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KPMG Gesundheitsbarometer 02/19

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Gesundheitsbarometer

Schwerpunktthema:

Digitale Transformation

Das Fachmagazin für die Gesundheitswirtschaft Ausgabe 35, 12. Jahrgang

02 / 19

Über diese Ausgabe

Leistungserbringer, Kostenträger und vor allem auch die Politik: Die Akteure im Gesundheitswesen sind gefragt, die Digitalisierung mitzugestalten. Mit welchen Themen des digitalen Wandels sich das Bundesgesundheitsministerium derzeit beschäftigt, verrät Christian Klose, Ständiger Vertreter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesministerium für Gesundheit, im Gespräch mit Axel Bindewalt, Head of Health Care von KPMG. Auch Kostenträger befinden sich in der Gestaltungsphase, sehen sich jedoch den divergierenden Ansprüchen ihrer Versicherten ausgesetzt. Diese müssen in der Digitalisierungsstrategie berücksichtigt werden, betont Helmut Gerhards von der DAK-Gesundheit. Einen ganz anderen Blickwinkel nimmt das mittlerweile gereifte Start-up Doctolib ein. Die Erfinder einer Terminverwaltungssoftware und einer Patienten-Onlineplattform zur Arztsuche haben sich komplett an den Bedürfnissen der Nachfragenden orientiert und sich so mit ihren Produkten erfolgreich am Markt platziert. Gleiches gilt für das Start-up Medikura. Diesem liegt die Arzneimittelsicherheit besonders am Herzen. Auch Medikura hat erkannt: Ein größtmöglicher (gerade auch digitaler) Einbezug der Patienten und Konsumenten von Arzneimitteln macht durchaus Sinn und kann sogar ein ganzes Geschäftsmodell begründen. Die Leistungserbringer im Markt –vor allem Krankenhäuser – haben es in dieser Hinsicht nicht so leicht. Wenngleich auch sie beabsichtigen, zu digitalisieren, steht am Anfang doch immer die Frage der Finanzierung. Wie ein besonderer Vorreiter in Sachen Digitalisierung, das Universitätsklinikum Essen, mit dieser schwierigen Frage umgegangen ist, erklärt

Prof. Dr. Jochen Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen. Aber wie weit ist der deutsche Gesundheitsmarkt insgesamt denn nun wirklich in puncto Digitalisierung?

Prof. Dr. Volker Penter von KPMG fragt zu Recht: Wissen wir, wo wir wirklich stehen? Im Fachbeitrag erfahrener KPMG-Experten, die sich schwerpunktmäßig mit digitalen Lösungen befassen, wird klar:

Die Zukunft der medizinischen Versorgung ist datengetrieben. Es gibt hier schon heute immer mehr moderne Schnittstellen, Dashboards, Robotics und KI, die die Arbeitsabläufe und Versorgungsstrukturen in der Gesundheitswirtschaft revolutionieren.

Die Medizintechnikbranche befindet sich ebenfalls in einer Transformation. Neue Regulierung, neue Technik, neue Ansprüche: Wir betrachten in einem Fachbeitrag den aktuellen Status der Medical Device Regulation, die derzeit die Med-Tech-Branche in Atem hält. Gemeinsam mit Dr. Stefan Schaller von Siemens Healthineers gehen wir der immer weiter fortschreitenden Precision Medicine auf den Grund.

Darüber hinaus finden Sie in dieser Ausgabe weitere Expertenartikel aus der Gesundheitswirtschaft. So wird etwa die mittlerweile deutlich erkennbare Konsolidierungsbewegung der Krankenversicherungen beleuchtet. Der ehemalige CEO der schweizerischen Privatklinikgruppe Hirslanden, Dr. Ole Wiesinger, gibt uns Einblicke in globale Strategien, die zum Erfolg führen.

Das Gesundheitsbarometer

Mit unserem Fachmagazin, dem KPMG-Gesundheitsbarometer, fördern wir seit zwölf Jahren regelmäßig den fachlichen Austausch in der spannenden und komplexen Branche der Gesundheitswirtschaft. Dafür konnten wir bereits zahlreiche impulsgebende Perspektiven von hochkarätigen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, Politik und Forschung gewinnen.

W ir erreichen rund 7.000 Führungskräfte und Interessenten aus den Bereichen Gesundheitspolitik, Krankenhaus, Rehabilitation, Pflegeeinrichtungen, Sozialversicherungsträger sowie Medizintechnik, pharmazeutische Industrie und Biotechnologie.

