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Der Weg des Holzes - Projektdokumentation

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Das neue Strassenverkehrsund Schifffahrtsamt

Der Weg des Holzes

Ein Zeichen für nachhaltiges Bauen und regionale Verantwortung

Mit dem Neubau des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes im Herblingertal ist nicht nur ein funktionales und modernes Verwaltungsgebäude realisiert worden – der im Dezember 2024 eröffnete Bau steht auch sinnbildlich für einen bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen und für die Stärkung der regionalen Wertschöpfung. Zum ersten Mal wurde bei einem kantonalen Bauprojekt konsequent auf Schaffhauser Holz gesetzt – von der tragenden Holzkonstruktion bis hin zu sichtbaren Oberflächen. Dabei ist ein bemerkenswerter Bau entstanden, der auch für künftige Bauvorhaben im Kanton wegweisend sein kann.

In den Schaffhauser Wäldern wachsen jedes Jahr rund 100 000 m3 Wald nach. Durch das natürliche Wachstum wird der Waldbestand älter und dichter. Die Bäume streben nach Licht und konkurrenzieren respektive bedrängen sich gegenseitig. Um eine Überalterung zu verhindern und einen gesunden, stabilen und klimafitten Wald zu erhalten, muss dieser regelmässig gepflegt, durchforstet und gezielt verjüngt werden. Pro Jahr stehen aus dem kantonseigenen Wald darum rund 8000 m3 Holz als Bauholz zur Verfügung. Für den Bau des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes wurden lediglich 1100 m3 benötigt. Holz ist ein nachwachsender, CO2-speichernder Rohstoff, der nicht nur ökologisch überzeugt, sondern auch architektonisch vielseitig einsetzbar ist. Durch den Einsatz von Holz aus dem kantonseigenen Wald und dessen Verarbeitung in der Sägerei in Merishausen wurden Transportwege verkürzt und das lokale Gewerbe gestärkt. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Unternehmen, die den Holzbau der Zukunft

vorantreiben, ermöglichte im weiteren eine ressourcenschonende Bauweise und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Rohstoff Holz.

Der Neubau des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes zeigt beispielhaft, wie Nachhaltigkeit, Funktionalität und hochwertige Gestaltung Hand in Hand gehen können – und wie zukunftsfähiges Bauen in unserem Kanton aussehen kann. Dieses Projekt ist ein starkes Bekenntnis zur Region. Es zeigt, dass der Kanton in der Rolle als Bauherr eine Vorbildfunktion übernehmen kann – und dass nachhaltiges Bauen auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Regierungsrat Martin Kessler Baudepartement Kanton Schaffhausen

1 Der Wald und seine vielfältigen Funktionen

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2 Wie aus einem Baumstamm Baumaterial wird

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3 Die neue Art des Holzbaus

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4 Spezialtransport zur Baustelle

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5 Alle Dienstleistungen unter einem Dach

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6 Das Projekt in Zahlen

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Der Wald und seine vielfältigen Funktionen

Mit dem neuen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt hat der Kanton Schaffhausen erstmals ein Gebäude zum grössten Teil aus Holz aus dem kantonseigenen Wald erbaut. Pro Jahr stehen alleine aus dem Staatswald rund 8000 m3 Holz als Bauholz zur Verfügung. Benötigt hat man für den Neubau im Herblingertal davon nur rund ein Achtel.

Der Waldanteil im Kanton Schaffhausen liegt mit 12 485 Hektaren oder rund 42 % der gesamten Kantonsfläche prozentual deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt von 31 %. Der überwiegende Teil der Wälder ist in öffentlichem Besitz (83 %). Der Anteil an Privatwald beträgt lediglich 17 %. Schweizweit sind es 29 %.

