Skip to main content

2016 Das Jahr in Kleinwachau

Page 1

Das Jahr in Kleinwachau | 2016

erlebt. gesehen. erzählt.

Mitgestaltung Politik zum Anfassen und Netzwerk Inklusion

Farbe bekennen Die Mischung macht's Inklusive Schulprojekte

Neue Station Klinikneubau vor der ErĂśffnung

Mein Foto des Jahres Besondere Augenblicke


INHALT Mein Foto des Jahres Besondere Augenblicke 4, 10, 18, 26, 34

6

20

Geschichtsaufarbeitung Forschungsprojekt zu den Lebensumständen in Kleinwachau von 1945 - 1989 6 Zuwachs für Kleinwachau Epilepsiezentrum erweitert den Bereich Bildung 9 Ein Dorf mit Vision Liegau-Augustusbad auf dem Weg zur Inklusion 12 Einsatz für Steven Förderschüler im Radeberger Jugendstadtrat 15

36 23

Neue Krankenhaus-Station Ein Quantensprung für Diagnostik, Therapie und Pflege 20 Nachgefragt Sarah Elise Bischof 23 Politik zum Anfassen Politische Bildung für Menschen mit Behinderungen 28 Vernetzung beginnt nebenan Aktion Mensch fördert Inklusions-Projekt 30

15

Berufliche Bildung Ein großes Werk in kleinen Schritten 36 Unbegrenzte Möglichkeiten Holzwerkstatt zwischen Kunsthandwerk und Industrie 40 Neues Design für paso doble Neu, frech und charmant 42 Jahresspendenprojekt Urlaub möglich machen 48

30

42 2 | Kleinwachau

Impressum 51


G Liebe Leserinnen, liebe Leser, Clara kommt auf mich zu. Sie legt den Kopf an meine Schulter und sagt: „Ach Roth, schön, dass du da bist. Drück mich mal.“ Und dann kommt auch noch Karl. Er bleibt vor mir stehen und lacht: „Ich hab dich gern.“ Diese Momente gehen mir zu Herzen. Ohne Scheu aussprechen, wenn ich Zuwendung brauche. Ohne Scheu dem Anderen Gutes sagen. Das können in Kleinwachau viele. Es tröstet mich, wenn ich mutlos bin. Andere zeigen mir: Du musst dich nicht verstecken. Du darfst sein, wie du bist – mit deinen Stärken und Schwächen.

Wir Gott haben spricht:hier keine Ich will bleibende euch Stadt, trösten, sondern wie einen die zuseine künftige Mutter suchen tröstet. wir. Jesaja 66, Vers 13 Hebräer 13,14 Jahreslosung 2016

So haben wir auch in diesem Jahr die Jahreslosung konkret erlebt. Wenn Gott tröstet, dann hilft Er uns schwere Zeiten zu ertragen und durchzustehen. Dann ermutigt Er uns und hilft uns, den Blick nicht nur auf unsere Schwächen zu richten. Er erinnert an unsere Stärken. Er öffnet uns den Blick für die Menschen um uns herum und für unsere Gesellschaft. Und wenn Gott tröstet, dann gibt Er uns auch die Kraft, Seinen Trost weiterzugeben. In Kleinwachau tröstet Gott durch Menschen wie Clara und Karl. Und Er hilft, diesen Trost weiterzugeben. Durch die Begegnungen im Alltag und durch unser gesellschaftliches Engagement. Vielleicht entdecken Sie das auch auf den folgenden Seiten.

Ihre Pfarrerin Elisabeth Roth

Kleinwachau | 3


„Neben aller segensreichen Arbeit gab es auch Seiten, für die wir uns nicht rühmen können.”


BILDER GESTERN - HEUTE - MORGEN

M

ein Bild des Jahres - welches Foto nehme ich nur? Es soll ein Foto sein, das sinnbildlich für dieses Jahr steht. In meinem Kopf sind da Bilder ohne Ende. Im Computer noch viel mehr. Meist fällt die Wahl auf ein Bild, das positive Emotionen auslöst. Doch ich entscheide mich in diesem Jahr für ein anderes. Eines, das einen schwierigen Aspekt unserer Kleinwachauer Geschichte berührt. Im Bußtagsgottesdienst am 16. November 2016 stellte die Dresdner Historikerin Bettina Westfeld ihre Forschungsarbeit über die Lebensumstände in unserer Einrichtung von 1949 bis 1989 vor. Mit unserem heutigen Wissen müssen wir feststellen, dass es neben aller segensreichen Arbeit auch Seiten gab, für die wir uns nicht rühmen können. Wir durften diese Dinge im Bußtagsgottesdienst vor den Altar bringen und um Vergebung bitten. Gott sei Dank, dass uns diese Möglichkeit gegeben ist. Ich bin froh, dass sich das Miteinander von Menschen mit und

ohne Behinderung mittlerweile stark verändert hat, hin zu mehr Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Miteinander. In Radeberg ist das schon spürbar. Nicht zuletzt zeigt es sich daran, dass wir mit der Übernahme der Trägerschaft der christlichen Kita „Baumhaus“ in Radeberg unsere Zusammenarbeit mit der Stadt, vor allem aber auch mit der Kirchgemeinde, weiter ausbauen.

der interessanten Frage, ob es nicht sinnvoller ist, am Standort Kleinwachau gleich eine neue Grundschule zu bauen, die später einmal gemeinsam mit unserer Förderschule zur „Inklusiven Schule Liegau“ ausgebaut werden könnte. Ein Dorf spricht über seine Visionen für ein gemeinsames Lernen von Menschen mit und ohne Behinderungen – welch eine ermutigende Entwicklung!

Auch unser Krankenhausneubau geht weiter voran. Schwierigkeiten bei der Organisation des Bauablaufes forderten schließlich eine Verschiebung des Einweihungstermins. Dies ist schon sehr ärgerlich. Nun können Sie alle am 1. April 2017 die neue Klinik besichtigen.

Martin Wallmann Geschäftsführer

Ein weiteres Bild hat sich in diesem Jahr bei mir eingeprägt: Im Mehrzweckraum der Liegauer Kita sitzen die Mitglieder des Ortschaftsrates und diskutieren über Inklusion. Vorangegangen war die Besichtigung der Kleinwachauer Förderschule. In Liegau muss eine neue Turnhalle gebaut werden. Und es kommt dabei zu

Kleinwachau | 5


N

ach fast einjähriger Arbeit wurde im Gottesdienst am Buß- und Bettag 2016 der Abschlussbericht des Forschungsprojektes zu den Lebensumständen in unserer Einrichtung von 1949 bis 1989 vorgestellt. Ausgangspunkt ist die von Bund, Ländern und Kirchen beschlossene „Stiftung Anerkennung und Hilfe“, die ab 2017 Bewohnern von Einrichtungen der Behindertenhilfe in der DDR Entschädigungszahlungen für erlittenes Unrecht ermöglichen wird. Wir haben dieses wichtige Thema in Kleinwachau so schnell vorangetrieben, um den möglicherweise anspruchsberechtigten Bewohnern Kleinwachaus einen schnellen Zugang zu einer Entschädigungszahlung zu ermöglichen. Die Studie leitete die Dresdner Historikerin Bettina Westfeld. Ihr lagen auswertbare Fragebögen von 58 Personen vor. 52 berichten von Gewalterfahrungen. Während drei Personen ausschließlich von erlittener Gewalt durch Mitbewohner berichten, beziehen sich die übrigen Erinnerungen auf Zwangsmaßnahmen durch das Pflegepersonal. Die überwiegende Mehrheit (48 Personen) erinnert sich an Isolierungsmaßnahmen im sogenannten „Stübchen“. „Stübchen“ waren Einzelräume, die mit einer Matratze ausgestattet waren und abgeschlossen wurden. Zusätzlich geben acht Personen an, vom Pflegepersonal körperlich misshandelt worden zu sein. Außerdem berichten zehn Personen vom Anlegen der Bänderjacke. Als Hauptgründe für eine Bestrafung wird ein abweichendes Verhalten im Alltag angegeben wie z. B. verweigertes Essen, ein abgelehnter Kirchgang oder auch Aggressionen unter den Bewohnern oder gegenüber dem Personal.

6 | Kleinwachau


Neben der Befragung der Heimbewohner wurde auch allen ehemaligen Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, ihre Sicht der Dinge zu äußern. Von 117 kontaktierten Personen beteiligten sich 20. An die von den Bewohnern erwähnten Zwangsmaßnahmen erinnerten sich 14 Mitarbeiter. Als Gründe wurden am häufigsten Aggressionen unter den Bewohnern genannt. Außerdem konnten zwei noch vorhandene „Stübchenbücher“ aus den 60er Jahren ausgewertet werden. Die Untersuchung ergab, dass von 83 dokumentierten Gründen bei 13 Personen (16 %) ein medizinischer angegeben ist, bei 17 Personen (20 %) die Anwendung von Gewalt gegen Mitbewohner und/ oder Personal und bei 53 Personen (64 %) ein abweichendes Verhalten. Zusammenfassend lässt sich aber feststellen, dass es in Kleinwachau im Unterschied zu staatlichen Kinderheimen in der DDR keine systematische Misshandlung oder Gewaltexzesse gegeben hat. Auch wurde von den Bewohnern keine sexualisierte Gewalt von Betreuern gegenüber ihnen erinnert, aber wohl zwischen den Bewohnern. Als Erklärung für die Anwendung von Zwangsmaßnahmen werden von den Mitarbeitern die unglaubliche Enge bei der Unterbringung der Bewohner in den großen Schlafsälen, der viel zu geringe Personalschlüssel und auch die mangelnde Möglichkeit einer Supervision der Arbeit genannt. Eine zusätzliche Erklärung für die Anwendung von Gewalt gegenüber den Heimbewohnern ist die Tatsache, dass das Heim in Kleinwachau als sogenannte „totale Institution“ zu betrachten ist. Für das Funktionieren einer solchen Einrichtung sind klare Regeln nötig. Wird deren Befolgung durch die Bewohner zum Selbstzweck, besteht die große Gefahr, dass deren Bedürfnisse aus dem Blick geraten und nicht mehr geachtet werden. Dem entgegenzuwirken, ist eine große Aufgabe für alle Mitarbeiter in solchen Einrichtungen und eine Verpflichtung auch für die heutige Arbeit mit behinderten Menschen.

