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kookbooks herbst 16

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herbst das amortisiert sich nicht

halt! du frisst noch die wolken auf!


und die luf t? wie kom men wir daz u uns an ih r festz uhalten?

Fo t o : © Re n a t e v o n M a n g o l d t

Re i h e Ly r i k Herbst 20 16

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BIRGIT KREIPE SOMA GEDICHTE


Birgit Kreipe, geboren 1964 in Hildesheim, arbeitete zu­nächst als Buchhändlerin und studierte später Psycho­ logie und Neuere Deutsche Literatur in Marburg, Wien und Göttingen. Neben ihrer klinischen Tätigkeit veröffent­lichte sie Gedichte unter anderem in der FAZ, in Lichtungen, Ostra­gehege und Edit, im Jahrbuch der Lyrik sowie in den Antho­­­­­logien Die Schönheit ein deut­liches Rauschen, Connewitzer Verlagsbuchhandlung 2010, Schnee­gedichte, Schöffling & Co. 2011, und Venedig, Schöffling & Co. 2015. Ihr Gedichtband schönheitsfarm erschien 2012 im Verlagshaus J. Frank. Ihre Gedichte wurden mit dem Irseer Pegasus 2014 und dem Münchner Lyrikpreis 2013 ausgezeichnet. 2016 er­­­­ hielt sie ein Arbeitsstipen­dium des Berliner Senats.

Textauszug KINDERHEIM 8 jetzt wird es dunkel. kinderkobras, schwarze riemen in ihren kisten zischeln, richten sich auf. legen dürre schlingen auf wände, teppich, die fensterbank. jeden abend umzingeln sie den schlaf wie dunkle zinnen. die feuerwehr für verbrannte kekse kommt nicht durch und die nachrichtenhexe schläft, die mutter in ihrem traum aus bier – ich wirble mit kung-fu-armen die schlangen in den fluss wie seile! wer kichert noch mit den fliegen? die kleine geisha, die sagt, sie sei die empress schmerz, steht am fenster. zeigt die biskuitweiße seite dem mond. hebt einen arm zum gruß wie ein denkmal. zehn meter weit. sagt: du sollst verhungern. lacht.

schau, die frau mit den kuckuckshänden auf dem eisgrauen hof, sie stolpert

Sigmund Freud liebte Reisen zu antiken Ausgrabungsorten, verglich die Erinnerungsarbeit der Psychoanalyse mit Archä­ ologie, als wären Erinnerungen Bruchstücke, die sich aus der Asche realer innerer Begeben­ heiten bergen und wieder zusammensetzen ließen. Der Selbstversuch jedoch zeigt, dass Erinnerungen außerdem – von Phantasien durchwuchert, Fermentierungsprozessen unterworfen, durch Deutungen neu sortiert – eigenständige in­ nere Akteure sind, traumgleich, verdichtet. Was geschieht, wenn diese Erinnerungsprozesse im Gedicht fortgeschrieben werden? Die Frau mit den Kuckucks­ händen taucht auf, begleitet Sie. Kleine Blätter fallen aus dem Licht über den Baum­ stümpfen. Geister von Ponys wissen den Weg. Früher oder später gelangen Sie in eine Stadt aus Mörtel, der Sie um­ armt (ein antikes Werkzeug der Bindungstheorie), mindestens aber über die Alpen. – Birgit Kreipe

ihre flatternden hände suchen etwas in der luft, am boden. die nester sind überfroren, knochenhäufchen. die vögel, stumm in ihren zweigen starren ihr nach: ein schwarm adoptiveltern. sie rutscht und taumelt zum see, an dessen ufer die gnade wohnt, ein alter bebrillter mann. sie ruft ihm zu: wo ist der zauberer, der wetter machen konnte im sommer? ist kalt geworden, antwortet die gnade. und alle vögel? fortgeflogen, sagt die gnade. warum falle ich nur noch hin? der mann, der wetter machen konnte im sommer hat mich aufs eis geschickt, das realitätsprinzip war bloß ein vorwand. stiert auf die nervösen hände. deute mich, deute mich – ruft sie die gnade an was soll das, es war von flügeln die rede! Birgit Kreipe soma Gedichte Reihe Lyrik Band 49 / ca. 80 Seiten, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer / 19,90 € [D]/20,50 € [A] / 978-3-937445-81-6 / Auslieferung: Juni 2016

das ist die eisblumenkrankheit, näselt die gnade. und dass sie vorübergeht. die schneeflocken, dürftige pausen, rieseln sie hört auch schlecht, die gnade. müsste den standpunkt wechseln. döst aber ein.

