In unserem Topthema berichten wir heute über den EU-Fitness-Check zu Sustainable Finance: Hier besteht für Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, die Möglichkeit, eigene Positionen in den Regulierungsprozess einzubringen und damit Einfluss auf den künftigen Regulierungsrahmen der Unternehmensberichterstattung in der EU zu nehmen.
Zudem stellen wir Ihnen die Ergebnisse einer Analyse der Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen des IFRS 15 zur Umsatzlegung bei den DAX-30-Unternehmen vor.
Abschließend informieren wir Sie über die Bekanntmachung des DRS 25 Währungsumrechnung im Konzernabschluss im Bundesanzeiger.
Ihnen eine anregende Lektüre!
Ihre Hanne Böckem Partnerin, Department of Professional Practice
Inhalt
1 Topthema 2 EU-Fitness-Check: Sustainable Finance als Treiber für die neue EU-Konsultation zur Unter nehmens berichterstattung 2
2 IFRS-Rechnungslegung 5 Aktuelle Einblicke in die Auswirkungen des IFRS 15 auf DAX-30-Unternehmen 5
3 HGB-Rechnungslegung 8 Bekanntmachung des DRS 25 Währungsumrechnung im Konzernabschluss im Bundesanzeiger 8
4 Veranstaltungen 9
5 Veröffentlichungen 11
6 Ansprechpartner 12
1
Topthema
EU-Fitness-Check: Sustainable Finance als Treiber für die neue EU-Konsultation
zur Unternehmensberichterstattung
Auch für Brüsseler Verhältnisse ist es äußerst ungewöhnlich, dass eine Initiative im Finanzmarktbereich unter Beteiligung des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und drei weiteren EU-Kommissaren aus der Taufe gehoben wird. So geschehen am 22. März 2018 bei einer Konferenz anlässlich der neuen Kommissionsinitiative zu Sustainable Finance. In Form eines Aktionsplans wurde ein umfassendes Maßnahmenprogramm zur Verpflichtung aller Finanzmarktakteure auf nachhaltiges Handeln verkündet. Grundlage hierfür war der Schlussbericht einer High-Level-Expertengruppe (HLEG) der Europäischen Kommission von Februar dieses Jahres. Neben verpflichtenden Maßnahmen, beispielsweise konkretisierten Treuepflichten für institutionelle Investoren und Asset Manager, einem „Green Supporting Factor“ für Eigenkapitalanforderungen bei Banken sowie einer grünen Taxonomie für Finanzanlagen steht beim Aktionsplan auch die Unternehmensberichterstattung im Fokus. Hier können die betroffenen Unternehmen auch eigene Positionen im Rahmen eines Konsultationsverfahrens einbringen und damit Einfluss auf den künftigen Regulierungsrahmen nehmen.
Breit angelegter EU-Fitness-Check Zentrale Maßnahme im Hinblick auf die Berichterstattungsaspekte ist eine breit angelegte StakeholderKonsultation („EU-Fitness-Check“). Diese wird in einem parallelen Konsultationsverfahren durchgeführt und geht inhaltlich über Nachhaltigkeitsaspekte hinaus. Das Ende März veröffentlichte Konsultationsdokument greift mit 67 Fragen detailliert grundlegende Vorstellungen des im Februar 2018 veröffentlichten Fahrplans (Roadmap) der Europäischen Kommission auf. Die Fragen betreffen die Berichterstattung sowohl börsennotierter als auch nichtbörsennotierter Unternehmen. Zudem geht es um branchenspezifische Aspekte der Rechnungslegung bei Banken und Versicherungsunternehmen.
In einem ersten Abschnitt werden Fragen zum gegenwärtigen gesetzlichen EU-Rahmen für Unter nehmens berichterstattung gestellt, die das kohärente und effiziente Zusammenwirken der verschiedenen Gesetzgebungsinstrumente (EU-Rechnungslegungsrichtlinie, EU-IAS- Verordnung etc.) thematisieren. Der zweite Abschnitt widmet
sich der Unternehmensberichterstattung im grenzüberschreitenden Kontext mit besonderem Fokus auf dem Zusammenwirken mit den entsprechenden steuerlichen Regelungen. In einem dritten Abschnitt wird die Situation der Berichterstattung bei börsennotierten Unternehmen beleuchtet. Hierbei werden der Umgang mit den vom internationalen Standardsetzer IASB erarbeiteten und von der EU als rechtlich verbindlich angenommenen IFRS besonders hervorgehoben sowie Sinn und Zweck der Quartalsberichterstattung ausgeführt.