„Stübchen“ im Brunnenhaus

„Stübchenbücher“

Geschäftsführer Martin Wallmann bat am Buß- und Bettag 2016 deutlich um Vergebung. Gleichzeitig stellte er Hilfe bei der Beantragung von Entschädigungsleistungen in Aussicht. Drei Sozialarbeiterinnen werden diesen Prozess begleiten. Weitere Informationen zur Stiftung: » www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de

Kleinwachau | 7


NEUE KURSE FÜR MENSCHEN MIT LANGSAMEM LERNTEMPO

K

atrin Nowotny drückt sie weiterhin – die Schulbank. Abends nach der Arbeit, in der Volkshochschule. Ein Gebiet, auf dem sie sich auskennt. Sie leitet schließlich die Radeberger Außenstelle der Kreisvolkshochschule Bautzen. Wie sie selbst soll dort jeder lernen können. Seit einigen Monaten gibt es deshalb auch spezielle Angebote für Menschen mit langsamem Lerntempo. Lesen und Schreiben lernen, Rechnen im Alltag, Ausdrucksmalerei oder ein Kurs über die Kunst der Kommunikation. Das Programm im Bereich „Un-behinderte Bildung“ ist abwechslungsreich. „Bis jetzt sind die meisten Kurse schon gut gebucht“, sagt Katrin Nowotny. So gut, dass sie im kommenden Semester ab Februar 2017 wieder angeboten werden sollen. Die Idee dazu entwickelte sich im Gespräch mit Lutz Höhne vom Epilepsiezentrum Kleinwachau. Er baut im Moment ein Netzwerk von Anbietern auf, die behinderten Menschen in der Region verschiedene Freizeitaktivitäten ermöglichen wollen. „Den Gedanken dazu gab es bei mir sogar schon etwas länger“, erzählt Frau Nowotny weiter. Jetzt wurde er endlich Realität. Allerdings will sie die Kurse nicht missvertanden wissen als Variante, Behinderte von anderen Angeboten auszuschließen. Vielmehr seien sie eine Möglichkeit des Kennenlernens, des Ausprobierens. „Es geht nicht darum, Menschen zu separieren. Wir wollen integrieren.“ Deshalb stünden jedem auch alle anderen Kurse offen. In den Volkshochschulkursen sitzen schon jetzt die unterschiedlichsten Teilnehmer. Die Leiter der Angebote stellen sich deshalb schon immer auf die Zuhörer ein. „Natürlich sollten die Teilnehmer für die Kurse bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Das gilt aber für jeden“, beschreibt Katrin Nowotny. Wer einen Zeichenkurs belegt, sollte ein gewisses Talent

8 | Kleinwachau

und Begeisterung für diese Art von Kunst mitbringen. Wer eine Fremdsprache lernen möchte, ein Gefühl für Sprache haben. „Wer das berücksichtigt, kann eigentlich alles lernen.“ Katrin Nowotny wünscht sich, dass in Zukunft auch Menschen mit langsamem Lerntempo in vielen Kursen der Volkshochschule sitzen. „Etwas Neues zu erfahren, Unbekanntes zu entdecken, das ist doch das Spannende im Leben.“ Angst haben müsste vor den Kursen niemand. Es gibt keine Klausuren oder Prüfungen. „Es geht einfach um den Spaß beim Lernen.“ Weitere Informationen zum Kursangebot: » www.kvhsbautzen.de


ZUWACHS KLEINWACHAU ERWEITERT DEN BEREICH BILDUNG

S

eit Herbst 2008 gibt es in Radeberg eine christliche Kindertages- und Familienbildungsstätte, das „Baumhaus“. Eine Kita, die das Gemeindeleben bereichert, den christlichen Glauben lebendig trägt und dabei als Familienbildungsstätte Eltern in schwierigen Situationen berät.

plätze ausgelegt, von denen derzeit vier belegt sind. Zur Kita gehören 13 Arbeitskräfte, die das Epilepsiezentrum Kleinwachau vollständig übernehmen wird. Außer dem formalen Trägerwechsel ändert sich also für die Kinder und Eltern nichts. Die Leitung der Kita bleibt bei Andrea Kretschmann.

Bisheriger Träger war der Verein „Ev.-Luth. Familienhaus Radeberg“. Dieser Verein wird zum 31. Dezember 2016 sein Engagement beenden und die Trägerschaft an das Epilepsiezentrum Kleinwachau übergeben. „Acht Jahre nach Inbetriebnahme des Baumhauses haben wir heute eine wunderbare Einrichtung für Kinder und Eltern. Wir sind stolz auf das Geschaffene, welches durch den unermüdlichen Einsatz unserer hervorragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagierter Eltern immer wieder aufs Neue erreicht wird“, sagt Thomas Israel, der Vorsitzende des bisherigen Trägervereins. Er und die vielen anderen Vereinsmitglieder führen die christlich geprägte Kita ehrenamtlich. Das bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand und vor allem viel Verantwortung.

Der Kleinwachauer Gesachäftsführer Martin Wallmann heißt die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon jetzt herzlich willkommen: „Ich persönlich bin sehr glücklich darüber, dass wir mit der Kita Baumhaus unseren Bildungsauftrag weiter ausbauen können. Neben unserer Förderschule werden wir also bald auch frühkindliche Bildung anbieten und das Ganze sogar noch um den Schwerpunkt Familienbildung erweitern. Gerade in der aktuellen Diskussion um ein gemeinsames Lernen in Liegau-Augustusbad rundet die Kita unser Bildungsprofil also mehr als ab. Befürchtungen, die Kita zu einer heilpädagogischen Einrichtung auszubauen, sind unbegründet. Die Kita ist bereits heute eine integrative Kita, demzufolge ist ein gemeinsames Miteinander von behinderten und nicht behinderten Kindern hier längst Alltag.“

Die christliche Kindertages- und Familienbildungsstätte „Baumhaus“ verfügt über 85 Plätze in Krippe, Kita und Hort. Sie ist für maximal acht Integrativ-

» www.baumhaus-radeberg.de

Kleinwachau | 9


„Zum alljährlichen Herbstlauf kommen mittlerweile immer mehr Kinder aus verschiedenen Schulen der Region zu uns.”


OH WIE SCHÖN IST PANAMA! M

ein Foto des Jahres zeigt Schülerinnen und Schüler am Start zum gemeinsamen „Herbstlauf“. Zu diesem alljährlichen Termin kommen mittlerweile immer mehr Kinder aus verschiedenen Schulen der Region zu uns. Eine schöne Tradition am letzten Schultag vor den Herbstferien. Für die Schülerinnen und Schüler bedeuteten die Herbstferien die erste Pause, für mich war es der Startschuss für eine neue berufliche Herausforderung in meiner neuen Funktion als Schulleiter.

In Fachwelt und Politik wird derzeit viel über die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention diskutiert. Im Bereich der Bildung geht es dabei um das gemeinsame zielgleiche oder zieldifferente Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen. In der

Praxis entwickeln sich beispielhafte Initiativen – meist aus dem lokalen Raum und durch die Vernetzung regionaler Akteure. So stehen auch wir am Anfang der Idee eines engen Miteinanders der Grundschule Liegau-Augustusbad und der Förderschule Kleinwachau. Wir begeben uns damit auf eine Reise, die gleichzeitig eine Suche darstellt nach dem besten Weg für alle.

auch wir am Beginn einer großen Reise stehen, deren Endpunkt wir vielleicht noch nicht kennen, die aber spannend und bereichernd für alle Mitreisenden sein wird. Da bin ich gern mit dabei. Matthias Dieter Schulleiter

Kennen Sie die Geschichte „Oh wie schön ist Panama“ von Janosch? Der kleine Tiger und der kleine Bär finden eine leere Holzkiste mit der Aufschrift „Panama“. Der Duft nach Bananen lässt die Idee reifen, dass nur Panama das Land ihrer Träume sein kann. Sie begeben sich gemeinsam auf die Suche. Ihre Sehnsucht nach dem Neuen und doch Ungewissen ist so stark, dass sie sich auf den Weg machen, ohne dabei das Ziel zu kennen. Ich bin mir sicher, dass

Förderschule | 11


D

er Sport brachte Gabor Kühnapfel Anfang der 1990er Jahre zum ersten Mal nach Liegau-Augustusbad. Damals wohnte er noch in Langebrück. Fußballspielen wollte er im Liegauer Sportverein. Der Ort war damals geteilt. Sicher nur sinnbildlich, aber spürbar. Auf der einen Seite die Dorfbewohner, auf der anderen die Leute von der „Anstalt“. „Dieses Wort gehörte hier wirklich zum normalen Sprachgebrauch“, erinnert sich Kühnapfel. Viel hat sich seitdem geändert. Nicht nur, dass Kühnapfel jetzt in Liegau lebt und Ortsvorsteher ist. Auch das Verhältnis zwischen den Menschen. „Die Leute vom Epilepsiezentrum gehören heute zum Erscheinungsbild dazu, sie gehören zu uns.“ Der Sport ist es auch, der Gabor Kühnapfel derzeit schwer beschäftigt. Um genauer zu sein, der Schulsport. Jahrelang nutzten die Kinder der Liegauer Grundschule die Turnhalle der Radeberger Ludwig-Richter-Oberschule mit. Doch deren Schülerzahl ist so gestiegen, dass die Hallenzeiten komplett für die eigenen Schüler gebraucht werden. Die 82 Liegauer Grundschüler ziehen seitdem für ihren Sportunterricht in den Mehrzweckraum der örtlichen Kita. Der ist allerdings zu klein. Kühnapfel trug das Problem in den Radeberger Stadtrat. Es wurde diskutiert. Am Ende machte Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) deutlich: Allein für die Grundschule kann die Stadt die Turnhalle nicht finanzieren. Für Alexandra Baumgärtel zählt momentan vor allem eines: die Zeitfrage. Lange kann die Schulleiterin der Grundschule nicht mehr zulassen, dass der Sportunterricht in einer

12 | Förderschule


Notvariante läuft. „Wir können den Lehrplan nicht mehr erfüllen“, wird sie deutlich. Wenn im Frühjahr wieder Leichtathletik ansteht, müssen Weitsprung oder Sprint ersatzlos ausfallen. Denn es fehlt auch ein Sportplatz. „Es muss sich schnell etwas tun“, fordert sie. Eine gemeinsame Nutzung mit der Förderschule hält die Schulleiterin durchaus für möglich. Seit sie vor anderthalb Jahren die Leitung der Grundschule übernahm, sind beide Schulen wieder näher zusammengerückt. Alle zwei Monate trifft sie sich mit dem Leiter der Förderschule und spricht über gemeinsame Projekte und Aktionen. Angedacht ist auch, dass die Lehrer der beiden Schulen die jeweils andere Einrichtung kennenlernen. Das alles wären kleine Schritte auf einem neuen Weg, der nach dem Projekt Turnhalle folgen könnte. Momentan wird auch geprüft, ob beide Einrichtungen künftig unter einem Dach vereint werden können. Eine inklusive Schule also, vielleicht ein Pilotprojekt. „Mit Blick auf die positiven Entwicklungen im Ort bin ich mir sicher, dass wir das hinkriegen würden“, sagt Kühnapfel. Heute gäbe es so viele Berührungspunkte mit dem Epilepsiezentrum. Im SV Liegau-Augustusbad trainiert eine Fußballmannschaft, in der Behinderte mitspielen. In der Feuerwehr machen sie mit. Beim Weihnachtsmarkt sind die Kleinwachauer dabei und auch im neu gegründeten Chor. „Überall wird von Inklusion gesprochen. Hier passiert sie ohne Befehl“, erklärt der Ortsvorsteher. Alexandra Baumgärtel findet vor allem eins wichtig: „Dass sich alles langsam entwickeln kann. Lehrer, Eltern und Schüler müssen von der Sache überzeugt sein, sonst hat sie keine Zukunft.“

Förderschule | 13


VORURTEILE SPIELEND ABGEBAUT

S

eit ein paar Jahren schon arbeiten sie gemeinsam daran, Vorurteile stetig abzubauen: Heike Lucas von der Förderschule Kleinwachau und Grit Jäpel von der Pestalozzi-Schule in Radeberg. Sie machen das aber nicht mit erhobenem Zeigefinger oder gar mit endlosen Fachvorträgen – nein, sie machen es spielerisch. Sie bringen zusammen, worüber andere nur reden: Schüler mit und ohne Behinderung. Und dort, im großen lichtdurchfluteten Klassenzimmer der Radeberger Oberschule, spielen sie, reden miteinander und lernen vor allem voneinander. Ein Tag der Begegnung im Rahmen des Deutschunterrichts mit einer Bezeichnung, die treffender nicht sein kann: „Clique und Außenseiter“. Grit Jäpel ist es wichtig, mit Abwehrhaltungen zu brechen: „Die Schüler sollen den Zugang zueinander finden, und das schaffen wir vor allem durch Begegnung.“ Und so staunen die Radeberger Siebtklässler nicht schlecht, als die Förderschüler über ihr Therapieschwimmbecken und Sportunterricht berichten und über moderne Schultafeln, auf denen sie Videos anschauen können. Auch die Antwort auf die Frage nach den Hobbys der Förderschüler verblüfft die Radeberger Oberschüler: „Ganz normale eben. Reiten und Fahrradfahren.“ Interessierte Gesichter, wache Augen und nur noch wenig Platz für Skepsis.

