Krankenhaus-Rechnungswesen Grundlagen, Beispiele, Aktuelles, Trends
Prof. Dr. Volker Penter · Dr. Bernd Siefert





Leseprobe


3. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage


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Krankenhaus-Rechnungswesen Grundlagen, Beispiele, Aktuelles, Trends
Prof. Dr. Volker Penter · Dr. Bernd Siefert







3. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage


– Grundlagen, Beispiele, Aktuelles, Trends –
Grundlagen, Jahres- und Konzernabschluss, Bilanzpolitik und Bilanzanalyse, Trennungsrechnung, Abschlussprüfung, Aufsichtsorgane, Corporate Governance, Krisenmanagement, Beihilferecht, Unternehmensplanung
Prof. Dr. Volker Penter / Dr. Bernd Siefert
3. Auflage 2018
© 2010 Mediengruppe Oberfranken – Fachverlage GmbH & Co. KG, Kulmbach
Druck: Generál Nyomda Kft., H-6727 Szeged
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme ist unzulässig und strafbar.
www.ku-gesundheitsmanagement.de
ISBN: 978-3-947566-21-1
2.3.3
2.3.3.1
2.3.3.2
2.3.3.3
2.3.4
2.3.4.1
2.3.4.2
2.3.4.3
2.3.5
2.3.5.1
2.3.5.2
2.3.5.3
2.3.5.4
3.1 Grundlagen der Rechnungslegung
3.1.1 Krankenhausbuchführungsverordnung und
3.1.1.1
3.1.1.2 Änderungen des Handelsrechts durch das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) und weitere Gesetze
3.1.1.3 Handelsgesetzbuch (HGB)
3.1.1.4
3.1.1.5 Deutsches Gesetz über die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHG)
3.1.1.6 Deutsches Aktiengesetz (AktG)
3.1.1.7 Gesetz über die Rechnungslegung von bestimmten Unternehmen und Konzernen – Publizitätsgesetz (PublG) ..................................................
3.1.1.8
3.1.2
3.2 Gliederung nach Handelsrecht, KHBV, Steuerrecht und
3.2.1
3.2.2
und Verlustrechnung
3.3
3.3.1.1
3.3.1.2
3.3.2
3.3.2.1
3.3.3.2
3.3.4
3.3.4.1
3.3.4.2
4.1.2.3
4.1.3.1
4.1.3.3
4.1.4
4.1.4.1
4.1.4.2
4.1.4.3
4.1.4.4
und Verlustrechnung
4.1.4.5 Eigenkapitalspiegel (Eigenkapitalveränderungsrechnung in IFRS)
4.1.4.7
4.1.5
4.1.8.1
4.1.8.3
4.1.8.4
4.1.9
4.2.1 Zeitpunkt der Erstkonsolidierung bei ausstehenden Genehmigungen 394
4.2.2 Ansatz von immateriellem Anlagevermögen im Rahmen der Kaufpreisallokation 397
4.2.3 Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes für gefördertes Anlage vermögen im Rahmen der Bewertung erworbener identifizierter Vermögenswerte
4.2.4 Restrukturierungsaufwendungen im Rahmen der Kaufpreisallokation 402
4.2.5 Ermittlung der Anschaffungskosten bei sonstigen Verpflichtungen 404
4.2.6 Negativer Kaufpreis beim Erwerb von Krankenhäusern 404
4.2.7 Folgebewertung des Geschäfts- oder Firmenwertes bzw. des Unterschiedsbetrags aus der Kapitalkonsolidierung ........................................
4.2.8 Ermittlung der zahlungsmittelgenerierenden Einheit (CGU) nach IFRS 412
4.2.9 Konsolidierung gemeinnütziger Gesellschaften 414
5.3.3
6.2.1
6.2.2
6.2.2.1
6.2.2.2
6.2.4
7.2.3
klinikum ................................................................................................
7.3 Methoden zur Kostenzuordnung zwischen Forschung / Lehre und Kranken versorgung ...............................................................................................................
