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Klipp_2010-05

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auch Bundeskanzler, förderten das Projekt. Alles schien bestens zu laufen, bis sich die Ereignisse überschlugen. Umtriebig, wie unser Märchenheld Hubert war, gelang es ihm, die inter-

Dazu kamen verregnete Sommer und das Minus auf den Konten stieg bedrohlich. Das Einnahmenloch wurde größer und größer. Seine SPÖ hatte ihn völlig fallen gelassen. Huberts Mutter war ge-

Einst Bürgermeister Hubert, unser Glücksritter, war bis zur Mitte des Jahres 1997, also vor gut 13 Jahren, Bürgermeister im weststeirischen Maria Lankowitz. Bei seiner erstmaligen Wahl im Jahre 1981 war er mit 28 Jahren der Jüngste seiner Zunft und heftig beklatscht. Er kam aus einfachsten Verhältnissen, wuchs in der Ära Kreisky heran und wurde früh politisch aktiv. Als Landessekretär der sozialistischen Jugend nahm er sich kein Blatt vor den Mund. Seine leicht aufbrausende Art beim Einsatz für mehr Chancengleichheit für seine Mitmenschen brachte ihn in Konflikt mit den Spitzen der steirischen SPÖ. Die wollten ihn nicht wirklich. Aus Platzmangel war sein Büro in der Parteizentrale in der Hans-Resel-Gasse in Graz der Kopierraum. Es gäbe nirgendwo anders einen Platz im Haus, meinte der damalige Parteisekretär Walter Gratsch. Doch Hubert ging unbeirrbar seinen Weg, für ihn gab es nur heiß oder kalt. Er stieg zum Bezirkssekretär in der Weststeiermark auf, galt mit seiner hemdsärmeligen bestimmenden Art als eine junge PolitHoffnung. Als Bürgermeister von Maria Lankowitz bewies er seine Durchschlagskraft. Daneben wurde er auch zum Präsidenten des JugendherbergeVerbandes der Steiermark gewählt. Dort gelang es ihm, den Neubau einer Jugendherberge nach Maria Lankowitz zu holen. In dieser Zeit veranlasste die Republik Österreich auch die Rekultivierung des ehemaligen Bergbaugeländes in Köflach. Die Verantwortlichen der GrazKöflacher-Bahn-Gesellschaft mit ihrem Generaldirektor Peter Prohaska und Franz Vranitzky, damals noch Länderbank-Chef, später aber KLIPP Juli 2010

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Und was macht man mit so viel Geld? nationale Tennis-Damen-Turnierwelt auf die Freizeitanlage Piberstein zu holen. Tennis stand damals ganz hoch im Kurs – nicht zuletzt dank Thomas Muster. Als dann die Haftungen schlagend zu werden drohten, die Hubert als Bürgermeister unterschrieben hatte, kam es zum Putsch gegen ihn. Seine eigene Fraktion stürzte ihn als Bürgermeister. Eine Schlammschlacht unter den Genossen war die Folge. Monatelange Ermittlungen der Staatsanwaltschaft folgten ebenfalls.

Böser Absturz Als Bezirkssekretär hatte Hubert mit der Begründung gekündigt, es sei ihm in der Politik alles viel zu viel geworden. Die GKB wollte sich in dieser Zeit von der Freizeitinsel Piberstein trennen. Unter den Kaufinteressenten war auch Hubert – und er bekam den Zuschlag. Ein befreundeter Bankdirektor ermöglichte die Finanzierung der damals 337 Millionen Schilling (rund 24,5 Millionen Euro), die für das Projekt bezahlt werden mussten. Hubert war großer Hoffnung. Die von der GKB in den Bilanzen vorgelegten Zahlen erwiesen sich aber als nicht solide.