14 | Förderschule

Leserbrief der Klasse 7a der Pestalozzi-Schule: „Ende Januar besuchten uns fünf Schüler aus der Förderschule Kleinwachau gemeinsam mit ihren zwei Lehrern. Die Jungen und Mädchen waren etwas jünger als wir, so zwischen 10 und 12 Jahren alt. Gleich zu Beginn spielten wir zusammen tolle Spiele, um uns erst einmal besser kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten zu finden. Später hatten die Förderschüler den Wusch, unsere Schule zu besichtigen. In kleinen Gruppen zeigten wir den Biologieraum, den Physikraum, den Musikraum und noch weitere Fachräume. Die Förderschüler waren erstaunt über die großen Klassenzimmer, da sie in ihrer Schule kleinere Räume haben. Schließlich lernen in einer Förderschule auch weniger Schüler pro Klasse. Am Interessantesten waren aber die Gespräche unter uns Schülern, so manches Vorurteil konnte da schnell beseitigt werden. Dafür gab es extra eine Fragerunde, in der alle ihre Fragen loswerden konnten. Wir waren erstaunt, dass die Förderschüler dieselben Unterrichtsfächer wie wir haben. Und sie haben sogar Sportunterricht. Auch sie haben uns Fragen gestellt, die sie vorher vorbereitet hatten. Zum Schluss haben wir noch einmal gemeinsam ein Abschlussspiel gespielt. Es war für uns alle eine sehr schöne Zeit.“ von Julia Süßebecker und Claudia Kaube


EINSATZ FÜR STEVEN

D

er Vorsitzende des Radeberger Kinder- und Jugendstadtrats erklärt: „Ein grünes Band soll sich durch Radeberg ziehen.“ In einem kleinen Sitzungszimmer hören ihm mehrere junge Leute aufmerksam zu. Ein paar runzeln die Stirn, als Max an einem Plan der Radeberger Innenstadt zeigt, wo in Zukunft eine Parkanlage entstehen soll. Aber keiner sagt etwas – außer Steven. „Also ich verstehe gerade nicht richtig, wo das jetzt sein soll“, meldet er sich zu Wort. Ein paar andere nicken. Ihnen ging es wohl genauso. „Wenn ich etwas nicht weiß, dann frage ich halt nach“, sagt Steven Zehl wenig später. „Nur so komme ich doch weiter.“ Eine Ansicht, die dem 18-Jährigen im Sommer einen Sitz im Kinder- und Jugendstadtrat bescherte. Mag sein, gibt er zu, dass sich die anderen Jugendlichen anfangs vielleicht gefragt haben, was genau er da überhaupt will. Einer aus der Förderschule Kleinwachau. Es wäre nicht das erste Mal, dass ihn andere unterschätzen. „Aber ich glaube, so denkt hier heute keiner mehr.“ Sich zu engagieren, das liegt Steven. Er ist Klassensprecher und Mitglied in der Schulkonferenz. Über viele Fragen hat er dort schon mitdiskutiert. Wie soll ein Spielplatz aussehen? Wie die neue Fassade des Schulgebäudes? Wo kann ein Gedenkstein stehen? Als man ihn fragte, ob er nicht im Kinder- und Jugendstadtrat mitmachen will, war er sofort bereit. Angst vor der Aufgabe hatte er nie. Höchstens Respekt – meist dann, wenn seitenweise Vorlagen zu einem Thema verteilt werden. „Lesen und Rechnen geht

bei mir ja etwas langsamer“, erklärt er mit entschuldigendem Unterton. Ein Problem wäre das aber nicht. Eine Herausforderung ist momentan etwas ganz anderes: die Zeit. Steven geht in eine Werkstufenklasse. Das heißt einen Tag Schule pro Woche, der Rest ist praktische Arbeit. Von 7 bis 15 Uhr ist er täglich unterwegs. Mal im Garten- und Landschaftsbau, mal bei Malerarbeiten. Bei all dem noch zwei Ratssitzungen pro Monat in Radeberg – das ist stressig. Außerdem liegt ihm noch etwas am Herzen: die Freiwillige Feuerwehr Liegau-Augustusbad. Dort macht er mit und fühlt sich gut aufgehoben. „Bald ist die Ausbildung vorbei und ich darf mit zu den Einsätzen“, erzählt er. „Das ist schon aufregend.“ Im Januar 2016 zog Steven in eine Kleinwachauer Außenwohngruppe. Dort wohnt er vor allem mit älteren zusammen. „Es klappt gut“, sagt Steven. Ewig so leben will er aber nicht. Der große Wunsch: Irgendwann alleine wohnen. „Am besten natürlich mit einer Freundin.“ Der nächste Traum soll sich schon im kommenden Jahr erfüllen. Nach der Schule hofft der junge Mann auf einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Bis dahin will er darauf achten, dass der Jugendstadtrat die Belange behinderter Menschen bei seiner Arbeit im Blick hat. „Wenn wir über eine neue Parkanlage sprechen, könnte dort vielleicht eine Sinnstrecke für Behinderte entstehen“, regt er an. Anderen für solche Dinge die Augen zu öffnen, das kann Steven Zehl wirklich gut.

Förderschule | 15


SCHÜLER PACKEN AN

E

s gibt Aufgaben, die warten schon lange auf Erledigung, doch man findet nie die Zeit dazu. So war es in Kleinwachau mit dem Aschecontainer am Heizhaus. Rostig stand er hinter dem Gebäude und brauchte dringend einen neuen Anstrich. Helfende Hände waren nötig. Und die kamen in diesem Fall von Schülern aus der Radeberger Ludwig-Richter-Schule und der Kleinwachauer Förderschule.

Im Rahmen der 48-Stunden-Initiative des Landkreises Bautzen packten die Jugendlichen also gemeinsam an. In wenigen Stunden war die Arbeit erledigt, deren Ziel letztendlich die Förderung ehrenamtlichen Engagements von Jugendlichen ist. Die Kleinwachauer Handwerker waren begeistert von der Einsatzbereitschaft der Schüler. Wer schon einmal Rost abgeschliffen hat, der weiß, wie anstrengend das ist. Einige Jungen aus Kleinwachau und Radeberg errichteten außerdem noch einen Schutzzaun um den Wasser-Hochbehälter hinter dem Waldhaus. Nach dem Entrosten erhielt der Aschecontainer noch eine Grundierung. Doch bei diesem grauen Anstrich sollte es nicht bleiben. Denn für all ihre Mühen hatten die Jugendlichen eine besondere Motivation: Der Container sollte ein Hingucker werden! Für ihre Gestaltungsidee griffen sie zur Spraydose und verzierten den Container mit vielen lachenden Gesichtern. Dabei konnte jeder seine Smileys individuell gestalten. Das gab am Ende ein originelles Ergebnis und eine schöne gemeinsame Erfahrung! » www.48h-bautzen.de

16 | Förderschule


OHRWURM AUS DEM WALDHORN

S

pätestens als Lars Scheidig die Melodie von „Star Wars“ in sein Waldhorn bläst, hat er auch dem letzten Musikmuffel der Kleinwachauer Förderschule ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. „Das ist ja echt cool“, schallt es aus der ersten Schulbank. Und genau diese direkten Emotionen sind es, die dem 25-jährigen Musikstudenten aus Dresden so viel Spaß machen: „Ich bin immer wieder begeistert, wie unmittelbar die Reaktionen der behinderten Menschen sind. Ich bin schon viele Jahre bei Live Music Now dabei und habe wirklich viele schöne Erfahrungen in den verschiedensten sozialen Einrichtungen gemacht.“ Das entspricht der visionären Idee des Gründers von Live Music Now, dem 1999 verstorbenen Jahrhundertgeiger Yehudi Menuhin. Der jüdische Humanist setzte sich umfassend und nachhaltig für Benachteiligte ein. Er verstand Musik nicht nur als Kunst, sondern als Beitrag zu einer besseren Gesellschaft. Und diesen Beitrag leistet auch Lars Scheidig beim Tag der Musik in der Kleinwachauer Förderschule. Er und vier weitere Nachwuchsmusiker geben ein durchaus außergewöhnliches Konzert im Kirchsaal des Epilep-

siezentrums. Das Stück heißt „Peter und der Wolf“. Die tiefen Töne des Waldhorns sind eindeutig dem Wolf zuzuschreiben. Zumindest stellen das die Förderschüler später im Klassenzimmer fest, als Lars Scheidig ihnen sein Blechblasinstrument vorstellt. „So ein Waldhorn ist ziemlich schwer“, sagt er und erklärt den Schülern, dass es knapp sechs Meter lang wäre, wenn er das Horn abwickeln könnte. „Spielst du auch im Orchester?“ ist eine von vielen Fragen der Schüler. Mit der zustimmenden Antwort braucht sich der Dresdner Musikstudent nicht zu verstecken. Schließlich spielt er unter anderem bei der Staatskapelle Dresden und ist dadurch bereits in Japan und den USA aufgetreten. Seine unkomplizierte Art hat er sich bei all den Erfolgen erhalten. Deshalb ist es kein Wunder, dass er den Kleinwachauer Förderschülern zum Abschluss die Filmmusik von „Fluch der Karibik“ ins Horn bläst. Und damit ist auf moderne Weise wieder einmal lebendige Musik an einen ganz besonderen Ort gekommen, ganz im Sinn von Yehudi Menuhin. » www.livemusicnow-dresden.de

Förderschule | 17


„So ausdrucksstark und überzeugend kann nur jemand erzählen, der selbst betroffen ist.”


EPILEPSIE BRAUCHT

OFFENHEIT F

ür uns im Krankenhaus ist 2016 ein Jahr des Umbruchs. Dabei spreche ich nicht nur von Umbau und Renovierung, sondern auch von einem gesellschaftlichen Umbruch. Das zeigte sich zum Beispiel daran, dass sich auf die Ausschreibung einer Arztstelle 60 ausländische Ärzte aus allen Teilen Europas, aus Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien und Afrika bewarben. Wir wissen gar nicht genau, wie wesentlich das Thema Epileptologie in diesen Ländern ist, können das nur ahnen. Für uns bleibt Epilepsie aber das wichtigste Thema, und die Zahlen in diesem Jahr sprechen für sich: Mehr als 1.000 stationäre und mehr als 3.000 ambulante Patienten nahmen unsere Hilfe in Anspruch. Sarah Bischof war zwar nicht unsere Patientin, dafür hat sie uns aus ihrem Buch „Panthertage“ vorgelesen. Mit ihr konnten wir eine ungemein mutige und literarisch begabte Frau erleben, die offen mit ihrer Erkrankung und ihren Erfahrungen umgeht.

„Epilepsie braucht Offenheit“ – das war nicht nur das Jahresmotto zum Tag der Epilepsie. Es wird schlichtweg immer wichtiger. Und dafür setzt sich auch Sarah Bischof ein. Sie hat uns erzählt, wie sie mit einer sehr aktiven Epilepsie mitten im Leben stehend Enttäuschungen erleben musste. Sowohl privat als auch bei Ausbildung und Berufssuche. So ausdrucksstark und überzeugend kann das nur jemand erzählen, der selbst betroffen ist. Sie hat uns aber auch viel Mut gemacht. Ebenso wie die Patienten auf dem Epilepsieforum Dresden, die von ihren Nöten und Einschränkungen im Alltag erzählten.

terhin offen: Die Zusage für ein Medizisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB). Hier ist der Ausgang unserer bemühungen noch ungewiss. Doch nicht zuletzt das Engagement unserer Mitarbeiter, die Motivation, die Hilfsbereitschaft und der Teamgeist lassen mich sehr optimistisch in das kommende Jahr blicken. Dr. Thomas Mayer Chefarzt

Im nächsten Jahr werden zwei langgehegte Wünsche in Erfüllung gehen: die Eröffnung der neuen Station für Menschen mit Mehrfachbehinderungen sowie die Erweiterung unserer therapeutischen Palette durch das Angebot der ketogenen Diät. Dazu werden Sie auf den nächsten Seiten mehr erfahren. Ein anderer Wunsch bleibt leider wei-

Krankenhaus | 19


J

ohannes Rebstock, Facharzt für Neurologie und Abteilungsarzt für Behindertenmedizin, kann es kaum erwarten. Mit federnden Schritten läuft er die Betonstufen durch die Baustelle nach oben, durchstreift die zukünftigen Zimmer und steuert die Dachterrasse an. Vielleicht ist Rebstock deswegen so aus dem Häuschen, weil er den Umzug der jetzigen Station für behinderte Menschen in das neue Gebäude kaum erwarten kann, weil er die viel besseren Bedingungen sieht, sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Patienten. „Für die Pflege und Therapie ist die neue Station 5 ein Quantensprung“, sagt Rebstock. Die Räumlichkeiten seien größer und vor allem behindertengerecht. „Wir haben hier eine enorme Verbesserung aller Möglichkeiten.“ Der Neubau umfasst neben acht Einzelzimmern und zwei Doppelzimmern auch zwei Wohneinheiten für Angehörige, eine Patientenküche für die Diät-Therapie, eine Dachterrasse und einen Patientengarten. Dort wird eine Gartentherapie angeboten werden, eine spezielle Form der Ergotherapie also. Auch das ist neu.