7.3.1 Notwendigkeit der verursachungsgerechten Kostenzuordnung
7.3.2 Grenzen der verursachungsgerechten Kostenzuordnung ....................... 481
7.3.3 Bereichsspezifische Ansätze zur Kostenabgrenzung
7.3.4 Kostenartenspezifische Ansätze zur Kostenabgrenzung
7.3.4.1 Personalkosten
7.3.4.2 Sachkosten
7.3.4.3 Investitionskosten .................................................................................
7.3.4.4 Infrastruktur- und Administrationskosten
7.3.4.5 Drittmittelbezogene Kosten ...................................................................
7.4 Abbildung der Trennungsrechnung im externen Rechnungswesen ........................... 491
7.4.1 Abbildung bei der Medizinischen Fakultät 493
7.4.2 Abbildung beim Universitätsklinikum 498
7.4.3 Erstellung einer Organisationsrichtlinie zur Trennung von Forschung und Lehre sowie Krankenversorgung
500
7.4.3.1 Prozessschritte der Organisationsrichtlinie und Ableitung des Mittel verwendungsnachweises 501
7.4.3.1.1 Bereichsspezifische Kostenabgrenzung (Prozessschritt 1) ....................... 501
7.4.3.1.2 Erstellung einer Summen- und Saldenliste für die Medizinische Fakultät (Prozessschritt 2) 502
7.4.3.1.3 Kostenartenspezifische Kostenabgrenzung (Prozessschritt 3) 503
7.4.3.1.4 Darstellung des Mittelverwendungsnachweises (Prozessschritt 4) 504
7.4.3.1.5 Erstellung und Verbuchung der Residualgröße aus der Mittel verwendungsrechnung (Prozessschritt 5) 504
7.4.3.2 Qualitätssichernde Maßnahmen
7.5
7.5.2 Kooperationsmodell
7.5.2.1 Universitätsklinikum als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) .... 506
7.5.2.2 Universitätsklinikum als Juristische Person des Privatrechts (gemeinnütziges Krankenhaus) 512
7.5.3 Integrationsmodell
7.5.3.1 Leistungen des Klinik BgA an den Hoheitsbereich Forschung und Lehre 514
7.5.3.2 Leistungen des Hoheitsbereichs Forschung und Lehre an den Klinik BgA 516
7.6 Bilanzierung und Erfassung von Forschungsprojekten 516
7.6.1 Pauschalen im System der Drittmittelförderung von Forschungseinrichtungen ........................................................................................ 517
7.6.1.1 Überblick 518
7.6.1.2 Fördermittel der DFG ............................................................................ 518
7.6.1.3 Fördermittel der BMBF 519
7.6.2 Bilanzielle Behandlung 520
Kapitel 8 – Abschlussprüfung ..............................................................................................
