Ausstellungen in Berlin und Potsdam
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GEGENBLICKE Porträtkunst in der Gemäldegalerie am Kulturforum
EIGENSINNIG
Haus am Waldsee zeigt Peter Wächtler
FLORENTINE NADOLNI
Die Leiterin des Museums der Dinge im Interview
WIDERSTÄNDIG
8,50 €
,661
Gabriele Stötzer im Gropius Bau
INHALT Jessica Auer, »Gullfoss«, 2018 (aus der Serie »Looking North«)
LANDSCHAFT IM BILD
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PANORAMA 6
Raumschiff
Drei Fragen an …
Pläne für das ICC
Jérémie Queyras, Maler des offiziellen Porträts von Angela Merkel
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Familienporträt In Kreuzberg setzt Brad Downey der Street Art ein Denkmal
Geh doch auf die… Museumsinsel Kaffee und Kuchen unter der neobarocken Kuppel des Bode-Museums
TAGESREISE BUCKOW
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Brecht-Weigel-Haus
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Momentaufnahme Klangsphären im Synthesizer-Museum am Kottbusser Tor 10
News Aus den Berliner Museen und Ausstellungshäusern
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Tagesreise nach Buckow Wo sich Brecht und Weigel vom Trubel der Theaterwelt erholten 16
Kolumne Von Menschen und Nashörnern
Neue Bücher Fünf Empfehlungen aus der Redaktion
AUSSTELLUNGEN 28
Meister des Hintergrunds Nizō Yamamoto prägte die Bildwelten des japanischen Animationsfilms 32
Unbezähmbar Eine Retrospektive der DDR-UntergrundIkone Gabriele Stötzer im Gropius Bau 36
Kunst im Kiez Wiedereröffnung der traditionsreichen Prater Galerie an der Kastanienallee 38
Multikulturell Das Ephraim-Palais widmet sich dem Zusammenspiel von Kunst und Migration FLORENTINE NADOLNI
INTERVIEW
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Licht und Sound Drei Ausstellungen zum Saisonstart in den KW Institute for Contemporary Art in Mitte
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Im Gespräch
Minimalistische Gesten In der Berlinischen Galerie folgt Jeewi Lee den Spuren menschlicher Existenz durch Raum und Zeit
Leiterin des Werkbundarchivs – Museum der Dinge
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Kriegssommer 1941 Im Museum Berlin-Karlshorst bezeugen Briefe den deutschen Vernichtungskrieg in der Ukraine
Seit 2010 in der Sammlung der Neuen Nationalgalerie: Tamara de Lempicka, »Porträt«, um 1931
GABRIELE STÖTZER
32 Gabriele Stötzer, »Regenbogenfrau«, 1978/79
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Modernist Die Wiederentdeckung des Malers, Grafikers und Raumgestalters Cesar Klein im Bröhan Museum
SCHWEDISCHE MODERNE
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Ernsthaft und verspielt Filme, Bilder, Skulpturen und Objekte von Peter Wächtler im Haus am Waldsee 46
Nils Dardel, »Der Sterbende Dandy«, 1918
Projektionsfläche Der Osten als kulturelle und politische Chiffre im Neuen Berliner Kunstverein und Schinkel Pavillon 48
Sinnesfreuden
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Ida Gerhardi
Klangbilder
im Käthe Kollwitz Museum
Zwischenspiel des MusikinstrumentenMuseums im Bode-Museum
Die barocke Schönheit flämischer Meisterzeichnungen im Kupferstichkabinett
Daniela Friebel
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Kai Bornhöft und Frank Tornow
Internationale Beziehung Die Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank zeigt Kunst der ehemaligen Verbündeten DDR und Vietnam 52
im Haus am Kleistpark
in der Sammlung Scharf-Gerstenberg 60
Eigentümliche Dialektik
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Fluchtpunkte Im Haus am Lützowplatz entfaltet sich die Vielschichtigkeit zeitgenössischer Landschaftsbilder 72
Schneiden und schnitzen
Porträts im Dialog in der Gemäldegalerie am Kulturforum
Die minimalistischen Holzskulpturen des US-amerikanischen Künstlers Matt Browning im Mies van der Rohe Haus
Spuren des Wandels
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Straßenumbenennungen in den Bezirksmuseen von Marzahn-Hellersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Köpenick
Entfesselte Körper
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Kompromisslose Beobachterin Die Malerin, Feministin und DDRDissidentin Annemirl Bauer im Potsdamer Kunsthaus Das Minsk
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Farbe und Form
Die São Paulo-Biennale zu Gast im Haus der Kulturen der Welt 56
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Hausbesuch Ein Jahrhundert queeres Leben im Museum Lichtenberg
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Der umstrittene Vergleich von Kolonialismus und Nationalsozialismus im Deutschen Historischen Museum
Avangardist Die Grenzgänge des japanischen Komponisten Ryūichi Sakamoto im Hamburger Bahnhof
SÃO PAULO ZU GAST IN BERLIN
54 Wolfgang Tillmans, »Watching a Minute for a Minute«, 2025
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Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Mongolenherrscher Das Weltreich des Dschingis Khan und seine archäologischen Schätze in der James-Simon-Galerie
Utopien und Wirklichkeiten im Georg Kolbe Museum
Schwedische Malerei des 20. Jahrhunderts im Brücke Museum
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Gegenseitigkeit
Reines Sein Alberto Giacomettis Kunst der Reduktion im Gutshaus Steglitz
CONTRIBUTORS
EINBLICKE 78
Kosmos in Berlin Die Stiftung Planetarium Berlin vereint Wissenschaft, Kultur und gemeinsames Erleben 82
Historische Pracht Vor 150 Jahren wurde die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel eröffnet 84
Tatort Das Schloss Schönhausen war einst Umschlagplatz für NS-Raubkunst 85
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STEFAN RIEKELES
ist als Kurator und Autor auf die Hintergrundkunst japanischer Animationsfilme spezialisiert. Sein Buch »Anime Architecture« erschien 2020 bei Thames & Hudson. 2022 gründete er die Riekeles Gallery in Potsdam. Zu seinen wichtigsten Ausstellungen zählen »Proto Anime Cut« (2011), »Anime Architecture« (2016), sowie »Akira – Die Architektur von Neo Tokyo« (2022). Riekeles kuratierte die Ausstellung zum Werk von Nizo Yamamoto, dem Altmeister der japanischen Anime-Szenographie in der Tchoban Foundation (Seite 28). Ende des Jahres erscheint seine YamamotoMonographie im Verlag Riekeles Gallery.
Raum für Poesie Literaturgeschichte in Charlottenburg 86
Filmindustrie Ost Ausstellung zum 80. DEFA-Jubiläum im Filmmuseum Potsdam 88
Erfolgsgeschichte Das Museum Barberini in Potsdam feiert sein zehnjähriges Bestehen 91
Wandgemälde von Niele Toroni im Hamburger Bahnhof
Forschungssammlung im Museum für Naturkunde
JULIA GROSSE
ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und strategische Beraterin am Berliner Gropius Bau. Dort realisierte sie die bislang umfangreichste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin Gabriele Stötzer (Seite 32–35). Als Dozentin lehrt Grosse am Institut für Kunst im Kontext der Berliner Universität der Künste. Sie ist Mitglied im Hochschulrat der Kunstakademie München und fungiert regelmäßig als Jurorin, zuletzt für den Deutschen Pavillon auf der 61. Venedig-Biennale. Grosse kuratierte unter anderem die erste große institutionelle Ausstellung von John Akomfrah in Deutschland an der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Sie ist gemeinsam mit Yvette Mutumba Gründerin der internationalen Plattform Contemporary And (C&), beide wurden 2020 mit dem Preis »European Cultural Manager of the Year« ausgezeichnet.