20 | Krankenhaus


Rebstock weiß, wie komplex die Behandlung der Patienten ist, wie hoch die Aufmerksamkeit sein muss, wie groß das Spezialwissen. Denn: Die Patienten der neuen Station 5 sind mehrfach schwerbehinderte Menschen mit hohem Epilepsie-Anfallsrisiko. „Zu uns kommen Patienten, denen woanders nicht mehr geholfen werden kann“, erklärt Rebstock. „Viele Patienten haben ihn einfach bekommen, zack, den Stempel Epilepsie“, sagt er. „Manchmal stellt sich dann Jahre später heraus, dass das alles gar nicht stimmt. Dass ihre Anfälle anderer Natur sind, es sich um Mischformen handelt oder die Medikamente schlichtweg viel zu hoch eingestellt sind.“ Genau deshalb sei eine Spezialklinik mit hochmoderner Diagnostik und einem interdisziplinären Team so wichtig. Das Team ist das Herz der neuen Station 5. Natürlich besteht es nicht nur aus Johannes Rebstock. Insgesamt 18 Krankenschwestern, Pfleger und Heilerziehungspfleger betreuen die Patienten unter der Stationsleitung von Claudia Audehm. Heilpädagogin Karola Fritzsche berät die Patienten zu allen sozialen Fragen, Sabine Schlotter kümmert sich als Psychologin um ihre mentalen Belange. Ein weiterer Facharzt und ein Assistenzarzt verstärken die medizinische Versorgung durch Johannes Rebstock. Ergo-, Musik-, Physio- und Gestaltungstherapeuten ergänzen die Medikation. Gleichzeitig wartet auf die Epilepsie-Patienten im 21. Jahrhundert eine eigentlich erfreuliche Herausforderung. Sie werden – wie andere Senioren – immer älter. „Das führt dazu, dass auch ihre Krankheitsbilder komplexer werden“, sagt Stationsleiterin Audehm. Zur Epilepsie kämen nicht selten Diagnosen wie Bluthochdruck, Demenz oder auch Diabetes. „Es ist wichtig, dass wir unsere Patienten genau beobachten, sie gut pflegen und ihnen Geborgenheit geben“, erklärt Audehm. Johannes Rebstock ist mittlerweile auf der Baustelle von der zukünftigen Dachterrasse in den neuen Aufenthaltsbereich herabgestiegen. Dort werfen drei große Lichtkegel viel Tag in den Raum. Darunter steht das Team der Station 5. Stationsarzt Rebstock huscht ein Vorfreude-Lächeln über das Gesicht. „Ich freue mich für alle, weil ich das Gefühl habe, dass wir hier gut arbeiten können“, sagt er. Einmalige Gelegenheit zur Besichtigung der Station: » 1. April 2017, 10 - 16 Uhr » www.kleinwachau.de/baustelle

Krankenhaus | 21


DIÄT UND SPORT GEGEN DAS GEWITTER IM KOPF

I

m Epilepsiezentrum Kleinwachau wird nicht nur die Station 5 für mehrfachbehinderte Menschen gerade neu gebaut. Auch die zukünftige Station 2 für klinische Epileptologie wird neue, innovative Therapien umsetzen. Denn nicht gegen jede Epilepsie finden Mediziner ideale Medikamente. „Um erwachsenen Patienten mit Anfällen dennoch zu helfen, sieht das neue Konzept die ketogene Diät und auch Sporttherapie vor“, sagt der Kleinwachauer Neurologe Frank Brandhoff. Ganz wichtig wird auch das Erkennen von Gedächtnisschwierigkeiten bei Epilepsiepatienten. „Epilepsie geht häufig mit Gedächtnisstörungen einher. Richtig neu ist, dass wir für die Patienten mit Gedächtnisstörungen eine individuelle Aufklärung und ein individuelles Gedächtnistraining anbieten werden. Damit könnten wir Vorreiter in der Epilepsiebehandlung werden“, erklärt Brandhoff. Mit insgesamt 12 Betten wird auf der Station 2 ab Mitte 2017 also ein neuer Ansatz umgesetzt. Medizin, Ernährungstherapie, Sport und Gedächtnistraining sowie Aufklärung und Beratung werden im neuen Konzept der Station verzahnt und individuell an die Patienten angepasst. „Das birgt viel Potenzial“, sagt Brandhoff. „Ich hoffe, dass wir vielen Menschen helfen können.“ Doch welche geheimnisvolle Diät schafft es, epileptische Anfälle zu verhindern? „Es handelt sich um die sogenannte ketogene Diät“, erklärt Brandhoff. Dabei würden dem Körper fast nur Eiweiße und Fette und nur sehr wenig Zucker und andere Kohlenhydrate zugeführt. Der

22 | Krankenhaus

Mangel an Zucker führt zu einer Umstellung des Hirnstoffwechsels. Brandhoff: „Die genaue Wirkung, die zur Reduktion der epileptischen Anfälle führt, ist noch nicht ganz geklärt. Uns genügt, dass es wirkt.“ Antje Böhme ist Diätassistentin. Sie wird die Patienten begleiten. „Die Diät ist extrem und hat nichts mit einer üblichen Ernährung zu tun“, erklärt sie. Gerade zu Beginn müsse der Patient eng überwacht werden. Böhme bereitet die Betroffenen auf die Herausforderungen der drei Jahre dauernden Diät vor. Kohlenhydrate sind nur in Kleinstmengen erlaubt. „Das Schwierige ist das Alltagsleben“, sagt sie. Deswegen erfahren die Betroffenen nicht nur Theorie, sondern versorgen sich zwei bis drei Wochen unter Anleitung in einer Diätküche selbst. „Dieses ausführliche Schulungsprogramm ist einmalig in Deutschland“, konstatiert die Diätassistentin. Selbst Vegetarierer und Veganer sowie Allergiker können teilnehmen. Ergänzt wird die Therapie durch Sport. „Viele Epilepsiepatienten machen laut Statistik wenig Sport“, sagt Brandhoff. Das sei ein Risiko für weitere Erkrankungen von Knochen, Herz und Kreislauf. „Wir motivieren die Patienten zum Sport, um zusätzliche Risiken zu minimieren“, erklärt Sabine Dinger. Sie ist Sporttherapeutin und führt die Patienten an die Bewegung heran. Schon jetzt gebe es zwei Walking-Gruppen und regelmäßiges Intervalltraining. „Wir nehmen die Angst und fördern das Körpergefühl“, sagt Dinger. Das gelinge bereits jetzt mit guten Erfolgen.


NACHGEFRAGT SARAH ELISE BISCHOF Am 23. März 2016 war die Autorin zu Gast in der Epilepsieberatungsstelle in Dresden und las aus ihrem autobiografischen Roman. Wir haben mit ihr gesprochen.

Ich darf z. B. kein Auto fahren und muss immer darauf achten, ausreichend Schlaf zu bekommen. Ich muss einfach mein Leben im Gleichgewicht halten. In Ihrem Buch beschreiben Sie auch die Beziehung zu Familie und Bekannten. Wie geht Ihre Umwelt mit dem Thema Epilepsie um? Ich habe großes Glück mit meiner Familie, die von Anfang an hinter mir stand und mir den Rücken gestärkt hat. Bei Freundschaften war es in vielen Fällen sehr schwierig und ich habe durchaus Freunde durch meine Krankheit verloren. Gibt es in Ihrem Alltag Erlebnisse, die Sie besonders verletzen oder unangenehm berühren? Ich erinnere mich da z. B. an eine Geschichte mit einem Mann. Wir hatten schon eine Weile miteinander angebändelt und er wusste von meiner Krankheit und auch, was im Falle eines Anfalls zu tun ist. Als dann der erste Anfall kam, als er bei mir schlief, bin ich am nächsten Morgen aufgewacht, habe hilfesuchend um mich geblickt, und alles, was ich fand, war eine SMS, in der stand, dass er das nicht aushalten kann. Das hat mich sehr verletzt. Fällt Ihnen auch aus Ihrem Leben mit Epilepsie spontan eine witzige Begebenheit ein, die Sie gern erzählen möchten? Ich war seit erfolgreichem Abschluss meines Studiums jobsuchend gemeldet und musste daher regelmäßig zum Arbeitsamt. Und so kam es, dass sie mir dort

Foto: Moritz Thau

Wie hat sich Ihr Leben durch die Diagnose Epilepsie verändert?

„Es war einfach so, dass ich von heute auf morgen nicht mehr in dem Tempo leben konnte wie meine Altersgenossen.”

einen Job angeboten haben, der doch besonders gut zu mir passen würde. Die Stelle war eine als Teilzeitkraft in einem Büro auf einer Baustelle in Venezuela. Was wollen Sie den Lesern mit auf den Weg geben? Ich möchte anderen Epileptikern Mut machen. Ich wünsche auch jedem anderen, dass er sich aus seiner Isolation befreien und sagen kann: Ich habe Epilepsie, aber das ändert nichts an meiner Lebenslust und vor allem nicht an mir.

Sarah Elise Bischof Panthertage Erschienen 2015 im Eden Verlag ISBN 9783944296937 14,95 EUR

Krankenhaus | 23


Epilepsieberatung Dresden Psychosoziale und medizinische Beratungsstelle für Betroffene und Angehörige mit Fachbibliothek Wolfshügelstraße 20 01324 Dresden - Weißer Hirsch Tel.: (0351) 48 10 27 0 Fax: (0351) 48 10 27 1 E-Mail: epilepsieberatung@kleinwachau.de www.epilepsieberatung-dresden.de Die Beratungen sind kostenfrei und vertraulich. Ein Überweisungsschein ist nicht erforderlich. Öffnungszeiten: Dienstag: 9 - 12 Uhr und 15 - 17 Uhr Mittwoch: 9 - 12 Uhr Donnerstag: 9 - 12 Uhr und 14 - 16 Uhr und nach Vereinbarung

MVZ - Neurologisch-psychiatrisches Gesundheitszentrum Dresden GmbH Wolfshügelstraße 20 | 01324 Dresden

Neurologie Epileptologie Psychotherapie Psychiatrie

24 | Krankenhaus

Telefon Fax E-Mail

(0351) 26 83 56 3 (0351) 26 54 68 6 kontakt@npz-dresden.de

www.npz-dresden.de Öffnungzeiten: Montag - Freitag: 8 - 12 Uhr Montag - Donnerstag: 13 - 17 Uhr


AZNEIGE TAG DER OFF.TÜR / SYMPOSIUM

1.4.2017 - TAG DER OFFENEN TÜR MIT BESICHTIGUNG DER NEUEN STATION 5 » 9 - 14 Uhr Kleinwachauer Epilepsiesymposium im Saal der Kleinwachauer Werkstätten Thema: Der behinderte epilepsiekranke Mensch: Diagnostische und therapeutische Fortschritte » 10 - 16 Uhr Tag der offenen Tür im Epilepsiezentrum mit Vorträgen, Führungen und Entdeckungen in - den Kleinwachauer Werkstätten - der Förderschule Kleinwachau - dem Fachkrankenhaus für Neurologie - den Wohnangeboten Möglichkeit zur Besichtigung des Klinikneubaus und der neuen Station 5

WIR FREUEN UNS AUF IHREN BESUCH! Krankenhaus | 25


„Auf lokaler Ebene funktioniert die Teilhabe schon ganz gut.�


TEILNEHMEN, TEILHABEN UND TEILGEBEN D

urch das Bundesteilhabegesetz und die UN-Behinder tenrechtskonvention wird das Thema Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben wachgehalten. Wie diese Teilhabe auf politischer Ebene funktionieren kann, haben Kleinwachauer ganz praktisch ausprobiert. Auf den nächsten Seiten können auch Sie teilnehmen an dem Weg, den die politische Bildung als Grundlage für Teilhabe an politischen Entscheidungen genommen hat – ganz sicher auch ein Plädoyer für die Teilnahme von Menschen mit einer (geistigen) Behinderung an den kommenden Wahlen. Es ist an uns und den Politikern im Land, dies sinnvoll zu unterstützen!

