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MALOU VAN BREEVOORT NEW PICTURES VALERIE SCHMIDT


MALOU VAN BREEVOORT VALERIE SCHMIDT NEW PICTURES


Malou van Breevoort * 1974. Studienreise nach Asien, lebt für zwei Jahre in Indonesien. Studium FOAC Akademie für Fotografie (Amsterdam/ NL 1999 bis 2003)

Preise (u.a): Naarden Fotofestival 2003, 1. Preis  Photo Academy Award 2004, 1. Preis in zwei categorien portraits und advertising  Paul Huf Award nominee 2005  Lucie Awards 2005 & 2007 & 2009 (USA), honourable mentions  Prix de Paris 2005 & 2007 & 2009, honourable mention  zweifache Nomination PANL 2007 & 2008 (Photographers Association of the Netherlands)  San Accent Award NL 2008, 1st prize in advertising  AOP Open nominee (UK) 2009. Ausstellungen: 2009 „New Pictures“, zusammen mit Valerie Schmidt, KOELN-ART - Moderne + Zeitgenossen, Köln  Oude Kerk (GA) PANL Amsterdam (NL)  Sasha Wolf Gallery (GA) New York (USA)  AOP Gallery (GA), London (UK) 2007 „Black Father’s“ (SA) Delft (NL)  „MCOP“ Holland Casino (SA) Amsterdam (NL)  FOAC (DA), Amsterdam (NL) 2006 Amsterdam Photo „Grid 06“ (SA), Amstelveen (NL) 2005 Naarden Photofestival (GA) Naarden (NL) 2004 FOAC (GA) Amsterdam (NL)  Kersvers Gallery (GA) Amsterdam (NL) 2003 „Graduates‘, Hotel Arena (GA) Amsterdam (NL)  Photo District Gallery NY (GA) New York (USA)


MALOU VAN BREEVOORT


Die in Amsterdam ansässige Fotografin Malou van Breevoort ist in der Ausstellung mit drei Serien vertreten: Ihre Reihe Dreams nimmt die Fotografie beim Wort: Ursprünglich als fotografischer Kommentar zum Hunger in der ‚Dritten Welt’ konzipiert, zeigt sie entkontextualisiert die Dominanz des Lichts im medialen Terzett aus Licht, Träger und Referent: ein planer schwarzer Grund wird in dieser Serie nicht räumlich als Hintergrund, sondern als Dunkelheit spektral gefasst. Eine Dunkelheit, die an ihren Rändern den Referenten behutsam Kontur gewinnen lässt und aus dem Gesicht wie aus Marmor jedes Haar, jede Pore, jedes Material, dass der Sichtbarkeit zur Verfügung gestellt werden kann, meißelt. Diese skulpturale Qualität, die in chromatischen Schritten Photonen Kontur verleiht, birgt jedoch auch die Gefahr des Gesichtsverlustes: Mit der gleichen Sicherheit, mit der hier winzigste Spuren aus Helligkeit in Falten geborgen werden, können sie auch über die Klippe der Wahrnehmbarkeit stolpern: Nicht zufällig ist der Bildraum der quadratischen Arbeiten in etwa zu gleichen Teilen beleuchtet: Die Fläche wird Licht und Dunkelheit gleichermaßen Teilen vererbt, ihre notwendig komplementäre Struktur wird somit sogar im Zuschnitt des Trägermediums berücksichtigt. Elevinnen, deren hochbelichtete Gesichter mit Rautenaugen zum Betrachter blicken: Die Serie Thirteen zeigt gleichaltrige Mädchen, deren Gestalt digital nachbearbeitet wurde. Van Breevoort schmälerte Nasen und Mund, vergrößerte Augen und Schultern, ließ alle künstlich altern. Diese minimalen Einschnitte markieren den thematisierten Übergang zwischen Sein und Werden einer Frau, eine Dauer, dessen transitorische Flüchtigkeit allzu oft als mediale Projektionsfläche dient. Indem van Breevoort die Grenzen zwischen Jugend und Adoleszenz verwischt, reflektiert sie Fremd- und Eigenwahrnehmungen dieses Alters: Popkulturell mit gleichaltrigen Vorbildern konfrontiert, die sich längst auf die Seite des Frauseins geschlagen haben, eifert man eigenen und fremden Vorstellungen dessen nach, was die Welt der Erwachsenen an Erwartungen kolportiert. Die übergroßen, kokett blickenden Gesichter, denen durch ausnahmslos helle Lichtgestaltung und Vereinheitlichung von Frisur und Bildausschnitt etwas Überindividuelles, fast Typologisches anhaftet, münden in einen entblößten Oberkörper, dessen Nacktheit bis zu dem Punkt eingefangen ist, an dem das körperliche Wachstum die psychische Entwicklung meist überflügelt: durch die kompromittierende Nähe des Bildausschnitts und der Perspektive zwingt die Fotografin das Gegenüber in eine visuelle Mittäterschaft, ein optisches Komplizentum, dass auf die Frage, was an diesen Gesichtern erwachsen wirkt, nur mit Selbstbezichtigung antworten kann: Unser Blick richtet die Mädchen auf das, was kommen wird, ebenso ab wie die digitale Nachbearbeitung von Mündern und Nasen. Natural Elements, die dritte Serie van Breevoorts, nimmt diese fotografische Arbeit am Körper auf: man sieht Tänzer in Bewegung, ihre zum Stilleben stilisierten Biegungen, die scheinbar das Setting, in das diese Aufnahmen gesetzt sind, überwinden können: Der Wald, dieses stoische Urbild von Natur, steht stellvertretend für die physischen Gesetzbarkeiten, denen diese Körper zu trotzen scheinen.


