MORGANA Tanzstück von Giuseppe Spota
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GANZ NAH DRAN Evgenia Asanova (Dido), Romane Ruggiero
MORGANA Tanzstück von Giuseppe Spota
Premiere Sa
17.10.2026 Stadttheater Uraufführung Dauer der Vorstellung 1 h 15 min, ohne Pause
Mit einer Neukomposition für Orchester und Elektronik von Christof Littmann
Unter dem Patronat des
Merci Elisabeth Marazzi
Ensemble Bern Ballett
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Besetzung Tänzer*innen Andrey Alves Léonard Blondel Indar Carmona Viñas Sara de Greef Edoardo Deodati Mari Ishida Alma Mandil Ise Meijer Marieke Monquil Matéo Morel Toshitaka Nakamura Luccio Navarro Saskya Pauzé-Bégin Luca Schietgat
Berner Symphonieorchester
Bern Ballett Direktorin Bern Ballett Isabelle Bischof Probenleitung Christine Ceconello Dramaturgie Isabelle Bischof, Bettina Fischer Pianist Abdiel Montes de Oca
Choreografie & Bühne Giuseppe Spota Musikalische Leitung Clément Lonca Musik Christof Littmann Probenleitung / Choreografische Assistenz Christine Ceconello Probenassistenz Igli Mezini Kostüme Irina Shaposhnikova Lichtdesign Andreas Schmidt Video Alessandro Grisendi / Marco Noviello Dramaturgie Bettina Fischer Bühnenbildassistenz Paula Neubig Kostümassistenz Giulia Marcotullio Inspizienz Denis Puzanov
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Die Szenen Prolog: Loading Morgana – Wirklichkeit oder Illusion? Szene 1: Feed Vielfalt oder Reizüberflutung? Szene 2: Follow Ordnung oder Gleichförmigkeit? Szene 3: Streaming Hingabe oder Ertrinken? Szene 4: Lost Signal Orientierungs losigkeit oder Sinnsuche?
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Szene 5: AI Mensch oder Maschine? Szene 6: Filter Eine perfekte neue Welt? Szene 7: Loop Realität oder Simulation? Szene 8: Reconnect Die Suche nach neuen Perspektiven Szene 9: Log Out Begegnung
Indar Carmona Viñas
Sind wir alle verloren? Über diesen Abend Es ist ein Bild, das uns überall begegnet. Im Zug, im Café, auf der Strasse, an der Bushaltestelle. Menschen, die nebeneinandersitzen und doch in unterschiedliche Welten vertieft sind, den Blick gesenkt auf den kleinen Bildschirm in ihrer Hand. Kaum eine Erfindung hat unseren Alltag, unsere Aufmerksamkeit und unsere Beziehungen so tiefgreifend verändert wie das Smartphone. Es verbindet uns mit der ganzen Welt und entfernt uns manchmal von den Menschen, die direkt neben uns stehen. Die Choreografie dieses alltäglichen Bildes ist ebenso vertraut wie irritierend. Nähe und Distanz existieren gleichzeitig. Wir sind permanent verbunden und dennoch oft erstaunlich allein. Mit seinem Tanzabend Morgana greift Giuseppe Spota damit ein wichtiges Thema unserer Zeit auf. Ihn interessiert dabei nicht die Technik selbst, sondern die Frage, was sie mit unserer Wahrnehmung macht. Wie verändern soziale Medien unseren Blick auf die Welt? Wann wird aus Wirklichkeit Inszenierung, aus Nähe eine Illusion, aus Information eine Projektion? Als Ausgangspunkt dient dem Choreografen das Phänomen der Fata Morgana. Die täuschend echten Luftspiegelungen, deren Bezeichnung auf die italienische Fee (fata) Morgana zurückgeht, erscheinen als Trugbild am Horizont, als flirrende Verheissungen in der Ferne. Sie versprechen eine Wirklichkeit, die sich im Näherkommen wieder auflöst. Die Fata Morgana war immer eine Meisterin der Projektion, und sie begegnet uns heute häufiger auf den leuchtenden Flächen unserer Displays als über dem Meer oder der flimmernden Hitze der Wüste. Sie kennt unsere Sehnsüchte, unsere Aufmerksamkeit, unsere Gewohnheiten. Sie erschafft Bilder von Schönheit, Erfolg, Glück und Nähe. Es sind Bilder, die so überzeugend sind, dass wir vergessen, wie sorgfältig sie komponiert wurden und auch welch 6
unglaubliches Geschäft dahintersteckt. Die Illusion hat den Horizont verlassen und ist in unseren Alltag eingezogen. Doch das Tanzstück Morgana versteht sich nicht als kulturpessimistische Abrechnung mit der digitalen Welt. Vielmehr richtet das Stück den Blick auf den Menschen mit seiner Sehnsucht nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Berührung. Hinter jeder digitalen Oberfläche steht ein realer Körper, hinter jedem Profil ein Mensch mit Hoffnungen, Zweifeln und Verletzlichkeit. Spotas Tanzabend ist eine Reflektion über den Ist-Zustand unserer Welt. Eine bewegte Auseinandersetzung mit der Gegenwart, die uns Fragen stellt. Mit seiner charakteristisch fliessenden, kraftvollen Bewegungssprache übersetzt Giuseppe Spota diesen Zustand in Tanz. Die Körper erzählen von Anziehung und Distanz, von Verführung und Einsamkeit, von Orientierung und Kontrollverlust. Die Bühne wird dabei zum Spiegel einer Gesellschaft, in der Realität und Inszenierung zunehmend ineinanderfliessen. Der Tanz besitzt eine besondere Fähigkeit, davon zu erzählen, denn der Körper kennt keinen Filter. Er lässt sich nicht wegwischen, nicht retuschieren und schon gar nicht algorithmisch optimieren. Er sucht, begehrt, gerät aus dem Gleichgewicht und findet wieder Halt. Körper sind das Gegenteil einer perfekten Oberfläche. Die eigens für diesen Tanzabend komponierte Musik von Christof Littmann führt diesen Gedanken weiter. Orchestrale Klangfülle verbindet sich mit elektronischen Texturen. Spota und Littmann wollten in dieser Komposition sowohl mythische Tiefe als auch digitale Flüchtigkeit illustrieren. Die M usik bewegt sich oft an einer Schwelle, an der das Vertraute unmerklich ins Virtuelle übergeht. Und dann endet der Abend dort, wo keine Simulation mehr genügt: in der Begegnung. Berührung lässt sich nicht streamen. Ein Blick erwidert sich nicht durch einen Algorithmus. Nähe entsteht nicht durch Bandbreite. Vielleicht ist das Theater deshalb heute ein beinahe radikaler Ort. Für einen Abend schweigen die Smartphones. Menschen versammeln sich im selben Raum. Sie atmen dieselbe Luft, richten ihre Aufmerksamkeit auf dieselben Körper, erleben dieselbe Zeit. Nichts davon lässt sich beschleunigen oder nachträglich bearbeiten. Eine Zeit lang existiert nur das, was zwischen Bühne und Publikumsraum geschieht und vielleicht liegt genau darin unsere grösste Hoffnung verborgen. Oder anders gesagt: Wir sind noch nicht ganz verloren. 7
Ensemble Bern Ballett
Das komplette Programmheft ist am Vorstellungsabend oder an der Billettkasse erhältlich.