir einige. Willkommen in Bayern also. Wir sind etwas verwundert, als wir uns auf den Weg ins Zentrum machen. Nirgendwo stehen Mülleimer und der Boden ist ausnahmslos so sauber, dass man das Gefühl hat, man könne wirklich vom Boden essen. Für Kölner:innen nahezu undenkbar. Unsere Stadtführung beginnt, mir bleibt der Mund offenstehen. München als Geburtsstadt der NSDAP, verschiedenste Gebäude, die eine zentrale Rolle in der NS-Zeit gespielt haben, Orte, an denen das Lager Dachau, der Vorreiter für alle Konzentrationslager danach, geplant wurden. Nicht dass München eine Ausnahme in Deutschland gewesen wäre. 20 Leonarda 1/2022
Bild: Unsplash/Lisa van Dijk
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Doch besonders für eine Schülerin des Geschichts-GKs, die die Zeit des Nationalsozialismus vielleicht mal für ein paar Monate im Unterricht angerissen hat, kommen viele Fakten und Tatsachen der Geschichte überraschend. Uns wird ziemlich schnell kalt, außerdem geht die Führung zwei Stunden und sogar unsere Lehrer:innen haben irgendwann genug, Schulausflug hin, interessante Infos her, wir wollen ins Brauhaus und was essen. Machen wir dann auch und finden dabei raus, wie gut Augustiner Hofbräu schmeckt. Um 22:00 Uhr schließt alles coronabedingt und wir müssen eh früh aufstehen, also war's das dann für den ersten Tag. Die Thematik der Gedenkfahrt ist präsent, wir wissen, dass wir nicht wirklich zum Spaß hier sind. Aber die emotionale Distanz ist zu groß, das Ausmaß ist uns noch gar nicht klar.
MACHTERGREIFUNG OHNE WIDERSTAND
Dienstag ist unser Seminartag im NS-Dokumentationszentrum. Das Thema: "München und der Nationalsozialismus". Der Inhalt unseres Seminars beschäftigt sich mit dem der Ausstellung: das Ende des 1. Weltkrieges, die Novemberrevolution 1918 und die Entstehungs- sowie Aufstiegsphase der NSDAP. Inhaltlich natürlich auf München bezogen. Was uns dort erzählt wird ist spannend. Für die Schüler:innen des LKs ist das meiste eine Wiederholung und Vertiefung, für die des GKs wird teilweise zum ersten Mal die Komplexität dieser Zeit ins Bewusstsein gerufen. Wie die NSDAP es geschafft hat, die Bevölkerung anzusprechen, zu überzeugen, den Hass gegen Jüd:innen, Kommunist:innen
und Sozialdemokrat:innen, der ja sowieso schon da war, auszureizen und die deutsche Gesellschaft in ein "Wir" statt "Ich" an erster Stelle zu bringen, ist gruseligerweise auf einmal sehr simpel nachvollziehbar. Es ist nicht schwer zu begreifen, wie die Machtergreifung ohne viel Widerstand, ja sogar mit Jubel begrüßt, geschehen konnte. All das zu verstehen, macht im Nachhinein den Besuch der Gedenkstätte am Mittwoch noch unerträglicher. Das Seminar geht acht Stunden, wir sind alle fertig und wollen durchatmen, haben bis zum Abend frei bekommen und laufen selbstständig durch die Stadt, entdecken kleine Läden, Münchner Klischee-Cafés (rosa Wände, kristallene Kronleuchter, Lavendel-Latte: Zielgruppe reiche Jura-Student:innen, Eltern, deren Kinder Stella-Maria und JacobusLuis in der Grundschulmensa das Essen nicht vertragen, weil die Qualität einfach nicht gut genug ist) und genießen unsere Zeit. München, was eine merkwürdige Stadt.
DACHAU - ORT DES GRAUENS
Mittwoch ist der Tag, weswegen die Fahrt in erster Linie überhaupt stattfindet. Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommen wird. Ein Teil des Kurses war im Oktober bereits dort, wusste also wie der Ort aussieht und was uns erwartet. Wir anderen nicht; wir wurden zwar darauf vorbereitet, aber was soll man schon von einer Konzentrationslager-Gedenkstätte erwarten? Als wir mit dem Bus durch den Ort Dachau fahren, fühlt es sich merkwürdig an, zu wissen, dass dieses Dorf mal ein 1/2022 Leonarda 21
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Ort des Todes und der Vernichtung war. Es sieht nicht anders aus als jeder andere kleine deutsche Vorort einer beliebigen Stadt. Draußen ist es neblig und als wir ankommen, ist der Himmel voll von Krähen, die ihre Kreise über das ehemalige KZ ziehen. Es fühlt sich fast ironisch an. Unser Guide begrüßt unsere Gruppe und natürlich haben wir unser Programm vor Ort. Wir machen einen schnellen Rundgang durch das Museum und unsere Blicke schweifen über die Bilder von ehemaligen Häftlingen, vorbei an Fotos von ausgemergelten Körpern und Leichenbergen, Vitrinen mit Goldzähnen und Schmuckstücken von Menschen, die genau da ermordet wurden, wo wir jetzt stehen. Die reine Ausstrahlung dieses Ortes hinterlässt ein dumpfes Gefühl, so tiefgehend und grausam. Wir bekommen in Gruppen bestimmte Themen zugeteilt, die wir uns selbst im Museum erarbeiten und am Ende den anderen präsentieren sollen. Das Thema meiner Gruppe ist "Arbeit" im KZ Dachau, mein Unterthema die Propaganda und wie die Nationalsozialist:innen das Lager nach außen hin dargestellt haben. Es gab einen Fotografen (Friedrich Franz Bauer, der Name ist mir in Erinnerung geblieben), der die Propagandafotos für die Bevölkerung geschossen hat, Fotos, die das "deutsche Volk" sehen sollte, so soll es ausgesehen haben in den "Arbeitslagern", den Konzentrationslagern. Bilder von arbeitenden, kräftigen und wohlgenährten Menschen, die Lasten ziehen, Fotos von Häftlingen an einem großen Tisch, wie sie Mahlzeiten zu sich nehmen und Bilder von Häftlingen in ihren Baracken, in die Kamera schauend, sie sehen etwas gelangweilt, aber auch entspannt aus. Bilder einer Zahnstation und einer Krankenstation, als sei medizinische Versorgung garantiert gewesen. Unter den Fotos Zitate von Heinrich Himmler, das Lager sei für Leute, die die Sicherheit des Staates gefährden, bei der Inhaftierung handele es sich lediglich um eine Schutzhaft, die Menschen sollen dort nicht länger als nötig bleiben. Es ist schrecklich, wie unspektakulär und "normal" diese Fotos aussehen, wissend, dass nichts davon der Wahrheit entspricht, fast alle der Menschen auf den Fotos starben einen grausamen Tod.
MITTAGSPAUSE FÜHLT SICH HIER FALSCH AN
Wir wollen noch vor der Mittagspause in Ruhe durch das Museum gehen, uns Zeit nehmen. Die Bilder in Ruhe betrachten. Einzelschicksale lesen. Eine Totenmaske eines verstorbenen Inhaftierten zeigt ein ausgemergeltes Gesicht. Laut Inschrift war der Mann erst in seinen Vierzigern, das Gesicht sieht aus wie das eines alten Mannes und friedlich wie das eines kleinen Kindes. Berichte über Menschenexperimente, alles dokumentiert in Form von Fotos. All das ist sehr viel auf einmal. Am schlimmsten daran finde ich aber, dass diese Bilder mir im Kopf bleiben, mir die Grausamkeit zeigen und mich auch an den Rand der Tränen bringen, doch was passiert sonst mit mir? In wenigen Stunden fahre ich zurück ins Hostel. Privilegiert. Der Grund, warum ich gerade hier stehe? Weil noch Plätze für diese Fahrt frei waren und ich mich mit dem Thema auseinandersetzen wollte. Aus Interesse. Freiwillig. Und jetzt stehe ich hier, schaue mir Bilder des Leids an. Es trifft mich, geht mir wirklich nahe. Ich werde auch bestimmt einiges mitnehmen können. 22 Leonarda 1/2022
Mich sensibilisieren. Aber immer freiwillig. Aus freiem Willen. So richtig makaber wird es aber, als wir Mittagspause haben. Mehrere Schulklassen sind dort und außerhalb des ehemaligen Lagers befindet sich eine Mensa. Sie sieht nicht anders aus als jede Schulmensa sonst wo, die Preise sind teuer, die Nudeln trocken und die Tomatensoße eine geschmacklose rote Matschepampe. Sich einfach eine Auszeit von diesem Ort nehmen und eine überteuerte, fast schon bescheuert alltägliche Essenspause machen. Der Ort, an dem Menschen buchstäblich verhungert sind. Mein persönlicher Höhepunkt des Tages. Es fühlt sich so unglaublich falsch an, dort zu sitzen und zu essen, als wäre nichts. Einfach ein Schulausflug. Eine Stunde später laufen wir also mit vollgeschlagenen Bäuchen durch das Gittertor mit der Inschrift "Arbeit macht frei". Jeder Schritt, jeder Atemzug fühlt sich respektlos an. Wie verhält man sich ehrwürdig und angemessen den Ermordeten eines KZs gegenüber? Ich glaube, darauf gibt es keine Antwort.
