I WEIHBISCHOF FRANZ LACKNER, EIN SPÄTBERUFENER: DA WAR KEIN PLATZ MEHR FÜR GOTT.
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I GEWALT UND DROGEN NEHMEN ZU. ERSCHRECKEND: TÄTER WERDEN IMMER JÜNGER. 10
I „Kraft.DasMurtal“ ALLES UNTER EINEM HUT. REGION ERFINDET SICH NEU.
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SPOTS 5
Arbeiten als Duo für den Erfolg
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426 Jahre hat es gedauert … bis die erste Frau das Ruder der Grazer Universität übernehmen durfte
AKTUELLES 10 Gewalt und Drogen nehmen zu: Täter werden immer jünger
COVER
18 – Weihbischof Lackner: Ein Spätberufener. „Da war für Gott keine Zeit“
5 – Conny Mooswalder: Ihr Traum ist eine MusicalKarriere
12 – Energie Steiermark sucht neuen Chef. Karl Rose wäre der Beste
I N H A L T
12 Ein Stratege mit Bodenhaftung Karl Rose
POLITIK 14 Gemeindefusionen Experten errechnen 60 Millionen Euro Ersparnis
HINTERGRUND 18 Weihbischof Franz Lackner Ein Spätberufener 22 Justizurteile Verkehrte Welt bei Strafmaß 24 Schuldenkrise Analyse und Comics zum 250. Geburtstag des Rechnungshofs 30 Die Schmach wird verdrängt Lager Graz-Liebenau: Zwischenstation für Todesmärsche
SONDERTHEMA 8 – Neue Rektorin Christa 46 – Weinland: Architektur holt die Natur ins Haus
Neuper. Nach 426 Jahren erstmals eine Frau
32 Die Kraft – das Murtal: Alles unter einem Hut 39 Problem stottern Georg Faber: „Ich galt als untherapierbar“
Illustration: Milan Ilic Foto (Hut): Gasthaus Buchtelbar, Wenigzell, www.buchtelbar.at
GESUNDHEIT
Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen erholsame, entspannende Weihnachten und ein gesundes Jahr 2012! Und natürlich auch weiterhin viel Zeit zum Klipp-Lesen. 32 – Alles
unter einem Hut. Eine Region erfindet sich neu: Kraft.DasMurtal
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40 Was heißt hier süß? Die Messung der Süßkraft
FREIZEIT 48 Weltstädtchen mit Landschaft – Luzern
STANDARDS 4
Spots
20 Lilly Lotterblume 40 Gesundheit 38 Auto & Motor 51 Sport 52 Urlaubstipps 54 Bücher
KLIPP Dezember 2011
Foto: „Bilanz – Das Schweizer Wirtschaftsmagazin“, 17/2011
Für 2,3 Milliarden Dollar eingekauft
… unbändige Kauflust wie zu Weihnachten
Er hat seine Kauflust, man könnte auch sagen, seinen Kaufrausch, schon gestillt. 2,3 Milliarden Dollar hat er dafür ausgegeben. Dementsprechend zufrieden sieht er auch aus: der 31-jährige Schwarzafrikaner aus Ghana – Kweku Adoboli. Er hat die stolze Summe nicht bei der spanischen Weihnachtslotterie gewonnen. Er war im globalen Spielcasino unterwegs. Ach so, wie viel das ist? Die Stadt Graz könnte drei Jahre von dem Geld leben. Der Haken bei Adobolis Kauflust: Es war nicht sein eigenes Geld, sondern die nette Summe gehörte der
Dr. Manfred Rath
Dr. Gunther Ledolter
Schweizer Bank UBS (Union Bank of Switzerland). Dort arbeitete er jahrelang als Aktienhändler. Er verspekulierte sich um 2,3 Milliarden Dollar und wurde verhaftet, weil er seine Kompetenzen überschritten hatte. Apropos Verhaftung: Der österreichische Industrielle Julius Meinl V wurde im April 2009 nach Zahlung einer Rekordkaution von 100 Millionen Euro freigelassen. Er hat mehr Glück im Unglück. Denn laut Magazin „Trend“ ist die bei der PSK verwaltete Kaution inklusive Zinsen auf 105,6 Millionen Euro angewachsen – und das in der Finanzkrise. Schon eine Groteske der besonderen Art. Da soll noch einer sagen, dem Staat könne man kein Geld anvertrauen. Was man mit der Meinl-Kaution alles machen hätte können seit 2009, darf man gar nicht zu Ende denken. Wenn sich der Staat auch von dem Geld die Zinsen holen wollte.
Mag. Martin Sudi
Mag. Georg Siarlidis
Fünf Rechtsanwälte – ein Ziel:
Die beste Verteidigung
IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber: KLIPP Zeitschriften GmbH & Co KG, 8020 Graz, Friedhofgasse 20, Tel. 0316/ 42 60 80-0, Fax-Dw 122 office@klippmagazin.at Officemanagement: Isabella Hasewend Redaktion und Autoren: Jürgen Lehner, Ali Rosker, Reinhard Schuch, Michaela Vretscher, Helmut Dietl, Sylvia Einöder, Karin Klug, Michael Schröder, Petra Pauritsch, Maximilian Rombold, David Donnerer. Produktionsleitung: Isabella Hasewend Produktion: Martin Druschkowitsch, Hans Obersteiner, Christian Wallner. Lektorat: Mag. Dr. Günter Murgg Druck: MA-TISK d.o.o. Maribor Abonnentenpreise: Jahresabo € 14,53, Zweijahresabo € 26,16, Studentenabo: 2 Jahre € 18,16, 1 Jahr € 13,08 Vertrieb: Hurtig & Flink Erscheinungsort: Graz, Verlagspostamt: 8020 Graz, P.b.b. www.klippmagazin.at Nächster Erscheinungstermin: Februar 2012
Mag. Andreas Huber
Die Kanzlei Friedhofgasse 20, 8020 Graz Tel.: 0316/ 7085, Fax: DW 25 law-office@rath-partner.at www.rath-partner.at
Unterstützt von den Konzipienten: Mag. Bernhard Schöngrundner • Dr. Christoph Fritz • Dr. Mario Fluch • Mag. Wolfgang Ehß KLIPP Dezember 2011
Absage macht betroffen
Foto: Heimo Ruschitz
SPOTS
Wegen Todesfalls in der Familie müssen die Konzerte von STS in Graz – also in der Heimarena – abgesagt werden, kam die Meldung wenige Stunden vor dem ersten Auftritt. Als dann noch bekannt wurde, dass die Mutter von Helmut Röhrling, alias Schiffkowitz, verstorben war, machte das vielen Fans eines schlagartig klar: dass, während sie ihre Idole auf der Bühne bejubeln, dem da oben wegen privater Sorgen ganz anders zumute ist. Dennoch aber muss er sich von den Fans, freundlich und geduldig bleibend, feiern lassen. Große Auftritte in Graz sind für STS offensichtlich so eine Sache. Schon 2007 mussten die Weihnachtsauftritte in Graz und in Wien abgesagt werden. Damals wegen eines Zusammenbruchs von Günter Timischl. O
Kein Vergleich zum Original
Stina Martini und Severin Kiefer haben mit dem Sieg im Paarlauf das Ticket für die Europameisterschaften im Jänner 2012 in Sheffield (England) gelöst.
Bereits zum 7. Mal Staatsmeister
Fotos: Heimo Ruschitz
Schon wieder Viktor Pfeifer (Bild rechts) am Stockerl ganz oben bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Eiskunstlauf in Graz-Liebenau. Wieder deshalb, weil sich der 24-jährige gebürtige Grazer trotz einer am Vortag erlittenen Schulterverletzung souAuch er wird bei der EM 2012 in verän den Staatsmeistertitel bereits zum 7. Sheffield dabei sein. Mal holte. Im österreichischen Eiskunstlaufsport ist er somit das Maß aller Dinge. „Mein Ziel ist es, unter die Top 10 in Europa zu kommen“, erklärt der ehrgeizige junge Mann nach seinem Sieg. Diesen holten sich übrigens auch die beiden Lokalmatadoren Stina Martini und Severin Kiefer (im Bild mit Trainerin Eva Sonnleitner), die ihren Staatsmeistertitel im Paarlauf erfolgreich verteidigen konnten. I.H.
Gutes überlebt einfach. Für das Weihnachtsfoto des Grazer Fotografen Peter Manninger gilt das. Es entstand vor mehr als 20 Jahren, wurde oft nachgestellt (siehe Foto), aber die Atmosphäre des Manninger-Bildes gelang keinem der Fotografen-Kollegen. Alles wirkt gekünstelt und einfach nicht echt. Dass Vater und Sohn mit zwei Christbäumen nach Hause gehen …? Peter Manninger zur Geburt seines Weihnachtsfotos: „Ich hab das damals für die Tirol Werbung gemacht. Da war eine Weihnachtskrippe aufgebaut in einem Haus, die sogar vererbt wird in der Familie, mit einem Mädchen davor. Ich habe fotografiert, aber das zwingende Bild war nicht dabei. Und dann sind wir zum Hof von Hoppichler. Es war der 21. Dezember, es hat geschneit. Da fiel mir
dann dieses Bild gleichsam ein. Wir haben dann einen Großvater für dieses Bild gebraucht. Wir sind dann mit dem Traktor, Schneeketten und Allrad da hinauf. Dann sind wir eben hinaus und haben dieses Foto inszeniert. Und ich hab gesagt: „Du bist jetzt der Großvater. Du nimmst jetzt das Mäderl und erzählst ihm die schönste Weihnachtsgeschichte, die du kennst. Und vier Mal sind sie diesen Weg auf und ab. Das Kind hat leuchtend rote Backen und Augen gehabt. Da habe ich gewusst, dass das Bild dabei ist. Und es war natürlich von vorne und von hinten. Aber man hat gespürt: Die Emotion kannst du auch ohne Gesicht zeigen, weil die Körpersprache das ausdrückt. Du musst nicht das Gesicht zeigen, weil du Raum für die Interpretation hast, auch ohne Antlitz.“ O
Foto: Peter Manninger
Foto: Steiermark Tourismus/ Big Shot
-Echo
Understanding Diamonds Als größter Wert auf kleinstem Raum hat der Diamant eine gesicherte Stellung im Rahmen der Rothschild’schen Regel. Highlight der Ausstellung im Hause Schullin war jüngst ein fast 17-karätiger Diamant im Wert von 320.000 Euro. Die härteste Währung der Welt rückt besonders in Krisenzeiten ins Zentrum des Interesses, vor allem, wenn es sich um Eigenschaften wie transportabel, unvergänglich, sich der Geldentwertung entziehend, handelt. „Diamonds are a girl’s best friend“, sang Marilyn Monroe. Sie und viele andere berühmte Persönlichkeiten waren vom König der Edelsteine fasziniert. Meist ging es da um tragbare Diamanten. O Hans Schullin: 320.000 Euro kostet Kleinigkeit in seiner Hand
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Reaktionen: office@klippmagazin.at
TV-Spot verherrlicht Gewalt
Instinktlos Wen spricht das an? Da führen Schwerstkriminelle im gitterumschlossenen Hof eines Zuchthauses – offensichtlich auf amerikanische Verhältnisse getrimmt – einen „Fußballkrieg“, schlagen aufeinander ein. Bewacht von fletschenden Hunden, zuschlage- und schießbereitem Wachpersonal. Ein Tor fällt und der Schütze erhält unter wüstem Geschrei die Rote Karte, gezeigt von einem wutentbrannten „Schiedsrichter-Polizisten“. Im darauffolgenden Bild öffnen sich die Tore des Hochsicherheitsgefängnisses einen Spalt. Der ausgeschlossene Spieler atmet die Freiheit ein. Ein Sack mit dem Hab und Gut wird ihm nachgereicht. Lachend und singend ist er in der Freiheit zurück. Begleitet von dem Satz: „Das Leben ist ein Spiel.“ Für mich eine instinktlose Verherrlichung der Gewalt. Empört das nur mich und nicht die Verantwortlichen des ORF? Name und Adresse der Red. bekannt
KLIPP Dezember 2011
Foto: www.christian-husar.com
Erstmals gab es im Februar 2011 den Ball der Steirer in der Wiener Hofburg. Und die 3.000 Trachtenfans bestätigten einmal mehr den Ausspruch von Reinhard P. Gruber, dem steirischen Schriftsteller: „Steirerblut is ka Himbeersaft.“ Das letzte Jahr fehlte LH Franz Voves, weil der Termin für den Ball erst sehr spät fixiert wurde. 2012 dürfte er sich schwerer tun, sollte er nicht am 19. Jänner in der Hofburg mitfeiern. O
Foto: R. Sudy
Arbeiten als Duo für den Erfolg
Als die mächtige Stimme von Cornelia Mooswalder im Herbst 2010 das erste Mal auf der Bühne der ORFCastingshow „Helden von morgen“ zu hören war, da prophezeiten wir im Klipp: Sie wird die Siegerin. Und es kam so. Damals war sie noch ganz schüchtern und verlegen. Nach mehr als einem Jahr und dutzenden Auftritten – ihre beiden Singles „Saved“ und „Should Have Let You Love Me“ stehen in den österreichischen Charts weit oben – weiß sie, was die Menschen von ihr erwarten.
„Zur Zeit ist es etwas stressig, da ich in der Maturaklasse bin und natürlich sehr viel zu lernen habe“, erzählt sie in der Zeitschrift „G’sund“ (Ausgabe Dezember 2011). „Einmal in der Woche fahre ich nach Wien zum Gesangsunterricht.“ Was ja die PR-Leute nicht so ganz cool aufnahmen: Der Dialekt der Obersteirerin war etwas heftig. In Wien nimmt Mooswalder nun SprachtechnikUnterricht und bereitet sich auf ihr Musical-Studium vor, das sie im Frühjahr beginnt. Künstler können ohne Manager nicht sein: Connys „guter Geist im Hintergrund“ heißt Barbara Pirker, 28, und kommt ebenfalls aus Judenburg. Die Agentur der vielfachen Landesmeisterin im Springreiten organisiert das alljährliche Charity-Event „Stars on the Dancefloor“. Barbara Pirker: „Ich hab die Cornelia mit 13 singen hören und war so begeistert von ihr, dass ich sie zu managen begann. Bei sämtlichen Veranstaltungen von Wirt-
schaftsbund, Kammer, Vernissagen – überall fragte ich wegen Auftritten an.“ New York mit dem Broadway ist der große Traum und das Ziel von Conny Mooswalder. Da war sie dieser Tage vor Ort. „Vielleicht wären meine Chancen größer, wenn ich in New York studiere. Ich werde mich aber in Deutschland und Wien bewerben – Wien wäre optimal wegen der Nähe zu meiner Familie und zu meinen Freunden. Und ich glaube, wenn man wirklich gut ist, werden sie auch auf mich aufmerksam werden.“ O
Graz ist Genusshochburg
KLIPP Dezember 2011
in einer Front-Catering-Show und sorgen außerdem für eine Mitternachtsjause der Extraklasse. Selbst Kochguru Toni Mörwald aus Niederösterreich wird zum Stelldichein seiner Kollegen anreisen. Mit im Angebot werden steirische Spitzenwinzer für die passende Weinbegleitung sorgen, wonach auch WeinBeißer auf ihre Rechnung kommen dürften. Aus organisatorischer Sicht ist man natürlich bemüht, das gesamte Rambazamba weiterzuent-
Alles Walzer Bereits zum 14. Mal geht am 28. Jänner 2012 die Opernredoute über die Bühne – der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres, der ganz Graz im Dreivierteltakt tanzen lässt. Und so wird das Organisationsduo Michael Tomec und Bernd Pürcher auch wieder viele Ballbegeisterte sowie zahlreiche Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Medien, Politik, Gesellschaft und Kultur erneut oder auch zum ers-
Foto: Oliver Wolf
10. Februar am Kalender ankreuzen
Der im vergangenen März erstmals über die Bühne gegangene Genussball war ein voller Erfolg, mehr als 900 Besucher schwärmten damals in die Congress-Räumlichkeiten. „Der sensationelle Andrang bei der Erstauflage gibt Zuversicht eines neuerlichen Erfolgs am 10. Februar“, so Organisator Thomas Heschl. Auch heuer kann man die Kulinarik wieder hautnah miterleben: 11 steirische Spitzenköche demonstrieren ihre außergewöhnlichen Kreationen
Grazer Opernredoute 2012
v. l.: Thomas Heschl und Martin Gmeinbauer laden zur 2. Auflage des Genussballs.
wickeln. „Was im Sommer die lange Tafel ist, ist im Winter der Genussball“, freut sich Waltraud Hutter – sie ist die Triebfeder der GenussHauptstadt Graz. Man darf schon gespannt sein. H. Dietl
ten Mal am glanzvollen Parkett begrüßen dürfen. Dort, wo sonst Sängerinnen und Sänger für die nächste Premiere proben, übernimmt die Bühnentechnik und das OpernredouteTeam die Regie und vollbringt wie jedes Jahr fast ein kleines Wunder, damit die Grazer Oper voll Stolz im Glanz der Ballroben erstrahlen kann. Musikalisch wird das Publikum vom Grazer Philharmonischen Orchester unter seinem Chefdirigenten Johannes Fritzsch begrüßt, und zur Mitternachtseinlage wird’s eine ganz besondere Kostprobe auf das Musical „Der Mann von La Mancha“ geben, die man im Juni und Juli auch auf den Grazer Kasematten erleben kann. www.opernredoute.com O 5
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Wiener Hofburg von Steirern übernommen
Holländer steh’n auf steirische Schmankerl
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Was ist Schilcher? erzählt Josefine Hasewend vom gleichnamigen Gasthof und der Meisterfleischerei über die positiven Erfahrungen der steirisch-holländiDie holländischen Gastgeber (Mitte) wirken etwas angespannt. schen GeschäftsDoch die Stimmung bei der Hausmesse in Schinnen war bestens und die Holländer labten sich an den steirischen Schmankerln. beziehungen. Zum Strohmeier Mit dieser Frage entstand bereits vor gesellten sich im Laufe der Jahre die rund 15 Jahren eine Geschäftsbe- Weinerzeuger Lorenz und Schneeziehung zwischen Holland und der berger aus Kitzeck, Skoff aus GamSteiermark. Das Ehepaar Otmar und litz, die Ölmühle Hartlieb aus Kee Pregled betreibt im holländi- Heimschuh, die Meisterfleischerei schen Schinnen ein Restaurant mit Hasewend aus Eibiswald und die Vinothek. In einem Naturkostladen Hofkäserei Deutschmann aus Frauhaben sie damals einen Karton vom ental. „Wir liefern unsere Produkte steirischen Schilcher „entdeckt“ – – Wein, Käse, die verschiedenen und zwar vom Weinbauern Josef Öle, Kübelfleisch, Speck, Würste Strohmeier aus Eibiswald. Begeis- und andere steirische Schmankerl – tert vom edlen Tröpferl aus der Stei- gemeinsam über einen Transport ermark haben die Pregleds in der nach Holland“, so Josefine HaseI.H. Folge den Schilcher und andere wend. steirische Weine in ihr Sortiment aufgenommen. Weil der südliche Teil von Holland zu Zeiten Maria Theresias einmal zu Österreich gehört hat, haben die Bewohner von Schinnen einen sehr engen Bezug zu Österreich. Daher gibt’s in der Vinothek Pregled auch überwiegend Wein aus Österreich zu kau- Das Ehepaar Hasewend: „Die meisten fen. „Die meisten sprechen Deutsch Holländer sprechen Deutsch und deswegen und es funktioniert alles bestens“, freundet man sich schnell an.“
Bankmitarbeiter als Buchautor
Vom Schreibfieber erfasst Die Liebe hat ihn in die Steiermark geführt, exakt nach Bad Gleichenberg. Dort arbeitet Lutz Sommerfeld. Am Tag kümmert er sich als Filialleiter der Volksbank ums Geld. Nach dem großen Erfolg seiner ersten Krimikomödie „Treppentod“ hat Lutz Sommerfeld das Schreibfieber voll erfasst. „Ich habe bereits mehr als 2.000 Exemplare davon verkauft“, so Lutz Sommerfeld stolz. Vor wenigen Tagen ist sein zweites Buch „Tresortage“ erschienen. Da wird in einer Stadt auf explodierende Tresore gewettet und auch sonst geht es drunter und drüber. Lutz Sommerfeld: „Die meisten Ideen kommen mir beim Laufen und Schwimmen. So entstand ein Drittel meiner Bücher im Wald, ein Drittel unter Wasser und der Rest am Schreibtisch.“ Während alle anderen Familienmitglieder (Frau, 4 Kinder, Schwiegervater) schuften, um die Welt rund ums Haus auf einem Hügel in Bairisch Kölldorf in Ordnung zu halten, sitzt der 1967 in Hannover Geborene gemütlich an seinem Schreibtisch und schreibt …, falls jemand hinsieht. Zwei Jahre hat es gedauert, bis sein erstes Buch fertig war. Er vermarktet seine Bücher praktisch selbst und ist damit recht erfolgreich. „Zehn Euro sind auch ein Preis, den man für ein Buch gerne ausgibt.“ O
Beziehen kann man die Bücher unter www.lutzbuch.at oder auch in verschiedenen Buchhandlungen.
Joanneum – 10 Kilo schwer Sechsseitiger JoanneumReport im Oktober-Klipp fand viel Beachtung.
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„Ist ganz schön geworden, glaube ich“, urteilte Günter Brus bei der Eröffnung des neuen Grazer Joanneumsviertels. Es ist auch bereits das Wort „Bruseum“ im Umlauf, denn das neue Joanneum bietet eine breite, fast vollständige Schau seiner Arbeiten – von abstraktem Expressionismus, dem Aktionismus, bis hin zu späten Bilddichtungen. Freund Peter Weibel hat das ganze inszeniert. Satte 9,8 Kilogramm wiegen die Kataloge für Hollein, Brus und die Moderne. Letztere zeigt einmal mehr, welche Schätze in den Depots des Joanneums – im gegenständlichen Fall jenem der Neuen Galerie – lagern. Die Bandbreite und Mischung
aus regionalen und internationalen Namen ist beeindruckend. Ins Joanneum als Universalmuseum passt auch der Universalkünstler Hans Hollein. Ihn entsandte 1972 Wilfried Skreiner, damals der Leiter der Neuen Galerie in Graz, als Vertreter Österreichs zur Kunstbiennale von Venedig. Die Entscheidung löste großen Wirbel aus und Hollein gelang ein aufsehenerregender Beitrag. Er baute unter anderem einen Steg und eine Plattform im Kanal, neben dem Pavillon von Josef Hoffmann. Daneben ein Floß mit einem Marmorstuhl. Dieser steinerne Thron ist nun, von Kettenvorhängen geschützt, im Joanneum zu sehen. „Land der Bilder“ heißt die erste
Günter Brus (li.) mit Freund und Kurator Peter Weibel: beide zufrieden mit dem „Bruseum“.
Vorstellung einiger Schätze aus den Multimedialen Sammlungen, die insgesamt mehr als zwei Millionen Bilder beinhalten. O KLIPP Dezember 2011
Würdiges Finale im Sturm-Prozess
Da werden sich am Straflandesgericht die Fernsehteams und Fotografen um die besten Plätze streiten, die Kibitze den Schwurgerichtssaal frühzeitig besetzen: Um ja live dabei zu sein, wenn Frank Stronach im Februar seinen klarerweise nicht unwichtigen Auftritt als Zeuge haben wird und Hannes Kartnig wieder trifft. Ungewohnt für Stronach, der in Österreich noch nie vor dem Strafrichter als Zeuge aussagen musste. Und wie man weiß: Zeugen sind zur
Erzählen und zuhören können Der Vorsitzende des kommen und sich füreinander Zeit zu nehmen, um Verbandes Österreichieinander zu erzählen und scher Wirtschaftsakadezuzuhören. Die Welt ist miker Steiermark, Gert übervisualisiert und laut Heigl (re. im Bild), Gegeworden, sodass sich der schäftsführer der Energie Graz, hat sich ge- Abend mit Folke Tegetthoff (li.) Mensch einen Filter zugemeinsam mit seinem legt hat, den es von Zeit zu Team für die Verbandsmitglieder zu Be- Zeit bewusst auszuschalten gilt, um einginn der Adventzeit etwas ganz Beson- ander wahrnehmen und verstehen zu deres einfallen lassen. Ein Abend mit können. Termindruck, Stress und die dem österreichischen Schriftsteller, Schnelllebigkeit unserer Zeit haben Folke Tegetthoff, weltweiter Begründer sich an diesem Abend für die 120 Besuder Erzählkunst-Tradition, hat daran er- cher der Veranstaltung in ihrer Bedeuinnert, wie wichtig es ist, zur Ruhe zu tung relativiert. O
Wir haben ein neues Proletariat Die Armut steigt in Österreich dramatisch an. 511.000 Personen können sich nicht einmal den geringsten Lebensstandard leisten, eine Million ist armutsgefährdet. Man begegnet dieser Armut täglich auf unseren Straßen; Menschen, die betteln, jene, die am Arbeitsstrich als Taglöhner zu überleben versuchen. Wir Reichen wären gut beraten, das Proletariat nicht noch größer werden zu lassen. Denn sollte dieses Proletariat einmal auf die Barrikaden steigen, wie uns das die Geschichte lehrt, dann wird es für uns Reiche (lebens-)gefährlich. Am drastischsten wurde der Gegensatz Arm und Reich in der Zeit der römischen Proskription „gelöst“. Bei dieser handelte es sich 43 v. Christi im antiken Rom um die Ächtung einer Person, was bedeutete, dass diese Person nach römischem Recht von jedem getötet werden durfte und die Hinterlassenschaft der betroffenen Person dem Staat zufiel. Die Namen der geächteten Personen wurden öffentlich ausgehängt und es gab auch oftmals eine Belohnung für denjenigen, der einen Proskribierten tötete. Den 3.000 reichsten Römern schlug man dann damals einfach die Köpfe ab. J.L.
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der „Sein massiver Pop Rocker macht den Bent Chetler zum Musthave für jeden Move im Powder.“ Ist das Deutsch? Aber ja, hier wird nur ein Schi auf der Website von Atomic beschrieben. Ich liebe Marketing-Sprech, heute morgen, gleich nach dem Aufstehen, war mein erster Gedanke: Was ist mein USP, mein besonderes Verkaufsversprechen für diesen Tag, womit kann ich meine Kinder, meine Frau, meine Freunde und meine Geschäftspartner überzeugen,
scheid. Mein Sohn, Sechstklässler im Gymnasium, weckt das Interesse der Girls, indem er einen Jingle per Handy oder Facebook schickt oder eine Einladung auf ein Red Bull postet. Je höher das Investment, umso mehr Impressions und Awareness. Wer diese Regel beachtet, kann mit Loyalty rechnen. Ein ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank hat es klar und unmissverständlich ausgedrückt: Das Geheimnis besteht darin, „permanently seine intan-
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Gemma Stronach schau‘n.
Wahrheit verpflichtet. Und da kann es rasch unangenehm werden, wenn die Aussagen von Kartnigs Freund Frankie nicht stimmig und entlastend für den auf der Anklagebank sitzenden Expräsidenten sind. Hat Stronach Sturm vor Jahren ein Millionen-Geschenk gemacht oder war es doch ein Kredit? Stronach hat seinerzeit über seine Sportwetten-Firma allen Bundesliga-Klubs fürstliche Geldgeschenke offeriert. Nachträglich wurde daraus – möglicherweise aus steuerlichen Gründen – das eine oder andere Papier verfasst. Und daher dürfte Kartnig mit seiner Aussage, die Millionen wären kein Kredit gewesen, wiedergeben, wie es gedacht war. Es wird spannend sein, wie Stronachs Erinnerung da funktioniert oder was ihm seine Berater empfehlen, was er sagen soll. Denn da werden auch die Steuerprüfer die Ohren spitzen. O
Must-haves für den richtigen Move
Du darfst kein Noname bleiben dass ich der Richtige bin? Habe ich einen Business-Plan für einen gelungenen und erfolgreichen Tag, damit ich mir am Abend zufrieden auf den Oberschenkel klatschen kann? Sieht mein Programming für den Vormittag ausreichend Performance vor, um sicher in den Recall am Nachmittag zu kommen? Wir leben (nicht nur vor Weihnachten) in einer Zeit des Primats der Wirtschaft, die noch dazu wunderbar anglophil ist. Philosophisch könnte man unser heutiges Lebensgefühl so ausdrücken: Wer sind wir? Wohin gehen wir? Was ist die Campaign, mit der wir genug Aufmerksamkeit erregen? Wer nichts oder wenig zu bieten hat, muss wenigstens Identity haben und sein eigener Call Agent sein, dann bringt er seine Values am besten an den Mann. Inzwischen ist es Mittag geworden und ich frage mich, wo ich meinen Laptop aufstelle, um meinen Business-Lunch zu mir zu nehmen. Im Sinne der Relationships speist man am besten mit einem Geschäftspartner. Dummerweise ist keiner verfügbar, also bleibe ich im Homeoffice und schlage mein Spiegelei allein in die Pfanne – natürlich sunny site up. Da macht es auch keinen Sinn, so zu tun, als versendete ich gerade lebenswichtige sms. Bereits die Jugendlichen wissen heute in Sachen Marketing Be-
gible assets mit high risk neu zu relaunchen und seine skills so zu posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cashflow stimmt“. Da wissen wir schnell Bescheid, um was es geht. Man könnte auch sagen, du musst die eigene Marke pflegen, damit du stylish rüberkommst. Andernfalls droht dir ein baldiges fadeout. Tipp an die Jungen: Leben geht heute nicht ohne einen ausreichenden Account. Du darfst kein Noname bleiben, also tu was. Merke: Es ist gut, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man was hat, wenn man was braucht. Schließlich ist alles Sales, speziell zur Christmas-Time. Und du brauchst ein paar gute Slogans wie „Heee, was geht ab?“ oder „Alter Schwede, chill einfach“ und die nötigen Soft Skills. Gut kommen heute Sprüche wie „Geiz ist geil“ oder „Ich habe nichts zu verschenken“. Damit positioniert man sich als cooler Macher mit Sinn fürs Geschäft. Bei sich selber sollte man allerdings nicht zu sehr sparen, schließlich heben lässige Softgoods wie Jacken, Hosen, Mützen den eigenen Marktwert. Die müssen klarerweise laufend geupdated werden, aber dann kann bei den Moves am Glühweinstand oder im powder nichts mehr schiefgehen. Reinhard Schuch
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426 Jahre hat es gedauert … … bis die erste Frau das Ruder der Grazer Universität übernehmen durfte.
Universität mitgestalten, und das ist sehr spannend und eine Herausforderung. Trotzdem kann man in vier Jahren nur ein Mosaikstein in der über 400-jährigen Geschichte sein.“
Von Michael Schröder
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as hätten Sie jemandem geantwortet, der Ihnen in ihrer Anfangszeit am Psychologieinstitut gesagt hätte, dass Sie einmal Rektorin der Grazer Universität sein werden? „Die Psychologin in mir hätte ihn wahrscheinlich zur weiteren Beobachtung einweisen lassen“, antwortet Christa Neuper scherzhaft. Am 1. Dezember 2011 war es dann aber so weit. Bei der feierlichen Inauguration übernahm sie das Zepter von ihrem Vorgänger Alfred Gutschelhofer. Es ist sehr eng in dem kleinen Forschungslabor im Dachgeschoß der Psychologie. Durch eine Glasscheibe ist die Versuchsperson zu sehen, die über eine Art Motorradhaube mit einem Computer verbunden ist. Das war einer der Arbeitsplätze von Univ.-Prof. Dr. Christa Neuper, ihres Zeichens Neurowissenschafterin. Eigentlich steckt sie die vielen bunten Verbindungskabel an der Konsole nicht mehr selbst, heute macht sie aber eine Ausnahme. Ein paar geübte Handgriffe, und schon gibt das
Gerät wieder zufriedene Pieptöne von sich. „Wir arbeiten hier an einer Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer“, erklärt Neuper. „Die soll speziell schwer behinderten Menschen helfen, mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten sowie Prothesen und Rollstühle zu bedienen.“ Und wirklich, die junge Dame auf dem Versuchsstuhl rührt keinen Finger und trotzdem bewegt sich ein Pfeil auf dem Bildschirm. „Die Bewegung entsteht dadurch, dass sich die Versuchsperson vorstellt, wie sie ihre Hand öffnet und wieder schließt“, erklärt eine Mitarbeiterin.