jüngeres ich mit federn / ERROR

Stimmen zu Birgit Kreipe „Birgit Kreipes Texte sind für mich ein stilles Highlight. So überbordend und spleenig ihre Sprache auf der einen Seite ist, so zurückhaltend und reflektiert ist sie auf der anderen.“ – Armin Steigenberger, Ostragehege

„Kreipe liebt die ‚eigenartige fügung‘ mehr als das Gerade­ aus­gedicht. Liebt metapho­ rische, auch cartooneske Schlieren. Chiffren, durch die sich das Ich vor allzu großer Nachstellung absichert – sich abseilt, ohne sich zu verschwei­ gen. Ihre fragmentierten Nar­ rationen sind einiges, zum Beispiel märchenliche Areale, in denen die Dinge erstaunliche Relationen erfahren ... Das Sein dieser Gedichte erscheint wie im Kaleidoskop geschüttelt. Semantische Gewagt­heiten überspielen ein vertrügerisch­ tes Geläuf. Es ist die Art von Poesie, die es darauf anlegt, nicht austariert zu sein. Zwi­ schen all den Geheimnissen dieser Autorin ist wirklich Ge­ heimnis. Ein Geheimnis, das uns bisweilen den Schönheits­ arm reicht.“ – Ron Winkler, poetenladen.de


Herbst 20 16

wer nicht den ken will f liegt raus wer nicht wenden will f liegt auch wer nicht len ken will sieht auf

Fo t o : © Jo a k i m E s k i l d s e n

Re i h e Ly r i k 4–5

CIA RINNE Z AROUM / NOTES FOR SOLOISTS / L’USAGE DU MOT GEDICHTE


Cia Rinne, 1973 in Göteborg/Schweden geboren und in Deutschland aufgewachsen, Studium der Philosophie in Frankfurt, Helsinki und Athen, lebt als Autorin und Künstlerin in Berlin. Sie schreibt mehr­­­­­sprachige visuelle und akustische Lyrik, die sie vorträgt und mitunter ausstellt. Von ihr erschienen sind unter anderem zaroum, Helsinki 2001, die OnlineArbeit archives zaroum, 2008, notes for soloists, OEI-Editör, Stock­holm 2009, die Toninstallation sounds for soloists (in Zusammenarbeit mit Sebastian Eskildsen 2012) und should we blind ourselves and leave thebes, H//O//F, Moss 2013. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Bielefelder Kunstverein, bei Signal in Malmö, im KUMU Museum Tallinn, Overgaden und Den Frie in Kopenhagen und bei INCA in Seattle gezeigt. Lesungen und Performan­ ces unter anderem auf dem poesiefestival berlin, abc berlin, Louisiana Literature, Kiasma Helsinki, Fondation Louis Vuitton und dem Maison de la poésie in Paris. In Deutschland wurde Cia Rinne vor allem durch ihr dokumentarisches Buch Die Romareisen, Steidl 2007, das sie gemeinsam mit dem Fotografen Joakim Eskildsen veröffentlichte, bekannt. Cia Rinne zaroum / notes for soloists / l’usage du mot Gedichte Reihe Lyrik Band 50 / ca. 96 Seiten, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer / 19,90 € [D]/20,50 € [A] / 978-3-937445-82-3 / Auslieferung: September 2016

Die Texte, die in zaroum, notes for soloists und l’usage du mot gebündelt sind, gehören für mich zu einem Projekt mit Namen zaroum. Es sind kurze, minimalistische Texte, die haupt­ sächlich in englischer, deutscher und franzö­ sischer Sprache entstehen oder mit den phone­ tischen Ähnlichkeiten und Sinnverschiebungen zwischen den Sprachen arbeiten. Ausgangs­ punkt ist häufig eine Idee, ein Wort oder ein Zitat, das gestaltet wird und im Vortrag dann einen Ton, Rhythmus oder sogar eine Melodie entwickelt. So dienen die beiden Sequenzen notes for soloists und l’usage du mot gleicher­ maßen als Partituren, während im ersten Band zaroum neben dem inhaltlichen vor allem visu­ elle Aspekte im Vorder­grund stehen. Den Texten zugrunde liegt ein Misstrauen gegenüber Sprache an sich, die oft als schein­ bar unfehlbares Instrument benutzt wird, ob­ gleich sie doch Ergebnis langer, komplexer, aber auch recht zufälliger Prozesse ist und Gedanken und Formulierungen oft sprach­ spezifisch sind und sich in einer anderen Sprache nicht genauso ausdrücken ließen. Beim Komponieren versuche ich, auf das nötige Minimum zu reduzieren, um einen Ge­ danken oder eine Idee zu visualisieren; die Texte sind Resultat dieser stetigen Reduktion. – Cia Rinne