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

auch in diesem Jahr 2019 dominieren in den Programmheften der Gesundheitskonferenzen wieder Digitalisierungsthemen: Robotics hier, KI dort. Es scheint, als bestimmten nur noch diese Themen die Debatte im Gesundheitswesen. Digitaler Wandel ist das Buzzword

Nachdem sich die letzte Veröffentlichung des Gesundheitsbarometers mit dem Schwerpunkt globale Herausforderungen beschäftigt hat, richtet die aktuelle Ausgabe den Fokus auf die digitale Transformation im Gesundheitswesen, vor allem in Deutschland.

S ie möchten regelmäßig über aktuelle Themen der Gesundheitsbranche informiert werden? Abonnieren Sie kostenfrei unser Gesundheitsbarometer als Printoder Onlineexemplar.

www.kpmg.de/gesundheitsbarometer

der vergangenen Monate. Aber ist dies nicht langsam überholt? Befinden wir uns nicht vielmehr schon inmitten der digitalen Transformation? Als Prüfungs- und Beratungsgesellschaft agieren wir am Puls der Zeit. Wir erleben, dass die Beratungsbedürfnisse immer tief greifender und spezieller werden, mit immer neuen inhaltlichen und technischen Herausforderungen. Diese werden schon heute angegangen und umgesetzt. Reden wir zukünftig besser nicht mehr von Wandel, rücken wir lieber die zahlreichen smarten Ideen und Erfolge von Start-ups in den Fokus, die schon lange den Markt gestalten. Befassen wir uns gezielt mit Digitalisierungsstrategien bei Kostenträgern und Leistungserbringern, die schon lange funktionieren. Nehmen wir verstärkt einmal moderne Schnittstellen, Datenbanken und Dashboards in den Blick, wie sie heute schon den Markt bestimmen.

Die spannenden Wege und Einschätzungen der Experten der digitalen Transformation finden Sie in diesem aktuellen Gesundheitsbarometer.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.

Inhaltsverzeichnis

Inhalte auf einen Blick

SCHWERPUNKT

INTERVIEW: Die Gesundheit zieht um: Raus aus der Arztpraxis, rein ins Privatleben

INTERVIEW: Wirtschaftlich smart, menschlich stark: Smart Hospital

INTERVIEW: Geschäftsmodelle der Medizintechnik im Umbruch

INTERVIEW: Der mündige und souveräne Patient

INTERVIEW: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Patienten

INTERVIEW: Mehr Zeit für den Patienten statt für die Terminvereinbarung

Zukunft ist datengetrieben

Digitalisierung in der Krankenhauspraxis

KRANKENVERSICHERUNG Ist Fusion gleichbedeutend mit Erfolg?

MEDIZINTECHNIK

STRATEGIE INTERVIEW: Case for Change

NACHGEFRAGT KOLUMNE: Der Mensch als Industriepalast

Alle Inhalte auf einen Blick

Zukunftsgerechte Antworten finden: Die Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ des Bundesgesundheitsministeriums treibt neue Wege der Gesundheitsversorgung voran.

Seite 8

„Nicht alles digitalisieren“, aber den Kundennutzen verstärkt in den Fokus rücken –

so beschreibt die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands ihren Erfolgskurs.

Seite 14

Steinzeit Deutschland: Trotz sicherer Onlinebuchung

eines Termins nutzen viele Akteure im Gesundheitswesen noch das Fax.

Seite 20

Das Krankenhaus der Zukunft ist datengetrieben und datengesteuert.

Seite 24

Digitalisierung gehört auch auf die Agenda kleiner Krankenhäuser. Ein Plädoyer für ein „Smart Hospital“

Seite 28

Weniger als 1 Prozent aller Nebenwirkungen  werden heutzutage gemeldet –Schluss damit!

Seite 32

Wo stehen die Krankenhäuser wirklich in Sachen Digitalisierung?

Seite 36

Wann sich Fusionen im Krankenversicherungsmarkt lohnen.

Seite 40

Die neue Medical Device Regulation (MDR) hat auch Auswirkungen auf die Leistungserbringer.

Seite 44

Präzisionsmedizin

ist kein Zukunftstrend. Sie ist schon mitten unter uns.

Seite 48

Stetige Transformation als Erfolgsformel für eine internationale Klinikkette.