8.1 Jahres- und Konzernabschluss
8.1.1 Ausgewählte Grundlagen
8.1.2 Prüfung ausgewählter Bilanz- und GuV-Posten
8.1.3 Prüfung des Lageberichtes ....................................................................
8.2 Erweiterter Prüfungsumfang .....................................................................................
8.2.1 § 53 Haushaltsgrundsätzegesetz
8.2.2 Risikofrüherkennungssystem
8.2.3 Prüfung der Fördermittelverwendung
8.2.4 Bescheinigungen für Krankenhäuser
8.3 Sonderthemen
8.3.1 Die Beurteilung der Fortführung der Unternehmenstätigkeit .................
8.3.2 Die Prüfung des Compliance Management Systems
8.3.3 Prüfung von Beihilfen zugunsten öffentlicher Unternehmen
10.3.2.1 Staatliche oder aus staatlichen Mitteln gewährte Beihilfe ....................... 662
10.3.2.2 Selektivität der Beihilfe 662
10.3.2.3 Unternehmen 662
10.3.2.4 Begünstigung 663
10.3.2.5 Wettbewerbsverfälschung und Beeinträchtigung des grenzüberschreitenden Handels ............................................................................ 664
10.3.2.5.1 Wettbewerb um Patienten 666
10.3.2.5.2 Wettbewerb um Krankenhausstandorte ................................................ 667
10.3.3 Rechtsfolgen einer Beihilfe 668
10.3.3.1 Notifizierungsgebot 669
10.3.3.2 Freistellung von Ausgleichszahlungen für die Erbringung von Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse 669
10.3.3.2.1 Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse ................ 669
10.3.3.2.2 Betrauung 670
10.3.3.3 „De-minimis“-Beihilfen 673
10.3.4 Rechtliche Risiken unzulässiger Beihilfen 673
10.3.4.1 Rückforderung durch EU-Kommission 673
10.3.4.2 Wettbewerberklagen vor nationalen Gerichten ..................................... 674
10.3.4.3 Unwirksamkeitsrisiko 674
10.4 Planungsrechnung im Krankenhaus 675
10.4.1 Die Notwendigkeit der Unternehmensplanung im Krankenhaus 675
10.4.2 Der Zusammenhang zwischen Unternehmensplanung und Planungsrechnung 676
10.4.3 Planungsrechnung im Krankenhaus ....................................................... 677
10.4.3.1 Aufbau der integrierten Planungsrechnung 677
10.4.3.2 Investitionsplanung im Krankenhaus 680
10.4.3.3 Erfolgsplanung im Krankenhaus 681
10.4.3.4 Planbilanzierung im Krankenhaus 689
10.4.3.5 Finanzplanung im Krankenhaus ............................................................. 692
10.4.4 Kritische Würdigung der Unternehmensplanung im Krankenhaus 694
Abbildungsverzeichnis
Vorwort/Einleitung Abbildung 0-1: Aufbau und Inhalt des Buches
Kapitel 1
Abbildung 1.1-1: Ausgewählte stationäre und ambulante Leistungen eines Krankenhauses
Abbildung 1.2-1: Entwicklung der durchschnittlichen Personalkosten je Behandlungsfall in Euro für den Zeitraum 2006 bis 2015
Abbildung 1.2-2: Entwicklung der durchschnittlichen Sachkosten je Behandlungsfall in Euro für den Zeitraum 2006 bis 2015 35
Abbildung 1.2-3: Entwicklung von Zinsaufwendungen und Gesamtkosten für den Zeitraum 2002 bis 2015, 2002 = 100 36
Kapitel 2
Abbildung 2.1.1-1: Vorschriften zur Finanzierung von Leistungen im Krankenhaus 38
Abbildung 2.1.2-1: Möglichkeiten der Krankenhausbehandlung nach § 39 Abs. 1 SGB V 41
Abbildung 2.1.2-2: Wesentliche Reglungen des SGB V zur ambulanten Versorgung im Krankenhaus und zum Belegarztwesen 41
Abbildung 2.1.2-3: Begriff des Krankenhauses nach § 107 Abs. 1 SGB V ........................... 42
Abbildung 2.1.2-4: Für die Behandlung von GKV-Patienten zugelassene Krankenhäuser 43
Abbildung 2.1.3-1: Inhalte des Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) .............................
45
Abbildung 2.1.3-2: Einteilung der Investitionskosten nach § 2 Nr. 2 KHG 47
Abbildung 2.1.3-3: Grundtatbestände der Investitionsförderung nach § 9 Abs. 1 bis 3 KHG ............................................................................................ 49
Abbildung 2.1.3-4: Regelungen zur Ausbildungsfinanzierung im Krankenhausunternehmen ....................................................................................... 52
Abbildung 2.1.4-1: Ermittlung des Erlösbudget nach KHEntgG (nach Gliederungsschema B2 Anlage 1 zu § 11 Abs. 4 KHEntgG) 56
Abbildung 2.1.4-2: Gesamtüberblick zur Ausgleichsberechnung im Krankenhausunternehmen
59
Abbildung 2.2.2-1: Finanzierung des Anlagevermögens im Krankenhaus ........................... 63
Abbildung 2.3.1-1: Wesentliche steuerrechtliche Vorschriften für Krankenhäuser
65
Das Krankenhaus bietet verschiedene Gesundheitsleistungen an. Nachfrager dieser Leistungen sind regelmäßig Patienten. Überwiegend wird der Patient durch den niedergelassenen Arzt an ein Krankenhaus überwiesen und hat das Recht auf medizinische Versorgung.
Nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser sind aufgrund des Kontrahierungszwanges dazu verpflichtet, gesetzlich Krankenversicherte im Rahmen des Leistungskataloges zu behandeln. Der gesetzlich Versicherte hat nur bedingt das Recht einer freien Krankenhauswahl. Regelmäßig entscheidet der überweisende Arzt, welche Einrichtung für die notwendige Behandlung in Frage kommt und bei einer abweichenden Wahl können dem Patienten die Mehrkosten in Rechnung gestellt werden (vgl. § 39 Abs. 2 SGB V).
Krankenhäuser erbringen für den Patienten stationäre und zunehmend auch ambulante Leistungen.
Ärztliche Behandlung
Krankenpflege
Stationär
Ambulant
Arznei-, Heil- und Hilfsmittel
Unterkunft und Verpflegung
Vor- und Nachstationäre Behandlung im Krankenhaus (§ 115a SGB V)
Ambulantes Operieren im Krankenhaus (§ 115 b SGB V, gemäß Katalog von DKG, KBV und GKV-Spitzenverband)
Ambulante Behandlung durch ermächtigte Krankenhausärzte bei Unterversorgung (§ 116 SGB V)
Ambulante Behandlung durch Krankenhäuser bei Unterversorgung (§ 116a SGB V)
Ambulante Behandlung im Krankenhaus bei strukturierten Behandlungsprogrammen (Disease-Management-Programs, § 137g SGB V)
Hochspezialisierte Leistungen, seltene Erkrankungen und Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen (§ 116b SGB V)
Hochschulambulanzen (§ 117 SGB V), psychiatrische Institutsambulanzen (§ 118 SGB V) und sozialpädiatrische Zentren (§ 119 SGB V)
Ambulante Leistungen im Rahmen medizinischer Versorgungszentren
Ambulante Leistungen im Rahmen von Projekten der integrierten Versorgung
Ambulante Notfallbehandlung (Verpflichtung gemäß § 323c StGB, § 75 SGB V)
Abbildung 1.1-1: Ausgewählte stationäre und ambulante Leistungen eines Krankenhauses
1 Näheres in: Penter & Augurzky (2014)
1. Das Krankenhaus im deutschen Gesundheitssystem
Für die stationären Leistungen des Krankenhauses gilt das Prinzip der dualen Krankenhausfinanzierung. Danach werden die Investitionen der Krankenhäuser grundsätzlich von den Bundesländern finanziert, unabhangig davon, ob es sich um ein privatwirtschaftlich, freigemeinnützig oder öffentlich geführtes Krankenhaus handelt. Die Betriebskosten sind dagegen von den Krankenkassen, den privaten Krankenversicherungen und in geringem Umfang von den Patienten (Selbstzahler) zu tragen.
Die Vergütung der allgemeinen Krankenhausleistungen (voll- und teilstationäre Krankenhausbehandlung gemäß § 39 Abs. 1 SGB V) richtet sich nach dem Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG). Diese umfassen im Wesentlichen die Vergütung der Fallpauschalen nach dem auf Bundesebene vereinbarten Entgeltkatalog (auch Fallpauschalen-Katalog oder DRG-Katalog) sowie Zusatzentgelte, Zu- und Abschläge, die näher in § 7 KHEntgG geregelt sind. Nach § 120 SGB V werden die ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie der ermächtigten Ärzte in der Regel aus der vertragsärztlichen Gesamtvergütung abgeleitet. Leistungen der Hochschulambulanzen und der psychiatrischen Institutsambulanzen werden direkt von den Krankenkassen vergütet. Grundlage sind jeweils zwischen den Landesverbänden der Krankenkassen und den Verbänden der Ersatzkassen sowie den Hochschulklinika (bei psychiatrischen Institutsambulanzen auch Plankrankenhäusern) zutreffende Vereinbarungen (§ 120 SGB V). Vor- und nachstationäre Leistungen des Krankenhauses werden auf der Grundlage von Vereinbarungen der Landesverbände der Krankenkassen, der Verbände der Ersatzkassen sowie der Landesausschüsse des Verbands der privaten Krankenversicherung mit den Landeskrankenhausgesellschaften vergütet (§ 115a SGB V). Für Privatpatienten und Selbstzahler richtet sich die Vergütung von ambulanten Leistungen in der Regel nach der Gebührenordnung für Ärzte (GoÄ) und dem Gebührenverzeichnis.