„DENKT DARAN, WIE WIR HIER STARBEN“
Wir besichtigen das Gelände. Die Baracken. Die Unterkunft der "Arbeiter:innen", der Gefangenen. Das Sonnenlicht scheint hinein auf die Holzbetten, taucht alles in ein goldenes Licht. Es riecht nach Holz. Da diese nicht mehr im Originalzustand, sondern nachgebaut sind, ist die Distanz hier drinnen am größten. Wir laufen die lange Allee entlang, der Kies knirscht unter unseren Füßen und neben uns kann man erahnen, wo die ehemaligen Baracken standen. Lange Steinreihen markieren noch die Reste, formen gedankliche Bilder, wie es hier früher ausgesehen hat. Der Weg führt uns zum Krematorium und der Gaskammer. Das Krematorium liegt etwas abseits und man geht durch ein großes eisernes Tor. Rechts direkt dahinter steht ein großer Grabstein mit der Inschrift: "Denket daran, wie wir hier starben." Umgeben von Bäumen wirkt es wie ein kleiner netter Park. Es gibt zwei große eiserne Öfen in einem kleinen Häuschen. In ihnen ist noch Asche und auch wenn sie vermutlich nicht mehr von verbrannten Menschen stammt, habe ich das Gefühl, dem Tod selten so nahe gewesen zu sein. Die Gaskammer im Konzentrationslager Dachau wurde offiziell nie wirklich genutzt. Laut unserem Guide Robert sind dort "nur" ca. 15 Menschen ermordet wurden, genau überliefert ist das nicht. Das Gebäude umfasst drei Räume, in dem ersten waren Umkleiden, die Menschen sollten sich dort ausziehen, nach der "Dusche" würden sie ihre Kleidung wiederbekommen. Die zweite Tür ist nicht besonders hoch, große Menschen müssten sich bücken, um dort durchzugehen. Das Bild der Überschrift über der Tür habe ich immer noch ganz genau vor Augen. "Brausebad". Ein Sinnbild der Grausamkeit. Brausebad, harmlos, schnell duschen gehen. Genutzt oder ungenutzt, mir fehlen bis heute die Worte, wenn ich daran denke. Niedrige Decken, aus als Duschköpfe getarnten Drehgriffen kam statt Wasser Zyklon B, das tödliche Blausäuregas, heraus. Schneller Tod. Qualvoll. In der Decke sind allerdings
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nur Löcher, alle "Duschköpfe" wurde von Besucher:innen geklaut, liegen in irgendwelchen Wohnungen in aller Welt verstreut als Souvenir aus Dachau. Über eine solche Dreistigkeit kann man sich bis ins Unermessliche empören. Der dritte Raum, wenn man die Gaskammer verlässt, sieht ein wenig aus wie der erste. Hier sollten die Leichen gelagert werden, bevor sie dann im Krematorium verbrennen. Die Asche einiger Menschen wurde übrigens in den kleinen Bach, der an der Außengrenze des Lagergeländes verläuft, geschüttet. Hinter dem Stacheldraht des KZs wurden die Leichen entsorgt, weggekippt und die letzten Überreste unsichtbar gemacht. Als hätten diese Menschen nie existiert, nie gelebt.
Schmerz. Wie kann ich mir das Recht rausnehmen, so zu fühlen? Als der unfreundliche (bayrische!!) Zugmitarbeiter und dessen (schlechter!!) Kaffee mich wieder zurück in die Gegenwart katapultieren, sind wir fast wieder in Köln. Jedes Mal, wenn ich den Dom sehe, freue ich mich sehr und dieses Mal ist die Erleichterung besonders groß. Wir verabschieden uns, fahren alle nach Hause. Trauriges Gefühl, zu wissen, dass dies wahrscheinlich unsere letzte Schulfahrt war. Die S11 ist so wunderbar dreckig, nichts ist sauber oder gewischt. Kaugummis und Müll auf dem Breslauer Platz, hach Köln du bist so anders als München, so authentisch belebt. Trotzdem ist es schade, zu Hause zu sein. Schulfahrten sind immer etwas Besonderes, man verbringt Zeit mit DUNKLE STIMMUNG Menschen, die man sonst nicht wirklich sieht, im UnterAuf unserem Rückweg wird es dunkler, die Stimmung ist richt schon, aber nicht in der Freizeit. Außerdem hatten wir gedrückt. Unsere Gruppe ist ziemlich schweigsam. Es geht lustige Abende, hatten Spaß. zurück in den Seminarraum, wir sollen Feedback geben, Ich weiß aber, dass Dachau uns allen noch sehr hinterherschnelle Nummer und wir sitzen im Bus zurück in Rich- hängt. Sich damit freiwillig zu beschäftigen, ohne persöntung Hostel. lich konfrontiert zu sein, ist ein Privileg. Die Möglichkeit Dort angekommen fühlt es sich so an, als sei ich gar nicht dorthin zu fahren ist ein Privileg. Emotionale Distanz halda gewesen. Als hätten wir diesen Ort gar nicht betreten. ten zu können, ist ein Privileg. Auch dass ich gerade in dieWir wollen mit dem Kurs in ein Brauhaus gehen, letzter sem Moment an meinem Laptop über die Fahrt in die KonAbend. Bayern, was ein seltsames Bundesland. Als Acht- zentrationslager-Gedenkstätte Dachau schreiben kann, ist zehnjährige bekommen ein Privileg. Sich »Wir dürfen nicht schweigen, sondern müssen mit darüber klar zu wir im Brauhaus kein Bier. Weil Minderjährige mit am werden, ist nicht Mut gegen Rassismus zusammenstehen!« Tisch sitzen. "Des soan hier schön, sich mit die Regln" erklärt uns der Kellner in Lederhosen, im Hin- sich selbst zu konfrontieren auch nicht. Ich bin ziemlich tergrund bayrische Volksmusik. Wir gehen also raus, vorbei dankbar, das Privileg genutzt zu haben und mitgefahren an den Burschn und Madln im Dirndl und weil um 22:00 zu sein. Ich finde es ungerecht, dass es mir schlecht geht, Uhr alles dicht macht, fahren wir zurück ins Hostel. wenn ich daran denke. Ich träume nachts davon, schaue Meine engsten Freundinnen und ich sind fast alle mitgefah- Filme und Dokumentationen, bringe das Thema so oft ren und so verbringen wir auch diesen Abend zusammen wie es geht in Gesprächen auf, ja auch diesen Artikel zu auf einem Zimmer. Die ganze Luft ist elektrisiert und auf schreiben ist für mich ein Weg, damit umzugehen. Die Geeinmal sind wir alle so grundlos wütend aufeinander, dass schichte des Landes, in dem ich geboren bin, ist so dunkel wir beschließen, schlafen zu gehen. und grausam. Aufarbeitung ist ein Schritt, aber eben auch der Kampf gegen Faschismus. Und auch der ist heute nicht effizient genug. In Zeiten, in denen Ungeimpfte sich einen REFEXION UND VERARBEITUNG gelben Davidsstern mit der Aufschrift "ungeimpft" an die Donnerstagmorgen nach dem Frühstück halten die Leh- Brust hängen, möchte ich am liebsten schreien. Ist es okay, rer:innen mit uns eine Nachbesprechung ab. Wir sagen alle die Menschen als bescheuert abzutun, steckt dahinter ein etwas, reflektieren die Seminare, das Programm, unsere Versagen der antifaschistischen Aufklärung oder ist es ganz Freizeit, München. Über Dachau sagen einige, wie sehr es simpel einfach gefährlich, dass Menschen, die sich "nicht sie dort mitgenommen hat. Andere wiederum sprechen von politisch positionieren möchten", sich mit Nazis solidarider Distanz, weil die Vorstellung so unwirklich ist, es gar sieren? nicht möglich ist, das Thema so nahe ranzulassen, zu abs- Ich zitiere Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden trakt zu wissen, dass es wirklich geschehen ist. Ich zähle des KZs Auschwitz, die leider vergangenes Jahr starb: "Es mich zu dem Zeitpunkt selbst noch dazu. Wir wissen aber gibt keine Gegenwart und keine Zukunft ohne die Verganalle nicht wirklich damit umzugehen. Erst als wir im Zug genheit. Ich bin besorgt, denn ich sehe gegenwärtig Paralzurück sitzen, rausfahren aus München, die Felder und lelen zur damaligen Zeit. Damit sich so etwas niemals wieWiesen an uns vorbeiziehen, fange ich für mich an zu rea- derholt, dürfen wir nicht schweigen, sondern müssen mit lisieren. Ich muss mich wegsetzen von den anderen, brau- Mut zusammenstehen gegen Rassismus." che Zeit für mich. Ich schaue mir Dokus an, über Dachau, Bergen-Belsen, Auschwitz. Mir kommen die Tränen, diese Wahrhaftigkeit der Geschichte ist wie ein tiefer Schlag in die Magengrube. Mit jeder Träne schäme ich mich fast, als nicht betroffene Person von außen zu betrachten und nicht mal eine Ahnung davon zu haben, vom wirklichen 1/2022 Leonarda 23
LK-Wahlomat
Die Chemie muss stimmen Wenn es Zeit ist die Leistungskurse zu wählen, wird einem auf einmal bewusst, dass das Abitur doch gar nicht mehr so weit weg ist, wie es vielleicht schien.
