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Museumsjournal 01/2026

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INHALT Theo von Brockhusen, »An der Havel«, um 1912

PANORAMA BERLIN MODERN

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Dadasoph

Kommentar

Die Berlinische Galerie würdigt den österreichisch-deutschen Künstler Raoul Hausmann mit einer großen Retrospektive

Die langfristigen Auswirkungen der Berliner Sparpolitik

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Blickfang

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Geh doch nach… Tiergarten

Silke Krummel von der Agentur für Internationale Museumskooperation

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Momentaufnahme

Drei Fragen an…

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Tagesreise nach Schwerin Haus für Tradition und Moderne – das Staatliche Museum glänzt nach langjähriger Sanierung

Wie das Richtfest für das Berlin Modern gefeiert wurde

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Kolumne

News

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Personalien

Christoph Niemanns raumfüllender Wandteppich im Café von C/O Berlin

Schnörkellos-modernistischer Genuss im Hansaviertel

Beim Richtfest des Berlin Modern gab es erste Einblicke in den Rohbau

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Aus den Berliner Museen und Ausstellungshäusern

Museum der Wünsche

Neue Bücher Fünf Empfehlungen aus der Redaktion


JOHANNES VOGEL

Johannes Vogel mit der Kopie des Unterkiefers von dem Tyrannosaurus Rex Tristan Otto

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INTERVIEW 30 JAHRE HAMBURGER BAHNHOF

20 Generaldirektor Johannes Vogel über das Naturkundemuseum als Forschungsinstitution und Katalysator gesellschaftlicher Veränderungen

Hamburger Bahnhof Nationalgalerie der Gegenwart in der Invalidenstraße

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FOKUS

AUSSTELLUNGEN

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Rückblick und Ausblick

Pioniere der Avantgarde

Vor 30 Jahren wurde der Hamburger Bahnhof als Museum für Gegenwart eröffnet

Schlüsselwerke des deutschen Impressionismus im Museum Barberini 50

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Rauschhafter Farbauftrag

Momente der Wahrheit

Umfangreiche Werkschau für den Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff im Brücke Museum

Architekturen des Wissens und Formen kollektiver Erinnerung inspirieren das Werk der indischen Installationskünstlerin Shilpa Gupta

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Cornelia Parker

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im Kindl

Auf Anfang

75 Jahre Grundgesetz

Der Konzeptkünstler Saâdane Afif macht kunst- und kulturhistorische Bezüge zum Material seiner Zitatkunst 42

Akustische Systeme Im Werk von Annika Kahrs verschränken sich Musik und Kunst auf poetische und überraschende Weise

im Kunst-Raum Deutscher Bundestag

Gefühlsdinge Cover: Fotografie »Mechanischer Kopf. Der Geist unserer Zeit« von Raoul Hausmann, um 1920, Fotograf unbekannt

Mit ihrer fotografischen Malerei gibt die französisch-italienische Künstlerin Giulia Andreani vergessenen Frauen ein Gesicht

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Apokalypse auf Knopfdruck Im Alliiertenmuseum wird der Zusammenhang zwischen Spielkultur und Kaltem Krieg beleuchtet

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Erinnerungsforschung im Bildgedächtnis

in der Neuen Synagoge

RAOUL HAUSMANN

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Kreativer Widerstand Das FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum dokumentiert den Kampf einer politischen Bewegung um Anerkennung und Gerechtigkeit

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Körper als Medium Welchen Einfluss männliche Körperbilder auf die Kunst hatten und haben, zeigt eine thematische Gruppenausstellung im Georg Kolbe Museum

OSTDEUTSCHE GEGENWART

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Glibberige Konsistenz Hommage an den Schleim, eine unterschätzte Körperflüssigkeit, im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité

Sophie Kirchner, »Malte schwimmt im Meer«, Sassnitz 2022

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Grünes Berlin im Alice Museum für Kinder

Talente im Labyrinth Kindermuseum

Magie des Backens im Kindermuseum unterm Dach

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Selbstbestimmtes Ausstellen

Wilde Zeiten

Das Attentat Wie eine gescheiterte Verschwörung im Florenz der Renaissance die Macht der Medici stärkte, wird im Bode-Museum gezeigt 62

Aberglaube und Biometrie Eine künstlerische Bildgeschichte zu Gesichtserkennungstechnologien und ihren kulturellen Wurzeln von Sheung Yiu bei C/O Berlin

Filme und Filmausschnitte über die Umbruchphase 1990 im Museum Nikolaikirche

Die Alte Nationalgalerie zeigt, wie ein Skandalbild die Malerin Hermione von Preuschen in der Kaiserzeit zum Berliner Stadtgespräch machte

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Zukunft der Ozeane

Die Wiederentdeckung des spätimpressionistischen Malers Theo von Brockhusen im Potsdam Museum

im Futurium

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Apropos Zeit im Schloss Biesdorf

Goldrausch

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in der Galerie im Körnerpark

Mythologischer Ort

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Die Rätsel der jungsteinzeitlichen Tempelanlage Göbeklitepe in der James-Simon-Galerie

Konkret und geometrisch Ausstellung aus dem künstlerischen Nachlass von Horst Bartnig im Mies van der Rohe Haus 68

Was Sprache mit Sex zu tun hat Eine Schau über den Zusammenhang von sinnlicher Erfahrung und Medialität im Museum für Kommunikation

Märkisches Licht

Identitätssuche Ost Sophie Kirchner und Philipp Baumgarten reflektieren in ihren Fotografien die ostdeutsche Gegenwart im Museum in der Kulturbrauerei 74

Dystopische Gegenwart Über die komplexen Verflechtungen von Krieg, Technologie und Erinnerung erzählen die Installationen der ukrainischen Multimediakünstlerin Lesia Vasylchenko im Schinkel Pavillon 76

Demonstrantin für sexuelle Selbstbestimmung Als Künstlerin und Aktivistin sorgte Helga Goetze für Skandale, das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim präsentiert ihr künstlerisches Universum 78

Moderner Stil HORST BARTNIG

66 Horst Bartnig, »variation mit vier gleichen elementen auf grauem grund mit vier weißen quadraten komplementär gegenüber«, 1992

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Wie das Art Déco die Illustrationskunst der Zwischenkriegszeit beflügelte, zeigt eine Schau im Bröhan-Museum 79

Sammelleidenschaft Würdigung des Paares Dieter und Hilde Scharf anlässlich ihres hundertsten Geburtstags in der Sammlung Scharf-Gerstenberg


CONTRIBUTORS

EINBLICKE 80

Geschichtsträchtig Bislang übersehene künstlerische Positionen sind im Depot der Stiftung Archiv der Sozialen Künstlerförderung Berlins (SASK) zu entdecken 85

Venezianisch Nach aufwändiger Restaurierung präsentiert die Gemäldegalerie ein Bild des FrührenaissanceMeisters Vittore Carpaccio 86

Wunderbar und einmalig Institutionsübergreifendes Jahresprogramm im Humboldt Forum über die Vielfalt der Familie

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DOROTHEA SCHÖNE Dorothea Schöne ist seit 2014 Künstlerische Leiterin des Kunsthaus Dahlem. Nach einem Studium in Leipzig und internationalen beruflichen Stationen, unter anderem am Los Angeles County Museum of Art, promovierte die Kunsthistorikerin 2015 zur Berliner Nachkriegsmoderne. Ihre kuratorische Arbeit und Forschung wurden durch zahlreiche Stipendien und Preise ausgezeichnet, zuletzt mit dem The Americas Award for Art and Culture (2025). Sie kuratiert weltweit, war 2025 Gastkuratorin der BienalSur in Mexiko und ist unter anderem Vorstandsmitglied der Matschinsky-Denninghoff-Stiftung, des Berliner Museumsverbandes und der Axel Springer Stiftung. Mit der Ausstellung zu Emilio Vedova würdigt sie einen der wichtigsten Vertreter des italienischen Informel (Seite 88).