Der vierte Abschnitt des Konsultationsdokuments geht auf spezifische Fragestellungen im Zusammenhang mit der Berichterstattung bei Banken und Versicherungsunternehmen ein. Auf den Prüfstand kommen ins besondere die EU-Banken- und Ver sicherungsbilanzrichtlinien.
Der fünfte Abschnitt widmet sich der nichtfinanziellen Berichterstattung. Schwerpunktmäßig behandelt er dabei die Angemessenheit der bisherigen Regulierung durch die EU-CSR-Richtlinie, die Rolle der unverbindlichen EU-Leitlinien und die Frage, wie die Leitlinien weiter-
GEORG LANFERMANN, WP/STB
ist Partner im Department of Professional Practice Audit & Accounting bei KPMG.
Er befasst sich mit Regulierungsthemen im Bereich Corporate Gover nance, Rech nungslegung und Abschlussprüfung.
BRINGEN AUCH SIE SICH EIN!
Das Konsultationspapier finden Sie hier
entwickelt werden sollen. Auch potenzielle Vorteile einer integrierten Berichterstattung (Integrated Reporting) von finanziellen und nichtfinanziellen Aspekten werden abgefragt. Bisher hatte die Europäische Kommission bei ihren Regulierungsinitiativen zur nichtfinanziellen Berichterstattung dem Integrated Reporting keinen Raum gegeben.
Schließlich werden in einem sechsten Abschnitt die Herausforderungen der Digitalisierung für die Unternehmensberichterstattung adressiert. Zunächst werden mögliche Barrieren durch den gegenwärtigen Regulierungsrahmen angesprochen. Thematisiert werden auch die Auswirkungen elektronisch strukturierter Berichte – einschließlich einer Einschätzung des ESEF (European Single Electronic Format). Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA hatte der Europäischen Kommission im Dezember 2017 einen Regulatory Technical Standard (RTS) zu ESEF übersandt, damit diese den RTS in Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie für Geschäftsjahre ab 2020 verbindlich vorschreibt. Nicht unumstritten ist dabei die Strukturierung mittels XBRL auf Grundlage der von der IFRS Foundation entwickelten IFRS-Taxonomie. Auch wenn die Europäische Kommission den RTS bisher noch nicht veröffentlicht hat, werden erneut die Vorteilhaftigkeit abgefragt und mögliche weitere Anwendungsbereiche, etwa für Halbjahresabschlüsse oder Lageberichte, zur Diskussion gestellt.
Konsultationsfrist bis 21. Juli 2018 Das Ergebnis der Konsultation zum EU-Fitness-Check wird ein Arbeitspapier („Staff Working Paper“) der Europäischen Kommission sein, das 2019 veröffentlicht werden soll. Wie im Aktionsplan zu Sustainable Finance besonders hervorgehoben wird, kann dieses Papier auch gesetzgeberische Vorschläge ankündigen. Die zeitliche Planung deutet daraufhin, dass die Schlussfolgerungen erst mit Blick auf die Tätigkeit der nächsten Europäischen Kommission erfolgen. Im Mai 2019 stehen EU-Parlamentswahlen an. Anschließend wird sich auch die Europäische Kommission neu konstituieren. Ebenfalls wird Großbritannien zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich bereits aus der Europäischen Union ausgeschieden
sein – wobei Groß britannien bisher bei EU-Initiativen zur Ausgestaltung der Unternehmensberichterstattung häufig den Ton angab. Insofern legt die gegenwärtige Europäische Kommission mit der Konsultation zum EU-Fitness-Check im Bereich der Unternehmensberichterstattung die Grundlagen für das europäische Arbeitsprogramm der kommenden Jahre. Dies gilt sicher auch für den zukünftigen europäischen Umgang mit den IFRS.
Die Konsultation zum EU-FitnessCheck läuft noch bis zum 21. Juli 2018. Alle betroffenen StakeholderGruppen sind aufgerufen teilzunehmen.