In den Schaffhauser Wäldern stehen rund 3,4 Millionen Bäume

Der Wald erfüllt wichtige Funktionen und erbringt vielfältige Leistungen: Er liefert Holz, ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere, bietet Schutz vor Naturgefahren und ist ein beliebter Ort für Erholungssuchende. Der Wald trägt auch massgeblich zur Erhaltung der landschaftlichen Vielfalt bei. Die Wälder sind grundsätzlich multifunktional, das heisst, sie erfüllen auf derselben Fläche mehrere Funktionen gleichzeitig. Die an Bedeutung überwiegende Waldfunktion wird als Vorrangfunktion bezeichnet.

Im Kanton Schaffhausen:

• 55 Prozent der Wälder haben eine Nutzfunktion

• 25 Prozent dienen dem Lebensraum- und Naturschutz

• 12 Prozent sind Schutzwälder

• 8 Prozent der Wälder haben eine Wohlfahrtsfunktion (Erholung)

3,4 Millionen Bäume

In den Schaffhauser Wäldern stehen rund 3,4 Millionen Bäume mit einem Gesamtvolumen von circa 4,3 Millionen m3 Holz. Das entspricht einem durchschnittlichen Vorrat von 342 m3 Holz pro Hektare Wald oder etwa 44 Bäumen mit einem Durchmesser von 35 Zentimeter pro Kantonseinwohner.

In den Schaffhauser Wäldern wachsen jedes Jahr rund 100 000 m3 Holz nach. Pro Sekunde entspricht dies dem Volumen eines Würfels mit einer Kantenlänge von rund 15 Zentimetern, aneinandergelegt pro Minute einem Balken von 9 Metern Länge. Pro Jahr stehen aus dem kantonseigenen Wald rund 8000 m3 Holz als Bauholz zur Verfügung. Holz ist ein vielseitig verwendbarer, natürlicher Rohstoff.

Wälder als bedeutende Kohlenstoffspeicher

Das Holz im Schaffhauser Wald wächst laufend nach, ob es nun genutzt wird oder nicht. Durch Fotosynthese wird in den Wäldern aus der Luft das Kohlendioxid (CO2) in Kohlenstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der im Holz gebundene Kohlenstoff kann dank Holzbauten über lange Zeit fixiert und eingelagert werden und somit dem CO2Kreislauf entzogen werden. Falls das Holz jedoch nicht genutzt wird, sterben Bäume am Ende ihres Lebenszyklus ab, das Holz verrottet auf dem Waldboden und der Kohlenstoff wird wieder in die Atmosphäre freigesetzt. Die langfristige Bindung in Gebäuden ergibt eine CO2-Senkwirkung, die Freisetzung durch Verrottung ergibt jedoch eine Kohlenstoffquelle. Unsere bewirtschafteten Wälder sind bedeutende Kohlenstoffspeicher und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Durch das natürliche Wachstum wird der Waldbestand grundsätzlich immer älter und dichter. Die Bäume streben nach Licht und konkurrenzieren respektive bedrängen sich gegenseitig. Um eine Überalterung zu verhindern und einen gesunden, stabilen und klimafitten Wald zu erhalten, muss dieser regelmässig gepflegt, durchforstet und gezielt verjüngt werden. Natürlicherweise wachsen im Kanton Schaffhausen viele Buchenwaldgesellschaften, vor allem durch Trockenheit geprägte Buchenwälder. Die Buche ist eine unserer Hauptbaumarten. Dank den Pflegemassnahmen und gezielter Verjüngung kommen in den Schaffhauser Wäldern über 30 verschiedene, einheimische Baumarten vor, darunter auch einige sehr seltene Baumarten und Besonderheiten. Gemessen am Vorrat am häufigsten ist die Buche mit einem Anteil von 44 %, gefolgt von der Fichte (22 %). Die fünf häufigsten Baumarten zusammen machen rund 85 % des Gesamtvorrates aus. Ohne gezielte Pflegemassnahmen durch Begünstigung seltener Baumarten würde sich vor allem die konkurrenzstarke Buche durchsetzen, und es ergäben sich von Buchen dominierte Wälder mit nur wenigen anderen Baumarten.