Dem Thema Teilhabe widmet sich auch der Artikel über ein von der Aktion Mensch gefördertes Netzwerkprojekt für inklusive Freizeitund Bildungsarbeit in Radeberg.

Auf lokaler Ebene funktioniert die Teilhabe schon ganz gut. Regelmäßig ist der Radeberger Oberbürgermeister Gerhard Lemm zu Gast im Kleinwachauer Bewohnerbeirat und beantwortet Anfragen direkt und persönlich. Sie sehen es in meinem „Foto des Jahres“.

Von einem schwierigen Weg zurück erzählt eine weitere Geschichte. Aus einem für ihn schönen und immer schon gewünschten Wohnumfeld in Radeberg musste ein Bewohner zurückkehren in das stationäre Wohnen. Aber auch das konnten wir ermöglichen.

Einen anderen Weg beschreibt der Artikel über die Ausbildung einer jungen Heilerziehungspflegerin. Sie hat sich für die Arbeit mit Menschen entschieden. Ihre professionelle Unterstützung führt also zur Teilhabe behinderter Menschen an der Gesellschaft. Wenn jemand für die Gesellschaft etwas tut, wird dies zur „Teilgabe“. So jedenfalls bezeichnet es Klaus Dörner, einer der Wegbereiter für die Auflösung von Heimen der Psychiatrie. Eine wichtige Erfahrung.

Eine Erfahrung der Teilhabe am Leben der Menschen hier in Kleinwachau machte durch die Aktion „Perspektivwechsel“ auch der Vorstand der AOK-Plus. Damit wurde auch er ein Geber. Viel Freude und Impulse beim Lesen wünscht Ihnen Rudolf Möller Leiter Bereich Wohnen

Wohnen | 27


W

er hat Lust, sich durch hundert Seiten Beschlussvorlagen des Landtages zu kämpfen? Und vor allem: Wer hat Spaß daran? Politik ist komplex, manchmal spröde und erfordert meistens sehr viel Geduld. Für Menschen mit Behinderung ist es oft schwer, die vielen Ecken und Kanten, Bedingungen, Argumente und Tragweite politischer Aspekte zu erfassen. Um das zu erleichtern, hat Markus Hutschenreuther ein Programm zur politischen Bildung gestartet. „Menschen mit Behinderung werden als Wählergruppe nicht wahrgenommen“, erklärt Hutschenreuther, Fachkraft im Betreuungsdienst, am Tisch der Wohngemeinschaftsküche in der Radeberger Schloßstraße. Kaum jemand gebe sich die Mühe, diese Menschen aufzuklären. Hinzu komme, dass wenig barrierefreie Informationen zu den Parteien und ihren Programmen und keine barrierefreien Wahlunterlagen für Menschen mit Behinderung zur Verfügung stehen. Das wollte der junge Heilerziehungspfleger ändern. Deswegen hat er einfach alle Parteien angeschrieben und um einen Besuch gebeten. Mit vollem Erfolg. Die Grünen haben ihn und seine Gruppe im Plenarsaal des Landtags empfangen. Die Linken konzipierten ein Planspiel zur Gründung von Parteien und zum Wahlkampf und SPD und CDU bereiteten Vorträge mit Power-Point-Präsentationen vor. Lediglich die Piraten-Partei sagte ab, die AFD hat nicht geantwortet.

28 | Wohnen


Markus Hutschenreuther freut das breite Entgegenkommen. „Die meisten Politiker haben sich bedankt für den Austausch. Für viele war es der erste Kontakt mit Menschen mit Behinderung.“ Großes Interesse schlug ihm auch von den Bewohnern entgegen. „Die Politik zum Anfassen hat vielen eine neue Welt eröffnet“, konstatiert Hutschenreuther. „Viele wollten direkt zum nächsten Termin.“ Eigentlich hat der Pfleger, der berufsbegleitend studiert, gar nicht geplant ein Programm solcher Tragweite zu stemmen. Fast nebenbei hat Markus Hutschenreuther ein Vorzeigeprojekt der politischen Bildung konzipiert und realisiert. Das war sehr viel Arbeit, dafür gibt es jetzt Dank. Dank aus offenen Augen, interessiertem Nachfragen und fast euphorischer Begeisterung. Zum Beispiel von HansJürgen Igel. Der Mittfünziger ist vielleicht der größte Fan von Markus Hutschenreuther und seinen politischen Reisen. Keinen Termin verpasst er, alle Zeitungsartikel werden fein säuberlich in einer extra angelegten Mappe gesammelt. „Die Parteien interessieren mich“, erklärt Igel, der mit dem Verein „Lebenshilfe“ schon nach Marokko und Frankreich gereist ist. „Ich mag auch Frau Merkel.“ Wer hätte das gedacht, die Bundespolitik, Pegida und die Herausforderungen dieser Zeit werden auch in den Wohnheimen diskutiert. Natürlich gab es sie auch in den Behindertengruppen. Die „Merkel-muss-weg“-Parolen, die Pauschalkritik an Politik und Medien, die Abneigung gegenüber geflüchteten Menschen. „Wichtig ist, dass Politiker als Menschen wahrgenommen werden“, sagt Hutschenreuther. „In einen direkten Austausch zu treten, verhindert Abneigungen zu entwickeln.“ Abneigungen scheint Hans-Jürgen Igel nicht zu haben. „Ich möchte den Flüchtlingen eine Arbeit und eine Wohnung besorgen“, erklärt der Mann, der selbst auf Hilfe angewiesen ist. Neben diesen hohen Zielen verfolgt Igel jedoch auch ganz pragmatische Ansätze. Zum Beispiel einen Zebrastreifen vor der Radeberger Werkstatt, damit die Beschäftigten sicher über die Straße können. Für das nächste Jahr plant Markus Hutschenreuther Teil zwei seiner politischen Charme-Offensive. Vor der Bundestagswahl will er die Parteien nach Radeberg einladen. Ihm schwebt eine Art Rededuell vor, in dem die jeweiligen Parteien ihr Programm vorstellen und gleichzeitig zu aktuellen Fragen der Zeit Stellung nehmen. „Das ermöglicht den Menschen, Standpunkte zu vergleichen und einen Überblick zu bekommen.“ Hans-Jürgen Igel jedenfalls ist schon Feuer und Flamme. „Ich will die Welt verbessern und diesen Zebrastreifen“, sagt er und recherchiert weiter in seiner Arbeitsmappe.

Wohnen | 29


VERNETZUNG AOK-VORSTAND BEGINNT NEBENAN

M

orgens aufwachen in der Wohnung in Radebergs Innenstadt. Nachmittags in die neueste Ausstellung im Schloss Klippenstein. Abends zum Sport in die örtliche Tischtennisgruppe. Alles ganz normal. Alles möglich. Kein Problem. Auch für Menschen mit einer Behinderung. Lutz Höhne hat diese Vision. Eine, die möglichst bald Realität werden soll.

„Vernetzung beginnt nebenan“ heißt das Projekt, das er in der Region Radeberg leitet. Drei Jahre lang wird es von der Organisation Aktion Mensch finanziell unterstützt. „Wir haben gemerkt, dass es nicht reicht, die Leute in einer Wohngruppe in der Stadt unterzubringen“, erklärt Höhne. „Auch das Rundherum muss stimmen und so sein, dass die Bewohner ohne Probleme Freizeitangebote nutzen können.“ Genau solche Strukturen sollen nun aufgebaut werden. Dafür hat er schon Mitstreiter gefunden. Neben dem Schloss Klippenstein etwa auch das Kirchspiel Radeberger Land, die Ortschaft Liegau-Augustusbad oder den dortigen Sportverein. Mit dem SV LiegauAugustusbad läuft die Zusammenarbeit schon länger. Regelmäßig trainiert die Fußballmannschaft, in der auch Behinderte mitspielen. Gemeinsam organisieren der Verein und das Epilepsiezentrum Fußballturniere für Freizeitmannschaften. „Es geht bei all dem nicht darum, Angebote zu schaffen, die

30 | Wohnen

ausschließlich für Behinderte gedacht sind.“ Vielmehr sollen alle sie nutzen können. Doch Höhne ist Realist. „Inklusion funktioniert nicht mit einem Eimer, den ich einfach ausschütte“, sagt er. Solche Strukturen müssten wachsen. Dafür sei es auch notwendig, Dinge zu erklären. Viele Mitmenschen hätten beispielsweise Angst davor, im Fall eines epileptischen Anfalls nicht richtig reagieren und helfen zu können. „Auch wenn es manchmal schlimmer ist, als es aussieht. Im Notfall kann jeder einen Krankenwagen rufen.“ Viele Pläne gibt es für die kommenden drei Jahre, in denen das Projekt von der Aktion Mensch unterstützt wird. Der SV Einheit Radeberg möchte eine Freizeit-Tischtennismannschaft ins Leben rufen. Beim Hüttertallauf in Radeberg soll die Teilnahme in Zukunft auch für Einzelstarter mit Behinderung möglich sein. Die Homepage des Schlosses Klippenstein könnte in einer Version mit leichter Sprache barrierefrei werden. Jeden letzten Sonnabend im Monat lädt das Epilepsiezentrum zum kulturellen „Kleinwachauer Kaffeeklatsch“ in den Kirchsaal ein. „Wir wollen die Menschen zusammenbringen.“ Höhne hofft, dass bald noch viel mehr Ideen hinzukommen und vieles umgesetzt wird. Damit nach Ende des Projekts alles ganz selbstverständlich weiterläuft. Normal eben.


