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Kinki Magazine - #7

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kinki

nr. 7 2008 chf 6.– € 4.–


Go back to black Wir wagen ein Experiment. Vergiss alles, was du über kinki magazine im letzten ­halben Jahr gelernt hast. Jetzt wird es düs­ ter. Bankenkrise, Schurkenstaaten, Killer­ viren. Nicht nur dass sich über dieser Welt immer mehr dunkle Wolken zusammen­ziehen. Auch im Kleinen tropft das schwarze Pech von der Decke. Wir zollen der anderen Seite Tribut und tauchen diese Aus­ gabe in ein Meer aus Licht und Schatten. Vor allem Schatten. Denn obwohl wir es ­gewohnt sind, alles im Happy Hippo ­Sunshine Look präsentiert zu bekommen, obwohl die Welt in den Medien überzeichnet bis grellbunt erscheint, können wir die ­Magie der Dunkelheit nicht ausblenden. Was fasziniert uns am Geheimnisvollen, Ver­ ruchten, Bösen, Unheimlichen und Un­­erklär­lichen? Warum zieht es uns immer wieder über die dünne Linie, die ein Lächeln von der Fratze trennt? In dieser Ausgabe wollen wir nicht alle verbotenen Fragen ­lösen, aber zumindest ein wenig an der Ober­ fläche kratzen und der Dunkelheit eine ­Bühne bieten. kinki is the new black, eure bisschen böse Redaktion. kinki

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contributors

suzana ­ benne kovacevic ochs S. 57

Suzana Kovacevic, 30 Jahre, wohn­ haft in Zürich, arbeitet als Kunst­ käuferin in einer Werbeagentur. Das heisst, sie ist darum besorgt, für ihre Kampagnen den richtigen Foto­ grafen oder Regisseur zu finden. So ein Dreh oder Shooting bedeuten ganz schön viel Arbeit und Vorbe­ reitung. Aber nicht zuletzt dank ihrer Körpergrösse hat sie immer den Überblick und bleibt ruhig. Ausser wenn sich ein Käfer nähert, dann kreischt sie los und prescht davon. Ihr Bezug zur Dunkelheit ist sehr gross, ist sie doch eine klassische Eule. In der Ruhe und Dunkelheit der Nacht sind ihre Sinne geschärft. Dann wird sie so richtig aktiv. Irgend­ wann schläft sie aber auch, gerne mit einem Buch in der Hand und bei voller Beleuchtung.

alberto ­ venzago

S. 92

Der Fotograf Benne Ochs lebt in Hamburg und ist überzeugter FC St. Pauli-Fan. Daher weiss er auch, dass die Seele dieses Klubs nicht nur aus der Mannschaft oder guten Ergebnissen besteht, sondern aus der Leidenschaft und Hingabe, mit der jeder eingefleischte Pauli-Fan für seinen Klub einsteht: Einmal St. Pauli, immer St. Pauli! Für die Fotostrecke ‹non established since 1910› verbrachte Benne eini­ ge schlaflose Nächte auf der ­Reeperbahn. Allerdings nicht hinter der Bar, sondern hinter der Linse.

giuliano di marco

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S. 82

Bekannt wurde der freischaffende ­Illustrator Gregory Gilbert-Lodge als Teil der (an der Schule für Gestal­ tung in Biel gegründeten) Künstler­ gruppe ‹Silex› sowie durch zahl­ reiche redaktionelle Arbeiten für nationale und internationale Kunden. In seinem mehrfach ausgezeichne­ ten Werk spielt Reproduktion eine zentrale Rolle. Die Arbeiten sind auf Vervielfältigung angelegt, sei es durch die massenhafte Auflage eines Magazins, sei es durch eine kleinere Siebdruckedition. GilbertLodge bedient sich in seinen ­Arbeiten medialer, kommerzieller Bildwelten. Diese, von der Gesell­ schaft verinnerlichten Produkte ­werden zitiert, inszeniert und inter­ pretiert. Durch Hinzufügen und Weglassen verdichten sich Realität und Abstraktion. Verfremdungen ­dieser Abbilder irritieren und verän­ dern die Erinnerung an die Originale kollektiver Projektionsflächen.

S. 20

Der Fotograf Giuliano Di Marco und seine Kollegen von 47 Nord (Alain Scherer, Giuliano Di Marco, ­Blanda Eggenschwiler, Oliver Laubscher und Yves Zumstein) schauen auf S. 106 eine lange Zeit im Wald voller nasser Alberto Venzago hat im Januar die Füsse, Zeckenbisse und Tümpel­ Greenpeace ­Operation in der überquerungen zurück! Das Kollektiv ­Antarktis im Kampf gegen die japa­ 47 Nord ist eine visuelle Unabhän­ nischen Walfänger gefilmt und gigkeitserklärung mit Fokus auf ­fotografierte Tina ­Turners neues CD- ­Design, Branding und Advertising. Cover. Seine Kameraarbeit für Das Team fotografierte und layoute­ Wim Wenders Filme (‹The invisib­ te die Geschichte Succubus. les›, ‹The Last Kiss›) und andere Freunde wurde international ausge­ zeichnet. Elena Bernasconi kennt der Stadtzürcher seit über 10 Jahren: ‹Ich find sie chic und mo­ dern und zudem ist sie eine gute Freundin. Mit ihr zu arbeiten hat Spass gemacht›. Venzago wohnt im Kreis 5 in Zürich.

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gregory gilbertlodge

julien palmilha S. 62

Julien Palmilha lebt als freier Foto­ graf in Lausanne. Er lässt sich gerne von der Stille und Kälte des ruhigen Landlebens, aber auch von zeit­ genössischer Mode, Fetischfoto­ grafie, Literatur und Musik inspirieren. ‹Ich denke, was meine Arbeiten in gewisser Weise ver­ bindet, ist die Auslöschung des Indi­ viduellen Seins, eine Art des ­«Nicht-Lebens», die ich in meinen Arbeiten zu visualisieren ver­suche›.


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content

standard

editorial 03 contributors 04 gossip 14 agenda 14 querschläger 40 media 80 city spotlight 127 abo / impressum 128 versammelt 130

report

diamonds are forever 36 denise friedrich 40 george romero: zombies reloaded 42 die blicke der anderen 34 non established since 1919 92

sound

album des monats: unearth 44 soundcheck 46 lykke li 50 playlist: wildlife! 52 matt hensley von ­flogging molly 54 time to get lost 54 bomb the bass 60

20  succubus

Unter ‹Succubus› versteht man das weibliche Gegenstück zum ‹Incubus›, ein Albträume und Wahnvorstellungen auslösender Dämon. Giuliano Di Marco und sein Team von 47Nord+ haben sich in den dunklen Wald gewagt und präsentieren euch in diesem Heft die unheimlichen Er­ gebnisse ihrer zwischenweltlichen Begegnung!

fashion

succubus 20 julien palmhila 62 babe in the woods 106 vive la fragrance 114 au bord du désespoir 116 denim and drawings 126

art & co

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sem rubio: ein schritt & 3-", .4-.53

"5 & "/ "3 +0#& richtung abstraktion 68 illustrative 2008: sehen und sehen lassen 78 gregory gilbert-lodge: time to get lost Manche Partynächte beginnen so edding und ikonen 82 ­beschissen, wie sie schliesslich enden. step aside Das muss jedoch kein Hindernis sein, sich auf solche urbane Geisterbahnfahrfor pontus alv 102

ten einzulassen, denn was bleibt ist ­selten die Erinnerung, sondern meist nur ein paar Schrammen...

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46 90 date mit einem clown Alle Kinder lieben Clowns! Neuerdings dürfen sich aber auch Fans von Garagerock und Blues über bunte Ballons und rote Nasen freuen…

fred mortagne: burn to earn Wer sich Neuerungen verschliesst muss nicht unbedingt altmodisch sein: Fred Mortagne gilt als knallharter Verfechter der Analog-Fotografie, dennoch zählen seine Skateboardfotos zum Innovativsten, was die Szene zu bieten hat.

sem rubio

92 non established since 1910 St. Pauli ist mehr als Fussball, mehr als Hamburg, mehr als ein Team und ein Name! Was den Verein so speziell macht, sind die Fans, die dem Klub in guten und in schlechten Zeiten die Stange halten. Und zwar inner- und ausserhalb des Fussballstadions!

Drink responsibly.

Der spanische Fotograf Sem Rubio schlendert gerne mit seiner Kamera durch die Strassen der Grossstädte. Dabei entstanden unzählige eindrückliche Porträts, Skateboardbilder und Momentaufnahmen. Matthias Straub traf sich mit dem ‹Street-Photographer› in Barcelona.

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gossip

rafsüchtig10 agenda

Na sieh mal einer an, schon wieder so ein Zweier-Ding. Doch diesmal ist auch was Interessantes bei raus gekommen. Der wohl extravagan­teste belgische Designer schliesst sich mit einem aus Schulzeiten bekannten Taschenhersteller zusammen. Raf Simons ist in der Modeszene ein beliebter Fuchs, momentan der Kreativdirektor bei Jil Sander AG. Laut Simons ist seine Mode das Medium seiner Handlung. Aha. Na dann. Er lässt Eastpak in einem ganz anderen Format erscheinen. Das Ergebnis sind voluminöse Rucksäcke im Backpacker Style, die durch die ungewöhnliche Materialverwendung, wie kariertem Filz mit Patches und lässiger Crinckle-Optik bis hin zu glänzendem Nylon, neu auftauchen. Nicht zu glauben, aber wahr, auf den Pariser Modeschauen stolzieren Models mit riesigen Rucksäcken über den Laufsteg. Wer es mag kann die Easpak-RafSimons-Kollektion ab sofort kaufen und wer es nicht mag, geht in

22.10. Mi

ladytron (uk) Abart Zürich

mr. oizo (f), whitey (uk), steven aoki (usa) Mascotte Zürich 23.10. Do

built to spill (usa), disco doom Palace St.Gallen

bratze (d), juri gagarin (d)

Schwarzer Engel St.Gallen 23.–26.10.

jungkunst festival Winterthur, Zürich 24.10. Fr

baby genius, admiral james t., sebastian bill Talhof St. Gallen 25.10. Sa

artstübli & kinki magazine

präsentieren einen Tag im Zeichen der die Garage und sucht nach seinem Schweizer Grafik-Art. Musik und Livealten Schulrucksack und nimmt biss- Kunst-Performence Illustrative 2008 Zürich chen Farbe und Stofffetzen von Mami mit, und Tataa: die neue le loup (usa) Mariaberg Rorschach ‹Kann-ich-doch-selber-Kollektion!› 31.10. Fr Ausprobieren.

zufallbringen (film-release-party)

www.eastpak.com www.rafsimons.com

Flon St.Gallen

i am kloot (uk)

kunstsprungbrett

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Vom 23.–26.10.2008 zieht das Ausstellungskonzept ‹jungkunst› mit zwanzig Freiwilligen ins Gefecht. Kein Krieg, aber eine riesen Heraus­ forderung für aufstrebende Künstler, die ein breites Publikum erreichen wollen. Auf einer Fläche von 2000 m² im Dachgeschoss der City Hall in Winterthur werden unterschiedliche Werke von jungen Schweizer Shooting Stars präsentiert. Die Palette der gezeigten Arbeiten reicht von Malerei und Zeichnungen über Fotografie, Kollagen und Stree­t art bis zu Skulpturen. Die Kunst­liebhaber Martin Landolt, Tom Stierli und Andreas Schmucki sagten sich ‹Originale statt Poster› und gründeten damit 2006 die Plattform für junge Schweizer Künstler. Mit Lounge, Shop, Bar oder Kino wird auf dieser Ausstellung auch dem Kunst-Muffel Kurzweiliges geboten. Nicht verpassen! www.jungkunst.ch

Mariaberg Rorschach

01.11. Sa

cajus (d, blumentopf) USL Ruum Amriswil 05.–08.11.

internationales kurzfilm festival

Casinotheater und Kino Palace Zürich 10.11. Mo

get well soon (d) Gare de Lion Wil

the frallellis (uk) X-Tra Zürich 12.11. Mi

the streets (uk) Rote Fabrik Zürich 15.11. Sa

8. schweizer kunst-supermarkt Solothurn

the subways (uk), blood red shoes (uk) Rohstofflager Zürich 18.11. Di

mogwai (uk), thewilight sad (uk) Rote Fabrik Zürich 21.11. Fr

bang!bang!eche! (nz) Gare de Lion, Wil

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shit is wild Könige des Mash ups: Die Pariser DJs Loo und Placido

Partys gibt es viele, die richtige zu finden ist jedoch schwieriger, als neben Eva Longoria keinen Ständer zu kriegen. Denn du kennst sicher das Gefühl an Partys mitgeschleppt zu werden und danach enttäuscht mit leerer Brieftasche im Bett zu liegen. Das muss aber nicht sein... Papa Chulo Entertainment ist eine Truppe von drei jungen Leu-

ten, die in Baden seit knapp zwei Jahren Events organisieren und erfolgreich durchführen. Am Anfang noch als kleiner Fisch angesehen, haben sich ihre Events zum Geheimtipp in der Region entwickelt. Mit etwa 1000 Besuchern pro Event haben sie sich erfolgreich etabliert und sorgen mit stylischer Werbung für farbenfrohe Plakatwände im

sonst so grünen Aargau. Es gibt nicht jedes Wochenende eine Massenabfertigung vor dem Club, sondern es wird einfach jedes Mal Sylvester neu gefeiert! Nun steht am 1. November der nächste Event im Nordportal in Baden an. ‹Shit is Wild› heisst das Kind und gespielt wird Mash Up, Disco, Electro und Bootlegs! Mit Loo & Placido lassen die Jungs ein DJ & Producer Duo aus Paris einfliegen. Bekannt sind die beiden aus der TV-Serie MTV Mash und gelten als Pioniere des Mash Ups. Ihr weltbekannter Remix von Mousse Ts ‹Horny› sollte vielen im Kopf präsent sein. Wie gesagt, wäre es aber keine Papa Chulo Party, wenn nebenbei nicht die Powernudel Hands Solo die Frauen zum Kreischen bringen würde und She DJ Jewl elek­ tronische Musik wie im 7ten Himmel zelebrierte. Und als ob das nicht genug wäre, verlost kinki magazine 5 x 2 Tickets für die Party. Einfach eine Email mit dem Betreff ‹shit is wild› und deiner Adresse an info@kinkimag.com senden. www.papachulo.ch kinki magazine präsentiert: Shit is Wild / 01.11.2008 mit den DJs Loo & Placido, Hands Solo, Jewl, Johnny Trash Showcase by ‹Where Da Ca$h At› Mash Up, Dirty Disco, Electroboogie, Oldschool Classics Nordportal Baden Age: 20 / Entry: 20.– VVK: Starticket

leckerli des monats Saufen ist ulkig – besonders heute, wo man sich über Facebook an so genannten Botellòns treffen kann und sich nicht mehr komplett als Alki fühlen muss, weil es ja noch ca. 2’000 Gleichgesinnte gibt. Drum nochmals: Trinken macht lustig. Das zerknautschte, rote und meist schmerzverzogene Gesicht am Morgen danach dafür gar nicht. Darum sollte man auch mal die Haut einen ‹weghaun› lassen. So zum Beispiel die Crème Hydratation Intense (ab CHF 64.00) der neuen Biokosmetikmarke KIBIO, welche die Haut prima mit Feuchtigkeit versorgt. Und dabei auch 16

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noch ganz herrlich nach AmarettoShots duftet. Und wem das nicht reicht, der soll sich noch einen Spritzer ROSEN Wasser (ab CHF 25.30) von TAUTROPFEN gönnen. Ebenfalls aus natürlichen Inhaltsstoffen hergestellt, sorgt das Wässerchen nicht nur für eine entspannte Gesichtshaut, sondern passt auch noch wunderbar zum Prosecco. Prost! Text: Irène Schäppi


project komakino Musik und Mode verbindet ein leidenschaftliches Verhältnis und das zeigt uns April77 hautnah. Das Label wurde vor vier Jahren vom Franzosen Brice Partouche, dem Schlag­zeuger der Band Rodeo Massacre, gegründet. Seither sind alle verrückt nach The Joey, The Chelsea, The Martin und The Cricket. Komakino ist das neuste Projekt von April77 Records. Band, Stil, Muse. Projekt: Komakino als Band entstand aus dem dunklen Gedanken dieser Welt. Hört sich düster und schwarz an, ist es auch. Das Projekt folgt einem einfachen Manifest (style matters) und zeigt damit, wie engumschlungen Musik und Mode wirklich sind.

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Einen Frontside Roundhouse beim Surfen oder einen Switch Pop Shove-It beim Skaten haben die Herr­ schaften, die bei dem Kunst- und Klamottenlabel RVCA unter Vertrag stehen, sozusagen von Haus aus auf der Pfanne. Andrew Pommier, Ed Templeton, Tommy Guerrero, Barry McGee und viele andere klangvolle Namen haben sich schon mit Ideen und Designs auf Textilien von RVCA verewigt. Die Kreativität der Individualsportler spiegelt sich in allen Produkten der amerikani­schen Textil-Ikonen wieder. Wer aber lieber auf knochenbrecherische Stunts verzichten will, kauft sich einfach ein T-Shirt von RVCA und spielt damit fast in derselben Liga wie die Jungs, die einen 360 Kickflip über die Mülltonne vor dem Frühstück machen.. www.rvca.com

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kinkistübli

artstübli und kinki laden zum Après-Illu in Oerlikon

Es ist unbestritten, dass keine andere Region der Welt eine ähnliche Dichte an qualitativ hochwertigen Grafikdesignern besitzt wie die Schweiz. Hier arbeiten freischaffende Künstler/Designer tagein tagaus an neuen Kreationen auf hohem Niveau. Nur hört und liest man von jenen Kreativen, im Gegensatz zum Ausland, im eigenen Land leider eher wenig. Diese Quellen wollen die Kreativen vom Basler Grafikkollektiv artstübli und die Zürcher Redaktion des kinki magazine anzapfen − mit dem Ziel, dem interessierten Volk bewährte Schweizer Kreativarbeit näher zu bringen. artstübli versteht sich als Förderung, Verknüpfung und Plattform der Schweizer Grafik-Art. Gerade den Austausch unter den Kreativen des Landes möchte das Grafikkollektiv dabei neu über­denken und lenken. Durch ihre Neugier haben sich die Mitglieder des artstübli im Laufe der Zeit tief ins Schweizer Kreativnetz eingeflochten. Sie fühlen sich darin zu Hause, wissen wohin die Fäden laufen und beobachten dieses Netzwerk mit Spannung und Zuversicht. Genau diesem Netzwerk gilt es, mit eigenen Galerie-Ausstellungen, der jährlich etablier18

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ten ‹ARTig› Grafik-Art-Ausstellung und dem neuen Online-Artshop eine Plattform zu bieten. Gemeinsam sind wir stolz, an der diesjährigen ‹Illustrative› in Zürich dabei zu sein und euch am Samstag, dem 25. Oktober das artstübli ‹Stübli-Feeling› vor Ort live zu präsentieren. Mittels einer kreativen Kombination aus illustrativen Tapeten, urchigen Stüblimöbeln und kitschig alten Schweizer Alpen­ panorama-Werken, welche auf frische moderne Art von den jungen auf­ strebenden Schweizer Künstlern Jan Eichenberger, Achilles ‹Ashi› Greminger, Anna-Lina Balke, David ‹dust› Stegmann, Lina Müller & Luca Schenardi aus den

Bereichen Illustration, Grafik Design bis hin zu Graffiti und Urban Art neu interpretiert werden. Das kinki magazine präsentiert zu Visuals von artstübli einen angesagten Schweizer Live-Act mit DJ Support. Für alle, die im Stübli abhängen wollen, liegen Hefte der aktuellen Ausgabe aus und die Redaktion steht für einen kreativen Plausch bereit. www.artstuebli.ch www.kinkimag.ch


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DIAMONDS ARE FOREVER

Die Bündner Firma Algordanza verwandelt die Asche von Verstorbenen in funkelnde Diamanten. Ein lohnendes Verfahren wie es scheint, denn gestorben wird immer – und vor allem überall.