Kriegsverluste aus der Gemäldegalerie als Digitalisat 92
Bildhafte Schriftzeichen Ein Jahrhundert »Wörterbuch der ägyptischen Sprache« im Neuen Museum 94
Kunst kaufen Ausgewählte Editionen und Jahresgaben aus Berliner Institutionen 96
Ausstellungskalender 108
Umgedreht 109
Abbildungsnachweis 110
Impressum
TIM FLORIAN HORN
ist Vorstand der Stiftung Planetarium Berlin. Dazu zählen das Zeiss-Großplanetarium, die Archenhold-Sternwarte, die Wilhelm-Foerster-Sternwarte und das Planetarium am Insulaner. Horn wurde 1982 im schleswig-holsteinischen Preetz geboren, wuchs in Kiel auf und studierte an der dortigen Fachhochschule zunächst Multimedia-Produktion. Nach einer Tätigkeit als Produktionsleiter am Planetarium in Hamburg zog Horn mit seiner Familie nach Kalifornien, wo er für die California Academy of Sciences in San Francisco arbeitete und parallel Astronomie studierte. Seit 2013 lebt er in Berlin. Zum zehnten Jubiläum erläutert der Astronom den Grundgedanken der 2016 gegründeten Stiftung und ihre Bedeutung für die Hauptstadt (Seite 80).
PANORAMA Neustart für das ICC Nach zwölf Jahren Stillstand rückt die Wiederbelebung des Internationalen Congress Centrums (ICC) näher. Am 12. Juni 2026 beauftragte das Land Berlin die »Projektpartnerschaft Quartier ICC« mit der weiteren Entwicklung des ICC und ebnete damit gemeinsam mit der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement Gesellschaft (BIM) den Weg für die Erweckung der Architekturikone im Westen. Das denkmalgeschützte Gebäude soll künftig weit mehr sein als ein Kongresszentrum: Geplant ist ein offener Standort für Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Veranstaltungen und Gastronomie. Herzstück des Konzepts ist eine öffentlich zugängliche Passage, die das ICC von Nord nach Süd durchquert. Bis 2028 sollen die Voraussetzungen für die Vergabe der Erbbaurechte geschaffen werden. Erste Bauarbeiten könnten 2029 starten, die schrittweise Eröffnung ist ab 2032/2033 vorgesehen.
FLORENTINE NADOLNI Seit 2023 ist die Kulturwissenschaftlerin und Soziologin die Geschäftsführerin des Werkbundarchivs – Museum der Dinge und entwickelt gemeinsam mit der wissenschaftlichen Co-Leiterin Imke Volkers die Programmatik des Hauses. Von 2017 bis Ende 2022 war sie Leiterin des Museums Utopie und Alltag. Alltagskultur und Kunst aus der DDR in Beeskow und Eisenhüttenstadt, dessen gemeinsame Neukonzeption sie verantwortete. Nadolni wurde 1981 in Berlin-Pankow geboren und studierte an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Für ihre Master-Arbeit »Städtische Identität im ostdeutschen Schrumpfungskontext« beschäftigte sie sich mit der Geschichte und Transformation von Eisenhüttenstadt, der ersten Planstadt der DDR. Nadolni kuratierte und co-kuratierte verschiedene Ausstellungen, darunter »Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR« (2019) und »Profitopolis oder der Zustand der Stadt« (2024).
INTERVIEW
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»Wir stellen die Kultur der Konsumgesellschaft in Frage«
Was erzählen die Alltagsdinge über unsere Gesellschaft? Warum lassen sich die Herausforderungen unserer Zeit nur gemeinsam lösen? Welche Ideen stecken in Architektur und Städtebau? Ein Gespräch mit FLORENTINE NADOLNI, Leiterin des Werkbundarchivs – Museum der Dinge, über die politischen Dimensionen von Gestaltung und Alltagskultur 21
Museum, das Museum der Dinge. Unser Kernthema ist der Deutsche Werkbund, ein 1907 gegründeter und bis heute existierender Interessenverband aus Künstlern, Gestaltern, Politikern und Produzenten, dem es um zeitgemäße Gestaltung ging und geht. Wir sammeln Objekte und Archivalien mit diesem Fokus.
Blick in die Ausstellung »Gestalten für Berlin. Design aus der Kunsthochschule Berlin-Weißensee«, Sommer 2026
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ie Leipziger Straße in Mitte ist eine der Hauptverkehrsadern von Berlin. Sie stellt die Verbindung zwischen der City West und dem Alexanderplatz her. Der Verkehrsstrom scheint nie abzureißen. Ganz in der Nähe des Spittelmarktes hat hier 2024 das Werkbundarchiv – Museum der Dinge Quartier bezogen, das lange Jahre in Kreuzberg ansässig war. In den hellen, hohen Räumen mit den bodentiefen Schaufenstern vergisst man sofort die Hektik draußen auf der Straße und taucht ein in die wundersame Welt der Dinge. Nach einem
Rundgang durch die Ausstellung erklärt Leiterin Florentine Nadolni im Gespräch, was das Werkbundarchiv von anderen Museen unterscheidet und warum es ein guter Ort ist, um über Lösungen für die Probleme der Gegenwart nachzudenken. Frau Nadolni, was ist das Werkbundarchiv – Museum der Dinge? In unserem Namen kommt eine Doppelfunktion zum Ausdruck. Wir sind zum einen ein Archiv, das Werkbundarchiv. Zugleich sind wir ein öffentlich zugängliches
Und das Museum der Dinge? Es war schon immer das Ziel, über die Wissenschaft hinaus eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Der Werkbund war ja einst mit dem Anspruch angetreten, den Alltag zu reformieren. Deshalb hat sich das Museum der Dinge seit seiner Gründung mit dem Sammeln, Vermitteln und Ausstellen auf den gesamten Alltag bezogen. Weil wir immer eine kleinere Institution waren, konzentrieren wir uns auf Dinge. Damit meinen wir die Alltagsdinge, die dreidimensionalen kleinen Dinge der Welt. Themen wie Stadtplanung und Architektur bilden wir punktuell in Sonderausstellungen ab. Aber unser Fokus liegt auf der Gestaltung von Gegenständen, die den größten Teil unserer Sammlung ausmachen. Aktuell umfasst diese ungefähr 80.000 Objekte. Sie wächst beständig weiter. Wir sammeln die Dingkultur in all ihrer Vielfalt und Fülle. Im Grunde versuchen wir, die Welt zu sammeln und zu ordnen, das Scheitern daran ist inbegriffen. Wie zeigt man Alltagsdinge im Museum? Bei uns trifft das Publikum auf eine enorme Vielfalt an Dingen. Das ist Teil des Ausstellungskonzepts. Unsere Dauerausstellung ist als Schaudepot gestaltet. Das heißt, wir zeigen 15.000 Objekte. Genauso ist es gewollt. Wir möchten auf diese Weise auch die quantitative Überforderung abbilden, die mit den Dingen unseres Alltags verbunden ist.
ALLTAG, KONSUM UND LEBEN Zum 50. Jubiläum des Werkbundarchivs 2023 ist die Publikation »Objekte Ausstellungen Räume – eine Museumsgeschichte« erschienen. Das von Renate Flagmeier, Florentine Nadolni und Imke Volkers herausgegebene Buch mit zahlreichen Abbildungen aus den Beständen der Sammlung und Beiträgen von Museums-, Kunst- und Kulturwissenschaftlern bietet sowohl Rückschau als auch Ausblick. Das Selbstverständnis des Museums, das sich der kritischen Auseinandersetzung mit der alltäglichen Konsumkultur widmet, ist geprägt durch die politisierten 1970er-Jahre, seinen Gründungsort Berlin und eine auf das Alltagsleben gerichtete Geschichtsauffassung. Der von Steffen Schuhmann gestaltete Band ist bei Spector Books Leipzig erschienen und kostet 38 Euro.