Bild: Unsplash/Kai Dahms
von Lotte A. L. Matull
Jetzt wird entschieden, welche Fächer im Abi vor- beruhigt sagen, dass ich es nicht bekommen werden und welche definitiv nicht. Glaubt reue (oder noch nicht ;)). mir, wenn ich euch sage, dass diese Entscheidung Um mal ein paar Details zu teilen: sehr wichtig ist, aber man sich gleichzeitig nicht in diesem LK lernt man Experimente richtig, einen zu großen Kopf darum machen sollte: die also mit Protokoll und allem, durchzufühQualifikationsphase wird mega! ren und auch mal verschiedene Dinge zu Ein kleiner Rat bei der Entscheidung: findet eine recherchieren oder Excel zu nutzen, um ein Balance zwischen dem Gefallen an dem Fach Ergebnis graphisch darzustellen. Man lernt selbst und euren Noten, sprich: wählt irgendwas, Reaktionsgleichungen aufzustellen und sich mit worauf ihr Bock habt und worin ihr keine Niete den einzelnen Elementen (nicht allen, aber den „norseid. maleren“, d.h. häufiger vorkommenden) auseinander Um euch bei dieser Entscheidung ein wenig zu zu setzen. helfen, stelle ich euch meine beiden LKs vor: Bei Englisch zählt eigentlich nur eins: reden und erkläChemie und Englisch. ren. Man kennt es aus dem Unterricht der letzten JahFangen wir mit Chemie an, denn jedes Mal, re, hier wird viel gelabert und analysiert. Wenn euch wenn ich jemandem erzähle, dass ich also Bücher lesen und bis ins kleinste Detail Chemie-LK habe, gibt es zwei Reakanalysieren gefällt, seid ihr hier definitiv tionen: a) „Chemie-LK?! Das würrichtig. de ich niemals wählen.“ oder b) Natürlich dreht sich das ganze Fach ‹‹Findet die Balance nicht nur um Bücher, behandelt wer„Boah, dass ist bestimmt ganz schwer…“. zwischen dem Gefallen den auch aktuellere Themen wie Chemie hat, glaube ich, einfach an dem Fach selbst und zum Beispiel Globalisierung. einen falschen Ruf… es macht Die Klausuren sind ehrlich gesagt euren Noten.›› echt viel Spaß. Man experimensehr lang und ihr werdet bestimmt tiert viel und macht auch mal mal einen Handkrampf vom ganzen „gefährlichere“ Sachen. Ich muss Schreiben bekommen, aber solange ihr jedes Mal zum EKG (Erich-Kästnereuch eure Zeit einteilt, kriegt man das geGymnasium) fahren, weil sich am Leo nur backen. drei Leute für den Chemie-LK entschieden ha- Hier als Tipp: Es ist egal, ob ihr all die Wörter kennt; ben und deshalb ein Partner-Kurs entstanden solange man verstehen kann, was ihr meint, passt das ist. für die Lehrkraft. (Obwohl ich hier eigentlich nur von Die Klausuren sind sehr ausführlich und teilwei- meinen Erfahrungen bei Herrn Collatz sprechen kann. se echt tricky, aber wenn man gut aufpasst und ;)) etwas Arbeit ins Lernen steckt, kriegt man das Für beide LKs gilt eigentlich, wenn die Leute und der schon irgendwie hin. Ich bin im Vergleich eine Lehrer bzw. die Lehrerin noch nett sind, hat man echt recht gute Schülerin und Chemie-Klausuren sind abgesahnt. trotzdem manchmal eine Herausforderung. Lasst Naja, sonst noch als abschließende Empfehlung: euch aber nicht von wissenschaftlichen Begriffen glaubt den Lehrer:innen, die sagen, man soll LKs nicht einschüchtern und versucht einfach irgendwie zu nach Lehrer:innen wählen nur halb. Bedingt stimmt erklären, was ihr denkt. :) das auch, aber manchmal hat man einfach die ArschIch selbst hab sehr lange überlegt, ob ich Chemie karte gezogen oder halt das Ass, aber so ist das Leben. jetzt wirklich machen will oder ob ich es lieber lassen sollte… Nachdem ich es entschieden hab, kann ich
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LK-Wahlomat
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Im Gespräch
„GUCKT NICHT IMMER, WAS WIKIPEDIA SAGT“ ABSCHIED - Frau Schmitt, Geschichts- und Englischlehrerin am Leo seit fast 22 Jahren, ist zum zweiten Halbjahr in den Ruhestand gegangen. Wir haben mit ihr über ihre Pläne in der Rente gesprochen. Sie hat uns erzählt warum sie Lehrerin geworden ist, dass sie gerne mal in einer Zeitmaschine reisen würde. Sie hat uns auch erzählt, was sie am Leonardo vermissen wird und uns einen ganz besonderen Wunschtraum verraten.
Bild: Unsplash/Luke Stackpoole
von Klara Dörrwächter und Tami von Cysewski
Werden Sie etwas besonders an der Schule oder an der Arbeit als Lehrerin vermissen? Ja. Vor allem die Schülerinnen und Schüler. Teilweise halte ich ja immer noch den Kontakt zu Ehemaligen. Auch die Unterrichtsstunden werden mir fehlen, ich habe eigentlich immer gerne unterrichtet. Oft kamen mir die besten Ideen während des Unterrichts. Außerdem muss ich mir was überlegen, wie ich weiter Englisch sprechen kann, durch den Unterricht bin ich es ja gewohnt, ganz viel Englisch zu sprechen und auch das werde ich vermissen. Haben Sie irgendwelche Ereignisse hier an der Schule erlebt, an die Sie sich immer erinnern werden? Oh, auch da, glaube ich, gibt es eine ganze Menge: die Fahrten, die ich betreut habe, wenn dann da zwei Männlein in der Nacht vor meiner Tür standen und sagten, dem anderen geht es 26 Leonarda 1/2022
Frau Schmitt hat während des Studiums in Großbritannien Lust aufs Unterrichten bekommen.
nicht gut, weil er zu viel aus dem Süßigkeitenautomaten gekauft hatte - an Schlaf war in solchen Nächten nicht zu denken. Erinnern Sie sich noch an den ersten Tag am Leo? Ich hatte direkt eine Klasse im Raum 211, eine siebte Klasse in Geschichte, und ging ahnungslos aus dem Lehrerzimmer raus, weil ich dachte, dass die Ebenen in dieser Schule gleichmäßig sind. Als ich an der Aula ankam, stellte ich fest, dass es hier ja gar nicht weiterging. In dem Moment dachte ich mir nur: Das ist ja eine Harry-PotterSchule hier. Warum sind Sie Lehrerin geworden? Ich hatte gute Lehrer:innen, vor allem in Englisch und Französisch, die mich nicht nur gefördert, sondern auch gefordert haben. Das war natürlich nicht immer angenehm, das kennt ihr ja. Aber trotzdem, das hat mich weiter ge-
bracht, als wenn mich jemand immer mit Samthandschuhen angefasst hätte. Was noch dazu kam ist, dass ich natürlich meine Lieblingsfächer studieren wollte, Englisch und Geschichte. In meinem Studium war ich dafür ein Jahr in Großbritannien. Ich war dort Teaching Assistent für Deutsch, denn mit Englisch hätte ich ja niemandem helfen können. Da habe ich gemerkt, dass mir das Unterrichten total Spaß macht und habe mich entschieden, Lehrerin zu werden. Haben Sie als Geschichtslehrerin eine Lieblingsperson in der Geschichte? Ich würde mich gar nicht unbedingt auf eine Person festlegen. Wenn große Dinge passiert sind, hätte ich schon gerne Mäuschen gespielt, z.B. bei Abraham Lincoln, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von 1861 bis 1865, der sich erfolgreich für die Abschaffung der Sklaverei in den USA einsetzte. Oder auch bei John F. Kennedy,
Im Gespräch
dem amerikanischen Präsidenten von 1961 bis 1963. Doch ich bin andererseits natürlich auch froh, dass ich manche historischen Zeiten nicht erlebt habe. Am liebsten hätte ich eine Zeitmaschine, mit der ich immer mal kurz gucken, aber dann auch ganz schnell wieder nach Hause könnte. Denn ich weiß, dass viele Zeiten grundsätzlich viel schwieriger waren als unsere heute. Was wollten Sie schon immer mal machen? Ich hätte als Kind gerne Ballett gelernt, aber meine Eltern haben mir damals gesagt, dass das nicht unserer Gesellschaftsschicht entspricht, Tanzen war damals ein bisschen fancy. Genauso gerne hätte ich Reiten gelernt. Ich bedaure das bis heute, weil ich Pferde so gerne mag. Tatsächlich hätte ich heute gerne ein Pferd, ein Islandpferd, nicht so eins von den großen, sondern ein ganz gemütliches. Und manchmal überlege ich, ob ich nicht jetzt noch damit anfangen könnte, ich hab jetzt ja Zeit… Was werden Sie als erstes machen, wenn Sie im Ruhestand sind? Mein Mann und ich werden wahrscheinlich direkt wieder an die Ostsee fahren. Dort sind wir ja oft und ich denke, wir werden Köln dieses Jahr verlassen und entweder Richtung Ostsee oder Nordsee ziehen. Ich bin eine richtige Kölnerin, ich darf das sagen: Es ist nicht immer nur schön in der Großstadt, es ist laut, es ist grell und es ist dreckig. Ich möchte jetzt lieber mal an einem Ort leben, an dem es ruhiger ist und in der Nähe eines großen Sees oder der Meeresküste, das fände ich total schön. Reisen würde ich gerne mal nach Nordeuropa, aber lieber mit einem Frachtschiff, nicht mit einem großen Kreuzfahrtschiff. Was war das Verrückteste, das Sie je ausprobiert haben? Ich bin kein mutiger Mensch, ich habe nie einen Bungee-Sprung oder so etwas gemacht. Ich habe Höhenangst, also ist auch Klettern schwierig. Ich bin eine sehr vorsichtige Person. Ich weiß noch, wie ich als Kind in einer Mauer gehangen habe. Wir waren in einer Jugendherberge und da hochzuklettern,
war Teil einer Mutprobe. Ich dachte, ich kann alles und plötzlich hing ich da und kam nicht voran, hinter mir der Abgrund. Seitdem bin ich sehr vorsichtig geworden mit Mutproben, vielleicht ein bisschen zu sehr, das gebe ich ehrlich zu. Haben Sie eine Art Lebensmotto? Ich bin ein Mensch, der das Glas immer eher halbvoll als halbleer sieht. Manchmal muss man einfach versuchen, die Dinge eher positiv zu sehen. Als Lehrerin zum Beispiel ist es wichtig, den Kindern viel zuzutrauen. Oft höre ich Lehrer*innen, die sagen „die können nichts“, aber das stimmt so nicht. Was war Ihre schlechteste Schulnote? Ich glaube, ich hatte mal eine sechs in einer Mathearbeit. Mathe war nach der 8. Klasse ein No-Go bei mir, ich hatte aber auch nicht so gute Mathelehrer. Eine Biolehrerin, die hat mich mal das Fürchten gelehrt, aber dann war ich so fleißig, dass ich nach dem blauen Brief doch wieder auf eine drei gekommen bin. Ich habe das Wochenende damit verbracht, Moose und Farne zu sammeln, damit ich keine fünf bekomme. Noch abschließend: Was ist so eine Sache, die Sie den Schülerinnen und Schülern mitgeben wollen? Das habe ich auch schon zu meiner EF gesagt: Das Wichtigste, was ihr für euer Leben wissen sollt, ist folgender Satz des Philosophen Immanuel Kant: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Ich glaube, das ist der wichtigste Satz überhaupt für uns alle. Guckt doch nicht immer, was Wikipedia sagt oder die Mehrheit oder das Schulbuch, denkt selber darüber nach. Man kann mehr, als man eigentlich denkt. Wir leben in einer Zeit, in der wir manchmal denken, alles sei viel zu viel. Die Regierung macht, die Gesellschaft sagt, starke Gruppen sagen: „Macht das.“ Und trotzdem müssen wir immer aufpassen und Dinge hinterfragen. Nicht dass wir wie Anfang der 1930er Jahre den Zeitpunkt verpassen, an dem man noch sagen kann: „Stopp!“ Das finden wir einen gelungenen Abschluss und danken Frau Schmitt für das interessante Interview.
