Radek Malý
Renáta
Fučíková
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Das Phanomen Kafka: Beriihmt wider Willen Das altehrwurdige Prag, Hauptstadt der Tschechischen Republik, hat seinen Gasten aus aller Welt wirklich viel zu bieten. Prachtvolle Kirchen, groBartige modeme Gebaude, Oberraschend viel schone Natur zum Greifen nah, dazu etwas Ober eine Million mehr oder weniger zufriedene Prager. Trotzdem lockt all die Touristen, von denen jedes Jahr funfmal mehr kommen, als die Stadt Einwohner hat, etwas anderes: der Hradschin, die Karlsbrucke - und ein gewisser Franz Kafka. Wenn man beim Stromem durch die historischen Viertel an den richtigen Orten vorbeikommt, begegnet man Kafka in den verschiedensten Varianten: aut Postkarten, T-Shirts und Streichholzschachteln, in den Namen von Cafés, Bands oder auch als Mannlein, das aut einem riesigen Mantel reitet. Stel lenweise macht es den Eindruck, die Stadt liege Franz Kafka zu FOBen. Auch seine Bucher verkaufen sich ganz gut. Aber seine Werke sind gar nicht so beruhmt, verglichen damit, was Kafka als Personlichkeit fůr den Ruhm von Prag getan hat und wie viele Bucher Ober ihn geschrieben worden sind. Wurde man einmal auflisten, was man so alles Ober Kafka weiB, ohne eins jener Bucher uber ihn aufzuschlagen, dann sahe das vermutlich so aus: 1. Er war Schriftsteller jůdischer Herkunft, ist in Prag geboren und hat auf Deutsch geschrieben. 2. Er hat eine Geschichte verfasst, deren Hauptheld eines Morgens als lnsekt aufwacht. Und nichts mehr daran andem kann. 3. Er hatte Probleme: mít dem Vater, mít seiner Arbeit und mit den Frauen. Angesichts dessen, was und wie er geschrieben hat, waren das allerdings nicht seine einzigen drei Probleme ... Kurz und gut: Kafka hatte ein Problem mit der Welt. Und die Welt hat bis heute ein Problem mit Kafka.
Der wahre Weg geht iiber eln Seil, das nicht ln der Htihe gespannt 1st, sondern knapp liber dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Aphorismus von Kafka)
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Die ersten Juden kamen etwa im 10. Jahrhundert auf dem Gebiet von Bohmen an. Sie lieBen sich dort nieder, wo der Handel bluhte, also auch in Prag. lnnerhalb der Stadtmauern waren sie gezwungen, unter den beengten Bedingungen eines Ghettos zu leben. Die Prager Judenstadt lag in einem Viertel der Altstadt, das spater als Josephstadt (tschechisch Josefov) bekannt war. Die Grenzen des Ghettos durften von seinen Bewohnern niemals uberschritten werden. Die Juden mĂt ihren religiosen Gebrauchen gingen in den Augen der ubrigen Burger einem unbegreiflichen Lebenswandel nach, zudem hatten sie dank ihrer Anpassungsfahigkeit ein Talent, zu Wohlstand zu kommen, wodurch sie leicht zum Gegenstand von Neid und Missgunst wurden. Prag blieb demzufolge nicht von wiederholten Pogromen, also judenfeindlichen Ausschreitungen, verschont. Oas war einer der Grunde dafur, dass die Prager Juden dem Schutz des Konigs unterstellt waren, wofur sie regular Steuern abfuhren mussten. Oas Prager Ghetto ist mit vielen Legenden verknupft, zu deren Entstehung die verschlungenen Gasschen, geheimnisvollen Durchgange und versteckten lnnenhofe regelrecht animiert haben mussen. Die bekannteste Prager Legende handelt vom Rabbi Judah Low, genannt Maharal, der tatsachlich gelebt hat (vermutlich 1512 bis 1609). Dieser allseitig gebildete Mann war der geistige Fuhrer der Prager Juden. Angeblich hat er dank seines Wissens uber geheime judische Lehren zum Schutz der Juden eine Figur aus Lehm geschaffen: den Golem. Dessen lebloser Korper soli bis heute auf dem Dachboden der Prager Altneusynagoge ruhen. Ebenfalls zum Leben erwachte der Golem im weltberuhmten gleichnamigen Roman von Gustav Meyrink, der 1915 veroffentlicht wurde. Obwohl Meyrink weder in Prag geboren war noch einen judischen Hintergrund hatte, gehorte er zu den ersten Schriftstellern, die Prag weltweit als magische Stadt der mitreiBenden Erzahler beruhmt machten.
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Franz Kafka Ein Mensch seiner und unserer Zeit
Originaltitel: Franz Kafka. Člověk své i naší doby. Text von Radek Malý. I llustrationen von Renáta Fučíková. Fachliche Beratung: Dr. Josef Čermák. Verantwortlicher Redakteur: Petr Matoušek. lns Deutsche ubertragen von Mirko Kraetsch. Satz/Lettering: Filip Heyduk, unter Verwendung der Fonts News Gothic und Amsi Pro. Lithografie: Pavel Kadlec. Druck und Bindung: FINIDR, s. r. o. Deutsche Erstausgabe. 1. Auflage, Prag, 2017. Nakladatelství Práh, Patočkova 2386/85, 169 00 Praha 6. ISBN 978-80-7252-675-8 www.prah.cz