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Welche Fragen verknüpfen Sie mit dieser Art des Zeigens? Uns geht es um die Veranschaulichung von historischen und gegenwärtigen Fragestellungen. Es geht um Nachhaltigkeit oder darum, wie Gestaltung in die Gesellschaft hineinwirkt. Uns interessieren auch nationalökonomische Aspekte. Denken Sie beispielsweise an die Geschichte des Labels »Made in Germany«. Oder: Was ist »guter Geschmack«? Gibt es »gute« und »schlechte« Dinge? All das lässt sich anhand von Alltagsdingen anschaulich erzählen. Und damit wird eine Nähe zum Publikum hergestellt. Das hat viel mit der Lust am Einfachen, auch am Banalen und Skurrilen zu tun. Und das ist populär im besten Sinne. Alle können sich in den hier ausgestellten Dingen wiedererkennen. Viele Exponate werden sofort mit einer persönlichen Erinnerung verbunden. Dadurch werden die Themen zugänglich, die in den Dingen verborgen liegen. Welche Voraussetzungen müssen Dinge erfüllen, um in die Sammlung zu kommen? Theoretisch passen sehr viele Dinge, was natürlich nicht funktionieren kann. Wir sind ein Museum des 20. und 21. Jahrhunderts, also der industriellen Produktion, der industriellen Produkt- und Warenkultur. Da liegt unser Schwerpunkt. Ein Ding kann auch völlig unscheinbar oder dessen Herkunft zunächst unbekannt sein. Solche Objekte stellen wir auch aus und sie haben ebenso einen Platz in der Sammlung.
Dinge des Alltags: Dauerausstellung zur Gestaltungs- und Produktkultur
Gibt es Objektgruppen, die Sie besonders pflegen? Möbel stellen einen wichtigen Bestand dar. Schon länger sind wir auf Stühle konzentriert. Aber auch hier sind uns wegen der Ressourcen Grenzen gesetzt, sodass wir größere Ensembles nicht aufbewahren können.
Leipziger Straße
Was unterscheidet das Museum der Dinge von herkömmlichen Designmuseen? Wir sind weder ein Kunstgewerbemuseum noch ein Designmuseum im klassischen Sinn. Bei uns geht es nicht, wie
vielleicht anderswo, um eine Bestenliste des Designs. Im Gegensatz dazu interessiert uns die Fülle der Warenkultur, die erst durch die industrielle Produktion möglich geworden ist. Wir stellen die Kultur der Konsumgesellschaft stark in Frage, so wie es der Werkbund getan hat. Uns geht es insbesondere um das Verhältnis der Nutzer zu den Dingen. Der Gebrauchskontext ist eine Facette, die uns sehr interessiert. Deshalb sammeln wir Dinge, denen man ansieht, dass mit ihnen zusammengelebt wurde, die Spuren der Nutzung aufweisen. Für uns sind Dinge interessant, die eine Patina besitzen,
AUSSTELLUNGEN
Nizō Yamamoto, »Princess Mononoke – Forest of the Deer God«, 1997
Abfolge von körperlichen Zeichen und Gesten. Die Schwarzweiß-Fotoserie »Gesten - Selbstinszenierung« entstand 1981 in Zusammenarbeit mit Cornelia Schleime
Tanz die Rebellion Der Körper als Ausdruck von Freiheit und Protest. GABRIELE STÖTZER und ihre radikale und anarchistische Kunst
GROPIUS BAU
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s flüstert, kreischt und trötet im historischen Schliemann-Saal. Zwölf Projektionen von Super-8-Filmen der Künstlerin Gabriele Stötzer bilden den Auftakt der Ausstellung »Dabei sein und nicht schweigen« im Gropius Bau. Auf den Leinwänden wird ekstatisch getanzt, Körper biegen sich, sie posieren in Kostümen über den Dächern von Erfurt. Aufnahmen einer Demonstration aus dem Jahr 1989 beginnen zu kippen, kurz darauf kreist die Kamera um einen Bauchnabel, das Bild gerät in einen Strudel. Aus einer anderen Ecke des Raums tönt es rhythmisch: »Im Untergrund, im Untergrund, da lacht ganz laut der Muttermund.« Ausgehend von ihren Anfängen im literarisch-künstlerischen Untergrund der DDR setzt sich Stötzer seit den späten 1970er-Jahren mit Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Möglichkeiten des Widerstands auseinander. In Erfurt besetzten sie und ihre Mitstreitenden Häuser, richteten dort Werkstätten und Ateliers ein und organisierten Ausstellungen sowie öffentliche Aktionen. Stötzers Werke formulieren furchtlosen und immer wieder auch humorvollen Widerstand gegen staatliche Gewalt und das Patriarchat, indem sie Räume für Selbsterfahrung, Begehren und Solidarität schaffen. Super-8-Filme bilden dabei ein wichtiges künstlerisches Mittel, mit dem abseits der staatlich kontrollierten Filmproduktion experimentelle Formen des Erzählens erprobt und so aus dem Leben Kunst gemacht wurde. Dokumentarisches Material und Alltagsbeobachtungen treffen in Stötzers Filmen auf surreale, traumartige Sequenzen und performative Handlungen, die eigene Entwürfe von Weiblichkeit schaffen. Hier verdichten sich viele Stränge ihres vielschichtigen Werks, das auch Zeichnung, Fotografie, Keramik, Textil, Künstlerinnenbücher, Mode und Performance umfasst.
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Die Schau schließt an institutionelle Ausstellungen der vergangenen fünfzehn Jahre an, von »Hosen haben Röcke an« in der Berliner NGBK (2021), die sich der von Stötzer mitbegründeten Künstlerinnengruppe Erfurt widmete, »Bewußtes Unvermögen – Das Archiv Gabriele Stötzer« in der Galerie für zeitgenössische Kunst (GfzK) in Leipzig (2019), bis zur international gezeigten Gruppenschau »Re.Act.Feminism«, die unter anderem 2012 in der Akademie der Künste in Berlin realisiert wurde. Letztere war für die Rezeption von Stötzer auch deshalb so entscheidend, weil sie ihre Arbeit erstmals im Kontext feministischer Kunst von Akteurinnen wie Valie Export, Marina Abramović oder Ana Mendieta verortete. Im Gropius Bau entfalten sich rund 150 Arbeiten aus fast fünf Jahrzehnten über sieben Ausstellungsräume, die jeweils mediale und thematische Schwerpunkte setzen. Stötzers wegweisende Praxis ist eng mit ihren Erfahrungen in der Haft als politische Gefangene, der Selbstorganisation und dem Kampf gegen autoritäre Strukturen in der DDR verbunden. Ihre Biografie bestimmte über lange Zeit ihre öffentliche Wahrnehmung als Zeitzeugin. Doch die Frage der Zeuginnenschaft spielt in ihrem Schaffen als Künstlerin und Schriftstellerin eine ebenso entscheidende Rolle: Vom Manuskript, das Stötzer nach ihrer Entlassung aus dem Frauengefängnis Hoheneck 1977 über die Erlebnisse während der Haft verfasste und das der Ausstellung den Titel gibt, bis hin zu einer Serie fotografischer Arbeiten aus dem Jahr 1989, die die nahende Wende zu erahnen scheinen. Zu diesem Zeitpunkt war Stötzer die Einzige, die das besetzte Haus in der Erfurter Pergamentergasse noch als Atelier nutzte, als sie plötzlich realisierte, wie stark alles um sie herum verfiel. Sie dokumentierte Stück für Stück die bröckelnden
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Geteiltes Leben. Kunst und Migration in Berlin bis 7. Februar 2027 Ephraim-Palais berlin.museum
Ximena Ferrer Pizarro, »My German teacher (Mein Deutschlehrer)« Berlin, 2023
Buntes Berlin MIGRANTISCHE PERSPEKTIVEN prägen das kulturelle Erbe und die Identität der Stadt
B
erlin ist doch eine bunte Palette« ist der Titel eines Gemäldes von Hanefi Yeter, das 1987 im Auftrag des West-Berliner Senats für die 750-Jahr-Feier der Stadt entstand. Yeter, 1947 im türkischen Bayburt geboren, kam im Alter von 25 Jahren mit einem Stipendium der türkischen Regierung nach West-Berlin und war Mitglied im »Türkischen Akademiker- und Künstlerverein«, der sich für die Sichtbarmachung von Künstler*innen aus der Türkei einsetzte. Die »bunte Palette« aus der Sammlung des Berlin Museums greift die migrantische Wirklichkeit West-Berlins Mitte der 1980erJahre auf und verweist unter anderem auf die Vielfalt der Menschen, die in der geteilten Stadt lebten. Die Bevölkerungsstatistik verdeutlicht, wie stark Berlin bereits damals durch den Zuzug von Menschen aus vielen Ländern geprägt war. In der jüngeren Kunstgeschichte ist dies bisher kaum sichtbar. Es gibt nur wenige Publikationen, die den Anteil von Menschen mit Migrations- oder Exilerfahrung an der Entwicklung der bildenden Kunst- und Kulturszene der Hauptstadt explizit herausarbeiten.