Der Wald unter Druck

In den letzten Jahren sind unsere Schaffhauser Wälder aus klimatischen Gründen immer stärker unter Druck geraten. Der Klimawandel, verbunden mit einer zu erwartenden Zunahme von Extremereignissen wie Hitze, Trockenheit, Starkniederschlag und Stürme, stellt ein Risiko für die Schaffhauser Wälder dar. Standortgerechte Baumarten, strukturreiche Bestände und eine an die jeweilige Situation angepasste Waldpflege können Risiken minimieren, jedoch nicht ganz verhindern. Ferner sind junge Wälder mit klimatoleranten Baumarten widerstandsfähiger gegenüber Störungen und Extremereignissen. Deshalb werden überalterte Wälder gezielt verjüngt.

Seit 2018 konnten sich die meisten Waldbäume von den teilweise extremen Bedingungen kaum mehr richtig erholen. Insgesamt ist mehr Käferholz angefallen als in den Vorjahren. Die Borkenkäfer, die sich dank den warmen, trockenen Bedingungen rasant vermehren konnten, haben viele Fichten zum Absterben gebracht. Damit wir auch künftig von den zahlreichen vielfältigen Leistungen des Waldes profitieren können, muss er geschützt, gepflegt und nachhaltig genutzt werden.

Holzernte in den kantonseigenen Wäldern

Der Startschuss für den Bau des neuen Strassenverkehrsund Schifffahrtsamtes in Herblingen erfolgte im Februar 2023 mit der Erteilung der Baubewilligung. Noch im selben Monat startete auf dem Randen südlich der Gemeinde Beringen die Holzernte im kantonseigenen Staatswald. Durch den Forstbetrieb des Kantons Schaffhausen wurden während rund drei Wochen an die 1100 Kubikmeter Fichten und Tannen aus dem Staatswald geerntet, im Wald vorgetrocknet und dann mit dem Lastwagen für den nächsten Verarbeitungsschritt zur Sägerei Tanner in Merishausen überführt. Beim für den Bau benötigten Holz handelt es sich vollumfänglich um Käferholz. Die durch den Borkenkäfer befallenen Bäume konnten so im Rahmen einer notwendigen Zwangsnutzung sinnvoll verwendet werden.

Wie aus einem Baumstamm Baumaterial wird

Das im Staatswald geschlagene Holz für das neue Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt wurde für einen ersten Verarbeitungsschritt mit Lastwagen nach Merishausen überführt. Bei der Tanner Holzbau & Sägerei AG wurden die Schaffhauser Baumstämme zu sogenannten Lamellen verarbeitet.

Das bei der Verarbeitung übrigbleibende Holz konnte vielfältig genutzt werden.

Der Ablauf in einem Sägewerk ist ein komplexer und gut strukturierter Prozess, der darauf ausgelegt ist, aus Rohholz effizient hochwertige Produkte herzustellen. Beginnend mit der Anlieferung des Rundholzes, durchläuft das Holz mehrere Verarbeitungsschritte, um schliesslich als Lamellen für Fassaden oder andere Bauprodukte genutzt zu werden. Zu Beginn werden die Baumstämme – meist Nadeloder Laubhölzer – per LKW ins Sägewerk transportiert.

Im Februar 2023 wurden die 1100 m3 Käferholz aus der Holzernte im Staatswald in die Sägerei Tanner nach Merishausen geliefert. Bei der Ankunft erfolgte eine Eingangskontrolle, bei der die Holzqualität geprüft wurde. Diese findet bei jeder Anlieferung statt. Dabei werden Masse, Rinde und eventuelle Schäden dokumentiert. Das Holz wird anschliessend auf dem Rundholzplatz gelagert.