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as erwartet uns nach unserem Tod? Ewiges Leben? Eine Wiedergeburt als Tier? Oder einfach gar nichts? Seit Jahrtausenden streiten sich Religionen und Philosophen über diese Frage, ohne jemals zu einer befriedigenden Antwort zu gelangen. Oftmals vergessen wir bei dieser ganzen Diskussion allerdings, dass der Mensch nicht nur seelische, sondern auch körperliche Überreste hinterlässt. Die Frage nach der Bestattungsart interessiert die meisten von uns zu Lebzeiten jedoch nur wenig. Vielleicht weil uns der Gedanke, dass die eigenen körperlichen Überreste irgendwann sechs Fuss tief unter der Erde in einem Sarg vor sich hinmodern, wenig appetitlich erscheint, vielleicht aber auch aus der traurigen Erkenntnis, dass sich nach einigen Jahren wahrscheinlich nur noch der Gärtner – und nicht die Hinterbliebenen – ums Grab kümmern werden. Wer seine Asche verstreuen lässt, der muss damit rechnen, dass der Wind sie vielleicht auch an wenig beliebte Orte trägt, zum Beispiel an die Hauswand des Steueramtes oder in den nächstbesten Tümpel. Und wer will sich schon in den Weltraum schiessen lassen? Es bedarf zweifelsohne einer masslos bescheidenen Seele, um sich ins endlose Nichts der Galaxis zu katapultieren.

Laborbestatt­ ung Nun existiert allerdings seit 2004 eine weitere

Möglichkeit der Bestattung: die Graubündner Firma Algordanza hat einen Weg gefunden, aus dem in der Asche zurückgebliebenen Kohlenstoff durch ein synthetisches Verfahren Diamanten zu züchten. Wer also auch nach dem Tod noch durch hochkarätige Eigenschaften glänzen möchte, der kann sich in einen (oder mehrere) bläulich schimmernde Diamanten verwandeln lassen. ‹Auf die Idee kamen mein Geschäftspartner und ich beim Lesen eines wissenschaftlichen Artikels, wo von einem 36

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russischen Chemiker die Rede war, der im Labor aus Kohlestoff Diamanten gewinnt›, meint Herr Willy, Jungunternehmer und Mitbegründer der Algordanza. ‹Der Link vom Kohlestoff zur Asche lag für uns auf der Hand›. Das Verfahren ist altbekannt und lediglich auf der Ebene der Bestattung patentiert: aus der Kremationsasche wird mit Hilfe von Säuren und Laugen der Kohlenstoff herausgefiltert und danach unter hohem Druck und Temperaturen zu einem Diamanten gepresst. Was in der Natur oft Jahrhunderte dauert, wird im Labor innerhalb von etwa drei Monaten gezüchtet. Allerdings gilt auch hier: je länger man wartet, desto grösser wird der Diamant.

Big in Japan In nur vier Jahren wuchs die Firma von einem Zwei-

mannbetrieb zu einem Grossunternehmen mit Ablegern in über zwanzig Ländern auf der ganzen Welt heran: ‹Der beste Beweis für das Bedürfnis nach dieser Art der Bestattung ist das Wachstum dieser Firma›, erklärt sich Willy den schnellen Erfolg seines Unternehmens. Mittlerweile liefert die Algordanza vor allem nach Asien, weniger als zehn Prozent der Anfragen stammen aus dem eigenen Land, produziert wird allerdings immer noch ausschliesslich in der Schweiz. Wer jetzt denkt, die Diamantbestattung sei ein unerschwinglicher Luxus für narzisstische Materialisten, der irrt: ‹Wir haben nicht nach einer Möglichkeit gesucht, Asche in Luxusgüter zu verwandeln. Die synthetische Transformation zum Diamanten ergab sich einfach aufgrund der Kohlenstoffsynthese, also aus einem rein technischen Aspekt. Ausserdem denken wir, dass die Diamantbestattung eine reine und edle Wertschätzung der verstorbenen Person symbolisiert›. Auch preislich hält sich das Verfahren in Grenzen: ab ca. viertausend Franken wird aus der Asche der Grossmutter ein Edelstein. Das entspricht ziemlich genau den Kosten eines Grabsteins – ohne Friedhofsmiete wohlgemerkt. Natürlich variiert auch hier der Preis und hängt ab


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von Grösse, Schliffart und allfälligen Lasergravu- ternehmen an die Öffentlichkeit treten, denn abren des Steins. gesehen vom ausgestellten Diamanten werden dem Betrachter auch die Werke junger Künstler präsentiert, welche die Firma seit einigen Jahren Natürlich müssen die Unternehmer auch Kritik ein- fördert. Auch hier war es dem tüchtigen Gestecken, denn wer sich mit dem Tode anderer be- schäftssinn und Ideenreichtum der beiden Unterreichert, sichert sich nach Meinung der protestan- nehmer zu verdanken, dass sich die kahlen Wäntischen Kirche nicht unbedingt den besten Platz de der Büroräumlichkeiten innerhalb kurzer Zeit im Himmel: ‹Natürlich sind wir ein Unternehmen zum Kunstsalon und abends gar zur Galerie verund machen Geld mit unserer Arbeit. Allerdings wandelten. werden auch die Priester für das Abhalten der AbWir dürfen gespannt sein, ob sich die Diadankung bezahlt, oder?›, kontert Willy. Alles kos- mantbestattung in den nächsten Jahren weiter tet Geld, auch der Tod. etablieren wird. Wer weiss, vielleicht wird es irDas heikle Thema Tod ist wahrscheinlich der gendwann die normalste Sache der Welt sein, die Grund, warum die Algordanza noch immer konkur- verstorbenen Grosseltern am Ringfinger oder im renzlos dasteht. Allerdings versuchen Trittbrett- Collier zu tragen. Oder sie einfach in der Schmuckfahrer, sich ebenfalls ein Stückchen vom grossen schatulle zu verstauen, wenn man sie mal vom Kuchen zu sichern, indem sie das Verfahren der Hals haben möchte. Diamantsynthese auf weit weniger heiklen GefilWer dennoch moralische Zweifel an diesem den anwenden: so lässt sich zum Beispiel neuer- Verfahren hegt, der sollte vielleicht wieder mal dings auch aus den Haaren der Geliebten oder zum grosselterlichen Grab pilgern und ihnen eides Haustiers ein Edelstein pressen. Die Al- nen Strauss Blumen aufs Grab legen. Denn egal gordanza möchte der Bestattung treu bleiben, ar- ob Diamant, Urne oder Sarg: inwieweit wir die beitet aber in punkto Forschung auch mit ihren Verstorbenen in Erinnerung behalten, liegt nicht Nachahmern zusammen. an der Bestattungsart, sondern nur an uns selbst.

Geld vs. Tod

Die Kunst der Bestattung

Wer sich vom Funkeln der Gedenksteine selbst überzeugen möchte, dem bietet die Firma dieses Jahr die Möglichkeit, den aus der Asche von der Grossmutter des Geschäftspartners gewonnenen Stein aus der Nähe zu betrachten. Im Museum für Kommunikation in Bern wird die Algordanza gleich­zeitig als Kunstmäzen und Bestattungsun-

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Rainer Brenner ist redaktioneller Mitarbeiter des kinki magazine. Als grosser Verfechter des Übersinnlichen und zweifelsfreier Alien-Fanatiker kann er sich eigentlich nichts anderes als eine Weltraumbestattung vorstellen! Illustration: Raffinerie


querschläger

denise friederich: ‹ich bezeichne mich selbst nicht als rechts.› man sehr schnell, dass wir uns für sozialpolitische Themen und Umweltschutz engagieren, doch das wird leider nie erwähnt. Die Medien bezeichnen uns einfach als rechtsextrem und stecken uns in diese Schublade, ohne sich wirklich mit unseren Forderungen auseinanderzusetzen. Euer vorletztes Parteiprogramm hat euch einige Probleme beschert: Mitglieder eurer Partei mussten sich aufgrund des Inhalts eures Programms wegen Rassendiskriminierung vor Gericht verantworten. Was geschah damals mit dir?

Auch ich kam vor Gericht, das stimmt. Allerdings wurde das Parteiprogramm von Leuten verfasst, die eigentlich gar nicht mehr Teil unserer Partei waren. Wir fahren heute einen ganz anderen Kurs. Für mich war das Ganze natürlich eine missliche Lage, da ich für etwas verantwortlich gemacht wurde, zu dem ich gar nichts beigetragen habe. Ich glaube, was vielen Leuten sauer aufstösst, ist der Wortschatz, den ihr auf eurer Homepage und in Interviews benutzt: Wörter wie ‹entartet› oder ‹Kampftruppe› sind sehr vorbelastet.

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enise Friederich ist Bundesvorstandsmitglied der ‹Partei National Orientierter Schweizer›, die aufgrund ihrer provokanten Forderungen und der rechtsradikalen Vergangenheit einzelner Parteimitglieder immer wieder ins Kreuzfeuer der Medien gelangt. Wir treffen die zierliche Dame in Schwarz am Bahnhof Burgdorf, um uns danach im Restaurant ‹Schützenhaus› über die Zerschlagung des Kapitalismus und die Vorzüge der Schweiz zu unterhalten. Im Keller wird gerade Bier gebraut.

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Denise, rechts von dir kommt nur noch die Wand, oder?

Nein, überhaupt nicht. Ich bezeichne mich selbst nicht als rechts. Ich denke, meine Meinung bewegt sich irgendwo in der Mitte, konservativ, aber ansonsten sogar eher links als rechts. Viele SVP- und SD-Politiker verfolgen rechtsgerichtetere Ansichten als ich.

Wir verwenden auch Wörter wie ‹Bourgeoisie› oder ‹Proletariat›, Wörter, die im Kommunismus ihren Ursprung haben. Natürlich orientieren wir uns sehr völkisch, daher fallen auch Wörter, wie sie im Nationalsozialismus verwendet wurden, aber wir lehnen uns keinesfalls an den Nationalsozialismus an.

nen der Erde ganz anders als wir hier. Diese Verschiedenheit zeigt sich natürlich auch in den Genen, man kann also nicht einfach ein Kind von irgendwo holen und es einfach hier hinsetzen. Ich denke, dass gewisse Menschen aus weit entfernten Ländern sich aufgrund ihrer biologischen Vor­gaben nicht anpassen können. Solche Fremdeinflüsse sind im Übermass sicherlich eine Gefahr für unsere eigene Kultur. Was ist denn so schlimm am Gedanken, dass die Menschheit sich durchmischen könnte?

Völker gab es schon immer, sie sind eine Voraussetzung für unsere Existenz. Ich denke nicht, dass es gut wäre, wenn sich alles durchmischt, man sieht das ja zum Beispiel in Frankreich, wo es zu Rassenunruhen kommt. Glaubt ihr wirklich daran, dass eure Ziele jemals verwirklicht werden, oder wollt ihr den Bürgern einfach einen kleinen Anstoss geben?

Beides. Um die Voraussetzungen für die Verwirklichung unserer Forderungen zu schaffen, müsste der Kapitalismus abgeschafft werden. Das wird sicher nicht heute oder morgen der Fall sein, aber ich denke, dass die Menschen bald merken werden, dass dieses System sie nur ausbeutet. Was wir den Leuten liefern, ist ein Vorschlag für ein System nach dem Ende des Kapitalismus. Wir präsentieren unseren Vorschlag als Alternative zum jetzigen System.

Warum genau können ‹kulturfrem- Du hast dich gerade eine halbe de› Ausländer deiner Meinung Stunde lang mit einem Ausländer nach nicht integriert werden? unterhalten, Denise.

Das beginnt natürlich nur schon bei Wirklich? Siehst du, ich bin offen der Religion. Nicht, dass ich ein für alles! wahnsinnig religiöser Mensch wäre, aber natürlich hat das Christentum Denise Friederich, 23, lebt und arbeitet Köchin in Burgdorf und befindet sich unseren Kulturraum geprägt, somit als in der Ausbildung zur ErnährungsberaWieso bist du denn dann bei der verfügen Leute aus anderen Religi- terin. Sie geht nicht zu Mc Donalds, PNOS und nicht bei einer onen auch über andere moralische sieht nicht fern und trinkt keine Cola. Allerdings hört sie gerne ‹Die Ärzte› li­beraleren Partei? Vorstellungen und Regeln, die nicht und ‹Die Toten Hosen›, auch wenn ihr die Ich denke, man hat die PNOS durch immer kompatibel sind mit den uns- Texte nicht immer zusagen. ihre Geschichte und ihre EntsteWeitere Infos und Links unter: rigen. Natürlich leben die Leute in hung einfach in eine Schublade ge- anderen Ländern auch ganz anders, www.pnos.ch steckt, viele Leute begegnen uns Interview und Text: Rainer Brenner aufgrund der natürlichen Umgevoller Vorurteile. Wenn man unser bung im eigenen Land entwickelten Foto: Daniel Tischler Parteiprogramm durchliest, merkt sich Menschen in anderen Regio-


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Distribution WWW.ONBAORDMAG.COM WWW.FACTORYMEDIA.COM WWW.YEAHHPRODUCTIONS.COM

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Zombies reloaded

Keiner lässt schöner Zombie-Köpfe platzen als George A. Romero. ­ Und keiner bringt zwischen allem Blut und Gedärm so viel pointierte Sozialkritik unter wie der 68-jährige Riesenbrillenträger. In seinem neusten Film ‹Diary of the Dead› geht es den ­Medien und ihren Rezeptionsbedingungen an den Kragen. Jürg Tschirren hat den grossen alten Mann des Horrorkinos auf dem Neuchâtel Inter­ national Fantastic Film Festival getroffen.

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ie französischen TV-Leute haben ein Problem: Sie dürfen George A. Romero nicht beim Rauchen zeigen. ‹Vi ’ave to esk you to put dis aut›, bittet der Kameramann schüchtern. Romero lacht und drückt mit amüsiertem Kopfschütteln die Zigarette aus. Dann lehnt er sich entspannt zurück: Fast zwei Meter gross, die grauen Haare zu einem dünnen Pferdeschwanz gebunden, auf der Nase eine gigantische Hornbrille. So viel Pudelwohlheit auf einem Haufen sieht man selten. Nach dem Interview ziehen die Franzosen dutzendweise DVDs, Poster und Filmbilder aus der Tasche. Romero signiert anstandslos alles, was ihm unter den Filzstift kommt, stets eine Anekdote zu seinen Filmen auf den Lippen. Starallüren? Bitte woanders suchen. Dabei hätte der 68-Jährige jedes Recht auf ein grosses Ego. Mit ‹Night of the Living Dead› führte er 1968 Zombies und Kulturkritik zusammen und revolutionierte das Horror-Genre. 40 Jahre und vier ‹Dead›-Filme später hat Romeros Vision nichts von ihrem Biss verloren. In seinem neusten Werk ‹Diary of the Dead› zeigt er einmal mehr Land im Chaos, unfähig mit dem Grauen umzugehen, das die aus dem Grab gestiegenen Toten mit sich bringen. Mister Romero, haben die Zombies in Ihrem neuen Film eine tiefere Bedeutung?

Sie können für alles stehen, für eine Na­tur­­kata­ strophe, für einen Tsunami… …oder Hurricane Katrina. Viele Bilder in ‹Diary of the Dead› sehen tatsächlich aus wie News-Material nach dem ­Hurrikan. Meine Zombies funktionieren stets als Platzhalter für eine Krisensituation und ich will zeigen, wie die Menschen mit dieser Krise umgehen – oder eben nicht umgehen können.

Rassismuskritik drin und ‹Land of the Dead› (2005) handelt von der Welt nach 9/11.

auf möglichst amüsante Art aus dem Weg ­räume (lacht).

In ‹Diary of the Dead› mischen Sie jetzt Kritik an der Regierung Bush mit einem gerüttelten Mass Medienkritik.

Ist es denn nicht schmerzhaft, auf das ­Label ‹Zombie-Regisseur› reduziert zu werden?

Ich bin kein aktiv politischer Mensch, aber überzeugt davon, dass die Republikanische Partei und die religiöse Rechte die USA direkt in den Abgrund führen. Und ich habe ein gewisses Misstrauen gegenüber den elektronischen Medien. Zeitungen – egal ob links oder rechts – lieferten immerhin noch Informationen. In Blogs und Internetforen geht es dagegen nur noch um Meinungen.

Filmemacher ­bilden die ­Realität nicht ab, sie interpretieren sie nur.

Mit dem an ‹The Blair Witch Project› ­erinnernden Film-im-Film-Plot übt ‹Diary of the Dead› auch ganz ostentativ Kritik am ­manipulativen Charakter des Filme­ machens.

Es geht um die altbekannte Tatsache, dass ­Filmemacher die Realität nicht abbilden, sondern nur interpretieren. Gleich zu Beginn ­verspricht meine Hauptfigur, beim Editieren alles zu tun, um die eigene Position zu unter­ mauern – und alles wegzulassen, was dagegen spricht. So geht auch Michael Moore in seinen Filmen vor.

Dabei gelingt Ihnen immer wieder eine ­ omentaufnahme der Gesellschaft, über die M so eine Katastrophe einbricht.

Lässt Ihnen Hollywood die ganze Sozialkritik eigentlich durchgehen, weil sie ‹bloss›

Alle Filme der ‹Dead›-Reihe nahmen sich ein Jahrzehnt vor: ‹Night of the Living Dead› ­reagierte auf den Konservatismus der sechziger Jahre, ‹Dawn of the Dead› (1978) funktioniert als Parabel für die Konsumgesellschaft, in ‹Day of the Dead› (1985) ist eine gute Portion

Nicht nur das – die Studios erwarten von mir sogar eine subversive Botschaft, weil sie ­glauben, dass die Filme damit bei den Kritikern besser ankämen. Aber letzten Endes scheren sie sich einen Dreck um meine politischen ­Ansichten, solange ich nur genügend Zombies

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Horrorfilme drehen?

Natürlich tut das weh. Ich habe einige Filme ­ausserhalb des Genres gemacht, die mir sehr am Herzen liegen: ‹Martin› (1977) oder ­‹Knightriders› (1981) zum Beispiel. Und es gab ein Projekt mit meinem alten Freund, dem ­Hollywoodstar Ed Harris. ‹The Assassination› sollte ein Politthriller über die Ermordung des dominikanischen Diktators Trujillo werden, an der die USA massgeblich beteiligt waren. Die Arbeiten waren schon weit fortgeschritten: Es gab ein wunderbares Skript und Anthony Quinn sollte Trujillo spielen. Daneben waren weitere grosse Namen dabei: Neben Ed Harris selbst auch James Coburn als US-Botschafter und Ricky Martin als Revolutionsführer. Aber Quinn und Coburn starben 2001 und 2002 völlig überraschend innerhalb von wenigen ­Monaten. Ohne Starbesetzung zogen sich die Geldgeber zurück und so ist schliesslich auch das Projekt gestorben. Bei ‹Diary of the Dead› bin ich einen ganz anderen Weg gegangen: Der Film wurde mit einem winzigen ­Budget (die Rede ist von zwei Millionen Dollar, J.T.) ausserhalb des Studiosystems gedreht – in nur 20 Tagen und ohne einen einzigen Star. Es war das erste Mal seit ‹Night of the ­Living Dead›, dass ich die komplette Kontrolle über meine Arbeit hatte und nicht vor jeder ­Entscheidung bei den Studiobossen um Erlaubnis fragen musste. Wenn ich noch ein paar solche Filme drehen kann, werde ich als ­glücklicher Mann sterben. Text: Jürg Tschirren Illustration: Raffinerie ‹Diary of the Dead› hat noch keinen offiziellen Starttermin, soll aber noch 2008 in die Schweizer Kinos kommen.


Splatter-Trash oder 足subversive Sozialkritik? Romeros Zombies sind alles andere als 足leblos!

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Die Blicke der Anderen

Die aktuelle Ausstellung ‹Darkside› im Fotomuseum Winterthur (zu ­sehen bis 16. November) zeigt die ­ganze Bandbreite von fotografierter Sexualität. Von Begierden und Phantasmen, Fetischismus und ­Voyeurismus über Macht und Gewalt in der Erotik ist alles vertreten. Gibt es überhaupt noch etwas, das man als Darkside bezeichnen kann. Haben wir nicht schon alles gesehen? Ein Augenschein vor Ort.