Stimmen zu Cia Rinne „Rinnes vielsprachige Auseinandersetzungen mit Abwesenheit und Schweigen sind dann am poetischsten, wenn man sie im Licht ihrer künstlerischen Recherchen in marginalisierten Gemeinschaften betrachtet. In Zusammen­ arbeit mit dem Fotografen Joakim Eskildsen entstanden so iChickenMoon (1999), geschrie­ ben, als sie im Post-Apartheids-Südafrika bei einer Zulu sprechenden Familie lebten, Blue­ tide (Helsinki 1997) aus einem portugiesischen Fischerdorf und Die Roma­reisen (Steidl 2007), das die Ausgrenzung von Roma durch ganz Europa dokumentiert. An ihren Oberflächen scheinen Rinnes Sprach­kaleidoskope einen Tanz aus geringen Abweichungen zu betreiben, ‚mit den homophonen Qualitäten verschiedener Sprachen zu spielen oder die Wörter aus ihren üblichen Zusammenhängen zu rücken, wodurch sie zu etwas anderem werden als bloßen Kom­ munikationsmitteln‘ (wie Rinne selbst in einem Interview im 3:AM Magazine formuliert). Doch sind ihre paragrammatischen Untersuchungen nicht zuletzt stille Meditationen darüber, wie Sprache das Andere und den Anderen aus­ grenzt und verbannt. Räume und Leerstellen in zaroum und notes for soloists weisen auf die Abwesenheit inmitten des Spiels.“ – derek beaulieu, Lemon Hound

Wir freuen uns, die zunächst in Finnland und Schweden erschienenen und seit geraumer Zeit vergriffenen Bände zaroum und notes for soloists wieder zugänglich machen zu können, ergänzt um den neuen Teil l’usage du mot, und wünschen der hierzulande noch viel zu wenig bekannten Dichterin und Künstlerin Cia Rinne endlich auch im deutschen Sprachraum vehe­ mente Resonanz.

„In sounds for soloists nutzt die Dichterin und Künstlerin Cia Rinne ihre mehrsprachige Stimme als Instrument für komplexe, minimale Kompositionen aus Sound und Text. Durch vertrackte, Sprachen kreuzende Wortspiele und sprachklangliche Stimmerkundungen führt sie ausgreifende philosophische und linguisti­ sche Fragestellungen auf deren Kernpunkte zurück, oft im Zusammenspiel von akustischen und formalen Eigenschaften. Ihre zugleich spielerischen und strengen Konzeptstücke evozieren Dada und Fluxus sowie die Traditionen von konkreter und Lautpoesie. sounds for soloists bewegt sich frei im Grenzbereich von Schreiben, Performance und Bildender Kunst, wo Sprache gleichermaßen als Text, Sound und Bild operiert.“ – Signal – Center for Contemporary Art, Malmö

sounds for soloists


EUGENE OSTASHE VSK Y DER PIRAT, DER VON PI DEN WERT NICHT KENNT GEDICHTE ENGLISCH–DEUTSCH ÜBERSETZT VON MONIK A RINCK UND ULJANA WOLF

Fo t o : © D i r k S k i b a

Re i h e Ly r i k Herbst 20 16

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Madera de ébano! На абордаж! Schieß erst, wen n wir in ih ren Augen weiße Fah nen ah nen!