Aus dem Labor in die Öffentlichkeit Begonnen hat alles vor über 20 Jahren mit einer Assistenzstelle am
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Neues Büro, neue Aufgaben
Psychologieinstitut. Vor ihrer Berufung in das Rektorat hatte Neuper bereits die Leitung des Instituts übernommen und war zusätzlich noch an der Technischen Universität mit einem weiteren Institut betraut. Trotzdem war der Schritt aus dem Hörsaal in die Öffentlichkeit eine Herausforderung. „Wenn man ein Institut leitet, steht man grundsätzlich schon viel weniger im Labor und beschäftigt sich überwiegend mit Managementangelegenheiten.“ Was ihr aber fehlen wird, sind die Lehrveranstaltungen. „Ich bin mit Leib und Seele Forscherin und auch die Lehre liegt mir sehr am Herzen. Am Anfang des Semesters nicht mehr im Hörsaal zu stehen, ist ungewohnt.“ Vor allem, da die Entscheidung, sich der Rektorenwahl zu stellen, eher kurzfristig kam. „Ich wurde von einigen Personen angesprochen, ob ich mir das vorstellen könnte; erst da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht und auch die Möglichkeiten gesehen. In dieser Position kann man die Zukunft der
Schon beim Betreten ihres neuen Büros wird klar, das Platzangebot hat sich im Vergleich zum Labor enorm gesteigert. Dafür muss man sich hier aber auch mit ganz anderen Problemen herumschlagen. Eines davon ist das ewige Problem der Finanzierung. „Wir sind die größte Universität in der Steiermark, 2004 hatten wir 21.000 Studierende. Heute haben wir mit annähernd gleichem Budget 30.000 Studierende, da kann man sich vorstellen, dass wir an der Grenze der Belastbarkeit angekommen sind“, sagt Neuper. Für sie ist es nicht vorstellbar, dass die öffentlichen Universitäten an Zugangsbeschränkungen vorbeikommen werden. „Entweder mehr Budget, um die Studienplätze auch zu finanzieren, oder man muss hier eine Regelung beziehungsweise Beschränkung einführen. Es ist letztlich eine gesellschaftspolitische Frage. Für die Universitäten geht es darum, wie das Gesamtpaket passt. Studiengebühren können ein Bestandteil sein, allerdings ist es wirklich wichtig, dass weder soziale noch finanzielle Gründe junge Menschen vom Studium ausschließen dürfen. Die Regelung müsste aufgrund der Eignung und Leistung der Studierenden erfolgen.“ Neuper spricht sich auch ganz deutlich für mehr Investitionen im Bildungsbereich aus. „Ich denke, dass es notwendig wäre, hier länger in die Zukunft zu schauen, und da ist die Bildung, aber auch die Forschung wichtig. Da sowohl Bildung als auch Forschung eine Investition in die Zukunft sind.“
Es gibt noch viel zu tun In den Universitätsrankings ist die Karl-Franzens-Universität seit Jahren im unteren Mittelfeld. Müssen wir uns damit abfinden oder geht da noch was? Dazu Neuper: „Man muss bei diesen Rankings berücksichtigen, dass die 500 gereihten Universitäten gerade einmal die obersten drei Prozent der Universitäten weltweit ausmachen. Solange wir dort ei-
Franco Foda soll ja Sturm als Trainer verlassen. Die Wogen gehen hoch unter den Fans und so genannten Experten. Die Kleine Zeitung bat sogar zum „Streitgespräch“. Bis zum Sommer war alles eitel Wonne, weil ja die Meisterschaft die Krönung der Trainerarbeit von Franco Foda war. Er schaffte das mit jungen Spielern – und doch ziemlich unerwartet. Da spielte es keine Rolle, wer Präsident von Sturm war, denn der starke Mann hieß zu dieser
Stoff macht mächt i Zeit Franco Foda. Vielen Fans war daher egal, wer der Präsident war und ist. Sein Name: Gerald Stockenhuber. Einer, der sich nicht nach vorne drängt und daher in der Öffentlichkeit nicht wirklich wahrgenommen wird. Nur jetzt, weil Franco Foda den Verein verlassen wird, ist er plötzlich im Zentrum, der Herr Präsident. Klarerweise. Die Herbstsaison verlief für die Schwarzweißen nicht wirklich gut. Und Franco Foda – will er wirklich weg von Sturm? – wäre dann besser beraten gewesen, nach der Meisterschaftsfeier Sturm ade zu sagen. Jetzt, da die Vertragsverlängerung ein Thema ist, Sturm aber nicht ganz vorne mitspielt, knirscht es zwischen Präsident Gerald Stockenhuber und dem Noch-Trainer. Dieser möchte nen Platz haben, würde ich das bei unseren Rahmenbedingungen als sehr hohe Leistung einschätzen. Eines unserer Ziele ist aber, die Leistungen unserer Universität stärker nach außen zu tragen.“ Diesem Umstand soll die 7. Fakultät, als eine Art Schnittstelle zwischen Forschern und interessierten Menschen, mit ihren vielen Veranstaltungen entgegenwirken. „Ich war selbst einmal bei der Veranstaltung Wissensdurst eingeladen und habe dem Publikum meine Forschungsarbeit präsentiert. Die Veranstaltungen sind sehr beliebt und auch für die Wissenschafter sehr bereichernd, denn den eigenen Gegenstand allgemein verständlich zu präsentieren, ist auch für uns nicht immer ganz einfach. Und noch etwas: Wir haben einige international anerkannte Spitzenforscher, das geht nur leider im Alltagsgeschäft unter.“ Woran wohl Christa Neuper gedacht hat, als sie bei der Inauguration das Zepter übernommen hat? Daran, als sie das erste Mal die Universität als Studentin betreten hat? An ihre erste Vorlesung? Das wird ihr Geheimnis bleiben. Fest steht: Mit ihrem Amtsantritt wurde ein Stück Universitätsgeschichte geschrieben. O KLIPP Dezember 2011
Steirisches Golf-Aushängeschild Martin Wiegele
Gezerre um Franco Foda. Konflikt mit dem Präsident Stockenhuber wirklich ausgeräumt?
natürlich dann von Sturm gehen, wenn es ein Erfolgserlebnis gegeben hat. Der Präsident wiederum glaubt jetzt die Chance zu haben, die Kompetenzen und möglicherweise auch die Gage von Foda zum Thema zu machen. Foda hat im Laufe seiner 15 Jahre bei Sturm klarerweise viele, viele Fans, weil er sich stets zurückhaltend gibt, seine eigene Leistung nicht hervorhebt, sondern stets die Mannschaft lobt oder kritisiert. Daher wundert es nicht, dass die Kritik an Präsident Stockenhuber zunimmt. Im „Grazer“ bläst der Antiquitätenhändler Michael Stoff, ein früherer Sturm-Sponsor und echter Schwarzweißer, zum Halali: „Nicht der Foda soll gehen, sondern der Präsident.“ O
Foto: Fliegende Bauten, M. Matzen
t ig Zoff bei Sturm
kleinere Hochzeit sein, heißt es aus der Umgebung von Martin Wiegele. Was die Leute so unter kleinerer Hochzeit verstehen? Werden doch 100 Leute das Brautpaar am Schlossberg hochleben lassen. Doch die Haushaltskassa verträgt das ja auch, denn immerhin erspielte sich Martin im heurigen Jahr Preisgeld in der Höhe von mehr als 350.000 Euro. Und Sportler haben ja auch bei der
Claudia Prietl, studiert in Wien Ernährungswissenschaften, bald Frau Wiegele.
Finanz eine Sonderregelung. Im nächsten Jahr, also in der nächsten Saison, will Wiegele sogar noch eins drauflegen. Da er auch ein Zuhause für sich und seine Frau baut, wäre das ja nicht unwillkommen. O
Foto: Vincent Jeannot
… in die Zukunft für den bald 33jährigen Grazer. Zu den Weihnachtsfeiertagen heiratet der bisher erfolgreichste österreichische Golfer Freundin Claudia, mit der er seit mehreren Jahren zusammenlebt. Wenn man das bei einem Golfprofi überhaupt sagen kann, der ja die meiste Zeit des Jahres irgendwo zwischen Spanien und Kasachstan seinem Beruf nachgeht. Es wird eine
SPOTS
Weiter Abschlag
Der „Cirque Noël“ gastiert mit der aktuellen Produktion „Pfffffff“ heuer von 20. Dezember 2011 bis 6. Jänner 2012 im Grazer Orpheum. O
Top-Winter-Kombi: Wedeln am Loser, wohnen in den JUFA-Gästehäusern Altaussee und Bad Aussee
WINTERSPASS FÜR DIE GANZE FAMILIE
KLIPP Dezember 2011
Köstlichkeiten kombiniert mit dem einzigartigen Panoramablick von den Niederen Tauern und glänzenden Dachsteingletschern bis zum Großvenediger nichts im Wege. Das familienfreundliche Skigebiet ist ein Partnerbetrieb von JUFA – und dadurch sind die Package-Preise besonders attraktiv. Ein Wochenende plus EintagesSkipass gibt’s bereits ab 119,– Euro pro Person. Kinder bis zum vierten Lebensjahr sind gratis mit dabei! O Mehr Infos: www.jufa.at www.loser.at
Über den Wolken auf über 1.000 Metern bietet sich den Gästen ein Wintersport-Eldorado.
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Foto: JUFA
Tage. Großzügige Kinder-Spielbereiche, Aufenthaltsräume und W-LAN gehören ebenso zur Ausstattung wie Sauna, Schistall und Schischuh-Räume. Alle Zimmer sind mit Bad, WC und TV ausgestattet. Von beiden JUFAs gibt’s Shuttlebusse ins Schigebiet Loser! Der Loser, der Hausberg der Region, liegt direkt vor der Haustüre. Das Skiresort Loser bietet oberhalb von 1.000 m für jeden Wintersportler etwas Besonderes: Genießer wie auch Pistenfreaks finden auf breiten Abfahrten viel Platz zum Gleiten, Carven und Schwingen. Der Loser mit seinem weitläufigen und kupierten Gelände vereint schier grenzenloses Freeriden oberhalb der Baumgrenze mit einem unvergleichlichen Panorama. Beim JUFA Altaussee können die Wintersportler nach Am Loser steht dem einem Tag am Loser vor der Haustüre abschwingen. Genuss heimischer
Foto: Loser Bergbahnen
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as steirische Ausseerland zählt mit seinen geheimnisvollen Seen und majestätischen Bergen zu den beeindruckendsten Regionen Österreichs und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet. In diesem Naturerlebnis bieten die Jugend- und Familiengästehäuser – kurz JUFA – mit den Häusern in Bad Aussee und Alt Aussee ein ideales Quartier für einen Familien-Winterurlaub der Spitzenklasse. Beide JUFAs bieten der ganzen Familie abwechslungsreiche
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KRIMINALITÄT
Eine Herausforderung für die Exekutive sind zunehmende Gewalt und Drogen
„Sie werden immer jünger“ Die steirische Exekutive versucht steigende Gewalt und Drogendeals in den Griff zu bekommen. Ein Klipp-Gespräch mit dem steirischen Sicherheitsdirektor Josef Klamminger zu diesen heiß diskutierten Themen. Wie viele Drogenabhängige gibt es etwa in der Steiermark? Klamminger: Rund 2.000 sind es.
Sicherheitsdirektor Josef Klamminger: „Schon 12-Jährige konsumieren Heroin und dazu kommt die Gewalt an den Schulen.“
Da wird ja alles schwarz kassiert, werden Millionen Euro umgesetzt. Klamminger: Ja, der Handel ist gut organisiert. Es gibt einige Gruppen. Wir haben mehrere Tätergruppen. Wir wissen, dass da eine Gruppe aus dem afrikanischen Raum da ist. Die sind aufgesplittet, denn die Händler sind aus dem nordafrikanischen Gebiet – das sind die Marokkaner, die Streetrunner sozusagen. Und da sind jene, die die Substanz erwerben – das ist schon die höhere Schicht, die Schwarzafrikaner. Das Heroin, das von ihnen auf den Markt gebracht wird, ist in der Qualität sehr schlecht. Dann gibt es eine andere Tätergruppe – das sind die Kurden. Die vertreiben ihr Heroin auch professionell. Das
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heißt, wir haben, was das Heroin anbelangt, drei Haupttätergruppen. Ist die Zahl der Süchtigen stabil? Klamminger: Das zum Glück schon. Aber das Problem ist, dass die Klientel immer jünger wird. Wir konzentrieren uns ja nicht nur auf die Suchtkranken, sondern auf das ganze Umfeld. Weil das ja auch in Mitleidenschaft gezogen ist. Denn sie brauchen ja am Tag zwischen 35 und 50 Euro, damit sie den Konsum finanzieren können. Aber jetzt ist das im Familienbereich ein Problem, sie sind arbeitslos, es wird gestohlen, dann gibt’s die Begleitkriminalität, die Prostitution. Das sind alles Dinge, die wir berücksichtigen müssen und die für uns natürlich ein Problem darstellen. Wenn es dazu kommt, dass die Originalstoffe vom Staat im Drogenkonsumraum zur Verfügung gestellt werden, dann schauen wir viel besser aus. Was heißt „jüngere Klienten“? Klamminger: Es gibt schon 11-, 12Jährige, die Heroin konsumieren. Das sind keine Ausreißer, sondern das wird gängig. Ich muss es sagen: Es gibt fast schon in jeder Schule einige Fälle. Daher ist es für die Eltern von großer Bedeutung, dass sie beobachten: Wo verkehren meine Kinder und mit wem verkehren sie? Und es ist wichtig, zu beobachten, welche Perspektiven die Jugend hat, welche Aussichten. Da kommt der Migrationsanteil schon zum Tragen. Wenn es keine guten Perspektiven von der Ausbildung her gibt. Sie sind entwurzelt, haben keine Perspektive. Da gibt’s etliche Schulabbrecher. Mädchen sind da überhaupt ein Problem. Der Zugang zu Heroin war auf offener Straße einfach. Erst durch die vermehrten Kontrollen ist der Verkauf eingedämmt worden und der Zugang schwieriger geworden. Die Sache hat man daher in den Griff bekommen? Klamminger: Nicht wirklich. Denn plötzlich sind die Süchtigen auf Substitutionsmittel umgestiegen, hat sich ein neuer Markt eröffnet. Die Händler haben erkannt, dass sie mit Heroin schon mit einer relativ geringen Menge im Verbrechenstatbestand sind, bei
anderen Stoffen braucht es aber eine größere Menge für den Verbrechenstatbestand. Verdient wird aber gleich viel. Also sind die Händler auf Cannabis umgestiegen. Da braucht man eine große Menge, bis der Tatbestand des Verbrechens erfüllt ist. Die Konsumenten wiederum haben sich gesagt: „Das kann ich mir ja selbst auch anbauen.“ Jetzt gibt’s Plantagen im Keller, am Dachboden, Balkon oder sonstwo. Das alles erschwert die Ermittlungen. Ein Reizbegriff – die Drogenfreigabe im Zusammenhang mit dem Drogenkonsumraum. Klamminger: Das wäre für uns ein großes Problem, weil da werden illegale Substanzen konsumiert. Nur wenn die Originalsubstanzen vom Staat zur Verfügung gestellt – Pilotprojekte gibt es in der Schweiz – und unter medizinischer Aufsicht konsumiert werden, könnten wir als Exekutive darüber diskutieren. Denn das wäre auch eine Form der Therapie. Dann verändert sich auch der Markt. Weil der Süchtige den Stoff nicht zu kaufen braucht und damit die Nachfrage sinkt. Ein klares Nein aber, wenn jemand seine illegalen Substanzen in den Drogenkonsumraum mitnehmen kann. Gerade der Mischkonsum hat oft verheerende, leider nur allzu oft tödliche Wirkungen. Sind das neue Stoffe am Markt? Klamminger: Auch. Man muss wissen, das Mephedron wurde verboten, aber es gibt es in leicht veränderter chemischer Zusammensetzung wieder und fällt damit nicht unter die verbotenen Stoffe. Eine gesetzliche Änderung steht aber unmittelbar bevor. Crocodile ist ein weiteres gefährliches Suchtmittel, das binnen weniger Monate zum massiven körperlichen und geistigen Verfall führt. Was tun Sie gegen die zunehmende Gewalt auf der Straße? Klamminger: Wir verfügen über einen so genannten Sicherheitsmonitor. Da kommen täglich die Meldungen herein, wo was passiert. Es ist ein Anfallsdatenvolumen, wo wir täglich schauen können, wo sich was bewegt. Wir erkennen sofort, wo die so ge-
nannten Hotspots sind, sich Delikte häufen. Und da können wir dann Maßnahmen setzen. Ob das nun Dämmerungseinbrüche sind, Taschendiebstähle, Wohnungseinbrüche … Sobald sich der Kontrolldruck erhöht, geht auch die Zahl der Delikte zurück. Aber bei Gewalttaten bleibt der Eindruck von täglich mehr. Klamminger: Es gibt einfach Ethnien. Die Italiener sind zum Beispiel anders in ihrer Mentalität als die Norddeutschen – das ist so. Das hat aber nichts mit Diskriminierung zu tun. Es ist klar: Wenn sie in Tschetschenien nichts anderes haben als Krieg – dort wächst man mit der Gewalt auf, mit der Kalaschnikow. Diese Einstellung nimmt man dann mit und lebt in Österreich damit. Da gehört umerzogen, im Kopf etwas geändert. Also muss da die Integrationspolitik ansetzen? Klamminger: Jedem Zuwanderer muss gesagt werden, was er alles darf, was er an Leistungen kriegt. Aber es sagt ihm keiner, woran er sich zu halten hat. Es ist leider so. Hinzu kommt der Mangel an Perspektiven. Wenn Sie heute zum Beispiel in die Kampfsportschulen gehen, dann schauen Sie einmal, wie viele Zuwanderer es dort gibt. Gewaltbereitschaft und Kämpfen sind in den Ländern, von wo sie kommen, Alltag. Und da gibt’s sehr brutale Geschichten. Das ist leider latent vorhanden. Es ist ein Gewaltpotenzial, das da schlummert. Und manchmal bricht es hervor. Da gibt es Bandenbildung, organisierte Kriminalität und anderes auch. Und das wird für uns, für die Gesellschaft, aber auch für die Exekutive die Herausforderung der Zukunft sein. Leider werden die globalen Konflikte auch zu uns hereingetragen. Das kann jederzeit aufbrechen – Kurden contra Türken. Wenn’s da drüben brennt, dann brennt’s da auch, das merkt man, das spüren wir. Am Stammtisch heißt es dann: „Dann soll man die einfach nicht nach Österreich einreisen lassen.“ Klamminger: Das funktioniert so nicht. Es kommen mit denen, die berechtigt kommen, leider auch „Falsche“ mit. J.L. KLIPP Dezember 2011
Ein Stratege mit Bodenhaftung Tritt er zum Hearing an, dann wird er dieses gewinnen. Karl Rose ist Vorsitzender des Steweag-Aufsichtsrates. Er bringt alle Voraussetzungen für diesen Spitzenjob in der Steiermark mit.
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urch den Abgang von Oswin Kois braucht es einen neuen Mann an der Spitze, der das größte, mehrheitlich im Besitz des Landes stehende, Unternehmen für die nächsten zehn Jahre strategisch ausrichtet. So gesehen kann Oswin Kois erleichtert aufatmen, dass er, der ehemalige Landesbeamte, strategisch eher unbedarft, diese Aufgabe nicht auferlegt bekommt. Karl Rose war bis 2010 Chefstratege des Mineralölkonzerns Royal Dutch Shell. In dieser Funktion hat er den Vorstand und Aufsichtsrat des Weltkonzerns in allen Aspekten der strategischen Ausrichtung und Entscheidungsfindung unterstützt. Zu seinem Aufgabengebiet gehörten die Steuerung der betrieblichen Innovation, regelmäßige Beurteilung der Strategien einzelner Geschäftsbereiche und die Kommunikation mit Regierungen und anderen externen Entscheidungsträgern und Partnern.
Was braucht es in der Steiermark, die Sie ja gut kennen, für eine gute Zukunft? Sie sind ja auch hier aufgewachsen. Rose: Die Steiermark hat einen guten Kurs. Ich mache zur Zeit eine Strategie mit der Montanuniversität Leoben. Da werden neue Sachen entwickelt, die ich jetzt noch nicht sagen kann. Aber es werden neue Standbeine sein, die dann auch für die Steiermark interessant werden. Man muss modernisieren – die Technologie und die Forschung. Wir kommen sonst unheimlich ins Hintertreffen. Der Westen wird sich sehr bemühen müssen, um da mitzuhalten. Viele Lösungen über Energie und Transport werden bis 2025 und darüber hinaus schon aus Indien, China oder auch aus Südamerika kommen. Da wird der Westen gar nicht mehr die Rolle spielen. Und was sind die Gründe dafür? Rose: Die haben die Demografie, das heißt, eine junge Struktur in der Bevölkerung. Die haben das Geld. Die haben das Wirtschaftswachstum. Die haben die Nachfrage. Die haben Bedarf, aber auch die Probleme. Wenn Sie sich die Klimaproblematik anschauen – die EU redet viel, wie ja jetzt in Durban – aber ab 2030 verursacht die EU zehn Prozent des CO2-Ausstoßes der Welt. Wenn die EU 20 Prozent spart, ist das nix. Je mehr die Zeit voran schreitet, umso bedeutender werden andere Märkte. Dort müssen auch die Lösungen gefunden werden. Wir haben als Europäer noch immer die Hal-
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Der Grazer, der an der Montanuniversität Leoben Erdölwissenschaften studierte, war mit der Erneuerung des Innovationsprozesses für Technologie und Forschung betraut, leitete die Strategieberatung für interne und externe Führungskräfte, war für die Umstrukturierung einzelner Geschäftsbereiche verantwortlich und – was das Wichtigste war – für den Aufbau und Erhalt der Kernkompetenz im Strategiebereich auf Weltklasse-Niveau. Eingestiegen bei Shell ist er unmittelbar nach dem Abschluss seines Studiums in Leoben und war dort klarerweise als Diplomingenieur im Petroleum-Engineering-Geschäft tätig. Karl Rose zu seiner Karriere: „Da kommen Sie nicht rauf im Konzern, wenn Sie nicht auch hart an der Basis gearbeitet haben. Nur denken – das wäre zu wenig.“
tung: Wir sind die G’scheiten, sind vorne und die anderen hatschen hinten nach. Natürlich haben wir eine hoch entwickelte Gesellschaft, aber wenn Sie in Afrika, Brasilien oder Asien sind, sehen Sie, dass auch die schon entwickelte Eliten haben. Was kann Europa dem entgegen setzen? Rose: Na, ja. Good old Europe darf man nicht unterschätzen. Zur Zeit haben wir noch immer die Innovation, Zur Zeit ahmt China zum Beispiel noch nach. In gewissen Feldern, wo sie die größten Probleme haben, müssen sie auch selbst Lösungen entwickeln. Wenn sie das nicht schaffen, dann kriegen sie ein gewaltiges Problem. In den Feldern, in denen wir in Europa die Problematik haben, müssen wir führend sein. Und wo wird das sein? Rose: Europa muss in hoch qualifizierten Arbeitsprozessen ältere Menschen gesund in der Arbeit halten. China wiederum muss sich ums Klima kümmern und um die Entwicklung. Ich übertreibe jetzt bewusst. Wir müssen aufhören, uns darüber Gedanken zu machen. China, Brasilien, Indien müssen sich Gedanken machen über die Nachhaltigkeit. Wir Europäer müssen rein in industrielle Logistik, in Cyber Physical Systems, in die Medizintechnik, Humantechnologie, die Interfaces zwi-
schen älteren Menschen und Maschinen. Da sollen und werden wir führend sein. Und für die Steiermark? Rose: Der Autocluster ist in Ordnung. Aber da müssen wir weiter auch zum Beispiel in die Medizintechnik, nicht die klassische, sondern in die Sensorik. Wir kommen in eine neue industrielle Revolution mit der Robotik. Die Maschinen werden schon gebaut, sind aber jetzt noch nicht in der Massenproduktion. Da reden wir zum Beispiel über eine Kiste, die der Kranfahrer hoch hebt, die von selbst sagt: „Bitte, nicht so schnell. Bei mir ist zerbrechliches Zeug drinnen.“ Die Kommunikation wird einfach noch intelligenter, weil das alles keinen Preis mehr hat. GPS, Handys – da werden Pakete um die Welt gehen und Sie werden genau wissen, wo sich das Paket gerade befindet. Und Sie werden vielleicht sogar schon kommunizieren können mit dem Ding. Bisher war es so, dass Maschinen immer etwas Gefährliches waren, grundsätzlich. Aber in Zukunft wird es so sein, dass Maschinen und Menschen im Büro gemeinsam sein werden. Wir müssen unsere Kinder auch anders erzieKLIPP Dezember 2011
Foto: Herbert Kampl
COVERSTORY
Die Energie Steiermark sucht einen neuen Chef. Klipp empfiehlt: Karl Rose.
hen. Unsere Schulen machen aus systemdenkenden Menschen fachspezifische Typen, die in Wissenssilos denken. Bisher war das erfolgreich, weil wir die tiefe Spezialisierung benötigt haben. Wir trainierten den Kindern gleichsam vieles weg. In Zukunft brauchen wir aber Menschen, die Systeme optimieren können. In der Energie läuft zum Beispiel unheimlich viel falsch, weil nur Teilbereiche optimiert werden. Schauen Sie sich zum Beispiel die Photovoltaik an. So optimal ist das von der Energienutzung her nicht. Aber die Politik kann da zur Zeit auch nichts ändern. Photovoltaik ist das Einzige, wo der Durchschnittsbürger mitmachen kann. Und wenn es das Land nicht fördert, wird es nicht gemacht. Du musst als Politiker mitmachen. Aber es gibt Schlimmeres im Leben. Man darf aber nicht glauben, dass dort irgendeine Lösung der Energie-Fragen liegt. Was wäre dann eine richtige und wichtige Betrachtung? Rose: Die Strategen wissen schon seit zwei, drei Jahren, dass die angepeilte Reduzierung der Erdwärme um zwei, drei Grad nicht gehalten werden kann. Aber es gibt einfach unheimlich viele Experten. Die kommen aus einer Ecke und sagen: „Das muss doch möglich sein, die Welt muss das doch schaffen.“ Natürlich wäre es auch mir Recht. Ich bin eher Realist und sage: Es gibt eine 50-zu-50Chance. Aber aus der Erfahrung und Praxis heraus sage ich aber: Wir schaffen das nicht.
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eine sehr alte Gesellschaft sein, dann mit ähnlichen Problemen, wie wir sie haben. Als ehemaliger Chef-Stratege von Shell: Wie geht’s mit den Treibstoff-Preisen weiter? Rose: Selbst, wenn wir die Verkehrsmittel mit vielen alternativen Energien ausstatten – was gewaltig wachsen wird, ist der Transport. Und zwar der von Gütern und Lebensmitteln in der Schiff- und Luftfahrt. Die wird sich verdreifachen. Die InternetGesellschaft bestellt sich alles von überall her. Der Briefverkehr bei der Post kollabiert. Aber die Paketdienste nehmen zu. Alle kaufen ein in Hongkong, Neuseeland, USA, China. Der Transport
Das hat dann in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts natürlich gewaltige Auswirkungen. Rose: Zur Zeit schaut es so aus. Aber wir müssen uns mit unsren Entscheidungen jetzt so einrichten, dass das so sein könnte. Ich glaube, dass das dennoch zu keiner Katastrophe führen wird. Dem Planeten ist das völlig egal. Die Erde hat schon viel mehr ausgehalten. Nur für die Menschen ist es ein Problem. Dort, wo sich Menschen angesiedelt haben, wird’s dann oft nicht mehr möglich sein, zu wohnen. Es muss aber nicht so sein, dass es so kommt. Es muss sich ja nur die Sonnenaktivität ein bisschen ändern und alles kommt ganz anders. In den letzten zwei Jahren ist das ja schon feststellbar geworden. Ich halte es auch für nicht gut, wenn viele Experten immer sagen: „Das schaffen wir eh.“ Denn das ist sehr normativ und auch gefährlich. Denn in Wirklichkeit passiert dann viel weniger, als man glaubt. Wie wird die Welt dann im Jahr 2025 oder 2030 aussehen? Rose: Die Experten sind sich einig, dass wir „Water-Stress“ haben werden. Aber das Problem ist: Niemand ist weltweit fürs Wasser zuständig. Die Lebensmittelpreise sind abhängig von der Energie und dem Transport. Wir haben viel Wasser. Ja. Aber es wird keinen Wassermarkt geben, weil Wasser nicht transportiert werden wird aus meiner Sicht. Es wird eher so sein, dass eben Entsalzungen und andere Technologien da Platz greifen werden. Denn der Preis für Wasser muss ja niedrig gehalten werden. Es ist ja fast noch wichtiger als der Brotpreis. Ich werde aus dem Verkauf von Wasser kein Geschäft machen können, weil das eine voll regulierte Geschichte ist. Damit wird’s auch keine privaten Investoren geben. Wasser-Stress ist in Australien, Kasachstan und China schon erkennbar. Weil Sie China ansprechen. Was wird China für eine Rolle spielen? Rose: Natürlich wird China ganz wichtig sein. Die werden von allem am meisten brauchen. Aber dominant wird China nicht sein. Ich komme persönlich zum Schluss, den viele nicht teilen: In 20 Jahren werden wieder die USA vorne sein. Die haben alles – die militärische Kraft, billige Arbeitskräfte, können so viel Geld drucken, wie sie brauchen, sind der einzige Wirtschaftsraum, der sich energiemäßig völlig unabhängig machen kann durch seine Rohstoffquellen. Die Chinesen fehlen mit ihrer Ein-Kind-Familien-Politik die Mütter. Sie werden von 1,2 auf 700 Millionen zurück gehen und
Karl Rose, bis 2010 Chef-Stratege von Shell: Bewirbt er sich, so wäre er von der Qualifikation her der Beste.
steigt. Das wird ein Wahnsinn sein. Und das geht alles in Diesel. Europa wird wahnsinnig viel Diesel brauchen und muss ihn klarerweise einführen. Es gibt natürliche Grenzen bei der Produktion von Diesel. Zur Zeit importieren wir Diesel aus den USA und schicken Benzin dort hin. Die Energiepreise werden steigen, nicht zuletzt deshalb, weil wir in die Alternativen hinein gehen. Damit droht, dass die Politik Millionen Familien in die Energiearmut schickt. Steigen die Kosten für die Energie, für den Strom über eine gewisse Höhe hinaus, dann ist es für die Familien nicht mehr leistbar. Es wird ein gewaltiger Druck von unten kommen.
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COVERSTORY
Noch-Energie-Steiermark-Chef Oswin Kois (li.): Sein doppeltes Glück: Er kann den Kommandostand in Richtung Rente (gut gepolstert) verlassen. Die überfällige, strategische Neuausrichtung des Unternehmens ist die erste und wichtigste Hausaufgabe für den Nachfolger. Seit Monaten als Kandidat im Rennen um den Top-Job genannt: der gebürtige Steirer Peter Koren (re.), Vize-Generaldirektor der Industriellenvereinigung.
Steiermark als Metropolregion sehen Die von Franz Voves und Hermann Schützenhöfer verordnete Zusammenlegung von Gemeinden aus Kostengründen stößt zum Teil auf beträchtliche Gegenwehr. Wie viele Gemeinderäte der 542 steirischen Gemeinden den Schritt freiwillig tun, ist noch offen.