PERSPEKTIVWECHSEL

A

m 23. August bekamen die Mitarbeiter der Förder- und Betreuungsstätte Verstärkung. Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK-Plus, half einen Tag bei der Betreuung behinderter Menschen mit. Der Besuch fand im Rahmen der Initiative „Perspektivwechsel” statt. Diese Aktion wird von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen veranstaltet. Sie soll Vertretern aus Politik, Gesundheitsund Sozialkassen, Wirtschaft und Medien soziale Einrichtungen und deren Arbeit näher bringen. Die Teilnehmer sind eingeladen, einen Tag lang direkt an der Basis mitzuwirken. Rainer Striebel tauschte also seinen Schreibtisch gegen einen Spaziergang ein. Dabei wurde er direkt von den Menschen der Förder- und Betreuungsstätte an die Hand genommen. Gemeinsam besuchten sie den Erlebnisbauernhof „Wunderland” im benachbarten Wachau. Ein tolles Erlebnis für den Vorstandsvorsitzenden: „Komplett anders als Akten wälzen bei der AOK. Sehr berührend durch die Emotionalität der Patienten. Die greifen einfach nach deiner Hand und nehmen dich mit.” Ganz besonders interessant war für den Krankenkassen-Experten auch das Gepräch mit den Mitarbeitern des Wohnbereichs. Vom Morgenkreis bis zum gemeinsamen Mittagessen begleitete er die Gruppe. Nach getaner Schicht fand Rainer Striebel wertschätzende Worte: „Die Betreuer machen einen ganz starken Job, den man nicht so einfach runterreißen kann.“ Neben dieser Erkenntnis nahm er auch ein paar Fragen der Geschäftsleitung des Epilepsiezentrums Kleinwachau mit in die Zentrale der AOK-Plus, die er direkt mit den Experten des eigenen Hauses diskutierte. Der Tag werde auf jeden Fall lange nachklingen in ihm und mit Sicherheit nicht sein letzter derartiger Perspektivwechsel sein. Interesse am Perspektivwechsel 2017? » E-Mail: kontakt@kleinwachau.de

Wohnen | 31


DIE WELT AUS

ANDERER SICHT

S

tefanie Hörnig trägt ein olivfarbenes T-Shirt, überfliegt mit ihren Augen den Raum. An den Tischen warten Bewohner auf Kaffee. Hörnig hat blonde Locken und besonderen Ausdruck in den Augen. Einen Blick, der Wärme und Fürsorge ausstrahlt, der auf Augenhöhe begegnet, nicht mit Urteilen arbeitet und erst recht nicht mit Schubladen. Vielleicht ist das der Grund, warum die Bewohner des Kleinwachauer Berghauses sie anlachen, wenn Stefanie Hörnig den Raum betritt. Die 23-Jährige arbeitet als ausgebildete Heilerziehungspflegerin im Epilepsiezentrum Kleinwachau und hat diese Entscheidung noch keine Sekunde bereut. „Diese Menschen hier sind so einzigartig“, sagt sie. „Sie haben die Fähigkeit, die Dinge komplett anders zu sehen, das beeindruckt mich.“ Eigentlich hat Stefanie Hörnig eine Ausbildung zur Sozialassistentin in Dresden absolviert. In dieser Zeit landete sie in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen. Sie begleitete die Kinder und Jugendlichen zur Urlaubsfahrt an die Ostsee und wusste fortan, dass sie nie wieder etwas anderes machen möchte. „Menschen mit Behinderungen sind so anders, anders schön“, erklärt sie mit einem Lächeln.

32 | Wohnen

Sie wird Sozialassistentin und beginnt danach eine zweite Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin an der Fachschule für Heilerziehungspflege in Großhennersdorf bei Löbau. Das Epilepsiezentrum Kleinwachau ist Praxispartner dieser traditionsreichen Ausbildungsstätte und so macht Stefanie Hörnig schließlich jede Menge Praxiserfahrung im Wohnbereich des Epilepsiezentrums. „Es gibt Höhen und Tiefen“, sagt die junge Pflegerin und wird ernst. „Ich bin direkt im Leben der Menschen dabei, ganz nah an ihnen dran.“ Schicksalsschläge und Krisen der Bewohner würden auch Teil ihres Lebens. „Extreme Situationen bleiben nicht aus.“ Trotzdem hat sie sich entschieden – für die Heilerziehungspflege, die Menschen und ihre ganze authentische Herzlichkeit. „Ich denke, dass ich in dieser Zeit sehr gewachsen bin“, sagt Stefanie Hörnig. „Es macht mich einfach glücklich, zu helfen“. Die Herbstsonne am Fenster lässt ihre blonden Locken leuchten. Sie lächelt und widmet sich wieder einem Bewohner, der wild mit einem Buch wedelt. Weitere Informationen zur HEP-Schule: » http://kurzelinks.de/HEP-Ausbildung


ICH HAB' DIE SCHRITTE NOCH IM KOPF

R

einhard Krex ist ein geselliger Mensch. Und ein musikalischer dazu. Als „Sänger von Radeberg“ war er vielen Einwohnern bekannt. Oft war seine klare schöne Stimme zu hören. Er sang beim Wandern, Einkaufen, Spazierengehen. Immer war er in Bewegung. Vor drei Jahren war er einer der ersten, der das neue Laufband der Physiotherapie testete. „Man muss ja offen sein für Neues“, meinte er damals. Für Neues offen war er auch, als er vor einigen Jahren aus dem stationären ins ambulant betreute Wohnen nach Radeberg zog. Er genoss das Leben in der Stadt, die schnelle Erreichbarkeit von Läden und Cafés. Gern spazierte er zum Friseur am Markt und sang den Mitarbeitern und Kunden dort ein Ständchen. Doch dann der Schicksalsschlag: Bei einem unglücklichen Sturz brach sich Herr Krex einen Halswirbel. Eine Querschnittslähmung war die Folge. Die Zeit der Rehabilitation war für ihn voll quälender Fragen: Werde ich wieder nach Kleinwachau können? Zu den Menschen, die ich kenne? Kann ich weiter an dem Leben teilnehmen, das mir so viel bedeutet? Dies wollten ihm die Mitarbeiter aus Kleinwachau unbedingt ermöglichen. Und so setzten sie sich sehr dafür

ein, dass Herr Krex trotz seiner schweren Verletzung wieder in eine Kleinwachauer Wohngruppe ziehen konnte. Dazu gehörte natürlich auch, die Frage der Finanzierung mit den zuständigen Stellen zu klären. Inzwischen wohnt Herr Krex in einem Einzelzimmer im Wiesenhaus. Auch wenn Radeberg nun weiter weg gerückt ist, so kann er doch auf kurzen Wegen an gewohnte Orte gelangen, Bekannte treffen, Gottesdienst und Hauskreis besuchen. Und natürlich an Festen und Veranstaltungen teilnehmen. So ein beliebter Höhepunkt ist zum Beispiel der alljährliche Erntetanz, zu dem die Tänzer des Vereins Stolp(n)er Folk einladen. Herr Krex ist für sie ein guter Bekannter. Sie freuen sich, ihn trotz seiner Behinderung wieder zu sehen. „Die Tanzschritte hab ich alle noch im Kopf“, erinnert sich Herr Krex. „Jetzt singe ich wenigstens die Melodien mit“. Und in Bewegung ist er auch. Die schwungvolle Rollstuhlfahrt mit seiner Tänzerin genießt er sichtlich. Begegnungen wie diese und die Sicherheit der gewohnten Umgebung sind es, die ihm in seiner schwierigen Situation Kraft geben. Und neuen Lebensmut, trotz allem!

Wohnen | 33


„Für mich steht ein Engel sinnbildlich für Lebensfreude, Hilfe, Schutz und Kraft.”


VON ENGELN UND MENSCHEN D

as Jahr 2016 hat für den Bereich Arbeit einige Veränderungen gebracht.

Endlich verfügt der Metallbereich der Werkstatt über eine moderne Maschine, die ein hohes Maß an Präzision bei der Bearbeitung von Teilen bietet. Wir sind damit ein Stück weiter auf dem Weg zu einer Werkstatt, die von den Partnern aus der Industrie für Qualität und Zuverlässigkeit geschätzt wird. Zugleich gibt es für den Montagebereich und die Tischlerei neue, anspruchsvollere Arbeiten, durch die starke und schwache Beschäftigte gleichermaßen gefordert sind. Die Keramikabteilung ist im Juni aus Kleinwachau umgezogen. Viele Kleinwachauer haben das bedauert. Aber ich bin überzeugt, dass es der richtige Schritt war. Wir sind jetzt mit den Produkten und Kunstwerken, denen man

bei der Entstehung zuschauen kann, mitten in Radeberg. Mitten unter den Menschen, die sich für Keramik interessieren, diese kaufen, benutzen oder sammeln. Und wir erreichen auch Kinder und Erwachsene, die wir einladen, Keramik zu gestalten, zu bemalen, zu glasieren und zu brennen. Was kann es für ein besseres Beispiel bürgerschaftlichen Zusammenlebens geben, als dass die Keramiker unserer Werkstatt ihr Wissen und Können anderen Interessierten vermitteln?

diese Eigenschaften uns alle auf unserem Weg begleiten. Zusätzlich zu einem Lachen. Nach wie vor!

Hubertus Schreiber Bereichsleiter Arbeit

Auf dem Foto sehen Sie einen Engel aus einer neuen Kollektion, die unsere Keramikerin Christa Frömmel entworfen hat. Für mich ist es mein „Foto des Jahres”. Jeder von uns verbindet mit einem Engel etwas anderes, meist jedoch etwas ganz besonderes. Für mich steht ein Engel sinnbildlich für Lebensfreude, Hilfe, Schutz und Kraft. Ich wünsche mir, dass

Arbeit | 35


H

enry Hillmann ist ein gefragter Mann. Kaum ist die Metallverarbeitung für zwei Tage geschlossen, wird er von der Keramikwerkstatt angefragt. „Niemand kann die Engel so gut wie er“, heißt es. Henry Hillmann formt, sticht ab und modelliert. Sonst klopft, hämmert und schraubt er. Er ist ein Allrounder mit Überblick, ein Träumer mit Lust am Leben, ein Mensch mit attestierter Einschränkung, der kämpft und auf besonderem Niveau reflektiert. Henry Hillmann gehört zu den Menschen, die im Epilepsiezentrum Kleinwachau erstmals eine herausragende Chance erhalten. Er durchläuft von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zertifizierte Praxisbausteine. In diesem Jahr hat die Diakonie Sachsen dieses Pilotprojekt im Freistaat gestartet. Das Sächsische Epilepsiezentrum Radeberg ist eine der ersten Einrichtungen, die das Modell umsetzen. Dabei werden spezielle Inhalte einer Berufsausbildung in viele Teile zerlegt, die sogenannten Praxisbausteine. Werden diese erfolgreich absolviert, erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat der Handwerkskammer bzw. der IHK. „Viele Menschen mit Behinderung werden wahrscheinlich nie in der Lage sein, eine traditionelle Berufsausbildung zu machen. Aber sie haben Fähigkeiten, die anerkannt werden können“, erklärt Katharina Burkhardt,

36 | Arbeit


Abteilungsleiterin des Berufsbildungsbereichs. Die Bausteine gibt es in elf Praxisfeldern, sie sind unterschiedlich anspruchsvoll und dauern zwischen 150 bis 350 Stunden. Ein Beispiel: Von der Ausbildung „Fachkraft im Gastgewerbe“ wurden Versatzstücke herausgepickt, etwa das Vorbereiten von Lebensmitteln, Dekorieren und die Ausgabe von Speisen. Neben Küche und Service gibt es auch Bausteine aus den Bereichen Büro sowie Holz- und Metallverarbeitung. Dort lernt Henry Hillmann eigentlich. Außer heute. Heute kümmert er sich um die Weihnachtsengel. Den Blick zugewandt sitzt Henry Hillmann an seinem Tisch, die Augen offen, der Geist wach. Er ist 19 Jahre alt, wirkt jedoch, wenn er spricht, fast wie ein Gelehrter. In ausgefeiltem Deutsch, klaren Sätzen und einem Vokabular, das weit über den üblichen Sprachgebrauch hinausgeht, sitzt er da, formt Engel und erzählt sein Leben. Seine Mutter ist alleinerziehend, verdient das Geld für die Familie und liebt und fördert ihren Sohn. Henry Hillmann war schwerkrank. Erst hatte er ein Loch im Magen. Dann wurde er operiert. Jetzt ist zwar das Loch weg, die Speiseröhre aber verengt. Schon zweimal blieb ihm das Essen sprichwörtlich im Hals stecken, der Notarzt rettete ihm das Leben. Tabletten sorgen jetzt dafür, dass das nicht noch einmal passiert. Hinzu kommen „Handicaps“, wie der junge Mann erklärt. „Ich habe weiche Knochen, einen Rundrücken und eine Lese-Rechtschreibschwäche.“ Letzteres ist kaum zu glauben, wenn man Henry Hillmanns wohlformulierte Sätze hört. In Sachsen arbeiten etwa 16.800 Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Behinderungen in rund 60 Werkstätten. Henry Hillmann ist einer von ihnen. Anfang August 2016 begann er seinen Bildungsweg. 27 Monate durchläuft er verschiedene Praxisbausteine. „Auch wenn ich nicht viel Kraft habe, möchte ich später eine Arbeit haben, die mich fordert“, sagt Hillmann. „Mein Ziel ist es, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu kommen.“ Reinigen sei jedoch nichts für ihn. Das habe er festgestellt, als er seiner Mutter ausgeholfen hat. Besser kann sich der junge Mann vorstellen, Metall und Holz zu verarbeiten. Seine Ansprüche sind nicht hoch. „Spaß muss das nicht unbedingt machen“, sagt er. „Doch ich würde mich freuen, mein eigenes Geld zu verdienen.“ » www.praxisbaustein.de