Vom Stamm zur Lamelle

Vor der eigentlichen Verarbeitung werden die Stämme sortiert. Dabei werden sie nach Durchmesser, Länge und Qualität gruppiert. Grosse, gerade Stämme eignen sich besonders für die Herstellung von Lamellen, während kleinere oder beschädigte Stücke für andere Produkte oder als Restmaterial verwendet werden. Der erste Verarbeitungsschritt ist das Sägen. Das Rundholz wird in einer sogenannten Gattersäge in grobe Abschnitte geschnitten. Diese werden dann in einer Kreissäge oder nochmals mit der Gattersäge weiter zersägt, um die gewünschten Querschnitte zu erhalten. Ziel ist es, möglichst wenig Verschnitt zu produzieren und die Ausbeute zu maximieren.

Aus den so vorbereiteten Holzstücken werden anschliessend Lamellen hergestellt. Die Lamellen werden je nach Bedarf auf die gewünschte Länge und Breite zugeschnitten.

Restmaterialien und Nebenprodukte Während des Sägevorgangs entstehen verschiedene Restmaterialien. Dazu gehören beispielsweise Dachlatten, Spreissel, Späne, Sägespäne und Hackschnitzel. Dachlatten sind schmale, lange Holzstücke, die oft als Restprodukt bei der Herstellung von Lamellen anfallen. Spreissel sind spezielle Holzreste, die bei der Produktion von Lamellen oder ähnlichen Bauteilen entstehen.

Diese Nebenprodukte werden in verschiedenen Bereichen weiterverwendet. Sägespäne und Hackschnitzel dienen häufig als Brennmaterial in Hackgut- oder Pelletheizungen, was eine nachhaltige Nutzung der Reststoffe darstellt. Hackschnitzel werden auch in der Produktion von Spanplatten oder als Mulchmaterial eingesetzt. Latten und Seitenbretter können in der Möbelherstellung, im Bau oder als Verpackungsmaterial Verwendung finden.

Weiterverarbeitung und Qualitätskontrolle

Die hergestellten Lamellen durchlaufen eine Qualitätskontrolle, bei der Masse, Oberflächenqualität und eventuelle Fehler geprüft werden. Nach Freigabe werden die Lamellen in Stapeln verpackt und für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Für die Fassadenproduktion werden die Lamellen zusätzlich profiliert und danach imprägniert oder mit speziellen Beschichtungen versehen, um sie wetterfest zu machen.

Hochspezialisierte und witterungsunabhängige Vorproduktion:

Die neue Art des Holzbaus

Das im Staatswald geschlagene und in der Sägerei in Merishausen zu Kanthölzern und Brettern verarbeitete

Holz bildete die Basis für alle weiteren Konstruktionsholzprodukte, die für den Bau des neuen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts benötigt wurden. Mit der Roth Burgdorf AG und der Erne AG wurden dafür zwei hochspezialisierte Holzbaubetriebe gefunden,

Nach der ersten Verarbeitung in der Sägerei in Merishausen wurden die Hölzer zur Roth Burgdorf AG nach Burgdorf im Kanton Bern geliefert, wo sie technisch getrocknet, festigkeitssortiert und je nach Einsatzzweck weiterverarbeitet wurden. Die Festigkeitssortierung ist ein zentraler Schritt im Herstellungsprozess. Jedes einzelne Holzstück wird dabei geprüft, eingestuft und entsprechend zugeordnet – beispielsweise für tragende Elemente, Stützen oder Träger.

Bei der Herstellung von Brettschichtholz wird das Rohmaterial in mehreren Schritten weiterverarbeitet. Zunächst erfolgt das Zinken der Lamellen zur Erzeugung langer, tragfähiger Einzelstücke. Anschliessend werden diese gehobelt, mit formaldehydfreiem PURLeim beleimt und unter Druck in der Presse verpresst. Je nach Bedarf werden gerade oder gebogene Träger bis zu 40 Meter Länge gefertigt.

Die anschliessende Bearbeitung umfasst den präzisen Zuschnitt sowie die Vorbereitung für den Einbau. Dafür werden auf CNC-gesteuerten Anlagen Aussparungen, Bohrungen und weitere Anpassungen gemacht. In einem letzten Arbeitsschritt erfolgt die manuelle Endbearbeitung, z. B. die Vormontage von Verankerungen oder Verbindungselementen.