Eugene Ostashevsky, geboren 1968 in Leningrad, ist ein russisch-amerikani­ scher Dichter, der 1979 mit seiner Familie in die USA aus­ wanderte, dort zweisprachig aufwuchs und an der Stanford University Komparatistik studierte. 2005 veröffentlich­ te er seinen ersten Gedicht­ band Iterature, 2008 The Life and Opinions of DJ Spinoza, darüber hinaus mehrere Chapbooks. 2006 erschien unter seiner Herausgeber­ schaft mit OBERIU: An An­ thology of Russian Absurdism die erste englischsprachige Anthologie dieser Autoren. Ostashevsky übersetzt aus dem Russischen, etwa Wladimir Majakowski, Ossip Mandelstam, Daniil Charms, Arkadi Dragomoschtschenko, Alexander Vvedensky und Dmitri Golynko, sowie aus dem Italienischen, etwa Elisa Biagini. 2014 war er Stipendiat des Berliner Künstlerpro­ gramms des DAAD. Eugene Ostashevsky lehrt neben dem eigenen Schreiben Literatur an der New York University und ist seit 2016 der erste russisch-amerikanische Siegfried-Unseld-Gastprofes­ sor an der Berliner HumboldtUniversität. Monika Rinck, geboren 1969 in Zweibrücken, lebt in Berlin. Sie veröffentlichte zuletzt u. a. Honigprotokolle, kookbooks 2012, und Risiko und Idiotie, kookbooks 2015. Sie erhielt u. a. den PeterHuchel-Preis 2013 und den Kleist-Preis 2015. Monika Rinck ist Mitglied im P.E.N.Club, der Lyrikknappschaft Schöneberg, der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie übersetzt, kooperiert mit Musikern und Komponisten und lehrt von Zeit zu Zeit. Uljana Wolf, geboren 1979 in Berlin, lebt als Lyrikerin, Übersetzerin und Dozentin in Berlin und New York. Sie veröffentlichte zuletzt u. a. falsche freunde, kookbooks 2009, und meine schönste lengevitch, kookbooks 2013, und wurde u. a. mit dem Erlan­ ger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung 2015 und dem Adelbert-von-ChamissoPreis 2016 ausgezeichnet. Eugene Ostashevsky Der Pirat, der von Pi den Wert nicht kennt Gedichte Englisch–Deutsch Übersetzt von Monika Rinck und Uljana Wolf Reihe Lyrik Band 51 / ca. 120 Seiten, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer / 19,90 € [D] / 20,50 € [A] / 978-3-937445-83-0 / Aus­ lieferung: September 2016

Der Pirat, der von Pi den Wert Einsprengseln wie von seiner nicht kennt ist eine Art Roman eigenen lausigen Geschichte in Gedichten über Verständi­ ramponiert und kontaminiert, gungsschwierigkeiten zwischen ahmt Texte aus dem 16. und Piraten und Papageien. Was vor 17. Jahrhundert nach und raub­ kopiert daraus. Die vollständige acht Jahren als Kinderreim be­ gann, hat sich zu einer Untersu­ englische Version wird in der chung heutiger und historischer Lyrik­reihe der New York Review Bedeutungen der Begriffe of Books am 14. März – dem „Pirat“ und „Papagei“ ausge­ Internationalen Pi-Tag – 2017 wachsen. Urheberrecht, kapita­ erscheinen. listische Ideologie, Tierintelli­ – Eugene Ostashevsky genz, Cartesische Philosophie, Stimmen zu kolonialistische Ethnografie, Eugene Ostashevsky Erstkontakt-Narrative und insbesondere Berichte über „In seinen Texten trifft DJ Piraten und Papageien aus der Spinoza auf MC Square und Renaissance und frühen Neu­ Flipper, Piraten unterhalten zeit (etwa Ulisse Aldrovandis sich mit Papageien über die Sapir-Whorf-Hypothese, nach Ornithologiae Libri XII aus dem der die Sprache das Denken Jahr 1599, worin exakte anato­ mische Beobachtungen an forme. Und das Publikum? Es toten Papageien auf belanglose lacht. Denkschmerz? Vielleicht, Anmerkungen zu ihrem Ver­ aber nur ein wenig. Denn der halten treffen) kommen vor. Witz umhüllt den intellektuellen Im Grunde geht es aber schlicht Anspruch in Ostashevskys darum, wie es ist, mit jemandem Texten wie Leberwurst eine zu reden, und ob dieser jemand bittere Pastille ... Ostashevsky überhaupt jemand ist. Und weil vergräbt in seinen Texten Pirat und Papagei auf einer ein­ Unmengen linguistischer Witze samen Insel stranden und einen und Anspielungen und das über Sprachgrenzen hinweg. Streit darüber beginnen, ob sie Au­fge­passt: In einem seiner sich mit Indigenen, so es sie Piraten-Gedichte entsprechen dort gäbe, verständigen könn­ ten, geht es auch um Immigra­ die Anfangsbuchstaben eines tion. Und weil für Papageien jeden Wortes, das der Pirat Englisch offensichtlich nicht als spricht, den Anfangsbuch­­ Muttersprache gelten kann, geht staben eines italienischen Gedichts der Romantik, das ei­ es auch um Zweitsprachen­ gentlich erklärt, worum es geht. gebrauch. Das Piratenenglisch ‚Das bekommt man während wiederum ist von fremden Textauszug

