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Aspect, Ausgabe Mai 2026

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aspect

Danny: vom Extremsportler zum Superpapi

RECHT AUF VERGESSEN

Damit eine überstandene Krankheit kein Nachteil bleibt

Jacques kennt zwei Seiten von Krebs HODENKREBS

NEUBEGINN

PROSTATAKREBS

Kürzere Bestrahlung, weniger Belastung

Die Krebsliga will die Zahl der Krebserkrankungen verringern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. 18 kantonale und regionale Krebsligen beraten und unterstützen an über 70 Standorten in der Schweiz.

1 Krebsliga Aargau

Telefon 062 834 75 75 krebsliga-aargau.ch

2 Krebsliga beider Basel

Telefon 061 319 99 88 klbb.ch

3 Krebsliga Bern

Telefon 031 313 24 24 krebsligabern.ch

4 Krebsliga Freiburg

Telefon 026 426 02 90 freiburg.krebsliga.ch

5 Ligue genevoise contre le cancer

Téléphone 022 322 13 33 lgc.ch

6 Krebsliga Graubünden

Telefon 081 300 50 90 krebsliga-gr.ch

7 Ligue jurassienne contre le cancer

Téléphone 032 422 20 30 liguecancer-ju.ch

8 Ligue neuchâteloise contre le cancer

Téléphone 032 886 85 90 liguecancer-ne.ch

9 Krebsliga Ostschweiz

SG, AR, AI, GL Telefon 071 242 70 00 krebsliga-ostschweiz.ch

10 Krebsliga Schaffhausen

Telefon 052 741 45 45 krebsliga-sh.ch

11 Krebsliga Solothurn Telefon 032 628 68 10 krebsliga-so.ch

12 Krebsliga Thurgau

Telefon 071 626 70 00 krebsliga-thurgau.ch

13 Lega cancro Ticino Telefono 091 820 64 20 legacancro-ti.ch

14 Ligue vaudoise contre le cancer

Téléphone 021 623 11 11 lvc.ch

15 Krebsliga Wallis Telefon 027 604 35 41 krebsliga-wallis.ch

16 Krebsliga Zentralschweiz LU, OW, NW, SZ, UR, ZG Telefon 041 210 25 50 krebsliga.info

17 Krebsliga Zürich Telefon 044 388 55 00 krebsligazuerich.ch

18 Krebshilfe Liechtenstein Telefon 00423 233 18 45 krebshilfe.li

Impressum Herausgeberin: Krebsliga Schweiz, Postfach, 3001 Bern, Telefon 031 389 94 84, aspect@krebsliga.ch, krebsliga.ch/aspect, IBAN: CH 95 0900 0000 3000 4843 9 Redaktionsleitung: Pia Schüpbach (spa) – Autorinnen: Stefanie de Borba (stb), Manuela Daboussi (mda), Aline Descloux (ald), Danica Gröhlich (dag), Nicole Steck (nst), Anja Zbinden (anz) – Gestaltung: Sophie Frei – Koordination: Olivia Schmidiger – Druck: Merkur Zeitungsdruck AG, Langenthal BE – Ausgabe: 2/26, Mai 2026, erscheint 4-mal jährlich. Magazin für die Spenderinnen und Spender der Krebsliga Schweiz.

Liebe Männer – wir sind für Sie da!

Liebe Leserin, lieber Leser

Meine Kolleginnen und Kollegen vom Beratungsdienst KrebsInfo erleben es täglich: Vor allem Frauen melden sich mit Fragen zu Krebs, oft auch stellvertretend für ihre Partner. Über zwei Drittel der Ratsuchenden sind weiblich.

In dieser aspect-Ausgabe wechseln wir die Perspektive. Zwei Männer erzählen von ihrem Leben mit und nach Krebs. Danny, einst Motocrosser und Töffbauer im Rampenlicht, musste nach der Diagnose Hodenkrebs einen Gang zurückschalten (Seite 10). Sein grösster Antrieb ist seine Tochter: «Ich möchte ein Superpapi sein.»

Jacques hatte mit seiner Frau viele Pläne für die Pensionierung und ein neues Zuhause in den Bergen (Seite 19). Doch es kam anders. Ariane starb an einem Hirntumor, Jacques selbst wird wegen Prostatakrebs behandelt. «Ohne das Singen, Tanzen und Theaterspielen würde ich das nicht aushalten.»

Vielleicht kommen Ihnen die beiden bekannt vor: Danny und Jacques sind Gesichter der neuen KrebsligaKampagne (Seite 6). Sie setzen sich dafür ein, dass man und vor allem auch Mann über Krebs spricht.

Darum, liebe Männer: Zögern Sie nicht, sich bei uns zu melden. Die Krebsliga ist für Sie da. Antworten auf drängende Fragen können beruhigen und Orientierung geben – wie drei ausgewählte Beiträge aus der Rubrik «Neulich bei KrebsInfo» (Seite 7) zeigen. Zudem berichten wir über aktuelle Forschung zur Bestrahlung bei Prostatakrebs, der häufigsten Krebsart. 8300 Männer erkranken jährlich daran (Seite 8).

Diese Ausgabe des Magazins macht einmal mehr deutlich: Krebs betrifft uns alle. Natürlich kommen auch unsere Leserinnen dabei nicht zu kurz.

Ein grosses Merci für Ihre wertvolle Unterstützung, liebe Spenderinnen und Spender.

Herzliche Grüsse

Inhalt

Neue Erklärvideos: Wissen kompakt zu Chemo- und Strahlentherapie. Aktuell 6 Kampagne: Ein Rückblick auf den

Prostatakrebs: Moderne Strahlentherapien verkürzen Behandlungen.

Leben mit Krebs

10 Hodenkrebs: Danny sammelt besondere Momente statt Pokale.

Fokus

Recht auf Vergessen: Eine überstandene Krankheit darf kein Nachteil sein.

In Kürze

14

16 Erbschaft: Warum es sich lohnt, frühzeitig ein Testament zu verfassen.

Viel Glück: Gewinnen Sie eine Cap und eine Wasserflasche von Nikin.

Persönlich

Betroffen und angehörig: Jacques findet Kraft im Theater, Singen und Tanzen.