Um eine gleichbleibend hohe Qualität sicherzustellen, werden während des gesamten Produktionsprozesses Kontrollen durchgeführt. Dazu zählen unter anderem die Überwachung der Holzfeuchte, die Prüfung der Leimverbindungen, die Kontrolle der Masshaltigkeit und die Beurteilung der Oberflächenqualität.

Nach Abschluss der Produktion werden die fertigen Bauteile fachgerecht gelagert, verpackt und für den Transport zur Weiterverarbeitung bzw. zur Baustelle vorbereitet.

Die Roth Burgdorf AG fertigte aus dem Schaffhauser Holz verschiedene Bauprodukte, darunter:

• Konstruktionsvollholz (KVH): sortiertes, formstabiles Vollholz, geeignet für tragende Konstruktionen.

• Duobalken: zwei miteinander verleimte Kanthölzer, die eine erhöhte Tragkraft aufweisen.

• Träger und Stützen: senkrechte und waagrechte Bauteile, die je nach Beanspruchung aus einem Stück oder aus mehreren Schichten bestehen.

• Leimbinder (Brettschichtholz): komplexere Träger aus mehreren verleimten Lamellen für grössere Spannweiten und gebogene Konstruktionen.

Vorfertigung und Systembau bei Erne AG Holzbau

Die Erne AG Holzbau übernahm den weiteren Ausbau der Holzelemente. In den firmeneigenen Werkhallen wurden die Bauteile witterungsunabhängig zu kompletten Wandund Deckenelementen verarbeitet. Diese industrielle Vorfertigung ermöglichte eine genaue Planung und verkürzte die Bauzeit erheblich. Auch die Lieferung auf die Baustelle erfolgte termingerecht.

Im Projekt kamen zwei moderne Bauweisen zur Anwendung: Holz-Hybridbau und Holz-Systembau.

Holz-Hybridbau

Der Hybridbau kombiniert unterschiedliche Materialien, um deren jeweilige Stärken optimal zu nutzen. Holz überzeugt durch seine Leichtigkeit und Nachhaltigkeit, Beton durch seine Druckfestigkeit und thermische Speicherkapazität. Die Kombination beider Werkstoffe ermöglicht tragfähige und gleichzeitig energieeffiziente Bauteile. Durch das Zusammenwirken verbessert sich das Raumklima, die Bauzeit verkürzt sich, und es entstehen zusätzliche gestalterische Möglichkeiten. Der gezielte Materialeinsatz trägt ausserdem zur Reduktion von CO2-Emissionen bei.

Holz-Systembau

Der Holz-Systembau basiert auf der industriellen Vorfertigung kompletter Bauelemente unter kontrollierten Bedingungen im Werk. Dabei werden bereits Fenster, Türen und Haustechnik in die Elemente integriert. Die Montage auf der Baustelle kann damit besonders schnell und emissionsarm erfolgen. Diese Methode ist besonders geeignet für Projekte mit hohen Anforderungen an Termin- und Kostensicherheit. Auch bei standardisierten Prozessen lassen sich massgeschneiderte Lösungen umsetzen.

Ein zentrales Element des Neubaus ist das vorkonfektionierte Deckensystem SupraFloor ecoboost2.

Deckensystem mit integrierter Gebäudetechnik

Das Deckensystem SupraFloor ecoboost2 erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Es ermöglicht Heizen, Kühlen, Lüften und Akustikmanagement in einem einzigen Bauteil. Dabei bleibt die Technik vollständig unsichtbar in der Konstruktion integriert. Die Betonkomponente wirkt als thermische Speichermasse und trägt zu einem ganzjährig ausgeglichenen Raumklima bei. Die sichtbare Holzoberfläche schafft zusätzlich eine angenehme Raumatmosphäre. Alle technischen Komponenten – wie Heizleitungen, Leuchten und Sprinkleranlagen – wurden bereits im Werk eingebaut. Die industrielle Vorfertigung dieser Elemente verkürzt die Montagezeiten erheblich, reduziert Schnittstellen auf der Baustelle und ermöglicht eine hohe Ausführungsqualität.

