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01 / 26 -Stille

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AUSGABE 1/2026

DAS SCHÜLER:INNEN-MAGAZIN DES LEONARDO-DA-VINCI-GYMNASIUMS

EIN HEFT ÜBER STILLE

Wieder unter den Besten !

3. HAUPTPREIS IN DER KATEGORIE GYMNASIUM

STILLE

Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2025/2026

GEHT´S DIR GUT?

OHNE GEHÖR

WEHRPFLICHT

Warum sich unser Schulsystem ändern muss

Leben in einer Welt, die dich nicht versteht

Wer hat eigentlich uns gefragt?

www.leonarda.koeln


glied t i M e i S Werden erein des v im Förder da-Vinci Leonardo ums! Gymnasi

LEONARDO-DA-VINCI GYMNASIUM

FÖRDERVEREIN Dank der Beiträge, Spenden und dem Engagement unserer Mitglieder und Sponsoren konnte der Förderverein in den vergangenen Jahren zahlreiche kleinere und größere Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen des Schullebens unterstützen. So helfen wir beispielsweise bei der Anschaffung von Lehrmaterialien und Veranstaltungstechnik, unterstützen Arbeitsgemeinschaften und Exkursionen und fördern mit regelmäßigen Zuwendungen die Schülerbibliothek sowie das Schülermagazin Leonarda. Die vom Förderverein bereitgestellten Gelder kommen also direkt den Schülerinnen und Schülern des Leonardo-da-Vinci Gymnasiums zu Gute. Wir vom Förderverein laden Sie herzlich ein, mit uns zusammen für eine lebendige, moderne und attraktive Schule zu sorgen.

Wir freuen uns auf eine gemeinsame Unterstützung unserer Schule! Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Köln-Nippes e.V. Blücherstraße 15-17, 50733 Köln


Editorial

beste

SCHÜLER:INNENZEITUNG DEUTSCHLANDS Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2022/2023 in der Kategorie Gymnasien

professionellste

Sonderpreis

Schüler:innenzeitung Kölns

EINSATZ FÜR EINE BESSERE GESELLSCHAFT

Schülerzeitungswettbewerb Literaturhaus Köln Ursula-Lübbe-Stiftungg 2025

Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2024/2025 2. PLATZ

Stille... ...fällt mir oft schwer. Ich bin immer erreichbar, suche ständig nach Beschäftigung. Beim Einschlafen höre ich Podcasts; wache ich auf, checke ich mein Handy. Sofort Musik anmachen. Wäre Stille eine Person, hätten wir eine sehr toxische Beziehung. Ich würde immer vor ihr wegrennen, bis ich außer Atem wäre und sie würde mir dann alles zeigen, an dem ich vorbeigerannt bin, um ihr zu entkommen.

Emily Zeinar

WAS IST STILLE FÜR DICH?

Like, Nachricht, weiter scrollen. Können wir kreative oder originelle Gedanken formen, wenn wir ständig beschallt und abgelenkt werden? Wenn Stille uns einholt, zeigt sie uns vielleicht die Gedanken, die wir wegschieben. Neue Ideen, können unbequem sein, aber was nie gedacht wird, wird nie ausgesprochen, wird nie deine Familie, deine Freunde oder die Welt erreichen. In dieser Ausgabe blicken wir unter anderem darauf, wie Stille und das „In-sich-gekehrt-sein“ in der Kunst einen Ausdruck finden und was gehörlose Jugendliche über peinliche Stille denken. Ihr lest von Stille 3. HAUPTPREIS IN DER in verschiedenen Kulturen, Stille, die entKATEGORIE GYMNASIUM steht, wenn man sein Handy für eine Woche komplett weglegt, Stille, die lebensnotwendig Schülerzeitungswettbewerb sein kann für Menschen mit der Erkrankung der Länder ME/CFS. 2025/2026 Wir hoffen, diese Ausgabe bringt euch zum Nachdenken. Vielleicht ist Stille nicht die Abwesenheit von Etwas, vielleicht ist sie ein aktiver Zustand, der entsteht, wenn wir aufhören ihn zu übertönen.

Veit Brungs

Wieder unter den Besten !

Jannis Ihmels

Jana Stojceska

Leonarda 1/2026 3


INHALT 01/2026

3 Editorial 8 Impressum TITELTHEMA

26 Wie Bilder laut werden

10 Eine Woche ohne pling

28 (Be)rauschendes Museum

Hanna hat ihr Handy ausgemacht

Wir haben den Direktor des Kolumba- Museums getroffen

12 静寂, silencio, Keheningan, Тишина

32 Überrumpelt auf dem Museumsklo

Stille im Kulturvergleich

Wie Jugendliche das Kolumba unsicher machen

18 Angst vor Stille? Unsere diesjährige Schulumfrage zum Titelthema

20 Pssssst! Was unsere Lehrer:innen tun, um nicht durchzudrehen

21 Eigentlich hört man immer was Elena über geräuschlose Orte und Situationen

10

Künstlerin Maxima Vischer (Abi ´22 am Leo) erzählt

34 In sich gekehrt Q1-Kunst-GKs TÖN und KLU kreativ für die Leonarda

36 Druck im Kopf Mehr reden über psychische Belastungen in der Schule

38 Hört uns! Vorsitzende der Bundeschülerkonferenz erklärt Mental-Health-Kampagne

22 Peinliche Stille? Wir haben mit gehörlosen Jugendlichen gesprochen

48

40 Wenn Stille lebensnotwendig ist

46 Fehlende Puzzleteile im Kopf

Emily denkt an eine an ME/ CFS erkrankte Freundin

Ex-Leos gewinnen Kurzfilpreis mit Film über Demenz

42 Gegen das Stillschweigen Erinnerungsmosaik der Q1 für die Opfer des Nationalsozialismus

44 Stille als Werkzeug der Gewalt Methode der „weißen Folter“

45 Nichts mehr los? Milla hat ein Altenheim besucht

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KOLUMNE

48 Vielleicht einfach mal mit uns reden!? Jannis nimmt das Thema Wehrpflicht ins Visier POLITIK UND GESELLSCHAF T

50 An die ständige Gefahr gewöhnt ARD-Korrespondentin Rebecca Barth (Kiew) im Interview


54 Was geht bei den Amis?

67 Der Countdown läuft

Wie der Puritanismus die USA bis heute prägt

Fußball-WM der Männer 2026

56 Wo war Gott? Zeitzeuge Abba Naor spricht am Leo über den Holocaust

58 ICE Unser Redakteur berichtet live aus Kansas City (USA)

60 Kölle, Klüngel, Klartext? Der Kölner Oberbürgermeister im Interview

50

68 Lockdown, Masken, Tests Wie Alva die Corona-Pandemie erlebt hat

70 Sehnsucht, draußen zu sein Mina, damals 6 Jahre, erinnert sich an Corona KUNST & KULTUR

71 Gedanken in der Silvesternacht Erzählung von Lilly Pitzen

65 Realität Klimawandel Was wir im Alltag tun können

66 Vom Abseits ins Rampenlicht Zur Geschichte des Frauenfußballs

72 Muttertränen Gedichtzyklus von Diana Bohnadova

75 In unserem Alter Gedicht von Malu Schmidt

76 Hip-Hop mit Tiefgang

86 Zuflucht oder zweite Heimat?

Das Tanztheaterstück “À nos morts” aus dem Senegal

Diana aus der Ukraine im Interview >>

12

78 Tanz unter dem Galgen Musik in Konzentrationslagern und eine Komposition der Q1 WAS IST...?

80 ... eigentlich ein Stillleben? Veit und Lamia erklären es euch SCHULLEBEN

82 Drogen, Alkohol und Vapes Wir haben unseren Schulpolizisten interviewt

85 Wozu brauche ich das? Ceyda fragt sich, was mancher Schulstoff bringen soll

LEONARDA IM NETZ Die Leonarda ist mehr als nur ein Heft! Du findest uns außerdem in deinem Browser und auf Instagram über die unten angegebenen Links. Schickt uns gerne auch Feedback, Fragen oder Anregungen über die Kommentarfunktion auf unserer Webseite. leonarda.koeln instagram.com/ leonarda.ldv

Leonarda 1/2026 5


88 Und wie geht´s Miron?

98 Après-Ski und Karneval

Wir haben nochmal mit ihm gesprochen

Wie das Leo das Stubaital aufgemischt hat

90 Weltbewegende Schlachten in Miniatur

IM GESPRÄCH

Anton erzählt vom LateinkursAusflug

100 Vom gehänselten Schüler zum engagierten Lehrer

92 Jede Minute zählt!

Herr Meier erzählt

Laienreanimations-Workshop am Leo DIE PARAGRAPHEN

93 Dumm gelaufen! Welche Ordnungsmaßnahmen bei Regelbruch drohen SCHULFAHRTEN UND AUSTAUSCHE

94 Das Erlebte hallt nach Die Gedenkstättenfahrt der EF

96 Die lockersten Menschen der Welt

28

EX-LEOS – WAS JETZT?

102 Der Spaß meines Lebens Nehir (Abi 2024) blickt auf ihre Schulzeit zurück

104 Lust auf die Welt Hanna (Abi 2011) ist heute Klimaforscherin FLIEGEN LERNEN

107 Herzblut Vitos Praktikum an der Uniklinik Essen

Melissas traumhaftes Jahr in Brasilien

32

108 Babysitting plus Sprachkurs Klaras Au-Pair-Zeit in Madrid

110 Im Ausnahmezustand Emily (Abi 2022) erzählt vom Beruf der Hebamme

112 Die Nabelschnur pulsiert Prosagedicht zum Alltag im Kreissaal MITMACH-SEITE

114 Rätsel

QUELLENVERZEICHNIS Online unter leonarda.koeln/Quellen

6 Leonarda 1/2026

110


IMPRESSUM ANSCHRIFT Leonarda - Schüler:innenmagazin Leonardo-da-Vinci-Gymnasium Nippes Blücherstraße 15-17 50733, Köln E-Mail: info@leonarda.koeln Internet: www.leonarda.koeln

GRÜNDUNG September 2021

Julia Heinicke, Marta Brungs

Emily Zeinar, Veit Brungs FLIEGEN LERNEN (BERUFSWAHL) Lucas Steckner MITMACH-SEITE Mieke Oetzel, Marlene Katharina Küppers, Hanna Vollmer

REDAKTION

ANZEIGENKOORDINATION

CHEFREDAKTION Emily Zeinar, Jana Stojceska, Veit Brungs, Jannis Ihmels

LAYOUT

Hanna Vollmer, Ceyda Nur Taka, Rifat Taka, Luc Müller, Leni Pooth, Ayda Savluk, Mieke Oetzel, Lilly Becker, Lucas Steckner, Marlene Katharina Küppers, Alva Wergen, Cleo Werner, Milla Wohlrab, Elena Wallenfang, Effi Bießmann, Julie Burgmer, Sarya Yildiz, Tita Bießmann, Zeynep Taspinar, Kubilay Taka

BERATER/ EX-LEO Lars Beier

BETREUENDE LEHRKRÄFTE Dr. Julia Gramberg de Mendoza, Ricarda Langen

COVER (PORTRÄTZEICHNUNG MIT BUNTEM HINTERGRUND) Meredith Clausnitzer

RESSORTLEITUNGEN TITELTHEMA Emily Zeinar POLITK UND GESELLSCHAFT Jana Stojceska, Jannis Ihmels, Hanna Vollmer KUNST UND KULTUR Veit Brungs, Jana Stojceska WAS IST...? Veit Brungs KOLUMNE Jannis Ihmels IM GESPRÄCH Jannis Ihmels, Cleo Werner SCHULFAHRTEN UND AUSTAUSCHE Lilly Becker, Mieke Oetzel SCHULLEBEN Ayda Savluk LK-WAHLOMAT entfällt im aktuellen Heft wg. Umstieg auf G9 (keine Q2) EX-LEOS 8 Leonarda 1/2026

Jannis Ihmels, Jana Stojceska, Leni Pooth, Emily Zeinar, Nino Nicodemo ELTERNUNTERSTÜTZUNG Marcus Schmidt Danksagung: Die herzlichste Danksagung widmen wir unser Mentorin Julia Gramberg de Mendoza, die jeden, ohne zu zögern, in unsere Leonarda-Familie aufgenommen hat, die Tag für Tag Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat und zu der wir alle so unfassbar aufblicken als Vorbild. Wir könnten keine empathischere und kompetentere Koordinatorin kriegen. Wir danken außerdem Marcus Schmidt herzlich für seinen großen Einsatz bei der Schulung des Layoutteams in Sachen Gestaltung, Adobe-Tools und Technik. Ebenso danken wir Frau Langen, die selbst aus dem Ausland und an freien Tagen uns stets beim Layout beraten hat. Diese Loyalität war immer sehr gewertschätzt in stressigen Zeiten und ihre Arbeit sehr wertvoll. Ein Riesen-Dankeschön geht an unsere kreative Chef-Layouterin Julia Heinicke, die, begleitet von Marta Brungs, unermüdlich für unser Magazin im Einsatz war und auch in stressigen Phasen immer die Nerven behalten hat! Wir danken auch Pia Tönnesmann und Christof Klute und ihren Q1-GK-Kunstkursen für ihre kreativen Beiträge. Sophie Simon, Sofia Volmer und Marko Mallioris danken wir für ihre Unterstützung in einigen Redaktionssitzungen und im Lektorat. Ein großer Dank gilt außerdem auch in diesem Jahr dem Förderverein des LdV für seine großzügige Unterstützung! Und last, but not least bedanken wir uns ganz herzlich bei Dr. med. Rainer Hanrath, Albert Krupp, Dr. Werner Marnette, Hartmut Molis, Reiner Ruft, Dr. Günter Schumacher, Dr. Harald Thomas und Bernd-Peter Hesse, die 1966 am Leo Abitur gemacht haben und anlässlich ihres 60-jährigen Jubiläums eine großzügige Spende an uns überwiesen haben.


Impressum

Chefredaktion Emily Zeinar

Jannis Ihmels

Jana Stojceska

Veit Brungs

Julia Heinicke

Marta Brungs

Hanna Vollmer

Ayda Savluk

Ceyda Nur Taka

Lucas Steckner

Diana Bohnadova

Mieke Oetzel

Marlene Katharina Küppers

Effi Bießmann

Julie Burgmer

Alva Wergen

Cleo Werner

Lilly Becker

Milla Wohlrab

Zeynep Taspinar

Elena Wallenfang

Leni Pooth

Tita Bießmann

Rifat Taka

Kubilay Taka

Sarya-Adisah Yildiz

Layout

Redaktion

Berater / Ex-Leo

Redakteur im Auslandsjahr Luc Aydogan Müller-Harmandali

Koordinierende Lehrkräfte und Elternengagement

Dr. Julia Gramberg de Mendoza

Lars Beier

Ricarda Langen

Marcus Schmidt

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Titelthema

Selbstversuch: Eine Woche ohne Handy von Hanna Vollmer | 8D Es vibriert, leuchtet auf und piepst. Bei jedem Geräusch greift die Hand automatisch zum Handy. Nachrichten, Social Media, Bilder, Videos und Musik – unser Alltag ist voll von Geräuschen und ständiger Ablenkung! Stille ist etwas Seltenes geworden! Oder vermeiden wir sie sogar? Doch was passiert, wenn all dies wegfällt? Wenn kein Bildschirm mehr aufleuchtet, wenn keine Benachrichtigung unsere Aufmerksamkeit erfordert und kein Scrollen unsere Freizeit füllt. Genau dies habe ich ausprobiert: eine ganze Woche ohne Handy! Sieben Tage ohne WhatsApp, Emails, Musik, ohne kurzen Blick auf die Uhr, ohne Schulmanager und ohne Wetterbericht. Meine Erwartungen an diese Woche: Ich benutzte eigentlich selten mein Handy. Vermutlich liegt das auch einfach daran, dass ich ein Zeitlimit auf meinem Handy habe. Trotzdem hatte ich den Tag vor dem Selbstversuch ein komisches Gefühl. Ich wusste nicht so richtig, was mich erwartet, wie still es wirklich sein wird oder ob mir überhaupt etwas fehlt. Von Angst zu sprechen ist schwierig. Bei mir war es auch eher keine Angst. Es war eher so, als würdest du ein neues Hobby ausprobieren, ohne zu wissen, ob es dir gefällt oder nicht. Ich bin nicht mit einem abgeschreckten oder ängstlichen Gefühl gestartet. Nein, ich war neugierig, was passieren würde. Mit großen Veränderung nach dieser Challenge habe ich nicht gerechnet. Eins muss ich aber noch klarstellen: Mein Tablet habe ich während der Woche ein paarmal benutzt. Dies aber nur, um für schulische Dinge über Teams erreichbar zu sein! Am Start des ersten Tages fiel es mir dann doch schwer, das Handy meiner Mutter zu geben, die während der Woche auf mein Handy aufpasste, damit ich nicht doch automatisch zu meinem Telefon greife. Direkt beim Fertigmachen fiel mir ein großer Unterschied auf: Ich hatte viel mehr Zeit! Sonst lese ich nebenbei immer die Nachrichten, die sich über Nacht angesammelt haben, was oftmals viele sind. Da ich nun keine Nachrichten checken konnte, war mein Tagesablauf am Mogen viel entspannter. Nach der Schule merkte ich zum ersten Mal die Stille während des Selbstversuches. Normalerweise hätte ich mich jetzt in mein Bett geworfen

und Musik gehört oder Videos geschaut, stattdessen hatte ich Motivation, meinen Kleiderschrank auszumisten. Am Abend habe ich meinen alten CD-Player herausgekramt und meine alten CDs gehört. Plötzlich war es im Raum so leise. Diese Stille war unangenehm. Es war ein Gefühl von Einsamkeit und Leere. In den nächsten zwei Tagen blieb dieses Gefühl bestehen. Doch ich merkte die Veränderungen. Mir war oftmals langweilig! Aber dafür hatte ich mehr Motivation, Schulaufgaben zu erledigen. Ich las wieder mehr und machte Dinge, die ich schon lange vorhatte, doch immer wieder vergessen oder aufgeschoben hatte. Ab etwa der Hälfte der Woche veränderte sich etwas. Die kleine Stille, die ich ohne Handy erlebte, war nicht mehr so unangenehm! Nein, das war sie noch nie richtig gewesen, aber jetzt fühlte sie sich anders an. Ganz offensichtlich hatte ich mich an sie gewöhnt und fand sie deshalb jetzt eher entspannend. Aber so ganz einfach abfinden konnte ich mich natürlich nicht damit, dass ich kein Handy hatte. Beispiele dafür waren, dass auf dem Schulhof über etwas Lustiges gelacht wurde, was in einem Gruppenchat passiert ist, und ich nicht mitlachen konnte. Oder dieser kleine Satz: „Ich schreibe dir nochmal“, der nicht funktioniert, weil man nicht nochmal schreiben kann, sondern alles jetzt sofort abklären muss. Es war auch eine Herausforderung mit den Hausaufgaben und dem Stundenplan zurechtzukommen. Der ist auch nur noch online abrufbar über den Schulmanager. Dabei sollte die Schule doch unterstützen, dass wir Jugendlichen nicht so viel Zeit am Handy verbringen, oder?! Zum Glück besitzt meine Mutter den Elternzugang, sonst hätte ich sehr wahrscheinlich ohne Hausaufgaben oder mit falschen Materialien dagestanden! Am Ende der Woche war ich froh, mein Handy wieder in der Hand zu halten! In der ganzen Woche hatten sich 1980 Nachrichten angesammelt, und das nur auf einem meiner Messenger. Natürlich werde ich mein Handy wie gewohnt weiter benutzen. Aber trotzdem habe ich in der Woche ohne Mobilgerät viel gelernt! Die Umsetzung war zwar schwieriger als die Entscheidung, aber mir wurde bewusst, wie oft wir unser Handy nutzen, um Stille zu vermeiden und wie selten wir sie eigentlich zulassen. Die Woche hat mir außerdem gezeigt, dass Stille nichts ist, vor dem man Angst haben muss. Sie kann anstrengend sein, aber auch sehr wertvoll. Gerade in einer Zeit, die von Geräuschen und der digitalen Welt geprägt ist!

Die Woche hat mir außerdem gezeigt, dass Stille nichts ist, vor dem man Angst haben muss.

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Bildquelle: Ersamaster (Pexels)

Titelthema

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Titelthema

Stille im Spiegel der Kulturen vo n Jana Sto j cesk a | E F

Vom ausgelassenen Stadtleben Salvadors bis zur schweigsamen Atmosphäre in japanischen Straßenbahnen: Stille wird in jedem Kulturkreis anders begriffen und erlebt. Wie sich diese Unterschiede äußern, schauen wir uns anhand von Interviews* mit Menschen aus Japan, Brasilien, Indonesien, Venezuela und Mazedonien an.

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Titelthema

Japan: Bettina Uehira, 52 Jahre

Bei welchen Anlässen ist Schweigen üblich oder erwartet? Immer dort, wo es die Hierarchie vorgibt, wer gerade agiert oder spricht und wer schweigt oder zuhört. Zeremonien erfordern das stille Sitzen und Lauschen. Einige Sportarten beinhalten Phasen der konzentrierten Vorbereitung, ohne Sprechen. In U-Bahnen darf nicht telefoniert werden. So kommt es – gerade morgens – oft vor, dass es im Wagon absolut still ist

nach Jahren nicht gewöhnen konnte: In besseren Restaurants wird jeder Gast vom gesamten Personal (auch das in der Küche) mit einem geschrienen „Irashaimassee“ begrüßt. Wenn man dort bereits am Tisch oder am Tresen sitzt, wird einem dieser Gruß also alle paar Minuten um die Ohren geschrien, was nicht zur Entspannung beiträgt. Wie ruhig/ still sind Kinder beim Spielen oder wenn Besuch da ist? Kinder sind oft sehr diszipliniert und still. Vor allem Mädchen lernen von Anfang an, dass sie ihre Meinung nicht äußern. Wenn dies nicht von zuhause aus mitgegeben wird, so sorgen Kindergärten und Schulen, ja auch die Gesellschaft in der Öffentlichkeit dafür. Allerdings verändert sich das mehr und mehr. Generell geht es in Japan nicht um das Individuum, dessen Befindlichkeiten, dessen Meinung. Man erfüllt die Erwartungen der Eltern, der Institutionen, der Gesellschaft, des Arbeitgebers. Ein Herausstechen aus der Masse wird negativ ausgelegt.

Vor allem Mädchen Spricht man eher laut oder leise? lernen von Anfang an, Als Dienstleister spricht man oft dass sie ihre höflich leise, z.T. auch aus dem Grund, dass sich viele andere Gibt es Feiertage, Traditionen im Raum befinden. Frauen hal- Meinung nicht äußern und Rituale, bei denen Stille eine ten im privaten Gespräch oft die Hand vor den Mund. Mir wurde erklärt, dass verheiratete Frauen früher zur Erkennung die Zähne schwarz färbten. Da dies nicht schön aussah, hielt man beim Sprechen die Hand vor den Mund. Heutzutage wirkt es eher wie ein Zeichen des sich Zurücknehmens, des Respekts, dem Gesprächspartner gegenüber. Allerdings wird von Frauen erwartet, dass sie in einem Gespräch sehr laut und deutlich Zustimmung zeigen, vor allem Älteren und Männern gegenüber. So sind sie es, die lautstark zustimmen, erstaunt sind, lachen etc. Meiner Erfahrung nach geht es hier – vor allem, wenn Hierarchien im Spiel sind – nicht um die ehrliche Meinung, sondern um das Erfüllen der Rolle, die eine Frau gerade spielt (Tochter, Schwiegertochter, Ehefrau, Angestellte, Nachbarin einer älteren Person etc.). Ist man beim Essen ruhig oder gesprächig? Warum? Tatsächlich ist man beim Essen recht laut. Das Essen ist bei bestimmten Gerichten schon selbst sehr laut (z.B. Schlürfen von Ramen-Nudeln). In Familienrestaurants fahren gerne Roboter zum Servieren herum, die wiederum Geräusche machen. Ein Ritual, an das ich mit auch

Rolle spielt? Einige! Teezeremonie, Waldbaden, Meditation, Neujahr (höchster Feiertag in Japan, wird im Kreise der Familie, ganz still mit viel Essen verbracht), Beten im Tempel,... Unterscheidet swich die Wahrnehmung von Stille in Japan von der in Deutschland? In Deutschland hört man öfters vom „Ruhebedürfnis“ der Menschen. Das Verlangen danach, vom Alltag abzuschalten und das mit möglichst wenigen Geräuschen. In Japan wird man im öffentlichen Raum gefühlt permanent beschallt. In Japan beschwert man sich nicht und erträgt oder gewöhnt sich daran. In Deutschland wäre das nicht denkbzw. zumutbar. In Deutschland ist am Sonntag Ruhetag. In Japan haben die Läden 1-3 Tage im Jahr geschlossen, nämlich vom 1.-3. Januar. In Japan muss man damit umgehen, anderen Menschen sehr nahe zu sein: im Zug ist es voll, das nächste Wohnhaus ist meist nur Zentimeter vom eigenen entfernt. So versucht man durch das Schließen der Augen im Zug, blinde Fenster und das permanente Schließen der Vorhänge ein wenig Privatsphäre zu schaffen.

*Anmerkung der Redaktion: Die Interviews wurden mit Einverständnis der Befragten teilweise gekürzt.

Bildquellen: Rafael Hideki Tamanaha (Pexels) und Clker-Free-Vector-Images (Pixabay)

Wird Stille in eurer Kultur eher positiv oder negativ gesehen? Beides ist richtig! Die Stille ist ein wichtiger Aspekt der japanischen Kultur. Japaner können es gut „aushalten“, wenn es still ist, z.B. bei der Teezeremonie oder im Fahrstuhl mit Unbekannten. Gleichzeitig findet man in Japans Großstädten kaum einen ruhigen Ort, da alles Geräusche von sich gibt.

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Titelthema

Brasilien: Suane Borges Oliveira, 31 Jahre Musik, Festen und einem intensiven Boheme-Leben, daher bin ich auch sehr ausdrucksstark und kommunikativ.

Wie ist Ihre persönliche Beziehung zur Stille? Mögen Sie sie oder bevorzugen Sie Geräusche (Musik, Stimmen)? Ich persönlich habe ein ausgeglichenes Verhältnis zur Stille. Ich mag sie in Momenten der Konzentration, des Lernens oder der Reflexion, weil sie mir hilft, meine Gedanken zu ordnen und mich ruhiger zu fühlen. Allerdings bin ich in einer Großstadt geboren, Salvador, der Hauptstadt von Bahia, und bin stark von der Kultur meiner Stadt beeinflusst. Salvador ist eine tropische Strandstadt mit viel

Gibt es Feiertage, Traditionen und Rituale, bei denen Stille eine wichtige Rolle spielt? Es gibt einige Anlässe, Feiertage und Traditionen, bei denen Stille eine wichtige Rolle spielt. Zum Beispiel bei religiösen Zeremonien, Trauerfeiern, staatlichen Feierlichkeiten wie Ehrungen und einigen Gedenktagen, die mit Respekt verbunden sind, wie dem Tag der Toten. In diesen Momenten ist Stille ein Symbol für Respekt, Besinnung oder Erinnerung.

Bildquellen: Marcus Vinicius (Pexels) und Outsideclick (Pixabay) _

Fühlt sich Stille in eurer Kultur eher positiv oder negativ an? In Brasilien wird Schweigen in der Regel eher negativ wahrgenommen, insbesondere im sozialen Miteinander. Die brasilianische Kultur legt großen Wert auf aktive Kommunikation, lebhafte Gespräche und den Ausdruck von Gefühlen. Die Menschen sprechen mit Begeisterung, verwenden viele Gesten, unterbrechen sich gegenseitig ganz natürlich, und deshalb wird Stille in alltäglichen Interaktionen oft als Desinteresse, Distanz, übermäßige Schüchternheit oder Anspannung oder sogar als Zeichen von Unbehagen interpretiert.

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Sprechen die Menschen eher laut oder leise? Unterbrechen sich die Menschen gegenseitig und wie wird dies bewertet? Im Allgemeinen sprechen Brasilianer im Alltag lebhaft und relativ laut, insbesondere in gesellschaftlichen oder familiären Gesprächen. Unterbrechungen während eines Gesprächs sind oft Teil der natürlichen Kommunikationsdynamik und zeigen Interesse oder Begeisterung für das Gesagte.


Indonesien: Budi, 50 Jahre Fühlt sich Stille in eurer Kultur eher positiv oder negativ an? Stille ist natürlich sehr wichtig für uns. Und es ist positiv. Das hilft uns, besser zu denken. Bei welchen Anlässen ist Schweigen üblich oder erwartet? Wenn wir im Tempel sind, wenn wir eine Erklärung bekommen oder Erlösung finden. Da brauchen wir Stille und Ruhe. Spricht man eher laut oder leise? Wir müssen langsam sprechen, damit man weiß, was wir meinen und es besser verstehen kann. Unterbricht man sich und wie wird das gewertet? Wir müssen einander immer gut zuhören und respektieren. Man spricht, wenn es Zeit gibt.

Ist man beim Essen ruhig oder gesprächig? Warum? Beim Essen spricht man nicht viel. Wenn man etwas braucht, dann spricht man nach dem Essen. Wie ruhig/ still sind Kinder beim Spielen oder wenn Besuch da ist? Kinder sind bei uns sehr respektvoll, wenn jemand zu Besuch kommt. Die Kinder sprechen nicht, außer jemand fragt sie. Gibt es Feiertage, Traditionen und Rituale, bei denen Stille eine Rolle spielt? Der Feiertag heißt Nyepi, auch „Tag der Stille“ genannt. Den feiern die Hindu auf Bali. Wir machen viele Rituale. Dieser Feiertag findet nur einmal im Jahr statt. Nyepi ist der erste Tag eines neuen Jahres nach dem Mondkalender. Meistens ist er im März. Die Touristen oder alle Leute müssen respektvoll sein und Ruhe behalten. Die Touristen bleiben nur in ihrer Hotelanlage, sie dürfen nicht aus ihr heraus und nicht spazieren gehen. Bei diesem Feiertag müssen alle Leute still sein und zu Hause bleiben.

Bildquellen: Tom Fisk (Pexels) und Clker-Free-Vector-Images (Pixabay)

Titelthema

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Titelthema

Venezuela: Zahira Mendoza, 20 Jahre Wird Stille in deiner Kultur eher positiv oder negativ wahrgenommen? Das hängt vom Kontext der Stille ab. Wenn man allein ist und es still ist, ist das positiv oder neutral. Wenn man in Gesellschaft ist und die Stille nicht unangenehm ist, ist das positiv. Wenn man allein auf der Straße ist und es die meiste Zeit still ist, ist das negativ, weil man aufmerksam sein muss. [Anmerkung: wegen des Risikos von Gewaltkriminalität]

da alle sehr extrovertiert und laut sind. Früher mochte ich Stille nicht, ich hatte Angst, weil ich nichts hörte, ich fühlte mich einsam. Jetzt, wo ich älter bin, habe ich kein Problem mehr mit Stille, aber ich höre lieber Musik.

Ich hatte Angst, weil ich nichts hörte, ich fühlte Wie ruhig/still sind die Kinder, wenn sie spielen oder wenn Bemich einsam. such da ist?

Wie wird sie im Alltag wahrgenommen? Es herrscht Stille, wenn wir uns auf Aufgaben, Projekte und Dinge konzentrieren, die mehr Konzentration erfordern, aber hier herrscht die meiste Zeit keine Stille, sondern es gibt Musik.

Bildquellen: Alejandro J. Paredes Perez (Pexels) und Outsideclick (Pixabay) _

Wie ist deine persönliche Beziehung zur Stille? Genießt du sie oder bevorzugst du Lärm (Musik, Stimmen)? Von klein auf wurde mir beigebracht, mit den Stimmen meiner Familie im Hintergrund zu schlafen,

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Die Kinder spielen, schreien und rennen herum. Bei Besuchen sind sie etwas zurückhaltender, aber sie hören nicht auf zu reden und zu spielen. Wenn es bei Besuchen still ist und Kinder da sind, sucht man sie immer erschrocken, denn wenn ein Kind still ist, treibt es irgendeinen Unfug. Spielt Stille in der Religion eine Rolle? In Venezuela herrscht fast nie Stille, außer beim Beten, was sehr selten ist. Wir Venezolaner sind alle sehr lebhaft, machen viel Lärm und all das gehört zu uns.


Titelthema

Mazedonien: Sanja und Mile Jovanovski, 43 und 44 Jahre

Spricht man eher laut oder leise? Man spricht eher laut und es wird sehr viel gelacht. Am Tisch können mehrere Gespräche parallel laufen, ohne, dass man sich daran stört. Alle sind normalerweise sehr gesprächig und man erzählt sich alles Mögliche. Von Klatsch und Tratsch bis hin zu was man in den letzten Tagen erlebt hat.

Wie ruhig/ still sind Kinder beim Spielen oder wenn Besuch da ist? Beim Spielen können Kinder laut werden und spielen auch gerne mit den Besuchern, so dass es noch lauter werden kann. Wie ist die Atmosphäre z. B. auf Straßen, in Cafés, Verkehrsmitteln oder der Schule? Auf den Straßen und Cafés ist es sehr lebendig und kommunikativ, v.a. in Städten mit vielen Touristen, wie Skopje und Ohrid. In der Schule ist es während des Unterrichts jedoch ruhig. Bildung wird von mazedonischen Schülern sehr ernst genommen, da es später schwerer ist, einen guten Job zu bekommen. Das ist auch einer der Gründe, warum so viele junge Menschen und Arbeitskräfte vom Balkan ins Ausland abwandern.

Bildung wird von mazedonischen Schülern sehr ernst genommen.

Unterbricht man sich und wie wird das gewertet? Man kann unterbrochen werden, das ist üblich. Sich zu unterbrechen zeigt eher, dass man viel zum Gespräch beitragen will und etwas zum Erzählen hat, deswegen nimmt man es seinem Gegenüber nicht übel.

Gibt es Feiertage, Traditionen und Rituale, bei denen Stille eine Rolle spielt? Eigentlich nicht. Aber bei Mönchen in Klostern, in Kirchen oder bei Todesfällen naher Verwandter ist eher Stille angesagt. Dann läuft z.B. wochenlang kein Fernsehen oder Radio zu Hause.

Bildquellen: Ozturkgm (Pexels) und Clker-Free-Vector-Images (Pixabay)

Fühlt sich Stille in eurer Kultur eher positiv oder negativ an? Wie wird sie im Alltag empfunden? In Mazedonien ist es in der Regel laut. Ob beim zu Hause, Familientreffen oder bei der Arbeit, man ist daran gewohnt. Stille vermisst man nicht, sie ist unüblich.

