KASIMIR UND KAROLINE
Immer gut und günstig versichert
Das Engagement in der Region liegt uns am Herzen – ob bei Kultur- oder Sport-Events, in Schulen oder Vereinen. Ebenso ist uns wichtig, dass Sie stets gut und günstig abgesichert sind. Wir wünschen Ihnen viel Spaß und beste Unterhaltung. Geschäftsstelle Coburg Telefon 09561 96101 Mo. – Fr. 8.00 – 20.00 Uhr Callenberger Straße 29 96448 Coburg oder unter huk.de
KASIMIR UND KAROLINE von Ödön von Horváth
KASIMIR KAROLINE RAUCH SCHÜRZINGER MERKL FRANZ DEM MERKL FRANZ SEINE ERNA ELLI MARIA
Benjamin Hübner Antonia Wiedemann Niklaus Scheibli Tobias Bode Adriano Henseler Kerstin Hänel Jonas Hämmerle Milena Weber
Mit Musiker*innen des Musikvereins Stadt Rödental e.V. REGIE BÜHNENBILD, VIDEO UND KOSTÜME MUSIK LICHT DRAMATURGIE REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG SOUFFLAGE INSPIZIENZ
Kathrin Sievers Annette Wolf Jonatan F. Blomeier Thilo Schneider Anne Verena Freybott Andreas Katharina Demke Jennifer Steinhorst Amelie Elisabeth Peters
TECHNISCHE LEITUNG BÜHNENMEISTER TONMEISTER WERKSTATTLEITUNG CHEFMASKENBILDNERIN LEITUNG DER REQUISITE LEITUNG DER KOSTÜMABTEILUNG LEITENDE GEWANDMEISTERINNEN PROJEKTKOORDINATORIN AUSSTATTUNG
Daniel Kaiser Norman Heyn, Mathias Stöcklein Michael Och Andreas Truckenbrodt Alicia Müller Manfred Dehler Gerhard Gollnhofer Margareta Gulich, Katrin Müller Susanne Wilczek
PREMIERE AUFFÜHRUNGSDAUER
03. Oktober 2026, GLOBE Coburg ca. 2 Stunden 20 Minuten, inkl. einer Pause
Herzlichen Dank an Hartmut Jahn für die Rhönrad-Schulung sowie an das Sportamt Coburg, das dafür die Nutzung der Angerhalle ermöglicht hat!
Aus rechtlichen Gründen sind Bild- und Tonträgeraufnahmen während der Aufführung nicht gestattet.
Die Handlung Kasimir und Karoline sind auf dem Volksfest verabredet, um sich einen schönen Abend zu machen. Es sind wirtschaftlich unsichere Zeiten, die Politik ist instabil, die Demokratie bröckelt. Die Zukunftsaussichten sind alles andere als rosig – aber der Jahrmarkt steht noch und bietet mit Bierwagen, Hau-den-Lukas und Blaskapelle den zuckerwattigen Hoffnungsschimmer, sich wenigstens kurz vom grauen Alltag abzulenken. Kasimir ist allerdings gestern entlassen worden und nicht in Feierlaune. Karoline, seine Verlobte, möchte sich aber unbedingt amüsieren. Schon das erste Gespräch entgleitet den beiden in Missverständnisse und Kränkungen, und sie ziehen getrennt ihre Kreise über den Rummel. Zwar höret ihre Liebe „nimmer auf“, aber die beiden Königskinder kommen nicht an den Kern dieses Gefühls heran. Wenn sie kurz aufeinander treffen, verletzten sie sich jedes Mal tiefer und entfernen sich immer weiter voneinander. Karoline hängt sich an wechselnde, sozial höher gestellte Männerbekanntschaften, und versucht verzweifelt, wenigstens für eine kurze Zeit einen gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen. Kasimir rutscht immer weiter in Richtung der Kleinkriminalität ab, die ihm sein Freund Merkl Franz als Option aufzeigt. In einer Abfolge von kurzen Szenen und Momenten lässt Horváth seine sprachlosen Figuren ziellos über den Jahrmarkt taumeln. Quer durch die sozialen Schichten halten sie ihr Leben nicht aus. Die einen verkaufen ihr letztes bisschen Anstand, um sich von der Tragik ihres Daseins abzulenken, die anderen glauben ein Schnäppchen gemacht zu haben. Alle produzieren Sätze, die sie nicht denken und wiederholen aufgeschnappte Floskeln. Sie nutzen jedes blinkende Angebot, um einen Zipfel vom Glück zu erhaschen. Sie schauen in die Sterne, sehen das Luftschiff über sich schweben, fahren mit der Achterbahn, betrinken sich hemmungslos, lassen sich in die warmen Arme der Volksmusik fallen und verzweifeln am Ende daran, dass sie trotz all des Aufwandes weiterhin auf dem immer gleichen Karussell festgeschnallt sind.