Seite 52

Eine Kolumne über den Menschen als Industriepalast –

Qualität kann man nicht messen.

Seite 57

SCHWERPUNKT

INTERVIEW

Die Gesundheit zieht um: Raus aus der Arztpraxis, rein ins Privatleben

Dem digitalen Wandel mit neuen Ansätzen begegnen

Christian Klose, Ständiger Vertreter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesministerium für Gesundheit, im Gespräch mit Axel Bindewalt, Head of Health Care, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Herr Klose, Sie sind im Juli 2018 von der AOK Nordost ins Bundesministerium für Gesundheit abgeordnet worden. Wie geht es Ihnen mit diesem Wechsel?

Großartig, auch meine bisherigen Aufgaben haben mir viel Freude bereitet, aber die regulatorische Perspektive hier im Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist natürlich noch einmal etwas vollkommen Neues mit ganz eigenen, vielfältigen Herausforderungen. Von dem Gesetzgebungshandwerk über Technologiefragen bis hin zu politischen Abwägungen: Man hat hier einen sehr breiten Fächer von Aufgaben, und es kommt noch ständig Neues hinzu, wenn man Digitalisierung ernst meint und in allen Bereichen des Gesundheitswesens vorantreiben will.

Pflege und weitere Leistungserbringergruppen an die TI – nicht sofort, aber so schnell wie möglich. Derzeit arbeiten wir die konkreten Regelungen etwa hinsichtlich Zugriff und Finanzierung aus.

Auch die elektronische Patientenakte kommt. Spätestens ab Anfang 2021 soll diese für sämtliche gesetzlich Versicherten zur Verfügung stehen. Alle, die dies wollen, können sie nutzen. Befüllt mit Daten von allen behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Per Smartphone zugänglich. Mit integrierten Mehrwertanwendungen, die die Krankenkasse anbieten kann. Das wäre und wird ein spürbarer Fortschritt: Unnötige Doppeluntersuchungen und Vielfachanamnesen entfallen. Ärztliche Entscheidungen werden für Patienten nachvollziehbarer. Evidenzbasierte Medizin bekommt größere Durchsetzungskraft. Und wichtig ist auch: Es entstehen mehr Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Behandlern und Patienten.

„Klar ist: Die digitale Infrastruktur für das Gesundheitswesen kommt. Rund 65.000 Arztpraxen in Deutschland sind inzwischen an die Telematikinfrastruktur angeschlossen.“

Zu den erweiterten Möglichkeiten gehört auch die Telemedizin. Wir werden hier bald mehr Bewegung sehen. Wir haben mit den Beschlüssen zur Aufhebung des generellen Fernbehandlungsverbots ein klares und positives Signal der Ärzteschaft erhalten, dass sie gute Anwendungen nicht blockieren, sondern unterstützen will. Jetzt brauchen wir die schnellstmögliche Integration sinnvoller telemedizinischer Leistungen in die Regelversorgung.

Die Idee einer digitalen Gesundheitsakte und einer einheitlichen Telematikinfrastruktur (TI) gibt es in Deutschland schon seit mittlerweile zwei Jahrzehnten. Durch das E-Health-Gesetz und die Akzentuierung durch Jens Spahn kommt nun mehr Tempo in das Thema Digitalisierung. Wie schätzen Sie diese Dynamik ein – wo stehen wir derzeit?

Es wird wirklich Zeit, dass es richtig losgeht. Wir im BMG wollen nach den vielen Jahren, die wir schon gewartet haben, endlich konkrete Fortschritte sehen. Wie soll man sonst die Menschen von den Vorteilen der Digitalisierung überzeugen? Darum wollen wir auch die Strukturen in der gematik verändern: Wenn wir an Tempo gewinnen wollen, brauchen wir auch effektive Entscheidungsprozesse.

Klar ist: Die digitale Infrastruktur für das Gesundheitswesen kommt. Rund 65.000 Arztpraxen in Deutschland sind inzwischen an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen. Notfalldaten und Medikationsplan werden als erste medizinische Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) bald zur Verfügung stehen. Dann wird Mehrwert für die Patienten endlich konkret erlebbar. Wir bringen auch die

„Die Gesundheit zieht um: Raus aus der Arztpraxis, rein ins Privatleben, in den normalen digitalen Alltag. Das ist für die Gesundheitsversorgung etwas ganz Neues und bietet große Chancen.“

viel entstehen, wenn zugleich auch die Unternehmen in diesen Veränderungsprozess hineingehen: sich vom Denken in Produkten, Komponenten und Technologien ein Stück weit zu lösen und sich den Mehrwerten zuzuwenden, die daraus für die Patienten, für die Ärzte, für die Gesundheitsversorgung geschaffen werden können.