Schreiben Sie uns: aspect@krebsliga.ch Besuchen Sie uns auf Social Media:

19

Krebs bei jungen Erwachsenen

Mehr Diagnosen, aber verbesserte Heilungschancen

Die Zahl der Krebserkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Doch bei den 15- bis 39-Jährigen treten heute weniger krebsbedingte Todesfälle auf. Das zeigt eine von der Krebsliga unterstützte Studie der Universität Bern. Im Zeitraum von 1980 bis 1989 wurden in dieser Altersgruppe jährlich 57 von 100 000 Personen mit Krebs diagnostiziert, die Zahl stieg bis zur Periode 2010 bis 2019 auf 72. Zugenommen haben insbesondere Diagnosen von Schilddrüsen- und Darmkrebs, aber auch Tumoren im Gehirn und Rückenmark sowie schwarzem Hautkrebs und Lymphdrüsenkrebs. Es brauche weitere Studien, um die Ursachen zu verstehen, schreiben die Autoren.

Das Zitat

«Es wird wieder leichter.»

Dolma steht in der Kampagne der Krebsliga Schweiz für das Sujet «Krebshoffnung». Seit 2011 lebt die heute 48-jährige Thurgauerin mit Krebs. Trotz Rückschlägen nach ihrer Brustkrebsdiagnose verliert sie die Hoffnung nicht. Hoffnung begleitet sie, seit sie selbst zu früh zur Welt kam. Dolma sagt: «Hoffnung ist ein wesentlicher Teil von mir. Ohne sie wäre ich nicht die Dolma, die ich heute bin.» krebsliga.ch/awareness

Deutlich abgenommen hat das Risiko, jung an Krebs zu sterben: Während von 1980 bis 1989 jährlich noch 13 von

100 000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Krebs starben, waren es 2010 bis 2019 nur noch 6. (nst)

Palliative Care

Politisches Engagement für eine bessere Finanzierung

Menschen am Lebensende sollen genau jene Behandlung und Betreuung erhalten, die ihrem Bedarf am besten entsprechen. Doch Bundesrat, Politik und Fachorganisationen sind sich einig, dass der Bedarf aktuell nicht gedeckt ist und dass es bei der Finanzierung dieser Leistungen Lücken gibt. Die Krebsliga engagiert sich deshalb in der Allianz «Für eine angemessene Finanzierung der Palliative Care». Sie will Palliative Care klar

im Gesetz verankern und schweizweit verbindlich finanzieren. So sollen beispielsweise Hospize und mobile Palliativdienste besser abgesichert werden. Eine parlamentarische Subkommission erarbeitet nun konkrete Vorschläge. Ein wichtiger Schritt, um künftig sicherzustellen, dass alle Menschen in der Schweiz Zugang zu Palliative Care haben. (stb) krebsliga.ch/palliative

Ein herzliches Merci für Ihre Spende

Bei welchen Anliegen auch immer: Martina Diallo, Raynela Mercedes, Thomas Riesen und Dana Raone (v.l.n.r.) sind gerne für Sie da.

Die Angebote der Krebsliga gibt es nur dank vieler Spenderinnen und Spender. Wir schätzen diese Unterstützung sehr und sagen von Herzen Danke. Ob einmalige Spende, langjährige Gönnerschaft oder eine persönliche Spendenaktion: Sie unterstützen damit Krebsbetroffene und ihre Angehörigen, Ihre Spenden ermöglichen wertvolle Beratungsangebote und tragen zu Fortschritten

in der Prävention und der Forschung bei. Falls Sie Fragen zu Ihrer Spende haben oder wenn Ihre Daten nicht mehr aktuell sind, melden Sie sich bei unserem Spendendienst. Martina Diallo, Raynela Mercedes, Dana Raone und Thomas Riesen per E-Mail über spenden@krebsliga.ch oder Telefon 031 389 94 84 sind gerne für Sie da. (spa) krebsliga.ch/spenden

Neue Erklärvideos

26 500

Männer erkranken jährlich in der Schweiz neu an Krebs. Dies entspricht etwa der Einwohnerzahl von Montreux. Statistisch gesehen sind es 72 Diagnosen pro Tag, damit erhält alle 20 Minuten ein Mann die Diagnose Krebs. Mit deutlichem Abstand am häufigsten ist Prostatakrebs, gefolgt von Lungenkrebs, Dickdarmkrebs und schwarzem Hautkrebs.

Bei den Frauen erkranken jährlich rund 21 500 Frauen neu an Krebs, am häufigsten an Brustkrebs. Die Zahl

Wissen kompakt zu Chemo- und Strahlentherapie

Wann und warum erhalten Betroffene die jeweiligen Therapien? Wie bekämpfen Medikamente oder Strahlen die Krebszellen? Welche Nebenwirkungen können die Therapien haben? Wo finden Betroffene und Angehörige Unterstützung und Informationen? Antworten auf diese und weitere Fragen liefern zwei neue Erklärvideos der Krebsliga. Die Videos sind animiert und leicht verständlich sowie kostenlos verfügbar in Deutsch, Französisch und Italienisch. Neben diesen neuen Videos gibt es bereits solche zu den Themen: zielgerichtete Therapien, Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs. Die Krebsliga macht sich stark für barrierefreie Informationen, darum sind alle Videos auch in Gebärdensprache verfügbar. (spa)

Hier die Erklärvideos anschauen: krebsliga.ch/erklaervideo

«Der offene Umgang mit Krebs ist für viele befreiend»

Eine junge Frau erhält ihre Krebsdiagnose. Am selben Tag sieht sie ein Plakat der neuen Kampagne und meldet sich bei der Krebsliga. Für Eliane Herrmann, Leiterin Fundraising & Marketing, steht dieser Moment für das Ziel der Kampagne: auffangen, stärken und Krebs sichtbar machen.

Interview: Pia Schüpbach, Fotos: Manuela Aeschlimann, Sophie Frei

Eliane Herrmann, mitten im Pendlerstrom, am Weltkrebstag, mit starken Porträts: Die Kampagne der Krebsliga startete mit drei Tagen Präsenz an grossen Bahnhöfen. Was hat diese Sichtbarkeit ausgelöst?

Eliane Herrmann: Besonders berührt hat mich eine junge Frau, die an dem Tag ihre Krebsdiagnose erhielt, an dem unsere Kampagne startete. Zufällig erkannte sie eine Person auf unserem Plakat. Das gab ihr den Mut, sich ebenfalls bei der Krebsliga zu melden. Genau das

wollen wir: Menschen in einer extrem belastenden Situation auffangen und ihnen zeigen, dass es Unterstützung gibt. So war die Kampagne für einige ein Türöffner, um erstmals Kontakt zur Krebsliga aufzunehmen.

Wie reagierten Betroffene und Angehörige insgesamt?