4
Excellence Inside Wir entwickeln und produzieren mechatronische Systeme für den Fahrzeugzugang und -innenraum. Daneben umfasst unser Portfolio elektrische Motoren für den Antriebsstrang, die Lenkung und das Thermalmanagement sowie Antriebe für elektrische Zweiräder. Für die Nutzer meist unsichtbar, sorgen unsere Produkte für mehr Komfort, Sicherheit und Effizienz. Mehr als 80 Fahrzeughersteller und 40 Automobilzulieferer vertrauen der Technik aus unserem Haus.
brose.com
Karoline: Wenn du so traurig bist, dann werd ich auch traurig. Kasimir: Ich bin kein trauriger Mensch. Karoline: Doch. Du bist ein Pessimist. Kasimir: Das schon. Ein jeder intelligente Mensch ist ein Pessimist.
6
Der Autor Ödön von Horváth wurde am 09. Dezember 1901 in Fiume geboren, im damaligen Ungarn. Sein Vater war ungarisch, seine Mutter deutschtschechisch. Fiume heißt heute Rijeka und liegt in Kroatien. Der Diplomatensohn Horváth wuchs mehrsprachig auf und verbrachte seine ersten Jahre in Belgrad, Budapest, Preßburg und Wien. Schon während seines Studiums in München begann er zu schreiben und schaffte es, erste Kurzgeschichten in Zeitschriften unterzubringen. Ab 1924 schrieb er vermehrt für das Theater. 1931 wurde GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD uraufgeführt und 1932 folgte KASIMIR UND KAROLINE. Frühzeitig stießen seine Texte auch auf Ablehnung, da er dem Volk „aufs Maul“ schaute und die Menschen so beschrieb, wie sie sich nicht sehen wollten – erst recht nicht ausgestellt auf einer Bühne. Horváth verbrachte viel Zeit in Cafés, in Parks, auf Volksfesten und lauschte dem Volk seine Sprache, seine Themen und seine Träume ab. Er sah es als seine Aufgabe, dem Volk aufzuzeigen, dass es dabei war, sich an den Kapitalismus und den Faschismus zu verkaufen. Er glaubte an die Kraft des Theaters, das als Spiegel Menschen dazu auffordern könnte, ihr eigenes Leben selbstkritisch und mutig in die Hand zu nehmen. Er reagierte auf die Kritik und auf, wie er fand, falsch inszenierte Texte u. a. mit einer Gebrauchsanweisung, die Sie in Auszügen weiter hinten im Programmheft finden. Horváths Texte wurden von staatlicher Seite schnell als „schädlich und zersetzend“ eingestuft. Bereits 1924 ließ Horváth sich im idyllischen Murnau am Staffelsee ein Haus bauen, das sich über die Jahre zu seinem Hauptwohnsitz entwickelte. Im Februar 1933 ließ er in einem Murnauer Wirtshaus während der Übertragung einer Hitler-Rede das Radio abschalten – und löste eine Saalschlacht und einen dauerhaften Streit mit der Ortsgruppe des NSDAP aus, der dazu führte, dass er kurz darauf Deutschland in Richtung Österreich verließ. Die nächsten Texte, die er schrieb, konzentrierten sich auf die Themen,die ihn umtrieben: Exil, Heimweh und Emigration. 1937 erschien sein Roman JUGEND OHNE GOTT im holländischen Exil-Verlag in deutscher Sprache und wurde bald in mehrere Sprachen übersetzt. Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich floh Horváth nach Budapest, es folgten Aufenthalte u. a. in Zürich und Amsterdam. Als er sich im Sommer 1938 in Paris aufhielt, um eine eventuelle Verfilmung seines letzten Romans zu besprechen, wurde er während eines Gewitters von einem herabstürzenden Ast erschlagen.
7
8
Unsere Bühne :
Professionelle Therapien aus Leidenschaft.