TCFD soll kurzfristig kommen Der Aktionsplan selbst enthält neben dem skizzierten EU-Fitness-Check nur wenige unmittelbar wirkende Maßnahmen für die Unternehmensberichterstattung. Für das zweite Quartal 2019 wird eine unverbindliche Leitlinie angekündigt, mit der die CSR-Berichterstattung um Angaben aus der vom Financial Stability Board initiierten Task Force for Climate-related Financial Disclosures (TCFD) ergänzt werden soll. Die TCFD empfiehlt Erläuterungen der Unternehmen zu Governance, Strategie, Risikomanagement und Messgrößen in Bezug auf Klimaschutz. Dabei stehen Angaben zu den finanziellen Auswirkungen von Risiken und Chancen des Klimawandels und zur Widerstandskraft von Geschäftsmodellen in unterschiedlichen Klimaszenarien im Vordergrund. Die am 5. Juli 2017 veröffentlichte EU-Leitlinie zur CSR-Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen stellt ihrerseits die Auffassung der Europäischen Kommission dar, wie die Vorgaben der EU-CSR-Richtlinie von den betroffenen Unternehmen umgesetzt werden sollen. Bisher dürfte die EU-Leitlinie aufgrund ihrer späten Veröffentlichung bei den berichtenden Unternehmen nur wenig Wider-
hall gefunden haben. Zur Erinnerung: Deutsche Unternehmen haben gerade erst ihre Projekte zur Umsetzung des deutschen CSR-RichtlinieUmsetzungsgesetzes (CSR-RL-UG) abgeschlossen und veröffentlichen 2018 erstmalig ihre nichtfinanzielle Erklärung nach den Anforderungen des CSR-RL-UG. Es soll aber offenkundig Druck auf die zur CSR-Berichterstattung verpflichteten Unternehmen ausgeübt werden, sich schnell auf eine Berücksichtigung der TCFD-Angaben einzustellen. Auch sind weitere gesetzgeberische Vorschläge im Rahmen der für 2018 von der Europäischen Kommission geplanten Überprüfung der Implementierung der CSR-Richtlinie nicht auszuschließen.
Offenkundiger Zwist mit dem IASB Ein besonderes Spannungsfeld beleuchtet die im dritten Abschnitt des Konsultationspapiers aufgeworfene Frage, ob mit Blick auf das nachhaltige Handeln von Finanzmarktteilnehmern auch der europäische Umgang mit IFRS einer Reform bedarf. Denkbar erscheint für die Zukunft mehr Spielraum für Abweichungen von den IFRS im Rahmen des EU-Endorsement-Verfahrens. Wurden bisher regelmäßig vollständige IFRS in europäisches Recht übernommen, könnte eine Änderung der EU-IAS-Verordnung zu zusätzlichen Berichtsanforderungen über die IFRS (Carve-ins) hinaus oder zur Ablehnung von Teilen einzelner vom IASB verabschiedeter IFRS (Carveouts) führen.
Ausgangspunkt der Überlegungen der Europäischen Kommission ist dabei die Frage, ob die IFRS eher kurzfristiges Handeln der Stakeholder begünstigen. Die Kommission bemängelt, dass das Leitbild des langfristig agierenden Investors im Standardsetzungsprozess des IASB nicht ausreichend Berücksichtigung findet. Sie macht dies insbesondere an der Frage der Fair Value-Bewertung
des IFRS 9 fest. Allerdings ist diese Diskussion nicht neu: Fragen des Endorsements wurden erst jüngst bei der Reform der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) intensiv diskutiert.
Beim IASB gibt man sich angesichts der neuen EU-Priorität – insbesondere was mögliche Auswirkungen auf das Standardsetting durch das IASB angeht – ziemlich unbeeindruckt. Der IASB-Chairman Hans Hoogervorst hat in den letzten Monaten wiederholt betont, dass das
IASB hinsichtlich der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsas pekten nur geringen Änderungs bedarf im IASB-Regelwerk sieht. Konkret angegangen wird ein vom IASB beschlossenes Projekt zur Abänderung des IFRS Practice Statement No. 1 zum Management Commentary. Derzeit wird noch am Entwurf gearbeitet. Die angespannte Gesprächsatmosphäre zwischen IASB und Europäischer Kommission wurde zuletzt in einer Pressemitteilung des IASB Ende März 2018 besonders deutlich. Darin stellen IASB Chairman Hans Hoogervorst und IFRS Foundation Chairman Michel Prada gemeinsam die Sinnhaftigkeit möglicher Carve-ins bzw. Carve-outs auf EU-Ebene infrage.