einer Lesung nicht mit. Die Tex­ te haben eine Art Doppelleben.‘“ – Marten Hahn, Berliner Zeitung

„Selbst wenn der Leser nicht sämtliche Jokes und Doppel­ deutigkeiten erfasst, haben die Gedichte mit all ihren PopReferenzen und grundvertrau­ ten Szenarien doch stets eine narrative Spur, die ein größeres Publikum anspricht. Zum ande­ ren ist Ostashevsky aus der rus­ sischen Tradition heraus ein Formalist: Selbst wenn er, wie hier, Strophenstrukturen und feste Reimschemata ablegt, verlässt er sich doch stark auf Klangwiederholungen und Ge­ legenheitsreime. Drittens hat Osta­shevskys Dichtung ... ihre Wurzeln im Versdrama der rus­ sischen Oberiu: Seine absurden Dialoge ... sind wie Ping-PongSpiele unter nah verwandten Gegnern. Auch beteiligen sich seine lyrischen Gedichte kei­ neswegs am derzeit so modi­ schen Angriff auf ‚das Subjekt‘. Es ist dem Dichter im Gegenteil ein Anliegen zu zeigen, dass sich Dichtung in der ersten Person durchaus noch einmal in größeren konzeptionellen Fragen engagieren kann. Selbst Lyrik, legt er nahe, darf das Gedankenspiel den Klagen des Herzens vor­ziehen. Mit dem Titel eines der DJ-SpinozaGedichte: ‚Myopia is Youropia‘.“ – Marjorie Perloff, Schreibheft

Mit freundlicher Unterstützung

Wie viele Piraten braucht man, um von Pi den Wert zu errechnen? Sicherlich mehr als einen. Der Pirat, der von Pi den Wert nicht kennt, segelt fern der Heimat und segelt alleinen. Er brütet, er wütet, er ist vor Sorge verschandelt, ob sein Segelschiff sich in ein Sieb verwandelt, ob eins dieser Seemonster den Mast ihm stiehlt, ob es keine Milch für sein Müsli gibt (früher gab es das nie) … Auf ein Nasenneben-Sinuslied wird allseits kurvig angespielt. „Was ist das? Hat sich mein Bildschirmschoner losgemaRRGHcht?“, klagt in Rage der Pirat. „Oller GraRRGHntler“, schreit der Papagei graRRGHd auf seiner Schulter, neben dem PeRRGHlenoRRGHring. „Fängst du schon wieder an“, sagt der Pirat mit dem Perlenohrring, aber der Papagei tut plötzlich so Huch, wo ist denn mein Hörsinn? Skizzieren Sie den Unterschied zwischen den Regeln, die für Piraten, und denen, die für Papageien gelten. Wie wärs damit: Der Pirat grantelt (intransitives Verb: „zornigen Verweisen Ausdruck verleihen“), aber der Papagei brabbelt (intransitives Verb: „Sachen sagen, die sich von anderen dadurch u nterscheiden, dass sie unverständlich sind“): Der Pirat weiß sich in höchstem Maß zu schätzen. Der Papagei ignoriert ihn fast bis zum Letzten.


Re i h e Ku n s t

HERMANN RECKNAGEL SUPPENGRÜN 0,99 =C Fotografien

„Suppengrün wird jetzt anders schmecken als zuvor. Die Bilder schieben uns die Lebens- und Arbeitswelt vor das Produkt und werten es auf. So werden sie zum Salz in der Suppe. Die aufklärende Rolle der Kunst ist also nicht allein intellektuell, sie ist in erster Hinsicht sinnlich. Als gezielte Schulung unseres Geschmacks, wobei jetzt alle Sinne gemeint sind, man könnte auch sagen, als Schulung unseres Stils, zeigt sie den Wert dessen auf, was sie darstellt. So wie etwa Landschaftsmalerei die Natur und Porträtmalerei die Personen aufwertet. Im Fall von ‚Suppengrün 0,99 Euro‘ wird aufgewertet, was schein­ bar unter Preis angeboten wird. So bleibt die Frage: Was und wie viel bleiben die Konsumenten schuldig?“ – Stephan Grätzel