Praxis
Ergotherapie
in Coburg, Rödental, Neustadt b. Coburg, Weidhausen
Physiotherapie in Coburg, Rödental, Weidhausen
praxis-uebler.de
Logopädie
in Coburg, Rödental
Musikverein Stadt Rödental e. V. Der Musikverein Stadt Rödental e. V. wurde 1903 mit einem Fokus auf Streichermusik gegründet. In den 1970ern kam der Aufbau einer eigenen Nachwuchsausbildung und die Grundsteinlegung für die heutige Ausrichtung auf Blasmusik. 2005 wurde mit der Gründung der Orchesterschule Rödental e.V. die langfristige Nachwuchsförderung fest verankert. Der Musikverein Stadt Rödental e. V. heute ist ein Oberstufenorchester mit ca. 30 Musiker*innen. Das Repertoire ist sehr vielseitig und geht von traditioneller Blasmusik, über symphonische Blasmusik bis hin zu „Stimmungs-Musik“. So können sie die unterschiedlichsten Arten von Auftritten wie Dorffeste, Marschmusiken und auch festliche Umrahmung von Veranstaltungen abdecken. Darüber hinaus veranstaltet der Verein auch Kirchenkonzerte oder Konzertabende in Rödental und Coburg, an denen sie die gesamte Bandbreite der Blasmusik präsentieren. Ihr Highlight ist jedes Jahr das traditionelle Weihnachtskonzert am zweiten Weihnachtsfeiertag in Rödental in Zusammenarbeit mit dem Jugendorchester Rödental. Auf der Theaterbühne waren sie bereits zu sehen und zu hören 2013 in KOHLLIESELS TÖCHTER und 2015 bei WIE IM HIMMEL im Landestheater Coburg, sowie 2023 bei der Sommeroperette Heldritt in IM WEISSEN RÖSSL. Bei der Probenarbeit zu KASIMIR UND KAROLINE war beeindruckend live zu erleben, wie groß das Repertoire der Musiker*innen ist, und wie flexibel, offen und kreativ sie auf die Umarbeitung ihrer Repertoirestücke durch Jonatan F. Blomeier, den musikalischen Leiter der Produktion, eingehen konnten. Durch den Musikverein Rödental e.V. fühlten sich viele der Proben so an, als hätten sie direkt auf einem Volksfest stattgefunden! In den Proben unterstützt vom musikalischen Leiter Tim Eller und jetzt in wechselnden Konstellationen auf der Bühne zu sehen sind: Doris Reitz (Querflöte) / Amelie Dietrich (Klarinette) / Maximilian Eller (Klarinette) / Christina Löffler (Klarinette) / Jürgen Senftleben (Klarinette) / Susi Panusch (Klarinette, Tenorsaxophon) / Johanna Eller (Altsaxophon) / Markus Reißenberger (Sopransaxophon, Altsaxophon) / Carmen Schmitt (Altsaxophon) / Tanja Falch (Tenorsaxophon) / Teresa Löffler (Trompete) / Sebastian Raab (Trompete) / Ralf Dietrich (Tenorhorn, Bariton) / Christian Jäger (Posaune) / Tobias Jäger (Posaune) / Gerhard Eller (Tuba) / Luis Flurschütz (Tuba)
10
11
Horváth über seine Stücke „Ich hatte mich bis heute immer heftig dagegen gesträubt, mich in irgendeiner Form über meine Stücke zu äußern. Heute gebe ich es unumwunden zu, dass dies ein grober Irrtum gewesen ist, dass ich gezwungen werde, eine Gebrauchsanweisung zu schreiben. Ich habe kein anderes Ziel als wie dies: Demaskierung des Bewusstseins. Aufgabe jeder Kunst ist folgendes – – die Leute gehen ins Theater, um sich zu unterhalten, um sich zu erheben, um eventuell weinen zu können, oder um irgendetwas zu erfahren. Es gibt also Unterhaltungstheater, ästhetische Theater und pädagogische Theater. Alle zusammen haben eines gemeinsam: sie nehmen dem Menschen in einem derartigen Maße das Phantasieren ab, wie kaum eine andere Kunst – – Die Phantasie ist bekanntlich ein Ventil für Wünsche – – bei näherer Betrachtung werden es wohl asoziale Triebe sein, noch dazu meist höchst primitive. Im Theater findet also der Besucher zugleich das Ventil wie auch