LITERATURHINWEIS
Georg Lanfermann: Sustain able Finance als neues Leitmotiv der Unternehmensberichterstattung, BB 2018, S. 490 ff.
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IFRS-Rechnungslegung
Aktuelle Einblicke in die Auswirkungen des IFRS 15 auf DAX-30-Unternehmen
IFRS 15 regelt die Erfassung von Umsatzerlösen neu und ist ab dem 1. Januar 2018 erstmals anzuwenden. Die IFRS-Konzernabschlüsse der DAX-30-Konzerne zum 31. Dezember 2017 geben einen aktuellen Einblick in die erwarteten Auswirkungen des IFRS 15. Hintergrund ist die Angabepflicht zu den erwarteten Auswirkungen der Erstanwendung neuer Standards in der nachfolgenden Rechnungsperiode. Die Analyse der entsprechenden Angaben in den IFRS-Abschlüssen der DAX-30-Konzerne zeigt zum einen die Bandbreite notwendiger Änderungen in der Umsatzlegung. Zum anderen überrascht, dass die Mehrzahl der DAX-30-Unternehmen keine wesentlichen Auswirkungen auf die Umsatzerlöse beim Übergang auf die Neuregelung des IFRS 15 erwartet. Im Folgenden stellen wir unsere Erkenntnisse aus der Analyse der Anhangangaben aus IFRS-Konzernabschlüssen zum 31. Dezember 2017 bzw. 30. September 2017 von 27 DAX-30-Unternehmen1 dar.
Anforderungen an die Bericht erstattung Unternehmen sind gemäß IAS 8.30 f. verpflichtet, über neue oder geänderte Standards oder Interpretationen des IASB im Jahresabschluss zu berichten, sofern diese Standards und/oder Interpretationen im Berichtszeitraum noch nicht verpflichtend anzuwenden sind und von dem jeweiligen Unternehmen auch nicht vorzeitig angewendet werden. Folgende Angaben im Anhang sind unter anderem in Bezug auf den neuen Standard erforderlich:
– Art der bevorstehenden Änderung der Rechnungslegungsmethode – Erwartete Auswirkungen auf den Abschluss im Erstanwendungsjahr – Geplante Ausübung der Wahlrechte zum Übergang auf die neuen Regelungen.
Diese Angaben haben wir ausgewertet. Unsere Auswertung beruht ausschließlich auf unserem Verständnis aus der Lektüre der jeweiligen Anhangangaben. Es wurde keinerlei Gewichtung nach Branchen oder anderen Kriterien wie beispielsweise der quantitativen Auswirkung vorgenommen.
Sowohl die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e. V. (DPR) als auch die European Securities and Markets Authority (ESMA) haben die Angaben nach IAS 8.30 zu den neuen Standards, darunter IFRS 15, als einen Prüfungsschwerpunkt für 2018 definiert. Die beiden Regulatoren erwarten insbesondere aussagekräftige qualitative und quantitative Angaben zu den Auswirkungen von IFRS 15.
Große Bandbreite von quanti tativen Auswirkungen Unsere Analyse zeigt ein sehr breites Spektrum an erwarteten quantitativen Auswirkungen durch den IFRS 15. Obwohl die Mehrzahl der Unternehmen (22 von 27 Unternehmen) keine wesentlichen quantitativen Auswirkungen erwartet, werden dennoch in der überwiegenden Zahl (21 von 27 Unternehmen) auch Einzeleffekte quantifiziert bzw. der Gesamteffekt auf die Gewinnrücklagen zum Erstanwendungszeitpunkt angegeben. Die Angaben zu den Auswirkungen reichen dabei von konkreten Zahlenwerten (Punktwert) und Bandbreiten bis hin zu qualifiziert-komparativen Aussagen (zum Beispiel niedriger dreistelliger Millionenbetrag).
1 Banken und Versicherungen wurden nicht einbezogen.
Vielfalt an unternehmensspezifisch relevanten Aspekten Ebenso breitgefächert sind die von den Unternehmen identifizierten Anwendungsbereiche, bei denen sich Änderungen aus der Erstanwendung von IFRS 15 ergeben. In den untersuchten Konzernabschlüssen finden sich insgesamt 75 Einzelangaben über unternehmensspezifisch relevante Aspekte. Diese 75 Einzelangaben haben wir 24 Regelungsbereichen des IFRS 15 zugeordnet, die in der Tabelle auf der folgenden Seite zusammengefasst sind.