Hermann Recknagel bei kookbooks Feuerwache II. Fotografien farbig, 160 S., 39 €, 978-3-937445-64-9 ♥ Eines der schönsten deutschen Bücher 2014

Herbst 20 16

Frisch ausgeliefer t

Hermann Recknagel, geboren 1958 in Frankfurt/ Main, lebt und arbeitet als Künstler in Mainz. Seine Fotografien von den Ver­ änderungsprozessen in Ostund Südosteuropa wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. In dem von der Stiftung Buchkunst prämierten Fotoband Feuer­wache II, kookbooks 2014, beschrieb er das Verschwinden öffent­ licher Arbeit und begann damit eine neue Werkreihe über bislang wenig beach­ tete Veränderungen in der Arbeitswelt. Hermann Recknagel Suppengrün 0,99 Euro Fotografien Reihe Kunst Band 5 / 224 Seiten, Hardcover, mit Texten von Dr. Andrea Gnam, Prof. Dr. Stephan Grätzel, Dr. Marcel Schilling und Katharina Schultens, gestaltet von Andreas Töpfer 49 € [D]/50,40 € [A] / 978-3-937445-79-3 / Auslieferung: Mai 2016


Re i h e Ly r i k

ROZ ALIE HIRS GESTAMMELTE WERKE GEDICHTE

Hier zerstiebt Welt und wird wieder zusammengesetzt, transformiert, vielfältig lesbar, Musik. Hier können verschie­ dene Stimmen gleichzeitig autonom sein und zusammen­ finden. Hier schwirren Erinne­ rungen, über­lagern sich, schmel­zen ineinander. Hier wird hören oder noch-nichthören Bild für sich noch-nichterinnern, zeigen, entschwinden. Hier reisen wir um die Welt in verschiedenen Sprachen, ver­ suchen die eigene und fremde Sprache auszusprechen. Hier finden wir uns in Bedeutung, im Klang, im Stammeln. – Rozalie Hirs

„gestammelte werke“ versam­ melt Gedichte von Rozalie Hirs auf Deutsch und in 14 weiteren Sprachen in einem umfangrei­ chen Kompendium. – Bereits an­gekündigt, noch nicht erschienen. Mit freundlicher Unterstützung

Gastlandauftritt Frankfurter Buchmesse

Herbst 20 16

Rozalie Hirs, geboren 1965, lebt als Dichterin und Kom­ ponistin in Amsterdam. Sie studierte Komposition bei Louis Andriessen und Tristan Murail am Koninklijk Conser­ vatorium Den Haag und an der Columbia University New York. Ihre Kompositionen wurden unter anderem von Asko | Schönberg, Slagwerk Den Haag, dem BozziniQuartett und der Niederlän­ dischen Radio Philharmonie aufgeführt. Rozalie Hirs tritt international als Performerin ihrer elektroakustischen und Text-Arbeiten auf und hat bislang fünf Gedichtbände sowie zwei CDs veröffentlicht.

hingegen wächst sogar aus sag’ mal! und stell dich nicht so an! ein löwenzah n

Rozalie Hirs gestammelte werke Gedichte Mehrsprachig / Reihe Lyrik Band 39 / ca. 300 Seiten, Broschur mit UmschlagPoster, gestaltet von Andreas Töpfer / 19,90 € [D]/20,50 € [A] / 978-3-937445-67-0 / Auslieferung: August 2016


Unser Programm 10–11 Herbst 20 16

978-3-937445- € [D]

€ [A]

LYRIK 00-7* 03-8 04-5 14-4* 16-8 18-2 22-9 23-6 27-4 29-8 30-4 34-2 35-9 37-3 38-0 39-7 41-0 42-7 43-4 44-1 45-8 46-5 47-2 49-6 50-2 51-9 52-6 53-3 54-0 55-7 56-4 57-1 60-1 61-8 62-5 63-2 65-6 66-3 67-0 69-4 70-0 71-7 72-4 73-1 77-9 78-6 80-9 81-6 82-3 83-0