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Titelthema

Umfrage zum Thema Stille Um frage und Auswer tun g: L eon ar d a - Re d a k t i o n

Auf unserem Sommerfest im September 2025 haben wir Schüler:innen und Eltern gefragt, was sie mit Stille verbinden. Hier findet ihr die Antworten! Nimmst du positiv Nimmst du Stille Stille als als positiv oder als negativ wahr? oder negativ wahr? Negativ 17%

Enthaltung 1,3%

Positiv 81,7%

Wozu nutzt du Räume der Stille?

18 Leonarda 1/2026

Wann warst du das letzte Malganz still?

Zu welchem Thema wird zu Unrecht oft geschwiegen?


Titelthema

Nimmst du als positiv HastStille du Angst vor Stille?wahr? oder negativ

Gibt Momente, indudenen Gibt eses Momente, in denen Stille als bedrohlich empfindest? Stille bedrohlich für dich ist?

Enthaltung Ja 1,3% 10,5%

Enthaltung 2,6%

Ja 39,2%

Nein 58,2%

Kennst d

Nein 88,2%

Zu welcher historischen oder lebenden Person oder Personengruppe wird zu Unrecht oft geschwiegen?

Kennst du stille Orte in der Stadt? Wenn ja, welche?

Traust du dich manchmal nicht zu sprechen? Wenn ja, in welchen Situationen?

Kennst du stille Orte in der Stadt? Wenn ja: Welche?

Kennst du stille Orte in der Stadt? Wenn ja: Welche?

Wann empfindest du Stille als bedrohlich?

Findest du stille Orte wichtig? Wenn ja, warum?

Fällt dir eine stille Heldin oder ein stiller Held des Alltags ein? Kennst du stille Orte in der Stadt? Wenn ja: Welche?

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Titelthema

Psssssst!!!

Bildquellen: Leonarda

Unsere Schule gehört sicherlich nicht zu den stillen Orten, besonders unsere Lehrkräfte können das nur beteuern! Wir sind mit einer Kamera durch die Schulgebäude gelaufen und haben Lehrkräfte gefragt, was sie machen, um im Schulalltag nicht durchzudrehen, während wir mal wieder den Spaß unseres Lebens mit unseren Sitznachbar:innen haben.

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Bildquelle: Brenoanp (Pexels)

Titelthema

Die Vielfältigkeit der Stille von Elena Wallenfang | 5B

Eine Besonderheit an Stille ist, dass sie so vielfältig ist. Für die Einen ein Ort, für die Anderen ein Gefühl, für die Nächsten ein Gegenstand. Jeder empfindet Stille anders, es gibt verschiedene Arten und viele Menschen haben einen stillen Ort, zu dem sie sich zurückziehen und wo sie sich entspannen können. Für mich ist Stille vor allem ein Ort und manchmal auch ein Gefühl. Ich finde, Stille fühlt sich meistens gut an, aber manchmal ist es mir zu lange still und ich brauche Menschen um mich herum. Häufig gibt es öffentliche Orte, die still sind. Beispiele dafür sind eine Bücherei, ein Museum oder eine Kirche. Doch auch Orte, die sonst eigentlich voller Geräusche sind, können still sein. Beispielsweise ein leeres Schwimmbad, ein Theater nach der Vorstellung oder auch ein Einkaufszentrum nach Ladenschluss. Diese Beispiele zeigen, dass wir Menschen leere und verlassene Orte eher als still empfinden als Orte mit Lebewesen, die Lärm verursachen können. Aber auch mit Lebewesen um sich herum kann es still sein. Mit beispielsweise einer guten Freundin oder einem guten Freund kann es sehr entspannend sein, einfach mal nur da zu liegen, zu sitzen oder sonst was zu tun. Das fühle ich aber oft nur bei guten Freunden, da ich bei Anderen dann oft das Gefühl habe, etwas sagen zu müssen. Viele Menschen empfinden Stille als entspannend, denn man kann dem Lärm der Stadt entkommen. Aber es gibt auch Menschen, die es einfach nicht aushalten können und sich unbehaglich fühlen, sobald es still ist. Auch Langeweile kommt bei vielen Menschen schon nach kurzer Zeit der Stille auf. Ich finde auch stille Orte in der Natur entspannend, obwohl es dort nie ganz still ist; immer hört man Vogelzwitschern, Meeres- und Windrauschen oder Wettergeräusche (Gewitter, Regen...). Es ist dort still und doch nicht still.

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Bildquellen: Emily Zeinar

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„Peinliche Stille? Kennen wir nicht” Lernen in einer Klasse für gehörlose Jugendliche Repor tage von E mily Ze in ar |Q1

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Fast versteckt in einer SeitenstraCI-IMPLANTAT ße in Lindenthal liegt die stillste Fast alle der Jugendlichen tragen ein CochleaImplantat (kurz CI oder CI-Implantat). Das Schule Kölns? Falsch! Für unser ist eine „elektronische Innenohrprothese, die Schwerhörigen und Gehörlosen das Hören eraktuelles Titelthema sprechen wir möglicht. Erreicht wird das durch die elektrische Stimulation des Hörnervs. […] [Ein CI] mit gehörlosen Jugendlichen, um besteht aus einem Implantat, das in das Innenohr eingesetzt wird, und einem Sprachproetwas über ihren Alltag zu lernen. zessor, der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen wird.“ (netdoktor.de/therapien/cochleaWährend Julia, Veit, Frau Gramimplantat ) berg und ich den richtigen Klasre er mehr als zu Hause, da er sich hier in Gebärdensprache senraum suchen, sehen wir jedoch austauschen kann. Wir wollen wissen, wie die Jugendlichen in der Öffentlichkeit nicht nur Schüler:innen, die mit mit Hörenden kommunizieren. Luca erklärt, dass sie oft eine spezielle App auf dem Handy benutzen oder dass man sich Gebärden kommunizieren. Wir mit Lippenlesen und intuitiven Zeichen verständigt. Luca schämt sich manchmal in der Öffentlichkeit für sein CI, das hören auch Stimmengewirr und sichtbar am Kopf sitzt und versteckt es unter einem Käppi. Wir erfahren, dass die Schüler:innen hier meist mehrere Spraeinen Englischlehrer, der gerade chen beherrschen. Zuhause sprechen die Jungs Arabisch, Englisch, Italienisch, und hier an der Schule kann man beetwas erklärt. obachten, wie in unterschiedlichen Gebärdensprachen, also Die Lehrerin, mit der wir verabredet sind, kommt uns entgegen und führt uns in den Klassenraum. Sechs Jungen - es sind zufällig nur Jungs da heute - sitzen an Tischen in einem Halbkreis mit Blick auf die Tafel und das Pult der Lehrkraft. Auf den Tischen steht vor jedem Schüler ein Mikrofon. Die Lehrerin hat ein Gerät um den Hals, dass ihre Stimme direkt auf die Geräte an den Ohren der Jungen überträgt. An jeder Wand hängen Poster, die Gebärden und ihre Bedeutung zeigen, über der Tür hängen im Sichtfeld der Schüler drei elektrische Leuchten: eine grüne für Pausen, eine rote für Feueralarm, eine blaue für Amokalarm, wird uns erklärt. Emiliano, Luca, Kian, Elias, Samir und Efe schauen uns zunächst etwas schüchtern an. Wir fragen sie, wie alt sie sind und die Lehrerin wiederholt in Lautsprache mit unterstützenden Gebärden und übersetzt danach in Gebärdensprache. Fast alle sind 16, bis auf zwei, sagt Luca und die älteren Jungs lachen darüber, dass ihre Klassenkameraden noch jünger sind als sie und kommunizieren dabei in Gebärden miteinander. Sie alle kommen aus unterschiedlichen Städten im Regierungsbezirk Köln, nicht nur aus der Stadt Köln, aber die meisten kennen sich seit der Grundschule. Alle haben einen unterschiedlichen Grad der Hörschädigung. Kian kommuniziert am liebsten in Lautsprache und in Gebärdensprache; Emiliano ist taub geboren, er kommuniziert ausschließlich in Gebärdensprache. Seine Familie ist hörend und beherrscht die Gebärdensprache nicht. Kommunikation läuft bei ihm deshalb oft über Gesten, d.h. intuitive, eingespielte Zeichen, teilt er uns mit. In der Schule kommunizie-

nicht nur der deutschen Gebärdensprache, sondern z.B. auch in russischer oder ukrainischer Gebärdensprache kommuniziert wird. Die Lehrerin erzählt, dass das Fach Gebärdensprache zwar an der Schule schon länger unterrichtet wird, aber erst seit etwa zwei Jahren durch die Rahmenvorgaben des Schulministeriums verpflichtend ist. „Das war ein längst überfälliger Schritt“, sagt sie. Dass dies zuvor nicht der Fall war, verwundert uns, jedoch wird uns erklärt, dass das Bewusstsein für die Bedürfnisse von gehörlosen Menschen sich erst nach und nach im Bildungsministerium einstellt. Da die Jugendlichen unterschiedliche Gebärdensprachen sprechen und die deutsche Gebärdensprache nicht alle gleichermaßen gut beherrschen, stellt der Unterricht oft eine Herausforderung dar. Die Fächer Deutsch und Englisch werden auch in Lautsprache unterrichtet. Um hier an der Schule unterrichten zu können, müssen die Lehrkräfte eine hohe Gebärdenkompetenz nachweisen und alle Fächer auch fachfremd unterrichten können. In unserem Gespräch sprechen Luca, Kian, Elias und Efe in Lautsprache. Man versteht sie manchmal nicht so gut, weil sie etwas undeutlich aussprechen. Emiliano nutzt ausschließlich Gebärdensprache und die Lehrerin übersetzt für uns. Kian erklärt uns, dass sie alle ohne die technischen Geräte (CIs, Hörgeräte und Mikrofone) kaum etwas oder nichts verstehen würden. Zusätzlich zu dem CI hilft es ihnen, das Gesicht ihres Gegenübers beim Sprechen zu sehen oder unterstützende Gebärden, wie auch die Lehrerin sie zeigt, während wir sprechen. Emiliano, der nicht in Lautsprache kommuniziert, wird das jedoch nicht gerecht, denn die Gebärdensprache folgt nicht den Regeln der deutschen Sprache, weshalb die

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unterstützenden Gebärden für ihn meist unverständlich sind. Es ist ein täglicher Spagat, den Lehrkräfte hier leisten müssen, um Schüler:innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen in demselben Klassenraum zu unterrichten, sei es in Gebärdensprache oder in Lautsprache mit unterstützenden Gebärden. Hinzu kommt, dass die Lehrkräfte oft zu engen Bezugspersonen für die Schüler:innen werden, weil sie im Gegensatz zur Regelschule einen sehr hohen Anteil an Klassenleitungsunterricht in der jeweiligen Klasse haben. Das kann auch belastend sein, weil es eine sehr intensive Erziehungsarbeit ist und man Sorgen und Probleme manchmal auch mit nachhause nimmt. Die Lehrkräfte vermitteln ihren Schüler:innen viel Weltwissen, weil es außerhalb der Schule kaum Zugangsmöglichkeiten zu Weltwissen gibt. In Familien mit tauben Kindern kann diesen von ihren hörenden Eltern oft wenig bis kein wichtiges Wissen über die Welt vermittelt werden aufgrund von Kom-

Ohne Mundbild und Blickkontakt kann Kian nichts verstehen. munikationsschwierigkeiten. Das Weltwissen ist in der Regel höher, wenn alle in der Familie Gebärdensprache nutzen. Auf die Frage, ob sie gerne lesen, antworten alle Schüler mit nein. Nur auf dem Handy, sagt Kian. Insgesamt spielt Schrift eine untergeordnete Rolle für sie. „Die Grammatik ist eine ganz andere, ich habe gar keinen Bezug zu den Buchstaben oder Wörtern, die da stehen“, meint Emiliano. Für Taube ist Schreiben sehr schwer, weil es keine Entsprechung zwischen Gebärde und Wort gibt. Deshalb mag Emiliano Schreiben gar nicht, es sei sehr stressig für ihn. Er denke auch in Gebärdensprache, sagt er, die anderen eher in Lautsprache. Ich möchte wissen, ob „peinliche Stille“, die ich als Hörende als sehr unangenehm empfinde, für die Jungs eine Rolle spielt. Die Jugendlichen finden meine Frage komisch: „Peinliche Stille?“ Sie wissen nicht, was ich meine. Nein, Schweigen sei ja normal, sie kommunizieren schließlich mit Gebärden und Schweigen gehört dazu. Ob es Fachbegriffe in Gebärden gibt, z. B. in Biologie oder Chemie, fragt Veit. Wir erfahren, dass es viele Fachgebär-

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Es gibt keine Entsprechung zwischen Gebärde und Wort, deshalb ist Schreiben schwer. den gibt und man im Internet Gebärden-Wörterbücher nutzen kann. Wenn im Einzelfall keine passende Fachgebärde gefunden wird, dann einigen sich Lerngruppen manchmal vorrübergehend auf eine selbst erfundene. Auch über ihre Erfahrungen im Schülerpraktikum berichten sie offen. Emiliano hat in einem Parfumgeschäft gearbeitet, dort sollte er Etiketten aufkleben. Da er nichts um sich herum verstanden hat, ignorierte er alles andere, um durchzuhalten. Er hat sich allein gefühlt, teilt er uns mit. Bei einem späteren Praktikum hätte er keinen Platz gefunden. Bei Kian lief es besser, er war bei Pro Car, einer BMW-Werkstatt. Solange er mit Menschen direkt sprechen und unterstützend auch Lippenlesen kann, komme er gut zurecht. Mit Kunden zu telefonieren wäre allerdings kaum machbar für ihn; ohne Mundbild und Blickkontakt kann er nichts verstehen. Julia möchte wissen, ob sie auch hörende Freunde haben, alle bejahen. Kian sagt, seine Freunde finden Gebärdensprache interessant, manchmal bringt er ihnen eine Gebärde bei. „Wünscht ihr euch etwas von Hörenden?“, fragen wir zum Abschluss. Dass Hörende auch die Gebärdensprache lernen und nicht alle erwarten, dass Taube sprechen, lernen sollen, antwortet Emiliano. Er fühle sich oft nicht zugehörig und fände es gut, wenn Gebärdensprache an Schulen für Hörende gelehrt würde.


Bild: Pexels / Cottonbro

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Sehnsucht nach Stille im Kopf I n te r viewfrage n an Ma xi ma Vi sc he r vo n Ju l i a H e i ni c k e | E F

Maxima Vischer hat 2022 Abitur bei uns gemacht. Seitdem arbeitet sie als freie Künstlerin und führt eine sehr erfolgreiche Instagram-Seite mit fast 14:000 Followern.

Hat dich in deiner Arbeit als Künstlerin Stille schonmal beschäftigt? Ja, weil die Sehnsucht nach Stille im Kopf mich zum Arbeiten bringt. Malen ist für mich Stille. Ist Stille für dich künstlerisch inspirierend oder eher das Gegenteil? Sie ist der Ursprung von Inspiration. Erst wenn es still ist, können meine Gedanken laut werden und haben den Raum, von mir gehört zu werden. Das fühlt sich nicht immer komfortabel an, denn von einem vollgepackten Alltag inne zu halten und still zu werden bedeutet, wahrzunehmen was mich eigentlich beschäftigt. Stille ist also die Brücke, die mir Zugang zu meinem Unterbewusstsein freilegt und das brauche ich um kreativ zu werden. Bilder sprechen zwar nicht, aber sie können in ihrer Wirkung „laut“ sein. Man sagt ja z.B. nicht umsonst „schreiende Farben“. Können Bilder auch still sein, in dem Sinne, dass sie innere Stille bei den Betrachtenden hervorrufen? Wie funktioniert das? Ich glaube um Bilder bewusst wahrzunehmen, ist der Geist auf ein Innehalten angewiesen, dass dem Wahrnehmenden Stille signalisiert. Eine Art sich dem Bild öffnen um es richtig aufzufassen. In der Stille, die in diesem Moment in den Gedanken eintritt, können Farben dann schreien, Bilder laut werden und überhaupt irgendetwas, eine innere Begegnung, für den Betrachtenden darstellen. Ich glaube, dass Stille in der 26 Leonarda 1/2026

Kunst ein Moment ist, vielleicht eine Tür, die das Bewusstsein für das innere Geschehen öffnet. Ist dir Stille in deinem kreativen Prozess wichtig? Und wenn ja, wie findest du sie im Trubel des Alltags? Ich muss diesen Zustand der Stille in meinem Alltag regelmäßig aktiv finden, um kreativ zu bleiben. Mein Atelier hilft mir dabei sehr, aus diesem Trubel rauszukommen, weil es wie eine Insel ist, zu der ich immer zurückkommen kann und die mir Stille signalisiert. Wie ein sicherer Ort, der immer da bleibt wo er ist und mir Stille verspricht. Das liebe ich so daran, auch wenn es sich an manchen Tagen isolierend anfühlt, so viel Zeit in Stille und mit meinem Unterbewusstsein zu verbringen. Viele Besucher:innen von Museen verhalten sich unwillkürlich still, denken, dass sie still sein müssen oder erwarten von anderen, dass sie still sind. Sind Museen für dich stille Orte? Ich verstehe Stille nicht als Fehlen von Geräuschen, die um mich rum passieren, sondern vor allem als einen inneren Moment, der notwenig für die Begegnung mit Kunst ist. So gesehen sehe ich Museen schon als Stille Orte, weil sie einen Raum schaffen, in dem man in sich gehen kann. Vielleicht ist es deswegen in Ausstellungen oft automatisch etwas stiller, weil Stille die Sprache ist, in der die Bilder uns erreichen können.


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Website: mvxima.de

Instagram: mvxima

Email: contact@mvxima.de Leonarda 1/2026 27


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„Hier kann man einfach kommen und sein!“ Das In t e r view f üh r te n L i sa nn Wo hl f ro mm un d L isa Burauer|Q 1 u nd Mi e k e O e t z e l un d E ff i Bie ßman n |8C

Bildquelle: Kolumba Museum, Landwehr, Außenansicht Architektur 3

In diesem Jahr ist unsere Schule Kooperationsschule des Kolumba-Museums in Köln. (Kunst)kurse, AGs und einzelne Schüler:innen können kreative Idee entwickeln und einige von ihnen können im Kolumba ausstellen. Wir wollten mehr über das Museum erfahren und haben den Museumsdirektor Dr. Marc Steinmann getroffen. Er hat sich viel Zeit für das Interview genommen. Für unser Heft haben wir es mit Einverständnis von Herrn Steinmann stark gekürzt.

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Über ein Museum, „in dem man nicht zugetextet wird“ Leonarda: Nachdem Sie lange Stellvertreter von Dr. Kraus waren, sind Sie nun Direktor des Kolumba-Museums. Wir wollen Ihnen dazu natürlich gratulieren und außerdem nachfragen, was Ihre Pläne für die kommenden Jahre sind: gibt es Themen, die Ihnen besonders am Herzen liegen? Steinmann: Wir haben immer wieder Kooperationen mit anderen Einrichtungen, die eigene Sammlungen haben. Dies ist immer eine gute Gelegenheit die eigene Sammlung unter ganz neuen Aspekten kennenzulernen. In diese Richtung sollte es weitere Aktivitäten geben. Sie bedürfen allerdings einer gewissen Vorlaufzeit. Es ist außerdem wünschenswert, wenn sich das Museum verjüngen würde. Die ausgestellten lebenden Künstler sind häufig über 70 Jahre alt. Spannend ist, ob mit jüngeren Künstlerinnen auch neue Perspektiven in die Sammlung und die Ausstellungen kommen. Das Haus bietet über das reine Ausstellen hinaus vielfältige Möglichkeiten. Das Haus klingt und ist eine ausgezeichnete Basis für Musik, aber auch für Performances oder Theater. Dies hatten wir zur Verabschiedung von Stefan Kraus mit verschiedenen Formaten durchgespielt.

Bildquelle: KI-generiert Bildquelle: Kolumba Museum, Schnepf, R16 Kounellis Jannis Tragedia Civile 1975^2f2007

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Bildquelle: Kolumba Museum,Thek, R21 Eccehomo

Haben Sie ein Lieblingsausstellungsstück in der momentanen Ausstellung? Und können Sie ein bisschen darüber erzählen? Das wandelt sich häufig. Man muss es vielleicht anders formulieren: es gibt Lieblingsstücke. Z.B. die Vier Gekrönten aus dem 15. Jahrhundert. Sie zeichnen sich durch eine weitgehend erhaltene Farbfassung aus, die eine besonders hohe künstlerische Qualität hat. Sie stammen aus dem Kölner Dom und erzählen viel über das Selbstverständnis der mittelalterlichen Handwerker an den Kathedralen. Neu geschaffen wurde dagegen für die aktuelle Ausstellung die Arbeit Trip von Olaf Eggers. Sie kommt auf den ersten Blick banal daher: ein großer Holztisch mit einem Computerbildschirm und einem dicken Buch. Auf dem Bildschirm sieht man zwei ältere, klatschende Politiker im Anzug mit roten Krawatten vor einer Fahne der USA. Bei dem einen handelt es sich um Dick Cheney, der während des ersten Irakkrieg sowie der Interventionen in Panama und Somalia Verteidigungsminister der USA war. Hier ergeben sich direkt erschreckende Bezüge zu unserer Gegenwart. Durch die ständige Wiederholung wirken die prinzipiell sehr seriösen Herren recht lächerlich. Ihr Handeln erscheint wie eine hohle Geste. Weder Computer-Maus, noch Tastatur oder ein Stuhl sind vorhanden. Die Besucherinnen und Besucher sind hilflos mit einer geballten Machtkonstellation konfrontiert. Was ist Demokratie? Was ist politische Teilhabe?

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Wir würden Ihnen gerne noch eine Frage stellen zur engen Verschränkung von Religion und Kunst hier im KolumbaMuseum: wie gelingt es, diese Welten zusammenzubringen? Wollen Sie damit ein Zeichen setzen? Das Verhältnis von Religion und Kunst ist ja sicherlich ein besonders spannendes Thema in unserem Museum. Seit der Zeit um 1800 haben sich Kirche und Kunst auseinanderentwickelt. Wenn ich Religion verstehe, als etwas, das sich auch mit essentiellen Fragen des Menschseins beschäftigt – also: wo kommen wir her? Wer bin ich? Wo gehen wir hin? – führen solche philosophischen und theologischen Gedanken wieder zur Kunst. Es finden sich Anknüpfungspunkte bei vielen der Kunstwerke unserer Sammlung. In Raum 16 zeigen wir seit 2007 eine Arbeit von Jannis Kounellis, die im Wesentlichen aus einer goldenen Wand besteht. Bei ihr geht es letztendlich um Transzendenz. Da hängen ein Mantel und ein Hut an einem hölzernen Kleiderständer. Es sind leere Hüllen. Der Träger ist weg, ohne dass klar ist wohin er gegangen ist oder ob er wiederkommt. Ist das jetzt religiöse Kunst? Oder ist es „nur“ zeitgenössisches Kunstwerk? Wichtig in unseren Ausstellungen sind darüber hinaus die Kontakte und Verschränkungen, die sogenannten Kontexte. So tritt ein mittelalterlicher Christus in der Rast in den Dialog mit einer modernen Großfotoserie. Wir bieten einen Raum an, der zur Auseinandersetzung mit religiösen Fragen anregt.


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Was ist Demokratie? Was ist Beteiligung? Inwiefern ist das Kolumba-Museum auch ein Museum für Kinder und Jugendliche? Und was könnte Menschen, die bisher wenig Zugang zu Kunst hatten, den Zugang zum Museum erleichtern? Das kann ich natürlich nicht beurteilen. Da müsste man die jungen Menschen fragen, die das Museum besuchen. Vielleicht kommt eine ganz besondere Sorte von Menschen, das weiß ich nicht. Wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt, dann äußern sie häufig, dass sie sehr dankbar sind, hier ohne didaktischen Zweck sein zu dürfen. Also nicht zugetextet zu werden, nicht gesagt zu bekommen, wie etwas zu sehen ist, sondern eine Offenheit vorzufinden. Dies bedeutet eine Freiheit im Denken, mit der man umgehen können muss. Das kann unangenehm und mühselig sein. Wir leben ja in Zeiten, wo man nach den großen, starken Männern sucht, die einem sagen, was grün, weiß, blau, rot ist und wo es hingeht. Dem zu folgen ist einfach. Es ist viel schwerer, wenn ich Freiheit füllen muss und wenn ich selbst nachdenken und Entscheidungen treffen muss. Also insofern sind wir ein anspruchsvolles Museum. Das Format „Schulen zu Gast“ ist ein solcher Versuch: wir bieten Schulen an, mit uns in Kontakt zu treten und sind offen für Impulse. Wir können erst einmal über alles reden und nachdenken. In Kolumba werden keine Noten für die Beiträge der Schülerinnen und Schüler gegeben. Es gibt hier kein Café, keinen Museumsshop, sondern große, beeindruckende Räume mit nur wenigen Exponaten und es gibt – wie Sie schon gesagt haben – gar keine schriftlichen Erklärungen. Gibt es eine besondere Verbindung zwischen dem Kolumba-Museum und der Idee der Stille? Es gibt ja in allen großen Städten die lange Nacht der Museen. Die haben wir 2007 kurz nach der Eröffnung des Neubaus auch gemacht. Wir fanden die Nacht aber nicht so toll, weil sie einen Event-Charakter hatte und die Leute hier nur

durchgerauscht sind – ich muss den nächsten Shuttle-Bus kriegen, damit ich noch zweites, drittes oder viertes Museum schaffe! Dies steht im Widerspruch zu der Idee, sich Zeit zu nehmen, sich einzulassen. Deshalb funktioniert das für unser Museum nicht wirklich optimal und wir machen stattdessen bei der langen Nacht der Stille mit. Dieses Format ist von den Kirchen, der evangelischen und der katholischen Kirche in Köln initiiert worden. Man öffnet bei dieser Gelegen die eindrucksvollen Kirchenräume nachts, also von 20 bis 24 Uhr. Die Menschen sind eingeladen einfach in diesen Orten zu verweilen. Wer das mal gemacht hat, wird merken, es ist eine großartige Erfahrung! Vergleichbar ist dies vielleicht mit einem Besuch im Wald! Da haben wir gedacht, das passt zu uns, da machen wir mit und wir bieten dann nichts Außergewöhnliches an. Keine Musik, keine begleiteten Rundgänge, es wird nichts verkauft, der Shop ist zu. Man kann einfach kommen und sein. Das Museum bei Dunkelheit in der Nacht zu erleben hat eine ganze eigene Qualität. Im Nachhinein hat sich aber herausgestellt, dass das Museum nicht ganz still sein kann. Die Brandmelde- und Lüftungsanlage machen ordentlich Geräusche. Es rauscht in allen Räumen. Bei Musikstücken, bei denen die Generalpause wichtig ist, in der eben nichts zu hören ist, dann hört man die Maschinen des Museums. Also hier kann man super 4‘33 von John Cage anhören. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt? Googelt das mal. 4‘33 ist ein Konzertstück, da sitzen die Konzertbesucher erwartungsvoll im Auditorium und es kommt jemand, setzt sich vor den Flügel und macht nichts. 4‘33 Minuten lang nichts. Da denkt man, was für ein Quatsch! Aber wenn man sich darauf einlässt, dann stellt man fest, irgendwas ist immer zu hören! Außengeräusche, eine Klimaanlage, die piepsende Batterie vom Hörgerät des Nachbarn oder ein Scharren vom Stuhl. Also insofern sensibilisiert das Stück wunderbar fürs Hören.

„Es ist viel schwerer, wenn ich Freiheit füllen muss und wenn ich selbst nachdenken und Entscheidungen treffen muss. Also insofern sind wir ein anspruchsvolles Museum.“ Dr. Marc Steinmann Museumsdirektor

Bildquelle: Kolumba Museum, Dr. Marc Steinmann

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Kein stilles Örtchen Tex t und Int e r views: L eon ar d a-Red a k t i o n

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an kommt nicht an einen stillen Ort, sondern man hört Stimmengewirr in verschiedenen Sprachen, Tropfen oder Zungenschnalzen. Man hört „Ich höre dich“, „Ich höre dir zu“ und „I see you“, „Ich sehe dich“. Wenn man dann noch nicht verunsichert, beschämt, verärgert oder belustigt geflüchtet ist, hört man noch verwirrende Sätze wie „In Kolumba I feel like a queen!“ oder „Ein Künstler ist ebenso ein Mensch“. Der Toilettenbesucher hat vermutlich den Kopf voller Fragen, während er die lange Treppe zu den Ausstellungsräumen hochsteigt. Die Besucherinnen kommen um das Grübeln erstmal herum - solange sie nicht auf das Frauenklo im zweiten Stock müssen. Dort hören sie nämlich dieselben Geräusche und Stimmen. Bleibt die Frage: was soll das? Vom Museumsdirektor erfahren wir, dass es schon Besucher gegeben hat, die sich nach dem Klobesuch geärgert und beschwert haben. Und dass es Jugendliche sind, die hinter der Geräuschinstallation auf den Toiletten stecken. Wir bitten um Kontaktdaten und finden raus, dass es zwei „Kunstanbahnerinnen“ gibt, Suzanne Josek und Susanne Heincke, die mit Jugendlichen aus einem Jugendzentrum kreative Projekte im Kolumba umsetzen. Sie haben ihnen geholfen, ihre Idee umzusetzen, also die Stimmen aufzunehmen und über Lautsprecher auf den Toiletten abzuspielen. Wir vereinbaren mit Frau Josek, den Jugendlichen die Fragen zuzuschicken, die sich Tita und Sarya aus unserer Redaktion überlegt haben. Die Künstler:innen nennen sich The Gems (engl. die Juwelen) und sind zwischen 13 und 16 Jahre alt. Dem Flyer auf der Homepage des Museums

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kann man entnehmen, dass The Gems eigene Kunstideen entwickeln und damit “das Museum erobern”. Dass sie Fragen stellen, wie „Mag (m) ich das Museum? Wem gehört das Museum? Gehört es mir, dir oder keinem?“ Dass sie den Namen The Gems tragen, weil sie “den Glanz suchen”. Unserer Anfrage gegenüber sind sie vielleicht ein bisschen misstrauisch? Jedenfalls beantworten sie unsere Fragen so kurz und knapp, als wollten sie ein Geheimnis wahren. Sie haben keine Botschaft an Jungen und Männer (wie wir zuerst dachten), das Audio läuft ja auch auf der Frauentoilette. Was man hört, sei ein Begrüßungsritual in verschiedenen Sprachen. Auf unsere Frage nach Reaktionen auf die Geräuschinstallation, schreiben sie, ohne weitere Erklärung, viele Besucher wollten nicht mehr aufs Museumsklo, weil es unheimlich für sie sei. Wir finden interessant, wie Idee und Wirkung hier aufeinandertreffen. Und denken, dass Kunst einfach mehr ist als das, was sich Künstler:innen ausdenken. Mehr, weil diejenigen, die Kunst wahrnehmen (sehen, lesen, hören) dadurch das Kunstwerk erst lebendig machen. Diesem Gedanken folgend haben wir KunstSchüler:innen aus dem Q1-Kunst GK von Frau Tönnesmann gebeten, bei ihrem Kolumba-Besuch auf die Toiletten zu gehen und ihre Eindrücke für uns aufzuschreiben. Die Ergebnisse findet ihr im Kasten rechts. Die Klokunst bleibt geheimnisvoll. Wir sind gespannt, was The Gems über die Reaktionen aus unserem Kunstkurs denken werden. Der Austausch könnte also weitergehen. Ist das bei Kunst nicht immer so?

Bildquelle: Suzanne Josek

Das Kolumba-Museum ist für manche Überraschung gut. Wer vor dem Besuch der Ausstellungsräume noch schnell auf das Männerklo im Erdgeschoss geht, könnte sich peinlich berührt fühlen.


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Woher e s e i d n e m m o k Geräusche?

Das ist gruselig!

Was sagen die Stimmen?

Ist das ei ne ? t f a h c s t o B

Ich bin unruhig, aber nicht erschrocken. Ich fühle sogar ein bisschen Verbundenheit aufgrund der Sprachen. Ich fühle mich ein bisschen nostalgisch und auch ein bisschen aufgehoben. Ich denke daran, dass Stille auch sprechen kann. Und an Stimmen aus verschiedenen Zeiten, die sich treffen. Ich denke daran, dass man nicht unbedingt Worte aussprechen muss, um gehört zu werden. Daran, dass Künstler nicht mit Worten, sondern mit ihren Werken sprechen. (Ilayda)

Woher kommen diese Geräusche? Tropft ein Wasserhahn? Welche Sprache ist das? Ich empfinde ein unheimliches Gefühl. Ich finde es gruselig. Zum Glück bin ich nicht allein hier. (Elsa) Ich fühle mich beunruhigt, beobachtet. Ich habe ein bisschen Angst. Ich bin verwirrt und versuche es zu verstehen. Ich frage mich, was die Stimmen sagen. Außerdem frage ich mich nach dem Sinn. (Amal)

Ich fühle mich etwas eingeengt und kalt. Die Stimmen sind ein bisschen gruselig und penetrant. Ich denke, dass es unheimlich klingt. Als wäre man in einer kalten Höhle, in der das Tropfen von Wasser widerhallt. (Benjamin) Ich fühle Unruhe, obwohl es so ruhig ist. Angst. Ich fühle mich bedrängt. Was sagen sie? Welche Botschaft wollen sie überbringen? Ist es überhaupt eine Botschaft? (Lilian)

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In sich gekehrt Die Schüler:innen der Kunst- GKs von Frau Tönnesmann und Herrn Klute haben Selbstporträts für unser Heft gestaltet, auf denen sie darstellen, was sie mit Stille in Verbindung bringen.

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Layoutbedingt haben wir die Bilder an den Seitenrändern beschnitten.

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Bildquelle: Matthew Ball (Unsplash)

Schule im Kopf vo n Leni Bod e n st e in | 1 0A

Wie Lernen, Druck und mentale Gesundheit zusammenhängen Mentale Gesundheit ist ein Thema, das in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bekommt, besonders wenn es um Jugendliche geht. Trotzdem wird darüber oft nur oberflächlich gesprochen oder erst dann, wenn es schon zu spät ist. Dabei betrifft dieses Thema viele Schüler:innen direkt, denn ein großer Teil ihres Alltags spielt sich in der Schule ab. Schule ist nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern auch ein Ort, an dem man sich selbst entwickelt, Freundschaften schließt, Erfolg erlebt, aber auch mit Stress, Druck und Unsicherheiten umgehen muss. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was mentale Gesundheit eigentlich bedeutet und welche Rolle Schule dabei spielt.