Ü
ber die Größenordnng des Euro-Einsparungspotenzials haben Schützenhöfer und Voves noch nichts offiziell verlautbaren lassen. Doch es heißt, das Joanneum Research habe bereits Prognose-Rechnungen erstellt. Rund 60 Millionen Euro sollen dabei heraus gekommen sein, die dann aus dem Landesbudget künftig für Investitionen frei werden. Regionalforscher Franz Prettenthaler (Joanneum Research) hält die geplanten Maßnahmen für zielführend. Es müsste allerdings in der Steiermark das Bekenntnis geben: „Wir sind eine Metropol-Region.“ Im erwerbsfähigen Alter ist natürlich der Grazer Zentralraum ganz stark besetzt. Aber im Alter von 10 bis 19 Jahren ist bevölkerungsmäßig wieder die Region stärker. Und da sieht man das regionalpoliti-
chen. „Ich möchte sche Konzept der ja Marktanteile in 70er-Jahre: Man den Weltregionen gab dort viele weischaffen. Und da terbildende Schuist es völlig egal, ob len hin und es ist das steirisch oder klar, dass es in der oberösterreichisch Folge dann zu einer ist.“ Auch, weil sanften Abwandejetzt über die Gerung kommt, ohne meindezusammengroße Massenarlegungen und über beitslosigkeit. andere Dinge geStrategien für die sprochen wird. Die Zukunft: „Ich glauBereitschaft könnbe, dass es zum te steigen, wenn Beispiel wesentman auch sagt: lich wäre, das The- Joanneum-Research-Experte Franz ma Holz und Prettenthaler: „Solange wir nicht den „Wir spielen da Kunststoff wirk- ersten Skilerher schwarzer Hautfarbe mit, aber du Land Steiermark lich zu verbinden.“ haben, sind wir nicht in der Realität schaffst uns für die Es gehe nicht um des 21. Jahrhunderts angekommen.“ Entwicklung in das Thema Holz, den nächsten 20 sondern um die kooperativen Vorteile mit anderen bis 30 Jahren die VoraussetzunGrundstoffen. Und da gelte es, diese gen.“ Das Entwicklungskonzept Brücke zu schaffen. Holz zum Bei- muss heißen: Was tue ich wo in der spiel als Verbundstoff für die Au- Steiermark. Wenn man eine Leadertoindustrie einzusetzen. Es gebe ja Region gründen will, dann müsse auf der Kärntner Seite das Lavant- man einfach überlegen, wie viele tal, wo auch die Holzverarbeitung Spieler es dort gibt. Und wenn man im Mittelpunkt steht. Das könnte dort mit den Gemeinderäten usw. man dann eben gemeinsam machen. etwa in der EU-Region West tausend Ähnlich könnte man auch beim Um- Spieler habe, dann kann sich so etwelt-Cluster vorgehen und mit den was schwer entwickeln. Wir müssen Oberösterreichern gemeinsame Wege entwickeln. Leider gebe es da noch immer zu viel Kleindenken. Da muss man mehr gemeinsam ma(Foto Furger)
POLITIK
60 Mio. Euro Sparpotenzial: Gemeindefusionen sind ein Schritt
einfach viel weiter denken. Solange wir nicht den ersten Skilehrer schwarzer Hautfarbe ausgebildet haben, sind wir nicht in der Realität des 21. Jahrhunderts angekommen. Pflichtschulabsolventen oder Leute mit keiner abgeschlossenen Berufslausbildung – das sieht man am Arbeitsmarkt – geht es in der Obersteiermark relativ gut. Aber in 20 oder 30 Jahren wird’s diese Jobs nur dann noch geben, wenn es auch eine entsprechende Forschungs- und Entwicklungsbereitschaft gibt, wenn also massiv in Forschung und Entwicklung investiert wird. Experte Franz Prettenthaler, der kürzlich auch den GRAWE-Award 2011 erhielt: „Denn Produktionsstandort können wir nur bleiben, wenn wir an der Wissensintensität weiter arbeiten. Je wissensintensiver das ist, was wir tun, desto mehr werden auch Leute mit weniger hoher Ausbildung eine Chance haben. Die Diplomingenieure sind einfach die Multiplikatoren für den Arbeitsmarkt. Je breiter und besser die Region ausgebildet ist, desto leichter tun sich auch die weniger gut Ausgebildeten, weil es dann Bedarf gibt.“ O
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Familien-Patchwork-Service vor Pleite
Aber: Voves leistet sich um 508.500 Euro Eigen-PR Das Familien-Patchwork-Service kämpft seit zweieinhalb Jahren um sein Überleben. Der gemeinnützige Verein bietet Elterncoaching für Alleinerziehende und Patchworkfamilien an. „Das Familienressort hat unsere ursprüngliche Förderung von 20.00 Euro 2010 auf 8.300 Euro reduziert und für heuer eine komplette Streichung angekündigt. Landeshauptmann Franz Voves versprach vor der Wahl, dass es keine Kürzungen geben würde“, ärgert sich Vereinsobfrau Margit Picher. 2010 gab Voves laut Grünen-Landtagsabgeordneten Lambert Schönleitner 508.500 Euro für Eigen-PR
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aus, Familienlandesrätin Elisabeth Grossmann 346.000 Euro. „Umso beschämender für die Politik, dass ein 90-jähriger Rentner 100 Euro spendete, als er erfuhr, dass ich mich als Vereinsinitiatorin und Alleinerziehende verschuldet habe, um unser Hilfsangebot über Wasser zu halten“, betont Picher.
Nachfrage versiebenfacht Die Nachfrage beim Patchwork-Familien-Service hat sich inzwischen versiebenfacht. „Wir haben Benefizaktionen und ein neues OnlineCoaching-Projekt für familienfreundliche Unternehmen initiiert,
die Familie Schirnhofer als erstes Unternehmen und andere InteressentInnen gewinnen können, werden die zuständige Politik aber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen“, zeigt sich Picher kämpferisch. Im November überreichte sie Landtagspräsident Manfred Wegscheider eine Petition „für Familien im Wandel – Nein zu Förderkürzungen“, in der die Rücknahme der Förderstreichungen eingefordert wird.
Klage gegen Land läuft Der Behindertenverein Chance B in Gleisdorf klagt das Land und hat als einziger von 86 Vereinen im Behin-
Sozial- und Berufspädagogin Margit Picher gründete 2002 das Patchwork-FamilienService und ist selbst alleinerziehende Mutter eines Sohns.
dertenbereich und der Jugendwohlfahrt nicht die neuen Verträge unterschrieben, die drastische Kürzungen bringen. „Wir würden schon KLIPP Dezember 2011
„Caracas-Bürgermeister“ Andreas Grauf kommt wegen seiner Seniorenheime immer stärker unter Druck.
Wer kennt das nicht, man kauft sich ein Maroni-Stanitzel und kann nirgends die Schalen entsorgen. Auf den Boden geht natürlich nicht, neben dem Mistkübel will auch keiner stehen und im Stanitzel haben die Schalen sowieso nichts zu suchen. Es wäre längst Zeit, dass sich einmal jemand mit diesem Problem befasst. Das dachten sich anscheinend auch die Produktdesigner vom BETA Young Creative Lab und haben drei Lösungsvorschläge ausgearbeitet. Da wären das Doppelstanitzel, das Stanitzelumhängeband und der Stanitzelhalter. Alle drei Prototypen verwenden ein zweites Stanitzel für den Abfall. So bleiben die Gehsteige maronischaolenfrei und einem winterlichen Stadtbummel mit Maroni steht nichts mehr im Weg. Manche Lösungen können so einfach sein.
2012 einen Verlust von 738.000 Euro schreiben“, erklärt Franz Wolfmayr, Geschäftsführer der Chance B. In der 43 Seiten starken Anklageschrift der Grazer Kanzlei Held, Bernik, Astner & Partner werden dem Land „diktierte Verträge mit zahlreichen Rechts- und Sittenwidrigkeiten“ vorgeworfen. Die Bestimmung, dass im Falle eines Gerichtsstreits die Vereine alle Kosten zu tragen hätten – auch wenn sie den Streit gewinnen – ist nur ein Beispiel. Eidesstaatliche Erklärungen von 17 anderen Trägerorganisationen sollen den Klägern als Beweismittel dienen. Wolfmayr erhofft sich bis Jänner eine einstweilige Verfügung: „Dann müssten die Leistungen des Landes gemäß den alten Verträgen weiterbezahlt werden zumindest für die Dauer der Verfügung.“ S.E. O KLIPP Dezember 2011
„Diese Landesregierung verletzt die Menschenrechte!“ Lange hat man nichts gehört von der „Plattform 25“, die sich mit ihren Aktionen viel Sympathie in der steirischen Bevölkerung erarbeitet hat. Jetzt kehrt sie zurück um kurz vor dem internationalen „Tag der Menschenrech-
te“ auf die Verletzung eben dieser durch das Sparpaket der steirischen Landesregierung hinzuweisen. „Denn wie die Stellungnahmen des Menschenrechtsbeirates der Stadt Graz und der Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark zeigen, verstoßen die Budgetkürzungen der Landesregierung im Sozialbereich gleich in mehreren Punkten gegen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und gegen den § 2 der UNKinderrechtskonvention. In Zukunft wird es auch weitere Aktionen von uns geben“, so Plattformsprecher Gerhard Zückert. O
Kraftvoller Partner aus dem hohen Norden 100 Jahre nach der Gründung des Grazer KaffeerösterUnternehmens Hornig werden die Weichen neu gestellt: Der Hamburger Kaffee-, Tee- und Kakaohändler Darboven übernimmt mit 1. Jänner 2012 75% des steirischen Unternehmens. Über den Kaufpreis wurde bei der Bekanntgabe Ende November Stillschweigen vereinbart. Zugleich übergab das Konsul-Ehepaar Johannes und Edith Hornig die Geschäftsführung an Sohn Johannes. „Durch die Globalisierung ist es einfacher, mit einem strategischen Partner wie Darboven den künftigen Weg zu gehen“, so Hornig junior. Seine Mutter Edith Hornig, die schon bisher im Betrieb für die Teesparte zuständig war, soll weiterhin Großkunden betreuen. Den Betriebsstandort Graz mit 38 Mitarbeitern wolle man festigen und den Marktanteil österreichweit langfristig auf 5 Prozent anheben. Hornig hat in Österreich im Lebensmittel-Einzelhandel einen Marktanteil von drei Prozent, im Kerngebiet in Südostösterreich rund zwölf Prozent.
Foto Fischer
Stanitzel 2.0
Eine Reise nach Caracas machte Andreas Grauf, den Bürgermeister von Pirka bei Graz, vor wenigen Monaten über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Wurde er doch am Flughafen mit einer Reisegefährtin verhaftet. Das Duo hatte 100.000 Euro im Gepäck versteckt, nicht deklariert eingeführt. Beide landeten im Polizei-Gefängnis. Alles sei im grünen Bereich, das ganze ein Missverständnis gewesen, Spekulationen, er hätte damit irgendwelche Geschäfte machen wollen, seien völlig überzogen. Mittlerweile wurde bekannt und auch die Staatsanwaltschaft ist dabei zu ermitteln, dass andere Geschäfte offensichtlich nicht im grünen Bereich verlaufen. Andreas Grauf, arbeitseifrig, ist bzw. war Geschäftsführer der GSE Senioren- und Pflegeheime (Gemeinsam statt einsam). Innerhalb von vier Jahren hatte er ohne wesentliches Eigenkapital zehn Pflegeheime unter seiner Regie, mit rund 300 Betten. Den großen Wurf wollte er im
Sommer landen. Da versuchte er, das Seniorenheim Minze auf der Laßnitzhöhe von Harald Fischl, dem Mehrheitseigentümer der KräuterGartenGruppe zu kaufen. Mehr als drei Millionen Euro betrug laut Vertrag die Verkaufssumme. Der einzige Haken dabei: Trotz vielfacher Urgenz ist die Verkaufssumme bis heute nicht geflossen. Fischl und Partner fühlen sich getäuscht. Grauf war in früheren Zeiten Mitarbeiter und Heimleiter auf der Laßnitzhöhe, machte sich dann aber nach der Devise selbstständig: „Was der Fischl kann, werd‘ ich auch schaffen.“ Die Pflegeverträge mit dem Land Steiermark sicherten der Gemeinsam-statt-einsam-Gesellschaft fixe Einnahmen, doch in diesem Jahr wurde es aufgrund des raschen Wachstums eng. Nur mit Mühe konnte der Stillstand bzw. Konkurs abgewendet werden. Nun wird die GSE saniert, aber ohne Andreas Grauf. Der hat allerdings bereits ein neues Projekt. Er will ab Februar 2012 in seiner Gemeinde Pirka ein Seniorenheim mit 30 Betten eröffnen, das ursprünglich seine GSE führen sollte. Er versucht auch, Mitarbeiter dafür zu gewinnen. Frühere Mitstreiter fürchten, dass das der nächste Flopp des Sozialvisionärs werde und wundern sich, dass das Land, der Vertragspartner des Seniorenheims in Pirka, Andreas Grauf weiterhin schalten und walten lässt.
Plattform 25
AKTUELLES
Wie lange geht das noch gut?
Dem Unternehmer Albert Darboven ist mit dem Einstieg bei Hornig indes ein weiterer Expansionsschritt in der Alpenrepublik gelungen. Mit der Übernahme der Firma Praxmarer in Tirol wurde 2009 der erste Schritt gesetzt. Sein Unternehmen machte zuletzt mit 1.100 Mitarbeitern 300 Millionen Euro Umsatz und röstet pro Jahr rund 27.000 Tonnen Kaffee. Nun soll mit Hornig die Brücke für eine verstärkte, österreichweite Expansion geschlagen werden. „Das ist eine Win-winSituation für beide Familien“, bekräftigten beide Unternehmer. H. Dietl
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AKTUELLES
Übersichtlich und schnell zum richtigen Job! „steirerjobs.at“ – neue, innovative Impulse für den heimischen Online-Stellenmarkt. Um neben dem iPads gut auszusehen schlüpfen sogar die Schüler in ihre besten Sachen.
iSchule 2.0– die neuen Medien erobern die Klassenzimmer Die Kreide hat bald ausgedient, jetzt ziehen die Tablett-PCs in die Klassen ein. Bereits 300 der flachen Geräte sind in 27 steirischen Schulen im Einsatz. Bisher beschränkt sich das Einsatzgebiet noch auf Höhere Schulen zum Teil auch Pflichtschulen, aber mit der VS Hirten in Graz ist auch schon die erste Volksschule auf die neue Technik aufgesprungen. Gut „10.000 Euro hat die Anschaffung der 15 Tabletts gekostet“, sagt Schuldirektor Franz Dorrer von der HTBLA Weiz. Obwohl er bisher auch ohne Tablett gut ausgekommen ist sieht man auch ihm die Begeisterung an. Werner Krausler ist Lehrer in Weiz: „Früher mussten wir für Geographie die großen, schweren Karten zusammensuchen und oft waren die schon vergeben. Jetzt habe ich alle Karten dabei und kann sie sogar übe-
reinanderlegen, um Veränderungen zu verdeutlichen. Oder Gleichungen in komplexe Körper umrechnen, das geht jetzt in Sekunden und man sieht sofort wie sich eine Veränderung in der Gleichung auf die Form auswirkt.“ Wer jetzt aber glaubt, jeder Schüler bekommt ein eigenes Tablett, der irrt sich. Nur die Lehrer haben ein solches und können damit drahtlos den Beamer im Klassenzimmer ansteuern. Inzwischen gibt es über 20.000 verschiedene pädagogische Apps, das sind kleine spezialisierte Programme, zum herunterladen. Der Siegeszug der kleinen Wundercomputer ist wahrscheinlich nicht mehr zu bremsen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Tabletthype nicht überhand nimmt und der Computer ein weiteres Stück Alltag an sich bindet. O
AVL-Motorenforschung fährt zweigleisig Der Weltkonzern AVL investiert über zehn Prozent des Umsatzes in eigene Forschungsprojekte, oft in Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. „Wir entwickeln neue Antriebssysteme mit massiv reduzierten CO2-Emissionen und arbeiten intensiv an der Elektrifizierung des Antriebs mit vielfältigen Hybrid-Lösungen, E-Antrieben, Batterie-Systemen und Range-Extendern“, erklärt CEO Prof. Helmut List. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an der Entwicklung von Technologien, um das noch hohe Potenzial des Verbrennungsmotors zur Reduktion von Verbrauch und CO2 zu heben. Der hohe Innovationsgrad macht AVL regelmäßig zum größten Patentanmelder Österreichs. O
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Das Internet als schnellstes und häufig genütztes Medium gewinnt bei der Jobsuche immer mehr an Bedeutung. Nahezu drei Viertel aller offenen Stellen sind bereits im Internet ausgeschrieben. Für die Suche nach dem richtigen Job ist die Regionalität meist das wichtigste Kriterium. Gefragt sind neben der Aktualität der Stellenangebote auch gute Übersicht, genaue Informationen und die Möglichkeit der einfachen und schnellen Bewerbung. Genau diese Anforderungen kann „steirerjobs.at“ optimal erfüllen. Aufgebaut ist die erfolgreiche Internet-Jobplattform auf vielfach be-
währten Konzepten, die Initiatoren Dr. Simon Bertl und Karl-Hans Polzhofer können bereits nach wenigen Monaten auf beachtliche Erfolge verweisen. Vertriebsleiter Peter Moschitz: „Seit dem Start im Mai dieses Jahres verzeichneten wir rund 150.000 Besucher, die enorme Reichweite hunderter Stellen und der Interessentenpool von über 2000 aktiv Jobsuchenden ermöglichte vielen steirischen Betrieben ihre oftmals dringend benötigten Mitarbeiter schnell zu finden.“ Deutlich niedrigere Preise und viele Innovationen helfen KMUs ebenso wie Kleinstunternehmen, Wettbewerbsfähigkeit und optimales Wachstum durch qualifizierte Mitarbeiter als wesentlichen Erfolgsfaktor zu sichern. O
Not macht erfinderisch Mit dem KundenMeister® ganz nah am Kunden, ohne ihm auf die Zehen zu steigen Kundenpflege und Marktbearbeitung ist die Grundlage für längerfristigen Geschäftserfolg. Mit dem von der steirischen WebAgentur Körbler entwickelten KundenMeister gelingt dies nun auch Klein- und Mittelbetrieben professionell und systematisch. „Der KundenMeister ist das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit. Bereits 200 Unternehmen haben ihn erfolgreich im Einsatz. Die anwenderfreundliche Software ist in Modulen und Paketen aufgebaut und sie bezahlen nur jene Funktionen, die auch tatsächlich benötigt werden. Somit können sich auch kleine Unternehmen den Kun-
denMeister leisten“, so Mario Körbler. Neben der Verwaltung von Kontakten, Terminen und Projekten, der Aufgabenzuteilung oder dem personalisiertem Versand von Newslettern und SMS werden auch PaketModule zur Erstellung von Verkaufsprognosen, Umsatzstatistiken und Rechnungen bis hin zur Steuerung von Vertriebsressourcen und dem Betrieb von Online-Shops angeboten. Als webbasierte Lösung ermöglicht der KundenMeister flexibles und zeitunabhängiges Arbeiten. O
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Trommelweibern 2006 2006 sorgte die Auffür Getuschel sorgte. nahme von LandesSP-Bürgermeister Otto hauptmann Franz VoMarl: „Ich war nicht der ves als „Trommelweib Erfinder seiner AufFranziska“ für Aufrenahme und habe mich gung vor Ort. Nun ist auch beim Ausschluss seine Mitgliedschaft rausgehalten. Laut Staoffiziell Geschichte. tuten dürfen nur echte Im Ausseerland ist es Ausseer aufgenommen bekanntlich nicht werden.“ Obertromleicht, sich in den Die Kleine deckte auf… Foto: HUEMER melweib Ludwig ViertKreis der Einheimischen zu integrieren. Es sei denn, bauer gelobte Voves damals an: man wird als Mitglied bei den Aus- „Wir hatten zuvor die Landesausseer Trommelweibern akzeptiert. stellung im Ausseerland, und er hat Diese Ehre bleibt manchmal selbst selbst gemeint, dass er sehr gerne jenen verwehrt, die seit mehreren mitgehen würde", erklärt er die Generationen in der Region verwur- peinliche Causa. Das aktuelle Auszelt sind. Daher verwundert es nicht, schlussverfahren sei Ausdruck des dass das Schnellverfahren zur Auf- Protests gegen die eiserne SparpoliO nahme von Voves bei den Arbeiter- tik der letzten Jahre.
+ KLAR Bulle mit Durchblick Dass Red Bull seine Neuentwicklungen nicht an die große Glocke hängt ist bekannt. Dafür schlagen diese aber mit umso stärkerer Wucht in den Markt ein. Inzwischen gibt es nicht mehr viel, auf dem nicht das Logo der in Fuschl am See beheimateten Marke zu sehen ist. Kappen, Autos, Telefontarife und Sportvereine schmücken sich mit dem Bullen. Gibt es bald viel-
leicht sogar eine Red Bull Brille oder eine ganze Serie? Alle Zeichen deuten darauf hin, denn die für ihre Brillenkreationen international anerkannte Michael-Pachleitner-Group arbeitet bereits intensiv an dem Projekt. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Demnächst wird der steirische Bulle also seine eigene Brille tragen. O
Foto: FA19D, Ursula Gungl
Voves nicht länger Trommelweib
Durch die Rücknahme der Stmk-Flasche wird die Umwelt entlastet. E. Schmuck – SPAR Steiermark, G. Lacher – Glas Recycling, W. Himmel – L. Stmk, J. Seitinger – Landesrat, D. Bresnik – Eurospar, W. Luttenberger – LWK, E. Polz – Winzer.
Zu wertvoll für den Glascontainer
Panther wird wiederbefüllt Glas ist mitverantwortlich für die Verdoppelung des Müllbergs seit dem Jahr 1991. Um den Scherbenhaufen zu reduzieren, steigt das Land Steiermark gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer und der SPAR AG nun auf die Bremse – Weinflaschen werden wiederbefüllt. Ab sofort können leere SteiermarkWeinflaschen – das sind die mit der Panther-Gravur – bei 6 steirischen Sparmärkten in Graz, Kapfenberg und Liezen zurückgegeben werden. Dafür gibt es einen 5-Prozent-Gutschein. Auch im Genussregal in Vogau kann man einen derartigen Deal durchführen. Etwa 5 Millionen Stück der sogenannten SteiermarkFlaschen befinden sich in Umlauf und sind selbst im ausgetrunkenen Zustand zu wertvoll, um im Altglas-
container zu landen. Als Realziel peilt man eine Wiederbefüllung von 50 Prozent an. „Damit sparen wir Energie und Ressourcen“, bekräftigt Landesrat Johann Seitinger. Die Abfallbelastung soll um etwa 10.000 Tonnen pro Jahr reduziert werden. Die Produktion einer neuen Flasche verbraucht etwa 1.100 Wh an Energie, für die Reinigung in einer Spülanlage werden jedoch nur rund 90 Wh pro Flasche benötigt. Vorerst läuft die Aktion ein Jahr auf Probe und zielt eindeutig in Richtung Umweltverantwortung und Nachhaltigkeit. Appell an den Konsumenten: Die Flaschen sollten hinsichtlich der Wiederverwendung mit intaktem Gewinde sowie Verschlusskappe bei den Rückgabeautomaten abgeliefert werden. H. D.
Wir vom Klipp sind dort aktiv dabei.
Sie auch? Dann diskutieren Sie mit uns über aktuelle Themen auf Xing, Facebook oder www.sprachrohr.at
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AKTUELLES
Bad Ausseer Trommelweiber
HINTERGRUND
Weihbischof Franz Lackner ist ein Spätberufener
„Zu Gott is mir nix eingefallen“ Aus St. Anna am Aigen stammend, einer Gegend, die gerne auch als das „Steirische Betlehem“ bezeichnet wird, hat er nach dem Pflichtschulbesuch in Bad Radkersburg die Ausbildung zum Elektriker gemacht.
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ies war die Zeit, in der er, wie er sagt, „den Glauben verloren“ hat. Aber nicht, weil er sich gegen Gott entschieden hat, sondern weil dafür einfach keine Zeit übrig geblieben zu sein schien. Der Tag war arbeitsmäßig ausgefüllt, in so manchen Nächten waren die jungen Burschen unterwegs. Am Sonntagvormittag blieb dann auch für’s Kirchengehen keine Zeit, denn „schließlich mussten wir auch einmal ausschlafen“, schmunzelt der Weihbischof. „Wir sind fünf Kinder, und in einem sehr armen Umfeld aufgewachsen. Das zeigt sich mitunter darin, dass wir alle fünf in einem Zimmer geschlafen haben. Sonntags in der Früh kam die Mutter und sagte: Buam steht’s auf! Buam geht’s in’d’Kirch’n!‘ Wir haben uns bestenfalls umgedreht. Dann kam der Vater, aber auch er vermochte uns nicht aus dem Bett zu kriegen. Ich rechne es meinen Eltern sehr hoch an, dass sie auf uns keinen Druck ausgeübt haben.“ Weihbischof Lackner hat nicht nur unter der materiellen Armut sehr gelitten, sondern auch unter der Hilflosigkeit der Eltern dieser gegenüber. Auf dem kleinen Anwesen gab es zwei Kühe, diese waren das ganze Auskommen. Die Lackner’s lebten im typisch oststeirischen Kleinbauerngebiet nahe des Eisernen Vorhangs, wirtschaftlich gesehen ein Depressionsgebiet. „Mein Vater wäre heuer hundert Jahre alt geworden“, erzählt der Weihbischof. Leider hat er den Übergang von der klein strukturierten Bauernfamilie in die Arbeitswelt nicht geschafft. Er ist nicht auf den Bau gegangen, sondern Kleinkeuschler geblieben.“ Arm sein ist grundsätzlich nichts Schlechtes und auch keine Schande, aber im Kontext von Hilflosigkeit äußerst schwer ertragbar. Bereits als
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Weibischof Franz Lackner tritt mit 23 Jahren ins Priesterseminar in Horn ein. In seiner Jugend: „Da war kein Platz mehr für Gott.“
Bub hat sich der Steirische Weihbischof darüber viele Gedanken gemacht. „Wir waren in einem Zwiespalt: irgendwie erschien uns das Schicksal fast Gott-gegeben; so getrauten wir uns nicht alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Unsere Welt war zwar nicht gefühlsarm, jedoch im Ausdruck haben wir uns sehr schwer getan. Das Gesicht der Armut, das sich tief in mir eingegraben hat, war die Sprachlosigkeit. Später, als Franziskaner habe ich gerne das Armutsgelübde abgelegt. Armut hat dort einen religiösen Tiefensinn bekommen. Ich schämte mich nicht mehr, sagen zu müssen: Ich habe kein Geld, ich kann bei etwas nicht mittun, das Geld kostet.
So ist schon früh in meinem Leben das Fragen wachgeworden. Beharrlich stellte ich Fragen, oft blieben sie unbeantwortbar. Aus heutiger Sicht betrachtet habe ich, wie der Dichter Rainer Maria Rilke es sagt, zu lernen begonnen: Lebe die Frage‘.“ „Ich habe als Kind zuhause viel Gutes über Gott gehört und den Glauben in der Familie und Pfarre als etwas Lebensdienliches erfahren dürfen. Und trotzdem habe ich das Viele in den Jahren der Jugend „verloren“ und vergessen. Ja, ich habe Gott verloren‘. Auf diesen Mangel wurde ich als Jugendlicher – ich war so um die 18 Jahre alt – durch eine Frage auf offener Straße aufmerksam gemacht. Heute denke ich, es war ein Zeuge Jehova, der mich angesprochen und nach Gott gefragt hat. Dieser Mann fragte mich: „Was denkst du über Gott?“ Ich hätte gerne mit ihm diskutiert und wollte mich auch auf dieses Gespräch einlassen, aber mir fiel zu dieser Frage einfach nichts ein. Ich erinnere mich noch an meine Antwort; nach einigem Zögern musste ich eingestehen: Darüber kann ich dir nichts sagen. Da ist mir zum ersten Mal doch etwas bitter aufgestoßen und bewusst geworden, dass ich etwas, was ich zuvor als schön, als hilfreich und meinem Leben dienlich erlebt habe, verloren hatte.“ „In meinem Leben gibt’s große Brüche“, so Franz Lackner. So ging er zum Bundesheer und dort für die Uno nach Zypern. „Es gab genügend Zeit, um über das Leben und den Sinn des Seins nachzudenken. Auch Angst war bei diesem Einsatz dabei.“ In der Unterkunft las er oft aus der Bibel. Und da löste Matthäus 11, 28 die Weichenstellung für sei späteres Leben aus. „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Dieser Satz ließ ihn nicht mehr los. Ein Priester, den fragte, was er nun tun solle, meinte: „Eigentlich gar nichts. Gib‘ Gott in deinem Leben eine Chance.“ Und das tat der heutige Weihbischof mit seinem Gelübde zum Priester. „Und ich denke, die jungen Leute heute – ich unterrichte ja, eine gute Frage zu stellen, ist ja die halbe Antwort. Da heißt es ja in einem berühmten Dichterwort: Lebe die Frage. Und der Glaube – das ist ja auch die GeKLIPP Dezember 2011
Viele Katholiken stoßen sich am Kirchenbeitrag. Was würden Sie zur Pflichtmitgliedschaft in der Katholischen Kirche sagen? Lackner: „Wer katholisch getauft ist, ist rechtsgültig Mitglied der Katholischen Kirche. Und wie anderswo auch, gehört es bei uns dazu, dass die Mitglieder einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten. Das heutige Netz der Seelsorge – von Priestern und hauptamtlichen Laien getragen – ist nur durch einen Pflichtkirchenbeitrag finanzierbar. Damit wird das breite und vielfältige Angebot für Jung und Alt überhaupt erst möglich. Das fängt an bei ElternKind-Gruppen und aktiven Seniorenrunden in Pfarren, Bildungsprogrammen für Erwachsene, Kultur- und Freizeitangeboten bis hin zum immer notwendiger werdenden sozialen Engagement, um nur einige Beispiele zu nennen. Mit der Sicherung von Arbeitsplätzen im kirchlichen Umfeld leistet die Kirche auch einen wichtigen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Beitrag. In Österreich haben wir mit unserem Kirchenbeitragssystem ein bewährtes Finanzierungssystem für die Kirche. Es ist vorstellbar, dass es eine Kirche auch ohne Kirchenbeitrag gibt, also ohne Pflichtmitgliedschaft. Aber diese Kirche würde klarerweise eine andere Gestalt haben, ganz anders aussehen. Das wäre eine Kirche mit ganz anderen Strukturen und Möglichkeiten, als wir sie heute kennen. Es gibt andere Ländern mit anderen Systemen. Frankreich hat zum Beispiel einen freiwilligen Kirchenbeitrag. Dieser reicht dort aber nicht einmal für die Bezahlung aller Priester und der wenigen kirchlichen Mitarbeiter aus. Dort müssen viele Priester einem Nebenberuf nachgehen. Viel Wertvolles ginge ohne Kirchenbeitrag in unserer Heimat verloren. Denn die Katholische Kirche prägt und gestaltet das Leben in unserem Land wesentlich mit.“
Zu den „verheirateten Priestern“, die dann in der Kirche nicht mehr eingesetzt werden: Lackner: „Es gibt ehemalige Priester, die geheiratet haben. Wenn Mitbrüder sich entschließen, ihr Amt aufzugeben, ist die Kirchenleitung grundsätzlich bemüht mitzuhelfen, den Weg in eine andere Arbeitswelt zu finden. Zum Teil sind dies Tätigkeiten mit sozial-religiösem Hintergrund. Die Kirche will niemanden in dieser Situation allein stehen lassen, sondern helfen, dass ein Neustart gelingt. Hier wird jedes einzelne Lebensschicksal gesondert betrachtet und nach gangbaren Wegen gesucht. Es gab und gibt aber auch solche, die auf Distanz zur Kirche gehen wollen. Dies muss auch akzeptiert werden.“ Ich habe gehört, dass es auch die Möglichkeit gibt, wenn Priester wechseln, zum Beispiel aus der Protestantischen oder Anglikanischen Kirche zur Katholischen, dann ist das möglich, aber das heiße Thema dabei: Die sind ja meist verheiratet, haben Familie und dürfen dann doch das Priesteramt ausüben. Lackner: „Es kommt gelegentlich vor, dass ein evangelischer Pastor in die katholische Kirche konvertieren möchte und darin das Priestertum anstrebt. Die Kirche weiß sich der Vorgehensweise aufgrund folgender Voraussetzungen verpflichtet: Dem Betroffene hat sich zur Zeit seiner Berufung die Frage des Zölibats in seiner Kirche nicht gestellt. Er hat kein Zölibatsversprechen gegeben und darf daher mit Dispenz in der Katholischen Kirche Priester werden. Die Katholische Kirche akzeptiert seine Herkunft aus dem Dienst am Volke Gottes in der Evangelischen Kirche und selbstverständlich sein Eheversprechen. Darum ist er dem Zölibat nicht verpflichtet.“ O
Grazer Unternehmen sorgt mit Geistesblitz für
HIGHTECH AM CHRISTBAUM B
evor die über zwei Millionen Christbäume in Österreichs Wohnzimmern weihnachtliche Stimmung verbreiten, haben sie einen langen Weg hinter sich. Ein heimisches Unternehmen hilft Christbaumbauern, ihre Bäume übersichtlicher, genauer und billiger zu verwalten.
Beginnen tut alles lange vor der stillen Nacht. Schon im Frühjahr sucht der Bauer die Bäume aus, die als Christbaum geeignet sind. Richtig ernst wird es einige Wochen vor dem Weihnachtsfest. Da geht es ans endgültige Ernten, Verpacken, Palettieren, Liefern und Verrechnen. Eine Menge Arbeit: Eine effiziente Produktionslogistik ist daher eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Wachstumsstrategie. Automatisierung ist also gefragt. Genau hier setzt das Grazer Unternehmen TreeChip an. Gründer und Geschäftsführer Walter Dulnigg: „Wir bieten dem Kunden ein Komplettsystem mit witterungsbeständiger Hardware, Software und spezieller Benutzeroberfläche. Und das in allen Bereichen. Es fängt bei der Inventarisierung an, geht über die Kultivierung und Lagerverwaltung bis hin zur Ernte, Kommissionierung und Buchhaltung.“ Möglich machen das kleine RFID (Radio Frequency Identification)-Chips auf KLIPP Dezember 2011
Foto: TreeChip GmbH
Etiketten, die im Frühjahr an den ausgewählten Bäumen angebracht werden. Darauf sind die wichtigsten Daten wie Art des Baumes, Größe und Standort gespeichert. Spezielle Lesegeräte, die auf den für die Weiterverarbeitung notwendigen Maschinen wie Traktoren, Hubstaplern, Verpackungsmaschinen oder LKWs angebracht sind, erkennen die Bäume anhand der auf den Chips gespeicherten Daten und ermöglichen so eine schnelle und lückenlose Verwaltung und Nachverfolgbarkeit jedes Baumes quasi auf Knopfdruck.