Dies war Anlass, im Rahmen des Themenschwerpunkts zur städtischen Migrationsgeschichte am Berlin Museum die Ausstellung »Geteiltes Leben. Kunst und Migration in Berlin« zu entwickeln. Die Kuratorinnen Christine Heidemann und Aurora Rodonò haben sich zusammen mit Pia Dressler und Antonia Welch Guerra vom Berlin Museum in der Sammlung auf Spurensuche begeben, Werke geliehen und Gespräche mit Künstler*innen und Zeitzeug*innen geführt. Entstanden ist eine auf neun künstlerische Positionen verdichtete Schau mit Cecilia Boisier, Santos Chávez, Ximena Ferrer Pizarro, Evelyn Kuwertz, Ertekin Özcan, Minh Duc Pham, Núria Quevedo, Chetna Vora und Hanefi Yeter. Alle kamen aus unterschiedlichen Gründen in die Stadt, sei es im Kontext von Arbeitsmigration, als politische Exilant*innen oder für das Studium. Der Fokus liegt auf Arbeiten aus Ost- und West-Berlin, die seit den 1970er-Jahren entstanden sind. Zwei jüngere Positionen beleuchten postmigrantische Lebensrealitäten. So verschieden wie die Biografien sind auch die
Arbeitsweisen und Themen. Ausstellungen, neue Netzwerke und Vereine trugen und tragen zu einer transnationalen Kunst- und Kulturszene bei. Der Ausstellungstitel ist einem Gedicht des türkischen Lyrikers Ertekin Özcans (1946–2023) entlehnt. »Geteiltes Leben« meint das Leben zwischen dem Hier und dem Dort, das Leben in der Diaspora. Zugleich geht es um die gemeinsamen Geschichten und Erfahrungen in der ehemals geteilten und nun wiedervereinigten Stadt, die die Menschen in Berlin vor und nach der Wiedervereinigung miteinander verbinden. Parallel zeigt der Gropius Bau noch bis zum 17. Januar 2027 die von Gürsoy Doğtaş und Patrizia Dander kuratierte Ausstellung »Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960«. Einige Künstler*innen sind sowohl im Berlin Museum als auch im Gropius Bau vertreten. Text CHRISTINE HEIDEMANN und AURORA RODONÒ, Kuratorinnen
AUSSTELLUNGEN
ZWISCHENWELTEN
Rafik Greiss, »After Hours«, Filmstill, 2026
FLÜCHTIGE ERINNERUNGEN Die erste institutionelle Einzelausstellung von Rafik Greiss ist zugleich die Premiere seines neuen Films. In seinen medienübergreifenden Arbeiten untersucht der 1997 geborene ägyptische Künstler, wie die Zeit spürbar wird, sich verflüchtigt und als erinnertes Nachbild wiederkehrt. Fasziniert von dem, was im Begriff ist zu verschwinden, richtet Greiss den Blick auf die Übergänge zwischen persönlichem Erleben und gesellschaftlicher Erinnerung. Sein filmischer Essay führt mäandernd durch Kairo, Alexandria und die Westliche Wüste, entlang traumähnlicher Schauplätze wie bewohnte Gräber und weite Landschaften. Durch Verschiebungen, Wiederholungen und weitere rhythmische Brüche entsteht eine Reflexion darüber, wie Erinnerung geformt, Vergangenheit bewahrt und Geschichte erzählt wird. »Rafik Greiss. After Hours«
Als Schlüsselfigur der britischen Konzept- und Videokunst prägte Susan Hiller (1940–2019) über fünf Jahrzehnte hinweg Generationen von Künstler*innen. »Bad Dreams« ist die erste Überblicksausstellung von Hiller in Berlin, wo die Künstlerin in den frühen 2000er-Jahren lebte und arbeitete. Ihr multimediales Werk widmet sich jenen Vorstellungs- und Erfahrungswelten, die sich an den Grenzen des Rationalen bewegen, darunter Fantasie, Träume, Ängste und paranormale Phänomene. Anhand von Videoarbeiten, Skulpturen aus Alltagsobjekten sowie Bildmaterial aus Medien und Popkultur legt Hiller offen, wie individuelle und kollektive Wahrnehmungen kulturell und medial geprägt werden. Ihre Auseinandersetzung mit dem Unbewussten und den alltäglichen Bildwelten beweist sich dabei als überraschend gegenwärtig. »Susan Hiller. Bad Dreams«
Susan Hiller, »Resounding (Infrared)«, 2013, Installationsansicht in der Hayward Gallery, London, 2014
Alle drei Ausstellungen:
KW Institute for Contemporary Art 17. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027 kw-berlin.de
Koo Jeong A, »Land of Ouss [Kangse]«, 2025/2026, Installationsansicht aus Luma Arles, 2025
IMMATERIELLE KRÄFTE Mit »Ousssean« wird eine weitere große Einzelausstellung von Koo Jeong A in Deutschland präsentiert. 1967 in Seoul geboren, arbeitet Koo transdisziplinär mit Animation, Film, Skulptur, Klang, Zeichnung und Augmented Reality. Im Dialog mit der Architektur der KW vereint die Schau zentrale Werke aus den vergangenen Jahrzehnten. Durch den Einsatz immaterieller physikalischer Elemente wie Licht, Duft, Klang und Temperatur schafft Koo subtile und multisensorische Räume an den Grenzen des Wahrnehmbaren. Wissenschaftliche Fragestellungen zur menschlichen Kognition verbinden sich mit taoistischer Philosophie, Kunstgeschichte und der Lehre des Qi zu einer poetisch-sinnlichen Collage. »Koo Jeong A. Ousssean«
Jacob Jordaens, »Christus und die reuigen Sünder«, um 1630
Glanz und Pracht Die FLÄMISCHEN BAROCKMEISTER zeichneten mit Stolz und Sinnlichkeit
Rubens, Jordaens, van Dyck. Flämische Meisterzeichnungen 10. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027 Kupferstichkabinett smb.museum
KUPFERSTICHKABINETT
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eben Peter Paul Rubens und Anton van Dyck zählt Jacob
Jordaens (1593–1678) zu den wichtigen flämischen Barockmalern. Jordaens ist vor allem für seine Genrebilder mit trinkfreudigen Gelagen und bäuer-