Kultur & Kunst
Ein Tag am Strand von Tasnim Ardouz
Weißt du, wie der Strand aussieht? Nach Meer und trockenem Sand, nach einem fantastischen Land und einer sonnengecremten Hand. Weißt du, wie der Strand sich anhört? Nach einem rauschenden Meer und Nach einem rufenden Heer. Weißt du, wie der Strand riecht? Nach heißem Sand und kühlem Meer Und nassen Badehosen, nach Wasserball Und Sonnencreme. Nach Sandstaub und Urlaub. Weißt du, wie der Strand schmeckt? Nach einem entdeckten Projekt, nach Einem unaufhaltsamen Prospekt. Weißt du, wie der Strand sich anfühlt? Nach heißer Haut und nach einem Dieb, der Sachen klaut.
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Kultur & Kunst
Dame mit Hermelin Leonardo da Vinci 1489
Mila B.
Der Menschensohn René Magritte 1964
Phillipp S.
28 Leonarda 1/2022
Kultur & Kunst
VORSICHT DOPPELGÄNGER:INNEN! BERÜHMTE BILDER NACHGESTELLT VON SCHÜLER:INNEN DER 6A
Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge, Jan Vermeer, 1665
Frida B.
Der Mann mit rotem Turban van Eyck, 1433
Ben H.
1/2022 Leonarda 29
Kultur & Kunst
Nicht bloß »schön« Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Der Kunst LK präsentiert auf einer Vernissage seine gesammelten Werke, darunter viele Bilder die nicht nur schön, sondern aussagekräftig und auch ziemlich mutig sind. von Klara Dörrwächter und Maren Königs
Als wir gegen sechs am Mittwochabend in der Schule ankommen, sieht der Flur ganz anders aus als sonst. Auch die Atmosphäre ist anders. Anstatt der vielen, noch leicht verschlafenen Schüler:innen, stehen hier plötzlich festlich gekleidete Lehrer:innen, Eltern und Schüler:innen. Denn heute präsentiert der Kunst LK 2020/22 seine über Jahre hinweg gesammelten Werke. Die Wände des Flures sind geschmückt mit kleineren und größeren Leinwänden, Fotos, Skizzen und ganzen Bildergalerien. An den Seiten sind Tische aufgestellt, auf denen ebenfalls Skizzen, aber auch Fototagebücher, in denen manche einen ganzen Sommer fotografisch festgehalten haben, ausgestellt sind. Natürlich darf auch der Sektempfang nicht fehlen. Also hält Herr Kombrink-Detemble direkt zu Anfang einen Toast auf die Künstlerinnen und Künstler und eröffnet damit die Vernissage. Während wir durch den Flur schlendern, bestaunen wir die Werke. Viele berühren uns emotional. Besonders eine Fotoreihe, die zehn Menschen zeigt, die ihre schlimmsten und ihre schönsten Momente schildern. Sich vorzustellen, was sie alles erfahren und erlebt haben, berührt nicht nur uns, denn wir sehen viele Menschen lange davorstehen und aufmerksam die Texte unter den Fotos durchlesen. Einen komplett anderen Hintergrund hat das Bild „Dystopie" (Seite 6 in dieser Ausgabe), das die sozialen Medien und ihre Auswirkung auf die Gesellschaft kritisiert. Wir haben den Künstler Fatih Kaya gefragt, was seine genauen Gedanken beim Gestalten waren: „Das Bild spiegelt den Realitätsverlust wider. Es kritisiert die sozialen Medien, sowie die heutige Gesellschaft, da diese durch die sozialen Netzwerke den Blick auf die Wirklichkeit verliert. Sie blendet alles um sich herum aus, fokussiert sich lieber auf soziale Medien und genießt die realitätsfer30 Leonarda 1/2022
ne Wirkung, die dies auf sie hat. Die VR-Brillen stellen die sozialen Netzwerke dar, die den Menschen die Sicht auf die Realität nehmen. Diese ist in den von Flammen zerstörten Häusern verkörpert, die aber von der gesamten Menschheit nicht beachtet werden oder gar nicht wahrgenommen werden. Weiter sieht man Hochhäuser mit den Symbolen großer Konzerne wie Tik Tok und Instagram, weil diese eine gewisse Kontrolle über die Menschheit haben.“ Öfter sehen wir das Thema Ecce Homo „Seht da, der Mensch“ (lat.). Hierbei beschäftigte sich der Kunst LK mit den Fragen nach dem Menschen generell, was ihn ausmacht und wie wir Menschen miteinander umgehen. In den angrenzenden Räumen zeigen manche Schülerinnen und Schüler selbst gedrehte Filme. Auch diese haben einen tiefen, persönlichen Hintergrund und eine wichtige Bedeutung für die Künstler:innen. Diesen Punkt fanden wir besonders beeindruckend. Alle Geschichten, die hier durch die Kunstwerke erzählt werden, sind nicht einfach so aus dem Ärmel gezogen, um ein optisch schönes Bild zu malen. Sie alle bedeuten etwas für die Künstler:innen, die sich alle intensiv mit dem Thema beschäftigt haben und durch die Bilder auch einen großen Teil ihrer Persönlichkeit und ihres Lebens preisgeben. Wir müssen ehrlich zugeben, dass wir das ziemlich mutig finden. Aber das ist eigentlich auch das Schöne an Kunst, man kann durch Zeichnungen Dinge verkörpern, die sich oft nicht richtig in Worte fassen lassen. Wir laufen mehrmals den Flur auf und ab, um alle Eindrücke in uns aufnehmen zu können, denn diese Vernissage ist wirklich besonders schön geworden, in erster Linie natürlich die Bilder, doch auch die Atmosphäre war besonders und ganz anders als man sie sonst vom normalen Schulalltag kennt.
Kultur & Kunst
Jasmin Effer
Franja Kaiser
Franziska Hohr
MEHR IM NETZ Dies sind nur einige Werke, die auf der Vernissage präsentiert wurden. Die Slideshow mit weiteren beeindruckenden Bildern findet ihr auf unserer Magazin-Website unter leonarda.koeln.