Befriedigung seiner asozialen Triebe. Vor sechs Jahren schrieb ich mein erstes Stück DIE BERGBAHN, und gab ihm den Untertitel und Artbezeichnung: EIN VOLKSSTÜCK, weil mir so etwas wie eine Fortsetzung, Erneuerung des alten Volksstückes vorgeschwebt ist – – also eines Stückes, in dem Probleme auf eine möglichst volkstümliche Art behandelt und gestaltet werden, Fragen des Volkes, seine einfachen Sorgen, durch die Augen des Volkes gesehen. Ein Volksstück, das im besten Sinne bodenständig ist und das vielleicht wieder Anderen Anregung gibt, eben auch in dieser Richtung weiter mitzuarbeiten – – um ein wahrhaftiges Volkstheater aufzubauen, das an die Instinkte und nicht an den Intellekt des Volkes appelliert. Der Mensch wird erst lebendig durch die Sprache. Nun besteht aber Deutschland zu neunzig Prozent aus vollendeten oder verhinderten Kleinbürgern, auf alle Fälle aus Kleinbürgern. Will ich also das Volk schildern, darf ich natürlich nicht nur die zehn Prozent schildern, sondern als treuer Chronist meiner Zeit, die große Masse. Es hat sich nun durch das Kleinbürgertum eine Zersetzung der eigentlichen Dialekte gebildet, nämlich durch den Bildungsjargon. Um einen heutigen Menschen realistisch schildern zu können, muss ich also den Bildungsjargon sprechen lassen. Der Bildungsjargon fordert aber natürlich zur Kritik heraus – – und so entsteht der Dialog des neuen Volksstückes, und damit der Mensch, und damit erst die dramatische Handlung – – eine Synthese aus Ernst und Ironie. 12
Mit vollem Bewusstsein zerstöre ich nun das alte Volksstück, formal und ethisch – – und versuche die neue Form des Volksstückes zu finden. Zu den Todsünden der Regie zählt folgendes: 1. Dialekt. Es darf kein Wort Dialekt gesprochen werden! Jedes Wort muss hochdeutsch gesprochen werden, allerdings so, wie jemand, der sonst nur Dialekt spricht und sich nun zwingt, hochdeutsch zu reden. Sehr wichtig! Denn es gibt schon jedem Wort dadurch die Synthese zwischen Realismus und Ironie. Komik des Unterbewussten. Klassische Sprecher. Vergessen Sie nicht, dass die Stücke mit dem Dialog stehen und fallen! 2. In meinen sämtlichen Stücken ist keine einzige parodistische Stelle! Sie sehen ja auch oft im Leben jemand, der als seine eigene Parodie herumlauft – so ja, anders nicht! 3. Satirisches entdecke ich in meinen Stücken auch recht wenig. Es darf auch niemand als Karikatur gespielt werden, außer einigen Statisten, die gewissermaßen als Bühnenbild zu betrachten sind. 4. Selbstverständlich müssen die Stücke stilisiert gespielt werden, Naturalismus und Realismus bringen sie um – denn dann werden es Milljöhbilder und keine Bilder, die den Kampf des Bewusstseins gegen das Unterbewusstsein zeigen – das fällt unter den Tisch. 5. In dem so stilisiert gesprochenen Dialog, gibt es Ausnahmen – einige Sätze, nur ein Satz manchmal, der plötzlich ganz realistisch, ganz naturalistisch gebracht werden muss. 6. Alle meine Stücke sind Tragödien – sie werden nur komisch, weil sie unheimlich sind. Das Unheimliche muss da sein. 7. Es muss jeder Dialog herausgehoben werden – ein stummes Spiel der anderen, ist streng untersagt. Stilisiert muss gespielt werden, damit die wesentliche Allgemeingültigkeit dieser Menschen betont wird – –die realistisch zu bringenden Stellen im Dialog und Monolog sind die, wo ganz plötzlich ein Mensch sichtbar wird – – wo er dasteht, ohne jede Lüge, aber das sind naturnotwendig nur ganz wenig Stellen. ÖDÖN VON HORVÁTH: GESAMMELTE WERKE, Hrsg. Traugott Krischke, Frankfurt a.M., 1986.