lichem Leben bekannt. Seine selten präsentierten, kraftvollen Zeichnungen in der aktuellen Ausstellung des Kupferstichkabinetts sind eine Entdeckung wert. Neben Figurenstudien von beeindruckender Unmittelbarkeit sind es leuchtend farbige Entwürfe für Gemälde und Wandteppiche, die Jordaens als Virtuosen der Farbe ausweisen. Jordaens war der Sohn eines Tuchhändlers. Das Malerhandwerk erlernte er bei Adam van Noort, der auch Rubens unterrichtet hatte. Mit seinen Historienbildern war Jordaens früh erfolgreich und stieg nach Rubens’ Tod zum einflussreichsten Künstler in Antwerpen auf. Neben Zeichnungen von Jordaens versammelt die Ausstellung erstmals seit 50 Jahren rund hundert herausragende Blätter von 27 weiteren flämischen Künstlern aus dem eigenen Bestand, darunter von den bekanntesten Protagonisten Rubens und van Dyck, von Frans Snyders, Jan Brueghel d. Ä. und David Teniers, aber auch von weniger bekannten Meistern wie Abraham van Diepenbeeck, Erasmus Quellinus d. J., Daniël Seghers, Lucas van Uden und Lodewyk de Vadder. Die oft erstaunlich malerischen Zeichnungen entstanden zwischen 1570 und 1650 und erlauben faszinierende Einblicke in den künstlerischen
Peter Paul Rubens, »Bathseba erhält das Schreiben Davids«, 1612–1614
Schaffensprozess. Selten wurden sie aus Selbstzweck geschaffen, sondern entstanden zumeist in Vorbereitung für ein auszuführendes Werk, etwa für ein Gemälde, einen Kupferstich oder eine Tapisserie. Das Publikum kann den Künstlern während der Arbeit beinahe über die Schulter schauen: Das Ringen um die korrekte Position einer Figur oder die Haltung einer Hand wird ebenso sichtbar wie die Lust am Experimentieren mit einer ganzen Komposition. Dabei reicht die Breite der Themen von christlichen und allegorischen Szenen über mythologische und historische Motive bis hin zu Genredarstellungen, Porträts, Stillleben und Landschaften. Viele Künstler spezialisierten sich auf bestimmte Themen und arbeiteten in wechselnden Konstellationen zusammen. Dieses eng geknüpfte Netzwerk beruflicher Beziehungen spiegelt sich auch in der Ausstellung.
Ursprungsort der Blätter sind die ehemaligen »Südlichen Niederlande«,
Ein Beispiel etwa ist eine Zeichnung des 17-jährigen Anton van Dyck, die in
ein Gebiet, das heute Belgien, Luxemburg und Teile Nordfrankreichs umfasst.
genau jenem Moment entstand, als er – bereits ausgebildeter Maler – 1616 in
Der Begriff »flämisch« steht dabei stellvertretend für die gesamte Region,
Rubens‘ Werkstatt eintrat. Er kopierte einzelne Figuren aus einem Gemälde
bezeichnete historisch aber nur die Grafschaft Flandern zwischen Brügge,
des bewunderten Rubens. Seine Notizen zu Farben und Licht gewähren
Gent und Schelde. Die beiden für die Ausstellung wichtigsten Kunstzentren
direkten Einblick, wie er sich Komposition und Kolorit aneignete. Nach
Antwerpen und Brüssel gehörten hingegen zum Herzogtum Brabant. Bereits
wenigen Jahren in Rubens‘ Werkstatt reiste van Dyck 1620 nach London und
im 15. und 16. Jahrhundert hatte sich hier eine bedeutende europäische
anschließend nach Italien, wo er bis 1627 blieb und sich einen exzellenten Ruf
Kunstlandschaft herausgebildet. In Brüssel, der Residenzstadt der spani-
als Porträtist erarbeitete. 1632 wurde er als Hofmaler nach London berufen
schen Statthalter, konzentrierten sich politische und religiöse Macht. Antwer-
und stieg zum gefragten Porträtmaler der englischen Aristokratie auf.
pen entwickelte sich mit seinem Hafen zu einem bedeutenden europäischen
Ein Glanzlicht der Ausstellung bilden rund 20 hinreißende Zeichnungen von Peter Paul Rubens – Maler, Sammler, Humanist, Diplomat und dominie-
Handelszentrum. Die Silhouette der Stadt hielt David Teniers d. J. in einer erstaunlich modern anmutenden Grafitzeichnung fest. Wirtschaftlicher
rende Künstlerpersönlichkeit seiner Zeit. Bei ihm erlernten viele der ge-
Wohlstand ließ einen florierenden Markt für Kunst und Luxusgüter entstehen,
zeigten Künstler das Malerhandwerk, fast alle kooperierten mit ihm auf die
und neben Adel und Kirche trat das städtische Bürgertum selbstbewusst
eine oder andere Weise. Rubens zeichnete sein Leben lang: Er kopierte nach
als neue Käuferschicht auf. Zugleich war die Zeit zwischen 1550 und 1650
Stichen, Skulpturen und Gemälden, skizzierte Ideen, entwarf neue Motive,
durch fortwährende Konflikte der europäischen Großmächte und der kon-
studierte einzelne Figuren oder Gegenstände nach der Natur und stellte so
fessionellen Lager geprägt. 1568 erklärten sich die sieben protestantischen
einen Vorrat zusammen, aus dem er zeitlebens schöpfte. Für Rubens waren
Nordprovinzen der habsburgischen Niederlande (die heutigen Niederlande)
seine Zeichnungen Arbeitsmaterial, weshalb er sie weder signierte noch
unabhängig, was einen 80 Jahre währenden Krieg mit der spanischen Krone
datierte. Sein Umgang mit ihnen war jedoch sehr sorgfältig, sie wurden in
zur Folge hatte. In dieser angespannten Zeit entfaltete sich die neue, kraft-
einem eigenen Raum aufbewahrt und nur ausgewählte Schüler, Mitarbeiter
volle Bildsprache des Barock. Mit ihrer leidenschaftlichen Emotionalität,
und befreundete Maler wie etwa Jan Brueghel d. Ä. hatten Zugang. Das
intensiven Farbigkeit und dynamischen Kompositionsweise prägte sie die
Kupferstichkabinett besitzt insgesamt rund 40 seiner Arbeiten aus fast allen
Kunst der Epoche und findet auch in den ausgestellten Zeichnungen ihren
Schaffensperioden, darunter frühe Werke des jungen Malers aus der Zeit
Niederschlag.
vor seinem Italienaufenthalt (1600–1608) bis hin zu Zeichnungen, die nur wenige Jahre vor seinem Tod entstanden.