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in grosses Schwarzweissbild von Austern heisst einen willkommen. Sie liegen, wie hingeworfen, auf neutralem Hintergrund, die Flüssigkeit auslaufend. Das Sinnbild für weibliche Geschlechtsteile. Nichts Offensichtliches auf dem Bild, die ganze Geschichte dazu läuft im Kopf ab. Schön, denke ich. Kurz danach wird es schon sehr explizit, die Nahaufnahme eines Penis. Eine schöne Fotografie und doch fällt es schwer, lange hinzuschauen. Ein jüngeres Paar bleibt davor stehen, er flüstert ihr etwas ins Ohr, sie lächeln verschämt und gehen weiter. Das Thema Fetischismus schreite ich eher lustlos ab. Natürlich hat es auch hier fotografisch wertvolle Arbeiten. Aber Wäscheklammern und Peitschen sind nun mal das Meine nicht. Aber dann, beim Thema Voyeurismus fesselt mich ein Bild. Es zeigt die Nachtaufnahme von Männern, die in einem Park ein Paar beobachten. Gebannt schauen sie kniend hinter einem Busch hervor, das Paar ist nur teilweise erkennbar. Man fühlt sich als doppelter Voyeur – einerseits beobachte ich als Zuschauerin die Voyeure, und damit auch automatisch das Paar. An einem anderen Ort, wir stehen vor wiederum sehr expliziten Aufnahmen eines Akts. Eine Frau erklärt ihrem Mann, warum sie das Bild fotografisch so gelungen findet. ‹Weisst du, ich finde die Bildaufteilung einfach meisterhaft, er hat der Frau so viel Platz eingeräumt›. Er scheint nur mit halbem Ohr zuzuhören, zu sehr fesseln ihn die Bilder. ‹Hmm, ja,…› Wie kaum bei einem anderen Thema, siegt hier oftmals Inhalt über Form. Die Inhalte springen einen manchmal ja auch beinahe an. Geschlechtsteile und Praktiken in unmissverständlicher Nahaufnahme. Es fällt teilweise schwer, lange hinzuschauen. Man hat das Gefühl, bei jemandem aus Versehen ins Schlafzimmer getrampelt zu sein und möchte sich, Entschuldigungen stammelnd, zurückziehen. Andere scheinen fast schon aggressiv etwas feilzubieten, das man gar nicht sehen wollte. Menno, warum kann das Weib nicht einfach einen Slip tragen? Ich staune ob meiner eigenen Reaktion. Dachte ich doch, dass wir schon so versext sind, dass nichts mehr mich erröten lassen könnte. Nicht zuletzt seit Sex and the City werden die Ausstat-

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tungsqualitäten des letzten Bettkumpans locker beim Feierabendbier betratscht. Tom Ford bewirbt sein Parfum solcherart, dass der Flacon zwischen die gespreizten Beine eines nackten Models platziert wird. Und ein Magazin namens ‹Butt› wird nicht mehr verschämt in der neutralen schwarzen Plastiktüte verstaut. Sind denn alle anderen schon einen Schritt weiter, bloss ich stehe noch nägelkauend vor dem Bild mit den zwei Nackten? Ich lasse die Ausstellung nochmals Revue passieren. Ausgeleuchtete Pofalten mögen noch so schön fotografiert sein, die Bilder, welche nachhaltig in Erinnerung bleiben, sind diejenigen, welche nicht alles zeigen. Eine Aufnahme in einer städtischen Seitenstrasse bei Nacht, eine Frau steht an der Ecke, lasziv. Ein Mann läuft vorbei und fixiert sie mit seinem Blick. Den Ausgang der Geschichte darf ich mir selbst ausmalen. Und ich bin dankbar dafür. Oder es sind solche Bilder, bei denen ich mich als heimlicher Zuschauer fühle. Etwas zu sehen, was eigentlich nicht für einen bestimmt ist und das Raum lässt für die eigene Fantasie. Natürlich sind auch diese Bilder inszeniert, aber sie täuschen perfekt. Sie lassen mich in dem Glauben, dass ich durchs Schlüsselloch der Kamera schauen darf. Und das ist Darkside immer noch – ein Blick dorthin, wo es dunkel wird, wo man sich vor der Öffentlichkeit zurückzieht.

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anspeter Schneider ist ein Fotograf mit Schweizer Wurzeln. Seine erste Fotoausstellung hatte er bereits als 16-Jähriger. Um die Eltern glücklich zu machen, lernte er aber zuerst mal ‹was Anständiges› und war Grafiker und später Art Director. 1983 sattelte er dann doch um hinter die Kamera und fotografiert seither weltweit Fashion- und Werbekampagnen, so zum Beispiel die erste Sisley-Werbekampagne ohne viele Kleider oder Claudia Schiffer, die sich in Unterwäsche im Bett räkelt. Man hat oft das Gefühl, dass auf deinen Bil­ dern Schnappschüsse von privaten Veranstal­ tungen zu sehen sind. Wie machst du das?

Das Casting ist das Wichtigste. Auf dem Set müssen sich die Leute einfach wohl fühlen, dann brauche ich sie nur noch zu führen. Die Szenen ergeben sich dann fast von selbst.

Wie muss man sich die Instruktionen auf dem Set vorstellen, sagst du: So, und jetzt zieht eure Blusen aus?

Bei mir auf dem Set fühlen sich die Models meistens sehr frei und animiert. Es kam auch schon vor, dass ich darum bitten musste, dass sie die Kleider anbehalten, da es ein ­Fashion-Shooting war. Wenn es schwierig wird, hilft mir meistens eine Frau aus meiner Crew, oft ist das die Stylistin. Hast du auch schon jemanden heimlich ­fotografiert?

Als Fotograf ist man immer ein Voyeur… Was findest du persönlich ansprechender, die explizite oder symbolische Darstellung von Sexualität?

Beides kann sehr attraktiv und sexy sein. Kommt auf die Situation an. Mittlerweile haben wir uns an eine sehr ­sexualisierte Bildwelt in den Medien gewöhnt, allerorten wird über Sex gesprochen. Denkst du, es gibt trotzdem noch etwas, das als tabuisierte ‹Darkside› gilt? Etwas wor­ über man nicht spricht und das schockieren kann?

Jeder hat ein anderes moralisches Limit! ­Wichtig ist, dass man die Menschen respektiert und nicht ausnützt. Viele wissen heute alles über Analsex, haben aber keine Ahnung über die Basis. Liebe! Text & Interview: Suzana Kovacevic Fotos: Fotomuseum Winterthur www.fotomuseum.ch www.hanspeterschneider.com www.visualeyes.ch


Eine kleine Auswahl der in Winterthur aus足 gestellten Werke (im Uhr足zeigersinn von oben links): Plachy, Araki, Van der Elsken, 足Collins, Woodman.

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soundcheck

nach diesem sound wirst du süchtig

Genau wie die dicken Mäntel, die wir den Sommer über im Dachstock ein­ gemottet haben, fanden auch melancholische Gitarrenklänge und depressive Gesänge während der fröhlichen Badi-Zeit wohl kaum Einzug in unsere Ohren. Höchste Zeit also, die schwarze Lederjacke vom Estrich zu holen und das Gemüt mit Florian Hennefarths Auswahl der ‹Darkest Albums Of All Times› musikalisch auf den langen Winter einzustimmen.

wiederkehr zum pessimismus

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The Cure: Disinti­ gration

Das achte Studioal­ bum von The Cure hatte es in sich: ‹Disintigra­ tion› markierte nicht nur die Wie­ derkehr zu den trostloseren, pessi­ mistischeren Tönen, sondern auch den kommerziellen Höhepunkt der wohl erfolgreichsten WaveBand aller Zeiten. ‹Disintigration› hat­ te aber auch Nebenwirkungen, und zwar auf Sänger Robert Smith. Der fühlte sich so durch Labels, Presse und auch Fans unter Druck gesetzt, das ‹grösste Album aller Zeiten› zu veröffentlichen, dass es für ihn nur noch einen Ausweg gab: der Griff zu halluzinogenen Drogen, welche die Entstehung des Albums schwer beeinflussten. Das Album vereint alles, was heu­ te auf eine gute Darkwave-Platte gehört: Psychedelische Sounds, schi­ zophrenes Songwriting, depressiver 46

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Gesang und Texte, die manchmal kei­ nen Sinn ergeben, aber dennoch die Nackenhaare hochstehen lassen, wie im Falle ‹Lullaby›: ‹...and I feel like I’m being eaten by a thousand million shivering furry holes and I know that in the morning I will wake up in the shivering cold › – wem hat der hungrige Spinnemann in Smiths Bett denn keinen Schrecken einge­ jagt!? Aber auch Songs wie ‹Pictures Of You›, ‹Lovesong› und der mit­rei­ssende Gassenfeger ‹Fascination Street› gehören heute ebenso zur bri­ tischen Musikgeschichte wie Oasis’ ‹Definitely Maybe› oder Blurs ‹Parklife›. Die hypnotischen Riffs, die dahin­ siechenden Übermelodien und das nebelige Songwriting werden zwar nicht oft zitiert, aber oft kopiert. Und das ist die grösste Auszeich­ nung, die ein Album und eine Band bekommen können.

die liebe zwischen mann und frau?

Metallica: Metallica

Ich war 16, sie war 14. Ich verliebt, sie nicht. Mir zerbrach das Herz in Scherben, ihres fand ein neues – und noch ein paar mehr, wie ich heute weiss. Eigentlich keine Zeit, an die man sich gerne erinnert, gäbe es da nicht Platten wie ‹Das schwarze Album› von Metallica und Songs wie ‹Nothing Else Matters›. Es gibt nur wenig Bands, die mit nur einem Album den kommerziellen Durchbruch und gleichzeitig ein grosses Stück Musikgeschich­te geschaffen haben – und Metallica setzte mit ihrem ‹Black Album›, das eigentlich nur auf dem Papier ‹Metallica› genannt wird, noch mal ein grosses Schippchen drauf: Spätestens seit den melancholischdüsteren Überbrettern ‹The Un­ forgiven› und ‹Enter Sandman› ge­ hören die Mannen um Sänger und Ex-Alki auf Dauerentzug James Hetfield in jede halbwegs orden­ tliche Plattensammlung. Über 100 Millionenen verkaufte Alben, 12 Platin-Scheiben und sieben Gram­ mys sprechen zudem eine ganz deutliche Sprache. Wer wissen möchte, warum har­ te, dunkle Musik heute da ange­ kommen ist, wo sie derzeit steckt, kommt an Metallica nicht vorbei: Jeder der 12 Tracks auf ‹Metallica› strotzt nur so vor aggressiver Emo­ tionalität, grossartigen finsteren Me­ lodien und Refrains, die sofort dahin gehen, wo es richtig weh tut,

und machen dieses Album zu einem Stück Musikewigkeit, dass sich vor Namen wie Aerosmith, AC/DC oder Black Sabbath in keinster Weise verstecken muss. Und um nochmal auf den Anfang zurückzukommen: Und nur dank dieser Band weiss ich heute, dass es noch eine stärkere Bindung gibt als die zwischen Mann und Frau oder mit anderen Worten: ‹Trust I seek and I find in you ...›

die kunst aus der depression

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Joy Division: Unknown Pleasures

Depression hat einen Namen: Ian Curtis. ‹In the shadow­ play, acting out your own death, knowing no more› ist zwar nur ein kurzer Auszug aus Joy Divisions ‹Shadowplay›, aber gleichzeitig auch das Markenzeichen und das schreckliche Omen einer Band, die wohl einen der kaputtesten Front­ männer aller Zeiten ihr Eigen


nennen durfte. Bereits im Debütal­ bum ‹Unknown Pleasures› treibt es der englische Post-Punk-Vierer ziemlich düster und todesaffin. Fast jeder der zehn Tracks greift an ir­ gendeiner Stelle das Thema Suizid, Tod oder Mord auf und kündigte schon damals an, was zu einer der grössten vorhersehbaren Tragödien der Musikgeschichte werden sollte: Am Vorabend zur ersten US-Tour im Jahre 1980 erhängte sich der in Manchester geborene Frontmann Curtis und besiegelte so ein Schick­ sal, das Songs wie ‹Wilderness›, ‹I Remember Nothing› oder das bis heute wegweisende ‹Shadowplay› schon zuvor prophezeit hatten. ‹Unknown Pleasures› und Ian Curtis’ Texte zeichnen sich bis heute aber nicht nur durch die da­ mals zukunftsweisenden, fast schon hypnotisch anmutenden, elek­ tronischen Spielereien und den zu­ tiefst depressiven, abgründigen Sound aus, sondern eben auch durch eine Experimentierfreude und Progressivität, die bis heute ihres­ gleichen sucht. Nicht umsonst sollte ‹Unknown Pleasures› als bes­ tes Debütalbum aller Zeiten in die Geschichts­bücher eingehen – und eigentlich so jede Indie- und Wave-Band von South Hampton bis

Newcastle massgeblich in ihrem Sound und Style beinflussen.

es handle sich um die gesandten Handlanger Satans. 1970 steckte der Heavy Metal, wie Ozzy und Co ihn zelebrierten, noch in den süssen Kinderschuhen. Erst als Black Sabbath mit ihrem gleichnamigen Debüt auf die Bildflä­ che traten, wurde der Weg für harten, finsteren und auch ein wenig psychopathischen Darkrock ge­ebnet. Was folgte, waren Tourver­ bote aufgrund der Annahme, die Band hätte Einfluss auf die Ermor­ dung Sharon Tates durch die Manson-Familie gehabt ...und eine Metal-Karriere, wie man sie heute noch verzweifelt sucht. ‹The Wizard›, ‹Behind The Wall Black Of Sleep›, ‹The Warning› und Sabbath: ‹Sleeping Village› sind auch heute Black noch Hits, die fesseln, bannen Sabbath und einem auch ein wenig den Schau­ Die musika­ der über den Rücken laufen lassen. lische Revo­ Progressiv und einflussreich sind lution war nicht etwa friedlich, bunt ‹Black Sabbath› noch bis heute und und gut gelaunt, sie war böse, düs­ Bands wie Metallica machen erst ter und ziemlich fies drauf: 1969 zog gar keinen grossen Hehl daraus, sich der vertonte Elternschreck Black von den britischen Schock­rockern Sabbath um Hobbytrinker und ‹Fle­ inspiriert haben zu lassen. Da be­ dermaus-Fresser› Ozzy Osbourne kommt die Frage ‹Wer hat’s erfun­ aus, um die Welt zu erobern – und den› auf einmal ein ganz bei dem steilen Erfolg, den der Vie­ neues Gesicht!? ‹In den letzten ein­ rer bis heute hingelegt hat, könnte undzwanzig Jahren war ich ei­ man tatsächlich glauben, gentlich nur besoffen›, erzählte Vä­

die hand­ langer satans

terchen Osbourne 1988 in einem Interview über sich selbst. An seinem Lebenswandel hat sich seit­ her kaum etwas geändert – kein Wunder, bei der Vergangenheit. Bewertungsskala 1–10 (1 = voll beschissen, 10 = megacool)

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Florian Hennefarth

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album des monats

unearth: the march

5.

we are not anonymous

Dieser Track hat ziemlichen HymnenCharakter, trotzdem wollten wir, dass der Song nicht zu lange wird. Eine kleine Gitarrensolo-Battle haben wir uns trotzdem erlaubt.

6.

the march

M

etal ist ja zum Glück nicht mehr das, was er einmal war. Zehnminü­ tige Solos und Stimma­ krobatik jenseits der Schwingungen des menschlichen Gehörs gehören zum Glück weitgehend der Vergan­ genheit an. Stattdessen besinnen sich immer mehr moderne Metal­ bands auf ihre Wurzeln, und versu­ chen, Wut und Zorn möglichst au­ thentisch auf Band zu bannen. Unearth ist dieses Kunststück sicher­ lich wie kaum einer anderen Band in diesem Genre gelungen. ‹The March› ist ein erbarmungslos aggressives Album geworden und fühlt sich an, als putze einem gerade jemand mit Stahlwolle die Gehörgänge! Irgend­ wo zwischen Tobsucht und Tollwut schaffen Unearth einen Klangteppich aus rostigen Nägeln und gebrauch­ ten Rasierklingen, welcher sich strikt und entschlossen gegen die Weich­ waschung des modernen Metals durch poppige Melodien und säu­ selnde Refrains wendet: ‹Es schien, als würden immer mehr Metal- und Hardcore-Bands dem Trend folgen, immer mehr pop-orientierte Parts in ihre Songs einzubauen, um bekann­ ter zu werden. Für uns sollte diese Platte also ein Statement sein, mit dem wir den Leuten zeigen wollten, dass man sehr wohl eine brutale Platte schreiben und damit Erfolg ha­ ben kann›, meint Trevor Phipps, Sän­ ger von Unearth, zu ihrem neuesten Werk. Und Erfolg haben die fünf Jungs aus Boston allemal: Das letzte Album der Trash-Metaller ‹III: In the Eyes of Fire› stieg in den USA in die Billboard-Charts ein und erreichte in Kanada sogar Goldstatus. ‹Es fühlt sich an wie Anthrax und Megadeth

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zusammengerollt. Es beinhaltet alles, was ihr in einem grossartigen Metal­ song hören wollt›, lobte SlipknotFrontmann Corey Taylor den erbar­ mungslosen Sound von Unearth. Doch Unearth arbeiten hart und be­ ständig an ihrem Erfolg und gelten als eine der tourfreudigsten Bands der Hardrockgeschichte. Sie suppor­ teten Bands wie Slayer, Slipknot, Killswitch Engage und Hatebreed, um nur einige zu nennen. Trotz aller Aggressionen und Rüpeleien, mit welchen uns ‹The March› entgegen­ tritt, beinhaltet dieses Album nebst knüppelhartem Sound auch sehr per­ sönliche und politische Texte, welche man aufgrund des doch eher brachi­ alen Gesangs vielleicht im Booklet nachlesen sollte. Alles in allem haben Unearth mit ‹The March› zweifelsoh­ ne eines der besten Metal-Alben die­ ses Jahres veröffentlicht. Wer also gerne mal wieder eine Tracht Prügel aus dem Kopfhörer erleben möchte, dem sei diese Scheibe wärmstens empfohlen! Rooaaarrrr!!!! Unearth-Gitarrist Buz hat für euch die einzelnen Tracks kommentiert.

1.

my will be done

Der Opener! Die Idee fürs Intro und das coole Iron-Maiden-mässige Refrainriff kam mir vor etwa zwei Jahren und ich hoffte damals, dass daraus irgendwann einmal ein Unearth-Song werden würde. Ausserdem bangte mir davor, ob ich ihn überhaupt spielen können würde, denn dieser Song ist wirklich sauschwierig!

2.

hail the shrine

Das Intro fühlt sich an, als klopfe eine ganze Armee wütender Kämpfer gegen deine Tür! Die biblischen Lyrics in der Strophe enden in einer melodiösen Refrainmelodie. Am Ende wird’s dann aber noch mal ziemlich heftig, so wie man’s von uns gewohnt ist.

3.

crow killer

Dieser Song beginnt mit einer typischen 90er Metalcore-Strophe. Darauf folgt eine Steigerung, vergleichbar mit einer Pfanne Mais, die zuerst langsam und dann immer heftiger erhitzt wird, zum Schluss fliegt euch dann nur noch brennendes Popcorn um die Ohren und heisses Öl trieft über eure Genitalien! Entschädigt wird euer geschundener Körper dann mit einem geilen Arena-Riff zum Ende des Songs. EPIC

Wir hatten schon mal eine Version dieses Tracks für das Hockey-Team San Antonio Rampage aufgenommen und mochten einige der Riffs so sehr, dass wir uns noch mal hingesetzt haben und eine Version fürs Album ausar­ beiteten. Für die Aufnahmen haben wir eine Eight-String-Gitarre auf G runter gestimmt, das macht das Ganze ziemlich brutal!

7.

cutman

Die Länge des Pick-Slides am Anfang dieses Songs sucht seinesgleichen! Doch der wahre Höhepunkt von ‹Cutman› ist sicherlich das Van-Halenmässige Riff, das wir über das simple Breakdown gelegt haben.

8.

the chosen

Das passiert, wenn sich Unearth nicht an ihre eigenen Regeln halten: entstan­den ist ein witziger und rockiger Track! Das Auto, das ihr vor dem Solopart hört, ist übrigens Kens Corvette!

9.

letting go

Auch hier haben wir uns nicht an typische Unearth-Muster gehalten, sondern in der Mitte des Songs einen spacigen Zwischenteil eingebaut, der euch mit Sicherheit überraschen wird. Ansonsten ist der Song schon ziemlich heavy geworden, da wir ihn ebenfalls mit der Eight-String eingespielt haben.

10.

truth or consequence

4.

Der Track beginnt mit energiegeladenen Gitarrenriffs, dann wird’s etwas groo­ viger, doch der Breakdown ist wirklich abscheulich! Vergleichbar mit einer richtig schlechten Arztdiagnose, and I mean that in the heavy brutal context!

Ich würde diesen Song als ‹Mosh-MetalBallade› bezeichnen. Der eher zurückhaltende Gesang verschafft dem Hörer Einblick in die Geschichte des Texts, das Tempo bleibt moderat. Einer meiner absoluten Favoriten auf diesem Album!

Text: Rainer Brenner Foto und Interview: Metalblade

grave of opportunity


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Lonesome Bambi

Lykke Li gehört zu den vielverspre­ chend­sten ­aufgehenden Sternchen am Pophimmel und braucht den Vergleich mit den ganz Grossen der Singer-/Songwriter-Szene nicht zu scheuen. Dennoch ­verkriecht sich die junge Skandinavierin lieber in ­ihrer eigenen Welt. Oder sie tanzt.