Sehr positiv überrascht hat mich, wie viele Menschen sich gemeldet haben, weil sie sich in der Kampagne wiedererkennen. Einige sagten mir, dass sie sich verstanden fühlen und den offenen Umgang mit Krebs als befreiend empfinden. Das zeigt, wie wichtig es ist, Krebs aus der Tabuzone zu holen. Im Vorfeld gab es auch kritische Stimmen. Sie befürchteten, die Kampagne könne «zu anders» oder «zu extrem» sein. Diese Bedenken nahmen wir auf, um noch genauer hinzuschauen. Gleichzeitig zeigt die positive Reaktion, dass gerade die Direktheit und Authentizität viele Menschen erreicht.

Gab es auch Widerstände?

Eine Person fand, die Kampagne zeige Männer und Frauen nicht ausgewogen. Solche Hinweise nehmen wir ernst. Gleichzeitig ist wichtig: Wir erzählen echte Geschichten von echten Menschen, nicht Rollenbilder. Die Diskussion hat gezeigt, wie sensibel das Thema ist und wie wichtig es ist, Vielfalt sichtbar zu machen.

Was bedeutet die Kampagne für die Spenderinnen und Spender?

Die Kampagne zeigt, wie ihre Unterstützung das Leben von Betroffenen konkret verbessert. Spenderinnen und Spender haben uns zurückgemeldet, dass sie durch die Geschichten besser verstehen, wofür ihr Beitrag eingesetzt wird. Die Kampagne stärkt das Vertrauen und bestätigt ihnen, dass ihre Spende dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Der erste grosse Auftritt ist vorbei. Wie geht es weiter?

Wir planen aktuell die nächsten Phasen der Kampagne. Besonders wichtig wird das Jahresende: Dann möchten wir die Menschen aktiv einbeziehen und setzen auf Beiträge von Betroffenen und ihren Angehörigen. Die Botschaften vom Februar bleiben im Verlauf des Jahres sichtbar, sowohl im öffentlichen Raum als auch digital. Wenn wir erreichen, dass mehr Menschen uns kennen, sich angesprochen fühlen und frühzeitig Unterstützung holen, dann wirkt diese Kampagne weit über ihre Laufzeit hinaus. •

krebsliga.ch/awareness

Die Kampagne der Krebsliga zeigt sechs echte Menschen, sechs echte Geschichten. Hier das Visual von Arjelynne im Bahnhof Bern.
«Sexualität ist oft weiterhin möglich, manchmal einfach anders als zuvor»

Hier eine Auswahl aktueller Fragen, die das KrebsInfoBeratungsteam erreichen.

1«Ich (64) habe die Diagnose Prostatakrebs erhalten. Welche Auswirkungen kann das auf meine Sexualität und Potenz haben?»

Die Art der Behandlung und Ihre persönliche Situation beeinflussen, wie stark Sexualität und Potenz sich verändern. Eine Operation oder Bestrahlung kann Erektionsstörungen verursachen. Bei einigen Männern verbessern sich die Erektionen wieder, bei anderen bleiben sie eingeschränkt. Auch der Orgasmus, das Lustempfinden oder der Samenerguss können sich verändern. Sexualität ist oft weiterhin möglich, manchmal einfach anders als zuvor. Auch eine Hormontherapie kann sexuelle Lust verringern, Erektionsprobleme, Müdigkeit oder körperliche Veränderungen hervorrufen. Diese Nebenwirkungen sind belastend. Medikamente, Hilfsmittel oder Sexual-/Paarberatungen helfen, neue Wege im Umgang mit Nähe und Intimität zu finden.

Weitere Informationen finden Sie in dieser Broschüre: krebsliga.ch/maennliche-sexualitaet

2«Ich hatte in jungen Jahren Hodenkrebs und musste einen Hoden entfernen lassen. Meine Frau und ich wünschen uns nun ein Kind. Wie stehen unsere Chancen, ein Kind zu bekommen?»

Viele Männer können auch mit nur einem Hoden Kinder zeugen. Entscheidend ist, ob der verbliebene Hoden genug Spermien bildet.

Auch frühere Behandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlung können die Fruchtbarkeit beeinträchtigt haben. Idealerweise lässt man deshalb vor Beginn einer solchen Therapie Samen einfrieren (Kryokonservierung), um die Fruchtbarkeit langfristig zu sichern. Ein Spermiogramm zeigt die aktuelle Samenqualität. Ist diese eingeschränkt, gibt es heute gute medizinische Möglichkeiten, etwa assistierte Reproduktion. Eine Beratung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Urologie oder Reproduktionsmedizin hilft, die persönlichen Chancen einzuschätzen und passende Schritte zu planen. Mehr lesen über Kinderwunsch bei Krebs: krebsliga.ch/kinderwunsch-trotz-krebs

3«Gibt es für mich als 32-jährigen Mann einen Bluttest, der Krebs erkennen könnte? Ich habe keine Symptome, aber einfach Angst vor einer Krebserkrankung.»

Es gibt einige Bluttests auf dem Markt, die in den Medien als medizinische Erfolge vorgestellt werden. Forschende arbeiten an diesen Tests, die man als Liquid Biopsy bezeichnet. Leider gibt es bisher keinen Test, der Krebserkrankungen zuverlässig erkennt. Die Resultate können falsche Ergebnisse hervorbringen. Viele Tests zeigen bei manchen Menschen Krebs an, obwohl der gar nicht vorliegt. Fachleute sprechen von «falsch-positiven» Testergebnissen. Andererseits erkennen die Tests manche Krebserkrankungen nicht, sind also «falsch-negativ». Für eine verlässliche Früherkennung sind diese Tests nicht geeignet. Neben der Früherkennung ist gerade Prävention für

Egal, welche Fragen Sie beschäftigen: Fachberater Thierry Maillard und das Team von KrebsInfo geben Auskunft oder vermitteln passende Anlaufstellen.

junge Menschen wichtig: Nicht rauchen, regelmässig bewegen und eine gesunde Ernährung senken das Risiko für Krebs. •

Auf unserer Website finden Sie Informationen zur Prävention: krebsliga.ch/praevention

KrebsInfo

Haben Sie Fragen zu Krebs? Möchten Sie über Ihre Ängste oder Erfahrungen sprechen? Wir helfen Ihnen weiter:

Gratis-Telefon 0800 11 88 11

E-Mail krebsinfo@krebsliga.ch

Chat krebsliga.ch/chat

WhatsApp +41 31 38 99 240

«Bei Prostatakrebs ist manchmal weniger mehr»

In der Prostatakrebs-Forschung könnten moderne Strahlentherapien kürzere Behandlungen, weniger Spitaltermine und mehr Lebensqualität ermöglichen.

Interview: Danica Gröhlich

Dr. Christina Schröder, Sie sind Oberärztin an der Klinik für Radio-Onkologie am Kantonsspital Winterthur. Was motiviert Sie, für Menschen mit Krebs zu forschen?