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Befreite Bilder

LUISA SEIPP

Wie Emilio Vedova Mitte der 1960er-Jahre die politischen Spannungen in der Mauerstadt verarbeitete, zeigt das Kunsthaus Dahlem

Die in Berlin lebende Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin Luisa Seipp promovierte 2021 an der University of London über die Münchner Pop Art. Sie realisierte Ausstellungen im Haus der Kunst in München, darunter eine Retrospektive zur Schweizer Künstlerin Heidi Bucher und eine Ausstellung des japanischen Künstlerkollektivs Dumb sowie das Performanceprogramm »Food« im Berliner Schinkel Pavillon. Gemeinsam mit Lina Luisa Krämer kuratierte sie hier auch die Ausstellung von Lesia Vasylchenko (Seite 74), deren Arbeiten persönliche und kollektive Traumata in neue Bildwelten und eine poetische Form des Widerstandes verwandeln. Seipp ist außerdem Co-Director von Ventana Projects, einer Berliner Kunstinitiative, die an wechselnden Orten temporäre Ausstellungen zeigt.

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Recherche für ein epochales Werk Das Audio-Archiv zu Claude Lanzmanns weltberühmtem Dokumentarfilm »Shoah« ist im Jüdischen Museum ausgestellt 91

Berichte Aus den Berliner Museen und Ausstellungshäusern 92

Schicksale und Bilder Eine Ausstellung zur wissenschaftlichen Erforschung der Provenienzen der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch in der Neuen Nationalgalerie 94

Sieben Sachen 96

Ausstellungskalender 108

Umgedreht 109

Abbildungsnachweis 110

Impressum

TILL FELLRATH Till Fellrath leitet seit 2022 gemeinsam mit Sam Bardaouil den Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Als kuratorisches Duo verantworteten sie unter anderem die Biennale de Lyon 2022, die Taipeh Biennale 2025 sowie verschiedene Länderpavillons der Venedig Biennale, darunter Frankreich (2022), Vereinigte Arabische Emirate (2019) und Libanon (2013). Gemeinsam möchten sie den Hamburger Bahnhof als offenen Ort des gesellschaftlichen Dialogs stärken, an dem Kunst unmittelbar mit dem Leben und der Stadt verbunden ist. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Museums für Gegenwartskunst zeichnet Fellrath die Entwicklung vom ehemaligen Bahnhofsgebäude bis zur jüngsten Institutionsgeschichte nach (Seite 34).


PERSONALIEN HAEGUE YANG

Vorstandsvorsitz des Kunst-Werke Berlin e. V. Haegue Yang ist seit September 2025 Vorstandsvorsitzende des Vereins Kunst-Werke Berlin. Die international renommierte südkoreanische Künstlerin tritt damit die Nachfolge von Katharina Grosse an, die das Amt vier Jahre ausübte. Yang lebt und arbeitet derzeit in Berlin und Seoul und unterrichtet an der Städelschule in Frankfurt am Main. Sie ist vor allem für raumgreifende Installationen und performative Skulpturen bekannt. Ihre Kunst wird in institutionellen Einzelausstellungen weltweit gezeigt. Zum Vorstand gehören die Juristin und Kulturvermittlerin Paula Macedo Weiß, die Unternehmerin Katharina Kurz sowie die Wissenschaftlerin und Kuratorin Mi You.

FRANZISKA SCHMIDT

Leitung der kommunalen Galerien in Tempelhof-Schöneberg

Im Oktober 2025 hat Franziska Schmidt die Direktion der kommunalen Galerien in Tempelhof-Schöneberg mit den Standorten »Haus am Kleistpark« und »Galerie im Tempelhof Museum« übernommen. Sie folgt auf Barbara Esch Marowski. Schmidt arbeitete unter anderem für das Museum für Photographie in Braunschweig, die Abteilung Fotografie beim Berliner Auktionshaus Grisebach und war kommissarisch für die Galerie Parterre in Pankow verantwortlich. Die Kunst- und Fotohistorikerin kündigte an, das Haus am Kleistpark sowie die Galerie im Tempelhof Museum als »Orte für Fotografie und Kunst« weiterzuentwickeln.

VASYL CHEREPANYN

Kurator der 14. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst Der promovierte Philosoph wurde 1980 in Iwano-Frankiwsk in der Ukraine geboren und lebt in Berlin. 2008 gehörte er zum Gründungskreis des Visual Culture Research Center (VCRC), welches die Kyiv Biennale organisiert. Das VCRC ist zudem Gründungsmitglied der East Europe Biennial Alliance. Cherepanyn lehrt an Universitäten in Kiew, Warschau, Helsinki, Greifswald und Frankfurt/Oder. In seinem kuratorischen Ansatz konzentriert er sich auf kollektive künstlerische Unternehmungen, die stark mit sozialen Kontexten und ihren urbanen Umgebungen verbunden sind. Die 14. Berlin Biennale findet im Sommer 2027 statt.

LUC PAQUIER

Leiter des Institut français Berlin

Im September 2025 hat Luc Paquier die Leitung des Institut français am Kurfürstendamm übernommen. Er folgt auf Sophie Coumel. Der gebürtige Franzose und Kulturmanager war zuvor der künstlerische Leiter des Centre Français de Berlin und Produktionsleiter für europäische Performance-Künstler. Paquier möchte künftig engere Verbindungen zu den Wissens-, Theorie- und Performanceszenen der Hauptstadt knüpfen. Der programmatische Fokus soll auf gesellschaftliche und ökologische Themen ausgerichtet und das Institut als Ort des Austauschs und der Reflexion sichtbar werden.

JULIA SPOHR

Leiterin der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand Die Historikerin Julia Spohr übernimmt zum 1. Januar 2026 das leitende Amt der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Damit löst sie Johannes Tuchel ab, der nach langjähriger Praxis in den Ruhestand tritt. Spohr verfügt über eine umfassende Expertise in der Gedenkstättenarbeit, wo sie besonders im Kontext von Vermittlungs- und Erinnerungsarbeit innovative Impulse setzte. Als stellvertretende Geschäftsführerin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit war sie bei der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft tätig. Zuletzt leitete sie die Geschäftsstelle der Deutschen Digitalen Bibliothek in Berlin.


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Fragen an SILKE KRUMMEL Die neugegründete Agentur für Internationale Museumskooperation mit Sitz in Berlin will Museumsfachleute unterstützen, die an internationalen Ausstellungs- und Kooperationsprojekten arbeiten. Als Teil der Auswärtigen Kulturpolitik soll mithilfe der Einrichtung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen verbessert werden. Die Kulturmanagerin und und Organisationsentwicklerin Silke Krummel ist seit Februar 2024 Geschäftsführerin und Sprecherin der Geschäftsführung der Museumsagentur.

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Die Agentur für Internationale Museumskooperation wurde gegründet, um die internationale Sichtbarkeit deutscher Museen zu stärken und den globalen Austausch zu fördern. Deutschland verfügt über eine außergewöhnlich vielfältige Museumslandschaft. Über 7000 Museen leisten exzellente Arbeit. Allerdings sind internationale Museumsprojekte komplex. Bisher fehlte eine zentrale Anlaufstelle. Hier setzen wir an: Wir sind Dienstleisterin, Ansprech-, und Sparringspartnerin für Museen, die länderübergreifend kooperieren wollen – von der ersten Kontaktanbahnung bis zur konkreten Projektunterstützung. Die Angliederung der Museumsagentur beim Auswärtigen Amt ergibt sich aus dessen Zuständigkeit für die auswärtige Kulturpolitik. Sie wurde als gemeinnützige, bundeseigene Gesellschaft gegründet und die Bundesländer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Bundesministerium für Finanzen sind im Aufsichtsrat vertreten.