A

lles begann mit einem Video, in dem ein zierliches Mädchen mit dunkelblondem Dutt im Marineshirt und silbernem Kurzarm-Jäckchen elfengleich singend einen seltsam wiegenden Tanz aufführt. Anmutig, trotzig, schüchtern und todernst singt sie sich mit grossen, traurigen Augen und scheuem Blick zu ätherischem Elektrofolk in die Herzen der Blogger und wird via YouTube, Mund- und Mailpropaganda zum neuen Shootingstar der Indie-Szene. ‹And for you I keep my legs apart / and forget about my tainted heart … / I will do it, push the button, pull the trigger, climb a mountain, jump off a cliff ’cause you’re my baby / I love you love you a little bit› (Little Bit – Youth Novels).

‹but I can dance, dance and dance›

Das Mädchen heisst Lykke Li, ist 22, feingliedrig, hübsch und für ihr Alter erstaunlich ernst und erwachsen. Sie ist das neue Goldkehlchen im ­Kreise der singenden Songwriterinnen um Kate Nash, Lily Allen, Regina Spektor, Feist und Co. Auch sie spielt ihre Instrumente live, mischt Elektro mit Folk, Blues, Indie und Chanson, strahlt einen charis­ matischen und jugendlichen Charme aus. Mehr als das und die Attribute ‹weiblich, ledig, jung› hat sie mit den oben Genannten aber nicht gemeinsam. Lykke Li ist eigen und braucht keine Vergleiche mit berühmten Kolleginnen, um wahrgenommen zu werden. ‹Die meisten Leute sind zu faul zum Selber-Denken und versuchen uns andauernd zu vergleichen. So macht uns die Presse an einem Tag zum Star, am nächsten zum Nobody. Das ist einfach nicht echt, darum interessiert es mich nicht›. Als Tochter eines Künstlerehepaares in Stockholm geboren, war sie als Kind schon viel auf Reisen und hat so früh Erfahrungen mit der Einsamkeit und Isolation gemacht, die sie auf ihrem Debut ‹Youth Novels› so bezaubernd verletzlich besingt und spürbar macht. Als Jugendliche konnte sie mit Altersgenossinnen wenig anfangen, hörte lieber Edith Piaf, zog sich zurück und tanzte, um die Welt um sich zu vergessen. ‹Having troubles telling how I feel / but I can dance, dance and dance› (Dance. Dance. Dance – Youth Novels). Mit 19 beschliesst sie, nach New York zu ziehen, um mehr künstlerische Erfahrung zu sammeln. Ohne Geld oder Kontakte in einer billigen Absteige untergekommen, schreibt sie sich an einer Schauspielschule ein, versucht sich auf Impro50

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visationsbühnen und scheitert. Enttäuscht und verletzt kehrt sie nach Stockholm zurück. Aber aufgeben kam nicht in Frage. ‹Für mich war es immer klar, dass ich später etwas mit Kunst machen möchte. Das Leben ist eben ein Mysterium, dem man am ehesten mit Kunst nahe kommt. Als ich dies erkannte, war es für mich offensichtlich, wie meine Bestimmung aussieht. Ich habe überlegt, ob es Mode oder Malerei sein könnte, bis ich mich für die Musik als Ausdrucksform entschied›.

Hippie-Blues und Understate­ ment-Chic

Drei Jahre später stehen ihr alle Tore zur Pop-Karriere offen. Ihre erste Platte ‹Youth Novels› hat Lykke Li mit Björn Ytting, dem B von ‹Peter, Björn and John› produziert, der einige der Instrumente eingespielt hat, während sie die Vocals hauchte. Nach der Veröffentlichung über ihr eigenes Label LL Records findet das Album schon bald den Weg in die schwedischen Charts, ihre Auftritte in England werden frenetisch gefeiert. Ein Majorlabel kauft die fertig produzierte Platte ein, grössere Touren und viele Interviews folgen. Der Dutt, die traurigen Augen, ihre Oversize-Hippie-Outfits im typisch skandinavischen Understatement-Chic – in ihrer Heimat Stockholm avancierte die 22-jährige Sängerin schon bald zur Stilikone und Trendsetterin, die sich als schwer greifbares Mysterium inszeniert. ‹Vielleicht ist es besser, nicht allzu erfolgreich zu werden›, sagt sie und klingt desillusioniert und auch ein wenig trotzig. ‹Wenn du ständig über deine Lieder, deinen Traum reden musst, wird alles irgendwann schal und die Magie verschwindet – puff und weg. Manchmal habe ich Angst, die Begeisterung für meine Musik zu verlieren›. Eine erschreckende Vorstellung für die junge Frau. Musik, sagt sie, sei das Einzige, was sie nicht langweile.

Frisch aber schüchtern

So ist ‹Youth Novels› zu einem eingängigen, tanzbaren, abgründigen und fett produzierten Album geworden. Mit allerlei ungewöhnlichen Instrumenten, Glöckchen und Thereminen, über denen Lykke Lis einzigartige Stimme und Songwriting thront. Sanfter Puderzucker-Pop, überzogen von der bitter­süssen Melancholie eines heimatlosen Mädchens, das sich mit trüben Rehaugen an die senti-


sprochen, meint sie weiter: ‹Ich glaube nicht, dass es noch eine Hippie-Bewegung gibt. Die heutige Jugend wirkt auf mich ziemlich verloren, traurig und einsam›. Wäre Lykke Li ein Tier, wäre sie ‹ein Bambi – mysteriös und schüchtern›, wie sie sagt. Als Pflanze wählt sie Pfefferminze, ‹weil sie so frisch ist›. Wozu sich um Vergleiche bemühen – einfach reinhören und die Seele baumeln lassen!

Die schüchterne Schwedin singt lieber über Sehnsucht und Ängste als über das Wetter und ­Partys.

Lykke Li: ‹Youth Novels› (Warner) www.lykkeli.com Supervania liebt Rock’n’Roll und Himbeersirup mit Sprudel. Als ­ freie Autorin, Kon­ zepterin, Trends­ cout und vielseitig engagiertes Kultur- und Nachtschatten­ gewächs berichtet sie für kinki über Menschen, Popkultur und neue Musik. Foto: Warner Music

mentale Romantik funzlig ausgeleuchteter Hotel­ zimmer klammert, während sie zu ätherischen Melodien rhythmisch klatscht, summt, rasselt, ­immer ganz bei sich, ehrlich und nackt. Und auf betörende Weise abwesend und desillusioniert. ‹In my weakest moments I weep, cause I like the way tears fit my cheek› (Let it fall – Youth ­Novels). Von dieser Zerrissenheit erzählen ihre autobiografischen Texte, die für eine 22-Jährige ziem-

lich vergrübelt und reichlich düster klingen. ‹Ich kann nicht über Partys oder das Wetter singen›, sagt sie. ‹Ich bin ein melancholischer Mensch, meine Lieder beschäftigen sich mit dem, was mich umtreibt – Trennung, Sehnsucht, Angst oder Verlorenheit›. ‹My love will come, my love will come, my love› (My Love – Youth Novels). Als Kind von HippieEltern auf den hippiesken Touch ihrer Songs ange­ kinki

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playlist

wildlife!

Jeden Monat stellen die besten DJs der Schweiz ihre absoluten all time favourites vor.

buzzcocks ‹boredom› (1977)

Emmental, London oder Kingston? Samuel Riot fühlt sich in jedem Genre zu Hause.

Britischer 77er Punk Rock at it’s best! 3 Akkorde und eine Hymne, die Erin­ nerungen an präpubertäre rebellische Gefühlsregungen im Primarschul­alter weckt.

nirvana ‹come as you are› (1992)

Ich kann mich noch genau erinnern, wie mir meine Grossmutter (Gott habe sie selig) im Coop das ‹Nevermind› Kassettli kaufte! Das Album war für mich als damals 12-jährigen Rotzlöffel DIE Offen­ barung!!

wu tang clan mavado ‹wu tang clan ‹on the rock› ain’t nuthin’ (2008) ta f••• wit› (1993)

Als 1994 erste Tracks aus ‹Enter The Wu-Tang (36 Chambers)› in amerika­ nischen Skate-Videos auftauchten, öffnete sich für mich eine Tür in einen neuen Musik-Kosmos. Für eine lange Zeit war dann erstmal fertig mit Gitarren und ähnlichem Kram. Ein Meilenstein...

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enn ein bleichgesich­ tiger Zigeunerjunge mit Emmentaler Wur­ zeln elektronische Tanz­ musik mit exotischem Einschlag spielt, sich dabei hinter dem Misch­ pult gebiert wie der Frontmann einer No-Wave-Band und durch das Mik­ rofon die Menge anpeitscht wie ein westindischer Boxveranstalter im Blutrausch, dann ist das Kunst. Und Kunst darf alles. Gerne auch begeis­ tern. Samuel Riot alias WILDLIFE! ist im Geiste ein Kind des ‹two sevens clash› – dem musikgeschichtlich ma­ gischen Moment, als sich im Jahre 1977 Punkrock und Reggae in Lon­ dons Clubszene kreuzen. Die kultu­ relle Hinterlassenschaft der damali­ gen Protagonisten Jah Shaka, Don Letts, den Sex Pistols oder The Clash ist denn auch seit Beginn von Samu­ el Riots Künstlerkarriere spiritueller Ausgangspunkt seines musikali­ schen Schaffens. In seinen Sturm-und-Drang-Jah­ ren Anfang der 90er gründet der Sohn eines Toningenieurs und einer ehemaligen Politaktivistin die Teen­ ager-Punkband ‹Schlechter Zustand›, bei der er am Schlagzeug sitzt. Die Band löst sich auf und Samuel Riot ruft schon bald darauf eines der in­ zwischen renommiertesten und er­ folgreichsten Dancehall Soundsys­ 52

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tems Europas ins Leben: Goldrush International. In 10 Jahren mit Gold­ rush International macht Samuel Riot Aufnahmen mit Jamaikanischen TopActs wie Bounty Killer, Vybz Kartel, Buju Banton, Toots & The Maytal oder Max Romeo und spielt unzähli­ ge Gigs in ganz Europa bis hin nach Westafrika. Mit WILDLIFE! geht Samuel Riot nun zum ersten Mal solo, wird per­ sönlich. Seine Sache nennt er ‹New World Order Music›. Mit einer Grund­ ausstattung an elektronischen Beats made in Europe sucht er in einer zu­ nehmend globalisierten und vernetz­ ten Welt sein eigenes Clash-Aben­ teuer. Auf seiner Route, auf der mögliche Stationen wie Abidjan, Jo­ hannesburg oder Nashville bereits abgesteckt sind, macht Samuel Riot aktuell erst einmal in Kingston (Ja­ maika) Halt. So hat er für das auf Last Gang Records (Chromeo, Boys Noi­ ze, Mstrkrft, Crystal Castles) erschei­ nende Debütalbum ‹Kingston Logic› der Jamaikanerin Terry Lynn fünf Tracks produziert. Ende 2008 erscheint eine WILDLIFE!-EP mit musikalischer Unter­ stützung verschiedener Jamaikani­ scher Gastkünstler. Anfang 2009 produziert WILDLIFE! in Kingston sein Debütalbum und für kinki maga­ zine hat er uns seine 10 absoluten all-time-favourites zusammengestellt.

hank williams ‹howlin at the moon› (1951)

‹... I know there’s never been a man in the awful shape I’m in, I can’t even spell my name my head’s in such a spin...› DER perfekte Song für ein ge­ pflegtes Rencontre mit harten Alkoholi­ ka am heimischen Küchentisch.

ninja man ‹nice up the lawn› (1989)

Ninja Man, der ‹original front tooth, gold tooth, gun pon tooth DON GORGON›!!! Der wohl grösste Künstler, den Jamaika je hervorbrachte. In ‹Nice Up The Lawn› plädiert der ‹Don› für Frieden in Kingston’s Dance­halls und zollt den einflussreichsten Soundsystems der späten 80er und frühen 90er Jahren Tribut...straight for­ ward!

bow wow wow ‹golly! golly! go buddy!› (1981)

Die ultimative Melange aus afrikanischen Grooves und Post-Punk-Ästhetik. Neben den Sex Pistols wohl Malcolm McLarens visionärstes Projekt. Wenn ich mal gross bin, will ich auch so sein wie der...

Als Mavado im Jahre 2006 mit ‹Wha Dem A Do› seinen ersten Hit landete, wurde die Dancehall-Szene regelrecht in ihren Grundfesten erschüttert. Noch heute, zwei Jahre später, be­ herrscht der selbsternannte ‹Gully God› Jamaika’s Hitlisten praktisch im Alleingang. Ein Track, der in gar keinem Set fehlen darf...

bounty killer ‹lodge› (1994)

Bounty Killer war Mitte der 90er Jahre der Auslöser meiner bis heute nicht versie­ genden Faszination für Jamaikas Deejayund Dancehall-Kultur. In dieser Granate aus dem Jahre 1994 läuft der ‹Warlord› auf King Jammy’s legendärem ‹Sleng Teng Riddim› zu einer seiner absoluten Höchst­ leistungen auf! Peeeeople Dead!!!

basement jaxx ft. serocee ‹wheel & stop› (2008) Eine geniale Symbiose aus Basement Jaxx’ Elektronika-Gefrickel, hübschen Rave-Elementen, einem mörderischen Groove und Serocee’s kranken Flows. Let me hear you say reeeeeewind!!!!

mory kante ‹yeke yeke (afro acid mix)› (1987)

Ein Dancefloor-Monster, das ich erst kürzlich in einem Minimal-Set eines be­ freundeten Techno-DJ’s (wieder)ent­ deckte! Die Bassline killt erst mal alles und wenn dann Mory und seine Kum­ pels mit ihren Gesangskünsten einset­ zen, geht definitlv die Sonne über Westafrika auf! Foto: Peter Dean Rickards Grooming: Miastyling www.myspace.com/itswildlife


Distribution Schweiz, ThreeLogy GmbH, +41 (0)43 477 88 66, www.st端ssy.com


Matt Hensley: Rock & Ollie

Matt Hensley folgt in seiner ­Bio­grafie einem inneren Kompass, unerschütterlich ge­nordet auf all die Sachen, die ihm gerade Spass bereiten. Was nach simplifiziertem Erfolgsgeheimnis klingt, ­funktioniert beim 37-jährigen Amerikaner wunderbar. Ist er doch mit einem universellen Talent gesegnet, das in alle Richtungen streut.

Dunkles Ale und Akkordeonklänge: Flogging Molly bitten zu Tisch.

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kone der Skaterszene, erfolgreicher Besitzer eines Clothing-Labels und seit geraumer Zeit festes Mitglied bei der nicht weniger erfolgreichen Band ‹Flogging Molly›. Begonnen hat alles Mitte der 1980er Jahre, als sich Matt auf ein Board stellte und in den nächsten Jahren zu einem der besten Pro-Skater avancierte. Die Videos über die Tricks von Matt Hensley gehören heute zum Pflichtprogramm einer jeden Skatervideosammlung. Sein innovativer und technischer Stil setzte bis in die 1990er Jahre rollende Massstäbe. By the way, eine Zeit als Skateboarden noch in vielen Ländern aufgrund der ‹Unfallgefahr› verboten war. Die Skaterszene setzte dann in den folgenden Jahren zu einem Ollie an, der in ungeahnte Höhen führte und Matt gründete mit seinem Bruder Chris das Clothing-Label INNES. Bis heute ein Garant für Skatersachen, die sich straight auf die Anfänge berufen und ihre Nähe zum Punk-Rock behalten haben. Daneben spielt Matt seit etlichen Jahren aber auch Akkordeon beim Septett ‹Flogging Molly›. Sieben bis in die – mitunter schon grau melierten – Haarspitzen motivierte Musiker lassen hier einen energetischen Stil entstehen, der sich vordergründig beim irischen Folk bedient. Doch serviert wird das Ganze mit wildem Punkgetöse. Heavy Fiedeln könnte man also sagen, wenn sich traditionelle keltische Instrumente wie Violine, Mandoline und Akkordeon nahtlos mit treibenden Gitarren und hämmernden Drums vermischen. Die Lyrics, die alle samt aus der Feder von Sänger David King stammen, regen dabei entweder zum Nachdenken an oder lassen einfach die Hand nach dem nächsten Bierglas greifen. Die gesammelten Bonusmeilen, der mindestens 300 Tage im Jahr tourenden Band, würden dabei längst für so einige Hektoliter Guiness reichen... kinki hat Matt Hensley an einem selten gewordenen Day Off abgefangen und bekam jede Menge Antworten auf die Fragen zur neuen Platte und nach den Anfängen des Skatertums. Das neue Album von Euch mit dem Titel ‹Float› klingt viel kompakter und auch folkiger im Vergleich zu den früheren Alben. ­Aufgenommen habt ihr es im irischen Niemandsland, lag es also am einsamen Setting der Produktion?

Grosses Ja, ich meine, die anderen Alben ­haben wir in Los Angeles oder Chicago eingespielt. Dort kommst du nicht zu einem durchgängigen Aufnahmeprozess, denn ständig wird unterbrochen, weil Freunde vorbeikommen und man ist abends immer unterwegs. Diesmal waren wir sehr fokussiert auf die Musik. Trotzdem ist es ein typisches Flogging-Molly-Album geworden. Wir haben nur das Tempo bei einigen Stücken etwas rausgenommen. Wir entwickeln uns eben als Band immer weiter, das ­Zusammenspiel ist besser geworden und damit klingt das Ganze auch kompakter. Im letzten Jahr hattest du dir eine Auszeit von der Band genommen, um mehr Zeit mit deiner Familie zu verbringen. Was gab den Ausschlag, schon nach knapp einem Jahr wieder in die Band zurückzukehren?

Es stimmt, die Pause war dann doch nur ein Jahr. Zeitgleich mit der Bandgründung 1997 wurde ich damals auch Vater. Flogging Molly

wurde mit der Zeit immer erfolgreicher und unser Tourkalender erschreckt mittlerweile auch gestandene Bands. Irgendwann hatte ich ­gemerkt, dass ich meinen Sohn nicht mehr verlassen wollte, ich wollte dabei sein, wenn er seine ganzen ‹Erstes-Mal-Geschichten› erlebt. Also verliess ich schweren Herzens Flogging Molly. Doch ich liebe diese Band auch viel zu sehr und ohne sie fühlte ich mich unausgefüllt. Ein Teil meiner Person fehlte und ich war nicht mehr ich selbst. Der Akkordeonspieler in dieser grossartigen Band zu sein, das ist definitiv mein Platz, dort gehöre ich hin. Ich vermisse meinen Sohn natürlich weiterhin, doch ich glaube, seine Träume zu leben ist ein Lebensstil, den ich ihm als Vorbild mitgeben möchte. Was fasziniert dich gerade am Instrument Akkordeon?

Die Leute checken es meistens nicht, dass ich mich ausgerechnet für das Akkordeon entschieden habe. Doch das Akkordeon ist ein tolles Ding. Es zu lernen war echt schwierig, denn als ich mit den ganzen Knöpfen auf der einen Seite durch war, fragte ich mich die ganze Zeit, was zur Hölle sollen jetzt die anderen 1000 Knöpfe noch... Neben dem melancholischen Klang, mag ich die Tatsache, dass es ein internationales Instrument ist. Du kannst in fast ­jedes Land auf der Welt gehen und du wirst es in der Folklore vorfinden. Es ist ein echtes ­Working-Class-Instrument. Bevor du mit der Musik angefangen hast, warst du bereits eine Ikone in der Skaterszene, als einer der ersten und vor allem der besten Pro-Skater. Beschreib doch mal bitte den Spirit der damaligen Pionierzeit.

Die Anfänge des Skatertums waren vor allem von Freundschaften geprägt. Wir waren ein kleiner, aber total verschworener Kreis von Typen. Auch das Umfeld war ja ganz anders, wir mussten regelmässig vor den Cops abhauen. Die Zeit damals gehört aber zu den schönsten ­Sachen in meinem Leben, denn das Zusammen­ gehörigkeitsgefühl war so stark wie nie wieder in meinem Leben. Skaten ist heutzutage längst in den ­Mainstream übergegangen. Wie empfindest du die Entwicklung und was nervt dich ­eventuell am Status Quo?