Dr. Christina Schröder: Ich setze mich für Krebsbetroffene ein, weil ich ihre Behandlung verbessern und ihre Lebensqualität stärken möchte. In der RadioOnkologie fasziniert mich besonders das Zusammenwirken von moderner Technik, biologischem Wissen und klinischer Praxis. Es ermöglicht, Therapien wirksamer, gezielter und besser auf den einzelnen Menschen abzustimmen.

Sie forschen gezielt zu Prostatakrebs. Benötigt jeder Mann nach einer Prostata-Operation noch eine Strahlentherapie?

Früher bekam fast jeder Mann mit höherem Risiko nach der Operation eine Strahlentherapie. Heute schaut man zuerst den sogenannten PSA-Wert im Blut an. Die Prostata bildet dieses prostata-spezifische Antigen, kurz PSA. Wenn die Prostata entfernt wurde, sollte das PSA nicht nachweisbar sein. Wenn dieser Wert wieder ansteigt, heisst das, dass noch Tumorzellen da sind, und dann wird bestrahlt. Mit diesem Vorgehen braucht heute nur noch etwa die Hälfte der Männer eine Bestrahlung. Früher hätte man vorsorglich alle behandelt.

Wie läuft eine Bestrahlung heute ab, und was bedeutet das für den Alltag der Betroffenen? In einem Gespräch erklären wir, warum die Bestrahlung nötig ist, wie sie abläuft und welche Nebenwirkungen möglich sind. Anschliessend planen wir die Behandlung mit einer CT (Computertomografie, einer speziellen Röntgenuntersuchung) und manchmal auch mit einer MRI (Magnetresonanztomografie, einer Untersuchung

mit Magnetfeldern). So können wir das Zielgebiet genau bestimmen und den Bestrahlungsplan erstellen. Die Therapie erfolgt meist einmal täglich an fünf Tagen die Woche über vier bis sechs Wochen ambulant. Die meisten Patienten können ihren Alltag weitgehend normal weiterführen, müssen aber täglich zum Bestrahlungstermin fahren, was Zeit, Aufwand und Kosten bedeutet.

Ihr Forschungsansatz setzt auf deutlich weniger Behandlungstermine. Warum kann «weniger» genauso gut oder sogar besser sein?

In unserem von der Krebsliga Schweiz unterstützten Forschungsprojekt prüfen wir, ob Männer nach einer Prostata-Operation auch mit einer kürzeren Strahlentherapie sicher sowie wirksam und ohne Nachteil behandelt werden können. Höhere Strahlendosen pro Sitzung treffen Prostatakrebszellen stärker als gesundes Gewebe in Darm oder Blase. Dieses Prinzip bewährt sich bereits in der Praxis, etwa bei der Strahlentherapie der Prostata ohne Operation oder zunehmend auch bei Brustkrebs. Möglich machen das auch grosse technische Fortschritte wie die stereotaktische Strahlentherapie, mit der sich hohe Dosen sehr präzise auf das Zielgebiet richten lassen.

Gibt es auch Risiken oder Bedenken bei einer so kurzen, intensiven Behandlung?

Jede Radiotherapie hat einen Beipackzettel, kann also Nebenwirkungen haben. Nach heutigem Wissen führen kürzere Behandlungen aber nicht zu deutlich mehr Nebenwirkungen als längere Therapien. Der Unterschied liegt vor allem im Zeitpunkt: Bei einer mehrwöchigen Bestrahlung treten Beschwerden oft während der Behandlung auf, bei der kurzen Therapie meist erst ein bis zwei Wochen danach. Wichtig ist, die Patienten gut aufzuklären.

Was würde es für die betroffenen Männer bedeuten, wenn sich die kurze Strahlentherapie bewährt?

Für die Patienten bedeutet es eine kürzere Behandlungszeit, weniger Spitaltermine und eine geringere Belastung. Die Männer können dieses Kapitel eher abschliessen, auch wenn Nachkontrollen nötig sind. Gerade bei älteren Männern mit langsam wachsendem Prostatakrebs könnten wir die Therapie noch besser auf persönliche Ziele abstimmen – die beste Lösung heisst manchmal «Weniger ist mehr». •

Weitere unterstützte Forschungsprojekte: krebsliga.ch/forschung

«Die meisten Patienten können ihren Alltag weitgehend normal weiterführen, müssen aber täglich zum Bestrahlungstermin fahren.»
Dr. Christina Schröder

Gut zu wissen

Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Die kastaniengrosse Drüse liegt unterhalb der Harnblase und umschliesst den oberen Teil der Harnröhre. Sie stellt den grössten Teil der Samenflüssigkeit her, hilft dabei, die Blase zu verschliessen, und bildet das prostataspezifische Antigen (PSA).

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in der Schweiz. Jedes Jahr erkranken etwa 8300 Männer daran. Die Krankheit tritt meist im höheren Alter auf, häufig ab 70 Jahren. Eine sichere Möglichkeit zur Vorbeugung ist bisher nicht bekannt. Die Behandlung richtet sich nach dem Risiko: Langsam wachsende Tumoren werden oft nur kontrolliert, aggressivere mit einer Operation oder Strahlentherapie behandelt, manchmal zusätzlich mit einer Hormontherapie.

Mehr Informationen zu Prostatakrebs: krebsliga.ch/prostatakrebs

Präzise Behandlung: Dr. Christina Schröder vor einem der Bestrahlungsgeräte am Kantonsspital Winterthur.

Zuckerwattemomente für Vater und Tochter

Danny erhielt viel Fanpost als Snowboarder, Motocrosser und Töffbauer. Heute freut sich der Berner am meisten über die Briefchen seiner Tochter. Das ist die Geschichte eines Vaters (51), der nach Hodenkrebs sein Leben umkrempelt – dank und für Charlie (7).

Text: Pia Schüpbach, Fotos: Sophie Frei, ZVG

Die Siebenjährige schleppt ihre Zuckerwattemaschine in die Nähe der Steckdose. «Welche Sorte möchtet ihr?», fragt sie den Besuch. Das Zuhause der beiden ist ein kleiner Spielplatz, gebaut von Danny. Im Innern des Häuschens nahe bei Bern führt neben der Treppe auch eine Rutschbahn in den unteren Stock. Auf dem eingebauten Zwischenstock aus Holz und Metall lädt ein Sofa zum Lümmeln ein. Darunter eine gestreifte Hängematte und eine weitere Matte mit vielen Kissen. Danny lacht. «Kein Wunder, haben wir häufig andere Kinder zu Besuch.»