So werden Planung, Produktion, Verwaltung und Verrechnung für den Bauern vereinfacht, die Kosten gesenkt: „Wir haben in den letzten Monaten das TreeChip-System zur kompletten Produktions- und Ernteplanung von Christbaumschulen in Dänemark, dem europäischen Marktführer, installiert. Millionen von Christbäumen wurden mittels unseres patentierten Systems logistisch verwaltet. Die Kunden sind von den Österreichern begeistert. Die SFG hat schnell erkannt, welche Wertschöpfungspotenziale für die Region in unserem System stecken, und wir haben sehr von der Beratungskompetenz der SFG profitiert“, so Dulnigg. Die SFG förderte das Projekt von TreeChip im Rahmen des Programms Geistes!Blitz. TreeChip GmbH, Graz, www.treechip.com Mehr steirische Erfolgsstorys von innovativen heimischen Unternehmen finden Sie im Storychannel der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG: http://sfg.at/storychannel
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HINTERGRUND
fahr – gibt uns viele Antworten. Wo man nicht einmal die Frage noch entdeckt hat. Da hat man schon mehr Antworten als Fragen. Die ,Fragwürdigkeit‘, also die Würdigkeit zum Fragen, die muss man sich aber bewahren. Das ist sozusagen das Irdische des Menschen. Denn die Frage ist was Öffnendes, sie reißt was auf. Schlimm ist es, wenn Menschen keine Fragen haben. Gerade wenn es um die letzten Dinge geht. Da muss ich schon froh sein, wenn ich darauf antworten und sagen kann: ,Schau einmal und denk in diese Richtung.‘ Wenn ich bei den Menschen bin, dann versuche ich, eine gewisse Verstehensform zu geben, warum Glaube so glaubt, warum Kirche so denkt. Aber ich würde nichts monokausal auflösen.“ „Die Wissenschaft gibt exakte Antworten, aber Heidegger sagt ja, im Prinzip ist dann das Wissen tot. Glaube ist kein Wissen im wissenschaftlichen Sinn, sondern ein angemessenes Wissen. Aber Gründe, die alles erklären im Glauben, das gibt es für mich nicht. Denn dann hat man ja auch das Mysterium des Glaubens schon entleert.“ O
EsEmEs Deutsche Immobilien für steirische Ärztekammer 85 Millionen Euro musste die steirische Ärztekammer für den Erwerb der 907 Berliner Wohnungen und 70 Gewerbeeinheiten auf den Tisch legen. Wegen schlechter Renditeaussichten in Österreich sei man nach Deutschland ausgewichen, erklärt der Finanzdirektor der steirischen Ärztekammer Werner Schönfelder. In Berlin rechnet man mit einer jährlichen Rendite von sechs Prozent. O Energie-Großauftrag für Andritz-Konsortium Steirisches Know-how ist gefragt und bringt portugiesischen Großauftrag für Andritz-Hydro. Geplant sind zwei reversible Pumpturbinen mit je 120 MW, Zylinderschieber sowie Regler und Leitungstechnik. Mit dem Auftrag kann Andritz-Hydro seine Führungsrolle in Portugal, einem der zurzeit aktivsten Märkte für Pumpspeicher-Neuanlagen in Europa, festigen. Es ist bereits der vierte portugiesische Auftrag, der – innerhalb von vier Jahren – an ein Konsortium unter der Führung von Andritz-Hydro vergeben wurde. O Kaserne wird Pflegeheim Stadt Graz und Fertighausfirma Kohlbacher kaufen, um 2,7 Millionen Euro, die vom Bundesheer aufgelassene Hummel-Kaserne in Wetzelsdorf. Geplant ist, 90 Gemeindewohnungen und ein Pflegeheim mit 100 Betten auf dem Gelände zu errichten. O Literaturpreis der Steiermärkischen Sparkasse Bereits zum fünften Mal verleiht die Steiermärkische Sparkasse in Zusammenarbeit mit der Leykam Medien AG ihren Literaturpreis. Jeder der drei Preisträger erhält 1.000 Euro, weitere 25.000 Euro werden für den Druck der Bücher verwendet, welche im Leykam Verlag erscheinen. O 200.000 Euro für Akupunktur Die Stronach Medical Group fördert prämierte Akupunkturforschung in Graz mit 200.000 Euro. Besonders daran: Es handelt sich um die nichtinvasive Laserakupunktur. Ziel der Forschung ist es, Wirksamkeitsnachweise von Akupunktur bei Schmerzen, Stress und Burn-out zu erbringen oder die Wirkung zu widerlegen. O Ehrung für Ehrenamtliche „Die Ehrenamtlichen sind der Kitt der Gesellschaft. Das sind jene Menschen, die Gemeinschaft in den Vordergrund stellen“, betonte LH Voves bei seiner Laudatio. Anschließend überreichte der Landeshauptmann zusammen mit dem Vorsitzenden der Landessportorganisation Helmut Lexer und den drei Präsidenten der steirischen Sportdachverbände, Stefan Herker, Christian Purrer und Gerhard Widmann, die Sportverdienstzeichen in Gold, Silber und Bronze. O Grazer Budget auf dem Weg der Besserung 171 Millionen Euro wird die Stadt Graz im kommenden Jahr investieren. Ursprünglich war angedacht, dass es ab 2011 keine Neuverschuldung mehr gibt. Doch eine Folge der Finanzkrise ist, dass die Stadt erst „2014 erstmals mehr Einnahmen als Ausgaben haben wird“, so Finanzstadtrat Gerhard Rüsch. Für das kommende Jahr ist ein Einnahmenloch von 22 Millionen Euro vorausberechnet. Die Schuldengrenze von 1,4 Milliarden Euro für das „Haus Graz“ (sämtliche Tochtergesellschaften sind dort einbezogen) wird nicht überschritten. O Mutinjektion gegen die Krise Als „ein Triple-A-Rating für die steirische Wirtschaft“ bezeichnete die Moderatorin Ingrid Thurnher die Bedeutung der großen Primus-Preisverleihung im glanzvollen Rahmen der Helmut-List-Halle in Graz. Vom winterlichen Dachstein bis ins sonnige Mureck reichte die Palette der innovativen Preisträger. Die Preise wurden in Kategorien wie Mut, Unternehmenskultur und Geistesblitz verliehen. Letztere Kategorie gewann das „Sunnybag“-Team mit der Idee, Photovoltaikelemente in Umhängetaschen einzubauen. O „Herzlichkeit“ am Mariahilferplatz Viele Grazer und vor allem Grazerinnen stöbern gerne in Geschenkboutiquen, um das Passende zu einem vernünftigen Preis zu erwerben. „Im neuen Jugend-am-Werk-Laden kann man nach Herzenslaune schmökern und kaufen – hier findet jeder etwas“, bemerkten die „Promi-Stöberer“ LH-Vize Siegfried Schrittwieser und die Grazer Stadträtin Martina Schröck bei der Eröffnung. Der neue „herzlich“-Laden unterstützt vorwiegend arbeitsuchende Jugendliche mit Migrationshintergrund aus den Produktionsschulen Deutschlandsberg und Leoben und deren Arbeiten aus Metall und Holz. Damit bietet Jugend am Werk seinen Produkten mehr Platz, mehr Beachtung und Teilhabe am Markt. O
LILLY LOTTERB L
Hallo, meine L i Auch Sie haben sich wahrscheinlich dem vorweihnachtlichen Stress nicht ganz entziehen können. 400 Euro gibt der Österreicher durchschnittlich für Geschenke aus. So betrachtet gehören wir mit unserer vielköpfigen Familie nicht zum Durchschnitt der Österreicher. Weil mein Haushaltsbudget ganz schön knapp ist, vor allem wegen der steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreise, wird bei uns in der Familie nicht viel geschenkt. Auch die Benzingutscheine haben sich als Geschenk aufgehört, weil zwei Wochen später der Gutschein möglicherweise schon zehn, zwanzig Prozent weniger wert ist. O Im Vorweihnachtsstress bin ich ja nur deswegen, weil mein Allerliebster, wie immer halt, nicht im Hause mithilft und auch unsere Kinder immer unterwegs sind. Jetzt muss ich auch noch mit meinen Freunden und Freundinnen alle meine Plauscherl abhalten. Und da wird dann zu Hause eben nicht so viel getan. Und unsere Jüngste, die hat ja permanent Taschengeld-Probleme. Jetzt ist sie mit einer ganz originellen Idee nach Hause gekommen. Sie will ihre siebenjährige Cousine und den Neffen vermarkten, hat sie gesagt. In der Fernsehwerbung spielen ja jetzt Kinder eine ganz große Rolle. Fast in jedem Fernsehspot kommen sie vor. Nun will unsere Jüngste also Spitzenpolitiker überzeugen, dass Kinder gleichsam für sie die Werbebotschaften verlautbaren sollen. Ich hab das ganz lustig gefunden und mir ist da die Werbung von Hofer eingefallen. Wo das kleine Mädchen fragt: „Ist das von der Steirer-Omi?“ Genauso gut könnte es ja auch fragen: „Ist das vom Werner Faymann?“ oder „Ist das vom Franz Voves?“ Aber lassen wir das. Der hat ja andere Sorgen. O Immer mehr Gemeinden lehnen sich dagegen auf, dass sie so mir nichts, dir nichts sich überlegen sollen, mit wem sie fusionieren möchten. In der Ökoregion Kaindorf hat es ja schon ein klares Nein durch eine Bürgerabstimmung gegeben. Ich höre nun vom Hubert, der in der Burg oben ein Eingeweihter ist und praktisch schon vor jedem Regierungsantrag weiß, worum es geht, dass die Nerven bei vielen Funktionären
blank liegen. Es fehle einfach an einer klaren Vorgabe durch Voves und Schützenhöfer. Das Herumdiskutieren bringe nichts, hat der Hubert aus dem Landtag gehört. Der Schützi und der Voves würden sich noch anschauen, die Rechnung kriegen die beiden Parteien ÖVP und SPÖ ja erst nach den nächsten Wahlen serviert und da sind ja Schützenhöfer und Voves sicher nicht mehr dabei. Auch wenn sie jetzt noch so tun, als ob sie überlegen, noch einmal anzutreten. Doch das tun sie ja nur, um nicht gleich zur lahmen Ente degradiert zu werden, wie das beim amerikanischen Präsidenten der Fall ist, den man ab der 2. Hälfte seiner zweiten Amtszeit nicht mehr wirklich ernst nimmt. Weil die Bürger, aber auch die Berater und alle rundherum wissen, dass er ohnehin nicht mehr zum Wiederwählen und ohnehin ein Auslaufmodell ist. O Darüber kann auch Oswin Kois, der Noch-Energie-Steiermark-Chef, zufrieden sein. Nämlich, dass er eines ist. Er geht ja in wenigen Monaten in Pension. Krankheitshalber, hat es geheißen. Zum Glück ist die Krankheit nicht so gravierend, denn sonst könnte er nicht ein dreiviertel Jahr relativ munter weiterarbeiten. Krankheitshalber könnte aber auch bedeutet haben, dass er die Nabelschnur verliert, denn in diesen Tagen hat ja Peter Schachner seinen Rücktritt als Vorsitzender der Energie Steiermark abzuwickeln. Und ohne Schachner hätte Kois keine wirklich guten Karten für die Zukunft gehabt. Auch wenn es ihm zweifellos gelungen ist, der Energie Steiermark ein grünes Mäntelchen umzuhängen. Doch von einer wirklich weitgreifenden Strategie, in erneuerbare Energien zu investieren, davon ist weit und breit nichts in Sicht. Ein bisschen Photovoltaik, da und dort ein Windrad, etliche Elektrofahrräder, und, und, und. Alles halt Kleinigkeiten. Doch kein großer Wurf, von dem die mehr als 100.000 Stromkunden in absehbarer Zeit profitieren könnten. Weil die Vorgänger von Oswin Kois – von Werner Heinzl über Gerhard Hirschmann bis hin zu Karl Maier herauf – einfach mehr kaufmännisches Gespür mitbrachten. Heinzl und Co. setzten auf die Franzosen und brachten so hunderte Millionen Euro in die Kassa der Landesstromgesellschaft. Viel, viel Geld, von KLIPP Dezember 2011
B LUME
L ieben!
I Kanzler Faymann – ein Sprech-Automat I Oswin Kois und die Leistungsbilanz
dem sie noch immer profitiert. Nicht zufällig ist die Energie Steiermark bei den Finanzinvestoren diejenige Landesstromgesellschaft, die das meiste Kapital hat und damit die höchste Benotung. In der Zeit von Maier und Co. haben die Gesellschafter rund 600 Millionen Euro an Dividende kassiert, den Großteil davon natürlich das Land Steiermark als 75-Prozent-Gesellschafter. Oswin Kois kann da nicht mit besonders guten Zahlen aufwarten. Was einerseits sicher an der Zeit liegt, aber andererseits auch am mangelnden Geschick. Denn so versuchte man – erfolglos –, eine Expansion nach Serbien, holte sich dort aber kalte Füße. Auch der Deal mit den Feistritzwerken – tausche Netz gegen Kunden – ist ja nicht unbedingt das Gelbe von Ei gewesen. O Das ist aber sicher seine fürstliche Pension. Denn, wie der Otto sagt, wird sie im Monat irgendwo um die 16.000, 17.000 Euro liegen. Da hat mir ein Redaktionskollege am Gang eine nette Geschichte erzählt. Er war ja bei einer alten Bergbäuerin zu Besuch und hat über sie geschrieben. Und dort ist ein ganz lustiger Satz gefallen. Der Kollege möge den Herrn Kois, wenn er ihn trifft, einmal fragen. Er bekommt eben, wie in der Zeitung zu lesen war, 15.000 Euro Pension, soll sogar weniger sein, aber die Frage, um die es geht: Ob er das Gefühl hat, dass er das auch verdient. Ich finde das Ganze ein wenig zynisch, aber trotzdem passend. O Eine arge Streiterei habe ich mit der Uschi gehabt. Und zwar über den Werner Faymann. Die Uschi ist ja eine glühende Anhängerin von ihm, weil sie seinen stechenden Blick so faszinierend – sie meint, glaube ich, sogar erotisch – findet. Das machen sicher seine buschigen Augenbrauen aus. Und auf der anderen Seite unserer Streiterei – ich war ja in der Mitte und hab da ein bisschen Schiedsrichter spielen müssen – war ja die Ute. Und die mag den Herrn Kanzler Faymann überhaupt nicht. Für sie wirkt er wie ein sprechender Automat, ein Tonbandrekorder. Und als Beispiel hat die Ute dafür die letzte Pressestunde herangenommen. Denn da hat er geredet und geredet, und keinem der dortigen Journalisten ist es gelungen, den Knopf zu finden, wo man ihn abgeschalKLIPP Dezember 2011
tet hätte. Auch wenn manches, was er gesagt hat, natürlich richtig und vernünftig gewesen ist. Aber dennoch ist er dadurch nicht sympathischer oder glaubwürdiger geworden. Denn seine „Automaten-Antworten“, die wie ein Wasserschwall über die Leute hereinbrechen, die kann man nicht wirklich ertragen. Und auch seine häufige Betonung, „ich als Regierungschef“ und „ich als Kanzler“ und, und passt einfach nicht. Auch wenn irgendwelche Berater ihm das einreden mögen, dass das vor Fernsehzuschauern gut rüberkommt. Ich als Regierungschef werde dafür sorgen, dass mein geliebtes Österreich nicht zu Griechenland wird – sinngemäß. Man stelle sich vor, so die Ute, wenn das eine Frau Merkel oder ein Obama oder ein Sarkozy in dieser Form ausdrücken würden. Peinlicher geht’s einfach nicht. Schon einmal hat ein SPÖ-Kanzler bei seinem Abschied gesagt: „Beschützt mir mein Österreich.“ Überhaupt nichts gegen einen Lokalpatriotismus oder gegen einen Patrioten. Aber solche Aussagen müssen auch zur Person passen. Und, wie die Ute sagt, zum Vickerl Klima haben sie nicht gepasst und zum Werner Faymann passen sie auch nicht. Wäre es anders, würden ja die Umfragewerte besser sein. O Völlig am Boden und abgetaucht ist in dieser Hinsicht die ÖVP mit Vizekanzler Spindelegger. Den kann sich ja nun wirklich niemand, so wiederum die Uschi, als Kanzler vorstellen. Da war ja der Josef Pröll wie Ludwig XIV. ein Sonnenkönig im Vergleich zu Spindelegger. Der mag ganz nett sein, aber der gehört einfach in die zweite Reihe. Dort, wo er im Schatten eines Größeren gute Arbeit leisten kann. Aber ihnen werde ohnehin ganz anders, sagen die Uschi und die Ute gemeinsam; da haben sie nicht gestritten, wenn sie an die derzeitige Bundesregierung und ihre Minister denken. Von der Schottermitzi über den Darabos bis hin eben zum Kanzler – alle sind nicht unbedingt Politiker, die in den Geschichtsbüchern groß erwähnt werden.
Eure Lilly
GERICHT
Psychiatrisches Gutachten in Betrugsprozess
„Nobelpreisverdächtige Sensation i Seine Patientin sei in der Zeit vom April bis 24. Dezember 2009 nur eingeschränkt zurechnungsfähig gewesen. Diese sensationelle Diagnose stellte ein (betagter) Grazer Psychiater.
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ir wird das nie gelingen, auch anderen Kollegen“, äußert sich ein in der Psychologie und Psychiatrie kundiger Experte. Mit dieser Ausnahmeleistung wäre der Gutachter für eine Auszeichnung würdig, nicht unverdient für die welthöchste. Erstellt werden musste das Gutachten im Zusammenhang mit dem Betrugsprozess einer Steirerin. Sie hatte ihrem Arbeitgeber 250.000 Euro unterschlagen und das Geld – zumindest ihren Angaben nach – für Telefongespräche mit Geisterheilern ausgegeben, weil sie psychisch unter starkem Druck stand. Wer diese waren, wurde vor dem Schöffengericht mit dem Grazer Richter Wolf nicht in Erfahrung gebracht und auch nicht, wie viel die tatsächlich „kosteten“. Das Gericht gab aber ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag und schuf so die Voraussetzung für das oben genannte sensationelle Begutachtungsergebnis. Da die Angeklagte laut Gutachten (Nomen est Omen) eben über eine nur eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit verfügte, konnte der Richter seiner Absicht nachkommen, für den schweren Betrug die zweijährige Strafe bedingt auszusprechen, die auch vom Staatsanwalt ohne irgendein Aufbegehren zur Kenntnis genommen wurde. Nur drei Tage nach dem rechtskräftigen Urteil wurde die Buchhalterin verhaftet und machte damit indirekt Schlagzeilen in den österreichweiten Fernseh- und Rundfunknachrichten, aber auch am nächsten Tag in den Printmedien. Denn neben ihr wurde auch Peter Svetits, der ehemalige GAK-Präsident verhaftet. Er hatte der Frau bei mehreren Treffen Geld gegeben. Die beiden waren seit Monaten im Zusammenhang mit dem bevorstehenden GAK-Prozess beschattet und telefonisch abgehört
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worden. Die Staatsanwaltschaft vermutete, Svetits würde der Frau Schwarzgeld für Wohlaussagen geben. Dies stellte sich aber als nicht richtig heraus. Der Ex-GAK-Präsident sagt aus, dass er ihr mit kleinen Beträgen helfen wollte, einfach den Alltag zu bewältigen, da die Frau in großen finanziellen Nöten steckt. Als Grund für die Verhaftung der ehemaligen GAK-Mitarbeiterin und von Peter Svetits nannte die Staatsanwaltschaft Verdunkelungs- und Verabredungsgefahr. Was bei der angeordneten Verhaftung durch die Staatsanwaltschaft Graz erklärungsbedürftig scheint und nicht nach einem Zufall aussieht: Das letzte Treffen der beiden hatte bereits Tage vor der Verhandlung am 3. November 2011 im Straflandesgericht stattgefunden. Die Staatsanwaltschaft Graz wusste daher am Verhandlungstag bereits von den Aktivitäten der ehemaligen GAK-Mitarbeiterin. Logisch wäre gewesen, die ehemalige GAK-Mitarbeiterin unmittelbar nach dem Treffen mit Peter Svetits zu verhaften. Eine Annahme, warum es dazu nicht kam: Dann hätte man die ehemalige Buchhalterin aus der U-Haft vorführen müssen und dann hätte sie keine Chance mehr auf eine bedingte Strafe für die Unterschlagung von 250.000 Euro gehabt. So aber stand sie als freie, bis dato unbescholtene Bürgerin vor dem Schöffengericht. Aufschluss darüber geben auch die in der Zwischenzeit bekannt gewordenen Abhörprotokolle. Es muss
also eine Art stille Post in der Justiz gegeben haben. Von einem „Deal“ wagt aber noch niemand zu sprechen. Denn es gibt in der Justiz ein
striktes Verbot verfahrensbeendender Absprachen. Diese sind bei der Erstellung eines Verhandlungsfahrplanes ohne Wenn und Aber un-
Ein Systemfehler: Krasse Unterschiede zwischen Gewalt- und Vermögensdelikten
Verkehrte Welt bei Strafmaß Ein Mann schlägt eine Frau fast tot und wird zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Eine Frau möchte das Erbe einer wohlhabenden älteren Dame antreten und wird wegen einer angeblich gefälschten Testamentunterschrift zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Von Michael Schröder
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enn man von solchen Fällen hört, stellt man sich unweigerlich die Frage, wo die Verhältnismäßigkeit geblieben ist. Selbstverständlich sind Finanzdelikte nicht zu verharmlosen, allerdings ist eine angeblich gefälschte Unterschrift auf einem Testament schon alleine vom menschlichen Empfinden her nicht annähernd so schlimm wie das, was die Zuseher von „Ein Fall für Resetarits“ im ORF zu sehen bekamen. Dort lockte ein Mann seine junge Arbeitskollegin auf einen Parkplatz, quälte sie zehn Stunden lang und versuchte anschließend, sie mit einer
Holzlatte zu erschlagen; sie leidet noch heute an den Folgen. Für diese furchtbare Tat wird er lediglich zu einem Jahr Freiheitsstrafe sowie einer Geldstrafe verurteilt, die er allerdings, aus Geldmangel, bis heute nicht bezahlt hat. Stellt man dem nun die gefälschte Unterschrift gegenüber, für die die Haupttäterin sieben und ihre vier Mittäter drei beziehungsweise eineinhalb Jahre unbedingte Freiheitsstrafe bekommen haben, offenbart sich die Schieflage deutlich.
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Problem schon lange bekannt
Die heftig diskutierte Ungleichheit ist nicht neu. Bereits 2008 gab es die Bestrebung der damaligen neuen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, mit einer Justizreform die Strafen für Gewalt- und Vermögensdelikte anzugleichen. Der Plan der Regierung war es, das Strafmaß für Taten gegen Leib und Leben höher zu bestrafen, um die Schieflage zu korrigieren. Die Versuche verliefen schlussendlich im Sand. Also finden sich im Gesetz immer noch nicht nachvollziehbare Gleichheiten. So werden beispielsweise schwerer Betrug mit KLIPP Dezember 2011
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zulässig. Mehr noch, der OGH weist dezidiert darauf hin, dass der Vorsitzende, welcher zu einer die Entscheidung über Schuld und Strafe betreffenden Absprache bereit ist, pflichtwidrig handelt und damit ebenfalls gegen das Dienstrecht verstößt. Er geht noch einen Schritt weiter und sagt: Der Staat hat ein konkretes Recht darauf, dass vor der Öffentlichkeit nicht bloß „Rechtstheater“ gespielt wird, sondern vielmehr ein Strafverfahren, das diesen Namen auch verdient. Dass dieses also zur Ermittlung der objektiven Wahrheit, nicht aber zum formalen Vollzug von Absprachen durchgeführt wird. Kommt es dazu, dann ist nicht nur an disziplinäre Konsequenzen, sondern auch an Strafbarkeit wegen Missbrauchs der Amtsgewalt nach § 302 Strafgesetzbuch zu denken. O
einer Schadenssumme von über 50.000 Euro und schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen jeweils mit höchstens fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft. Man bedenke: In einem Fall geht es „nur“ um Geld, im anderen um Dauerfolgen für das Opfer.
Problemfälle Aber auch eine Justizreform kann nicht alles richten. Es wird weiterhin Urteile geben, die subjektiv unbefriedigend sind, da es keinen guten Ausgang gibt. Als Beispiel wäre der Unfall zu nennen, den eine 27jährige Schottin mit ihrem Rennporsche mit halbprofessionellen Rennreifen auf regennasser Fahrbahn verursachte. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben; die Porschefahrerin wurde zu fünf Monaten bedingter Haft- sowie 4.800 Euro Geldstrafe verurteilt. Das erscheint im Vergleich zu zwei Menschenleben geradezu lächerlich. Was soll man allerdings machen, sie für zehn Jahre hinter Gitter sperren? Sie zu 500.000 Euro Geldstrafe verurteilen? Das könnte jedem auf der Autobahn passieren und bringt die beiden Verunglückten auch nicht mehr zurück. Allerdings hat sie sich grob fahrlässig verhalten und zwei Unschuldige in den Tod gerissen. Im Gegensatz dazu wurde im Jahr 2006 ein 40-jähriger Asylwerber wegen des Diebstahls eines Parfums im Wert von 12,90 Euro zu sieben Monaten Haft – davon zwei unbedingt – verurteilt. Das Urteil wurde später vom OGH aufgehoben. Zu einem gerechten Urteil gehört auch immer die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. O KLIPP Dezember 2011
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r blieb Sieger gegen die Republik Österreich und mächtige Banken und Versicherungen. Vor dem Strafgericht in Graz verteidigt er nun den ehemaligen Sturm-Sekretär, im Prozess der Hypo den Hauptangeklagten. Christandl übt offene Kritik an den Schöffenverfahren: „Es gibt keine Waffengleichheit zwischen Staatsanwalt und Verteidigung. Das Ganze ist einer westlichen Demokratie mehr als unwürdig!“
Gegen die Menschenrechtskonvention Die Reform 2009 der Strafprozessordnung ist in den Augen von Harald Christandl verfassungswidrig. Seit damals gibt es bei einem Schöffenverfahren nur noch einen Berufsrichter und zwei Schöffen. Christandl: „Einen hat man aus reinen Sparsamkeitsgründen einfach herausgeschossen. Klar, dass damit auch die Qualität
zur Verfügung. Das heißt, er kann einen Gutachter bestellen, wie bei Sturm oder GAK, bei großen Delikten wird er für den Akt freigestellt und er bereitet sich auf die gesamte Anklage vor, ohne kontradiktorisches Verfahren. Und jetzt kommt’s, das ist für mich ein Horror – wenn der Akt Öffentlichkeitscharakter hat, sprich in den Zeitungen ein Thema ist, dann muss das Ganze der Oberbehörde vorgelegt werden und dem Justizministerium. Die prüfen dann vorweg – das ist ja eine Zensur – , ob die Anklage passt oder nicht passt – in meinen Augen eine Sauerei. Und dann geht man, wie im Fall von Sturm, im Justizministerium her und sagt: „Den tun wir weg, der bleibt angeklagt, und, und.“ Das ist nur ein Beispiel. Und die prüfen dann, ob das rechtsmäßig ist, ob das passt, ob die Anklage so hinausgehen kann. Der Staatsanwalt muss also bei Verfahren, die besondere Bedeutung haben, sprich Herberstein, sprich Sturm, sprich GAK, sprich Hypo Steiermark, die Anklage dem Justizministerium vorlegen. In welchem anderen westlichen Land gibt’s denn so etwas? Hinzu kommt, dass es im Strafverfahren dann denselben Ankläger und nahezu immer auch denselben Gutachter gibt. „Da renne ich ja gegen Windmühlen als Verteidiger.“
Harald Christandl hat für seine Klienten hunderte Millionen Euro erstritten
Dann bin ich lieber ein Wut-Anwalt der Urteile darunter leidet. Zwei erfahrene Berufsrichter sind nun einmal eine bessere Gewähr dafür.“ Nun sei das Schöffenverfahren ein verstecktes Einzelrichterverfahren und verstößt damit klar gegen die Menschenrechtskonvention, die jedem Angeklagten ein faires Verfahren vor Gericht zusichert. Der kleine Hendldieb – was gut ist – könne zwei Instanzen anrufen, im Ausnahmefall sogar bis zum Obersten das Urteil bekämpfen. Beim Schöffensenat kann die Beweiswürdigung praktisch nicht bekämpft werden, gibt es praktisch auch keine zweite Instanz. Nur eine Rechtsrüge ist möglich. Die Beweiswürdigung selbst ist nicht anfechtbar. „Das ist für mich ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention“, legt Christandl dar.
Strafprozessordnung nicht zeitgemäß „Es kann ja nicht sein, dass einer für einen Raub, Mord, also ein schweres Verbrechen gegen Leib und Leben, nicht einmal zehn Jahre hinter Gittern sitzt und ein anderer für zwei Vermögensdelikte sogar mehr als zehn Jahre bekommt. Weil dort die Kontrolle gefehlt hat.“ Früher hat es eine echte Gewaltentrennung gegeben: der weisungsgebundene Staatsanwalt und der unabhängige Richter. Heute ist es so: Der Staatsanwalt macht die Vorerhebungen, teilweise selbst oder durch die Exekutive. Ihm stehen alle Mittel, die es gibt, wirtschaftlich
Früher Waffengleichheit Bis vor einigen Jahren war es ja anders. Da gab’s den Untersuchungsrichter und er war der Herr des Vorverfahrens. So, wie es sich gehört. Da war auf der einen Seite der Staatsanwalt und auf der anderen der Anwalt. Jeder machte seine Eingaben und dann wurde entschieden: „Klagen wir an oder nicht?“ Das war ein faires Verfahren. „Das war auf Augenhöhe, da hat’s zwei Partner gegeben.“ Der Untersuchungsrichter als unabhängiger Richter hat die Ermittlungen geführt. Bei den Ermittlungen waren kein Staatsanwalt und kein Anwalt dabei. Der Untersuchungsrichter hat den Ermittlungsauftrag gehabt. Der hat die Zeugen einvernommen, hat die Kripo beauftragt. Der Verteidiger und der Staatsanwalt waren auf Augenhöhe. Jetzt ist der Herr des Verfahrens der Staatsanwalt. Der hat zwar die Pflicht zur materiellen Wahrheit. Der richtet sich die Anklage so her, dass er sie auch durchbringt. Was soll ich dann als Verteidiger aber noch tun? Das ist der Regiefehler im System. „Ich habe als Anwalt keine Waffengleichheit. Entweder wehre ich mich für meine Klienten, bin ein Wut-Anwalt in den Augen der Staatsanwaltschaft. Oder ich resigniere. Ich werde nach diesen drei Sachen nicht mehr als Staatsanwalt tätig sein. Weil das von der Situation und Frustration her erdrückend ist.“ O
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GERICHT
in Graz“
Der Grazer Rechtsanwalt Harald Christandl hat in schwierigen, aussichtslos erscheinenden Fällen, die sich über Jahre hinzogen, für seine Klienten hunderte Millionen Euro erstritten.
HINTERGRUND
Das Werk ist vollbracht Neuer Stadtrechnungshofdirektor Hans-Georg Windhaber und Illustrator Milan Ilic
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ilan Ilic hat als Illustrator früher in der Steiermark gelebt und ist jetzt in Linz zu Hause und ist auch dort kreativ. Erst vor wenigen Monaten gestaltete er im Zusammenhang der RedBull-Ring-Eröffnung das KlippCover. Er besticht durch seine feinfühlige Art, auch schmerzliche Dinge so auf den Punkt zu bringen, dass der Betrachter schmunzelnd zurückbleibt. Das jüngste gelungene Beispiel ist anlässlich der 250 Jahr Feier des Rechnungshofs ein sehens- und lesenswertes Comic über dessen Geschichte und damit eng verbunden die wechselvolle Geschichte der österreichischen Staatsfinanzen – auch mit der Aktualität dieser Tage versehen. „Das
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Es wäre vermessen, wenn Klipp die Ursachen für die derzeitigen Krisen erklären könnte. Was wir allerdings können und worum wir uns als Journalisten bemühen: Zu recherchieren, welche hellen Köpfe die richtigen Analysen treffen.