Also, die Szene war ja damals wie gesagt sehr klein, wir waren wie eine Gang und so war es überall. Heutzutage ist es unüberschaubar ­geworden und dieselben Typen, die mich und meine Skaterfreunde damals immer blöd an­ gemacht haben, würden heute garantiert selbst skaten. Ich finde aber die Entwicklung sehr cool, denn ich liebe das Skaten, und der riesige Erfolg, den der Sport heute hat, ist absolut ­verdient. Ich finde es auch gut, dass die Top­ skater heute einen Haufen Kohle machen, denn sie bekommen sie zu Recht. Ich finde es nur schade, dass die Kids heutzutage nicht mehr dieses Gemeinschaftsgefühl erleben können.

halb, weil man so viele Sachen mit diesem Trick anstellen kann, es ist endlos... Wie läuft das Geschäft mit dem Clothing-­ Label INNES, das du ja mit deinem Bruder Chris betreibst? Und was hat es eigentlich mit der Schwalbe als Logo auf sich?

Das Geschäft läuft gut. Die Philosophie von uns kann man ganz gut mit dem Namen er­ klären. INNES ist ein alter schottischer Name für einen Clan, dem auch meine Vorfahren ­angehörten. Er steht sinngemäss für Zuverlässigkeit und wir versuchen auch entgegen aller aktuellen Strömungen Skaterklamotten zu verkaufen, die sich an den Anfängen orientieren. Man konnte also bei uns schon immer auch andere Hosen als eine Baggy kaufen... Die Schwalbe war eigentlich ein Tattoo von mir, sie ist ein sehr altes Symbol und wurde früher oft bei Seeleuten auf die Haut gestochen. Die Message dahinter war, dass sie immer zurückkommen werden und loyal zu ihrer Familie sind. Für mich das perfekte Symbol für unsere Sachen, denn wir sind auch loyal zum Skaten und der Sport wird immer unsere Familie sein. Skaten, Musik, eigenes Label und seit kurzem betreibst du auch noch eine eigene Bar. Was treibt dich zu all den verschiedenen Projekten an?

Ich denke, dass ich nicht mehr Talent besitze als andere Menschen. Aber ich habe in mir jede Menge Energie und Ambitionen. Ich mag es, mich herausfordern zu lassen und vor allem bin ich bei meinen Projekten gnadenlos diszipliniert. Ich verfolge sie zu 100 Prozent und damit erklärt sich auch der Erfolg. Man darf keines der Projekte nur aufgrund des Erfolgs ver­ längern, sondern man muss sie mit Spass betreiben. Mit deinem bisherigen Lebenslauf, der für drei Leben locker ausreichen würde, sind wir natürlich gespannt was man als nächstes Projekt von dir erwarten darf?

Nein, da muss ich dich jetzt enttäuschen, ich bin komplett ausgebucht mit den momentanen Sachen. O.K., eine neue Sache gibt es doch: Ich habe angefangen, meine Sammlung an ­‹uncoolen› Instrumenten zu erweitern, denn ich lerne jetzt auch Banjo zu spielen... Interview & Text: Mathias Bartsch Foto: Promo

Hast du eigentlich so etwas wie einen Lieblingstrick beim Skaten?

Ja, hab ich natürlich, der Ollie, einfach deskinki 55


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Time to get lost

You never walk alone, heisst es doch angeblich so schön. Das interessiert mich nicht.

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reitagnachmittag bin ich der Erste, der das Büro verlässt. Mir raucht der Schädel, ich denke an Pizza und ein Glas kühles Bier. Mehr will ich gar nicht, nur schnell nach Hause. Das Taxi fährt mir beinahe über die Füsse, der Kerl hat Mundgeruch, sein Wagen stinkt nach kaltem Rauch. Noch bevor ich meine Adresse formulieren kann, klopft es an die Scheibe. Dave muss in dieselbe Richtung, er steigt zu und ja, wir können noch kurz an der Tankstelle halten. Mit einer Flasche drittklassigem Tankstellenwein unter dem Arm und zwei Schachteln Marlboro in der Jackentasche beschliessen wir spontan, den Rest des Weges zu Fuss zu gehen und bei ihm seine neuen Tracks anzuhören, die er auf der Festplatte in seiner Tasche mit sich führt. Das Taxi schicken wir weg. Mit meinem Hausschlüssel drücken wir noch unterwegs den Korken in den Flaschenhals, dummerweise schüttet mir Dave bei dieser Aktion die Brühe auf meine hellen Jeans, egal. Zur Strafe behalte ich die Flasche, die sich nach kräftigen Zügen bedrohlich leert. Auf nüchternen Magen wirkt der Wein prompt. Deshalb muss ich auch nur grinsen, als Dave nach minutenlangem Suchen gesteht, dass er seinen Hausschlüssel wohl im Studio liegen lassen hat. Hier im Kreis gibt es mehrere schöne Bars, wir wählen die nächstgelegene. Corinne schenkt uns nach einem Blick auf meine Hose ein mitleidvolles Lächeln, dann eine Runde Wodka aus. Die zweite Runde übernimmt Dave reumütig, die dritte wieder Corinne, für die vierte Runde reicht mein Geld gerade noch. Dann muss

ich zum Automaten, sonst wird es eng. Ich lasse meine Tasche zurück, auch das Natel liegt noch auf dem Tresen. Ich schwanke rauchend zur UBS, wo schon eine kleine Schlange von drei Personen vor mir wartet. Ertan ist als erster in der Schlange fertig, er erkennt mich sofort. Ohne lange Begrüssung fordert er, dass ich ihm gleich die 400 Franken aus dem Automaten lassen soll, die ich beim ­Poker vor zwei Wochen verloren habe. Ausgerechnet jetzt. Mir ist das Ganze ziemlich peinlich, auch wenn ich die anderen beiden Gestalten am Automaten noch nie gesehen habe. Auszuzahlender Betrag: 84 Franken, jetzt fängt Ertan an mich zu beschimpfen. Lass uns zu mir gehen, zische ich ihm zu, da habe ich noch Bargeld. Nein, auf faule Tricks lässt er sich nicht ein. Ich muss mit ihm mitgehen, natürlich zum Antalya House, dort steht im Hinterzimmer ein Tisch zum Pokern. Du bist noch zu jung, um Schulden zu machen, lacht er mir feixend zu. Los, du hast die Chance das Geld gleich wieder zu gewinnen. Ich soll meine Uhr in die Mitte legen. Mein Nasenbein zerbricht mit einem scheusslichen Knirschen unter dem Stoss, den Ertan mir mit seinem Kopf verpasst hat, weil ich die Tür nach draussen auftreten wollte. Ich war zu langsam und einer seiner Cousins bekam mich zu packen. Der Stoss hat sich dumpf angefühlt, jetzt schiesst warmes Blut aus meiner Nase. Gott sei Dank habe ich genug Wodka im Blut, ausser einem heftigen Pochen spüre ich kaum etwas. Sie werfen mich auf die Strasse, ich kann nicht mehr verstehen, was sie mir hinterher rufen.

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Beim China Imbiss ums Eck bekomme ich einen Beutel Eis, den ich mir auf die Stirn und vorsichtig auf die Nase lege. Sie stellen mir wortlos eine Flasche Pflaumenwein hin, der widerlich schmeckt, aber nichts kostet. Ich scheine einen erbärmlichen Eindruck zu machen. Dass ausgerechnet Shifty an diesem Abend gebratene Nudeln mit Huhn essen will, wundert mich nicht mehr. Mein blutbesudeltes Sweatshirt lasse ich im China Imbiss zurück. Bis zu Shiftys WG sind es zwar nur ­wenige hundert Meter, trotzdem rauche ich im Gehen meine letzten drei Zigaretten. Shifty hat noch eine Handvoll Pillen zu Hause, die erste spülen wir mit billigem Whiskey runter. Die zweite Pille wird eine Stunde später mit einem Schluck Leitungswasser gefügig gemacht, der Whiskey ist längst alle. Weil ­Shifty noch Geld mit dem Verkauf seiner Amphetamine verdienen will und er jeden Türsteher der Stadt kennt, beschliessen wir ins ‹Zorro› zu gehen. Die letzte Bahn Richtung Zorro fährt um halb zwei, aufgeputscht vom Extacy rennen wir zur Tram-Station. Der kahlrasierte Türsteher winkt uns nach einem kurzen: Gehört der zu dir? schnell durch. Die Schlange vor der Garderobe ist lang, gut, dass ich keine Jacke habe. Wir treffen Frank und Jenny an der kleinen Bar im Vorraum. Sie sind beide drauf wie Harry und stecken mir in ihrem Liebesflash noch eine weitere Pille zu, Shifty hat sich bereits ins Gewühl gestürzt. Lara arbeitet an der grossen Bar neben dem Dancefloor. Sie bemerkt meine geschwollene Nase sofort und reicht mir Eis und Wodka übern Tresen. Erst jetzt bemerke ich, dass der Raum zum Brechen voll ist. Zombie Nation, brüllt Frank mir ins Ohr, deutet mit einer Kopfbewegung Richtung DJPult. Der Club ist ziemlich dunkel, in den aufblitzenden Lichtkegeln kann ich die sich auf- und abbewegenden Köpfe der Tanzenden ausmachen. Dahinter mit Plexiglas umrandet, der DJ aus München mit seinem bläulich schimmernden Notebook. Der röhrende Rave Sound bohrt sich in mein Hirn, mit einem Schlag fühle ich mich nüchtern. Basswellen lassen die Ränder meiner schmutzigen Jeans flattern, ich schwitze.

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Nur noch die gellenden Pfiffe der tanzenden Meute übertönen die hypnotisch retundierende Soundwand. Ich schwimme in einem Meer überschäumender Energie, eine Teenie-Göre drückt mir lächelnd ihren halbvollen Longdrink in die Hand, den ich in einem Zug leere. Der bärtige Münchner peitscht uns von Peak zu Peak, ich spüre, dass ich brülle wie ein Tier, meine Kleider sind klatschnass. Im Glück entleere ich meinen Mageninhalt neben dem Boxenturm im Eck, ich bin jetzt völlig leer. Nichts spüre ich, ausser der Schönheit elektronischer Tanzmusik und zweier Arme, die mich von der Tanzfläche zerren. Ich stolpere in den langen Gang, stosse eine Tür auf und sinke in eine der Kabinen in der Damentoilette. Weil ich die Türe offen lasse setzt sich ein besoffenes Hippie-Mädchen mit gefärbten Dreadlocks neben mich auf den Boden. Sie zündet mir eine Zigarette an, ich verstehe nicht, was sie sagt. Sie hat mir die Hose schon geöffnet, ich vermag nicht zu sagen, ob sie hübsch ist. Natürlich kann ich ihren Vorstellungen nicht mehr entsprechen, die Basswellen vom Club lassen die Toilettenseitenwände vibrieren. Ich wache erst wieder auf, als die Toilettentür gewaltsam aufgeschoben wird, auf meinen Füssen liegt das schlafende Hippie-­Mädchen. Es sind grosse Türsteher, die die letzten Gäste nach draussen bringen. Sieben Uhr, Feierabend, hallt es in meinen Ohren. Ich treffe Jenny am Ausgang wieder, sie hat Frank verloren. Vom Heulen hat sich ihr Kajal im ganzen Gesicht verteilt. Ich soll sie ins ‹Hype› begleiten, ein After Hour Schuppen, den ich normalerweise nur unter Androhung von Gewalt betrete. Es ist mir auch nicht klar, warum uns die Türsteher dort einlassen. Im Gang steht Frank, er knutscht mit einer kurzhaarigen Rave-Göre. Wieder unter Tränen bestellt Jenny zwei Wodka, wir trinken schnell. Die Musik ist grauenhaft, die Menschen wirken entstellt. Ich schnappe mir Jennys Geldbeutel, sie bemerkt nicht mal, dass ich schon weg bin. Es ist halb zwei Uhr nachmittags, als mich der Taxifahrer vor meiner Haustür aus dem Wagen zerrt und auf die Strasse wirft. Text: Marjan Kappeln Fotos: Alexandre Kurek


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Bombs on the Dancefloor

Tim Simenon, mit ‹Bomb the Bass› vor allem als Pionier der ersten Acid House-Szene Londons bekannt, ist zurück mit einem neuen Album. Warm aber düster nimmt er auf ‹Future Chaos› den Zuhörer mit auf eine Reise durch den Kosmos von zwanzig Jahren Clubmusik.

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omben ist ein Ausdruck aus der GraffitiSzene. Die Leute bomben Züge, Mauern oder was auch immer. Ich bombe verschiedene Basslinien auf die Beats, so entsteht meine musikalische Collage. Daher der Name.› In den Anfängen wäre ihm dieser beinahe zum Verhängnis geworden. Als der erste Golfkrieg ausbrach, verhing die britische Zensur hastig neue Regulierungen, die die nationalen Medien und in erster Linie BBC Radio 1 dazu anhielten, Songs und Acts, deren Inhalt oder Titel in der Öffentlichkeit potentiell Kontroversen auslösen könnte, auf schwarze Listen zu setzen. Bomb the Bass und Massive Attack fielen der Liste zum Opfer, das Material von ‹Blue Lines› (Massive Attack) und ‹Love So True› (Bomb the Bass) durfte weder releast, noch gespielt werden, bis die inoffiziellen Bestimmungen wieder aufgehoben wurden. ‹Love So True› fand seinen Weg in die Charts trotzdem, die Single ‹Beat Dis› wurde zur Clubhymne. Simenon arbeitete weiter und beteiligte sich fleissig an der weiteren Entwicklung elektronischer Tanzmusik, schuf die Basis für Stile wie Trip Hop, Big Beat und Drum and Bass/Breakbeat, die in den 90ern den Underground erbeben liessen. Beim Versuch, ‹die Kunst des Samplings mit der Energie von Rock’n’Roll zu verbinden›, schliff er an Hip-Hop-orientierten Beats und Ambient-Teppichen, Uptempo-Breakbeat, Punk, Big Beat und verarbeitete das Material zu abgeschlossenen Songs, anstatt zu Clubmixes.

No Lyrics, Please! Simenon, der früher vor allem mit bunten Samples

aus Filmen und Cartoons arbeitete, oder sich auch mal beim Repertoire von Pink Floyd bediente, instrumentiert seine Tracks heute vorwiegend selber oder in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Gastsängern wie Justin Warfield (u.a. ‹She wants Revenge›) oder Sinead O’Connor. ‹Der grosse Unterschied zu früher liegt für mich eindeutig in der Technologie. Früher musste ich ein Studio stundenweise mieten, das war ziemlich teuer, denn da waren mehrere Leute anwesend, ein Typ am Tape, ein Produzent und so weiter. Heute bin ich alle diese Personen, ich bediene und programmiere alle Geräte selber und habe somit die maximale Kontrolle über meinen Output. Und das Internet erlaubt mir mit Leuten zusammenzuarbeiten, ohne sie physisch treffen zu müssen. Bomb the Bass ist in dem Sinne keine Band, sondern eine Kollaboration zwischen mir und ausgewählten Musikern.›

Stone Age›, steuert beispielsweise mit seiner heiser-verrauchten Whisky-Stimme einen Track über einen einsamen, versoffenen Typen bei, der nachts in einem Motel vergilbte Schwarz-Weiss-Fotos im Mondlicht betrachtet. ‹Ich hab Mark Lanegan leider nie persönlich getroffen, aber genau so wie in diesem Song stelle ich ihn mir vor. Und ich kann mir bildlich vorstellen, wie der ganze Whisky seine Kehle hinunter rinnt›, lacht Simenon. ‹Ich schreibe selber keine Lyrics, das ist etwas sehr persönliches. Mein Sound hat vielleicht einen Einfluss auf das Songwriting, aber sonst passiert das alles bei den Sängern›.

Powered by Amsterdam

Die Gastsänger werden auf Tour denn auch nicht ersetzt. Den grössten Teil der Songs hat Paul Conboy von ‹A.P.E.› mitgeschrieben, er wird Simenon auch auf der Tour begleiten, zusammen mit Claudio Spoletini (DJ) und Valerio Spoletini (VJ). Der VJ ist fester Bestandteil des Programms, denn: ‹Wir sind leider die Art Band, die keinen gutaussehenden Frontmann hat, der das Publikum mit sexy Moves und Charisma betören kann. Darum gehören Visuals zu unserem Programm, ja zur Band. Not macht erfinderisch›, meint Simenon lachend. Der scheint überhaupt mit sich und dem Leben in seiner Wahlheimat Amsterdam ganz zufrieden zu sein: ‹Amsterdam hat einen ganz anderen Rhythmus als London. Hier ist jeder Tag anders. Oft sitze ich mehrere Stunden täglich hinter einem Computer und ein paar Boxen, aber Amsterdam ist eine wundervolle Stadt und ich liebe es durch Pärke und Grachten zu streunen, in Cafés rumzulungern, Menschen, Stimmungen und Orte zu beobachten. Das inspiriert mich ungemein. Und ich glaube das hört man der Platte auch an›.

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und lacht. Text: Vania Kukleta Foto: Namskeio Distribution CD: Bomb the Bass: ‹Future Chaos› (Namskeio Distribution) www.bombthebass.com

Das Licht am Ende des Tunnels

Seit er vor acht Jahren nach Amsterdam gezogen war, war es still geworden um Bomb the Bass, Simenon konzentrierte sich vor allem aufs Produzieren von Bands wie Depeche Mode, David Bowie oder Björk, arbeitete an Minimal House. Gerüchten zufolge hatte er seine Band aufgelöst. Und nun präsentiert er uns mit Future Chaos ein ­wunderbar trippig wummerndes und tanzbares Die Einflüsse der Mitbeteiligten sind deutlich ­‹Minimoog-Album mit Vocals›, mit poppigen Stil­ hörbar auf ‹Future Chaos›. Mark Lanegan, früher ausflügen in Big Beat-, Drum and Bass- und MiniSänger der ‹Screaming Trees› und ‹Queens of the malgebiete. 60

‹Soulige bis fordernde Electronica und Slow-Motion­Pop mit einer kleinen Prise Noir. Das alles sehr warm und analog› (www.realvinylz.de). ‹Ich finde die Stimmung auf ‹‹Future Chaos›› sehr hoffnungsvoll. Viele Leute sagen, es sei ein sehr düsteres Album, aber ich sehe eher ein flackerndes Licht am Ende eines Tunnels. Aber jedes Album ist nur eine Momentaufnahme meiner Arbeit, ich lerne und entwickle mich immer weiter bei jedem Album. Das ist ein ewiger Prozess. Ich gebe immer mein Bestes, aber ich weiss gar nicht, ob ich das perfekte Album wirklich jemals schaffen will. Ich glaube, dann ist Game Over›, sagt Simenon

So nahe werden wir diesen Mann nicht oft zu Gesicht bekommen: Tim Simenon alias Bomb The Bass zeigt sich düster aber hoffnungsvoll.


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Synthese

Schweigende Nacht. Schweigendes Haus. Ich aber bin der stillsten Sterne; Ich treibe auch mein eignes Licht Noch in die eigne Nacht hinaus. Ich bin gehirnlich heimgekehrt Aus Höhlen, Himmeln, Dreck und Vieh. Auch was sich noch der Frau gewährt, Ist dunkle süsse Onanie. Ich wälze Welt. Ich röchle Raub. Und nächtens nackte ich im Glück: Es ringt kein Tod, es stinkt kein Staub Mich, Ich-begriff, zur Welt zurück. Gottfried Benn (1917)

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Fotografie: JULIEN Palmhila

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somewhere noria

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out in the dark: lem villemin

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who’s walking who

when trees are mumbling city life

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julien bachelier five-o-to-fakie

sleep assault

julien lost in berlin

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catch that train to nowhere

ain’t no sunshine when she’s gone

birds’ shoes

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juju

julio arnau rock and roll

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trapped in space and time

backside kickflipping nyc

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Sem Rubio: Ein Schritt Richtung ­Abstraktion

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s ist ein heisser Spätnachmittag in einer belebten Grossstadt am Mittelmeer. Die Sonne neigt sich gegen Boden, lange Schatten fallen hinter den Gebäuden in die Strassenschluchten. In einer kleinen Nebenstrasse, zwischen einem Gemüsehändler und einem Frisör für Afro-Zöpfchen, führen einige Stufen zu einer höher gelegenen Gasse hinauf. Eine Katze huscht vorbei. Am Fuss der Stufen steht ein komplett verschwitzter Skater, sein Board hält er in den blutenden Händen. Er ist bereit, will den Trick jetzt stehen. Entschlossenheit blitzt in seinen Augen. Doch anstatt die Treppen wieder hochzusteigen und in Position zu gehen, blickt er konzentriert auf die andere Strassenseite und wartet auf ein Zeichen von Sem Rubio. Sem ist der Fotograf dieser Session und auch er wartet – vielleicht kommt die Katze ja noch mal vorbei. Den sympathischen Spanier, der heute in der Nähe von Barcelona lebt, würden viele seiner Freunde als ruhig und besonnen beschreiben. Sem macht keinen grossen Wirbel um sich und seine Arbeit. Er ist kein Typ, der sich in eine Session wirft, lauthals Anweisungen gibt und so viele Filme verballert, wie es die Ausrüstung hergibt. Im Gegenteil: der 32-Jährige lässt sich Zeit, sieht sich einen Spot genau an. Von vorne, von der Seite, vielleicht sogar von oben, bis er den perfekten Winkel gefunden hat. Dann macht er seine Kamera bereit und wartet. Auf den perfekten Moment, der in seinen Bildern unsterblich für die Ewigkeit eingefroren zu sein scheint. Sems Fotos sind aus der Skateboardwelt nicht mehr wegzudenken und haben Magazine wie das Kingpin massgeblich in ihrer Bildsprache beeinflusst. Mittlerweile hängen seine Arbeiten in Galerien von Berlin bis London. Grund genug, um sich mit Senor Rubio bei einem Glas Bier über Skateboarding, seine Arbeit und seine Freundin zu unterhalten. Woher hast du deine künstlerische Ader? ­Interessieren sich deine Eltern auch für Kunst?