Mit einer absoluten Häufigkeit von zehn Nennungen ist „Umsatzperiodisierung (insbesondere zeitpunktvs. zeitraumbezogene Umsatzrealisation)“ am häufigsten vertreten, gefolgt von „Prinzipal versus Agent“ und der „Aktivierung von Vertragskosten“ mit jeweils sechs Nennungen. Dies nehmen wir zum Anlass, auf diese drei Bereiche etwas näher einzugehen.
Umsatzperiodisierung (insbesondere zeitpunkt- vs. zeitraumbezogene Umsatzrealisation) Nach IFRS 15 bestimmt der Zeitpunkt der Übertragung der Verfügungsgewalt die Umsatzrealisierung.
Daraus können sich hinsichtlich der Auswirkung auf die Periodisierung der Umsatzerlöse zwei Richtungen ergeben. Zum einen kann die Übertragung der Verfügungsgewalt an den verkauften Gütern der Dienstleistungen im Vergleich zum bisher für die Umsatzrealisation maßgeblichen Zeitpunkt später stattfinden. Genannt wird beispielsweise, dass nach den neuen Regeln der Umsatz erst bei Auslieferung, statt während Projektlaufzeit zu realisieren ist. In anderen Fällen kommt es zu einer früheren Umsatzrealisation durch Anwendung von IFRS 15. In den Anhangangaben wird der Fall kundenspezifischer Konsignationslagervereinbarungen aufgeführt, die nach IFRS 15 vielfach bereits zum Zeitpunkt der Einlagerung und nicht erst bei dokumentierter Entnahme zu Umsatzerlösen führen können.
Prinzipal versus Agent
In einer Reihe von Geschäftsmodellen steht zwischen einem Unternehmen und dem Endkunden ein weiteres Unternehmen, das die Waren oder Dienstleistungen vertreibt. Dieses Unternehmen kann wirtschaftlich als Vermittler (Agent) einer Leistung tätig sein. In der Folge erfasst es Umsatzerlöse in Höhe seines eigenen Anteils an dem Geschäft (netto). Dies kann zum Beispiel eine fixe Vermittlungsgebühr oder die Differenz zwischen dem Umsatz mit dem Kunden und dem Einstandspreis für die Waren oder Leistungen sein. Erbringt das Unternehmen die Leistung dagegen selbst bzw. hat es die Verfügungsgewalt über eine bestimmte Ware oder Leistung, bevor diese an den Kunden übertragen wird, ist es Prinzipal. Es erfasst die Umsatzerlöse in voller Höhe sowie die entsprechenden Aufwendungen für die Einstandskosten bezogener Waren oder Leistungen. Die neuen Regeln zur Identifikation der beiden Rollen können in vielen Grenzfällen zu Änderungen führen. Wenn sich eine Änderung ergibt, hat dies zwar keine
Tabelle: Themen nach Häufigkeit
Themenbereiche
1. Umsatzperiodisierung (insbesondere zeitraum- vs. zeitpunktbezogen)
Auswirkung auf das Gesamtergebnis, aber die absolute Höhe der Umsatzerlöse und des Materialaufwands ändert sich.
Aktivierung von Vertragskosten Nach IFRS 15 wird zwischen Kosten der Vertragsanbahnung und Kosten der Vertragserfüllung unterschieden. Unter bestimmten Voraussetzungen sind diese Kosten zu aktivieren und planmäßig in Abhängigkeit von der Übertragung der Güter oder Dienstleistungen auf den Kunden abzuschreiben. Dies führt in einigen genannten Fällen etwa dazu, dass nach der Anwendung von IFRS 15 mehr Kosten für die Auftragserlangung aktiviert werden als nach früheren Bilanzierungsmethoden.
Fast alle Regelungsbereiche des neuen Standards haben Auswirkungen auf die Unternehmen Die genannten, von den Unternehmen in insgesamt 75 Einzelangaben skizzierten Änderungen lassen sich den einzelnen Phasen des 5-Schritte- Modells des IFRS 15
zuordnen. Dabei zeigt sich, dass mit Ausnahme von Schritt 1 (Identifizierung des Vertrags mit dem Kunden) sämtliche Phasen und darüber hinaus weitere Regelungsbereiche des IFRS 15 (Anwendungsleitlinien, Kosten, Ausweis und Sonstiges) betroffen sind. Die Abbildung auf der folgenden Seite veranschaulicht dies.