Die Beziehung zwischen Vater und Tochter ist eng. Um Charlie wegen seiner Narbe am Bauch zu beruhigen, hat er sich ein Tattoo stechen lassen. Das Bild zeigt, wie «Peppa Wutz» einen Krebs aus dem Wasser zieht. «Dann», sagt Danny, «hat Charlie verstanden, dass die Narbe etwas Gutes hat.»

Als ihr Papa die Diagnose Hodenkrebs erhält, ist Charlie zwei Monate alt. Monatelang googelt Danny nach möglichen Ursachen für seinen vergrösserten Hoden und gibt sich mit der Erklärung Leistenbruch zufrieden. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl. Schamgefühle hindern ihn zuerst daran, zu seiner Ärztin zu gehen. Als er sich überwindet, hört er die Worte, die niemand hören will: «Sie haben Krebs.» Danny erinnert sich, wie er vor einer Voliere steht und unter Tränen seine Mutter anruft. Das zweite Telefonat führt er mit einem Freund, der Hodenkrebs überstanden hat. Das mindert die Angst etwas.

«Sie ist das Beste, was mir passiert ist»

Aber Danny macht harte Zeiten durch. Am Abend geht er weinend ins Bett, am Morgen steht er weinend wieder auf. Bis er irgendwann findet: «So geht es nicht weiter, du hast ein Leben. Und du hast Charlie.» Zwar war es nie sein Plan, Kinder zu haben. Das ändert sich mit dem ersten Schrei seiner Tochter: «Sie ist das Beste, was mir passiert ist.»

«Ich will ein Superpapi sein!»

Danny, Betroffener

Dannys Verlauf ist ungewöhnlich. Nach neun Monaten kommt sein Krebs zurück. Erneut steht eine hoch dosierte Chemotherapie an. Danny erinnert sich an die Worte seines Vaters nach einem Armbruch: «Das beginnt sofort zu heilen.» So sieht Danny auch die Chemo als etwas Positives. Sie muss sein, weil sie heilt. Doch er kämpft mit Sehschwäche, Gleichgewichtsstörungen, er verliert Zähne. Und die Haare. Es schüttelt ihn durch.

Glatze statt Chruseli

Danny baut sich selbst auf. «Ich stellte mir vor, wie es erst für eine Frau sein muss, alle Haare zu verlieren, wenn sie zuvor eine Mähne hatte», und sagt sich: «Danny, hör uf gränne wegen der paar Härchen.» Er hofft auf Chruseli nach der Chemo. Stattdessen wachsen nur etwas dunklere Haare nach. Danny rasiert sich den Schädel. Seither gehört die Glatze zu ihm wie die Tattoos auf dem ganzen Körper.

Täglich gibt es kleine Lichtblicke im Spital, wenn Charlie mit ihrer Mutter zu Besuch kommt und die kleine Familie zusammen frühstückt. Danach saust Danny mit Charlie im Chemowägeli durch die Gänge. «Das fand sie so lustig.»

Mit selbst gemachter Zuckerwatte macht Charlie auch ihren Papa glücklich.
Danny und seine Tochter – ein Dreamteam

Nach drei Monaten Chemo ist Danny nudelfertig. Dazu kommt kurz darauf die Trennung von seiner Partnerin, und wenige Wochen später zeigt eine Untersuchung, dass sich ein Lymphknoten im Bauch vergrössert hat. Um kein Risiko einzugehen, stellt sich Danny der komplizierten Operation.

Vom Motocrosser zum Chopper-Bauer

Es ist das zweite Mal im Leben, dass sich Danny umorientieren muss. Ein paar Jahre vor der Diagnose steht Danny als Snowboarder und BMX-Fahrer im Rampenlicht, im Freestyle-Motocross gehört er gar zur Weltspitze. Bis zu einem fatalen Sturz bei einem acht Meter hohen Sprung mit dem Töff. Der 49. Knochenbruch ist einer zu viel, Dannys Fuss «nur noch Mus», seine Karriere zu Ende. Tagsüber arbeitet Danny nun im Lackiergeschäft seines Vaters, in der Nacht restauriert er in seiner kleinen Garage in Bern Oldtimer-Motorräder. Er schafft es unter die weltbesten Chopper-Bauer, tritt bei Kurt Aeschbacher in dessen Sendung «Aeschbacher» auf und wird in der Szene ein Star. Sein Ruf reicht bis nach Japan und in die USA.

Neue Kampagne

Danny ist eines der Aushängeschilder

Auf der Fensterbank steht noch ein einziger Pokal, alle anderen hat er entsorgt – er hatte schlichtweg zu viele davon. «Ich glaube, da bin ich an der WM der Töffbauer Dritter geworden.» Auf der anderen Seite zieren Töffhelme die Fensterbank, an der Wand hängen Motocrosstrikots, Surfbretter und dazwischen Zeichnungen von Charlie.

«Papi, warum bist du eigentlich auf all diesen Bildern zu sehen?», fragt Charlie. Danny antwortet: «Weil ich möchte, dass die Menschen über Krebs reden.» Der 51-Jährige zeigt sein Gesicht bei der Kampagne der Krebsliga, die am Weltkrebstag (4. Februar) startete. «Okay, dann zähle ich alle Plakate mit deinem Foto», antwortet Charlie. Und fügt an: «Ich müsste doch auch auf einem Plakat sein mit meinem verletzten Finger.»

Danny geht mit seiner Geschichte offen um, weil er hofft, anderen damit zu helfen. Er verkörpert das Sujet Krebskämpfer. Die Kampagne bildet Gefühle und Rollen ab – wie Kraft, Wut, Würde oder Hoffnung. Das Ziel: Nähe und Vertrauen zu schaffen sowie die Krebsliga als empathische und verlässliche Organisation sichtbar zu machen.

krebsliga.ch/awareness

«Ich war es immer gewohnt, eine Entourage um mich herum zu haben, die alles managt», erzählt Danny. Nach seiner Krebsdiagnose spürt er: «Am Ende des Tages ist jede und jeder allein, kein Team kann helfen.» Danny tankt Kraft aus sich selbst. Und aus Charlie. «Ich war immer ein Stehaufmännchen, aber meine Tochter hat dafür gesorgt, dass mein Wille unbändig war, alles zu schaffen und bis heute gesund zu leben.» Er krempelt sein Leben radikal um.