Eigentlich nicht. Aber mein Vater ist ein totaler Kino-Freak und hat einen Haufen Bücher übers Kino zu Hause rumstehen. Die habe ich alle ­gelesen, als ich klein war. Dann haben wir die Filme manchmal auch zusammen angeguckt, die in den Büchern beschrieben sind. Am besten haben mir die Filme aus den 30ern und 40ern gefallen, alle Hitchcock-Filme und Meisterwerke wie ‹Nosferatu›. Alte Filme haben eine einzigartige Atmosphäre. Mein Vater hatte wirklich eine umfangreiche Videothek zu Hause mit den ganzen alten Schinken. Meine Eltern verstehen wahrscheinlich nicht genau, was ich mache. Aber sie versuchen es zumindest und lesen die ganzen Kingpin Hefte.

Kannst du denn von der Fotografie leben? Was bedeutet für dich ‹kommerziell› ­arbeiten?

Kommerziell arbeiten heisst, dass man die Dinge so gestalten muss, wie sie andere (also der Kunde) sich vorstellen. Aber ich habe nicht angefangen zu fotografieren, um andere Menschen zufrieden zu stellen. Ich bin glücklich, dass ich von der Fotografie leben kann, denn ich weiss, wie schwer es für die Freelancer ­geworden ist. Manchmal kann ich ein paar Abzüge verkaufen, aber das meiste verdiene ich mit der Arbeit für Magazine. Und verstehst du dich denn selbst als ­Künstler?

Und was sagt deine Freundin zu deinem Job?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich ­fotografiere einfach. Ausserdem finde ich es immer seltsam, wenn sich Leute selbst als ­‹Künstler› bezeichnen. Ich möchte jetzt keine philosophische Diskussion zum Begriff des ‹Künstlers› führen, aber ich denke, dass die Wörter ‹Kunst› und ‹Künstler› immer mehr ­ausgeschlachtet und für irgendwelche Zwecke missbraucht werden. Deshalb haben sie für mich keine grosse Bedeutung. Im Spanischen haben wir einen Ausdruck, der wörtlich ­übersetzt ‹mentales Abgewichse› bedeuten würde. Wir bezeichnen damit das Gehabe von diesen pseudo-intellektuellen Künstlern. Sie ­benutzen immer gestelzte Intellekto-Ausdrücke, um zu erklären, was ihre Kunst sein soll.

Meine Freundin Gemma ist total cool. Wir sind jetzt schon bald neun Jahre zusammen und sie inspiriert mich schon seitdem ich sie das erste Mal gesehen habe. Sie unterstützt mich total in meiner Arbeit. Ich glaube wir sind unzertrennlich. Aber Kinder haben wir noch keine. Obwohl dieses Thema gerade immer öfter auftaucht...

Was kann man mit Schwarz-WeissFotografie zeigen, was man mit Farbfotos nicht kann?

Ich glaube, dass schwarz-weiss zeitloser ist als Farbfotografie. Wenn man die Farbe aus ­einem Bild entfernt, wird es auf das Wesentliche reduziert. Wenn man die abgebildeten Ge­gen­stände ausser Acht lässt, könnte ein Schwarz-Weiss-Foto sowohl heutzutage, als auch im 19. Jahrhundert entstanden sein. ­Natürlich sieht niemand die Welt in Grautönen. Aber wenn man sich ein B/W-Foto (Black-­ and-White-Foto, Anmerkung der Redaktion) ansieht und es versteht, kann es einem ge­ fallen, ohne dass man sich fragt ‹Hey, welche Farbe hat wohl das Auto?›. Farbe hat immer einen zeitlichen Bezug, das sieht man gerade auch bei der Digitalfotografie sehr deutlich. Deshalb fotografiere ich am liebsten auf B/W-Film. Das hebt Bildelemente wie Geometrie, Formen, Schatten oder Strukturen viel deutlicher hervor, weil das Auge nicht durch Farben abgelenkt wird. Das soll nicht heissen, dass man mit den selben Bildelementen in Farbe nicht spielen könnte, aber man kann in der Dunkelkammer bei B/W einfach mehr rausholen. Schwarz-Weiss geht noch ein Schritt weiter in Richtung ‹Abstraktion›. Und das hat mich schon immer fasziniert: Abstraktion, Surrea­ lismus und eine dadaistische Sicht auf die Dinge. Es geht wahrscheinlich darum, wie man die Wirklichkeit interpretieren möchte. Ich persönlich sehe in der Fotografie eine freie Ent­ faltung meiner Kreativität. Hinter der Kamera und in der Dunkelkammer. Dabei möchte ich mich von nichts und niemanden einschränken lassen.

Was verbindest du mit dem Begriff des ‹Street Photographers›?

William Klein ist wahrscheinlich der Vater der Strassenfotografie. Seine Arbeit über New York ist faszinierend. Street Photography ist die Kunst, das Leben der Strasse mit Schnappschüssen einzufangen. Ich sage immer, dass Strassen die Adern der Menschheit sind. Es fliesst immer Blut darin. Strassen sind nicht natürlich gewachsen, der Mensch hat sie über die Jahrhunderte erschaffen: ein Ort, an dem wir uns austauschen und Kontakte ­knüpfen. Deshalb sind die Strassen voll mit menschlichen Charakteren und Eigenschaften. Das macht die Strasse so unvorhersehbar, meist passiert etwas, das man nicht erwartet. Das Leben spielt sich auf der Strasse direkt vor deinen Augen ab. Das macht für mich auch den Reiz aus, dort zu fotografieren. Ich mache eigentlich immer auch von der Umgebung ­Fotos, wenn ich irgendwo an einem Skatespot bin. Von den Menschen, Läden, den Häusern, Tieren, die vorbeilaufen oder einfach vom ­Asphalt. Es ist meine zweite Leidenschaft geworden und mittlerweile habe ich ein riesiges Portfolio mit Fotos von der Strasse, die bisher kaum jemand zu Gesicht bekommen hat. Gibt es einen Fotografen, zu dem du ­aufschaust?

Jon Humphries’ Arbeiten finde ich grossartig! Seine Fotos sind der Hammer, er macht einzigartige Bildkompositionen. Aber es gibt so viele gute Fotografen. Ich bewundere und respektiere sie alle. Deelis (Tuukka Kaila) Fotos sind auch total stark, sie sind so ehrlich und gerade heraus – sowohl seine Skatepics, als auch die anderen Arbeiten. Aber ich möchte mich nicht so sehr auf Skateboardfotografen fest­legen. Mir gefällt die piktografische Phase der Fotografie sehr gut, schon seit dem Zeitpunkt ihrer Entstehung. Die Fotos von Julia Margaret Cameron sind unglaublich aus­ drucksstark. Es gibt so viele gute Fotografen, die Liste wäre endlos... Interview und Text: Matthias Straub

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Sehen und sehen lassen

Obwohl die Illustrative diesen Herbst in Zürich erst zum vierten Mal stattfindet, ist das Kunstforum innerhalb weniger Jahre zu einem Muss für Lieb­haber der grafischen Kunst und Illustration geworden.

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ie sitzen gerne nächtelang vor dem Computer oder über einem Blatt Papier, werden schlecht bezahlt, arbeiten unter Zeitdruck und ihnen wird oft viel zu wenig Beachtung geschenkt: Die Rede ist hierbei nicht von verhinderten Dichtern oder polnischen Gastarbeitern, sondern es handelt sich um eine Beschreibung der Berufsgattung der ­Illustratoren. Dass sie viel mehr als nur ein paar lustige Tricks im Photoshop-Programm auf dem Kasten haben, beweisen die Künstler der grafischen Kunst auch dieses Jahr wieder an der Illustrative, welche Mitte Oktober in Zürich stattfindet, und sich hoffentlich eines genauso regen Andrangs erfreut, wie die letzten beiden Jahre in Berlin.

Platz für neue Talente

Was als zeichnerische Arbeit in Magazinen und Zeitungen begonnen hat, umfasst mittlerweile viel mehr als nur die Bebilderung von journalistischen Artikeln oder die Gestaltung eines Buchumschlags. Die Illustrative führt durch zahlreiche Facetten der modernen Illustrationskunst. Inspiriert von Buchkunst, Comics, Animation oder Concept Art, erlaubt die Vielzahl der verschiedenen Stile dem Besucher einen Einblick in die zeitgenössischen Werke und Trends der internationalen Grafikkunst-Szene. Während zwei Wochen steht diesen Herbst also das Messezentrum Oerlikon im Zeichen der Bleistifte, Eddings, I-Books und Farbpinsel. Gezeigt werden alleine in der Hauptausstellung über 400 Werke von insgesamt mehr als 30 Künstlern, darunter bekannte Namen wie Martin Haake, Vincent Hui, Olaf Hajek und Eric Sandberg, die ihre Werke neben den 20 besten Nachwuchskünstlern präsentieren. Ausgewählt wurden diese von einem internationalen Kuratorium, welches die Jungtalente im Vorfeld der Illustrative 08 mit dem ‹Young Illustrators Award› auszeichneten. Allgemein scheint den Veranstaltern der Illustrative die Förderung des Nachwuchses sehr am Herzen zu liegen. So wird einem der zwanzig auserkorenen Newcomer nebst der Plattform zur Ausstellung seiner Arbeiten auch die Möglichkeit geboten, eine Limited-Edition-Uhr für Swatch zu ­entwerfen. So unterschiedlich wie die gezeigten Arbeiten, so international ist auch die Herkunft der Künstler, denn Grafic Art ist mehr als eine rein westliche Kunstströmung und eine Messe wie die Illustrative sollte deshalb auch die Verbreitung des Phänomens präsentieren. Unter den ausgestellten Werken, finden sich auch dieses Jahr wieder die Bilder des deutschen Künstlers Roman Bittner, der während vier Monaten das Mosaik eines utopischen Berlins geschaffen hat, und zwar bis 78

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ins kleinste Detail: Sei es nun ein Schornstein, eine Treppenstufe oder der Absatz des Schuhs eines Passanten, Roman Bittner bringt seine Fantasie in derart hoher Auflösung aufs Bild, dass einem vor lauter Überflutung fast schwindlig wird. Doch nicht nur zweidimensionale, sondern auch dreidimensionale Kunst findet ihren Weg zur diesjährigen Illustrative, so zum Beispiel die von grafischer Kunst inspirierten Keramik- und Glas­ skulpturen des holländischen Künstlers Hans Van Benthem, welche in der Sektion ‹Illustrative Objects› ausgestellt werden. Egal ob grossflächige Wandmalereien, avantgardistische Mode oder psychedelische Welten auf Papier, die Illustrative besticht auch dieses Jahr durch ihre grosse Bandbreite unterschiedlichster Stile und Trends.

Bigger and Better Was sich mittlerweile zum führenden europäi-

schen Forum für zeitgenössische Illustration und Grafik gemausert hat, begann vor erst drei Jahren als Idee zweier Kuratoren in Berlin. Katja Kleiss und Pascal Johanssen machten es sich zum Ziel, mit einer internationalen Ausstellungsreihe ein Zeichen für die Emanzipierung der Illustration und Grafik innerhalb der zeitgenössischen Kunst zu setzen. Grafische Kunst findet, mehr als viele andere Kunstrichtungen, auf unzählige Arten den Weg in unseren Alltag. Sei es der abgefahrene Print auf einem T-Shirt oder das Plakat an der Hausmauer… Zwar blicken wir tagtäglich auf dutzende von Illus, doch allzu selten werden Werke in Beziehung zueinander und zum übrigen Schaffen eines Künstlers gesetzt. Bereits im zweiten Jahr wurde die Illustrative aufgrund des grossen Interesses gleich in zwei europäischen Metropolen ausgetragen, in Paris und Berlin. Den Kuratoren ist es wichtig, dass grafische Kunst ein breiteres Publikum erreicht, sich die Vielfältigkeit der Trends und Stile dieses Genres gegenüberstehen und ergänzen können. Auch Raum für Diskussionen, Austausch und Networking soll innerhalb der Illustrative geschaffen werden. Erstmals wird im sogenannten ‹Illustrative Forum› den Künstlern und Kunstinteressierten ein Ort geboten, wo kreative Köpfe Ideen austauschen und Verlage und Agenturen ihre Fühler nach neuen Talenten ausstrecken. Wer also vom 18. bis 26. Oktober einen Abstecher ins Züspa-Gelände wagt, der wird sehen, dass sich die schlaflosen Nächte und billigen Nudelgerichte, auf welche die Künstler mit Sicherheit zu einem Grossteil zurückblicken, gelohnt haben! Text: Rainer Brenner Für weitere Info zur Illustrative 08 und Links zu den Homepages der er­ wähnten Künstler: www.illustrative.de

kinki meets ­artstübli: Am 25. Oktober öffnen auch kinki-­Magazine und das Artstübli die schweren Holztüren ihrer überheizten Almhütte und laden euch an der Illustrative 08 zu ­einer gemütlichen ‹Stubete› ein! Zwischen elf und zweiund­ zwanzig Uhr freuen wir uns auf euern Besuch in unserer ­traditionellen Buurestube! Nebst ­gemütlichem Fonduestuben-­ Feeling gibt’s natürlich auch dort jede Menge ‹Augenfutter›: Nebst Werken auf­strebender Schweizer Grafikkünstler wie Jan ­Eichenberger, Achilles ­Greminger, Anna-Lina Balke, ­David Stegmann, Lina Müller und Luca Schenardi ­werden wir ­natürlich auch mit der neuesten Ausgabe des kinki-Magazine vor Ort sein und Euch in urchiger Idylle einen Platz zum Relaxen und Schmökern zur Verfügung stellen. Für Live-Musik und illustre DJ-Gäste ist natürlich auch ­gesorgt. Also: ‹Chömed doch inä!› Weitere Infos unter www.kinkimag.ch und www.artstuebli.ch


In Farbe natĂźrlich noch viel schĂśner: Die Werke von Jan Feindt (ganz oben), Hans van Bentem (oben) und Lina MĂźller (links).

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vom umschlag bis zum abspann

Vorbei sind die lauen Abende in Strassencafés! Die Bäume werden kahler, die Gesichter bleicher, die Hosen werden länger und die Tage wieder kürzer. Dafür wird’s in der guten Stube wieder warm und gemütlich! Endlich dürfen wir uns wieder ohne schlechtes Gewissen in den Fernseh- oder Kinosessel fläzen und uns danach mit einem guten Buch im Bett verkriechen! kinki präsentiert euch die Highlights des Herbsts.

buch rotlicht

Sonia Rossi: Fucking Berlin

Wer an Mathematikstudentinnen denkt, erwartet nichts Böses: Sie tragen dicke Brillen, reden in ­Formeln und rennen gedanken­ver­ loren mit dem Ordner vor der Brust durch die Gänge ihrer Uni. In ihrer Freizeit erteilen sie pickligen Teenagern Nachhilfeunterricht und lesen Bücher über Algebra und ­Trigonometrie. Sonia Rossi gestalte­ te sich ihre Studienzeit allerdings ­etwas anders: Morgens bringt sie ihr Kind zur Krippe, mittags büffelt sie Mathe und löst Gleichungen und abends geht sie auf den Strich, um Geld zu verdienen. ‹Persönlich hätte ich es vorgezogen, in eine wohlha­ bende Familie geboren zu werden. Trotzdem schäme ich mich nicht für meinen Job›, erklärt die fünfund­ zwanzigjährige Berlinerin ihren doch eher aussergewöhnlichen Lebens­ wandel. Doch wie kommt man als junge Studentin dazu, beim Zuhälter 80

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‹vorzusprechen›? Wie reagierte ihr Umfeld auf den nächtlichen Neben­ job? Sonia Rossi rechnet in ihrem Buch nicht nur mit den Klischees des Rotlichtmilieus ab, sondern be­ schreibt auch den langen Weg, der sie dahinführte. Rossi berichtet in ihrem Roman von den Problemen und Episoden, die sich aus ei­ nem Leben zwischen Campus, Kin­ derzimmer und Strich ergeben. Und obwohl sie in ihrem Buch klar be­ tont, dass der Hauptgrund für Pros­ titution immer noch Geldsorgen sind, schafft sie es, ein sachliches, interessantes und teils überraschen­ des Bild ihres verrückten Doppel­ lebens zwischen Prostitution und bür­ gerlicher Existenz zu zeichnen, ohne Mitleid erwecken zu wollen oder sich mit schmutzigen Details zu profilieren. Wie es scheint, passt diese Frau einfach in kein Klischee! Erschienen bei Ullstein Taschenbuch, CHF 16.90.

rückblick

Sven Regener: Der kleine Bruder

Wer mag ihn nicht, den tragikomi­ schen Antihelden Herr Lehmann. Nach den durchschlagenden Erfol­ gen der Romane ‹Neue Vahr Süd›

(2004) und ‹Herr Lehmann› (2001)

begleiten wir den Mann, in dem wir uns alle zuweilen ein bisschen wie­ dererkennen, in seine Zeit als junger Erwachsener. Wir schreiben das Jahr 1980: Frank Lehmann hat sich soeben aus dem Wehrdienst gemo­ gelt und verlässt seine muffige WG in Bremen, um in der Hauptstadt seinen älteren Bruder zu besuchen. Doch Manni hat anscheinend Hals über Kopf seine Existenz als system­ kritischer Künstler hingeschmissen und niemand scheint zu wissen, wo er steckt. Statt dessen trifft Frank auf Karl, den unsympathischen ­Mitbewohner seines Bruders, den Vermieter Erwin Kächle und dessen Nichte Chrissie. Schon bald wird er von Mannis (den sowieso eigentlich alle Freddie nennen) Freunden dazu überredet, in einer wichtigen Krisensitzung in die Rolle seines grossen Bruders zu schlüpfen. So kämpft sich der junge Herr Lehmann durch das Berlin der Achtzigerjahre und erfährt viel mehr über seinen Bruder, als er eigentlich wollte. Ge­ wohnt stilsicher und ironisch be­ schreibt Sven Regener in seinem neuesten Buch das alternative Ber­ lin der Achtzigerjahre, eine Zeit, in der jeder Künstler ist, eine Welt der endlosen Politdiskussionen zwi­ schen Dosenbier und Hunden, aus welcher einem das Ausbrechen fast schwieriger vorkommt, als aus ei­ nem normalen, bürgerlichen Leben. Oder wie Karl es so treffend be­ schreibt: ‹Das ist wie in der Geister­ bahn. Jetzt sind alle eingestiegen, und der Bügel geht runter, und dann müssen das auch alle bis zu Ende

mitmachen...›. Auch wenn wir das ­alles vielleicht nicht selbst miterlebt haben, werden wir uns doch auch in diesem Roman wieder in Frank ­Lehmann erkennen, dem kleinen Bru­ der vom grossen Manni. Erschienen bei Eichborn Berlin, CHF 44.90.

blitzlicht

Olaf Heine: Leaving the Comfort Zone

Verschwitzt und erschöpft blickt er uns mit verbundenen Armen und Händen entgegen, der Mann, den noch nie jemand ‹oben mit› gesehen hat: Iggy Pop, seines Zeichens Schockrocker und Punkpionier, ziert das Cover Olaf Heines neuesten Bildbands. Heine lässt die porträtier­ ten Perönlichkeiten aus Musik, Sport und Kunst dabei in die verschie­densten Rollen schlüpfen, ohne sie dabei Peinlichkeiten aus­ zusetzen oder ihnen ihren Status als Celebrities zu entziehen. Die abge­ lichteten Menschen erscheinen ­verletzlich, sensibel und dennoch zu­ weilen wie Wesen aus einer ande­ren Welt: ‹Ich inszeniere vieler meiner Shootings und lasse die Künstler in unterschiedlichste Rollen schlüpfen›.