Nutzung regionaler Ressourcen im öffentlichen Bau

Mit dem konsequenten Einsatz von Schaffhauser Holz wurde nicht nur ein ökologisch wertvoller Rohstoff verwendet, sondern auch die regionale Wertschöpfung gestärkt. Kurze Transportwege und die enge Zusammenarbeit mit Holzbetrieben in der Region reduzierten den ökologischen Fussabdruck des Projekts spürbar. Gleichzeitig konnte das Bauvorhaben qualitativ hochwertig, funktional und innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens umgesetzt werden. Das neue Verwaltungsgebäude zeigt exemplarisch, wie regionale Ressourcen im modernen Holzbau effizient eingesetzt werden können – ohne Abstriche bei Funktionalität, Dauerhaftigkeit oder gestalterischer Qualität. Der Neubau des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes steht somit auch sinnbildlich für einen zukunftsgerichteten Umgang mit lokalen Rohstoffen im öffentlichen Bauwesen.

Spezialtransport zur Baustelle

Die Vorfertigung ganzer Wand-, Deckenoder Dachelemente bringt neben vielen Vorteilen auch einige Herausforderungen mit sich – insbesondere beim Transport zur Baustelle. Dies sorgte bei der Baustelle des neuen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes im Herblingertal für teilweise spektakuläre Bilder. Die grossen – zum Teil mehrere Dutzend Meter langen – Elemente wurden mit Spezialtransporten nach Schaffhausen gebracht. Zuständig dafür war mit der Aeschbacher Transport AG ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Appenzell Innerrhoden.

Die Transportlänge von über 34 Metern, eine enge Autobahnausfahrt sowie die anspruchsvolle Zufahrt zur Baustelle stellten hohe Anforderungen an die LKW-Fahrer. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, wurde jeder Transport von einem firmeneigenen Begleitfahrzeug unterstützt. Dank sorgfältiger Planung und gut abgestimmten Abläufen konnten sämtliche Transporte termingerecht und zuverlässig durchgeführt werden.

Alle Dienstleistungen unter einem Dach

Mit dem neuen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Schaffhausen im Herblingertal wurden sämtliche Schalter- und Büroräumlichkeiten sowie alle Prüfstellen an einem Standort vereint. Dadurch konnten sowohl der Standort im Klosterviertel der Schaffhauser Altstadt als auch die bis dahin genutzten, angemieteten Aussenstellen in Beringen, im Ebnat und im Schweizersbild aufgegeben werden. Die neue Infrastruktur führt zu vereinfachten Arbeitsabläufen und Kommunikationswegen und erlaubt eine Optimierung der Kundendienstleistungen. Der Zusammenschluss aller Arbeitsplätze an einem Ort erleichtert den bereichsübergreifenden Austausch unter den Mitarbeitenden und stärkt den Teamgeist.

Kundinnen und Kunden profitieren davon, dass sämtliche Dienstleistungen zentral vor Ort erbracht werden. Die klar strukturierte, übersichtliche Gebäudeanordnung sorgt für kurze Wege, eine einfache Orientierung und vollständige Barrierefreiheit.

Die grosszügig angelegte Prüfhalle ist mit durchgehenden Prüfstrassen für die technische Kontrolle unterschiedlicher Fahrzeugarten ausgestattet.

Das neue Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt überzeugt nicht nur funktional, sondern auch architektonisch. Der Bau vermittelt durch seine klare Formensprache und die Verwendung regionaler Materialien eine hohe gestalterische Qualität. Grosse Fensterflächen sorgen für helle Innenräume mit viel Tageslicht, was zu einer angenehmen

Arbeitsatmosphäre beiträgt. Der kompakte Baukörper ist klar gegliedert und ermöglicht durch seine durchdachte Organisation eine effiziente Raumaufteilung. Die Verwendung von Holz aus der Region unterstreicht den nachhaltigen Anspruch des Neubaus und verleiht dem Gebäude eine natürliche, warme Ausstrahlung.