Oft wird jedoch genau an diesem Punkt geschwiegen... Oft wird jedoch genau an diesem Punkt geschwiegen, obwohl viele innerlich viel zu sagen hätten. Laut der Weltgesundheitsorganisation, der WHO, beschreibt mentale Gesundheit einen Zustand, in dem Menschen sich insgesamt wohlfühlen, mit Belastungen umgehen können und ihren Alltag bewältigen. Es geht also nicht nur darum, keine Krankheit zu haben, sondern darum, wie man sich innerlich fühlt und wie gut man mit Herausforderungen klarkommt. Trotzdem 36 Leonarda 1/2026

fällt es vielenschwer, diese inneren Zustände offen anzusprechen, sodass Stille häufig zum Begleiter wird. Jeder Mensch hat Phasen, in denen es ihm schlechter geht, in denen alles zu viel wird oder man sich überfordert fühlt. Das ist normal und gehört zum Leben dazu. Problematisch wird es erst dann, wenn solche Belastungen dauerhaft anhalten und der Alltag von Schweigen geprägt ist. Besonders Jugendliche sind davon häufiger betroffen, da sie sich in einer Lebensphase befinden, in der viele Veränderungen gleichzeitig passieren. Studien zeigen, dass sich das seelische Wohlbefinden von Jugendlichen in den letzten Jahren verschlechtert hat. Eine bekannte Untersuchung ist die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche beschäftigt hat. Laut dieser Studie zeigten während der Pandemie etwa 30 Prozent der befragten Jugendlichen deutliche Anzeichen von Stress, Ängsten oder Niedergeschlagenheit, während es vor der Pandemie deutlich weniger waren. Auch hier spielte Stille eine große Rolle, da viele Jugendliche ihre Sorgen nicht äußern konnten oder niemanden hatten, der ihnen zuhörte. Auch nach dem Ende der Einschränkungen haben sich viele Probleme nicht einfach von selbst gelöst. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung berichtet, dass viele Jugendliche weiterhin unter Leistungsdruck, Sorgen um die Zukunft und sozialem Stress leiden.


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Leistungsdruck, Klassenarbeiten, Hausaufgaben, Zeitmangel nen Sicherheit vermitteln und das Selbstwertgefühl stärken. Erfolgserlebnisse, zum Beispiel durch gute Leistungen oder positives Feedback, können motivierend wirken. Andererseits empfinden viele Schüler:innen Schule als große Belastung. Leistungsdruck, Klassenarbeiten, Hausaufgaben, Zeitmangel und die Angst vor schlechten Noten sorgen bei vielen für Stress. Laut der Shell Jugendstudie 2019 geben über 60 Prozent der Jugendlichen an, dass sie Schule als stressig empfinden. Trotz dieser hohen Zahlen wird darüber im Schulalltag oft geschwiegen. Dazu kommen soziale Probleme wie Mobbing, Ausgrenzung oder das Gefühl, ständig mit anderen verglichen zu werden. Durch soziale Medien wird dieser Vergleich oft noch verstärkt, was das Schweigen zusätzlich begünstigt. Viele Jugendliche haben außerdem das Gefühl, immer funktionieren zu müssen und keine Schwäche zeigen zu dürfen. Deshalb fällt es vielen schwer, über ihre Probleme zu sprechen oder sich Hilfe zu holen. Auch Lehrkräfte stehen dabei vor Herausforderungen, da stille Belastungen nicht immer leicht zu erkennen sind. Gerade diese Stille rund um mentale Gesundheit ist ein großes Problem. In unserer Gesellschaft gilt es oft noch als unangenehm oder peinlich, über innere Probleme zu sprechen. Viele Jugendliche haben Angst, abgestempelt zu werden oder nicht ernst genommen zu werden, wenn sie sagen, dass sie überfordert sind oder sich schlecht fühlen. Stattdessen versuchen sie, nach außen ruhig und unauffällig zu bleiben, obwohl es innerlich laut ist. Diese Art von Stille bedeutet nicht, dass es keine Probleme gibt, sondern oft genau das Gegenteil. Je länger geschwiegen wird, desto schwerer wird es, Hilfe zu suchen. Auch in der Schule wird dieses Schweigen oft unbewusst unterstützt, zum Beispiel durch Zeitdruck, Leistungsfokus oder fehlende Gesprächsangebote. Dabei wäre es wichtig, Räume zu schaffen, in denen man offen reden darf, ohne bewertet zu werden. Stille kann zwar manchmal schützen, doch wenn sie verhindert, dass Probleme angesprochen werden, kann sie gefährlich werden. Mentale Gesundheit braucht Aufmerksamkeit, Zuhören und Offenheit, damit aus Stille kein Alleinsein wird. Dabei könnte Schule ein wichtiger Ort sein, um das seelische Wohlbefinden von Schüler:innen zu stärken und diese Stille zu durchbrechen. Ein erster Schritt wäre mehr Aufklärung über mentale Gesundheit im Unterricht. Wenn offen darü-

ber gesprochen wird, was Stress, Überforderung oder innere Belastungen bedeuten, können Vorurteile abgebaut werden. Das kann dazu beitragen, dass sich Betroffene eher trauen, ihre Stille zu brechen und über ihre Situation zu sprechen. Auch mehr Schulpsychologinnen und Schulpsychologen wären wichtig, da es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern oft zu wenige Anlaufstellen gibt. Viele Jugendliche müssen lange warten, bis sie Unterstützung bekommen, und bleiben in dieser Zeit mit ihren Gedanken allein. Außerdem könnte der Leistungsdruck an Schulen überdacht werden. Mehr Feedback statt ausschließlich Noten, alternative Leistungsnachweise oder realistischere Erwartungen könnten helfen, Stress zu reduzieren. Neben Veränderungen im Schulsystem können aber auch Schülerinnen und Schüler selbst etwas tun. Dazu gehört, auf die eigenen Grenzen zu achten, Pausen ernst zu nehmen und nicht alles still mit sich selbst auszumachen. Ebenso wichtig ist es, aufmerksam gegenüber Mitschüler:innen zu sein. Wenn jemand sich stark zurückzieht, ständig traurig wirkt oder überfordert erscheint, kann ein offenes Gespräch viel bewirken. Am Ende wird deutlich, dass mentale Gesundheit kein Nebenthema ist, sondern uns alle betrifft. Schule sollte nicht nur ein Ort sein, an dem Leistung zählt, sondern auch ein Ort, an dem Zuhören Platz hat. Wenn wir offener miteinanderumgehen, aufeinander achten und Stille nicht immer einfach hinnehmen, können wir gemeinsam dazu beitragen, Schule zu einem Ort zu machen, an dem Lernen und Wohlbefinden zusammengehören.

Stille Belastungen sind nicht leicht zu erkennen.

Bildquelle: Kritasu (Pixabay)

Oft bleiben diese Sorgen unausgesprochen und werden im Alltag verdrängt. Zwar können auch Kinder und Erwachsene davon betroffen sein, doch viele ernsthafte seelische Erkrankungen entwickeln sich bereits im Jugendalter. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung beginnt etwa die Hälfte aller entsprechenden Erkrankungen vor dem 18. Lebensjahr. Das zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig hinzuhören, bevor aus stillen Problemen große werden. Schule spielt dabei eine besonders große Rolle, da sie ein zentraler Lebensort für junge Menschen ist. Einerseits kann Schule Halt geben. Feste Strukturen, ein geregelter Tagesablauf, Freundschaften und unterstützende Lehrkräfte kön-

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Lauter reden über mentale Gesundheit! I n ter v i ew vo n Klar a Ch ar lot t e Or t l o f f | E F

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Angststörungen und Depressionen. Unsere Redakteurin Klara befragt Amy Kirchhoff über dieses hochaktuelle Thema und die Mental-Health-Kampagne „UNS GEHT´S GUT?“

Kannst du die Mental-Health-Kampagne kurz vorstellen? Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Angststörungen, Depressionen, Selbstverletzungen und Essstörungen. Laut Deutschem Schulbarometer bezeichnen sich 21 Prozent der Schülerinnen und Schüler als psychisch belastet. Mehr als ein Viertel berichtet von geringer Lebensqualität. Darüber hinaus fühlen sich mehr als ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen einsam (Copsy 2024). Millionen von Jugendlichen blicken unsicher in die Zukunft – geprägt von Krisen, Angst, Ausgrenzung in sozialen Medien und dem Gefühl, von Politik und Institutionen nicht ausreichend gehört zu werden. Dies hat direkte Folgen für die Volkswirtschaft, das Gesundheitswesen und das Vertrauen in die Demokratie. Genau deswegen wollen wir, gemeinsam mit über 60 Organisationen und Initiativen, auf das Thema aufmerksam machen. Das machen wir mit unserer Kampagne, die unser zentrales Anliegen des Wohlbefindens direkt im Titel darstellt: UNS GEHT’S GUT?.

Warum sollte gerade in einem jungen Alter über mental Health aufgeklärt werden? Um mentalen Erkrankungen vorzubeugen, gilt es immer, die Gesundheit zu fördern, hierbei natürlich insbesondere die psychische Gesundheit. Die Gesundheitsförderung bedeutet, dass man die Resilienz stärkt. Resilienz ist nichts anderes, als alles, was einem das Gefühl gibt mit Challenges, Herausforderungen und Problemen klarzukommen bzw. sie bewältigen zu können. Deswegen wird Resilienz auch als Widerstandsfähigkeit bezeichnet. Die Sachen, die einen resilienter machen, heißen Ressourcen oder Schutzfaktoren. Die können bei jedem Menschen anders aussehen – der eine braucht Entspannungstechniken, die zweite braucht sozialen Kontakt und eine dritte Person benötigt einen sportlichen Ausgleich. Wie man die idealen Ressourcen aufbaut, lernt man vor allem während der Kindheit und Jugend. Deswegen ist es so wichtig, in diesem Alter mit der Resilienzförderung zu beginnen – wer hier nicht beginnt, verpasst es, die Grundsteine zu setzen. Aufklärung ist hierbei ein ganz entscheidender Teil, denn nur wenn ich weiß, wie ich mich vor was schütze, kann ich tatsächlich auf mich aufpassen. Wer nicht weiß, wie z.B. Stress entsteht, kann ihn auch nicht verhindern. Wo siehst du besonderen Handlungsbedarf an Schulen? Wir sehen den Handlungsbedarf an vielen Stellen. Um es aber einfach und knapp zu formulieren, haben wir einen konkreten 10-Punkte-Plan aufgestellt: 1. 2.

Ist es zu still rund um das Thema Mentale Gesundheit? Das Thema mentale Gesundheit ist inzwischen zwar mit weniger Vorurteilen belastet als vor einigen Jahren oder Jahrzehnten, jedoch ist es nach wie vor ein Tabuthema. Mentale Gesundheit muss aber ein zentrales Thema sein, über das man frei sprechen kann. Gerade in Schulen fehlt diese Thematisierung, denn es ist oft unklar: Wer ist zuständig? Wie spricht man darüber? Wo sind Grenzen? Das führt dazu, dass das Thema zu oft hinten runterfällt – also ja, über das Thema mentale Gesundheit wird noch nicht laut genug gesprochen.

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3. 4. 5. 6.

Mehr Personal in Schulsozialarbeit und im schulpsychologischen Dienst Bessere Schulstrukturen: individuelle Förderung, mehr Pausen, Entlastung der Lehrkräfte, gute Ganztagsmodelle Förderung von Medienkompetenz in allen Unterrichtsfächern Mentale Gesundheit als Querschnittsaufgabe für alle Schularten und Unterrichtsfächer Fortbildungen, die Lehrkräfte und pädagogisches Personal befähigen, sich den Herausforderungen psychischer Belastungen zu stellen Gesundheitsförderung als Teil der Schulkultur etablieren mit Strategien zur Prävention und Früherkennung von psychischen und physischen Krankheiten (z.B. Angebote


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Was für konkrete Tipps würdest du deinem jüngeren Ich mitgeben mit deinen bisherigen Erfahrungen? Ich würde vor allem mitgeben, weniger auf die Noten und die Meinung von anderen, vor allem im Internet, zu geben. Es geht nicht darum immer stark zu sein, immer cool zu sein, immer alles zu wissen. Es geht darum, dass man lernt, wer man ist, was man mag, was man nicht mag. Es geht darum zu lernen, was einen glücklich macht und was einem keinen Spaß bereitet. All das kann man nur alleine herausfinden. Genau deswegen ist es wichtig, sich von anderen nicht stark beeinflussen zu lassen, denn was man fühlt, weiß man selbst am besten. Auch die Noten sind hier entscheidend, denn es ist wichtig zu verstehen, dass man mehr wert ist als die Note auf dem Zeugnis. Die Zahl sagt nichts über die Persönlichkeit, den Wert oder die tatsächlichen Kompetenzen aus. Sie ist maximal eine Momentaufnahme, aber keine Beschreibung einer ganzen Persönlichkeit. Deswegen: macht euch weniger einen Kopf, das Leben geht immer weiter. Seid euch aber auch nicht zu schade nach Hilfe zu fragen, wenn das Leben gerade zu viel wird – nach Hilfe zu fragen, das ist eine wahre Stärke. Eine Frage zur Gedenkaktion “Leise sein- und nicht laut“: warum habt ihr euch für dieses Motto entschieden, um auf mentale Gesundheit aufmerksam zu machen? Das Motto spielt bewusst mit einem Widerspruch. Psychische Erkrankungen sind oft unsichtbar und leise. Viele Betroffene ziehen sich zurück, leiden still oder werden nicht wahrgenommen. Mit „Leise sein – und nicht laut“ wollten wir zeigen, dass es nicht immer um große, laute Aktionen geht. Manchmal ist Innehalten, Zuhören und Raumgeben die stärkste Form der Solidarität. Gleichzeitig kritisiert das Motto auch eine Gesellschaft, die oft „Ruhe“ erwartet, anstatt echte Gespräche zu führen.

Amy Kirchhoff Amy ist 19 und macht gerade ihr Abi. Nebenbei ist sie noch Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz (BSK). In der SV ihrer Schule (in Meißen, Sachsen) setzt sie sich aktiv für politische Bildung und Bildungsgerechtigkeit ein. Auf Bundesebene macht sie sich gerade zusammen mit anderen für das Thema mentale Gesundheit von Schüler:innen stark. Um auf das Thema aufmerksam zu machen hat die BSK 2025

die Kampagne „UNS GEHT’S GUT?“ gestartet. Amy: „Ich bin in der SV engagiert, weil Schüler*innen zu oft überhört werden und man sich endlich gemeinsam an einen Tisch mit ihnen setzen muss, um das Bildungssystem funktional zu gestalten!“

Warum sollte in diesem Bereich mit Schulen zusammengearbeitet werden? Schulen sind prägende Orte für Kinder und Jugendliche – an kaum einem anderen Ort verbringt man so viel Zeit in diesem Lebensabschnitt. Wenn wir in die Schule gehen und uns damit in eine belastende Umgebung begeben, kann etwas nicht richtig laufen. Deswegen muss die Schule, dieses zweite zu Hause, ein Wohlfühlort sein. Wir brauchen resiliente Menschen in einem resilienten System, sowohl Lehrkräfte als auch Schüler*innen müssen wissen, wie sie mentale Gesundheit ansprechen, wie sie ihre eigene stärken und wann sie externe Hilfe für ihre Mitmenschen finden müssen. Damit das möglich ist, müssen wir mentale Gesundheit in Schule entstigmatisieren und thematisieren. So können alle tatsächlich lernen, wie man mental gesund durch das Leben geht. Welche weiteren Aktionen habt ihr in Zukunft geplant? Wir wollen auf das Thema weiterhin aufmerksam machen. Dafür geplant ist zum einen das Thema auf der didacta, der größten europäischen Bildungsmesse, zu thematisieren – hier wird unser Stand ein “Klassenzimmer des Wohlfühlens” sein. Danach wollen wir noch stärker in die Arbeit mit den Bildungsministerien gehen – denn wer könnte das Thema besser in den Alltag bringen als diejenigen, die den Rahmen für den Alltag erstellen? Was genau wir hier vorhaben, dürfen wir leider noch nicht verraten, aber alle, die Interesse haben, können die Kampagne verfolgen.

Folgt uns auf: https://uns-gehts-gut.de @uns_gehts_gut_mental_health

Bildquellen: Amy Kirchhoff/ Hintergrund: KI-generiert

für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Einsatz schulgerechter digitaler Tools zur Unterstützung von mentaler Gesundheit) 7. Verbindliche Schutzkonzepte gegen Mobbing und Diskriminierung 8. Vermittlung von Schlüsselkompetenzen wie Selbstregulation und Stressbewältigung im Unterricht und in außerunterrichtlichen Angeboten 9. Schulbauten mit Rückzugsräumen, guter Akustik, viel Licht und ausreichend Platz 10. Umfassende Begleitung, Unterstützung und Nachteilsvermeidung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie für junge Menschen in risikobehafteten Lebenssituationen

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Lotta ist unfassbar stark vo n E mi l y Z e i n a r | Q 1

Bildquelle: Eduard Militaru (Unsplash)

Mitten in Nippes liegt ein Mädchen ganz still, verschwunden aus der Schule, ihrem Tanzstudio, verschwunden auch aus unserem Leben.

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arneval und Geburtstage haben wir gefeiert, parallel gelebt. Dann war Lotta einfach weg, ihr Leben hat unfreiwillig ein anderes Tempo, einen anderen Weg genommen. Es ist so unverständlich, bereitet mir Gänsehaut, lässt mich nicht los. „Lotta geht es so schlecht, dass keiner von mir oder meinen Freunden sie in den letzten zwei Jahren sehen konnte“, sagt ihre und meine beste Freundin Ida. Sie und Lotta kennen sich, seit sie Kleinkinder waren, ich lerne Lotta über Ida 2021 kennen. Anfang 2024 wird sie krank, dann die Diagnose ME/CFS (siehe Kasten). Jeder Fall von ME/CFS ist anders und ich kann durch meine Recherche und meine Gespräche nur erahnen, wie es tatsächlich ist. Ich habe nicht selbst mit Betroffenen gesprochen, Ich möchte dennoch ein Bild zeichnen von dieser zu wenig erforschten Krankheit, die mich nicht mehr losgelassen hat, die Menschen ans Bett binden und ihnen die Kraft zum Sprechen, lachen, essen und den Blick in die Sonne nehmen kann. Karneval 2024. Ich treffe Lotta und Ida mit ein paar anderen Freunden in der Innenstadt, alle sind gut drauf, lachen und

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singen Karnevalslieder. Im Laufe des Nachmittags wird Lotta immer schwächer, wir stützen sie, bis ihre Mutter sie abholt. Ihre beste Freundin Ida erinnert sich an den Verdacht auf Long COVID und die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber. Während eines Schüleraustausches in London 2024 geht es Lotta dann zunehmend schlechter, auf der Fahrt nach Hause wird sie ohnmächtig. „Das war das letzte Mal, dass ich Lotta richtig gesehen habe, als ich sie ihrer Mutter am Bahnhof übergeben habe.“ Ida hält Kontakt zu ihrer Freundin, indem sie ihr regelmäßig Briefe schreibt, Fotos und Nachrichten schickt. In Zeiten, in denen das nicht geht, kommuniziert sie über Lottas Mutter. Lotta soll immer wissen, dass sie an sie denkt. Ich frage Ida, was ihr durch den Kopf geht, wenn sie an Lottas jetziges Leben denkt. „Extreme Einsamkeit und dieses Nichts-tun-können. Teilweise habe ich auch ein schlechtes Gewissen, weil ich das Privileg habe, mein Leben so unbeschwert zu führen. Ich denke auch daran, dass Lotta mitbekommt, was wir alles machen, aber in keiner einzigen Art und Weise daran teilhaben kann“. Ida hält inne, sie muss daran denken, dass wenn sie ihre beste Freundin heute treffen würde, Lotta eine andere Version


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Bildquelle: Alina Grubnyak (Unsplash)

von ihr kennen würde. Klar, das ist immer noch sie, aber man verändert sich natürlich. „Ein bisschen komisch, also daran zu denken, aber nicht im negativen Sinne.“ Sie denkt bei Lotta an eine akustische Stille und laute Stimmen im Kopf, bei ihr ist es andersrum, viele Stimmen und Geräusche um sie herum. Stille ist für Lotta oft notwendig, da zu laute Geräusche teils schwer aushaltbar sind. Kurz vor Silvester laufe ich durch Nippes und sehe Aushänge mit der dringlichen Bitte, sich in dieser Nachbarschaft mit dem Silvesterknallen zurückzuhalten wegen dem Risiko, dass dies für Lotta bedeutet. Sie stammen von Lottas Eltern. Reize wie helles Licht, Gerüche und Geräusche stellen für Lotta oft eine starke körperliche und geistige Belastung dar und ihr Zustand verschlimmert sich, es kommt zu einem Crash. Und während meine Freunde und ich auf einer Party ins neue Jahr tanzen, denke ich bei den lauten Raketen an Lotta, ich kann nur erahnen, wie es ihr geht. „Lotta hat 16 Jahre ihres Lebens gelebt und alles danach wird extrem davon beeinflusst sein, nicht nur Lotta, sondern auch ihre Familie“, erzählt Ida. Auf die Frage, was ihr Hoffnung macht, sagt Ida, dass sie das Gefühl hat, dass gerade sehr viel ins Rollen kommt, was die Forschung angeht. Auch die ME/CFS-Spezialistin Cordula Koerner-Rettberg sieht einen Fortschritt. „Auf der internationalen ME/CFSKonferenz im Mai (2025) in Berlin wurden erste Ergebnisse von Medikamentenstudien vorgestellt, (…). Es tut sich etwas und ich bin guter Dinge (…).“, sagt sie dem Kölner Stadtanzeiger im Dezember 2025. „Gibt es etwas, das dir noch wichtig ist, das in dem Artikel steht?“, frage ich Ida. „Dass ich finde, dass Lotta unfassbar stark ist, dass ich richtig stolz bin, dass sie das bisher so gut geschafft hat. Selbst wenn es ihr bis jetzt nicht viel besser geht als noch vor zwei Jahren, hat sie hoffentlich schon ein großes Stück der Arbeit geschafft!“ Letzten Herbst gab es eine Spendenaktion, ins Leben gerufen von Lottas Familie, um sie bei der Finanzierung von Privatärzten, Hausbesuchen, Onlineberatungen, speziellen Tests und Diagnostiken und anderen Dingen, die die Krankenkasse nicht übernimmt, zu unterstützen. Sehr viele Menschen posten den Aufruf auf ihrem Instagram Account, auch Menschen, die sie nicht kennen. Lottas Geschichte, die ihrer Familie, bewegt. Schlussendlich kamen über 50.000 Euro zusammen, “auch das gibt wieder Hoffnung”, sagt Ida. „Lotta soll wissen, dass ganz viele Leute an sie denken!“

Wofür steht es? Das Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue Syndrom ist eine schwere Erkrankung, die sich aus vielen verschiedenen Symptomen zusammensetzt. Dazu gehören unter anderem extreme körperliche Schwäche, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen, Herzrasen sowie Schwindel. Auch häufig sind Muskelzuckungen und -krämpfe, massive Schlafstörungen und Konzentrations-, und Wortfindungsstörungen. Besonders typisch ist die Verstärkung aller Symptome nach sehr geringer körperlicher oder geistiger Belastung. Betroffene klagen über extreme Licht- und Geräuschempfindlichkeit, weshalb sie oft in komplett abgedunkelten Zimmern mit bedeckten Augen liegen müssen und nur flüsternd kommunizieren können. Kleine Aktivitäten wie wenige Schritte zu gehen, das Aufsetzen im Bett oder auch die Anwesenheit eines anderen Menschen im Raum, können für eine sofortige Verschlechterung ihres Zustandes sorgen. Weltweit sind vermutlich über 40 Millionen

Menschen erkrankt, in Deutschland sind aktuell schätzungsweise 650.000 Menschen betroffen. Vor der Coronapandemie waren es weniger als die Hälfe und Forscher*innen gehen davon aus, dass diese Zahl aufgrund der Infektionen stark gestiegen ist. Die WHO stuft ME/CFS seit 1969 offiziell als Krankheit ein, der erste dokumentierte Ausbruch geht auf 1934 zurück. Trotz allem ist die Krankheit weiterhin unbekannt und in weiten Teilen unerforscht. Eine Studie belegt, dass ein Viertel aller Patient*innen das Haus nicht mehr verlassen kann, viele sind bettlägerig und auf Pflege angewiesen. Schätzungsweise über 60 Prozent sind arbeitsunfähig, so die Deutsche Gesellschaft für ME/ CFS. Die genaue Ursache von ME/CFS ist nach wie vor ungeklärt, eine Diagnose wird auf Basis eines Kriterien- oder Symptomkatalogs gestellt. Eine offizielle Therapie gibt es bisher nicht.

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St Titelthema

Helene Stangl stellt die Komposition “Totenchor” vor, die sie zusammen mit Frederic Geisler, Friedrich Hahn, Johnny Köhn und Tom Ponath (alle Q1) erarbeitet hat.

Im Musikunterricht der Q1 haben wir uns mit Musikstücken aus verschiedenen Konzentrationslagern beschäftigt. Auch weitere Verarbeitungsmethoden, wie künstlerische Werke der Gefangenen haben wir zur Inspiration genutzt. Unsere Aufgabe war es, eine Art Erinnerungsmosaik für die Opfer des Nationalsozialismus zu schaffen, also eine Komposition anzufertigen. In diesem Prozess haben wir uns viel mit den Themen Erinnern und Stille beschäftigt. Die Arbeit war intensiv, es sind viele tolle Werke entstanden. Für unser Stück „Totenchor“ haben wir uns von unterschiedlichen Materialien, die im Konzentrationslager oder nach der Befreiung von den Opfern geschaffen wurden, inspirieren lassen. Für die Kompositionsgrundlage haben wir das Lied „Wiegala“ von Ilse Weber, einer tschechoslowakischen

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Schriftstellerin gewählt: ein Wiegenlied der Mutter für ihren älteren Sohn Hanus, den sie vor ihrer eigenen Deportation nach England und dann nach Schweden in Sicherheit bringen konnte. Das Lied ist traurig und hoffnungslos. Doch gleichfalls soll es das Kind beruhigen und ihm Trost schenken. Es spiegelt die Situation aus den Konzentrationslagern wider. Das Lied gibt der Mutter eine Stimme und steht für viele weitere leidende Menschen. Es wirkt, als hätte die Mutter all ihre Gefühle in ihr Lied gesteckt. Manche der Lieder von Ilse Weber wurden regelmäßig auf der Krankenstation in Theresienstadt gesungen, in der sie Kinder betreute. Durch ihren Mann, der überlebte und die Texte und Lieder verstecken konnte, sind diese später bekannt geworden. Das Lied “Wiegala” haben wir durch die Kompositionstechnik „Erinnerungsfragment“ abgeändert. Dafür haben wir viele Töne verkürzt oder rausgenommen. Dadurch konnten wir Kontrast hineinbringen und die Zerstörung aus der dama-


Titelthema

ligen Zeit darstellen. Das Stück bricht förmlich weg, so wie viele Häuser, Familien und Leben zerstört wurden. Des weiteren haben wir zwei Fotos von menschlichen Skulpturen gewählt. Die Bilder wirken kalt, dunkel und leer. Die Augen der Dargestellten sind starr, sie schauen nach vorne. Alle Emotionen scheinen verloren, die Gefühle weg, sie scheinen taub. Denn ab jetzt geht es nur noch um das Überleben. Die dargestellten Menschen leisteten Schwerstarbeit, wurden gefoltert, mussten zusehen wie andere leiden, getötet wurden und versuchten, dabei noch irgendwie menschlich zu bleiben. Es waren viele, mehrere Millionen, alle die aufgrund des Holocaust starben und unbeschreibliches Leid erfuhren. Diesen Menschen, den Opfern des Nationalsozialismus, wollten wir mit unserem Stück eine Stimme geben. Das Leid der Toten und Überlebenden aufzeigen und ver tonen. In einer Art Totenchor. Dafür haben wir uns von der kalten Stimmung und dem kalten Material der Skulpturen inspirieren lassen. Wir haben das Lied „Wiegala“ auf einem Metallophon gespielt und weitere dunkle, kalte, metallische Effekte benutzt. Wir nahmen Texte der Toten aus Konzentrationslagern, um das Leid für sich selbst sprechen zu lassen und den Opfern eine Stimme zu geben. Wir haben die Stimmen und Textpassagen als Sprechchor aufgenommen. Auf die Stimmen haben wir Echo und Hall gelegt. Durch die vielen Stimmen konnten wir eine ausdrucksstarke Wirkung erzielen und durch den Hall in der Komposition einen angsteinflößenden Effekt schaffen. Die Taten der Nationalsozialisten werden nie verhallen! Ebenso wenig wie das Leid der Opfer. Es wird immer Teil der Geschichte bleiben und darf nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb ist es sehr wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und es auch mal von anderen Seiten zu beleuchten. Wie hier zum Beispiel durch die Kunst, die in Konzentrationslagern entstanden ist. Die Menschen konnten und durften sie nie teilen, doch wir können das. Sie wurden unterdrückt, doch wir können unsere Stimme benutzen. Deswegen ist es umso wichtiger, es nun für sie zu tun. Wir müssen uns unserem Privileg bewusst sein, denn es ist nicht selbstverständlich, frei seine Meinung sagen zu können. Auch wenn es ein Recht ist! Wir müssen unsere Stimme nutzen! Immer! Wir müssen nicht still sein. Denn wir dürfen nicht still sein. Der Schmerz und die Taten der Nationalsozialisten dürfen niemals vertuscht werden oder in Vergessenheit geraten. Stille über solche Themen ist gefährlich. Wir müssen aufklären, reden, sprechen, uns mobilisieren und laut sein. Denn das, was geschehen ist darf nie wieder passieren! Viele Menschen haben gekämpft und ihre Stimme erhoben. Sie haben gezeigt, wie wichtig es ist, niemals still zu bleiben.

tille Niemals still bleiben!

ERINNERUNGSMOSAIK FÜR DIE OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS von Helen e St an g l | Q 1

Bildquelle: Copyright asambura ensemble/ genehmigt durch die Gedenkstätte Buchenwald

Das Stück bricht förmlich weg, so wie viele Häuser, Familien und Leben zerstört wurden.

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Titelthema

In der Stille verloren – zur Methode der Weißen Folter von Tas ni m Ar d ouz | 9 A

Stille kann heilen – aber sie kann auch zerstören. Was passiert, wenn diese Stille nicht freiwillig ist, sondern als Waffe eingesetzt wird? Wenn ein Mensch tagelang, wochenlang, manchmal monatelang in einem weißen Raum sitzt, ohne Geräusche, ohne Stimmen, ohne das Lachen anderer oder den Klang der Welt? Kann die Seele das aushalten, wenn die gewohnte Geräuschkulisse der Welt plötzlich verschwindet? Die Antwort lautet: nein. Wir wissen, dass Menschen Geräusche brauchen, Worte und soziale Signale, um Orientierung zu behalten. Wenn alles davon entzogen wird, brechen langsam Kontrolle, Realitätssinn und der Mensch selbst zusammen. Und doch ist es genau diese Stille, die als Methode der weißen Folter eingesetzt wird: sie wirkt unsichtbar, aber sie nagt an der Seele. Wie lange dauert es, bis Isolation zur Qual wird? Ab wann wird Ruhe zu einem Gefängnis? Und ist Stille wirklich harmlos, wenn sie zum Instrument der Unterdrückung wird? Ob es nun politische Gefangene im Iran, Menschen in extrem strengen Haftbedingungen in den Vereinigten Staaten oder diejenigen sind, deren kritische Stimmen in China zum Schweigen gebracht werden – überall führt erzwungene Stille zu ähnlichen inneren Qualen: Das Gefühl von Einsamkeit und Angst wächst, Gedanken kreisen unaufhörlich im Kopf, und die psychische Gesundheit wird zunehmend erschüttert. Stille kann gut sein – oder ein Werkzeug der Gewalt. Wer bestimmt, wann Stille schützt und wann sie zerstört? Und warum überhören wir oft die Schreie, die in der Stille entstehen? 44 Leonarda 1/2026

Bildquelle: André Frueh (Unsplash)


Titelthema

Nur noch Stille? von M i lla Wohlra b | 5 B Unsere Redakteurin Milla Wohlrab hat ihre Tante Alexandra Wohlrab, die in einem Altenheim arbeitet, zu ihrer Arbeit und zum Leben der Senior:innen befragt. Wie fühlt es sich an, in einem Altenheim zu arbeiten? Es fühlt sich sehr schön an in einem Altenheim zu arbeiten. Es ist schön, den Senioren so nah zu sein und Teile ihres Alltags mitzuerleben. Ist es still in einem Altenheim? Es ist absolut nicht still. Sicher gibt es Zeiten, wie die Mittagspause, da ist es ruhiger, aber in einem Seniorenzentrum ist immer was los. Ähnlich wie zu Hause, irgendwer wuselt immer rum. Und wenn wir unsere Angebote haben, dann kann es auch mal richtig laut werden. Es wird viel gesungen. Musik ist etwas, was die Senioren sehr lieben. Was ist Deine Aufgabe im Altenheim? Meine Aufgabe ist es, den Senioren neben der Pflege durch Beschäftigungsangebote eine Tagesstruktur zu geben. Wie zum Beispiel durch immer wiederkehrende Veranstaltungen am selben Tag zur selben Zeit. Durch jahreszeitliche Feste führt man durch das Jahr. Das ist besonders wichtig, da manche Senioren durch eine Demenz vieles vergessen. Durch solche Feste können sich die Senioren orientieren, das gibt ihnen Sicherheit.

wird für seine Mühen belohnt. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Sind die Senioren immer zufrieden mit Deiner Arbeit? Wie in vielen Situation im Leben, kann man es nicht immer allen recht machen. Querulanten, also Menschen, die sich häufig und schon bei Kleinigkeiten beschweren, die gibt es leider überall. Manchmal hat man auch eine tolle Idee, aber die Senioren sind leider zu gebrechlich, um derlei Dinge mitzumachen oder haben schlicht einfach keine Lust. Das gibt es auch. Was machen die Senioren, wenn es ihnen im Altenheim zu laut wird? Wie bei jeder anderen Person auch: sie reden nicht mehr und ziehen sich zurück. Wie oft macht ihr Aktionen im Altenheim? Täglich! Bei uns ist jeden Tag Programm und es vergeht kein Monat ohne größere Aktion, wie ein Fest, Konzert oder ähnlichem.