Das Krankenhaus tritt im Rahmen seines Leistungserstellungsprozesses als Nachfrager nach Produktionsfaktoren, insbesondere nach Arbeit und Betriebsmitteln auf. Der Verbrauch dieser Produktionsfaktoren spiegelt sich in Personal- und Sachkosten wider. Ein besonderer Bereich sind die Investitionen.
Unter den Personalkosten werden dem allgemeinen Verständnis nach Kosten zusammengefasst, die sich aufgrund der Beschäftigung von Personal ergeben. Im Krankenhauswesen handelt es sich dabei sowohl um ärztliches als auch um nichtärztliches Personal. Die Personalkosten bilden mit über 60 % den größten Ausgabenposten im stationären Sektor. Zu den Bruttopersonalkosten zählen dabei neben den Löhnen und Gehältern auch die damit verbundenen Sozialabgaben, d. h.
der Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung. Darüber hinaus finden auch Zahlungen der Altersversorgung Berücksichtigung.
In der Regel sind die Besonderheiten innerhalb der Aufgaben- und Vergütungsstrukturen der verschiedenen Berufsgruppen zu beachten. Für die Behandlungsbereiche der Diagnostik sowie der Therapie ist überwiegend das ärztliche Personal im Krankenhaus zuständig. Eine Vergütung erfolgt auf Basis von Tarifverträgen, welche sich sowohl im einzelnen Krankenhaus als auch regional unterscheiden können. Anderes gilt für die Vergütung von (liquidationsberechtigten) Ärzten, welche gegenüber dem Patienten wahlärztliche Leistungen erbringen.
Begleitend zur diagnostischen und therapeutischen Behandlung findet die Pflege am Patienten statt. Erbracht wird diese sowohl von ausgebildetem Pflegepersonal als auch von Auszubildenden dieses Faches. Der Pflegebereich von Krankenhäusern stellt anteilsmäßig den größten Ausgabenposten dar. Ähnlich wie in der ärztlichen Vergütung erfolgt auch hier eine Lohnzahlung auf Basis von abgeschlossenen Tarifverträgen.
Die Personalkosten im Krankenhaus sind in den letzten Jahren stetig gestiegen, wobei es innerhalb der Berufsgruppen erhebliche Unterschiede gibt. Den größten Anstieg gab es im Bereich des ärztlichen Dienstes.
Abbildung 1.2-1: Entwicklung der durchschnittlichen Personalkosten je Behandlungsfall in Euro für den Zeitraum 2006 bis 2015; Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016
Sachkosten
Als Sachkosten werden alle während des Leistungsprozesses entstehenden Kosten bezeichnet, die nicht dem personellen Bedarf zuzuordnen sind. Im Krankenhaussektor setzen sich die Sachkosten aus Kosten für den medizinischen Bedarf, Lebensmittel, Energie, Wasser, Brennstoffe, Wirtschaftsund Verwaltungsbedarf sowie den Kosten für die pflegesatzfähige Instandhaltung zusammen. Sie umfassen knapp 40 % der Gesamtkosten eines Krankenhauses.
Den größten Ausgabenbereich innerhalb der Sachkosten stellt der medizinische Bedarf dar. Dieser beinhaltet primär die direkt am Patienten eingesetzten Güter. Zu nennen sind beispielhaft Arzneimittel, Verbandsmittel, Instrumente, aber auch Transplantate und Dialysebedarf.
Die pflegesatzfähige Instandhaltung ist der zweitwichtigste Posten der Sachkosten. Eine Abgrenzung von pflegesatzfähiger und nichtpflegesatzfähiger Instandhaltung erfolgt gem. § 4 AbgrV. Demnach handelt es sich um Kosten der Erhaltung und Wiederherstellung von Anlagegütern im Krankenhaus, welche jedoch zu keiner wesentlichen Veränderung des Gutes führen dürfen. Weitere Kosten fallen in den Bereichen Verwaltungsbedarf, Wasser, Energie, Brennstoffe sowie Lebensmittel an. Die Sachkosten sind in den vergangenen Jahren angestiegen. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass sich dieser Anstieg fortsetzen wird.