schockt und litt mit ihrem Sohn. Dabei hatten die Genossen viel vorgehabt. Nach der Kündigung als Bezirkssekretär designierte die Partei ihn als Landtagskandidaten, doch der große Crash machte alles zunichte. Den Bürgermeister verloren, als Präsident des JugendherbergeVerbandes zurückgetreten und auch den Platz auf der Landtagsliste eingebüßt. Ein tiefer Fall, höher wurden nur die Schulden bei der Bank, weil die Zinsen für die Freizeitinsel Piberstein nicht zu verdienen waren. Hubert suchte verzweifelt einen Ausweg, nach Verbündeten oder zumindest nach Hilfe. Die fand er beim damaligen ÖVP-Landesrat und Tourismusreferenten Gerhard Hirschmann. Diesem gefiel der Einzelkämpfer und er sah in der Freizeitinsel Piberstein ein mögliches Leitprojekt für den Tourismus in der Weststeiermark. Mit Landeshilfe kam es zum Bau einer Konzertbühne, es folgten große Veranstaltungen und so konnte sich Hubert über Wasser halten. Bis sich seine finanzielle Situation mit dem Lottogewinn im Vorjahr völlig drehte und für Hubert eine Art zweites Leben

begann: mit dem Einsatz von 21 Euro gewann er sage und schreibe 52 Millionen Euro, also 720 Millionen Schilling!

Der Weststeirer möge sich melden So lautete die Nachricht der Lottogesellschaft im Rundfunk. 52 Millionen Euro waren auf ein Los aus Österreich entfallen. „Schau einmal nach“, hatten ihn seine Familie und Bediensteten aufgefordert. So nebenbei tat er es auch, denn es war viel zu tun im Restaurant an diesem Wochenende. In einer Pause holte er sich dann den Schein aus dem Auto, nahm die Kronenzeitung zur Hand – und bekam weiche Knie, einen Schweißausbruch und leichte Schwindelgefühle. Er war der Gewinner. Unglaublich. Seine Familie und die nächste Umgebung bekam die schicksalhafte Erkenntnis mit. Doch so, als ob nichts sei, bedienten Hubert und die Seinen die Gäste weiter. Wiewohl er sich geschworen hatte, die Bude zuzusperren und keinen mehr hineinzulassen, sollte irgendwann einmal ein solcher Tag passieren. Sein erster Weg führte Hubert mit seiner Frau, einer Krankenschwester, an das Grab seiner Mutter. Tränen flossen dort, auch beim späteren „Vater unser“ in der Kirche beim Dankgebet. Noch zwei Tage dauerte die Nachdenkphase, dann meldete sich Hubert bei der Lottogesellschaft. Am nächsten Tag schon parkte ein unauffälliges Auto mit Wiener Kennzeichen in Piberstein. Wie in solchen Fällen üblich, bot der Herr der Lottogesellschaft Hubert jede Beratung und Unterstützung an. Bis hin zum Psychiater und Psychologen, den er kopfschüttelnd ablehnte.

Und wie sag ich’s meiner Bank? Der geneigte Leser muss wissen, dass für Lottogewinne nie eine Steuer zu zahlen ist. Klar zu denken hatte er schon in seiner Bürgermeisterund Politiker-Zeit gelernt. Seine Bank ließ Hubert wissen, dass er einen ernsthaften Interessenten für den Kauf der gesamten Freizeitinsel Piberstein habe. Dieser wünsche allerdings eine rasche Entscheidung. Und wie viel die Bank bereit wäre, von den aushaftenden Krediten nachzulassen. Bei den Geldmännern vor Ort kam echte Freude auf, war doch Piberstein ein Sanierungsfall mit hohem Restrisiko. Daher stimmten sie einem saftigen Nachlass – „Lieber fort mit Schaden …“

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COVERSTORY

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in wahres, fast modernes Märchen, das sich in der Weststeiermark zugetragen hat. Der Held in diesem Märchen heißt Hubert, sein Nachname tut in einem Märchen nichts zur Sache. Er selbst erzählt nie über sein Treffen mit der Glücksfee. Daher musste sich Klipp bei anderen umhören, damit Sie, liebe Leser, die Geschichte weitererzählen können. Weil sich ja doch jeder wünscht, dass ihm ein solches Glück ebenfalls widerfährt, und sich überlegt, was er mit so viel Geld tun würde, dass er mit der Hälfte oder mit einem großen Teil zufrieden wäre und alle Kirchenglocken im Ort läuten lassen würde.


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