Magst Du Deinen Job? Ich liebe meinen Job. Wenn man am Ende des Tages in die strahlenden Augen blickt, gibt einem das ein gutes Gefühl und man

Kreative Stunde

Ausflug in die Eisdiele

Kuchen backen

Bildquellen: Alexandra Wohlrab

Karneval

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Titelthema

Wenn Stille im Kopf laut wird vo n K lara Dör r wäch t e r | E x-L ea

Drei Ehemalige Leos gewinnen Filmpreis für ihren Kurzfilm über Demenz

und trotzdem noch Schwierigkeiten hat, die Paare zusammenzulegen, beruht auf einer wahren Begebenheit. Nachdem im Sommer das Thema des Wettbewerbs veröffentlicht wurde, so erzählt Tim Luca weiter, stürzen sich die Drei in die Arbeit. Vom Schreiben des Drehbuchs über technische Utensilien bis zu den SchauspieDer Filmpreis, ausgelobt von der Bürgerstiftung Köln, lern, alles müssen sie organisieren. wird jährlich an engagierte Jugendliche vergeben, die Neben Joshua Heinen, ebenfalls Ex-Abiturient, der im tolle Kurzfilme produzieren, und widmet sich dieses Film die jugendliche Version des alten Mannes verkörJahr dem Thema „Wandel“. pert, finden sie die weiteren Darsteller über einen AusDie Ex-Leos thematisieren in dem fünfminütigen Stück hang am Schwarzen Brett der Kölner Schauspielschule ein Thema, das heutzutage oft als „Gesellschaftskrank- „DER KELLER“. Im Haus von Tim Lucas Großeltern heit“ bezeichnet wird: Demenz. Interessant und einfühl- finden dann an fünf schwülen Augusttagen die Drehsam erzählen die Drei die Geschichte eines älteren, an arbeiten für den Kurzfilm statt. Demenz erkrankten Herrn, der sich kurzzeitig wieder Alle, die am Projekt beteiligt waren, haben sich ehrenwie sein 18-jähriges Ich fühlt. amtlich engagiert, auch um dem Geschickt werden das junge und „Memory“ erzählt auf eine Thema mehr Präsenz zu verschafdas ältere Ich des Protagonisten Als ich Tim Luca frage, ob er sehr kluge Art und Weise fen. nebeneinandergestellt. denkt, es sei immer noch zu still davon, wie schmerzhaft rund um Demenz und ihre FolBesonders einprägsam ist die SzeWandel sein kann. ne, in der die jüngere Version des gen, zögert er kurz. Zu still vielHauptdarstellers ein Fotobuch leicht nicht, sagt er, jedoch merke durchblättert. Babybilder, Klaser während seines FSJs im Kransenfotos, das alles kommt ihm bekannt vor. Doch plötz- kenhaus, dass es immer noch viele Vorurteile in Bezug lich werden die Jugendlichen auf den Bildern älter, tra- auf die Erkrankung gibt. Er und die anderen möchten gen Anzüge und Aktentaschen. Ein Porträt-Foto eines mit ihrem Film auch zeigen, betont Tim Luca, dass älteren Mannes mit ergrautem Haar und Nickelbrille. es unterschiedliche Formen von Demenz gibt und mal Und schließlich ganz zum Schluss auf der letzten Sei- gute und mal schlechte Tage mit der Erkrankung gete ein leeres, spiegelndes Polaroidbild, in dem der alte ben kann. Mann sein eigenes Spiegelbild anblickt. Ernüchternde Der fertige Film ist am Ende des Sommers 15 MinuMusik setzt ein, die Realität hat ihn wieder eingeholt. ten lang; um ihn bei „Köln Kurz“ einreichen zu kön„Memory“ erzählt auf eine sehr kluge Art und Weise nen, müssen die Drei ihn aber leider auf fünf Minuten davon, wie schmerzhaft Wandel sein kann. kürzen. Das ist im ersten Moment natürlich schade, jeWie sind die drei Abiturienten darauf gekommen, ge- doch werden die Filmemacher auf der Preisverleihung rade diese Form des „Wandels“ zu thematisieren? Um von einer der Jurorinnen dazu ermutigt, ihren ganzen das herauszufinden, spreche ich mit Tim Luca, einem Film nächstes Jahr für den deutschen Jugendfilmpreis der drei Produzenten des Films. einzureichen. Tatsächlich - finde ich heraus - kam ihnen die Idee zum Wir dürfen also weiterhin die Daumen drücken und vielFilm, da Robert im familiären Kreis Erfahrung mit De- leicht auch gespannt sein auf weitere Projekte der Drei! menz gemacht hatte. Die Schlussszene, in der der alte Herr ein Memory-Spiel mit offenen Karten spielt Es ist der 27. November 2025 und auf der Preisverleihung des Filmfestivals „Köln Kurz“ werden Tim Luca Unger, Robert Reuter und Phillip Heller, Abiturjahrgang 2025 am Leo, für ihren Kurzfilm „Memory“ ausgezeichnet. Die drei Filmemacher gewinnen den zweiten Preis in der Kategorie „Ab 18“.

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Bildquelle: Leonie Zettl (Unsplash)

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Kolumne

Wehrpflicht Ja, nein, vielleicht? vo n Ja nni s Ihme l s | 8C

ES IST WAHRSCHEINLICH GERADE DIE KONTROVERSESTE DEBATTE IN DEUTSCHLAND: DIE WEHRPFLICHT. DENN DEUTSCHLAND BRAUCHT SOLDATEN, WENN WIR UNS LANGFRISTIG GUT VERTEIDIGEN WOLLEN.

Das ist nicht meine Meinung, sondern die der Bundesregierung unter der Führung von Friedrich Merz. Aber um „kriegstüchtig“ zu werden, wie es Verteidigungsminister Boris Pistorius nennt, braucht man halt mehr Gerät und mehr Soldaten. Wie das Verteidigungsministerium im August ankündigte, soll die Zahl der Soldaten von 182.000 auf 260.000 hochgeschraubt werden. Das ist ja auch wichtig, weil der russische Präsident Wladimir Putin bestimmt nicht vor Deutschland halt machen wird. Aber meine Generation macht sich Sorgen und denkt darüber nach, ob sie für ihr Land kämpfen will, aber auch, ob sie einen anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht erschießen könnte. Ich selbst würde bei einer Wehrpflicht lieber im Zivildienst arbeiten als bei der Truppe. Außerdem muss man dazu sagen, dass der Zivildienst ja auch im Altenheim ausgeführt werden kann, weil es dort auch einen extremen Fachkräftemangel gibt und Zivildienst leistende Bürger den Pflegerinnen und Pflegern unter die Arme greifen könnten. Das ist nur ein Beispiel, was auch für viele andere Berufe gilt. Die Wehrpflicht bleibt seit Monaten das Streitthema für die schwarz-rote Koalition. Das Gesetz vom zuständigen Verteidigungsminister liegt auf dem Tisch: Wer will, geht zum Bund, wer nicht will nicht. Also reine Freiwilligkeit. Kurz bevor das Gesetz in den Bundestag kommt, stoppt die CDU aber das Vorhaben. Sie will bei nicht ausreichenden Freiwilligen einen verpflichtenden Wehrdienst gelten lassen, per Losverfahren. Der Plan der CDU liegt auf dem Tisch, die SPD ist informiert. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz soll der Plan vorgestellt werden, aber kurz davor wird diese einfach abgesagt, offenbar weil Boris Pistorius nicht zufrieden ist. Er, aber auch viele andere SPD-Fraktionsmitglieder halten nichts vom CDUVorschlag, ein Losverfahren bei Bedarf einzuführen. Die politische Diskussion ist okay, aber doch bitte nicht mit so einem öffentlichen Streit. Den einzigen, denen der Streit genützt hat, ist - genau, die AFD. Und ich glaube, beide Koalitionspartner haben kein Interesse, noch mehr Stimmen an die AFD zu verlieren. Kurz: die ganze Aktion hat nur dazu

geführt, dass jetzt Teile der Bevölkerung noch weniger Vertrauen in die Politik haben. In der Opposition scheiden sich in Sachen Wehrpflicht die Geister. Die AFD ist für eine zwölfmonatige verpflichtende Wehrpflicht für Männer. Frauen sollen komischerweise nicht kämpfen, aber als Sanitäterinnen arbeiten. Die Grünen sind ebenfalls für die Wehrpflicht, aber für eine freiwillige. Und die Linken sind gegen die Wehrpflicht und auch gegen Krieg und Waffen generell, was ja jetzt wirklich nichts neues ist, und stützen sich dabei auch darauf, dass junge Erwachsene in der Mehrheit auch gegen den Wehrdienst sind. Außerdem wurde kein einziges Mal mit den Leuten geredet, die es betrifft, also unsere Generation. Das schürt auch die Angst bei Jugendlichen und sie wandern in Teilen zu rechtsextremen Parteien ab. Einfach mal mit uns reden würde schon zu mehr Verständnis führen. Ich finde auch, dass an diesem Punkt auch die Schulen in der Pflicht sind. Im Lehrplan ist wenig Platz für aktuelle Themen. Stattdessen wird ewig über Strafrecht gesprochen, was auch wichtig ist, aber nicht ein halbes Schuljahr behandelt werden muss. Stattdessen mehr aktuelle Themen zu behandeln wäre sehr wichtig. Weil viele Jugendliche keinen blassen Schimmer von der Wehrpflicht haben. Generell ist in unserer Generation nach diesem Wehrdienstlight-Gesetz eine große Empörungswelle ausgebrochen. Viele junge Menschen beschweren sich darüber, dass an ihnen vorbeigeredet worden ist und sie generell wenig in politische Entscheidungen miteinbezogen werden. Versteht mich nicht falsch: ich bin für eine Einführung der Wehrpflicht, wie drei von vier Leuten in Deutschland (wie aus einem ARD-Deutschlandtrend hervor geht), aber es muss freiwillig sein und man müsste dazu einen Freiwilligen Zivildienst einführen, weil zum Beispiel in Pflegeberufen viel Personal fehlt. Alles im allem eine sehr kontroverse und aufgeladene Debatte, aber wir brauchen schnell eine gerechte Lösung, um im Ernstfall ,,kriegstüchtig“ zu sein, wie Boris Pistorius es sagen würde.

Einfach mal mit uns reden, würde schon zu mehr Verständnis führen.

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Bildquelle: Touko Aikioniemi (Unsplash)

Kolumne

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Politik und Gesellschaft

Die Kinder wachsen mit dem Krieg auf Von Em i l y Ze in ar | Q1, Jan n is Ihme l s | 8C, Ja na Stojc es ka un d Veit Br un gs | E F sow i e L a rs Be i e r | Ex -Leo un d an ge h en d er Jour n al i st

Vor vier Jahren hat Russland die Ukraine angegriffen. Wenig später konnten wir die ARD-Korrespondentin in Kyjiw, Andrea Beer, interviewen. Für die aktuelle Ausgabe haben wir – drei Jahre später – mit ihrer Nachfolgerin Rebecca Barth gesprochen, vor allem über die Situation der Kinder mitten im Krieg.

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Politik und Gesellschaft

Emily: Wie ist die Lage der Auslandsreporter:innen in der Ukraine? Der Krieg verändert sich und so verändert sich auch unsere Arbeit hier vor Ort. Aktuell haben wir zum Beispiel große Probleme mit der Stromversorgung. Auch die Heizung ist bei uns im Büro lange Zeit ausgefallen. Wir haben zwar diverse Vorkehrungen getroffen, haben große Akkus und einen Generator gekauft. Aber die Stromausfälle sind so massiv, dass wir uns in den vergangenen Monaten immer neue Lösungen ausdenken mussten, um überhaupt arbeiten zu können. Emily: Wie sicher fühlen Sie sich? Ich persönlich fühle mich sicher. Allerdings habe ich mich nach mehr als vier Jahren in der Ukraine auch an die ständige Gefahr gewöhnt. In Kyjiw habe ich Glück, denn ich lebe nicht in der Nähe einer Fabrik oder Energieanlage, die häufig Ziel von Angriffen sind. Einen Bombenschutzkeller gibt es in meinem Gebäude aber leider nicht.

Jana: Wie geht es der Zivilbevölkerung im Winter aktuell? Schlecht. Es ist eine schwierige Zeit. Vor allem für ältere Menschen oder Familien mit kleinen Kindern. Es ist sehr schwer Angehörige zu versorgen, wenn man keinen Strom, keine Heizung und kein Wasser hat. Viele Frauen sind mit ihren Kindern auch allein, weil ihre Ehemänner an der Front im Einsatz sind. Das verlangt den Menschen sehr viel Kraft ab. Es ist sehr schmerzhaft. Veit: Wie erfahren Sie als Auslandskorrespondentin von der aktuellen Frontlinie? Stehen Sie in Kontakt zu Befehlshabern? Wir haben eine Vielzahl von Quellen und wissen gleichzeitig, dass es unmöglich ist, die genaue Lage an allen Abschnitten der sehr langen Front zu kennen. Wir sind viel im Land unterwegs, sprechen vor Ort mit Soldaten. Wir haben uns über die Jahre gute Kontakte ins Militär aufgebaut. Nicht nur zu Befehlshabern, sondern auch zu einfachen Soldaten. Hinzu kommen ukrainische Beobachter und Analysten, die häufig sehr gute Arbeit leisten. So ergibt sich für uns ein Eindruck über die Gesamtlage.

Bildquelle:KI-generiert Jorge Fernández Salas (Unsplash) Bildquelle:

Jana: Wie stark bedroht ist die Pressefreiheit in der Ukraine aktuell? In der Ukraine gibt es immer noch eine sehr lebhafte gesellschaftliche Debatte. Ukrainische Medien berichten kritisch beispielsweise über Korruption oder auch Missstände in der Armee. Die größte Gefahr für Pressevertreter geht meiner Ansicht nach von Russland aus. Denn das russische Militär macht in den Frontregionen auch gezielt Jagd auf Journalistinnen und Journalisten. Immer wieder werden auch Medienvertreter getötet.

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Politik und Gesellschaft

„Bei Luftalarm gehen die Klassen in die Schutzräume, dort wird der Unterricht fortgesetzt.“ ZIVILOPFER

15.170 Verifizierte Todesopfer der Zivilbevölkerung seit Beginn der Invasion. Quelle: UN-Menschenrechtskommission (OHCHR), Stand Jan.2026

JOURNALIST:INNEN

116 Getötete Medienschaffende seit Beginn der Invasion, davon 18 direkt im Einsatz. Quelle: National Union of Journalists of Ukraine, 2025

KINDER

745 Getötete Kinder seit 2022, zusätzlich 2.375 verletzte Kinder laut aktuellen Daten.

Veit: Wie stellen Sie klar, dass Sie aus journalistischen Gründen dort sind? Wir geben uns als Presse zu erkennen, erklären für wen wir arbeiten. Außerdem haben wir eine journalistische Akkreditierung und Presseausweise. Veit: Haben Sie persönliche Grenzen in der Berichterstattung? Gibt es Dinge, über die Sie nicht berichten würden? Ich persönlich berichte nur sehr ungern über Themen der sexuellen Gewalt, weil mir das persönlich sehr nahe geht. Wir haben in unserem Team andere Kolleginnen und Kollegen, die diese Themen bearbeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich so ein Thema für mich kategorisch ausschließe. Im Gegenteil: Ich bin mir meiner Verantwortung in der Interviewführung sehr bewusst. Das ist einfach ein Thema, das für mich persönlich schwer zu ertragen ist.

Bildquelle: Alexander Simmons (Unsplash)

Quelle: UNICEF / Save the Children, 2026

Veit: Misstraut man Ihnen manchmal? Als ausländische Journalisten genießen wir in der Ukraine in der Regel große Beliebtheit. Die Menschen freuen sich oft, dass wir überhaupt hier vor Ort sind, um über ihr Land, den Krieg gegen sie, zu berichten. Ich erlebe daher kein Misstrauen. Aber natürlich müssen wir sensibel mit manchen Themen umgehen – auch um unsere Quellen zu schützen. Beispielsweise wenn uns Menschen über die Situation unter russischer Besatzung berichten. Die Menschen haben oft Angst vor Russlands Machtapparat.

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Politik und Gesellschaft

Jannis: Wie hoch ist die Akzeptanz der ukrainischen Bevölkerung gegenüber der eigenen Regierung? Hoch. Das belegen Umfragen immer wieder. Die Menschen in der Ukraine verstehen, dass es nur eine Alternative zum weiteren Verteidigen gibt. Und das ist russische Besatzung. Russische Besatzung bedeutet für die Menschen in der Ukraine, dass sie ihre komplette Identität aufgeben und unterdrücken müssen. Sie dürfen kein ukrainisch mehr sprechen und auch keine Ukrainer mehr sein. Im schlimmsten Fall bedeutet russische Besatzung Verschleppung, Folter und Tod. Daher ist das keine echte Alternative. Deswegen wollen sich die Menschen weiter verteidigen.

herrscht. Feiern mit Freunden ist für viele Jugendliche also auch nicht so einfach möglich. Jannis: Wie lange wird der Krieg noch dauern? Das kann niemand abschätzen. Die Hoffnungen sind sehr klein, dass die aktuellen Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA tatsächlich Frieden bringen. Russland glaubt offenbar, den Krieg noch lange weiterführen zu können. Es wäre wünschenswert, wenn in diesem Jahr ein Waffenstillstand zustande kommen würde. Ich persönlich wäre allerdings nicht überrascht, wenn der Krieg auch dieses Jahr noch andauern würde.

Lars: Wie funktionieren Schulen im Krieg? Das kommt sehr stark auf die Region an. Schulen so wie Kindergärten müssen über einen Schutzkeller verfügen. Bei Luftalarm gehen die Klassen in die Schutzräume, dort wird der Unterricht fortgesetzt. Ganze Klassenräume sind in Keller verlegt worden. In manchen Städten werden ganze Schulen unterirdisch gebaut. In vielen frontnahen Städten und Regionen ist Präsenzunterricht allerdings gar nicht möglich. Die Kinder lernen online wie zu Pandemiezeiten. Was sehr schwierig ist, vor allem wenn der Strom lange ausfällt. Lars: Wie wird sich der Krieg auf die Kinder/ Jugendlichen nach einem Frieden auswirken? Das können wir nicht absehen. Aber es ist von langfristigen negativen Folgen auszugehen. Viele Kinder kennen keinen normalen Schulbetrieb. Viele Kinder haben ihre Heimat verloren. Ihre Freunde. Sie mussten fliehen. Das ist alles sehr schwer und wird die Menschen in der Ukraine auf Jahrzehnte prägen und beeinflussen. Viele Kinder mussten sehr schnell erwachsen werden. In vielen Städten darf man abends oder nachts auch nicht mehr raus, weil eine Ausgangssperre

Zur Person Rebecca Barth hat Slawistik und Osteuropastudien in Berlin studiert. Seit Juni 2022 arbeitet sie als UkraineKorrespondentin für die ARD. Zuvor berichtete Rebecca Barth als freie Autorin regelmäßig aus der Ukraine, unter anderem für den Rundfunk Berlin Brandenburg, das Deutschlandradio und den Tagesspiegel. Auch am 24. Februar 2022, dem Beginn des russischen Überfalls auf die gesamte Ukraine, war sie in der Ostukraine und erlebte die Entwicklungen der ersten Tage und Wochen hautnah mit.

Bildquelle: Copyright: WDR/Simin Kianmehr

Lars: Wie geht es den Kindern in Kiew? Kinder in der Ukraine wachsen leider mit dem Krieg auf. Viele haben ältere Brüder oder ihre Väter an der Front. Sie alle wissen, was ein Notfallrucksack ist und was ein Bombenschutzkeller ist. Sie wissen, was Minen sind und was nicht explodierte Munition ist und wie man damit umzugehen hat. Für Jugendliche, besonders Männer, stellt sich zudem die Frage: Gehen oder bleiben? Männer ab 22 Jahren dürfen das Land nicht mehr verlassen und können später zum Militärdienst eingezogen werden. Der mögliche Kriegseinsatz ist hier etwas, mit dem man sich ganz real auseinandersetzen muss.

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Politik und Gesellschaft

Bildquelle: Jonathan Borba (Unsplash)

Auswirkungen des Puritanismus auf die US-amerikanische Kultur vo n Jana Sto j cesk a | E F

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hen und ein frommes Leben zu führen. Sie setzten auf vergleichsweise egalitäre Bildung und unterrichteten Jungen sowie Mädchen, auch aus unteren sozialen Schichten. Universitäten wie Harvard und Yale wurden ebenfalls von ihnen gegründet. Viele Puritaner emigrierten 1620 mit der Mayflower von England nach Neuengland im Nordosten der heutigen USA. In der „Neuen Welt“ gründeten die Pilgerväter Kolonien, um

Bildquelle: Olga Muller (Unsplash)

Der Puritanismus war eine religiöse Bewegung im 16.-17. Jahrhundert, die ihren Ursprung in England und Schottland hatte. Ziel war die Reformation der Kirche nach evangelischreformierten Grundsätzen und ihre Reinigung (engl. „purification“) vom römisch-katholischen Einfluss. Die englische Königin Elisabeth I. hielt den Puritanismus für zu radikal und ließ seine Anhänger politisch verfolgen, was sie zur Auswanderung trieb. Anhänger des Puritanismus glaubten an die Allmacht Gottes und richteten ihr Leben nach dem Wort der Bibel aus, im Gegensatz zur anglikanischen Kirche, die alles erlaubte, was die Bibel nicht explizit verbot. Puritaner lehnten viele rituelle und liturgische Elemente der anglikanischen Kirche strikt ab: Kreuze, Bischöfe, Bilderverehrung, prunkvoll verzierte Altäre sowie das Feiern von Weihnachten. Die Religionsausübung sollte schlicht sein und sich auf Gott konzentrieren. Zentral war die sogenannte Prädestinationslehre, nach der Gott bestimmte Menschen für die Errettung auserwählte. Dieser Lehre zufolge ist der Mensch jedoch im Allgemeinen von Natur aus durch die Sünde verworfen, daher ist Erlösung nicht durch eigene Taten zu erreichen. Die Unwissenheit darüber, ob man zu den Erlösten („elect“) gehörte, weckte das Verlangen nach Selbstperfektion, Disziplin und harter Arbeit. Zudem entwickelte sich ein starkes Streben nach einem frommen und einfachen Familienleben sowie einem moralisch einwandfreien Leben, das durch Arbeit und Fleiß des Einzelnen geprägt war. Arbeit demonstrierte die eigenen Gottesnähe. Zudem war ihnen wichtig, dass jeder Gläubige die Bibel selbst lesen konnte, um die „göttliche Wahrheit“ zu verste-


ihre Religion frei auszuüben. Der Puritanismus beeinflusste insbesondere die US-amerikanische Arbeitsethik, den Individualismus und teils auch den Mythos des „American Dream“: Reichtum und sozialer Aufstieg seien allein durch harte Arbeit und Sparsamkeit erreichbar, Erfolg und Versagen liegen völlig in den eigenen Händen. Materieller Wohlstand galt bei den Puritanern als Indiz für Gottes Gunst und Erlösung. Neben Fleiß war den Puritanern auch Eigenständigkeit und Privatsphäre wichtig. Da sie sich in Amerika eine neue Existenz aufbauen mussten, entwickelten sie eine weitgehend autonome Lebensweise, welche die Entstehung des amerikanischen Individualismus begünstigte. Ihre Selbstständigkeit und das Konzept der „Rechtfertigung durch den Glauben“ führten zur Ablehnung päpstlicher Autorität. Das wiederum stärkte die direkte, persönliche Beziehung zwischen Mensch und Gott, was den aufkommenden Individualismus im kolonialen Amerika intensivierte. Des Weiteren sahen sich die US-Amerikaner seit der Gründung der USA ideologisch dazu verpflichtet, weltweit Demokratie und Freiheit zu verbreiten. Schon damals betrachteten die Puritaner ihre Emigration und das Verbreiten christlicher Werte als göttliche Mission. Das Konzept des amerikanischen Exzeptionalismus spielt hier ebenfalls hinein: Die USA sehen sich als einzigartigen, überlegenen Idealstaat, eine „city upon a hill“. Ihrem Glauben nach, der sich merklich bis heute hält, stellen sie ein Vorbild in moralischer Führung für andere Nationen dar. Dieses starke Sendungsbewusstsein verankerte sich in der amerikanischen Identität und Außenpolitik: Durch politische Einmischung, wirtschaftliche Rettungsmaßnahmen oder militärische Mittel versuchen die USA bis heute, ihren glo-

balen Einfluss zu vergrößern und ihre Werte und Kultur zu verbreiten. Jedoch war der Einfluss des Puritanismus auf Amerika nicht homogen, da er sich vor allem auf Neuengland konzentrierte. In anderen Regionen wie im Süden und bei späteren Einwanderern gab es eigene soziokulturelle Prägungen, sodass man nicht von einem landesweiten puritanischen Einfluss sprechen kann. Aufklärung, gesellschaftliche Entwicklungen und Immigration führten zu neuen Werten, die teilweise im Widerspruch zu puritanischen Idealen standen. Insgesamt prägte der Puritanismus den nationalen Charakter der USA auf vielfältige Weise. Er ist mitverantwortlich dafür, dass extreme Arbeitszeiten gesellschaftlich anerkannt sind, Amerika sich selbst als globalen Verteidiger von Recht und Ordnung sieht und außenpolitische Interventionen oftmals moralisch legitimiert werden. Der Wandel hin zu einer pluralistisch-säkularen Gesellschaft minderte den direkt sichtbaren puritanischen Einfluss, doch die Basis der heutigen amerikanischen Werte beruht auf der Essenz des Puritanismus.

Bildquelle: C Bischoff (Unsplash)

Die USA sehen sich als einzigartigen, überlegenen Idealstaat, eine „city upon a hill“.

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vo n Ma t s S t o b b e | Q 1

Was haben sie verbrochen?

Politik und Gesellschaft

Unsere Oberstufenschüler:innen der EF und der Q1 haben am 03.11.2025 an einer Videokonferenz mit dem Zeitzeugen Abba Naor teilgenommen. Der jüdische Holocaustüberlebende hat über sein Leben und seine Erfahrungen mit den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges gesprochen.

Abba Naor wurde am 21.03.1928 geboren und ist gebürtiger Litauer. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr hat er in der Stadt Kaunas gelebt, bevor 1940 der sowjetische Diktator Josef Stalin in Litauen einmarschiert ist und das Land unter kommunistische Kontrolle gestellt hat. Infolge eines Flugzeugangriffs der Wehrmacht floh Naor zusammen mit seiner Familie in die Hauptstadt Vilnius, bis dort 1941 die deutsche Wehrmacht einmarschierte und er mit seiner Familie nach Kaunas zurückkehren musste. Kurze Zeit später wurden in Kaunas Ghettos eröffnet, in die alle Juden ziehen mussten. Bei einem Versuch, außerhalb des Ghettos Lebensmittel zu kaufen, wurde Naors älterer Bruder von deutschen Soldaten getötet. Am 28.10.1942 mussten sich alle Juden aus dem Ghetto versammeln und wurden von drei Kommandanten aufgeteilt. Sie mussten sich entweder auf die rechte oder auf die linke Seite stellen. Die meisten 56 Leonarda 1/2026

mussten nach rechts und wurden abtransportiert. Abba Naor und seine Familie wurden nach links geschickt und durften zunächst wieder ins Ghetto zurückkehren. Mitte 1944 kamen die deutschen Feinde an die litauische Grenze und Abba Naor und seine Familie wurden ins KZ Stutthof bei Danzig deportiert. Dort wurden Naor und sein Vater in ein Männerlager transportiert und seine Mutter und sein jüngerer Bruder in ein Frauenlager. Naors Mutter und sein Bruder wurden im Juni 1944 nach Auschwitz deportiert und umgebracht. Zur gleichen Zeit wurden Naor und sein Vater in den Dachauer KZ-Außenlager-Komplex verschleppt. Dort waren ca. 30.000 mehrheitlich jüdische KZ-Häftlinge. Kurze Zeit später begann der Todesmarsch. Nach acht Tagen Marsch ohne Verpflegung wurde Naor ausgehungert und erschöpft schließlich von den Alliierten befreit und sein Vater aus dem Außenlager Allach.


Fast 200 Schüler:innen sind in der Aula, während Naor Aufgrund seiner Herkunft aus Litauen wird Herr Naor darspricht und haben sich gespannt diese Geschichte angehört. aufhin gefragt, wie seine Beziehung zu seinem Land sei. Er Nach einer kurzen Pause erhalten sie die Gelegenheit, dem antwortet, dass er seit dem Krieg dreimal in Litauen war und Zeitzeugen Fragen zu stellen. mit seiner Familie dort hinziehen wollte, aber er es in seinem Ein Schüler beginnt mit der Frage, was Herr Naor die Kraft Alter nicht mehr machen könne. Dennoch, betont er, werde gegeben hat, nicht aufzugeben in dieser Zeit. „Ich wollte Litauen für immer seine Heimat bleiben. nicht sterben, ich wollte leben“ antwortet der Zeitzeuge. Er Welchen Appell er an unsere Jugend richten würde, wird Naerzählt, dass seine Mutter ihm die Aufgabe gegeben habe, or anschließend gefragt. In aufmunternden Ton erwidert der immer auf seine Familie aufzuZeitzeuge, dass alle Menschen passen und diese Aufgabe wollgleich seien, jeder sein Leben in Gibt es einen Gott? Ich habe te er niemals vernachlässigen. vollen Zügen leben und geniein den Himmel geschaut und Diese Antwort und die Aufßen und all seine Rechte leben forderung Naors, immer stark solle, dass die ganze Welt auf gefragt, wo ist er. Hat er zu bleiben, hebt die gedrückte uns warte und dass unsere ZuUrlaub in Mallorca gemacht? Stimmung unter den Schüler:inkunft die beste sein werde. Die nen spürbar. Schüler:innen reagieren mit lauIm KZ in Dachau war er nicht. Daraufhin fragt eine Schülerin, tem Klatschen. inwiefern es möglich war, wieder ins Leben zurückzukehren. Zum Abschluss wird der Zeitzeuge noch gefragt, was für ihn Herr Naor betont bei seiner Antwort, dass das Leben eine in dieser Zeit am schwersten war. Er erzählt daraufhin von „feine Sache“ sei und wir als Menschen „Gäste auf dieser dem Moment, als er seine Mutter und seinen jüngeren BruWelt“ seien. Mit dieser Antwort drückte er aus, dass niemand der am Tor vor dem Konzentrationslager vorbeigehen sah. jemals aufgeben sollte, da es nur ein Leben gibt und man es Es war das letzte Mal, bevor beide nach Auschwitz kamen wertschätzen sollte. und ermordet wurden. Diese Antwort stimmt die ZuhörenKurz danach wird Herr Naor gefragt, wie es denn sei, als KZ- den traurig. Zeuge in Deutschland zu leben. Herr Naor antwortet knapp, Nachdem sich sowohl Schüler:innen als auch Lehrer:innen aber doch eindringlich, dass es ihm egal sei, wo er wohne, bei Herrn Naor für seinen Besuch bedankt haben, wird er da alle Menschen überall gleich seien. mit großem Applaus verabschiedet.

Bildquellen: KZ-Gedenkstätte Dachau

Politik und Gesellschaft

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Politik und Gesellschaft

ICE – Sicherheit oder Schrecken?

Bildquelle: Colin Lloyd (Unsplash)

vo n Luc Aydogan Mülle r-Har man d a l i | Q 1 Letztes Jahr konnte man den Diskussionen um die US-Präsidentschaftswahlen kaum ausweichen. Ereignisse wie der Anschlag auf den damaligen Kandidaten Donald Trump oder das Zurücktreten des Gegenkandidaten Joe Biden, der daraufhin von Kamala Harris abgelöst wurde, haben die Wahlen bestimmt. Da Donald Trump schließlich offiziell zum zweiten Mal zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wurde, kann man nun beobachten, wie sich seine Präsidentschaft auf die USA auswirkt. Eine der größten Kontroversen, die man in den Nachrichten mitbekommt, ist die rund um die Vollstreckungsbehörde für Zoll- und Einwanderungsangelegenheiten „ICE“ (Immigration and Customs Enforcement). Der bisherige Höhepunkt der Diskussionen über ICE war die Tötung von Renne Good während eines großangelegten Einsatzes in Minneapolis, Minnesota. Zu den Hintergründen gibt es zwei stark gegensätzliche Darstellungen der Umstände. Die US-Regierung und Trump stufen die Tötung als Notwehr ein und behaupten, dass Renne Good ihr Fahrzeug als Waffe gegen den Polizisten Jonathan Ross einsetzen wollte. Augenzeugen und Videoaufnahmen widersprechen dieser Aussage jedoch. Diesen Beobachtungen zufolge hat Renne Good die Situation nur von außen beobachtet und ihr Fahrzeug lediglich genutzt, um zu fliehen. Ein weiterer sehr kontroverser Vorfall war die Festnahme des 5-jährigen Liam Conejo Ramos. Dieser wurde zusammen mit seinem Vater Adrian Alexander Conejo von ICE-Beamten festgenommen, während sein Vater ihn vom Kindergarten abgeholt hat. Hier gibt es ebenfalls zwei sehr unterschiedliche Aussagen. Anwälte und Schulbehörden sagen, dass Li58 Leonarda 1/2026

am als Köder benutzt wurde, um seinen Vater, der aus Ecuador stammt, zu verhaften. Die US-Behörde streitet dies ab und behauptet, dass Liams Mutter sich geweigert hat, Liam in Obhut zu nehmen. Nachdem Liam und sein Vater nach Texas in Haft geschickt wurden, erkrankte Liam an einem Magendarminfekt mit Fieber. Die Familie gab an, dass jegliche medizinische Hilfe für Liam verweigert wurde. Erst nach 12 Tagen wurde Liam schließlich frei gelassen. Hauptsächlich in Minneapolis, Minnesota, bestimmt ICE die Schlagzeilen. Doch auch in anderen amerikanischen Städten ist die Behörde ein großes Thema. Mein Auslandsjahr verbringe ich in Kansas City, Missouri, einer Großstadt. Es gibt hier nicht selten Fahrzeuge von ICE zu sehen. In der Nachbarschaft meiner Schule hat es sogar einen Einsatz von ICE-Beamten gegeben, die von Tür zu Tür gegangen sind, um nach Dokumenten zu fragen. Massenverhaftungen und gewalttätige Einsätze durch ICEBeamte werden immer häufiger und seit dem „Laken Riley Act“ dürfen Migranten sogar schon bei geringfügigen Straftaten inhaftiert werden. In Kansas City und vielen anderen Großstädten zeigen sich starke Widerstände gegen ICE, in Form von Protesten und Streiks. Die Protestierenden setzen sich für eine lückenlose Aufdeckung der Vorfälle ein und fordern Gerechtigkeit für die Opfer der ICE. Bei den Protesten wird auch die Erinnerung an den Afroamerikaner George Floyd, der 2020 in Minneapolis durch einen Polizeibeamten gewaltsam getötet wurde, wachgehalten.


Bildquelle: Colin Lloyd (Unsplash)

Politik und Gesellschaft

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Politik und Gesellschaft

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Politik und Gesellschaft

Goldene Amtskette von Mi ek e Oet zel, Mar len e Ka t ha ri na Kü p p e rs u nd Ju l i e Bu rgme r | 8C

und mit ihm gemacht. Kurz darauf hat er eine Ansprache an alle neuen Ratsmitglieder gehalten und den Eid gesprochen. Nach langem Klatschen hielt er seine erste Rede, eine Danksagung an die letzte Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Anschließend sprach er über seine Ziele für Köln. Er sprach über Sicherheit und Sauberkeit, einen intensiveren Austausch zwischen Polizei und Stadt bezüglich Drogen etc. und eine schnellere Umsetzung städtischer Bauvorhaben. Er sagte auch, dass er jeden mit einbeziehen möchte und dass nicht nur er der „Chef“ sei. Als weitere Ziele nannte er, Kölner Unternehmen den Rücken zu stärken und eine Haushaltssperre bis Ende des Jahres 2025 in Kraft zu setzen.