dreams 4 matte fine art print Auflage 4 , 2008 110x110 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)


dreams 2 matte fine art print Auflage 4 , 2008 80x80 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)

dreams 1 matte fine art print Auflage 4 , 2008 80x80 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)


dreams 3 matte fine art print Auflage 4 , 2008 80x80 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)


thirteen 1 matte fine art print Auflage 8 , 2007 100x100 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)

thirteen 4 matte fine art print Auflage 8 , 2007 100x100 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)


thirteen 3 matte fine art print Auflage 8 , 2007 100x100 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)

thirteen 2 matte fine art print Auflage 8 , 2007 100x100 cm gerahmt (Holz/Museumsglas)


natural elements 1 matte ďŹ ne art print Auage 8 , 2009 110x120 cm Plexi/Aluminium


natural elements 3 matte ďŹ ne art print Auage 8 , 2009 110x120 cm Plexi/Aluminium


Valerie Schmidt * 1982 in Düsseldorf, Fotografiestudium an der Folkwangschule Essen, Erasmusstipendium an der Kunsthochschule Bergen, Norwegen

2009 „New Pictures“, KOELN-ART - Moderne + Zeitgenossen, Köln  Sichtwerk 09, Sanaa Building, Zollverein, Essen  Diploma Show, neue Aula, Folkwang Hochschule, Essen  Feldstärke International II, Pact-Zollverein, Essen  Welde Kunstpreis, Heidelberg  „The Grain of The Voice“, LCC, London  I, Object, Gloria Halle, Düsseldorf  Editionen, Galerie Schütte, Essen  Feldstärke International I, Cent Quatre, Paris 2008 Carte Blanche, Gallery GAM, Essen  5475/54, Bilker Arcaden, solo-show, Düsseldorf  „How I See Germany“, OMC-Gallery, California, USA  YPU at Arjowiggins, Greenspot, Amsterdam  Damen und Herren e.V., „to be continued“, solo-show, Düsseldorf  „Schreiben mit Licht“, Galerie Schütte, Essen  Ballhaus im Nordpark, „white noise“, „sofern“, Frappant, Hamburg  Photofestival „Horizonte“, Zingst  „re: presentation“, University Hildesheim 2007 Fotografiefestival, Pecs, Ungarn  F-Stop, 1.Fotografiefestival Leipzig, Leipzig  C/O Pop, „select art“, Rheintriadem, Köln  Kunstwerden e.V., „Ansichtssachen“, Essen  Kindl-Halle, „Wallenstein“, Berlin 2006 Oldenburger Kunstverein, „Sehwege“, Oldenburg  Festspielhaus, Jugendfotopreis München  Sichtwerk, Essen  Entry, Pavillion 5, Zeche Zollverein, Essen  „select art“, Hohenzollernbrücke, Köln 2005 Galerie im Gang, „Zeitweise“, Essen  Sichtwerk, Essen 2004 Galerie Beate Kollmeier, „Gelee Royale“, Essen  Sichtwerk, Essen 2003 Rue de la Refuge, Arles, Frankreich  Sichtwerk, Essen  Images against War, Galerie Lichtblick, Köln 2002 Sichtwerk, Essen