D Werk ist vollbracht“, freuten sich Milan Ilic (Bild oben) und HansGeorg Windhaber, 37, bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung (das Comic liegt dort kostenlos auf) in der Säulenhalle des Wiener Parlaments. Georg Windhaber stellte Bürgermeister Siegfried Nagl erst vor wenigen Tagen als neuen Stadtrechnungshofdirektor von Graz vor. Sein Antrittsbekenntnis für seine neue Funktion in der Landeshauptstadt: „Kontrolle muss immer dem Bürger dienen.“ Frappierend: 90 Jahre in die Geschichte zurück geblickt – da war die Situation fast wie heute.
abei wird aber eines schnell klar. Es ist nicht alles so kompliziert, dass es nur die Experten wissen. Dann, wenn man bereit ist, logisch zu denken, dass Eins und Eins nicht drei ergibt. Da kommt man schnell auf vernünftige Schlussfolgerungen und nur daraus können künftige Lösungen entstehen. Eine Binsenwahrheit: Es gibt von Jahr zu Jahr mehr „Geld auf der Welt“, weil Geldvermögen, Aktien, Anleihen usw. Zinsen verlangen. Das sieht der Kapitalismus als System so vor. Was die einen zum Beispiel auf der Börse verlieren, gewinnen die anderen. Es wird nicht weniger, es kriegt nur ein anderer. Damit die Vermögenden ihre Zinsen be-
Finan kommen für das angelegte Geld, müssen sich andere verschulden, Kredite aufnehmen. Die kollektive Erpressung des Geldes ist in vollem Gange und wird durch keine der Maßnahmen gebremst werden, die im Moment diskutiert werden. Wenn man heute auf Staatsbankrott spekulieren kann, dann hört sich der Spaß auf. „Mir dreht sich der Magen um“, zeigt sich Bosch-Chef Franz Fehrenbach über die ungezügelten Finanzmärkte und das politische Versagen im Gespräch mit der „Die Zeit“ (Nr. 39/ 2011) verärgert. Der Bosch-Konzern setzt 50 Milliarden Euro um, ist der weltweit größte Autozulieferer und beschäftigt weltweit rund 300.000 Mitarbeiter. „Auf dem Rückflug nach Europa habe ich die Empfehlung der US-Bank Goldman Sachs an ihre Kunden gelesen, auf den Niedergang Europas zu wetten, um eine hohe Rendite zu erzielen.
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Ich finde das unerträglich und unmoralisch. Die Realwirtschaft kämpft mit aller Energie dafür, wettbewerbsfähiger zu bleiben und Europa als Binnenmarkt zu erhalten.“ Und andere wetten auf den Niedergang unserer tollen Region. Seit 2008
reden wir darüber, die Finanzmärkte zu regulieren, aber bisher ist viel zu wenig geschehen um Hedge-Fonds und andere Groß-Spekulanten in die Schranken zu weisen. O
Vermögen und Besteuerung in Österreich: extrem ungleich Wie ist Vermögen verteilt? Die obersten zehn Prozent in der Vermögenspyramide verfügen über 54 Prozent des privaten Geldvermögens, während die untere Hälfte nur acht Prozent besitzt. Das oberste halbe Prozent der Vermögenden besitzt sogar mehr als ein Drittel. Beim Immobilienbesitz vereinigen die oberen zehn Prozent gar 61 Prozent des Vermögens auf sich, während 40 Prozent der Bevölkerung überhaupt keine Immobilien besitzt. In Österreich gibt es ein extrem hohes Maß an Ungleichverteilung von Vermögen. So verfügt das oberste 1 Prozent der Bevölkerung über 33,7 Pro-
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zent des Gesamtvermögens (Geldvermögen, Immobilien, Beteiligungen) und die obersten 2 bis 10 Prozent der Bevölkerung über weitere 34,5 Prozent. Die obersten 10 Prozent der Bevölkerung verfügen somit über mehr als zwei Drittel des gesellschaftlichen Reichtums.
stände wie Fahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge, Schmuck, Kunst- und Antiquitätensammlungen.
Anteil der vermögensbezogenen Steuern am BIP? 2008 belief sich der BIP-Anteil des vermögensbezogenen Steueraufkommens in Österreich lediglich auf knapp 0,5 Prozent und lag damit um mehr als die Hälfte unter dem Wert von 1990 (1,1 Prozent des BIP). In den OECD 30 hingegen ist der durchschnittliche BIP-Anteil immerhin 1,8 Prozent. Die vermögensbezogene Besteuerung besteht derzeit nur aus den Grundsteuern sowie den Steuern auf Finanz- und Kapitaltransaktionen (Grunderwerbssteuer, Gesellschaftssteuer). Nahezu alle aufkommensstarken vermögensbezogenen Steuern wurden abgeschafft. Zuletzt war es 2008 die Erbschafts- und Schenkungssteuer.
Wie hoch sind private Vermögen? Die vorhandenen privaten Vermögen betragen schätzungsweise etwa 1.000 Milliarden Euro, das ist das Vierfache des jährlichen BIP. Berücksichtigt sind Grundstücke, Betriebe und Geldanlagen – also gar nicht alle privaten Vermögensgegen-
Wie ist Steuerlast verteilt? Lohn- und Umsatzsteuer zusammen machen rund 63 Prozent der gesamten Staatseinnahmen aus. Weil ärmere Haushalte prozentuell einen höheren Anteil ihres Einkommens für den Konsum ausge-
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HINTERGRUND
z- und Schuldenkrise
HINTERGRUND
ben als Besserverdienende tragen sie anteilsmäßig mehr zum Aufkommen der Verbrauchssteuern, also der Steuern des täglichen Lebens wie zum Beispiel Tabaksteuer, Umsatzsteuer oder motorbezogene Versicherungssteuer, bei.
Vermögensmassen zugreifen, eben auf Haushaltsvermögen ab 700.000 Euro. Vermögen unter diesem Grenzwert ist von der Steuer ausgenommen um die breite Mittelschicht nicht zusätzlich zu belasten. O Quelle: Kompetenz – Das GPA-djp Mitgliedermagazin, August/September 2011
Keine Steuer für den Häuslbauer Die geforderte Vermögenssteuer würde auf die tatsächlich großen
Krise trifft Sünder und tugendhafte Sparer
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s brennt in allen Ecken. Wir Österreicher haben lange Zeit vom Export gelebt. Ein Ende droht. Brauchen wir ein neues Modell? Die Krise trifft nicht nur einzelne Länder. Sie verändert das gesamte Gefüge der miteinander verworbenen Weltwirtschaft. Die liebgewordene Rollenaufteilung unter den Staaten funktioniert nicht mehr. Und eine neue ist nicht in Sicht. Jahrelang ist das bis jetzt gutgegangen. Die Welt hatte mit gewaltigen Ungleichgewichten gelebt. Es hat Staaten gegeben wie Deutschland.
Die wirtschafteten sehr sparsam und verkauften für mehr Geld Maschinen, Autos und Anlagen ins Ausland, als sie Fernseher, Nahrungsmittel und Öl einführten. Der Export war größer als der Import. „Leistungsbilanzüberschuss“ nennen das die Fachleute. Auf der anderen Seite gibt es Länder wie Amerika. Die haben mehr konsumiert, als sie herstellten. Diese Staaten machten sogar Schulden, um noch mehr aus aller Welt einkaufen zu können. Kleidung etwa, die kaum och in Amerika hergestellt wird, Elektronik aus Japan oder
eben Autos aus Deutschland. Auch der amerikanische Staat hatte ein gewaltiges Loch im Haushalt, unter anderem weil er teure Kriege finanzierte. Die Folge: Amerika führte mehr Produkte ein als aus – das Land hatte ein Leistungsbilanzdefizit. Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe von Staaten: die Länder Osteuropas. Die hatten zwar auch ein Leistungsbilanzdefizit. Aber aus anderen Gründen als die Vereinigten Staaten. In Osteuropa hat man viele Güter importiert, nicht um zu konsumieren, sondern um zu investieren. Sie kamen aus dem Sozialismus und wollten rasch wachsen. Dafür brauchten sie Investitionen und Know-how. Das wiederum kam aus dem Westen. Für solche Länder war es ganz normal, dass sie sich zunächst auf Pump finanzierten. Und die Menschen in diesen Ländern haben davon außerordentlich profitiert: Ihr Wohlstand wuchs in raschem Tempo. Das Ungleichgewicht der weltweiten Leistungsbilanzen hat sich viel länger gehalten, als die meisten Fachleute vermutet hatten. Vor allem, weil zunächst alle davon profitierten. Über Jahre war das Un-
gleichgewicht die große Pumpe des weltweiten Wachstums. Der Westen pumpte Geld in den Osten hinein, der damit wiederum Maschinen, Autos, Elektronik aus dem Westen kaufte. Die exportorientierten Länder profitierten zweifach. Sie verdienten mit dem Verkauf von Konsum- und Investitionsgütern. Und sie heimsten die Zinsen dafür ein, dass sie Ländern wie Amerika oder den Staaten Osteuropas das Geld für die Importe liehen. In einer Weltwirtschaftskrise zeigt sich jetzt die Verletzlichkeit dieses Konzepts. Die Pumpe stottert, und Exportländer, wie Deutschland, Österreich könnte es hart treffen. Auch die Gläubiger geraten unter Druck, deren Vermögensanlagen durch Währungsabwertungen einem größeren Risiko unterliegen. Das trifft die Sparer. Während die Defizitländer auf die Gnade ausländischer Investoren angewiesen sind, hängen die Überschussländer am Tropf der Nachfrage aus dem Ausland. Und damit an deren Wohlergehen. Die Weltwirtschaftskrise trifft nicht nur die Sünder, sondern auch die Tugendhaften. O Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, März 2009
Massive Störung der Marktwirtschaft
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einer Flassbeck, Chef-Ökonom der UNCTAD (zur Uno gehörend) in Genf, sagte bereits vor fast einem Jahr prophetisch in einem Ö1-Interview: „Wenn die Blase in einem viertel, oder halben Jahr platzt (Anm.: Das ist leider geschehen!), dann stehen unsere Banken wieder genauso da, wie sie vorher (in der Finanzkrise) dastanden. Dann wird die Systemfrage gestellt, dann werden mehr Leute auf die Straße gehen und sagen: So kann’s nicht weitergehen!“ Und genau diese Situation haben wir jetzt … Besonders kritisch ist es dann, wenn es um die Währungen geht. Denn sie sind die wichtigste Größe in einer Volkswirtschaft. Oder wenn man auf diese Weise mit Rohstoffen handelt, von denen das Überleben der Menschen abhängt. Der Preis vieler Rohstoffe hat mit der Menge, die am Markt vorhanden ist, überhaupt nichts zu tun. Der Preis dieser finanzierten Rohstoffe hat nichts mehr mit Angebot und Nachfrage zu tun. Wenn man anfängt, auch bei den Währungen, im Millisekundentakt oder im Dreitagesrhythmus zu handeln, dann wird es kritisch für die Volkswirt26
schaft. Währungen sind nun Mal die wichtigste Größe einer Volkswirtschaft. Es gibt eine massive Störung der Marktwirtschaft. Finanzmärkte stören nämlich den Ablauf der Marktwirtschaft. Das ist verhängnisvoll. Auch der Ölpreis, vielleicht der wichtigste Einzelpreis, den wir auf der Welt haben, hat nichts mit Angebot und Nachfrage zu tun. Es ist eine Fiktion, zu glauben, dass, wenn der Ölpreis steigt, irgendwer auf der Welt mehr autofährt, zum Beispiel die Chinesen. Das Autofahren hat keinen unmittelbaren Einfluss auf den Ölpreis. Die Finanzhändler treiben die Preise an den Börsen hinauf und dann schlägt das eben auf die physischen Märkte durch. Denn die meisten Produkte sind so aufgebaut, dass ein schlechtes Ergebnis in der Ölproduktion oder beim Ernten von Weizen gut ist für den Preis. Aber das braucht man jetzt gar nicht mehr, denn wenn Massen von Finanzhändlern in diese Produkte gehen, dann steigt der Preis einfach dadurch. Weil das selbst das Signal ist, nicht die schlechte Ernte, sondern eben, weil viele dort hinein spekulieren. Das
passiert an den Aktienmärkten, an den Währungsmärkten, an den Rohstoffmärkten und immer wird der Preis von der Herde – das ist wie ein Herdentrieb – nach oben getrieben. Bis der Preis irgendwann zusammen bricht. Und da ist es wichtig, dass man vor dem Zusammenbrechen wieder aussteigt. Das Exportweltmeistertum Deutschlands geht zu Lasten der Beschäftigten. Das Erfolgsrezept der Deutschen ist nicht die Innovationskraft. Hinzu kommt ja, dass Länder nicht Wettbewerb machen wie Unternehmen, die das über die Produktivität machen. Wenn zum Beispiel Deutschland fünf Prozent Produktivitätszuwachs hat, dann müssten die Löhne um sieben Prozent steigen, weil man ja zwei Prozent Inflation hat. Das ist aber nicht geschehen. Das ist ja auch die Idee hinter dem Euro. Das ist die Idee der Festkurszone. Dass sich jeder an seine Verhältnisse anpasst. Und die Verhältnisse sind der Produktivitätszuwachs, der ist der entscheidende Faktor. Deutschland lebt massiv unter seinen Verhältnissen. Man verkauft viel, aber man kauft sehr wenig. Die südeuropäischen Länder leben
über ihren Verhältnissen, sie kaufen viel und verkaufen wenig. Der Hausvater meint, ein Land muss so geführt werden, wie ein Privathaushalt. Man kann nur so viel ausgeben, wie man verdient hat. Und Schulden machen – das tut man überhaupt nicht. Gesamtwirtschaftlich ist das allerdings ein Unfug. Denn gesamtwirtschaftlich kann man nicht sparen. Die Welt kann niemals sparen in dem Sinn, wie ein Privathaushalt. Die Welt muss immer so viel ausgeben, wie sie einnimmt. Und wenn jemand mehr ausgeben will, dann muss er jemanden haben, der weniger ausgibt. Und wenn jemand wirklich sparen will, also weniger ausgeben will, dann muss er jemanden finden, der mehr ausgeben will. Sonst funktioniert unsere Wirtschaft nicht. Wenn nämlich jetzt alle anfangen würden zu sparen, dann würde das nicht funktionieren. Dann würde unser Einkommen kollabieren. Wenn immer weiter gespart würde, würden die Einkommen sinken und die Welt würde implodieren. O Auszüge aus dem Buch „Gescheitert“ und dem Ö1-Interview KLIPP Dezember 2011
Von Karin Klug
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und ums große rote Feuerwehrauto, von der Mannschaft liebevoll Jacqueline getauft, sind sie aufgestellt, fünf, sechs, sieben Paar: Wenn der Gong ertönt und alle Diensthabenden herbeistürzen, müssen sie so schnell wie möglich in Hose und Stiefel schlüpfen können und ausfahren – denn dann wartet irgendwo in Graz ein Verkehrsunfall, ein überschwemmter Keller oder ein anderer Unglücksfall, bei dem dringender Einsatz vonnöten ist. Ein, zwei Nächte in der Woche kann es sein, dass Michael Lippitsch hinter dem Steuer des 14 Tonnen schweren Löschfahrzeuges sitzt – denn der 41-jährige Grazer ist bei der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz. Gelandet ist er dort zufällig. „Ich hab mit der Feuerwehr eigentlich nie etwas am Hut gehabt“ – aber wie das Leben so spielt, ein guter Freund hat ihn angesprochen: „Gehen wir zur Freiwilligen Feuerwehr!“ Da war Michael Lippitsch noch skeptisch – woher die Zeit nehmen, wenn man beruflich ohnehin stark eingespannt ist und daheim die Familie wartet? Besagter Freund jedoch war lästig, im März 2010 hat er ihn mitgeschleppt zu einer Infoveranstaltung der FF Graz. Da dürfte der erste Funke übergesprungen sein. Kurze Zeit später fand eine Wehrversammlung statt – und da war es um den sympathischen Grazer geschehen: „Ich hab teilgenommen und auch gleich unterschrieben!“ Die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten fand er spannend und auch die Zeiteinteilung passte für ihn: „Man kann sich seine Dienste aussuchen und selbst im Onlinedienstplan eintragen. Da hab ich beschlossen, dass sich das irgendwie ausgeht für mich.“ Michael Lippitsch ist einer der wenigen, die alle Feuerwehrfahrzeuge lenken dürfen: Das erklärt, warum
440.000 SteirerInnen engagieren sich ehrenamtlich. Über das Warum gibt eine Studie des Landes mit 1.088 befragten Personen Auskunft. Die Motivation für die freiwillige Mitarbeit: die Freizeit sinnvoll gestalten und die vielen Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung. EhrenamtKLIPP Dezember 2011
Mit Tempo und ta-tü-ta-ta der technikbegeisterte Floriani ein begehrter Mann ist – denn es gibt kaum ein Fahrzeug, das er noch nicht gelenkt hätte. Er besitzt alle Führerscheinklassen, hat Autobusse gefahren und Schulbusse, war viele Jahre
Sohn Paul, elf Jahre, „der mit der Feuerwehr so gar nichts am Hut hat“. Beruflich ist er mittlerweile seit vier Jahren im Außendienst tätig, „als Handelsreisender, wie man so schön sagt, im Bereich Industrie und Ge-
Michael Lippitsch: Sein Hobby ist die Feuerwehr.
als Fahrlehrer aktiv, er war mit LKWs unterwegs, besitzt das Küstenschifffahrtspatent und das österreichische Donauschifffahrtspatent – das heißt: fahren kann er fast überall, zu Wasser wie zu Land. Seine langjährige Fahrpraxis („2,5 Millionen Kilometer werden’s wohl schon sein“) kommt ihm als Fahrer bei der Feuerwehr nun auf jeden Fall zugute. Warum aber engagiert sich ein Mensch unentgeltlich? Michael Lippitsch überlegt kurz: „Ich konnte schon immer schwer nein sagen“, lacht er dann, „und ich habe immer gern geholfen.“ Er ist eben einer, der nicht lange fackelt, sondern anpackt, wo etwas zu tun ist. Privat lebt Michael Lippitsch in Graz mit Lebensgefährtin Nicole und
werbe“. Die halbe Steiermark bereist er, „50 bis 60 Wochenstunden werden’s schon sein“, die er auch beruflich mit dem Auto unterwegs ist. Auf die Frage nach dem Zeitaufwand für die FF kommt ein kurzes, trockenes: „Viel!“ – „Ich springe oft ein, wenn ein Fahrer gebraucht wird fürs große Löschfahrzeug.“ Dazu kommen noch gelegentlich Brandsicherheitswachen – „In Summe sind es sicher zwei Dienste pro Woche, ganz abgesehen von Schulungen in der Feuerwehrschule Lebring.“ Wie lässt sich das alles vereinbaren: Familie, Beruf und Feuerwehr? „Es braucht eine gute Zeiteinteilung.“ Auf die Frage nach seinen Hobbys meint der engagierte Familienvater
Junge Freiwillige hoch motiviert liche, so Rotes-Kreuz-Präsident Gerald Schöpfer, gäbe es immer mehr, aber sie hätten immer weniger Zeit. Trotz der geplanten Gemeindefusionierungen sieht LH Franz Voves keinen Grund zur Zusammenlegung von
Einsatzorganisationen: „Der Einsatz junger Menschen vor Ort ist ein wertvoller Impuls für abwanderungsgefährdete Regionen.“ „Zusammenlegungen nur dort, wo die Bereitschaft der Mitglieder da ist“, meint auch
nur: „Nun ja, während andere ins Wirtshaus gehen, geh ich zur Feuerwehr.“ Auch wenn der groß gewachsene, schlanke Mann sportlich aussieht: „Ich muss gestehen, ich mach zurzeit kaum Sport, ich bin sowieso bei der Feuerwehr viel in Bewegung.“ Wie er jedoch zugibt, kommt sein Privatleben derzeit wohl etwas zu kurz: „Ich bin schon sehr eingespannt.“ Da bleibt wenig Zeit und Energie übrig. Was sagen Familie und Freunde zu seinem Engagement? „Manchmal hab ich schon das Gefühl, ich muss mich rechtfertigen, es versteht kaum jemand, dass man sich freiwillig so engagiert.“ Ansonsten ist es kein Thema im privaten Umfeld. Doch ein wenig wehmütig bemerkt er, dass Paul, sein Sohn, schon manchmal fragt: „Papa, warum musst du so oft zur Feuerwehr?“ Seit März 2011 ist er auch als Rechnungsprüfer bei der FF Graz aktiv. Auf das Verhältnis zur Grazer Berufsfeuerwehr angesprochen, meint er: „Ich erlebe die Situation als entspannt – wenn wir bei Einsätzen aufeinandertreffen, arbeitet man gern zusammen, mit gegenseitigem Respekt. Ich denke, es wird angenommen, so, wie wir agieren.“ Kollege Sebastian Fengler, Oberbrandinspektor bei der FF, bestätigt: „Auch wenn die Situation anfangs etwas angespannt war, mit der Zeit hat jeder sein Gegenüber schätzen gelernt. Und: Man macht das ja aus Überzeugung!“ Er ist einer von jenen, die still und unaufgeregt ihre Arbeit tun, die sich einsetzen zum Wohl der Gemeinschaft – oftmals unbemerkt und unbedankt. Spät am Abend, es klingelt beim Klipp-Gespräch, nein, diesmal nicht der Gong, der zum Einsatz ruft, sondern der Pizzadienst, der vor der Tür steht – denn die Florianis brauchen Stärkung, für den Fall, dass es heute Nacht wieder „heiß“ hergeht. Und Michael Lippitsch ist auch diesmal wieder mit dabei! O
Landesbranddirektor Albert Kern. Tatsächlich gibt es 543 steirische Gemeinden, aber 780 Feuerwehren. St. Peter am Ottersbach in der Oststeiermark ist mit acht Feuerwehren in einer Gemeinde der steiermarkweite Spitzenreiter. Dennoch sieht die Politik hier keine Einsparungen vor.
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HINTERGRUND
Die festen Stiefel mit den übergestülpten Schutzhosen stehen bereit, bereit für den Einsatz.
HINTERGRUND
Das unsichtbare Handwerk Restaurator Carl Maria Stepan über seine Arbeit „Am zufriedensten bin ich, wenn man nachher nichts von meiner Arbeit sieht“, sagt der Restaurator Carl Maria Stepan. In seiner Werkstatt in der Waltendorfer Hauptstraße liegt gerade ein Chorgestühl von 1740 auf der Reparaturbank. Von Michael Schröder
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eise Musik kommt aus dem Radio, ansonsten herrscht konzentrierte Stille. Zwei Mitarbeiter säubern die Einlegearbeiten und bereiten das Holz auf die nächsten Arbeitsschritte vor. „Dieses spezielle Stück“, er deutet auf das Chorgestühl, „wurde bereits zwei bis drei Mal restauriert.“ Allerdings haben sich die Arbeitsweisen in den letzten Jahren sehr stark verändert und so müssen wir heute teilweise die – wenn auch mit bestem Wissen und Gewissen ausgeführten – Arbeiten unserer Kollegen ausbessern.“
Der Kratzer darf bleiben „Wir arbeiten so, dass jeder unserer Arbeitsschritte wieder rückgängig gemacht werden kann. Dadurch können Fehler ausgebessert werden und künftige Restauratoren haben nicht dieselben Probleme wie wir heute.“ Aber nicht nur die Technik, auch die Philosophie hat sich verändert. Dazu Stepan: „Es darf ruhig ein kleiner Kratzer im Holz sein und auch die alte Patina muss erhalten bleiben. Das macht doch schließlich den Charakter des Stückes aus.“ Die Frage, ob heute noch jemand in der Lage wäre, so eine Kostbarkeit anzufertigen, verneint er. „Obwohl wir ziemlich genau wissen, wie eine damalige Werkstatt ausgestattet war, denn wir haben vor einiger Zeit auf einer Baustelle eine alte Werkzeuginventarliste gefunden, das war sehr spannend.“
Reich wird man damit nicht Im Obergeschoß der Werkstatt werden die Feinarbeiten erledigt. „Zum
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Vergolden brauchen wir eine staubfreie Umgebung“, sagt Stepan, der erst nach einem abgebrochenen JusStudium zu seinem Beruf gefunden hat. „Ich bin einfach kein Jurist, bei der Restauration hingegen hab ich sofort gewusst, das ist das Richtige für mich.“ Stepan, der sein Handwerk unter anderem in den USA lernte, hat sich bei der qualitätsvollen Restauration von Möbeln und Holzobjekten einen Namen gemacht. In der Steiermark gibt es nur zwei weitere Betriebe, die ebenfalls für so große und prestigeträchtige Aufträge, wie z.B. die Basilika von Mariazell, in Frage kämen.
Mariazell war besonders „Insgesamt haben wir gute 16 Monate in Mariazell gearbeitet. Wir haben sogar dort gewohnt. Praktisch die gesamten Holzarbeiten wurden von uns gemacht. Das ist jetzt zwar schon lange her, es ist aber selten, dass Arbeiten auf so hohem Niveau verlangt werden.“ Ein besonders spannender Aspekt war die Rekonstruktion des Hochaltars, genauer gesagt der dreidimensionalen Ansicht der darüber schwebenden Engel und Wolken. „Da hat in der Vergangenheit jemand etwas ganz falsch verstanden und die ganze Tiefe auf eine Ebene geholt. Wir muss-
ten die Originale von Fischer von Erlach hervorholen, um den Originalzustand wieder herstellen zu können. Trotz seiner Qualitätsarbeit bekommt er zunehmend Konkurrenz auf seinem Gebiet. „Die Auftragslage ist in Ordnung, aber nicht herausragend. Wir leben überwiegend von öffentlichen Aufträgen und da regiert halt der kleinste Preis.“ Die Mitbewerber kommen jetzt verstärkt aus dem Ausland. „Speziell die Deutschen drängen auf den österreichischen Markt, deren Firmen haben teilweise bis zu 40 Mitarbeiter. Die können und müssen
„Wo? Ich sehe nichts!“ Das ist das größte Kompliment für einen Restaurator, denn dann hat er seine Arbeit gut gemacht. Dafür braucht es allerdings handwerkliches Geschick, Erfahrung und viel Zeit.
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Es ist einfach schön, mit den Händen etwas zu schaffen.
den Preis drücken, um überhaupt zu überleben“, so Stepan. Er selbst hat bei großen Aufträgen maximal 12 Angestellte. Viele haben einen FHAbschluss und sind somit Spezialisten in ihrem Fach. Trotzdem: „Reich wird man in diesem Gewerbe nicht, da zahlt man beim KFZ-Mechaniker mehr in der Stunde.“
Detektivarbeit Stepan ist ein sehr ruhiger Mann, ab und zu zündet er sich eine Zigarette an und trinkt einen Schluck von seinem Kaffee. An sei-
nen Erzählungen merkt man, mit welcher Hingabe er seiner Arbeit nachgeht. „Es ist einfach schön, mit den Händen etwas zu schaffen und am Abend den Fortschritt betrachten zu können. Man kommt halt nie in eine Routine, weil wirklich jedes Stück
anders ist. Teilweise sind es nur kleine Ausbesserungen, aber selbst die nehmen viel Zeit in Anspruch. Bei einem alten Stück muss das Holz genau auf den richtigen Farbton gebeizt werden, die Maserung muss stimmen und speziell bei der Passgenauigkeit gibt es keine Kompromisse. Wenn man dann nichts von der Arbeit erkennen kann, ist es oft schwer, dem Auftraggeber die vielen Arbeitsstunden zu erklären.“ Da ist aber noch ein Aspekt seiner Arbeit, der ihm sichtlich Freude bereitet, das ist der detektivische, forscherische Teil. Dieser ist es auch, welcher seine Erzählungen so lebendig macht. „Teilweise müssen wir Urzustände wieder herstellen und nach Werkzeugspuren suchen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es ausgesehen haben könne. Dabei finden wir auch seltsame Dinge. In der Minoritenkapelle haben wir, hinter den Holzeinbauten, eine mumifizierte Katze gefunden. Die war richtig gut erhalten. Zuerst haben wir uns gewundert, aber dann hat man uns gesagt, dass früher Katzen hinter die Einbauten gesteckt wurden, um das Böse abzuhalten.“
ie Steiermark ist eine der beliebtesten Destinationen für In- und Auslandsurlauber. Mit der neuen Steiermark-Card soll mehr Appetit auf Ausflüge im eigenen Bundesland gemacht werden. Bekanntlich lieben es die SteirerInnen, Ausflüge im eigenen Land zu unternehmen. Um das zu erleichtern, überrascht die steirische Tourismusgesellschaft mit einem besonderen Vorweihnachtsgeschenk: Mit der neuen Steiermark-Card können zwischen 1. April und 31. Oktober 2012 etwa 82 Ausflugsziele besucht werden. „Damit wollen wir die grün-weiße Angebotsvielfalt noch schmackhafter machen und Familien, Einzelpersonen sowie Gäste aus Nah und Fern ansprechen“, so Georg Bliem, GF des Steiermark Tourismus. 2,9 Millionen Tagesausflüge pro Jahr lassen die Umsatzkasse (172 Mio.) gehörig klingeln. „Aus diesem Grund möchten wir die Gästezahl bei den Ausflugszielen stärken und ausbauen“, bekräftigt Tourismus-Landesrat Hermann Schützenhöfer. Teilnehmende Ausflugsstandorte erhalten die Erlöse aus der
(v. l.) Doris Wolkner-Steinberger (Sprecherin Steiermark-Card), LH-Stv. Hermann Schützenhöfer, Georg Bliem (GF Steiermark Tourismus) und Rudolf Huber (Bergbahnen Tauplitz) präsentieren steirische Ausflugsziele.
Steiermark-Card anteilig ausgeschüttet – je mehr Personen von der Card Gebrauch machen, umso höher ist der finanzielle Rückfluss in die Betriebe. Die Karte gibt’s bis 31. Jänner 2012 zum Einstandspreis von 65 € für einen Erwachsenen und für Kinder ab 4 Jahren für 30 €. Erhältlich ist sie auf www.steiermarkcard.net, bei Raiffeisen sowie großen Ausflugszielen. „Im Durchschnitt macht jeder Steirer knapp 4 Tagesausflüge in einer Sommersaison, die Steiermark-Card rechnet sich also bei einmaligem Eintritt bereits ab 5 Ausflugszielen“, rechnet Bliem vor. H. Dietl
Neben der Aktion „Kinder fahren kostenlos Schi“ hat die Hebalm u.a. Top-Pistenqualität, Nachtschifahren und gratis W-LAN zu bieten.
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markt und Wolfsberg oder H2OTherme Sebersdorf). Zeigen Sie diesen an der Liftkasse vor, kaufen Sie sich eine Stundenkarte und nehmen Sie die kostenlosen Karten für Ihre Kinder mit. O Mehr Infos: www.hebalm.at
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HINTERGRUND
Sparen mit der Steiermark-Card
Die Schmach wird verdrängt „Wir fordern, dass das Massaker von Liebenau aus dem Jahr 1945 zeitgeschichtlich aufgearbeitet und eine Gedenkstätte errichtet wird, wie in der Kaserne Wetzelsdorf“, appellieren die beiden Mediziner Rainer Possert und Gustav Mittelbach vom Sozialmedizinischen Zentrum Liebenau an die Verantwortlichen der Stadt Graz. Es gab zumindest 200 Todesopfer.
Zeitungsarchive der Grazer Tageszeitungen aus dem Jahr 1947 geben einen korrekten Einblick: Die Fakten des Liebenauer Prozesses: Bei einem der vielen Transporte ungarischer Juden, die als Zwangsarbeiter durch Graz getrieben wurden, blieben von 400 Gefangenen 220 an Flecktyphus erkrankte und nicht mehr marschfähige im Lager Liebenau zurück.