Text CHRISTIEN MELZER, Kuratorin
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Nordische Avantgarde Wie sich die SCHWEDISCHE KUNST des 20. Jahrhunderts mit den Impulsen der französischen Moderne und dem expressionistischen Stil verband
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xpressive Farben und eine radikal vereinfachte Formensprache: Was nach der Künstlergruppe Brücke klingt, entwickelte sich fast zeitgleich in Schweden. Auch hier suchten Anfang des 20. Jahrhunderts junge Künstler*innen nach neuen Ausdrucksformen jenseits akademischer Traditionen. Einige nannten sich sogar selbst Expressionisten. »Der Expressionist fühlte, dass er eine neue Sprache schaffen, seine Palette reinigen und seinen Zeichenstift ändern musste«, schreibt etwa Isaac Grünewald, einer der wichtigsten Protagonisten der Stockholmer Kunstszene der 1910er-Jahre. Gemeinsam mit weiteren schwedischen Künstler*innen stellte er bereits 1915 in der Berliner Galerie Der Sturm aus, der auch die Brücke-Künstler nahestanden. Die Ausstellung wurde mehrfach rezensiert. »Zum ersten seien gelobt die schwedischen Expressionisten, die uns der ›Sturm‹ zugetragen hat«, hieß es etwa in der Zeitschrift »Schaubühne«. Und die »Vossische Zeitung« vermeldete: »Die Gruppe Schwedische Expressionisten, die soeben im Großen Hauptquartier unserer Radikalen (Potsdamerstr. 134 a) eingetroffen ist, heißen wir aus mehreren Gründen willkommen. Vor allem, weil sie wieder einmal mit wünschenswerter Klarheit beweist, dass es sich bei den jüngsten Bestrebungen um eine europäische Bewegung handelt.« Heute hingegen sind die Gemälde und Zeichnungen von Grünewald oder Sigrid Hjertén sowie die damals so lebendige Stockholmer Kunstszene in Deutschland nur wenig bekannt. Das Brücke-Museum möchte das ändern und präsentiert die erste umfassende Schau zur Schwedischen Moderne in Deutschland. Damit kehrt der schwedische Expressionismus nach über hundert Jahren nach Berlin zurück. Im Zentrum der Präsentation stehen die Künstlergruppen De Unga, Die Jungen, und De åtta, Die Acht, sowie die Göteborg-Kolorist*innen. Die Ausstellung zeichnet sowohl das gemeinsame Streben dieser Gruppen als auch die eigenständigen Wege der
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einzelnen Künstler*innen nach. Der Durchbruch der Moderne in der schwedischen Malerei wird meist auf das Frühjahr 1909 datiert. Zu dieser Zeit eröffnete die Künstlergruppe De Unga ihre erste Ausstellung in Stockholm. Begründer der Gruppe, die ausschließlich männliche Künstler zuließ, war Birger Simonsson. Künstler wie Isaac Grünewald, Einar Jolin, Tor Bjurström, Leander Engström stießen hinzu. Die meisten hatten zuvor an der Schule des Konstnärsförbundet studiert, der sich 1886 in Opposition zur starren Königlichen Kunstakademie gegründet hatte und einen freieren Zugang zur Kunst anstrebte, beispielsweise durch das Malen im Freien. Die Künstler von De Unga orientierten sich international. Vor allem damals aktuelle künstlerische Entwicklungen in Frankreich, wie die Fauves, aber auch asiatische und arabische Kunst faszinierten sie. Viele ließen sich zudem an der Académie Matisse in Paris ausbilden. Der Aufenthalt an der privaten Malschule von Henri Matisse und der Austausch mit internationalen Künstler*innen prägte sie maßgeblich: Ein freierer Umgang mit Farbe, eine bewegte Pinselführung sowie die Dominanz der Linie vor dem Gegenstand wurden sichtbar. 1912 spaltete sich die Gruppe und der radikalere Flügel um Grünewald gründete De åtta. Hinzu kamen Nils Dardel und als einziges weibliches Mitglied Sigrid Hjertén, die beide ebenfalls die Académie Matisse besucht hatten. Die erste Gruppenpräsentation firmierte unter dem Titel »Svenska Expressionister«, Schwedische Expressionisten. Die entsprechenden Ausstellungsplakate gestaltete die Gruppe selbst, ähnlich wie die Brücke-Künstler. Mit dieser Ausstellung wurde der Expressionismus in Schweden bekannt. Die Farben wurden noch leuchtender, ihr Auftrag flächiger. Zugleich zeigte sich bei Hjertén und Grünewald eine wachsende Vorliebe für Ornamentales. Dabei rückten motivisch moderne Stadtansichten sowie Atelierszenen und das Alltagsleben in den Vordergrund.
Leihgabe aus dem Stockholmer Moderna Museet: Nils Dardel »Visit hos excentrisk dam / Visit to an Eccentric Lady«, 1921
Stimmungsvoll: »Klassik Erleben: Klang der Sterne« im Planetariumssaal
Erhabenheit und Wahrheit Seit zehn Jahren setzt die STIFTUNG PLANETARIUM BERLIN erfolgreich auf zeitgemäße, interdisziplinäre und verständliche Wissenschaftsvermittlung 80
EINBLICKE
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ls Albert Einstein am 2. Juni 1915 in der Archenhold-Sternwarte erstmals öffentlich über die Allgemeine Relativitätstheorie sprach, wurde ein Anspruch sichtbar, der die Berliner Planetarien und Sternwarten bis heute prägt: Wissenschaft gehört in die Mitte der Gesellschaft und bildet die Grundlage eines rationalen Handelns zum Wohle der Gesellschaft. Mehr als ein Jahrhundert später setzt die Stiftung Planetarium Berlin diese Tradition fort und folgt gleichsam der Urania-Idee, deren Wurzeln in Alexander von Humboldts Vision einer Wissenschaft für alle liegen. Vor zehn Jahren wurden das ZeissGroßplanetarium, die Archenhold-Sternwarte, die Wilhelm-Foerster-Sternwarte und das Planetarium am Insulaner erstmals unter einem gemeinsamen Dach zusammengeführt. Ziel war es, die vier astronomischen Einrichtungen der Hauptstadt gemeinsam weiterzuentwickeln und ihre jeweiligen Stärken miteinander zu verbinden. Heute bildet die Stiftung Europas größten Verbund astronomischer Bildungseinrichtungen und ist zugleich ein fester Bestandteil der Berliner Museums- und Kulturlandschaft. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, welches Potenzial in diesem gemeinsamen Weg liegt. Seit dem Zusammenschluss und der umfassenden Sanierung und Modernisierung des Zeiss-Großplanetariums haben mehr als 3,5 Millionen Besucher*innen unsere Häuser besucht. Das Zeiss-Großplanetarium verzeichnet inzwischen das vierte Rekordjahr in Folge und ist damit das besucherreichste Planetarium in Zentraleuropa. Diese Bilanz verdeutlicht, dass das Interesse an Wissenschaft, an kulturellen Angeboten und an Orten des gemeinsamen Erlebens ungebrochen ist – gerade in einer Zeit, in der wissenschaftliche Zusammenhänge immer komplexer werden und solche Orte wie die unseren bei Bedarf eine Einordnung geben. Die Stiftung versteht ihre Einrichtungen dabei als Orte mit eigener Geschichte und eigenem Profil. Die Archenhold-Sternwarte als Deutschlands größte und älteste Volkssternwarte steht für die Tradition öffentlicher Wissenschaft in Berlin. Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte verbindet astronomische Bildung mit aktiver Himmelsbeobachtung. Das Zeiss-Großplanetarium