Abbildung 1.2-2: Entwicklung der durchschnittlichen Sachkosten je Behandlungsfall in Euro für den Zeitraum 2006 bis 2015; Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016
Das Krankenhaus ist Nachfrager von Anlagegütern, Gütern wie Klinikbauten, Medizintechnik, Einrichtungsgegenständen oder Software.
Die öffentlichen Haushalte sind nach dem System der dualen Finanzierung verpflichtet, die notwendigen Investitionen in den Krankenhäusern zu finanzieren. Eigenmittel der Krankenhäuser zur Finanzierung von Investitionen sind nach diesem System grundsätzlich nicht vorgesehen. Die allgemein üblichen Kosten im Zusammenhang mit Anlagegütern wie Abschreibungen und Zinsen fallen dann folgerichtig nicht an.
Seit Jahren reduziert sich die Höhe der öffentlichen Fördermittel zur Investitionsfinanzierung. In der Folge werden Investitionen zunehmend mit alternativen Finanzmitteln finanziert. Die steigende Anzahl und Höhe von Bankkrediten lässt sich anhand der Entwicklung der anteiligen Zinsaufwendungen im Durchschnitt der deutschen Krankenhäuser ablesen. Die Zinsbelastung der Krankenhäuser hat sich seit 2002 mehr als vervierfacht. Im Vergleich zu den nur um 1,6-fach gestiegenen Gesamtkosten ist das eine grundlegende, strukturelle Veränderung.
Zinsen Index Gesamtkosten
Abbildung 1.2-3: Entwicklung von Zinsaufwendungen und Gesamtkosten für den Zeitraum 2002 bis 2015, 2002 = 100; Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016; eigene Berechnungen
Mittel- bis langfristig müssen sich alle Krankenhäuser darauf einstellen, dass sie für die Durchführung ausreichender Investitionen alternative Finanzierungsquellen wie Bankkredite, Leasing, PPPModelle, Beteiligung privater Eigenkapitalgeber zeitweilig oder dauerhaft in Anspruch nehmen.
10. Ausgewählte rechnungslegungsnahe Themen
zu denen die Erträge aus Fördermitteln nach dem KHG zählen. Soweit diese als Erträge erfasst werden, sind sie gleichzeitig auch als Aufwand auszuweisen und somit wieder zu neutralisieren (KGr. 75). Auf Plan-Ansätze kann allerdings trotz dieser Neutralisierung nicht verzichtet werden, da dies im Rahmen einer integrierten Planung zu falschen Werten in der Finanzplanung führen würde. Gleiches gilt für die Erträge aus der Einstellung von Ausgleichsposten beziehungsweise Erträge aus der Auflösung von Sonderposten (KUGr. 48 sowie 490, 491). Diese neutralisieren die Abschreibungen auf das geförderte Anlagevermögen.
Für die Planung der sonstigen Erträge und Aufwendungen ist zudem eine Fortschreibung des Anlagevermögens nach Finanzierungsschlüsseln erforderlich. Die Planung der Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens und Sachanlagen sollte in zwei Teilen erfolgen (KUGr. 760, 761). Für den Teil des bereits genutzten Anlagevermögens können die entsprechenden Planwerte in der Regel direkt aus der Anlagenbuchhaltung ermittelt werden. Für Abschreibungen auf Investitionen, die erst im Planungszeitraum getätigt werden, sollte die entsprechende Berechnung im Rahmen des Investitionsplans erfolgen und aus diesem übernommen werden. Um die Neutralisierung über Ausgleichs- und Sonderposten zu ermöglichen, ist zwingend darauf zu achten, dass alle Abschreibungen nach Finanzierungsschlüsseln geplant werden.
Die Planung von sonstigen Zinsen und ähnlichen Erträgen sowie Zinsen und ähnlichen Aufwendungen sollte im Rahmen der Finanzplanung erfolgen und kann aus dieser in die Erfolgsplanung übernommen werden (KGr. 51 und 74).