Die Agentur richtet sich in erster Linie an Museumsfachleute in Deutschland, aber auch an internationale Häuser, die mit deutschen Museen zusammenarbeiten möchten. Viele Herausforderungen unserer Zeit sind nur zu lösen, indem wir kooperieren, auch über Ländergrenzen hinweg. Um Menschen, Ideen und Museen zu verbinden, verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Auf der einen Seite mit Beratungs- und Vernetzungsangeboten. Das beinhaltet konkrete Unterstützung für Museumsteams – von individueller Beratung über Fortbildungen bis zur Übernahme koordinierender Aufgaben. Dies wird durch Förderangebote ergänzt, um für die Umsetzung auch Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Unsere erste Ausschreibungsrunde ist gerade gestartet. Ergänzend stellen wir mit unseren »Community Resources« und den »Museum Mutuals« Inspirationen und praktische Informationen zur Konzeption und Umsetzung internationaler Kooperationen bereit. Wir wollen Museen als B2B-Partner stärken, damit sie über ihre Geschichten mit der Welt in Dialog treten können.

Wir sind in der Gründungsphase mit wichtigen Pilotprojekten gestartet: Zum Beispiel unsere Arbeit mit Obmin, einem Verbund von rund 150 ukrainischen Museen. Wir stärken damit die Vernetzung und den fachlichen Austausch von Museumsmitarbeitenden. Museen sind wichtige Akteure in Krisenzeiten und leisten einen relevanten Beitrag zu gesellschaftlicher Resilienz. Ein zentraler Bestandteil unseres Angebots sind zudem Dialog- und Recherchereisen mit unterschiedlichen fachlichen und regionalen Schwerpunkten, wie aktuell nach Istanbul zum Thema »Expanding Audience Engagement and Dialogue in Contemporary Art between Germany and Türkiye«, also »Erweiterung des Publikumsdialogs und der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst zwischen Deutschland und der Türkei«. Diese sollen gegenseitigen Wissensaufbau ermöglichen, potenzielle Partner können sich persönlich kennenlernen und konkrete Projekte anbahnen. Wenn Institutionen sich finden und das »Match« stimmt, wenn die Strategie passt und aus einer Idee Wirklichkeit wird, aus den Sammlungen etwas Neues entsteht und am Ende das Publikum über gemeinsam entwickelte Ausstellungen überraschende Perspektiven und Geschichten kennenlernt – dann ist das für uns ein Erfolg.

Warum wurde die Museumsagentur Ende 2023 gegründet und weshalb ist sie beim Auswärtigen Amt angegliedert?

Welche Aufgaben und Ziele verfolgt die Agentur für Internationale Museumskooperation?

Welches konkrete Projekt steht Ihrer Meinung nach exemplarisch für die Vision der Museumsagentur?

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INTERVIEW


In der ornithologischen Sammlung des Naturkundemuseums befinden sich gut 90 Prozent der weltweit existierenden Vogelarten. 7000 Exemplare sind lebensnah auf Ständern montiert. Ein Teil davon ist in der Sonderausstellung »Zugvögel« zu sehen

JOHANNES VOGEL über das Museum für Naturkunde Berlin


Johannes Vogel Der Experimentalbiologe und Genetiker leitet die bedeutendste naturkundliche Sammlung Deutschlands. Nach seiner Promotion an der University of Cambridge arbeitete Vogel ab 1995 am Natural History Museum in London, wo er von 2004 bis 2012 Chefkurator der botanischen Abteilung war. Er ist Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität Berlin und Präsident der European Citizen Science Association, einer 2014 gegründeten Organisation, deren Ziel die Demokratisierung von Wissenschaft ist. Als Generaldirektor hat er das Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung seit 2012 strategisch neu ausgerichtet.


INTERVIEW

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»Wir wollen die Welt retten«

Ein Gespräch mit dem Generaldirektor des Museums für Naturkunde JOHANNES VOGEL über Wissenschaftsskepsis, Artensterben, Klimawandel und warum er trotzdem optimistisch in die Zukunft blickt 23


Wahrheit und Wirklichkeit Im Spannungsfeld von Macht und Manipulation zielt die Kunst von SHILPA GUPTA auf die Mechanismen der Gewalt und spürt widerständigen Gesten nach

Shilpa Gupta, »Untitled«, 2017-2018


30 JAHRE HAMBURGER BAHNHOF

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hilpa Gupta arbeitet mit einer Vielzahl von Medien – darunter Skulpturen, immersive Installationen, Fotografie, Klang und Performance. Ihre künstlerische Praxis zeigt, wie Kunst soziale Erfahrungen nicht nur abbildet, sondern auch hinterfragt und die Mechanismen gewaltsamer Systeme sichtbar macht. Geboren 1976 in Mumbai, wo sie bis heute lebt und arbeitet, nimmt Gupta geografische, sprachliche, kulturelle und politische Grenzen als Ausgangspunkt, um deren Einfluss auf die Verbreitung von Informationen und die Formung kollektiver Erinnerung zu untersuchen. In der Ausstellung treten ihre Installationen in einen Dialog mit Arbeiten von Joseph Beuys aus der Sammlung des Museums. Im Mittelpunkt steht die großformatige Installation »Truth« (2025), die sich aus monumentalen Betonlettern zusammensetzt und so eine architektonische Umgebung schafft, die betreten und durchlaufen werden kann. Die Materialität des betongrauen Werks steht im Kontrast zur suggerierten Instabilität des Begriffs. Die Installation, die nur aus bestimmten Blickwinkeln lesbar ist, erinnert daran, dass das, was als wahr gilt, stets in Relation zu Position, Kontext und Perspektive steht und letztlich gesellschaftlich konstruiert ist. Auch »StillTheyKnowNotWhatIDream« (2021) – eine Fallblattanzeigen-Installation, die als 35-minütiger Loop präsentiert wird – greift diese Thematik auf. Eine Reihe kurzer Zeilen bewegt sich in regelmäßigen, rhythmischen Abständen über die Anzeigen der Tafeln. Ihr mechanisches Umblättern weckt die Erwartung auf das Nachfolgende und setzt die gleichzeitige An- und Abwesenheit von Informationen ins Bild. Jede Zeile bezieht sich auf Dialoge der Künstlerin mit Wissenschaftler*innen, Philosoph*innen

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und Historiker*innen und reflektiert, wie ungleichmäßig Wissen zirkuliert und wie Interpretationen durch Kontext, Erwartungen und vorgefasste Meinungen beeinflusst werden. Auch hier untersucht Gupta das Spannungsfeld zwischen direkter sinnlicher Wahrnehmung und den komplizierten, oft selektiven Prozessen, wie Informationen aufgenommenn und gedeutet werden. So entsteht ein Nachdenken über Aufmerksamkeit, Interpretation und die ethischen Herausforderungen der Wissensvermittlung im Zeitalter der polarisierenden Informationsflut. Die Installation »Someone Else – A library of 100 books written anonymously or under pseudonyms« (2011) präsentiert eine Bibliothek mit Büchern, deren Urheberschaft bewusst verschleiert wurde, und lenkt den Blick auf die historischen und sozialen Umstände, die Schriftsteller*innen zwangen, ihre Identität zu verbergen. Pseudonyme halfen, gesellschaftlichen Vorurteilen, politischer Zensur oder kulturellen Zwängen zu entgehen. Jedes Buch deutet auf eine Wahrheit, die nicht offen ausgesprochen werden darf. Die Sammlung konstruiert eine Bibliothek des Schweigens und verheimlichter Identität. Sie wird so zu einem Archiv der Widerstandsfähigkeit, das die Beharrlichkeit derer dokumentiert, die trotz der ihnen auferlegten Zwänge schreiben. »100 Hand Drawn Maps of My Country« (2008–fortlaufend) besteht aus Kohlezeichnungen auf Papier, die von Teilnehmenden aus Städten wie Mumbai, Cuenca, Tel Aviv, Jerusalem, Gwangju, Seoul, Cheorwon, Montreal und verschiedenen Regionen Italiens angefertigt wurden. Die Mitwirkenden wurden gebeten, aus dem Gedächtnis eine Landkarte zu zeichnen, wodurch persönliche Interpretationen statt präziser