Vom Geniesser zum Asketen

Das muss er auch. Denn die Chemo hat Spuren hinterlassen. Weil das Gefühl in den Fingerspitzen fehlt, hat Danny mehr Mühe, Töffs zu bauen. Auch das Gleichgewicht des einstigen Extremsportlers ist nicht mehr das Gleiche. «Darum trainiere ich so viel Jiu-Jitsu auf der Matte, so kann ich einigermassen sicher wieder Töff fahren.»

Danny stellt seine Ernährung um, verzichtet auf Alkohol. Fürs Training muss er nicht einmal ins Fitnessstudio. Denn sein Zuhause ist auch eine kleine Sporthalle. Im unteren Stock des Hauses liegen Hanteln neben einem Balancetrainer, ein Boxsack baumelt mitten im Raum, und an der Stahlkonstruktion hängt ein Schlingentrainer. An die eine Wand hat er Klettergriffe montiert. Wie fit Danny ist, spürt auch sein Töchterchen. Im Nu hebt er ihre 28 Kilo hoch und schwingt Charlie fürs Titelbild dieser Ausgabe über die Schultern.

Seit fünf Jahren arbeitet Danny an einer Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Mit den Jugendlichen schweisst er Silberschmuck, repariert Velos, unterrichtet aber auch Schulfächer oder macht eine 1:1-Betreuung. «Es ist manchmal anstrengend, gibt mir aber auch viel.»

Am Boden: Die Chemotherapie verlangte Danny alles ab.

vor der Krebsdiagnose.

Glücklich abseits des Rampenlichts

Sein Leben ist heute viel ruhiger. «Das Rampenlicht fehlt mir überhaupt nicht.» Lieber trainiert er eine Kindergruppe im Jiu-Jitsu, statt mit seinen Sponsoren an einer Rennpiste zu stehen.

Jeweils die halbe Woche lebt Charlie bei ihm. Seit vier Jahren ist Danny Single und hält den Kreis seiner Freunde bewusst klein. «Ich habe keine Lust auf Drama und Gossip.» Hat er «Danny-Zeit», steht er um sieben Uhr auf, trainiert, fährt Töff oder Snowboard. Am liebsten ist ihm indes «Charlie-Zeit». Mit ihr lebt er «total im Moment». Schon in seiner Zeit als Extremsportler hat er gelernt: Ein Fehler, und alles ist vorbei.

Dannys Alltag scheint unspektakulär. Mal Rambazamba zu Hause mit Charlies Freundinnen, mal ein Marienkäferchen retten oder mal einen Cervelat am Feuer bräteln. Danny hat erlebt, dass nichts selbstverständlich ist und der Krebs jederzeit zurückkehren kann. «Darum generiere ich besondere Momente für Charlie. Ich will ein Superpapi sein. Und bin ich mal nicht mehr da, hat Charlie hoffentlich viele schöne Erinnerungen.» •

Broschüre zu Hodenkrebs

Verständliche Infos auf 76 Seiten

Hodenkrebs ist eine seltene Krebsart. Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 470 Männer an Hodenkrebs. Hodenkrebs macht etwa zwei Prozent aller Krebskrankheiten bei Männern aus. Bei Männern unter 40 Jahren ist sie allerdings die häufigste Krebsart. Hodenkrebs wird in einem frühen und auch in einem späteren Krankheitsstadium bei der überwiegenden Mehrzahl der Betroffenen geheilt. Mitten im Leben stellen sich plötzlich viele Fragen. Antworten liefert die Broschüre.

Jetzt bestellen oder downloaden: krebsliga.ch/hodenkrebs-shop

Im Höhenflug: Danny war ein Star im Motocross. Links bei einem Rennen in Valence, rechts bei einer Bikeshow in Barcelona, sechs Monate

Unsichtbare Hürden beseitigen

Wer einmal an Krebs erkrankt ist, bekommt in der Schweiz nur schwer eine private Krankentaggeldversicherung. Das gilt auch, wenn die Krankheit viele Jahre zurückliegt. Die Krebsliga setzt sich dafür ein, dass Betroffene bei der Rückkehr in den Beruf keine Nachteile haben.

Text: Stefanie de Borba, Aline Descloux

«Ein Unglück kommt selten allein» – dieses Sprichwort kennen besonders Selbstständige, die an Krebs erkranken. Ein Beispiel ist Annika, über die wir vor einem Jahr in diesem Magazin berichtet haben. Nach ihrer Brustkrebserkrankung wollte sie beruflich neu starten. Sie musste ihren Traum der Selbstständigkeit aber aufgeben, weil das finanzielle Risiko ohne Krankentaggeldversicherung zu gross war. So wie Annika geht es auch anderen Menschen in der Schweiz.

Nach der Veröffentlichung ihrer Geschichte meldeten sich mehrere Personen bei der Krebsliga, die in einer ähnlichen Lage sind. Zum Beispiel ein Mann aus der Westschweiz, der anonym bleiben will. Mit 56 Jahren veränderte sich sein Leben schlagartig. Im Juni 2021 erhielt er die Diagnose multiples Myelom. Danach folgten eine schwierige Operation, eine Strahlen- und Chemotherapie sowie eine Stammzelltransplantation. Trotz der anstrengenden Behandlungen arbeitete er weiter, denn seine finanzielle Verantwortung ist gross: Seine Tochter studiert noch, und er leistet nach der Scheidung Unterhaltszahlungen. Während seiner Krankheit bekam er Geld von der Krankentaggeldversicherung und zeitweise auch IV-Leistungen.

Doch die Folgen der Erkrankung spürt er weit über die medizinische Behandlung hinaus. Der heute 61-Jährige lebt in ständiger Sorge, obwohl es ihm gesundheitlich wieder besser geht. Seine Krankentaggeldversicherung hat ihm die Verträge gekündigt. Bei einem Rückfall wären seine Reserven nicht ausreichend, um einen mehrmonatigen Lohnausfall zu tragen. Diese Aussicht belastet ihn sehr. «Die Sozialarbeiterin der Krebsliga Freiburg hat mir geholfen, den administrativen Aufwand zu bewältigen», erzählt er. Denn in der schwierigen gesundheitlichen und privaten Situation fehlten ihm dafür Zeit und Kraft.

Interview mit Nationalrat Benjamin Roduit

«Die Motion soll Menschen helfen, nach der Erkrankung wieder beruflich tätig zu sein»

Herr Roduit, Sie haben im Parlament eine Motion eingereicht, der zufolge nach einer abgeschlossenen Therapie der Zugang zu einer Krankentaggeldversicherung erleichtert werden soll. Was hat Sie dazu bewogen?

Benjamin Roduit: Als der Bundesrat auf eines meiner Postulate zur Absicherung von Selbstständigen einen Bericht veröffentlichte, wurde mir bewusst:

Die Lücken bei den Taggeldern sind gross. Mir wurden mehrere Fälle von Diskriminierung im Zusammenhang mit Gesundheitsfragebögen gemeldet.