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s gebe offensichtlich bis heute noch immer das Bemühen, die Schmach von damals zu verdrängen, betont Rainer Possert, bekannt dafür, dass er sich als engagierter Bürger nicht scheut, heiße Eisen anzugreifen. „Ich wohne fast um die Ecke dort, wo das passiert ist, und das Mindeste, was man tun sollte, ist, dass man in irgendeiner Form der Opfer gedenkt. Es ist ein doch eigenartiges Gefühl, dass da gleichsam um die Ecke hunderte Zwangsarbeiter und Juden massakriert wurden.“ Auf die Gräueltaten zu Kriegsende stießen Possert und Mittelbach im Zusammenhang mit der Diskussion um den Bau des Murkraftwerkes. Eine Zwischenstation eines Teils der Todesmärsche ungarischer Juden durch die Steiermark bildete das am Grünanger, südlich der Kirchnerkaserne, zwischen Kasernstraße und linkem Murufer gelegene Lager Liebenau in Graz. Dort standen bis weit in die 80er Jahre etliche Holzbaracken, in denen diese Zwangsarbeiter untergebracht waren. Das Lager diente während des Zweiten Weltkrieges als Unterkunft für tausende ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die zum großen Teil in den Puchwerken arbeiteten. Heute befinden sich dort zum Teil Wohnbauten, Schrebergärten, Tennisplätze und Freizeiteinrichtungen. Zu Kriegsende ging es dort dann drunter und drüber, wurden Insassen vom Wachpersonal kurzerhand erschossen und einfach verscharrt. Niemand weiß aber, wo genau. Auch
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Das „Lager V“
Foto: Walter Dall-Asen
HINTERGRUND
Lager Graz-Liebenau: Zwischenstation für Todesmärsche
bei allen Befragungen von Bewohnern – natürlich nur jenen, die auch die Nachkriegszeit erlebt haben – stießen Mittelbach und Possert auf Schweigen. „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“ (Possert) Und das, obwohl es im Jahr 1947 zu Prozessen und auch zu Todesurteilen kam. „Durch Zufall stießen wir“, so die beiden Murkraftwerksgegner, „auf die Vorgänge im Lager Liebenau.“ Die Berichte hatten 1947 noch großes öffentliches Interesse erregt, wurden dann aber aus dem Gedächtnis der Grazer verdrängt. „Obwohl wir seit Anfang der 80er-Jahre in
Das Lager V / Liebenau – eines der größten in Österreich – bestand seit 1941 aus 190 HolzVon Graz brachen im baracken für ca. 5000 April 1945 die Kolonnen mit ausgePersonen und enthielt mergelten, kranken, hungernden Juden, Zwangsarbeitern zum Konzentrationslager ein KriegsgefangenenMauthausen auf. Das Foto zeigt den Todeslager, das dem Steyrmarsch auf der Eisenstraße (Quelle: „Todesmarsch Daimler-Puchwerk unEisenstraße 1945“ von Hrsg. Halbrainer und Ehetreiber, Clio Graz 2005). terstellt war, ein Frauenarbeitslager und ein ZiLiebenau als Ärzte arbeiten, ist we- vilarbeiterlager. Weitere Lager für der von Zeitzeugen noch durch tra- die Grazer Rüstungsindustrie lagen dierte Erzählungen etwas von die- am rechten Murufer (SDP), im Mursem dunklen Kapitel unseres Be- feld (Lager Murfeld I und II, ehemazirks und unserer Stadt Graz an un- lige „Russenlager“), und in der Punsere Ohren gedrungen.“ Es erinnert tigamerstraße befand sich das Lager an Omertà, das Schweigegelübde Treiber für 600 Personen. Allein im Werk Graz-Thondorf betrug der der Mafia. Erst die Arbeiten der Grazer Histo- Ausländeranteil 65 Prozent. rikerinnen Barbara Stelzl-Marx und Nach einer Anzeige 1945, in der von Gabriele Stieber (die – zumindest 120 Erschossenen die Rede war, für Nichthistoriker versteckt – unter kam es erst im Mai 1947 zur Exhuanderem im „Historischen Jahrbuch mierung von 53 Leichen, 35 hatten Graz“ und im Ausstellungskatalog tödliche Schussverletzungen. Ein „Graz in der NS-Zeit“ ausführlich britisches Militärgericht verurteilte darüber publizierten), aber auch die den Lagerleiter Pichler und den La-
Die Mediziner Gustav Mittelbach (li.) und Rainer Possert vom Sozialmedizinischen Zentrum Graz-Liebenau: „Durch Zufall stießen wir auf diese Gräueltaten. Doch niemand von den Älteren will in Liebenau irgendwas dazu wissen oder sagen.“
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gerführer Frühwirth wegen vielfachen Mordes und Verbrechen gegen die Menschheit zum Tode und einen dritten Täter zu drei Jahren Haft. 46 der exhumierten Leichen sind am israelitischen Friedhof in Graz bestattet. Eine Gedenktafel dort erinnert daran.
Massaker auch am Präbichl Der Prozess in Liebenau beleuchtet nur einen kleinen Ausschnitt aus der tragischen Geschichte der Todesmärsche von Ungarn durch Österreich nach Mauthausen. Viele tausende Betroffene wurden durch
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die Steiermark getrieben. Sammelpunkte waren Hartberg, Grosspesendorf und Gleisdorf. Alle Transporte marschierten über Graz und machten kurz Halt in den Lagern Andritz, Wetzelsdorf und Liebenau. 4000 südlich von Rechnitz eingesetzte Zwangsarbeiter marschierten ab 28. März 1945 durch die Steiermark und mussten mehrere Tage in Grazer Lagern im Freien übernachten. Die Mehrzahl verließ Graz Richtung Bruck (über Frohnleiten), 1000 bis 1200 mussten über die Stubalpe nach Trieben und Liezen marschieren. Der größte Transport
verließ Graz am 4. April – am Präbichl kam es am 7. April zu dem berüchtigten Massaker mit hunderten Todesopfern. Entlang der Marschrouten wurden zahlreiche Gräber entdeckt, 30 der insgesamt 53 Todesurteile der britischen Militärgerichte standen in Zusammenhang mit den Todesmärschen. Der Kommentar von Rainer Possert und Gustav Mittelbach zum Sachverhalt: „Wo sind die möglicherweise zahlreichen an verschiedensten Krankheiten verstorbenen Lagergefangenen von Liebenau begraben worden, auf Friedhöfen, am Lagergelände? Es gibt auf dem ehemaligen Gelände und entlang der Mur keinerlei Erinnerung, keine Gedenktafel an die zahllosen Lagerinsassen und die Ermordeten, die Stadt Graz hat hier Wichtiges nachzuholen. Bevor Bagger am Liebenauer Murufer für das Murkraftwerk auffahren, muss dringend – durch öffentliche Aufträge an HistorikerInnen – geklärt werden, wie viele Menschen noch in den Mur-Auen verscharrt wurden, in den Lagern
muss zahlreich gestorben worden sein.“ Symbol aus der Nazi-Ära: der Schornstein am Gelände der Grazer Seifenfabrik. Dort war die LagerKommandantur untergebracht.
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HINTERGRUND
Große Aufmerksamkeit für den sogenannten „Liebenauer Prozess“ im Jahr 1947 in den steirischen Zeitungen „Wahrheit“, „Neue Zeit“ und „Steirerblatt“.
KLIPP-SPEZIAL
Von Helmut Dietl
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egonnen hat alles 2006 mit einer Handvoll von Betrieben. Mittlerweile bilden 60 Unternehmen dieses intelligente Netzwerk – von international erfolgreichen Unternehmen im Industriemaschinenbau, in der Bergbautechnik, der Papierindustrie, über holzverarbeitende Leitbetriebe, Red Bull mit dem Ring in Spielberg, bis hin zur regionalen Spitzenmolkerei. Sie alle wollen der Gefahr der zunehmenden Abwanderung der jungen Menschen entgegenwirken. Der zeitliche Zufall will es, dass auch die steirische Politik von Graz aus alte Strukturen wegschiebt. Die Bezirkshauptmannschaften von Judenburg und Knittelfeld werden zusammengelegt, die alten Bezirksgrenzen fallen ab 1. Jänner 2012. Die neue Region Aichfeld-Murtal könnte sich damit ein Denkmal setzen: „Wir sind die Vorreiter.“ „Es glingt uns mehr und mehr, wieder in die Gänge zu kommen, betont Heinz Gach, stellvertretender Sprecher von „Kraft.DasMurtal“. Man macht es sich zur Aufgabe, Potentiale auszuschöpfen und die Kräfte zu bündeln. Treffender und stärker kann man nicht zum Ausdruck bringen, was die Eigenschaft der Region tatsächlich ist. Dahinter steckt ein Querschnitt der Leitbetriebe aus Industrie und produzierender Wirtschaft mit regionalen Partnern. Alles, was zur Wertschöpfung und Le-
Unsere globalisierte Welt unter dem Steirerhut – Platz dafür hat sie. „Think global, act local“ – denke global, handle lokal. Dieses Gebot der Stunde gilt es umzusetzen. Mit der Initiative Kraft.DasMurtal erfindet sich die ehemalige Krisenregion neu. Künftig sollte dort auch „AichfeldMurtal“ stehen, denn es gilt vorerst, dieses zu durchqueren. Die Schönheit der Gegend fliegt sprichwörtlich an einem vorbei. Ab Judenburg – dort endet die Schnellstraße – hat man keine Zeit, sich auf landschaftliche Liebreize zu konzentrieren. Der Verkehr ist zumeist dicht und die Strecke gefährlich. Gleichermaßen knickt hier die Wirtschaftsader der Region. Je ferner das Schnellstraßenende im Rückspiegel rückt, umso weniger Ansporn gibt es auch für Firmenstandorte. Der dringende weitere Ausbau der S 36 wurde von Infrastrukturministerin Doris Bures auf Eis gelegt, obwohl bereits 70 Millionen Euro (entspricht einer Milliarde Schilling!) in das Projekt investiert sind. Murtal-Sprecher Heinz Bartelmuss enttäuscht: „Landeshauptmann Franz Voves hat vor der Wahl auch Ja zum Ausbau gesagt und seine Unterstützung zuge-
bau des halben Streckenabschnitts gegeben.
Man spürt den Aufwind So ist Sandvik Pate des Projektschwerpunktes „Regionale Lehrlingsstrategie“. Vorwiegend geht es dabei um Imageverbesserung der Industrie in der Region und der Region als lebenswerter Raum. „Wir sind jetzt in der Regionalen Lehrlingsstrategie in der Phase II mit verschiedenen Umsetzungsmaßnahmen beschäftigt“, so die Sandvik-Geschäftsführung. Darunter fällt zum Beispiel die kürzlich veranstaltete Jobmania in Zeltweg, bei der sich 3000 SchülerInnen über Berufsbilder und Jobmöglichkeiten in unserer Region informieren konnten. In einer eigenen KraftMeile erfolgte hier der koordinierte Auftritt von 11 Kraft-Partnern inklusive Schnitzeljagd mit speziellen Fragen zu den Unternehmen. „Auch
Eine Region erfindet sich neu
Alles unter einem H bensqualität beiträgt, wird forciert. „Kraft.DasMurtal“ – die Initiative reicht von Predlitz bis St. Michael – steht gleichsam als starkes Zeichen für Erneuerung und Eigenständigkeit. Die unterschiedlichsten Branchen ziehen an einem Strang und stärken sich dadurch den Rücken. „Damit steigern wir automatisch den Wert nach außen“, so der Sprecher der Initiative und IBS-Unternehmer Heinz Bartelmuss.
Da knickt die Wirtschaftsader Am Überkopfwegweiser der S 36 steht am Autobahnknoten St. Michael Klagenfurt angeschrieben.
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Foto: Heimo Ruschitz
gibt es 12 Teilprojekte, unter anderem im Bereich „Faktor Mensch“ die Regionale Lehrlingsstrategie, „Attraktive Arbeitswelt“ und „Regionale Branchenweiterbildung“.
Red-Bull-Ring zieht
Red-Bull-Ring in Spielberg wurde im April 2011 eröffnet. Schon nach wenigen Monaten brachten zigtausende Motorfans Stimmung und Geld. 25.000 Fans ruft Hubert von Goisern zu seinem Open Air im Jahr 2012.
sichert.“ Ein Lichtblick: Zwischen Judenburg und Scheifling wurde kürzlich grünes Licht für den Aus-
die in Phase I erfolgreich durchgeführten Roadshows in den Schulen werden wir fortsetzen.“ Insgesamt
Mittels zweiter Projektphase soll eine noch nachhaltigere Durchdringung gelingen. In der Tourismusbranche ist das bereits spürbar. Das Projekt Spielberg spielt in diesem Zusammenhang den örtlichen Fremdenverkehrsmanagern und Gastwirtschaften sprichwörtlich in die Hände, wenngleich man laut Michael Gassner von der WK Murtal KLIPP Dezember 2011
KLIPP-SPEZIAL Foto: Sandvik Mining and Construction
Illustration: Milan Ilic Foto (Hut): Gasthaus Buchtelbar, Wenigzell, www.buchtelbar.at
Industrie-Leuchtturm der Obersteiermark
Bergbau ist auch heute noch Knochenarbeit. Mit Neuerungen wie dem Alpine Miner wurde die Arbeit jedoch effizienter und sicherer.
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Hut den Tourismus nicht als stärkstes Pferd vorspannen sollte. 41 Prozent der regionalen Wertschöpfung stammen aus der Industrie. Worauf man künftig auch setzt: Zu- statt Abwanderung. Das außergewöhnliche Entwicklungskonzept stärkt die Infrastruktur und nährt gleichermaßen das Selbstbewusstsein der Bevölkerung. „Wir haben den Glauben an die Region nicht verloren und uns an eine außerparteiliche Neuausrichtung gewagt – grundsätzlich nicht nur über Probleme geredet, sondern dagegengehalten“, bekräftigt MurtalSprecher Heinz Bartelmuss. Bitte umblättern!
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raft. Das Murtal“ nennt sich eine Initiative der Industrie und produzierenden Wirtschaft der Region Judenburg, Knittelfeld und Murau. Die ehemalige Voest Alpine Bergtechnik in Zeltweg, heute Sandvik, steht beispielhaft dafür. Nur weil die Murtaler vor mehr als 10 Jahren um den Erhalt des Standortes kämpften, das schon beschlossene Aus verhindern konnten, können die 550 Sandvik-Mitarbeiter mit Anhang heuer das 160Jahr-Jubiläum feiern. Der Eisenproduzent von einst ist heute ein Hightech-Standort. In ihrer Unternehmensgeschichte hat sich die heutige Sandvik Mining and Construction GmbH heute zu einem wirtschaftlichen Leuchtturm der Obersteiermark entwickelt. Modernstes Know-how im Berg- und Tunnelbau nimmt von Zeltweg seinen Ausgang in alle Teile der Welt. Aktuellstes Beispiel sind die Arbeiten an der Errichtung der Infrastruktur für die Olympiade 2014 im russischen Sotschi. „Das Hütten- und Walzwerk Zeltweg, am Zusammenfluss von Mur und Pöls, wurde im Jahr 1851 von Graf Hugo Henckel von Donnersmarck gegründet und hatte bereits zehn Jahre später 1.200 Beschäftigte“, erzählt Geschäftsführer Michael Viet. In den Anfangszeiten wurden
Das Sandvikwerk in Zeltweg
Schienen, Achsen und Räder für die Eisenbahn, Panzerplatten für Kriegsschiffe produziert, während der Nazi-Zeit auch Granaten und Flugzeugbestandteile. Die Folge: Knapp vor Ende des Zweiten Weltkriegs im April 1945 gab es durch Bombardements der Alliierten große Zerstörungen. Schon in den 60er-Jahren spezialisierte man sich dann auf Geräte für die Bergtechnik und entwickelte riesige Vortriebsmaschinen, wie den Alpine Miner. Obwohl dieser weltweit zum Einsatz kam und die Technologie bahnbrechend war, drohte dem Standort Mitte der 90er-Jahre das Aus. Die Voest verkaufte an den finnischen Konzern Tamrock OY, einen der führenden Hersteller von Bohr-, Lade- und Transportgeräten. Diese Partnerschaft lief nicht gut. Zum Glück für Zeltweg übernahm 1998 der schwedische SandvikKonzern Tamrock und damit auch die Voest Alpine Bergtechnik.
Einst wurden hier Schienen hergestellt, heute verlassen Hightech-Produkte das Werk.
Michael Viet, seit 2008 Chef in Zeltweg: „Damit wurde in Zeltweg wieder kräftig investiert und es gab Chancen zum Wachsen, die auch genützt wurden.“ Weltweit sind die riesigen Bohrgeräte der Zeltweger gefragt: In Europa, Südafrika, Russland, in den USA (U-Bahn in New York) oder in China (heute einer der wichtigsten Kunden); dafür wurde sogar ein eigenes Schulungsprogramm für die Montage erstellt. Mit Jänner 2007 wurde aus der Voest Alpine Bergtechnik die Sandvik Mining and Construction. Jahrzehntelang gehörte den Zeltwegern auch das Werkshotel. Sicher ein Zufall – dieses gehört heute Red-Bull-Chef Didi Mateschitz, der es mit 7 Millionen Euro zu einer Luxusherberge umbaute. Auch da wird die (künftige) Kraft des Murtals sichtbar. O 33
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„Es gilt also: Innovation, Innovation“
Quelle: Land Steiermark A14 – Wirtschaft und Innovation.
zen. Dort gibt’s gut ausgebildete Fachkräfte. Es gilt also: Innovation, Franz Prettenthaler leitet die RegioInnovation. Wie kann ich in meinem nalpolitik und die RessourcenökoUnternehmen mit neuen Entwicklunnomie im Joanneum Research. Der gen besser am Markt erfolgreich sein. Wissenschafter selbst, bekannt geEs gibt dazu auch viele Fördermögworden nicht zuletzt mit seinerm lichkeiten, Innovationsschecks für Vorschlag des „Transferkontos“, Franz Prettenthaler, KMUs von 5.000 Euro, bis zu 40.000 kommt aus der Region Murtal und er- Joanneum Research. bei größeren Projekten. Da zwei Drithielt jüngst den Grawe-Award 2011. tel der Betriebe weniger als 250 Beschäftigte haben, wäre es gut, wenn diese MöglichWas braucht es aus Ihrer Sicht für die Ent- keiten stärker angenommen werden. wicklung in der Obersteiermark, lange als Krisenregion bezeichnet? Sie sind selbst Obersteirer. Was wäre Ihre IdePrettenthaler: Die fundamentalen Daten waren alvorstellung für die Region im Murtal? im Vergleich zur restlichen Steiermark immer Prettenthaler: Ich glaube, dass wir beginnen recht gut. Das Wichtige war, dass man sich von müssen, die Steiermark als eine Metropol-Region dieser Krisenstimmung befreit, man in der Rea- zu sehen. Dass jeder, der dort oben sitzt, sich salität ankommt und nicht die hochsubventionierte gen muss: Ich habe fünf Universitäten und so und Blütezeit der Verstaatlichten als Vergleichsmaß- so viele Fachhochschulen vor meiner Haustür und stab hernimmt. Wo es ja den kleinen Betrieben da- das ist meine Region. Dass Mitarbeiter in Untermals umso schlechter gegangen ist. Man kann nehmen mit einer wirklichen S-Bahn, die nicht nicht zuletzt an den Tourismus-Daten ablesen, nur ein umbenannter Regionalzug ist, von Graz dass das Murtal auf der Überholspur ist. oder von wo immer, sie wohnen pendeln können. In die Region, aber auch umgekehrt. Das sieht Der Tourismus ist aber doch eine Nebenfront. man auch sehr deutlich an der demographischen Prettenthaler: Ja, aber für die Zukunft hat das Entwicklung in Knittelfeld, Judenburg und MuFantasie. Nicht zuletzt aufgrund der Investitionen rau. Knittelfeld hat die geringste Abwanderung, von Red Bull und Mateschitz. In den klassischen aber wenn ich gleichzeitig sage, ich will keine Industriebetrieben, in der Elektrotechnik, dann Straßen haben, keine leistungsfähigen Verkehrsauch in der Kombination Holz und Kunststoff, al- verbindungen in der Region, dann fördert das les als industrielles Thema umgesetzt, müsste man das bevölkerungsmäßige Ausräumen von noch stärker auf Forschung und Entwicklung set- ländlichen Gebieten. O
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Foto: www.skycam.at
Matthias Kranz, LWK-Obamnn Knittelfeld: Wir sind zu einer Genuss-Region geworden, in der sich die Landwirtschaft auf neue Produkte und Absätze einstellt. Typisch dafür sind örtliche „Heumilchprodukte“ oder der „Murbodner Steirerkäs“. Außerdem gehören die obersteirische Molkerei, die Murauer Brauerei oder die Murbodner Erdäpfeln zu den tragenden Werbebotschaftern.
Abwärme aus Pöls für 15.000 Haushalte
Österreichweites Vorzeigeprojekt Für Österreich ist es von der eingesetzten Technologie her eine Premiere, wie die Abwärme der ZellstoffFabrik Pöls seit kurzem die Gemeinde Pöls selbst und auch den Raum Judenburg, Zeltweg und Fohnsdorf versorgt. Das Projekt geht zur rechten Zeit in Betrieb, denn die Preise für Gas und Öl sind neuerlich kräftig im Steigen. Die Kunden, die nun mit der Abwärme von Zellstoff Pöls versorgt werden, müssen sich um Preissteigerungen keine Sorgen machen – für sie verbilligt sich damit der Aufwand fürs Heizen. Darunter sind auch die Großbetriebe in der Region, wie die Voest Alpine, der Fliegerhorst in Zeltweg, die BH in Judenburg, Sandvik und etliche andere. Mit der neuen Fernwärme-Versor-
gung erfolgt auch ein Schritt zu mehr Energie-Autarkie und damit höherer Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Bei der Zellstoff-Produktion entsteht so viel Überschussenergie, dass die Region nicht nur mit Fernwärme versorgt werden kann, sondern seit dem Frühjahr von der Strommenge her umgerechnet bereits 50.000 Haushalte mit Ökostrom aus Pöls beliefert werden. Durch beide Projekte verringert sich der jährliche CO2-Ausstoß um 25.000 Tonnen. 18 km lang ist die neue Versorgungsleitung für die Fernwärme aus Pöls. Genauso viele Millionen Euro wurden von der Zellstoff Pöls AG und der Bioenergie Aichfeld investiert, weitere 3 Millionen von den Stadtwerken Judenburg.
Mit dem Landes-Wohnbauprojekt „massive living“setzt man ein Zeichen für die Realisierung mehrgeschoßiger Holzbauten.
Vorbilder wie London, Mailand oder Berlin heranzuziehen. Dort ist die Holz-Massivbauweise bereits mit zahlreichen Beispielen im Wohnbau vertreten“, so Landesrat Seitinger. Seriöse Studien belegen, dass Wohnen „im Holz“ gesund ist. Mit Holz wohnt es sich besser, der Schlaf wird
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n der Obersteiermark – speziell im Murtal – ist Holz im Geschoßwohnbau längst verankert. Das schwappt nunmehr auf große Städte über. So werden in der Grazer Wittenbauerstraße 22 Wohnungen in zwei dreigeschoßigen Baukörpern errichtet. „Wir scheuen es in diesem Zusammenhang nicht, große
Josef Schaffer, Schaffer Holz – Eppenstein: Holz hat im Murtal seit jeher einen hohen Stellenwert. Unsere Stärke lag bisher bei Leimbindern, Tischlerwaren, Vorprodukten für Fenster usw. Dennoch gäbe es bei der Veredelung mehr Potential. Wir liefern derzeit zum Beispiel unter anderem Lärchenholz für ein Louis-Vuitton-Projekt in Paris. Friedrich Tiroch, GF obersteirische Molkerei: Die kleinen Strukturen der lokalen Bauern ergeben ein authentisches Angebot unserer Erzeugnisse. Insbesondere unsere „Zurück zum Ursprung“ Kooperation mit dem Handelriesen Hofer und unsere Spezialprodukte finden großen Anklang. Die OM kann nicht mit Molkereigiganten - etwa in Holland – kon-
ruhiger und erholsamer, das Lebensgefühl und die Tagesstimmung ebenfalls. Ein Holzhaus verbraucht in seinem gesamten Lebenszyklus um bis zu 50 Prozent weniger CO2
Foto: Zinganel
Heinz Bartelmuss, Sprecher „Kraft. Das Mutal“ und GF von IBS : Unser Firma IBS ist Weltmarkführer im Bereich Papierindustrie und beschäftigt am Standort Teufenbach rund 240 Mitarbeiter, 90 weitere sind es in Knittelfeld. Dabei ist die örtliche Wertschöpfung wichtig, denn sie bringt uns Lebensqualität. Heinz Gach, Holzcluster Steiermark: Unser Ziel ist klar definiert: Ein guter Lebensraum sowie ein funktionierender Wirtschaftsraum unter einem Hut. Wir würden uns wünschen, wenn am Ende der 2. Projektphase alle Branchen, inklusive der Politik, hinter unserer Tatkraft stünden. Michael Gassner,WK Leitung Judenburg: „Kraft. Das Murtal“ bewirkt eine Imageverbesserung der Wirtschaftsstandorte und ein besseres Netzwerk. Das erleichtert die WK Unterstützung von Unternehmen, insbesondere die der Kleinen. Joachim Reitbauer, GF Holzcluster Steiermark: Der Erfolg von Holzcluster Steiermark und Holzinnovationszentrum Zeltweg (HIZ) erfolgte nahezu parallel zum Aufwind im Murtal. In unserem neuen Engeneering Center Wood (ECW) haben Unternehmer die Möglichkeit, ihre Ideen und maschinellen Erstversuche umzusetzen, ohne dabei die eigene Produktion zu behindern. Holz wird künftig auch als Verbundwerkstoff in der Auto- und Flugzeugindustrie zum Einsatz kommen.
als vergleichbare Objekte mit anderen Baustoffen. Die Grazer „massive living“-Wohnanlage – entwickelt am TU-Institut für Holzbau – wird vorrangig aus Brettsperrholz errich-
Holz macht’s möglich
Innovativer MassivHolzbau: die 3geschoßige Anlage soll im Sommer fertig sein.
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Josef Herk, Unternehmer und WK-Präsident: In unserem Knittelfelder Lack- und Karosseriebetrieb wird besonders auf Lehrlingsausbildung Wert gelegt. Grundsätzlich ist wichtig, dass junge Menschen die Möglichkeit vorfinden, eine handwerkliche Fachausbildung zu erlernen. Neben industriellen, groß- und mittelständischen Betrieben sind dafür gerade die Kleinbetriebe eine wichtige Säule in der Region.
kurrieren, doch wir können rasch auf Markt-Veränderungen reagieren.
tet. Architekt Peter Zinganel sieht zudem vor, dass die Dächer begrünt und mit Solaranlagen ausgestattet werden. Das Hauptaugenmerk liegt auf leistbarer, ökologischer, sozialer und moderner Bauweise. „Fast wöchentlich gibt es Anfragen aus vielen Ländern und Fachkreisen, die das Projekt besichtigen möchten“, zeigt man sich beim zuständigen, gemeinnützigen Wohnungsunternehmen „Die Frohnleitner“ erfreut. Grundsätzlich werden die Vorteile des
Wohnbaulandesrat Johann Seitinger und Baron Franz Mayr-Melnhof („Die Frohnleitner“) legen beim Projekt massive living Foto: Harry Schiffer „Hand ans Holz“.
Bau- und Werkstoffes Holz offenkundiger, zumal Institutionen wie pro:Holz und Holzcluster Steiermark unermüdlich an dessen Image kurbeln: „Hoher Vorfertigungsgrad, rasche Montage, geringes Eigengewicht, flexible Bauweise, nachwachsender Rohstoff sind einige der Vorzüge von Holz als Baustoff“, so Joachim Reitbauer von Holzcluster Steiermark. H. Dietl
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KLIPP-SPEZIAL
Think global – act local
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AUTO&MOTOR
Worauf muss bei PhotovoltaikAnlagen geachtet werden? Ernst Konrad, Chef der Firma Elektrobau Denzel und Landesinnungsmeister des Elektrikergewerbes, gibt da eine klare Linie vor, wie sie von ihm und den Kollegen in der Praxis umgesetzt wird. Erster Grundsatz: Nicht jede Anlage passt auf jedes Dach. Bei uns werden alle Parameter einer Photovoltaik-Anlage alle drei Monate hindurch kontrolliert. Ganz wichtig ist es, dass der Kunde nach Blitzschlägen die Anlage checken lässt, denn es kommt schon vor, dass die Anlage nicht so funktioniert, von der Leistung her, wie es versprochen wurde. Dies ist allerdings erst nach einem halben Jahr aus der Stromrechnung abzulesen. Der Kunde verlässt sich darauf, dass die Anlage weiter funktioniert. Daher muss man eben die Parameter regelmäßig überprüfen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Art der Montage vom Gebäude abhängig ist und von der Lage. Und aus diesen Voraussetzungen ergibt sich wieder erst der Umfang der Nebenleistungen. Diese müssen bei einem Angebot immer mit einkalkuliert werden. Ernst Konrad kritisiert hier auch das Vorgehen der Steweag, die auf Foldern Dinge verspricht, die so nicht zu halten sind.Außerdem benachteiligt sie die Gewerbebetriebe, indem es klare Bevorzugungen von ein oder zwei Firmen gibt. Richtig berechnet kann eine Photovoltaik-Anlage viel leisten, doch als Kunde sollte man nicht auf Internet-Angebote hereinfallen, denn sie sind meist unvollständig, was die Gesamtkosten betrifft. Die Störanfälligkeit einer Anlage ist gering, wenn sie richtig installiert ist. Sonst kommt es leider immer wieder zu Problemen, wie wir von Kundenbeschwerden hören. Die Berechnung ist, wie schon gesagt, entscheidend. Es muss richtig kalkuliert sein, denn beispielsweise brauchen Dünnschicht-Module, die gut sind, allerdings die doppelte Fläche. Eine seriöse Schätzung über die Amortisierung der Anlage: Mit allen Nebeneinrichtungen, die da notwendig sind, rechnet sich eine Photovoltaik-Anlage nach zehn Jahren. Ernst Konrad hat da einen sehr klaren Standpunkt: „Alles andere wäre gelogen.“ Das große Plus: Während ein Auto mit zunehmender Betriebszeit immer weniger wert wird, ist das bei einer PhotovoltaikAnlage umgekehrt. Mit jeder Strompreiserhöhung steigt auch der Wert der Anlage.
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Der Ford Focus Traveller gehört nur vom Preis her zur Mittelklasse
„Ich bin’s, dein Heinzelmännchen!“
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ei Autos, die 80.000 Euro und mehr kosten, ist es heute logisch, dass in der Premium-Klasse viele Assistenzsysteme, also Heinzelmännchen, an Bord sind, die den Fahrer vor so mancher misslichen Situation oder Gefahrenquelle schützen. Aber wie gesagt: Das Hilfreiche und Gute war bisher immer den höheren Baureihen vorbehalten. Egal, ob bei Mercedes CKlasse C350 der Spurhalteassistent oder die Pre-Safe-Bremse, die Auffahrunfälle verhindert oder entschärft, oder der Attention-Assist, der Espresso-Wächter, der eben vor dem Sekundenschlaf warnt. Ein intelligenter Tempomat oder die Fernlichtautomatik. Alles ist da an Bord. Nur lenken muss man selbst. So ganz nebenbei: Alles kostet extra. In zwei Klassen darunter, dort wo eben der Ford Focus Traveller zu Hause ist, ist das nicht alltäglich. Und deswegen überrascht er mit seinen vielen, vielen Heinzelmännchen. Und als mein Neffe diesen testweise gefahren ist, hat er gemeint: „Schade, dass die Oma nicht mehr Auto fährt, denn sie wäre aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Mit dem Einparken und dem Rückwärtsfahren ist sie auf Kriegsfuß gestanden. Nicht mit dem
Focus Traveller: Mehr Intelligenz, als man in der Mittelklasse erwarten kann. Mercedes C-Klasse: Hilfe für den Fahrer in vielen Variationen.
Ford Focus Traveller.“ Denn gerade der Einpark-Assistent ist für ungeübte Längsparker bei der Fahrzeuglänge ein Gedicht. Der Wagen sucht sich selbst seinen Parkplatz und dreht dann selbst so lange am Lenkrad, bis man punktgenau in der Lücke steht. Auch das Fernlicht schaltet sich auf Wunsch selbst ein und bei Gegenverkehr wieder aus. Möglich gemacht wird dies durch das Kamerasystem, das hinter dem Rückspiegel verbaut ist. Das magische Auge erkennt auch Verkehrsschilder, die dann auf dem Bildschirm zwischen Drehzahlmesser und Tachometer angezeigt werden. Für die Unaufmerksamen im Auto ist ein Fahrspurassistent oft äußerst
hilfreich. Wechselt der Fahrer, ohne wirklich auf den Verkehr zu achten, die Spur, dann gibt’s ein Rütteln am Lenkrad. Würde ein Verlassen der Spur sogar zum Crash führen, dann hält er die Spur, lenkt der Focus sozusagen selbst und weist den Fahrer in die Schranken. Weil die vielen Sensoren permanent das Fahrzeug „abtasten“, wie es gefahren wird, rechnet der Focus über Abweichungen von diesem Fahrstil auch auf die Müdigkeit des Fahrers zurück. Wer eben später zu reagieren beginnt als „normal“, findet im Display schnell eine Kaffeetasse auftauchen und damit eine Pausen-Empfehlung. Er fährt nicht von alleine, logisch, aber er hilft sehr gut, wenn’s irgendwo eng zugehen könnte. Was er gar nicht mag, ist, wenn man die Hände lässig vom Lenkrad nimmt. Denn dann „schimpft“ er mit einem. O Wir wünschen unseren Kunden frohe Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr 2012!
„Ich galt als untherapierbar“ Als stotterndes Kind musste Georg Faber alle möglichen Therapien über sich ergehen lassen – ohne Erfolg. Mit vierzehn Jahren schrieben ihn die Ärzte als hoffnungslosen Fall ab. Erst im Erwachsenenalter bekam er das Stottern unerwartet in den Griff.
Elternhaus ausgezogen war, habe ich ihre Glaubenssätze zu hinterfragen begonnen, und mit jedem ,ausgerümpelten‘ Glaubenssatz wurde mein Stottern weniger“, ist Faber heute klar.