Bildquelle: ______________

K

öln, 6. November 2025: Einweihung des neuen Oberbürgermeisters. Und wir, die LEONARDA-Redaktion, waren live dabei. Es war ein großartiges Erlebnis. Gestartet sind wir um 14.15 Uhr hier am Leo und sind dann gemeinsam mit der U-Bahn gefahren. Als wir angekommen sind, standen wir vor dem Rathaus auf dem TheoBurauen-Platz und bekamen von Herrn Becker vom Amt für Kinder, Jugend und Familie, der ermöglicht hat, dass wir und weitere Schüler:innenzeitungen bei der Einweihung dabei sein konnten, unsere Eintrittskarten. Danach sind wir in den Ratssaal gegangen. Dort waren viele Politiker:innen und Journalist:innen. Und natürlich Torsten Burmester, der die goldene Amtskette trug. Es wurden viele Fotos von

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Politik und Gesellschaft

Was haben Sie vor, Herr Burmester? Int e r vi ew vo n Ja nni s Ihme l s | 8C

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Politik und Gesellschaft

Zur Schüler:innenpressekonferenz im Rathaus mit dem neuen Oberbürgermeister Torsten Burmester am 10.12.2026 sind wir mit über 20 Personen aus der Redaktion angereist. Der OB hat sich den Fragen der LEONARDA und anderer Kölner Magazine gestellt. Lustigerweise wurden wir bei der Begrüßung zu Beginn vergessen, worauf der Organisator Herr Becker uns entschuldigend mit Blick auf unsere mehrfache bundesweite Auszeichnung „deutsche Meister der Schülerzeitungen“ genannt hat. Entschuldigung angenommen! Im Kreuzverhör der Schüler:innenredaktionen geriet Burmester dann zunehmend ins Schwitzen. V.a. als es um die Wehrpflicht – die er befürwortet – ging und ein Schüler der Politik vorwarf, die Jugendlichen nicht in die Debatte um die Wehrpflicht einzubeziehen. Herausfordernd wurde es für den OB auch, als er mit Beschreibungen der schlechten Ausstattung vieler Schulen konfrontiert wurde und Rede und Antwort zu geplanten Maßnahmen stehen musste. Bei der Forderung nach mehr Frauenhäusern geriet er in die Enge und argumentierte mit leeren Stadtkassen. Als ich ihn schließlich auf das gigantische U-Bahnprojekt und das fehlende Geld in anderen Bereichen ansprach, fand der OB, dass es hier ja härter zuginge als auf der Bundespressekonferenz. Er bot mir persönlich an, ihm nochmal per Email Fragen zu stellen. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Hier meine Fragen und die exklusiven Antworten des OB. Warum haben Sie sich entschieden, Oberbürgermeister der Stadt Köln zu werden? Burmester: Köln liegt mir seit fast 40 Jahren sehr am Herzen. Und wenn die Menschen einem immer wieder aufzählen, was in dieser Stadt gerade nicht gut läuft, dann kann man entweder zuschauen – oder Verantwortung übernehmen. Was motiviert Sie jeden Tag in Ihrem Amt? Mich motiviert, dass diese Stadt riesiges Potenzial hat und viele Menschen bereit sind, mit anzupacken. Mein Anspruch ist, dass Köln wieder besser funktioniert – ganz konkret im Alltag der Menschen. Welche Erfahrung hat Sie am meisten auf diese Aufgabe vorbereitet? Am meisten hilft mir wahrscheinlich die Mischung aus Verwaltung, Politik und Sport. Ich habe auf Bundes- und Landesebene große Organisationen gesteuert und später im Spitzensport gelernt, unter Druck Entscheidungen zu treffen und viele Interessen zusammenzubringen. Wie steht es um die Ausstattung der Schulen? Da ist einiges passiert, aber wir sind noch nicht am Ziel. Die Stadt investiert gerade gleichzeitig in Neubauten, Sanierungen und Digitalisierung – zuletzt wurde insbesondere bei

der technischen Ausstattung für Schülerinnen und Schüler vieles getan. Welche Angebote gibt es für Jugendliche? In Köln gibt es zum Glück viele gute Angebote. Von offenen Jugendtreffs über Sport, Musik und Kultur bis zu Beratung und Unterstützung im Alltag. Aus meiner Sicht braucht eine Millionenstadt wie Köln auch ein so vielfältiges Angebot, um die Bedürfnisse aller Jugendlichen abzudecken. Wie fördern Sie Sport und Kultur? Sport und Kultur halten eine Stadt zusammen – deshalb stärken wir beides ganz konkret. Die Stadt Köln unterstützt eine Vielzahl von Sportvereinen, hinzu kommen Programme wie „Sport in Metropolen“ und die „Kölner Sportvorbilder“ an unseren Schulen. Und in der Kultur denke ich an Förderprogramme vom Open-Air-Fonds bis zur mehrjährigen Förderung von Filmkultur-Initiativen. Was war Ihre bisher größte Herausforderung im Amt? Eine der größten Herausforderungen ist, unter der angespannten Finanzlage trotzdem handlungsfähig zu bleiben. Denn die Leute erwarten zu Recht, dass wir Probleme lösen und nicht nur erklären, was gerade alles nicht geht. Was haben sie bereits für bezahlbares Wohnen getan? Seit meinem Amtsantritt habe ich das Thema ganz nach oben gesetzt. Mit dem Bau Turbo können wir schneller rechtliche Planungssicherheit schaffen und mit der Initiative „Bezahlbar Bauen und Wohnen in Köln“ arbeiten wir daran, Bauen für Menschen mit kleinem oder mittlerem Einkommen wieder machbarer zu gestalten. Was ist der aktuelle Stand zur Drogenpolitik und Suchtprävention in Köln? Mein Ansatz lautet: helfen und handeln. Aktuell hat der Rat festgestellt, dass wir ein neues Suchthilfezentrum in der Innenstadt am Perlengraben / Wilhelm-Hoßdorf-Straße brauchen und die Verwaltung mit der Planung beauftragt. Für Jugendliche gibt es daneben schon heute spezialisierte Beratungsangebote. Würden Sie ein Kinder- und Jugendparlament in Köln unterstützen? Ja – wenn es echte Mitwirkung schafft und nicht nur ein Symbol bleibt. Mir ist wichtig, dass junge Menschen in Köln mitreden können; dafür gibt es schon heute Foren und Beteili-

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Politik und Gesellschaft

gungsangebote, und alles, was diese Stimmen stärker macht, finde ich richtig.

der Hauptaustragungsort und ich werbe sehr für die Unterstützung unseres Vorhabens.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Job? Die Spannweite ist groß: Finanzen, Verkehr, Wohnen, Sicherheit, Verwaltungstempo. Die eigentliche Herausforderung ist, dabei Prioritäten zu setzen und gute Lösungen zu finden, die möglichst viele unterschiedliche Interessen berücksichtigen.

Anmerkung der Redaktion: Beim Bürgerentscheid am 19.04. stimmten 57,4% der Kölner:innen für eine Bewerbung von KölnRheinRuhr.

Welche Projekte sind Ihnen am wichtigsten und wie soll eine Umsetzung ohne stabile Mehrheit funktionieren? Für mich sind Sicherheit und Sauberkeit, bezahlbares Wohnen, eine verlässliche Mobilität und eine starke Wirtschaft besonders wichtig. Ohne stabile Mehrheit funktioniert das nur, wenn man Mehrheiten in der Sache organisiert. Wir benötigen bei jedem Vorhaben die bestmöglichen Vorschläge, um Unterstützende aus anderen Lagern für unsere Ideen zu gewinnen. Wie ist der Stand zur Bewerbung Kölns als Austragungsort bei den Olympischen Spielen? Die Kölnerinnen und Kölner entscheiden selbst darüber. Bis zum 19. April 2026 läuft der Ratsbürgerentscheid zur Beteiligung Kölns an der Rhein-Ruhr-Bewerbung; Köln wäre dabei

Gehen Sie auf die Forderung des 1. FC Köln insoweit ein, indem Sie Teile des Grüngürtels roden, um das Geißbockheim auszubauen? Sport und Umweltschutz sind für mich kein Widerspruch. Der Grüngürtel ist ein Ort der Erholung, und dazu gehört auch Sport in Vereinen. Der Bedarf ist seit Jahren klar und nach dem Hin und Her braucht es jetzt endlich eine tragfähige Lösung. Den Umweltschutz haben wir bei der möglichen Bebauung der Gleueler Wiese natürlich ebenso im Blick wie die Interessen des Sports. Wie stehen sie zum Thema U-Bahn auf der Ost-West-Verbindung? Ich bin für eine U-Bahn auf der Ost-West-Achse, weil damit oberirdisch mehr Platz für alle Verkehrsteilnehmende entsteht und wir insgesamt eine bessere Aufenthaltsqualität schaffen könnten.

Bildquelle: Ricarda Langen

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Politik und Gesellschaft

Ein paar kurze Fragen zum Klimawandel an ...

ANTON SCHWINDEN | 8D

OBERSTUFENSCHÜLER (ANONYM)

UNTERSTUFENSCHÜLER (ANONYM)

Was für Auswirkungen hat der Klimawandel? Er hat große Auswirkungen auf die Erderwärmung. Dadurch wird bald der Schnee bei den Skipisten schmelzen und man kann kein Ski mehr fahren. Und das ist schlecht für Personen wie mich, die gerne Ski fahren.

Fahrst du öfter mit dem Auto oder mit dem Fahrrad? Ich fahre öfter mit dem Fahrrad, weil ich so Co2 spare und die Umwelt schütze.

Macht dir der Klimawandel Angst? Ja, mir macht der Klimawandel Angst, weil ich Angst habe, dass die Luft schlechter wird und dass ich keine Luft bekomme.

Achtest du darauf regional einzukaufen? Ja, beim Einkaufen achte ich darauf, umweltfreundliche Produkte einzukaufen.

Was können wir Schüler:innen konkret gegen den Klimawandel machen? vo n Ri fat Taka | 8 D un d Kubilay Ta k a | 5B Der Klimawandel ist eines der größten globalen Probleme unserer Welt. Er hat große Auswirkungen auf das Wetter und das Klima. Aber was können wir Schüler:innen gegen den Klimawandel tun? Viele Schüler:innen denken, dass sie nichts bewirken können. Aber wir können vieles tun, wenn wir an uns glauben. Ein erster großer Schritt wäre, dass wir, statt mit dem Auto zu fahren, das Fahrrad benutzen. Das spart Co2 und schont die Umwelt. Auch die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel wäre gut, da sie im Vergleich zum Auto weniger Co2 pro Personenkilometer verursachen. Was wir noch tun können, wäre, dass wir umweltfreundlicher einkaufen. Statt Einwegbeuteln können wir mit wiederverwendbaren Taschen einkaufen oder auf Plastik beim Einkaufen achten. Auch Regionales und Saisonales einkaufen, ist sehr wichtig, weil der Transport Co2 verursacht, und so spart man das. Wenn wir Produkte aus unserer Region kaufen, helfen wir der Umwelt und unterstützen auch lokale Betriebe. Also können wir Schüler:innen auch vieles bewirken, wenn alle mit anpacken. Bildquellen: Alan Rodriguez (Unsplash); Madison Oren (Unsplash); Markus Spiske (Unsplash); Markus Spiske (Unsplash)

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Politik und Gesellschaft

Es läuft die 113. Minute des EM-Halbfinales am 23. Juli 2025 gegen Spanien. Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat bis zu diesem Zeitpunkt eine überzeugende Leistung gezeigt, es steht jedoch 0:0. Doch dann erzielt Aitana Bonmatí das entscheidende Tor für Spanien.

Der Traum vom neunten EM-Titel für Deutschland endet in diesem Moment. Trotz des Ausscheidens kann von Niederlage nicht die Rede sein. Während des gesamten Turniers begeistern die DFB-Frauen mit leidenschaftlichem und ausdrucksstarkem Fußball. Diese sportliche Leistung spiegelt sich auch enorm in der medialen Resonanz wider. Insgesamt verfolgen über 14,5 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer das Spiel live im Fernsehen. Mit einem Marktanteil von 57 Prozent belegt es den ersten Platz der Sport-Highlights des Jahres 2025. Auch der spannungsgeladene Sieg über Frankreich im Viertelfinale übertrifft die Übertragungsquoten des Nations-League-Spiels gegen Portugal des DFB-Männer-Teams, welches lediglich den dritten Platz belegt. Dies zeugt zwar von einem wachsenden gesellschaftlichen Interesse und zunehmender Medienpräsenz des deutschen Frauenfußballs, aber dennoch bestehen weiterhin deutliche strukturelle Ungleichheiten. Dazu zählen finanzielle Disparitäten, fehlende Infrastruktur und geringe institutionelle Förderung. Viele Profifußballspielerinnen der Bundesliga erhalten kein existenzsicherndes Gehalt und sind dadurch gezwungen, neben dem zeitintensiven Trainings- und Spielbetrieb einer weiteren beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Und das, obwohl viele Frauen seit Jahrzehnten für mehr Sichtbarkeit und Gleichberechtigung im Frauenfußball kämpfen. Die Ursachen dieser Benachteiligung liegen tief in der Geschichte des Frauenfußballs, dessen Anfänge bis ins Jahr 1895 zurückreichen, als in England die ersten offiziellen Frauenfußballspiele stattfinden. Während und nach dem 1. Weltkrieg findet der Frauenfußball zunehmend Anklang, was jedoch im NSRegime durch die Nazis zunichte gemacht wird, da sie Fußballsport für Frauen ideologisch ablehnen.

Bildquelle: Joppe Spaa (Unsplash)

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n o i t a n i Fasz l l a b ß u f n e u a r F na Bru vo n A n

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1955, zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches beschließt der deutsche Fußball-Bund ein Verbot des Frauenfußballs in Westdeutschland. Die offizielle Begründung des DFB lautet, dass „im Kampf um den Ball […] die weibliche Anmut“ verschwinde und „Körper und Seele […] unweigerlichen Schaden“ erleiden würden. Trotz aller Widerstände hängen die Fußballerinnen ihren Traum nicht an den Nagel und arrangieren schon ein Jahr später das erste inoffizielle Länderspiel gegen die Niederlande. 15 Jahre lang existiert der deutsche Frauenfußball der BRD illegal nur durch Ehrenamt und regionale Damenvereinigungen, während der Frauensport der DDR zwar unerwünscht, aber geduldet ist und durch staatliche Betriebe ermöglicht wird. Nach der Aufhebung des Verbots 1970 erlaubt der DFB den Frauenfußball zwar formal, stuft ihn aber bewusst als Breiten- und Amateursport ein, um eine nationale Liga und die damit einhergehende Professionalisierung zu verhindern. Als Folge dessen spielt nicht etwa eine Nationalmannschaft für Deutschland bei der inoffiziellen WM in Taiwan 1981, sondern der deutsche Rekordverein SSG 09 Bergisch Gladbach. Dieser finanziert die Reise ohne die Hilfe des DFB und gewinnt schließlich sogar den WM-Titel. Die über Jahre etablierten sportlichen Erfolge und die internationale Konkurrenzfähigkeit bringen den DFB schließlich dazu, eine Nationalmannschaft für Deutschland zu gründen und den Frauenfußball an sich schrittweise zu institutionalisieren. In den Folgejahren finden die ersten offiziellen Länderspiele statt, diese sind zwar noch längst kein Massenphänomen, legen aber den Grundstein für spätere Erfolge. Die gewonnene EM 1989 stellt einen echten Wendepunkt dar, auch wenn es statt Goldmedaillen nur ein Kaffeeservice als Prämie gibt. Dieser Sieg ist zwar immer noch durch gesellschaftliche Skepsis und minimale Anerkennung gezeichnet, aber mit der Wiedervereinigung 1990 bildete sich nach und nach die erste deutsche Bundesliga der Frauen. Gleichzeitig tritt eine deutliche Professionalisierung in Form von besseren Trainingsbedingungen und systematischeren Vereinsstrukturen ein und ermöglicht die Förderung vieler junger Spielerinnen. Auch das mediale Interesse wächst spürbar. Aus anfänglichen sexistischen und belächelnden Kommentaren entwickelt sich im Laufe der Jahre eine ernsthafte Berichterstattung und eine breite gesellschaftliche Wertschätzung für die Leistung des Frauenfußballs in Deutschland.


Politik und Gesellschaft

Fußballweltmeisterschaft der Männer 2026 – aktuelle Qualifikation von Yasin De mir ci | 8 B Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2026 findet in den USA, Mexiko und Kanada statt. Zurzeit laufen noch die letzten Qualifikationsspiele. Viele Nationalmannschaften kämpfen darum, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Besonders wichtig ist, dass bei der WM 2026 zum ersten Mal 48 Mannschaften teilnehmen werden. Früher waren es nur 32 Teams. Dadurch bekommen mehr Länder die Chance, sich für das Turnier zu qualifizieren. In den verschiedenen Kontinentalverbänden werden Qualifikationsspiele ausgetragen. Die Teams spielen in Gruppen gegeneinander und sammeln Punkte für Siege und Unentschieden. Manche Mannschaften haben sich schon sicher qualifiziert, andere müssen noch um ihre Teilnahme kämpfen. Außerdem gibt es einige Überraschungen. Usbekistan und Jordanien haben sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Auch Länder wie Kap Verde oder Curaçao gehören zu den überraschenden Teams der WM 2026. Bekannte Fußballnationen wie Deutschland, Frankreich, Brasilien oder Argentinien sind wieder dabei. Trotzdem gab es auch Enttäuschungen, weil manche bekannte Teams große Probleme in der Qualifikation hatten. Dadurch bleibt die WM 2026 besonders spannend.

Bildquelle: Pokal: My Profit Tutor (Unsplash) Flaggen: Jorono (Pixabay)

Die endgültigen WM-Gruppen stehen inzwischen fest. Die Weltmeisterschaft beginnt am 11. Juni 2026 und das Finale wird am 19. Juli gespielt.

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Politik und Gesellschaft

Zwischen Schulwechsel und globaler Pandemie vo n A lva We rgen | 1 0B

Bildquelle: Julia Gramberg de Mendoza

Es ist fast sieben Jahre her, dass das Coronavirus ausgebrochen ist, und vor drei Jahren wurden die Lockdown-Beschränkungen wieder vollständig aufgehoben. Aber wie empfanden diese fast vier Jahre die damals Neun- bis Zwölfjährigen, die inmitten einer globalen Pandemie die Schule wechseln und einen Teil ihrer Jugend im Lockdown verbringen mussten?

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Politik und Gesellschaft

Corona Pandemie aus der Perspektive einer damals Neun- bis Zwölfjährigen

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ür meine Mitschüler:innen und mich begann der Lockdown aufgrund eines Coronafalls an unserer Grundschule schon zwei Wochen vor dem offiziellen Lockdown. Vor der Schule stand damals eine Lehrkraft, die uns zurück nach Hause geschickt hatte und uns sagte, dass wir erstmal keine Schule haben werden, da eine Lehrkraft Corona habe. Da ich zu dem Zeitpunkt erst zehn Jahre alt war und das Coronavirus noch sehr neu war, verstand ich nicht, wie ernst die Lage werden würde und auch schon war. Ich freute mich darüber, keine Schule zu haben. Also bin ich wieder nach Hause gefahren und genoss die zwei Wochen schulfrei. Nach dieser Zeit begann jedoch der offizielle Lockdown für alle und es wurde klar, wie ernst die Lage war. Meine Eltern erklärten mir, dass aufgrund eines Virus kein Unterricht in der Schule stattfände, dass ich meine Freundinnen nicht treffen und allgemein nur unter bestimmten Umständen das Haus verlassen dürfe. Das fand ich natürlich doof, vor allem, da ich noch zu jung war, um die Gefahr richtig zu verstehen. Ich begann abends mit meinen Freundinnen zu telefonieren, um in Kontakt miteinander zu bleiben, um von anderen Sachen zu hören als von denen, die im eigenen Zuhause passieren, und um ein Gefühl von Normalität zu behalten, was während dieser chaotischen Zeit immer schwerer wurde. Nachdem der erste Lockdown nach ungefähr drei Monaten wieder aufgehoben wurde, begann der gewohnte Alltag wieder zu starten. Unter anderem öffneten Geschäfte und Restaurants wieder und auch Hobbys durfte man wieder aufnehmen. Ebenfalls begann der Präsenzunterricht wieder, wenn auch mit Abstandhalten und Maskentragen. So ging der Unterricht bis zum Ende des Schuljahres, zwei Monate lang später, weiter. Das Schuljahresende bedeutete für uns damaligen Viertklässler:innen auch, voneinander und der Grundschule Abschied zu nehmen, da der Wechsel auf die weiterführende Schule bevorstand. Obwohl sich während der letzten Monate ein neuer Alltag entwickelte, die Reglementierungen gelockert wurden und man die meisten Sachen wieder machen konnte, war unsere Abschlussfeier trotzdem stark geprägt von den Beschränkungen durch die Pandemie. Anstatt in der Aula mit der ganzen Schule und den Eltern zu feiern, wie es an der Schule üblich war, haben wir ein selbst gedrehtes Abschiedsvideo als Klasse nur mit unserer Lehrerin geschaut und danach Ballons steigen lassen. Aufgrund der Reglemen-

tierungen war eine andere Form des Abschieds und Ende der Grundschulzeit nicht möglich. Nach den Sommerferien kam trotz Pandemie und deren Beschränkungen dann der Wechsel auf die weiterführende Schule. Am Anfang wurde nur mit Maske, Sicherheitsabstand und regelmäßigen Tests unterrichtet. Als die Infektionszahlen jedoch wieder stiegen, wurde die Klasse geteilt. Die Hälfte ging in den Präsenzunterricht und die andere Hälfte blieb zu Hause im Homeschooling. Zuletzt kam der zweite Lockdown im Dezembers 2020 und es fand gar kein Präsenzunterricht statt, sondern nur von zuhause aus. Diese Zeit des Lockdowns war für mich vor allem vom Homeschooling, viel Langeweile und den Schwierigkeiten, die die Situation mit sich brachte, geprägt, da man sich nicht mit Freundinnen treffen konnte oder auch andere Hobbys nicht möglich waren. Besonders deutlich wurde der Lockdown auch bei Festen wie Geburtstagen, die man nicht so feiern konnte, wie man wollte, oder Weihnachten, das im kleinen Kreis statt mit der ganzen Familie gefeiert wurde. So vergingen die Monate, ohne dass man jemanden außerhalb seiner Familie treffen konnte oder nur das Haus verlassen durfte, wenn es notwendig war. Also mussten wir kreativ werden und uns neue Beschäftigungen suchen und Wege finden, in Kontakt zu bleiben. Zum Glück gab es Handies, die uns das leichter gemacht haben. Beim Thema Beschäftigungen war natürlich Schule eine große Aufgabe, die viel Zeit eingenommen hat, aber auch die war nachmittags beendet. Also haben Freundinnen und ich viel online gespielt und dabei telefoniert, da wir sowohl uns beschäftigen als auch in Kontakt sein konnten. Auch mit meiner Schwester zu kochen oder zu backen, war eine gute Beschäftigung und ohne viel Aufwand möglich. Im Mai 2021 wurden die Regeln nach fast sechs Monaten Lockdown wieder gelockert und der Präsenzunterricht kehrte zurück. Mit der Schule kehrte ein großes Stück Normalität und Routine zurück. Für mich und viel andere war das nach einer jahrelangen Pandemie sehr hilfreich. Unsere Klasse konnte sich endlich richtig kennenlernen und zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen. Das wäre durch den Lockdown davor nicht möglich gewesen.

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Politik und Gesellschaft

Lock

Down E ri nne r u nge n vo n Mi na N i j o | 7 D

Bildquelle: Unsplash / Amanda Gueraldi

Die Corona-Pandemie war eine herausfordernde und ungewohnte Zeit. Aber wie haben eigentlich Kinder diese Jahre erlebt? Darüber möchten wir euch etwas aus unserer Perspektive erzählen.

Im März 2020 gab es den ersten Lockdown, der bis in den Mai andauerte. Ich war zu dieser Zeit sechs Jahre alt, in der ersten Klasse und hatte mich gerade an die Schule gewöhnt. Als meine Eltern mir erklärt haben, dass ich erst einmal nicht in die Schule gehen kann, habe ich das alles noch nicht so richtig verstanden. Die meisten Dinge, die vorher ganz normal waren, wurden zur Seltenheit. Treffen mit Freunden kamen nicht mehr vor und meistens war man zu Hause. Freundschaften in unserem Alter aufrechtzuerhalten, wurde deshalb immer schwieriger. So lief es teilweise auch mit der Familie, denn Feste, die man sonst mit der ganzen Familie zusammen gefeiert hat, wurden in kleiner Runde zelebriert. Anders als ein paar Dinge, die gar nicht mehr stattfinden konnten, fanden Hobbys wie beispielsweise Sport oder Gesangsunterricht online statt. Trotzdem hat man gemerkt, dass die meisten Kinder nicht komplett ausgelastet waren. Es hat gefehlt, dass man draußen rennen und spielen konnte, wie es normal in diesem Alter gewesen wäre. Eine Veränderung hat man jedoch auch in der Nachbarschaft erlebt. In diesen Jahren habe ich mehr Unterstützung und Hilfsbereitschaft erfahren, denn auf eine Weise hat uns diese Zeit auch mehr Zusammenhalt gelehrt.

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Während der ganzen Zeit, die man zu Hause verbringen musste, sind die meisten auch kreativer geworden. Ich erinnere mich gerne an Projekte meiner Schule zurück, in denen Kinder aller möglichen Stufen ein Teil davon sein konnten. Zum Beispiel gab es eine Radiosendung, die wie ein Hörspiel auf der Schulwebseite zu hören war. Auch Fernsehsendungen für Kinder ließen sich spannende Ideen einfallen, die man zu Hause selbst ausprobieren konnte. Da wurde die Wohnung gerne mal komplett auf den Kopf gestellt. In der Schule lief es aber weniger chaotisch ab. Nach dem ersten Lockdown wurden die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte blieb zu Hause und die andere war in der Schule. So konnte man leider immer nur die Hälfte seiner Klasse sehen. Als alles wieder normal wurde und die Klassen wieder zusammen in der Schule lernen konnten, haben die Lehrer und Lehrerinnen auch die Eltern gemerkt, dass viel von dem Lehrstoff verpasst oder nicht richtig gelernt worden war und viele Kinder in späteren Schuljahren Nachteile in manchen Fächern hatten. Besonders für Kinder, die zu diesem Zeitpunkt gerade erst eingeschult worden waren, war der Start in die Schulzeit schwer.


Kunst und Kultur

GEDANKEN IN DER SILVESTERNACHT

Bildquelle: Steve Ledeme (Unsplash)

von Li lly Pit zen | 8 D

Ich stehe draußen im Garten und ziehe meine Jacke enger um mich. Mein Atem macht kleine Wolken in der Luft. Meine Finger sind kalt, obwohl ich Handschuhe trage. Überall riecht es nach Rauch und Feuerwerk. Silvester fühlt sich jedes Jahr gleich an, und trotzdem hoffe ich jedes Mal, dass es dieses Jahr anders wird. Drinnen ist es warm. Ich höre Lachen, Gläser klirren und irgendwer dreht die Musik lauter. Ich bleibe lieber draußen, weil mein Kopf zu voll ist. Das ganze Jahr läuft wie ein Film vor mir ab, den ich nicht stoppen kann. Schule, Tests, Noten. Tage, an denen ich mich unsichtbar fühle. Und Tage, an denen ich das Gefühl habe, zu viel zu sein. Ich frage mich oft, warum ich nie einfach perfekt sein kann. Ich denke an die siebte und achte Klasse. An die Blicke im Klassenzimmer und an das Flüstern, wenn jemand glaubt, ich höre es nicht. An Freundschaften, die sich verändert haben, ohne dass ich wirklich weiß, warum. Früher war alles einfacher. Oder vielleicht war ich einfach jünger und habe mir nicht so viele Gedanken gemacht. Plötzlich reißt mich ein lauter Knall aus meinen Gedanken. Der Himmel leuchtet kurz pink und lila. Ich schaue hoch und blinzle. Irgendwie passt das. Alles ist laut und durcheinander, aber für einen Moment auch schön. So wie mein Leben manchmal. Langsam beginnt der Countdown. Ich höre Stimmen von überall. Dabei denke ich an all die Momente, in denen ich mir gesagt habe, ich schaffe das nicht, und dann aufgegeben habe, obwohl ich eigentlich fast am Ziel war. Neun. Ich denke an die Tage, an denen ich morgens aufgewacht bin und keine Lust hatte aufzustehen. An die Male, in denen ich gelächelt habe, obwohl ich innerlich leer war und einfach nicht mehr konnte. Acht. Ich denke an mein Spiegelbild. An die Sachen an mir, die ich nicht mag. Und an die Sachen, die ich verstecke, weil ich Angst habe, dass sie jemand sieht. Sieben. Ich denke an die wenigen Menschen, bei denen ich wirklich ich selbst sein kann. Die, die geblieben sind. Die mich mögen, so wie ich bin.

Sechs. Mein Herz schlägt schneller. Nicht wegen dem Feuerwerk, sondern wegen der Hoffnung, die sich ganz langsam in mir breitmacht. Fünf. Ich wünsche mir, mutiger zu werden. In der Schule, bei Freunden und auch bei mir selbst. Vier. Ich wünsche mir, weniger Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Drei. Ich wünsche mir, dass ich mich nicht ständig mit anderen vergleiche. Zwei. Ich wünsche mir, dass ich lerne, mich selbst ein bisschen mehr zu mögen. Eins. Alles explodiert. Der Himmel ist voller Farben. Überall wird geschrien, gelacht und umarmt. „Frohes neues Jahr!“ Ich lächle, auch wenn meine Augen ein bisschen brennen. Vielleicht vom Rauch. Vielleicht von den ganzen Gefühlen. Ich stehe einfach da und lasse alles auf mich wirken. Das neue Jahr ist da. Einfach so. Ohne zu fragen, ob ich bereit bin. Aber vielleicht bin ich es ja trotzdem. Nicht perfekt. Nicht besonders stark. Aber bereit, es wenigstens zu versuchen. Ich denke an die nächsten Monate. An neue Lehrer, neue Tests und neue Tage. Es macht mir Angst, aber es gibt mir auch Hoffnung. Ich muss nicht alles auf einmal schaffen. Ich darf mir Zeit lassen. Ich nehme mir vor, netter zu mir selbst zu sein. Mir zu verzeihen, wenn etwas nicht funktioniert. Nicht sofort aufzugeben, nur weil ein Tag schlecht läuft. Und nicht perfekt sein zu wollen. Ich bin erst 13. Ich lerne noch. Und das ist okay. Langsam wird das Feuerwerk weniger. Der Himmel wird wieder dunkel. Ich gehe zurück ins Haus, ziehe meine Schuhe aus und setze mich kurz auf die Treppe. Ich bin müde, aber irgendwie auch ruhig. Das alte Jahr liegt hinter mir. Mit all seinen Fehlern, Tränen und Momenten, die wehgetan haben. Das neue Jahr liegt vor mir. Noch leer. Noch offen. Und während ich tief durchatme, denke ich: Vielleicht wird dieses Jahr besser. Vielleicht wird es nicht perfekt. Vielleicht wird es mein Jahr.

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Kunst und Kultur

Muttertränen von Dia na Bo hd a nova | E F

Leb wohl, Mutter, Ich gehe fort. Krieg, Kälte, Tod – Vielleicht treffen wir uns später oder vielleicht auch nicht. Du wirst mit den Jahren älter und ich – vielleicht bleibe ich ewig jung. Weine nicht, Mutter, weine lieber später am Grab und wenn du Glück hast – vergieß Freudentränen auf meine Schulter.

Bildquelle: Europeana (Unsplash)

Leb wohl

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Kunst und Kultur

Zyklizität von D i ana Boh d an ova | E F Mein Morgenkaffee war genauso bitter wie gestern. Die Lebensmittel im Kühlschrank sind längst abgelaufen, doch ihr Verfallsdatum ist mir egal. Ich esse das Essen, selbst wenn es seit drei Wochen verschimmelt ist. Und abends suche ich in den Wänden unseres Hauses meinen Mann. Doch ich glaube, er ist ein Chamäleon geworden, das sich als Wand verstellt. Ist das nicht ein Grund, aufzuhören, bitteren Kaffee ohne Zucker zu trinken und die verdorbenen Lebensmittel wegzuwerfen, von denen mir jeden einzelnen Tag schlecht wird? Doch morgen werde ich wieder bitteren Kaffee aufbrühen. Wieder verdorbene Nahrung essen, wieder meinen Mann suchen, der sich versteckt.

Eitelkeit von D i a na Bo hd a nova | E F Wenn wir eine lange Treppe des Erfolgs hinaufsteigen und uns schon auf der ersten Stufe befinden, und ein künstlich jubelndes Lächeln machen, schauen wir nicht einmal darauf, was wir in den Händen tragen. Wir sind blind, aber wenn wir eine eindrucksvolle Stimme hören glauben wir, dass wir nicht Steine, sondern Gold mit uns tragen. Und es ist sogar nicht wichtig, dass wir dieses Gold nicht sehen wichtig ist, dass andere es sehen. Wollt ihr euer ganzes Leben hinter den Kulissen des Theaters verbringen? Wollt ihr an einer Haltestelle stehen und auf eine Straßenbahn warten, die nicht kommen wird? Es ist besser, einen einzigen Goldbarren zu haben als tausend wertlose Steine.

Bildquelle: bm m (Unsplash)

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Kunst und Kultur

Asche vo n D i ana Boh d an ova | E F Die Asche wird auf unsere Köpfe fallen. Sie wird unsere Haut und unsere Seelen verbrennen. Doch es schien, als würden Worte tiefer brennen, eindringen bis ins tiefste Herz. Uns bleiben nur noch ein paar Worte zum Abschied, also lass uns gute Worte zum Abschied sagen! Die Asche wird Zeugin unserer Streitigkeiten und Versöhnungen sein, und jedes unserer Worte wird auf den Knospen geschrieben stehen, wenn der Frühling kommt. Also lass uns etwas Gutes sagen!

Spaziergang

Bildquelle: Pixel Poetree (Unsplash)

vo n D i a na Bo hd a nova | E F

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Ich habe eine Wunde, doch keinen Verband. Ich habe einen Bleistift, doch kein Blatt. Ich habe Streichhölzer, doch die Flamme ist erloschen. In meinen Taschen liegt Hoffnung unter Staub begraben. Und statt der Sterne sehe ich nachts nur verlöschende Lichter in den Augen der Menschen. Wenn ich durch diese belebte Stadt gehe, fühle ich nur Leere. Schweigen kann lauter sein als ein Schrei. Die Lichter erlöschen langsam, aber unaufhaltsam.