Paula Metz 1/2022 Leonarda 31
Foto: Kaan Dinc
Rezensionen
Jugend ohne Gott Theaterkritik: Schauspielhaus Köln von Esat Kaan Dinc
M
it ihrer Adaption von Ödön von Horváths Roman “Jugend ohne Gott” hat Tina Müller ein Stück tote Zeit in die Gegenwart überführt, sie hat dieses Fragment nationalsozialistischer Zeit auf die Bühne gebracht. Anlass dazu gibt es – leider – reichlich in Zeiten von “Hass und Hetze”, von Halle und Hanau. Das ständige Ensemble –jung & divers – beschreibt die eigene Aufgabe so: „Wir betreiben Import-Export-Handel mit Geschichte und Geschichten. Wir […] verhandeln unsere Positionen zu Identität, Diversität, Rassismus, Sexismus, Klassismus, sozialen Ungerechtigkeiten.“
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Es ist vor allem dieses Ensemble, das eine herausgehobene Rolle spielt, denn es erzählt – naturgemäß – authentisch, wie sich Jugendliche mit den Problemen ihrer Zeit auseinandersetzen. Dabei bleibt es thematisch nicht bei Hitlerjugend, Konformität und Schuld; ganz unpathetisch berührt das Stück Fragen, die sich Jugendliche von Tag zu Tag stellen müssen, und zeigt gleichsam die Kontinuität dieser Fragen auf. Der Versuchung, sich in Oberflächlichkeit und Platituden zu verlieren, konnte das Stück widerstehen und es hat wirksam Schwerpunkte gesetzt, ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren.
Auch Komik und Sarkasmus musste man in diesem Stück nicht entbehren; zu Beginn wurde ganz unverblümt gesagt, dass das Stück womöglich die Gefühle des ein oder anderen AFDWählers verletze und sich dieser besser gleich verziehe, ehe ihn Gendern und Co. vergräme. Insgesamt konnte das Stück überzeugen, auch wenn es nicht virtuos war. Doch einen solchen Anspruch hatte das Stück auch nicht. Es hat sein Thema allgemein genug aufbereitet, ohne sich dabei überflüssig und bedeutungslos zu machen. Kurz: eine Empfehlung, vor allem für Jugendliche.
Rezensionen
PENTHESILEA
Eine Verfilmung der Q1 von Zoe Tabea Marsch
Ein Krieg zwischen Griechen und Trojanern, das Volk der Amazonen und ein tragischer Kampf mit und um die Liebe. Der Literaturkurs von Frau Glocksin hat am Anfang der Q1 angefangen, sich mit dem Drama „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist zu beschäftigen. Das Stück wurde 1808 verfasst und dreht sich um die Amazonenkönigin Penthesilea. Das Stück basiert auf der griechischen Mythologie. Am 9. September 2021 hat der Literaturkurs die Live-Premiere des Films Penthesilea in der Aula gefeiert. Die zwei Protagonist:innen, um die sich die tragische Liebesgeschichte dreht, wurden verkörpert von Luca Jehle (Penthesilea) und Denis Pokrass (Achill).
DIE STORY In Troja kämpfen die Griechen gegen die Trojaner. Doch dann mischt sich das Volk der Amazonen unter die Kämpfenden, denn das Rosenfest der Amazonen steht
an: Die Kriegerinnen sollen sich hierbei im Kampf Männer erobern, die sie zur Zeugung neuer Kriegerinnen mit sich nehmen. Nach dem beim Rosenfest vollzogenem Zeugungsakt werden die Männer wieder in die Freiheit entlassen. Nur die neugeborenen Mädchen bleiben am Leben und werden zu neuen Kriegerinnen des Volkes der Amazonen ausgebildet. Dies ist die normale Abfolge des Rosenfestes, doch es soll nicht bei dem gewohnten Ritual bleiben. Ausgerechnet die Königin der Amazonen verliebt sich unsterblich in einen Krieger. Doch Verlieben ist in dem Akt nicht gestattet und es entwickelt sich eine Tragödie. Auf welcher Seite steht Penthesilea? Bleibt sie ihrem Volk treu oder verfällt sie ihrer Begierde, ihren unzähmbaren Gefühlen? Die Königin der Amazonen, eine Kriegerin von solcher Stärke, stellt sich gegen ihre eigenen Gesetze und gibt dafür alles auf. Eine Liebe, so verboten und reizvoll! Die Königin, von der Lust getrieben, von der Liebe befeuert, gedankenlos.
Frau Glocksin: „Es geht um Liebe – unerschütterlich, unbeirrbar, bedingungslos. Um Begierde und Erregung, rücksichtslos und haltlos. Um die maßlose Leidenschaft zweier Liebenden aus einander völlig fremden Welten, eine Liebe, die diese Welten erzittern lässt, als würden zwei Sterne aufeinander schmettern - sie führt zu Mord und Tod.“ Falls ihr jetzt Lust habt, das Stück zu sehen, haben wir gute Nachrichten: Wir sind noch dabei, die Veröffentlichung des Films zu organisieren, so dass demnächst jede/r die Möglichkeit hat, das Stück zu sehen. Ein Dankeschön an Stefan Nowak für den Dreh (Kamera, Licht und Ton) und Cassian Leikert für den Schnitt! Ein riesen Dankeschön geht von unserem Literaturkurs an Claudia Glocksin, unsere Kursleiterin - ohne sie wäre das Projekt nie möglich gewesen! Danke für die Idee, das Umschreiben der Texte, das SchauspielCoaching ;), das Schneiden (mit Cassian Leikert), die Verwirklichung und auch die schöne Zeit!
Fotos: Claudia Glocksin
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Rezensionen
Bild: Unsplash / Dibakar Roy
NATHAN DER WEISE 34 Leonarda 1/2022
Rezensionen
THEATERSTÜCK NATHAN DER WEISE (IM SCHAUSPIELHAUS KÖLN, AM 26/11/21) Eine Rezension aus der Q1 Das Drama Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing ist auch heutzutage noch ein altbekannter Klassiker, der in vielen Schulen als Lehrstoff für die Oberstufe genutzt wird. Stefan Bachmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Stück auf der Kölner Theaterbühne im Schauspiel Köln zu inszenieren. Das Aufklärungsdrama handelt von Religions-Diversität im Zusammenhang mit Konflikten der Religionszugehörigkeit sowie mit religionsabhängigen Werten und Normen. Nathan, die Hauptfigur, zieht seine Adoptivtochter Recha als Jüdin auf, kommt jedoch eigentlich selbst aus einer christlichen Familie. Wie sich zudem herausstellt, ist Rechas leiblicher Vater Muslim. Die leitende Frage, die sich stellt, ist, welcher Religion Recha nun tatsächlich angehört. Ist Glaube eine Frage der Sozialisation oder des Erbes? Dieser Frage versucht Stefan Bachmann anhand seiner Inszenierung von Nathan der Weise auf den Grund zu gehen. Nach einem vernichtenden Feuer in Nathans Haus liegt Recha eingewickelt in Verbandstüchern in einem herkömmlichen Krankenhausbett. Da sie von einem christlichen Tempelherrn glücklicherweise rechtzeitig gerettet wurde, hat sie knapp überlebt und verdankt diesem ihr Leben. Wie sich im weiteren Verlauf herausstellt, scheint der Tempelherr ein Problem mit Juden zu haben. Recha und der Tempelherr verlieben sich ineinander. Ein dramatisches Dilemma entsteht, wobei Margot Gödrös als ein weises Engelchen die Moral aus dem Dilemma zieht und in einem nur schwer verständlichen Fremdtext diese Moral zu vermitteln versucht. Auch das Kernstück des Dramas, die Ringparabel, ist viel zu langgezogen und als solche nur schwer zu erkennen. Generell sind in dem Theaterstück viele Fremdtexte sowie verschachtelte Satzbaustellungen enthalten, die das Stück schwer nachvollziehbar machen und eine Deutung erschweren. Hier wären einfachere Dialoge sowie eine modernere Sprache wünschenswert gewesen. Die durchsichtigen Plastikvorhänge sowie das Krankenhausbett lassen das Bühnenbild steril und kühl wirken. Zudem spielen sich viele Dialoge in einer kleinen Küche ab, die aus Stühlen, einem Tisch und einem Kühlschrank besteht. Da die Küche den Zuschauer:innen keinen Orientierungssinn vermitteln kann, weiß man häufig nicht, wo und warum die Dialoge in der Küche stattfinden. Außerdem ist nicht klar, wieso sich Derwisch im Kühlschrank aufhält und manchmal herausschlüpft, um Teil des Dialoges zu werden. Jedoch ist das große Feuer in der Mitte des Theaterstückes zu loben, dass eine Dramatik ausstrahlt und einen spannenden Höhepunkt des Dramas vermittelt. Außerdem kamen fünf Tische sowie viele Stühle für den Rest des Stückes als Bühnenbild zur Erscheinung. Dies war
jedoch zu vereinfacht, um klar nachvollziehen zu können, an welchen Örtlichkeiten die Handlung jeweils spielt. Zusätzlich zum Bühnenbild waren große Lautsprecher montiert, um dramatische Soundeffekte passend zum Stück einspielen zu können. Hier wurden beispielsweise Soundeffekte von einem lauten Kriegsflugzeug eingespielt, welche den Zuschauer:innen einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließen. Diese waren sehr laut und man erschreckte sich aufgrund der Lautstärke. Das Stück wurde so mit dem Krieg in Verbindung gebracht. Schon im Laufe der ersten Szene erschließt sich die hervorragende schauspielerische Leistung Nathans. Bruno Cathomas lässt seine Emotionen super mit dem gesprochenen Text harmonieren und überzeugt das Publikum mit seiner schauspielerischen Leistung. Margot Gödrös als weises Engelchen ist wie für ihre Rolle gemacht. Ihre Stimme klingt rau und alt, sodass man ihr die Rolle als Moralvermittlerin sofort abkauft. Generell aber war der gesprochene Text viel zu leise und schwer verständlich. Was allerdings lobenswert war, ist der perfekt abgestimmte Untertitel, der auf Englisch mit zu lesen war. Gleich in der Anfangsszene wurde einem als Zuschauer:in klar, wer welche Rolle spielt. Dies wurde insbesonders an den Kostümen deutlich. Nathan hatte anfangs einen kleinen Koffer bei sich, der ihn als einen reisenden Geschäftsmann erscheinen ließ sowie einen Hut, den er ständig trug. Dieser ließ ihn als weisen, geheimnisvollen Mann wirken und verdeutlichte seine Rolle im Stück. Zudem waren die jeweiligen Angehörigen gleich gekleidet und auch hier war einfach zu erkennen, wer zueinander gehörte und welche Beziehungsdynamiken es in dem Theaterstück gab. Die Kostüme waren keinesfalls modern und passten somit zu der verwendeten Sprache. Im Allgemeinen bietet sich das Theaterstück gut für Abiturienten an. Da es sich fast eins zu eins an die niedergeschriebenen Dialoge der Buchvorlage hält, vermittelt es eine gute Übersicht über das Stück. Jedoch empfehle ich, das Drama vor dem Theaterbesuch zu lesen, damit die Grundhandlung sowie die Dialoge besser verständlich sind und man als Zuschauer:in folgen kann. 1/2022 Leonarda 35
Was ist...