Foucault-Pendel zum Nachweis der Erdrotation im Zeiss-Großplanetarium
hat sich zu einem international anerkannten Zentrum für immersive Wissenschaftskommunikation und zu Europas modernstem Wissenschaftstheater entwickelt. Das Planetarium am Insulaner wird derzeit zu einem modernen Bildungszentrum umgebaut, während das mobile Planetarium »Intense« das Universum Schüler*innen in der gesamten Stadt näherbringt. Zusammen mit dem Betrieb des Jugendforschungszentrums »Helleum II« entstehen so neue außerschulische Angebote, die den Bildungsauftrag der Stiftung nachhaltig stärken. Planetarien sind heute weit mehr als Projektionsräume für den Sternenhimmel. Sie verbinden Wissenschaft, Kultur und Technologie und schaffen als Wissenschaftstheater immersive Erfahrungsräume, in denen Inhalte anschaulich und greifbar werden. Im musealen Kontext bieten sie damit eine besondere Form des Lernens: Die stiftungseigene Visualisierungsabteilung bereitet neueste Forschungsergebnisse tagesaktuell auf, während Pädagog*innen die Ergebnisse an das Publikum vermitteln. So werden Phänomene erfahrbar, die sich weder sammeln noch ausstellen lassen – von der Entstehung des Universums bis zur Dynamik eines Schwarzen Lochs. Sternwarten wiederum bringen einem das Weltall im wahrsten Sinne näher, sei es, dass man die Ringe des Saturn mit eigenen Augen durch ein Teleskop betrachtet, den Orionnebel bestaunt oder ferne Galaxien beobachtet, deren Licht seit Milliarden von Jahren durch das All reist, bevor es die Erde erreicht. Gerade darin liegt die besondere Bedeutung für die Berliner Museumslandschaft. Planetarien und Sternwarten eröffnen Zugänge zu Themen, die unsere Gegenwart und Zukunft bestimmen: Klimaforschung,
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Raumfahrt, künstliche Intelligenz oder die Suche nach Leben im Universum. Sie schaffen Orientierung, sensibilisieren für unseren Platz im Kosmos und verbinden wissenschaftliche Präzision mit der Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit Schulen, Hochschulen, Museen, Forschungseinrichtungen und zahlreichen Partnern verstehen wir uns als Teil einer Bildungslandschaft, die Wissenschaft niedrigschwellig und für alle zugänglich machen möchte. Mit Live-Konzerten, Hörspielen, Lesungen und Familienprogrammen werden Planetarien und Sternwarten außerdem zu lebendigen Kulturorten, an denen sich Neugier und kulturelles Erleben auf wunderbare Weise verbinden und den Blick auf das Universum aus neuen Perspektiven ermöglichen. Das zehnjährige Jubiläum der Stiftung Planetarium Berlin zeigt, dass sich die Auseinandersetzung mit unserem Platz im Universum nicht auf die Astronomie beschränkt, sondern alle Wissenschaften berührt. Aus dem Sternentheater ist nunmehr ein Wissenschaftstheater geworden. Hier werden wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur vermittelt, sondern als Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen und gesellschaftliche Orientierung erfahrbar. Mit dem geplanten »Space Science Center«, das direkt an das Zeiss-Großplanetarium angrenzen soll, setzen wir diesen Weg konsequent fort. Dort sollen wissenschaftliche Datenwelten mithilfe immersiver LED- und Projektionstechnologien begehbar werden. Ob Geothermie, Klimawandel, Photosynthese, Plattentektonik oder medizinische Forschung – komplexe Zusammenhänge werden räumlich erfahrbar und eröffnen neue Zugänge zu den großen Zukunftsfragen. Aus der Perspektive des Kosmos richtet sich der Blick immer auf unseren Planeten: auf seine Einzigartigkeit, Verletzlichkeit und seine Bedeutung als Lebensraum. So versteht sich die Stiftung Planetarium Berlin auch in Zukunft als Ort, an dem Wissenschaft, Kultur und Bildung zusammenkommen und an dem die Faszination für das Universum dazu beiträgt, unsere Welt besser zu verstehen und zu begreifen, was die Welt – wie unsere Gesellschaft – im Innersten zusammenhält. Text TIM FLORIAN HORN, Vorstand Stiftung Planetarium Berlin
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Dreharbeiten zu »Looping«, 1974, Regie: Kurt Tetzlaff
Ohne Frühstück. Ohne Diskussion. 80 Jahre DEFA-Filme bis 2. Mai 2027 Filmmuseum Potsdam filmmuseum-potsdam.de
Bilder eines Lebensgefühls Vor 80 Jahren wurde in Potsdam-Babelsberg die DEFA gegründet, die bis 1992 rund 750 Spielfilme produzierte. Eine Zeitreise in die Filmgeschichte der DDR 86
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manzipation, Freiheit und Fernweh, Rebellion und Rückzug, Frieden und Patriotismus, Kirche und Religion, Sex und Liebe, Essen und Trinken – diese Themen bewegen Menschen überall und zu jeder Zeit. Wie ging es den Menschen in der DDR damit? Wie wurden diese Themen in den Filmen der staatlichen Filmgesellschaft dargestellt? Zeigten sie die Wirklichkeit, politische Wunschbilder oder persönliche Träume? Für die Ausstellung zum 80. DEFAJubiläum wurden Spielfilme ausgewählt, die den DDR-Alltag eindrücklich spiegeln. Diese Gegenwartsfilme holten die Menschen im Kinosaal direkt in ihren Befindlichkeiten ab. Sie entstanden nicht durchgehend auf Anweisung der Staatsführung. Vielmehr teilten die Filmteams unzählige Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen mit dem Publikum. Gleichzeitig arbeiteten sie, wie alle anderen, in einem Staat, der starken Einfluss auf Alltag, Kunst und Kultur nahm. Spielfilme fangen den Zeitgeist oft sehr nachdrücklich ein. Historische Stoffe, Märchen- und Abenteuerfilme sowie Science-Fiction-Filme wurden bei der Auswahl für die Schau nicht berücksichtigt. Sie waren ebenfalls wichtiger Bestandteil der DEFA-Produktion, spiegelten ihre jeweilige Entstehungszeit allerdings weniger konkret wider. Die Gegenwartsfilme für Kinder und Jugendliche wurden häufig zu Unrecht von den populären Märchenfilmen in den Hintergrund gedrängt. Die Dokumentarfilmproduktionen der DEFA gehen in die Tausende. Hier spielte der Alltag der Menschen eine immense Rolle. Wegen ihrer Komplexität hätten sie den Rahmen der Ausstellung jedoch gesprengt. In den Sammlungen sind dazu in erster Linie Fotos und Dokumente bewahrt. Requisiten und Kostüme aus Spielfilmen hingegen sind plastischer, rufen Erinnerungen und Emotionen wach. Grundsätzlich standen die DEFA-Filme in Konkurrenz zu Produktionen aus dem Westen. Das war eine immerwährende Herausforderung für alle Beteiligten, die ihre Sicht auf die Gesellschaft verarbeiten wollten. Manche Filme erreichten ein Millionenpublikum, andere gerieten in Vergessenheit oder wurden verboten. Neben Klassikern wie »Solo Sunny«, »Die Beunruhigung« und »Bis daß der Tod euch scheidet« holt die Ausstellung etliche Filme in die erste Reihe, die eine Wiederentdeckung verdienen.