13
Mein guter alter Rummel! Hoch die Tassen! „Eines der traditionsreichsten Fahrgeschäfte auf dem Oktoberfest ist das Teufelsrad. In dessen Mitte dreht sich eine große, leicht schräge Scheibe aus Holz. Auf dieser nehmen Freiwillige Platz und versuchen, so lange wie möglich der Zentrifugalkraft zu trotzen. Ein simples, ewig faszinierendes Gaudium. Dass bei diesem die Röcke der Frauen mitunter ins Fliegen kommen, hat seiner Beliebtheit sicher nicht geschadet, aber auch dazu geführt, dass zuletzt massenhaft widerlichste Upskirting-Videos ins Netz geladen wurden. An der Fassade des Fahrgeschäftes drehte sich bisher ein kleines Teufelsrad, mit vier Frauenfiguren. Diese wurden in diesem Jahr teilweise umgestaltet. Längerer Rock, züchtigere Bluse. Eine der Frauen, eine Südseebewohnerin, die zuvor mit fast blankem Busen, Blumenkette um den Hals und nackten Füßen gezeigt worden war, bekam ein Kleid und Schuhe angezogen. Zurück ging das auch auf die Gleichstellungsstelle der Stadt und die Fachstelle für Demokratie, die sich das Fest regelmäßig anschauen und Hinweise geben, wie es aus ihrer Sicht zeitgemäß bleiben kann. Aber zeitgemäß - was heißt das schon in diesen Zeiten? Das bisschen neue Farbe an dem Teufelsradfiguren löste viele Debatten aus: Ist das schon Prüderie? Werden damit die echten Probleme, die Frauen auf dem Fest widerfahren können, bloß übertüncht? Wer hat eigentlich das Sagen, was auf dem Fest wie aussehen soll oder darf? Bei aller Ausgelassenheit: Wegen seiner Größe und seiner Bekanntheit ist dieses Fest eben nicht nur ein Fest. Es hat eine Bedeutung darüber hinaus. In der Corona-Pandemie war es ein Gradmesser: Ab wann kann man es wieder wagen, im großen Stil zu feiern? Nach Putins Überfall auf die Ukraine stellte sich die Frage: Ist es angemessen, im großen Stil zu feiern? Es mag Zufall sein. Aber gerade jetzt, wo an vielen Stellen im Land darum gerungen wird, was es zu bewahren gibt, was erneuert werden sollte und nach wessen Vorstellungen dies geschieht, geht es auch beim Oktoberfest ein bisschen darum.“ Süddeutsche Zeitung, 19. September 2026
14
„In ganz Deutschland finden etwa 9.750 große und kleine Volksfeste statt, die jährlich von 200 Millionen Menschen besucht werden. Dazu kommen ca. 3.000 Weihnachtsmärkte mit etwa 180 Millionen Besucher und Besucherinnen, wie die jüngste Marktstudie des Deutschen Schaustellerbunds erbrachte. In vielen Regionen hat die Volksfestkultur eine jahrhundertealte Tradition. In Europa hat Deutschland die meisten und traditionsreichsten Volksfeste mit den höchsten Besucherzahlen. Die Volksfestkultur in Deutschland ist in ihrer Vielfalt einzigartig und lebendig. Ihre Entwicklung und die Fortführung der spezifischen Tradition der unterschiedlichsten Festformen ist den Schaustellerinnen und Schaustellern zu verdanken. Deshalb erfüllt es die Schaustellerinnen und Schausteller mit großer Freude und Stolz, dass am 27. März 2026 der an die Deutsche UNESCOKommission gestellte Antrag angenommen worden ist. Die „Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland“ ist von der Deutschen UNESCO-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkannt und in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Diese Anerkennung wird das Bewusstsein dafür stärken, dass das Wirken von Schaustellerinnen und Schaustellern, das heißt, ihre Traditionen, ihre überlieferte Lebensweise, ihr vielfältiges Wissen und Können, welches in Gemeinschaften praktiziert und von Generation zu Generation weitergeben wird, ein zu schützendes Kulturgut ist.“ www.kulturgut-volksfest.de/volksfestkultur-in-deutschland/
„Dieses Thema, dass ich eben Triebe, Wünsche, libidinöse Sehnsüchte unterdrücken muss oder kontrollieren muss im Alltag, um zu funktionieren, um zu arbeiten, was zu schaffen oder aufzubauen. Man kann sich nicht ständig wild in der Gegend rum ausleben, das wäre Chaos. Aber der Wunsch dies zu tun, auch das Regressive, was im Oktoberfest steckt, man darf da auch mal dreijährig sein, laut singen, laut schreien, oder in der Achterbahn mal so raustoben, wenn man Angst hat, wenn es zu schnell wird. Das sind ja Dinge, die man sonst alle beherrscht, man lässt ja sonst seine Gefühle etwas gedeckelt oder benimmt sich, in Anführungszeichen, normal oder wie es bei uns üblich ist. Ich denke, seelisch gesehen, mit Freud gesagt, der Mensch braucht das einfach. Man kann seine Triebe und sinnlichen Wünsche nicht ständig unterdrücken. Man muss sie auch ausleben dürfen. Und da ist eben diese Auszeit dazu da, also auch Psychohygiene, wenn man so will. Oktoberfest als therapeutische Möglichkeit sich auch mal auszuleben.“ Brigitte Veiz: DAS OKTOBERFEST – MASSE UND RAUSCH, München, 2006.