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AUSSTELLUNGEN


Aufbruch in die Moderne Die IMPRESSIONISTISCHE BEWEGUNG in Deutschland war offen für französische Impulse und international geprägt

Max Liebermann, »Simson und Delila«, 1902 sowie Maria Slavona, »Stillleben vor rotem Hintergrund«, 1911 (vorherige Doppelseite)


BARBERINI

Lesser Ury, »Café König bei Nacht (Unter den Linden)«, 1925/1930

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ouverän setzte sich Max Liebermann über die engen Vorstellungen der kaiserlichen Kunstpolitik hinweg. Damit wurde der Maler um die Jahrhundertwende zum Vorbild für viele Künstlerinnen und Künstler in Deutschland. Als Präsident der Berliner Sezession und der Preußischen Akademie der Künste trug er maßgeblich zur Internationalisierung des Kunstbetriebs bei. Sehr früh sammelte er französische Impressionisten, weil diese für ihn der Maßstab der zeitgenössischen Kunst waren. Liebermann begleitete den damaligen Direktor der Nationalgalerie in Berlin, Hugo von Tschudi, nach Paris und beriet ihn bei seinen Ankäufen. Die erste Präsentation französischer Impressionisten in Deutschland fand im Oktober 1883 in Berlin statt. Die Galerie Fritz Gurlitt zeigte sechzehn Gemälde von Édouard Manet, Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley, darunter allein zehn Werke aus dem Besitz des Sammlerpaars Carl und Felicie Bernstein. Dem folgten in den 1890er-Jahren Ausstellungen in München und Weimar. Um die Jahrhundertwende stellten die Berliner Sezession und die Galerie Paul Cassirer regelmäßig Gemälde der Impressionisten aus, die selbst in Frankreich noch als skandalös empfunden wurden. Mit über 130 Werken aus mehr als 60 internationalen Sammlungen widmet das Museum Barberini dem Impressionismus in Deutschland eine der größten Ausstellungen ihrer Art. »Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland« präsentiert neben Schlüsselwerken von fest im Kanon verankerten Malern wie Lovis Corinth, Max Liebermann, Max Slevogt oder Fritz von Uhde auch Arbeiten weniger bekannter Künstler, darunter Philipp Franck, Theodor Hagen, Friedrich Kallmorgen, Gotthardt Kuehl, Christian Landenberger, Heinrich Eduard Linde-Walther, Ernst Oppler, Franz

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Skarbina, Lesser Ury, Max Uth und Heinrich von Zügel. Darüber hinaus wirft die Schau ein Schlaglicht auf den noch immer vernachlässigten Beitrag der Frauen zur Entwicklung des deutschen Impressionismus – dazu zählen Charlotte Berend-Corinth, Emilie von Hallavanya, Dora Hitz, Sabine Lepsius, Maria Slavona und Eva Stort. Diese Malerinnen konnten sich bereits im konservativen Kaiserreich künstlerisch behaupten und tragen heute entscheidend zu einem erweiterten Verständnis der Bewegung bei. Die Leihgaben stammen aus bedeutenden deutschen wie internationalen Sammlungen, darunter die Alte Nationalgalerie in Berlin, die Galerie Neue Meister in Dresden, das Folkwang Museum in Essen, das Städel Museum in Frankfurt am Main, die Hamburger Kunsthalle, die Neue Pinakothek in München, das Musée d’Orsay in Paris und das Belvedere in Wien. Max Liebermann trug als Künstler, aber auch als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor entscheidend zum deutschen Impressionismus bei. Der jüdische Maler war eine mutige Stimme für Fortschritt und Internationalität im erzreaktionären und chauvinistischen Klima des Kaiserreichs. Sein Engagement war ausschlaggebend, dass sich die deutsche Kunst der französischen Moderne öffnete – sehr zum Missfallen Kaiser Wilhelms II. Liebermann war auch international anerkannt: Anlässlich der Pariser Weltausstellung 1889 erhielt er eine Ehrenmedaille, wurde in die Société des Beaux-Arts und 1896 in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Seine Villa am Wannsee, mit prachtvollem Garten nach dem Vorbild Monets in Giverny, wurde zum Symbol seiner Kunst – und ist heute zugleich ein kulturelles und politisches Mahnmal. Liebermann starb zwei Jahre nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten, die der Entwicklung der modernen Malerei in Deutschland ein jähes Ende setzte. Seine Witwe Martha Liebermann beging 1943 wenige Tage vor ihrer geplanten Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt Suizid. Ihre Tochter Käthe und die junge Enkelin Maria waren bereits 1938 in die USA geflohen. Liebermanns umfangreiche Sammlung zur Malerei des französischen Impressionismus ist heute in alle Winde verstreut und befindet sich zu großen Teilen jenseits des Atlantiks. Mit Werken von über zwanzig Künstlerinnen und Künstlern reflektiert die Ausstellung die enorme Vielfalt der impressionistischen Bewegung in Deutschland und schlägt dabei einen chronologischen Bogen von den 1880er- bis in die 1930er-Jahre. Technische Innovationen, neue Kommunikationsmittel und wissenschaftlicher Fortschritt beförderten eine künstlerische Aufbruchsstimmung. Der unter freiem Himmel erprobte impressionistische Malstil steht mit seinen Themen der modernen Großstadt oder des bürgerlichen Freizeitverhaltens paradigmatisch für diese Epoche der Neuerungen. Text ORTRUD WESTHEIDER, Direktorin

Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland 28. Februar bis 7. Juni 2026 Museum Barberini museum-barberini.de

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Karl Schmidt-Rottluff, »Im Atelier«, 1950

umliegenden Landschaft sowie des täglichen Lebens, etwa das Selbstporträt »Im Atelier« (1950), das mit seiner reduzierten Formensprache und kraftvollen Farbgebung charakteristisch für sein Spätwerk ist. Mit achtzig Jahren musste der Künstler 1964 das Arbeiten mit Öl aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Im selben Jahr initiierte er die Gründung eines Museums, das der Brücke-Künstlergruppe gewidmet sein sollte und überließ dem Land Berlin 75 Werke. Das Brücke-Museum wurde 1967 eröffnet. Fast zehn Jahre später, am 10. August 1976, starb Schmidt-Rottluff in Berlin. Heute bewahrt das Brücke-Museum die größte Sammlung zu Schmidt-Rottluff und ist zudem Sitz der Karl und Emy SchmidtRottluff Stiftung, in deren Auftrag derzeit an einer Neufassung des Gemälde-Werkverzeichnisses des Künstlers gearbeitet wird. Im Zuge der großen Sammlungsschau werden auch Einblicke in diese Forschungsarbeit gegeben. Schmidt-Rottluff verlieh im Zusammenspiel von intensiven Farben und bewusster Formvereinfachung seinen Werken eine emotionale Kraft, die bis heute spürbar ist. Text LUNA WEIS, Assistenzkuratorin und Projektleitung