Die große Bandbreite der Auswirkungen auf die tatsächliche Erfassung von Umsatzerlösen spiegelt sich auch in dieser Darstellung. In der Praxis lässt sich vor einer Detailuntersuchung der Verträge mit Kunden nicht einschätzen, ob und durch welche Detailregelung sich die Erfassung der Umsatzerlöse ändert. Gerade für die hier untersuchten Konzerne ist der Übergang auf IFRS 15 mit erheblichem Aufwand verbunden. Da die Regeln zum Teil im Wesentlichen die Periode der Umsatzrealisation ändern, stehen die letztlich resultierenden Auswirkungen der Umstellung auf IFRS 15 in keinem Verhältnis zu dem erforderlichen Analyseaufwand.
Identifizierung des Vertrags mit einem Kunden
Identifizierung der vertrag lichen Leistungsverpflichtungen
Der Übergang auf die neuen Regelungen
Bestimmung Transaktionspreis
IFRS 15 sieht grundsätzlich zwei Methoden des Übergangs auf die neuen Regelungen vor. Nach der retrospektiven Methode wird der neue Standard rückwirkend angewendet – als wäre IFRS 15 schon immer angewendet worden. Diese Methode erleichtert dem externen Adressaten das Verständnis der Geschäftsentwicklung, weil der Umsatz der aktuellen und der Vergleichsperiode nach den gleichen Regelungen ermittelt wird. Trotz der für diese Methode zusätzlich anwendbaren Erleichterungsregelungen kann die Anwendung der retrospektiven Methode sehr aufwendig sein. Dementsprechend haben auch nur drei Unternehmen von dieser Methode Gebrauch gemacht. Alle anderen (24 Unternehmen) wenden die modifiziert-retrospektive Methode an. Danach sind die Effekte aus der erstmaligen Anwendung kumulativ zum Erstanwendungszeitpunkt, das heißt zum Eröffnungsbilanzstichtag der Erstanwendungsperiode im Eigenkapital
Aufteilung Transaktionspreis auf Leistungsverpflichtungen
Erfassung der Umsatzerlöse bei Erfüllung einer Leistungsverpflichtung
Ansatz von Vertrags kosten Zum Beispiel Prinzipal versus Agent, Kundenoptionen
zu erfassen. Die Vergleichsperiode, das Geschäftsjahr 2017, wird nicht angepasst, der Umsatz in dieser Periode damit noch nach IAS 11 oder IAS 18 erfasst. Bei dieser Methode sind zusätzliche Anhangangaben aufzunehmen, die den Periodenvergleich ermöglichen sollen. Für den Abschlussadressaten verbleibt gleichwohl die Schwierigkeit, dass er die Umsatzentwicklung im Vorjahresvergleich nicht unmittelbar aus der Gesamtergebnisrechnung ableiten kann.
Ausblick
Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass eine Vielzahl von anwendungsrelevanten Themenbereichen aus der Erstanwendung von IFRS 15 identifiziert und adressiert wurde. Zudem verdeutlicht die häufig vorgenommene Quantifizierung von Einzeleffekten, dass sich die untersuchten DAX-30-Unternehmen intensiv mit dem IFRS 15 auseinandergesetzt haben. Der endgültige Praxistest wird sich allerdings noch im Erstanwendungsjahr 2018 aus dem laufenden Geschäftsbetrieb
Zum Beispiel Ausweis und sonstige
heraus ergeben. Wir erwarten, dass sich zusätzliche Detailfragen ergeben werden.
Für die Zwischenberichterstattung ist zu identifizieren, welche Angaben im ersten Zwischenabschluss des Jahres 2018 (Q1/2018 oder erstes Halbjahr 2018), der nach IAS 34 aufgestellt wird, bezogen auf die erstmalige Anwendung neuer Vorschriften zu machen sind. Gemäß IAS 34 sind bei Anwendung einer neuen Rechnungslegungsmethode eine Beschreibung der Art der Änderung und eine Beschreibung der Auswirkung der Änderung im verkürzten Anhang darzustellen. Da die modifiziert-retrospektive Methode erstmals bei der Einführung eines neuen Standards zugelassen wird, wird es in vielen Fällen zur Information der Adressaten des Zwischenabschlusses sachgerecht und notwendig sein, die spezifischen Anhangangaben des IFRS 15, die eine Vergleichbarkeit mit der Vorjahresperiode herstellen sollen, auch im Zwischenabschluss darzustellen.