Was ist… nichtbinäre Geschlechtsidentität? von Toni Ritzenhoff
Bild: Unsplash/Mariola Grobelska
P
uh, das klingt ja vielleicht mal kompliziert. Das ist es aber eigentlich gar nicht. Nichtbinär zu sein, heißt einfach nur, von der Geschlechternorm abzuweichen, sich also weder eindeutig wie eine Frau oder ein Mann zu fühlen. Es gibt auch Menschen, die sich wie eine Frau UND ein Mann fühlen. Da gibt es ein großes Spektrum. Und das hat nichts damit zu tun, ob man einen Penis oder eine Vulva hat. Oder beides (dazu mehr im Artikel „Was ist… LGBTQIA?”). Es ist auch wichtig, zu verstehen, dass die Geschlechtsidentität nichts mit der Sexualität zu tun hat. Nichtbinären Menschen kann man die Geschlechtsidentität nicht immer ansehen, also kann es wichtig sein, Menschen, die man nicht gut kennt, nach ihren PRONOMEN zu fragen. Pronomen? Das letzte mal hast du das wahrscheinlich im Deutschunterricht gehört. Das ist aber ganz einfach, denn wir benutzen Personalpronomen eigentlich die ganze Zeit. Er, sie, ihm, ihr verwenden wir ja ganz schön häufig in unserem alltäglichen Sprachgebrauch, um Andere anzusprechen oder zu beschreiben. Und das passiert ja alles ganz schön automatisch. Aber wie ist das denn jetzt mit einer Person, die sich weder als Er oder als Sie fühlt? Das ist im Deutschen ehrlich gesagt manchmal ein bisschen tricky, aber das kriegt man hin. Zum Beispiel kann man statt „Das ist sein/ihr Heft“ „Das ist DEREN Heft“ benutzen. Deren ist immer geschlechtsneutral. Bei Sätzen wie:
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„Er/Sie ist nett“ wird das alles schon wieder ein bisschen schwieriger. Und da gibt es verschiedene Alternativen, bei denen ihr am besten die Person fragt, womit sie sich am wohlsten fühlt. Zum Beispiel kann es sein, dass die Person am liebsten mit ihrem Namen statt mit einem Pronomen angesprochen wird. Das wäre dann einfach: „Luca ist nett“. Es gibt auch nichtbinäre Menschen, die die sogenannten NEO-PRONOMEN „xier“ oder „dey“ benutzen. Dann würdest du einfach sagen, dass xier ziemlich nett ist. Und dass dey eine schöne Jacke hat. Es gibt auch noch weitere Neo-Pronomen, aber diese beiden sind die gängigsten in der deutschen Sprache. Im Englischen wird meist die Pluralform „they/ hem“ benutzt, da diese kein bestimmtes Geschlecht anspricht. Im Deutschen ist das leider nicht möglich, weil die Mehrzahl ja wieder Sie ist. Trotzdem wird auch der englische Begriff manchmal im Deutschen verwendet. Holla, they scheint ja mal wirklich nett zu sein. So, ich hoffe, du hast was gelernt und weißt jetzt, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt und wie du nichtbinäre Menschen dann am besten ansprichst. Und denk dran, lieber mal nachfragen, mit welchen Pronomen sich die Person am wohlsten fühlt, als gar nichts zu machen. Wenn du noch irgendwelche Fragen zum Thema nichtbinäre Geschlechtsidentität (im Englischen auch non-binary), queer sein oder irgendetwas anderem hast, kannst du uns immer gerne, auch anonym, Fragen stellen. Vielen Dank fürs Informieren!
Was ist...
LGBTQIA+ ... was bedeutet das jetzt genau? von Emily Schnabel
Die Abkürzung steht für einige Begriffe. Aber keine Sorge, es ist gar nicht kompliziert! Das „L“ steht für lesbian, das ist Englisch für Lesbe. Eine Lesbe ist eine Frau, die Frauen liebt und mit Frauen Sex hat. Der Begriff kommt tatsächlich von der griechischen Insel Lesbos. Die griechische Dichterin Sappho aus dem 7. Jahrhundert vor Christus war bekannt dafür, Frauen zu lieben und hat diese Insel mit ihren zahlreichen Liebhaberinnen bewohnt. Diese Frauen auf Lesbos waren die Lesben und so hat sich der Begriff bis heute gehalten. Das „G“ steht für gay, also englisch für schwul. Schwule sind Männer, die Männer lieben. „Gay“ wird allerdings im Englischen auch im Allgemeinen für queere Menschen genutzt, also nicht nur wie im Deutschen für schwule Männer. Das „B“ steht für bisexual, im Deutschen bisexuell. Menschen die Bi sind mögen Frauen und Männer, lieben also beide Geschlechter und haben mit beiden Geschlechtern Sex. Es ist übrigens total egal, ob man vielleicht fünf Freundinnen gehabt hat und dann erst den ersten Freund oder andersherum. Wen du liebst, entscheidest du! Eine berühmte Person, die bisexuell war, war die mexikanische Malerin Frida Kahlo. Wenn ihr Mann Diego Rivera sie mit einer anderen Frau betrogen hat, hat sie dann auch mit der Frau ge-
schlafen. Außerdem hatte sie eine sehr lange Affäre mit der mexikanischen Sängerin Chavela Vargas. Das „T“ steht für transgender, ein Begriff, den wir im Deutschen genauso übernehmen. Transgender bezeichnet Menschen, die sich dem bei ihrer Geburt zugeordneten Geschlecht nicht zugehörig fühlen. Also eine Frau, die im Körper eines Mannes geboren wird oder andersherum und dann irgendwann die Möglichkeit hat, die äußeren Geschlechtsmerkmale anzugleichen, also mithilfe von Hormonen und Operationen den Körper angleichen kann. Wir sprechen übrigens von Gender, da dies ein politischer Begriff ist und nicht etwa Vulva oder Penis meint, sondern das ganze Spektrum drumherum und was es eben bedeutet, vorgeschrieben zu bekommen, was es heißt, als Mann oder Frau gesehen zu werden. Das „Q“ steht für queer. Auch Queer kann so aus dem Englischen übernommen werden und beschreibt im Wesentlichen alles. Lesbe sein, schwul sein, bisexuell sein, das ist alles auch queer sein. Queer sein ist das Gegenteil von „straight“, also heterosexuell, d.h. Männer, die Frauen lieben und Frauen, die Männer lieben. Wenn man sich nicht sicher ist, was oder wen man jetzt wie mag, dann passt der Begriff Queer bestimmt!
Das „I“ steht für intersexual und bezeichnet Intersexualität. Intersexualität richtet sich nach klinischen Geschlechtsmerkmalen, die bei der Geburt und im weiteren Verlauf des Lebens sich nicht in die beiden gesellschaftlichen Geschlechter Frau und Mann unterteilen lassen. Nicht kompliziert zu verstehen, oder? Das „A“ steht für asexual, also asexuell. Asexualität ist unabhängig davon, wen man mag, sondern beschreibt, dass es eben auch Menschen gibt, die gar keinen Sex wollen und keine sexuelle Anziehung verspüren. Das ist natürlich unabhängig davon, ob man sich verliebt. Das „+“ beschreibt, dass da ein Spektrum ist und viel mehr als nur diese sieben Buchstaben. Man muss sich in keine dieser Sexualitäten einordnen, aber vielleicht hilft es dir ja zu wissen, dass du mit deinen Gefühlen auf gar keinen Fall allein bist und dass es eben nicht so sein muss, als Frau auf Männer zu stehen und andersherum oder dass es total normal ist, sich nicht sicher zu sein und nirgendwo einordnen zu wollen. Gibt es noch Fragen? Dann schreib unserer Redaktion und wir helfen dir gerne weiter - natürlich auch anonym ;)
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SV-Aktuell
Viel geschafft .............................................. von Nehir Ketenci
D
i e s e s Schuljahr hat vieles mit sich gebracht: den Umzug der Fünfer bis Siebener ins neue Gebäude oder verschiedene Projekte wie unser Hilfsprojekt für die Ukraine. Wir als SV haben vieles geschafft - dank eurer Hilfe!