So wirken seine Bilder denn auch oftmals wie Filmstills aus einer ­fiktiven Welt, in welcher die Promi­ nenten eine Geschichte erzählen. Olaf Heine gehört zu den berühm­ testen und erfolgreichsten Por­trät­ fotografen unserer Zeit, kaum ein Hollywood- oder Rockstar, der noch nicht vor seiner Linse gestanden hätte. In den hundert vom Künstler ausgewählten Fotografien in ­‹Leaving the Comfort Zone› zeigt Heine neben zahlreichen – teilweise aus Fotostrecken und CD-Booklets bekannten – Porträts auch Bilder aus seiner Sammlung von Stillleben, Architekturaufnahmen und Land­ schaftsfotografien, welche man bis­ her nur selten zu Gesicht bekam. Der ‹Passenger› himself meint dazu: ‹Olaf is blessed with a clear and ­inescapable german eye. You better run, or fight back!› Erschienen bei Hatje Cantz, CHF 69.

stellerin Malu Halasa und der Doku­ Legend› für den denkenden Mann. mentarfilmer Maziar Bahari zeigen Eröffnungsfilm des Festival de uns in ihrem Buch mittels zahlreicher Cannes 2008. Ab 23.10.2008 im Kino. Fotostrecken, Essays, Reportagen und Kurzgeschichten die Rea­ lität der jungen Iraner und Iranerin­ nen, die die Grenzen ihrer Freiheit in grossen und kleinen Kämpfen ­ausloten, und werfen einen Blick auf die vielversprechendsten Talente ­Teherans. Denn zwischen Märtyrer­ tum und sexueller Revolution, ­zwischen geistlicher Tradition und anonymer Selbstfindung scheint dort eine junge Kultur zu entstehen, welche viel mehr zu bieten hat als nur schlechte Nachrichten.

geblendet

Erschienen bei Salis, CHF 58.

Religulous

kino

lichtblick blind ohne vorwarnung Malu Halasa/Maziar Bahari (Hrsg.): Transit Teheran – ­zwischen Pop, Kunst, Politik, ­Religion. Junges Leben im Iran

Klar kennen wir Teheran: Dort tragen alle Männer einen Schnurr­ bart und auf den staubigen Strassen patrouillieren Blauhelme in Panzern. Doch wer nicht jeden Abend Arte schaut, der kriegt nur allzu selten ei­ nen Einblick ins alltägliche Leben der Bewohner von Irans Hauptstadt, und schon gar nicht in die Freuden und Sorgen eines Iranischen ­Hip-Hop-Produzenten oder eines weiblichen Fussballfans, der ­verzweifelt versucht, an Karten fürs nächste Spiel zu kommen. Gerade die Rolle der Frauen in der 14-Millionen-Metropole hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Zwar sind Frauen neuerdings in ­allen ­Bereichen des beruflichen All­ tags stark vertreten, dennoch haben sie mit kultur- und traditionsbe­ dingten Diskriminierungen durch die ­iranischen Gesetzgebungen und mit ihrem geringen sozialen Ansehen ­innerhalb der Gesellschaft zu ­k ämpfen. Die Beziehung der Iraner zur westlichen Kultur schwankt ­zwischen Amerika-Hass und Bewun­ derung des luxuriösen Lebensstils jenseits des Bosporus. Die Schrift­

Wie arg religiöser Fanatismus Ge­ mütszustände verdüstern kann, zeigt der aberwitzige Dokumentarfilm ­‹Religulous›. Der US-amerikanische Komiker, Schauspieler, Schriftsteller und Fernsehproduzent Bill Maher, bekannt für seine Show ­‹Politically Incorrect›, ist einer der wenigen Comedians, die sich durch schlaue politische Satire auszeich­ nen. Mit ‹Borat›-Regisseur Larry Charles reist er um die Welt, um sei­ ne polemische Sicht von Religion zu offenbaren. An Orten wie dem Vatikan, Jerusalem oder Salt Lake City führt er Interviews über Glaube und Gott und provoziert in seinen ­Interviews mit viel Humor und Ver­ stand. Ab 13.11.2008 im Kino.

Blindness

Es beginnt ohne Vorwarnung: Am Steuer seines Autos erblindet ein Mann. Er sieht nur noch weissen ­Nebel. Eine mysteriöse Krankheit breitet sich rasant aus und stellt alle vor ein Rätsel. Der Staat sieht sich zum Handeln genötigt und steckt die Infizierten in ein Lager, wo sie ih­ rem Schicksal überlassen werden. Schon bald herrscht dort Hunger und Chaos – der Kampf ums nackte Überleben beginnt. Mitten unter ­ihnen die Frau eines Arztes (Julianne Moore), die als einzige vom Virus verschont geblieben ist. Noch weiss niemand, dass sie die einzige ist, die ihr Augenlicht nicht verloren hat… Mit ‹Die Stadt der Blinden› schuf Nobel-Preisträger Jose Saramago eine apokalyptische Saga von solch lyrischer Schönheit, dass der Roman eigentlich als unverfilmbar galt. Der Brasilianer Fernando ­Meirelles (‹Der ewige Gärtner›) wag­ te sich mit grosser Starbesetzung an das gewagte Unterfangen, die Parabel über den Untergang der ­Zivilisation einzufangen – ein ‹I Am

dvd blind vor wut

Blutrache

Die letzten fünf Jahre kämpfte ­Richard für das Vaterland bei einer Kommandoeinheit im Orient. Jetzt kehrt er heim ins verregnete englische Kleinstädtchen, wo die örtliche Gaunerclique im obliga­ ten Vollrausch dem kleinen, geistig zurückgebliebenen Bruder übel ­mitspielte. Richard hat keine Lust, sie damit davonkommen zu lassen

und nimmt die Quälgeister seines Bruders einen nach dem ande­ ren ins Visier, um sie zu ängstigen, vor ihren Freunden zu demütigen und nacheinander ins Jenseits zu be­ fördern. Mit ‹This Is England› landete Shane Meadows einen Überra­ schungshit, dies ist der unmittelbar davor entstandene Film. Mit Paddy Considine (‹In America›, ‹24 Hour Party People›) hochkarätig besetzt, schildert der grimmig und kom­petent inszenierte Low-Budget-Thriller den kompromisslosen Rachefeldzug eines Ex-Soldaten, der sei­ nen behinderten Bruder rächt. ­Intensive Szenen und gut gespielte Typen bleiben im Gedächtnis. Damit ging Grossbritanniens bester Regisseur auf Kurs. Ab 23.10.2008 im Handel.

blind zu berg

Blindsight

Dass visuelle ‹darkness› nicht immer ein Hindernis für grosse Leistungen sein muss, beweist der Film ‹Blindsight›. Die Lehrerin einer Blin­ denschule in Tibet, Sabriye ­Tenberken, organisiert mit Profiberg­ steiger Erik Weihenmayer und ­seinem Team einen Trip mit sechs Schülern auf einen Nebengipfel des Mount Everest, einen Sieben­ tausender. Die beiden sind ebenfalls blind. Die schwierige Besteigung ist eine physische und psychische Herausforderung für alle Beteiligten. Lucy Walker zeichnet in ihrer eindringlichen Doku nicht nur das Porträt zweier ungewöhnlicher ­Persönlichkeiten und ihres waghalsi­ gen Unternehmens, sondern zeigt vor allem die Dynamik in einer Grup­ pe und die sich verändernden ­Überzeugungen der Einzelnen, der Bergführer wie der Kinder. Einge­ bettet in bedrückend schöne Bilder der Bergwelt, ein unterhaltsames und lehrreiches Erlebnis. Ab 9.10.2008 im Handel.

Buchbesprechungen: Rainer Brenner Filmbesprechungen: Valerio Bonadei

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GREGORY GILBERTLODGE: EDDING UND IKONEN Gregory war nur kurz eingenickt. Ein paar Minuten nur war er dagesessen, hatte den Kopf auf den Schreibtisch gelegt und sich zwischen seinen Bildern, B체chern und Computern ein wenig ausgeruht. Er steckt mitten in der Planung seiner n채chsten Ausstellung im Grand Palais in Bern.

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n der Wand seines Ateliers im Züricher Kreis 5 hängen Bilder in Schwarz/Weiss: Ein Stillleben, ‹noch nicht ganz fertig›, meint er, darunter eine Dame mit Kind vor ländlicher Idylle, nebenan eine Cabarettänzerin auf grauem Hintergrund und ganz oben ein dunkler Hundekopf, der uns mit röchelndem Mund und einer Selbstverständlichkeit entgegenblickt, als handle es sich dabei um das Gesicht einer berühmten Persönlichkeit.

Die Grenzen der Reduktion

Genau diese Ikonenhaftigkeit ist es, die Gregory Gilbert-Lodges Bilder ausmachen. Nicht der abgebildete Mensch – oder in diesem konkreten Falle das Tier – sind es, die zu Ikonen werden, sondern die Bilder selbst. Ähnlich wie die Vertreter der Pop-Art bedient sich auch Gilbert-Lodge scheinbar alltäglicher Sujets, die er in Zeitschriften und auf Fotos findet, allerdings ändert und vermischt er diese solange miteinander, bis sie den für ihn stärksten Ausdruckswert erlangt haben: ‹Diese Tänzerin hier besteht eigentlich aus drei verschiedenen Komponenten. Kopf, Rumpf und Beine habe ich aus verschiedenen Bildern zusammengesetzt und ergänzt›, erklärt der Zeichner die Arbeit, welche hinter dem Bild der Cabarettänzerin steht. Doch nicht nur das Zusammensetzen verschiedener Komponenten reizt den Zürcher Künstler, sondern auch die Weglassung wichtiger Attribute im Bild ist ein grosser Bestandteil seiner Arbeit und Ausgangslage der Serie ‹Blanks›: Berühmte Persönlichkeiten wie Prinzessin Diana werden beispielsweise ohne Augen gezeichnet, Personen, die uns im medialen Alltag begegnen, werden auf einige wenige Marker reduziert und bleiben dennoch scheinbar unverwechselbar. Es stellt sich hier die Frage, wieviel Information wir benötigen, um eine Person zu erkennen bzw. sie zu erkennen meinen. Ikonisch ist auch die Art, wie Gregory GilbertLodge in seiner Reihe ‹Fear› das Gefühl der Angst darstellt. Plakativ und stilisiert springt uns dieses Gefühl aus seinen Zeichnungen entgegen, sei es nun in Form eines gezeichneten Filmstills aus ­‹Shining› oder einfach nur anhand von zwei Augen, die uns ängstlich durch einen Busch über die Schulter starren, als stünde das Grauen direkt neben uns.

Negative zeichnen Geprägt haben den Künstler vor allem die Linol-

schnitte, welche er schon während seiner Kunstgewerbeschulzeit in Biel angefertigt hatte: ‹Man schnitzt ein Negativ aus etwas heraus, ritzt Schritt für Schritt eine Art Schablone›. Mit der Zeit wurde

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ihm das Verfahren der Linolschnitte jedoch zu aufwendig, aber dennoch: Die Technik ist geblieben. Meist fertigt der Künstler seine Skizzen mit schwarzem Edding an, um danach das Bild sozusagen aus der Vorlage herauszuradieren. ‹Beeinflusst hat mich vor allem meine Zeit an der Kunstgewerbeschule in Biel›, antwortet Gilbert-Lodge auf die Frage nach dem Ursprung seines einzigartigen Stils und dreht an seiner Kaffeetasse. Nach Abschluss der Schule 1993 wagte er einen kurzen Abstecher in die Werbebranche, merkte aber schon bald, dass er als freier Illustrator mehr kreative Freiheiten geniesst, ‹wenn auch zu schlechterem Lohn›, räumt Gilbert-Lodge lächelnd ein. Zehn Jahre lang war Gilbert-Lodge Teil der in Biel gegründeten Künstlergruppe Silex gewesen, bestehend aus sieben Zeichnern. Seine Brötchen verdiente er sich mit Illustrationen für Zeitschriften und Logodesigns. Aber auch im Ausland fand Gilbert-Lodge Auftraggeber und Fans, arbeitete für die namhaften britischen Szenemagazine ‹Dazed & Confused›, ‹The Face› und ‹Sleazenation›, für die ‹Süddeutsche Zeitung›, ‹Die Zeit› und viele mehr. Aber auch hierzulande dürfte wohl fast jeder schon an einer Illustration in ‹Magazin›, ‹Du› oder ‹Weltwoche› hängenggeblieben sein.

Abgespeichert? Bemerkenswert an Gilbert-Lodges Arbeiten ist

die Tatsache, dass wir uns als Betrachter in der Lage fühlen, in seiner Arbeit ziemlich schnell so etwas wie eine typische Handschrift zu erkennen. Doch was genau es ist, das seinen Bildern einen so starken Wiedererkennungseffekt verleiht, ist äusserst schwierig zu beschreiben. Es scheint, als brenne sich seine Linienführung sofort in unser Gedächtnis, als öffne sich dort ein Ordner mit der Aufschrift ‹Gilbert-Lodge›, in welchen wir seine Bilder ohne Probleme und scheinbar instinktiv einordnen. Wer diesen Ordner in seinem Gehirn noch nicht angelegt hat, der bekommt dazu auf den folgenden Seiten und an Gregory Gilbert-Lodges nächster Ausstellung vom dritten bis zum einunddreissigsten Oktober im Grand Palais in Bern Gelegenheit. Text: Rainer Brenner ‹Äbe nid!›: Weke von Gregory Gilbert-Lodge und Michael Sans. 3.10–31.10. im Grand Palais, Bern. www.grandpalais.ch Für weitere Info zu Gregory Gilbert-Lodge: www.gilbert-lodge.ch


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Non established since 1910 Fotografie: Benne Ochs www.benneochs.de Art-Direction: Anna-Clea Skoluda www.anna-clea.de Interviews: Benjamin Maack, Friederike Trudzinski

‹Ich wohne erst seit viereinhalb Jahren in Hamburg. Aber Ich wollte schon ­immer hier her. Als das dann jobmässig hingehauen hat, habe ich gesagt: Wenn ich nach Hamburg gehe, dann möchte ich aber auch Haltestelle St. Pauli und Reeperbahn auf dem Ausweis stehen haben. Das hat auch ­geklappt.› —– Franky

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‹Neulich sass ich mit drei Kumpels aus München morgens halb vier in Erikas Eck. Am Tisch waren noch ein paar Bauarbeiter – und Kalle Schwensen. Eigentlich eine richtig nette Runde. Wir haben Spässchen mit den Bau­ arbeitern gemacht, getrunken, gelacht – ausgelassene Stimmung eben. Nur Kalle Schwensen sass ganz still da, fixierte seine Mopo und hat die ganze Zeit keine Miene verzogen.› —–Thommy ‹Für mich ist die Hauptstrasse von St. Pauli die Marktstrasse. Hier leben alle meine Freunde, ich hab mein ­Geschäft hier. Das ist ein bisschen wie ein kleines Dorf. Die Reeperbahn, da geh ich nicht mehr hin, die überquere ich nur noch wenn ich zum Pudel geh.› —–Felix ‹Das Beste was mir je auf St. Pauli pas­ siert ist, war die Geburt meines ­Sohnes. Das heisst, eigentlich zählt das, glaube ich, nicht so richtig. Er ist im Elim geboren worden. Aber das ist ja fast Schanze. Ausserdem ist er sofort nach der Geburt wieder hierher gekommen.› —–Marco Von Links: Ulli, Thommy, Marco, Felix

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‹Wir haben alles mitgemacht: Abstieg, Aufstieg, erste Liga, zweite Liga, ­Re­gionalliga, die ganze Abteilung durch. Aber jedes Mal stiefelst du wieder hin. Das ist Kult hoch drei. Da gibt’s nichts anderes. St. Pauli-Fans brauchen sich gar nicht kennen. Man muss nur irgendwas anhaben ein T-Shirt oder ein Emblem und es wird gequatscht, als würde man sich 50 Jahre kennen. Selbst Leute, die nicht einmal wissen was ein Elfmeter ist, die Null Fussball-Verstand haben, die stehen dann da und jubeln.› —– Bodo (rechts)

‹Die Holstenschwemme ist die Zen­ trale. Wenn ein Pauli-Spiel ist, treffen wir uns dort. Die Gaststätte müsste auch mal erwähnt werden, weil die Wirtin, die Rosie, eine ganz liebe ist. Bei Spielen sitzen da zehn, 15 Mann und dann heisst es «Musik aus» während des Spiels. Die Musikbox ist zwar gut bestückt, aber das ist Gesetz der Wirtin. Anschliessend gibt es noch ein paar Bier. Dann geht es wieder zur Normalität.› —– Franky (links)

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‹Hier auf St. Pauli hast du totale ­Narrenfreiheit. Hier kannst mit Wikingerhelm und Kutte durch die Gegend ziehen, deine BMX-Gang pflegen ... das passt halt viel besser, als durch Eppendorf zu radeln und da auf dicke Welle zu machen. Ich habe hier neulich einen Typen gesehen, der ist mit einem Papagei auf der Schulter rumgelaufen. Okay dachte ich nur, der führt seinen Papagei Gassi wie andere ihren Hund. Und jetzt kommt’s: Ein Krokodil an der Leine habe ich auch schonmal gesehen. Hier, um die Ecke am Pferdemarkt. Da lief halt ­einfach mal einer mit seinem Krokodil Gassi. Der Typ sah nicht mal freakig aus. Ganz harmlos. Ich dachte zuerst, das wäre ferngesteuert. Aber nee, das war schon echt.› —– Cäptäin Clepto

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‹Meine Mama wohnt auf dem Land. Neulich kam ihre Nachbarin an und meinte: «Meine Tochter ist ja auch nach Hamburg gezogen. Die wohnt jetzt an der Aussenalster. Aber die muss da wieder wegziehen. Das ist zu laut dort wegen dem ganzen Verkehr.» Und meine Mutter meinte nur so: «Meine Tochter wohnt überm Puff. Da is’ ganz ruhig.»› —– Janni

‹Ich habe Spike geschenkt bekommen, da war er noch ein Baby. Ich wusste gar nicht, dass der so gross wird. Die Leute sind zwar netter, wenn man so einen grossen Hund dabei hat, aber ich habe ihn nicht als Waffe. Der tut auch nichts. Hier auf der Ecke ­kennen und mögen ihn alle – Omas, Opas und Kleinkinder.› —– Steve über seinen Hund Spike 100 kinki


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‹Strongest of the Strange›, der Name sagt eigentlich schon alles. Pontus Alv verwischt mit seinem ersten Film die Grenzen zwischen Kunst und Skateboarding. Seit mehreren Jahren macht der wilde Skandinavier nicht nur durch sein kreatives Skaten und seine ausgefallenen Skatepark-Projekte (‹Steppe Side›) auf sich aufmerksam, sondern auch durch Fotos und Kurzfilme.

Step aside for Pontus Alv!

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it ‹Strongest of the Strange› hat Pontus nun seine erste DVD veröffentlicht und damit einen Spagat zwischen knallhartem Skateboarding und fast schon performancehafter Videokunst gewagt. Mit Erfolg, wie es scheint, denn der Film geniesst in der Fachpresse hervorragende Kritiken, sowohl in Europa als auch in den Staaten. Inspiriert wurde das eher düstere Werk von einem Charles-Bukowsky-Gedicht und schon der Vorspann des Films lässt erahnen, dass diese DVD weit über das übliche ‹Jeder zeigt sein Trickrepertoire› hinausgeht: in langen Unterhosen und mit Gasmaske im Gesicht stolpert Pontus um einen Picknicktisch, untermalt wird das Ganze von einem jiddischen Volkslied. Wenn der Regisseur dann auch noch sein bestes Stück in die Kamera hält, ist die Verwirrung komplett. Um zu verstehen warum Pontus tut, was er tut, sollte man wissen, dass der eigenwillige Schwede nur das tut, was er will.