Daniel Falb die räumung dieser parks Gedichte Steffen Popp Wie Alpen Gedichte Ron Winkler vereinzelt Passanten Gedichte Gerhard Falkner Gegensprechstadt – ground zero Gedicht & CD Music by David Moss Uljana Wolf kochanie ich habe brot gekauft Gedichte Hendrik Jackson Dunkelströme Gedichte Tom Schulz Vergeuden, den Tag Gedichte Monika Rinck zum fernbleiben der umarmung Gedichte Christian Schloyer spiel • ur • meere Gedichte Sabine Scho Album Gedichte Christian Hawkey Reisen in Ziegen­geschwindigkeit Gedichte Sabine Scho farben Gedichte Steffen Popp Kolonie Zur Sonne Gedichte Monika Rinck Helle Verwirrung & Rincks Ding- und Tierleben Gedichte & Zeichnungen Uljana Wolf falsche freunde Gedichte Daniel Falb BANCOR Gedichte Martina Hefter Nach den Diskotheken Gedichte Matthea Harvey Du kennst das auch Gedichte Alexej Parschtschikow Erdöl Gedichte Alexander Gumz ausrücken mit modellen Gedichte Mathias Traxler You’re welcome Texte Daniela Seel ich kann diese stelle nicht wiederfinden Gedichte Michael Palmer Gegenschein Gedichte Monika Rinck Honigprotokolle Gedichte Dagmara Kraus kummerang Gedichte Gerhard Falkner Pergamon Poems Gedichte & Clips Hendrik Jackson Im Licht der Prophezeiungen Gedichte Christian Hawkey/Uljana Wolf Sonne From Ort Ausstreichungen/Faksimiles Steffen Popp Dickicht mit Reden und Augen Gedichte Martina Hefter Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch Gedichte Tristan Marquardt das amortisiert sich nicht Gedichte Uljana Wolf meine schönste lengevitch Gedichte Ulf Stolterfoht Neu-Jerusalem Gedicht Katharina Schultens gorgos portfolio Gedichte Karla Reimert Picknick mit schwarzen Bienen Gedichte Farhad Showghi In verbrachter Zeit Prosagedichte Rike Scheffler der rest ist resonanz Gedichte Linus Westheuser oh schwerkraft Gedichte Rozalie Hirs gestammelte werke Gedichte Sonja vom Brocke Venice singt Gedichte Dagmara Kraus das vogelmot schlich mit geknickter schnute Gedichte und Collagen Daniel Falb CEK Gedichte Christian Filips / Monika Rinck / Franz Tröger Lieder für die letzte Runde CD Daniela Seel was weißt du schon von prärie Gedichte Martina Hefter Ungeheuer. Stücke Gedichte Yevgeniy Breyger flüchtige monde Gedichte Anja Bayer, Daniela Seel  (Hg.) Lyrik im Anthropozän Anthologie Birgit Kreipe soma Gedichte Cia Rinne zaroum / notes for soloists / l’usage du mot Gedichte Eugene Ostashevsky Der Pirat, der von Pi den Wert nicht kennt Gedichte

13,80 14,20 13,80 14,20 15,90 16,30 24,80 25,50 15,90 16,30 14,40 14,80 14,90 15,30 14,90 15,30 15,90 16,30 15,90 16,30 22,90 23,50 19,90 20,50 19,90 20,50 24,90 25,60 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 17,90 18,40 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 22,00 22,70 19,90 20,50 10,00 10,30 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50 22,90 23,50 19,90 20,50 19,90 20,50 19,90 20,50

PROSA 01-4 09-0 10-6 13-7 15-1 17-5 19-9 26-7 05-2 28-1 33-5 40-3 58-8 59-5 74-8

Jan Böttcher Lina oder: Das kalte Moor Erzählung Jan Brandt Doppelpass. Geschichten aus dem geteilten Fußballdeutschland Anthologie Silke Andrea Schuemmer Remas Haus Roman Michael Stavaric Europa. Eine Litanei Pierangelo Maset Klangwesen Roman Steffen Popp Ohrenberg oder der Weg dorthin Roman Johannes Jansen Bollwerk Vermutungen Pierangelo Maset Laura oder die Tücken der Kunst Roman Johannes Jansen im keinland ist schönerland stumm Texte aus der DDR 1983 –1989 Michael Stavaric Nkaah. Experimente am lebenden Objekt Tuuve Aro Karmiina K.: „Ich bin okay.“ Roman Annika Scheffel Ben Roman Sabine Scho Tiere in Architektur Texte und Fotos Pierangelo Maset Beauty Police Roman Hendrik Jackson sein gelassen Aufzeichnungen

