DIE PHYSIKER von Friedrich Dürrenmatt
Marie Eick-Kerssenbrock
DIE PHYSIKER von Friedrich Dürrenmatt
Besetzung Johann Wilhelm Möbius Nikita Buldyrski Herbert Georg Beutler (Newton)/ Lina Rose Marie Eick-Kerssenbrock Ernst Heinrich Ernesti (Einstein)/ Missionar Rose David Berger Doktor Mathilde von Zahnd Isabelle Menke Pfleger Peter Stettler Jonathan Loosli Kriminalinspektor Richard Voß Fritz Manhenke
Regie Mathias Spaan Bühne Anna Armann Kostüme Dominique Steinegger Musik Tom Gatza Licht Bernhard Bieri Dramaturgie Felicitas Zürcher Regieassistenz Loreta Laha Bühnenbildassistenz Joanne Klopp Kostümassistenz Annsophie Gawriloff Soufflage Stef Stauffer Inspizienz Denis Puzanov Dramaturgiepraktikum Luc Bamert
Premiere Sa
03.02.2024 Stadttheater
Wiederaufnahme Mi
25.08.2026 Stadttheater
Dauer der Vorstellung ca. 1 h 30 min, keine Pause Aufführungsrechte Diogenes Verlag AG Zürich
Technischer Direktor Jan Hugenroth Leiter Bühnenbetrieb Claude Ruch Leiter Werkstätten Andreas Wieczorek Leiterin Kostüm & Maske Franziska Ambühl Produktionsleiterin Bühnenbild Konstantina Dacheva Produktionsleiterin Kostüm Maya Däster Bühnenmeister David Grütter, Paolo Rütti Tontechnik B reandan Davey, Birk Burren Videotechnik Michael Ryffel R equisite Karin Heinrich, Cora Liechti Maske Georg Bachtler, Lara Zahnd Die Ausstattung wurde in den Werkstätten und Ateliers von Bühnen Bern hergestellt. Co-Leitung Malsaal Jann Messerli, Lisa Minder Leiter Schreinerei Markus Blaser Leiter Schlosserei Marc Bergundthal Leiter Dekoration Philippe Eggler Leiterin Maske Martina Jans Gewandmeisterinnen Mariette Moser, Irene Odermatt, Sina Rieder Leitung Requisite im Team Leiter Beleuchtung B ernhard Bieri Leiter Audio & Video Bruno Benedetti
Jonathan Loosli
Die Handlung In einer etwas verlotterten Villa des privaten Sanatoriums «Les Cerisiers» halten sich drei offensichtlich verrückte Physiker auf. Ernst Heinrich Ernesti behauptet, Einstein zu sein, Herbert Georg Beutler hält sich für Newton und dem dritten, Johann Wilhelm Möbius, erscheint regelmässig der König Salomo und diktiert ihm eine Lösung aller Probleme, die Weltformel. Doch Möbius gibt nur vor, krank zu sein. In Wirklichkeit hat der geniale Physiker eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die in falschen Händen zum Ende der Menschheit führen könnte. Als innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Pfle gerinnen von den Patienten B eutler und Ernesti alias Newton und Einstein ermordet werden, spitzt sich die Lage im Sanatorium zu. Ebenso wie vor ihm Newton zeigt auch der Täter Ernesti alias Einstein keinerlei Reue, denn als Erfinder der Atombombe hat er weit Schlimmeres zu verantworten. Doch wie kann die Sicherheit im Sanatorium gewährleistet werden? Was ist die Aufgabe des Inspektors, wenn die verrückten Täter keine Mörder sind, wenn er sie im Namen der Gerechtigkeit gar nicht zur Rechenschaft ziehen kann? Als schliesslich auch Möbius zum Schutz seiner Entdeckungen einen Mord begeht, stehen in «Les Cerisiers» grössere Veränderungen an, und Frau Doktor Mathilde von Zahnd schreitet zur Tat.