Anmerkung der Redaktion: ”Ich habe eine Wunde,doch keinen Verband.” wurde aus dem Lied “Ein Platz für einen Schritt nach vorn” der Band “Kino” entnommen und aus dem Russischen übersetzt.


Kunst und Kultur

In u n se re m Alt e r vo n Ma l u S c hmi d t | 9B

Unser Alter ist das beste Alter. Das sagen Sie. Unser Alter ist einfach. In unserem Alter hat man noch keine Sorgen. In unserem Alter gibt es keine Probleme. Schulzeit ist die beste Zeit. Das sagen Sie. Schule Wir lernen. Wir schreiben Tests. Wir werden bewertet. Das ist Schule. Wir sind umgeben von Leuten in unserem Alter. In unserem Alter sollen wir unsere Freizeit genießen. Wir sollen uns mit Freunden treffen und aktiv sein. Aber wir sollen natürlich auch lernen. Denn wir brauchen gute Noten, denn wenn wir die nicht haben, was soll denn aus uns werden? Wir sitzen in der Schule sechs Stunden oder mehr, aber danach müssen wir noch Hausaufgaben machen. Und ja, natürlich in jedem Fach, denn sonst werden wir noch faul. Ich lerne bis spät in den Abend und denke schon darüber nach, dass ich zu wenig Schlaf bekommen werde. Denn morgen muss ich früh aufstehen. Aber warum bist du denn in deinem Alter immer so müde? In unserem Alter gibt es keinen Grund müde zu sein. Das sagen Sie. Warum schläfst du denn?

Hast du keine Hausaufgaben? Triff dich mit Freunden. Geh raus. In unserem Alter soll man das Leben genießen. Finde Liebe Hab eine epische Teenager-Liebe. Du bist doch so hübsch, bei dir müssen die Jungs doch Schlange stehen. Das sagen sie. Aber in unserem Alter gibt es noch keine wahre Liebe. Dazu sind wir zu jung. Wir wissen doch noch gar nicht, was wahre Liebe ist. Die erste Beziehung hält sowieso nicht. Das sagen Sie. Aber was fühlen wir dann in unserem Alter? Ist es Angst? Angst vor der Zukunft? Aber sie sagen doch, in unserem Alter hat man keine Probleme. Müdigkeit kann es auch nicht sein. Denn sie sagen, in unserem Alter kann man noch nicht müde sein Und Liebe kann es auch nicht sein, denn sie sagen, dazu sind wir noch zu jung. In unserem Alter wird uns alles abgesprochen, was wir fühlen. Denn es passt nicht. Denn in unserem Alter, das sagen Sie, ist alles noch einfach. Und in unserem Alter lernen wir über Gefühle zu schweigen. Denn sie sagen, dass das, was du fühlst, nicht stimmen kann. Warum hast du nichts gesagt?

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Kunst und Kultur

«A Nos Morts: Die

vergessenen Befreier» vo n E l l a Kl e i nb o nga rd , L i sa nn Wo hl f r o m m u nd H e l e ne S t a ng l | Q 1

Die Show fesselt sofort mit eindrucksvollen Dialogen, die die Zuschauer in die Zeit der französischen Kolonien katapultieren.

DIE VERANSTALTUNG

Am 28. Mai 2025 begeben wir, der Französischkurs der EF und Schüler:innen der 10. Klasse, uns auf eine Exkursion mit Frau von Reis, Frau Langen und Herrn Puntigam. Unser Ziel? Die alte Scheune im Altenberger Hof, in der wir gespannt auf das Ensemble mit ihrem Stück „A Nos Morts: Die vergessenen Befreier“ warten. Die Aufführung verspricht eine Kombination aus Tanz und Erzählkunst. Das Ensemble besteht aus mehreren Künstlern, darunter Tänzer, Musiker und Schauspieler. Die Show beginnt und fesselt sofort mit eindrucksvollen Dialogen, die einen in die Zeit der französischen Kolonien katapultieren. Insgesamt stehen etwa fünf bis sieben Personen gleichzeitig auf der Bühne. Nebel, Blitze, Menschen huschen über die Bühne. Durch faszinie76 Leonarda 1/2026

rende Hip-Hop-Einlagen wird das Publikum mitgenommen. Die Aufführung wird auf Französisch, Arabisch und Wolof (einer westafrikanischen Sprache) präsentiert. Um alles verstehen zu können, schauen wir öfter an den Darstellern vorbei auf die große Leinwand. Auf ihr werden originale Bild- und Videofrequenzen aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie durchgehende deutsche Untertitel gezeigt. Das Stück stimmt nachdenklich durch die an das Publikum gerichteten Monologe, z.B. den eines Generals einer Kolonialmacht, der uns Einblicke in sein Innenleben offenbart. Durch diesen Einblick wird man mit in seine Gedankenwelt gerissen und erhält Einblick in die Lage eines Kolonialisten. Klassische Hauptrollen gibt es bei diesem Gemeinschaftsprojekt nicht, jedoch

werden verschiedene Rollen mehr oder weniger in den Vordergrund gerückt. Die Vorstellung lässt uns begeistert zurück, nicht nur durch die beindruckende Inszenierung, sondern auch durch das gezeigte Engagement. Was wir euch noch nicht verraten haben - das Ensemble besteht komplett aus Nachfahren

Nebel, Blitze, Menschen huschen über die Bühne. von Kolonialsoldaten. Das Stück handelt in diesem Sinne also von Familiengeschichten der Darsteller. Im Anschluss an das Stück steht das Ensemble für eine Fragerunde zur Verfügung. Man beantwortet uns alle Fragen, egal ob sie auf Französisch oder


Kunst und Kultur

Deutsch gestellt werden. Dies funktioniert dank einer Dolmetscherin, die anwesend ist.

GESCHICHTLICHER HINTERGRUND

Dabei haben ihre Großväter schon für Frankreich im Krieg gekämpft...

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Und ihre Kinder und Enkel werden auch heute noch mit Rassismus und der Anfeindung konfrontiert, sie seien keine „richtigen Franzosen“. Dabei haben ihre Großväter schon für Frankreich im Krieg gekämpft...

WARUM DAS THEMA SO WICHTIG IST

Um unfaire Behandlung und Rassismus zu vermeiden, ist es notwendig, über Kolonialsoldaten zu sprechen und aufzuklären, denn das Thema ist heute genauso aktuell wie vor 100 Jahren. Frankreich und auch andere europäische Länder stehen bis heute in der Kritik, ihre koloniale Vergangenheit nicht ausreichend aufgearbeitet zu haben. Die Geschichte der Kolonialsoldaten zeigt, wie Kolonien im Krieg ausgenutzt wurden und wie Rassismus gesellschaftsfähig wurde. Diese Vergangenheit wirkt bis heute nach und hinterlässt Spuren in der Gesellschaft. Deshalb ist es so wichtig, an Kolonialsoldaten zu erinnern. Das Stück konzentriert sich hauptsächlich auf französischen Kolonialismus in afrikanischen Ländern. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch andere europäische Länder wie Spanien, Großbritannien und auch Deutschland (!) in verschiedenen Teilen der Welt auf gewaltsame Art und Weise Gebiete eroberten, die einheimische Bevölkerung verdrängten, unterdrückten und assimilierten2 sowie Ressourcen ausbeuteten. Gerade in Deutschland vergessen wir häufig unsere Verantwortung für unsere koloniale Vergangenheit. Genau hier knüpft das Theaterstück an und hilft dabei, die Geschichte aufzuarbeiten, Kolonialismus, Krieg und Ausbeutung besser zu verstehen und die Rolle der Soldaten anzuerkennen. Bisher verschwiegene Aspekte der Vergangenheit werden hier aufgedeckt und koloniale Ungerechtigkeiten benannt. Dies ist sehr wichtig für Debatten über Rassismus, Migration und internationale Gerechtigkeit. Die Kolonialsoldaten zeigen beispielhaft die Notwendigkeit einer inklusiven Erinnerungskultur und Politik, denn nur so können wir den sozialen Zusammenhalt und das nationale Verständnis stärken.

zwangsrekrutiert: Wenn jemand gegen seinen Willen zum Militärdienst verpflichtet wird assimilieren: [sich] angleichen, [sich] anpassen

Bildquellen: Ricarda Langen

Nur die wenigsten von uns hatten vor dem Stück eine Vorstellung von der Geschichte der Kolonialsoldaten. Falls es euch genau so geht, hier ein kleiner geschichtlicher Hintergrund: Unter Kolonialsoldaten versteht man Soldaten aus Kolonien, die zwangsrekrutiert1 wurden und insbesondere im Ersten und Zweiten Weltkrieg für die jeweilige Kolonialmacht kämpften. Bei ihrem Einsatz trafen sie auf verschiedene Ungerechtigkeiten. Im Militärdienst wurden sie beispielsweise gezielt in gefährlichere Positionen eingesetzt, erhielten schlechtere Ausrüstung und Verpflegung und wurden bei Vergehen heftiger bestraft. Rassistische Bemerkungen durch Offiziere oder Kameraden gehörten zum Alltag. Auch nach dem Krieg erhielten sie nicht die Anerkennung, die ihnen nach der massiven Beteiligung an beiden Weltkriegen zugestanden hätte. Als Veteranen - also ehemaligen Soldaten - bekamen sie deutlich niedrigere Renten als ihre weißen französischen Kameraden und auch bei Gedenkfeiern und in der Geschichtsschreibung werden sie bis heute kaum gewürdigt. 1944 kam es im Senegal zum sogenannten „Thiaroye-Massaker“, als senegalesische Kolonialsoldaten bei einem Aufstand ihre verdienten Löhne einforderten, woraufhin die französische Armee die Proteste brutal niederschlug. Diese unfaire Behandlung löst bei ehemaligen Soldaten sowie deren Angehörigen Wut und Trauer aus. Soldaten, die im Krieg ihr Leben riskierten oder sogar verloren, wurden nie geehrt für ihre Tapferkeit und ihren Mut. Viele der Kolonialsoldaten blieben nach dem Krieg in Frankreich und gründeten Familien.

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Kunst und Kultur

Musik im Terror vo n D ejan-Luk as Hof f man n | Q1

“Nur die Deutschen wussten, dass wir zum Tode verurteilt waren”, sagt Zdenka Fantlová, die in Theresienstadt als Schauspielerin arbeitete. “Also ließen sie uns gewähren, und was wir wirklich taten, war ein Tanz unter dem Galgen.”

In mehreren Konzentrationslagern wurden Vokalund Instrumentalensembles sowie Orchester gegründet. Diese bestanden aus jüdischen und nichtjüdischen Gefangenen. Inhaftierte wurden gezwungen, entwürdigende Lieder zu singen. In einzelnen Fällen mussten Häftlinge für Kinder auf dem Weg in die Gaskammer ein Schlaflied spielen. Eine besondere Rolle spielte das Ghetto Theresienstadt, aus dem auch Zdenka Fantlová stammt. Es war ein sogenanntes “Vorzeigelager”, um der Außenwelt ein verzerrtes Bild zu vermitteln. Gleichzeitig entwickelte sich dort trotz Hunger, Angst und Deportationen ein kulturelles Leben mit Musik. Für viele Gefangene war Musik eine Form des inneren Widerstands und ein Versuch, Würde zu bewahren.

ILSE WEBER Wir beschäftigten uns intensiv mit diesem

Thema im Musikunterricht. Infolgedessen sprachen wir über die Musik von Ilse Weber, die das Schlaflied „Wiegala“ für ihren älteren Sohn Hanus schrieb, den sie glücklicherweise vor ihrer Deportation in Sicherheit bringen konnte. Ihr Lied bot sich als Grundlage für unsere eigene Komposition, bei der wir Musikfragmente, Bildquellen und Textfragmente mithilfe von Kompositionstechniken verbunden haben.

Bildquelle: Aleksey Cherenkevich (Unsplash)

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Kunst und Kultur

Ilse Weber war eine tschechoslowakische Schriftstellerin, die 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort betreute sie Kinder auf der Krankenstation. Mehr als 60 Gedichte und Lieder stammen von ihr. Viele wurden im Konzentrationslager gesungen. Ihr Mann überlebte den Holocaust und konnte die Texte retten, sodass sie später bekannt wurden. Als die Kinder, die sie in Theresienstadt betreute, nach Auschwitz verschleppt wurden, schloss sie sich ihnen freiwillig an. Kurz nach der Ankunft wurde sie dort gemeinsam mit den Kindern ermordet.

In unserer eigenen Komposition für Klavier, Klarinette, Trommel und Stimmen, die das Lied “Wiegala” aufgreift, haben wir bewusst musikalische Mittel eingesetzt, um an den Holocaust zu erinnern. Während des Komponierens habe ich mir klanglich einen Todesmarsch vorgestellt, bei dem eine Gruppe jüdischer Menschen unter dem Befehl der SS-Wachen ihren letzten Weg in die Konzentrationslager antritt. Die Stille in unserem Arrangement wirkt auf mich paradoxerweise lauter als die Töne selbst. Sie ist kein Moment der Ruhe, sondern ein Bild des Verlusts. Jedes Mal, wenn die Melodie verstummt, spürt man, was fehlt. Die Musik steht für die Geschichten der Menschen. Die Stille für das, was durch den Holocaust ausgelöscht wurde. Die Einleitung ist geprägt von einer unvollständigen Rhythmik. Das staccato geführte Klavier wirkt beklemmend. Die abgehackten Töne vermitteln eine mechanische, erzwungene Bewegung, die keinen Raum für Menschlichkeit zulässt. Dann wird es gebundener. Diese Veränderung steht für das Verlangen nach Freiheit. Musik ermöglichte es den Gefangenen, unter unmenschlichen Bedingungen ihre Menschlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Das Klavier trägt Rhythmus und Harmonie. In der traditionellen jüdischen Volksmusik ist es weniger verbreitet und wirkt daher fremd. Es ist ein Symbol für Entwurzelung und das Gefühl, nicht mehr zu Hause zu sein. Die Klarinette übernimmt die Melodie. Sie ist in jüdischer Musik kulturell stark verankert. Sie erklingt nur sparsam und flüchtig, sie steht für die Flucht und Verschleppung. Die kurzen Einsätze wirken wie unterbrochene Erinnerungen und verstummte Stimmen. Das bewusste Auflösen der Melodie - eine von uns ausgewählte Kompositionstechnik - steht symbolisch für das Auseinanderreißen von Familien und Freunden. Das musikalische Auflösen wird zur Darstellung eines Verlustes, der nicht wieder rückgängig zu machen ist.

Bildquelle: Thomas Chizzali (Unsplash)

UNSERE KOMPOSITION

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Was ist?

Was ist eigentlich ein Stillleben? Habt ihr euch das schon mal gefragt? Passend zu unserem aktuellen Titelthema Stille erklären wir es euch. Lam i a K lähn un d Veit Br un gs | E F

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ei einem Stillleben handelt es sich um eine Bildgattung in der Kunst; diese kann weiter oder enger definiert werden. Es werden unbelebte Objekte in einer Komposition dargestellt, es können jedoch je nach Auslegung auch Interieurs, also Innenräume, und einzelne Tiere gezeigt werden. Ein genauer Zeitpunkt oder Ort der Entstehung ist nicht bekannt. Es lässt sich jedoch sagen, dass sich Stillleben gegen Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhundert in Europa als autonome Gattung herausgebildet haben. Zusammen mit den Porträts und der Landschaftsmalerei gelten sie heute als eine der zentralen Bildgattungen. Die Idee des Stilllebens lässt sich schon früh in der Kunstgeschichte finden. In der Römerzeit, also ab dem 1. Jahrhundert vor Christus, findet sich das sogenannte Vanitas-Stillleben mit der Bedeutung des „Carpe-Diem“. Vanitas ist das lateinische Wort für „Nichtigkeit, Vergänglichkeit“. Das bedeutet, dass im Vanitas-Stillleben das Augenmerk auf der Vergänglichkeit des Seins und des Lebens

liegt. Carpe-Diem bedeutet auf lateinisch „Pflücke den Tag“, beziehungsweise „Nutze/ genieße den Tag“. Damit ist gemeint, dass der Mensch die ihm verbleibende Zeit im Leben nutzen und genießen soll. Es gibt einen parallelen Deutungsansatz, der für Stillleben wichtig ist: der Memento-Mori-Ansatz. „Memento mori“ bedeutet auf lateinisch „Gedenke des Todes“ oder „Bedenke, dass du sterben musst“. Ein Stillleben soll also daran erinnern, dass das Leben in jedem Fall im Tod enden wird. Objekte wie Schädel und ablaufende Sanduhren sind als Symbole in diesem Sinne zu verstehen. Generell ist es in Stillleben so, dass die einzelnen abgebildeten Objekte symbolträchtig sind. Manchmal tragen sie auch eine individuelle Bedeutung, die nicht von jedem verstanden werden kann. Bei vielen Objekten, wie den oben genannten, ist die Symbolik aber klar festgelegt; so weisen etwa auch Blumen aller Art auf den Zyklus von Leben und Tod hin.

Bildquelle: National Gallery of Art (Unsplash)

Der Mensch soll die ihm verbleibende Zeit nutzen und genießen.

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Bildquelle: Europeana (Unsplash)

Was ist?

Stillleben gibt es noch in einer Vielzahl von Unterkategorien, z.B. Prunk-, Jagd- oder Bücherstilleben. Auch hier finden sich oftmals individuelle Bedeutungen. Am häufigsten finden sich aber klar erkennbare Symbole von Macht, Luxus und Weisheit. Das können auf Prunkstillleben z.B. kostbare Güter, wie Südfrüchte, Pokale aus Gold oder edle Stoffe wie Samt sein; auf Jagdstilleben tote Rebhühner oder Füchse und Waffen sowie auf Bücherstillleben Tintenfässer, Manuskripte, edle Bücher, Erdgloben oder Teleskope. Heutzutage spielen Stillleben zwar in der Malerei eine kleinere Rolle als früher, dennoch haben sie eine

Bedeutung, wenn man sich mit Kunst auseinandersetzen möchte. In der modernen Fotografie haben sie sogar einen wichtigen Platz eingenommen. In der EF nimmt man Stillleben noch einmal gesondert im Unterricht durch. Hier lernt man unter anderem, dass Stilleben Künstler:innen ein besonderes Potenzial bieten, sich selbst zum Ausdruck zu bringen - eben durch die gezielte Zusammenstellung von Gegenständen, denen eine bestimmte Bedeutung gegeben wird. Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust, in eurer Freizeit eine Zusammenstellung von Dingen zu finden, von der ihr euch repräsentiert fühlt?

Bildquelle: Europeana (Unsplash)

Bildquelle: David Scott (Pexels)

Ein Stillleben soll daran erinnern, dass das Leben im Tod endet.

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I N T E RV I E W

Schulleben

Schulpolizei am Leo vo n Ceyda Nur Tak a | 8D un d Cle o We r ne r | 5C

Wir haben unseren ehemaligen Schulpolizisten Herr Weine über seine Arbeit an der Schule befragt. Wie ist das eigentlich, als Polizist an einer Schule zu arbeiten? Ist das mehr Prävention oder passiert da wirklich oft was? Ich habe gerne als Polizist an den Schulen gearbeitet und gehe auch heute noch sehr gerne in Klassen. Als ich damit vor ca. 18 Jahren begonnen habe, war es für viele Polizisten unüblich vor Klassen zu sprechen. Dies ist auch nicht zwingend die Aufgabe eines Bezirksbeamten, da wir keine Pädagogen sind. Auch bei Euch an der Schule mussten wir uns zunächst kennenlernen und erfahren, wie der andere „tickt“. Nach einiger Zeit hat das wunderbar funktioniert und Spaß gemacht.

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Die Arbeit umfasst tatsächlich mehr Prävention (Vorbeugung) als Repression (Strafverfolgung). Schulen sollen sichere Orte sein und sind dies auch. Eher selten wurde ich zu kleineren Problemen gerufen, noch seltener musste ich dann Strafanzeigen dazu aufnehmen. Meiner Meinung nach muss es völlig normal sein, dass der zuständige „Schulpolizist“ an der Schule ist und für Fragen ein offenes Ohr hat. Den Begriff „Schulpolizist“ gibt es so eigentlich nicht, es ist der zuständige „Bezirksbeamte“. Ich mag den Ausdruck Schulpolizist aber als Bezirksbeamter hat man noch sehr viel mehr Aufgaben.


Bildquelle: Markus Spiske (Pexels)

Schulleben

Haben Sie schon mal Drogen, Alkohol oder Vapes an einer Schule entdeckt? Wie läuft das dann ab? Ja, ich habe auch schon Drogen bei Schülern gefunden. Mein Status als Polizeibeamter lässt dann aber keine andere Möglichkeit, als dazu ein Strafverfahren einzuleiten. Polizisten sind zur Strafverfolgung verpflichtet, machen sich andernfalls sonst selbst strafbar. Die Drogen werden sichergestellt und eine Strafanzeige gefertigt. Die Eltern werden in Kenntnis gesetzt und später auch das Jugendamt. Ggf. kommt es zu einer polizeilichen Vernehmung durch die Kriminalpolizei. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann über den weiteren Verlauf und ob es zu einem Verfahren vor dem Jugendgericht kommt. Bei Alkohol oder Vapes sieht das etwas anders aus. Hier stehen der Jugendschutz und die Aufklärung im Vordergrund. Wenn ich erfahre, wie die Jugendlichen an diese - für sie nicht legalen - Waren gelangt sind, werde ich ggf. mit der Stadt Köln ein Verfahren gegen den Verkäufer (in der Regel Kioske) einleiten. In allen Fällen, auch bei Straftaten, werden aber Präventionsgespräche mit allen Beteiligten (Eltern, Schüler, Lehrer) geführt. Was war das Krasseste oder Extremste, das Sie an einer Schule jemals erlebt haben? Den für mich schlimmsten Fall habe ich vor langer Zeit durch eine Schulsozialarbeiterin erfahren. Ein Kind wurde über längere Zeit missbraucht und hatte sich offenbart. Die Tat hatte aber nichts mit der Schule zu tun. Es hat mir aber gezeigt, wie wichtig eine gute Schulsozialarbeit an den Schulen ist. Ohne das Vertrauen des Mädchens wäre der Missbrauch vermutlich weitergegangen. Der Täter hat eine sehr lange Haftstrafe erhalten.

Wie merken Sie überhaupt, wenn jemand etwas Illegales dabeihat oder konsumiert? Bei Kindern und Jugendlichen ist das relativ einfach. Sie haben noch ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein und können nicht gut lügen oder sich verstellen. Ihnen sieht man das einfach recht schnell an. Polizisten haben eine lange Berufserfahrung und Menschenkenntnis, sozusagen ein „Bauchgefühl“. Wie reagieren Sie, wenn Sie jemanden erwischen – geht’s dann eher um Strafe oder darum, dem Schüler zu helfen? Wie bei Frage 2. Straftat = Strafverfahren + Präventionsgespräch. Es geht bei Kindern und Jugendlichen aber immer um Hilfe und nicht um Strafe. Auch später im Jugendstrafverfahren ist das so. Man möchte den Jugendlichen helfen, ein straffreies Leben zu führen. Warum glauben Sie, probieren so viele Jugendliche trotzdem Dinge wie Vapes oder Cannabis, obwohl sie wissen, dass es verboten ist? Alles, was verboten ist, übt für Kinder und Jugendliche einen besonderen Reiz aus. Neues ausprobieren, Grenzen austesten und erweitern. Ich glaube nicht, dass jungen Menschen Cannabis / Alkohol oder Tabak „schmeckt“. Was würden Sie Jugendlichen gern mitgeben, wenn es um Drogen, Alkohol oder Gruppendruck geht? Jeder soll für sich selbst entscheiden, ob er das wirklich möchte. Gerade der Gruppenzwang bringt uns dazu, Dinge zu tun, die man eigentlich gar nicht möchte. Es ist widersprüchlich, dass man Grenzen der Erwachsenen überschreiten möchte, Leonarda 1/2026 83


Schulleben

sich aber dann Drogen zuwendet. Diese Drogen schränken mich doch in der Selbstbestimmung ein. Mit Drogen bin ich nicht mehr ich selbst. Haben Sie das Gefühl, dass die Probleme an Schulen heute schlimmer geworden sind als früher – oder einfach nur anders? Nein. Es ist nicht schlimmer geworden, aber anders. Was früher offen stattfand (Mobbing, Ausgrenzung u.a.) geht jetzt eher heimlich über soziale Medien. Positiv ist: Früher gab es kaum Sozialarbeiter an Schulen, das ist heute anders. Gab es schon mal eine Situation, in der Sie selbst überrascht oder sogar schockiert waren über etwas, dass Schüler gemacht haben? So schlimme Sachverhalte von Schülern habe ich noch nicht erlebt, als dass sie mich als Polizist schockiert hätten. Diese Dinge passieren oft im privaten Umfeld und nicht an Schulen, kommen aber dann später dort ans Licht, z.B. über Mitschüler, Lehrer oder die Sozialarbeit.

folgung ist jedoch ebenso wichtig, um ggf. Opfer zu schützen und Täter von weiteren Straftaten abzuhalten. Frau Reker fordert, dass Köln nicht nur Lernort, sondern Lebens und Schutzraum für Jugendliche sein soll. Was sind für Sie die wichtigsten Faktoren, damit dieser Anspruch an unserer Schule Realität wird — und wie könnten Stadt und Polizeipolitik besser unterstützen? Kein Kommentar. Dies ist eine politische Frage, die die Polizei nicht beantworten kann. In welchem Maße sehen Sie an unserer Schule, dass Jugendliche durch Social Media, Home-Schooling – und dann weniger Struktur – anfälliger für Vapes, Drogen oder Gruppendruck geworden sind – und wie reagieren Sie als Schulpolizist darauf ? Die digitale Welt hat ein großes neues Betätigungsfeld für Täter aber auch für die Polizei eröffnet. Vieles ist anonymer und damit auch leichter geworden. Die Polizei hat darauf reagiert. Die Pandemie hat ebenfalls dazu beigetragen, dass viele Menschen reizbarer und ungeduldiger geworden sind. Das Homeschooling hat sicherlich dazu geführt, dass Teile der Schüler sich abgekoppelt gefühlt haben. Das lag vielleicht an mangelnden sozialen Kontakten oder an unzureichenden technischen Mitteln in der digitalen Welt.

Lachgas hört sich zunächst lustig an, ist es aber Frau Reker hat mehrfach betont, dass Sicherheit und Prävention in Köln stärker nicht. gedacht werden müssen — wie wirkt sich das konkret auf Ihre Präsenz an unserer Schule aus? Die ehemalige Oberbürgermeisterin von Köln, Frau Reker, war eine kommunale Politikerin. Die Polizei in Deutschland ist Ländersache, d.h. die Kommunalpolitik hat nur geringen direkten Einfluss auf die Arbeit der Polizei. Aber den Ansatz von Frau Reker für mehr Prävention schon in Schulen kann ich persönlich nur begrüßen.

Im Hinblick auf Prävention sagt Frau Reker*, Jugendliche müssten mehr Verantwortung übernehmen und mitwirken. Wie gelingt dieser Anspruch an unserer Schule Ihrer Meinung nach — und wo stößt er an Grenzen? Ich glaube, dass eure Mitwirkung an der Schule durch die Schülervertretung gut funktioniert. Frau Reker brachte vor dem Hintergrund der Kölner Großveranstaltungen Sicherheitskonzepte und Kooperation von Verwaltung, Polizei und Öffentlichkeit ins Spiel. Inwieweit gibt es ähnliche Konzepte schon an Schulen — und welche Rolle spielen Sie dabei? Es besteht eine enge Kooperation zwischen der Kriminalprävention des PP Köln, des Bezirksbeamten der Schule (also ich) der Kommune und der Schulleitung. Angesichts der aktuellen Herausforderungen (z.B. Drogen, Vapes, Gruppendruck) spricht Frau Reker von einem „gesellschaftlichen Auftrag“ in der Jugend und Schulpolitik. Wie sehen Sie diesen Auftrag in Ihrem Alltag – Prävention versus Eingreifen – und wo sehen Sie Handlungsbedarf ? Prävention ist immer wichtig und sollte im Vordergrund stehen. Jede Tat, die durch Prävention verhindert wurde, muss nicht in einem Strafverfahren aufgearbeitet werden, hinterlässt keine Opfer und macht niemanden zum Täter. Strafver-

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Reker betonte, Kinder und Jugendliche stünden „im Mittelpunkt“ der Präventionsarbeit in Köln. Bei vielen Schulen tauchen heute EZigaretten oder Vapes auf, die technisch legal sein können, aber gesundheitlich problematisch: Wie groß ist dieses Problem an unserer Schule, und wie könnte eine präventive Zusammenarbeit zwischen Stadt, Polizei und Schule aussehen? An jeder Schule oder in deren Umfeld werden Vapes verfügbar sein. Diese Vapes sind ein Phänomen, auf das die Politik noch Antworten finden muss. Diese sind unter dem Aspekt der Gesundheitsvorsorge jedoch nicht im Vordergrund der Polizeiarbeit zu sehen, sondern Aufgabe der Suchtprävention der Schulen und Kommunen. Ein „neues“ Phänomen ist das Lachgas. Lachgas hört sich zunächst lustig an, ist es aber nicht. Vor ein paar Tagen hat mir eine Neurologin, d.h. eine Fachärztin für das Nervensystem, erschreckende Dinge über die Zerstörung des Nervensystems durch Lachgas erzählt. Wie können Jugendliche bei schwierigen Themen wie Drogen oder Gruppendruck mitwirken – und wo stoßen politische Programme (z. B. von Frau Reker) an ihre Grenzen? Jugendliche könnten z.B. über ein Projekt an der Schule über Suchtprävention das Thema aktuell gestalten. Dies könnte der Besuch einer Drogenhilfe o.ä. beinhalten. *Anmerkung der Redaktion: das Interview wurde kurz vor dem Ende der Amtszeit von Henriette Reker (parteilos) geführt, die inzwischen als Oberbürgermeisterin Kölns von Torsten Burmester (SPD) abgelöst worden ist.


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Schule fürs Leben – aber wo bleibt das Leben in der Schule?

Bildquelle: An Tran (Pexels)

von Ceyda Nur Tak a | 8 D

Manchmal sitze ich in der Schule und frage mich: Wozu brauche ich das eigentlich alles? Zum Beispiel, wann werde ich im echten Leben nochmal den Satz des Pythagoras benutzen oder Gedichte auswendig lernen? Viele denken sich bestimmt das Gleiche. Natürlich sind die Schulfächer wichtig. In Mathe lernt man logisch zu denken. In Deutsch lernt man, wie man Texte versteht, und in Geschichte versteht man, warum die Welt heute so ist, wie sie ist. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns trotzdem etwas fehlt. Wir lernen super viel über alte Dichter, Brüche und chemische Formeln – aber kaum etwas über Dinge, die wir später wirklich brauchen. Zum Beispiel: Wie schreibe ich eine Steuererklärung? Wie gehe ich mit Geld um? Was muss ich wissen, wenn ich mal alleine wohne oder Steuern zahlen muss? Oder auch: Wie kann ich mit Stress umgehen, wenn es mir mal nicht gut geht? Ich finde nicht, dass man Fächer wie Mathe oder Deutsch nicht einfach abschaffen soll-

te – die sind ja trotzdem wichtig. Logisches Denken oder Texte verstehen- das braucht man im Leben auf jeden Fall. Aber ich denke, es sollte zusätzlich noch mehr Themen im Unterricht geben, die wirklich etwas mit dem echten Leben zu tun haben. Zum Beispiel könnte man lernen, wie man mit Geld umgeht, eine Steuererklärung macht oder was man beachten muss, wenn man mal eine Wohnung sucht. Auch Themen wie Gesundheit, Ernährung oder wie man mit Stress und Druck umgeht, wären total wichtig. Viele Jugendliche wissen darüber kaum etwas, weil es in der Schule einfach nicht vorkommt. Ich finde, Schule sollte uns nicht nur auf Klassenarbeiten und Noten vorbereiten, sondern auch auf das Leben danach – auf alles, was kommt, wenn man mal auf eigenen Beinen steht. Schließlich soll Bildung ja nicht nur heißen, dass man gute Noten hat, sondern dass man auch weiß, wie man im Alltag klarkommt, doch darauf müssen wir wohl noch warten.

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„Deutschland ist zu meiner zweiten Heimat geworden“ D i a na B. | 5A i m Int e r vi ew mi t Ta i si i a H . | 5 A

Taisiia Herasimenko ist Ukrainerin in der V-Klasse der 5A. Sie hat mit Diana Bohdanova gesprochen, die vor vier Jahren auch aus der Ukraine zu uns gekommen und nun in der EF ist. Diana hat Taisiias Fragen beantwortet und durch weitere Aspekte ergänzt. Diana ist in der Redaktion der Leonarda.

Welche ukrainischen Feiertage bzw. Traditionen sind ähnlich oder ganz anders als die deutschen? Die Ukrainer:innen feiern zum Beispiel den 8. März, den internationalen Frauentag. An diesem Tag schenken Männer den Frauen Geschenke und Blumen. In der Schule bekommen Mädchen oft kleine Geschenke von den Jungen. Außerdem feiern die Ukrainer Neujahr oft größer als Weihnachten. Neujahr wird normalerweise mit der Familie gefeiert. Es gibt auch eine Tradition – zumindest in meiner Familie –, dass wir sehr viel kochen. Dadurch stehen am Feiertagstisch immer sehr viele verschiedene Gerichte auf dem Tisch. Dianas Schule

Diana mit ihrer Tante 86 Leonarda 1/2026

Welche Fächer hattest du in der Ukraine, als du dort zur Schule gegangen bist? Als ich in der Ukraine zur Schule ging, war ich in der 7. Klasse. Es gab Fächer, die den deutschen Fächern ähnlich sind, aber auch einige, die ganz anders sind. Zum Beispiel Werkunterricht, Geschichte der Ukraine, Weltliteratur und ukrainische Literatur. Der Werkunterricht war unterschiedlich für Mädchen und Jungen: Mädchen haben gestrickt oder genäht, und Jungen haben mit Holz gearbeitet. Wir hatten auch zwei verschiedene Geschichtsfächer: Ein Fach war nur über die Geschichte der Ukraine; das andere über die Weltgeschichte. Ukrainisch wurde als Muttersprache unterrichtet. Ähnlich wie in Deutschland hatten wir auch Physik, Musik, Kunst, Geografie, Chemie, Biologie, Fremdsprachen, Sport und Mathematik. Mathematik war allerdings in zwei Fächer aufgeteilt: Algebra und Geometrie.


Schulleben

Diana mit ihrer Mutter und Schwester

Was waren deine Lieblingsfächer in der Ukraine und was sind deine Lieblingsfächer hier in Deutschland? Meine Lieblingsfächer in der Ukraine waren Weltliteratur, Weltgeschichte, Musik und Werkunterricht. In Deutschland finde ich eigentlich alle Fächer interessant, aber besonders gefallen mir Deutsch, Pädagogik, Biologie, Geschichte, Spanisch und Philosophie.