Abb. 1: 5-Schritte-Modell des IFRS 15
HGB-Rechnungslegung
Bekanntmachung des DRS 25 Währungsumrechnung im Konzernabschluss
Die Bekanntmachung des Deutschen Rechnungslegungs Standards Nr. 25 (DRS 25) durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gemäß § 342 Abs. 2 HGB wurde am 3. Mai 2018 im amtlichen Teil des Bundesanzeigers veröffentlicht. Damit wird mit der ordnungsgemäßen Anwendung des DRS 25 die Vermutung verbunden, dass die die
im Bundesanzeiger
Konzernrechnungslegung betreffenden Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beachtet wurden.
DRS 25 konkretisiert die Grundsätze der Währungsumrechnung nach § 308a HGB und adressiert in diesem Zusammenhang bestehende Zweifelsfragen. Darüber hinaus konkretisiert der Standard die Grund -
sätze zur Umrechnung von Geschäftsvorfällen in fremder Währung in den Handelsbilanzen II der einbezogenen Unternehmen als Teil der konzerneinheitlichen Bewertung nach § 308 HGB. DRS 25 konkretisiert ferner die Anforderungen an die Angaben zur Währungsumrechnung im Konzernanhang unter Beachtung des § 313 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 HGB.
Veranstaltungen
TERMINE / VERANSTALTUNGSORTE
Seminar, 9.00–17.15 Uhr
Dienstag, 5. Juni 2018 Frankfurt am Main, in den Geschäftsräumen von KPMG
Mittwoch, 6. Juni 2018 Hannover, in den Geschäftsräumen von KPMG
Dienstag, 12. Juni 2018 Düsseldorf, in den Geschäftsräumen von KPMG
Montag, 18. Juni 2018 Hamburg, in den Geschäftsräumen von KPMG
Dienstag, 19. Juni 2018 Berlin, in den Geschäftsräumen von KPMG
Donnerstag, 21. Juni 2018 München, in den Geschäftsräumen von KPMG
Fit fürs Tax Accounting –Grundlagen-Workshop zum IAS 12
Bei internationalen Abschlüssen nach IFRS hat sich das Tax Accounting und insbesondere die Bilanzierung latenter Steuern als eigenständiger Bereich entwickelt. Die Brisanz dahinter: Unschärfen bei der Ermittlung latenter Steuern können empfindliche materielle Folgen haben. Umso wichtiger ist es, die Vorschriften des IAS 12 sicher zu beherrschen und anzuwenden.
In unserem Workshop vermitteln wir Ihnen die Grundlagen des IAS 12 anwenderfreundlich, sodass Sie in der Lage sind, Berechnungen latenter Steuern eigenständig durchzuführen. Umfangreiche Beispiele aus der Praxis vermitteln ein gutes Verständnis und geben Hilfestellung für die Lösung eigener Problemstellungen.
Dabei spielen selbstverständlich auch kritische Aspekte wie aktive latente Steuern bzw. komplexe Fälle wie Personengesellschaften sowie Konzernbuchungen eine Rolle.
Der Workshop eignet sich für Einsteiger und Fortgeschrittene.
Zielgruppe
Die Veranstaltung richtet sich an Leiter und Mitarbeiter der Steuerabteilung, Leiter und Mitarbeiter des Rechnungswesens sowie Steuerreferenten von Firmen, die nach IFRS bilanzieren.
Ihre Ansprechpartnerin
Angela Heinrich T 030 2068-1510 aheinrich@kpmg.com
Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person 500 Euro zzgl. USt.
Anmeldung
Bitte registrieren Sie sich bis eine Woche vor der jeweiligen Veranstaltung hier online oder senden Sie eine E-Mail an Angela Heinrich
Eine gesonderte Anmeldebestätigung erhalten Sie per E-Mail. Die Rechnung für die kostenpflichtigen Veranstaltungen senden wir Ihnen nach der Veranstaltung zu.
TERMIN / VERANSTALTUNGSORT
8.30–11.00 Uhr
Dienstag, 19. Juni 2018 Hamburg, in den Geschäftsräumen von KPMG
Media meets Accounting #2
Die Medienwelt befindet sich in einem fundamentalen Strukturwandel. Das mobile Internet, soziale Netzwerke und digitale Geschäftsmodelle werden immer wichtiger. Die digitale Transformation konfrontiert Medienunternehmen mit strategischen, aber auch mit konkreten bilanziellen, steuerlichen, rechtlichen*, technischen und sicherheitsrelevanten Herausforderungen.