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»Immer wieder muss die Welt neu gesehen werden« – Malerei von Karl Schmidt-Rottluff bis 15. Februar 2026 Brücke-Museum bruecke-museum.de


AUSSTELLUNGEN

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75 JAHRE GRUNDGESETZ im Kunst-Raum Deutscher Bundestag

Cornelia Parker, »Cloudburst«, 2012

CORNELIA PARKER im KINDL Cornelia Parker verwandelt das monumentale Kesselhaus in eine ortsspezifische Installation von eindringlicher Präsenz. »Stolen Thunder (A Storm Gathering)«, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Graeme Miller, basiert auf Recherchen zu Wetterphänomenen sowie deren medialer und kultureller Archivierung. Parker inszeniert den Raum mit einer vielschichtigen Klang- und Lichtkomposition und nutzt eine zentrale Lichtquelle, die Schattenbilder erzeugt – eine subtile Hommage an den deutschen Expressionismus und die Bewegung »Der Sturm«. Die immersive Arbeit reflektiert die unberechenbare Macht der Natur in einer Gegenwart politischer Instabilität – eine kraftvolle Metapher für unsere Zeit. »Stolen Thunder (A Storm Gathering)«, bis 24. Mai 2026, Kindl – Zentrum für Zeitgenössische Kunst, kindl-berlin.de Schofar-Horn aus der Synagoge Rykestraße, Berlin

19 nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler setzen sich anlässlich des 75. Jubiläums des Grundgesetzes mit einzelnen Grundrechten auseinander – darunter Monica Bonvicini, Kubra Khademi, Tobias Zielony und Harald Hauswald. Ergänzend hat Barbara Wrede gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ein Jahr lang kreative Beiträge zu den Begriffen Freiheit und Würde entwickelt, die hier ebenfalls eine Bühne finden. Die Ausstellung, initiiert durch den Kunstbeirat des Deutschen Bundestages, bildet so eine Spannbreite vielfältiger Zugänge, die die Bedeutung der Grundrechte sowie die Rolle staatlicher Ordnungsprinzipien für das Zusammenleben reflektieren und an die historischen Umstände erinnern, unter denen das Fundament der deutschen Demokratie geschaffen wurde. »Wir. 19 Grundrechte. 19 künstlerische Positionen. Ein Gesprächsraum«, bis 21. Juni 2026, Forum Kunst im Bundestag, kunst-im-bundestag.de Artikel 11 GG: Said Baalbaki, »Heimat ist kein Souvenirshop«, 2024

LEBENDIGE ERINNERUNG in der Neuen Synagoge Wie tragen Objekte Erinnerungen und Emotionen in sich, welche Fragen bewegen jüdische Gemeinschaften heute – und welche Rolle spielen Museen als Resonanzräume? Die Ausstellung »Gefühlsdinge« rückt Exponate des Centrum Judaicum ins Licht, deren Geschichten durch Shoah und Krisen verschüttet wurden. In Workshops mit der jüdischen Stadtgesellschaft wurden sie neu entdeckt und mit persönlichen Erinnerungen verknüpft. Ein Highlight ist der 360°-Animationsfilm »Die Verwandlung«, der die verbindende Kraft von Objekten für Gemeinschaften beleuchtet und den zerstörten Hauptgebetssaal virtuell rekonstruiert. Mit einem multisensorischen Ansatz wird jüdische Geschichte interaktiv vermittelt. Es zeigt sich, dass kulturelles Erbe nicht nur bewahrt, sondern immer wieder neu interpretiert werden muss. »Gefühlsdinge. How to Listen to Objects«, bis 12. April 2026, Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, centrumjudaicum.de

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Rhythmische Arithmetik Aus dem Spiel mit Systematik, Varianz und Unterbrechungen schöpfte HORST BARTNIG seine geometrisch-mathematischen Bilder

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as Mies van der Rohe Haus widmet dem 2025 verstorbenen Künstler Horst Bartnig eine sorgfältig komponierte Auswahl aus seinem Nachlass, die Einblicke in das Werk eines der bedeutendsten Vertreter konkreter Kunst in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland gibt. Die Schau vereint Arbeiten aus sechs Jahrzehnten – von den frühen, noch tastenden Schritten der Abstraktion bis zu den späten, hochkomplexen Systemen von Form, Farbe und Struktur. Für Bartnig war das kleine Haus am Obersee über Jahrzehnte ein vertrauter Ort: 1994 und 2003 präsentierte er hier zwei Einzelausstellungen. Mit der Retrospektive knüpft das Haus an diese enge Verbindung an. In der Intimität der drei Räume entfaltet sich eine konzentrierte Schau, die Werk und Denkweise Bartnigs anhand von Arbeiten aus dem Nachlass erfahrbar macht. Ein Nachlass ist stets mehr als künstlerische Hinterlassenschaft – er trägt die Aura des Schöpferischen in sich und erlaubt, Werke zu zeigen, die den Künstler jahrzehntelang umgeben haben. Die Ausstellung legt den Fokus auf drei zentrale Werkgruppen: die »Quadratbilder«, »Variationen« und »Unterbrechungen«, ergänzt durch frühe Arbeiten, die erstmals öffentlich gezeigt werden. Horst Bartnig wurde 1936 in Militsch, Schlesien, geboren. Nach einer Malerlehre studierte er ab 1954 Bühnenmalerei an der Fachschule für angewandte Kunst in Magdeburg. Das intensive Naturstudium weckte in ihm Zweifel an der gegenständlichen Malerei. In den 1960er-Jahren löste sich Bartnig Schritt für Schritt von der realistischen Ästhetik. Sein Freund, der Bühnenbildner Achim Freyer, bestärkte ihn darin, die Gegenständlichkeit hinter sich zu lassen. 1964 wandte sich Bartnig schließlich voll und ganz der konkreten Kunst zu. Später nannte er diesen Moment eine persönliche Befreiung. Im selben Jahr fiel ihm der elfte Band der Bauhausbücher, Kasimir Malewitschs »Die gegenstandslose Welt« (1927), in die Hände, in dem Malewitsch seine »Theorie des additionalen Elementes der Malerei« entwickelt. Diese Lektüre prägte Bartnigs

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Auseinandersetzung mit mathematischen und systematischen Formfragen und ließ ihn Gestaltung als Denkprozess begreifen. Die Ausstellung zeigt die frühe Beschäftigung des Künstlers mit Erweiterbarkeit bis hin zu komplexen Variationen. Die »Variationen« sind potenziell unendliche Kombinationen geometrischer Formen, in denen bald auch Farbe als aktivierendes Element hinzutritt. In der Wiederholung gleicher Strukturen wird die Veränderung der Farbe zum eigentlichen Bewegungsmoment: »Das Bild wird zum Instrument des Sehens«, so Bartnig. Ab den 1970er-Jahren arbeitete Bartnig interdisziplinär mit Mathematikern und Physikern zusammen. Mit dem Physiker Paul Koch entwickelte er ein arithmetisches System, das alle Variationen von Form und Farbe berechenbar machte. 1979 nutzten sie erstmals den sowjetischen Großrechner BESM-6 am Zentralinstitut für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof. Die computergenerierten Grafiken wurden für Bartnig zur Grundlage für zahlreiche Gemälde. Doch ging es ihm nie um die Visualisierung mathematischer Gesetze – er wollte den Betrachter durch eine Kunst, die Denken und Sehen gleichermaßen fordert, aktivieren. Mit bemerkenswerter Konsequenz entwickelte er sein Werk unter den kulturpolitischen Bedingungen der DDR kontinuierlich weiter. 1987 kam es für Bartnig zu entscheidenden Begegnungen: Auf einer Auslandsreise des Deutschen Theaters, wo er als Bühnenmaler tätig war, traf er in Zürich Richard Paul Lohse, dessen Werk und Haltung prägend für ihn waren. Auch Max Bill begegnete er mehrfach persönlich, so 1994, anlässlich dessen Ausstellung im Mies van der Rohe Haus. Bartnigs Werk stand den Zürcher Konkreten inhaltlich nah, doch blieb seine Rezeption infolge der kulturellen und institutionellen Bedingungen der DDR weitgehend beschränkt. Dennoch arbeitete Bartnig unbeirrt an denselben Fragen: Bills Ideen zur »mathematischen Denkweise in der Kunst unserer Zeit« fanden in Bartnigs Werk eine klare Entsprechung: »Meine Malerei gehört in den Bereich des Denkens.«