Ist Deutschland für dich schon zur Heimat geworden? Mit jedem neuen Tag, Monat und Jahr habe ich immer mehr das Gefühl, dass Deutschland für mich mehr geworden ist als nur ein Ort des Asyls. Als ich hierherkam, hatte ich eigentlich vor, nur kurz zu bleiben – vielleicht einen Monat – in der Hoffnung, dass der Krieg bald endet und ich nach Hause zurückkehren kann. Jetzt kann ich jedoch sagen, dass Deutschland zu meiner zweiten Heimat geworden ist. Es ist der Ort, an dem ich erwachsener geworden bin, an dem ich viel Neues gelernt habe und der für immer einen Platz in meinem Herzen haben wird. Ich liebe Deutschland und bin sehr dankbar, dass das Land mich in einer schwierigen Zeit unterstützt hat.

Diana auf einem Weihnachtsmarkt in Köln

Dianas Schule

Bildquellen: Diana Bohdanova

Hattet ihr in deiner Schule auch eine Schülerzeitung? Ja, in meiner ukrainischen Schule gibt es auch eine Schülerzeitung. Der Name der Schülerzeitung ist „Puls des Lebens“, auf Ukrainisch „Пульс життя“.

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Miron Brykulskyi, 16 Jahre, ist am 3.3.2022 aus Odessa, einer der größten Hafenstädte der Ukraine, nach Deutschland gekommen. Er war durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gezwungen mit seiner Familie zu fliehen. In unserer ersten Ausgabe “Wohin?” haben wir ihn schon einmal interviewt. Damals war er 12 und wurde an unserer Schule in der 7. Klasse eingeschult. Nun, vier Jahre später, hat unser Redakteur Veit Brugs

Bildquelle: Odobesku (Pexels)

noch einmal mit ihm gesprochen.

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Neuanfang trotz Sprachbarriere Mir on B. im I nt e r vi ew mi t Ve i t B. | b e i d e E F

Miron, Du konntest bereits ein wenig Deutsch, als du hier angekommen bist. Woran lag das?

Unabhängig von der Sprache – wo sind die schulischen Anforderungen höher: in Deutschland oder in der Ukraine?

Ich habe in Odessa eine Schule mit Schwerpunkt Deutsch besucht und Deutsch bereits ab der ersten Klasse gelernt. Als ich nach Deutschland kam, lag mein Niveau ungefähr bei B1. Trotzdem war es am Anfang schwierig, den Unterricht komplett auf Deutsch zu verfolgen. Nach ein paar Monaten wurde es deutlich leichter, und mein vorhandenes Wissen und mein Wortschatz konnten sich richtig entfalten . Haben sich deine Sprachkenntnisse stark verbessert?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, da die Schulsysteme sehr unterschiedlich sind. In der Ukraine waren die Anforderungen in manchen Bereichen höher, vor allem wegen des strengeren Umgangs mit Schülerinnen und Schülern und der sehr umfangreichen Hausaufgaben. In Deutschland empfinde ich den Unterricht oft als anspruchsvoller, da hier viel Wert auf analytisches Denken gelegt wird. Ein direkter Vergleich fällt mir deshalb schwer. Was war schwerer: das Sprechen oder das Schreiben?

Ja, auf jeden Fall. Ich lebe nun fast vier Jahre in Deutschland und mein Deutsch hat sich sehr stark verbessert. Mein Wortschatz ist gewachsen, und ich fühle mich heute sicher und frei im Umgang mit der Sprache. Konntest du den Kontakt zu deinen Klassenkameraden aus der Ukraine beibehalten?

Das Schreiben war für mich deutlich schwieriger. Beim Sprechen kann man improvisieren und sich notfalls anders ausdrücken. Schriftliche Aufgaben auf Deutsch waren am Anfang eine große Herausforderung, auch wenn mir Schreiben in meiner Muttersprache immer leichtgefallen ist. Was war für dich die größte Herausforderung im Unterricht?

Leider nicht zu allen. Viele sind in verschiedene Länder gezogen, einige sind in der Ukraine geblieben. Mit manchen habe ich noch Kontakt, vor allem über soziale Netzwerke, aber zu vielen ist der Kontakt im Laufe der Zeit abgebrochen.

Am schwierigsten war es, Fragen zu beantworten, die ich nicht vollständig verstanden habe. Wenn dann eine ausführliche Antwort erwartet wird und einem die passenden Wörter fehlen, fühlt man sich schnell unsicher.

Wie sah es hier aus, konntest du einen guten Kontakt zu deinen damals neuen Klassenkameraden aufbauen?

Bildquelle: Manuchi (Pixabay)

Ich bin in eine richtig gute Klasse gekommen, die mich aufgenommen hat. Mir ist es deswegen leichtgefallen, neue Freunde und Anschluss in der Klasse zu finden.

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Schulleben

Kampf von Water

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André Rudolph

Reise in winzige Vergangenheiten

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Kampf von Wat

vo n Anton Sc hwin d en | 8 D

Die Varus Schlacht. Der Kampf um Waterloo. Ein Kastell. 90 Leonarda 1/2026

Weltbewegende Schlachten und Orte leben in nur einem Raum, in einer Schule. In Vogelsang baute André Rudolph 2016 die gigantische Varusschlacht nach, die sich im Jahr 9 nach Christus zwischen Römern und Germanen im Teuteburger Wald ereignete. Das große Modell mit sage und schreibe 4.000 Figuren erstreckt sich über einen Wald und ein großes Moorfeld. Rudolph begann 2016 mit dem Modell und stellte es 2021 fertig. Im Keller der Wasseramselschule steht aber nicht nur dieses eine Modell, sondern auch ein


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Varus Schlacht

Modell der legendären Schlacht um Waterloo, die 1815 mit der Flucht Napoleons endete. Das Modell umfasst 21.000 Minisoldaten und wurde schon in Jülich und Kork (Irland) ausgestellt. Das seit 2018 im Bau befindliche Römer Kastell hat nun 100 von 800 Figuren fertig und ist nicht weniger beeindruckend als die anderen Modelle. Wir waren dort mit unseren Lateinkurs zur Besichtigung des Modells der Varusschlacht, aber es bietet sich auch an, dort als Geschichtskurs einen Ausflug hinzumachen. Neben dem

Varus Schla cht

Betrachten der Modelle hatten wir Gelegenheit, eigene Römerfiguren zu bemalen und zu konstruieren. Die eine Hälfte von uns Schüler:innen hatte Spaß am Malen, während die andere Hälfte damit beschäftigt war, die vielen Details und Anspielungen im Modell zu entdecken.

Bildquelle: Jakob Schwinden

Eigene Römerfigur

Varus Schlacht

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Schulleben

Laienreanimation-Workshop: ein wichtiger Schritt, um Leben zu retten vo n Ceyda Nur Tak a | 8D LEBEN

10.000 Leben könnten ungefähr im Jahr durch Laienreanimation gerettet werden. Quelle: Deutsches Ärzteblatt (DÄ), Stand Sep.2025

HKS

Bildquelle: Boxicons (Unsplash)

136.000 Menschen erlitten außerhalb eines Krankenhauses einen HKS.

Hauptsache, man handelt und

Quelle: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Stand 2024

hilft, denn das Schlimmste,

ERFOLGSQUOTE

was man machen kann, ist

55,4 %

nichts zu tun.

beträgt die Erfolgsquote der Laienreanimation in Deutschland

führt wird. Dabei merkte man schnell, wie viel Kraft man braucht und wie anstrengend es ist, den richtigen Druck und Rhythmus über längere Zeit beizubehalten. Gleichzeitig wurde aber auch klar, dass Perfektion nicht das Wichtigste ist – Hauptsache, man handelt und hilft, denn das Schlimmste, was man machen kann, ist nichts zu tun. Besonders positiv war, dass uns immer wieder Mut gemacht wurde. Es wurde betont, dass man nichts „kaputt machen“ kann und dass Helfen immer besser ist als Nichtstun. Diese Erkenntnis hat vielen von uns Sicherheit gegeben und die Angst vor Fehlern genommen. Auch das richtige Verhalten beim Notruf wurde geübt, damit man im Ernstfall ruhig bleibt und die wichtigsten Informationen weitergeben kann. Der Workshop war nicht nur lehrreich, sondern auch sehr motivierend. Viele Schüler:innen gingen mit einem ganz neuen Bewusstsein nach Hause: Jede/r von uns kann in einer Notsituation den Unterschied machen. Man braucht keine medizinische Ausbildung, sondern nur den Mut, einzugreifen. Solche Workshops sind extrem wichtig und sollten an Schulen öfter stattfinden. Sie vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch Verantwortung und Selbstvertrauen. Wer weiß - vielleicht rettet jemand von uns eines Tages mit dem Gelernten ein Leben? Und allein dieser Gedanke zeigt, wie wertvoll dieser Workshop wirklich war.

Quelle: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Stand 2025

Vor Kurzem fand an unserer Schule ein LaienreanimationWorkshop statt, der uns allen gezeigt hat, wie wichtig es ist, im Notfall schnell und mutig zu handeln. Viele hatten vorher Angst, etwas falsch zu machen oder waren unsicher, ob sie überhaupt helfen könnten. Doch genau diese Angst wollte der Workshop nehmen – mit Erfolg. Zu Beginn bekamen die Teilnehmenden eine kurze theoretische Einführung. Uns wurde erklärt, was bei einem Herzstillstand passiert und warum jede Minute ohne Hilfe die Überlebenschancen deutlich verringert. Besonders eindrucksvoll war zu hören, dass schon einfache Maßnahmen wie die Herzdruckmassage Leben retten können. Wir lernten die wichtigsten Schritte: Person ansprechen, Atmung kontrollieren, Notruf absetzen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Die einfache Regel „Prüfen – Rufen – Drücken“ machte es leicht, sich alles zu merken. Im Anschluss folgte der praktische Teil, der für viele der spannendste war. An speziellen Übungspuppen konnten wir selbst ausprobieren, wie eine richtige Herzdruckmassage durchge92 Leonarda 1/2026


Die Paragraphen

Die Paragraphen

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HEUTE: „ORDNUNGSMASSNAHMEN“

- was ist das eigentlich ganz genau?

von Luc as St e ck n e r | 6 A

In der Schule gibt es Regeln, damit der Unterricht gut funktioniert und sich alle sicher fühlen. Diese Regeln sind dazu da, dass alle Schüler:innen in Ruhe lernen können und niemand gestört oder verletzt wird. Wenn sich jemand nicht an die Regeln hält oder andere absichtlich stört, kann die Schule Maßnahmen ergreifen. Dabei soll immer darauf geachtet werden, dass die Reaktion fair ist und zum Fehlverhalten passt. Zuerst versucht die Schule meistens, das Problem mit erzieherischen Maßnahmen zu lösen. Dazu gehört zum Beispiel ein Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer, eine Ermahnung oder auch ein Gespräch zusammen mit den Eltern. Manchmal bekommen Schülerinnen oder Schüler auch eine schriftliche Mitteilung über ihr Fehlverhalten oder müssen nach dem Unterricht etwas nacharbeiten. In manchen Fällen kann es auch sein, dass ein störender Gegenstand vorübergehend weggenommen wird, zum Beispiel ein Handy. Wenn jemand etwas kaputt gemacht hat, muss er oder sie den Schaden wiedergutmachen. Solche Maßnahmen sollen helfen, dass man sein Verhalten überdenkt und es beim nächsten Mal besser macht. Wenn jemand öfter gegen die Regeln verstößt oder das Verhalten besonders schlimm ist, können strengere Maßnahmen folgen. Diese nennt man Ordnungsmaßnahmen. Dazu gehört zum Beispiel ein schriftlicher Verweis, der in der Schulakte vermerkt wird. Außerdem kann ein Schüler in eine andere Klasse versetzt werden, wenn das Zusammenleben in der Klasse nicht mehr funktioniert. In schwereren Fällen kann man auch für ei-

nige Tage oder sogar bis zu zwei Wochen vom Unterricht ausgeschlossen werden. Dann darf man in dieser Zeit nicht am normalen Schulunterricht oder an Schulveranstaltungen teilnehmen. Bei sehr schwerem oder wiederholtem Fehlverhalten kann es noch ernstere Konsequenzen geben. Die Schule kann dann die Entlassung von der Schule androhen oder im schlimmsten Fall tatsächlich aussprechen. In ganz extremen Fällen kann sogar ein Verbot ausgesprochen werden, eine andere öffentliche Schule im ganzen Bundesland zu besuchen. Solche Maßnahmen werden aber nur angewendet, wenn andere Lösungen nicht geholfen haben oder wenn die Sicherheit anderer gefährdet ist. Über leichtere Maßnahmen entscheidet meist die Schulleitung oder eine beauftragte Person. Bei schwereren Maßnahmen wird eine besondere Konferenz aus Lehrkräften und anderen Mitgliedern der Schule einberufen. Bevor eine Entscheidung getroffen wird, dürfen der betroffene Schüler oder die betroffene Schülerin und die Eltern ihre Meinung sagen und erklären, wie es zu dem Vorfall gekommen ist. Man darf dabei auch eine Vertrauensperson mitbringen, zum Beispiel eine Lehrkraft oder jemanden aus der Schule. Am Ende wird die Entscheidung schriftlich festgehalten und den Eltern mitgeteilt. Darin steht auch die Begründung, warum diese Maßnahme gewählt wurde. Insgesamt sollen all diese Regeln und Maßnahmen dafür sorgen, dass die Schule ein Ort bleibt, an dem alle gut lernen können und respektvoll miteinander umgehen.

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Schulfahrten und Austausche

Zurück bleibt Stille – Gedenkstättenfahrt nach München und Dachau

Bildquelle: Ricarda Langen

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Schulfahrten und Austausche

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nsere Tage in München und Dachau waren voller Ereignisse, Gedanken, Eindrücke und Lektionen. Auch mehrere Wochen später hallt das Erlebte noch in uns nach. Die Gedenkstättenfahrt unserer Stufe lässt sich nicht einfach zusammenfassen. Am ersten Tag hatten wir ein Tagesseminar im NS-Dokumentationszentrum in München. Gemeinsam mit unserem Guide erarbeiteten wir uns verschiedene Themen des Nationalsozialismus. Dabei lernten wir noch intensiver zu verstehen, wie der Nationalsozialismus entstand und wie er sich entwickelte. Bei der anschließenden Führung durch das damalige NSDAP-Parteiviertel wurde das noch eindrücklicher. Besonders einprägsam war für uns, wie dort an vielen Stellen nach 1945 mit der Vergangenheit umgegangen wurde. Am Königsplatz z.B. ließ man wortwörtlich „Gras über die Dinge“ wachsen. Am Mittwoch besuchten wir die Gedenkstätte der weißen Rose an der Universität in München. Neben den bereits bekannten Geschichten von Sophie und Hans Scholl erfuhren wir viel über das Leben, Wirken und den Widerstand der Anhänger der weißen Rose. Uns beeindruckte besonders, dass sie Widerstand leisteten, obwohl sie wussten, was ihnen damit drohte und sie sich trotzdem dafür entschieden, nicht zu schweigen. Danach waren wir im jüdischen Museum. Dort stand nicht die Verfolgung im Zentrum, sondern das jüdische Leben, die Kultur und der Alltag.

Man bekam ein gutes Gefühl dafür, wie jüdisches Leben aussieht, von bedeutsamen Gegenständen bis hin zu den Festen. Der Besuch des Konzentrationslagers Dachau war für uns der eindrücklichste Teil der Fahrt. Erneut erarbeiteten wir uns mit dem Guide die schrecklichen Geschichten und den Alltag der Gefangenen. Dort fehlten uns die Worte. Die Weite des Appellplatzes, die Baracken und das Krematorium haben uns besonders getroffen. Nichts könnte beschreiben, wie schwer und spürbar das Leiden hier war. Die Stille war unfassbar bedrückend und es war unmöglich, dies alles zu begreifen. Die Eindrücke wird man nie vergessen. Zwischendurch hatten wir auch Zeit die Stadt München und ihre Sehenswürdigkeiten sowie das Essen zu erkunden. Ermöglicht wurde all dies durch die Lehrerinnen und Lehrer, die uns begleiteten, die einen guten Rahmen für das Nachdenken, Reflektieren und das Miteinander schufen. Insgesamt würden wir sagen, dass unsere Stufe durch das Erlebte näher zusammengerückt ist. Zurück bleibt Stille. Stille, die zum Nachdenken anregt. Die Fahrt hat uns viel gelehrt und uns sehr geprägt. Sie hat gezeigt, dass wir zusätzlich zum Erinnern auch Verantwortung für heute tragen.

In Dachau fehlten uns die Worte.

Nie wieder ist jetzt!

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Schulfahrten und Austausche

Leben wie im Traum – mein Auslandsjahr in Brasilien Von Melissa Figüeroa | 10A

Ich habe mein Auslandsjahr weder mit einem Programm gemacht, noch bin ich in ein mir unbekanntes Land gezogen. Es ging für mich nach Brasilien, um mit meiner Familie zu leben und diese Zeit war die schönste meines Lebens. Im Juli saß ich im Flugzeug, um acht Monate in der Stadt zu verbringen, die ich nach Köln am besten kenne: Recife. Bei Oma und Opa angekommen haben sie mir mein Zimmer gezeigt und alles, was sich zuhause verändert hat. Das Zimmer, das für mich frei gemacht wurde, war vorbereitet und meine Oma hatte einen Schminkspiegel für mich hingestellt und neue Bettwäsche gekauft. In der ersten Woche habe ich mich auf die Schulzeit vorbereitet, die schon anfing, als in Köln noch alle Sommerferien hatten. Das Schulsystem in Brasilien ist furchtbar. In Brasilien gibt es öffentliche und private Schulen. Ich wurde von meinen Eltern auf die teuerste Privatschule geschickt, trotzdem kommt diese nicht annähernd an ein deutsches Gymnasium heran. Die öffentlichen Schulen sind aber keine Alternative. Sie bieten kein gutes Umfeld und auch kaum Bildung. Am Montag war dann mein erster Schultag. Ich wurde von einem Koordinator in die Klasse gebracht. Eine von fünf dieses Jahrgangs, mit 45 Schüler:innen. Der Koordinator erklärte der Klasse, ich sei aus Deutschland gekommen, um das Jahr mit ihnen zu verbringen; dass ich fließend Portugiesisch sprechen kann hat er nicht erwähnt. Bis ich meinen Mund aufgemacht habe, wurde also schon laut über mich diskutiert. In den ersten 20 Sekunden zog mich eine Gruppe Mädchen mit sich und setzte mich in ihre Mitte. Diese Gruppe hielt bis zum Schluss. Es hat ewig gedauert, bis ich die Namen alle wuss-

te. Die Beziehung zu den Lehrkräften ist auch eine ganz andere. Wir nannten sie bei den Vornamen und sie benutzten Kosenamen für uns. Der Unterricht war aber trotzdem nicht gut, die Uhrzeiten teilweise unaushaltbar: von 6:30 bis 14 Uhr oder von 6:30 bis 18:30 Uhr Unterricht! An den kurzen Tagen nur zwei Pausen von 10 Minuten und an den langen nur noch eine von 40 Minuten. Durch Brasiliens großes Stauproblem dauerte es oft über eine Stunde bis zur Schule, weshalb ich um 4:30 Uhr aufstehen musste. Drei Prüfungen pro Woche; alles, was wir machten, zählte Punkte und auch samstags war Schule. Herbstferien gibt es dort nicht. Für die Leute aus meiner Schule gibt es nach der Schule nur Hausaufgaben und Lernen, daher war ich in dem Zeitraum mit meinen Cousinen unterwegs, die mich überall hingeschleppt haben. Abgesehen von der Schule habe ich mich in Brasilien viel wohler gefühlt. Die Leute sind unfassbar offen für alles und behandeln dich, als würdest du sie schon ewig kennen. Ich wurde auf alle möglichen Arten von Feiern, an Strände und in Restaurants mitgenommen. Dorthin sind wir meistens oh-

Das Schulsystem in Brasilien ist furchtbar.

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Schulfahrten und Austausche

Ich wurde zu allen Familientreffen mitgenommen und hab einfach dazugehört.

In den Ferien waren wir jeden Tag unterwegs. Wir sind oft mittags zum Fluss gegangen, wo wir auf dem Weg durch Gärten steigen mussten und vor einem Bullen weglaufen mussten. Manchmal sind wir rausgegangen und haben einfach Früchte von den Bäumen gesammelt - das letzte Mal, dass ich auf so viele Bäume geklettert bin, war als Kind. Wenn es abends nicht mehr ganz so heiß war, sind wir zum Fußballfeld gegangen, wo wir barfuß mit einem platten Ball gespielt haben. Alle Altersgruppen gemischt. Gefühlt habe ich bei meinen Freunden gewohnt, bei drei Cousins und dem Nachbarn von gegenüber. Die Oma der Cousins wartete immer auf mich mit dem Essen, ich habe die kleinen Brüder von einem der Cousins immer vom Fußballspielen abgeholt, hab geholfen, Wasser zu holen und das Motorrad zu reparieren. Die ältere Schwester von einem der Jungs ist früh Mutter geworden und war unfassbar glücklich, dass jetzt auch oft ein anderes Mädchen zuhause war, weil sie selbst kaum Zeit hat, rauszugehen. Ihre drei Kinder waren schnell daran gewöhnt, mit mir allein zuhause zu sein. Ich wurde zu allen Familientreffen mitgenommen und hab einfach dazugehört. Die vier Jungs waren die lockersten Menschen auf dem Planeten. Für mich wurde es völlig normal, dass der älteste immer eine Waffe mit rausnahm oder dass wir eben keine Wertgegenstände mitnehmen konnten. Wir sind aber nie in eine wirklich gefährliche Situation geraten, was so ist, weil keiner von uns sich jemals etwas zuschulden kommen lassen hat. Wir wollten einfach nur jeden Tag lustiger machen als den davor, was uns auch immer gelungen ist. Dieses Leben, das sich angefühlt hat wie der größte Traum, war dann doch irgendwann vorbei. Ich würde dieses Auslandsjahr auf jeden Fall wiederholen!

Bildquellen: Melissa Figüeroa

ne Handy gelaufen und mit nur wenig Bargeld. Was man nicht dabei hat, kann auch nicht geklaut werden. Hier werden nicht gerne ernste Gespräche geführt und es wird alles spontan entschieden, was zu einem andauernden Unernst führt. In meiner gesamten Zeit habe ich mich kein einziges Mal gestritten. Ich bin zuhause immer mit diesem Gefühl angekommen, das man hat, wenn man viel gelacht hat und ich habe so viel Zeug gemacht, das mir in Deutschland zu peinlich gewesen wäre! Dann haben die Ferien Ende November angefangen und ab diesem Moment wurde gelebt wie im Traum. Recife ist deutlich sonniger als Rio de Janeiro. Es hat kein einziges Mal geregnet. Mit meiner Familie bin ich oft an Strände gefahren, zu meinen Cousinen oder einfach mal nach Lust und Laune in ein Hotel. Ich habe dort zwei Freundeskreise, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Einmal die Leute aus der Schule, die in der Mitte von Recife leben. Alles mögliche wird ihnen verboten oder ist zu gefährlich. Und dann sind da noch die Leute aus meinem Umfeld. Unser Haus steht am Rand einer Favela und in einer eher schwierigeren Gegend. Das Viertel „Varzea“ ist als Problemzone bekannt. Mit diesem Freundeskreis musste ich nicht jedes Mal Geld ausgeben, wurde oft einfach durch Klopfen an der Tür rausgerufen oder für die kleinsten Dinge abgeholt. Man merkt den Klassenunterschied auf jeden Fall. Meine Freunde und Freundinnen aus der Schule sind liebenswert, aber man merkt ihnen das viele Geld an. Keiner von ihnen hat Kontakt zur Unterschicht und das merkt man auch stark. Sie wohnen außerdem weiter weg, weshalb ich seltener zusammen mit ihnen unterwegs war. Ganz anders sind die Leute aus meiner Gegend und meine engsten Freunde aus Camaragibe.

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Schulfahrten und Austausche

Skifreizeit 2026 von E mma L iv Ki l z | Q 1

tag. Auf der Hütte war unsere Schule bereits bekannt als „die, die bei Marco immer so abgehen“. Unserem Ruf sind wir auf jeden Fall gerecht geworden. Dies lockerte unsere Stimmung, da wir vor der Mittagspause auf Grund der schlechten Sicht unsere Rallye durchs Skigebiet pausieren mussten und von den Lehrkräften eskortiert wurden. Sonst waren die Sicht und die Wetterbedingungen gut, wir konnten viel Skifahren und das Skigebiet Schlick2000 erkunden. Am Abend wurde uns gesagt, dass unsere Hotelmitbewohner:innen aus Sachsen an diesem Tag eine Party vorbereitet hatten. Diese hatte noch nicht einmal begonnen, als wir sie schon eingenommen hatten. Zusammen mit den Lehrkräften tanzten wir zu Karnevalsmusik und brachten den Sachsen dadurch die kölsche Kultur näher. Mit gedrückter Stimmung, aber tollen Erinnerungen ging es am Freitagmorgen zurück nach Köln.

Bildquelle: Eigene Aufnahme

Vom 24.01. bis zum 30.01. ging es für unsere Schule ins Stubaital. Nachdem Busfahrer Kevin uns mit ein bisschen Verspätung sicher ins White Mountain Hotel gebracht hatte, konnte der Skispaß beginnen. Abends kam direkt die erste Ansage: In die WhatsApp-Gruppe bitte keine Sticker schicken (es sei denn, sie sind vom Schlagerstar Marco Spiegl). Der erste Skitag lief ohne Probleme, besonders da die Q1er als Skilehrkräfte für die Anfänger:innen einspringen durfte. Die weiteren Tage waren gefüllt mit Skifahren, leckerem Essen auf der Hütte und im Hotel sowie lustigen Spieleabenden mit den Lehrer:innen. Am Dienstagabend zeigte uns Herr Collatz stolz seinen Lieblingsfilm Ski Vacation und am Mittwoch wurden wir von den Lehrkräften nach einem langen Skitag mit Après-Ski im Hotel überrascht. Im Fokus der ganzen Woche stand jedoch vor allem eins: der Auftritt von Marco Spiegl auf der Fronebenalm am Donners-

Marco Spiegl und die Schüler:innen vom Leo. Bildquelle: Emma Liv Kilz

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Bildquellen: Andrew Neel (Unsplash), Tran Mau Tri Tram (Unsplash), Bishop Martin (Unsplash) und Priscilla Du Preez (Unsplash)

Entfalte deine Kreativität bei Leonarda! Du möchtest Artikel schreiben, layouten, fotografieren oder dich um unsere Social Media Kanäle kümmern? Dann komm einfach zur Leonarda-Redaktionssitzung in Raum 113 (Zeiten hängen im Foyer der Blücher Straße aus). Vorkenntnisse sind nicht erforderlich und wir unterstützen dich gerne. Du lernst bei uns journalistisch zu arbeiten, bildest dich politisch und bist Teil unseres tollen Teams. Interesse geweckt? Komm vorbei und melde dich bei Emily Zeinar, Jana Stojceska, Julia Heinicke, Veit Brungs oder Jannis Ihmels. Als Lehrerinnen kannst du Frau Gramberg de Mendoza oder Frau Langen ansprechen.


Im Gespräch

Die vielen kleinen Momente im Schulalltag Janni s Ihm el s | 8 C un d C leo We r ne r | 5C hab en uns eren e h emaligen Gesch icht s- u nd

Bildquelle: Paul Meier

Sow i -Lehrer Paul Meie r in te r view t .

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Im Gespräch

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rinnern Sie sich an Ihren ersten Tag am Leo? Wenn ja, wie war er? Ja, an meinen ersten Tag am Leo erinnere ich mich noch sehr gut. Ich weiß noch, dass ich das Schulgebäude direkt wunderschön fand und mich vom ersten Moment an sehr wohlgefühlt habe. Besonders schön war, wie herzlich ich von allen aufgenommen wurde – sowohl von den Kolleginnen und Kollegen als auch von den Schülerinnen und Schülern. Da einige andere Lehrkräfte ebenfalls ihren ersten Tag hatten, haben wir uns schnell gut verstanden und gegenseitig unterstützt. Wir haben alle wichtigen Informationen und Zugänge bekommen, was mir den Einstieg unglaublich erleichtert hat. Insgesamt war es ein richtig gelungener Start. Welche besonderen Momente haben Sie am Leo erlebt? Am Leo habe ich viele besondere Momente erlebt, vor allem bei den außerschulischen Aktivitäten. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel die Klassenfahrt nach Belgien mit den damaligen achten Klassen oder auch der Ausflug am letzten Schultag mit der neunten Klasse nach Langenfeld zum Wasserskifahren. Solche Erlebnisse schweißen zusammen und bleiben lange im Kopf. Am wertvollsten waren für mich aber die vielen kleinen Momente im Schulalltag, in denen ich gemerkt habe, dass ich euch als Schülerinnen und Schülern etwas mitgeben konnte – nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Warum sind Sie Lehrer geworden? Gute Frage. Ehrlicherweise hatte ich selbst keine besonders gute Schulzeit. Ich musste in der sechsten Klasse sogar mein Gymnasium verlassen und habe in meiner Schulzeit einige Ungerechtigkeiten erlebt. Genau das hat mich letztlich motiviert, Lehrer zu werden. Ich wollte es besser machen und Schülerinnen und Schülern das Gefühl geben, gesehen und ernst genommen zu werden. Auch wenn es vielleicht etwas ungewöhnlich

klingt: Gerade meine eigenen Erfahrungen haben mich geprägt und sind bis heute meine größte Motivation. Welche Fächer haben Sie unterrichtet? Ich habe Geschichte sowie Wirtschaft-Politik unterrichtet und außerdem für kurze Zeit den Zusatzkurs in Sozialwissenschaften übernommen. Wo arbeiten Sie jetzt? Aktuell arbeite ich an der Volksschule Davos in der Schweiz. Hier bin ich als Klassenlehrer tätig und unterrichte viele unterschiedliche Fächer, unter anderem Deutsch und Kunst. Vor etwa einem Monat fand hier das Weltwirtschaftsforum statt. Da die Stadt in dieser Zeit extrem voll war, sind wir mit der Klasse eine Woche lang Skifahren gegangen – ein ganz besonderes Erlebnis für alle. Wie lange waren Sie am Leo tätig? Ich war ein Jahr am Leo und habe diese Zeit sehr genossen. Es war eine kurze, aber wirklich schöne und intensive Zeit, an die ich gerne zurückdenke. Was würden Sie Ihren ehemaligen Klassen mit auf den Weg geben? Bleibt so, wie ihr seid, und verliert euch selbst nicht. Versucht aber, weniger Zeit am Handy zu verbringen und das echte Leben bewusster zu genießen. Die schönsten Erinnerungen entstehen oft genau dann, wenn man nicht auf einen Bildschirm schaut. Warum sind Sie vom Leo gegangen? Ich wollte unbedingt noch einmal ins Ausland gehen und hatte die tolle Möglichkeit, in der Schweiz zu arbeiten. Der Abschied vom Leo fiel mit nicht leicht und ich würde sehr gerne irgendwann zurückkommen. Man sieht sich im Leben bekanntlich immer zweimal.

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Ex-Leos

Dieses „Im-Klassenraumsitzen und sich gegenseitig nerven“ vo n Em i ly Z ein ar | Q1

Emily Zeinar geht mit Nehir Ketenci, Ex-Leo und ehemalige LEONARDA-Redakteurin, einen Kaffee trinken und blickt mit ihr auf ihre Schulzeit zurück: darauf, was sie gelernt hat, mitnimmt und welche Tipps sie für zukünftige Abiturient:innen hat. War deine Abi Zeit so, wie du sie dir vorgestellt hast? Ich glaube, ich hatte gar nicht so große Erwartungen. Es war auf jeden Fall schön und angenehmer als erwartet, weil ich mich tatsächlich weniger vorbereitet habe als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Wie ging es nach dem Abi für dich weiter? Ich bin nach dem Abitur für ein Jahr nach Italien gegangen und habe in einem Verein für Kinderspielplätze und Erholung gearbeitet, in Bozen, das ist in Südtirol. Danach bin ich noch gereist. Gibt es rückblickend etwas, was du gerne anders gemacht hättest in deiner Abi-Zeit? Ich glaube, ich wäre gerne bei manchen Sachen aktiver mit dabei gewesen, wenn ich rückblickend drauf schaue. Ich glaube, das ist immer so eine Sache, die nach der Schule, nachdem alles so vorbei ist, kommt. Ich hätte vielleicht doch mehr lernen und vielleicht an manchen Stellen mehr rausholen können. Was vermisst du gar nicht an der Schule und was vermisst du sehr? Ich vermisse tatsächlich die Zeit mit meinen Engsten, weil man jetzt nach der Schule wirklich 102 Leonarda 1/2026

schwer Zeit für irgendwas findet. Wir müssen uns zwei Monate im Voraus schreiben, um Termine zu vereinbaren. Aber auch dieses im-Klassenraum-sitzen, nebeneinander-Sein, sich gegenseitig nerven. Jetzt, an der Uni, kann man machen, was man will - solange man die Dozenten nicht stört, interessiert es sie auch nicht, ob du dasitzt oder nicht. In der Schule war die Lehrkraft irgendwann genervt und man dachte sich, das tut mir leid, aber ich habe gerade den Spaß meines Lebens. Welche Rolle spielen Freundschaften aus der Schule jetzt in deinem Leben? Sie sind mir auf jeden Fall immer noch sehr wichtig! Vor allem die, die ich in meinem letzten Jahr bilden konnte, haben immer noch einen großen Wert. Sie begleiten mich auch indirekt, weil ich merke, desto älter man wird, desto schwieriger wird es tatsächlich, in der Gesellschaft enge Freundschaften zu finden. Jeder hat schon seine Gruppe gebildet und da ist es einfach schwer, irgendwo anders mit reinzukommen oder sich zu Hause zu fühlen. Kannst du das Abitur generell weiterempfehlen? Absolut. Ich glaube, es wird manchmal schwieriger dargestellt, als es ist! Natürlich, wenn du die


Ex-Leos

besten Noten haben willst, ist es schwerer, aber wenn es dir allgemein darum geht, ein Abitur in der Hand zu haben und du danach auch weißt, was du damit machen willst, oder dir zumindest Optionen freihalten willst, dann würde ich es weiterempfehlen! Was hast du während deiner Schulzeit über Gemeinschaft gelernt, was dich heute noch begleitet? Also über Gemeinschaft würde ich sagen - und das soll gar nicht negativ klingen - dass man sich nicht immer mit jedem verstehen wird. Man muss aber lernen, zusammen leben zu können. Dass du im selben Raum mit der Person stehen kannst und vielleicht irgendwann diesen Kontakt trotzdem noch pflegst, weil Menschen sich schnell auch wieder ins Positive verändern können. Man sollte sich nicht immer direkt abwenden, wenn etwas nicht gut läuft!