Eine Bilanz stellt – bezogen auf einen bestimmten Zeitpunkt – die Aufstellung des Vermögens und der Schulden des Unternehmens gegenüber. Im Rahmen einer Planbilanz werden die einzelnen Bilanzpositionen (Aktiva und Passiva) für einen Stichtag für die Zukunft prognostiziert. Die dadurch ermöglichte Prognose von Bilanzkennziffern verbessert die Qualität des Berichtswesens und eröffnet der Klinikleitung zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten. Nachfolgend wird die Aufstellung einer Planbilanz unter Beachtung bestehender Rechnungslegungsvorschriften beschrieben, wobei sich die Gliederung der einzelnen Bilanzpositionen an der KHBV orientiert.
Als Grundlage der Planbilanz dient die Schlussbilanz des letzten Geschäftsjahres. Beispielsweise ist die Planung des Anlagevermögens eng mit der in Kapitel 3.2 beschriebenen Investitionsplanung verbunden (KGr. 01 – 09). Ausgehend vom Anfangsbestand des Anlagevermögens werden die Investitionen des Planjahres addiert und anschließend sämtliche Abschreibungen für das bereits vorhandene Sachanlagevermögen beziehungsweise für das im Planjahr neu angeschaffte Anlage-
Kompendium Krankenhaus-Rechnungswesen
vermögen sowie geplante Abgänge des Anlagevermögens subtrahiert (vgl. Abbildung 10.4.3-7).
Eng verbunden mit der Planung des Anlagevermögens im Krankenhaus ist die Planung des Sonderpostens (KGr. 21 – 23). Hierzu ist eine Fortschreibung des Anlagevermögens nach Finanzierungsschlüsseln zwingend erforderlich.
Anfangsbestand
+ Zugänge (gefördert/nicht gefördert)
./. Abschreibungen (auf gefördertes/nicht gefördertes Anlagevermögen)
./. Abgang Anlagevermögen (gefördert/nicht gefördert)
= Planwert am Ende der Periode
Abbildung 10.4.3-7: Ermittlung am Beispiel des Sachanlagevermögens
Die Planung der immateriellen Vermögensgegenstände sowie des Finanzanlagevermögens erfolgt analog zur dargestellten Ermittlung des Sachanlagevermögens. Der Plan-Lagerbestand an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen (KUGr. 100 – 105) ergibt sich aus dem Anfangsbestand an Roh-, Hilfsund Betriebsstoffen abzüglich dem geplanten Materialeinsatz und zuzüglich dem geplanten Einkauf.
Anfangsbestand an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
./. Plan-Materialeinsatz
+ Planeinkauf
= Planwert am Ende der Periode
Abbildung 10.4.3-8: Ermittlung des Vorratsbestandes RHB
Schwieriger als die Planung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe ist die Planung der Überlieger (KUGr. 106 – 107) im Krankenhaus. Da diese Positionen im Detail oft nicht valide prognostiziert werden können, ist an dieser Stelle in der Regel eine Fortschreibung der Vorjahreszahlen ökonomisch sinnvoll und zweckmäßig.
Die Planung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (KGr. 12) einerseits sowie der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (KGr. 32) andererseits unterscheidet sich im Wesentlichen in der jeweiligen Berechnungsgrundlage: Während zur Prognose der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen die Umsatzerlöse als Grundlage herangezogen werden, bildet der Waren- beziehungsweise Materialeinkauf die Grundlage zur Berechnung der Lieferantenverbindlichkeiten. Insbesondere bei geringen Umsatzschwankungen kann die Planung über die in Abbildung 10.4.3-9 dargestellte Formel erfolgen.
Erlös/Materialeinkauf
geplante Zahlungsverweildauer in Tagen x
Abbildung 10.4.3-9: Ermittlung der Forderungen / Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Bei stärker schwankenden Umsatzverläufen führt die dargestellte Approximativplanung allerdings zu ungenauen Ergebnissen. Die Ermittlung der Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sollte daher in solchen Fällen mit Hilfe analytischer Methoden erfolgen. Diese sind zwar aufwendiger, führen aufgrund einer detaillierten Betrachtung allerdings zu genaueren Ergebnissen.