15
„Interessanter ist der Fall, wenn wir wissen, dass wir einen deformierenden Spiegel vor uns haben, wie etwa auf Jahrmärkten. Unsere Haltung ist dann gespalten. Einerseits amüsieren wir uns. Wir beschließen zu akzeptieren, dass wir drei Augen haben oder einen enormen Bauch oder extrem kurze Beine, so wie man ein Märchen akzeptiert. Tatsächlich aber versetzen wir uns in eine Art pragmatischen Urlaub: Wir akzeptieren, dass der Spiegel, der eigentlich die Wahrheit sagen müsste, sie ausnahmsweise nicht sagt. Aber unsere suspendierte Ungläubigkeit betrifft nicht so sehr das Bild als die Kraft der deformierenden Prothese. Das Spiel ist komplex: Einerseits verhalten wir uns, als stünden wir vor einem planen Spiegel, der die Wahrheit sagt, und entdecken, dass er uns ein „irreales“ Bild zurückwirft (von etwas, das wir nicht sind). Wenn wir das Bild „für wahr nehmen“, helfen wir sozusagen, dem Spiegel beim Lügen.“ Umberto Eco: ÜBER SPIEGEL, München, 1988.
Elli: Ein Saubär, ein ganz bremsiger. Maria: Ich glaub, dass der ein Norddeutscher ist. Das kenn ich an die Fliege. Und an die Schuh. Rauch: Zwei hübsche Todsünden. - Die Angelegenheit tritt nunmehr in ihre operative Phase! 16
17
„Trink, trink, Brüderlein trink Trink, trink, Brüderlein trink Lasse die Sorgen zuhaus Deinen Kummer und deinen Schmerz Dann ist das Leben ein Scherz Deinen Kummer und deinen Schmerz Dann ist das Leben ein Scherz“ Das heute sehr bekannte Trinklied wurde 1921 von Wilhelm Lindemann (1882-1941) als Refrain seines heute nicht mehr bekannten Liedes „Das Trinken, das soll man nicht lassen“ komponiert. 18
REGIE: KATHRIN SIEVERS Kathrin Sievers, geboren 1966, studierte Germanistik und Sinologie an der Universität Heidelberg und verbrachte insgesamt zwei Jahre auf Taiwan und in der VR China. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie 1994-95 als Dramaturgieassistentin am Burgtheater Wien, bevor sie als Regieassistentin ans Schauspiel Essen wechselte. Seit 1999 ist sie freie Theaterregisseurin mit Inszenierungen u.a. an den Wuppertaler Bühnen, Schauspielhaus Bochum, Theater Duisburg, English Theatre Company Essen, National School of Drama Neu Delhi, WLB Esslingen und Schlosstheater Celle. Darüber hinaus ist sie Dozentin für Schauspiel an der Musikhochschule Osnabrück im Fach Musical und schreibt Stücke und Stückbearbeitungen für große Amateurgruppen. Am Landestheater Coburg inszenierte sie bereits PRIMA FACIE (2024/25) im Landgericht sowie ATMEN (2025/26) in der Reithalle. Mit Annette Wolf verbindet sie eine über zwanzigjährige künstlerische Zusammenarbeit. BÜHNENBILD UND KOSTÜME: ANNETTE WOLF Annette Wolf hat Textildesign in Basel und anschließend Bühnen- und Kostümbild an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Prof. Jürgen Rose studiert. Nach einer Assistenzzeit am Schauspiel Frankfurt und am Staatstheater Stuttgart folgte ein zweijähriges Engagement als Bühnenbildnerin an der Landesbühne Esslingen. Seit 1999 ist sie als freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin tätig, u. a. am Schauspiel Essen, an den Wuppertaler Bühnen, am Theater Kiel, am Salzburger Landestheater, am Schlosstheater Celle und am Theater Konstanz. Am Landestheater