Arbeit | 37


DIE SCHÖNE WELT DER KLEINEN DINGE

C

hrista Frömmel wird fast ein bisschen rot. Seit dem Umzug der Keramikwerkstatt in die Stolpener Straße in Radeberg, der Außenstelle der Werkstatt, kommen mehr Besucher, es gibt mehr Anfragen. Eine Keramikwerkstatt mit angeschlossenem Werksverkauf, individuelle Produkte, handgefertigt von Menschen dieser Region – das hat die Leute interessiert und ganz nebenbei die Arbeit von Christa Frömmel und ihrer Mitarbeiter in den Vordergrund gerückt. Dabei ist Christa Frömmel gar kein Mensch für den Mittelpunkt. Sie sitzt lieber am Rand, beobachtet, hilft, inspiriert und koordiniert. Die Gruppenleiterin der Keramikwerkstatt läuft zwischen Tischen entlang, drückt dort eine Tonkugel auf die Spitze eines Engelkörpers, hilft eine Schüssel zu formen und trägt fertige Produkte zum Ofen. „Schön, dass Werkstatt und Werksverkauf jetzt miteinander verbunden sind“, sagt sie und lässt ihren Blick schweifen. „Das ist das schönste Lob, was wir kriegen können, dass die Menschen zu uns kommen und uns direkt ein Feedback auf unsere Arbeit geben.“ Schon jetzt hätten

38 | Arbeit

sich Vorteile für die Mitarbeiter und auch die Gäste gezeigt. „Die offene Verbindung zwischen Verkauf und Werkstatt schafft die Basis für einen Dialog und damit für gelebte Inklusion“, erklärt Frömmel. „Viele Menschen, die hierher kommen, sind angetan. Dabei ergeben sich Gespräche, die tun Kunden und Mitarbeitern gut.“ Wie bei vielen Neuerungen, wurde auch der Umzug der Keramikwerkstatt vorher mit Skepsis begleitet. „Die Bedenken, die Beschäftigten säßen durch die großen Fenster auf dem Präsentiertisch, haben sich nicht erfüllt“, resümiert die gelernte Keramikerin. „Die Mitarbeiter fühlen sich wohl.“ Zusammen mit ihren elf Mitarbeitern kreiert und produziert Christa Frömmel Schüsseln und Schalen, Glocken und Engel, Kerzenleuchter, Weihnachtsbaumschmuck und viele weitere Kostbarkeiten. Derzeit bereiten die Keramiker 350 Blumentöpfe für die Lebenshilfe Ostfriesland vor. Danach stehen 250 Vogelhäuschen auf dem Plan. „Ich wünsche mir, dass sich auch in Zukunft viele Begegnungen mit den Einwohnern von Radeberg ergeben“, sagt Frömmel und dreht die Töpferscheibe.


HIGHTECH IN DER METALLWERKSTATT

E

lke Nitzsche läuft forschen Schrittes und frohgemut durch die Werkhalle der Metallbearbeitung in Radeberg. Natürlich will sie an die Maschine. Keine Frage. Jeder will an diese Maschine. Nitzsche wirft sich die Schürze über, zieht die Handschuhe an und steuert auf die Glasscheibe zu, hinter der das faszinierende Wunderwerk der Technik zyklisch sein Werk verrichtet. Bei der Maschine handelt es sich um eine CNC-Fräse, mit der aus Metallteilen Gewinde oder andere Formen herausgestanzt, geschnitten oder gefräst werden können. Etwa 36.000 Euro haben die Werkstätten des Epilepsiezentrums in diese Technik investiert. „Wir möchten die Metallverarbeitung produktiver gestalten“, sagt Marco Franke, Gruppenleiter für den Metallbereich. Ziel sei die maschinelle Fertigung von Zulieferteilen für die Industrie. „Mit der CNC-Maschine schaffen wir die Voraussetzungen für die Herstellung von mehr Produkten in höherer Qualität.“ Elke Nitzsche jedenfalls ist Feuer und Flamme für die CNC-Maschine. Konzentriert nimmt sie ein Gussteil aus einer Kiste, legt es in den Bauch der Maschine, schließt die Glastür und drückt auf einen Knopf der Armatur. Ein Hebel fährt herunter, es klackt und zischt. Natürlich ist das viel interessanter, als Muttern auf Schrauben zu drehen. „Wir möchten weg vom Bastel-Image“, erklärt Franke. „Wir wollen ernstzunehmender Zulieferer auf dem Markt werden.“ Marco Franke ist selbst Teil dieses Plans. Der ausgebildete CNC-Fräser ist zur Entwicklung der CNC-Produktion eingestellt worden und betreut acht Mitarbeiter. „Bislang nutzen wir nur einen Bruchteil der Funktionen, welche die Maschine leisten kann.“ Derzeit würden hauptsächlich Gussteile für den Straßenbau verarbeitet. „Demnächst möchten wir komplexere Teile fräsen.“ Elke Nitzsche nimmt das gestanzte Gussteil aus dem Bauch der Maschine und legt es in die Holzstiege mit den fertigen Teilen. „Die Leute arbeiten hier selbstständig, das funktioniert einwandfrei“, sagt Franke stolz.

Arbeit | 39


UNBEGRENZTE

MÖGLICHKEITEN

K

nut Richter führt durch seine Holzwerkstatt wie durch eine Schatzkammer. Holzbrettchen, Räucheröfen, Pyramiden, Kunsthandwerk und sogar ein handgefertigtes Schachspiel. Knut Richter ist Gruppenleiter der Holzwerkstatt. Sie bietet ihm nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. „Wir können hier Dinge produzieren, die Sie sich nicht vorstellen“, erklärt er. „Wir haben eine komplette Tischlereiausstattung und sogar eine große Plattensäge.“ Die Holzwerkstatt produziert für die Industrie, fertigt jedoch auf Wunsch auch individuelle Holzprodukte wie Möbel, Küchenutensilien oder Saunazubehör. Gerade ist ein Großauftrag der Gemeinde Moritzburg eingetroffen. Drei Anschlagstafeln sollen schon in wenigen Wochen an den Bushaltestellen der Gemeinde Touristen über Wanderwege informieren. „Wir freuen uns über den Auftrag, der gleichzeitig eine logistische Herausforderung ist“, erklärt Richter. Zusammen mit dem Bereich Garten- und Landschaftspflege, der über schweres Gerät verfügt, sollen die Anschlagtafeln nach Moritzburg gebracht und dort montiert werden. „Wir haben Erfahrung damit“, sagt Richter. Schon für die Westlausitz habe die Holzwerkstatt Trägergestelle für ähnliche Infotafeln produziert. Oliver Mehlhorn ist Abteilungsleiter der Werkstatt in Kleinwachau. Wenn es nach ihm geht, wird sowohl die Zahl der Industrie- als auch der Einzelaufträge wachsen. „Wir wollen bekannter werden“, sagt er. „Kunden können auch mit einer Produktidee zu uns kommen.“ Während Mehlhorn mit dem Blick von außen und frischen Ideen kommt, ist Richter der Fachmann mit Visionen. „Wir können theoretisch alles machen, die Beschäftigten sollen jedoch einen Mindestanteil an der Arbeit haben“, sagt Richter. Weil die Pallettenproduktion fast vollständig nach Osteuropa abgewandert ist, haben Richter und Mehlhorn jetzt eine neue Idee. Warum nicht den Trend aufgreifen und begehrte Pallettenmöbel herstellen? Ein Pilotmöbelstück jedenfalls gibt es schon.

40 | Arbeit


HOLZWERKSTATT » »

Wir bieten: alle Arten von Massivholzbearbeitung z. B. Latten, Kanthölzer gehobelt für Zäune, Balkone, Bänke und ähnliches individuelle Produktgestaltung für Privatkunden, Kommunen oder Industrie z. B. Gartenmöbel, Stadtmöblierung Fragen Sie uns einfach an: Kleinwachauer Holzwerkstatt Wachauer Str. 30 01454 Radeberg Tel. (03528) 431-1760 E-Mail: holz@kleinwachau.de

»

WERKSVERKAUF

IN RADEBERG UND LIEGAU-AUGUSTUSBAD

»

»

»

Produkte aus der Kleinwachauer Holz- und Keramikwerkstatt Wachauer Str. 30 01454 Radeberg OT Liegau-Augustusbad Tel. (03528) 431-1760 Montag - Freitag 9.00 - 15.00 Uhr Werksverkauf, Schauwerkstatt und Töpferkurse Stolpener Str. 12 01454 Radeberg Tel. (03528) 431-1810 Montag - Freitag 9.00 - 15.30 Uhr Töpferkurse nach Vereinbarung E-Mail: werkstatt@kleinwachau.de

Arbeit | 41


E

s ist das erste Unternehmen Mitteldeutschlands, in dem unterschiedliche soziale Träger gemeinsam für ein großes Ziel einstehen. Bereits seit Januar 2015 arbeiten das Epilepsiezentrum Kleinwachau, die Volkssolidarität Dresden und Diakonie-Stadtmission Dresden in diesem Projekt gemeinsam. Als Inklusionsunternehmen garantiert das paso doble behinderten Menschen das gleiche Recht auf Arbeit und setzt damit die UN-Behindertenrechtskonvention vollumfänglich um. Das heißt: paso doble schafft Menschen mit Behinderung vollwertige Arbeitsplätze am allgemeinen Arbeitsmarkt. 46 Mitarbeiter zählt das 2010 gegründete Unternehmen heute, 21 Mitarbeiter haben eine Behinderung, leiden unter einer chronischen Krankheit oder haben eine Lernschwäche. Teamarbeit wird hier groß geschrieben, es geht nicht um Behinderung, vielmehr um Teilhabe, um ein Miteinander.

42 | paso doble


Inklusionsunternehmen agieren am Markt und müssen sich dem Wettbewerb stellen. Mit dem Zeigefinger auf Behinderungen hinzuweisen, Mitleid zu erwecken oder künstliche „Schutzräume“ zu schaffen, hilft dabei nicht. Das zeigt das Unternehmen nun auch mit seiner neuen Werbekampagne: Mit viel Mut, einer charmanten Brise Frechheit, aber vor allem authentisch wartet das neue Erscheinungsbild auf. Das Gesicht der neuen Marke paso doble wird von sechs Charaktertypen stark geprägt. Allesamt echte Mitarbeiter des Unternehmens, die eine einzigartige Geschichte zu erzählen haben. Und dies auch tun. Mit Inhalten, die durchdacht und barrierefrei aufbereitet sind. Auch die Homepage des Unternehmens ist barrierefrei und wartet mit Gebärdensprachvideos, Vorlesefunktion und Texten in Leichter Sprache auf. Martin Wallmann, Geschäftsführer des Epilepsiezentrums Kleinwachau und gleichzeitig auch Geschäftsführer des Inklusionsunternehmens paso doble, sagt: „Gemeinsames Arbeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen, diese Vision ist bei paso doble bereits Realität. Auch auf Seiten der Unternehmensführung ist die Zusammenarbeit über Trägergrenzen hinweg ein starkes Signal dafür, dass uns Inklusion wichtig ist. Wir bringen hier aber keine Billig-Konkurrenz auf den Markt. Wir zahlen unseren Mitarbeitern den branchenüblichen Tarif, liegen damit also über dem gesetzlichen Mindestlohn.“ Auf Seiten der Volkssolidarität Dresden freut sich deren Geschäftsführer Clemens Burschyk über die Zusammenarbeit: „Mit unserer Beteiligung am Inklusionsunternehmen paso doble ergänzen wir das Angebot der Volkssolidarität Dresden. Wir verbinden damit auch die Hoffnung, für Menschen mit Behinderung langfristig sichere Arbeitsplätze schaffen zu können. Gleichzeitig sehen wir die Chance, gemeinsam Inklusion bei der täglichen Arbeit zu verwirklichen. Die Volkssolidarität Dresden ist stolz, bei diesem ersten trägerübergreifenden Inklusionsunternehmen dabei sein zu dürfen.“