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«Durch den Menschen wird alles paradox» Camouflage und das Ende der Menschheit von Felicitas Zürcher
«Unser Wissen ist zu gefährlich für die Welt.» Das sagte 2023 weder Albert Einstein noch Robert Oppenheimer. Das ist die Meinung von Sam Altman, Mitbegründer von ChatGTP und Open AI. «KI könnte schrecklich enden, wenn die Technologie in die falschen Hände gerät.» Die falschen, damit meint er laut der Süddeutschen Zeitung nicht seine eigenen Hände: «Er will das Risiko managen, der Politik traut er es nicht zu», heisst es in einem Hintergrundartikel vom 27./28./29. März 2023. Wenn man sich die Geschichte der Atomphysik vor Augen führt, könnte er damit sogar recht haben. Open AI hat jetzt auf jeden Fall nach dem Vorbild der Internationalen Atom energie-Organisation ein Manifest veröffentlicht, in welchem gefordert wird, eine Kontrollinstanz für KI zu gründen. «We want AGI to empower humanity to maximally flourish in the universe», wird im ersten Punkt bekannt, im dritten: «We want to successfully navigate massive risks.»
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Die Träume der Transhumanismus-Szene im Silicon Valley, die Zukunft der Künstlichen Intelligenz, von Super-Unternehmern wie Elon Musk gefördert, muten (noch?) wie Science-Fiction an: Es geht um Ideen wie Upload des Gehirns auf Computer, Ersatz von möglichst vielen Körperteilen durch Technik und Maschinen – und letztlich um Unsterblichkeit und die Überwindung des Menschlichen. In den vergangenen Monaten haben immer wieder führende Entwickler*innen die Unternehmen verlassen. Sie warnen vor Gefahren und fordern eine Entwicklungspause. Sind diese Szenarien Geldmache und Apokalypse-Hysterie, wie manche vermuten? Oder der nächste Schritt auf dem seltsamen Weg der Menschheit zu ihrer eigenen Abschaffung? Als Friedrich Dürrenmatt vor gut 60 Jahren die Komödie Die Physiker schrieb, waren das Ende der Menschheit und die Zerstörung der Erde zum ersten Mal in der Geschichte zur realen Bedrohung geworden. Zahlreiche Physiker wie Otto Hahn, Albert Einstein, Werner Heisenberg und Robert Oppenheimer hatten grosse wissenschaftliche Entdeckungen gemacht, die Entwicklung der Atombombe ermöglicht und an ihrem tat sächlichen Einsatz mitgearbeitet – den sogenannten «Sündenfall der Physiker» miterlebt. Sie verfassten in der Folge die Göttinger Erklärung der 18 Atomwissenschaftler und versuchten, im Kalten Krieg die Freiheit der Forschung zu verteidigen. Dürrenmatt selber hatte Robert Jungks zum Bestseller gewordenes Sachbuch Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher aus dem Jahr 1956 für die Weltwoche rezensiert (vgl. S. 20). Seine literarische Antwort auf diese existenzielle geopolitische Krise formulierte er in Die Physiker. Er nannte das Stück eine «Komödie», vielleicht ist es auch eher eine Groteske, und gelangte damit bemerkenswert nah an die damalige Realität und das Lebensgefühl: die ganze Welt ein Irrenhaus, das einzelne Individuum machtlos und Gesellschaft wie Politik unfähig, kollektiv Verantwortung zu übernehmen. 1962, im Jahr der Kuba krise und auf einem ersten Höhepunkt des Kalten Krieges, fand am Schauspielhaus Zürich die Uraufführung statt. Die Physiker wurden sofort zum Publikumsmagneten und bereits in der Spielzeit 1962/63 zum meistgespielten Stück im deutschsprachigen Raum. Diese Popularität hat bis heute nicht nachgelassen. Wie es zu den meisten seiner Texte Vor- oder Nachworte, Weiterschreibungen und Umarbeitungen gibt, so schrieb Dürrenmatt auch für dieses Stück eine Art Erklärung: In 21 Punkte zu den Physikern notierte er unter anderem: «14. Ein Drama über die Physiker muss paradox sein. 15. Es kann nicht den Inhalt der Physik zum Ziel haben, sondern nur ihre Auswirkun9
Das komplette Programmheft ist am Vorstellungsabend oder an der Billettkasse erhältlich.