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Und jetzt kommt vielleicht die Frage auf: Was haben wir denn sonst noch im Schuljahr gemacht, was hat sich noch so ergeben? Zuallererst wäre da der vorläufige SVRaum (R 125), den wir offiziell bis zum Ende des Schuljahres benutzen dürfen und in dem wir für euch da sind!
Als eure SV freuen wir uns, noch weitere Projekte auf die Liste schreiben zu können: Beispielsweise das Verschönern unseres neuen Gebäudes. Wie viele schon wissen, wird die Stadt die neuen Räume nicht vor den Sommerferien streichen. Doch es gibt noch viele
andere Möglichkeiten, das Gebäude zu verändern und zu verbessern. Auf der SV-Versammlung haben wir gemeinsam eine Liste mit Vorschlägen erstellt und hoffen, diese bald umsetzen zu können. Ein weiteres wichtiges Projekt der letzten Wochen waren unsere So-
lidaritätsaktionen als Schulgemeinschaft für die Ukraine: neben der Peace-Zeichen-Aktion auf dem Schulhof (siehe Titelbild dieser Ausgabe!) haben wir in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Emmaus eine Care-Paket-Aktion durchgeführt: mit eurer Unterstüt-
zung sind dabei fast 600 Pakete von unserer Schule an die ukrainisch-rumänische Grenze geliefert worden! Wir möchten noch weitere Aktionen durchführen, denn wir glauben, dass wir noch mehr schaffen können als Schule und arbeiten an unseren Ideen.
..................................... dank eurer Hilfe!
Zwei weitere große und aktuelle Themen für uns sind die LGBTQ+Community und Rassismus. Leider haben wir öfters m i t b e ko m m e n , dass manche Menschen immer noch ignorant sind und diese Community sowie Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe nicht akzeptieren
und sogar öffentlich Hass gegen sie zeigen. Es ist uns wichtig, nochmal deutlich klarzustellen, dass wir dies weder als SV noch als Schule tolerieren und dass wir es nicht zulassen, dass sich Menschen hasserfüllt gegenüber anderen Menschen verhalten! Den Titel „Schule ohne Ras-
sismus, Schule mit Courage“ haben wir nicht umsonst erhalten! In den kommenden Monaten möchten wir unserer Haltung durch verschiedene Projekte Ausdruck verleihen. Ein großes Ereignis für Lars und mich als Schülersprecher:in war, dass auf der Schulkonferenz einstimmig
für einen Antrag an die Stadt für einen Schulsozialarbeiter gestimmt worden ist. Wir hoffen nun auf eine positive Antwort, jedoch können wir nicht sicher sein, ob diesem Antrag stattgegeben wird. Wir möchten euch noch mitteilen, dass wir bei allen Treffen von S c h u l ko n fe re n z
und Steuergruppe bis hin zu Arbeitskreissitzungen dabei sind und unser Bestes geben! Wir hoffen, dass dieser Brief euch einen Einblick in die SV-Arbeit verschafft hat. Bei weiteren Fragen oder Ideen rund um die SV könnt ihr euch natürlich immer an uns wenden, uns an-
Bild: Unsplash/Polina Rytova
SV-Aktuell
sprechen oder uns auch einfach per Teams anschreiben. Auf Teams einfach Nehir Ketenci/ Lars Beier oder die SVLehrerinnen (Frau Gramberg und Frau Brauweiler) anschreiben!
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Die Paragraphen
§
PARAGRAPHEN AM START
Ja, bei dieser Titelauswahl kommen bestimmt bei einigen verschiedene Fragen auf: Worum geht es eigentlich? Was nützt mir der ganze Kram? Ich versuche euch kurz zu Beginn einen Überblick zu verschaffen. von Luis Chimienti
Zuerst geht es in unseren Beiträgen um verschiedenste Fragen in Bezug auf unsere Rechte und Pflichten als Schüler:innen. Dabei versuchen wir, vor allem Fragen zu beantworten, die unseren Schultag betreffen. Bei vielen Artikeln gilt ein Grundsatz: Es gibt verschiedene Meinungen - und das ist auch gut so! Wir versuchen aber mithilfe von Gesetzen, vergleichbar mit unserer Schulordnung, klare oder wenigstens verständliche Antworten zu geben.
RECHT AUF SCHÜLER:INNEN-ZEITUNG
Fangen wir mit dem Naheliegendsten an: Unserer Schulzeitung. Ihr seid gerade dabei, unsere erste Ausgabe der Leonarda zu lesen. Auch wir als Redakteur:innen müssen uns an gewisse Regeln im Zuge unserer Arbeit halten. Wir Schüler und Schülerinnen haben zunächst mal das Recht, eine Schüler:innen-Zeitung herauszugeben. Dabei sind wir vollkommen frei bezüglich der Auswahl unserer Themen und bei der Gestaltung unserer Artikel. Die Lehrer:innen und die Schule haben kein Recht, über unsere Arbeit zu entscheiden oder diese zu zensieren. Zusätzlich hat die Schule den Auftrag, uns Schüler:innen bei der Arbeit zu unterstützen, z.B indem sie Arbeitsräume zur Verfügung stellt. Auch habt ihr die Möglichkeit, Teil unseres Projekts zu werden, auch ohne aktiv Mitglied der Redaktion zu sein. Da wir jedem/ jeder die Möglichkeit
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geben können und wollen, Teil unseres Projekts zu werden, könnt ihr alle einen Beitrag bei uns veröffentlichten. Aufgrund der Tatsache, dass unsere Redaktionsarbeit nicht in die Verantwortung Schule fällt, müssen wir uns nicht an die Unparteilichkeit halten. Dies bedeutetet, dass wir uns zu Themen wie z.B dem Ukraine-Krieg oder auch dem Klimawandel positionieren können. Während unserer gesamten Arbeit müssen wir uns (Achtung: Begriffe für Streber!) an die sogenannte ,,Sorgfalts- und Wahrheitspflicht der Presse“ halten. Darunter versteht man, dass wir alle Artikel nach bestem Wissen und Gewissen erstellen und dabei die Fakten immer genau überprüfen müssen. Wenn ich euch jetzt erzählen würde, die Erde ist eine Scheibe, dann würden wir zum einen unsere Arbeit schlecht machen und zum anderen müssten wir anderen die Möglichkeit zu einer Gegendarstellung bieten. Dies gilt auch dann, wenn wir über einzelne Personen berichten. Auch hier hat der Betroffene das Recht, sich im nächsten Magazin zu äußern.
TÄUSCHUNG BEI KLAUSUREN
Kommen wir zum nächsten Thema. Wer von uns hat von uns nicht schon einmal beim Vokabeltest oder der Arbeit geschummelt?!? Aber was passiert, wenn ihr erwischt werdet? Oft heißt es von den Lehrer:innen:,, Jeder Täuschungsversuch ist eine Sechs“, aber in Wirklichkeit ist das so nicht richtig. Bei jeder Klassenarbeit oder Klausur gilt erstmal der Grundsatz der Chancengleichheit. Im konkreten heißt dies, kein/e Schüler:in darf irgendeinen Vorteil gegenüber Mitschüler:innen erhalten.
Die Paragraphen
Also zum einen dürfte eure/r Lehrer:in nicht nur einem Schüler oder einer Schülerin den mega Tipp gegeben, sondern müsste allen den gleichen Tipp geben. Zum anderen aber dürft ihr euch auch den Mitschüler:innen gegenüber keinen Vorteil verschaffen, d.h ein Handy mitzunehmen und eure französischen Texte so per Google zu übersetzen, wäre ein klarer Verstoß. Solltet ihr nun erwischt worden sein, so muss der/die Lehrer:in am Einzelfall orientiert über die Strafe entscheiden. Pauschale Entscheidungen sind nicht zulässig. Konkret bedeutet dies, dass das Mitführen eines Spickzettels
GRENZEN VON HAUSAUFGABEN
Kommen wir zum letzten Thema für diese Ausgabe: Wie sieht es eigentlich mit Hausaufgaben aus? Können die Lehrer:innen entscheiden, wie viel die Schüler:innen erledigen müssen oder gibt es auch hier Grenzen? Erstmal können wir festhalten, dass Hausaufgaben dazu dienen, Schüler:innen individuell zu fördern und so auch bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Hausaufgaben müssen immer auf den Inhalten des Unterrichts aufbauen und sind nicht dazu da, dass sich die Schüler:innen Unterrichtsinhalte selbst erarbeiten. Auch dürfen Hausaufgaben nicht »Nicht jeder Täuschungsversuch darf als Disziplinarmaßnahme bzw. Strafe mit der Note 6 bewertet werden!« gegen Schüler:innen eingesetzt werden. mit einer Vokabel nicht so hart be- Zusätzlich ist zu beachten, dass es an straft werden kann, wie das Mitführen Tagen mit Nachmittagsunterricht, an eines Handys. Allgemein gilt: Es muss Wochenenden sowie an Feiertagen immer überprüft werden, inwiefern keine Hausaufgaben geben darf. eure Täuschung euch einen unerlaub- In der Sekundarstufe 1 (Klassen 5 – 10) ten Vorteil verschafft hat. Wenn eurer gibt es klare Regeln für Hausaufgaben: Spickzettel gar nicht oder vielleicht Arbeitszeiten pro Unterrichtstag: nur bei einer Aufgabe geholfen hat, Für die Klassen 5 bis 7: 60 Minuten darf nur diese Aufgabe mit einer Sechs Für die Klassen 8 bis 10: in 75 Minuten bewertet werden. Sollte es zu einem schweren Täuschungsversuch kom- Natürlich ist nicht jede/r Schüler:in men, wie durch das Mitführen eines gleich schnell beim Bearbeiten der Handys, so kann die gesamte Klausur Aufgaben. Deshalb muss auf eine naentweder wiederholt oder im Einzel- türliche Balance Rücksicht genommen fall auch mit der Note Sechs, d.h. mit werden. Zusätzlich müssen sich auch ungenügend bewertet werden, da hier die Lehrer:innen untereinander in Bedie Schwere eurer Täuschung nicht zug auf den Umfang ihrer Hausaufgamehr überprüft werden kann. Typisch ben absprechen. Als Hilfe dient hier in ist vor allem in den jüngeren Klassen der SEK 1 das bekannte Klassenbuch. auch, dass ein/e Schüler:in eine/n an- Hier noch ein kleines Beispiel: Oft deren abschreiben lässt. In diesem Fall wird gefragt, ob Lehrer:innen Hausgibt es über das Schulgesetz keine kla- aufgaben über die Ferien oder das Wore Regelung. Jedoch haben Gerichte chenende aufgeben können. Die klare hier bei uns in NRW entschieden, dass Antwort lautet: Nein! Die Ferien und nur ,,der Abschreibende“ zu bestrafen das Wochenende sind für Lehrer:inist und nicht der Schüler:in von dem/ nen wie auch Schüler:innen als Erhoder abgeschrieben wurde, da dieser lung und Pause gedacht. Aber: Solltet sich ja nicht durch Hilfsmittel einen ihr z.B. Mathe an einem Freitag vor unerlaubten Vorteil verschafft hat. Ab- den Ferien oder vor dem Wochenende schließend kann man sagen, dass nicht haben, so kann die Lehrkraft für diejeder Täuschungsversuch mit der Note sen Freitag den Regeln entsprechend ,,ungenügend“ bewertet werden kann, Hausaufgaben aufgeben und diese in sondern die Strafe sehr genau am Ein- der nächsten Stunde nach den Ferien zelfall orientiert von den Lehrer:innen oder in der Folgewoche besprechen. In der Sekundarstufe 2, also der gymbegründet werden muss.