MIES VAN DER ROHE HAUS

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Hommage an Horst Bartnig (1936-2025) – Ausgewählte Werke aus dem Nachlass bis 15. März 2026 Mies van der Rohe Haus Berlin miesvanderrohehaus.de

Seit Mitte der 1980er-Jahre entstand Bartnigs zweite große Werkgruppe, die »Unterbrechungen«. Diese Arbeiten – feine, computergestützte Drucke oder Gemälde aus streng vertikal gesetzten Linien, die durch rhythmische Leerstellen gebrochen sind – zeigen den Übergang von Ordnung und Struktur zu Bewegung. Das Auge folgt den Linien, stolpert über die Unterbrechungen und wird so Teil des künstlerischen Prozesses. Die Leerstelle, vergleichbar mit der Pause in Musik, erhält eine gewichtige Präsenz. Wo in den »Variationen« die Systematik dominiert, öffnet sich hier der Raum des Rhythmischen. Bartnig war dem Mies van der Rohe Haus eng verbunden. In der ersten Ausstellung 1994 zeigte er seine »Variationen 70 → 1 → 70« (1993), bestehend aus 70 Leinwänden à 50 × 50 cm, die nicht wie üblich als zusammenhängendes System präsentiert, sondern im gesamten Haus verteilt waren – eine Installation, die das Gebäude zum Teil des Werks machte. Nachdem das Haus Lemke 2003 nach Originalplänen Mies van der Rohes aufwändig saniert worden war, schuf Bartnig eigens für die Räume neue »Unterbrechungen«. Über Jahrzehnte blieb Bartnig dem Haus am Obersee als Künstler, Denker und Freund verbunden. Drei Jahrzehnte später kehren ausgewählte Arbeiten aus Bartnigs Nachlass, die exemplarisch für sein Frühwerk und die zentralen Werkgruppen seines Œuvres sind, an jenen Ort zurück, dessen klare Architektursprache sein Denken geprägt hat. Das Mies van der Rohe Haus wird erneut zum Resonanzraum seines Werks – als Ort des Denkens, der Wahrnehmung und der konkreten Kunst. Text ZSÓFIA KELM, Kuratorin Horst Bartnig, »12 unterbrechungen in weiß, streifen in 2 farben (grün u. gelb), untergrund grau (I.)«, 2004

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Laut, politisch und unbequem HELGA GOETZE demonstrierte für die sexuelle Selbstbestimmung der Frau und trug ihre pazifistische, feministische Kunst in den Berliner Stadtraum

Helga Goetze, »Meine eigene Geschichte«, 1984


MUSEUM CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF

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Helga Goetze.

Weibliches Wesen, geistig vielseitig interessiert, sucht bis 15. März 2026 Museum CharlottenburgWilmersdorf in der Villa Oppenheim villa-oppenheim-berlin.de

Helga Goetze mit Publikum 1988

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elga Goetze war im West-Berlin der 1980er-Jahre eine Berühmtheit: Fast täglich war sie auf dem Breitscheidplatz anzutreffen, wo sie lautstark und ungefragt ihre Botschaften verbreitete, am bekanntesten: »Ficken ist Frieden.« Mit Stickarbeiten und Parolen, in Gedichten und Gesängen folgte sie ihrer utopischen Überzeugung, die sexuelle Befreiung der Gesellschaft würde die Welt besser und friedlicher machen. Vehemenz und Ausdauer begleiteten ihre Positionierung. »Ich störe gerne«, sagte sie über sich selbst. Von der Polizei mit Platzverweisen belegt, von feministischen Gruppen oft abgelehnt, eroberte sie sich dennoch beharrlich ihren Platz in der Inselstadt. 1983 schrieb die feministische Zeitschrift »Courage« über die damals 61-Jährige: »Eine Annäherung an Helga Goetze scheint auf den ersten Blick unmöglich.« Dennoch wurde ein Interview mit Goetze veröffentlicht, die an der Gedächtniskirche »als ältere Frau auf der Straße steht und jedem/jeder das Wort ›Ficken‹ wohlartikuliert um die Ohren schreit«. Mit ihren provokanten Aktionen war Goetze eine unübersehbare und gleichzeitig oft genug umgangene Figur im Stadtbild. Die Ausstellung in der Villa Oppenheim eröffnet verschiedene Zugänge zu einer Person, die sich keiner Bewegung, keiner Kunstszene und keiner Generation vollständig zuordnen lässt. Die Irritationen und Verunsicherungen, die Goetze mit ihrer Präsenz auslöste, bilden den Ausgangspunkt. »Weibliches Wesen, geistig vielseitig interessiert, sucht«: Der Ausstellungstitel gibt den Text der Anzeigen wieder, die Goetze auf der Suche nach Männerbekanntschaften in Zeitungen und Zeitschriften aufgab. Bei ihrem ersten großen TV-Auftritt 1973 erklärte sie dem Publikum, wie sie nach einem »sexuellen Erweckungserlebnis« ihr Leben radikal geändert hatte. Ihr Eintreten für ein enttabuisiertes weibliches Begehren, mit dem sie selbstbewusst die Rollenzuschreibungen als Hausfrau, Ehefrau und Mutter zurückwies, fand ein großes mediales Echo. Nach dem Bruch mit ihrer Familie zog sie 1978 nach West-Berlin, dem Ort der politischen Experimente und der subkulturellen Nischen – zunächst nach Kreuzberg, dann nach Charlottenburg, wo sie ihre Wohnung in der Schlüterstraße 70 zur »geni(t)alen Universität« erklärte. Hier entwickelte sie ihre künstlerischen Ausdrucksformen, stickte und dichtete, korrespondierte und dokumentierte ihr Leben und ihre Lektüren. Von hier aus brach sie fast täglich zu ihren Mahnwachen auf und machte sich einen Namen als »unvermeidlicher Störfaktor«. Anfangs suchte