Peinlich, peinlich Versuchskaninchen Stotterer Viele Therapieansätze in den 1960er und 1970er Jahren waren aus heutiger Sicht völlig sinnlos. „Ich musste stundenlange Sprechübungen machen, was absurd ist, weil ich ja sprechen konnte. Mit vierzehn galt ich als ,austherapiert‘, was so viel heißt wie ,Mistkübel auf, Jugendlicher rein‘“. Fabers Vater war sehr erstaunt über die späten Sprechfortschritte des Sohnes in seinen Zwanzigern: „Georg ist gleichzeitig ruhiger und selbstbewusster geworden. Viele Leute wussten gar nicht, dass er früher stark gestottert hatte!“
Von Sylvia Einöder
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it dem Stottern ist es wie mit einem Geldschein: Jedes Mal, wenn man ihn gegen das Licht hält und kippt, zeigt sich ein anderes bunt schillerndes Bild“, weiß Georg Faber nur allzu gut. Heute spricht er nahezu symptomfrei und berät Eltern von stotternden Kindern. Dem SteiermarkVertreter der „Österreichischen Selbsthilfe Initiative Stottern“ (ÖSIS) ist bewusst, dass er in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung ist: „Ich bin nicht nur einer der wenigen, die ohne Therapie als Erwachsene noch vom Stottern weggekommen sind. Ich bin auch einer der wenigen Väter, die für ihre Kinder den Beruf aufgegeben haben.“ Nach einem mühsamen zweiten Bildungsweg zum Sonderschulund Sprachheillehrer kümmert er sich seit 16 Jahren voll und ganz um seine behinderte Tochter Laura.
Die Nadel im Heuhaufen Mit dem Stottern begann der heute 51-Jährige mit sieben Jahren: „Ein
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hinter dem Stottersymptom. Auch Eltern, Lehrer und Therapeuten fokussieren ihren Blick oft auf das Stottern wie das Karnickel auf die Schlange“, warnt Faber.
Der Grazer Georg Faber berät betroffene Eltern über Therapiemöglichkeiten und den Umgang mit stotternden Kindern.
Auslöser dafür könnte der Volksschullehrer gewesen sein, der uns brutal geschlagen hat.“ Beim Stottern sei aber immer eine Vielzahl an Faktoren ausschlaggebend und seien Ursachen von Folgen kaum unterscheidbar. „Meine Mutter hatte die Erwartung, dass ich eine Mischung aus Reinhold Messner, Mozart und Einstein sein müsse. Das Auseinanderbrechen der Beziehung meiner Eltern war ein weiterer Knackpunkt. Nachdem ich aus dem
Gerade in stressbelasteten Situationen ist das Stottern erfahrungsgemäß wesentlich stärker, man bleibt ausgerechnet bei peinlichen Stellen hängen. „Beim Flüstern in der Schulbank habe ich ja nicht gestottert, aber wenn mich der Lehrer aufgerufen hat, dann schon!“, erinnert sich Faber. Die Darstellung des stotternden englischen Königs George VI. im oscargekrönten Kinoerfolg „The King’s Speech“ fand er sehr realistisch. „Ich musste immer wieder schmunzeln, weil er in seinen Reden genau bei jenen Stellen hängen blieb, wo ich es bereits erwartet hatte.“
Eine Welt jenseits des Stotterns
Gnadenlose Gesellschaft und stotternde Chefs
„In der Schule wurde ich wegen meiner Lederhosen ausgespottet, aber auf die Provokationen bin ich einfach nicht eingestiegen“, erzählt Faber über seine unglückliche Schulzeit. Das Stottern selbst habe ihn nie zum Ziel des Spottes gemacht. „Ich habe mein Stottern lange schlicht ignoriert, weil ich den Mund nicht halten kann, wenn mir etwas auf der Zunge brennt.“ Ein Logopäde sagte Faber viele Jahre später: „Sie sind einer der wenigen, die sich nicht so viel aus dem Stottern machen!“ Das sei ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. „Bei vielen stotternden Menschen verschwinden alle anderen Probleme
„Lieber stotternd sprechen als fließend schweigen“, lautet Fabers selbstbewusstes Credo. In gewissen Situationen kann das Stottern Türen für immer verschließen. „Etwa unter Kindern am Spielplatz oder bei einem Bewerbungsgespräch.“ Trotzdem möchte er junge Leute, die stottern, ermutigen: „Ich kenne Betroffene, die dennoch an Hochschulen unterrichten oder eine Firma leiten.“ Bei einem ist Faber sich sicher: „Jeder und jede muss den eigenen Weg aus dem Stottern heraus finden.“ Und: „Muss das Therapieziel völlige Stotterfreiheit sein? Ich habe viel geschafft, mehr ist nicht mehr drin, und das passt so!“ O
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GESUNDHEIT
Georg Faber, einst schwerer Stotterer, hat heute keine Probleme mehr mit dem Sprechen
GESUNDHEIT
Was heißt hier süß?
Die Messung der Süßkraft Gerade in diesen Wochen werden Unmengen von Vanillekipferln, Witwenküssen, Kokosbusserln, Nusspotitzen, Kletzenbrot, Fruchtsäften und, und verzehrt. Das Sich-auf-die-Waage-Stellen lässt man daher in dieser Zeit oft lieber bleiben.
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er Ersatz von Zucker durch Süßungsmittel hat in erster Linie den Zweck, Diabetikern und übergewichtigen Menschen das Leben zu erleichtern. Diabetiker sollten so weit wie möglich Zucker meiden und davon nicht mehr als 50 Gramm pro Tag konsumieren. Man muss bedenken, dass diese erlaubte Zuckermenge sehr rasch erreicht wird, da auch Obst, Fruchtsäfte oder einige Fertigprodukte Zucker in jeglicher Form enthalten. Als Getränke bleiben daher eigentlich nur noch ungesüßter Tee, Wasser oder Mineralwasser übrig. Das ist nicht gerade einfach, wenn man immer gerne Süßes gegessen und getrunken hat – der ist Mensch von Geburt an süß geprägt – und erfährt, dass man sich nun sehr stark einschränken muss. Mithilfe von Süßstoff können Diabetiker gesüßten Tee, Kaffee und Limonade trinken oder auch mal Süßspeisen essen, ohne ihren Zuckerhaushalt zu sehr durcheinanderzubringen. Menschen mit Übergewicht sollten generell ihren Kalorienkonsum etwas einschränken. Dazu ist es notwendig, die Menge an Fett und an leicht verfügbaren Kohlenhydraten (Zucker) zu reduzieren. Mit Süßstoffen kann der Zuckerkonsum extrem reduziert werden – vor allem gezuckerte Limonaden bedeuten eine enorme Menge an aufgenommenen Kalorien. Oft bewirken hier schon mit Süßstoff gesüßte Limona-
den erste Gewichtsverluste und motivieren zum Weitermachen, da die Umstellung nicht so schwerfällt.
Raffinose, Saccharose (Haushaltszucker), Saccharose-Sirup, Sucrose (im englischsprachigen Raum gebräuchlich für Haushalts- oder Kristallzucker).
Da steckt der Zucker drin! Zucker ist nicht immer mit dem Begriff „Zucker“ auf der Zutatenliste von Lebensmitteln angegeben. Und für den Laien ist nicht immer klar, ob es sich nun um zuckerhaltige oder süßstoffhaltige Zutaten handelt. Wenn Sie folgende Begriffe lesen, handelt es sich immer um Zucker oder Zuckerabkömmlinge:
Süßstoffe sind Lebensmittelzusatzstoffe Süßstoffe sind Zusatzstoffe und diese unterliegen der Süßungsmittelrichtlinie der Europäischen Union. Bei Lebensmittelzusatzstoffen ist die Aufnahme durch den ADI-Wert geregelt. Die Abkürzung ADI steht für „Acceptable Daily Intake“. Die-
Süßstoffe in der Werbung
Menschen mit Übergewicht: Achtung vor „verstecktem“ Zucker in Fruchtsäften. Mit Süßstoff lässt sich der Kalorienkonsum leicht einschränken.
Caramel, Korn-Sirup (Maissirup, Fruktosesirup), Dextrin, Dextrose (Traubenzucker), Dextrosesirup, Farin, Fruktose (Fruchtzucker), Galaktose (Schleimzucker), Glukose (Traubenzucker), Glukosesirup, Invertzuckercreme, Isoglukose, Laktose (Milchzucker), Lävulose (Fruchtzucker), Maltodextrin, Maltose (Malzzucker), Maltosesirup, Malzextrakt, Melasse, Raffinade,
ser Wert gibt an, wie viel des Zusatzstoffes der Mensch jeden Tag gefahrlos aufnehmen kann. Der Süßstoff Thaumatin wird als völlig unbedenklich eingestuft und trägt die ADI-Bewertung „Keine Beschränkung“. Eine Überschreitung der ADI-Werte ist bei normaler Ernährungsweise dauerhaft praktisch nicht möglich.
Zwei Generationen von Süßstoffen Saccharin, Cyclamat und Aspartam werden als die „Süßstoffe der ersten Generation“ bezeichnet. Diesen
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folgten bald die „Süßstoffe der zweiten Generation“, zu diesen gehören Substanzen wie Acesulfam-K, Sucralose, Alitam und Neotam. Die „neue Generation“ hatte aber dieselben Nachteile wie die Süßstoffe der „alten Generation“: Der Geschmack war oft mit einem bitteren oder metallenen Nachgeschmack verbunden und entsprach nicht dem vollmundigen Geschmack des Zuckers.
Wird bei Süßstoffprodukten auf eine Kalorienreduktion hingewiesen, müssen ganz bestimmte gesetzlich festgelegte Anforderungen erfüllt sein: Kalorienarm darf sich ein Produkt nur nennen, wenn es weniger als 50 Kalorien pro 100 Gramm bei festen Lebensmitteln und weniger als 20 Kalorien pro 100 Milliliter bei Getränken aufweist. Der Begriff „kalorienarm“ bezeichnet also einen absoluten Wert. Dabei ist es unerheblich, ob der Energiegehalt reduziert wurde oder ob das Produkt „von Natur aus“ kalorienarm ist. Kalorienreduziert bedeutet bald europaweit: Das Produkt hat mindestens 30 Prozent weniger Kalorien als ein herkömmliches Lebensmittel. Eine geringere Kalorienreduktion als um 30 Prozent darf nicht als kalorienreduziert bezeichnet werden. Light ist ein Begriff, der vom Gesetzgeber weder geschützt noch geKLIPP Dezember 2011
Vom Sanatorium zum Privatklinikum: (v. l.) Ruth Fischer (Geschäftsführerin), Peter Scherer (Leiter Medizintechnik), Axel Braumüller (Handchirurgie), Robert Url (Schulterchirurgie). Foto: Jimmy Lunghammer
Mit „Herz“ am Patienten
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eit jeher ist das Privatklinikum Hansa weit über die Grenzen von Graz als kompetente Anlaufstelle für medizinische Versorgung bekannt. Nun setzt der Alleineigentümer Friedrich Böhm – Gründer der Firma APOMEDICA – neue Akzente. „Das Hansa hat sich stets der Zeit angepasst und die Nähe am Menschen in den Vordergrund gestellt“, so Geschäftsführerin Ruth Fischer. Mit der Kompetenzerweiterung wird sich daran nichts ändern, es soll ein breiteres Spektrum an hochwertigen Leistungen geben. „Wir sind nunmehr in der Lage, das Hansa-Sanatorium als Privatklinikum in Graz zu positionieren“, freut sich Fischer. Der neue ärztliche Leiter, Primarius Manfred Wonisch, erweitert die medizinische Behandlung mit einer Hand- und Schulterchirurgie.
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Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt in hauseigenen schlafmedizinischen Labors sowie in der entstehenden Kardiologie. Den umfassenden Neuerungen passte man sich mit einem modernen Bettentrakt sowie einem Ordinationszentrum an. „In Abstimmung mit der traditionellen Hansa-Philosophie werden wir die künftigen Kompetenzen umsetzen und ins Behandlungsangebot einbauen“, so Wonisch. Dem Credo „Näher am Menschen“ tut das in keinster Weise einen Abbruch. Demnach stellt sich die erfolgserprobte Führung in Einklang mit den neuen Rahmenbedingungen. Auch wird der Komfort mit 49 First-Class-Betten großgeschrieben. Rund 100 Mitarbeiter sind um das Wohlergehen der sogenannten „medizinischen Gäste“ bemüht. H. Dietl
Privatklinik Graz-Ragnitz
Alles unter einem Dach
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as neue Zentrum für inter- häufigsten Erkrankungen in der zidisziplinäre Herz- und Ge- vilisierten Welt“, so Prim. Dr. Mifäßmedizin in der Privatkli- chael Hessinger, ärztlicher Leiter nik Graz-Ragnitz (ZIH+G) widmet des 144 Betten großen Belegspitals. sich der Prävention, Diagnose und „Ihr Erscheinungsbild reicht vom ambulanten sowie stationären The- Herzinfarkt und Schlaganfall, die rapie von Herz-, Kreislauf- und bei Nichtbehandlung oft schwerwieGefäßerkrankungen. „Unser Team setzt sich aus Fachärzten der Bereiche Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie, Kinderkardiologie und Gefäßchirurgie zusammen. Dieses Netzwerk gestattet rasche Diagnosen, auf denen basierend ein individueller Therapieplan erstellt wird“, erklärt Dr. Edmund Pabst, ärztlicher Leiter des ZIH+G und Facharzt für Innere Medizin, Angiologie und Eröffnung des Herz+Gefäßzentrums (v.l.): Viktor Weinrauch (Kardiologie), Edmund Intensivmedizin. Pabst (Herz+Gefäßzentrum), Werner „Mit dieser neuen Einrichtung er- Fischl (PremiQaMed). gänzen wir das Leistungsspektrum der Privatklinik Graz-Ragnitz perfekt“, freut sich Prim. Dr. Michael gende bis tödliche Folgen haben Hessinger, ärztlicher Leiter des Be- können, über periphere arterielle legspitals. „Eingebettet in die Infra- Durchblutungsstörungen bis hin struktur der Privatklinik führen wir zum klassischen Krampfadernleidie gesamte Diagnostik für Patien- den.“ Ganz wichtig für die Anamneten des Zentrums unter eise ist das erste Gespräch nem Dach durch.“ Neben mit dem behandelnden Funktionsdiagnostik und Arzt. Primar Hessinger: hauseigenem Labor stehen „Wir sehen unser Angebot unter anderem mit farbcoals Ergänzung und Bereidierter Duplex-Sonogracherung der mediziniphie, Angiographie, einem Primar Michael sches Behandlung in der 64-Zeilen-Herz-CT und Hessinger Steiermark. Eine gute ZuMRT modernste Diagnosammenarbeit mit dem öfsemöglichkeiten zur Verfügung. Ist fentlichen Bereich ist uns dabei ein eine weiterführende Therapie oder wesentliches Anliegen.“ Die PrivatAbklärung notwendig, kann die sta- klinik Graz-Ragnitz ist ein Untertionäre Behandlung in der Privatkli- nehmen der PremiQaMed-Gruppe. nik Graz-Ragnitz vorgenommen Hessinger: „Die Zusatzversichewerden. rung ist keine Voraussetzung für „Gesundheitsprobleme im Herz- eine Behandlung im Zentrum. Wir Kreislauf-Bereich gehören zu den arbeiten hier auf Wahlarztebene.“
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GESUNDHEIT
Quelle: „Mythos Süßstoff“ von SvenDavid Müller (Kneipp Verlag)
regelt ist. Er bezieht sich nicht in allen Fällen auf den Energiegehalt eines Lebensmittels. Daher sollte sich der Verbraucher die Angaben auf dem Etikett genauer ansehen. Bei süßstoffgesüßten Produkten bezeichnet der Begriff „Light“ allerdings immer eine Kalorienreduktion. Deshalb weiß der aufgeklärte Verbraucher hier also, welchen Nutzen er wirklich erwarten darf. O
FREIZEIT Sie denkt mit 92 Jahren nicht daran, in Pension zu gehen.
Wird bald 100 und arbeitet zur Zeit am Bild „Jesus, der Kinderfreund.“
Messerscharf
Multitalent Toni Hafner ist Maler, Bildhauer und Musiker und arbeitet derzeit an einem Werk für die Pfarrkirche Zeltweg. Das Besondere daran: Er befindet sich im 100. Lebensjahr und strotzt vor Lebensfreude, Energie, Geist und Humor. Beim Besuch in seiner Garçonnière im Perisutti Pflegezentrum Eibiswald gewährt er auf erheiternde und berührende Weise Einblicke in sein erfülltes Leben und farbenfrohes Schaffen.
Mit 92 Jahren führt Maria de Bernardin immer noch mit großer Freude und Energie das Fachgeschäft „Messerschmied- und Stahlwaren“ in Deutschlandsberg. Sie denkt nicht daran, in Pension zu gehen, und feiert heuer das 100-jährige Firmenjubiläum.
Ein Leben voller Farbe
Von Michaela Vretscher
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as Schaufenster des kleinen, aber feinen Geschäftslokals am Hauptplatz 45 weist schon auf die Begeisterung hin, mit der Maria de Bernardin den Betrieb in Eigenregie führt. Sorgfältig dekoriert und mit handgeschriebenen Preisschildern bespickt erstrahlen auf Spitzendeckchen hochwertige Stahlwaren: kunstvoll verzierte Samurai-Schwerter, Überlebens- und Taschenmesser sowie Scheren in verschiedenen Größen. Von einem Plakat aus den 60ern aus wacht Pierre Brice als Winnetou mit strengem Blick über die scharfen Klingen. Als Kunden begrüßt sie großteils Bauern, Jäger und Fleischer aus dem gesamten Bezirk. „Ich habe eine brave Kundschaft, die Almer sind am treusten“, berichtet sie stolz. Ihr 1981 verstorbener Gatte Peter war Meister im Messerschmiedehandwerk. „Er hat alles händisch geschliffen“, erinnert sie sich. Heute werden die Messer zum Schärfen weitergeschickt. Links vom Eingang zieren Urkunden und ein Foto ihres Mannes bei der Arbeit die Wand. Dessen Vater, Anton de Bernardin, meldete 1911 das Gewerbe der Scharfschleiferei an und galt als erster ortsansässiger Messer- und Scherenschleifer. 42
Wer im vielfältigen Angebot – darunter auch Schleifsteine, Flachmänner, Besteck und Geschirr – nicht fündig wird, kann Bestellungen in Auftrag geben. „Ich bin ja mit dem Geschäft verheiratet“, bemerkt Maria schmunzelnd. Von Montag bis Samstag ist sie hier anzutreffen. „Aber am Donnerstagnachmittag macht die Chefin blau“, betont die humorvolle Dame und lacht übers ganze Gesicht. Früher frönte sie ihren Hobbys Schwimmen, Radfahren, unternahm regelmäßig Ausflüge und war sogar bis letztes Jahr noch mit ihrem eigenen Auto unterwegs. Sprachkurse in Italienisch und Französisch absolvierte sie nebenbei. Eine umwerfende Persönlichkeit, von der man sich gern ein Scheibchen ihrer sprühenden Energie und positiven Einstellung abschneiden würde. „Man soll mit Freude an die Arbeit gehen und nicht zu Extremen neigen“, bemerkt Maria de Bernardin mit strahlenden Augen. „Ich wünsche mir, dass mir mein reger Geist erhalten bleibt, und hoffe, das Geschäft noch lange führen zu können!“ O
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n einer hellen Nische im ausladenden Gang hat Toni Hafner sein „Atelier“ bezogen. An dem Bild „Jesus, der Kinderfreund“ malt er seit einigen Wochen – wegen seines Augenleidens nur zwei Stunden täglich: „Ich möchte so viel Leben in das Bild hineinbringen, dass man das Geschrei der Kinder hören kann“, erklärt er mit Leidenschaft. Aufgewachsen in der weststeirischen Gemeinde Maria Lankowitz wurde die künstlerische Begabung von Toni Hafner bereits früh sichtbar. „In der Volksschule habe ich schon Kulissen für das Theater gemalt“, erzählt der Sohn eines Tischler- und Kapellmeisters und einer Schneidermeisterin. Josef und Maria hießen seine Eltern. „Eine heilige Familie“, fügt der Schöpfer zahlreicher sakraler Werke und Porträts schmunzelnd hinzu. Nach dem Besuch der Landeskunstschule in Graz, wo er in Daniel Pauluzzi einen großartigen Lehrer fand, absolvierte er die Kunstakademie in Wien und verbrachte danach ein Studienjahr in Rom. „Wollen S’ ihren Sohn denn nicht was Anständiges lernen lassen?“, fragten Bekannte seinen Vater oft. „Aber er ließ mir die freie
Wahl“, berichtet der bildende Künstler, der „mit Gottes Gnaden“ dieses hohe Alter erreicht hat. „Meine Lieblingsspeise türkischer Sterz reicht dafür nicht aus“, ist ihm klar. Seine Werke zieren viele Kirchen und Kapellen. Die größte Herausforderung war für Toni Hafner ein Kuppelfresko in der Pfarrkirche Wies zum „Gegeißelten Heiland“. Es entstand 1956 in nur sechs Monaten, hat eine Fläche von 400 Quadratmetern und stellt 140 Figuren rund um die „Triumphierende Kirche“ dar. Auf einem Gerüst in der Höhe von 22 Metern brachte er die mächtige Kuppel zum Erstrahlen. „Manchmal war’s eine wackelige Angelegenheit“, erinnert sich der leidenschaftliche Künstler. Die vielen Anekdoten aus dem Leben des betagten Meisters ziehen seine Zuhörer gleich in den Bann. Der Vater von drei Kindern, Großvater von sechs Enkeln und Uropa von fünf Urenkeln spielt zum Abschied noch ein „Ständchen“ auf dem Keyboard. Der ehemalige Chorleiter, Organist und Komponist schrieb „Te Deum“, das anlässlich seines 95. Geburtstages in der Pfarrkirche Wies zur Aufführung gelangte. M.V. KLIPP Dezember 2011
Rudolf Koch sucht immer Neues
Amico und Kolibri S eit seiner Jugendzeit spielt Rudolf Koch auf der Steirischen Harmonika und weiß um die Bürde bei längerer Betätigung. „Eine Vierreihige wiegt um acht, die Fünfreihige um elf Kilogramm“, erklärt der Südweststeirer aus Aibl bei Eibiswald. Mit einem
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Akkordeon hat ein Musiker bis zu 23 Kilo schweres Gepäck aufgeladen. Weil „viele über Kreuzschmerzen klagen“, begann er vor sechs Jahren mit der Entwicklung einer Spielhilfe, die sich nun – perfekt in allen Einzelheiten und patentiert – als echter Musiker-Freund namens
FREIZEIT
„Amico“ erweist. Das Gestell aus Edelstahl kann schnell auf das Instrument montiert werden und dient der Entlastung des Stützapparates und der Schonung der Basshand. Während der Vorführung zeugt Rudis Tänzeln von der Erleichterung beim Harmonika- oder Akkordeonspiel. Mit seinen Erfindungen tourt er zu diversen Veranstaltungen im In- und Ausland. So stellte er etwa „Amico“ bei einem großen Harmonikatreffen in Deutschland vor. Selbst Arnold Schwarzenegger empfing er bei dessen jüngstem Besuch mit einer weiteren Eigenerfindung, dem „Kolibri“. Der Wipproller mit dreifacher Antriebsmöglichkeit – man kann steppen, wippen und antauchen – wurde als Fahrrad zertifiziert und darf somit auf allen Verkehrswegen unterwegs sein. „Arnie hat mir freundlich zugewinkt“, lacht der erfolgreiche Tüftler. Andere bekannte Persönlichkeiten wie etwa „Mister Ferrari“ Heribert Kasper drehten Runden mit dem Bike, das als mobiler Ganzkörpertrainer dient, ohne Ermüdungserscheinungen hervorzurufen. M.V. Nähere Informationen: www.akkordeon-spielhilfe.at
Entlastung für den Rücken von HarmonikaSpielern, mit mobilem Stativ. „Kolibri“ (linkes Bild) – ein Wipproller mit dreifacher Antriebsmöglichkeit.
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FREIZEIT
Spagatkrapfen zum Nachtisch.
Gekocht wird mit Almbutter.
Ennstaler Steirerkas
Traditionelles Kochen mit heimischen Produkten
Am Kuchlblattl steht für jeden was Die Bewegung Slow Food will den Bestand schmackhafter alter Hof-, Lokal- und Regionalsorten wiederbeleben. Der Nutzen ist vielfältig: Die Zukunft qualitätsorientierter Betriebe wird gesichert, traditionelle Berufe werden gefördert, Arbeitsplätze geschaffen, das Angebot der Gastronomie wird aufgewertet und die Steiermark für Qualitätstourismus noch attraktiver gemacht. Von Sylvia Einöder
das Menü lieferten, die Herstellungsmethoden der Lebensmittel. „Wir hatten nicht nur Mitglieder von Slow Food, sondern auch neugierige Einheimische zu Gast, die durch diese Hintergrundinformationen zum Nachdenken angeregt wurden“, erzählt Küchenchef Krainer.
Gewusst wo Der Slow Food Styria Guide 2012 ist ein kulinarischer Wegweiser, der mehr als 400 Adressen in allen steirischen Regionen empfiehlt. Es werden nur jene Lokale beschrieben, die den strengen SlowFood-Kriterien
entsprechen. Konservengemüse, Geschmacksverstärker und Fertigprodukte sind dort tabu. „Bevor wir einen Betrieb nach anonymen und objektiven Tests in unseren Guide aufnehmen, fragen wir uns, ob sich ein Umweg dorthin lohnt“, beschreibt Manfred Flieser das Aufnahmeverfahren. Zusätzlich gibt es einen Slow Food Guide für österreichische Wirtshäuser, den der Gründer der in Italien entstandenen Slow-Food-Bewegung, Carlo Petrini, initiierte.
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eit drei Generationen lebt man den Slow-Food-Gedanken im Restaurant Krainer in Langenwang, natürlich ganz besonders intensiv am Terra Madre Day 2011. Der 10. Dezember wird weltweit zelebriert. „Wir haben schon immer mit regionalen Zutaten saisonal gekocht und jetzt ist es plötzlich modern geworden“, schmunzelt Küchenchef Andreas Krainer. Er wurde gemeinsam mit seiner Partnerin Astrid Kaden für ihre Küchenleistung und ihr vorbildhaftes Einkaufsverhalten mit der goldenen Slow-Food-Schnecke ausgezeichnet. Rund vierzig Gäste ließen sich Leckerbissen wie selbstgebackenes Brot mit Biobergbauernbutter oder Pralinen aus der hauseigenen Konditorei schmecken. Zwischen den einzelnen Gängen erklärten jene LandwirtInnen, die die Zutaten für
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Der alte Troadkostn hinter dem Gallbrunnerwirt in Waisenegg: romantisches Übernachten ist dort angesagt.
Astrid Kaden und Andreas Krainer in ihrem Restaurant, Langenwang: „Seit 3 Generationen leben wir die Slow-Food-Idee.“
Macht Appetit
Hausgebackenes Brot mit Biogetreide der Familie Geiregger, Waisenegg, und Biobergbauernbutter (Krogger, Mönichwald) mit Ausseer Bergkern Krenschaumsuppe mit Räucherforellennockerl (Tösch/Rettenegg) und Rote Rüben Sauvignon Blanc von den Terrassen 10, Sepp Moser, Rohrendorf, Kremstal oder hausgemachter Bohnapfelsaft Gebratenes und Geschmortes vom „Manturo-Schwein“ mit Fischbacher Apfelgrubenkraut (Froihof), knusprigem Johannschinken (Rauch), konfierter Krieglacher „roter Moni“ (alte lokale Erdäpfelsorte) und Creme vom Muskatkürbis aus dem Hausgarten Styrian Ale (Handbrauerei Forstner, Kalsdorf) oder Carpe Diem Kombucha Quitte Gereifter Leobner Hauskäse (Roswitha Tscheliesnig/Vordernberg) mit hausgemachtem Marillensenf „Linea“ Pinot Gris 2007 aus der Magnum, Ploder-Rosenberg, St.Peter/O. Südoststmk. oder Isabellatraubensaft aus eigener Produktion Steirischer Minigermknödel: Kernölgermknödel mit Kletzenfülle, Apfelmus, Nussbutter und Kürbiskernkrokant Auslese Riesling „Steindl“ 2007, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal oder ApfelHolundersaft vom Weissenbacher aus Allerheiligen/Mürztal JAVA Espresso (kleine Rösterei in Bruck/Mur) mit hausgemachter Waldheimatpraline
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D Schmackhaftes Grubenkraut aus dem Kessel
Foto: Fam. Froihofer
Kontrast zur Globalisierung „Jede Mahlzeit ist ein politischer Akt. Bissen für Bissen beeinflussen wir, ob unsere pittoreske Kulturlandschaft erhalten bleibt oder für immer zerstört wird“, gibt Manfred Flieser, Präsident von „Slow Food Styria“, zu bedenken. Die steiermarkweite Vereinigung von bewussten GenießerInnen und mündigen KonsumentInnen ist seit 1999 aktiv. Diese haben es sich zum Ziel gesetzt, die regionale Ess- und Trinkkultur zu pflegen und die Geschmacksvielfalt aller steirischen Regionen zu bewahren. „Wir Manfred Flieser, Präsident von Slow Food empfinden die Vielfalt an lokalen LeStyria: „Wir fördern lokale Esskultur.“ bensmitteln als esskulturelle Wurzeln, als Kontrast zur Globalisierung. Für uns zählen beim Obst und Gemüse nicht die EU-Kriterien, bei denen sich alles um Transport- und Lagerfähigkeit, Form und Größe der Früchte dreht. Laut Slow-Food-Philosophie sollen alle Lebensmittel ökologisch nachhaltig produziert werden, ohne Arbeitskräfte auszubeuten oder Tiere zu quälen.“
as über 300 Jahre alte Wirtshaus von Lisbeth und Karl Rennhofer ist nach dem „Gallbrunnen“ benannt, dessen Wasser schon seit Jahrhunderten besondere Heilkräfte nachgesagt werden. Das „Kuchlblattl“ (die Speisekarte) ist von traditionellen, bäuerlichen Gerichten aus der Gegend und von der Jahreszeit geprägt. Zubereitet werden diese heute mit einem Löffel Schmalz weniger, aber mindestens genauso gut wie anno dazumal! Gäste aus nah und fern schätzen hier den „z’sammg’legten Knödel“, den Lisbeth entweder als Suppeneinlage oder als Beilage zum wahrscheinlich besten Schweinsbraten der Steiermark und Fischbacher Grubenkraut anrichtet. Zum Nachtisch schmeckt der Nusssterz mit Fedelkoch. Wirtshaus Gallbrunner, Waisenegg, Tel. 03174/4410 www.gallbrunner.at
im Enns- und Sölktal
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gnes Lemmerer tischt traditionelle Sölktaler und Ennstaler Bauernkost auf: eine vortreffliche Wildpüree-Suppe, Holzknechtnockerl mit gerösteten Erdäpfeln, Zwiebeln und Speck, Ennstaler Steirerkasnocken und Bauernknödel aus Erdäpfelteig, gefüllt mit würfelig geschnittenem Geselchten und Schweinsbraten. Sonntags kocht die Slow-Food-begeisterte Wirtin Sölktaler Knödel aus Erdäpfelteig, gefüllt mit Frischkäse und Kräutern aus dem nahen Jesuitengarten. Für die Frischkäseherstellung verwendet sie keine gewöhnliche Milch, sondern beste silofreie Rohmilch von einer Kuh namens Silke! Tipp: Der würzige Ennstaler Steirerkas schmeckt auch auf dem selbstgebackenen Bauernbrot mit Almbutter. Gasthof Sölkstub’n, St. Nikolai im Sölktal, Tel. 03689/281, www.soelkstubn.at
in der Weststeiermark
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asthaus, Fleischerei, Fremdenzimmer und Lichtspielhaus – alles unter einem Dach! Aus dieser Symbiose resultiert ein Speisenangebot, das es beinahe nicht mehr gibt. Bries, Kalbskopf oder Kalbsfüße gebacken, das gespickte Kalbsherz und andere fast vergessene Spezialitäten. Bei unserem letzten Besuch erfreute man uns mit einer Rindsroulade vom Hieferscherzel mit Blaukraut und Polenta sowie mit einem außergewöhnlichen süßen Dessert: Kletzentascherl mit Isabella-Sauce und Kürbiskernzwieback. Die Tiere, die Fleischermeister Hasewend schlachtet, stammen von ausgesuchten Bauern aus der Region. Wir empfehlen das Steirische ˇ Kübelfleisch, die Zelodec und Sulmtaler Hendlgalantine, den Turopolje-Speck, Sulz vom Schwein, Rind, Lamm sowie saisonale Selchfleisch- und Wurstspezialitäten und Schmankerln aus der Bauernecke in der Fleischerei. Hasewend’s Kirchenwirt, Eibiswald, Tel. 03466/42216, www.hasewend.at
Zünftiger Schweinsbraten – traditionell zubereitet
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Da wird Slow Food serviert: am Fuße der Fischbacher Alpen
Erst auf den zweiten Blick als Neubau zu erkennen: das Gästehaus mit Buschenschank vom Weingut Dreisiebener.