nasialen Oberstufe, gelten grundsätzlich keine zeitlichen Beschränkungen. Jedoch muss auch hier zum einen auf die Anforderungen des Abiturs und zum andern auf eine Entlastung der Schüler:innen Rücksicht genommen werden. Dabei müssen auch die Stundenpläne in einer angemessenen Art und Weise bzw. im Hinblick auf die Belastbarkeit der Schüler:innen betrachtet werden. Diese Regeln muss die Schulkonferenz aufstellen. Die Schulkonferenz ist das wichtigste Gremium der Schule, in dem sich der/ die Schulleiter:in, sechs Lehrer:innen, sechs Schüler:innen und sechs Elternvertreter:innen treffen und über wichtige Entscheidungen beraten.
SCHÜLERVERTRETUNG BIETET HILFE
Ihr findet, dass ihr immer zu viele Hausaufgaben aufbekommt?!? Sollte es bei euch noch keine klaren Regeln geben, so habt ihr ein Recht, dafür zu sorgen, dass diese eingeführt werden. In einem solchen Fall könnt ihr euch an eure Schülervertretung (SV) wenden, denn diese kann entsprechende Änderungsvorschläge an die Schulkonferenz richten.
NACHSCHLAG
Wollt ihr alles nochmal im Schulgesetz nachlesen, so ist die ,,Bereinigte amtliche Sammlung der Schulvorschriften des Landes NRW“ zu empfehlen. Eine Linkliste findet ihr auf unserer Internetseite leonarda.koeln.
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Ex-Leos – Was jetzt?
Erst Abi und dann? Wir haben Ben Fodera und Hayat Ouardi, die beide 2021 Abitur gemacht haben, ein paar Fragen zu ihrer Abizeit gestellt. Wie sie diese empfunden haben und wohin die Reise für sie danach weiterging, erfahrt ihr hier! Interviews von Olivia Kirmanidis und Emily Zeinar EX-Leos I: Ben Fodera Ben, war deine Abiturzeit so wie du es dir vorgestellt hast? Meine Abi-Zeit war wirklich cool! Ich war einer von fünf Stufensprecher:innen meiner Stufe und hatte mir daher schon gedacht, dass ich sehr mit den Vorbereitungen beschäftigt sein werde. Neben der Prüfungsvorbereitung standen daher auch immer die Planungen für unsere feierliche Zeugnisvergabe, für die Feier danach etc. im Vordergrund. Es hat wirklich Spaß gemacht, mich als Stufensprecher in dieser besonderen Zeit für meine Stufe zu engagieren! Wie ging es für dich nach dem Abitur weiter? Bis ich das Abi-Zeugnis in der Hand hatte, wusste ich ehrlich gesagt noch gar nicht so richtig, was ich nach dem Abi machen möchte. Ich habe den Sommer dann erstmal genutzt, um mich nach dem Stress zu entspannen, viel zu reisen und Spaß zu haben.
Fotos: Unsplash/Timo Volz, Eniola Bakare
Da ich mir noch immer nicht ganz im Klaren darüber bin, welches Fach ich gerne studieren würde, habe ich dann nach dem Sommer ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer anderen Schule angefangen, um Erfahrungen in der Praxis zu sammeln und mir in der Zeit zu überlegen, was ich wirklich machen möchte! Was vermisst du an der Schule? Ich vermisse es, jeden Tag automatisch den Großteil meiner Freunde zu sehen, ohne mich dafür aktiv verabreden zu müssen. Der Schulalltag hat definitiv auch seine schönen Seiten, und wenn man mit
»Erstmal den Sommer genutzt, um mich zu entspannen!«
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Ex-Leos – Was jetzt?
Motivation und Freude an die Sache rangeht, sind selbst vermeintlich langweilige Schulfächer echt interessant! Wie hat die Pandemie sich auf deine Abiturzeit ausgewirkt? Durch Corona blieb kaum etwas, wie wir es ursprünglich geplant hatten: Erst sollte es eine LK-Fahrt geben, dann wurde sie abgesagt. Dann hieß es, wir machen als Ersatz eine Stufenfahrt - eine Woche später wurden Fahrten wieder verboten. Nichtsdestotrotz hatten wir eigentlich noch einigermaßen Glück: Wir hatten eine echt coole Mottowoche mit Verkleidungen, Musik und Spaß und wenige Tage vor unserer Abiturzeugnisvergabe, als die Inzidenzen endlich sanken, hat es sich ergeben, dass wir sogar noch eine Aftershow-Party machen konnten.
Auf die Prüfungssituation hat sich durch Corona eher positiv ausgewirkt: Wir bekamen mehr Klausuren zur Auswahl als andere Jahrgänge. Kannst du das Abitur weiterempfehlen? Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt! Einem stehen einfach so viel mehr Möglichkeiten offen und das ist echt ein tolles Gefühl. Was ist dein Tipp für zukünftige Abiturient:innen? Stresst euch nicht zu sehr, genießt eure Abi-Zeit und denkt daran, dass man mit ehrlicher Motivation und Begeisterung viel weiterkommt als mit Druck und Prüfungsangst. Es ist eine tolle Zeit, macht etwas Schönes daraus!
»Mein erster Plan war: schlafen!« Ex-Leos II: Hayat Ouardi Hayat, war deine Abiturzeit so, wie du es dir vorgestellt hast? Im Grunde genommen konnte ich den Ablauf bei den älteren Jahrgängen beobachten. Tatsächlich waren der Unterricht und das Lernen viel entspannter als gedacht. Leider mussten die Motto-Woche und der Abi-Gag wegen der Corona-Verordnungen ausfallen. Das war schon ein Dorn im Auge. Wie ging es für dich nach dem Abitur weiter? Mein erster Plan war: schlafen. Das habe ich auch ausgenutzt. Ich wusste bereits, was ich studieren wollte, daher habe ich nur auf die Einschreibephase gewartet und meine Freizeit zum Arbeiten und Erholen genutzt. Was vermisst du an der Schule? Ich vermisse das Kollegiale mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie mit den Schülerinnen und Schülern. Es war schon sehr lustig, sich innerhalb der Stufe mit seinen Freunden „fertig zu machen” und dann einfach zu lachen.
Wie hat die Pandemie sich auf deine Abiturzeit ausgewirkt? Wie schon erwähnt: das Hinarbeiten auf das Abitur konnte leider weder durch die Motto-Woche noch den Abi-Gag gefeiert werden. Schulen hatten zu, man musste den Kontakt mit anderen so weit es ging reduzieren und die Frage, ob wir das Abitur schreiben würden oder nicht, war die ganze Zeit unklar. Kannst du das Abitur weiterempfehlen? Prinzipiell kann ich das Abitur IMMER für jeden Menschen empfehlen. Zum einen verbringt man lange Zeit in der Schule, was einen großen psychischen, sozialen und emotionalen Entwicklungsprozess mit sich bringt. Ich empfehle es aber auch, um sich alle Berufswege zu ermöglichen. Was ist dein Tipp für zukünftige Abiturient:innen? Tauscht euch mit Lehrerinnen und Lehrern aus, das hat mir persönlich geholfen, mir verschiedene Perspektiven des Lebens und vor allem des Berufslebens vor Augen zu führen. Und: genießt auch die Kellerräume, die sind teilweise wesentlich schöner als einige Räume an der Uni! 1/2022 Leonarda 43
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