Die Architektur folgt dem Grundsatz der Funktionalität: Alle Bereiche sind übersichtlich angeordnet, die Wege für Mitarbeitende und Kundschaft sind kurz und logisch geführt. Das Gebäude erfüllt hohe energetische Standards und entspricht den aktuellen Anforderungen an einen modernen öffentlichen Verwaltungsbau – funktional, kundenfreundlich und zukunftsgerichtet.

Kapitel

Das Projekt in Zahlen

Das neue Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt im Herblingertal ist eines der grössten Projekte, die der Kanton je umgesetzt hat. Zum ersten Mal wurde für den Bau eines kantonseigenen Gebäudes dabei vor allem Holz aus dem Staatswald benutzt. Hinter der 17 Monate dauernden Realisierung stecken einige imposante Zahlen.

3 400 000 Bäume

42 Prozent

15 Zentimeter

8000 Kubikmeter

Bäume stehen in den Schaffhauser Wäldern. Das entspricht einer durchschnittlichen Menge von etwa 44 Bäumen mit einem Durchmesser von 35 Zentimeter pro Kantonseinwohner.

Prozent des Kantons Schaffhausen ist von Wald bedeckt. Wir befinden uns folglich in einem sehr waldreichen Kanton. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 31 Prozent.

Zentimeter ist die Kantenlänge des Würfels, der sinnbildlich für das Holz steht, das in einer Sekunde in den Schaffhauser Wäldern nachwächst. Pro Minute wird aus den Würfeln aneinandergereiht ein Balken von 9 Metern Länge.

Kubikmeter Holz aus dem kantonseigenen Staatswald stehen dem Kanton jedes Jahr als Bauholz zur Verfügung. Für den Bau des neuen Strassenverkehrsund Schifffahrtsamts wurden davon 1100 Kubikmeter verwendet.

1100 Tonnen CO2

9 Lastwagen

5 Prüfbahnen

16,35 Millionen

Tonnen CO2 bleiben im Gebäude verbauten Holz dauerhaft gespeichert – das CO2 gelangt nicht zurück in die Atmosphäre – ein weiterer grosser Vorteil des Baustoffs Holz.

Lastwagenladungen Bauholz verliessen im Frühjahr 2023 für die weiteren Verarbeitungsschritte die Sägerei in Merishausen. Dies entspricht einem Gewicht von 200 Tonnen.

Prüfbahnen für Fahrzeuge aller Art stehen im neuen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zur Verfügung. Zusätzlich gibt es zwei Prüfplätze für Motorräder. Die Infrastruktur vor Ort ermöglicht eine deutlich effizientere und schnellere Arbeitsweise, als es früher an verschiedenen – im Kanton verteilten – Standorten der Fall war.

Millionen Franken hat das neue Strassenverkehrsund Schifffahrtsamt in Herblingen gekostet. Der an der Volksabstimmung vom 10. Juni 2018 bewilligte Kredit von 11,95 Millionen Franken ist durch die Bauteuerung von fast 20 Prozent und die zusätzlichen Aufwände infolge der am 1. April 2021 in Kraft getretenen Energiehaushaltsverordnung um rund 4,4 Millionen Franken gestiegen.

Impressum

Herausgeber: Baudepartement

Kanton Schaffhausen

Fotografie: Faro Burtscher, Eclipse Studios GmbH

Jürg Fausch, 372dpi GmbH

Visuelles Konzept / Layout: Eclipse Studios GmbH, Schaffhausen Jens Saumweber / Reto Coaz

Korrektorat: Yvonne Bettschen

Druck:

Kuhn-Druck, Neuhausen am Rheinfall

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Der Weg des Holzes - Projektdokumentation by Informatik Schaffhausen - Issuu