Was will die Motion?

Das Ziel ist klar: Das Recht auf «medizinisches Vergessen» soll gewahrt sein, wenn eine Erkrankung beim Abschluss einer Taggeldversicherung mehr als fünf Jahre zurückliegt. Dadurch können gerade Selbstständige wieder in den Beruf einsteigen, ohne dass ein Damoklesschwert über der Entwicklung ihres Gesundheitszustands schwebt.

Warum ist die Schweiz hier im Vergleich zu anderen Ländern im Verzug?

Hierzulande wird oft auf die individuelle Verantwortung verwiesen, die es jedem Einzelnen ermöglichen würde, eine private Versicherung abzuschliessen. Für die Betroffenen ist es aber sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, von einem Versicherer akzeptiert zu werden. Das ist inakzeptabel.

Der Bundesrat lehnt die Motion ab. Was halten Sie davon?

Der Bundesrat scheint das Ausmass des Problems nicht zu erkennen. Er befürchtet eine hohe Komplexität der Fälle und scheint die Interessen der Versicherer verteidigen zu wollen. Zudem will er die Debatte über eine obligatorische Taggeldversicherung abwarten, obwohl er eine entsprechende Motion abgelehnt hat. Diese ist seit 2023 im Ständerat blockiert.

Um diese unsichtbaren Hürden zu beseitigen, braucht es nebst administrativer Unterstützung auch gesetzliche Veränderungen. In mehreren europäischen Ländern besteht bereits ein «Recht auf Vergessen». Es erlaubt Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, diese nach einer gewissen Zeit bei Vertragsabschlüssen nicht mehr anzugeben. In der Schweiz gibt es ein solches Recht bisher nicht. Sogar bei Menschen, die in der Kindheit erkrankten, prägt der Krebs ihr Leben noch lange nach der

Diagnose – nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell und gesellschaftlich.

Eine Motion, die Nationalrat Benjamin Roduit mit Unterstützung der Krebsliga eingereicht hat, geht das Problem nun auf gesetzlicher Ebene an. Es bleibt zu hoffen, dass das Parlament den Handlungsbedarf in dieser Sache erkennt. Damit Annika und andere Betroffene künftig nach ihrer Erkrankung einen beruflichen Neustart wagen können. •

Erbschaften und Legate

Ein Testament schreiben: Der perfekte Zeitpunkt ist vielleicht heute

Den richtigen Zeitpunkt für ein Testament gibt es nicht. Aber es gilt: Je früher, desto besser. Wenn das Lebensende noch fern erscheint, schreibt man entspannter und klarer. Der Tod ist abstrakt, der Kopf frei. Ein erstes Testament ist zudem eine wertvolle Grundlage. Ändert sich die Lebenssituation – durch Heirat, die Geburt eines Kindes, Scheidung oder einen Todesfall in der Familie –, ist es viel einfacher, ein bestehendes Dokument anzupassen, als eines von Grund auf neu zu verfassen.

Fällt es Ihnen schwer, die ersten Schritte anzugehen? Die Krebsliga bietet verschiedene Hilfsmittel, die Sie durch alle wichtigen Fragen begleiten. Herzensmenschen und

Herzensorganisationen im Testament zu begünstigen, löst ein gutes Gefühl aus. Das ist den Aufwand zu jeder Zeit wert. (mda)

Rauch- und Nikotinstopp

Jetzt abonnieren: Newsletter von stopsmoking

stopsmoking ist die nationale Plattform zur Unterstützung des Tabakund Nikotinausstiegs. Sie wird von der Krebsliga und Infodrog zusammen mit Fachleuten entwickelt und betrieben. Der neue Newsletter liefert Fachleuten mehrmals pro Jahr frische Impulse zum Rauchund Nikotinstopp. Kurz, klar und

fundiert: für alle, die in Beratung, Prävention, Bildung oder Gesundheit nah am Thema sind und bleiben wollen. Und für alle, die mehr über das Beratungsangebot stopsmoking, Tools und weitere Hilfen zum Ausstieg erfahren möchten. (spa) Jetzt abonnieren: stopsmoking.ch/newsletter

Weitere Tipps und Beispiele für die Formulierungen finden Sie im Testamentratgeber der Krebsliga Schweiz krebsliga.ch/erbschaften

Neue Broschüre

Gut informiert bei B- und T-ZellLymphomen

Die Redaktion Krebsinformationen hat eine neue Broschüre zu B- und T-Zell-Lymphomen erarbeitet. Diese ist ab sofort erhältlich. Sie ersetzt die beiden Broschüren «B-Zell-Lymphome» und «T-Zell-Lymphome» und beantwortet folgende Fragen: Was ist ein B-Zell-Lymphom? Was ist ein T-Zell-Lymphom? Welche Beschwerden weisen auf ein Lymphom hin? Welche Untersuchungen führen zur Diagnose? Welche Therapien gibt es? Was kann ich gegen Nebenwirkungen tun?

Das barrierefreie PDF herunterladen oder die Broschüre bestellen: krebsliga.ch/info-lymphome

«Schütze dich vor Hautkrebs»

Gemeinsam für mehr Sonnenschutz

Die Schweiz weist im internationalen Vergleich eine hohe Hautkrebsrate auf. Jedes Jahr erkranken hier rund 3500 Personen an schwarzem Hautkrebs (Melanom). Etwa 25 000 Personen erhalten die Diagnose weisser/ heller Hautkrebs. Deshalb setzen wir uns gemeinsam für den Sonnenschutz ein: das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Krebsliga Schweiz (KLS), die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) sowie die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV). Mit der nationalen Kampagne «Schütze dich vor Hautkrebs» informieren wir die Bevölkerung über die Risiken der Sonne und zeigen, wie man sich wirksam schützen kann.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website. Zudem machen Videos in den sozialen Medien und digitale Plakate auf das Thema Hautkrebs aufmerksam. (dag)

Mehr Informationen: gegen-hautkrebs.ch

Broschüre

Sonne? Aber sicher.