VALERIE SCHMIDT


de lira_5 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 80x80 cm, gerahmt


„Die Dunkelkammer bin ich selbst“, so nannte Jochen Gerz einen Aufsatz, der sich der technischen Bedingtheit der Fotografie widmet. Die Dunkelkammer in Valerie Schmidts Serie de lira ist ebenfalls der Mensch: Als Diplomarbeit zum Thema Hysterie entstanden, operiert die Serie an den Grenzen der Sichtbarkeit psychischer und emotionaler Zustände. Die Hysterie als gesellschaftlich und politisch opportunes Krankheitsbild, als Paradebeispiel einer pathologisierten Konstruktion disparater Erscheinungsformen beschrieb Didi-Hubermann in Erfindung der Hysterie als „eine außerordentliche Fülle von Symptomen, aber diese Symptome beziehen sich auf nichts.“ Die Krankheit, mit ihren beiden Referenten Symptom und dessen Antonym, der heilenden Medizin rsp. Behandlung, löst sich auf, wenn eines der Elemente fehlt. Als bildlicher Ausdruck dieser Paradoxie von Be- und Zuschreibung kann in Schmidts Fotos der Raum gelten: Als Symptom, das sich auf nichts bezieht, ist die Isolierung des emotionalen Ausnahmezustandes ein durchgehendes Stilmittel der Fotografien: der Raum kennt kein Gegenüber, keinen Adressaten, dem die Gesten der Entäußerung dienen könnten; er bietet keinen Halt, meistens nicht einmal einen Rahmen für die emotionale Instabilität: Die weiße Wand leistet der psychischen Rhetorik keine Gegenwehr, sondern konturiert sie, gewinnt aus ihr Gesten und Posen, deren Benennung sie als Symptom fixiert. Dass die apparative Provenienz des Bildes die Formen der Einschreibung und Fixierung auch auf materieller Ebene reflektiert, kann als mediale Pointe einer Serie gelten, die um die Ambiguität psychischer Ausdrucksformen kreist: Die anthropologischse Selbstverständlichkeit des empathiebegabten Betrachters, in Gesichtern lesen zu können, wird hier in Frage gestellt: Wer vermag die aufgerissenen Münder, rollenden Augen und paralysierten Gesichtszüge einem emotionalen Zustand zuzuordnen? Lässt sich sagen, ob die rothaarige Frau am Fenster lacht oder weint? Die Übersetzung des momentansten aller Bildmedien stottert, wenn es um Prozesse und Vorgänge geht, deren psychischer Ursprung weder im Wort noch im Bild geborgen werden kann. Auch die Hysterie, so lässt sich medizinhistorisch sagen, ist vor allem der trügerische Erfolg eines Aufzeichnungsmediums.


de lira_6 c-print. 2009 Auflage 5 (+2 AP) 40x50 cm, gerahmt

de lira_7 c-print. 2009 Auflage 5 (+2 AP) 40x50 cm, gerahmt


de lira_15 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 50x50 cm, gerahmt


de lira_16 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 50x60 cm, gerahmt


de lira_1 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 50x50 cm, gerahmt


de lira_8 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 65x80 cm, gerahmt


de lira_14 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 40x50 cm, gerahmt


de lira_3 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 40x50 cm, gerahmt


de lira_4 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 40x50 cm, gerahmt


de lira_3 c-print. 2009 Auage 5 (+2 AP) 50x60 cm, gerahmt


Dieser Katalog erscheint zur Ausstellung

Volker Hilgert Waldhausstr. 14 · 51069 Köln 0174.1778907 hilgert@koeln-art.de www.koeln-art.de © Koeln-Art / Köln 2009

Malou van Breevoort / Valerie Schmidt New Pictures 30.10. - 04.12.2009 KOELN-ART & KREON UND VEKTRON SHOWROOM Brühler Str. 11-13 , 50968 Köln

Texte: Anja Schürmann Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Seminars für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Das Copyright für die Abbildungen liegt bei den Künstlerinnen.

Malou van Breevoort / Valerie Schmidt / New Pictures  

Catalog Exhibtion koeln-art / Cologne