Das BMG hat das Format „Innovation trifft Politik“ ins Leben gerufen, bei dem junge Unternehmen ihre neuen kreativen Ideen und Visionen für die digitale Gesundheitsversorgung vorstellen können. Wo geht die Reise hin? Werden diese Ideen tatsächlich in die Regelversorgung integriert?

Wie wollen Sie erreichen, dass Telemedizin wirklich im Alltag der Patienten ankommt?

Wir arbeiten ganz konkret daran und passen die bestehenden Regelungen so an, dass mehr möglich wird. Die Videosprechstunde soll flächendeckend selbstverständlich werden – für alle Patienten, für alle Krankheitsbilder, auch im Pflegeheim, und einschließlich der Ausstellung von elektronischen Rezepten. Das muss möglich werden, dazu haben wir bereits gesetzliche Maßnahmen auf den Weg gebracht, und es kommen noch mehr.

Wichtig ist auch, dass wir es schaffen, gute Projekte zu skalieren. Viele Projekte im Innovationsfonds und darüber hinaus zeigen, was möglich ist. Ob der Hausbesuch von der Praxisschwester, die den Arzt per Video zuschaltet, ob die Tele-Visite im Pflegeheim oder auch Tele-Konsile zwischen ärztlichen Kollegen – hier wird sichtbar und erlebbar, wie digitale Unterstützung unsere Versorgung verbessern und den Alltag für die Beteiligten leichter machen kann. Es ist klar, dass wir zu größeren Handlungsspielräumen, flexibleren Erprobungsräumen und zu besseren Skalierungsmöglichkeiten kommen müssen. Regionale Projekte müssen so aufgesetzt werden, dass der Weg in die Regelversorgung im Erfolgsfall klar definiert und zügig gangbar ist. Wir haben das im Blick und arbeiten an konkreten Maßnahmen, um das besser zu lösen als bisher.

Wir sind sicher: Wenn Ärzte und Patienten erst einmal konkret erfahren, welche Vorteile es für sie hat, wenn die Kommunikation in der Versorgung einfacher wird, wenn umständliche Papierprozeduren entfallen, wenn wichtige Gesundheitsinformationen im richtigen Moment am richtigen Ort zur Verfügung stehen, wenn man Zeit und Wege sparen kann – dann wird auch die Bereitschaft für weitere Veränderungen wachsen. Vor allem wird die Bereitschaft wachsen, die Vorteile der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung anzunehmen und zu nutzen. Hier kann richtig

Die digitalen Anwendungen für Patienten haben eine Entwicklung in Gang gesetzt, die niemand mehr aufhalten kann. Wir alle sind daran beteiligt, wir alle treiben sie voran. Die Gesundheit zieht um: Raus aus der Arztpraxis, rein ins Privatleben, in den normalen digitalen Alltag. Das ist für die Gesundheitsversorgung etwas ganz Neues und bietet große Chancen. Es ist ein grundsätzlicher Perspektivwechsel. Die alleinige Ausrichtung auf den Arzt ist ein Auslaufmodell. Erfolgreiche digitale Lösungen werden aus der Perspektive des Patienten entwickelt und stellen seine Bedürfnisse und sein Alltagshandeln in den Mittelpunkt. Das wird die Versorgungsprozesse, die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ganz grundsätzlich verändern.

„Die alleinige Ausrichtung auf den Arzt ist ein Auslaufmodell. Erfolgreiche digitale Lösungen werden aus der Perspektive des Patienten entwickelt und stellen seine Bedürfnisse und sein Alltagshandeln in den Mittelpunkt.“

Mobile Gesundheitstechnologien werden nicht nur Kommunikation und Prozesse deutlich umwälzen. Im Zusammenspiel von Software, Sensorik und Medizintechnik tun sich auch ganz neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten auf. Die Richtung ist klar: Die medizinische Kompetenz wird immer stärker in die Algorithmen gehen bzw. sie wird immer stärker dort entstehen. Das wird kein persönliches Gespräch

„Wir haben dicke Bretter zu bohren und einige Fragen zu beantworten, wenn wir digitale Anwendungen für die Gesundheitsversorgung in die Fläche bekommen wollen.“

setzen zunehmend auf Zusammenarbeit mit den Neuen. Wie nehmen Sie diese Entwicklungen auf und integrieren sie?

ersetzen und keine menschliche Zuwendung. Das soll es auch nicht. Aber es macht die Behandlung für die Patienten vielfach leichter. Es entlastet die Ärzte und Therapeuten. Möglicherweise werden wir hier auch den Ausgangspunkt für neue Vergütungs- und Krankenversicherungsmodelle sehen.