Renate Krößner in »Solo Sunny«, 1980, Regie: Konrad Wolf
Die begrenzte Auswahl regt dazu an, die Filme kennenzulernen oder neu zu entdecken und die Lebenswelten früherer Generationen mit der Gegenwart in Beziehung zu setzen. Ob in der DDR sozialisiert, später oder andernorts geboren, dem Publikum wird ein authentischer Eindruck von diesem Land durch die vier Jahrzehnte seiner Existenz ermöglicht. Der Themenrundgang eröffnet überraschende Zugänge zu den Filmen und Objekten. Die Ausstellungsarchitektur lässt die Exponate für sich sprechen. Die meisten stammen aus den Sammlungen des Filmmuseums, wie Morgenmantel und Lederjacke von Renate Krößner aus »Solo Sunny« oder das mit Schmuck besetzte Kleid von Jenny Jugo aus dem Film »Träum` nicht, Annette!«, ergänzt durch einige Leihgaben aus Privatbesitz. Aus dem Babelsberger
Kostüm- und Requisitenfundus sind Originale ausgestellt, wie das Showkleid von Katrin Sass aus »Zum Teufel mit Harbolla« oder Kostüme und die Schreibmaschine aus dem Film »Einer trage des anderen Last«. Die Foyerausstellung »Diene Ehrlich Friedlichem Aufbau« und eine Film- und Veranstaltungsreihe begleiten die Schau. Außerdem teilen Gäste in einem Podcast ihre Sicht auf die DEFA und ihre Filme. Die vielfältigen Perspektiven auf dieses Filmerbe lassen erkennen, wie lebendig es immer noch wirkt und wie die Filme heute gesehen, erinnert und diskutiert werden. In der ersten von insgesamt sechs Folgen kommen Laila Stieler und Andreas Dresen, eins der erfolgreichsten Drehbuch-RegieDuos im deutschen Kino, zu Wort. Text GUIDO ALTENDORF, Kurator
KALENDER Christoph Schlingensief, »The African Twin Towers«, 2005
KALENDER
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Abguss-Sammlung Antiker Plastik Schloßstraße 69b 14059 Berlin / Tel. 030-432 40 54 Do–So 14–17 Uhr abguss-sammlung-berlin.de
Alice Museum für Kinder Straße zum FEZ 2 12459 Berlin / Tel. 030-53 07 11 81 Wochenende/Feiertage 12–18 Uhr Mo-Do (Schulzeit) Mo-Fr (Ferien) 11-18 Uhr alice-museum-fuer-kinder.fez-berlin.de »Green Planet« (MJ 3/2026) bis 20.12.2026
Alliiertenmuseum
↗ im Neuen Museum
Clayallee 135 14195 Berlin / Tel. 030-818 19 90 Di–So 10–18 Uhr alliiertenmuseum.de
Akademie der Künste
Alte Nationalgalerie
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
PARISER PLATZ Pariser Platz 4 10117 Berlin / Tel. 030-200 57 10 00 Mo-So, 10-20 Uhr adk.de HANSEATENWEG Hanseatenweg 10 10557 Berlin / Tel. 030-200 57 20 00 »Metaxy. Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau« (MJ 3/2026) bis 6.12.2026
Alfred Ehrhardt Stiftung Auguststraße 75 10117 Berlin / Tel. 030-20 09 53 33 Di–So 11–18 Uhr aestiftung.de »Ramona Schacht: Vom Bauhaus auf die Krim.Eine Bildbefragung zu Alfred Ehrhardts Tabakserien«, bis 20.12.2026
Bodestraße 1–3 10178 Berlin / Tel. 030-266 42 42 42 Di–So 10–18 Uhr smb.museum »InterNationalgalerie 1. Nationalmuseum Warschau. Die Erfindung der Mythen« (MJ 3/2026), bis 13.1.2027 »Über Zeiten. Gursky, Lucas, Miró, Warhol und die Kunst des langen 19. Jahrhunderts«, S. 82 22.10.2026 bis 28.2.2027
Altes Museum Am Lustgarten 10178 Berlin / Tel. 030-266 42 42 42 Di–So 10–18 Uhr smb.museum »Grundstein Antike. Berlins erstes Museum« (MJ 3/2025), bis 10.1.2027
Anna-SeghersMuseum Archiv der Akademie der Künste Anna-Seghers-Straße 81 12489 Berlin / Tel. 030-677 47 25 Di–Do 10–16 Uhr adk.de
GROPIUS BAU »Christoph Schlingensief: Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine« Christoph Schlingensief war der große Störenfried der deutschen Kultur. Filmemacher, Theaterregisseur, Aktionskünstler und Opernprovokateur in Personalunion. Wo andere auf Antworten setzten, stellte er Fragen. Laut, unbequem und oft mit einer gehörigen Portion anarchischen Humors. Mit Projekten wie »Chance 2000«, seinen radikalen Theaterabenden oder der Container-Aktion »Bitte liebt Österreich« sprengte er die Grenzen zwischen Kunst, Politik und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Schlingensief wollte sein Publikum aufrütteln, doch hinter all dem Krawall steckte ein sensibler Beobachter, der Ausgrenzung, Machtmechanismen und die Verletzlichkeit demokratischer Gesellschaften thematisierte. Seine Arbeiten pendeln zwischen Komik, Tragik und bewusstem Kontrollverlust. Auch 16 Jahre nach seinem Tod irritiert und begeistert Schlingensief. Er fordert dazu auf, die Welt nicht einfach hinzunehmen – was könnte aktueller sein?
Anne Frank Zentrum Rosenthaler Straße 39 10178 Berlin / Tel. 030-288 86 56 00 Di–So 10–18 Uhr annefrank.de »Alles über Anne« (MJ 1/2025)
Anoha Kinderwelt Fromet-und-MosesMendelssohn-Platz 1 10969 Berlin / Tel. 030-25 99 34 19 Di–Fr 9–16 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr jmberlin.de/anoha
Antikensammlung ↗ im Alten Museum ↗ im Neuen Museum ↗ im Pergamonmuseum
Anti-Kriegs-Museum Brüsseler Straße 21 13353 Berlin / Tel. 030-45 49 01 10 tgl. 16–20 Uhr anti-kriegs-museum.de
ArchenholdSternwarte Alt Treptow 1 12435 Berlin / Tel. 030-42 18 45 10 nur zu Veranstaltungen geöffnet planetarium.berlin, S. 80
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Bauhaus-Archiv
Museum für Gestaltung – The Temporary Knesebeckstraße 1–2 10623 Berlin / Tel. 030-254 00 20 Mo–Sa 10–18 Uhr bauhaus.de Während der Sanierung des Bauhaus-Archivs informiert The Temporary zum Bauhaus
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité Charitéplatz 1 10117 Berlin / Tel. 030-4 50 53 61 56 Di/Do/Fr/So 10–17 Uhr, Mi/Sa 10–19 Uhr bmm-charite.de »Horizontal – Das Krankenbett und die Welt im Liegen« (MJ 3/2026) bis 2.5.2027
Berliner U-Bahn-Museum Rossitter Platz 1 14053 Berlin Tel. 030-25 62 71 71 einmal monatlich 10.30–16 Uhr ag-berliner-u-bahn.de
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Berliner UnterweltenMuseum Brunnenstraße 105 13355 Berlin Tel. 030-49 91 05-17 nur über online gebuchte Touren zu besichtigen Info- und Buchshop Mo–So 10.30–16 Uhr berliner-unterwelten.de
Berlinische Galerie Alte Jakobstraße 124–128 10969 Berlin / Tel. 030-78 90 26 00 Mi–Mo 10–18 Uhr berlinischegalerie.de »Josef Kaiser. Bauen für die DDR«, (MJ 3/2026) bis 1.2.2027 »Jeewi Lee – Residual Memories«, S. 40, bis 5.4.2027
Bode-Museum Am Kupfergraben 1 10117 Berlin / Tel. 030-266 42 42 42 Di–Fr 10–17 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr smb.museum »Klangkörper – Variationen über ein Thema der Kunst«, S. 68 24.11.2026 bis 7.3.2027
Braun-Sammlung Ettel Elberfelder Straße 37 10555 Berlin Tel. 030-33 77 63 87 So/Mo 11–17 Uhr braundesignsammlung.de
Brecht-WeigelMuseum Archiv der Akademie der Künste Chausseestraße 125 10115 Berlin Tel. 030-200 57 18 44 Di–So, mehrmals tgl. bei Führungen zu besichtigen www.adk.de
Bröhan Museum Schloßstraße 1a 14059 Berlin / Tel. 030-32 69 06 00 Di–So 11–18 Uhr broehan-museum.de »Paperwork – Jumping He. Blackbox #18«, bis 1.11.2026 »Cesar Klein. Bild Raum Bühne«, S. 42 15.10.2026 bis 29.3.2027
Brücke-Museum Bussardsteig 9 14195 Berlin / Tel. 030-8390 0860 Mi–Mo 11–17 Uhr, jeder 3. Do im Monat 11–20 Uhr bruecke-museum.de »Draußen… Unter Kiefern« (MJ 3/2026) Künstlerisch-ökologischer Lehrpfad »Schwedische Moderne«, S. 64 9.11.2026 bis 28.2.2027
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www.museumsjournal.berlin