sie wechselnde Orte auf, an denen Menschen zusammenkamen – Trödelmärkte, Heimspiele der Hertha, politische Kundgebungen. Ab 1983 eroberte sie ihren Platz an der Gedächtniskirche, den sie bis ins Alter besetzte. An guten Tagen bewegte sie sich »wie eine Königin durch den Kudammrummel«, hielt sie in ihren Aufzeichnungen fest. Nach ihrem Tod im Jahr 2008 setzte sich ihr Freundeskreis für die Übergabe des schriftlichen Nachlasses an das FFBIZ – das feministische Archiv ein. Die Helga-Goetze-Stiftung im Stadtmuseum Berlin bewahrt ihren künstlerischen Nachlass. Beide Einrichtungen haben die aktuelle Präsentation mit Leihgaben ermöglicht. Die Ausstellung greift Goetzes Wirkung als bewusste Störung und Sichtbarmachung gesellschaftlicher Normen auf und lotet die politischen und künstlerischen Spielräume dieses Störgefühls aus. Goetzes Werke durchkreuzen die Säle der historischen Kunstsammlung Charlottenburg mit ihren Werken des 19. Jahrhunderts und der Berliner Secession. Die Autodidaktin stickte, um sich künstlerisch auszudrücken und ihre sexuelle Selbstbestimmung zu feiern. Wurden textile Handarbeiten traditionell mit Weiblichkeit verknüpft und die Stickerin mit bürgerlichen Idealen von Sittsamkeit, zeigen Goetzes Stickarbeiten stattdessen lustvolle Welten. Während ihrer Mahnwachen trat sie in bestickter Kleidung auf und arbeitete an neuen Werken, womit sie heute Bewegungen nahesteht, die textile Praktiken politisch neu besetzen und für feministische Raumaneignungen nutzen. Auch in ihrem Aktivismus blieb Goetze Einzelkämpferin und bahnte sich einen eigenen Weg im Kampf für sexuelle Befreiung. Dass dieser auch den Rahmen der Frauen-Sommer-Universitäten sprengte, die der Neuen Frauenbewegung eine wichtige Plattform boten, brachte Ärger für die »primäre Tabubrecherin«, wie sie sich selbst sah. Die Neuinterpretation einer Helga-Goetze-Weste durch das Kunstkollektiv Threads&Tits bildet den Ausgangspunkt in einer Videoinstallation von Poligonal. Darin positionieren sich die Künstler*innen und Theoretiker*innen Adrian Blount, Zuzanna Czebatul, Simon(e) van Saarloos, Liz Rosenfeld, Jimmy Robert und Veronika Springmann zu Goetzes Vermächtnis und verhandeln Progressivität und Provokation, Humor, Ambiguität und Normativität ihres Schaffens. Text HEIKE HARTMANN, Museumsleitung

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Victor Brauner, »Das Handtier«, 1943

Gegen das Vergessen WERKBIOGRAFIEN offenbaren viel über die Lebensumstände der Menschen, die mit diesen Kunstwerken zu tun hatten


EINBLICKE

D

er Künstler Kurt Seligmann, gebürtiger Schweizer mit jüdischem Hintergrund und ein Verwandter Peggy Guggenheims, zog Ende der 1920er-Jahre in das kulturell brodelnde Paris. Hans Arp faszinierte ihn, ebenso Max Ernst. Dessen surrealistisches Gemälde »Flugzeugfalle« kaufte er 1936 Marie-Berthe Aurenche, der zweiten Frau des Künstlers, ab. Bei Seligmanns Hochzeit mit Arlette Paraf, der Nichte des Kunsthändlers Georges Wildenstein, waren Ernst und Arp Trauzeugen. Angesichts der Bedrohung durch Krieg und Naziterror entschied sich das Paar für die Emigration. 1939 notierte Seligmann: »Wir sind unterwegs nach Amerika. […] Deutschland hat Polen angegriffen. Die Lage ist ernst.« Es gelang ihm, Kunstwerke aus Paris in die USA zu retten, darunter auch »Flugzeugfalle«, er behielt das Bild zeit seines Lebens. Der Österreicher Wolfgang Paalen lernte in Paris André Breton kennen, der ihn in den Kreis der Surrealist*innen einführte. Zusammen mit Marcel Duchamp, Man Ray und Salvador Dalí kuratierte er 1938 die Ausstellung »Exposition Internationale du Surréalisme« in der Galerie Wildenstein, ein Gesamtkunstwerk. Auch ihn holte die Zeitgeschichte ein. Seine jüdische Herkunft, für ihn selbst bislang kaum ein Thema, wurde zum Problem. Wie die Seligmanns verließen auch Paalen und seine Frau, die Künstlerin Alice Philippot, Paris in Richtung USA. Auch ihm gelang es Kunstwerke mitzunehmen, darunter »Gefieder«. Der Galerist Julien Levy, der als eine Art Brückenkopf der surrealistischen Bewegung in New York fungierte und Emigrierte unterstützte, stellte das Gemälde 1940 aus und kaufte es Paalen ab. Es blieb 40 Jahre in seinem Besitz. In der Ausstellung »Max Ernst bis Dorothea Tanning. Netzwerke des Surrealismus. Provenienzen der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch« stehen die Lebenswege der beiden Künstler sowie die Biografien dieser Bilder stellvertretend für die verhandelten Themen. Gezeigt werden 26 Arbeiten von 19 Künstler*innen des Surrealismus, darunter sechs Werke von Max Ernst, einer Schlüsselfigur der Bewegung und ihres Netzwerks. Auch er verließ Europa 1941. Was kann diese vergleichsweise kleine Schau den großen Surrealismus-Ausstellungen, die im Jubiläumsjahr hundert Jahre nach dem Surrealistischen Manifest in Paris, München und Hamburg gezeigt wurden, hinzufügen? Es sind die Stationen

der Werke, ihre Provenienzen und Biografien, anhand derer sich die Schicksale und Lebenswege ihrer Künstler-, Händler- und Sammler*innen nachzeichnen lassen und so eine ganz eigene Geschichte des Surrealismus erzählen. In den Blick genommen werden die Kunstwerke und die Menschen, die mit den Werken in sozialen, historischen und persönlichen Situationen zu tun hatten, indem sie sie erschufen, besaßen, verkauften, verschenkten, ins Exil mitnahmen oder in der Heimat zurückließen, versteckten, verloren und wiedergewannen. Auf diese Weise wird ein Beziehungsgeflecht innerhalb des Surrealismus sichtbar. Das Ausstellungskapitel »Freundschaften und Netzwerke« zeigt, wie die Kunstwerke entstanden, wer sie besaß und welche Beziehungen diese Personen zueinander hatten. Im Kapitel »Flucht und Vertreibung« lesen sich die Provenienzen der Werke wie eine Chronik der Ereignisse im von den Deutschen besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs. Viele Künstler-, Händler- und Sammler*innen des Surrealismus wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer antifaschistischen Haltung verfolgt. Vielen gelang die Emigration, wie beispielsweise André Breton, Jacques Lipchitz und Paul Rosenberg. Die Flucht des Malers Victor Brauner aus Frankreich scheiterte dagegen am fehlenden Visum. Sein Werk »Das Handtier«

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schuf er in den Hautes-Alpes, wo er sich bis zum Ende des Krieges versteckt hielt. Besonders eindrücklich belegt André Massons »Le Chasseur« die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Deutsche Einsatzkräfte beschlagnahmten das Gemälde von seinem Eigentümer Alphonse Kann, weil er Jude war. Kann emigrierte, überlebte und erhielt das Bild nach Kriegsende zurück. Diesen vergessenen Aspekt der Werkbiografie macht die Bildrückseite sichtbar. Im dritten Kapitel spiegeln die Namen in den Provenienzen die Schicksale der Surrealist*innen im Exil. »Painting for young people« von Max Ernst oder Roberto Mattas »Locus Solus« sind Zeugnisse der Emigration und des Neuanfangs. Grundlage der Ausstellung ist ein Projekt, das die Provenienzen der Kunstwerke der herausragenden Sammlung zur Kunst des Surrealismus von Ulla und Heiner Pietzsch wissenschaftlich prüfte. Diese Forschung wurde im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin durchgeführt. Ein Team von Kuratorinnen des Zentralarchivs und der Neuen Nationalgalerie – die Sammlung Pietzsch wird später als Dauerleihgabe des Landes Berlin im neuen Museum Berlin Modern präsentiert – hat die Erkenntnisse in eine Schau übertragen, die weit mehr als einen nüchternen Forschungsbericht bietet. Text SVEN HAASE, Kurator