Unsere Veranstaltungsreihe „Media meets Accounting“ bietet Ihnen eine Plattform für den fachlichen Austausch mit Branchenkollegen und erfahrenen Medienspezialisten von KPMG.
Gemeinsam mit Ihnen wollen wir Handlungsoptionen und Lösungsansätze für die Praxis diskutieren, aber auch auf individuelle Fragen eingehen.
Seminare und Aktuelles zu den Veranstaltungen finden Sie hier Auch Anmeldungen sind dort online möglich – schnell und unkompliziert.
Zielgruppe
Die Veranstaltung richtet sich an Führungskräfte und Angestellte aus den Bereichen Finanzen, Controlling, Rechnungswesen, Steuern und Compliance von Medienunternehmen.
Ihre Ansprechpartnerin
Anke Siegmund T 040 32015-5344 ankesiegmund@kpmg.com
Teilnahmegebühr
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Anmeldung
Bitte registrieren Sie sich bis zum 7. Juni 2018 hier online oder per Mail an Anke Siegmund
*Die Rechtsberatungsleistungen werden durch die KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erbracht.
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Veröffentlichungen
An dieser Stelle informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle KPMG- Publikationen auf dem Gebiet der handelsrechtlichen und internationalen Rechnungslegung.
Vor Kurzem in Fachzeitschriften erschienen:
Sonstige Themen
ComplianceManagementSysteme
Bußgeldmindernde Wirkung eines Compliance-Management-Systems
ESMA Finaler Standardentwurf der ESMA zum einheitlichen elektronischen Berichtsformat (ESEF)
Links zu internationalen KPMG-Veröffentlichungen:
IFRS – Disclosures
IFRS-Abschluss Illustrative disclosures –Guide to condensed interim financial statements
IFRS-Abschluss Disclosure checklist –Guide to condensed interim financial statements
The future of IFRS
Accounting policy
Conceptual Framework –The new foundation for IFRS
WPg 08/2018, 470–476
Jan-Hendrik Gnändiger Katharina Kleff
DB 13/2018, 713–720 Dirk Jödicke Ralf Jödicke
Ein detaillierter Leitfaden für die Erstellung von condensed consolidated interim financial statements nach IAS 34 Interim financial reporting
Eine Checkliste der benötigten Angaben für die Erstellung von condensed consolidated interim financial statements nach IAS 34 Interim financial reporting
Eine Übersicht der Einflüsse und Herausforderungen, die sich durch die Änderungen des aktualisierten IFRS Conceptual Framework for Financial Reporting ergeben.
6 Ansprechpartner
Für weitere Informationen oder Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sprechen Sie uns an.
REGION NORD
Haiko Schmidt
T +49 40 32015-5688 haikoschmidt@kpmg.com
REGION WEST
Ralf Pfennig T +49 221 2073-5189 ralfpfennig@kpmg.com
REGION SÜDWEST
Johann Schnabel T +49 89 9282-4634 jschnabel@kpmg.com
Düsseldorf
Saarbrücken
Freiburg
DEPARTMENT OF PROFESSIONAL PRACTICE
Christian Zeitler T +49 30 2068-4711 czeitler@kpmg.com
Dr. Markus Fuchs T +49 30 2068-2992 markusfuchs@kpmg.com
Wolfgang Laubach T +49 30 2068-4663 wlaubach@kpmg.com
Dr. Hanne Böckem T +49 30 2068-4829 hboeckem@kpmg.com
REGION OST
Tobias Nohlen T +49 30 2068-2362 tnohlen@kpmg.com
REGION MITTE
Manuel Rothenburger T +49 69 9587-4789 mrothenburger@kpmg.com
REGION SÜD
Dr. Markus Kreher T +49 89 9282-4310 markuskreher@kpmg.com
Dr. Anne Schurbohm T +49 30 2068-4929 aschurbohm@kpmg.com
Ingo Rahe T +49 30 2068-4892 irahe@kpmg.com
Impressum
Herausgeber
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Klingelhöferstraße 18 10785 Berlin
Redaktion
Dr. Hanne Böckem (V. i. S. d. P.) Department of Professional Practice T +49 30 2068-4829
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