Back to Malmö Pontus wuchs in Malmö auf, entdeckte früh seine

Leidenschaft fürs Skateboarding und träumte natürlich wie jeder junge Skater von einer Karriere als Profi im sonnigen Kalifornien. Allerdings war 102 kinki

Pontus’ Kindheit geprägt von einem schweren Schicksalsschlag, denn im Alter von zehn Jahren verlor er seinen Vater Torsten, bei welchem er seit der Scheidung seiner Eltern gelebt hatte. ‹Mein Vater beeinflusste meine ganze Persönlichkeit, im Guten sowie auch im Schlechten. Er war ein sehr spezieller Mensch und prägte mich als Person und meine Art zu handeln›, meint Pontus nachdenklich. Torsten litt an einer seltenen Muskelkrankheit, die ihn innerhalb weniger Monate vor den Augen seines Sohnes dahinraffte. Mit neunzehn Jahren zog es Pontus dann wirklich nach Kalifornien, wo er als Skate-Pro für Mad Circle das erreichte, was er sich seit Jahren gewünscht hatte: Pontus konnte endlich vom Skaten leben. Allerdings merkte er ziemlich bald, dass der Traum sich in Wirklichkeit etwas anders anfühlte, als er gehofft hatte. In Kalifornien warteten nicht nur unendlich viele Spots und ewig gutes Wetter auf ihn, sondern auch Verpflichtungen wie Video-Deadlines, Contests und haufenweise Papierkram. Nun habe ich ja bereits erwähnt, dass Pontus nicht unbedingt der Mensch ist, der sich mit seiner Lage zufrieden gibt, wenn er damit nicht wirklich zufrieden ist. So flog er also zurück nach Europa, wo er – nachdem er auch seinen

Galerie oder Blackcross-Bowl? Scheinbar mühelos gelingt Pontus Alv den Spagat zwischen Kunst und Skateboarding.


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letzten Boardsponsor Cliché-Skateboards aufgegeben hat – nun Skateparks plant und baut, Filme macht und natürlich weiterhin so viel skatet, wie er eben kann. ‹Ich habe einen ziemlich starken Willen. Wenn ich nicht zufrieden bin mit etwas, versuche ich, das zu erreichen, was ich wirklich möchte›, antwortet er auf die Frage, ob er ein Mann der Prinzipien sei. ‹Früher war das zwar noch viel schlimmer, ich machte nur das, was ich wirklich wollte. Natürlich ist das nicht immer der beste Weg, aber diese Art führte mich dorthin, wo ich heute stehe. Es hat sich also bewährt für meine Ziele zu kämpfen. Heute gehe ich die Dinge ein bisschen relaxter an.›

Uncorporated for life

Ob Pontus einen neuen Boardsponsor finden wird, hängt höchstwahrscheinlich davon ab, ob er selbst eine Firma auf die Beine stellt oder nicht: ‹Natürlich habe ich schon daran gedacht, meine eigene Company zu starten, das wäre ein logischer nächster Schritt in meinem Leben. Allerdings müsste ich dann jemanden finden, der sich um die finanzielle Seite kümmert. Eine Firma aufzubauen ist extrem aufwendig, ausserdem weiss ich ja auch nicht, ob die Leute meine Bretter kaufen würden.› Noch wahrscheinlicher ist aber, dass Pontus der Arbeit hinter der Kameralinse treu bleiben wird. Allerdings sieht er sich selbst nicht als Künstler oder Teil einer Kunstszene, auch wenn seine Fotos und Filme weit über die reine Dokumentationsebene hinausreichen. ‹In meinem Herzen bin ich einfach ein Skateboarder! Aber ich suche ständig nach neuen Wegen um mich auszudrücken. Sei dies nun auf dem Skateboard, durch Fotos oder hinter der Videokamera. Es gibt so viele Dinge, die mich interessieren: Architektur im Allgemeinen, neuartige Skateparks zu planen und zu bauen macht mir zum Beispiel sehr viel Spass. Ich würde auch gerne mal Skulpturen oder so was in der Art anfertigen. Ich habe also keine Ahnung, was genau ich als nächstes tun werde, aber im Moment konzentriere ich mich sicherlich auf meinen nächsten Film.› 104 kinki

Nach seinem Trip nach Stockholm, wo er für sein aktuelles Projekt filmt, wird er sich als erstes im von ihm entworfenen und soeben fertiggestellten Skatepark am Strand von Malmö austoben. Wohin auch immer es den eigenwilligen Schweden danach verschlägt, ob in eine Dunkelkammer, eine Bar, eine Galerie, oder vielleicht sogar noch mal in ein Paar lange Unterhosen... sicher ist, dass er auch weiterhin genau das tun wird, was er will. Und das ist gut so! Text & Interview: Rainer Brenner Fotos: Alexis Zavialoff www.alexiszavialoff.wordpress.com

‹In meinem Herzen bin ich einfach ein Skateboarder. Aber ich suche ständig nach neuen Wegen, mich auszudrücken.›


Sneak Preview

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BABE IN THE WOODS Fotografie ALBERTO VENZAGO Styling DANAE LOUCATOS Hair & Make-up VIKON BASSIL Model ELENA BERNASCONI

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Im Wald T端llkleid von Bernies Im Pool Gummislip privat Am Baum, schwarzes Kleid mit Tigerprint Dolce&Gabbana von Luxury

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vive la fragrance

der zauber von jasmin

Nächtliche Spaziergänge haben es in sich. Ob man durch die Strassen Roms oder an einem Strand entlang wackelt, neue Impressionen harren darauf enthüllt zu werden. So auch die Schlingpflanze Jasmin, welche bei näherer Betrachtung ein durchaus reizvolles Kraut ist, wie die folgenden Duft­ wässerchen aufzeigen. Schon als kleines Kind bewies Irène Schäppi, unsere Kolumnistin und Duft-Fetschistin, einen guten Riecher. So zum Beispiel, als sie mit vier Jahren den elterlichen Schlafzimmerteppich mit dem damals angesagten Eau de Parfum (!) von Valentino tränkte. Mitt­ lerweile weiss Irène zivilisierter mit den exklusiven Wässerchen umzugehen und benetzt ihre Haut nur noch mit aus­ erlesenen Düften, wobei sie sich lei­ denschaftlich durch die olfaktorische Welt der Parfums schnuppert.

Letztes Jahr war ich Anfang Sommer in Rom und schlenderte Hand in Hand mit meinem damaligen FNF, was soviel wie ‹Freund-NichtFreund› heisst, durch die nächtlichen Strassen des Aventin-Quartiers. In jener lauen Juni-Nacht war es denn auch, als ich erstmals bewusst den natürlichen Geruch von Jasmin wahrnahm, einer süss, intensiv duften­ den Schlingpflanze, die seit jeher eine wichtige Rolle in der Parfumher­ stellung spielt. So zum Beispiel in der Antike wo der ‹ › (persisch für Jasmin) als wohlriechendes Öl aus Persien einen absoluten Bestseller darstellte. Aber nicht nur die alten Rö­ mer waren von dieser zierlichen Blume überaus begeistert, sondern auch meiner Begleitung stieg Jasmin derart in den Kopf, so dass unsere Liebelei kurz darauf ein jähes Ende fand. Dies ist nun aber nicht weiter verwunderlich, wenn man jetzt nicht nur die olfaktorischen Eigenschaften von Jasmin beachtet, sondern auch die heilende, um nicht zu sagen therapeutische Wirkung der so genannt immergrünen Pflanze. Denn Jasmin soll nämlich bei Beschwerden wie sexueller Unlust oder Verlust der Libido eine äussert einschlägige Wirkung zeigen, was durchaus etwas für sich zu haben scheint. Leider kam dieser aphrodisierende Reiz nicht meiner Person zu Gute, weshalb ich mich nach meinem Besuch der ewigen Stadt gezwungen sah, Jasmin sowie genannten FNF aus meiner Nase und meinem Bewusstsein zu verbannen. Denn der un­ freiwillige Verzicht auf das palin­ drom'sche Erlebnis ‹Roma-Amor› und sogar noch auf Römische Elegien war gar nicht lustig. Darum gehört der besagte Herr heute zu meiner gros114 kinki

sen Freude der Vergangenheit an, während ich der Jasminblüte nicht entkommen konnte, und – der Nase sei Dank! – auch nicht mehr will. Verantwortlich für diesen aromatischen Gemütswandel sind hierbei Düfte, welche direkt aus der sagenumwobe­ nen Welt von 1001 entsprungen sein könnten, wie das 2006 lancierte Parfum ‹Songes› (Eau de Toilette 100 ml um CHF 146.00) von Annick Goutal. Anlass für diese gross­artige Duftkreation war nun ebenfalls ein nächtlicher Spaziergang, der anstelle von Herzschmerz Träume von sinnlicher Zuneigung beschert. Die Mischung aus Frangipani, BourbonVanille, Vetiver und insbesondere indischem Jasmin macht's jedenfalls möglich. Weiterhin die Fantasie beflügeln, soll zudem die neuste Kom­ position des italienischen Juwelierhauses Bulgari, welches mit ‹Jasmin Noir› (Eau de Toilette 100 ml um CHF 172.00 CHF) das Wechselspiel von Licht und Schatten à la per­ fection interpretiert hat. So wirkt der blumig-holzige Duft mittels Garde­ nienblüten, Sambac-Jasmin und Mandelakkorden äusserst verführerisch, weshalb das Parfum sogar von Frauen Mitte Zwanzig getragen werden kann, die zwar altersmässig noch der vollendet weiblichen Raffinesse entbehren, sich aber schon mal in

interessantere Gefilde begeben wollen. Denn gemäss einer Umfrage des Britischen TV-Senders BBC gilt: junge Frauen sind eine Therapie, reifere hingegen ein Genuss. Ein absolutes Vergnügen ist übrigens auch das Parfum ‹Jasmin de Nuit› (Eau de Toilette 90 ml um CHF 196.00), das von Celine Ellena, der Tochter des französischen Meisterparfumeurs Jean-Claude Ellena, kreiert wurde. Dabei kommt ägyptischer Jasmin in Verbindung mit Gewürzen, Kardamom sowie Zimt zum Tragen und mutet wie eine heisse Sommernacht an, in der alles möglich ist. Oder wie Goethe es dereinst so schön for­ muliert hat: ‹…dann wird ein einziger Tempel Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfängt. Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom›. Und dazu sage ich nur: Arrivederci ad Roma! Text: Irène Schäppi Illustration: Raffinerie


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au bord dU dEsespoiR FOTOGRAFIE Tom Mennemann STYLING Natascha Eichler @ bigoudi.de MAKE UP Rebecca J. Zorn @ liganord.de MODELS Jeanna Krichel @ anc-mm.de Lance Rachuba @ kultmodels.de ASSISTENT Ivo Boderke

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Seite 116 Hose Presque Fini Bluse Kavier Gauche Schuhe Gucci Vintage Ohrringe Balenciaga Vintage

SEITE 118 T-Shirt und Cardigan ADD

Seite 120 Kleid Silber von Wedel & Tiedeken

SEITE 122 Kleid Silber von Wedel & Tiedeken HEMD Herr von Eden Hose Kostas Murkudis

SEITE 124 Kleid Diana Brinks Stiefel Stylists Own Kette Balanciaga Vintage Diese Fotostrecke wurde mit der freundlichen Unterst端tzung von Mini Cooper, Schweiz realisiert.

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Denim and drawings

Levi’s eröffnet einen neuen Flag­shipStore am Kurfürstendamm und stopft den Laden gleich mal mit einer Horde angesagter junger Künstler. Und die ­ kommen gerne, so lange es gratis Champagner zu trinken gibt…

Wer in Berlin cool ist, braucht nur einen grossen Pinsel zum Überleben.

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unst und Mode sind ein merk­ würdig verstri­ ck­tes Pärchen. Beide gerngesehene Per­ sönlichkeiten in der Schein­ werferarena, glamourös, manch­mal tragisch, konkur­ rieren und buhlen sie stän­ dig um wechselseitige und öffentliche ­Aufmerksamkeit. Lange spielte die Kunst da­ bei die Rolle der Diva, die sich ziert, mit Tiefgrün­ digkeit kokettiert, begehrt wird. Heute boomt der Kunstmarkt, und Künstler wie Kunstsammler in­ szenieren sich zu Superstars. Kunst ist Lifestyle. Darum gehören zu den richtigen Klamotten der richtigen Labels auch die richtigen Partys mit den richtigen Künstlern. Umgekehrt bieten Designerla­ bels und grosse Modehäuser der Kunst etablierte Plattformen für mehr Aufmerksamkeit. Hedi Slimane, früher Chef-Designer von Dior, kuratiert neben seiner eigenen Modelinie inzwi­ schen Galerie-Ausstellungen. Raf Simons, Krea­ tivdirektor von Jil Sander, berät Kunstsammler. Gucci-Chef François Pinault ist heute selbst einer der einflussreichsten Sammler der Welt, dessen Einkaufspolitik Kunstpreise entscheidend be­ stimmt. Das gleiche gilt für seinen Konkurrenten Bernard Arnault vom Luxusmarkenkonzern Moët Hennessy Louis Vuitton. 126 kinki

Weil Modehäuser bei Kooperationen mit namhaf­ ten Künstlern auch von deren Integrität profitieren, lassen Kreativabteilungen von Modekonzernen ganze Linien von Künstlern designen. Ob Damien Hirst eine mit Farbexplosionen und Strasstoten­ köpfen verzierte Levi’s-Kollektion in einem New Yorker Museum präsentiert oder für Manolo Blah­ nik Stiefel bemalt, ob Jean-Charles de Castelba­ jac eine Prêt-à-porter Pop-Art-meets-Rock’n’RollLinie für Lee Cooper designt und mit seiner Person bewirbt, Aya Takano für Wrangler, Takashi Mura­ kami und Richard Prince für Louis Vuitton, die Bei­ spiele sind zahlreich und machen mehr als deut­ lich, wie Modehäuser in solchen Konstellationen von der Reputation der Künstler profitieren. In Kunst- und Szenekreisen wird die Integrität solcher Werke angezweifelt und die berüchtigte Frage nach der ‹Freiheit› von Auftragskunst und dem Spannungsfeld zwischen Kunst und Kom­ merz bzw. Indie und Mainstream gestellt. Denn auch wenn viele der Kunst- und Mode-Kooperatio­ nen nur in laschen Designs auf überteuerten ­T-Shirts enden, kauft sich die Industrie über sol­ che Kooperationen doch die Glaubwürdigkeit und Seele der Strasse. Dem normalverdienenden, kunst- und popversessenem Konsumenten bieten solche Linien jedoch oft die einzige Möglichkeit, Werke seiner Stars als tragbare Editionen zu ­besitzen. Die neuste Kooperation wurde Anfang Sep­ tember beim Re-Opening des Levi’s Flagship­

stores am Berliner Ku’Damm zelebriert, den der Pop- und Street-Art-Künstler Danny Sangra mit­ gestaltet hat. ‹Wenn Levi’s den roten Teppich aus­ rollt und Peaches an die Turntables stellt, heisst das Champagner à gogo und viel Currywurstpro­ mis›, dachte ich mir und stand schon wenige Tage später mit Viva- und MTV-Moderatoren, Schau­ spielern und der Party-Karohemden-Fraktion vor den Toren des Shops. Drei Etagen und 500 Quadrat­ meter Sektgläsergeklimper, Luft-Küsschen, PartyFotografen, Mädels mit leidigen Pete-DohertyDeckeln und Jungs in zeltähnlichen New-RaveShirts. Prenzlberg Understatement-Chic meets Mitte-Fashion im Denim-und-Kunst-Universum der ältesten Jeansmarke der Welt. Ein erster Rund­ gang hinterliess einen vielversprechenden Ein­ druck. Sehenswert, die Jeans-Bibliothek und die Kunst von Danny Sangra, der im Erdgeschoss gleich persönlich an der Leinwand steht und sorg­ fältig schwarze Linien über drei riesige Panels mit grafischen Motiven zieht. ‹Findest du das gut, dass dich ein Fashion-Label dafür bezahlt, Kunst zu machen?› Sangra wie selbstverständlich: ‹Ja schon.› Sangra malt drei weitere Linien, legt Farb­ topf und Pinsel beiseite und holt uns was zu trin­ ken. ‹Ich verdiene meinen Lebensunterhalt damit, dass ich Bilder male. Das finde ich toll. Keiner schreibt mir vor, was ich malen muss, ich muss nur hier stehen und den Pinsel schwingen. Und wenn die Bilder fertig sind, schenke ich sie meinen Freunden. Die stehen übrigens da hinten, komm wir gehen zu denen rüber. Der Kunst- und Kom­ merz-Talk ist doch so abgedroschen, nicht. Magst du auch ein Glas Sekt? Ist alles umsonst hier…› Text: Vania Kukleta Fotos: Levi’s Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/Mode;art772,2456895


belgrad by dejan stojanovic ‹Was Belgrad so speziell macht, ist diese Mischung zwischen orientalischer Passion und europäischer Kultur. Doch gerade diese Mischung ist leider auch das Problem, das in der Vergangenheit zu vielen Konflikten führte, in denen Belgrad etliche Male zerstört wurde. Fast schon symbolisch für die verschiedenen Einflüsse, die auf die serbische Hauptstadt einwirken, ist auch die Lage der Stadt: Belgrad liegt zwischen zwei Flüssen, der Sava und der Danube, auf welchen Boot-Restaurants und -Cafés zu romantischen Dates und interessanten Gesprächen mit den Einheimischen einladen. Belgrad verfügt über eine einzigartige Energie, die man erlebt haben muss, und die Einheimischen sind bekannt für ihre Gastfreundschaft, Lebensfreude, Neugier und ihren ausgeprägten Sinn für Humor! Ausserdem verfügt Belgrad über ein reiches Kultur-, Sport- und Unterhaltungsangebot – langweilig wird’s euch hier also bestimmt nicht!›

Dejan Stojanovic arbeitet als freier Fotograf und lebt in Herceg-Novi, Montenegro. Obwohl er erst mit fünfunddreissig Jahren anfing, professionell als Fotograf zu arbeiten, gehört er in seiner Heimat mittlerweile zu den gefragtesten Kunstfotografen und erhielt etliche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen. www.delta-photos.com Du hast die Chance, einen Flug mit JAT Airlines und STA Travel nach Belgrad zu gewinnen. Einfach eine Mail mit dem Betreff ‹Belgrad› und deiner Adresse an info@kinkimag.ch schicken. kinki magazine verlost 2 × 2 Tickets, Einsendeschluss ist der 23.11.

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von zimtstern*

Fotografie: Giuliano Di Marco, Tom Mennemann, Benne Ochs, Julien Palmilha, Alexandre Kurek, Sem Rubio, Dejan Stojanovic, Daniel Tischler, Alberto Venzago, Alexis Zavialoff, Marvin Zilm, photocase.de Illustration: Raffinerie AG für Gestaltung | Gregory Gilbert-Lodge Bildbearbeitung und Grafische Gestaltung: Cyrill Frick | cyrill.frick@kinkimag.ch Cover: Gregory Gilbert-Lodge Lektorat: Peter Rösch | peter.roesch@kinkimag.ch Events: Hanna Lauer | hanna.lauer@kinkimag.ch Promotion: Franziska Bischof | franziska.bischof@kinkimag.ch

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Freie Mitarbeit: Mathias Bartsch, Valerio Bonadei, Marjan Kappeln, Suzana Kovacevic, Vania Kukleta, Benjamin Maack, Irène Schäppi, Friederike Trudzinski, Jürg Tschirren Das Gedicht ‹Synthese› von Gottfried Benn wurde mit Genehmigung des Klett-Cotta Verlages zitiert.

für Boys oder Girls (Wert: CHF 70.–)

Werbung: Aurum Communication AG | werbung@kinkimag.ch

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für Girls oder Boys (Wert CHF 80.–)*

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Die nächste Ausgabe des kinki magazine liegt ab 20. November am K ­ iosk!

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versammelt Name, Vorname

Weissen, Marc Wohnort

Zürich Beginn der Sammel­tätigkeit

Als ich als 5-Jähriger beim Spielen einen spannenden Fund unter einem Lorbeerbusch gemacht habe. Da war die Sammelleidenschaft entfacht. Erste Beute

Der spannende Fund unterm Busch. Ein Schädel einer Wühlmaus. Letzte Beute

Bei einem Besuch im Brockenhaus bin ich letztens auf einen imposanten Pferdeschädel gestossen. Nettes Stück. Wertvollstes Stück

Ein antiker Elefantenschädel, der aus einem Nachlass stammt und mit dem ein Kindertraum für mich in Erfüllung ging...sozusagen mein Mercedes. Beste Fundorte

Wird nicht verraten. Da könnte ja jeder ;) Gesamtzahl

um die 300 Schädel und weitere knochige Objekte. Andere Sammelgewohnheiten

Die Schädel sind schon zahlenmässig gut vertreten, da hat nicht mehr viel anderes Platz. Bist du auch Sammler? Oder kennst du jemanden, der Kakteen, Autorückspiegel oder mundgeblasene Glasfiguren aus der vorderen Mongolei sammelt? Dann schick uns eine Mail an: info@kinkimag.com, Stichwort ‹versammelt›. Wir schicken dir einen Fotografen und schon im nächsten Heft wird dein Sammeltrieb verewigt. Foto: Marvin Zilm

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©2008 Samsung Electronics Co. Ltd. Displaybilder sind simuliert.

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MINI clubman. The other mini. MINI.ch

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