Sonnenschutz

Die Sonne spendet Wärme und ist lebenswichtig für uns. Ihre UV-Strahlen bergen aber auch Gefahren. Die Broschüre «Sonnenschutz» vermittelt fundiertes Wissen rund um UV-Strahlung und zeigt, wie man sich wirksam schützt. Sie richtet sich besonders an Menschen mit erhöhtem Risiko und greift auch Themen wie Solarien sowie Nutzen und mögliche Risiken von UV-Filtern in Sonnenschutzmitteln auf. (spa)

Broschüre bestellen oder downloaden: krebsliga.ch/info-sonnenschutz

Agenda

Die regionalen und kantonalen Krebsligen organisieren regelmässig Kurse, Treffen, Workshops und Veranstaltungen für Krebsbetroffene und ihre Angehörigen. Diese Angebote in Ihrer Region ermöglichen es Ihnen und Ihren Liebsten, durchzuatmen, Unterstützung zu finden und sich auszutauschen. Schauen Sie vorbei, machen Sie mit, und kehren Sie danach gestärkt in Ihren Alltag zurück. Wir freuen uns auf Sie!

Zu den Kursen und Veranstaltungen: krebsliga.ch/agenda

Agenda-Tipp

Sommer, Sonne, Sonnenschutz

Die Krebsliga Bern lädt zum Sommeranlass auf der Liegewiese im Eichholz ein. Die Kombination aus Information, kostenlosen Hautchecks von Dermatologinnen und Dermatologen sowie Familienprogramm soll das Bewusstsein für Sonnenschutz und Hautkrebsprävention nachhaltig stärken. Sämtliche Spendeneinnahmen kommen krebsbetroffenen Familien im Kanton Bern zugute.

Datum: 26. Juni 2026

Ort: Eichholz, Bern

Informationen und Anmeldung: bern.krebsliga.ch

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Das Lösungswort

Gewinnen Sie eines von 20 stilvollen Nikin-Duos für unterwegs

Stellen Sie sich vor: Sonnenschein, frische Luft – und Sie sind perfekt ausgestattet. Mit etwas Glück gewinnen Sie Ihre persönliche Nikin-Kombi:

1× TreeCap Baseball 1× TreeBottle Glass

Die Cap verleiht Ihrem Look eine lässige Note, trägt sich angenehm und schützt erst noch vor der Sonne. Ob beim Stadtbummel, auf Reisen oder bei Ihrem nächsten Outdooabenteuer. Die Glasflasche ist stilvoll, hochwertig und wiederverwendbar. Und sie eignet sich fürs Büro, für den Sport oder für unterwegs. Beide Produkte stellt Nikin fair in Europa her, zudem pflanzt das Unternehmen für jedes verkaufte Produkt einen Baum. Machen Sie jetzt mit, und sichern Sie sich Ihre Chance auf dieses nachhaltige Duo: perfekt für alle, die Mode und Natur verbinden möchten. (anz) nikin.ch

So nehmen Sie teil

Online: krebsliga.ch/loesungswort – oder mit einer Postkarte: Senden Sie das Lösungswort, Ihren Namen und Ihre Anschrift an folgende Adresse: Krebsliga Schweiz, Effingerstrasse 40, Postfach, 3001 Bern – oder per E-Mail: aspect@krebsliga.ch. Einsendeschluss ist der 27. Mai 2026. Viel Glück!

Die Gewinnerin der Januar-Ausgabe 2026, Lösungswort: ZUVERSICHT Marieken Verbruggen, Reichenbach im Kandertal

Hier gehts zum Rätsel:

«Heute geht es, morgen sehen wir weiter»

Als Angehöriger begleitete Jacques (74) seine Frau nach der Diagnose Hirntumor, vier Jahre später traf es ihn mit Prostatakrebs. Was ihm Kraft gab: das Theater, Singen und Tanzen.

Aufgezeichnet von Pia Schüpbach

«Vor fünf Jahren erhielt meine Frau die Diagnose Hirntumor, ein besonders aggressives Glioblastom. Wir entschieden uns bewusst, weiterzuleben, wenn möglich unsere Tochter in Kalifornien zu besuchen und nach vorne zu schauen. Trotzdem mussten wir viele Pläne aufgeben. Wir mussten unser Ferienhaus in Südfrankreich verkaufen und auch unser Zuhause in den Bergen, das wir uns für die Zeit nach der Pensionierung gekauft hatten.

Nach einer teilweisen Lähmung war meine Frau schliesslich auf den Rollstuhl angewiesen. In dieser Zeit erhielt ich die Diagnose Prostatakrebs. Jahrelange körperliche und emotionale Erschöpfung hatten mich wohl geschwächt. Ich kümmerte mich um meine Frau, aber nicht um mich selbst. Als sie ins Spital und später in eine Institution wechselte, wurde mir meine eigene Erkrankung erst richtig bewusst.

Bis heute spüre ich die Nebenwirkungen der Hormontherapie und der Bestrahlung: das Fehlen von Testosteron, Hitzewallungen oder Probleme beim Wasserlassen.

Während der onkologischen Rehabilitation haben mir das Theater, das Singen und das Tanzen sehr geholfen. Krebs hat mein Körperbild und meine Sexualität verändert. Ich habe jedoch gelernt, offen mit diesen Grenzen umzugehen. Einige Monate nach dem Tod meiner Frau habe ich mich völlig unerwartet neu verliebt und dabei von Anfang an über meine Erkrankung gesprochen. Schade, scheuen sich viele Männer, Verletzlichkeit zu zeigen. Ich vermute, aus Angst, schwach zu wirken.

Wichtige Unterstützung fanden meine Frau und ich damals bei der Krebsliga. Diese Begleitung hat mir geholfen weiterzugehen. Um etwas zurückzugeben, zeige ich gerne mein Gesicht in der Kampagne der Krebsliga.

Ich habe erlebt, wie stark eine Krebserkrankung das Umfeld verändert. Manche Menschen waren überraschend präsent, andere zogen sich zurück, überfordert vom Thema Krankheit und Tod. Für mich hingegen war der Tod nie ein Tabuthema.

Vor über einem Jahr ist meine Frau gestorben. Ich werde weiterhin behandelt und setze die Hormontherapie noch zwei Jahre fort. Danach folgen engmaschige Kontrollen. Seit diesen Schicksalsschlägen lebe ich nach einem einfachen Grundsatz: von Tag zu Tag. Heute geht es, morgen sehen wir weiter.

Weitere Erfahrungsberichte von Menschen mit Krebs: krebsliga.ch/story »

Jacques kennt Krebs aus zwei Perspektiven: als Angehöriger und als Betroffener. Der Vaudois zeigt sein Gesicht für die neue Kampagne der Krebsliga.

Danny Schneider, 51

«Ich habe überlebt –aber der Weg war heavy.»

Dank Ihrer Spende stärken wir Krebsbetroffene mit rechtlicher und finanzieller Beratung auf dem Weg zurück in den Alltag: krebsliga.ch

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Aspect, Ausgabe Mai 2026 by Krebsliga Schweiz - Issuu