Der digitale Start-up-Markt wird immer größer und facettenreicher. Auch die etablierten großen Player

Die Dynamik, die wir sehen, ist großartig. Es passieren eben sehr spannende Dinge, wenn sich verschiedene Kulturen vermischen: Auf der einen Seite die etablierten Unternehmen und Akteure der Gesundheitswirtschaft sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie. Auf der anderen Seite die Entwickler und Kreativen, die aus ganz anderen Kontexten kommen und ganz neu denken. Das müssen wir dann auch als Gesetzgeber tun, wenn wir die Chancen nutzen wollen. Wir müssen die Rahmenbedingungen so weiterentwickeln, dass digitale Produkte in der Versorgungswirklichkeit und bei den Versicherten ankommen. Wir werden Wege finden – auch wenn die neuen Produkte und Lösungen in vieler Hinsicht quer zum Gewohnten liegen, auch wenn sie sich nicht so leicht einfügen in die sozialrechtliche Begrifflichkeit und Systematik, die wir in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten für die Gesundheitsversorgung entwickelt haben. Wir haben dicke Bretter zu bohren und einige Fragen zu beantworten, wenn wir digitale Anwendungen für die Ge -

„Die Digitalisierung, darin besteht ja die große Herausforderung, erfordert einen Umbau in praktisch allen Bereichen des Gesundheitssystems.“

sundheitsversorgung in die Fläche bekommen wollen. Wichtig ist vor allem: Wie können wir für Innovatoren eine gute Beratung aus einer Hand anbieten? Wie können wir zu einem zügigen, standardisierten Zulassungsverfahren kommen und damit Transparenz und Planbarkeit für die Anbieter schaffen? Wie können wir die Gesundheitsleistungen, die Algorithmen und künstliche Intelligenz zur Verfügung stellen und sicher in unserer Versorgung einsetzen? Und noch viele Fragen mehr. Die Digitalisierung, darin besteht ja die große Herausforderung, erfordert einen Umbau in praktisch allen Bereichen des Gesundheitssystems. Wir müssen auch darüber nachdenken, wie die Vergütungssysteme für die Leistungserbringer, die ja auf eine Vor-Ort-Behandlung in der Praxis, im Krankenhaus usw. ausgerichtet sind, für die neuen digital gestützten Behandlungsmöglichkeiten gängig gemacht werden können. Wir müssen die Anreize und die Rahmenbedingungen für Ärzte, für Krankenkassen, für Anbieter insgesamt so setzen, dass wir etwas in Bewegung bringen. Wir wollen einen Wettbewerb um gute Lösungen, die den Nutzern helfen und die Gesundheitsversorgung dauerhaft und substanziell besser machen.

Christian Klose Ständiger Vertreter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesministerium für Gesundheit

„Von Verbesserungen wie Videosprechstunden, digitalen Rezepten und elektronischen Patientenakten profitieren alle: Leistungserbringer, Kostenträger und auch der Patient. Das Bundesgesundheitsministerium ist Wegbereiter und Gestalter dieser Veränderungen.“

Christian Klose wurde im Jahr 2007 Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Berlin. Mit der Vereinigung der AOK Berlin und AOK Brandenburg im Jahr 2010 übernahm er die Rolle des Geschäftsführers im neu geschaffenen Geschäftsführungsbereich Markt der AOK Berlin-Brandenburg. Dieser Aufgabe widmete er sich auch ein Jahr später in der aus einer weiteren Vereinigung mit der AOK Mecklenburg-Vorpommern hervorgegangenen AOK Nordost. Im Jahr 2016 wurde Christian Klose Chief Digital Officer der AOK Nordost. Im Juli 2018 wechselte er als Ständiger Vertreter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ ins Bundesministerium für Gesundheit. Aktuell ist er Unterabteilungsleiter „Telematik, gematik und e-Health“.

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft abindewalt@kpmg.com

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