Diesen Ausblick können die Gäste beim Frühstück genießen. Das beliebteste Zimmer im Haus
Moderne Architektur an der Weinstraße
Ja, sie passt dort hin
Von Michael Schröder
Freie Sicht über die hügelige Landschaft ist in der Südsteiermark nicht wirklich etwas Besonderes. Wenn man diesen Ausblick allerdings direkt aus der Dusche genießen kann, ist das doch ziemlich einzigartig.
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ie Südsteiermark hat mehr zu bieten als nur den Wein, für den sie ohnehin über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt ist. Grundsätzlich entsteht vor Ort seit einigen Jahren viel Neues, auch mit auffälliger Architektur – als Blickfang. Um die Aufmerksamkeit auf diesen neuen
Aspekt zu lenken, fand im Schloss Gamlitz die Tagung „Architektur im Tourismus“ statt. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Steiermark Tourismus, dessen Bestrebung es ist, neue Akzente in der Weingegend zu setzen. Dazu Georg Bliem, Chef von Steiermark Tourismus: „Wir im Tourismus spielen natürlich mit altbekannten Inhalten, Klischees, wenn Sie so wollen. Es muss uns aber auch gelingen, diese Bilder von der Steiermark mit neuen Inhalten aufzuladen, damit wir in unserer Entwicklung und in der Wahrnehmung von außen nicht stehen bleiben. Dafür eignen sich Objekte zeitgemäßer Architektur ideal.“ Aber passt modernes Design überhaupt in eine traditionelle, ländliche Region? Im Rahmen einer Rundreise durch die sogenannte steirische Toska-
Essen, trinken und ansprechendes Ambiente, so präsentiert sich die Magnumthek.
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na war ich in diesem Zusammenhang anfangs skeptisch, doch nach kurzer Zeit wurden alle Zweifel weggewischt. Mir wurde klar: Ja, es passt dort hin.
Moderne Vielfalt Ausgerechnet an diesem Tag liegt dichter Hochnebel über der Weinstraße und der Reif ist stellenweise zentimeterdick. Gewiss hat ein solcher Anblick seine Reize, allerdings verdeckt er den Blick auf die Hügellandschaft. Keine guten Voraussetzungen also für die Gastgeber unserer Rundreise. Die kleine Gruppe Architekten, die am Ausflug teilnimmt, beäugt jedes vorbeiziehende Haus mit kritischem Blick durch die beschlagenen Busfenster. Und schon haben wir die erste Station, das Weingut LacknerTinnacher erreicht. Hier findet sich ein
nicht mehr ganz neuer, aber immer noch interessant anzusehender Weinkeller. „Zusätzlich zur Optik ist er außerdem funktional“, erklärt die Tochter des Hauses, Katharina Tinnacher. „Wir brauchen im Keller keine Klimaanlage, denn durch die Einbettung in den Hügel ist unser Keller im Sommer und im Winter gut temperiert. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war meine Mutter, weil bei uns in der Familie ist sie der Bauherr.“ Drinnen stellt sich heraus, dass die Bezeichnung als (Wein-)Keller nahezu einer Beleidigung gleichkommt. Selbstverständlich gibt es Tanks und Fässer, jedoch die Lagerräume und der Degustationsbereich sind ein absoluter Hingucker. Es ist halb zehn und schon werden die ersten Gläser ausgeschenkt. Schlürfen, spucken und nachschenken.
Der Weinkeller der Magnumthek beeindruckt durch Schlichtheit und die riesigen MagnumFlaschen.
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Modern, aber nicht aufdringlich, der Weinkeller der Familie Lackner-Tinnacher braucht keine Klimaanlage.
Dazwischen wird über Weinbau gefachsimpelt und nach drei Flaschen geht die Reise weiter.
Bindeglied Holz Ein Beispiel dafür, dass moderne Architektur nicht immer eckig sein muss, ist das umgebaute und erweiterte Gästehaus mit kleiner Buschenschank am Weingut Dreisiebener. Aus der Entfernung könnte man es leicht übersehen, so gut passt es sich in die Umgebung der anderen Holzhäuser ein. Bei genauerer Betrachtung eröffnen sich viele Details
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und der großzügige Einsatz von Glas. Klarerweise wird auch hier fürs leibliche Wohl gesorgt. Da ich kein Weinbeißer bin, vertröste ich mich mit selbstgebackenen Nussschnecken. Bei der Besichtigung fallen die wohnlich warme Atmosphäre sowie der großartige Fernblick auf, der zwischen den Nebelfetzen erkennbar ist. Im geräumigsten der drei Zimmer ist gar die gesamte Stirnseite verglast. „Zuerst dachten wir, dass dieses Zimmer bei den Gästen nicht gut ankommen würde. Aufgrund der hohen Nachfrage bräuchten wir mittlerweile
Das leibliche Wohl kommt in der Südsteiermark niemals zu kurz.
drei solche Unterkünfte“, freut sich der Weingutbesitzer Hans Dreisiebener.
Noch mehr Wein Als letzte Station steuern wir die Magnumthek an, die sich neben dem Weingut Tement in Zieregg befindet. Sie ist direkt an eine kleine Kapelle angeschlossen und verbindet neue und alte Architekturelemente. Hier gibt es, wie der Name verrät, vorwiegend Wein aus Magnumflaschen. „Das ist unsere Besonderheit, man hat ja sonst fast keine Möglichkeit, Wein aus einer solchen
Flasche zu trinken“, sagt Rainer Wetzelhütter, gelernter Koch und diplomierter Sommelier. Anschließend führt die Rundreise wieder zum Ausgangspunkt – Schloss Gamlitz – retour. Nun gilt es erst mal die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Mein Sitznachbar hat sich bereits festgelegt: „In der schönen Umgebung lässt es sich gut entspannen. Wie man wohnen und essen kann, haben wir auch gesehen, und zum Trinken gibt’s sowieso immer was.“
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FREIZEIT
Weltstädtchen mit Landschaft V
ielleicht gewinnt man diese heitere Ruhe, wenn man so alt ist wie Luzern. Und so wohlhabend. Schon die Römer waren hier, vor über 1000 Jahren nannte man diesen Ort bereits „Lucaria“ und schließlich Luzern, Leuchtenstadt – ein Engel soll die Menschen mit einem Licht hierhergewiesen haben. Im Mittelalter noch ein „kleines, hölzernes Storchennest“, ein Fischerdorf, ist es durch seine Lage an der Handelsroute über den St. Gotthard reich geworden. Und modisch seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Eisenbahn von Zürich her die Touristen zur Sommerfrische, zur Fahrt mit dem Raddampfer, zu Wanderungen auf den Drachenberg Pilatus brachte. Queen Victoria beehrte Luzern. Mark Twain freute sich, hier zu sein; und Richard Wagner, der in Luzern genug Dramatik in der Landschaft und genug Ruhe fand, um zwei Kinder zu zeugen, seine Cosima zu heiraten und das Siegfried-Idyll zu komponieren. Eine elegante Uferpromenade wurde angelegt, traditionsreiche Hotels wie das Lieblingshotel Wag-
Hört man da nicht das Siegfried-Idyll überm Wasser schweben? Oder sind es nur die plaudernden Nachkommen der königlichen Schwäne, dereinst von Ludwig XIV. als Geschenk überbracht? Oder ist es doch der Dudelsackpfeifer vor der Kapellbrücke? Auf alle Fälle ist es Luzern, das einen bezaubert. Der See, das Bergpanorama, die heitere Ruhe. Von Elisabeth Hewson
ners, der Schweizerhof mit Tanzsaal (dem berühmten Zeugheer-Saal), baute man zum mittelalterlichen Stadtkern, an die umliegenden Berghänge und an den See. Doch Luzern ist nicht in Nostalgie eingeschlafen, sondern sehr modern und lebendig. Die letzten deutlichen Akzente setzten vor über 10 Jahren Jean Nouvel und Russel Johnson mit ihrem fast schwebenden, sich im See und den See spiegelnden Komplex, dem KKL (Kultur-Kongresszentrum Luzern). Dort treten alle auf, die in der Musikszene einen Namen haben: Das Lucerne Festival gibt es seit 1938, als das schon erwähnte Siegfried-Idyll von
Steilste Zahnradbahn der Welt führt auf den Pilatus 48
Toscanini vor dem Landsitz Tribschen, in dem es Wagner komponiert hatte, uraufgeführt worden war. Seither pilgern jeden Sommer Gäste aus aller Welt hierher und die klassischen ebenso wie die Blues-, Rockund Pop-Konzerte sind meist sehr bald komplett ausverkauft. Im KKL stellen auch zeitgenössische Künstler gerne aus. Und wer gepflegt essen möchte, mit grandiosem Ausblick, von besonders freundlichem Personal umsorgt, kann dort nach einem Konzert das Kunsterlebnis im Restaurant RED noch einmal so richtig auf der Zunge zergehen lassen. Aber Luzern hat auch Naturburschenflair. Man geht wandern auf
den Rigi oder um den See, fährt mit der steilsten Zahnradbahn der Welt auf den Pilatus, wo ein Drache die Seele von Pontius Pilatus bewachen soll, weshalb es früher verboten war, ihn zu besteigen. Einheimische lieben das Stanserhorn hinter dem Pilatus, weniger touristisch überlaufen und deshalb ein guter Tipp. Schwimmen geht man als Luzerner am liebsten vom alten Holzschwimmbad vor dem Casino aus – wieder restauriert mit seinen keuschen Holzkabinen und dereinst für Männlein und Weiblein getrennten Seeeinstiegen: Noch ein Geheimtipp für Touristen. Kurioses gibt es zu bewundern, wenn der Tag einmal trüb ist, wie das berühmte Bourbaki-Panorama. Geschaffen 1889, zeigt es in Rundumsicht und verblüffendem 3-D den tragischen Rückzug eines geschlagenen Heeres durch die winterliche Schweiz – die Armee unter General Bourbaki, die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 verloren hatte. (In diesem Gebäude, auch ein kurioses Detail, wurde übrigens die erste bekannte drehbare Autogarage ge-
Überall ist die 1000 Jahre alte Vergangenheit des „Städtchens“ präsent. Schon die Römer siedelten sich in „Lucaria“ an.
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FREIZEIT
Die berühmte Kapellbrücke zieht als Wahrzeichen logischerweise die Touristen an.
baut.) Gleich in der Nähe liegt an einem kleinen, düsteren Teich ein aus dem Fels gehauener, von Speeren erlegter trauriger Löwe, der an die gefallenen Schweizergardisten erinnern soll, die für den französischen König in den Tod gingen. Auch der Totentanz, gemalt auf die Innenstützen der Spreubrücke (deshalb so genannt, weil man nur von ihr Spreu und Laub ins Wasser werfen durfte, da die darunter fließende Reuss, der Abfluss des Sees, den Abfall von Luzern wegschwemmte) ist ein makabres Mahnmal. Doch sonst ist Luzern ein heiteres, ein lächelndes Städtchen. Die berühmte Kapellbrücke, die ein Wahrzeichen der Stadt wurde und die unter ihrer Überdachung die Stadtgeschichte zeigt, ist voller bunter Blumen: „Durch die Zeit wird viel verzehret / vieles aber auch vermehret / also ward Luzern zur Zeit / schon verbessert insoweit“ kann man da zum Beispiel lesen. Viele Häuser sind fröhlich bemalt, die Reuss rauscht an netten Lokalen wie dem „Nix in der Laterne“ vorbei, überall plätschern hübsche Brunnen, öffnen sich nette Plätze. Auch ein besonders persönliches Museum mit beneidenswerten Kunstschätzen gibt es in Luzern: Die Sammlung Rosengart. Die ausgestellten Bilder und Skulpturen schmückten früher die Wohnräume
der Familie und wurden nach der Gründung der Stiftung mit Unterstützung der Stadt Luzern in einer elegant adaptierten ehemaligen Bank untergebracht. Wenn man Glück hat, dann führt einen Angela Rosengart, die ihre Bilder immer wieder besucht, persönlich durch die Sammlung ihres Vaters, und man kann Portraits mit dem lebenden Modell vergleichen: Die Familien waren befreundet, Angela ein beliebtes Modell Picassos. Ein kleiner Fotoband, der diese Zeit mit Picasso portraitiert, ist – womöglich mit einer Widmung von Frau Rosengart – ein einmaliges persönliches Erinnerungsstück und perfektes Mitbringsel. Ein Museum ganz anderer Art ist das Verkehrsmuseum, mit einem hübschen Spaziergang die Promenade entlang oder mit der Straßenbahn zu erreichen. Viele spannende Geschichten über alles, was sich bewegt, werden auf einem Riesenareal höchst interessant dargestellt, oft interaktiv. Und Kinder und alle, die sich ihre Neugier bewahrt haben, staunen hier stundenlang, was es alles gibt auf dieser Welt und im Kosmos. Miniaturbaustellen mit fahrbaren Traktoren, Bulldozern und Kränen sind eindeutig für Kinder dimensioniert, aber schon bei den elektrischen Autorennbahnen haben oft Erwachsene den Joystick in
Verkehrsmuseum: viele spannende Geschichten auf dem Riesenareal
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der Hand. Besonders beeindruckend: Die Kopie eines Rennboliden-Cockpits, wo man nicht nur die Strecke, sondern auch die Atemgeräusche und den Herzschlag eines Rennfahrers in höchster Anspannung bei Vollgas miterlebt. Wieder zurück in der Stadt kann man eine ganz andere Welt betreten: einen Spaziergang auf der mittelalterlichen Museggmauer machen, am Rand von Luzern, über den Dächern, und auf den Zytturm klettern, in dem die älteste Uhr der Gegend die Stunden schlägt. Sie hat sich durch ihr Alter ein seltsames Recht erworben: Sie darf eine Minu-
Alter Stadtkern und wunderschöne Fassaden
te früher schlagen als alle anderen Uhren Luzerns. Was im Land der Präzisionsuhren eine ganz besondere Ehre sein muss. Dort kann man sich dann bei Sonnenuntergang, auf den vom Nebel verschleiernden See blickend, vielleicht noch ein bisschen in die Zeit träumen, als Pferderennen die Hautevolee nach Luzern lockten, und als bei Ruderregatten die Damen in Krinolinen beim Anblick junger Herren in Badetrikots in Ohnmacht fielen. O
Da kennt sich sofort jeder aus ...
Kultur-Kongresszentrum Luzern: beeindruckend, in den See hinaus gebaut 49
Eintritt in die Welt der Mode in der Schmiedgasse. Eva Brühl: „Unser Geschäft zeichnet sich durch viel Tageslicht aus. Die Fenster ermöglichen wunderschönen Blick in die Altstadt.“
Das Grazer Modehaus Brühl & Söhne feiert 2012 den 100. Geburtstag
Es ist angerichtet F
ür das Jubiläumsjahr will man den Kunden natürlich etwas Besonderes bieten. Daher erhielt das Hauptgeschäft in der Schmiedgasse in Graz – es erstreckt sich über sieben Jahrhunderte alte Innenstadthäuser – einen völlig neuen Look. „Allerdings ist unsere Einrichtung so dezent, dass die Mode nach wie vor die Nummer eins ist“, beschreibt Eva Brühl, die Tochter von Konsul David Brühl, das neue Ambiente. „Der Kunde soll sich sofort heimelig und wohl fühlen. Es ist ein Mix aus Vergangenheit und Zukunft, nicht minimalistisch.“ Gelungen sei das durch die warmen, eleganten Farben. Ganz wichtig ist da der Boden und auch, dass kein weißes Kaufhauslicht das Auge irritiert. Die Designer der Weltmarken Armani, Burberry usw. wollten bei der Gestaltung ihrer Marken-Shops,
Konsul Kurt David Brühl: Durch warme Farben soll sich der Kunde sofort heimelig und wohl fühlen.
wie auch sonst, die Kaufhausoptik umsetzen – also kein Tageslicht. „Wir haben aber darauf bestanden, weil unser Geschäft sich durch das Tageslicht auszeichnet – die Fenster, die den wunderschönen Blick in die Altstadt ermöglichen“, so Eva Brühl. Und durch die Fenster hat jeder Marken-Shop seinen eigenen Charakter. Man hat als Kunde das Gefühl, genügend frische Luft zu bekommen und die Umkleidekabinen, sonst ja irgendwo versteckt, nicht suchen zu müssen. Der Eingangsbereich ist nach dem Umbau schlicht und einfach, „understated“, wie Eva Brühl, die in Großbritannien aufgewachsen ist, das formuliert. Und der früher dominierende Kassabereich – „im Vor-
dergrund soll die Mode stehen“ – wurde nach hinten verlegt. Durch den roten Teppich weiß der Kunde aber dennoch, wo es langgeht. Eva Brühl ist im Familienunternehmen auch für den gesamten Einkauf verantwortlich: „Jetzt tun wir das schon für Weihnachten 2012.“ Dieser sei eine sehr komplexe Sache – mit den Stoffen, Schnitten, Modellen. Der ganze Prozess dauert rund
sechs Monate. „Weil ja die Ware zum Teil speziell für uns produziert wird.“ Wenn Eva Brühl für sich selbst einkauft, hat sie einen sehr praktischen und unorthodoxen Zugang: „Von meiner Lieblingskleidung hängen meist zwei Größen im Kleiderschrank. Denn ich mache mich nicht fertig damit, weil ich zwei oder drei Kilo mehr habe.“ O
D
as steirische Golf-Aushängeschild Martin Wiegele hat heuer seine beste European Tour gespielt und steht in der Endabrechnung mit 372.253 Euro Preisgeld auf Platz 83. Vor ihm rangiert als Österreicher nur Bernd Wiesberger (469.499 Euro) auf Platz 64. Markus Brier als 116. der Rangliste schaffte 258.513 Euro. Alle drei spielen nächstes Jahr auf der European Tour, Markus Brier mit Glück, weil das Teilnehmerfeld auf 118 erweitert wurde. Und doch bleibt es nicht aus, dass jeder der drei Profis sich fragt: „Was wäre, wenn …?“ Denn nur ein Schlag weniger bei einigen hoch dotierten Turnieren und Wiegele und Wiesberger hätten eine noch bessere Platzierung geschafft und hätten beim „Race to Dubai“ – jetzt im Dezember gewesen – auch abschlagen können. Der Sieger dort kassierte mehr als eine Million Euro und auch der 60. kassierte noch gut. Aber knapp daneben ist auch daneben. Bitter deshalb, weil zum Beispiel Martin Wiegele kurze
Puts nicht versenken konnte, wo von 100 Versuchen 99 reinfallen. Wie knapp im Spitzengolf Himmel und Hölle zusammen liegen, zeigt auch das Beispiel von HansPeter Bacher. Er schaffte als 120. auf der Challenge Tour gerade noch die Qualifikation für die Tourschool. Dort spielte er hervorragend. Am 6. und letzten Tag musste er aber 7 unter spielen, um als 30. und damit Letzter noch die Karte für die European Tour zu schaffen. Bis zum 15. Loch lag er auf 5 unter. Dort gelang ihm bei einem Par 5 ein sensationelles Eagle, also eine 3. Und damit war er auf 7 unter. Die weiteren drei Löcher spielte er Par und so schaffte er es im letzten Abdruck. Damit sind in der kommenden Saison erstmals vier Österreicher auf der European Tour – also ein kräftiges Lebenszeichen für den österreichischen Golfsport. Experten haben nicht mit Bacher, sondern eher mit Florian Prägant, Uli Weinhandl oder Jürgen Maurer für die European Tour ge-
Tennis kommt wieder stärker
D
ie Abos für die Wintersaison laufen ja schon längst. Wer jetzt eine Halle zum Tennisspielen sucht, tut das für Einzelstunden. Und da sind die Angebote von der Qualität her, was den Boden, das Licht, die Umkleideräume, Temperatur und das Rundherum betrifft (Café, Imbiss usw.), unterschiedlich. Es ist aber auch ein Gefälle zwischen Graz und der „Provinz“ zu erkennen. Die Mehrheit der Hallen gibt es von Bruck abwärts im Süden der Steiermark. Mit Thomas Muster an der Weltspitze gab es auch in Österreich einen Tennis-Boom. Das ist lange, lange Vergangenheit. Aber auch ohne ihn hat Tennis gegenüber dem Trendsport Golf wieder Boden gutgemacht. Die Golfer müssen bei uns im Winter passen. Nicht so die Tennis-Fans. Sie können in Form bleiben, weil sie im Winter in die Halle gehen können. Knapp 60 Hallen gibt’s in der Steiermark – allerdings mit unterschiedlichem Standard und Komfort, was den Boden, die Umkleidekabi-
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nen, Duschen und die Lichtqualität betrifft. Generell gilt aber auch: Außerhalb von Graz ist das Spielen billiger. In der Landeshauptstadt führt sicher das Tennisparadies (Tennisschule Hannes Zischka) die „Rangliste“ an, außerhalb, in der Großregion Graz, bietet die Tennishalle Deutschfeistritz (Wagner Tennis) ein gutes Angebot. Die Abos werden meist mit Doppeln belegt. Überall dort, wo auch ein Café, Imbiss oder sogar Restaurant angeschlossen ist, freut es die Tennis-Fans, weil sie nachher gemütlich das Spiel analysieren können. Die Preisbandbreite ist beachtlich. Alles ist abhängig von der gewünschten Spielzeit. Standby-Preise pro Stunde beginnen bei 5 Euro und gehen bis zu 20 Euro pro Stunde. Am teuersten sind die Stunden zwischen 15 und 21 Uhr. Danach wird’s wieder günstiger. Auch am Wochenende gibt’s attraktive Stundenpreise. Das Licht kommt in vielen Fällen dazu und kostet zwischen 1,5 und 3 Euro pro Stunde. O
SPORT
Nur ein Schlag zwischen Himmel und Hölle
(v.l.) Bernd Wiesberger, Hanspeter Bacher, Martin Wiegele, Thomas Feyrsinger, Florian Prägant und Roland Steiner
rechnet. Sie spielen weiter auf der Alps und Challenge Tour. Auch den Amateuren Lukas und Tobias Nemecz sowie Matthias Schwab werden Karrieren, wie jene eines Wiegele oder Brier, vorausgesagt. O
Tennishallen in der Steiermark GAK Tennisanlage Center Court Tenniscenter Allround Tennishotel Riederhof Tennisparadies Tenniscenter Straßgang Niederleitners Schöckllandhof TC Pachern T-Base Tenniscenter und Café Krempl KG – Tennishalle Kirchbach TK Gratkorn ProTennisAustria – Deutschfeistritz ASKÖ TV Sparkasse Weiz Tennishalle Krottendorf Tenniscenter Passail Tennishalle Birkfeld Tennishalle Gleisdorf POSS Tennishalle Tennishalle Hartberg Tennishalle Freizeitpark TC Sparkasse Fürstenfeld TC Gsöls Kirchberg Tennis Stüberl Marktgemeinde Gnas – Tennishalle Gleichenberger Tennishalle Sportcampus Leibnitz GmbH/ Tenniscafé UTC Raika Heimschuh Lenz Bau Tennishalle Arnfels TC ASKÖ Fabiani Tennishalle Bad Radkersburg TC Freizeitparadies Lannach Tenniscenter Stainz GesmbH u. CoKG Sportpark Deutschlandsberg Top Tennis Tinnacher Freizeitinsel Piberstein ESV Bruck/Mur Tennishalle Oberaich Tennishalle Kapfenberg JuFa Mariazellerland Kindberger TennishallenbetriebsgesmbH Tennishalle Allround Tennishalle Leoben Tenniscenter Proleb Tenniscenter Wolf Tennishalle Zeltweg Tennispark Judenburg TFC Eisenerz Tennishalle Murau-West WSV Liezen-Sektion Tennis Tennishalle Bad Mitterndorf TC Bad Aussee
Ort Graz Graz Graz Graz Graz Graz Eggersdorf Hart b. Graz Oberlabill Kirchbach Gratkorn Deutschfeistritz Weiz Weiz Passail Birkfeld Gleisdorf Pöllau Hartberg Bad Waltersdorf Fürstenfeld Kirchberg a.d.R. Feldbach Gnas Bad Gleichenberg Leibnitz Heimschuh Arnfels Mureck Bad Radkersburg Lannach Stainz Deutschlandsberg Voitsberg Maria Lankowitz Bruck/Mur Oberaich Kapfenberg Mariazell Kindberg Mürzzuschlag Leoben Niklasdorf Knittelfeld Zeltweg Judenburg Eisenerz Murau Liezen Bad Mitterndorf Bad Aussee
Tel. 0316 / 683276 0316 / 425454 0316 / 301390 0664 / 2035730 0316 / 282156 0316 / 281655 03117 / 2279 0316 / 225849 0650 / 5254699 03116 / 27647 03124 / 23110 0664 / 3555358 0664 / 2515690 03172 / 4354 0664 / 6151650 03174 / 30 65 0676 / 7267781 03335 / 2038 03332 / 603603 03333 / 3535 0676 / 6375007 0664 / 1434114 0664 / 1502710 03151 / 226011 031559 / 40 42 057083429 03452 / 71 17 7 0664 / 5052410 0664 / 4019223 03476 / 23416 0676 / 3091992 0664 / 6503141 03462 / 48 28 0676 / 9041111 03144 / 70 959-10 0676 / 60 68 040 0660 / 55 74 747 0699 / 17337766 05 / 70 83 - 390 03865 / 45 13 03852 / 30850 03842 / 47 604 03842 / 83 012 03512 / 85244 03577 / 24 855 03572 / 86 950 03848 / 25 01 03532 / 25 00 03612 / 28 01 - 240 0664 3575795 0664 / 11 70 867
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CD-Tipps „Lauras Stern – Die Hits aus der Show“ von Klaus Baumgart Baumhaus 15 Jahre Lauras Stern. Zu diesem Jubiläum wurde eine spannende Show für die ganze Familie geschaffen, mit poetischen Bildern, aufwendigen Kulissen, Artistik, Tanz, Magie – und mit ganz viel Musik. Auf dieser CD sind alle Lieder der abenteuerlichen Reise von Laura und Tommy zu den Sternen enthalten. Zum Mitsingen, Tanzen, Lachen und Träumen.
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K
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en Kampf um eine neue Welt trägt jeder zuerst in sich selbst aus. Bist du dazu bereit? Nur etwas kann verhindern, dass wir unsere Träume verwirklichen: unsere eigene Angst. Das Buch ist ein modernes spirituelles Abenteuer, in dem ein Mann mit seinen Zweifeln ringt und seine Ängste überwindet. Kirchenkrise – Wie überlebt das Christentum? Franz-Xaver Kaufmann Herder
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irchenbindung und christliche Gläubigkeit nehmen in unserer Gesellschaft dramatisch ab. Die Situation hat sich zugespitzt: Welche Probleme liegen hinter aktuellen Konflikten? Was sind die Gründe für den Verlust an Glaubwürdigkeit? Wie wird es weitergehen? Eine ebenso scharfsichtige wie nüchterne Analyse: Die Zukunft des Christentums – dargestellt in einem weiten gesellschaftlichen und geschichtlichen Horizont. Bioparadies Toskana Telsche Peters Styria Regional Carinthia
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ieser kulinarische Reiseführer liefert eine kurze Einführung in die biologische und biologisch-dynamische Landwirtschaft. In 100 persönlich gehaltenen Porträts werden die Besitzer von Weingütern, Höfen und Agriturismi vorgestellt. Ein leidenschaftliches Buch, das ein Stück Toskana auch in die eigenen vier Wände bringt … Coach dich zum Superschüler Juliette Renate Stauber Lebensgeschenke Verlag
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n jedem von uns steckt ein Genie! NLP und Mind-Mapping ermöglicht es, dieses Genie aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Das Buch bietet eine Lernform, die alle Sinne anspricht, in der man seine Phantasie nutzen kann und dabei zu einem begeisterten Lernenden wird. Und ganz nebenbei hat man viel Spaß dabei. Wo geht’s lang? Karten erklären die Welt Heekyoung Kim Gerstenberg
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as außergewöhnliche Sachbilderbuch führt Kinder durch die faszinierende GeKLIPP Dezember 2011
Filme
schichte der Kartografie: von den polynesischen Stabkarten über einen in Marmor gemeißelten Stadtplan des antiken Rom, Sternkarten, U-BahnPlänen heutiger Großstädte bis hin zum satellitengesteuerten Navigationsgerät. Das Buch des Wandels Matthias Horx Pantheon
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ie können wir die Veränderungen, die durch Technologien, Globalisierung oder Umwelteinflüsse entstehen, bewusst gestalten, statt sie zu erleiden? Das ist die Schlüsselfrage unserer Zeit. Und es ist eine Frage, die jeder Einzelne, die Familien, Firmen und unsere Gesellschaft als Ganzes für sich beantworten müssen. Matthias Horx nimmt uns die Angst vor Neuem, schärft den Blick für die Möglichkeiten, die vor uns liegen, und ermutigt zur aktiven Gestaltung unserer Zukunft. Wie’s früher war: Vom Leben auf dem Land Inge Friedl Styria regional Oberösterreich
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as Buch erzählt von Dingen, die es heute nicht mehr gibt: von der „Mühl“ und von der „Schmiedn“, vom Störschneider und vom Leben auf den Bauernhöfen vor der Mechanisierung. Das Getreide wurde mit der Hand geschnitten, „d’ Sau“ wurde „ogstochn“, der Most wurde händisch gepresst und im Winter ging’s ans Federnschleißen, Spinnen und Besenbinden. Das Wunder der Selbstliebe Bärbel Mohr, Manfred Mohr Gräfe und Unzer
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er sich selbst liebt, der findet leichter Freunde, lebt Partnerschaft auf einer nährenden Ebene, ist erfolgreicher und lebt gesünder. Wer sich selbst liebt, den liebt das Leben. Die Autoren zeigen in ihrer leichtfüßigen und liebevollen Art, wie das Gesetz der Resonanz denjenigen reich beschenkt, der in sich selbst den richtigen Nährboden schafft für: das Wunder der Selbstliebe. Wieland Wagner: Wegbereiter und Weltwirkung Ingrid Kapsamer Styria premium
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r galt als Wunderkind, als Liebling der Götter, als Günstling der Politik – vor allem aber als Erbe von Bayreuth, von dem erwartet wurde, die Traditionen fortzuführen, dafür zu sorgen, dass Richard Wagner konserviert würde. Eine künstlerische Biografie, ein Buch zur Kulturgeschichte der Nachkriegszeit, ein Buch von der Schönheit der Oper und vom unermesslichen Reichtum der Musik. KLIPP Dezember 2011
Margin Call – Der groSSe Crash Thriller Darsteller: Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Zachary Quinto, Penn Badgley Regie: J.C. Chandor
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ie Finanzkrise hat bereits Einzug gehalten. Hauptleidtragender in einer großen Investmentfirma ist Top-Risk-Analyst Eric Dale. Dale arbeitete an einer Analyse der aktuellen Unternehmenssituation und übergibt die brisanten Daten bei seiner Entlassung seinem ehemaligen Schützling Peter Sullivan. Dieser stellt daraufhin weitere Berechnungen an und erkennt, dass der finanzielle Untergang seiner Firma bevorsteht. Von den Zahlen alarmiert, beschließt die Konzernführung eine hochspekulative Rettungsaktion. Es beginnt eine moralische und zunehmend dramatische Achterbahnfahrt, die alle Beteiligten an den Rand der Katastrophe katapultieren wird. Fotos: Filmladen Filmverleih
The Help Drama Darsteller: Emma Stone, Viola Davis, Bryce Dallas Howard, Mike Vogel, Sissy Spacek Regie: Tate Taylor
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keeter fasst – angetrieben von ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und gegen alle Konventionen – den Entschluss, afroamerikanische Frauen zu interviewen, die ihr Leben damit verbracht haben, sich als Hausmädchen um die Kinder der weißen Oberschicht zu kümmern. Doch damit verstößt Skeeter nicht nur gegen den guten Ton, sondern auch gegen das Gesetz, wodurch sie sich und alle, die ihr geheimes Projekt unterstützen, in Gefahr bringt … Fotos: Dale Robinette/ DreamWorks II Distribution Co
Mein Freund, der Delfin Drama Darsteller: Nathan Gamble, Ashley Judd, Harry Connick Jr., Morgan Freeman Regie: Charles M. Smith
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in frei lebendes, junges Delfinweibchen gerät in eine Krebsreuse und zieht sich dabei eine schwere Verletzung am Schwanz zu. Es wird gerettet und ins Clearwater Marine Hospital gebracht, wo man ihm den Namen Winter gibt. Doch sein Überlebenskampf hat erst begonnen. Denn ohne Schwanz hat Winter kaum eine Chance. Erst die gemeinsamen Bemühungen eines Meeresbiologen, eines Experten für Prothesen und eines treuen Jungen machen das bahnbrechende Wunder möglich ... Fotos: Courtesy of Warner Bros. Pictures 55
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