Januar Februar (...) Gesamt
Erlöse
Einnahmen aus lfd. Monaten
• 20 % im gleichen Monat
• 30 % 1 Monat später
• 50 % 2 Monate später 1.000 TEUR 800 TEUR 1.500 TEUR Einnahmen gesamt
Abbildung 10.4.3-10: Ermittlung der Forderungen nach der analytischen Methode
Die Bilanzposition Schecks, Kassenbestand, Bundesbank- und Postgiroguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten (KGr. 13) ist differenziert zu betrachten. Der Kassenbestand ist ein fixer, betriebsnotwendiger Bestand, womit eine Planung hinfällig ist. Es bietet sich an, an dieser Stelle den gerundeten Vorjahreswert als Planwert fortzuschreiben. Das Bankguthaben und korrespondierend hierzu die kurzfristigen Bankverbindlichkeiten dienen hingegen als Residualgröße. Sie werden im Rahmen der Investitions- und Finanzplanung ermittelt. Für die Planung der langfristigen Bankverbindlichkeiten und Darlehen können die jeweiligen Tilgungspläne als Planungsgrundlage herangezogen werden.
Zur Ermittlung eines Planansatzes für die Rückstellungen (KGr. 27, KuGr. 280 – 281) sollte ausgehend vom Vorjahreswert eine Plausibilitätsprüfung durchgeführt werden. Dabei sind insbesondere der Fortbestand der Art und Höhe der einzelnen Rückstellungen im Planungszeitraum zu hinterfragen und der Planwert entsprechend anzupassen.
In Bezug auf sonstige Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten (KUGr. 163, 374) sowie Forderungen gegen verbundene Unternehmen (KUGr. 161) und anderweitige Positionen auf der Aktiv- und Passivseite sollte der Planungsaufwand von der Relevanz der jeweiligen Position für das Krankenhausunternehmen abhängig gemacht werden. Die Fortschreibung der Vorjahreszahlen kann im Einzelfall wirtschaftlich sinnvoll und zweckmäßig sein.


Prof. Dr. Volker Penter
Prof. Dr. Volker Penter, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Diplom-Ingenieurökonom, Berlin und Dresden, Partner, Leiter des Bereiches Gesundheitswesen von KPMG in Deutschland, Honorarprofessor an der Technischen Universität Dresden, Dozent an der Dresden International University Fachgebiet Gesundheitsökonomie
Dr. Bernd Siefert
Dr. Bernd Siefert, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Diplom-Kaufmann, Mainz, Partner, Segmentleiter Gesundheitswesen Region Mitte von KPMG in Deutschland
Das deutsche Gesundheitswesen hebt sich vor allem durch seine Dynamik und Komplexität von vielen anderen Wirtschaftszweigen ab. Ein ständiger medizinischer, technischer, aber auch kultureller Wandel erfordert von Ärzten und Pflegekräften ein kontinuierliches Lernen und Anpassen von Behandlungsabläufen. Die Arbeitsabläufe und Prozesse für Kaufleute in der Gesundheitswirtschaft bleiben insbesondere durch die zahlreichen regulatorischen Änderungen in Bewegung. Gerade diese Dynamik macht das Gesundheitswesen so spannend – den Überblick zu behalten, stellt dabei aber die Herausforderung dar.
Mit dem Fachbuch „Kompendium Krankenhaus-Rechnungswesen: Grundlagen, Beispiele, Aktuelles, Trends“ möchten die Autoren Praktiker dabei unterstützen, den täglichen Herausforderungen ihrer Arbeit im Rechnungswesen und in rechnungslegungsnahen Bereichen zu begegnen.
Ob für routinierte Experten oder Neulinge, dieses Sammelwerk eignet sich dazu, bei der täglichen Arbeit eine Hilfe zu sein. In die nun schon dritte Auflage des Fachbuchs brachten über 40 Experten der Gesundheitswirtschaft von KPMG ihr Know-how über die traditionellen und die neuen Besonderheiten der Rechnungslegung im modernen Krankenhaus aus verschiedenen Blickwinkeln ein. Zu den Spezialisten zählen Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte, Betriebswirte, Gesundheitsökonomen, Pflegewissenschaftler und weitere Experten für Spezialfragestellungen.
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Ein Buch, geschrieben von Insidern für Praktiker.