Schraube locker? paso doble Hausmeisterservice

Für den neuen Markenauftritt wurde das Inklusionsunternehmen mit dem Marketingpreis Dresden ausgezeichnet. Mit der werblichen Umsetzung wird nach Ansicht der Jury eine neue Stufe der Emotionalisierung einer Marke erreicht: „In beispielhafter Weise hat paso doble ein gesellschaftlich bedeutsames Thema ausgezeichnet in Szene gesetzt.“ » www.pasodoble.de

paso doble | 43


„KAPITÄN HOOK“ IM EINSATZ

R

einhard* kann sich noch genau erinnern, an diesen Tag im Jahr 1994. Als das Förderband der Recyclinganlage seinen Arm erfasste. Ohne Gnade, unwissend, dass es sich nicht um ein Metallteil handelte. Heute hat der 57-Jährige gelernt, mit Prothesen zu leben – und zu arbeiten. Selbstbewusst schwenkt er seinen Arm-Haken durch die Luft, schiebt die Essenswagen nach einem ausgeklügelten System gen Ausgang und öffnet, dort angekommen, mit einer Fernbedienung die Laderampe des Transporters. Darauf thront er dann, nicht ganz ohne Stolz, mit seinem Wagen und einem leichten Lächeln im Gesicht. Reinhard gilt seit seinem Unfall, bei dem er den rechten Unterarm verloren hat, als Mensch mit Behinderung. Seit fünf Jahren arbeitet er bereits bei paso doble, hat hier wieder seinen Platz im Arbeitsleben gefunden. Täglich liefert er Essen an Kitas und zahlreiche Patienten des Epilepsiezentrums Kleinwachau. Er grüßt, winkt, schiebt, er öffnet und schließt die Laderampe, bugsiert das Auto durch engste Ein- und Ausfahrten, pendelt zwischen Großküche und Stationen. Und ist immer da, pünktlich und zur rechten Zeit. Das Inklusionsunternehmen paso doble hat für ihn extra einen Lieferwagen umbauen lassen. Mit Handbremse links, Multi-Bedienvorrichtung am Lenkrad und Fernsteuerung der Laderampe. Natürlich freut sich Reinhard darüber. Doch ganz kurz, zwischen Großküche und Station 2, blitzt ein amüsiertes Lächeln durch. Damals nach seinem Arbeitsunfall, erklärt er, habe sein Chef auch schon einen riesigen Radlader für ihn umfunktionieren lassen. Mehrere Jahre schau-

44 | paso doble

felte Reinhard das Schüttgut damit quasi locker aus der linken Hand. Doch dann raffte die Insolvenz das Unternehmen dahin. Mit seinem Transporter steuert Reinhard den Kindergarten an. Der Haken seiner Arm-Prothese ist rechts in das Lenkrad eingeklinkt. Da im Leben alles eine Frage der Perspektive ist, könnte man vermuten, dass Väter eifersüchtig werden. Denn: In der Kita ist Reinhard der große Held, der Unangefochtene, der Heroische, der wirkliche, echte Pirat. „Die Kinder nennen mich Kapitän Hook“, erklärt er, lacht, inspiziert die Heckkamera und setzt rückwärts in die Einfahrt ein. Natürlich hat Reinhard auch eine bessere Prothese – so eine supermoderne, mit der er auch seine künstlichen Finger bewegen kann. Doch für das Arbeiten ist die Feinmotorik zu empfindlich. Mehrmals sei die 8.000-Euro-Prothese schon kaputt gewesen. Dann habe die Krankenkasse schließlich eine Arbeitsprothese – den Haken also – genehmigt. Reinhard arbeitet 24 Stunden in der Woche. „Mehr geht nicht, sonst schmerzt der Arm“, erklärt er. Nach fünf Jahren im Unternehmen ist er glücklich hier, will bis zur Rente bleiben. Nur manchmal schaut er mit ein bisschen Wehmut auf die Zeit in seinem großen Radlader zurück. „Das Auto hier hätte allein in die Schaufel gepasst“, erklärt er und wirft den Motor wieder an.

*Auf Wunsch der genannten Personen verwenden wir bewusst keine Nachnamen oder Abkürzungen.

| 44


Alles im Griff? paso doble Umzugs- und Transportservice WIR SCHAFFEN WERTARBEIT. GEMEINSAM. Menschen mit und ohne Behinderung. Hausmeisterservice Gebäudereinigung Renovierungsarbeiten Umzugs- und Transportservice Haushaltshilfe Hauswirtschaftsservice

www.pasodoble.de Telefon: (03528) 431 |-4522 22 paso doble


JULI

APRIL

Zirkuswoche vom Dresdner Stadtju gendPfarramt in Kleinw achau

iter halten sich fit: Kleinwachauer Mitarbe de im Erzgebirge Gesundheitswochenen

UND SONST...

MÄRZ

MAI rn der s mit Bewohne Der Aquarellkur altete hloßstraße gest Radeberger Sc en Ausstellung wunderschöne

SEPTEMB

ER

rlust beim

r: Liegauer Liede Inklusiver Dorfcho est 2016 Auftritt zum Dorff Erntetanz

mit dem

46 | Kleinwachau

Verein Sto

lp(n)er Fo

lk


MÄRZ

MAI

„Rainer von Vielen“ be geisterte das Publikum zum Tanz in den Mai

APRIL ten Offizierschüler aus Dresden besuch Tür Kleinwachau am Tag der offenen

JUNI inwachauer

016: der Kle Letztmalig 2 lug Dampferausf

JANUAR

Zum Sommerfest wurde auc h der aus Spendengeldern gestaltete Gemeinschaftsgarten eingeweiht

Kleinwachauer Sportler erfolg reich bei den Sp Olympics Winte ecial rspielen in Obe rhof

Kleinwachau | 47


URLAUB MÖGLICH MACHEN

E

inmal verreisen, einen Ausflug machen oder ein paar Tage wegfahren, wir alle brauchen ab und zu einen „Tapetenwechsel”. Ein paar Tage Entspannung, Neues entdecken, Spaß haben, die Seele baumeln lassen. Für die Menschen, die in Kleinwachau leben, ist das nicht so einfach. Einige können durch eine Körperbehinderung schlecht laufen oder sind auf den Rollstuhl angewiesen. Viele benötigen durch die mit der Epilepsie verbundene Anfallsgefährdung ständige Begleitung. Einen Ausflug zu planen oder

48 | Kleinwachau

eine geeignete Erholungsreise zu finden, das kann dadurch mit sehr viel – auch finanziellem – Aufwand verbunden sein. Einige Bewohnerinnen und Bewohner haben nur sehr wenig eigenes Geld. Sie können sich auch einen preiswerten Urlaub nicht leisten. Vor allem Senioren müssen mit einem geringen Taschengeld auskommen. Zum Sparen bleibt da nichts übrig. Oft gibt es keine Angehörigen, die sie finanziell unterstützen könnten. Einer von ihnen ist Peter Hoffmann*. Er lebt seit 40 Jahren in Kleinwachau. Die meiste Zeit hat er gearbeitet, nun ist er Rentner. Sein letzter Urlaub liegt schon einige Zeit zurück. Gern erinnert er sich daran: der Klimawechsel hatte ihm gut getan. Einmal wieder Koffer packen und weg sein, Neues sehen und erleben, das wünscht er sich. *Name geändert


SPENDENPROJEKT 2017 Helfen Sie behinderten Menschen aus Kleinwachau, den Alltag für ein paar Tage hinter sich zu lassen! Mit unserem Spendenprojekt möchten wir für Menschen mit Behinderungen Urlaub möglich machen. Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, geeignete Urlaubsangebote zu finanzieren.

Verwendungszweck:

helfen Sie » Bitte mit Ihrer Spende!

Urlaub möglich machen

Vielen Dank!

Bitte geben Sie bei Ihrer Überweisung Ihre Adresse im Verwendungszweck mit an. Sie erhalten dann automatisch von uns eine Spendenquittung.

SPENDENKONTO EMPFÄNGER Förderverein Epilepsiezentrum Kleinwachau e.V. IBAN DE25 3506 0190 1615 9600 94 BIC GENODED1DKD VERWENDUNGSZWECK Urlaub möglich machen

Kleinwachau | 49


IHRE SPENDE BLÜHT AUF! PROJEKT 2015/16: GEMEINSCHAFTSGARTEN IST FERTIG

VIELEN DANK FÜR IHRE SPENDEN!


PRAKTIKUM

FSJ / BFD

ICHTPRAKTIKUM

STELLEN FÜR PFL

» in den Wohnbereichen » in der Förderschule » im Fachkrankenhaus » in der Werkstatt

BIETEN:

FSJ: Einstieg 1.9. - 28.2. / 12 - 18 Monate / 350 EUR pro Monat + freies Mittagessen

» Abwechslungsreiche Tätigkeiten in verschiedenen Bereichen » Qualifizierte Begleitung im Praktikum » Beratung bei der beruflichen Weiterentwicklung » Beurteilung der erbrachten Leistung

KONTAKT Personalabteilung Tel.: (03528) 431-1862 E-Mail: bewerbung@kleinwachau.de

WIR BIETEN:

BFD: Einstieg jederzeit zum Monatsanfang 21, 30 oder 40 Wochenstunden, 310 - 410 EUR pro Monat

RUF AN! Karsten Bilz (Koordinator Freiwilligenarbeit) Tel.: (03528) 431-1121 E-Mail: k.bilz@kleinwachau.de Foto: © jozsitoeroe - Fotolia.com

für die Ausbildungsrichtungen: » Heilerziehungspfleger » Sozialassistenten » Ergotherapeuten WIR » Erzieher

NSTE

FREIWILLIGENDIE

! N E H C A M H C

EINFA IMPRESSUM

HERAUSGEBER Kleinwachau Sächsisches Epilepsiezentrum Radeberg gemeinnützige GmbH Wachauer Str. 30 01454 Radeberg Tel.: (03528) 431-0 E-Mail: kontakt@kleinwachau.de www.kleinwachau.de

VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT Martin Wallmann (Geschäftsführer) KONZEPT, REDAKTION, LAYOUT & GRAFIK Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Alexander Nuck (Leitung) Patricia Wachsmuth Jana Mundus

FOTOS & BILDER Sächsisches Epilepsiezentrum Radeberg, Romy Handke, S. 23: Moritz Thau, S. 21, 25: buruckerbarnikol + thoma architekten, S. 51: jozsitoeroe - Fotolia.com, S. 52: colourbox.de AUFLAGE: 3.000 Stück, kostenlose Verteilung frei Haus DRUCK KONSTA Druck & Werbung, Inhaber: Ralf Gauptys Radeberger Straße 34, 01454 Feldschlößchen Kleinwachau | 51


2017 » » » » » »

Tag der offenen Tür in allen Bereichen 1. April 2017 Besichtigung der neuen Klinik-Station 5 möglich Epilepsiesymposium 1. April 2017 Saal der Kleinwachauer Werkstätten

Tanz in den Mai 6. Mai 2017 Saal der Kleinwachauer Werkstätten

Kleinwachauer Sommerfest und Kirchspieltag Radeberger Land 24. Juni 2017

14. Epilepsieforum 21. Oktober 2017 Dresden, An der Kreuzkirche 6 Weihnachtsmarkt der Förderschule 8. Dezember 2017

Foto: © colourbox.de

Hesekiel 36, Vers 26

Wir laden Sie herzlich ein.

www.kleinwachau.de 52 | Kleinwachau


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
2016 Das Jahr in Kleinwachau by Epilepsiezentrum Kleinwachau - Issuu