Coburg waren bereits Bühnen- und Kostümbilder von ihr zu sehen bei PRIMA FACIE (2024/25) im Landgericht sowie ATMEN (2025/26) in der Reithalle. Mit Kathrin Sievers verbindet sie eine über zwanzigjährige künstlerische Zusammenarbeit. MUSIK: JONATAN F. BLOMEIER Jonatan F. Blomeier, geboren 1997 in Bremen, spielt seit Kindestagen Klavier und diverse andere Instrumente. Nach dem Abitur folgte ein Kompositionsstudium an der Folkwang UdK Essen. Anschließend arbeitete er als Musiker, Komponist und Schauspieler in Duisburg, Leipzig, Linz und Wien. Von 2020 bis 2024 studierte er Schauspiel an der Bruckneruni Linz und war als Mitglied des Schauspielstudios am Landestheater Linz auf der Bühne zu sehen unter der Regie von Susanne Lietzow, Lisa Katrina Mayer, Stephanie Mohr, Nele Neitzke und Fanny Brunner. Parallel dazu arbeitete er auch als Theatermusiker in Wien und Heidelberg. Von 2024-2026 war er festes Ensemblemitglied des Schlosstheaters Celle und arbeitet nun freiberuflich als Musiker und Schauspieler. In KASIMIR UND KAROLINE arbeitet er erstmalig am Landestheater Coburg. 19
Sie genießen Kultur.
Wir kümmern uns um Ihre Angehörigen. DER ASB HAUSNOTRUF!
Für Fragen oder für Terminvereinbarungen erreichen Sie uns gerne unter der Rufnummer 09561/8147-30. Weitere Info unter: www.hausnotruf-coburg.de
DEIN ZUHAUSE KLIMAFIT MACHEN?
ABER KEINEN PLAN? Ob im Neubau oder bei der Sanierung: SÜC Energie360° bringt alle Bausteine moderner Energieversorgung wie Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox perfekt abgestimmt in Ihr Zuhause – intelligent ergänzt durch einen dynamischen Stromtarif. Ihre individuelle Lösung. 100% Zukunft. Dynamischer Stromtarif
Wallbox
SÜC
HEMS
Energie360˚
Wärmepumpe
Speicher Photovoltaik
SÜC Energie360° 21
SÜC Energie und H2O GmbH | Bamberger Straße 2 - 6 | 96450 Coburg | 09561 749-1555
Ihr kompetenter Ansprechpartner in allen Lebenslagen. Sicherheit und Vertrauen durch langjährige Erfahrung.
Unser Engagement für Kunst & Kultur, Sport, Soziales, Bildung und Nachhaltigkeit wirkt dort, wo es gebraucht wird – bei den Menschen vor Ort.
www.sparkasse-co-lif.de
Sparkasse Coburg - Lichtenfels Weil’s um mehr als Geld geht.
22
23
Schürzinger: Du brauchst einen Menschen, Karoline Karoline: Es ist immer der gleiche Dreck. Schürzinger: Pst! Es geht immer besser und besser. Karoline: Wer sagt das?
Impressum Landestheater Coburg, Schlossplatz 6, 96450 Coburg www.landestheater.coburg.de INTENDANT: Dr. Ulrich Peters | KAUFMÄNNISCHER DIREKTOR: Bernd Vorjans | REDAKTION: Anne Verena Freybott | GESTALTUNG UND SATZ: Autostrada | PROBENFOTOS: Christina Iberl | ANZEIGEN: contactdesign.de | DRUCK: DCT GmbH, Coburg | PLANUNGSSTAND: 01.10.2026 Änderungen und Druckfehler vorbehalten. | Wir danken dem Freistaat Bayern und der Stadt Coburg für die großzügige Unterstützung unseres Hauses. Ebenso danken wir dem Bezirk Oberfranken. Textnachweise: Die Texte „Die Handlung“ und „Der Autor“ sind Originalbeiträge für dieses Programmheft. Die nicht zugeordneten Zitate stammen aus dem Stücktext von Ödön von Horváth KASIMIR UND KAROLINE, 1932. Die Texte wurden redaktionell eingerichtet und gekürzt. Kürzungen innerhalb der Texte sind nicht gekennzeichnet.
24