Bildquelle: Nehir Ketenci

Hast du Tipps für zukünftige Abiturient:innen? Macht das Beste aus der Abizeit und kümmert euch auch darum, was ihr direkt nach dem Abitur machen wollt! Ich habe mitbekommen, dass viele Leute, die sofort anfangen zu studieren, auch sehr schnell wieder abbrechen. Das passiert schnell, du denkst, du willst Lehramt studieren und musst sofort da reinstarten, weil es lange dauert. Nein! Das musst du gar nicht! Lass dir Zeit und mach vielleicht mal irgendwas anderes. Dann lernst du, dass es so viel mehr Möglichkeiten gibt, als sich direkt irgendwo reinzustürzen!

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Ex-Leos

Hanna Pool damals...

...und heute Bildquelle: Hannah Pool

Vom Leo zur Klimawissenschaftlerin vo n Em i ly Z ein ar | Q1 un d Veit Br u ngs | E F

Kannst du dich einmal kurz vorstellen? Ich bin Hanna und ich habe mein Abitur 2011 am Leo ge- USA als Auslandsschülerin und das war für mich ein riesimacht. Ich bin mittlerweile Wissenschaftlerin und forsche ger Schritt von Freiheit und Dazulernen und vielleicht hat zu der Art und Weise, wie der Klimawandel sich auf unse- sich auch dadurch meine große Freude am Reisen ergeben. ren Planeten, aber vor allem auch auf unseren Wohnraum auswirkt und wie Menschen Entscheidungen treffen, ob sie Was waren deine Erwartungen nach dem Abitur? Wie sollwegziehen durch den Klimawandel. Dabei schaue ich so- te es für dich weitergehen? wohl auf das Ahrtal beispielsweise, wo ja 2021 die Flutka- Gute Frage. Ich war vor allem unglaublich neugierig auf die tastrophe war, als auch auf weltweite Welt und ich wollte einfach los. Ich Ich war unglaublich Prozesse. Ich war dafür beispielsweise bin Kölnerin, aber ich hatte so eine in Fidschi, in Kenia und verfolge und Lust auf die Welt, dass ich am Tag der neugierig auf die Welt. begleite die internationalen Klimavermündlichen Matheprüfung abends in handlungen, in dieser Woche war ich den Bus gestiegen und sofort in die gerade in Brasilien. Türkei gefahren bin. Sechs Wochen bin ich alleine durch die Türkei gereist und hatte dort ein Stipendium von ZIS (was Wie warst du in deiner Schulzeit und wie erinnerst du dich ich sehr empfehlen kann). Mit diesem Stipendium durfte ich an die Zeit am Leo zurück? eine Forschungsfrage beantworten und darüber einen Bericht Ich hatte das große Glück, ganz tolle Freunde und Freundin- schreiben. Ich hatte auch finanziell die Möglichkeit, durch nen zu haben und dass wir zum Großteil tatsächlich von der die Türkei zu reisen und bei ganz vielen unterschiedlichen ersten Klasse bis zum Abitur zusammen waren, und dadurch Menschen zu übernachten, mit ihnen zu sprechen, Interviews erinnere ich mich vor allem an die Freundschaften und dieses zu führen und zu spüren, was es so gibt. Am Tag vor dem Gefühl von Gemeinschaft, was die ganze Zeit sehr präsent Abiball bin ich wiedergekommen und dann fing irgendwie war. Ich erinnere mich aber auch an das Gefühl von Freiheit, alles andere an. Für mich war dann klar: weiterreisen, ganz das dann in der Oberstufe kam, als man mehr Flexibilität hat- viel entdecken, sehen, was für Menschen es gibt, und unterte. Ich war außerdem während der Schulzeit ein Jahr in den schiedliche Perspektiven aufs Leben gewinnen. 104 Leonarda 1/2026


Also könnte man sagen, dass sich in deiner Zeit am Leo chen, weiter reisen zu dürfen, mit Menschen zu sprechen, schon herauskristallisiert hat, was dich interessiert und diese Geschichten dann aufzunehmen und zu versuchen, sie was dich geprägt hat? in größere gesellschaftliche Bewegungen einzuordnen und Auf jeden Fall! Ich habe in der 8. Klasse zusammen mit darüber Bücher und Artikel zu schreiben. einer Freundin die AG Globales Lernen gegründet. Und wir haben dann in der AG über Kinderrechte gesprochen, über Bist du dadurch auch auf das Thema Fluchtforschung geunterschiedliche Schulformen, später gab es einen Schüler- kommen oder gab es einen anderen Bezug? austausch mit Bosnien. Damals gab es auch ein Austausch- Ich glaube, das Thema Flucht ist vor allem durch Freundinprogramm nach Thailand, an dem ich teilnehmen durfte. nen schon in der Schulzeit an mich herangekommen, als Das waren für mich die Highlights! Kinder aus dem Kosovo, aus Bosnien, Ich habe mich sehr wohl gefühlt an Wer bin ich? Wer sind die aus dem Irak fliehen mussten. Tatder Schule, aber ich hatte einfach imsächlich wurde ich, nachdem ich 2015 anderen? Warum handeln aus dem Iran zurück nach Deutschmer diese Vorfreude auf das, was danach auch möglich sein wird, wenn land gekommen bin, gefragt, ob ich Menschen so? ich losreisen kann. als Übersetzerin ehrenamtlich tätig sein könnte. Durch diese Übersetzungen habe ich immer Wo hast du studiert und wie hast du damals die Studien- mehr über die Fluchtrouten gelernt. Andererseits habe ich im Iran schon mitbekommen, wie ganz viele meiner iranifindung wahrgenommen? Ich habe nach dem Abitur erstmal ein Jahr ein Gap-Year ge- schen, aber vor allem auch afghanischen Freundinnen Fragen gestellt haben, wie man denn nach Deutschland fliehen macht und mir das selbst finanziert. Nach der Abi-Feier habe ich gearbeitet, danach bin ich fünf könnte, weil klar war, dass die Menschenrechtssituation im Monate allein durch Südamerika gereist und habe vor Ort an Iran, aber auch in Afghanistan, für Mädchen und Frauen Projekten gearbeitet, aber auch ganz viele Leute kennenge- sowieso, aber auch für Männer nicht mehr aushaltbar war. lernt und Teile ihres Lebens gemeinsam mit ihnen verbracht. Dann war ich für drei Monate in Laos, ich bin dort über eine Freundin hingekommen, die mich in das Dorf ihrer Familie eingeführt hat. Ich durfte bei ihrer Familie für drei Monate leben und habe Laotisch gelernt. Dann habe ich für das Europäische Parlament als Praktikantin gearbeitet und mein Studium der internationalen Beziehungen angefangen. Davon hatte ich gehört, als ich 13, 14 Jahre alt war und das war sofort mein Traum, weil es die einzige Möglichkeit zu der Zeit war, in Deutschland parallel Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften und Jura zu studieren. Ich bin dann für ein Jahr im Bachelor an die Universität Teheran gegangen und habe in Iran studiert, das war zur Zeit der Nuklearverhandlungen. Anschließend habe ich meinen Master in Großbritannien gemacht. Ich hatte das große Glück, dass ich immer Stipendien bekommen habe, die mir all das finanziell ermöglicht haben. 2017 habe ich mit meinem Doktor angefangen und hatte eigentlich überlegt, den in Großbritannien oder den USA zu machen, ausgerechnet war die beste Stelle, die ich hätte finden können, weltweit, aber in Köln. Am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung habe ich zu dem Thema Geld auf Fluchtrouten mit einem Fokus Afghanistan-Iran promoviert. Später war ich für einen Postdoc in Oxford und für einen Teil meines Doktors an der Columbia University in New York. Seitdem bin ich zurück in Deutschland, forsche zum Klimawandel in Aschheim und war dafür auch in Kenia und Fidschi. Ich glaube diese Lust am Reisen und daran, die Welt zu sehen, die in der Schulzeit angefangen hat, hat mich eigentlich nicht mehr losgelassen. Ab da habe ich immer geschaut, wie kann ich Berufsfelder finden, die es mir finanziell ermögli-

Bildquelle: Tetiana Shyshkina (Unsplash)

Ex-Leos

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Ex-Leos

Ich würde sagen, so ist das Thema eigentlich eher an mich herangetragen worden. Eswar eine langsame Entwicklung durch ganz viel Freundschaft und Freundinnen, die mir aus ihrem Leben berichtet haben.

Du hast also dein individuelles Weltbild auch durch Verbindungen zu Sprachen, für die du dich interessiert hast, gesucht? Also ich habe schon mit einem gewissen Weltbild angefangen, aber das wurde nie bewusst konstruiert, es hat sich immer wieder angepasst, verfestigt und wurde plötzlich wieder komplett hinterfragt.

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Bildquelle: Lukas S (Unsplash)

Was würdest du Abiturienten empfehlen, die einen ähnlichen Weg gehen möchten? Einfach ganz viel Vertrauen in das eigene Bauchgefühl zu haGibt es ein bestimmtes Erlebnis, das für dich heraussticht, ben und in das, was man wirklich will - das kann alles sein. zu den schönsten gehört, oder deinen Weg nochmal neu Das muss nicht sein, dass man um die Welt reisen möchte, definiert hat? das kann sein, dass man in Köln eine Ausbildung machen Es gibt nicht die einen Erlebnisse, eher das Bewusstsein, dass möchte, weil man an das eine Handwerk glaubt, oder dass alles aufeinander aufgebaut hat. Aber in den USA als 16-Jäh- man sich für einen Weg als Künstler:in entscheiden möchte, rige zu leben und in einem politisch, religiös, ideologisch oder man gleich in eine andere Stadt ziehen möchte. Dass komplett anderen Umfeld als dem, das ich aus meinem Nip- man dieses Bauchgefühl für sich benennt und dem auch nachpes kannte, zu leben und da so ein Teenagerjahr zu verbrin- geht. Ich glaube, es ist einfach wahnsinnig hilfreich zu wisgen, war schon augenöffnend und hat mich auch sehr viel sen, wo man selber steht, und ich glaube tatsächlich, dass Demut gelehrt. Dieses Gefühl im Ausland von anderen zu wir das eigentlich alle wissen. Aber man sich vielleicht durch lernen, zu reflektieren, das eigene Heranwachsen, die eigene die ganze Beschallung von Social-Media, von den Fragen Kultur, die eigenen Werte immer wieder hinterfragen zu müs- der Nachbarn, „Na, was machst du mit deinem Abi?“, sehr sen, das hat auf jeden Fall geholfen, um dann in allen ande- verunsichern lässt. Jeder Weg ist richtig, er muss einfach nur ren Kontexten ebenfalls wieder in einer ganz anderen Offen- authentisch der eigene sein. Ich glaube, auch für mich war es heit drauflosgehen zu können. schön zu sehen, dass man keine In der Hinsicht muss ich saIch hätte zur Schulzeit niemals Sorgen vor der Zeit danach hagen: das Jahr in den USA, das ben muss. Man muss auch noch gedacht, dass ich einen Doktor Jahr in Teheran und dann die nicht die großen Pläne haben, es Zeit in Südamerika, in Laos, reicht immer die nächsten Monamachen oder nach Oxford und jetzt in Nairobi, wo ich zum te, vielleicht das nächste Jahr, ein Teil wohne, sind eigentlich imbisschen vage vor sich zu haben. Columbia gehen würde. mer wieder die gleichen ErfahDenn danach kommen Schritte, rungen. Wer bin ich? Wer sind die anderen? Warum handeln von denen man noch nicht mal erahnt, dass sie möglich wäMenschen so? Was ist ihnen wichtig? Was sagt das über mich ren. Ich hätte zur Schulzeit niemals gedacht, dass ich einen aus, über sie? Ganz viel Verständnis und Empathie mitzu- Doktor machen oder nach Oxford und Columbia gehen würnehmen, aber schon auch zu definieren, wo eigene Grenzen de. Hätte mir das jemand bei der Abi-Party erzählt, hätte ich sein können. Das ist eigentlich an allen Orten wichtig. Na- nur gelacht. Das war überhaupt nicht das Ziel, mein Ziel war, türlich auch zu realisieren, wie wichtig die Sprachen sind. erst mal zu reisen und dann zu gucken, was passiert. Also angefangen mit dem Englischen, dann ins Spanische, dann ins Laotische und dann letztendlich ins Persische zu kommen. Ich weiß nicht, welche Sprachen jetzt noch kommen, aber da immer wieder neu anfangen zu müssen, neu zu beginnen, nach Wörtern zu suchen, das ist eben Demut lehrend und hilft, sich selbst zu reflektieren.


Fliegen lernen

Bildquelle: Vidal Balileo Jr. (Pexels)

Herzstück meines Praktikums von Vito Frei her r von Hammerst e in -Gesmo l d | 10 B

Ein Tag als Praktikant in der Herzchirugie der Uniklinik in Essen Früh aufstehen, Verantwortung übernehmen und Leben retten…. Wie sieht der Alltag in der Herzchirurgie wirklich aus? Ich durfte einen Blick hinter die Kulissen der Uniklinik in Essen werfen. Um fünf Uhr klingelt der Wecker. Während andere noch schlafen, beginnt für mich der Tag in der Herzchirurgie. Denn um sieben Uhr startet dort die Morgenbesprechung. Alle Ärztinnen und Ärzte kommen zusammen und sprechen über die zu behandelnden Personen und die geplanten Operationen. Meistens endet der Arbeitstag erst um 16 Uhr. In meinem Praktikum durfte ich verschiedene Bereiche kennenlernen: die Intensivstation, die Normalstation und den OP-Saal. So bekam ich einen guten Einblick in den Alltag der Herzchirurgie. Wichtig zu wissen: Ein Praktikum dort kann man nur machen, wenn man jemanden kennt, der in der Klinik arbeitet. Ohne einen persönlichen Kontakt bekommt man normalerweise keinen Platz. Auf der Intensivstation liegen Patienten, die gerade operiert wurden oder sehr schwer krank sind. Viele Geräte überwachen dort den Herzschlag, den Blutdruck und die Atmung. Es piept und blinkt ständig. Alles wirkt sehr technisch und gleichzeitig sehr ruhig, weil alle konzentriert arbeiten. Ich durfte nichts selbst machen, aber viel beobachten und Fra-

gen stellen. Besonders beeindruckend war, wie sorgfältig und verantwortungsvoll das Team arbeitet. Auf der Normalstation ist es etwas ruhiger. Dort erholen sich die Patienten nach ihrer Operation. Ich durfte bei der Visite dabei sein. Das ist die tägliche Runde der Ärzte und Ärztinnen durch die Zimmer. Sie fragen die Patienten und Patientinnen, wie es ihnen geht, kontrollieren Wunden und besprechen die nächsten Schritte. Hier habe ich gemerkt, dass es in der Medizin nicht nur um OPs geht, sondern auch darum, Menschen zuzuhören und ihnen Mut zu machen. Am aufregendsten war der OP-Saal. Bevor man hineingeht, muss man spezielle Kleidung tragen, damit alles sauber und steril bleibt. Im OP herrscht eine besondere Stimmung. Alle arbeiten sehr genau zusammen. Während einer Herzoperation darf nichts schiefgehen. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen beteiligt sind und wie wichtig Teamarbeit ist. Mein Praktikum hat mir gezeigt, dass der Beruf in der Medizin sehr spannend, aber auch anstrengend ist. Man braucht Ausdauer, Interesse am Menschen und man muss Verantwortung übernehmen können. Für alle, die sich vorstellen können, später in Richtung Medizin zu gehen, ist so ein Einblick sehr hilfreich.

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Fliegen lernen

Aupair in Madrid von K lara Dör rwäch te r | E x-L ea

Es ist Ende September 2025 und der Himmel ist strahlend blau, als ich mit meiner Handgepäcktasche in der Hand aus dem Flieger steige. Die Pilotin und die Crew verabschieden sich höflich auf Spanisch und ich bringe etwas steif „Gracias, buen dia.“ heraus. Trotz meiner Auslandsmonate in Valencia vor knapp drei Jahren erwischt mich der tatsächliche Switch in die Sprache dann doch immer kalt. Die ganze Stadt scheint gerade erst zu erwachen, als ich jetzt um kurz nach neun an einem Donnerstagmorgen in die Metro steige. Die Menschen trinken ihren ersten Kaffee auf dem Weg zur Arbeit oder plappern bereits geschäftlich in ihre Telefone, während die Metro gemächlich durch die Stadt rattert. Ich muss lächeln, Madrid gibt mir direkt ein gutes Gefühl.

Vor knapp drei Monaten war unsere Abizeugnisverleihung und ich hatte noch überhaupt keinen Plan, wie es nach dem Sommer, in dem ich mit dem Zug durch Italien reisen wollte, für mich weitergehen sollte. Ich hatte die grobe Idee, vielleicht nochmal für eine Zeit zurück nach Spanien zu gehen. Wann, wie und wohin genau, war damals aber nicht klar. Durch Zufall bin ich dann Anfang Juli auf die Idee gekommen, ein Aupair, oder in meinem Fall ein „Demipair“ (halb Aupair, halb Sprachschule), in Madrid zu machen. Um ganz ehrlich mit euch zu sein: am Anfang auch ein bisschen, um einfach irgendwas zu machen. Diese seltsame Übergangsphase nach dem Abi in Richtung „Erwachsenenleben“, in der manche schon einen ausgetüftelten Fünfjahresplan haben, anfangen zu arbeiten oder zu studieren, hat mich total gestresst. Ich wollte den ganzen wichtigen Zukunftsentscheidungen, die ich wohl oder übel zu treffen hatte, noch ein bisschen länger aus dem Weg gehen. Nach einem halben Tag Bedenkzeit habe ich also einfach meine Bewerbung für das Programm rausgeschickt und dann Mitte September eine Gastfamilie gefunden. Ich habe mich auf Anhieb total gut mit ihr verstanden! 108 Leonarda 1/2026

Der letzte Rest Aufregung und Nervosität, der immer bleibt, wenn man Menschen nur über einen kleinen Bildschirm kennenlernt, ist nach der Metrofahrt zum Glück sofort verflogen, als ich die beiden – eine alleinerziehende Mutter mit ihrer zweijährigen Tochter – kennenlerne. Die Mutter ist total nett und auch die Kleine kann ich nach anfänglicher Schüchternheit durch den kleinen Steiff-Bären, den ich ihr aus Deutschland mitgebracht habe, für mich gewinnen. (Da soll noch einmal jemand sagen, Kinder seien nicht bestechlich.) Meine Aufgaben als Aupair bestehen hauptsächlich darin, die Kleine morgens aufzuwecken, ihr Frühstück zu machen und sie zum Kindergarten zu bringen. Das nimmt ungefähr zwei Stündchen in Anspruch. Danach räume ich meistens noch ein bisschen auf, denn leider kann eine Zweijährige schon innerhalb einer Stunde eine Wohnung komplett auf den Kopf stellen. Bis ich sie um 17 Uhr wieder vom Kindergarten abhole, kann ich meinen Tag selbst gestalten. Mein Sprachkurs beginnt um 12:30 und dauert zwei Stunden, davor und danach bleibt also genug Zeit, durch die Stadt zu schlendern, Sport zu machen oder mich mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen.


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Bildquellen: Klara Dörrwächter; zentrales Bild: Alex Vasey (Unsplash); Hintergrund: Florian Wehde (Unsplash)

In meiner Sprachschule gleich neben der berühmten Plaza del Sol, lerne ich viele meiner neuen Freunde kennen. Hier sind alle super offen und lieb und haben Lust, gemeinsam etwas zu unternehmen. Da die meisten so wie ich Aupairs sind, verbringen wir alle Wochenenden zusammen. Weil es das Wetter zu Herbstanfang noch erlaubt, fahren wir an einen See nicht weit entfernt und genießen den kleinen Rest Sommer und als die Tage in Madrid Mitte November immer kürzer und dunkler werden, mache ich mit meiner Freundin Hanna einen spontanen Wochenendtrip in den Süden, nach Malaga. Von Madrid aus kann man nämlich dank der Hochgeschwindigkeitszüge eigentlich in ein paar Stunden jeden Winkel Spaniens erreichen. An anderen Tagen schlendern wir über den „Rastro“, den städtischen Flohmarkt, dessen Stände jeden Sonntag ein ganzes Viertel ausfüllen und gehen danach in eine der vielen Bars. Das Klischee, dass Spanier:innen immer irgendetwas zu feiern haben, kann ich übrigens bestätigen. Sogar das Anzünden der Weihnachtslichter wird Ende November mit einer Ansprache des Bürgermeisters und einem Feuerwerk über dem Rathaus zelebriert. Ich habe aus meiner Zeit in Madrid super viel mitgenommen, bin durch die Verantwortung und die vielen Kontakte mit neuen Menschen gewachsen. Wenn ihr gerne Zeit mit kleinen Kindern verbringt und nebenbei eine neue Sprache lernen wollt, kann ich euch also nur empfehlen, ein Aupair zu machen!

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Hebamme - der schönste Beruf auf der Welt vo n Em i ly Sch n abel | E x-L e o

H

ebamme war mir als Beruf schon im- ein nicht nur, aber auch medizinischer Beruf, das mer präsent, weil eine Freundin meiner heißt, es gehört unglaublich viel medizinisches Mutter Hebamme war und ich schon früh Fachwissen dazu. Ich wusste, dass es viel wird und wusste, dass es Hebammen gibt und dass sie wich- ich hatte Angst davor, dass es Auswirkungen auf tig sind. Eigentlich fand ich alles rund um Schwan- meine Freundschaften haben könnte. Angewandgerschaft und Geburt immer schon spannend, ich te Hebammenwissenschaften ist ein duales Stuhatte nur noch keinen richtigen Bezug dazu. Dann dium. Das heißt, die Studierenden haben blockkam mit 14 Jahren der Moment, wo wir ein Schul- weise Uni und Kreißsaal oder Wochenbettstation praktikum suchen mussten und ich habe das drei- oder irgendeinen anderen Bereich der Hebammenwöchige Praktikum dann bei Hebammen gemacht. tätigkeit, aber meistens Kreißsaal. Das Studium Sie haben mir eine Welt eröffnet! Danach war für dauert dreieinhalb Jahre, also sieben Semester. Ich mich klar, dass ich immer, immer in der Geburts- hatte Angst, dass ich das alles nicht schaffe. hilfe arbeiten möchte. Ich habe mein Abitur ge- Heute denke ich, dass es gerechtfertigte Ängste macht, aber ich wusste: ich werde Hebamme. waren. Dieser Beruf ist teilweise sehr belastend. Nach dem Abi war ich aber erstmal verunsichert Und ich glaube, damit muss man sich auch konund dachte, ich kann das doch nicht jetzt sofort frontieren, wenn man Hebamme werden möchmachen, ich hatte irgendwie Angst davor. Da ich te. Aber irgendwie habe ich es bis jetzt immer außerdem viele Interessen geschafft. Ich habe jede hatte, habe ich erst mal ein Eine Geburt ist das Kraftvollste, Prüfung bestanden, ich bin Jahr lang überlegt, dann ha- was ein Körper erschaffen kann. immer durchgekommen. be ich in einem Café gearbeiAuch die Verbindung von tet, bis der Moment gekommen war, an dem ich Arbeit und Privatleben ist irgendwie doch möglich. wusste, dass ich in die Geburtshilfe muss. Ich ha- Welche Eigenschaften man als Hebamme braucht? be also ein Praktikum in einem Kreißsaal und auf Eine der Haupteigenschaften, die man besitzen einer Wochenbettstation in einem Krankenhaus sollte, um Hebamme zu werden, ist Empathie. gemacht. Eine Geburt mitzuerleben war super- Man arbeitet mit Gebärenden. Und Gebärende wichtig für mich. Das ist tatsächlich auch Stu- sind Menschen, die sich in einem absoluten Ausdienvoraussetzung. Man muss ein Praktikum im nahmezustand befinden. Man braucht ein gewisKreißsaal gemacht haben, um im Hebammenstu- ses Maß an Empathie, um damit umgehen zu dium angenommen zu werden. Ich wusste schon können. Es geht primär um die Bedürfnisse von nach meinem ersten Dienst und vor allem nach weiblichen Personen, weiblich gelesenen Perso„meiner“ ersten Geburt: ich möchte nie wieder nen, von Gebärenden, Schwangeren, Wöchneetwas anderes machen, hier gehöre ich hin! Aus rinnen. Und als Hebamme ist es meine Aufgabe, dem Praktikum wurde dann ein FSJ (Freiwilliges immer wieder bei der Frau, die ich begleite, zu Soziales Jahr). Im Endeffekt war ich acht Monate bleiben, den ganzen Fokus auf sie zu legen, darin diesem Krankenhaus. auf, was sie braucht und wie man am besten mit Bevor ich anschließend das Studium begonnen ihr arbeitet. Und das geht ohne Empathie nicht. habe, hatte ich Ängste und Zweifel. Ich hatte vor Außerdem ist es wichtig, eine Vertrauensbezieallem Angst davor, dass es super viel wird. Es ist hung aufzubauen. Dies ist die absolute Grund-

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Fliegen lernen

Bildquelle: Emily Schnabel

Wer bin ich? Ich bin Emily, 22 Jahre alt und habe 2022 mein Abi am Leo gemacht. Ich glaube, wie alle anderen war ich danach irgendwie nicht ganz sicher, wo ich hinwollte. Und ja – dann bin ich Hebamme geworden bzw. studiere Angewandte Hebammenwissenschaften an der KATU in Köln. Inzwischen bin ich im vierten Semester.

lage der Hebammenarbeit. Darüber hinaus muss man belastbar sein. Der Wecker klingelt um 4.20 Uhr, dann muss man zum Frühdienst und muss funktionieren. Im Idealfall hat man die Eigenschaft, dass man immer und überall schlafen kann – ich hätte diese Eigenschaft gerne, habe sie aber leider nicht. Wie gerne würde ich, wenn ich nach dem Nachtdienst nach Hause komme, um acht Uhr morgens, wenn alle Menschen gerade zur Arbeit gehen und ich 8,5 Stunden gearbeitet habe, einfach schlafen können! Oder wenn ich zum Frühdienst um 4 Uhr aufstehe, nach dem Dienst nachmittags einfach nur schlafen könnte! Das würde mir das Leben so viel einfacher machen! Für wen der Beruf etwas sein könnte? Ich finde, es ist ein unglaublich feministischer Beruf. Man arbeitet mit Frauen, mit Frauenbedürfnissen, Frauenrechten und Frauengesundheit, mit generell weiblich gelesenen Personen. Ich finde, der Hebammenberuf ist etwas für Menschen, die sich für Frauenrechte einsetzen wollen, weil es darum geht, gebärende Menschen zu bestärken, zu bekräftigen und sie einfach darin zu empowern, dass sie das können, dass sie Vertrauen in den Körper gewinnen können. Für mich ist es der schönste Beruf auf der ganzen Welt. Hebammensein ist kein Hobby. Es ist ein Job. Es ist Arbeit. Aber auf eine gewisse Art und Weise ist es auch eine Berufung! Was meinen Beruf einzigartig macht, ist, dass wir Geburten begleiten und dass der Start ins Leben eines Menschen für uns Alltag ist. Ich finde, eine Geburt ist das Kraftvollste, was ein Körper erschaffen kann. Es ist unglaublich, mit welcher Kraft die Gebärmutter, der Uterus arbeitet. Das immer wieder mitzuerleben, ist wirklich Wahnsinn. Es ist einfach faszinierend, dass ein Körper es schafft, selbstständig ein Kind zu ernähren und selbstständig diese Nahrung herzustellen. Wenn ihr ein Hebammenstudium ist Betracht zieht, möchte ich euch sagen: Bitte macht es! Bitte probiert es aus, traut euch, macht ein Praktikum. Fast jedes Krankenhaus nimmt Praktikantinnen im Kreißsaal. Ihr erhaltet dort die Chance, euch eine Geburt anzusehen. Ich finde, es ist superwichtig, denn es ist ein großes Tabuthema, sich damit auseinanderzusetzen, wie wir überhaupt entstehen, wie wir geboren werden. Wir brauchen mehr Hebammen. Wir brauchen mehr Menschen, die Lust auf diesen wundervollen Beruf haben. Die Lust haben, Menschen beim Elternwerden und Kinder beim Start ins Leben zu begleiten. Ja, ich kann wirklich mit vollem Selbstbewusstsein sagen, dass ich den schönsten Beruf auf der ganzen Welt habe. Leonarda 1/2026 111


Fliegen lernen

Hebamme Alltag von Emily Schnabel | Ex- Leo 04:10 mein wecker klingelt 04:20 kaffee machen, zähne putzen, etwas überwerfen 04:50 aufs fahrrad schwingen, zur bahn fahren 05:00 in der bahn, zwischen kaffee, müdigkeit und schlechtem last minute porridge von gestern abend 05:45 ich laufe den berg hoch, durch das dunkle waldstück, ruf ich meine omma an, weil sie die einzige ist, die noch wach ist und ich angst bekomme? 05:50 ich bin oben angekommen, grüße kurz die katze im foyer und dann die nachtwächterin, scheisse- noch 10 minuten 05:53 ich gebe den code ein, die tür geht auf und ich eile durch den rosa flur, ziehe meinen blauen kasack an 06:00 übergabe, der nachtdienst ist verschlafen, sie übergeben uns drei frauen, eine erstgebärende mit 7cm muttermund und PDA, eine zweitgebärende auf dem weg zur klinik und eine frau die seit zwei tagen weiter eingeleitet wird 05:30 kreissal 5, (mein lieblingskreissaal) wir stellen uns vor, sie sieht erschöpft aus, die nacht hängt ihr nach. Aus dem Geburtshaus ist sie zu uns gekommen, weil es nach zwölf stunden nicht mehr weiterging 05:50 ich taste den Muttermund auf 7cm 07:00 wir stehen am seil, sie kreist ihr becken 06:10 kreisssaal 3, schnelle geburt, ich kann gerade noch den kopf bremsen 07:11 das köpfchen ist da, wir lassen sie fühlen, sie tönt und schiebt und sachte leiten wir gemeinsam das kind in sein neues leben hinein 07:13 es ist blau, dann rosa, ein kräftiger schrei, ich muss meine tränen unterdrücken 07:14 sie hat es sich auf die brust genommen, ich taste nach der nabelschnur, sie pulsiert 07:18 wir lassen die drei ankommen, es ist so still 07:23 sorgfältig klemme ich die nabelschnur ab, der papa darf sie durchschneiden 07:30 ich taste nach dem uterus und der plazenta 07:32 sie schiebt noch einmal mit und die plazenta ist geboren 07:38 ich taste auf den uterus und lasse sie zu dritt 07:45 kreissaal 5, sie steht am seil, kreist ihr becken, atme tief zu deinem kind 07:48 kreissaal 3, auf den uterus tasten, alles in ordnung, sie legt an, das kind saugt, ich gehe raus 07:50 zwei löffel porridge 07:55 kreisssaal 2, ich schrubbe das blut vom boden, ziehe das bett ab, kreissaal 5 klingelt 08:00 der druck wird stärker, sagt sie, sie fragt ob wir nochmal tasten können 08:05 8cm 08:06 du schaffst das, du bist so stark, schau wieviel du schon hinter dir hast, nicht mehr lange, endspurt! 08:30 ich muss auf klo, aber ich kann jetzt nicht 08:35 ich massiere sie, sie erzählt wie sie sich kennen gelernt haben 08:45 ich begleite sie auf toilette 09:00 CTG-kontrolle im wehenzimmer, ich taste nach dem kind - willst du mittasten? Da ist

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Fliegen lernen

der popo, da ist der rücken und da das köpfchen - nein wie toll, ich kann ihn spüren 09:10 ich darf was trinken 09:13 kreissaal 3, uterus tasten, alles in ordnung, U1- der papa assistiert mir, wir tasten das kindchen ab, alles so, wie es sein soll, blutdruck messen, stillhilfe geben 09:30 Kreissaal 5, es tönt auf kreissaal 4, eine drittgebärende ist gerade gekommen- ich hole den pezziball, wir wippen im takt zur musik, sie wird gehalten, es geht ihr gut, sie hat gefrühstückt, ich lasse die beiden etwas alleine 09:30 CTG im wehenzimmer ab, sie darf nachhause 09:40 kreissaal 3, uteruskontrolle, kind eins ist am telefon, bewundert seine schwester 09:50 kreissaal 5, sie wiegt sich im takt, ich beobachte, wir wechseln positionen, 4-füßler, stehen, seitenlage, stehen 10:50 muttermund 10 cm, vollständig 11:20 kreissaal 3, abschlussuntersuchung, ich bringe die drei rüber auf die wochenbettstation 11:40 kreissaal 5, schieb mit, weiter weiter weiter, sehr gut, genau so! 11:50 gebärhocker, er hält sie von hinten, in der wehe schiebt sie mit 12:00 weiter weiter du machst das so gut 12:05 sie hat ganz dichte dunkle haare 12:10 fühl nach dem köpfchen, da, kannst du sie fühlen? 12:15 ich bremse das köpfchen, hecheln, nicht schreien!!! 12:17 stille 12:18 der schrei, nimm sie hoch !! 12:20 ich kann meine tränen nicht wirklich halten 12:22 die nabelschnur pulsiert 12:23 ich muss pipi 12:30 die nabelschnur pulsiert 12:35 die nabelschnur pulsiert 12:40 tastet, sie pulsiert nicht mehr 12:41 sie ist rosig und schmatzt 12:42 papa schneidet die nabelschnur durch 12:45 sie schiebt mit, die plazenta ist geboren 12:47 herzlichen glückwunsch 12:50 papa nimmt das baby, wir wollen aufstehen, ihr kreislauf klappt zusammen, sie fällt auf mich 12:55 alles gut, wir sind im bett 13:00 wir legen gemeinsam an 13:10 ich taste auf den uterus 12:20 ich lasse die drei alleine 12:22 ich gehe pinkeln 12:30 der krankenhaus rosenkohl schmeckt nicht 12:40 noch anderthalb stunden 12:43 ich hab den schönsten Job der Welt

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Zwei Väter und zwei Söhne stellen sich nebeneinander vor einem großen Spiegel. Doch im Spiegelbild sind nur drei Personen zu sehen. Wie kann das sein?

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Ruhe, leise, wortlos, stumm, schweigen, atemlos, verschwiegen

ein Anker, ein Handtuch, 25 Finger, Vor dem Spiegel stehen: Großvater, Vater und Sohn Mittwoch, Nudelauflauf, deinen rechten Ellenbogen, Mia 97531, falsch, dein Name, =f 114 Leonarda 1/2026


Mitmachseite

silentio

Wörtersuche Findest du die sechs weiteren Wörter zum Thema Stille? Eins haben wir bereits für die markiert.

Emoji-Filmrätsel

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