Max Ernst bis Dorothea Tanning. Netzwerke des Surrealismus Provenienzen der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch bis 1. März 2026 Neue Nationalgalerie smb.museum

Durch den Vergleich von Vorder- und Rückseite lassen sich Herkunft und Verbleib von Werken besser rekonstruieren

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KALENDER


KALENDER

A

Alliiertenmuseum

Abguss-Sammlung Antiker Plastik Schloßstraße 69b 14059 Berlin / Tel. 030-432 40 54 Do–So 14–17 Uhr abguss-sammlung-berlin.de »Jac Carley. Crossfire«, bis 8.2.2026

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung ↗ im Neuen Museum

Akademie der Künste PARISER PLATZ Pariser Platz 4 10117 Berlin / Tel. 030-200 57 10 00 Di–So 11–19 Uhr adk.de »Out of the Box – 75 Jahre Archiv der Akademie der Künste« (MJ 4/2025), bis 18.1.2026 HANSEATENWEG Hanseatenweg 10 10557 Berlin / Tel. 030-200 57 20 00 »Every Artist Must Take Sides – Resonanzen von Eslanda und Paul Robeson« (MJ 4/2025) bis 25.1.2026

Alfred Ehrhardt Stiftung Auguststraße 75 10117 Berlin / Tel. 030-20 09 53 33 Di–So 11–18 Uhr aestiftung.de »Arno Schidlowski: Jasmund/Der Sonne Mond«, 10.1. bis 12.4.2026

Alice Museum für Kinder Straße zum FEZ 2 12459 Berlin / Tel. 030-53 07 11 81 Mo–Fr 9–21 Uhr, Sa/So/ Feiertage 12–18 Uhr alice-museum-fuer-kinder.fez-berlin.de »Green Planet«, S. 59, bis 20.12.2026

Clayallee 135 14195 Berlin / Tel. 030-818 19 90 Di–So 10–18 Uhr alliiertenmuseum.de »ColdWarGames«, S. 54 bis 30.6.2026

Alte Nationalgalerie Bodestraße 1–3 10178 Berlin / Tel. 030-266 42 42 42 Di–So 10–18 Uhr smb.museum »Im Visier! Lovis Corinth, die Nationalgalerie und die Aktion ›Entartete Kunst‹« (MJ 3/2025) bis 25.1.2026 »The Scharf Collection. Goya – Monet – Cézanne – Bonnard – Grosse« (MJ 4/2025) bis 15.2.2026 »Skandal! Die Künstlerin Hermione von Preuschen und der ›Mors Imperator‹« S. 64, 20.3. bis 15.11.2026

Altes Museum Am Lustgarten 10178 Berlin / Tel. 030-266 42 42 42 Di–Fr 10–17 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr smb.museum »Grundstein Antike. Berlins erstes Museum« (MJ 3/2025) bis 3.5.2026

Anna-SeghersMuseum Archiv der Akademie der Künste Anna-Seghers-Straße 81 12489 Berlin / Tel. 030-677 47 25 Di–Do 10–16 Uhr adk.de

Anne Frank Zentrum Rosenthaler Straße 39 10178 Berlin / Tel. 030-288 86 56 00 Di–So 10–18 Uhr annefrank.de »Alles über Anne« (MJ 1/2025)

Anoha Kinderwelt Fromet-und-MosesMendelssohn-Platz 1 10969 Berlin / Tel. 030-25 99 34 19 Di–Fr 10–16 Uhr, Sa/So/10–17 Uhr jmberlin.de/anoha

Antikensammlung ↗ im Alten Museum ↗ im Neuen Museum ↗ im Pergamonmuseum

Anti-KriegsMuseum Brüsseler Straße 21 13353 Berlin / Tel. 030-45 49 01 10 tgl. 16–20 Uhr anti-kriegs-museum.de »Unglaubliches Geschehen. Vergesst den Frieden nicht«

B

Bauhaus-Archiv

Museum für Gestaltung – The Temporary Knesebeckstraße 1–2 10623 Berlin / Tel. 030-254 00 20 Mo–Sa 10–18 Uhr bauhaus.de Während der Sanierung des Bauhaus-Archivs informiert The Temporary zum Bauhaus »Eine soziale Frage. Die WalterGropius-Schule in Neukölln« (MJ 4/2025), bis 29.1.2026

Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité Charitéplatz 1 10117 Berlin / Tel. 030-4 50 53 61 56 Di/Do/Fr/So 10–17 Uhr, Mi/Sa 10–19 Uhr bmm-charite.de »Schleim – Geheimnisse einer unterschätzten Körperflüssigkeit« S. 58, bis 6.9.2026

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Berliner U-Bahn-Museum Rossitter Platz 1 14053 Berlin Tel. 030-25 62 71 71 einmal monatlich 10.30–16 Uhr ag-berliner-u-bahn.de

Berliner UnterweltenMuseum Brunnenstraße 105 13355 Berlin Tel. 030-49 91 05-17 nur über online gebuchte Touren zu besichtigen Info- und Buchshop Mo–So 10.30–16 Uhr berliner-unterwelten.de

Berlinische Galerie Alte Jakobstraße 124–128 10969 Berlin / Tel. 030-78 90 26 00 Mi–Mo 10–18 Uhr berlinischegalerie.de »Raoul Hausmann. Vision. Provokation. Dada«, S. 6 bis 16.3.2026 »Brigitte Meier-Denninghoff. Skulpturen und Zeichnungen 1948–1970« (MJ 4/2025) bis 3.8.2026 »Monira Al Qadiri. Hero« bis 17.8.2026

Bode-Museum Am Kupfergraben 1 10117 Berlin / Tel. 030-266 42 42 42 Di–Fr 10–17 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr smb.museum »Zurück in Berlin. Eine Marienbüste und die Sammlung Benoit Oppenheim«, bis 5.5.2026 »Die Pazzi-Verschwörung. Macht, Gewalt und Kunst im Florenz der Renaissance«, S. 60 bis 20.9.2026

BraunSammlung Ettel Elberfelder Straße 37 10555 Berlin Tel. 030-33 77 63 87 So/Mo 11–17 Uhr braundesignsammlung.de

Brecht-WeigelMuseum ALFRED EHRHARDT STIFTUNG »Arno Schidlowski: Jasmund | Der Sonne Mond« Eine stille, reduzierte Fotografie von intensiver Farbigkeit – auch ohne Werkbezeichnung ahnt man, welch berühmter Felsen in diesem mythischen Licht aufleuchtet. Die Serie »Jasmund« führt auf die Insel Rügen, zu den Kreideküsten und Buchenwäldern, die durch Caspar David Friedrichs Malerei weltbekannt wurden. Arno Schidlowski kehrte über Jahre immer wieder an diesen Ort zurück, um »adäquate Bilder« einer Landschaft zu finden, die tief im kulturellen Gedächtnis verankert ist. Seine ausschließlich analog und von Hand gefertigten Fotografien entstehen in langen Arbeitsprozessen und aus einer konzentrierten Auseinandersetzung mit Natur und Licht. So hinterfragt er den Mythos eines romantisch überformten Ortes und eröffnet gleichzeitig einen eigenen poetischen Resonanzraum.

Archiv der Akademie der Künste Chausseestraße 125 10115 Berlin Tel. 030-200 57 18 44 Di–So, mehrmals tgl. bei Führungen zu besichtigen www.adk.de

Arno Schidlowski, »Jasmund # 21«, 2005–2011

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www. m useum sj ournal . berl i n


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