14,40 10,00 UVP 7,90 UVP 19,90 17,90 17,90 16,90 19,90 22,90 18,90 19,90 19,90 19,90 19,90 19,90

14,80

20,50 18,40 18,40 17,40 20,50 23,50 19,50 20,50 20,50 20,50 20,50 20,50


kookbooks Daniela Seel Schlieperstraße 59 13507 Fon/Fax +49.30.40 05 39 74 Mobil +49.172.614 32 32 daniela.seel@kookbooks.de www.kookbooks.de Auslieferung D GVA Göttingen Anna-Vandenhoeck-Ring 36 37081 Göttingen Fon +49.551.48 71 77 Fax +49.551.413 92 frester@gva-verlage.de Auslieferung A Mohr Morawa Sulzengasse 2 1230 Wien Fon +43.1.68  01 40 Fax +43.1.68  01 41 40 momo@mohrmorawa.at Vertretung D Baden-Württemberg, Bayern, Saarland, Rheinland-Pfalz Nicole Grabert c/o Vertreterbüro Würzburg Huebergasse 1 97070 Würzburg Fon +49.931.17405 Fax +49.931.17410 grabert@vertreterbuerowuerzburg.de Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein Christiane Krause, c/o büro indiebook krause@buero-indiebook.de Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen Regina Vogel, c/o büro indiebook vogel@buero-indiebook.de

G e s t a l t u n g : A n d re a s Tö p f e r

büro indiebook Bothmerstraße 21 80634 München Fon +49.89.12 28 47 04 Fax +49.89.12 28 47 05 www.buero-indiebook.de

€ [A]

978-3-937445- € [D]

KUNSTBUCH 02-1 Johannes Jansen Liebling, mach Lack! Faksimiles 06-9 Jakob Dobers/Rainer Leupold Falsche Russen im Buch Geschichten 64-9 Hermann Recknagel Feuerwache II Fotografien 79-3 Hermann Recknagel Suppengrün 0,99  € Fotografien

25,00 UVP 10,00 UVP 39,00 49,00

KINDERBUCH 07-6 Heide Henschel/Thomas Mohnike Luise und das lang­weiligste Buch der Welt 21-2 Michael Stavaric/Renate Habinger Gaggalagu 25-0 Andreas Töpfer/Samara Chadwick Durch dick und dünn / Through thick and thin 31-1* Melanie Laibl/Dorothee Schwab Ein Waldwicht fliegt in den Oman   48-9 Taubert/Tchemberdji/ Rinck/Jirka/Töpfer Ich bin der Wind Geschwinde Lieder für Kinder & CD

12,80 13,20 14,90 15,30 14,90 15,30 19,90 20,50 19,90 20,50

ESSAY 12-0 20-5 24-3 36-6 68-7 76-2

7,90 UVP 18,90 17,90 25,00 19,90 19,90

Thomas Kraft Schwarz auf weiß Eine Werbeschrift Monika Rinck Ah, das Love-Ding! Ein Essay Hendrik Jackson Im Innern der zer­brechenden Schale Poetik und Pastichen Kleilein/Kokkelkorn/Pagels/Stabenow Tuned City. Zwischen Klang- und Raumspekulation. Reader Monika Rinck Risiko und Idiotie Streitschriften Mathias Traxler Unterhaltungsessays

NONBOOKS 08-3 Jan Böttcher Der Krepierer Erzählung, gelesen vom Autor Tragetasche Sterntaler Tragetasche Katzenziegen Rucksack-Tragetasche Tannenbaum-Yeti 32-8 Plakat Laibl/Schwab Mit dem Waldwicht um die Welt Volker Reiche Mäzenatengabe „Poesie als Lebensform“ Plakat Blutbahn „Poesie als Lebensform“ (A1), Plakat Fisch „Poesie als Lebensform“ (A2 lang) Plakat Ameisenwolf „das amortisiert sich nicht“ (A1)

40,10 50,40

19,50 18,40 25,70 20,50 20,50

9,95 10,30 4,50 4,50 6,00 6,00 7,50 7,50 500,00 500,00

( * zurzeit vergriffen)


take a walk; count your steps. now, forget. ĂŠtude de mĂŠmoire


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